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11 B R.AR.Y
OF THE
UN IVLRSITY
OF ILLINOIS
550
C86e
1872
GEOLOGY
OCT lb 1249
KLEMENTE
DER
G E O L O G I E.
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VON
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• -. IP>:K rsuniMiAi i>.n/ii. IMP IPIIII ' r»i; I>KK '. K>PI •".!-• 111 N i
KclMl.KKlP I'
MJT 380 FIGUREN IN HOLZSCHNITT.
/WHITE TTNVERANDERTE ATIFLAGE
LEIPZIG,
Vr.Hl.AO Vi)\ \VII MK I \l I \(,H M.\\\
1872.
Das Recht der li-hri-selzinm in fremde Sprachcn" isl
VOKWOKT.
Deim Entwerfen der Kleniente d e r < J eo I o^i e«. \\elelie ieli hiermit
ilrin natlinvissenseliat'tlielien I'uMieuni iil>eri;el)e. lialie icli es als cine meiner
Haii|»taut'i;-ahen hetraelitef . den Hnll)all ini Lichte eines voin /eitpimkte
seiner [ndividaalisirung an in lebendii;er t'ortselirittlielier Entwickeluog !>«•-
jrritVenen knsinisclicii I'jii/.ehvcsens c-rscliciiu'ii /Ji lassni. ini (Jc^nisat/c /u
der rein l» »-s •• li IT i l» e n d r n Darstellun^sNveise. welche nur ^u lci«-|if den
Kindruek liintcrliisst . als <»l» miser Planet ehvas Todtes, Starres uiul in
>eiiien uln-rHiirhliclicn Cnntiiren rnl»e\ve:;-lielies und fcrti^ (ie-ehenes sei.
Ks konnte dies naiiientlicli in den Capiteln iiher dynainiselie. |iein»p-netiselie
und liisturi^die (leolo^ie ^esehclKMi, wahrcnd dcr |)('tr<i^ra|iliiselie Ahselinilt
sicli ant' die naekte. systeinatiselie Alll/iillluil^ Illld Bosclirciluili^ d('S Ge-
s|ein>iiiateriales und die arcliitektonisehe (ieulo-ie a ill' die kalde l)esehreil)lliif;-
d« > llaiies der Krdkrnste hescliriinken musste. lU'i BehandlUDg dcr pli\>iu
irrapliiselien ( u-tilogie habc icli die (MterHiielienheseliatlenlieit unseres IManeteii
nur in ski///.enhat'ten I'nirissen ent\vert'en kiinncn. inn niieli nielit all /u \veit
in ein benachbaites <Jcl>iet. das der pliysikaliselien (Jco^rapliie, /u verlieren.
In der Darstellnn^ der Knh\ iekelunji's^esehielite des Enlballes und seiner
H»'\volnnT also in der hist(.riselien (leologie) winl der Leser die jialarontn-
In-isehen liesehreilnin^en vennissen. \velelie sieli in ahnliclicn Lelirhiieliei n
ein-cllocliteii finden. Idi lialu- der^leielien. uhnchin nicht ersclni|dende und
lietViedi-enile /(M)|<i^iscli hdanisclie ( 'liarakterisiruiiii'i'ii der >'Leittossilien»
\erineiden und deren Keiintniss vnraiisset/,en /u iniissen -ir^laiilit. eliensn \\ie
dies hei pef n»i;ra|diisclieii und inineral<^iselieii Studien einerseits init Ke/ui;
aut die gegteinsbildenden .Mineralien. aiiderei^eils aiil' die iiiiiieralliildendeii
Die Krnpt i v -e > t e i ne . deren Kmporlnvelien einen so wielitip-n Ein-
llu-> au!' die alliniihliclie rnii-cstaltinii;' und die je\veili-e Krselieiniini:-s\\i'ise
VI Vnrwort.
(ler EnlolicrHiichc p-iinssort hat und nodi iiusscrf. natiirucniass /uischcii dio
tibrigen, wesentlich (lurch die Thitti^kcit des \\'a».-r> vermittolten Gesteins-
produoto einzureilicn. 1st stofs als cine Sclnvierigkeit • hetont wordm. Ich
Italic \ci-Micht. Icf/.terer dadurch zu begegnen und cine nafiirlichc Verkniipfung
zwischen den vulkanischen nnd sedimentaren Producten des Entwickelnngfl
processes dadnrch herzustellen, dass ich naoh Schilderung dor Mecrcsnieder-
sclilage jeder einzelnen Periode einen Paragraphen einsehaltete. in welclicni
ich die » vulkanischen Erscheinungen«, also Eruptionen, Niveauver-
anderungen, Schichtenstorungen, Spaltenbildungen und Verwerfungen. die in
jenes Zeit alter fielen, kurz besprach und darauf eine Aufzahlung allcr
analogen, ihrer Ursprungszeit nach unbestimmten. /.urn Theil jedoch viol jiinge-
ren Reactionen des Erdinnern auf das Gebiet der betreffenden Sediment-
formation folgen Hess. Dadurch wurde zugleich thunlich. ankniipfend an die
Schilderung der Spaltenbildungen, die Mineralgange zu envahnen i\nd
dieselben, statt, wie sonst wohl gebrauchlich, in einem besondern Anhange,
bei den einzelnen Sedimentformationen als diesen angehorige und von i linen
untrennbare Vorkommen zu besprechen.
Unsere Literatur besitzt eine Anzahl trefflicher Lehrbiicher sowohl iiber
einzelne Zweige, wie liber einen grossen Theil des Gesammtgebietos der
Geologic. In ihnen stand mir ein ausserordentlich reichhaltiges Material zu
Gebote, bei dessen Benutzung mein Hauptaugenmerk auf die Beschrankung
des in Fiille Gegebenen auf das Wesentlichste gerichtet sein musste. wie
solches in einem auf die »Elemente der Geologie« beschrankten Leitfaden
enthalten sein darf. Vorzugsweise konnte ich mich auf die bekannten Lehr-
bticher von Naumann, Bischof, Lyell, Dana, Vogt, Zirkel, Quenstedt. v»»n
Cotta, Frd. Rb'mer und Bronn sttitzen. ohne jedoch die Monographien und
Arbeiten anderer Geologen unbeachtet zu lassen.
Somit empfehle ich die vorliegenden Elemente der Geologic der wobl-
wollenden Beurtheilung und nachsichtigen Aufnahme der Fachgenossen.
Leipzig, im Juli 1872.
HERMANN CREDNER.
VORWORT
zur zweiteri Auflage.
W,
enige Wochen nach dem Erscheinen meiner »Elemente der Geologie«
stellte sich die Nothwendigkeit eiiier neuen Auflage derselben heraus.
MciiMMii \\ Yrkr aucli nur eincn annahernd iilinliohen Erfolg zu wttnschen,
danmls. als ich es vor fttnf Monaten der wohlwollenden Aufnahme von Seiten
meincr Facligenossen empfahl, hiitte rair zu unbeseheiden geschienen, uud
auch heute gestehe ich es mit Vergnligen zu, dass man den Hauptfaktor
dieser raschen Consumirung einer starken Auflage in dem drlickend fiihl-
l):iri'ii Mangel eines kurzgefassten Gnmdrisses der Geologic zu erblicken hat.
DicscM Hrt'olg liefert jedoch zugleich den Beweis, dass die Beliandlung,
\vclche der Gesammtstoff der Geologic in meinen »Elcmentem« erfahren liat,
jciifin BedUrfhisse im Allgemeinen entspreche.
Ant' der anderen Scite alter treten mir, jetzt, wo das Buch fertig vor
mir licji't und als Leitfaden ftir meine Vorlesungen benutzt wird, jetzt, wo
sicli die Urtheile bowalirtcr F;ir]igenossen meliren , auoh seine Feliler in
bestimmterer Gestalt entgegen.
Kiir einen der wesentlichstcn derselben lialte ich den Mangel specicllercr
Literaturaiigabcn. d. h. also den Mangel kurzer Aufzahlungen der wesent-
lichstcn und ncucsten Litcratur des Inhaltcs jedes einzelnen Abschnittcs
zuin Xwecke der Belehrung der speciellere Auskunft Suchenden.
Die neue Auflage meiner »Elcmente«, wie ich sie heute durch einige
Worte einleite, folgt jedoch der ersten so rasch, dass es unthunlich war,
jt't/t sclidii dem von mir erwahnten Mangrl ab/uhelfen und mir nichts Ubrig
blcibt. als dies auf sj)Utere Zeit zu verschieben. Sollte meinen »Elemcnten«
VI Vonvort.
das Glttck einer dritten Auflage wiik-rialireu . so wird der Leser, abgesehen
von alli-n anderen Umanderungen, an der Spit/.e jedes Kapitels die Auf-
/a'hluuj;1 der wichtigsten auf dessen Inhalt bezUglichen Literatur finden.
Bis dahin empfehle ich das Werk in v o 1 1 s t a n d i g un v e r :i n d e r t e r
Gestalt dem gleichen Wohlwollen, mit dem seine erste Auflage aufgenominen
worden ist.
Leipzig, im November 1872.
HERMANN CREDNER.
EiiileituiiK.
i) 1. AlifLiidii' dor lionlogie 1
(j 2. EintlioiluiiL: dor Geologic 1
§ 3. HiHs\\issoii-rh;iflon dor Geologic ? . . . . 2
§ 4. Geologische I.iteratnr 3
Erster Abschnitt.
Physiographische Oeologie.
§ 1 Ge.-tall nnd dn»so dor Krde 5
§ 2. Spooilivlios Gevsicht der Erdo 6
§ 3. Temporatur des Erdinnern. Gluthllussigor Krdkorn .• 7
§ 4. Vertheilung von Land nnd Meer auf dor Erdoberflacho '.»
(6 5. Allgeinoino Gnippirung dor Conlinente nnd Oceane !»
§ fi. Gliedcrnng dor r.ontincnlalmasson 10
0 7 Inseln 10
\6__8_. Anscheinende Geselzmassigkeit in don limrissen der Continento 11
j| 9! Reliefformen des Landes 12
§10. GO\MSSC liosotzniassigkeiloii in den Reliefformen des Landej. 14
§11. Dor Meerosgrnnd la
Zweiter Abschnitt.
Petrographische Oeologie (Petrographie).
a) Allgemoinos.
§ 1. Aufgabe der Pelrographie 17
§ 3. Wesentliche Bestandtheile der Gesteine .• • '7
§ 3. /nfalli^f Bosl;iinlllioile der Gesloino 18
§ 4. Accesv>risohr HosUuulmasson 1(*
^trnctur der Gesteine " 20
§ 6. (Jehergango dor licsh'ino 22
§ 7. Bostiininnng dor Gonion^llicilo dor dotoine 23
Anvsondung des Mikroskopes in der Geologio ...» 23
§ 8. Classification der Gesteine 30
b) Uebersicht dor Gesteinsarlen.
<
1. Classe. Krystallinische Gesteine.
1. Ordnung. Einfache Gesteine.
1. Familie. Eisgesteine.
1. Eis 31
2. Familie. Haloidgesteine.
2. Steinsalz 32
3. Gyps 33
4. Anhydrit 34
5. Kalkstoin 34
6. Dolomit .
VIII
3. Fa mi I ic. K if -d !;<••»( c in r.
Heite
B 'JuaiYit 38
«J. KrystallmiM-hfr nu.iiY-.iiulMriii 38
10. Kirsclx'hirfer ;js
11. FfUfrslrin ;l'j
Hornstfin, -l.i-.pis, >u.»\\,i — rn|u.n /.. Kir-Hsmlfi , roliiM'Im-fcr, Kicselguhi I'.i
4. Familie. Silicatgcstei nr.
!•_' lluinlilmdcfds 40
«3. ChloriLschiefor 40
14. Talkscliiffer 40
i '. NTpfiitin 41
5. Familif. E rz grstoi in-
16. SpatliriMMistcin * 41
17 Spliaro^idi-rit \->
18. BrauneiMMisloin 42
19. Rotheisenstein 42
it) Mat;fioteisenstein 43
6. Familie. Kohlengesteinr.
21. Torf '. .t
2i Braunkohle 44
23. Sleinkohle 44
24. Anthracit 45
25. Grapbit . . . . , 45
26. Petroleum 46
27 Asphalt 46
Guano 46
2. Ordnung. Gemengte krystallinische Qesteine.
1. Abtheilung. Massige Oesteine 47
Classification der massigen Feldpatbgesteine 48
Aeltere Feldpathgesteine.
a) Quarzhaltige Ortboklasgesteine.
28. Granit 49
29. Granitporphyr '. 51
30. Felsitporphyr 51
31. Felsitfels 53
32. Felsitpechstein 53
b) Quarzfreie Ortboklasgesteine.
33. Syenit 54
34. Quarzfreier Orthoklasporphyr
c) Plagioklasgesteine.
35. Diorit 56
36. Corsit und Kiigeldioril
37. Porphyrit 58
38. Melaphyr
39. Diabas 60
40. Gabbro
41. Hsperbtheml
42. Sc'liillerfels 63
.lunge re Felds pa t h gestei ne.
a) Quar/lialtiut' SHiiidingesleine.
43. Quarztrachyt 64
b) QuarzlVfif Samlni-rsteine.
44. Trai-h\t 66
45. Phonolilh 67
c) Plaguiklasiicslcinc.
4fi. Horobieode-Aodesil 68
47. Angit-Andesil 69
48. TrarliNlprrbstcin
49. Obsidi'an 70
luhalr IX
Seile
50. Perlit 71
.". 1 Kimsstein 72
Di. • Handle
lij I'la-ioUa- Dolent, ii.-li>t \naiiK-Mt uiitl Pl;i£inklas-l<as;dt 73
..( Ni-phelin-Dulerit uud Nepli<-liu l!a>all 76
54. LcurilopliN i inul l.i-ucilhasalt 77
35. TaHiylyl 78
I fldspallitme IM,I>M.-C, gemengte kry stallinisrlit- (icslcine.
,i.-i-en 79
57. Turmaliiil.-ls 79
tlogll 79
59. (Jranatl.-ls 80
Kinzigil, Curdierill'els, Diinil, Lberzolilb, Kulysil 80
2. Abtheilung. Qeschichtete Oesteine.
60. Gneiss 80
61. firanulit 88
61 llallfllinla 83
63. Porphyroide 83
64. Glininifi.scliiclci 84
<i,'i Tbonglimmerschiefer, l'li\llif 85
SiM-icilscliicl't'r S6
66. Hacoluniit 87
2. Classe. Klastische (Triimmer-) Gesteine.
4. Familie. Lose Accumulate
a) Pruducte mechanischer Zerkleinerung durcii das Wasser.
67. Sand, Kies, Seifen, Grus, Gerdlle, Geschiebe 87
b) Lose vulkanische Auswiirflinge.
• - \ iilkanisclie Asche, Sand, Lapilli, Bomben, Blockc , Bimssteinsand iindBims^l' mun nil. 88
t. Kamilie. Sandsteine, Conglomerate, Breccien.
69. Sandstein • ss
70. Conglomerate 90
It. Breccien 9\
3. Familie. T hongesteine.
Kaolin 93
7:t Thon, Lehm, Loss 93
-' hieferthon 94
75. Thoiisc liiclcr 95
4. Familie. Tuffe.
76. PorphyrtuH' 96
77. Gnmstfintuff 97
-••halstein 97
7!». Tuffe der trachytischen und basaltiscben Gesteine 98
Dritter Abschnitt
Dyiiainiscbe Oeolugie.
Der Vulkanismus.
Begriff des Vulkaiiismus 400
I Vulkane 11 ixl ihre Thatigkeit.
Begnlt i'iiii-> \ulkans 100
a) Die geschichteten (oder Strain-) \ ulkan.
§ 1. Charakter dersolben KM
;• ' Mali-rial <ler Vulkanenkegel und daraul luisirle Einlheiliini: dci- Mratovulkane . . 102
tj :<. I nlrrgrund di-r Vulkane 103
§ 4. Ringformigc I 'm\\allunp-ii. Hinstur/.knileir Id',
tj '<• Maarc (05
§ 6. I'nterseeisrhe Vulkaue und Vulkaiii-ninseln lO.'i
§ 7. Kaiuiilii In- Veikniipl'uiii; der \ulkane. Vnlkanenreilien und Vulkaiiengruppi-n . . 106
I .I-:-- der Vttlkaoe nut Hezug aul Land niul Meet . 107
(j '.> (Jcngrapliisclie VcrtlieillUig der Stratovtilkanc . )OS
§ 10. Erloscheno niul tliatli;c Vlllkane ...... IP
$11. Die normale Thaligkcil tier Stralovulkane n>
/(island dec Eruption dcr Stralovulkatic ............ It,
b) Die homogcneii Vulkanc.
§ 13. C.haraktcr deisoll>en ...................... 1)6
§ It. Slruktnr dor hoiuogoiiou \ nlkaur ............. ll'.i
d t.'i \ ft •kuupt'iing dcr homogonen und gosohielitotcn Vulkanc ... H'j
§ 16. Enlstphung der homogpiien Vulkanc ............ .419
2. H i- 1 ssr UUP I 1 1- n.
Hnssr Uudlen ........................... 1 "<
3. Vulkan is die Erdhebeii.
§ 1. BogrifT derscllicn .................... 123
$ i. InltMisilat und Art mid Wci-o dn HI-\M>I;IIIII: <kv» Modcns . . 1 '.;
j5 *. Fortpflaozungsweise <i«'i KnUii-iicn ............... t >\
§ 4. \bbfingigkeil <I»M- Kixlht'lu-n Vun don pjnt;iiostiM-hiMi \ rrlialliu-scn .......
i :>. FortpflanzangSgescbwindigkeit, Daunr, Haufigkeit und Ansdcliininu drr l-irdlu'lioii
v; r.. Scobehen ................................ 12fi
1} ~. Wirkungen der Seebeben ......................... 127
§ 8. Beziehungen zwischen Erdbeben und viilkanischeii Eruptinncn und zwisclicu Krd-
behcn und Gcstirncdiistellation ....................... 127
4. Pe rmanon I c Hehungen niul Sc n k n n u r n dcs Modons.
§ 1. liislanlanc nder sacculart1 Hfliiinucn und Scnkiinucn. Anlialls|iiinktf i'ur <'.un-«ta
§ 2. Beispielo von Hebungeii ....................... I -^i
§ 3. Beispielc von Sctikiingcn .......................... 1 31
' llrhunutMi und Sonkiingon in trulicrcn geolugischcn /iMlraiunoii ....... 133
• . KiiKlchung dor Continento ......................... l.<:>
§ fi. Auscheinendc (losotzmassigkcil in dcri Conturlorrncn der Conlinonto und dom
Vcilaule der (Ii'hirgo irn /usammenhange mil deron KatetetHlBg9VQis6 ..... 136
Die geologische Thatigkeit des Wassers.
Dio acolouisrlio Thatigkoif <|o> Wassors ............ •. (37
1. Das f I ns> i LO \V a ss P r a 1 s g «• <> I op i s r h os. \\ •• i k /. c u r
Allgemeine Darsfollung seinor Tliatigkeit ............ 13*
a Dip chi'mischo Thatigkpil dcs \\assrrs.
§ 1 Das \\assn .................... ..... til
) 2. Durchdringlichkcil. Autlosliclikoit und Zprsctzbarkcit allcr 'icstcino dnrHi \V,i-s.-i 11-'
j5 3. Die hvdro-cliciiiisi hen I'mrcss,. ....................... <43
"1. Aiitldsiing ............................ 143
2. rm\vaudlung \\asscflrcicr in wassorlialtigc Miiicralipn . . . . 145
3. Oxydation ............ , ......... . 146
4. Reduction ......................... 1 is
:\. Carbonatbildungcii durch /erselzung V«MI Silicatcn . .
§ 4. Die liyiro-cliomisclien Process.' \ i.rtsclzting .............. IM
§ h. I nfcrirdische Absatze aus Mincralsolutioiipn .............
) fi. Minoralqucllon und deren Ahsatzc ......... 159
§ 7. Dem Meoro zugetnhrto Mincralsubstanzen ................ Ifil
§ *. Hbhleabildnngea, Erdfalle, ErderscbntterungeA, Schtchtensteruogen m holgc d«M
untcrirdisclieri Tliatigkeit dcs Wassers ................... 16i
b; Die mechanische Thatigkeit «1'^ Wassers
§ 9. Die fliessenderi Gewasser ......................... 165
§ 10. Erosion ................... 167
1 41. Transport und Absat/e von Seiten fliessender Gewasser . . ...... 169
§ 12. Die mechanische Thatigkeit des Meeres ................
(j 13 /cistdrende, transportirende und ^iederabsetzende Thatigkeit ,i
2. Das Ei s a I s geol 01: i >•• h e - \V c rkzeug.
§ 1. Wesen der Gletscher ................ 179
§ 2. Bewegung der Gletscher . . .............
§ 3. Tntere Grenzc der Gletscher .........
§ 4. Verbreitung der (iletscher ................
: . Von den Bp\\egungcn dor r,|risi-hci .il.li.- ••lieinungen ....... 1 s <
Inhalr. XI
Das organische Leben als geologisches Agens.
Seite
(j t. Manni^faliiLiki'ii der.ueoiodsdien, durchorganischeThtttigkeit vartnittelten Vorgiinge I8tf
;i Kalkalischcidmii: atis dfiii Nicer durcli thicrisclic Thidkkcil.
§ i. Die Uaiilrn der I'oKpen ......................... 190
§ 3. Muschel- uiul ForaminiferenBtoke ..... r ............... 191
li Aul'speicln'riini; von Koldenslnll' dnivli pllan/.liclic Tliiiliukeil.
jj 4. Der Yerkoldmii:>pi-<icc>-» und .lit- kolileiihildenden I'tlanzen .......... 19*
j .V Gas<|uellcii aN I'rodncle di'i- /ei-M-l/tini; vejuMahilischer Suhslan/eii ...... 1ljr>
j i; Schlammvulkaiie als Resultale oi'Liaiiiscln'i- /<•! sc'txuiii-fii ........... I9H
Die Zeit als geologischer Factor.
(irii-.sc ilrr iii'tiloLiisi-lifii /I'ili-aiiiiic ..................... 197
\ icrter Absclniilt.
Petrogenetisclie
§ 1. AiiUialii- .IfiscllM'ii
A. Die Eruptivgesteine.
(j i. Knt^lt'liuiit; tin Ki ii|)livt;i'stiMhc ...................... iOI
H. C'.liaraklt'i'istisrlic Kii-eiilliuinlirlikcitcii (k-r Eruptiv^esteiii*- .......... 203
". Kni|iti\r Nalur drr liasaltisi-licn und tracli\ tisflicn (ii'stciiic .......... iOfi
ii Kruplivf Satin- L-C\\ isscr Ci-anili1 . so\\jc dcr Kclsitpiirph\ i-e . Syinli-, \li-l;i|ili\ i v
B. Die Sedimentargesteine.
§ 7. Kiitstcliun^ und Material der Sfdiiiu'iitarsiosleino .............. ill
§ 8. Oliai-akti'i i-liM-hc Kfiiii/ciclicn d»T Soditnoulariiestcinc ............ 212
\i 9. Miiiri-oi,'fiic Sedimeatiirgesteine infriianisclifu I'l-spruu^^ ........ ili
i 10. Minci-Di-'i'iic Sedimenttirgesteine ciiruiiscltcii I rspi-n hires ............ 213
§ 41, ZiKiyt-iic und ph\ lutiem1 Si>diim'iiti.'i'striiic .................. ils
C. Umgcwandelte metamorphische Gesteine.
vj \t Hcu'i-ilt di-s Mclaiiiorphisinus ....................... 219
§ 13. Narh\ycisl>ari> (icst('iiisiiiii\\aiidlunt:cii durcli Mincrali|iicllon und Sickcrvvasscr . . i20
§14. Nai li\\fjsl»are Gesteinsurmvandiungen durch \idkanische Dampfe ....... £22
§ 15. GesteiosumwandluDgen duidi Koldenbraiidc ................. 223
§ Ifi. Nai-hweisbarc Vcra'ndprunt-'«-ii durcli Eruplivijt'-tfini' ............. 223
§ 17. Die Thrni-ie \om allgeiiK-iiifn Metainorpliismus ............... 227
Fiinfter Abschnitt.
Architektonisclie Geologie.
Aufgalir d.-i-i'llien ............................. i33
a die geschichteten Gebirgsglieder.
<! 1. Die Si hit-Id .............................. 233
^(•liicldfiirciliiMi .............................. 235
^ 3. Schiclilcnlage ; Scliiclitrnsliii uniicn durcli Aut'richtung ............. 237
v) A. Sclijcldcnstoi iinui'ii diin-li FoltuiiL.'cii udci liicL'imgen ............. 239
§ 5. SchichtefiBttfrangeo (lurch Spaltuiii:i'n und Vt'r\\crfiingen ........... 242
§ 6. LagerongSTerbaltDisse /weier Schichtenreilien zu einander ......... 243
, KrlaliM- Allcrshcslimmung der Schiclitfiistui ungen .............. 244
I ianv\,.| s,,|,. s.-liicforung .......................... 246
h Die massjtren Gebirgsglieder.
i) 9. Ihiv l.;ii,'ciuiii;sfornr)en ........................... 247
§ 10. Ihre Structurlormen ........ • ................... £49
o Die plait. -nformigen Mineralmas<en Minn ilj;n
ji 1 I \Vc>,-n und Entstelmng der Mineralgange .................. 251
>5 1 -i Ganf-verhaltnisse ................... .......... 252
0 l;-i VIM v. frfuiis'o n der Minn .iL ,m ••• .... 253
XII lul.alt.
Scdistor Abschnitt.
HistorisHie Geologie.
;i Kinleilendes.
§ 1. Aulgahe der hislorisrhen Geoloijie
(j 4. i>ar\\ in's Transmatationsfheorta 257
§ 3. Geoloi^iselu1 Perioden uml Foriuationen -^:,s
§ 4. (iren/en der Formation nach ohen ninl unti'll 259
§ 5. Horizonlalc Ausdehnung einer Formation und Vcrschiedenartigkeit gleichallcii^er
Formalioncn 260
§ 6. Altersbflziehaogen xwisohcu Pormationen von i:leichem paJaeoatologischeoi Habitus 261
§ 7. AnhftHspOnkle zur IJcsliniiuiini; dcs i-colo^isclirn Alters \(»n Scliicliti'iic(iiii|ilcxcn i62
§ S. (ilic(li>ruM£ der BbtwicklQpgageschidlte uml (it-r fi)ls|)i'('clicii(lcii Srliichlcnifilif
dor Krdkrusle in I'eriodcn und l-'onnnlionon 264
Abstammung und fruliostcr Zustand dor Erde. (Kant'sche H\ |)(>lhcsc, 267
b) Forinationslcliic.
Dit> l-'undanK-ntal-Koniiation (Erslnrrungskruslc) 468
A. Die azoischc Formationsgruppe.
Cliaraktoristik dcrsclbcn 269
Die laurentiache oder Urgneisaformation.
Petrograpbischer Chnraktor 270
Aiuloulunticn organischen Lcbens wahrend der lauruntischcn I't-riodf 273
Miichti^kciL und architektonische Verlialtnisse 274
La^erungsvcrliidtnissc der laurentischen zu den iibrigen Formationen 275
\Crbreiturfg 376
Die huronische oder Urschieferformation.
Petrographischer Charakler 477
Organische Restc 281
Architektonische Verlialtnisse 281
\Lagerungsverhaltnisse . \ ttf^uA^^ 482
Tabellarische Uebersicht liber die azoischen Formalionen 283
. Vulkanische Erscbeinungefl wahrend dcs azoischenZeitallers und ini (ichictc lauirn-
tischer und huronischer Formationen iibcrhaujd 284
B. Die palaeozoische Formationsgruppe.
C.harakterislik und Glicderung derselben 4,sy
Die silurische Formation.
Pelrographischer Charakter 290
Architekionisehe Verhaltnisse • 291
Palaeontologischer Charakter der Silurformation 494
/Nveitheilung dor Silurformation 299
\Geoi.<ra|>hisrhi' Verbr_oitun!.' 300
Vulkanische Erschcinungen und Ganggebilde im Gebiete silurischer Tcrritoi ien . . 304
Glii'derung und Parallelisirung der silurischen Formationen verschiedenor Lander . 305
Kiickhlick auf das silurisohe /eilalter 310
Die devonische Formation.
Petro»raphisohi%r Charakler 3H
AK hiteklonische Verhiillnisse 314
Pidaeontologischcr Charakter 314
Divitheiliuii.' der di'Muiischi-ii Scbichienreihfl 319
Old-red-saiidstoiie-Facies 319
iH-iiiM-apluM-hf \'erbrcilung 320
Vulkanische ErscffeliTongeD im Gebielo devonis< her Foi inalionen 344
(iliederuni; und Parallelisiruuu devunisfhei l.n inalionen 325
Kuokhliok' 347
Die carbonische oder Steinkohlenformation.
I'etKiL'i -aphiseher Charakter
Lageruogsverhfiltni8§e 329
\K-liilektonische \fihiiltnisse 349
I'alaeonluloiMsrher Charakter
X\veitheilnniL' umi versrhiedene Facies der carbonischen Formation 338
<ieoi.Taphi»i-tie \Cihreitung derselben 340
Inhult. - Mil
Si'iti-
Die kliniatischen Yerlialtnisse \\aluvnd tier rarliunisrlien 1'eriode 345
Die Bildung der Sleiukolilenllol/.e 345
Yiilkanisrlie Krsrlieinunuen und (iiiimliilduii^oii im (lebiete carboniseher Formationeii 347
Itik-kblk-k 35*
Die Dyas oder die permische Formation.
Bililungswcise und CharaktorisUk 353
I'alaeontnlo^isrher Cliarakter 354
I) ic UN ;i s De u I sch la ml s.
1. Das Both I icgcndc.
IVtrofzrapliisi -her Cliarakter 358
Palai-oiiliilniii-ii-lii'i- Cliaraktci- 360
Gfslfinsfi-ii|itioiKMi \\alirfiid dcr AltlaiitM-uiit; dcs HothlioyeudiMi 361
2. Die /cell sti> in-G ruppi'
Cliarakli-rislik mid (ilicdcrung 364
Uaiiefurniii;!' Krzla^crsliillcn in drr ZechBteiO-Grttppe .* 367
VfrliiviluiiL: tier dcutsrlu'ii D\as 368
Die Dyas E n^ la uds.
(ilicdiTung 369
Die |M>rmische Formation Russia nds.
Cliaraktorislik 369
Die |)c i in i schc Formation in No rdanteri ka.
Cliarakteristik 370
Kurklilick aut die Entxvickelung dcs organischen Lcbcns wa'hrend dor palaeozoischcn
/..•ilalter 374
C. Die mesozoische Formationsgruppe.
Chaiaklfi istik und (iliederuilg 37s!
Die Trias.
CltaraktiM'istik • 373
Die (I c u tscli e Trias.
<. Dcr liiintc Sand stein.
I'ctid^rapliischer Cliarakler 375
Er/rulirung 377
Palaeootologucher Charakter 377
a. Dcr Muschclkalk.
laphisclicr Charakter 379
l'alin'()iiliiloi;isrhcr Charakter 384
_ 383
3. Dcr Keuper.
Charakter 384
I'aluconloloL'isclier Cliai'aklcr 385
(iliciloi-ung 386
Verbn-ilimg der Trias in Deutschlnnd 389
l.a^cmngsvorlialtnisse der denlschen Trias 3<jO
Die e n L; I i sdi (• Trias.
r.haraklrristik 3yi
Die Trias in Dcutschland und Knt-land 393
Die New - He d -S a n (I s I une Formation in Norda me r i k a
Cliarakteristik ;)<)/,
I) i e Tr ia s in <l e u A I pc n.
Die (iliedenniii der alpinen Trias MIK;
I. I nlere alpine Trias ' . . . . 3<J8
II. nbere alpine Trias 3yy
Krnplivgesleine der alpinen Tria- /,0i
Der Jura.
Cliarakteristik ' 403
1. De r I. i a s
Petrographlscber Cbarakicr 405
Lagerbngsverhttltaisse 40«j
\llgemeiner palteoBtologfscher Charakler .............. 406
• iliederniiL: de> I. ins ....................... 408
Tabellarische Uebersieht
i. Der Dourer odcr In. nine Jura
I'elrographisrlier Charakter ........................ 411
LagerangsverhfiltnteM ............................ ',1-2
I'alaeontolodx-her Charakter .......................... 4 \ ;<
C-liedcriing <les Dogger ............................ ', i ,
Tahellarisrlie Uehersicht ............................ 417
li. l)cr weisse odcr ulu-re Jiirn.
Petrograpbiscber Charakter ........................... it\-l
Paheontologi&cher Charakier ....................... /,is
(iliederung .................................. 421
I'aliellarisHie I ehersiclil ........................... 425
Gcofirapliisrlic Vcrbrcilimt: <lri .luriironiiiilion ...... 426
Die Kreide
(iharaklcrislik mid peiTOgraphiSOber (lluii'iiktcr ................. .',31
Palacoiilfilo^ischer Charakler .......................... 433
Siidlii-lic nnd ndrdlichc Kreidefaries ....... ................ 436
lilioderuiiL; dor Kreide ............................. 436
Neocom .................................... 437
Tabellarisrhc leliersielit jler Kreido ....................... 438
\\ 'caldtMiformation ...... ......................... 440
(iault ...................................... 443
Cenoman ................................... 445
Turon ..................................... 446
Senon ..................................... 448
Geographische Verbreihma der Kreide ...................... 450
Lagerungsverhaltnisso .............................. 455
Eruplivgesteine und <!aii}>^ehilde im Gebiete der Kreide .............. 456
Hi . kblirk aufdie Entvvickeluiii; dcs (ir^anisrlien Lebenswahrend der mezozoischen Zeitalter. 457
D. Die kaenozoische Formationsgruppe.
Das Tertiar,
Charakter der Tertiarporiode 459
Die E o r a n f o r m a t i o n.
Die Eocanformation im siidlichen England 464
Die Eocanformation des Seinebeckens 466
Die Eocanformation des Sudens 468
Die 0 1 igoca nf or ma t io n.
Tabellarisclie Uebersicht 472
Die Oligocanformation in Sudengland 472
Die Oligocanformation im Seinebecken 473
Die Oligocanformation der Schweiz 47".
Die Oligocanformation in Norddeutscbland 17(5
Die Miociin- und P li ocan formal ion.
Tabellarische Uebersicht 482
Das Becken von Mainz 482
Das Wiener Becken 484
Die neogenen Tertiarformationen der Schweiz und des iionllirlicn Bayorns 486
Der Crag Englands " 487
Da< Pliocan Italiens
Einigcs tilier die geographische Verhreitung 'des Tertiar 490
Die LfiirenuiL'sverhaltnisse der Tertiarforrnation 492
Vulkanisrlip Eiscliciniuigcn \viihrcnd der Tertiaperiode 493
Das Diluvium.
Krsi lieinungen \sahrend der Diluvialx.eit 497
Die Glacialersflieiniiiigen auf den sknndinavischen und hritisclien Inseln 501
Die Driflencbeinangen im nordeuropiiischeii Flachlande und dem nordlichen Theilc
des amerikanischen Continentes. dem damaligen diluvi.ilen Mfi'iesboden .... 503
Der europaisclie und nmerikaniselie Continent \\iilirend tier Dilnvialzeil 505
Einleitung,
§. I. Aufgabe der (ieologie. Die (Jcolode I'iissl die Krde als ein kos-
misehes ln<li\i(luum ;iul'. (lessen Kiiienscharien, Kral'laussenmiien uml Knl\\ick-
lungsgeschichte sic y.u eiiorschen hill. Sic l>e/.\\eckl (leiun;ieh niehl ;illein d;is
Sludiuin des ferliiren Krdtjan/en vind seiner ein/.elnen (ilieder, ihre /\\eile
gleichberechiigte An foal >e isl die Ergrnndimij der (lesehichle unseres IManelen
mid seiner Me\\ olmer. Sie soil \ ersnchen. den Krdball \on den erslen Sliidien
seiner Kxisten/. dnreh die ein/.elnen Phasen seiner iilliniihliehen llei%;iusl)ildnni;
his /u seiner jel/.iiien (lesliilluni: /u \erfoli;en nnd d;is NVirki'ii der lie! diesein
i-jil\\ iekliinLispnieesse lh;ili|4en Niilnrkriifle /u ennilteln; sie soil versnehen. \<M
den /nsliinden der l^rde \\iihrend \erllossener I'erioden , von den je\v I'iliuen
hninen nnd Floren jiuf ihrer Oberfliiehe, von der Verlheilmii: \on Kesll;ind und
Meer, von den kliintilisehen nnd \nlkanischen Erseheinnniien I'riiherer Xeiliiller
ein Hild /u iie\\innen und endlieh die iilliniihliehen Veriindeninuen /n Nerloluen,
\\elclien iille diese \Crliiiltnisse im l.iiiil'e del1 EntwickluDgSgescfaichte der Kr«le
niiler\\orfen \\.iren.
Die (ieolouie liel'erl n;ieh ;ille Dem niehl eine nackle Naturbeschreil»niii;.
ihre Auii:,il)e isl el»en so viel iiesehiehllieher Art: sie isl die I.ehre \on
dem Krdkorper in seiner gegenwflrtigeB I1' I'sehe in u iiiisu ei se
nnd seiner iilliniihliehen K n l\\ iek I u iiu.
§. 2. r.intlieiliini: (lei* (Jeologie. Die KrlorsehmiL; des Krdktirpers li.il
I'oL'rnde , sieh loi:iseli ans einiinder enl\\ iekelnde Kr;iLien iinr/nslellen nnd /n
l»e;inl\\orlen :
I) Welches isl die Oestiill. (iriisse nnd Oherlliicheiilicseli.illenheil , welches
sind die phystkaiischen Verhiillnisse der Krde '.' D;ir;nif ;ml\\ oriel die ph\sio-
fir;ip h i sche (i col OL: ie.
;' Ans \\.is 1'iir M.iicri.il heslchl der nns /iiL'iin^iuc Theil der Krde? Dariiher
hiindell die p e I r «»ii r;i p h isch e (ieolo^ie.
:j) Welche Kriil'le hiihen hci der ursprilnulichen Hildunu nnd allmiihlichcn
Verttnderuog des Gestetnsm&teriais so\\ie der pberflttcheogestaUuDg der Krde
miliie\\irkl nnd \\irken noch jel/.l? Aiiskiinl'l erlheill die d\n,imische (ie(»-
Logie.
Credner, Elemente d. Geologie. 1
2 Einleitung.
i Ant \\elche \\ei-~e habcn sich miter Mit\\ irkung .licsrr Kriilte die
BChiedenartigen Gestcine gebildct '' h.nml bel'assl sich die pet rogen el i
( i r (i log i ('.
•:i) \Vie sind die Geslcinc /inn Aul'baii dcr Krd\csle benul/l \\orden. \\ ie
si IK I sk> /.inn Gan/.cn verbmidcn. \\clches isl die Architeklonik dcr Krde ? Dicsc
Fragcn behandell die archiiektoBisehe Geologic.
r> Welches isl die Enlwickluogsgeachicbte dcr F.rde uud ihrcr |{»-\\(iliiK'i- '!
chit' Krnuc. \\clclir die li is tori sell c (Jco I oi^i c xu hc.-inluorlcn suclil.
§. 3. Hiilfswissenschai'teii dcr Geologie. Die Aiifi:;il»-ii der (icolu-i,-
sind. \vie aus deni ehcn (icsji^lcn licrNoriidil, so \ iclscilii;. djiss sicli (lit-sc ;iul'
siinnnlliclie iihriue Xueiuc der Na(ur\\ issenscli;it'leii sliil/.cn muss. Mine ilirer
wesenUidlsteD GmndlageD hildel die iMineralogie. Die Kin/elkor|)er. \velehe
il.is .M.iierial /nm Aufl»au der Erdkruste geliefert hahen. sind die .Mineralien.
deren Kiizenseliaflen. deren Hildiini- und Umbilduiii; die Mineralouie lelirt. His
/ur KrmitleliiMii der Mineralien, aus \\elehen die (Jesleine des feslen Krdkorpers
/nsainineiiLieset/.l sind, izeht der CJeoiinosl heini Zer^liedern des Krduan/en /u-
riiek, ihre Kenntniss aher setzt er voraus.
Die Chemie, die Lehre von den Erseheimmuen hei der Ein\virkuni: der
Materien auf einander, macht die Deutuiiii der Gesteinsentstehunu, die Verfol-
ijiing der Voriiiinize heim Werden und bei der Uniltildun^ der Gesteine nioiilieli
und jiiebt durch die chemische Analyse Mittel zu GesteinsuntersuchuiiizeM an
die Hand.
Die Palaeonto logic, die Wissenschaft von den Faunen und Floren der
Vorwelt, muss als cine der Ilauptijrundlagen des geologischen Studiums betraeli-
tel \\erden. Sie giebt die Moglichkeil, die viele Tausend Meter ni;iehtii.'e Anf-
einanderfolge von Gesteinsschichlen in /.usaininengehorige Complexc liinnatio-
nen) zu scheiden, sie lehrt. das Alter der einzelnen Gesleinsbildiutiien y.u coii-
statiren. sie liefert Mittel, z\vei wenn auch noch so weit von einander enlfernte
Seliiclilen hinsiehllich ihres Alters zu vergleichen, sie giebt Andeutungeb iiber
die physikalisclie Geographie friiherer Perioden und spriehl endlich in der nn-
sere Zeit be\\egenden Frage iiber die F.ntwiekluiiLisireseliiclite der Organisnien
das entsclieideiide Wort.
Auch die Physik sleht in inannigfaltiuster He/iehung zu Geologic. Isl
doeh die Mineralogie /uin grosscn Theilc cine pin sikalisclic \\'issciiM-lian und
sind doeh die Fragen naeh dein speeilisehcii Ge\\ iclite der Erdc. naeh den Tem-
[)eraturverhiiltnissen des Erdiniieren . naeh dcin Frdiiiagnclisnius rein ph\sika-
liseher Natur.
Kbenso innig ist das Verhiillmss dcr Astronomie /.ur Geologic. Sie be-
lelii'l mis iiber die Slellung unseres Planelen im \\Clleiis\sleni. sic bcreclinet
die Diniensionen und die allgem^ine Form der Erde und giebt Andeutunucn
iiber die urspriingliehsteit Zuslande dei'selbcn.
Xwisehen Geographic endlich und Geologic lassen sich iibcrhaupt keinc
scharlen Grenzen y.iehen. Die Obcrlliichcnbcschallcnheit dcr Krde isl cbcn der
Aiisdruek des geologischen Banes dcrselbcn und das Fndprndukt dcr Suniini-
rung dcr Hf-nll.ilc allcr IViihercn geologischen Vorgiinge.
Kinleitung. 3
§. i. (jpoloifisHlP Litcralur. Die \\ is^ciiM-liaKlielie Kntfaltnni: der Cico-
loiiic \\ar ahhiiniiii; N on der Knl\v iekeluiii: der (llicmie. Mincralouiie nnd Palaeon-
loloizie und Liehort \vie die ilirer elicniienannlen Iliillsu isseMscliat'len der nenesleii
Xeit an. Trol/.dem hal ihre Lilcralur hereils eine urosse AnsdehnnnL: UCNMHIMCII.
a VMM den Handbuchern, \\elelie das lian/c (iehiet der Geologic umrassen.
sind als die \\ ichliuslen nnd neueslen /n eruahnen :
(I. I'. Nanmann, Lehrhnrli der (Jeo^nosie. '.\ B.inde. ;'. Anil. I.eip/iu iS.'iS
his INT;' noeli crscheinend.'
(I. Biscliol'. Lehrbuch der'cbemischen und physikalischen Geologic. '.\ B;inde.
:'. \iill. Bonn iSli!'. hi< IS(»(>. - Nehsi Naelilrau IS/:'.
('.. Voul. Lelirhnch der (ieolo^ie nnd Peli'dakteiikMnde. ;' Biinde. '.'.. Anil.
Brannseli\\eiu |S(i(i his 1ST:' nodi erseheinend).
l;. A. One listed I. Kpoclien der Nalur. TuhinueM IS(i|.
Sir (lliarles l.\ell. Principles ol' i^colojjy. 10. edit. London 18(1S.
Sir Charles L\ell, Klemenls ol' ticoloiix. II. edit.
.1. I). Dana. Manual of ueoloiz). >>. edit. Pliil.-idrlphi.-i a. London ISIiS.
h) Lehrbiicher einzelner geologischer Disciplinen :
Broun niiil I-'. Homer. Lethaea iicoiinoslica oder Ahhildnnji und Beschrei-
luinii der ITir die Grebirgsformaiionen hc/.eiclincndsien Versteinerongen,
:\ B;iM.1e Text mid I :> 'i Tal. Ahhilduni!(-n. III. Aufl. Slnlluarl IS.".| :ii;.
l;. Xirkel. l.elirhneh der Petrographie, i Biinde. Bonn ISM).
B. \on dolt a. die Lehrc \on den Brz?agersC9tt6B, ''2 Biinde, 2. Anil. l;rei-
1,,,,-ir 1X59— 61.
I',. W. ('.. Knchs. die \nlkanisclieii l-'.rsclieinuniien der Krde, l.cijv/.ii: nnd llei-
delheru I8«i"..
II. Beruhaus, IMi\sikalischer Alias, 2. Aufl. Gotha 1849—52.
Monographische Arbeiten. Dieselhen Itehandeln llieils iic\\ isse (icsleins-
arlen oder Schichlcneomplexe. Ihcils den Lieolo^isrhen Ban gewiSSet Gegenden,
oder endlich iicolo^ischc Voriiiin^c nnd hilden die llanplmassc der l.ileraliir.
Hire .Mehr/.alil isl cnlhallen in den
d) geologischen Zeitschriften, nelimlich :
N e n cs .1 ah r I MI eh I'ii r M i M e ra I o •.> i e . (i eoloLiie nnd I' a I aconloloi: i e .
ue^riindel \on k. C. \on Lconhard nnd II. (i. Broun 1830, I'orl^esHxl von
(i. I.eoiihard nnd II. B. (leinil/.
Xeilschriri der Denlsclien i> (To I o LI i se h e n (i e s e I I sc h a It . ersclieinl
seil iSiS in Berlin.
Jahrhurli der k. k. li eo lot: i sc h e n B e i c h s a n s t a I I . ersclieinl seil |S:ill
in \\ien.
Onarlerl\ Journal ol llie ideological socielv of London.
Bulletin de la sociele L: e o I n-j. i i| n e de hi l;rance.
e Geognostische Karten, hei:lcilel \on Profile n. sind der i-rapliisclie
Ausdrnck nnseres ^eoloijiselicn (icsammlu issens iiher eine (irtiend. Als Bei-
spiele moLreii ani:eliilirl \\erdcn:
J^Marcou.^ (ieolo^ical map of Ihe \\orld. I : :>:{. Kill). (•(»(>. \\iiil.-rlhur iSlil.
A. Diiiiinnl. (larle ileolouiipie de I'Murope. Paris
, I vi b? t~i^ \
j SI " "
4 Einleitung.
von Dechen, Geo«nostische Uebersirhlsknrle von Deutschland , Frankreich.
und den aiiuivii/.riidrn l.andeni. II. Ansi-abe. 1:2,800,000. 18(59.
von Dechen, Geologisdie Karte von Deulsrhland. 1:1,400,000. Berlin lK(i'.).
Geologische Karte von Preussen und den ThUri nui sc h e n Slaa-
ten. Henuisiietieben dnrcli das Koniiil. Preuss. Minisleriuni fQr Handel.
<ie\Ncrl>f und ollcntliche Arlieiten. Mil erliinterndein Texte. 1 : 25,000.
(Seit 1870 im Erscheinen l>eiirilVen.)
(ieoi-nostische Karte des K ii n igreichs Bayern und der anuren-
/enden l.iinder v. C. \V. GUmbel. Mlinclien iSiiK. 1 : 500,000.
(ieoiinoslische Gene ralk a rle des Kb'nigreichs Sachsen von G. F.
Nan in a nn. Dresden 1845. 1 : 400,000.
Geologische Uebersichtskarte der osterreicli isehen Monarchic
von Fr. von Hauer. 1 : 576,000. 'Seit 18C>7 ini Krsrheinen b
Erster Absdmitt.
Physiographische Geologie.
I /it- urosse Mannigfaltigkeit in dor Beschaflenheit dcr Erdoberfljiche ist
das Ursult.it aller der Eiotelvofgtfnge, welclie wir untor deni Begrifl'c desEnl\\irk
lunuspntrcs.scs unscres Planeten zusammcnfassen. Dieser Erfahruniissalz gicbt
die .Mitlol an die Hand, aus gewissen physikalischeu Verhallnissen der Erdc
Hiirk.M-lilii.s.sc ;iuf die Enlwicklungsvorgiinge selbst zu mac-hen. Auf die ge-
c Bescbreibung der Erscheinungen , in vvelchen diese geologischen Vor-
,1111 unverkennbar&en iliren Ausdruck gefundcn haben, also namentlich
(In (lestall unsores Planeten, der Temperalurverhaltnisse des Erdinncren . <ln
Vciiliciluiii; des Festlandes und der Oceane, der Gebirge und Ebenen, muss sich
dfi dcr |)li\>iographischen Geologic gevvidmete Abschnitt dieses llandbuches be-
M hriiiiken.
§. I. Gestalt und Grosse der Erde. Die Erde ist ein mil Polar-Abplat-
tunu \ci.schenes Ellipsoid, dessen Aequatorial-Durchmesser 1719, dessen Axe
1 7 \'.\ geographische Meilen betragt. Die Abplallung an jedem der Pole beliiuft
sieh somil nur auf 3 Meilen. Die Abweichung von der Kugelgeslalt ist dem-
.iu.vser.si ucrini: und scheint fast zu verschvvinden, \\enn man iu Bertlek-
ii: zieht, dass der Niveauunlerschied zwischen dem tiefsten Meeresgrundc
und dem hbchslen HerLie fast eben so viel betragt.
Die Kllipsoidgeslalt der Erde wurde vorzugsweise durch Gradmessungen
• nnst.iiirt. welche freilieh so lange als die Kugelgestalt der Erde ftlr zweifellos
i;all, iillein dio Ennittelung der ErdengrbsSe zum Zwecke halteii und erst spii-
ter, als durch Pendell baehtungen Zweifel an dcr Richligkeil der bisherigen
Ansichl rege NMirden, auf Feslslellung der Abvveichungen der Erdfiguralion von
der Kugolform uerielitel \\aren.
Die Messungen der Grbssc der Erde beruhen auf dem Salze, dass wir den
Durehmesser einer Kugel berechnen kb'nnen , »sobald ein Bogen eines ihrer
Liinssten Kreise, also eines Meridianes der vorausgeselzten Erdkugel, sowohl
nai-h seiiiem Winkel-, als auch inich seinem Linearmaasse gegeben ist. Die
f.
t • m »•*
Winkelgrtfsse dues ftferidianbogons \\urde mil Httlfe aslronomischer Beobachtun-^
yen. die l.anjjc dessdhen diudi Mcssinrj mil dcr KclU- odcr durch Triantailalion
Icslucsldll iiml ii. icli tlrin Sal/.c. il.i-- sidi der Moridiauw inkd yum Krcis. alsu
y.u :{li<»", \\ ic dcr Meridianhiii:cn /urn IMII/CII Meridian \crliiilt. die dKisxr d •>
Irl/.teren lic/.ddmel.
Die Knldcckmrj des .lahrcs IliT;'. da^ das ails hdi<Teii Hrciten nadi dcin
AiM|ii,ili.r i:fl»r;irlilc Scciindcnpcndcl cine ^criiiucrt' An/;ihl MUI Scli\\ inuiiiiL;cii
niiiclil ;ils Inihcr. ;ilsd \crkiicxt \\crdcn muss, inn scincni X\\cckc y.u cnl>|>rcclicn.
crM-liutlcric d;is Tlicorcin MUI dcr Kii^cl^c.si.ili dd I'jilc. ;nd dcrcn <)l»crl1;n-hc
die Scli\\crkr;il'l. .ilsn ,m<-|i die /.ilil dci' I'cndclscliM iiiuim^cn iiltcnill l;isl die izlcichc
l^cuocn .scin \\1irdc. Die clicu cr\\ .dinlcn BeobachUingGf) u.iltcn dcsh.ilh Nc\\-
ton mid H(I\L;|ICII> Vcnmhissini- . di,- Krdc ;ils cin ;m den I'olcn seiner I'm-
drehungsaxe abgepiattetes Kotationssphaeroid ;III/.IIS|M-CC|ICII. Die Uichii^kcii dic-
scr l-'uluei IIIIL; snlllc n.inieiil lii'li durch GradmeSSDDgeO ciilscliieden \\crdcn,
\\elc-hc diir.ml ucrichtd scin miissi, n . /n cnn>l;ilircn . o|> die .Mcridi.uilinL:cii ulci-
chci- \\inkcl. ;ilsu y.. l>. cincs (ir.idcs in Imhcrcn mid nicdcrcn Hrcilcn i:lcidi. ndcr
oh sic tiiicli den I'olcn /.n grosser ills ,nn Ac(|ii;il<»r seitMi. \\ ic cs hci Klli[>soidcn dcr
Fiill isl. X\\ei /.u dicscm /\\cckc in den .l;ihrcn \~,:\'.\ mid :'.<, .ih-c>.iiidlc l'r;m/n-
sixchc Bxpediliooen slclllcn in Liijijtland mid in I'crn (iriidinoMin^en .m. dcrcn
Hesidlatr- die ThciU'ic \un dcr dlipsoidisdicn (icslalll dcr I'lrde \ ollkoninicn he-
statigten.
Audi dureh Pendelsch\Vingungen isl die (ieslali dei1 Ki-de hestiimnhar. l>ic>«-
hcruhl aul' dcin (ieset/c. d,i>s die Sdmcrkrall i|uadralisch mil der
\<>m SchWerpimkle ahnimml. Da mm die I'cndel an den I'nlcn
schndlcr sch\\iiii:cn nls an dem Aequatnr. miisscn erslcrc dcm Schucrpunkle
der Krde niiher lichen als die letzlercn. die Mei'idianc also Kllipsen sein.
Die geom.etrische Gestall dcrl-lrdc he/.euiil die Art ihi-erl^nl-
.slcliuniz. Hire I cirni als Rotalion.sellipsoid \vcisst darauf hin. dass sidi ihr
.Material u r s p i1 ii n L: I i c h in einem plaslisehen. cinein lliissii:en Zuslandc
hct'undeii hat. und /war crhiilt die Ansidil der ( Jeolo^cn , dass dersclhc cin
tiluthlliissiucr ^CXNCSCII. durch Hcohadiliinucn , \\clchc in spiilcrci\ Ahsdinillen
mit^ethcill \\crdeii. cincn 1'esten Sliil/.punkl.
§. 2. Das sjM-cifisi-he Gewicht der Enle. Die mittlcrc Diditiukcit dcr
l-'.rdc i>l .'i.li ni.il -n.sscr als die des NN'asscrs. Die l-'eslslcllmiL: dicso \Verllies
\\ar nidit aul' dircktcin \\'CL;C. \\ohl alter iinniilldhar dadurdi miiplich. da>s man
cine Wirkunu der Masse der Krde, /. Ii. ihre An/ichun^ mil dcr cines andercn.
seiner Masse naeh hckannlcn Kiirpcr.s \erulich. Xu dicscm /\\cekc lial man
drei Meihoden in AnwendmiL; lichradil. Die erste dcrsdlicn heruhl auf dcr
\hlcnkuiii: des Mleiloihcs aus der wahren Verlicallinie durch An/.iehuiii: MUI
Seitcn dcr Masse cincs nahdicuenden lieri;es: die y.\\eilc aid' der Beobachluflg
\on Pendelschwingungen aid" dcm (iiplcl cincs hohcn Hcr:jes odcr im (irmidc
cines liel'cn Schai-hles und \cm solehcn aul der eheiicn Krdc. \\ohci die DilVe-
ren/ der Sdiuin-nnus/ahlcn aul' Koslcu dcr /\\ isdicn hcidcn Heohachtun^s-
punklen lic^.'iiden Krdmassc /u scl/.cn isl. cndlich die drille Melhodc auf
den Sdi\\ini:uiii:eii fines hori/inilalcii . daher dcr Seh\\erkral'l enl/.d-encn und
I. Pbysiographische iicnid^jc 7
dmvli die An/idiiing urosser Melallkugeln in IJe\\egung ge.sel/len I'endels dn
hrehwaue .
Das hohe speeilisehe liev\ieht der Krdc muss Uberrasehen . \\enn ni.ni es
mil dour der bekaimlen lesion Krdknisle vergleichl, \\elchos el\\a :{,() betragl.
\\iihrend sicli die Diehligkeil dor eontinenlalen uiul oeeanisehen Krdoberll;ielie
/us.miinen aid' k.iiiin l.li belanl'l. Ks ergioht sich darans. d.iss d;is speeifisehe
Go\\iehl des Krdinuern bcdeulend grosser ills •'>,(> isl , so\\ie die \\iilirscliciii-
lichkril. diiss die Dirhtiiikcil dcs Krdniiilcriiilrs mil dor Ticfc /uiiiinnit, -- V<T-
hiillnissr. uclclie iihnlicli \\it- dir (icsl.iM dor Krde ciiu-n iirspriln^licli lliissi^rn
/iisl.ind iinscrcs I'liinctt'ii xoriiusst'l/cMK
§. :5. TcniiuTsitur dcs Krdiiuiorn. (Jluthttiissigw Erdkern. Die He-
eiiilhissiinu drr 'rt'inpiM'iilur IIIIMTCS I'l.iiirlen durcli die \on dcr Siuiiie kniniiien
den \\iirinesli, ililen liesrhiMiikl sieh iiul' die iiusserste OlxM'lliiehe der I'j'de mid
hereils in einei1 Tiel'e \on ill his 2-"> M. Nollsliindii: ;iuf. In diesein Ni\ e;m
d.i sicli liier selhsl die jiilirliclien \Veclisel in der Kinwirkimi; dtM1
Siuiiie niclil nielli1 i;elU'iid ni;ielien ktinnen, cine j;ilirein. jiihraus constanlc Tcin-
per.ilnr. mid /uar ist dicsclhc im Alkeim-inen die nehinlielie \\ ie die million-
Teinperalnr des an dor Knl(il>crlliioho verlical dai'iiher iicloiionon I'imolcs. So
sind in den ;M.I .M. lielen Kellern des I'ariser Oliserxaldi'imns Thennomeler riuf-
uestelll, \\clelie eine eonslanio Tompcralur von 11,7° C. zeigcn und dcrcn jiilir-
lirhe Scliwaiikmiiicn ansserhalh dcr Grcnzen der Beobaohtung licuon.
NVahrcnd die \\anne dor ausserslen Krdkrusle eine IVenido, von der Sonne
iichoriilo und \ondiesoi1 alihiiiiiiiiio isl, niachcn sieh unlorliall) der (Jreii/.e die-
ser Meeinllussimii Teinperaliir\erli;illnissc in oiner Weise gcltcnd, dass man auf
einen in dec Tielc der Erde selhsl liciiemlen, also lellurischen \Viirme(|uell
seliliesseii muss. Von dor Gronzo der Kim\irkung der Soimenwarme an lindcl
nelimli<-li naeli dor Tiefe zu eine stele Tempera lur-Zuna h mo stall.
Ms lierrsehl also in den verseliiedenen \i\eans der Krdtiel'e eine an jodom
I'nnkle /.war eonstanlo, aher in iiloiehem Selirille mil der Tide zunohmondc
\\.uine. Dieser in geologischer Bezioliunt; hoeliuiehliiio Salz (indel seine I5e-
i;rilndunu in don Tempcralnrvorhaltnisson »o \\issor aus der Tiel'e emporslei^en-
dor \\armer (Juellen. sou ie artesiselier Hrunncn und endlieh liefer Hergwerkc.
Ouellen bosil/.on diejenigo Tempenilur, vvelehe iliren Wassorn bei deren
Cin ulalion aid' Spallen und KlUflen iuncrhalb dor Gosteine von dieson milge-
Ilioill \vorden isl. I'.s lassl sieh deshalb aus ihren Tem|ieralurverhiillnisson auf
dicjiMiigen ihres unlerirdiselien rrspnmgsortos seliliesseii. Die Teinperalnr sehr
/ahlreiehor, ja der meislen Quellen isl aber eine hohere als die milllere Tem-
])eratnr des I'unklcs. an \\eleliein sie her\ orbn-ehen. Man nennl dicsclbon,
namenllieh dann. \\enn dieser I'lilerseliied oin hedeulender isl, war me Quel-
len oder The rm en. .Manehe dieser Thernien , SO die Geysirs auf Island,
.ml' Neu-Seel, md und ,im \Veslabhangc der Uoek\ .Monnlains erreichen Siedehilze,
und kommen deshalb aus nnlerirdisehen Hogionon , wo so hohe oder noch ho-
here \Varmegrade herrsehen. deren Niveau unter der Krdoberdiieho jcdoch des-
halb niehl genaiier lesiueslelll \\erden kann, wcil Tiefe und Richlung unbe-
kannl sind, aus weleher die Wasser zu uns gelangen.
8 F. l'll\-i«»Ul.lplli-~cln-
Dieses Ilindrrniss \\ird in soldirn Fallen beseiliijl. \\o in. in unlerinlisehen
Wasseransammlungen dmrh senkredile Bohrloeher arlesisehe Brnnnen)
einen kUnstlichen Abfluss \ersehalll h;il. Besonders bd der A n 1 .1 g c der lel/-
leren \\ird es moglidi sein . \on Fuss /ir Fuss genaue Teraperaturinessungen
des in ronslalirlen Tiefen hervorbreehenden \Vassers \ nr/.midimen mid ;ms die-
sen iiul' die Temperaturverhttltflisse der durcbbobrten Gesteins/.onen sdbsi /u
sehliessen. Derarlige Beobachtimgefa haben v.\\ dcin lirsliiiiinlrii Hcsiill;ilr i:r-
I'iilirl . diiss milrrluill) drr (irrn/r del1 IJrriiillii.s.siinii von Sritrn ilrr Sonnrn-
\\.innr n.icli drr Tirfr /.u rinr .slrlr /nnaliinr drr 'rrinpriMliir sl;i!llindrt mid
diiss Irl/.trrr in drinsrlhrii .M;i;issr \\iirlisl, \\ ir die Tii'fr .in l,;mi:rnrinlirilri).
Hir An/iilil vnii .Mrlrni odrr l;iissrn, \\rlrhr in, in in die Tiefr i:elien muss, mn
eine Krlioliimi: der Teinperiilur urn I ° (1. \\.ilinielimen /n kinmen nrmil m;m
die ue ol lierm isrlie Ti e I'e n s! u I e. Hei (Jele^enlieit der Anhiue vei'sehiede-
ner Holirl()(Hier Mir^eiHimmene Beol);ielilnni;en erizehen. d;iss /,. B. in dein Holir-
loclu- von Kiidersdorf ;ille 92 F., in dein \on (Jreiielle ;ille '.)."> F. mid in dem
\on Neiis;il/\\erk ;ille 9;'.;'7 I', eine Temperaliir/.muilnne \on jr I " (]. stalll.ind.
d,is> mil aiideren \\Orlen die geothermisrlie Tiel'enstul'e in diesen Bolirlorhrrn
(.>:'. (.i-"» mid r(\\as idirr (.»i F., also etwa '.\\ M. Itetruii.
BesUitigl wurden cliesc Resullale (lurch Teinperalurheohaelilmiuen in Ber.u-
\\erken, in deren einigen man bis zu 1000 mid nielir .Meier Tide hinalme-
dnmiien ist. Ilirr isl die /weckmassigste Methode diejeniue. hei \\olelier man
unmiltdbar die Temperatur des Gesteines innerhalh frisch gesrlila^ener, nidire-
rer Fuss liefer Bohrlbcher zu bestinmien suchl. Auf diese Weise \vurde iiberein-
slimmrnd feStgeSteltt , dass eine Warmezunahnie mit der Tide slattfindel mid
dass die Temperatur in jeder belrachtlieheren Tiefe constant isl, wahrend die
Grosse der geothennischen Tiefenstufe nach Maassgabe der desteinsbesehafl'en-
heit und anderer localer Uinslande sehr schvvankl, fiir gewohnliche Tiet'en jr-
doch in einer runden Millelzahl auf 33 M. veranschlagl \\erden kann. in mns-
serer Tiete aber immer grb'ssere Werthe erhalt.
Selbst in Jakulsk, wo der Boden bis zu einer Tiefe \on last -Jim M. das
ganze Jahr hindurch gefroren isl, nin)ml die Kalle mil der Tiefe ab und /.war
des gulen Leitungsvermbgens des Eises wegen in sehr kleinen geotherraischea
Tiefenslufen, so dass die Ternperalur in 130 M. von — I7,I2°C. auf — 2,9°C.
steigl.
I'.ine ebensolche F>hbhung dei% Temperatur der Gesteine und der in ihnen
circulirenden Ge\\iisser mil zunehmender Tiefe. \\ie sie fiir die aussersle Srliioht
der Erdkrusle mnstatirt ist, \\ird anrli in fiir mis mierreielibaren Teufen stall-
linden. I'nd in der Thai legen die heissen Ouellen. \\elehe an /ahlreiehen
I'nnkien bervordringen, Zenuniss ab \on dem Temperaturzustaude jrnei- \i\eans
des Krdinnern . denen sie ihre hohen NYiirinegrade \erdanken und die mil
Zugrundelegung des \orher Milgetheillen rinrr Tid'r \on el\\a :{:{()<) .M. anue-
hbren miissen. Sleigen mm iihnlieh \vie diese heissen Ouellen gesehmol/rnr
(ii^lriiiNinassrn aus drm Krdimirrn hrrauf. so kiimien \\ir nielil anders als
seliliessen . dass sie aus Tiefen slammen , in wdehen gem'igende Hil/.egrade
herrschen, mn jene (iesteinsmassen in Fluss /n eihallen. also wenigslens ;'nini"i;.
I. Ph\sioi:i-aphisclie (icolo^ic. '.)
Line derartii;e Temporalur \\iirde num. \\eim die Wdrmeztinahme dcm (iescl/.c
cincr arilhmelischen Progression I'olgte , in ('»»'>. 000 M. Tide crreichen. Weil
jedoeh die geothermischeo Tiefenstufen mil der Tide sdbst \\achscii ,„ so diiiTle
dii- (irenxe xN\ischen uoehmol/eiier (icsteinsmasse und fester Erdkniste erst in
doppelter oder dreilacher Tide xu suehen sdn. Da mm heissc Oucllen so\\o|il
\\ie llUssige Laven an xahlloscn , fiber die ganxc Krdkii-d \ertheillen Punklen
licr\orbreclicn, so muss aul' cinen in dcr KrdtidV iihcrall sorliandt'ncn \Viinw-
i|iidl, fincn ;;l ul li I'l its s i i: c n Knlkrru i^eschlosscn xM-rdcn, \vddicr sich
allmiihlidi mil cincr Krstarnm^sknislc iim-chcn h;U. Mil dieser Auflassimg har-
monirl dcr Salx, /.u \\cldicm die hcid(Mi Noi'i^cn Parai;raphou filhrlcn. dass die
(icslall inn! das spccilischc (ic\\idil del1 l-j'dc aul' cincn urspriindidi Iliissiucn
Xusland hin\\ciscu.
§. i. VcHlieilunu: von Land und Moor aul' dor Erdoborfliichc. Unscr
PI, met hat x\\ci Umhttttungen , cine mir local \ci-|>rcitclc , das \Vasscr, und
cine alliicindiii1, die A tm ospliii re ; xwisdien tier partidlen Wasserbedeckung
(fill die Krdkruste als l-'cslland xu Taj^e. Die Oberniicho unsercM1 Ki'de \\iid
dcmi;(>mass \on Laud und Was.se r izehildet, jedoeh in einem sdir undeidien
\crhallnisse: das letxlere niinml fast z\voi DritUlieile melii- Oherfliiche ein als
d.is Land, oder uenauei- : die Grossc dcs Moeress|)ie;;els verhiill sidi xu der
Oherlladic dcs Kesilandes \\ie-275 : 100. Eine noch uugloichcro ist die Vci-
Ilicilunu dcs Landes innerhalb der rinxdnen Zonon, wdehe die Erde umi;iirlen,
indcm die nordlidie llall)kiif;d fast dreimal soviel Festland als die sildlidic.
die nordlidie p-massiijilc /one jileidiviel l>and und Wasser, die heisse Zone
1 i Land und - ; .Mccr hcsitxl und endlicb auf die Olterlladie der sUdlichen ^c-
inassiutcn /one nidit i;anx '. ,„ Land komnit.
Lin L:c\\isscrmassen neulrales Gebiet zwischcn Land und Wasser reprasen-
lireu die Liloralxonen der Continente, die wahrend der Flulhzeit vom Meere
hedecki sind. \\iihrend der Ebbc als Laud erscheinen.
§. -ri. Allgemeine Ornppirnng der Coutinente und Oceane. Grossere
/ii>,immeuliaiii:eude Arcale von Land \NcrdenContinente, solche von Wasser
Occane. klcinerc Parthien von Irockenem Lande Inscln, isolirle Wasser-
hcckcn Seen ^cnaiint. Wahrend jedoeh die Continente von einander ge-
iicimtr, ixiliiie Masscn liildcu, nehmen die Oeeane ein xusammenhiinucndes
Mecken ein. sind ein ein/.ii;es, iu versehiedene, aber communieirendc Anne ge-
ulicdcrlcs (ian/.cs. Das I and pruppirl sieh in 2 g rosso ro Conlinentaleomplexe,
den Orient, an \velehen sieh Australien ansehliessl, und den Occident urn den
Nordpol. urn sich in siidlicher Kidiluni: immer mehr xu vci'schmiilern und end-
lich in der Siidspit/.e von Afrika mid Siidamerika ganx ausxukeilen. Die \\ as
ser hin.m'gen haben sidi mehr um d<'n sildliehen Pol angesammell und scndcn
nach Norden xu drci urossc Ausliiuler, den allanlisdicn. den stillen und den
indisdicn Ocean aiis. \\eldie sidi x\\ischen die nach Silden xu hornlormig aus-
laurend<Mi Continenle schieben . um sich in demselben Verhiiltnisse , \\ ic das
Land an Ausdehnmii: ge\Niiml. xu \ereni;en. Wahrend aber die Oceane bis
xmn Nordpole reichcn und dort die Nordkiistc des Fesllandes bespillen , liegl
di(> mitllere siidlichc Grenxe des Idxleren bereits iin 45° s. Br., also gcradc
halhuegs /.uiselien Aeipulor mid Siidpol. So ivirlil Sodamerika nur his /.inn
•'•I'.". ;i|so his in die Hreile \<in Edioblirgh mid Kopenliagen . Al'rika nur his
H\\.i /inn '.\'i ". also his in die Hrcile \oii (iihrallar, Auslralien his /inn \'-\(>.
also his in die Itreile tics nordliclien Portugal. .ledoch erliehl sicli innerlialh
der ring's inn dm Siidpol aiisgehreilelen Treiheismassen cine Inselgrnppe oder
fin I'olareonlinenl iiher den \\asserspiegel.
^. <'. (jlicih'riiiiv: <I<T ('onlinnilnlniasscii. \Vie hereiis er\\almi. grup-
pirl sieli das Fesllaml x.ii x,\\ei \on eiuander unabliiingigeu (loutitienlalmassen.
einen osllielien und einen \\eslliclien Laiidcoinplex. l.et/.lerer heslelit aiis \ord-
nnil Siidamerika . ersterer aiis Mui'tipa. AlVika und Asien . denen sieli , dureli
eine Kelte \nn Inseln enjz Nerhunden. Aiislr.-ilien anschliesst. Diese heiden ^ros-
sen (ioiilinentalinassen \\erden in last reelileni NVinkel anl' ihre iJinuenersleekiniL;.
also in mii:e|'iihr osl-\\ esllieher Itieliluni;, dureli liel'e Hnelilen «'ini:ese|inilleii mid
dadnrcli in eine nonlliehe mid eine siidlielie llall'te Ljelheill. \\iirde die l.and-
enue son I'anaina. \vi(> es mil tier \on Sue/ ueselielien, durelisloelien. so \\iirde
sieli in dem Millelliindiselien mid dem Mollien Meere , dem (loll' \on Mexico
mid dem Caraihischen .Meere. endlicli in den \\asserslrasson des oslindisdien
Areliipels nehsl den (la/.\\ iselien liei;en(len oceanisehen ZoiHMl ein mimilei-hroelie-
ner (iiirlel oll'enen \Vassers inn die Krde /.ielien. In Fol^i' dieser Kinkerhmii;
/.erlalll der \\esllielie (]onlinen( in Nord- und Siidamei'ika , \\iihi-end der i»|-
liclie Landeoniplex als ein Doppelcontinenl , hesteluMid aiis Kuropa und Asien.
aiif/id'assen isl, \\elchen AlVika und Australicn tmgrliiiiiiil sind.
§. 7. luselll. Die /.ahlreichen Inseln. \\elelie sieli in niielister Nalie des
l-'estlandes iiher den Spiegel des Oceanes erhehen (die G esla d e - 1 n se I n .
sind als losiietrennle (iliodcr der Conlinetite zu helrachlen, von denen sie nur
dureli verh#ltnissm8ssig seichle Wasst-r lietrenni sind, so dass sie in l;oke einer
Ntveauveranderung \on eini^en llunderl Fussen \vieder mil dem 1'esilande ver-
einiul sein \\iirden. So geJioren Schotlland, England und die diinisehen Inseln
dem europaisehen , Japan mid der in'osstc Theil der oslindisehen Inseln dem
asialischen. Neu-Seeland. Neil-Guinea und Celehes dem australischeii. Vancou\er,
Neutundland und das Feuerlaud dem amerikanisehen Continonle an iind ersl
see\\iiris \on ihneu sliirzt sich der Meereshoden sleil zu dem eigentlichen ocea-
niselien Hecken ab, - - beginnt also ersl der Ocean.
Die l.oslren'nunii der (lestadeinseln \om Festlande ist entxveiler dureh den
Zerstorenden EinfluSS der <le\\iisser. so\\ie iiherhau}>l der Atmosphiirilien /. l>.
hei den Sclieeren-lnseln) odcr durch brtliche Senkunt: und lheil\\eise I'eher-
seliNM-mimmi: der Conlinenle izesclielien. Die Merkmale einer Knlslelmiii;, \vie
der lel/.ler\\almlen, /eiiieu sieli am deiilliclisten hei Crosshrilannien und Irland.
l-'.in seichter Meeresarm , die .Noidsee und der (lanal. iiher deren Spiegel ein
aul' ilirem (iiunde slehender KirelitlUirm um ein Ketraehlliclies hers orragen
\\iirde. hal sieli /.s\ iselien sie und das Festland gedriingt. Dies isl. \om geo-
I'^iseheu Slandpunkle aus aiiCgd'assl. «'rsl \or kiir/erer Xeit geschehen. da die
hriliM-heii ln>dii alle \\ilden (iesvii'-hse mid Thiere des curopiiiselien Fesllandes
hi'sil/.eii . so\\rj| >ic ilirem klima zukommen. Kine \Vieder\ereiiiigung dieser
Insdgruppe mil dem Conlinente dureli eine saeeulare llebung \\urde demnadi
I. Physibgraphische Geologic . II
cine \\cscnlliclic YerandcrmiL: der I'llan/.en- mid Thieruell nirhl /ur Fol^e hahcn.
In eiiiem u.in/ ahnliehen Yerhallnisse slehen Horneo. .l.i\.i und Sumatra /inn
a-ialisehcn. - Cclel.rs. Neu-<iuinea, Ncn-Calcdonien. Vn-Secland und I 18
maiiicn /.urn anslralischcn < jmlinenlc. nnr hal ihre l.oslrcnnnni; hcrcils \or laii^cn
ueoln-ischen /.eilramnen .slalljjefmiden. Die (iren/sehcide hcidcr lnsel\\ellcn isl
cine iiher I no l-'.idon tide milerseeische Klul'l, \\clehc sieli in nnr \ ier Mcilen
Hrcite /uix-lirn li.ili und l.omlmck cinciMMis uiul (iclchcs und Borneo anderer-
M-iK hiuiliiivli /i'-hi. \(ird\\csllicli \(»n ilir sind die Tliicr- mid I'llan/cnlor-
men iisiiiliseh. sjidi»llieli iliii'ehwrii ;mslraliscli.
lnsell)ildmi-en in l''olue Ijurdiirliiicr Kiisten/ersliiekelmii; Irellen \\ii- mir
nnler liolien Ri'eilen mid /A\ar an den paeilisclien I'lrni des hriliselien mid des
Iriilier nissisclien Nufdaiuerika. ,su\\ie I'ala^onicns, enillieh an der
KiMe (Jronlands. \.,ir\\e;.eiis mid Srliolllands.
Dio o eea n iselien Inseln lie^en Tern MID den Kiislen der
ninl slehen /.n diesen in keiner iinmiKelliaren He/ielninu. Sic sind enluedcr
(ieliirusplaleaiis mler Kei'i;L;i[)fcl iinlci1 den Meere.ss|tie-el uesmikeiicr l;esllande.
also dereii Icl/.le I Iterresle \\ ie (]c\l(»n mid Madagascar), odcr mid /\\ar bci
\\eilem ilirer .Melir/alil naeli jmiii \iilkanisclic odcr coralline Bauwerkc. lloehsl
eliaraklerisli.sch isl die selir ;je\\ olmliclie \nitrdnnnu der Vulkancninseln /u
llaelien CniAeii, \\clclic so ueslelll sind, dass ihrc NViilhunii dein Oeeane. ihre
eonea\e Seile dcm 1'Vsllaiidc /IILJCNN endel isl. Die Alenten, Kui'ilcn, I.ien-Kliieii
Inseln. die kleinen . \nlillcn sind Irellliclie |{eisj)icle dcr Arl. Filr die Korallen-
inseln isl ilire iierini:e .Meeresliiihc mid die jilcichmiissiiic WiederilolUBg ilirer
einl(irinii;en (lonliircn, im (ii'uensal/. /ii dcr ol'l schr helriielilliehen llohe mid
mannigfalligen (ilictlcrmit; der Vidkaneninscln, bezeicbnend. \Y;ihrend die ai-
lanliselien und indiselien Mcerc selir arm an oeeaniselien Inseln sind, liesil/l
der |iaeilise|ie Ocean. j:an/. al»i;csclioii von don Vulk;incn-Schnurcn in der Nalie
d-'i Cniilinenie. ilirer mehr als -")70, dci'cn (Icsanimlarcal jcdocli nur \\cni^
•jinxx,-!- sis :{0()0 DMcilcn isl. Diese /alilrcichcn Insclclicn sclixviii'incn <|iier
dureli die Siidscc mid hildcn cine Zone, \\clelie sicli von dern indiselien Arehi-
|icl aus in o. s. ii. Hielilmiu iihcr den Ae<|uator hinucii in die siidlielien Tropcn
x.ielil mid den Nainen Pohnesicn mil Hccht fiihrl.
§. K. AnsclM'incinh' Oeset/iniissi^kcit in don Umrisscn der Conti-
iM'lllo. Die all^cmcincn I'lnrisse der Continents selieinen eincr !ic\\ isscn <ie-
Nc|/m;i.ssii:kcil /.\\ nnlcrlicLicn, indcm ihre llaiiplkuslcnlinien cnl\\cdcr in nord-
nsllielicr (uler in n<ird\\esllielier UiehlmiL: \crlaiifcn. Dadureli isl die keillurniiue
(ic^iall der l;esilaiide, ihre naeh S. iicriclilclc /uspilzuiii: hcdiiii:!. Die Osl-
ku-ir Nordaiiierikas |O|L;| einer nord<islliehen Hichlmii:. in ilirer niirdliehen |-'orl-
vei/nnu liei:! die Oslkiislc (iri)idands. dicscr parallel die \Veslkiisle Skandina-
\iens. \\ahrcnd die Siidkiisle von Yucatan in ihrc siidliehe Ycrlan^ermiL: fiilll.
Ilir |)arallel I. mil die last \ollkoinincn i:eradlinii:c Siidost-. so\\iedic Nord\\esl
kiisle Siidamcrikas. Dei- /.\\eilen. also nordu eslliehcn llaiiplriehtmiL: j^chorl die
uaii/e in llaehe Cur\cn L'elMiL'ene \Yeslkiisle Nord- mid Sildainerikas an. ebens,.
die Nordoslkiistc diesi-r hcidcn Coiilinenlc, so\\ic cndlich die WcslkUslc (iron-
lands.
12 I Physiographisohe Geologic.
Die keillormiue. (lurch die nnrdostliehe uiul die nnrd\\e.stlielie Hiehlun-
ihrer llauplkuslen brdiugle (Jeslalt Xordamerikas \\iederlioll sieli in Al'rik.i so
vollkomnien, d.iss sn-ar die ;ms- mid einspringenden \Vinkel beider Welltheile
einamler -e-eniiber liegen. — fcruer in Arahicn, in Vorderindien, so\\ie in dein
siidiislliehen Theile Asiens. nur isl hier die Geset/.massigkeit dec (Jeslallung
dadureh el\\as \er\siseht. dass sicli die Siidspitzc /uin grosslen Thcil unter den
Meeresspieuel uesenkl hat mid nur noch dureli ein untersceisches Plateau, auf
\\eleheni Borneo, ,la\a und Sumatra emporsleigen, angedeulet wird. (Jan/, iihn-
lieh \erhiill es sieh mil Auslralien. Neu-Guinea, Neu-Caledonien. Neu-Seeland
und Tasmanieu slehen zu diescin Contincnte in demselhen Verhiiltnis.se wie
England /.u Europa. \\ie Borneo. .la\a und Sumatra zu Asien, - sie sind die
lei/ten Dborbleibsel der im Xuslande saeeularer Senkung begrill'enen Osthalfto
iles einslmaliiien ansti'alischcn Gesannnteonlinentes. Erganzt man dessen t he-
malige, jetzt zum Theil unterseeisehe Gestalt. (lurch Verlangerung der Kiisten-
linien Neu-Seelands in nord\\esllieher und siidwestlicher und die Weslkiisle
Tasmaniens in stidosllicher Richtung, so ist die Aehnlichkeit derselben mil der
der des heuligou M'rikas eine tausehcnde.
Die linmoloLre (Jeslalt Afrikas, Amerikas und Gronlands hedingl unter An-
derem aueh die doppelt geJ)ogene Windung des allantisehen Oceanthales und
seine Ver/ueigung in einen nordwestlichen und einen nordbstlichen Arm, die
Da \isslrasse und die Meeresstrassi- /. \\isehen den parallelen Kusten von Grbn-
land und Norwcgen. Eine \\eitere Folge des nach N. divergirenden Verlaufes
der 1'iir die Conluren der Continenle maassgebenden NO.- und SW.-Linien isl
die unuleielie Verlheilung von \\asser und Land auf der nb'rdlichen und siid-
liehen llalbkugel, die Anhaulung des Trockenen an dein Nordpol, seine horn-
fdrmige Ausspitzung nach S. zu und die Ansammlung der Gewasser an dem
Sildpol.
§. 9. Bcliefformen des Laildes. Der allgemeinste Unlerschied in der
Reliefbildung des Laudes \vird durch die Bezeiclmungen : Tiefland, Hochebene
und Berge ausgedriickt.
Tief lander sind ausgedehnte Landstriche, welche sich ilberall nur \venig
Uber den Meeresspiegel erheben. Sie beginnen nieist unmittelbar an den Kilsten
des Meeres, von welchen aus sie sich rait sehr geringem Ansteigen oft \\<Ml
in das Innere der Conlinenle erstrecken, so das norddeutsche Tiefland und die
Mississippi-Thaiebene. Es giebt indess auch Tieflander, welche nicht bis zum
Meere reichen, sondern rings von Gebirgeu umgelten sind, \vofilr das nieder-
uiiLiarisehe Binnen-Tiefland ein Keispiel liefert.
Als Hoc he I) en en IM a I e a u s) bezeichnet man stelig ausgedehnle Erhe-
bungen des l.andes vnn bedeutenden horizonlalen und verticalen Dimensionen,
\\eh'lie let/.lei-e ue\\bhnlich Uber 300 .M. belragen. Die Oborflachc des Plateaus
isl meisl Ndllkommen eben oder \\(>llig und hllgelig. /.uweilen sind jedoch Berg-
knppen und (iebirus/.uge auf dieselben aul'gesetzt, oder schluehlenarliue \Vawr-
laule lief in dieselhen (Mnizeselinillen. So erhebeu sieh auf dem Plateau von
nuilo. \velches 10,000 F. Meereshdhe besit/l , unler anderen di(> i:e\\alligen
Krg.-l des <:<>tnpa\i is.TT-'i Fj und Chiiiibora/o :'l.iil F.) -- auf dem Thon-
I. Physiographische Geologic. 13
schiefergebiete von Laach die abgestumpften Vulkanenkogel <les Rausenl icr^e.s.
dr> llochsimmer u. ;i. I);is ^i-Mvx.irtLste heispiel fiir Schluchlenbildungen auf
Hochebenen liefert <!CT Colorado in dem nordainerikanisrhen TeiTitorium \on
An'/oiiii. in (lessen aiisgedehnle llochebenen er ein Sxslein \on 2-.'{000 M. lie-
fen, senkrechten Schlurhlen einueuiihlt h;it.
Hire Hegivn/ung linden die Plateaus enlweder dnrch Tiell;ind. oder dureh
Gebirge, und /.\\ar Iheils diiirh allmiihliche reberuange oder duivh slul'enlormige
Absiil/e Terrasseii'. Iliinlig \\erden llorhebenen ;uil' melnvren Seilen \nn Ge-
birgen mnl'assl: so dehnl sirh diis Tafelland \im Tiibel y.uiselien I lnn.il,i\ ;i
und kiien-I.iin in einer dinvlisc-linittliclien llohe von 4000 M., das 1500 M.
hohe Sal/seeplatan /.uischen den Rocky Mountains und dor Sierra Nr\ada .HIS.
Hcriie erheben sich entxNcder \ereinx.elt aus der I'>bene, oder eine irriissere
An/a hi derselben 1st zu (Miu-ni viellaeh i:ediederten (ian/en verbunden und
bildet dann ein Gebirge.
Isolirte, ei n /e I st ehende Herije sind verha'ltnissniiissii: selten und dann
ineist Milkanischen rrspruni^s. In diesein hi Me besit/en sie iiewolinlit-li ke.Liel-
oder domfitrmige (ieslalt. Meist trelen sie in grosserer Anzahl neben einander
auf und plleLH>n dann entweder unregelmassig gruppirt oder reihenweise neben
einander gestellt zu sein.
Die Gebirge unterscheidet man, je naehdem eine ihrer Horizon tal-Dimcn-
sionen sehr \ orherrschend ist oder nfcht, in Gebirgsketten und Massen-
gebirgc. I.ei/.tere bilden eine gewohnlich uni einen noch hoheren lierg, eine
inn einen Mittelpunkt geordnete Gruppe, erstere mehr oder weniizer langgc-
strfckte Heihen, welche entweder quer- oder langsgegliedert sind. Die Quer-
gjifderung ist die gewb'hnlichste von beiden Erscheinungen und besteht darin.
dass voin Gebirgsrttcken aus nach beiden Seiten Riicken und Thaler in einer
aul die Axe der Kette fast rechtwinkeligen Richlung auslaufen, wahrend zulolgc
der parallelen Gliederung, die am jirossartigsten im Alleghany System ansire-
spnu-hen ist, das ganze Gebirge in inehrere, zura Theil sehr zahlreiehe parallele
Ketten /erl'allt, unter welchen eine durch ihre Langen- und Hohendiinensinnen
als llaiiplkede hervortritt.
Rei der Feststellung der Hohe eines Rerges oder eines Gebirires kann man
sich enlueder auf das Niveau des Meeresspiegels, oder auf das miltlere \i\e.-m
der aiii^renzenden Landstrichc bcziehen. In crsterem Falle spricht man \on
absoluter, in let/leivm von relativer Hohe. So erreicht z. R. das Hima-
Ia\a-Gebirge in Mt. Everest eine absolute Hohe von 29,000 P., bcsil/.t aber von
dcin Plateau von Ttlbet aus betrachtet, nur 17,000 F. relative H5he.
Naeli Unterschieden in ihrer Hohe nennt man die Gebirge Hoch gebirge,
\\enn dieselben 2000 M. oder noch holier ilber den Meeresspiegel reichen.
gcmeine (icbirge. \venn sie diese Hohe nichl crlangen. \\iihrend man lioden-
erhelmngen von nur wenigen Hundert Fuss Hohe als II Ug el land be/eichnei.
In der allgemeinen Form eines (iebirgcs geben sich zuniichsl drei llaupl-
theile /u erkennen : der Fuss, seine unteie Itegion, woes rnit dein umgcben
den Plachlande verschmilzt, die seillichen Abhiinge oder Abl'iille und end-
lich derKanim oder Rllcken. die obere Iteuion des (iebii-ges. in welchcr sich
14 I. Physiographische Geologie.
die beidersoiligon Abl.ille vei vini-rn. < 'ir\\i.|mlich sind die (iebirgsrtlckon 7.\t-
gleich die \\ ,i - -•• i -<• IK- id «• n Eweier Plusssystenie.
Thaler sind die rinncnlormigcn Kinsehnitle. duivh \\elche die Gliederung
der (iebirge. so\\io die DtirchiUhrUDg dcr I'latcans bcdingl isl. Sic bcginiicn
liiiulig ;ils Schluclilen. erueilern sicli x.u (iriindrn und nelimcn als Tliiilcr .111
llreile und Ausdelmung x.ii. jc uichr sic sidi dcr Kbene niilicrn. l.aufen die-
selben in ungol'iilir reehlem \\inkel \<m den < icbirgsriickcn ;nis. sn lieisscn sie
Oncrl ha Icr. \\iilircnd die y.\\ isclien ilinen liegcnden licrgriickcn ;ils .liiclicr
hc/.cicliiK-l \\ei-dcn. DicjcuiiZcMi ticfslcn Slellen cincs (Jchir^M-iickens. ;mf \\ clehc
dcr A.USgangSpUBkl x.\\cier nacli enluciicn^esct/lcr Seitc des (iebirues Ijnifcndcr
Ouei'lhiilcr I'iillt und die in I'okc dii\on sjillclloi'inii: .niv^elniclilel erscheincn.
sind die (ielii riispiisse. Die Lii n ii e n ill ;i I e r liinreii deni ll;iii|)l/UL:e einer
(iebiruskelle parallel, sind (h'sweizen die licdiiiiiinii: I'iir kellcidonniL'e (u-ldi-iis-
giiederung und /eichnen sich moist (lurch ;mtTiilliiz geradlinigen Verl;iuf ;ius.
Dio i.-nisslen Niveauunterschiede auf deni Fosllande sind in dcr I'mL-elum^
des Todlen Meeres. \volcho 434 M. unler deni .Meeresspiei:el lioiit. und deni
Ml. K\eresl. \\elelier 9(i(i7 M. ahsolute .Meeresluilie hesil/t. naehj;e\\ iescn. Diese
Iliihendin'eren/. \velehe demnaeh 10,100 M. bolriiiit, isl jedocli noch ininier \er-
sch\\indend kloin. worm sie mil dom Erddurchmessor \orulielicn \\ inl. /u \\ol-
ehein sie sich verhiill \vie 1 : 1373. Man hat doshall) mil Reclil die rnelien-
lieilen aul' der Oborlliicho doi1 Krde. \\enn ni;in lel/.lere mil eincin Hi \crulich.
mil den Hauliigkoiten auf der Schale desselben in Parallolc uestelll.
Ein \vichtiiros 1-llomont boi Beslimmuniz der Helionbrmen oinos Continenles
tider eiiies Theiles desselben ist seine mittlere Hohe, d. h. diejeni^e Iliihc.
welelie or in seiner ganzen Ausdehnuui: haben \\iirdo. \venn seine Masse L'lcielj-
lormiii auf seiner GrundllJichc ausgebreilol \\iiro. Man hal die milliore Iliilie
l-'.iirnpas auf 223, Asiens auf 383, Nordamerikas auf 2i(.). Siidamerikas aul' 377.
Afrikas auf 500 (?) und Australiens auf 170, und somil die dor siimmtlichen
(iontiiieiile auf ot\va 300 M. geschalxt. Wiirdo diese fiber dom \Vasserspic!_'el
belindliche Krdmasso in die Oooano izostUr/t, so \viirde diesclbe. da ila> MHII
Meere einiiononuneno Aroal dreimal so gross ist, \\ io <lio Oberlliiche des Landos.
da- Mceresbeckeii ' ; \nn :{()(). also 100 M. hoch ausfullen. .Niniinl man die
dun-liseliniUliohe Tiefe des Oceanes zu 5000 M. an, so \\iirde i-'imal sn \iel
I'lrdmasse niitliig sein, als sich oberhalb des Meoresspie^cls belindet. um das
lio< ken der Oceane aus/iiLileiehon.
§. 10. Gewisse Gesetzmiissigkeiten in den ]{elioft'ornien des Landes
Kbenso vvie in don MorizonUil-Conluren dos l;osllandes. sn IICITM-II! aucli in don
Heliellormeii dor Continonlo cine 1:0 \\ issc (icsel/miissiukoit. \\elche sich dai'in
kund L'iebl, dass die Hiinder des l-Ysllandos y.u Kdsteogebirgeq omporsleigen,
deron Iliilie in eincin beslimmlen Verhiillnisse y.ur (in'isM- de> aii^ren/cndon
Oceanes slchl. In I'oke dieser Mrsohoinunii isl einerseils die I .ago und das
Slreiclien der (iobirgo (lurch die rierrichlung dcr IVsllande. dcncn sic ango-
hiiren, so\\io ihre Iliilie diireh die Ausdelmung dos bcnaclibarlcn Meeres bo-
sliniml. andererseils die .\olh\\eiidigkoil der flaohoron. im Allgomoinon bassin-
liirmiiien (iestalluniz dos Inneren dcr (lonlinciile -c'-icbcn.
I. Phyaiograpbische Geologle. 15
Am deullirhsten tivlen diese Abhiingigkeitsycrhalluisse y.\\ i.schen Yerlauf nnd
llohe der (iebirge einerseits mid Co&tinentalgestaltlTOg und Meei-esuroxse anderer-
seits in Nord- und Siidamerika hrr\nr. .leder dieser beiden Conlinenle besil/.l
fin {isllidies und em \\estliches Kiisleiiiiebirge. welche \\ie diese Kiislen sell»,l in
bordwestlicher und nordostlicher Hiehtung \erlaufen. und deren \\esllidies. ;ils
das den grosseivn Ocean begren/.ende. d;is hohere isl. Dcin Alleghan\ S\stem
enl.sprechen in Siid;iincrik;i die l>r;isili;mis»'li<'ii (Jebirgskellen. — drn Andes die
Sierra \e\ada und die Hockx Mountains: die ;ill;indiselien ('lebirge mil XOO bis
L'IIIMI M.. die pacilischen mil 700 und inehr Meier llohe enlspreehen der (iriisse
dev angrenienden Oee;mes. X\\iselien heiden (Jehirus/iiiien delinl sieli d;is Innere
der iiinerikiiniselien ^unlinenlc in eltenen IY;ienen und ll;ielien l'liissli;issin> ;uis.
Audi SiidatVik;i isl, so\\ci( \\ir es kennen, eine lloclielteiie, die iiiieh den
lien;ielili;irten .Meeren durch mifoerichtete (iehirusriinder Iteizren/.l \\ird.
Ati>lr;ilien endlieh diirl'le el)enl';ills einer iillseilJL; ;in den Hiindern iieliolie-
nen und n;ich Aus.-en sleil ab/liir/enden , ini Inneren aher sich einsenkenden
llnelii-ltcne uleielien. Die oroi;r;iphisclien \Crli;illnisse des asialiseli-eui-opiiisclietj
l)iip|ielconlinenles sind \er\\iekellerer Art und lassen sich auf naliirlielie \\Cisc
mil der hei den iibriiren Feslliindern uellendeu (icsel/iuiis.siiikeil nieht in I'-inkianu
hriuiien. I'jne ultereinstiumiende Mi^enlliiimlielikeit nllcr seiner Gebiriie iiielil sich
jetluch darin kuiid. dass ihr dem Meere zugewandler Abfall steiler ist, «ils ihr con-
tinenlaler Abhani;, \velcher sich durchweji xu ausLiedelinlen Hochebenen \erllaehl.
AIIS der im Alli:enieinen nacht:e\\ iesenen Abhiiniiiiikeil ih'r l,;iire und Hich-
lunii der (iebir^e von der Ntihe und dem Verlnuf der Kiislen, — der Ihihe der-
selben \on der GrOsse der anizrenzenden Meere, der Sleilheil ihrer (Jehiinue
\on d<'in I inslande, ob diese dern Oceane oder dem Festlande zuiie\\';indl sind,
Liehi her\or. dass die Gebirge jtinger wie die Conlinenle sind.
§..11. Der Meeresgrund. Die Umrisse der eigentlichen ocennischen Becken
I'allen niclit ininier mit den Kilstenlinien der Conlinenle xusainnien , \ ielmelir
y.iehen sich inn die ineislen der letzteren flnche Kiistenzonen, welche als unler-
sfi-is.-hr l-'urisei/ungen, als vom Meere bedeckle Riinder der Conlinenle y.u be-
Irachlen sind und denen auch die (lesladeinseln nngelioren. Oil n>l Meilen
\\cii von der Kiisle slilr/t der Boden 3000 bis 7000 M. lief ab, und erst hier
be-innl das eigenlliche Mecresbecken. So erslreckt sich z. B. die Oslkilsle von
Nordainerika, so nainenilich von New Jersey , unterhalb des Meeresspiegelfl nodi
el\\a Hi Mcilcn ueil hinaus und senkl sich aul' diese ganze Knllei-nung nur
"JOU M.. also nichl inehr als 1 M. auf 040 ; erst dann sliir/l sich der Meeres
grund sleil in die Tiefe.
1 1. > Itelief des Meeresgrundes und seiner Niveauverschiedeobeiten sind im
Veruleich /.u denen des l.andes nodi \\enii: genaii bekannl. Ivs sind inn ein
/cine I'unkle oder Linien. auf denen man Tiefseeniessiinuen \ orgenoiuiuen hal.
Xach diesen lel/leren /.u schliessen . erreichen die nordlichen Theile des allan-
li.M-hen und pacilischeii Oceanes el\\a iOOO M. Tiefe, \siihrend an einy.elnen
Slellen in dem siidlidien (iebiele des ci-lririi Helen \ on 6000, 8000 mid iiber
14,000 M. Qachgewiesen uui'den. hie milllerc Tii-fe dci Mi-eresbecken \\ird
auf -'iOOO bis 7000 M. gesrhiilzl.
16 I. Physiographisclie Geologie.
Auch auf dom Meeresboden \\cdiseln Hohen mid Tiefen mil dnander ah,
nur fehleii alle die I'nehenlieilen. \\elehe die /.ersloivnde Kr;il'l tier Alhmosplia-
rilicn mid Iliessenden <;e\\;isser ini La life der Zeit auf der Krddterlliidic .ins
dem lYiiher miiicLilirdcrtcii (I;in/cii hcnuisiiCiirhciU'l lial. Ks hrsil/i \iclinclir
cine eiiilonuiizc, ll;icli\\('lli^c Ohcrfliirlie, \\clclic >ic|i in sanl'-
hebt oder senkt mid von ;illm;ililichen BodenanschweUongen udt-r
trichterfbrmigefi Kiust'iikmi^cM unlcrhrochcii \vird.
.Man lial den Mcercsgrund als licsunkciif Thcilc dcr Krdkrusle zu belracli-
tcn, \\iihrcnd die Conlinenle ilir ehemaliuo Nixeau lieiltelialten oder sich nodi
ilber dasselbe iielioben liaben. Tin cine eini^erniassen klare Vorstdlunu \un
der Confiyuration der eigentlichen Erdoberflache zu bekommen, muss man sidi
dieselbe ganz ohne Wasser denken, dann \\tlrden die Continente vvie Slein-
colosse mil verhaltnissmassig sleilen Seilenwiinden , als liohe Plateaus inmilten
des dreimal so weil ausgedehnlen welligen Tieflandes 3000 bis 17,000 M. hodi
lici'Mtrtreten. Vom niedrigslen Punkte dieses lelzteren, des einstigen Meeres-
jirundos, bis zu dem Continentalplateau wiirde man elvva I bis •> Meilen Ver-
lieallinhe. und von diesem bis zu den ihm aufgesetzten hoclisten Gebirgsgipfelo
VOTI Neuem etwa \*/4 Meile zu sleigen haben.
Zweiter Absclmitt.
Petrographische Geologic (Petrographie).
a. Allgenieiiies.
§. I. A u lira lie der Petrographie. Die Petrographie lehrt uns die (ie-
sleine. das Material, welches die feste Erdkruste zusammenselzt, kennen.
Die (iesleine. I'elsarlen oder Gebirgsarten sind Aggregate von
lndi\i<luen einer oder inehrerer Mineralspecies. Die Aufgabe der Petrographie
isl es. diese (iesteine in die sie zusammensetzenden Mineralspecies zu gliedern,
so\\ ie die All und \Veise des Zusainnienlrelens derselben, also ihre Structur-
Nrrhallnis.se y.u unlersurhen und ihre Aggregationsgesetze zu ergrtinden.
Die Krmitlelung der Knlslehimg und Umbildung der Gesleine muss einem
spiiteren Absehnitte der petroijenelisehen (ieologie) ilberlassen bleiben, inn
Norlier (ielegenlieil znr Kenntnissnahnie der bei diesem Processe lliiitig ge\\e
senen Kriil'le y.u gebeil.
§. 2. Wesentliche Bestandtheile der Gesteine. Eine. der Anigaben
der Petrographie isl die Krinillelung der Heslandtheile der (Iesleine <»der der
(iesteinseleinenle. Diejeiiigen Mineralien, \\elclie den HegrilV eines Gesleines
bedmgen. indeni sie y.u seiner Consliluirung erforderlich-sind, Nverden \\esenl-
liehe Bestandtheile oder (iemengtheile genannl. (Iranit beslehl aus Hilary.,
l-'eldspalh und (iliininer: keines dieser Mineralien darf deni genannlen Gesleine
lehlen oder durcli ein anderes \ertrelen N\erden, ohne dass dieses seinen (Iha-
rakler als (Iranil \erlierl. Knlziehl man dem (iranil den Feldspath, so \\ird
er /.inn (ireisen. trill fUr Glimmer Hornblende ein und der Quarz zurilek, so
entstehl S\enil. Ouar/, Feldspalh und (iliininer sind deinnach die wesenlliehen
Bestandtheile des Granites, ohne Nvelehe man sich (iranil niehl zu denken \ci
mai:: fehlt einer derselben, so Nerliert das Geslein den (Iharakler des Granites.
Man kennl bereils geiien Toil Mineralspeeies und sollle deinnach eine aiisser-
ordenllich grosse Versehiedenheil mid eine sehr bedeutende Zahl der son ihnen
/.iisainmengesel/leii Gesleinsarteii eiANarlen. Ks isl jedofh die /aid derjenigen
Credner, Elpiueute d. (ieologie, 2
_
Plasioklas.
18 II. lVtroi:r;i|>liiselie
Mineralien, welehe einen \\eseiilliclien Anlheil an del' Zlisamniensetzung der
Gesleine nehiiien. \erhiillnissmiissig sehr beschriinkl. Als die wiehli^sleii der-
selben sind I'olgende /.n nennen:
Kis /. B. als Material der Gletsclier.
Dolomilspat h. Kalks)>alh, Anh\dril, G\ps. Sleinsal/.
Onarz als Otiar/fels. Sandstein. Gemenglheil des Granit. Gneiss. Ouar/-
porplnr u. v. a. .
Orlhoklas als llauplgemenglheil dcs Granil. Gneiss. -e\\ iss, .,
und S\enile .
Sanidin (in den Trachvten).
Oligoklas meist nebenOrthoklas, auch ohne ihn, /. B. im Dioril)
Labrador 'als Gemenglheil des Diabas. Gabbro. II\ perslhcnit
Nephelin und Leucit (im Basalt).
Augil hauptsiichlicher Bestandtheil der Diabase. Melaph\re, Basalle .
Hornblende (im Syenit, Diorit, Hornblendefels) .
Kal ig liminc r namentlich im Glimmerschiefer und Gneiss).
Magnesiaglimmer (namenllich in gewissen Graniten und Trachylen .
Serpentin, Talk, Chlorit.
G r a n at (im Kklogit, Granatfcls .
Turmalin.
Bra uneisenstein, Botheisen si e i n . M agn e lei sensl ei n , fiir sich
\vichtige Lagerstiilteu bildend.
Graphil, Anthracil, Stcinkohle, Braunkohle.
§. 3. Zufallige Bestandtheile der Oesteine. Von den Besiandtheilen.
aid deren Zusammentreten die Xalur einer Gesleinsart beruht , also von den
\\esentlichen Bcstandtheilen sind die zufiilligen oder accessorise hen Ge-
menglheile der Gesteiue zu unterscheidcn , \velche nicht /.nr \\esenllichen Zu-
saiiiniensely.ung der letzteren gehbren, bald vollstiindig fehlen , bald jedoch in
einer der Begelmassigkeit sich nahcrnden Hiiufigkeil in dem Gestein eingesprengl
vorkommen. und zum Theil sogar charakleristisch fiir ge\\isse Gesleins-
arten sind. So komint z. B. in vielen (iraniten Turmalin, in manehen kalk-
sleinen Zirkon, in fast alien Glimmersehiefern Granal \or. fiir die Basalte isl
das Auflreten von Olivin sogar charakleristisch, und dennoch ist das \Vesen der
genannlen Gesleine nicht an diese zufiilligen (iemenglheile gebunden. Granil.
Kalk-stein, Glimmerschiefer und Basalt \\erden ihre Bereehligung zu diesem
Xainen nicht \erlieren, auch wenn man ihnen ihre Turmalin-. Zirkon-. Granal-
nnd Olivin-Einsprenglinge enlziehen konnle.
In den incislen l;iillcn /.eichnen sii-li diese eiimesprenglen aeeessorisehen
Beslandlheile durch allseilige AusbiMung ihrei- KrvslalU'onn aus. Als die \\ieh-
ligslen derselben diirften an/.ul'iihren sein :
Boracit im Gyps.
Bcr\ll im Granit, Glimmersehiefer, Gneiss.
G\anit im Granil. Gneiss, (ilimmerseliiefer. Talkschieler. Granulil.
Si a urolith im (ilimmcrschieler.
Ciranal im Gneiss, (ilimmerseliicl'er. Ghlorilsehierer.
II. IVtrographische Goologio. 19
Olivin im Basalt.
Titanit ini Syenit, Granit, Dioril. (inriss, knstalliiiisrlicn Kalkstein.
Mai: ii <•! kit-s ini Diorit. Basalt, Serpentin u. s. \\ .
Schv\ elYlk ies, z. B. in don knslallinischen und klastischen Schiefern. im
Grtinstcin, in Thon, Kohle u. s. \\.
Ma g lie tr is custom in sohr zahlroichen Ge'steinen, z. B. Granit, Syenit,
(inriss, Chloritschiefer, Talksfliiot'or u. a.
Sch \\t-IV I in Gyps, Thon, Mergel, Sandstein, Kalkstein.
I) i a ma nt im Itacolumit.
(Jolcl in Talk- und Glimmerschiefern, im Diluvial- und Alluvialsand.
Plat in mit letzlerem im Diluvium und Alluvium.
§. i. Accessorische Bestandmassen. Innerhalb vieler Gesteine treten
ahnlich \vie die beschriebenen accessorischen Mineralindividuen Einschliisse von
loniilirht'ii Mineralaggregaton auf, welche in ihrer Zusammensetzung von der
(icstcinsmasse abweichen, nur eine untergeordnete Wichtigkeit besitzen und als
/.ut'iilliiic Krsclieinungen zu betrachten sind. Man bezeichnet dieselben als ac-
cess orische Bestandmassen und filhrt dieselben am zweckmassigsten
nacli ihrer Enstehungsweisc auf zwei Hauptformen zurtlck, welche man als
Concretionen und Secretionen unterscheiden kann.
Die Concretionen haben sich innerhalb der Gesteinsmasse durch Con-
centration einer otler mehrerer vom Gesteiue verschiedener Mineralsubstanzen
nach einem Punkte ausgebildet. Das Innere einer Concretion ist deshalb zuerst,
das Aeussere zuletzt entstanden. Nach ihrer Uiusseren Form lassen sich unter-
M'htMilen : Krystallgruppen (Gyps im Thon), kugelige Concretionen von radial-
strahligem Bau (Schwefelkies im Schieferthon) , traubige, knollige und platten-
formige Concretionen. Linsenformige Concretionen werden Septarien ge-
nannt, wenn dieselben von zurn Theil radialen Spalten durchzogen werden,
\\fldtf licNNohnlic-h MHI Kalkspath. Eisenspath oder Braunspath ausgefUllt sind
und hiiulig ein forrnliches Netz von sich verzweigenden Adern im Inneren der
Concretionen bilden. EigenthUmliche Formen sind die Tutenmergel, spitze,
lutcnfiirmig in einander st«ckende Kegel mergeligen Kalksteines mit quergerun-
/.t'ltcr Olx'iflache, welche, dicht neben einander stehend, mehrere Zoll machtige
Platt<Mi /iisammcnst'tzen.
Die S<- ere lion en bildeu sich immer innerhalb praeexislirender Spalten
oder BlasenrSume und z\var in Folge einer Infiltration von Mineralsolution, aus
\\fldierMineralabsatze, von der Wandung aus nach dem Inneren zu fortschrei-
icnd, vor sich gingen. Es findet also mit Bezug auf die einzelnen Theile der
Srrn-tionen gerade das umgekehrte Altersverhaltniss stall, wie bei den Concre-
linncn, wo das Innere zuerst gebildet wurde. Die Secretionsbildungen ticl.inLiifii
nicht immer bis zur vollstilndigen Ausftlllung der Hohlraume, so dass ein Theil
derselben offen geblieben ist; in diesem Falle besteht die Secretion aus einer
mehr oder weniger dicken Kruste, welche die Innenwand des Hohlraumes iiber-
zieht, und deren freic Kr\stallspit/en nach Innen ragen (Drusen). Veranderte
die inlillrirte I.osunu ilin-n Mineralgehalt, so setzlen sich die verschiedenartigen
Kildungen meisl in oft ausserordentlich /arlcn conccnlfischen Lagen ab. Die
2*
"-?" II. Petrographische (ieolo^ie.
\\ ei:e. \\elelie die infilirirle Hiissi^keil uenomnien li.il . die [nfiltratidnscanMle,
sind liiiuliu naeliy.imei.sen. hie gewUhnlichsten als Seerelionsmassen aiil'lreleu-
ilcii Mineralien siiul Ou.ir/. . \niclli\sl, (ihaleedon. Kalkspalli, llramispalli . Xeo-
lillie. Delessil.
Naeh der (ieslall des llolilraiimes, \\eleher die ersle Yeranlassiin^ y.ur Se-
creUonsbildung izah, iiiilcrscli(;idct man: .Man del n oder (lend en. Mineral-
seerelionen imierhalh kiiijel-, him- oder mandellormiiier Hhisenriinnie in i:e\\i>sen.
einst liliillilliissiiien (iesleinen . /. M. Mel.iphxr und l!.is;ill : Trilnier udef
Adern, MineralsecrettOOeo innerli;ill) piMeexislirendei- S|t;illeiii-;iiiine : Nesler.
solelie innerli;ill) ^;;in/. iiiireizeliniissiL; p'l'onuter llolilriiuine. .Mil diesen ;iceessn-
riseheii IJesliindiitiissen diii'len die I'linseliliisse fremder (iesleinsiirten nielil \er~
\\eeh.sell \\ecdeu. I'ls sind dies l;r;iL:iii<'iite iillerer (iesleine, \\elelie hei del1
l^ildiuiL; einer iieiien |-"els;ifl \(in dieser eiiiiiesclilossen \\iirden.
§. -r). SlrilCtur (ler Oesteilie. Dui-ch l^rniitteliini: der (iesleinseleiiiente
iillein isl eiii (ieslein nneli nielit iieniiirend hesliminl. Aus (^n;iiy . l;elds|».illi
und (iliniiner hestelil (irnnif. (iiioiss und Felsitporphyr , ;nis K;ilks|);illi-lndi-
sidnen der M.innor und drr dichle K;ilkslein. heide in ilirein Aeusseren sn \\eil
\ei-M'liieden. Die niielisto Anl'i;;il)e der I'elro^rjipliii1 muss demn;ieh d;ir;Mil' ire-
riehlel sein, norli .indere eli.-iiMklerislische .Mei'km;ile lierhei/ny.ielieii. Die Ver-
sehiedenheit der (iesleinsslrueliir liel'erl solche.
I'nler Slruelnr der (iesleine verslehl iiian ihr dmvli Form, (iriisse. f.;iLie
und Verbindungsweise del' ein/.elnen Hesl;mdllieile her\ ori;el»r;ieliles inneres
GefUge.
Mine liel einureifende Verschiedenheil der (iesleine heruhl d;ir;iuf. oh deren
hesliindtheile enlueder ;ils \ e r\\ ;i ell se n e k r \ si ;i I I i n ise h e I n d i \ i d u e n.
oder ;ils \erkillele Bru cli s t Qc k<1 iilterer (i(>sleine erseheinen. Die
einen neimt man k r \ s I a I li n i sell e, die anderen klasl iseli e oder Trii m mer-
ges I e i n e ; als T\pen der erstei'en inoiieii (Iranil, l'orph\r und ^larmor, als solelie
der lel/leren Con^lomerale. Sandsteine und lose (ieriillmasseii dienen. In del-
Art und \Yeise. \\ ie die krvslalliniselien oder klaslischen Hestandlheile der (ie-
sleiue /.u einem (ian/.en ziisainmenlrelen . maehen sieli \\ iedei'um die manniu-
rachslen Modilicationen und dadurcli die \\eeliselndslen (iesleinseliaraklere i;el-
lend. Die Struetur der krystallinischen (iesleine kann neliinlich sein:
kiirniu, \\enn knslallinisehe Kiirner und BliiMer naeh alien moijielien
hieliliinizen mil und dureh einander \er\\aehsen sind, olme iriiend cine l»e-
slimmle AiiordniuiL: erkennen /.u lassen. Naeli dcr (iriisse des Koi'nes unler-
seheidel man: SJTOSS-, iiroh-, klein- und leinkiirnii: /. h. (iranil. Marmor :
did) I, \\enu die (iesleinselemenle mil, hlossem AUL-C oder mil der l.upe
nielil melir erkennhar sind: ersl unlcr dem .Mikrosk(»pe Irill die /usammen-
sel/.uiiL: des (iesleines her\or /.. H. diehtei' Kalkslein . Im (iei;ensal/.e /u die-
sen kr\slalliniseh-dieli(eii Ai:i:re;zalen nennl man i:lasarlii:e, aiieli l»ei slarkei"
Ver^riisseruiii; lileieliartii: erselieinende (iesleine liomoueii. Sehr feinkoniip's
his diehles liefiiL-e maiieher Krupl i\ iiesleine he/eieluiel man als a p li a n i I i se li :
>. eliuppii:. \\.-iiu die (iesleine weniuslens /.urn Liriisslen Theile aus Schiipp-
II. lVln»:;r;i|>lli>rlif
elien mid IMatlelien lieslelien. \\eleke eine Andeutuni; von paralleler AnordnuiiL:
erkennen lassen /. I!. (llilorilM-liiefer :
I'laseriii. \\enn linsenroriniiio. korniue Mineral. i^uiviMle mil dilnnen I..
i:en \on schuppiger Zusammenselzung abwechseln in dor \\eise, dass sieh leix-
lore an die linsenfbrmigen Kerne ansehmieizon /.. B. (inoiss);
seliiel'rii: mid Mat t oriu, \\enn die (ieinen^llieile n.icli iruend ciner
heslimmlen Fliiehe parallel ani;eordnet sind , \\oduivh das (i<-sl<-iii in lanlcc
diiiiiic l.aucn /.fi'lalll, \\clclit- in nodi diinnci'c l.aincllrn s[),illl»ar sind /.. |{.
Tlionscliicfcr. I'apicrkdhlc :
fasrrii:. ucnii d.is (Icslcin aus laulcr tascrii-cn odcr dUDD3tengeIigen Mi
neralindmducn hcslchl. \\flchc /iiNU-ilrn \ollkonnnrn parallel nclu-n cinandcr
>lclicn /.. B. <i\|>^>. I;as<-rkalk :
i;rsl reck I , \\cnn allc odcr cin/.rlnc Mincralindividucn dcr (lolrmsarl
nadi u<'\\i.ss<Mi parallclcn l.inicn izcordnct, uiM'ichlct odcr in die Laiiir lAc/.n^i-n
sind. In inanclicn Sxcnilcn sind die llurnlilcndesiinlcn , in \iclcn Trach\ ten
dir .sanlcnloriniurn Sanidinkr\stall<\ in ^c\\isscn l.a\(Mi die lunggezogeiien Hla-
senriiuiiH1 mil ihrcn la'iiiisten Axen parallel i^cht^eil. Als cine Modification <ler
Slreekunu ist die M i k ro f I uc t n a t i o nssl met u r y.u helraeliten. \\elclu1 darin he
slelil. dass in einer anselieinend hoino^enen. i:lasarli^en .Masse vnlkaniselien I'r-
sprun^es nn/iildii:e inikrosknpiselie. nadel- cxler radenlurniiue Kr\sl;illelien Mikro-
litlie in paralleler HielituiiL:. enls|>reeliend dor Bo\veuimii dor einsl iilulhlliissi -
uen Masse. ansueseliiiMlen lioiion /,. B. ini Obsidian, l^asall) :
pnrph \ r i sell . \\enn in einer dielilen odor I'einkorni^en (iesleiiisinasse
anllallend urossei'e Minoralindi\ idnen ansueseliioden sind l-'elsitporpli\ r, Traeh\l :
oolilhisch, \vonn das (ieslein aus lanter kleinen kiii;elii;en (loiieretionen
heslehi. \\elelie fine eoneenlriseh-sehaliiie odor radial-laserii;o Slruelur liosi(/on
/.. B. oolithisehor Kalksloin dor .luralornialion, ltoi;cnslcin dor Trias, l-j-lison-
slein \on (larlsliad . (ie\\isse Mrii[)li\i:esleino liahen in Koli;o ihrer Krslarruni:
eilie i;a!i/. alinliehe Slructur aniiononiiiion, die man als sph aoroli Ih i sch l»e-
/.oiehnol •/.. B. IVehsloin);
lagenfOrmig odor gebtyodert, NMMIII das (Josloin aus \viodorholl mil
oinander abwecfaselndeo parallolon I.ai^on von \erseliiedenarli^ein odor vorseliie-
den uelarhlem Materiale hestelil (/. B. llallollinta, Bandjaspis) .
poriis. /.ollit^, cavcrnos, \\enn das (iesloin kleine, ^ro'ssere uder selir
un«s>e. UOregelmSssig ueslallolo llolilriiuino enlhiill, \\oleho dureh Auslanuiin^
oin/olnor (ienienutheile enlslanden sind /.. B. Baiiehuaeke dor !>>as);
hlasii; und soh lae k i ;.'. \\enn ein aus ^lullillilssi^eni /usl.mde erslarrles
• ii'xicju rundliche Blasenrauine enlhiill /.. B. inanehe l.aven. Uimsslein :
maodelsleinartig odor amygdaloidisch, \\enn die llolilriiuine in
Masii:en (iexiejncii t:iin/lieli odor x.uni Tlioil mil freindarliuer Minoralsulistanx
ausi:efiilll sind /.. B. Melaplix rinaiidolsloin) .
Dio Triimmergesteine he/.oielinot man naeh (Jrdssc und Form dcr sie x.ii-
s.iinmensetxenden (M-sleinslVaLimenle a Is
Breeeien, \venn das (ieslein aus irriissoron so ha rl k a n I i u e n Brueli-
sliiekeii lie.sielii /.. B. I'orjjhrbreccien);
'2'2 II. IVIn>i,'r;ipliisclic
Conglomerat e (Psephite) , \vcnn das Geslein ;MIS griissen-n ;i bur ru n-
(I etc n Hollstik-ken brsleht (/. B. Rotbliegendes (londonx-nil):
Sandslcinr Psammile . wenn das Geslrin aus rundrn odcr crkiucn Ge-
slrinslVainiirntrn bestrhl . dnvn Gross*' x\visclicn Slecknadelkopf- his Krltscn-
iirosse schvvnnkl (z. B. Quadersandstein);
Sehlamin- odcr Thongest ei n *> THilc . \\rmi das (ieslein ein erdices.
homoi^enes Ansehcn htil, wenn cs also aus feinen Staubkiirnclicn und Schilpp-
clicn licstdit 'i. B. Thon, Kaolin);
lose Accumulate, wenn GesteinsbruchstUcke lose auf einandcr lidiauft
sind, ohne durch ein jUngeres Cement verbundcii -i.\\. scin '/. B. Kies, Sand .
Ein Structur\(M-hiiltniss, welches viele knslallinische und alle klaslischcn
Gesteine auf/Aiweisen haben, ist das dor Schichtung.
Geschichtet nennt man ein Gestein, wenn es in einor Anfeinanderfolge
(System, Complex) von plaltenfbrmigen Masse n (Schichlen, Biinken) auftritl,
welche letztere durch parallele Flachen Schichtungsflachen) bcgren/t werden
und bei weiter Ausdehnung in der Regel uur geringe Dicke (Miichtigkeit) be-
sitzen. Ist in einem Gesteine ein derartiges Structurverhaltniss nicht ausge-
sprochen, so bozeiclmet man es als massig.
§. 6. Uebergange der Gesteine. Der Begriff eines Gesteines als Aggre-
gat gewisser Mineralindividuen lasst bedeutende Schwankungen in deiu Men-
gungs- und Grossenverhaltnisse der letzteren zu. Daraus folgt, dass die Ge-
steinsarlen nicht als scharf begrenzte Species daslelien, vielmehr Uebergange
in andere Gesteine wahrnehmen lassen werden. Solche Uebergange linden
indess nur inncrhalb gewisser Gesleinsgruppen stall und werden auf folgende
Weise vermitleil :
a, zwischen kr\ stallinischen Gesteinen :
1) Ein wesentlicher Gemengtheil tritt allmahlich zurilck und ver-
schwindet endlich vollstandig. So wird aus Granit durch Verlust des Feld-
spalhes Greisen, aus Gneiss durch Zurilcktreten des Glimmers Granulil, des
Feldspathes Glimmerschiefer , aus letzterem durch Verschwinden des Glimmers
Quarzit.
2) Ein neuer Gemengtheil trill hinzu uud nimmt zum Theil auf Koslen
eines anderen allmahlich verschwindenden GemcniJitlieiles zu. So wird aus
kryslallinischem Kalkstein durch Zutrill von Glimmei- Kalkglimmerschiefer , aus
Syenit durch Zutrill von Elaolith und Zirkou Zirkonsyenil.
3) Sammtliche Gemengtheile eines grobkbrnigen Gesteiues werden so feiu-
kbrnig, dass das Gestein dicht erscheint. In dies«>m Verwandlschaftsveriiajt-
nisse steht der Dolerit zum Basalt, Dioril und Diabas zum Apham't, I -Vlsilpor-
phyr zum Felsit.
4) Die Gemengtheile eines krxslallinischen , kbrnigen (iesleines (M-Jiallen
parallele Anordnung; in Folge davou niminl lelzteres eino llaserige odcr schie-
Icri-c Slruclur an; so geht Granit in Gneiss und dieser in GMmmeradtliefer
ilber.
.") (icwissc (iemcngtheile Irelen in besondcrs grossen Kornern und aus-
gebildelen Krystallen vor den Ubrigeu hervor, wiihrend diese an Grbsse Ner-
II. IVIiu-r.ipliisrlii- (ii'uln^io. '2'.\
liercu. Aul' dies.' NYcisc \\ird der rebel-gang x.\\ isolicn kornigen und porphx-
risclicn Geslciucn \ ermittclt.
b. /Avisclien k last isc li e n Gesteineii :
6) Die Grosse der /usamniengckiltelen Gc.steiii>!Vagmenle niminl nb oder
y.u ; ails GonglomeratBD \\erdcn Sandsleinc und tinigckehrl.
7 Kckige (iesleinsbruclistucke \\erden zu abgerundctcn Rollstiicken : aus
Rrcecien \\erdeii Conglomerate.
S Die Mengc dcs \erkitlenden (lemenles iiiinint /.ii . aus Conglomerate!)
mil Ihonig-kalkigein Hindcniitlel \\erden Kalkincriid mil cm/clnon Rollstiickcn.
\\clchc alliiiiililich lian/ \crscli\\indcu.
'.» Dei- |)droi:ra|)l)isclic (lliaraktrr dcr (icstoinslVatiiucnlc \vird durcli Vcr-
driiiiuunii dcr (MUCH durcli andcrc Geslt'insarlon vtM'ihulert. Aus Grjinit-, Aui-
pliiltolit- und Quar/itcongloincral cul\\ickclt sich ein roines QuarzitcongloiniM-at.
c. /\vischcn k r\ sta 11 inische n uiul klast isch en Gcsteincn :
10 Kruptixizcstcinc stchcn mil klastischcn (u\slcincn (lurch Tuffbilduiiui-u
in cniicin ZusaniiiicnliaiiLic Tlionsteino und Forphyi'c dcs Rothlicgenden).
II) Klastisclic (icslcinc udicn durch Contactmctainorphosc allintihliiz in
krxstallinisclic iibcr. (Thongcslciiu4 in Hornfels, Ihonigo Kalke in Mannor).
§ 7. Die Bestimmuiig der Gemengtheile der Gesteine. Bei korniuc u
(icsiciiuMi, dcren Gemengiheile deutlich von einander zu untcrscheidcn sind,
slcllcn siclt IHM gcniiiicndcn iuiucrali>i;ischen Vorkenntuissen dcr Hcstiininiuii'
dcr niincralisclicn \atnr dcr Icl/.tcrcn kciuc bcsonderen SobwierigkeHen in den
\\CiZ. llahcn sich auch die MincralindiNiducn durch ihr Zusaniiuengedriin^tsciu.
durcli ihrc ^cgcnscilige VerwaChsung gowdhnlich in Hirer Aushilduniz /.n voll-
koiumoiu'n Kr\stallcn gehindtft, so sind doch in der Spallbarkeit, Ha'rlc und
Farbe der GeslciiiM-lciucntc. ihreui spceifischen Gewiclite , Glanxe und chciui
schen Vcrhalten noch genQgende Mcrkmale gegeben, um ihre inineralischc
Nalur zu kennzeichnen.
Sclm icrii^cr gcstallen sich die Verhiiltnisse bei ieinkornigen oder dichtcn
dcstciiisailcn, dercn Rcslandlhcilc das »nl)c\vall'nclc Auge niclil inchr zu nn-
tcr.si -licidcn \cnuag. Das nachstliegende HUlfsnu'ltel ist die Lupe, und \\cnn
sich audi dicsc als ungendgend orwcist, das Mikroskop. Lelzleres Instrument
isl scit den hocliwichligen Resultalen der jUngslcn Zeit eines der unentbehr-
lichslcn Iliilfsinitlcl der (icsiciusunlcrsuchung, und die miki'oskopisclic (icstcins-
analvsc cine \ielversprecliende Disciplin der geologisrhen Wissenschal'l gexvoi'dcn.
Bei Anwendung des Mikroskopes in der Petrographie lial die Geologic
eb(Miso \vie bei Untersucluiiii: deullich krxstallinischcr Felsarlen /AVCJ Aui'gabcn
/.n losen . niimlich cincrscits die Mineralelemente , \velche die Gesleinc zusaiu-
ineiiset/.en, andererseits die YerbindungSNveisc derselben zu ennitteln.*)
*) Der finiifclilciisNvtM-tlii'sli- Weg, UunnschlifTc fiir die Untcrsucliunji ini <lmrlil';illi>ii<|i-n
Liclitc anzufertigen, ist dcr fol^cndi-. M;ui sdiliii-'c cine nuiiiliclist fileicliniiissi^ diinnc Sclicrlic
\dii ctsva -2 his :t Cm. Liin^'c mid Hrcitc in ilcr Kiditniii; dcs \crliini.'tcn Oucrsrlinilfcs \on dcin
y.u untcrsiK •licndcii Gesteinsstiick ;ili, Itcfcsli^c cs vcrinitlclsl Cnnadjibalsams, den man \mln-r
crhitzt tiat, damil cr rnsfh crkaltc und fcsl \\cnlc, aufcincni (ilaslid'cldicn, \vic sic zu inikrii-
kojt isrlicn I 'ntcrsiK •linniicn im Gebrauche sind, und sclilcil'c dann die Gestcinsprobc auf einer
'2 I II. IVtroi;raplii>e|ip lien!
Ms die \\csenlliehsten M i lie ra I e I e m e n I e del' dichlcn (iesleine
hiil in. in Feldspathc. Nephclin Illicit, Noscan. Augit , Hornblende. Diallag,
Ihpcrslhen. Glimmer. Oli\in. Magnclciscn. Granal iind Oiiarz erkannl. Kin-
/clne dicscr .Mincralien galten his \ur Kiir/.em ;ils verhttltnisgm&ssig seltene
mid iiuf nur \\cnigc l-'undorlc hcscliriinktc < iesteinsclemcnle. Krst d;is Mikro-
skup h;i( ilire Iliiuligkcit und \\eite Ycrbreilung dargclhan. Das aud'alligslc
llcispicl dal'iir 1st der Lcucit, den inan hislier inir in dm l.a\en Italians, des
l.aaehcr Sees und des Kaiscrstuhlc* kannte. \oii dem aber jrl/t nacliLicu icsrn
i>i . dass <•!• cincii uan/ gewtfbnlicheD Ut-staiidllicil un/ahliiicr andcrcr cclilcr
l-ascit, souio /ahlrciclicr Hasallc. so von Sadism, dcr Hliiin und dcin Tluirin-
i:cr \Valde, ansmarhl. Achnlichcs t^ilt voni Noscan , \vclchcr frilhcr auf den
VCSIIN. die riniiciicnd des Laacher Sc(>s und das Hcgau in Baden hescliriinkt
seliien. neuerdinizs ahcr in viclcn Phonolithen Bohmens. dcr Lansil/.. dcr Hliiin.
CenlraU'rankreiehs ucl'unden \vurde. So hiell man fcrncr den ()li\in fiir cincn
ansschliessliehcn 7.ufalligcn Genicnglheil dcr Basalle, bis vor Kur/cin das Mi-
kroskop /.ci^lc . dass cr zuglcich cin ganz cliaraktei'islischci1 aeccssoriselier Bc-
slandtheil des Gahltro sci. Auch der Ncphelin 'in kurzen, dickcn hcxauonalen
1'i'isnicn hesil/i in Phonnlilhen. Trachylcn, Basalten und Andesiten cine friihcr
iiniic'alintc* \\eilo Vcrbrcilung; endlieh muss aucli niikroskopiselxM1 Apalil in
langcn. nadellonniuen li(v\agonalcn Prismcn) zu den \crhrcitolsl(Mi (ioniong-
theilen der krystallinischcn Massengesteine (Diorit, Diabas, Melaphyr, Sjcnil.
(iranil gcxiililt \verden.
Die ohcn gcnai\ntcn regular kr\stallisirendcn Mineralien, also Leucit. No-
scan und (Iranal, charaklerisiren sich unler denr Mikroskopc dadurdi . dass
ihrc nach irgend eincr Richtung gefiihrtcn Durchschniltc stels das Lichl cin-
I'acli hrcchen, also iin Gcgensal/.e zu den Mineralien allcr Ul>rigen Krxslall-
sNsiemc kcine Polarisationserscheinungen geben. Die Aufgabc der aueh l>ei
(icslcincn \on groberem Kornc schwierigen, aber so hochwichtigen I'ntcrschci-
dung dcr feldspalhigcn Mineralgcincngthcilc \\ird durch das Mikroskop nur theil-
\\ei>e gelosl. Die mikroskopische rnlersuchung unterscheidel nur das Kr\ si a II-
(z. B. Ofen- Plattc mil Smir-H >;o lief an, bis cine m(ii:liclisl vinissc, t'licm-
isl. Di.'sc Liliitlc man durcli Sclilcifen auf einer maltcn Glasplaltc, liis die
Cilanx rrhalt. Dann crliilzo man das Cilaslal'clclicn. xvodiircli sich dcr C.anada-
cr\\rirhl, und iilicrlraiie die Go^li'iu-pi'dlic mil iicncin crhilzlcin Mal-ain ant' fin
andcrcs Tal'i'lcln-n. BO <lass die ^lallo Kliirln' anf dicscin, olino Hlascn da/\\ i>clicii. fcst anf-
li.-.-l. .Irl/l M'lilcil'c man die nun nacli Anssen uckchrl^ ranlic Oln-rlla'clif dri I'rultt1 auf
• ilicii aiiiii-uclMMiein \Vc-c sn diiiin, als cs, olmr sic xii /crlircchcn, innulidi ist. mid polirc
sir auf (lias. Scldicsslidi \\ird dcr darchscheineade odor dmrlisicliti^e zarlc Gesteinsschlifl
mi) fri*clicm Halsam anf cin rcincs (MashifHehcn lilicrlia^cn mid zur Krlioliiui.u dcr I'dln-
cidilat mil rim-m Krckdasclicn \.TM-IHMI.
Ht-i dcr iiiikn^kdpisclieii riitiTMirlmiiu' srll)-l vvcndct man anfani:licli cine scl>\\;idicn-
Vcri;ii>sNi>i-nnL: an. urn MC|I v.\\ orionlircn und zn cincr alkcnicincn Aiiseliauuni: dcr Mincral-
und ihrcr X'crhindunu^Nxci^c /.\\ uclan^cn. und licnntzt dann sfurkcrc \ cr-i n^-c-
I. is xn c|\\;i soOmalip'r . inn die Ilclails zu sludireu. Die Au\\cndmi^ MHI I'nlari-
-aliiins\(ii richlmiucii i^t diirdians crforderlicli . \vcil sic /. 15. die Miltel an die Hand iiield.
die amorpl ler kr>-lalliniselie BcscliallVnlicil mid die ciufaclic odcr duppeltc Slralden-
lircc|iuii|j eiiizpliier ficslciusclemeiile , ferner Ortlmklase sun IMai:iiikla-en /.\\
II. l'rtnp-r,i|)ln>rlir I M-nln-ic '2.")
.s\stem des I'raiJichen I'Vldpalhes. also die Fraue , ob fin monokliner oder
trikliner Keldspalli \orlie^l. \\idirend sie cine Trennuni: son Oli-oklas. Labra-
dor mid Anorthit nichl ermddichl. Da ;iucli chemischo Httlfsmiltel inir in uanx,
besondors gilnstigen Fallen iin Slande sind, ein schliosslichos I'lllici! in dieser
Frage xu fallen, so muss sirh der mikroskopirende (ieoloi;e meisl mil dem l\c-
sullale bognUgon . einen ()rthokl;is oder einon IMagioklas Iriklincn l;»'lds|»;illi
ills (MMiiciiiitlioil crkiinnt y.u luihcn. Die Durclischnitlc dcr l'l;iijiokl;isr xcichncn
>ich \iir dfiu'ii dcs nionoklincn Oilliokhis und Sjinidin dmvli ilirr. dnreli l;i-
niclliir(> ZwillingSVerWadlSUDg liediniztc parjilldt1 Slrcilunti aus. In polarisirU-m
Liclilc ci-schciiit jedc dicscr LiiinelltMi andcrs jzcfiii'ltl, dcM1 unlcrsudilc Plajiioklas
soinil pr;iflit\oll l)lau, uclh. un'ln. roll) izcstivift oder liniirl. H(vi d«M- ol'l schi-
srlmirripMi Unterscheiduog von Hornlilcndc nnd Auiiil iiicht die I'ilr die llorn-
ltlende. \orxui:s\Neise liei dnnkeliieriirltlen Kr\stallincli\ iduen in DiinnsehlilVen
eharakterislische Eigenthtlmiichkeh dos Dichroisnuis dtMi Anssclilaiz. Hrinui man
das /.u nntersiichende Priiparal nnler das Mikroskop. in Belches man den I'o-
larisator. nichl alter den Anahsalor einj^eset/l lial, und di'ehl ersleren. so \er-
iiiiderl ein iin (iesiclitsfelde belindlicher Alliiit seine I;arlx' niehl , die dunkel-
iii'iine llornltlende jedocli \\ird lielliin'inlich dureliseheinend.
Die .Mineralelemenle der (lesltMiic ]>flei:t man als homoLrene Kiirpcr xu l>e-
Irachlen und xu hexeichnou : im (legonsalze zu dioser Ansicht hal das Alikro-
skop i;elehrl , dass dies<> lIoiuu^Miilat nui1 cine seheinbare isl, nur I'iir das
Nosse Aiiize exislirl und durch fremde Einschliisse irestorl \\ird. Diese
Kinsehlilsse sind Iheils I'esler, llieils flUssigcr .\alnr. Die fcston sind \\ iedrr-
iini enl\\('der solche von ainorphor Glassubslanx ((ilaseinschlUssc), odor solchc
von mikroskopisclien Krystiillchen Mikrolilhcn).
Dio (il ascinschjl ilsse entslehen dadurch, dass ein sic'h aus einem i»e-
sclunolxenen Marina ausselieidt'ndei1 Krystall kleinc Partikclchcn dos Schmelx-
llnsses umscliliessl , \\elche lx>i rascher KrslaiTiini; als Kinscliliisse von glasiucc
Snbslanx erscheinen. \Vo sich demnaeh solche (ilaseinscliliissc linden, Ubcrall
lielern sie den definitive!! BcNveis dafilr, dass das kryslallinische Goslciu, in
dessen Mineralelementen sie aul'lreten, ursprilnglich sich in giuthflQssigem Zu-
slande Ix'fundcn hahe. Kino ganz analoge und d;js ebon Gosagto nur besliir-
kcnde mikro^kopisehe I'irx'heinung ist die, dass sich Adern von (Ilassubslanx
in die Knslalle hinein erslrecken. Boido Jioobachlungen \\ iederliolen sich nichl
nur bei Obsidian und I'echslein. sondern aucli bei 1'honolilhon, iiasallon, .Mela-
ph\ren. I'orpliN ren mid anderen demnaeh z\Noifellos erupli\en (iesieiuen. \\ o
sie in Auuit . llornblonde . Nosean, Nepholin, Oli\in. I.eucit, Feldspalh nnd
Oiiarx .mllrelen. In den (ilaseinschlilssen linden sich sehr go\\ohnlich Hlasclien.
dime dass jedoch cine Consian/. x\\ isclien Volnmen\<-rh;dlniss dor lost en Ma>se
und dei- llohlraiime obualtet. so dass sie ihre Kntslohung der Conlrachr.n
dor umlrillllcn (ilassubslanx nichl \erdanken koimeu. Lel/.lere isl izexNiilmlicli
iiclblich. briiunlich odor grflnlieh gofjirhl und nichl si-lion \on \\ in/ii:en. nadel-
I'iinnigi-n Kr\slallcheii melir txler \\oiiigor dichl aiiizefiilll enldasl . Die /aid
der (daskoruer in manchen .Minoralion isl so oimrm , dass diese lolxlon-n aid
das inuii:ste \nn joiien impraL'iiirl sein miisseu nnd in dor That in
II. Petrograpbisclic
nnr den Bruchlheil eines Millimeters messcnden Knslalle nadi Tausenden
xa'hlen.
I*] i n sch I iissc in i k rnsko pischer K r \ st a 1 1 ge I) i 1 d e MikrolUhc inner-
li.illi dcr gesteinsbildendeo MineraiiiMiividuaD sind sdu- \erbroiieie Krsdteinnn-
gen. Mcislcntheils sind sic ganx \virr mid regdlos in dem umschliessenden
Minerale eingeslreul. in anderen Fallen aber sldil ihrc Yerlheilung in ucsci/-
iniissii:t'i- Hc/.iclnin^ /.u Form nnd \Vafhslliniii drs llauplkrx slallcs in dcr \Vrisc.
diiss sie zu dor Ohcrll.idic dcs Ict/lcrcn parallclcn Xoncn an^cui'dncl crsclit i-
ncn. Dainit stclil cin srlialndoniiiL:rr Anl'hau dcs hclrcll'cndcn Aiiiiit-, llorn-
hlcndc- nnd Lcucitindis idiinins in N'crhindunj;, \\clclicr in (irsteinsschliflen
durch die l'arl)cn\cr.schicdcnlu'il dcr cin/.elncn, das (ian/.c /.usainincnsfl/rndt'ii
parallclcn Liizcn, namontlicli al>ci- durch die den cin/.clncn Scliiclilcn rntsprc-
clicndc Anciiiaiiderrcilninii dcr cr\\;ihnlcn .Mikrolilhc licr\ortritt. Lctxlere !»<•-
stchcn hci Hornblende- und Auuitkr\stallcn namcnUich ans Mai:nctciscnkornclicn.
Ncphelinsaulchen , Feldspathnitdelchen, — hei Leueilen aus Augitnadeln , .Mai:-
nclciscnkiirncrn , (ilascinschlUssen , Noscan-, (Iranat- und \cpliclinkr\slallclicn.
Vorxiiizlicli >iiul es die Mikrolithc des Leucites, welche sehr iic\\olinlich in hochsl
rcuclmassigen conc^ntrischen Zonen angeordnet sind und dann in Ki-)stall-
durcliscliniUen conccntrisclic Kreise odor achteckige Leucilocdcr-(Jucrsclinittc
darstcllcn. 'Fig. I und 2). Docli konimen auch Lcucitc mil radial
Fig. 1. Loncit mil Mikrolithen nut
dem BaMilte von Stolpen
(Sacbseu).
Fig. 2. Lencit mil Mikrolttheii iiii.-
dem Basalte YOU Svhack;tu
(Rhon).
MikrolitluMi vor. In sehr vision Fallen isl die niincralischc Natur dcr Mikro-
lithe nioht x.u ennitteln.
Die Menge soldier fremdarliger Kinsehliisse in anscheincnd liomoLicnen
Mincralieii isl oft uberraschend gross und aussert sidi mit Hexug anl' die let/.-
icrcn cincrscits in deren Farbe, Glanz und Ansehen. andererseils in dem Rc-
Milt.ilc dci- dicmischcn rnlcrsuehung. Die rollie Farlte dcs Carnalliles . dcs
llcnlanditcs. des Perlhiles wird durch Blallchen von Kis»>no\\d hersorgehraehl.
in ahnlicher Weise riihrt der kupferrothe metallisdic Schimmer dcs llxper-
sthenes, die graue Farbe maneher Feldspiilhc. die griine dcs Prasems. das Far-
bcnspiel des I.altrador, der Fellglan/ dcs Kliiolillies von frcmdarligcn Kinsdiliisscn
her. Dass diese einen Eintluss auf das l-'.rgcbniss dcr dicmisdicn rnlersudmng
ausUben. isl naturlich. und dadurch erkliiren sidi die viellalligen Al»\\cidningen
fast aller Analvsen von der berechneten Normalformel.
II. IVtro^raphisrhc Geolojiie. 27
Flilssigkeit seinschlusse in Quar/., Steinsal/. S\lvin, G\ps und Fluss-
spath, gross genui:. um mil Mossem Anue erMickl /.u \\frdfit, sind scit langer
Zeit bekannt, auf die aussfrordentliehe Haufigkcit and Verbrfilung mikro-
skopischer Kinschlilsse von Fliissigkfilen \\urde man ersl in den let/ten .laliren
aufnifrksani. Die kleineren dcrsflbfii sind gf\vohnlieh nmdlifh oder eilormii:.
die grosserfii unregflmassig veriislelt und sclilauehartig in die Lange gi-zogfii.
Hire ilher\\ie-ende Mehr/.alil isl niehl lianx mil FUlssigkeit ausgefUlIl, sondern
/eiizt fin Hliisclien. eine I.ilx-lle , \velfhe sicli in Folge der unmerklichen Ei7.it-
teruniien des Mikroskopirtiselies sehr hiiuliii rastlos umherkreisend liewe^l. Die
cini-fsi-hlossene l:lils.-i;^kfit ist enlN\eder eine \\iisserige Solution von Chlor-
natrium. Clilorkalium oder Sulfalen von Natron, Kali und Kalk oder alu-r Iliissiue
Kohlfiisiiure let/.Iere /.. B. in granitischen Quaraen . In manclien angensfhein-
lieli eine Sal/liisung enthalto ndcn Gfsleinsporen sind \Vilrfelchen von Steinsalx
ausgfsfliifden, vvelche bei Berilhrung mil der beweglichen Libcllc \on dieser
l'or(L:t\scliol)en \\erden, also Irei in der Mutlfrlaugf lifgen (/. B. im Quar/e des
(iranits von ^Johanngeorgenstadt, des FelsilporpliNivs aid Arran, des Zirkon-
sNenites von Laurvig; Fig. 3).
Die KliissiiikeitseinschlUsse erreichen sellen mehr als 0,06
Mm. im Durehniesser, sinken dagegen zu solcher Kleinheit
herah. dass sio selbsl bei lOOOfacher Vergrosserung als kauni
\valirnehiiihaic Punkte erscheinen. Das Dimensionsverhallniss
\on Flttssigkeitseioschlutt und Libelle ist ein vollkommen un- FiF: :!- F1.f'sji«k(;itM<i":
scnluss mil Libelle una
bfstinnnles, so dass sich in ein und demselben Krystalle grosse Kochsaizwiirfeichen.
Fliissiiikeilseinscliliisse mil ausserordentlich feinen Bla'schen
dicht neben sehr kleinen Einschlilssen mil sehr grossen Libellen finden. Das
Hliisehen kann denmach nicht durch Zusammenziehung der erkaltenden, urspriiniz-
lieli den gauzcn Hohlrauni ausfUllenden Fltlssigkeit entstanden sein, weil in di(>-
sem 1'alle die (iriisse heider in einem ganz bestimmlen Yerhallnisse stehen mUssle.
I'n/.wf iff Ihal'l aher ist es, dass die mikroskopischen Fltissigkeitseinschlilsse ]jei der
Bildung des Ciesleins von Iclzlerein umfasst wnrden, also ursprUnglich, nicht fl\\a
sj)ater iniiltrirl worden sind. Ihre Gegenwart weisst deinnach darauf hin, dass bei
der Kntstelmng ihres Muttergesteincs Gase oder Dainpfe thatig gewesen sind,
\\flelif .sieh lieim Krkalten eondensirlen. Die FlUssigkeitseinsehHlssf trelcn enl-,\e-
der \\iri dnreh einander ufstrcut auf oder sind zu sich verzwcigenden und dann
\\ieder \crfinigf nden Xonen gruppirl, vvelche die Substanx des sie einsclilies-
senden Miuerales dnrchziehen. Am haufigslen sind FlUssiiikeilseinsehliisse his
jet/I heohaelilel \\onlen in deni zuni Theil ganz von ihnen angffiilllen Quar/e
derGranitf. Gneisse. Porphyre, im l''elds])alh(¥ /. M. uahhroiilinlieher hasalle
von Mull mid des (iablu-o auf Skye, im Ncphclin, ()li\in und Leucil eehlcr -e-
flossener Laven sowie vieler Basalle.
Von den oben er\\alinlen Glaseinsehlilssfn unterscheiden sich die FlUssig-
keitseinsehliisse dnreh ihre breile und dunkeh1 Ranclbegrenzung im Vergleiehe
mil der schmalen der ersteren , durch die schrnale Umrandung der Libellen.
\vahrend die Hliisehen der Glaseinschliisse mil fineni dnnkelen und biviten Kandc
\ersehcn sind, ferner meistenlhcils durdi die liewegliclikeil der Libellen (zu~
\\cilen jcdoeh iincli foislcheml iinil dnrch die Farblosigkcil lines Inhallos itn
(ic.ucn.sal/c xu der oft gelblich grilncn odcr bniiinlichen Farbc der (il;issiil»s(;in/.
Kndlich si nd in den kryslallinischcn (icmenglhcilcn \jelcr Kmpli\ ^eslcinc
mikroskopische I'D re n. also llohlraumc son eiforiniger odcr kngcliger (iestall
\erbrcilcl, \\elche gcnaii \\ ic die grosseren Hlasen y.nhlrcichcr l.axen (lurch
empoiMeigcndc nnd iin erkaltcnden Magma sleeken blcibcnde (ins- odcr Dampf-
blascn uebildet \\iirden.
Mine /\\citc Aufgabe dcr mikrokopischcn Gesleinsuntersuchung isl die Kr-
initlcluni: dcr .M i k ros I rncl u r, also dcr ciircnlliclicn Vcrl)indniiL:.s\\ cisc dcr
Mirieraleletoente : I'>s sind nnincntlich /,\\ei Bauptresulta£e, /u dcncn iiuni hicr,
iichinizt 1st. Auf dcr cincn Scilc lint sich iic/cii;t , d;iss die ulnsarliiicn nnd
hnlh^l.isiucn. nnschcincnd honio^cncn Geslcinc an^efiilll sind von inikrosko-
pischcn Krvslitllchen Mikrolithen , nnderseils, dnss nnschcincnd LilcichinJissii:
korniirc (icstcinc niclit nur nus individualisirlcn Mincrnlclcinenlcn hcslclicn.
sondcrn dass sich z\vischen dicscn die glasiii(Mi, amorphen Reste dcs rasch (vr-
slnrrlcn nrspriingliclicn Mnijinns (M'h.Hten habon. Dies ist z. B. bci den nieislen
Basaltcn, ]>ei viclon Phonolithen, Mclaphyren und Dinhasen der Fall. Sellist
tlie \\ ie das vollkoinmenste Gins nusschenden Obsidinnc sind von Mikrolithen
(Iiirclisch\\nrnit, cbenso die Pechsleinc und Perlile. Solche niikroskopischc Kr\-
stallausscheidungen sind cnl\vcd(M- fnrblos oder undufchsichtig seh\vai7.. IHe
crsteren. die fail)loscn Helonite (fig. 7i sind ^c\\ohnlich cinfaeh nadelloriniu.
lig. geradlinig und an beidcn Knden stumpf abgestutztj keulcnfonnig \erdickl
ode gnbelig gezackt, zmveilen sind sic /u slernfdnnigen Aggregnlen mileinander
verbunden oder in mehrcrc hinter cinander licgende Glieder nnl'geldst und end-
lich hakcn- oder schleifenlonnig gcbogen. Neben den durehsichtigen \\nssor--
hellen , in grb'sseren Exemplaren das Lichl polarisi-
renden Belonilen erscheinen in den glasigcn (icstcincn
lange und ausserordcntlich dtinne, undurchsiclitige.
cincm sch\\nr/en llnnre iihnliche Krjslnllnusscheidungen
i T r i chile fig. 5). Sic beschreibcn schr gcxvohnlich
schlcifcnnrligc. /ick/.nckfiirniigc. schrnubcniihnliclie \\ in-
dungen oder strahlcn \on eincin eeulralen Magnclciscn-
steinkorne allseitii.' nus. Dcrarliiic Mikrolithe und X.\\;M
Belonlte (dnrohsiehtige
Mikroiitii-i. Belouile so\\olil nls Ti'ichite sind in der glasigeri Ge-
slcinsmnssc schr iin^leichmiissig \ertheill, stellcn\\ eise ist diese gnnx frci davon.
andci-cn I'unklcn lieu;en die Ausseheidunkeo \\irr durch cinander, an noch
sind sic parallel lichen cinand(
1
Trichite lliaarf»nnij;c, scliwar/.c Mikrolithe).
slroniarlii; /.u Bandcrn an^cordnet.
*-J '
\\clchc sich \\cllig hin und her \\ indcn.
sich urn iin \Vegc licgcndc Kr\stnllc
l>icgcn oder sic iiin/.ingcln. I'-s isl dies
die Krscheiiinnu der .M i k r o f I u c I u n -
t ions t met n r siclic png. -' I und
und 7J. Aus ihr gchl hcrvor, dnss sich das nrspriinizlich glnthllils-
si-c Magma jencr glasnrligcn Geslcinc, iiaclideni sich bercits ein/.clnc uriissere
Krystallc und un/ahlige Mikrolithe ans ihin ans^eschiedcn lialten. noch in eincin
II. lVtn)UI,l|)|li>rllC
29
dcrarliucu Xnslande dcr IMa>licital belaud, dass es sicli nodi cine Xcil lani:
iu diirclieinander Iliessendcr He\\ei:mii: erliallen komitc. Kbenso \\ie in den
\MA If ' £> • fZ *^~Zrtfff f "Ti I"* Rd
6. MikrAfliirtiiatitiiisstrnrlnr im Obsidian. Fig. 7. Mikrofluctoationsstrnctnr im Perltstmn.
diiivlians da.siiien oder lialbulasiuen (icsicinen \\icdcrhollsichdiese Fluclnalioiis-
slriictur aueh in dein aniorplicn (Jrundlciii. der soizenanntcn X\\ i.M-liendran^nniis-
iiiasvc der diehleii llasalle. Mclapli\re n. a.
Kin rernerer \Vc^ . den man xnr Trennunij der (lesleinsbeslandlheilc bc-
liul's deren rulersuelinnu aii/.ii\Neiiden pflc.ul, beslehl in der I'ulxerisinmii des
Cesleines mid Soiideninu dcr \erscliieden scliweren (iemen^lheile dnreli Selilam-
IHIIIIL: .ml' einer iieneiiilen (ilastafel. Die ein/elnen y.iemlich izleieliarli^eii All
laucrnnucn kimnen dann einer Unlersnclmiii: mil der Lnpe. dem .Mikroskop
oder cliemisclien Iliiirsmilleln unler/oyen werden.
Kin empfehlenswerthes Verfahren, wodurch naeli»e\\ iesen \\erdcn kann.
ob mikrokrxslallinisclie (iemenullieilc eincs (iesleines in Siiuivn loslieh siiul
oder niclil, beslclil darin . dass man das belrell'ende (ieslcin xn einem liroben
I'liher rcibl . in \Nclcltem man mil dem .Mikroskope die einxelnen Koi'ner nach
l-'arbc. I'olarisalionss erliallen u. s. \v. xu nnlerselieiden im Slande isl. Kin
anderer Tlieil des I'nhers \\ird mil Salxsiinre izekoelil und dann j:ul ausue-
\\asclien. Veruleiehl man die so behandelle I'liKermcnize mil der in urspriinii-
licliein Xnslande belindliclicn. so cruiebl sicli dnrch das Versclm undensein ir^end
cines Mineralelemeoles (lessen Aufloslidikeit oder Xerselxbarkcil.
(ieuissc Bestandtheiie der Gesleine namenllicli Magneteisenstein] lassen
sich naeli (lessen I'liKcrisirnni: dnr<-li An\venduiiL; des Mai-nclcn isoliren.
In alien Fallen isl das spccilisclie Ccuichl des (Jesteines xn crmillcln. aiis
\\elehem sieli niclil sellen sicliere Scliliisse auf (lessen minernlo^ische Xusammen-
liz xielKMi lassen. So koimen x. h. (lesleine. \\elclie ein lieriniieres speei-
•s(ies\ielil besilxen als der Labrador, nie OcMnen^c \on Labrador und Au-
:^il sein. denn da das speeilisclie (Jexvicht des Antilles grosser isl als das des
Labradores. >o k.inn sicli das speciliselie (ic\\iclil der Labrador-Aiiiziliieslciue
nur in den (ireny.<-n x\\isclieii d<-m dieser bciden .Mincralien bc\\eu.-n. (ie-
menule Silicaliiesh-ine boil/en ein um so hiilieres speeilisclies (icuirlil j(- M,.-
rintier dcr (icliall an Kieselsiiure mid je grosser dcr an Hasen isl. — Audi
die IViifiiiiL: dcr Marie dicliter (iesleine erlaubl xn\\eil<-n Scliliisse aid' deren
mincralische (lonslilnlioii . x. U. auf die Ab\\esenlieil oder (JeL'etmarl \on
ireier Kicselsanrc.
HO II. IVtrotiriiphisrlio
Mil dcr physikaliscfoen muss die ehcmische (JnterSQChutlg der Gesteine.
die IVilfung ihres Yerhaltens geizen Siiurcn. ihre Schmel/barkeit , ilir sonsliges
Yerhalten MM' dent Lb'throhrc llaiul in Hand gehen. Dureli Bauscbanalvsen
\\ird die allgemeine chemische Zusammenset/.ung eines Gesteines ermittelt, doch
ist es inituntcr mb'glieh, aus derselben Schlilsse auf die Natur tier dasselbe
constituirendeo Mineralien ab/.uleiten. So inUssten, um einige Beispiele an/.u-
luhren . uemengle Orthoklasgesteine, deren Kieselgehall inclir als l\->.-2 Procent
belraut, nolliNM-iidipT \Vcisc Ouaiv. cnllialtcn ; — ein HornhlciHlc-Orthoklas-lic-
sU'in dcssj'ii Kicsclsiiin'CL-clialt drill dcs Orlhoklas ulcichkonunl . cntlialt fltcii-
lalls IVeie Kiosclsiiurc, da der Kioselsauregelialt dcr Hornl)lendc I)*M \\citciu
ucringer ist, als der des Orlhoklases; - - in einem Orthoklas mid Oliizoklas
haltcnden Gesteine liisst sich aus dem Verhaltnisse des Kali und Natron auf
das Vorherrschen dos einen oder anderen Feldspathes schliessen. Durch gc-
srhickte Interpretation der Bauschanalysen ist es zuweilen sogar moglidi, das
.McnizunirsYf-rhaltniss der Mineralelemente eines Gesteines wenigstens annahernd
mil um so grosserer Wahrscheinlichkeit zu ermitteln , je weiiiger GemengUieite
man zu bertlcksichtigen hat. Die wichtigsten Resultate Uber die mineralische
Xiisainmensetzung der dichten Gesteine verspricht jedoch das Hand in Hand
(it-lien der chemischen mil der mikroskopischen Gesteinanalyse, welche sich
Lic^-nscilii: crganzen und ihre Schwiichen ausgleichen werden.
Eine bedeulende Erleichterung in der Bestimmung der Gemengtheile mancher
didilor Gesteine gewahrt die nicht seltene Erscheinung, dass dichtc Varietalcn,
\Ncnn auch oft erst in bedeutenderen Entfernungen, allmahlich in deutlicli kornigt1
iilK-rgehen oder wenigstens stellenweise einzelne ihre Gemengtheile in grb'sscivn
Individuen ausgeschieden enthalten. Auch die Vervvitterung der Gesteinsober-
tliichcn giebt mancherlei Aufschuss tlber die Zusammensetzung der Gesteine,
\\ril deren \ erschiedcnartige Gemengtheile von der Verwitterung verschieden
stark angegriffen werden. Auf derartigc Verhiillnisse muss desshalb bereits bei
I nhTSUchung der anstehenden Gesteinsmasse Rtlcksicht genommeu werden.
§ 8. Classification der Gesteine. Bereits in § 5 wurde auf den augen-
lalligen I'literschied zwischen krystallinischen und klastischcn Gesteinen anf-
mcrksam gernacht. Er ist so durchgreifend und scharf, dass er fUr eine natiir-
lichc Gnippirung der Gesteine als HaupteintlK'ilungsprincip festgehalten wt-nlt-ii
kann. \Vir erhalten dcmgcmiiss zwei ui-iissei'e Abtheilungen. nehmlidi:
I. Kryatailinische (ieslei ne, beslehend aus mil einandcr vfr\\,icli
M-iicn. gegensritig innii: \-(>rbundencn. irleiclialtcrigcn Mineralindi\ idncn in ilircr
diirdi ilirc Knlslehungs\N«'ise bcdingtert Gestalt und Lage.
II. Klastische Gesteine, bcslchcnd aus zerlrilmmerten und zerklcincrtcn
idlcrcn (ie.slcinen, deren Bruchslilcke in den meisten l;;illen (lurch ein erst
spiiler entstandenes Bindemittel /usanimen gehalleir werden.
Die Individuen. als deren inniges Aggn«gal die kr\stallinischen Gesleine /u
betraeliteii sind. kiinnen ent\\cder finer oder mehreren Mineralspecies ;m-
m'hiiren. Demgemiiss y.erfallen die krystallinischen (lexeme in x\\ei
abtbeilungen
II. Petrographische Geologic. Ml
I fin I. ic ho, Ai:iiveuate von lndi\ idnen einer Mineralspecies (z. B. .Marmor,
(Mil Agiireiial Mm kalkspalh-lndi\idiirn .
:' iiemeniite, AiZi:ivsj:;ilr von Individuen melirerer Mineralspecies (•/.. B.
(iranit. cin Aiiureiiat \on l-'eldspath-, Onar/- und (iliimner-lndi\ iduen .
Ferner lassen sieli die rinforluMi kryslalliniscliiMi (IcsU'inc nacli ilirc clic-
iiti.M-liiMi XiisiiiiiiiHMisi't/iiiiii. die iiemenulen danaeli. ol» ilii'e Sli'iiclur eine inas-
sii-e \\ie heiin (Jranit oder eine uesehielilele \\ ie Iteim (iliiniiUM-scliiet'er ist . in
kleincre (iruppen sondern. Kiner Synopsis der (iesleine liisst sich demtjeniiivs
lokcnde (iliedenini; y.u (Jninde leiien :
A. Krystallinische Gesteine.
I. Einfaclie Gesteine.
1. l-lisiiestciiie.
:'. llaloid^esteine.
M. Kiesclfieslcine.
4. Silicatiresleine.
•">. Kr/.i;esleme.
6. Kolilenij;esteine.
II. Qemengte Gesteine.
a. ntiissige.
b. geschielitele.
i: Klastische Gesteine.
1 . lose Accumulate.
2. Sandsteine, (longloinerale, Breccien.
3. Thongesti'inc.
4. Tulle.
b. llebersicht der Gesteinsartcn. )
1 . Clnsse. Krystallinische Gesteine.
\ . Ordnung. Einfache Gesteine.
1. Familie. Eisgesteiue.
I. Eis.
.Naeh seiner KnlsUM1uini;s\N cise untersehcidel man das Kis in Se h n ee - \\ i s
nnd \\asscr-Kis und ersteres nach seiner pelrographischen BescluiHenheit in
Selinec. l-'ii'n nnd (Ilelselier-Eis.
Der Sell nee isl ('in loses Aiiiii'e^al von Nadeln, Lamellen, KonuM'n nnd
l-'locken. entstelil (lurch Niederschlai^ der atmospliiirisclien Fiuichli^keit und hildd
in der ohersten Heiiion der Boohgebirge, sowie in den Polargei^enden ausge-
dt-liiile und inaelili^e Ahlauernntzrn.
' Hi-i ilit-MT I Clu-rsiclit der Gcslfiii-iii-tcii li.il cs sich nls uiitlmiilicli cr\\icscn, 1:1 • \visse
BezeichBUDgeD xu \ci-inciileii, wclcln- «'isl in den AbsclinilliMi ulu-r liislorische und d\n;i-
ilnv Krkliinini.' lindrn \\crd<Mi. Ks \\inl dcsslinlh hicnliirch ;uil' die lictrct'-
'.\'2 II. I'clro^rapliisclic
Der Kirn, cin AIIIMVIMI \on loscn oder (lurch F.i.M-rment verbnndenen
blendend \veissen EiskOrnern, enlsleht in iierinLicren lli>hen dcr Hochgebirge
[\on ct\\a :ni)OM. ;il»\\ iiils1 durcli Versi-limel/uiiii des lloehschiiccs /.u Kiskiirnern,
\\rlrln- xcil\\cise duivli d;i/\\ isrlien sickerndes und irefrierendes \Yasser y.u einer
niehr oder minder I'eslcn .Masse \erkitlel \\erden kiinnt-ii.
l);is (i I e I sell er -F, is . cin knstallinisch knrniL'cs Aui:rei:at son dieht mid
iininillclkii- xusammen ^cscliiiiol/ciicn li;irlcn Kiskiirnern, cnlstclit in dcin nnicr
li.ilh ;'.">(HIM. M.-ci-csliiilic liriicndni \i\«-;in dcr l!oclii:clm-;jc dmrli /nsjiinnicn-
sclinn'ly.uni: dcr Kinieiskiirncr. Ivs isl p;ir;illcl dcr Gietscheroberflftche inchr (idcr
minder denllicli schicliU'iuirliu lichiiiulcrl. von ;msscrordcnllicli Icincn mid /.ihl-
rcichcn II;i;irs|);illen dmvlidrim-cn, mid hesil/.l in tinissercn M;isscn cine sclione
lil.inc l;iirlmnii, \\iilirend kleinerc Stileke I'iirhlos sind. Die (ilelscher ci rciclien
illter •')<)!) .M. Miiehli|:keii . llu- Yorkoimnen ist ein doppelles : erstens in der
RochgebirgSZOne tier irem;issii;leii und heissen Liindcr x.\\ ischen deni Firn und
dcr Sclimel/.linie des Kiscs Alpen^lelscher) ; Zvveitens in den (lehirizs- und
UUgellUndern hiilierer Breiten (Polargletscher), \\o sie ihre Knden l»is in's Meet-
liincin slreeken. in \\ clc-liein dieselhen \on den \\ellen /erstilckelt und ;ils Kis-
iKM'i-e I'orliieti'ielten >\erden.
l);is \\';isse r-F. is hildel sich (lurch AussoheiduHg luidcHonni^er I'.iskrx-
sl.ille soxvohl atif der Olierlliiehe \vic ;iuf deni Grunde der Gewiisser (Gruiul-
l-'.is . 1'j-sleres ist dielil , luirl, durehsiehliii , weisslich oder grtlnlieh, lel/.(crcs
sc|i\\;iniini^, locker und \veil ordige und sandii?e Theile <les Hodens unisi-hlies-
send, schinnl/ii; liefiii'hl. Die 1'olarmeere sind die Heiinath des unverganglicben
Wasser-I'lises , sie tragen eine f> his K> Meier iniieliliue Kisdecke . \\elehe im
Soninier nur /uni Tlicil in Sehollen Dficfat und von der Slronmni* \Nei4izefilhrt
\vird, /inn Tlieil al>er aneh lantie .lahre hindnrcli reslbleibt.
2. Fomilie. Haloidgesteiue.
Minlache kr\slallinischc Gesleine, deren inineralische Beslandtheile der Classe
der llaloide und der Gruppe der el>eni'alls sal/Jilinlielien Chloride und Fluoride
leiehter Melalle angehoren. (z. B. Koclisalz, Gyps, Kalkspath, Dolomitspalh .
•2. Si ein sal/.
Das Sleinsalx ist ein blattcM'i^es, korniijes oder faseriges^Aggregat des .Mineralcs
Koehsalx und hesleht \\ ie dieses aus Chornalrinm. Seine leichle l,osliehkeit
in \Vasser, sein sal/i^er Gesclnnaek nnd seine aiisuexeiclmelc hexiiedrisehe S|>alt-
barkeit inaclien es leichl kenntlieh. Abiindernnizen in deni Lienaiinlen Noi'inal-
licsi.iiide \\erdcn (lurch heiniischiinueii \on Chlorcaleium nnd Chlormagnesiuui,
\\elchc deni Sleinsalxe die l-j^enschat'l erlheilen, Feiu-hliiikeil aus der l.ul'l an-
xuxiehen. so\\ ie \on (llilorkaliuin hcr\ or^ehrachl. Andere Beimengungen \crlcihen
deni urspriiniilieli farl>losen Gesteine maneherlei Fiirbungen. So fiirhl cine ue-
rinue Beimeniiiinij; \on Kiseno\\d das Sleinsalx roth. \on KupfergrUn oder
Kupfcrchlorid j^riin oder blau , von Bitumen i-rau oder blan. \\iihrend cndlich
Thon hiiuliL; als Yernnrciniizniifi auflrilt Thoiisalx). An manehen I'uiikleii seines
Yorkoinmens. so in Stassl'url bei hernbnrL:, namenUieli aher in \\ielicxka ent-
hiill das Sleinsalx Blasen. \\clche mil \erschiedeneii (iasen \\ assei'stolV. Kohlcn-
siiure. K<tlileiio\\d ^efillll sind Knislersalx) .
II. l'cli'(ii;r,i|ilii>rlif
Das Steinsal/. i.sl ent\\eder inir undeullirh oder uar nirlil ijeseliielitet. In
Slassl'url \\ird rs dmvli diinnc paralleie Lagen Von Anhydril in reirelinassiije
Hankc Ljcsouderl. Ks bildel machine Lager inul Slbcke x.uiselicn Thon, (i\p>.
Anhydrit, Merge I mid Doloinil. Die Sal/lagersiiiite \».n Sliissfurl ist iiber :UO,
die l>ei S|)eivMberg im\\eil Uerlin erholn le ^c^cn 1:500, die von \Viclir/.k;i
slcllcn\\ cisc iiluM- 1 iOO M. iniiclitiir. Die Altl.i^cnin.ucn drs Sli'insiil/.cs sind ;uif kcinc
besiimrote Formation hcsc-liriinki, sic Nci-ihcilcn sich vielmehraufdieganzesedifneTi-
tiirc Schichtenreibe \\io dies ;ms Inliiciidcr t;iln'll;ii-isclici% rchcrsichl
Formation.
Ijocalitiit.
Hildiini.'!'!! tliM1 Jt-lxl/cil.
\\ uslcnsalx. dcr Kir^isrnslopiir, in Araltifn, in
Siidainci ik;i.
Sccsiil/. am Todlcn Mrci-c , iiin (ii-osst'h Salz-
scc. (Utah.)
Teriittr.
l.aiii'rsliilU'ii von Cardona in CataloniiMi, Hier^
liczka und Itochnia in (ialixicn, — in Siebeobiirgen,
"RIcTnasitMi und Arnicnicn, — von Hiinini in Halicn,
in Louisiana.
Krcidc mil WciildtMi.
Suulc \on Hndrnlirrii :iin Dcistci', \\rslpliidisclir
Sool(iuelliM). (Unna.)
.hint.
Keuper.
Lotliringcn, Hall in Tirol, HallHn und Hcrclilt-s
.uadi-n (lu'i Salzburg).
hfoachelkaik.
Am obcren Neckar und Koclu-r (WiirliMnhci^)
Krnslhiill und Stoltcndicim ;Thiirin^cn).
Buatsandstein.
Ihmnovcr, Schuningcn bci Brauus< liNsciv', Salz-
dcrheldtMi, Kiii-land.
D\;i^.
Hci Gcra , Artern (Thiiriniicn) , Slnssfurl ., Kir-
i:isfnsti-|)|)f am llckllussc.
Sti-iiiknldiMiriii-iiiidiun.
Am kanavvha und New Rivor (Wcsl Virginia),
im cn^lischcn Steinkohlengebirge \on Durhain, Hri-
slol u. a. L.
l)r\o|).
Silur.
\\Vst Virginia ; ItciSalina und Syracuse iinSlaalc
New- York, Ix-i Sa^inaw in Michigan.
3. Gyps.
l);is (iNpsircsioin ist cin spiilhigcs, fiiscriges, schuppis^es odor kornigcs his
dichtcs Ai:i:rcii;il von Gyps-Individuen, heslcht nlso aus wasscrhalligem scli\\c-
Knlkc. Kin \oi y.il^lidics Unlerschoidungsmerkm;il dcssclhcn \on an-
dcivn iilmlicli aussehondcn Goslcincn •/.. H. i;c\\isscn Kalkslcincn ist seine Wcich-
hcil und seine Unliislielikcit in Siiuren. Seine ursprllngliche Farl»e ist / \\ai-
\\eiss, \\m\ jcdoeli (lurch Heinu^nuungen . von liilinncn und Thon in cine grnuc
und dureli solche von Kisenoxyd in cine gelbe, rolhe und braune ver\\andell.
Nelten den einfarbigen trcten geflcckle, uesin-il'le. \\olkii;e, inannorirle flypsc
auf. Nach Verschiedenlieilen in ihrcr Slrueiiir iinterscheidel man:
Spiithigen Gyps; A^ieLMi \on /.inn Thcil fusslangen Individuen, so
/. H. in der Marienhiilile bei Heinliard.sbi'unn, ja von lachtergrosson Individuen,
so in dem Steinsal/be/irke von Wielic/ka.
C r e d n e r, Elcmcnto d. (ioolo^io.
:U II PetfOgraphische Geologic
l-'.ise ru\ ps : Aii^iviMt \on seidenglttrizenden Fasern , \\elehe meist senk-
reelit aul den BegPenXUngsflttchen der IMatten stehen, die dieses (ieslein /\\ iselien
kbrnigem (l\pse liildet.
Diclilen (i\ps; ausserordentlieh I'einkiirnig, sehr ha*llfig schneeweiss und
;ni den Kanten dureliselmeidend, diinn Alabaster tienannt.
Kbrnigen Gyps: Lttniigeft Aggregat YOU weisser oder lichter Farbe, oft
mil diinklen Fleeken und \Volkcn.
In den beiden letzlgenannlen Viirietiiten kommen namonllich Bergkrvslall
bei Fahnern in Thiiringen) und Boracil (hei Lttneburg , ferner Aragonil, Coe-
lesiiu. Sehwefelkies und Sehuel'el Spanien und Sicilien) als zuftllige Gemeng-
llieile vor.
Der (iyps is I ije\vohnlieh ungesclu'chtel und bildel in der Reizel linsen-
oder stocklonniiie Einlagerungen , \viihrend pnrallele Schichlen vei-hiillnissiiiiissiu
selien sind (Osterode am Ilarzej. Thon , Sleinsalz, Anhydril sind seine tie\vbhn-
lielislen Ik'^leiler. Durch Auslaugung (er ist in 420 Theilen Wasser loslich sind
in iluii hiiuliii Hohlrauine (Schlollen entslanden , \velche zum Theil rneilen\veile
Krslivckuiiii hesit/en und dann oflers die Fundorlc diluvialer \Virbellhiere (z. B.
Ursus spelaeus) sind. Seine Hauptenlwicklung falll in dieUyas, Trias und das
Terliiir. So uiniiiebl ein hoher, 6 Meilen langer felsiger Wall von Gyps der
DyasformalioD den Stid-Rand des Harzes von Sangerhausen bis Oslerode, eben-
so gehbrt der bereits erwahnle spathige Gyps von Reinhardsbrunn der Dyas an.
Miichlige Einlagerungen von Iriassischeui Gypse sind namenllich in Tlillringen, in
den Neckargegenden, bei Ltineburg u. s. w. bekannl.
\. Anhydrit.
Das Anhydrilgeslein isl ein grobkbrniges bis dichtes Aggregal von Anhydrit-
Individuen und bestcht \vie dieses Mineral aus schwefelsaurem Kalke. Vom (i}[>s.
mil \\elchem er vergesellschaflet vorkommt, unterscheidet ihn seine grbssere Hiirte
(3 — 3, 5 gegen 1,5 — 2). vom Kalkstein, mil dem er zuweilen grossc Aehnlii -h-
keil hal , namenllich sein Nichtaufbrausen mil Siiuren. Weiss, hellgrau, hellrolh-
lich , hellblau sind seine gewbhnlichen Farben. Er ist selien und dann nur
undeullich geschichtel. Vereinzelt trill er in dilnnen, parallelen Lagen Schnliren)
zwiselien anderen Gesteinen, so im Sleinsalze von Slassfurt auf.
Das geologische Vorkommen falll mil dem des Gypses zusamrnen. Duicli
Aufnalime von Wasser gehl der Anhydrit leicht in Gyps ilber, und cs sind daher
die von ihrn gebildeten Gebirgsmassen gewbhnlich von einer miichligen (J)ps-
krusie bedeckl. Aus dem auf den lelzlen Seilen Gesaglen gehl hervor, dass
(i\ps. Anh\dril und Steinsalz sehr gewbhnliche Begleiler sind. ICinige der \\ieh-
tigslen der deutschen Fundorte des Anhydrites sind: Oslerode am Harze, Slass-
furl bei Magdeburg, Lllnebiirg. Sulz am Xeckar, Hall in Tyrol.
5. Kalkstein.
Der Kalkstom ist wesenllich ein Aggregal von Kalkspath-Individuen, seinem
Normalbeslande nach wesenllich kohlcnsaurer Kalk. Seine reinon Varietiiien Ibsen
sidi unler lebhaflem Aufbrausen in Sa'uren vollslandig. Sehr ha'ufig wird ein
Theil der Kalkerde durch Magnesia, Eisenoxydul oder Manganoxydul vertreten,
und ebenso uewbhnlich erscheint die Kalkmasse verunreinigt durch Kieselsaure,
II. Petrographische Geologic. 35
Thon und bituminose Substan/.en. Die Farbo dcs reinon Kalksleines ist \\eiss.
in Folge seiner BeimenLMingen nimml er jedpch graue , golbliche und briUmlicho
Fai'lmngen an odor ist farbig gellivkl . gellammt, geslroift odor marmorirt. Naeli
seinon Struelurverhallnissen unlerschcidot man folgende Varieffiten:
a) k d r n i g e n K a 1 k s t e i n , M a r m o r , ein grobktirniges bis zuckerig-feinkiir-
niges Aggrogat \ on /inn Tlieil y.\\illingsartig zusammengeset/ton Kalkspalh-Indi-
viduen. \\elehe nach alien Richtungcn durch einander geuachsen sind , und
\\elrhe man an den verscliieden laufenden rhomboedrischen Spaltiingsniichen or-
keimt. Gewohnlich isl dor kornigo Kalk \veiss und an den Kanlen durchschoinend
oder hollgrau, hellgolb oder hellrbthlich , cinfarbig odor marinorirl. Scin Roieh-
lliinn an /ufiilligen Gomengtheilen ist gross, unlor diesen sind Gliimnor, Gram-
matit, Granat. Spinel I , Serpentin, Korund, Quarz, Apalil , Flussspalh, Maiinel-
eisenstein . Schwefelkies , (Iraphit liervory.ulieben. Nanienllieh kann der Gliimner
in soldier Mcnge auftroton , dass dor Kalkstcin oin schiefrigos Gcftlge annimint
und dann Kalkulinnnerseliiefei' gonannt \vird.
Schichtung isl am kryslallinisehen Kalke bisvvcilcn sehr doullich zu beob-
adilen. liiiulii: aber gar nicht vorhandon. Die Mchrzahl soincr Vorkommen ge-
liiiren den iiltoslon Fonnalionon dor Krdkrusle, namcnllieh dcncn der lauron-
liselion (Inoisse und kr\ slallinischen Schiefer an, zwischen \\elchen dorselbe
reiiolniassigo l.ager oder unregelmiissigo Slb'cke bildet so z. B. bei Trondhjem in
Nor\veizen , bei Auerbach an der Borgslrasse, bei Drossendorf in Miiliren, bei
Wunsiedel im Fichtelgebirge , bei Burkhardswalde im Erzgebirge, bei Hermsdorf
im Biosengebirge, im Alleghany-Gebirge, in Canada und am S(ld-Ufer des Lake
Superior. Die Mai morlager von Carrara und andercn stideuropaischen Localitiilen
sind bei \Veitern jilngercn, jurassischen Alters.
Kino grobkorniizo Varietal des krystallinischen Kalksteines ist der Ka Ik-
sin tor, \veleiier namonllich in der Form von Stalaktilen in den Hohlungen
der KalksletDgebirge gofunden wird.
I) die lit en oder gomeinen Kaikstein; er kbesilzt eine ausserst fein-
kiirnige ki \ slallinisehe Struclur, \velche oft erst mil lliilfo des Mikroskopes als
solehe zu erkonnen ist, und einen flach muscheligen bis splilterigen Bruch. Er
ist moist einfarbig, gelblich, braunlich oder grau, selten gefleckt und sehr go-
\\()lmlich reioh an Thiorreston, dahingogon arm an zufiilligen mineralischen Ge-
mengtlieilen. unlor \volchen namonllich Bloiglan/. Sehwefolkies, Zinkblende und
deren /n sH/ungsproduele \Vichligkeit bosilxen. Dei1 gemeino Kaikstein zoiehnel
sicli \oi- dom kb'rnigen dureh Deiillichkeit und Schiirfo seiner Schichlung aus
HIM! s|)ielt eino hochst \\ichlige Bolle als Gliod fast siimmtlicher ^eschichlelen
GebirgsformaUonen. Die dichlen Kalksleine sind hiiulig durch Beiinongungen
\erunreinigt. Naeh (Jor Arl derselben unlerschoidet man:
a) thonigen Kaikstein, P) kicseligon Kalkslein, y) dolomi-
tischon Kalkslein, 8) bitu m i nbscn Kalkslein (Slinkkalk, weil beirn
Zerschlagon \verden einen slinkenden Geruch von sich gobend). Ausserdem be-
/.eiehiK't man die dichtcn Kalksteine je nach ihrer Stellung in der Formalions-
reihe als Kohlenkalk, Zochsloinkalk , Jurakalk, -- nach ihrer Verslcincrungs-
fUhrung als Slringoeephaleiikalk , Oi'lhocoronkalk , Crinoidenkalk , Korallonkalk,
'M\ II. iVtn^rnplii.M'lir (ieoloi;ie.
.Nmiiiiiulileiikaik, mid endlieli naeh ausgexeichneleii Aiil'sehluss|Mitikteu uiul Vur-
koimimissen /. B. ;ils Kileler Kiilk , Opatowil/.er Kalk, llallstadler Kalk. Tron-
lon-Kalk.
c) oo I i t In sch en Kalkslein; ruiulliciio hirsen- his erbsen^ro.vse Kalk-
korner von COnceDtrischf^chaUger, oft auch radial-fasoriger Zusammensel/ung
sind durcli oine diehle oder online Kalksteinmasse zusammengekiUet. In ilucm
Miltrl|)iinkti' umsehliesseii die ein/elnen Oolilhkiirncr niclit selten einen fremd-
arligen Kiirper, em Sandkornchen odcr t-in Musdu-lfragment, welches den eislcn
Anstoss /in- Hildunjj; dt\s Koines i:ei;el)(>n Ijat. Zuin Thril \\allet i\\c Kalkslein-
iinindniasse auf Koslen der Oolilhkorner vor, /uin Theil jedoch trill diesellie
^an/. /urdck, so dass sich die Korner j;ei:enseitig berUhren ; man nennl ein der-
artii^es (leslein, namentlich \venn die Concretionen aus Aragonit (rhoinbischem
kohlensanrein Kalke) bcslchen und Erbsengrosse erreichen Brbsenstein oder
Pisolith (i. B. von Carlsbad), solchc Oolithe alter, deren radial-fasei'ii;e Kalk-
korner dureh ein Ihoni^-nier^elii^es Bindemiltel \erbunden sind, Roi^en stein
(/. B. bei Braunschweig, bei WolfenbUtlel , bei Bernburg, bei Kisleben). Der
^e\\ohnliche Oolith aus hirsekorngrossen Kilgelchen .setzt an der \Veslseile
des Sch\var/.\\ aides, ferner bei Hildesheim und Hannover n»achtige Schichten-
reihen xusnnimen.
d) porosen Ka Ikslein , Kalkluff, Travertin; feinerdige bis fast dichle
oder auch porose , blasige, schwammige, concenlrisch-schalige Kalksleinmasse
von gelblicher Farbe. Sie trill in den rneislen Fallen als Incruslalion von bunt
y.usammengehauften Pflanzenslengeln, Blallern, Moosen auf und umfassl zahlreiehe
Hesle von Muscheln, Schneeken und anderen Thicrarlen, (z. B. Knochen von
Kleplias primigenius). Als einige der Hauplvorkotnmen mogen die von Tivoli
unfern Rom , Baden bei Wien , Weimar und Tonna in Thilringen genannt
\\crden.
e) erdigen Kalkstein, Kreide; ein weicher milder Kalkslein mil fein-
erdiizem, rnallem Bruche, im reinsten Zuslande schneeweiss, \\eich und schrei-
bend, bei einlrelendern Gehalle von Thon oder Eisenoxyd grau, gelblich und
hiirler \\erdend. Seine kleinsten Theilchen beslehen ihrer Mehrxahl nach nicht
aus ki'yslallinischen Individuen , sondern aus mikroskopischen Scheibchen und
kiiuelchen von amorphem kohlensaurem Kalke, sowie aus Foraminiferen-Schalen.
Sehr hiiufig enthidl die Kreide neben xahlreichen Tliierresten Feuersteinknbllefl
als accessorische Beslandmassen sowie gi'Une Glaukonitkbrner als xufiillige (Je-
menglheile (Glaukonilische Kreide). Die Kreide bildet, wo sie auflrilt, seliroll'e
1-Vlsparlien, so namentlich bei Dover und Calais, sowie auf RUgen.
<>. Dolomit.
Der normale Dolomit ist ein Aggregat von Individuen des Minerales Dolo-
mitspalh, also Magnesia-Kalk-Carbonal mil 54,35 Theilen kohlensauren Kalkes
und i- '),(>;) Theilen kohlensaurer Magnesia. Dieses Mischungs-Verhiillniss isl je-
doeh nicht constant, nicht einmai gewohnlich, vielmehr repriisenlirt der Dolomit
in den moisten Fallen Verbindungen von Kalkcarbonat und Magnesiacarbonat
in ganx unbestimmlen Proporlionen. Zu diesen beiden Carbonalen Irill sehr oft
noch ein drilles, i^Wnlich kohlensaures Eiscnoxydul, wenn auch nur in geringen
H. ivicii-t.ipiiiM'h
Menken, mid endlieli Rilumon und Kieselsiiuro, \\onach man den Dolomit
.schtissig, biluminbs oder kioselig nonnt. (ie\\ i>se leicht /u verwecbselnde Yarie-
ta'ten dt's Dolomites und Kalksleines Qnterscheiden sieh \vie I'oki : Dolomii 1st
hiirler ;ils Kalkslein ,11. dnivlisehnitllich i : Ti, — or besilzl oin grbssoros speei-
fisches Gcwich! :V,i : ^,7), — Dolomilslttcke brauson mil kaltor Siiure nur schr
\vonig, Kalksleinfrflgmente sehr stark, — lot/lero Ibsen sich rasch, crslorc laiii:-
siim in Salzsiimv.
.Manrhc korniuc Dolomite sincl rcich an ncccssorischcn BcstandthciliMi , so
dt-r drs Hinncntlialcs ini Olu-rwallis (Zinkhk-ndc, Arsrnikalkics, Schwcfolkics,
Tri'inolii , drs Campo lonizo sfidlich vom St. Gollhard (Realgar, Tuniialin, Koriind
u nd Tivmolil).
Die nicislcn Dolnmitvaricliiton sind dcutlich kr\stalliniscli nnd /.\var bald
L;i'ob-t hald solir frinkb'rniij; ; bci den Dol otn i la schen sincl die einzelnen
Dolomilspalh-Individaeo i;ar nicht mil einander xei'hundcn, sondern lieL-en
lux-, siaubartiu nelx-neinder. Kndlich \verden g(>\visse feinkorniye Dolomilc von
uiiret;eliiiiissii; lieslalteten, eckiiien Zellen nnd Ilblilungen vollsUindig durch/oi:en,
\\odnrcli das (lestem, dann Ranch wacko genannt, oin lochorii^es, /erfressenes
Anssehen erhiilt. Die Wandnnizeii der Hohlriiumc sind mil Dolomilspalhkryslall-
clien incrnstirl. Kin lypischer Fundorl dor Rauchvv.ncko sind die Folsparlien
• I- - Allensteines nnd Hohlensteines in Thiiringen. Bemerkenswerlh isl die Nci-
uniii: des Dolomites zu Pels- und Hbhlenbildungen ; so beslohen die Felsruinen
des frankischen Jura nnd der schwiibischen Alp, die oboliskenfdrmigcn ,Fels-
massen des I;assalhales aus Dolomit. Tebenhaupl spiell dieses Gostoin , ge-
\Nbhnlieli mil Mergeln und Kalksleinen vergesellschaftel, cine \\ichtigeRollc als
Ranmaterial dor Erdfeslc.
7. Morgel.
Di<- Merge I sind innige Gomonge von Kalkslein odor Dolomil mil Thon, wo-
y.u aussordom noch feine Gliinmerschnppehen und QaancktfrncfaeD Ireten. Der
Thongehall beli'iigl /,\\isehen ^0 bis 60 Procenl der gan/on Gesloinmasse. \\elehe
enl \\edei- erdig o<lor sehieferig und mehr odcr weniger biluminb's soin kann.
Die Merizel sind durch Eisonoxydul und Eisenoxydhydral grtlnlich, gelblieh o«lor
brannroth, in Folge slarkon Bilumengohallcs grau bis schwa rz gcfarbt und bloichen
in li-t/terem Falle im Feuer. An dor Lufl blaltern sic sich auf, zerfallcn in
\\iir!clii;e Rrbekchen, \\elclie allmahlich zu Erdkrume werdon. Neben Kalkslein
und Sandstein bilden die Mergel das Ilauplgosleinsmatorial dor geschichlclen
Portnalionen.
K n p I'erschicfer nennl man gewisse dllnnschioferige Mergcl, welche reieh
an Fisc-lire -ten . in Folgo davon slark biluminb's und dosshalb scluvar/ uefiirbl
sind nnd in iltrer (lesteinmasse aussorordenllich feinc Kupforcrzparlikolelien
eitiL;es|Meiii:t entlialten. Auf dor Gcwinnung dieses Kupferschicfers lieruhl der
urossai'ligi? Mansl'elder Rorgbau.
Manelie Kalkmeruel sind mohr odor \\enigcr reieh an grilnon (Ilaukonil-
kiirnorn; man findol dorarlige (i I a u k o n i t in e r ge I namontlieli in Weslphalen,
l;rankroieli nnd an der atlantisrhen KUsle von New Jersey, wo sie der Kreide-
formation angohbren.
its II. Petrographische Geologic.
Bra ndsch iefer sind braunscbwarxe und pcehsdmaiv.e .Meriidschiefer,
\\ddic sd stark von Bitumen impriignirt sind, d;iss sic mil russcndcr Flamme
brenncn Sccfcld in Tyrol, Walgau in Baycrn, Oschatz in Sachscn. Odsduefcr
von Holl in \Yilrlembcrg . ,
Ihrcr lieriniien Ycrbrcilung v\egen kiinnen folaende hierher gehbrige (icstcinc
nur kur/ angefilhrl werden :
Phospliorit. cin I'ascriges bis dtchles Apalitgestein von \\cisslichcr, grau-
lichcr und gelbUchbraoner Farbe, \vclclics Kluftausfiillungcn und Ablagerungen
in oraldenfbrmigefl Yerticfungcn inncrhalb allerer K;ilk>,l<'in(> in Nassau an dcr
I.ahn und Dill, in Ba\crn hci Andn-ru; , aber auch fonnliche Lager und Flot/.c
/. uischen ThoQScbiefern, so in Estrcinaduni, bildet.
Sch \vcrspa th, ein dichtes, dunkcleraues Aggrcgat von Schwcrspalh-ln-
dividucn, \vclchos z. B. zvvischen den Thonschiefern an der Lennc (Wcstpha-
Icn' in bis 30 M. iniichtigen Lagern auftrilt.
3. Fa mi lie. Kieselgesteine.
Die Kieselgesleine bestehen allein oder vorwallcnd aus Minei'alien der
Quarzfamilie.
8. Quarzit.
Der Quarzil isl cine kornige bis dichtc und dann gnobsplitterige, \veisse,
graue oder durch Beiniengung von Eisenoxyd rolhlicli gefarbte Quar/inasse.
.Ic nach ihrer Slructur unterscheidel man folgendc Abarten : Kbrniger Qua r/. it,
sehr oft sandsteinahnlieh, — dichter Quarzit, ausserordenllich fcinkornig, schie-
feriger Quarzit, dessen schieferige Slructur zum Theil durch lagen\veise vcr-
Iheilte Glimmerblatlchen hervorgebracht vvird. An zufalligcn Gemenglheilen ist
der Quarzit zienilich reich ; nanicnllich hervor/uliel>cn sind Glimmer, Granat.
Turmalin, Pislazil, Schwefclkies, Magncleisenerz und Gold (letzleres z. B. in
den sildlichen allantischen Staaten von Nordamerika). Die Quarzit^ sind mcisl
sehr deutlich geschichtel und bilden mehr oder weniger machlige Einlagerun-
gen zwischen Glimmer-, Chlorit- und Thonschiefer.
9. Krystallinisclier Quarzsandstein.
Dcr krystallinische Quarzsandstein (Kiystallsandslein besteht aus laulcr
kr\>-tallinischen Quarzkdrnern , zuvvcilcn aus vollstiindig ausgebildetcn Ouarz-
kryslallen, \velche durch ein gcwbhnlich iiusserst spiirliches Kieselcemcnl vcr-
bundcn sind. Ilicrher gehbren die untertriassischen Sandslcine der Vogesen,
fcrncr viele Kicsdgcsteine der Braunkohlen- und Steinkohlcnformation (Mill-
stoncgrit Englands und Nordamerikas).
hi. Kicsclschiefer (Lydit).
Dcr Kicsclsdiicfcr ist cin dichtes, sehr hartcs, unsclniiclxbarcs, von Thon-
erdc , Kohlensloll' und Eisenoxyd impragnirles, hornsteinahnlichcs Quarxgestetn
mil spliiicriucm Bruche und von dunkclcr, namentlich sch\\arzcr Farbe. Er
isl in diinncn, mcist nur zollmiichtigcn , schaiTirelrennten Platlcn abgclagcrt,
/.ci^t sc-lir vollkommcnc Zcrkliiflunp, in Folgc dercn das Gcstcin in pohcdrischc
Alisi.ndcningsstUcke zertheill \vird und ist von zahlrcichcn Schnilrcn und Adcrn
von >Ncis>cm Ouaiv.c tlurchzogen. Seine sehr dichten, vollkommen sch\\ aiv.cn
II. lVlrnm,i|ilii>rhr
Yarietjitcn mil Qachmuscheligeffl Hnu-he \\erden L\dit oiler Prnbirstein uenanut.
Kr bildet z. H. iin Oborharze zwischen Clausthal, Lcrbach und Lautenthal, itn
Fiehtel^ebirue in dor Niihc von Hof , in Bbhmen in dor Gogend von Beraun.
in Saehsen /\\isrhen Freiberg und Nossen miichlige Scbichtenfolgen.
II. Feiu'i-stcin (Flint).
Dcr Feuerstein ist ein graues ndrr sehwarx.es Kiosclgestein mil ausge/eieh-
net musrheligem Bruehe. Seine Bcberbenartigeo Bruchsttlcko sind scbarfltantig
und .in den Kanlen durehselineidend. Er besleht ;ms einein innig-en Gemenge
von knstallinisclu'r und aniorpher Kieselsauro , cine ZusammenseUunL:, \\clelie
erst iin polarisirlen Liehle erkennbar wird , sich alter aneli dnreli Koelien mil
K.-dilauiie nachweisen liisst. Die scli\varz<- Fiirbuni: dos Feucrstoins rtlhrl zum
umssen Tln-ik' von Kohlonstotl und dieser von organisclien Hoston her und ver-
scli\\indet in diesein I'alle beim Glilhen.
Der Feuerslc'in bildet namentlioh lagomvcise an cinander geroihlo Knollcn
in dcr \\eissen Schrcibkreide, so bci Dover und Aachen, so auf HUgen und
Wollin. Ausserdoin trill c%r in Form von losen Rollslilcken Uberall iin Diluvial-
.sande der norddeutst-hen Kbene auf, cntstammt aber den /inn Theil zcrstinMen
Kreidelagern an der Oslsee.
In die Familie die Kieselgesteine gehbren noch folgende Gcstcinsarlen,
writ-he siiininllich nur unbedeulende Ausdchnung und deshalb geringere Wich-
Iii;keil besil/en :
Hornslein, cine dichle, liarte, trilbgrfiirble, rauchgraue oder braimrolhe
Ouar/massse von sptUterigeni Brucho; nieisl knollige Massen , anrogelmiissige
Kinlagerungen von geringer Ausdehnung oder wenig niachlige Schichlenfolgcn
zusamiiieiiselzend.
.las pis, eine hornsleinarlige Quar/masse, von strcifenweise abwechseln-
tlei . rollier, gelber, brauncr und grUner Farbe ; in grbsster Miichligkeil am Lake
Superior in Nordamerika.
Silss wasserq ua r z, eine feinkbrnigc, moist porbse , zelligc, splitterige
(ii undiiiasse, die sich durch ihre KinschlUssc von Stlsswasser- und Landschnerken
und Pllanzen als ein Quellenabsatz kundgiebl. Er bildct regellos geslallelr
.Massen z\\ischon losen Sandcn, Thonen und Kalksleinen jUngsten geologischen
Alters, z. B. dcr Umgegend von Paris.
Kiese Is inter und Kicselluff, eine bald erdige, lockere, porbse, bald
eompaete Ouarzmasse, welchc zum Theil auflallende ausscrliche Aohnlichkrit
mil KalklulV besilzl, zum Theil vvie k. ilk sinter in sUilaklilischer Form auflrill
und sich als Absalz aus heissen Quellen (so des Geysirs) bildet.
Pol i rsc h icfer, eine erdige, aussert fein anzufUhlende, abfiirbende,
dilnuseliieferi^e, bliilterige kieselniasse von gelblicher Farbe, welche aus mikro-
skupisch kleinen Kieselpanzern von Diatomeen zusammengesetzt ist (Bilin in
Bbhmen).
K i o s c I g u h r (Bergmehl) weisse , lockere , mehlartigc Kieselanhaufungen,
\Di-s\allrnd ,uis Kieselpanzern von Diatomeen gebildct; als Lager z. B. im Un-
trrgrunde von Berlin , mancher Stellen der Ltlncburger Ilaide, bei Franzens-
bad in Bbhmen.
10
'. . I .imilir.
Iliorlior gehiiren die A^i;r<-i:;ilr \nn Ampliolrrolillien mid Geolilhrn (z. B.
Hornblende j T;ilk, (llilnril. Serpenlin), ;ilso Gesteino, \\rlrhr ilnrr rhemisolien
Zusammnisrl/ung iiiich Silicate \on Erden und Melallo\\den odor \<m Knlcn
mill Alk.ilicii sinil.
12. Hornblendefels (Amphibolit).
Dor Rornblendefels 1st ein AggivtMi \<>n srli\\ar/.rn odcr gn'inc.n, kornigcn,
slrahligen odor faserigon Bomblende-Individuen, dnrcli .dcrcii ^csNoluilicli p;ir;il-
Iclc Anordnunij; moist cine diclischieferige Slruclur cnlstolit. Iliiiilii: ti-ctcn /u
dom roincn Bornblendea^regale noch cl\v;is Ouarz, Glimmer und Oliuokliis
als Gomonjilhoilo liinxu, \\iihrond als xufiilligo Ikvstandlhoilo vor/iiiiswoiso Soli\\o-
folkios, Granat und Pislazil an/ufUhron sind. Der kornigc Ilornl)londcfols
isl nicht so go\volmlioh \vic seine sohioforigo Varietal der 11 orri ble ndosoli i o-
for, wolohor doutlich gosoliiolitot isl und in regolmassiger Woolisellagorung
/\\isohen den a/oiselien Gneisscn und Glimmorschiofern von Skandinavion, dos
nordliehon Hbl)inor\valdos, dor Sudeten, Siobonburgens, dor Tauernkello Tyrols
und zahlroiohor andoror Looalitaton auftrill.
Kino l)osondero Variotiil des Hornblondeschiofers isl der Slrnhls tein-
odor A klinol ithschicfcr, ein dickschieferiges Aggrcgat von gras- bis laucli-
grllnem Slrahlslein in dilnnslengeligen odor faserigcn Individuen. Er isl in
den Alpen Savoyens. bei Klausen in Tyrol, im Zipser Comilal (Ungarn , in
Scholtland, Massachuselts u. a. L. bekannt. »
13. Chloritschiefer.
Der Chlorilschiefor isl cin schuppig-schieferiges, lauchgrilnes, weichcs, mil-
des Aggrogal von Chlorilschuppen , welchen gowohnlioh eUvas Quarz , ha u fig
auch elvvas Feldspalh boigomongl isl. Er isl reieh an zufalligen GemenglheiieD,
von diosen sind anzufUhrcn : Magneleisensloin in ausgozeiohnclen Oolaodorn
(Zillcrlhal, Eisenrcgion am Lake Superior), Talkspalh in sckarfen Rhomboodorn
(St. Gollhard, Zillorlhal), Granat in Rhombendodekaedern (Greiner) , Turmalin,
(Mabacher Alp, Ural), Gold (sttdl. allanl. Slaalen von Nordamorika .
Der Chloritschiefer ist in don moislen Fallen seines Vorkonnnens ausui1-
/ciclinot obenfliichig geschichtel und trill in Gesellschafl und in Wedisellagerung
mil Gneiss, Glimmorschiofer, Talk- und Thonsohiefor auf. So am Ml. Rosa,
Grossglockner, im schlosischen und mahrischcn Gebirge, boi Kalharinonburg
(Ural), im Alloghany Sysleme.
U. Talkschiefer.
Der Talkschiefer ist ein schieferiges Aggregal von Talkschuppen , \\t-lolio
ein sehr \\oiohos, fcltig an/.ufilhlondos (Jesloin von \\oissor bis griiiilioh \\cisscr
Fiirbnni: bildon. Als unlorgeordnoto , oft gan/- fohlondo Gomongtlioilo dicscr
Talkmassc Irelon Kornolion von Quarz, sf'llcMi von 1'oldspath, als /.ufiilligo (ic
mongllioile xor/ugsNveiso Magnctoisonslcin, SoliNM-folkios, Granal, Magiu-sit, Stauro-
lith, siimmllich /. H. im Val Canaria und Zillerthalo. forner Gold (in den siid-
lidion allanlisChen Staalon von Nordamerika) auf.
Dor Talksoliiefer isl doutlioh gosohiolitcl und naincntlioh mil Chloril- und
(ilimmorsohicfor vcruosdlsohaflol , so bei Ilof im Fichlelgebirge, am Allv.itcr
II. I'elro^rapliiM'lir (irnlo^ie. 1 I
in Schlesien, in den Karnlhener Alpen , am Ml. Blanc, am Ml. Hosa, im
I'ral n. s. \v.
Als cine zvsischen (Ihloril- urul Talksehiefer slehende Varietal isl y.u t'rwiihncn
tier To |>f stein; cs ist dies ein vervxorren Blzig-SCbupplgea (Ie\\el>e \nn
Chlorit- und Talkschuppen , \on deiien bald die einen, bald die anderen vor-
\\allen kiinnen. Diese grtlolich-grau6 Gesleinmassc ist sehr mild, la'ssl sich
bei grosser Xahiiikeil mil dcm Mosser sclmeidcn und \\iderstehl dein hefliiisten
Feiier. Der Topl'siein lindet sich mil Chloril- und Talkschiefer vergesellschaflel,
/. B. liei Cliia\enna in den Alpon, hci Trondhjcm in Norwegen, bci Boston in
Massachusetts.
l .">. Serpent in.
Der Serpent in ist ein dichles oder foinkb'rnigcs, mildes, im Brut-he rnalt-
sehimmcrndes Geslein von dilster grunen, seltener braunen Farben, liiiulig mil
dunkelen , llammii;en oder ijeaderten Zeichnuni^en. Er beslelit lediglicb aus
de-m .Minerale S<'r|»enlin , unischliesst jcdoeli /ahlreiche zufiilligo Gemcngtlieilc,
so vor/.iii;s\\('ise : l'\rop (Waldheim im siichsischcn Granulilgebirgc und Zb'blil/),
Maizneleisenstein Zillerlhnl), Chromciscnslein (Slcyermark, Maryland), Arsenikal-
kies Heiehonslein in Schlesien), Chrysolil in senkrcchtfaserigcn, seidengljinzen-
deii Schniiren den Serpentin durchschNvarmend (Rcichcnstein, Waldheim).
Der Serpcnlin crsclioint zwar moist als ein rnassiges Gestein, trill aber
aucli in Geslall reirelmiissigcr Schichlonfolgen von dllnnen, ebenflachigen Flatten
oder starkeren Biinken (Waldheim), nur selten hingegen schieferig auf (Hoboken
bei Ne\\' York). Kr besilzl zweicrlei Lagerungsformen , man kennt einerseils
Serpentinlager z \vischen Talk-, Chloril- und Glimmerschiefer oder Gneissen (im
I'ral. in den Alleghanies, am Greiner in Tyrol, im siichsischen Granulitgebirge),
.mdererseiis SerpenUngSnge und -Stockc, welchc das benachbarte Geslein durch-
set/en bei 1'redazzo in Tyrol, bei Balloch in Schollland).
Erzgesteiiie.
llierher liehiiren die einfachen kryslallinischcn Geslcine, deren Mineral-
elemenle sich (lurch ihrcn hohcn Melallgehalt auszeichnen.
1 6. Spatheiseiistein.
Der Spatheisi'iislein isl ein liclblich-graues bis gelblich-braunes, grob- bis
leinkorniges Aggregat von rhomboedrischen Individucn dcs Minerales Eisenspath,
und beslelit somit hauptsiichlich aus kohlensaurem Eisenoxydul mil grosserer
oder izerin^erer Beimischung von Mangan-, Magnesia- und Kalkcarbonaten. In
IVischem X.uslande besilzen die Spaltungsilachen der Mincralindividucn irisiren-
den oder perimQUerartigen Glasglanz, welcher jedoch unler dem Einflusse der
Atinosphiirilien versrlnvindet. Das Geslein vsird anfiinglich an der Oberfliiclu1,
n.ich und nach bis zu grosser Tiefc in lirauneisenslcin umgewandelt. Als zu-
lalliiie (Jemeniilheile Irelen zaldreiehe Kinspreni:linge von Schwefclkies, Kupfer-
kies und ICisenglanz auf.
Der Spalheisenslein bildet masxJLie Minlagerungen und Slbcke von oft sehr
ansehnlicher AusdehoUDg /\\ isehen geschiehielen (Jesleinen, Irilt aber auch in
Form NOII (iangen auf. Als die bedeutendslen Spalheisenslein vorkommen sind
• 12 II Petrographische
x.u erv\almcn: der S.'iO M. ilbcr die Thalsohle aufragende Krzberg bei Eiscncr/,
in Sleiermark, dcr Stahlberg l>ci Museii in \Yeslphalen, dcr Slahlheri: bei
Sclimalkaldcn in Thiiringen.
17. Spliiirosiderit oder Thoneisenstein.
Dcr Sphiirosideril ist cine feinkiirnige his dichte Spalliciscnslcinmassc. \\cldic
innig mil inchr oder \\eniger Thon gemengt ist. Dcr Sphiirosidcrit slclil soniil
/urn Spalliciscnstcin in dotiisolbcn YcHiallnisse, v\ie die Mergel zmn Kalkstcin.
Seine Farbe isl gran, gelblich oder liriiimlich.
Dieses Eisenerx trill enl\\eder in zusainnienhiin^enden l.aiiei'n (Flotxcn),
dder in isolirlon linsenfonni^en Xieren mid Knollen y.\visclien den Sehiel'er-
Ihonen des SteinkobleDgefoirges und dor Braunkohlenforrnation aul' und liefert
ein sehr geschSUtes Material /ur (Je\vinnung des Eiscns ; so in den Sleinkolden-
irc'hieten von Saarhrilcken, Zwickau, Siid Wales und Pennsylvania, ferner in dor
Braunkphlen formation am Nordabfalle des Siebengehirges u. s. w.
Kohlcneisenstein oder H lack band ist cin inniges Gemenge von
Sphiirosideiit mil 1 -2 bis 35 Procenl Kohle, welches dickschieferige Slruclur nnd
scliwai-x.e Farbc besilzt, namenllich in den schottischen und westphiilischen
MochuiiHM- Steinkohlengebielen flolzarlig auflritt, und dort als ein ausgezeich-
netes lusenerz abgebaut wird.
1 8. Brauneisenstein.
Dor Brauneisenstein ist ein faseriges , feinkbrniges , crdiges oder dichtes
Kisenerz von ockergelber bis schwarzlich-brauner Farbe mil gelblich-braunem
Striche. Kr ist svesenllicli Eisenoxydhydrat , entliiilt al)er gewohnlich elwas
Manganoxyd und Kieselsaure und ist hiiulig durch Thon verunreinigl.
Dcr Bi'auncisenslein tritt in den moisten Fallen vergesellschaftel mil oder
in glcicher \Veise \\ie Spalheisenslein, Sphiirosideril und Schwefelkies auf, als
deren Unnvandlungsprodukl or zu belrachlen ist. (Iberg , Elbingcrodo und
Kiibelnnd ini Harze, Siegen im Rheinlande u. s. w.).
R a sen ci sen stein (Sumpferz) ist eine durch Beimengungen von Sand,
chemisch gebundene Kieselsaure, Phosphorsiiure , organische Sul>stanzen und
andere Sloffe verunreinigle derbe oder schwammige Varietiit des Brauneisen-
erzes. Dieselbe findet sich in Xiederungen (z. B. der norddeutschen unterhalb
des Moor-, Sumpf- und Wiesenbodens in ausgedehnten aber vvenig machtigen
Ablagerungen.
Bohnerz ist eine groboolilhische Abart des Brauneisensleines und besteht
aus erbsen- bis nussgrossen, ausgezeichnet conccntrisch-schaligen Kugeln von
thon- und kiesclhaltigem Brauneisenstein , welche mcist durch eisenschUssigen
Thon oder Quarzsand verbunden sind. Sie bilden Mulden- und Klut'tausfUl-
limgen sehr jungen (Icrtiiiren) Alters innerhalb iillerer (jurassischer) Gesteins-
gcbiete, so bei Kandern in Breisgau, bci Frohnslellen in Wilrlemberg, bei
Egci-kinden in Sololhurn.
19. Rotheisenstcin.
Dcr Bolheiscnstcin ist cin faseriges, derbes oder crdiges ockcrigcs I^isen-
(>!•/ von blnlrother bis bi-aunrother oder slahlgrauer Farbe mil kirschrothem
Slriclic. \\\- bcstcht im rcinslcn Zuslande aus Kisenoxyd, isl aber abgeschen
II Petrographische (irnio^ie \',\
von Spurcn von Manuano\\d haulig stark (lurch Tlion and Kiosclsiiure, untl
x\\;ir in so schwaokenden Yorhaltnissen \ei •muviniLit. d;iss voin Holheisenslein
mil Spurcn son Kiosolsiiurc his liiuah /inn eiscnschiissigen Quarzit und .laspis
cine- ununtorbroclicnc Uebergangsreibe existirt.
Dcr Koihcisenstcin besil/.l xnm Thcil aiisgozcicbnut scharfe Schichlung. Seine
grbsseren Yorkommen hilden gleichformiiie Einlagorungon zwisehcn Talk- und
Chtoritsohiefern, Ouarziten und Jaspis dor azoischon Fonnalionen. Als soldic
sind hervor/uhebcn die NOD Hio Marino auf Elba, der Pilot Knob in Missouri,
namcnUich alter die Eisonorzlaiiersliillen siidlieh vom Lake Superior in Nord-
amerika , \\flchc melirere llundcrt Fuss Miiehligkeit und deren Ausuehendes
cine (u'sammtliinge von mchr als 10 deulschen Meilcn bositzt.
Mine eigenlhdmlicbe Varietal des Rolheisensteins ist dor E isonooli th.
Dersclbe bcslchl aus liirsekorngrossen, dunkelrolhcn odor brnunen Kornorn \<m
Hotheisenstein, /.urn Theil auch gemengt mil solchen von Thoneiscnstein, welche
von eincin tlioniucn. kalkigon odcr sandigon, ofl fast vcrschwindcnden Omentc
zusammengehallon \\erden. Dor Kiscnoolilh kommt in inehr oder \\enigcr miich-
tiiien Schichtcn innerhalb mesozischer Schichtcnreihen vor, so bci Aalcn in
Wilrleinberii, bci llolinstiidl in Braunschweig, bei Harzburg.
:'i). Magneteisenstein.
Dcr Mauncleisenslcin isl cin korniges Aggregat von Magncteisen , welches
scli\\ai-/c Farbo und schwarzon Slricb hat, stark magnctisch ist und seiner clu--
misclicn Zusammcnsci/ung nach aus Eisenoxyduloxyd bestehl. Selten rein trill
der Magneleisenslein ycxviihnlich mil Granat, Chloril, Quarz, Epidot, SchNNelel-
kies und Kupfcrkies gemengt auf und zwar bildet er Lager, Flblze und Slocke
/ \\isehen den (Jcsieinen der azoischen Gneiss- und Glimmerscliieferreihe. Die
(Jebiele diescr Fonnalionen sind demnach auch die Heimalh der grossarlii:sl(Mi
Ma^neleisenstcinlagerslatlen, von welchen namcntlich die von Arendal, Danne-
mora uiul der Lappmark Jiier der Gellivara 5300 M. lang, 2600 M. breit
und liber Tauscnd Meter hoch) in Skandinavien, die Eisenberge des Ural,
die miiclilken und zahlreiehen Magnclciscnsleinflotze irn Alleghany Gebirge und
in Canada zu ervvahnen sind.
6. Familie. Kohlengcstcine.
Die hierher gehbrigcn Gesteine bestchen wesenllich aus KohlenstofT und
\erdanken ihrcn Ursprung cinem Unibildungsproccsse von IMlanzenmassen (sic
sind phy logon).
21. Torf.
Dcr Torf ist ein bald lockcres, bald mchr zusammcngepresslcs , com-
pacles, lil/ii:c> (ie\\e|»e von in Zcrsetzung begrifTencn rilan/.cnlheilen , deren
l-'nrm urn so deullieher crliallcn isl, jo vveniger stark sic durch Zusammen-
pi-essung und Xersci/ung gelillen haben. Mil beiden slehl auch die Farbe des
Torfes in Zusammenliant:, \\elchc /wischcn lichlbraun und pcchsch\\ar/ schwankl.
.Ic nach den IMlan/.cnarleu , aus denen der Torf vorzugsweise beslehl, pllcgt
man Mooslof. \Viescnlorf, llaidelorf u. s. w. , jo nach dor KescliaH'cnlicil der
Masse Pechlorf, Papierdorf, Torfci'dc u. s. w. zu unterscheiden.
1 1 II. lVln>i:r.i|»lii«-|ir (irn|i,_
Dei Tort bildel l.a^er von \\fdiselndcr, oft bclriichllielier Marhtkkeit und
i nlstehl uherall d;i. wo sicli ;im Boden slagnirender (Je\\asser der Niederunuen
und Uocbplaleans Sunmf- und Wasserpflanzcn ansammeln, so in .Mecklenburg,
Ostfriesland , auf doni Brocken, dem Bruchberge im Harze , bei Diirlieim iin
Srli\\ ;ir/. \\aldc u. \. a. 0.
•2;'. Itraiinkohle (Lignit).
Die Brnunkohle ist cine dichtc, crdige, hol/ige oder faserige Kohlenmassi-
mil braunem Slriche mil .")."> liis T."> 1'rocent Kohlcnsloll und bedeutendcm Bilu-
iiM-iiLichaUe. Sic /.cigt hiiufii: die woblerfaaiiene vcgetabilische Slruc-iui-, Itcsiixt
muscheliiien, erdigen odrr holzartigcn Bruch und hrnuiie l)is pcclischuar/c l;arhc,
vcrlnvnnt leiclit mil russender I;lainnif und unler Knlsvicklung eines unaiiLic-
in'lnvicn, eigeolhUmlich hrcnxlichcn (Icruches und giebl mil Kalilauizc cine dun-
kelhraune Fliissigkeil. Nach ihrcn verschiedenen Slructurverb'altnissen lial man
cin/.clnc Aiiarlon der Brnunkohle als Peehkohle , holzige Braunkohle, Fapier-
kohle, Moorkohle, Nadelkphle, iM-dkohle (Uinbrn) u. s. w. bezoichnet.
Als accessorischer Genienglheil ninncher Braunkohlen, so derer von Artern,
kommt Honigslein nnd Retinil vor.
Die Braunkohle bildel Flolze, d. h. zusammenhiini-cnde ausLicdchnle Laj^cr
innerhalb der nach ihrern Vorkornmen benannlen lertiaren Braunkohlenfonnation.
Manche dicsor Fldtze crreichcn Uber 20 M. Machligkeil (so bei Coin ^5—30 M. ;
bei Ziltau liber 33 M.)
23. Steinkohle (Schwarzkohle).
Die Sleinkohlc ist eine dichle, im Bruche meist muschclige, feU^l.in/.cndc,
saininet- bis pechschwarxe Kohlcnmasse mil 75 bis 90 Procenl KohlenslolF und
lieringerein Bilumengehalle als Braunkohle. Sie giebl einen braun- oder grau-
sc-h\\arzen Slrich, vcrbrennt mil heller Flamine unler Knlwickelung von starkein
Ilauche und aromalisch- biluminbsen Geruchc. Einige Varietaten weiehen in
dei Ilitze auf und schmelzcn (Backkohle), andere sintern nur zusamrnen (Sin-
lerkohle) , noch andere zerbrbckcln in der Hilze und hinlerlassen zum Theil
einen erdigen, lockeren Biicksland (Sandkohle). Kalilauge wird von Steinkohle
nur wenig oder gar nichl braun gefarbl.
In pelrographischer Ilinsichl sind folgende Varietiiten x,u unterscheiden .
G Ian zkolHe mil muscheligem, slarkglanzendern Bruche, Grobkohle mil un-
ebenem, grobkornigem Bruche, Schiefe rkoh le mil Schieferstructur, Kiinnel-
kohle mil (lachnmscheligem, vsaclisdan/.endem Bruche, Rus«kohle, lockere
Masse mil erdigcm Bruche, Faserkohle mil Faserslructur.
In lechnischer Ilinsicht pllegl man felle, kohlensloflarmen1. an Bitumen
reidie und mage re, kohlenslofl'reichere und bilumenanne Kohlen zu unler-
scheiden.
Als ha'ufigcrc zulallige Gemenulheile der Steinkohle sind Schut'lelkies, Blei-
glan/ nnd Kalkspalh an/ufuhren. \Vie die Braunkohlen trelen aneli die Slein-
kohlen in FliHzeii auf, die sich Uber Ilunderle von Ouadralmeilen ausdelinen
in Nordamerika und I .") , 20 und mehr Meter Machliukeil erreiehen konnen.
So i\l d;:< I'lanilzer Fliil/ im X\\ ickaner Bassin 7 bis I'i, das Russkohlen-
lldtz ehendorl 1 0. das \a\eri-Flol/ in Oherschlesien I :{ M. inachtig. Die Stein-
II. Petrographische
knhlt'ii \\edisellagern mil SHiiefei lliouni uii.l Sandsleinen und hildeii nn Yereiu
mil diesen die produktive Steinkofaieoformalioa. .ledoeh ist das Yorkommen
der Sleinknhle niehl a ill' diesen Sehichleneomplev bescliriinkt , \ielinehr sind
so\\nhl in iilu-ivn . \\ie in jilngeren Kormalionen (Devon, Wealden) ein/elne
BteiokohlenflOUe bekannl.
24. Anihracit.
Her Anihracit ist eine eisen- his sammelsehwarze, stark glas- his halb-
melallisdi gla'nzende. spriide Kohlenmasse mil fiber '.)() 1'roccnl Kohli-iistolV. Ini
vcrhivniil t«r hci staikrin l.iifl/.iiiir , tlioils mil scli\\aclicr . llicils ohnc
olint- (irrui-h und ohne Haurh und ohno zu schmelzen. Kr i^ichl
cinrn srlmaiv.t'ii Slrich und ist das hiirleslo dcr KohliMiiirstt'inc, in-lit jcdoch
liiiuli^ durch Al)iialinu> scinos (Jehaltes an KohlonstolV und Aufnahnit' von Bi-
tumen in Stcinkohle Uber.
Dei- Anlliracil trill zuin Theil in selbsliindigen , ausgodohnlcn Flotzen auf
(•/.. H. im ostlirlion Pennsylvania), oder er hildet »emcinsain mil Sleinkohlc und
Braunkohle l-'liil/e , aus denen er load durch Umwandlung liervorgegangc'n isl
i/.. B. in Siid Wales, am Meissncij, endlieh komml er in Neslern von heschriink-
leien Dimensionen vor (z. B. bei Gera im Voigllande).
In folgender Tahelle sind die hauplsiichlichslcn Unlerscheidungsmerkmale
der heschiiehenen Kohlengesleine Ubersiehllich zusammengestellt.
KlllllclH.-! stf ill
5~
!-
Gewjcht
rmte Kali-
ge wird
v<
a
f
Erscheinungen beim Verbronnon
3
I
"C
|3
M
a
en
m
llr.iiiukiilili- . . .
55—75
0,5-1,5
braun
ticf-
braun
leicht
nicht
schmel-
zend
rus-
sende
Flam mo
stark
ran-
chend
bronz-
lirl,
stin-
nicht
z. Th.
aroma-
StHnkohle . . .
75-90
•2
1,2-1,5
braun-
schwarz
oder
hell-
gelblich
z. Th.
leicht
schmel-
/.ond,
z. Th.
hollo
Flam mo
stark
rau-
cht'ii.l
Usoh
bitumi-
nos
brann
sinternd
ricchend
theils
Antlirarit ....
uber <H)
2-2,5
1,4-1,7
gran-
schwarz
gar '
niclit
geiarbt
niir boi
starkom
Luft-
znge
nicht
schmel-
/.o nd
schwa-
che,
th. gar
koine
gar
niclit
rau-
chond
ohne
(Icnii-li
Flaminr
i"i. Graphit.
Das Graplntgeslein isl ein grobschuppiges bis feinschuppiges oder fasl dich-
les, /uin Tht'il erdiges, eisenschwarzes, metallgliin/endes Aggregal von Gra])hit.
Es ist relli.u anzufUhlen, weich und ahfiirhend. Der Normalbesland des (iia-
pliiliiestcines sollU; rciner Kohlensloll sein, cs kommt jedoch in der Nalur nur
verunreinigl und z\\ar mil Beimengungen von Kieselsaure, Kalkerde, Thon-
erde und Kiscno\\d vor. Ge\\ohnlich trill dieses Geslein als Graph il-
schiefer auf, welcher zuin Theil ausseronlrntlit h regelmiissige , (lolzarlige,
zum Theil sehr miichlige, aber aueh kleinere nesterformige Einlagerungcn z\vi-
jhen Gneiss und Glimmersehiefer hildet. So zwisehen Gneiss und kryslalli-
46 II. IVtroijrapliiselie Geologie.
nisehern Kalksteine bei Krumau in Bbhmen, /\\isdien Glimmerschiefer und Gneiss
in dcr Umgegend vun Passau und an anderen zahlreichen I.ocalitiiten der (inei.xs-
und Glimmerschiefergebiete von Skandina\ ien, Schollland, den atlanlischen Staa-
ten von Nordamerika und Canada.
26. Petroleum (Erdi.i
Das Petroleum 1st eine diinn- oder diekfliissige, farblose, gelhliche odor bra'un-
liche Kohlenwasscrstoflverbindung von stark nromalisch -biluminbsem Geruche,
\\elehe aus der Zersetzung von organisehen Subslanzen hervorgegangen 1st.
iS'ach ihrer Farbe und deni verschiedenen Grade ihrer Fliissigkeil unterscheidet
man: Naphla, \\assei-lioll und sehr flilssig, Stein bl, gelb , opalisii'end und
not'h vollkonmien fltissig, Bergtheer, braunlich und /iihflilssig.
Das Petroleum findet sich gevvohnlich als Ini])r;igna(ion poroser, /elliger
odor erdiger Gesteine Brandschiefer, Oelschiefer, bitumen reicher Kalksleine oder
Sandsteine), seltener in grosseren Ansnmndungen innerhalb unterirdischer Hohl-
ra'ume und Gesteinskliifte. Lelzteres isl im grossartigsten Maasslabe in den sog.
Oelregionen Nordamerikas im Bezirke Enniskillen in Canada-West, am Oil Creek
im nordliclien Pennsylvania nahe der Grenze von Nord New- York, am Kanawha
in Ohio, am Boyd in Kentucky der Fall, wo das Petroleum zum Tlieil in kUnst-
liehen Brunnen zu Tase sprudelte, zum Theil in die Udhe gepumpl \\ird. Die
zaldreiehslen Fundorle von Petroleum in Europa gehoren einer Zone an, well-he
sich den Karpathen-Abhang enllang durch Galizien , die Bukowina bis in die
Moldau hineinzicht. Die altest bekannten Vorkommen natilrlich an die Erdober-
fla'che tretenden Krdoles sind die Naphta-Quellen von Baku am kaspiselien
.Mi 'ere.
27. Asphalt (Erdpech).
Der Asphalt is eine dunkelbraune bis schwarze, fettartig gliinzende Masse
von pechahnlichen Aussehen, welche aus Kohlenstoff, Wasserstoff, SauerstolV
in nicht ganz constanten Verhaltnissen beslehl, Der Asphalt besilzt einen stark
muscheligen Bruch, brennl leicht mil lebhafter Flamme unter Enlwickelung eines
dii-ken Bauches und biluminbsen Geruches. Der Asphalt isl ein Oxydations-
produkl des Petroleum, welches in der Berilhrung mil der almosphai-ischen
J.ul'l zuersl ziihflUssig und dann fest wird. Er (indel sich demgemass gewiihn-
lich als Impregnation von porbsen oder zclligen Gesleinen (Limmer bei Hanno-
ver, Lobsnm im Elsass) und nur selten in Form selbstiindiger Lagersliitien,
und dann entweder als oberfliichliche Anhiiufung (namentlich aul der Insel Tri-
nidad, wo ein slundenweit ausgedehnles Asphallgebiet bekannt isl; am Todlen
Meer . oder als Ausfiillung von KlUfltn (Benlheim in Hannover. Albertgmbe
in Neu Braunscluveig).
In Hinsicht auf seine Enlstehungsweise jst hier anhangsweise der OuailO
anzufilhren. Er bildet weissliche , gelbliche , zuweilen schmul/iiirollie erdige
Anhiiufungen . N\(>lchc einen sehr unangenehmen . scharfen, ammoniakalischen
(ierueh besit/en, vorwiegend aus phosphorsaurem Kalke, Ammoniak. Harnsiiure,
O\als;iure und I'lminsaure bestehen und das Product der Anhaufung von K\-
crementcn in grosser Menge heisammcn lebender Seeviigel, so\\ ie verfaulender
Horpeniberresle \ on Hobben. Mbven und dergl. sind Die urossailigslen (Juano-
II. Petro^iMpliiM'lic (icolo^if. 47
ablaiierunpen helinden sirh aul den Inseln liings der Kiisle I'eius, \.ni denen
die Chiiu'ha-lnseln die beriihmteslen sind.
2. Ordnung. Gemengte krystalliniache Gesteine.
a massive iTypus Cranil , l>) ucscliichlctc ,T> pus (iliinmcrsrliicfVr) .
I. Ahtlioilnn.u. Massige Gesteine.
Die masMiien krxstallinischen Gesleine sind fasl durchvseg crupliven Ur-
spnmgs, d. h. in glutlillUssiizem Zustandc aus dein Erdinneren emporgedrungeo.
Die \\iehtigsten Heslandlheile der hei Weilem vorvvaltenden Mehr/ahl derselben
uehiiren der Familie der Feldspatht:esleine an. Am iialilrlichslen scheint es
deshalb, Classitieation und Gruppirung der hierher zu rechnenden Gesleine aul'
die Niilur der in ihnen vorkommenden Feldspalhe /.u hegriinden. Lel/tcre sind
enlNveder inonokliiiisch (Orlhoklase), oder triklinisch (Plagioklase), dicscn p'liiiivn
Oligoklas, Labrador und Anorthit, jenen Orlhoklas und Sanidin an. Erslere.
unlersclieiden sich von den lelzleren durch ihre Zwillingsstreifung, die sieh
iiiitcr dt-m Mikroskope in ge\vohnliehein Liehte als parallele Liingslinien, in po-
larisirtem Liehte durch verschiedenfarbige lamellare Streifung zu erkennen giebt.
Die Scharfe und Conslanx dieses Unlerscheidungsmerkmales macht dasselbe /u
einein ausgezeichneten Kriterium filr die Gruppirung der Feldspalhgesteine. Diese
zerfallen demnach in 0 r thoklas-Ges te ine und Plagioklas-Gestei n e
mil Oligoklas, Labrador und Anorthit als Feldspalh-Gemengtheil. 1st eine sichere
I'nterscheidung der letzteren mbglich, so wird man von einem Oligoklas-, La-
brador- odcr Anorthil-Gestein sprechen kbnnen , in vielen Fallen jedoch und
besoiulers bei gewissen feinkornigen oder aphanilischen Gesleinen (Melaphyr
und Basalt ist dies unthunlich, so dass die F.eslstellung der plagioklaslischen
Natur des Feldspalhes gentlgen muss. Es ist nichl ausgeschlossen , dass in
manehen (iesteinsarlen neben Orlhoklas aueh Oligoklas, also ein Plagioklas auf-
tritt, dageiren scheint Orlhoklas nie mil Labrador oder Anorlhit zusammeii vor-
zukommen.
\\ eitere Anhallspunkle fiir eine Gruppirung der gemengten kryslallinischen
(iesteine, namenllich der Orlhoklas-Gesleine sind 1) die Anwesenheil oder das
I'ehlen des Unar/es in ihrer Gesleinsmasse , so dass man sie in quarzhaltige
und (juar/.IVeie sondern kann ; 2) das elwaige Auflrelen driller Gesleinselemeiite
,\vie Hornblende. Augit, Glimmer, Nephelin oder Leucil, von denen die beiden
lelzlgenannten den Feldspath vollsliindig erselzen kb'nnen) ; 3) Verschiedenheiten
in der Slructur, denen zu Folge sich innerhalb der Gesleinsgruppen eine Glie-
dennii: in kornige, porphyrische oder glasige Gesleinsreihen bemerkbar maeht ;
I das grbssere oder geringere geologische Alter der Gesteine, \\oiiaeh man sie
als altere \oiterliiire und jUngere (lertiilre und posllerliiire) Irennt.
Auf die angedeuleten Gesteinscharaclere isl umstehende lal)ellarische
I'ebtM'sichl und Gruppirung der nussi^en uenn-ngien ki-\stallinischen (Feldspalh-)
(iesleine. - - eine dankenswerthe liaiidseliriflliche Millheilung des Herrn F. Zir-
kel - - gegrilndet. In den verlicalen Reihen dieser Tabelle zeigl sich erslens,
dass ein und dasselbe Gesleinsmaterial unler verschiedenarliizen \ < i lui
48
II. PetrographUche
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II. Petrographische (it'olu^ic. 49
iianz almeirltende Strnrtnr, also einen uan/ antli'ivn (lesteinseharakter anneh-
inon kounlo '(Irani!, Folsitporphxr. I'eehstein . z\\eilons, dass sich vollkommcn
analog1 .Minoraleoinbmalioiien in \erseliiedonon lieolouischen Xeitriinmen \\ieder-
holl liaben , dass also die in den unteren llauplcolonncn ani:elnhrlen (lostoine
gewissermassen none Aullauou dor in drr oboren llanpti'eihe uenannlon Fels-
arlen repriisentiren. So sind Felsilporphx r nnd Onar/.traehyl /inn Yer\\ eehseln
iilmlichc quariftihrende Orthoklasgesteine , - Diabase nnd Dolcrite l.ahrador-
An^ilucslfiiic. ^fliin-cn alter ihrer l-'.ntslelnini; naeli \\eil L;elrennlen jieolouisehen
/eilriininen an. In don liori/onlalen Ueilien hinpeuen Irilt die Vei'schieden-
arliiikeit dor inineralisrlien /nsainin<'nsel/.nni: dor xnin Thoil uleiflialleriiion Ge-
sleine lu>r\or.
Altero
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\\esentlicli (iemeiiize von Orthoklas (mil Olii;oklas), Onar/. nnd (Ilinnner;
korniiz: (Iranil. onmlmiirt kiirniii-porpli) risch : (Iranilpoi'phyr, porphyrisch : l;el-
sil|tui |i|i\i\ diehi : Felsilfels, iilasiirlifz : I'oohslein.
tx. (iranit.
Dor (Irani! isl ein iirob- bis feinkiirni^es Aii^roiiJtt \on Orlhoklas (und Oli-
::nklas und Onar/.. in \\clcliein (Iliininorbliitlchon oingoslroul lieiion. Dor feld-
s|ialliii:e (leinenjillioil wallet in dor Hoiiol \or don iibriuen vor und ist haupl-
siiohlioli Or I link las , bald in oinfafln'n , bald in XwillinuskrNslallen , \\elolie
juif don IVisclien S|iallmiL:sll;iclien oino;i slarken I'orliiinttorizlan/ bosil/en nnd
ineisl riidilicli \\oiss, lloisoh- odor /iojjjolrolh , sellonor !j;rUnlich odor i-i-an t;e-
I'iirbt sind. Neben doin Orlhoklas Iritl solir ^o\\ohnlicli oin ^riinlieh odor i^raii-
lich Lielarbler Iriklinor Ol i i^ok I ;> s auf und niaolil sich (lurch die /williniisslrei-
fuuir auf soinen Spaltnimsdiiolien und durch soinon follartiuou (Ilan/ konnllioh.
Der Onar/. ei'sclieinl in don ineislon Fallen in unregelmassi^en, slai'k loll- odor
ulasiiliiii/.endeu Kornern von lichltirauer Farbe. Sein museheliger Bruch und
seine Iliirlo untorsclieidon ihn loiohl voin Foldspalho. Nach Arl nnd Woise
seinei1 KinhiiMini: in die ilbriizon Uoslandllieile des (Iraniles tiiobt or sich als
das am spiiteslen \ on alien Liranilisehen (Iesleinsel<Mnonlon foslij;e\\-oi-deno /u er-
kennon. Der (I Mm in or. so\\ohl Magnesia- \\ie nanientlieh Kaliiiliimnoi1, bildel
diinne Laniollen odoi1 soelissoilii;e Tal'oln von \\eissor, br.iunoi' <»doi% sch\\ar/er
Farbnnii. \\elrhe bei ver\\ iUerudo!! (Iranilen in eine inessin^iielbo Ubori;elil.
Der (Dimmer kann durch Talk-, Chlorit-, (Ira|)hil- nnd I'liseiiLilan/.si'hnppen
\erlrelen \\ordon. \\odurch naoli diosen .Mineralspecies benannto (Iranilabarlen
enls|(>hou (z. B. (ii'aphituranil .
Aus /ahlroiohon UansclianaUsen oriziebl sieli als (\pischos .Millel dor eho-
misehou Zasaminensetzung dor (Iranile: Kieselsiinre 72, Thonerde 1(1, Kison-
(»\\dulo\\d 1,'i. kalkenlo 1,5 Mai-nesia u..'i. Kali (').">. Nalron 2,5.
Sehr Liross isl die Xahl der als zul'iilliiio (lomoniilheile des (Iranitos aul'-
Irelenden Minoralien. unler \\elchen lierxor/nlieben sind: (IrauiL, I'inil. I'isla-
/it, Turmalin. Mer\ll. Apatit. Andalusil, Flussspalh. iMa^noleisener/, /.inner/.
Sebwefelkies.
Credner, Elemente d. Cieologie. 4
50 II. Petrographische Geologie.
Die Korngrtfsse des Granites sehwankt ausscronlentlich und sinkt von Faust-,
j;i Kopf'grosse his /n SenfkorogrdSSe herab. Die inillelko'rmgen Yarietiilen sind
die geNNiihnlirhsten. In ilirer gleiclimiissiii -korniuen .M.i.ssc trelen liiiufig ein-
zelne griissere Feldspathknstalle und x.\s;ir in der Regel nach dem (larlshader
(iesrt/.e \er\varhsene /willinge hervor, \vodurcli der (iranil einen porphjrarti-
gen Habitus erhalt, so bei Carlsbad, hei \Vunsiedel im Pichtelgehirge, iin Thii-
ringer Wald, in den Pyrenaen.
Der Granit ist ein massiges Gestein, welches verha'ltnissmassig nur sellen
in plattenlormige Biinke abgesondert crscheint (so in der Lausilz, bei StreliU-n
in Schlesien, l)ei Zehren in Sachsen). Das Massive und Uniicschirhletr ist s«j
vollkonunen mil dein BegrifTe des Granites versvachsen, dass wir denselht-n.
sohald sich eine Parallelslructur und mil ihr eine Andeulung von Schichtung
/«'iiit. nicht mehr Granit, sondern Gneiss-Gran it nennen.
Der Granit tritt unter doppelten , durchaus verschiedenen , aber bisher
nicht immer getrennt gehaltenen Lagerungsformen auf. Einerseits bildet t-i
ein \viehtiges Glied in der Sehichtengruppe der laurentischen Gneissformation,
\vo er durch allmahliche Entwickelung deutlicher Parallelstructur in Gneisse tiber-
geht und mil Kalksteinen, Quarziten und anderen geschichteten Gesteinen
\\cchsellagert (Bayerisches Waldgebirge, Gentralalpen , Pyn-niien, Skandi-
uavien, Canada, atlantische Staaten). Ganz anderer Art als bei diesen sedi-
mentiiren Graniten sind die Lagerungsverha'ltnisse des Granites, \vo er in
glulhfldssigem Zustande aus dem Erdinneren hervorgepresst worden ist,
crstarrte und jetzt die anderen Gesteine gang- oder stockartig durchsetxt,
kurz alle Erscheinungen eines eruptiven Gesteines zeigt (Rehberger Graben
bei Andreasberg, Granulitgebiet in Sachsen, Bayerisches \Vald»ebirge und vit-le
andere Districte). Nicht nur die Lagerungsforni und die Ursprunizswoise, auch
das geologische Alter der beiden Granite ist verschieden ; wahrend niiinlicli die
st'diinentaren Granite der altesten Gesteinsformation angelioren, fallt die Erup-
tion der Ubrigen Granite in spatere (das silurische, devonische, ja in noch
\\fil jilngere) Zeitalter.
Die Form der Granitberge ist in der Regel eine gevvblbte, einein Kuiiel-
abschnitte gleichende (so die des Brockens). Ihre Oberfliiche ist gewohnlich
von zum Theil colossalen, wollsackiihnlichen Granitblbeken besiiet (Felsenmeere),
dert-n Entstehung dadurch erkliirlich ist, dass die Verwilterung des Granites
den das Geslein durchsetzenden KlUften nachgeht, die niichstlieuenden Partien
in lockeren Grus umwandelt und die centralen Massen in Form abgerundeler
Blik-ke zurilcklasst.
Unter den zahlreichen, durch Modification ihrer Zusammensetzung und ihrer
Structur bedingten Granit-Varieta'ten sind folgende hervor/uhe.ben:
a. G rani tit, besteht aus vorwaltendem rothem Orthoklas, viel Oligoklas.
wenig Quara und wenig schwa rzlich-grllnem Magnesiaglimmer 'ohne weissen
Kaliglimrner); Brocken, Riesengebirge, Brotterode uud Ilmenau in Thttringen.
Brixeu in Tyrol, Baveno.
b. Prologin-Granit (Alpengranit), besteht aus gliinzendem Orthoklas,
mattem Oligoklas. Uuar/, dunkelgillneni (iliminer in sechsseitigen 'J'iifek-lien und
II. Petragraphiache (ieologie. 51
lielliirdneni bis smaragdgriineiB Talk. \\clclicr oft den Oliizoklas inipriiijiiirl
Nvesllidie .\l|)fii .
c. S N fin I ii\-i\ n it , cin ijraiHlisdics Asj^ivual NOII Ortlioklas , Olisjoklas.
Ouar/ mid \\rniii (ilimmer. /u \\rlrlirn Hornblende Irill (dentralparlien d IM-
S'oi:esen, Pilsencr Kreis in Holimen, Krixen inTNrol, Kcidicnslein in Sdilesien .
Dieses /.inn Tlicil porpliNrisdi aiisuchildele (icstein durdiscl/.l auf der Insel SkNe
dt'll F.iiis uinl h.il (lessen Kalke in Miirmnr uiiiiicxNaiiddl .
d. Pc^in.-i til, cin sclir urosskoniiiics, niclil srllrn druscnrciclics A
\<»n Orlhokl.is in his fuss-, ja klaflcriznisscn I'arlicn), NNoisscin Ouaiv. und
Tafrln \(in silhcrxvcissciu (iliiiinicr, /.u dcncn sich sclir p-\\(ilinlich siinlcn! iir-
inip- Tuniialiuc. /n\\ cilcn aucli als /ulalliiic (Jt'iiicn^lliciU- Ucryll. Topas, (iranal.
Apalil. Orlhit u. a. ut^scllfii (I'cuiii in Sacliscn, Lanucnbiclau in Schlcsion, X\\ ic
sol iin hayiisrlirii \\aldc, Hulila ill Thiiriniifii .
<-. Sell ri I'l lira nil, fin Aiiiiiviial \on iirosscn lH'ldspalli-liidi\ iducn. \\clchc
von /alilrcichcn parallel slchcndcn, slciiizcliiicn Uuar/-lndi\ idncn in dcr \\Cise
(liircli\\acliscii sind, dass die Icl/.h-rcn atif den SpaltUBgsQftcbefi dcs Peldspatfaes
in: OucrhruclH' und y.uar in Fiituren, iihnlidi \vic hcbriiischc Sclirift/ii^c cr-
sclicincn. In untergeordneten I'arlicn hci Uodrniuais in Baycrn, KhrtMtbcri; hci
llnii'iiaii. iin Hicscnut'hifiic. l»«'i Tliarand.
:>'.». (.ranitporpliyr.
Der Granitfioiphyr bcsidil aus finer fcinkuruii^on (irundmassc, \\clclic por-
pli\nsclic Ausscliciduniicii vou l;clds|)alli , Ouar/ und (ilimiiuM- unil'assl. Die
dcullicli knrniiic (irundniasst' dcs (Jranil|)orph\ res ist ein A^reiral \on Fcld-
spalli, Qua rx, und (iliinnicr odcr (lliloril, dessen feine ScliiippeluMi dcr sonsl
briiunlirlien cider urauliclien Gruiidniassc cine ^riinliclio Fa'rbuni' verlcilicn.
In dcrsclbcn lichen /alilrciclic , incisl iibcr zolli-rosse, ileisch- odcr /ic^clrollic,
stark iiliin/.cndc Orllioklas/.\\ illiiii;c. klcincrc und s|)iirlichcrc. izclltlichc odcr ijnin-
liclu', matte Oli^nklaskrxslallc. crbscn^rossc ijjrauc Quar/korncr, Schup|)cn NOII
braunoin (iliinnicr, und Flocken oder ruadliobe Kiirncr von dunkcl^rilncin (lliloril.
Stclll sich ncbcn dicscn (icstcinsclcinciilcn nodi scliN\ar/c , kur/ siiulcnloriuiiit1
II or nl)l c nde ein NNJC bci LicbcnsU^in in TbOrifigen), so ncnnt man das (ic-
slcin SN en i tiira nitpoi'|)liN r. Als /ailalli^cr (icincn^theil koininl /uwcilcn
(iranal \or bci \\"ur/cii . Her (iranilporpliN r ist in Dcutschland nainciillicli
iin Lcip/iucr krcisc bci Hrandis. hcuclia und an dcin Muldculcr y.NNisclicn Trcb-
scn und NViir/cn cnlNvickcll.
:5<). Fclsiiporpliyr (quar/filhivnd«'r l'or|)li\r .
D(M- Fclsilporplnr bcslchl aus cincr dichl crsdicincndciK fclsilisclicn (Irund-
inassc. in NNclchcr KrNslallc NI>II Ouaiv. und Orllioklas. dancbcn aucli solclic NOII
Oliuoklas. Sanidin odcr (iliinnicr porpliN riscli ausucscliicdcn lichen.
Die (ii'undinasx1 ist cin miners (icmciiiic NOII inikroskopisclien l;cldspalli-
und Ouary.kiirndicn in sdiNNankenden Yerlialtnisscn mil 77 I'roccnt Kicsclsiiure.
NNO/U kleinc (iliinincrbliiltdicn trclcn ktinncn. Sie isl bald diclil. splillcriu,
(him sclir hart, bald mall, rauli, locker, .sclbsl crdii:, und bcsil/l am liiiulij-'slen
cin riitlilidi braune I'.irbe. ncbcn NNcldier Liriiiilidic. i;clblidic. i;rauc, ja braune
Nuanoen vorkommcn . die oft aulVallcnd i MM \\ mil einander wechseln. Als
52 II. Petrographisehe Geologie.
besnnderc Modiliealionen in dcr AusbildutigSWeise der Grundmasse 1st dcren
kugelige, lagenfbrmige und drusige Struclur xu bclrachlcn. Die kugeligc
Stnrctur machl sich dadurch geltcm!, duss hirsekorn- l)is erbseiiiirosse. conccn-
trisch-sehalige odd- radial-l'aseriije, /inveilen iin Inneren hohle Kilgelchen in dcr
diclilcn Grundmasse ausgeschieden sind. In gewissen Varietalen dcr Fclsit-
porphvrc , den K ugelporphy ren , konnen die Kugeln Faust- bis Kopfariissc
crrcichen: sie beslehen aus concenlrischen Schalen von abwechselndem .laspi*
nutl (Miakrdon und umschliessen cincn Rauin, dor von Kalkspalh-, Flussspatli-
und EisiMiglimmerkryslallen ausgekleidel isl (Spies! >cri:, Sclincckopf in ThiirinL'cn .
Die I aiicnformige Structur dor Felsitporphyr^rundrnasse \\ird dadurch her-
vergebracht, class Quarz und Feldspath von einander gesonderlc, mil einandci-
abwechselude Lagen bilden (Wechselburg in Sachsen, Tabar/ in ThUrin^en.
Weinhcini ini Odemvald). Bei drusiger Slructur zeigt die (irundmasse nian-
eher Porphyre (Mllhlsteinporph yre) zahlreiche, unregelmUssig gestnllelc.
liiiufiij; mil Quarzkrystallen ausgekleidele Ilohlungen, wodurch das Geslein ein
/elligos, zerfressenos Aussehen erhalt (Umgel)ung des Inselsberges in Thiirin-
uen, Ziegelhauscn im Odenwald).
In dieser Grundmasse des Felsilporphyres liegen Orlhoklas, Oligoklas, Quar/
und Glimmer porphyrisch ausgeschieden. DerOrthoklas erscheinl in rolhlichen
Kryslallen mil stark perlmutterglanzenden Spaltungsflachen. Bei den einfachen
Kryslallen herrscht die Saulenform vor, die tafelformigen sind slets zu Zwillin-
gen verwachsen. Beim Zerschlagen des Gesteines erscheinen dieselben in <|iia-
dratischem, rechteckigem oder sechsseitigem Querschnilte. Dej' nur in kleineren
Krystallindividuen auftrelende Oligoklas zeichnet sich in frischem Zuslande
durch die Zwillingsslreifung seiner Spaltungsflachen aus, verwittert jedodi
so leicht, dass dieses Kennzeichen rasch verschwindet ; er \vird danu malt
und spiiter weich , selbsl kaolinarlig, wahrend sich der Orlhoklas noch voll-
kommen unzerselzl erhallen hal. Auch Sanidin ist aus manchen Porph \IVM
bekannt. Der Quarz erscheinl in hirsekorn- bis erbsengrossen, unregelmSssigea
Kornern, oder in wohl ausgebildelen Dihexaedern (letzleres z. B. am Auers-
berge bei Slolberg). Seine Farbe isl graulich weiss bis dunkel rauchgrau, sein
muscheliger Bruch felt- bis glasglanzend Wahrend Ausscheiduiiiien von Onar/
in alien, von Feldspath in den moisten Felsitporphyren vorhanden sind, erscheinl
Glimmer nur in seltenen Fallen. Er bildel dann hexagonale Tiifelchen von
schwarzer oder tombackbrauncr, selten silberweisser oder messinj^clber Farbe.
Als lypisches Millel der chemischen Zusammcnsety.ung der Felsitporpln re-
nal sich ergeben : Kieselsaure 74, -- Thonerde 12 — 14, — Eiscno\\dulo\\d
2 — 3, — Kalk 1,5, — Magnesia 0,5, — Alkalien, unler denen Kali von\ ieiil.
7 — 9.
Wahrend die Felsilporphyre arm an zufalligen Gemengtheilen sind, von
denen hochslens Schwefelkies, Epidot, Granat, Flussspath und Chlorit anzufUli-
ren sein dilrften , zeichnen sie sich durch ihren Reichlhum an accessorischen
heslaiidinassen aus, welche als Mandeln, Nester und Schniire von Kalkspalh.
(Juar/, Chalcedon, Achat, Amethyst, Flussspalh u. a. auftreten. In Thilringen
(bei Elgerslmrg, Ilmenau und Friedriehsroda) bilden Mangancr/c in Form \(»n
II . Petrograpbische
53
Neslern, Adorn und SpalteoaitsfUliUDgen technisch \\iehlige Bestand-
massen innerhalb des l;e|silporpli\ros.
Die llaupt/oit fclsitpoi pits risolior Kruptionon lallt in die IVriode dor Dyas
souie der altoren Trias, und ihre llauptverbroitimg innorhalb Deutschland in
oine /one. \\elelier die (legend an der Lenne und bei Brilon in Wostphalon,
der Thilringor \Vald, der Siidrand des llar/os. dor Ilalle-F,oipziger Krois und
oino An/.alil Loealilalen dos Kr/gohirgcs und Sohlosieiis angehb'ren. An der
\Vostkiiste \on Sclioltland durchsctzt und dborlagorl syenitischer, also horn-
biendeftibrender Folsitporphyr die Schichten der Liasformalion.
31. FelsitlVN.
Dor Felsitfels isl ein hartos, ooinpaeles (lesloin von dichlein, homogoncm
Auxelion. welehos wosonllioh aus einem innigen Gemengc von Feldspalh mil
Kieselsiiure boslohl und mil der Grundniasse des cben beschriebenon Felsit-
pi»rpli\ros ideiitiseli ist. Mil let/.tereiii .steht der Felsitfels auch in ongor ra'uin-
liohor Be/.ieliiiiig. indein ausgodolinto Partien dos Felsitporphyrcs nach ihron
Gronzen v.u durch Verdichtung ihros Gel'Uges in Felsitfels Ubergehen (so in den
Es Iritt jedoch dieses Gestein auch in selbstandigen Ga'ngen auf (so
•I-
:\-2. Felsitpechstein.
Dor Felsitpechstein ist ein halb glasiges, leicht zersprengbares, an don
Kanten durehselieinendes Geslein von pechahnlichem Aussehen, bosil/l Fettglanz
und inusoholigon bis unebenen Bruch und erreicht kaum die llarte des Ortho-
klasos. Seine vorliorrschenden Farben sind dunkclgrUn, braunroth und schwarz,
zuweilen mil gestreifter odor vvolkigcr Zeichnung.
Der Pechstein ist ein natiirliches, wasserhaltiges Glas, welches als eine
Krstarrungsmodificalion der Felsitporphyrmasse zu deuten ist. Bei mikrosko-y
j)isehei- rntersuehung zeigt es sich, dass die Felsitpechsteine nur zum Theil
aus ainoi'phor, das Licht einfach bn'chondor Substanz, neben dieser aber aus
felsi I i seller, also kr\ stallinischer, doppolt brecheuder Materie bestehen, wah-
rond oigenlliche BeloniU^ gar nicht vorkommen. Die felsitische Masso bildet
Stroifen, Adern, sich concentrisch uinhtlllende
Schalen odor haul'onlonuige Ansanimlungen. In
dieser thoils glasigon. tlioils felsitischen Grund-
inasse sind Mikrokrvstallo von Sanidin, Plagio-
klas. Ouaiv, und schwarzom Glimmer ausge-
sehiodon. \\elclie \\iederuni KinschlUsse boider
Alien dei- (irundmasse umfassen. Nur in ver-
ein/elteii r'allen sind spiirlichc Fliissigkoilsein-
seliliisse mil Ix-ueglieheii Blascheu beobachlot
\vorden. In vielen -^lasarlig scheincnden Peoh-
steinen sind, ausser mikroskopiscli kloinon Kry-
Slallehon VOn QuarZ Und Feldspalh. ZahlloSC AUS- FiR. s. F.irnwodoiahnUchellornblendegebilda
• . i i i . i i ira Pechstein von Arran.
scheidungsprodukte \on kreuz-, stern- und na-
GesUlt yMikrolilhe) in dichtem Oeuirre eingestrcut. Die farblose
Gruudniasse gewisser Varieliiten der Pechsteine von Arran ist stellen-
.". I II. l'etn>.urM|iliisdic
\vcisc angefulli Mm mikroskopischen, farntvedelahnlichen Hornblendegebilden
Fig. Si. Die GcsleinMiias.M' der I'edisleine iiiinint nichl sellcn sparolilhi^-he
Slnirhii- .in mill enlhall il.inii fclsilische Kugeln \on Linien- inul Fnssgrcivse,
\\cldie oil diclil ;iii einandcr gedr;ingl sind inul cine durrh rasche Krslarrung
dcs (irsleins bedinglc Millelslufe in dcr Knl\\ icklung des knsiallinisdien Zu-
slandes reprascntircn Spechlshauscn hci Tharand . 1st die Individnalisirung
ein/.clner Gemengtheile dcr Pechtsteinmasse in l''(il;-'c elwas langgamerer Abktlh-
lung m&gfich geweh&Ja, so slclll sidi cine porph\ rischc Slrncliir cin. DCI--
jirlitic (icstcinc Pec h s I c i n po r p h \ re nmr;isseii in der h;ill>i;l;isiL:cii I'edi-
sleinunindniiisse Krxsl.ille nnd Kiirner \un Orthokhis, IM;ii;iokl;ts. Oiuiiv. nnd
selien (dimmer odor Hornblende (Meissen). Auch losgorissene hrudisliieke
des Nelieiiu'esleines nmsehliessl der PochslHn, so soldie \(in (ineiss nnd (ilim-
mersdiieler l»ei Mohorn nnvveil Kix'iherg, solcho von Sandslcin ;ml' der lixsel
\i i;in.
In Denlsdiland isl der Pechstcin fast aussehliesslich auf die Porpli\ r-Terri-
lorien Mm Meissen hesdiriinkt. llier bildel derselbe Gauge in eeht<Mi Felsil-
porplnren, h;ii sidi ;il»er auch deckenarlig Uber denselben ausgehreitet. Fer-
ner sind isolirte ganglormigo Vorkommen dieses Gesleines in den Dislrikten
zvvischen Tharand nnd Freiberg, sowie bei Zwickau bekannl. Beruhml sind
die Pechsleineinlagerungen und -Gange auf der schollischen Insel Arran.
b) Q u a r z f r c i c 0 r t h o k I a s u c s I c i n c .
wesentlich Gemenge von Orthoklas (nebsl Oligoklas), Hornblende und zum Theil
Glimmer. Kornig: Syenit, porphyrisch : (juarzfreier Orthoklas-Porphyr.
:?:} Syenit.
Der Syenit 1st ein krystalliniseh kbrniges Gemenge \on Orllioklas und Horn-
blende, /n denen sich sehr haufig Oligoklas und nianchmal Glimmei- gesdli.
Der Orthoklas isl der vorv\allende (ieiiKMigtheil, bildet die kornige Grund-
masse, in \\elcher die Hornblende-lndividnen richlungslos /ersireul li(>gen, nnd
besitzt cine rothliehe oder vveissliche Farbe. Der Oligoklas trill nur unter-
geordnet auf und /.cidinel sich durch die Zuillingsstreifung auf seinen Spal-
lungslljichen aus. Die Hornblende bildet kurze Siiulen von duokelgittner
oder schwarzer Farbe. Der Glimmer isl stcts Magnesiaglinuncr von dunklei,
.sdiujir/grunei1 Farbe. Zuweilcn kann er die Hornblende giin/.lidi oder fast
vollkominen \crdriingen. Solche aus Orllioklas, Glimmer und fasl \ersdnvin-
dender Hornblende beslehende Gesleine hat man (i I i m m e rs\ e n i I gcnamil.
Als l\pisches Millel der dicmisdieii /usammcnsel/ung der Sxcnilc ergiebl
sidi : Kicselsiiure "iK,:n, — Thoncrde 19,81, -- Kisem. \\.lul S, 27, -- Kalkerde
0,66, -- Magnesia '2,91, -- Kali 3,20, - Nalron 2,42 und gcringer Wasser-
gehmt
Von den zahlreichen /ul'iilligen Gcmenglheilen des Sycnilc.s sind Ivpidot,
Orlliil, MagneleistMislein, Sehwefelkies. luiinentlidi aber Tilanil an/ufiihren. Als
ebensnldie muss man dii1 Ouaiykorncr, \\eldie selbst mandien l\pisdien S\e-
nilen niehl IVemd sind, belrachlen. Der Ma^neteisenslein Irill nichl nur slrich-
\\cise in Geslall feinkurnigcr Impriiuiialioiien ,l;allli,indei" als zufalligcr (iemeng-
II. Petrographische (icolo.mr .">,">
Iheil, sondern .meli in m.irhliuen mid \\eit BUSgedehoten unreuelm.i^iizen Storken
oder ,inh;illenden rei:elm;issii:en Flbt/en innerhalb dcr Syenite auf. (Die Kruxe
bei Suhl iin Thilrinuer \\,ilde, New .lerse\, Ne\\ York. Canada). Ausserdem
belheilip-n sicli i;e\\i.sse Mineralien SM ennslanl und in so zahlreiehen Indix iduen
als zufallige Gemenglheile .in d«-r /iisammenset/.uiii: des S\eniles und z\var /.inn
Theil a iil' kosten i:e\\i.vsrr \\esentlieher Gemengtheilc dieses Gcsteines, dass
die M> ('iilstcliciidcii Sxcnilvant'liilt'M mil iM^cncii Niinicn lielegt worden sind :
F i) \iiit, cin suMtilischcs (icint-n.m1 \nn Orthokliis und Hornblende, zu
\\cli-licn .sii-h >(,irk Irll^lJiii/.rmlrr Klaeolith i-esellt :Keri; Foya in Portugal).
Miiiscil, cin sxenilischcs (Jeinenge von Orlhoklas und Hornblende, in
\\clclinn die lel/.lere zuin Theil \on seli\v;ir/.eni (jliininer \erli-elen ist und \vo-
/u >i,-h F.liiroliili und iiuch \vohl Sodulilli p'srllrn illinenuebirge bei Miask .
Ditroit, ein grob- bis feinkorniizes Gemenge von Sodalilh und Orthokl.is,
Oligoklas, (i.mrriiiit. Fllaeolith nebsl Hornblende, Glimmer, sowie Magneteiscn
und TitaoileiDeprengiiogeQ. (Ditro in SicbenbUnzen.)
Zirkonsyenit , ein iirosskorniges Aggregal von vor\\allendem, durch
sehillerndc FarbensNandlung ausgezeiclinetem Orlhoklas, vvcnig schwarzer Horn-
blende, neltsi zahlrcichen, silulenfb'niii^en Xirkonkryslallen, sowie Elaeolilh. Er
isl reieh an zufalligen (Jemenglheilen (Laurvig in Norwegen).
Die Korngrbsse der syenitischen Gesleinselemente schwankt zwischen grob-
und miltelkiiriiii:. Dadurch dass grbssere Feldspathc aus der Syenitrnasse her-
\nriieien. niinint das Gestein einc porphyrarligc Structur an (Mehlis iin Thti-
rinuer \\iilde. bei Predazzo in Sildtyrol, iin Triebischthale bei Meissen).
Der Syenit ist vvie der Granil ein massiges Gestein und besitzt cine echt
granttische Struclur, doch zeigen sieh nicht selten Andeutungen von Schich-
luni:. \\elche dureh parallele Lagerung der tafelfb'rmigen Orthoklas-Individucn,
der Hornblendes iulen oder Glimnicrbliitlchen , namentlieh aber dureh lagen-
\\ei>es AbvNeeliseln feldspalhreicher und hornblendereicher Syenitzoncn und
durch sirichu ei.se Imprijiiiiationen von Maizneleisensteinkb'rneru hervorgcrufen
\\ei-den. Man uennt diese Gesteine Sy cnitgneisse (oder gneissige Syenite).
Aueh die Lagcrungsfonncn und das Alter des Syenites slimmen mil dcnen des
Granites ilberein. Man kcnnt den Syenit als machtiges Glied der laurentischen
(ineisslnnnalion in Weehsellagerung mil Glimmer- und Hornblendegneisscn,
re^eliuiissiijen Flbtzen von Magneteisenstein, kryslallinisehem Kalkstcin und llorn-
lilendeschiefcrn. Mil diesei- LageruDgafbnn des Syenites geht die Neigung dcs-
>elben zur Annahme der oben bcsehriebencn Parallelstruclur Hand in Hand.
New Jersey, Canada, Skandinavien, Bayeriseh-Bbhmisches Grenzgcbirge, Scholt-
land.) Auf der anderen Seite kann der Syenit seine Nebengesteine auch gang-
uder S(IM kloiiiiig durehsclzen und isl in diesem Faile eruptiven Ursprunges
(Syenilstock des Monzoni in Tyrol, Syenitgange bei Antrim in Irland, bei Chri-
sliania in Norwegen.)
34. Quarzfreier Orthoklasporphyr.
Wiihrend der Felsilporphyr (Jranilmalerial in porphyrischem Habitus repra-
sentirl, liisst sich der quarzfreie Orlhoklasporphyr als eine porphyrische Ausbil-
dung der syenitischeu Gesteinselemenle auffassen, worauf auch seine chemische
56 II. Petrographisehe
hiimeisl. Kr beslelil ,uis finer hraimliehen oder diuikc Igraue n,
feldspathigeo, dichteii odec erdig6n Grundmasse, \\flrlif kcinc freie Kieselsaure
enlliall mid zahlreiche gliinzende, grosse Orllioklaskr\stalle , matte, kleinere und
spiirlielie Oliuoklii.s-lndisidufii, sch\\ar/c llornblendesaulen und dunkle Alag-
aesiaglimineriafeki, ;il»cr kfinc Quaraktfraer unogchHess.1. AJs wifaHige (iemeng-
Ilicilc erselieinen Magneleisenerz, Granal, Kisenglan/,, Kpidol, Tilanil, Ouar/..
Dif <|ii;ir/IVfifii ( JrlhoklasporpliN re diirehhreclien nirlil nur in colossalen (Jiingen
ilirc Nebengesle inc, snndern hahcn sich aueh iihnlich vvic die Kelsitporphv ro
liiuei-lorniiL; /,\\ ischen dieselhen uedrJin.^l oder iiherlaiiern sie deeken.irlii:. Hire
ILiii|ilerii|>liiinen l';illen in die /,\\eile Iliill'le des piiliteo/oisclien Xeiliilters. In
Deulscliliind (retell sie iiiiinenllicli in der rniiielnini; des Sclineekoples in Thil-
iin dei' Siidseile des lliiiv.es, hei I'olseluippel hoi Dresden, in der l'in-
von Meissen ;iuf.
Ge\\isse (|u;ii7freie Orlhokl.isporpliN re der (Jeizend von I'reda/./o in Siidlyrol
enlli;ilten L i e he ne r il , einen xerstM/len Klaeolith. In deni soenlslelienden <| n ;i rz-
I re ien Ort hok I a s- L i e It e n e r i I- Porph v r linden wir deinnach das (ieslein.s-
nialerial des Foyailcs in porphyriseher Anshildnnii \\ieder.
Als uliinniei'reielie Vai'ieliil des <piar/fi'eien ()rllioklaspor|tli\ res ist an ilieser
Slolle die M i n e 1 1 e an/ululiren, \\elehe in einer reldsp;i(liii:en (irniidni.isse sehr
viel Glimmerlafcln umschliesst und gangforinit; iui Canlon Wallis, in den Vo.-esen.
iin Odenwald, im Erzgebirge auftritt.
c) P 1 agio k 1 n s LM-S (<• i ne.
35. Diorit.
Der Diorit ist ein krystallinisch korniges Gemenge von Oligoklas untl llorn-
hlende, zu welchen sich manchmal Quarz geselll. Der trikline Oligoklas zeicli-
net sich durch die Zwillingsstreifung auf seinen Spallungsnachcn aus, isl gc-
\\dhnlich \\eiss, gelhlich oder griinlich gefarbt und enlweder glanzeiul oder
mall. Die Hornblende ist moist schwarzlich griln mil starkem Glasulanz aul
den Spallungsflachen. Sie bildet enlweder Korner oder kurze, fast tafelfOrraige
hliitlerige Sa'ulcn oder auch zaiie Nadeln, wallel in den meislen Diorilen vor
und bedingl dercn dunkele Farbe. Quarz trill nur in manchen Dioriten /.. H.
denen von Arran auf, welche man dann'ini Gegcnsalze zu den quarzlreien als
quar/.fUhrende bezeichnel. Gewisse Diorile entlialtcn nehen der Hornblende
schwa rze oder braune <i I i in merlaf eln , welche selhsl vor der ersten \nr-
\\iegen kiinnen ((i 1 i in m e rd i or ile). Audi lauchgriine Sehilppehen \on (1 h I o-
ril tr««len in ge\\issen lioriiltlende.irinen Diorilen in niclil iinl>edeulendei' Mengc
auf und \erleihen denselben ihre grilnliehe I'arhung. Solelie ehlorillialliue Dio-
rite \\erden durch Salzsaure enlfarbt.
Als Miltel der cheniischcn Zusammenset/.img dei' Diorile ergiebl sich: Kiesel-
siinre 51,00 -- Thoncrdc 18,50 — Kisenoxydul 11,00, -- Kalkerde 7,50, -
Majjiifsia 0,00 - Kali 2,50, - \alron :i,00, Spurcn von Manganoxydul und
ein gcringer Wassei'gehall.
Die hiiuligslen der zufa'lligen (JeTiienglheile des Dioriles sind (iranal, Pista-
zil, Tilanil, Sch\\efelkies und .Mauneteisencrz. >'ach den \ ei'seliiodenen Sli'iiclur-
II. IVtro.unipliiM'ln1 (It'olo^ir. 57
\r|-|i;illiiisscii de.s dioritisehen MineralgemengeS \\erden I'olp-nde Yarietalen (Ics
Dioriles untersohiedeo :
N or HIM I er Diorit, mil deullieli grob- his feinkorniuem Geflige.
I) iori t a ph a n il . mil so ausserordenllieh I'einkornigem Gel'Uge , <l;iss die
ein/elnen He.standtlieile nielit mehr /.u unlerseheiden sinil.
Diori I porph \ r. cine sehr feinkornige oder aphanilisehe DMTttgrUndmftGKfi
son grilnlieli.m-auer Farhe mil AusschtidllBgen von hcllon Oligoklas-lndividuen
und scli\\iir/lich grilnen llornhlendesaulen. Der Dioritpnrphyr verkndpfl die
knnii-cn Dioritc mil dj'ii I'oi'phx rilt-n, VM wclchcn cr mil ulcicliom Hochtc gc-
slclll \\rrdrn kiiiui.
I) iori I sch ic IV r. drullirli diorilischo oder jipluuiilischr (Icstcinc mil
durcli piirallclr Ariordiumi: dcr llonihlcudcsiiiilcn und ('l\\a ynrliandriicr (iliin-
mfi-hliillclicn Ix-diniilcr, unvollkommcn schirforiiior Struclur.
Schr liiiulii; linden /,\\ isclicn dirsen Variolaton Uebcrgangc stall, indem
/. I?, dt-r kni-niuc Diorit allmiihlich riiu1 sclii(>forigc Slructur anniimnt. dn- diMitlich
Diorit /um sclicinhar dichlcn Aphanit und dioscr durcli Ausscheidung
r Individucn /um DiorilporpliN i- \vird.
Die Dioritr durclisci/.cn cnhvcdcr als Giingo und Stockc ihre Nebengest«iae
odci1 Irclcn als aus^cdclmlc iMiilajicruniicn /wischen den Scliiehlenreihen andrrcr
(ii'sicinc a nl'. Im crstci-cu l-'allc /.ci^cu sic schr hitufig in ihrcr miUlcren Zone
ciu grohkoniiiirs, nadi ihrcn hcidersiMtigen BegnMi/.uu^sllachcn hin ein aphani-
odcr schidVi-i-s (M-filge. Die Diorile linden sich hauptsachlich im (ic-
dcr (iranile, Gneisse , kryslallinischcn Schiefer und dcr alten-n palaco-
I'lii'inationen und trctcn in Deutschland auf z. B. an der Rosslrappe,
aiil dci- HollitMilmru am K\ ll'liiiusser, im ThUringenvaldo bci Ruhla, Liehenslein,
Hrollcrodc u. s. \\.. im I'lr/gcbirge bei Freiberg, in Nassau bei Wissenbach.
Als Abarirn des Dioriles k5nncn liier anhangsweise angeflihrl vvcrden :
Op hi I, ein quarzfreies Geraengc von bei Weitem tlberwiegcnder dunkcl
i;ninlich schwarzer Hornblende und elwas Oligoklas mil kleinen Kpidotkorm lien
und Bisettglaozschttppchen. (Pyrenacn.)
Noril, ein Genienge von vorvvallendem Feldspalh und elwas Hornblende,
zu denen sich Quar/ und (Jlinuner gesellen (Norvvegen). Andere Norite sind dem
(labbro /.u/.urrclinen.
Tonalil, fin korniges- Gemenge von Individuen einer Iriklinen Feldspalh-
spccics \on \\eisser Tarbe mil graulich weisscn Quar/kornern oder -Dihexardern,
scli\\ar/.licli i:rilnen llornblcndcsiiulcn und dunkelen sechssciligen Tafeln von
Magnesiaglimmer. iMi. Adamcllo in den ostlichen Alpcn.
Kcrsanton und Kersantil, kOrnige oder porphyrische Gesleinsvarie-
i.ilrn. \\rldie mil dcm (ilininid'diorilr nali \d'\vandl sind und \or\vallend a us
nliunklas. erslerer aiisserdem mil Glimmer, lel/tcrer mil Glimmer und el\\as
Hornblende, bestehen. In Giiiiiien in dcr Brclagne und in den Vogesen.
:*<>. Corsit und Kugeldiorit.
Der Corsil isl ein Anorlhil-Hornblendc-Geslein, ein Anorlhit-Dioril, und zwar
ein granilisrh korniges Gemenge von vorwallendem graulieh vveissem , durch
Sauren /ersei/barem Anorthit, seli\\iir/Jich grtlner Hornblende und vvenig
."»s II. IVtioi:nt|)lii>rlic (i
Ouar/.. Diese Bestandthette fpupptren sicb steHenweise JCH I Ms :{ /oil
Kniieln, \\elehe ans concentrischen Lagen bestehen, in denen abwerhselnd der
cine oder andere Gemenglheil \or\\allel, \\obei /iigleich cine naeli dem Mitlel-
punkte geriehlele radialstrahiige Anordmmi: dec nadelfiirmigen Mineralindividucn
y.n beobaehten isl. Diese Varietal d<\s (lorsites ist unler dein Nanicn K u gel-
dim1 i I bekannl und trill nnr unlrrgeordnel in der granitisch kb'rnigen Haupl-
nia.Nxr |>ci Sarlcne anf Corsica auf.
•M. Porphyrit.
Dei- I'nrpliNril beslelil aus einer brauncn odcr dunkolizi'auen. dichl erscheinen-
den r.rundmasse mil Ausscfaeidungen von hollcm, weissliehem, rolhlielieni oder
lirilnlieliein Oliijoklas und dunkelor Hornblende oder slat! deren von dunkelcni
(iliininer, so\\ ie in nianelien FiUlen von Quarzkornchcn oder -Aederchcn. I)<>r
Forphyril isl demnach dioritisches Gesleinmalerial mil porphyrischem Habilus
und schliessl sich auf das engste an die beschriebenen Dioritporphyrc an. Die
Grundnmsse der Porphyrile ist zuin Theil , wenn auch selten , und dann deni
(juar/luhrenden Diorite entsprechend, felsitisch, also ein inniges Magma von Oli-
goklas und Quarz (life Id am Kara) zum Theil und zwar gewb'hnlich ein ausser-
ordentlich feinkorniges Gemenge von Oligoklas und Hornblende oder Glimmer
und correspondirt dann mil den quarzfreien Diorileu. Je nachdem somit die
Porphyrite freie Kieselsaure in Form von Quarzausscheidungen und als Gemeng-
theil der Grundmasse enthalten oder nicht, unterscheidel man quarzhallige und
quarzfreie Porphyrite nnd ausserdem je nach der Art der porphyrischen Aus-
scheidungen Oligoklasporph yrit, fast nur Oligoklaskrystalle enthaltend (II-
feld; Hohenelbe in Bb'hmen) ; Hornblendeporphyrit, Oligoklas und Horn-
blendekrystalle enthaltend (Potschappel, Reichenslein in Schlesien, porfido rosso
antico aus Aegypten) und Glimmerporphyrit, Oligoklas und Glimmer ent-
haltend (Wilsdruff bei Dresden, Triebischthal bei Meissen, Troslburg in Tyrol).
Mil dein Glimmerporphyril isl das vorher erwahnte von den franzosischen Geo-
logen Kersanlon genannte Gestein der Bretagne wohl idenlisch. In kleinen
llohlraumen des Porphy riles der Nahegegend kommen Tafelchen von Tridy-
mit vor.
Der Porphyrit bildet Gange, Slb'cke und Lager, deren Eruplionszeit in die
zweile Halflc der palaeozoischen Pcriode fallt.
38. Melaphyr.
DerMelaphyr isl ein vorwaltend feinkorniges bis diehtes, bisweilen porpln ri-
sches, sehr hiiufig aber mandelsleinarlig ausgebildeles, vollkommen <|uarzfreies (ie-
menge von Plagioklas und Augit oder Hornblende nebst titanhalligem Maiineteisen-
slein und iieringen Mengen von Apalil. Die Melaphyrmasse isl in frisehem Zustande
dicht, zah und hart, sic ist schvvara, grUnlich, rolhlich, braunlich oder blau-
s«-h\v;ii7. iiel'iirbi. ihr Bruch ist uneben, schvvach muschelig, ilire Hiirle die des
Feldspnthes oder .ueriniier, ihr speriliselies Gewichl diiirhschiiiltlieh 2,69 — bei
einlrelender V«-r\\illerung nimint sie erdigcs GefUge und ihre Oberllarhe eine
anfiinglii-h grUne, spa'ler ockerbraune Fiirbung an, riecht thonig und braust mil
Siiuren, enlliall also dnreh Xerset/.uiii; von Silicalen enlstandene Carbonate. Als
t\pisehc> Miltel der cheinischen Zusaniniensetzun,u der llfelder, schlesischeii und
II. Petrographische Geologic. •>''
tliurini:iM-hen Mclaplnre ergab sich: Kioelsimre .'id. SO. -- Thonerde I7.SI —
Kiseiio\\dul fi.60, -- Kalkerde 7.01. Magnesia :t.<>| Kiili :>.!?, - N.ilnm
;'. ')'.» Wasser I. '.»;'. Kohlen.sjiure. Plmsphor.saiire und Tilaiisiiure 1,00.
Hei shirker mikrosknpiM-her Yergrossermig ergiebt cs sich , d.iss die He-
slandlh«"ile dt's Melaplm- niir xiiin Thcil knstallinisch aiisgebildet sind . /.inn
Theil alter cine nidii individtialisirte, glasariige Grundmasse bilden, \\elche sich
/\\ischcn die ein/elnen i:rns>rivn Krxsialle dranul. Sie iM lichlbraun und /inn
Tlieil \on br.miisclwar/en Koriiclien mid Niidelclu'M diircliseli\\iirint . j;i ;ini;e-
I'illll. Aus ihr Ireleu klnre li'ikline Feldspath-Individuen, i^rilne ;IM ihren Endon
/.lekeiiformii: izelVan/ti' Siiulen und Nadeln von llornhlende odcr Atigil, sch\\ar/.e
Knrner \on .MaLiiieleisener/, . so\\ ie farMose Apatilniideleheii mil sechsseitigetD
Onersehnilte herxor. Als /ufiilliue (leinen^Uieile der Melaphyre sind Ruhellaii,
Selnvefelkies. Kisenulan/ , namonllicli aber i:edieuen Kupfer und Silber zn er-
\\idiiieii Lake Superior).
I'j'ne selir eliai'aklerisliselie l'jjj;enthUmlielikeil der Melaphyre is! ihre i;rnsse
Neiiiiini: zur .Mandelsteinslnietiir. Die Grundmasse der Me la p h yrinande I-
-leiui- belindel sich ue\\olinlich in eineni mehr odor wcniger /(Tsel/lrn Zu-
slande. i.si mcist lii-ilnlich schwar/, rolhlich braun oder blaulich schwarz izeliirbl
nnil unischliesst mehr oder \\enii:er /.ahlreiche Mandeln. Dieselbcn bosilzon
eine niandel- otler birnfonnigo, kugcligc oder auch langgezogen wurniform iue
(ieslall. /. h. am Lake Superior und schxvanken in ihren Dimcnsionon /Avisehen
Ilirsekorn- und Kopfgrosse. Die ursprilnglichen Hohlungen verdanken (Jas-
11 nd Dampfblasen, vvelche sich in der zahfliissigen Gesteinsmasse bildeten, ihre
Kiitsh'himu und \\urden spiiter durch Absalze aus infiltrirlen Mineralsolulionen
L:an/. dder (heiUxeise ausgefilllt. Die ersle Auskleidung der Hohlniume bildet
List iiiuiirr Delessit, der kleine Mandeln vollsliindig ausfilllen kann , wahrend
dies bei griisseren durch Kalkspath, Braunspath, Achat, .laspis, Chalcedon, Ame-
ili\M und Mergki'N stall , sn\\ie gediegen Kupl'er und Silber (am Lake Superior)
gesehieht und \\iilirend endlich nichl vollkomnicn ausgefilllte, sondern nach
I nnen oll'ene Hohlungen von Kalkspalh, Quara, Datolith, Prehnit und Epidotkry-
slallen ausLiekleidel werden.
Die Melaplm-e sind massige, ungeschichtete Gesteine, treten aber nichl sel-
len in Lagern auf, \velche in Folge sich wiederholender , deckenartiger Aus-
breilungeii der erupiivcn Masse in miichlige Plallen und Banke abgesonderl
sind. So am Nelzberge bei llfeld, bei Tholei am UundsrUck, am grossartigslen
aber in der Kupl'erregion am Lake Superior (Nordainerika) .
Die l.a^eriingsfdrmen der .Melaplnre sind Ga'nge und Kuppen , namenllich
alter plaltenlormige Lager, von oft colossalen Dimensioned, xuischen den Schicliten
der S((Mnkohlenformatioii, \orxugs\Ncise aber der Djas, in deren Ablagerungsx.eil die
lM'U[)tionen des .M<>laph\r fallen. In Deulschland besitx.en die Melaplnre in
Schlesieu bei Lo wen berg und [.andshut, in Thllringen b(>i llmedau. am slld-
licheii llarxe bei llfeld. iin Z \\ickauer Kohlenbassin bei I'lanilz , in der Nahe-
gegend bri Oberslein, ferner in Siidl\rol eim- grosse Verbrcitung, jedoch muss
bei sehr \ielen als .Melaphjr angefilhrten Gesteinen noch eine genauc chemische
(ill II. Petrographische (i
mid mineralogischo Vnlrrsurhuni; feslstellrn , ol) sir in d<-r That hierhrr /.u
ivrhnen sind.
:{<). Diabas. (frilher Grtlnstein.)
Drr Diabas isl ein groh- his feinkbrniges, fcstcs, zlihes, grilnes oder grUn-
licli Cranes (lenience \nn Labrador und Augit, \\<>/u sicli Chloril und Magnct-
eisenslein liesellen. Dcr La b r a d o r bildet kryslallinische Individuen mil deut-
lieher Spaltbarkeil und in frischein Zuslande mil dcr filr ihre polysynlhrlische
/iisaiiimriisetzung charakteristischeo ZwiUiogsstreifung auf den basischen Spal-
limi:sll;i<-hen. Er besitzt wcisse, graulich weisse, odcr grilnlich \\cissc I;;H-|KMI
und bildet das vorwaltendc (icstcinselcmcnt des Diabases. Dor Augit trill in
dieksaulenloniiiiicn , selten langnadellonnigen Kr\stallcn oder kr\stalliiiisrlirii
Kornern auf, deren Spallungsdaehen, nehnilich die Saulenflachen und ziini Thcil
aueh das Orlliopinakoid , lebhaften (Jlasglanz zeigen. Seine Farbe ist sch\var/,
braunlich oder grilnlich. Der Chlorit durchdringt meist in ausserordentlieh
fcincn Theilchen die Gesteinsmasse und ist nur selten in deutlichen Schiippclicn
ai^sgeschieden, durfte als ein Zersetzungsprodukt des augilischen Gemengtheiles
belraehlel vverden und })edingt die grtlne Farbe des Diabases, besonders seiner
dichlen Varieliiten. Magnetciscnstei n ist in der Diabasniasse in runden Kor-
nern oder in kleinen octaedrischen Krystallchen von schwarzer Farbe zum Theil
ausserordentlieh feinvertheilt. Eine sehrhaufigeErscheinung besonders bei denfein-
kb'rnigen und dichlen Diabasen ist cin geringer Gehalt an kohlensaureni Kalkc.
Als typisches Mittel der chemischen Zusanunensetzung der normalen kor-
nigen Diabase ergiebt sich: Kieselsaure 47,56 — Thonerde 16,34 — Eisen-
ox\diiloxyd 12,54, - - Kalk 11,22, - - Magnesia 6,47, —Kali 0,91, --Natron
3,10, - - \Vasser 1,80. Das specifische Gewicht betriigt etvva 2,9.
Als zufiillige Gemengtheile enthalten die hierher gehbrigen Gesteine Ein-
sprenglinge von Schwefe Ikies, Magnetkies undPistazit. Benierkensuerlh
und frcindarlig ist der Quarzgehalt der Diabastrappe auf der Insel Arran und
des Diabasganges bei Ehrenbreitstein. Nach der Verschiedenartigkeit ihrer
Slructur unterscheidet man folgende Diabas- Varietaten :
kbrniger Diabas, ein granitisches Gemenge von deutlich erkennbaren
Individu'en ibei Ilmenau im ThUringer Walde, bei Clausthal im Harze, bei Dillen-
burg in Nassau).
Diabasaphanit, das Korn der Gemenglheile ist zur aussersten Fcinheit
herabgesunken, so dass das Geslein dicht erscheinl. Seine Farbe ist grlin und
\\ird dureh hohen Chloritgehalt bedingl. Ebenso \\ic von Chlorit isl der Dia-
basaphanit stark von Carbonaten impragnirt, beide werden dureh Salzsiiure
/n.scl/.l 'Kiibeland, l^lbingerodc im Harze, Lichtenberg im Fiehlelgebirge).
Diabaschiefer, eine feinkbrnige bis aphanitisehe Diabasniasse mil be-
deutender zum Theil vorwaltender Chloritbeimengung und mehr oder \\eniger
vollkonunen sehieferiger Slructur. 1m Voigllande, in Oberfranken, bei Kupfei-
berg in Schlesien.
Diabas porphyr, in feinkiiniigcr bis aphanitischer, unrein grauuriiner
Diabasgrundmasse lieucn rin/dne grbsserc Individuen der den Diabas zusmimicn-
M-l/cnden Mineralien aiisgeschieden. Sind dies neben vereinzellen Augiten vor-
II. Pfetrographische
til
\\icLH-nd Labradorkrystalle. so be/eichnet man das (iestein als 1. a It ra dor p<> r-
ph\r (porfido \erde antieo. lindel das umgekehrle Verlialtniss stall, sind also
\or/ii::s\\('is(' Augitc ausgcschieden. als A u u i I po r ph \ r.
Yariolit. in cincr dunkekriinen, meisl aphanilisehen Diahasgrundmassc
und mil ihr innig \er\\aehscn liegcn hirsckorn- bis nussgrosse Conerelionen von
\\cisslieh grauer Farbe und von radial-faseriger oder coneenlrisch-schaliger Strue-
lur mchr oder \\eniuer dicht an einander. Sic bestehen aus einem labrador-
ahnliehcn Kcldspath oder Kpidol oder endlieli aueh aus heiden Mincralicn . die
dann in conecntrisehen l.aiien mil cinandcr ab\\ eehseln. (In ObeiTrankcn, Voiiil-
land. Nassau, im Fichtekebirge.)
Ka I k aphan it. cine aphanitisehe , chlorilrcichc Diabasmassc mil runden
KalksjiallikUiiclchen . \\clche oft so dicht ncben einander auflrclcn , class das
diahasischr Ocmcnl fast \erseh\vindcl und Ku^c-l an Kugel gedrangt liegt. Dieses
licsicin nimmt xum Theil schieferige Structur an und \vird dann als Kalkapha-
n i I se li iefer be/eichnel.
Diabasma ndelstein, cine aphanitisehe Diabasgrundmasse, \\elche Man-
dcln von Kalkspalh, also durch Infiltration ausgefilllle Blasenraunie enthiill.
Nassau, (ieiiend von Hof.)
Die Trenmmg dc-r feinkornigen und dichten Diabase von den enlsprechen-
den Dioriluesteinen isl in dcr Regcl cine schwierige. Zu\\t'ilcn machen Ueber-
iziingc dei- feinkornigen in grobkornige Yarietaien die Entscheidung inoglich, in
anderen Fallen beruht dicst-lbe auf dcr Anvsendung folgender Mcrkmalc :
Die Varietaten des
Diabases Diorites
fiilliiilliMi ui'\\(ilinlich unler 50, nie iiber
.': |n-t. Kii'si-Uiiure.
cidhallcn his iiher 60 pel. Kiost'lsaiirc.
• • ' •
fiilliallcii fast nic (Juarz.
enthalten niclil selten Quarz.
ciitlinKcn kcinen Gliminci .
enlhalten nicht seltt-n (iliiumcr, \\clcher
die Hornblende (lit>il\veis(> oder fianz
vertritl.
I'litliiillcn I'incii durch Sjilxsaiirc xorsclz-
hiiiTiiKt'ldsiiatli, fine lirstimmtcOuan-
lilal (l('S(i('slciiis|)iil\ci-- M-rlicrl dr-s-
halli (lurch Holiaiidluug mil Sliuivn an
Gewioht.
entlinlten eiucn in Siiuivii uiilosliclicn
1 ddspath.
IIIMII-MMI mil Sain-fh uud sind /inn Theil
scln- rri.-h an kalkcarbonat.
brausi'ii nichl mil Saiiccu.
S|)iitl«-i- M-hmclxfii vor dem Lotlimln-
xifiidich Icichl xu (ilas.
srliiiiclx.cn \icl vli\\icrii!i'r.
liahen grosse
hahcn keiiif.
Neigung zur Mandelsleinbilduog.
Die siimmtliehen, oben charaklerisirten Varietiilen sind durch Uebergange
cut: \erknilpft. Durch Vcriindcninu der Koniiifissc . durch das Auftrelen por-
phxi'ischer AusscheiduiiLieii oder mandclstcinarliL'ci1 Scerctioncn, (lurch Annahme
schiclViizer Stnuiur \\cchsell dcr <ieslein>charakter dcs diahasischcii Mineral-
62 II. Petrogruphische Geologic.
gi-nieiiges in kurzen Z\\ isdienriinmen vollkommen (so nanuMitlich in Na>.x,m .
Die Diabase treten sellen gangfftrmig, vielmehr fast anssdiliesslidi lagerarlig
/\\i:sdien palaeo/.oi.sdien Tlionsdiieleni . Grauwacken, kalksteinrii niui Kiesel-
sdiiel'ern auf. Sic haben sich deekenarlig auf dem einstigen Meeresboden aus-
gebivitet uiul sind darauf sdhsl \on sediinenlarem Maleriale bedeck! \\onlen,
mil \\ddieiii cine pelrographi.selie Ycrkniipfung dmvh mil den Diabasei •iiplioiien
\erbundene Tufibikiungeo hergesldll \\urde. In Deiilsdiland sind die Diabase
\omigs\\eise in d«-n LabagegmdeO Nassaus. in \\fslplialfii. iin Ilar/.c. in del
Niihe \on FreilxTi;, iin s;idisisdien Vi»ii:llaiide uiul im I- idilekd»iri:e enl\\ iekelt.
Aiisuiirls erreidien sie iin Siliirlteeken von Clii'istiania . in dein Inii^niiselien
SeliiefiTi:el»iete Nordainerikas urosse Ausdeliimiii:.
40 Gabbro.
I)er Gabhro isl ein granitisch kiirniiies Aiiiirpiint von Labrador oder stall
dessen Saussuril und enl\\(Mlor Diallaii oder Stfiaragdit. Der feldspatlii^e (Je-
inentitlieil, \\elclier in fasl alien Varieliiten sehr vorwaltel, ersdieinl alsSans-
surit die-lit, matt weiss, oder ^rtlnlidi oder blaulich weiss, als Labrador in
inelir oder minder grossen , gliinzenden Individuen von \veisslieh izrauer, bliiu-
lidi \ioleller Farbe, wird von concenlrirler Salzsaiure oder Schwefelsaure zer-
setzt und ist vor dem Lblhrohr leicht schmelzbar. Der Diallau isl Lrran bis
sclunutzig olgriin oder braunlich, nach der Richtunji des Orthopinakoides luidisl
vollkoininen spallbar, auf welchen Spaltungsflachen er inetallartiiien. sdiillern-
den Porlmutterslanz l)esit/l. Seine Individuen sind oft mehrere Zoll gross und
\\enlen nicht selten an ihren Randern von einer dunkelirefarblen Hornblende-
riiule dergestalt umfasst, dass die Hauptaxen und Spaltunizsflachen beider Mine-
ralien parallele Lagen besitzen. Der Smar a gd it ersdieinl in iirasiirilnen, perl-
nnitteri;lanzenden Individuen. Die den grauen Diallag und den grasgrilnen
Sinaraizdil filhrenden Gabbros lassen sich nicht nur petrographisch auseinander
halten, sondern treten auch rauinlich getrennt auf, so am Monte Rosa fast nur
die ersteren, in Oberitalien fast ausschliesslich die lelzteren.
Ein ganz charakteristischer accossorischer Gemengtheil des Gabbros ist der
Olivin. Derselbe l)ildet schmutzig dunkelgrQne Kornehen, ilberwiegl bei
mandien Gabbros an Menge selbst die Diallage, trill aber erst im Diimisehlille
deullich hervor. Ganz eigenthiimlich fiir die Ga1)bro-Olivine iin Gegensat/e /ii
den Basalt-Olivinen scheint ihr ausserordenllicher Reichlhum an Mikrolithen xu
sein, welche hakenformig gebogen und dann zu Sternen angeordnet sind. Die
olivinreichen Gabbros werden wohl als Olivingabbros bezeichnel 'Volpersdorf,
Veltlin, sehollische Inseln Mull und Skye).
Die Gemengtheile des Gabbro sind zu einem granitisch kiirnigen Aggregate
regellos \er\\adisen : auch bei mikroskopischcn rntersndiungen zcigt sich keine
amorphe Glasmasse zwischen den Mineralindividuen . \ielinehr isl auch die
Mikrostructur cine granilische.
Als typisches Beispiel filr die chemisdie Zusanimenset/.ung nonnaler (iab-
brogesleine m.ig die Anahse eines soldieii ans dem Hadaulhale im llar/e an-
gefilhrt \\erden: Kieselsiiure .'ii.liii, — Thonerde ^0,77, — Ki^eno\\d n.'.ts. -
Petrographische Geologic. 63
Eisenoxydul 7,61 - - Kalk 9. Id. — Magnesia l.-'iT — K;ili 1. 01. -- Natron :1.:13.
- GlUhverlusl 1,3:1.
Von zulalligen (Jemenglheileu sind nebon ()li\in benierkons\\ erlli : Talk,
Glimmer. Hornblende, (iranal. Sorpentin. .Magnolkies, Schuefelkies. Maunelcisen.
Der (iabbro isl moistens oin massiges. pohedriseh abgesonderlos (ieslein. \\el
dies in miichligcn Slocken /\\i>clirii (iranitcn, Gneisson und Glimmcrschicfcrn,
so\\io in palaeo/oisehen (iraimaeken und Thonschiefcrn , in Oberilalicn jodorh
und aid' dor Insel Mull aurli x\\isclicn tcrliiircn St-liichlcn aid'scl/.t. Schr hiiulii;
isl dfi- (ialihro mil St-rpcntin Ncriicscllsclial'lcl. d«>r in dicscin 1'allc diifch l"in-
\\andliinu aus dcin (ial>l>ro bervOTgegabgen ist. Bekannlc (iahl»ro\ orkoinnifii
sind die d«'s Xohlcn, die \ on Nt'tirode und Khcrsdoi-f in Scldt-sicn, des Hadau-
thalcs mi llar/c, IKM Dillcuhui'i: in Nassau, hci HOSSNMMII ini siiclisischcn Gra-
nulitiit'ltictc u. s. \\ .
'» I . Hypersthenit.
Der Hyperstbenif isl cin foin- l>is ^robkOrniges Gemenge von Labrador uini
H \pri-stluMi. Dcr I. a In- a dor licrrscht Li('\\i»hnlich vor und ist in dor Kr^'l
\\risslirh jzrau . l)is\\cilen auch grUnlich, gelblich oder bliiulich yrau "olurbt.
Dt-r II \ perstli en ist 8chw9rzlicb braun oder ^rilnlicli schwarz und brsil/t
nrieistentheils auf don Hauptspallun^slliiclien soiner oft grossbUltterigeD Indi\i-
ducn t'inen kupferrothen Schiller und inetallarligen Glanz. Bisweilen \\erden
die lndi\iduen desselben von grUnlich sch\var/tir Hornblende eingefassl oder
sind mil solelier \er\vachsen.
(llieiniselie Zusainniensel/unij; eines typischen Ihperstheniles von Penig in
Sac 'lisen : Kieselsiiure 49,90, - - Thonerde 16,04,-- Eisenoxyd 7,81, •- Kalk-
eide li,48, — Magnesia 10,08, — Kali 0,5;i, —Natron 1,68, -- Wasser 1,46.
Als /ulallige Gemengtheile sind zu nennen : Schwefelkies, Magneteisener/,
Tilaneisener/ in zahlreichen Einsprenglingen , Granat, Glimmer und Apatil in
ein/.elnen Krystallen. Die Ilyperstlicnite' sind granitisch-kornige , massige. slels
iingeseliielilele (Jesicine, welcho gang-, lager- oder stockformig auflrelen, al>er
niir an \venigen Punklen bekannt sind. Hire Eruplionen gehoren namentlich
den iilleren palaeozoischen Perioden und nur ausnahmsweise jUngeren Zeilallern
an. Die hauptsiichliehslen Fundorle des Hyperstheniles sind: Penig in Sachsen.
\Vol])ersdorf in der (irafsehal'l (ilatz, Dillenburg und XVeilhurg in Nassau, oberes
Muhrlhal. l»ei lls«-l>iirg und llar/liurg, bei Friedrichsroda in ThUringen , Elfdalen
in Srh\\eden. KUsle von Labrador.
Der sieh an die Gabbro-Hypersthenil-(iesteine anschliessende (iahhro-
Norit ist ein Gemenge von vorualtendem Labrador, nalronhalliizein Orthoklas,
Diallag oder Ihpeivslhen und ineislens et\\as Quarz und tritt auf Hitlerite, einer
nor\N'egi>ehen Insel, auf.
\->. Schillerfels.
Der Schillerfels isl urspriindieh /usaiiiniengesetzl aus Anorthit und eineni
augitisehen Minerale, deni Protoltaslil IVofohastillels , zu \\elehen sich als Pro-
<luete der fortsclireitenden Unnvaiideliin.- des letzleren noch Schillerspalh , Ser-
penlin und Chrom- oder Ma^jielcist-nriv. uest-M.-n. Der A north it ist gran,
diehl. saiissiiritarlig, dor Prolohaslit durelischoineiid. liellhriiunlich his grUn-
(J4 II. Petroi,T.i|>lii-di«>
lidi i:elb mil starkem IVrlinulterdan/e auf den Spallmii:sll,idien . \\iihrend dor
Sc li i 1 1 erspalli , \\ ie p-saut ein Umwandfehingsprodofcl des IVotobastils. stark
nietalliselien I'erlmulterdan/. besil/t. uiiln. niessiiiLi^elb oder braun gelarbl. und,
\\eil ilberall \oii der GesleinsiM'undinasse durdiset/.t , ;iuf den r'liielien seines
Bltftieniarcfaganges mil dunkelen. matlen l-'leekdien ijesprenkell 1st. l>as
.MisdiiiniiSNerlialtniss dieser Genienizllieile selmankl selir bedeutend . so d.iss
Anoi'tliit und I'nitdliaslit almrdisclnd sicli iirurnsoiliii N'ollsliindiii
koniii-n. \\ndurch sich das (u-stcin ciiicin cinraclicn niilicrl.
(iliniiisclit' Zusammensetmog ciiu's t\|)isclicn I'rolahaslilfcls \<nn
lici llar/.liuriz : Kicsclsiiurt' 49,23, - Tlionci'dc -;-">.l-). l.i~-ciio\\d l.:{n.
Clinniioxyd 0,03, -- Eisenoxydul 3,2«.». - .Man^am. \\dul 0,34, - Kalk l^.
- Magnesia 8,92^ -- Kali und Natron 0,99, - \\asscr 0,64.
Vorkoinincn : am Kadaulit-r^e l)ei Har/hui'L', IMM Scliriesheiin an der
J iingcre Feldspathgesleine.
Aus der auf pag. 48 gegebenon tabellanscben Uebersidit di-r
PeldSpathgesteine und deren Krlauterung gehl hervor, dass sich in den jUngcirn.
also terliaren und poslterliaren Eruptionsprodukten die Mincraleonihinationen der
iiltci'en Gesteinsarten \\iederholen, nur \vird l)ei denselben der eigentlidic <)r-
ihoklas durchvveg durch die Varietal San id in verlreten. \\\r linden deshalb
in der unteren Golonne des Sdiernas, ebenso wie in der oberen bereits erlau-
terten, zuerstdie. sauersten SQicatgesteine, die quar/filhrenden, an \\vldio sidi die
<|uaiv.freien Sanidingesteine, sowie die nodi kieselsiiureiinneren Plagioklasgesteine
ansdiliessen. Nur filr eine neu aul'lrelende Gesteinsgruppe entbeliren \\ir des
Analogous in den alteren geologischen Zeitaltern; es sind dies die juniieruptiven
Gesleine. deren feldspatbiger Geineni-theil ganz oder zuni griisslen Theile durdi
Nephelin und Leucit verli-eten \vird.
a) quarzhal tigo San id i n gt-Nl «• i no.
43. Quarztrachyt (Liparit, felsilischer Rhyolith).
Die typisch ausgebildeten Quarztradixte sind })orphyrisdie (Jesteine und
beslehen aus einer fast diehten (ii-undmasse, in welcher Krystalle MHI l-'eld-
spalli, Quar/,, Glimmer und Hornblende ausgesdn'eden lieuen.
Die GrunJinasse ist felsitisdi, enthiilt also m-ben Alkali und Tlmnerde-
silicalen freie Kieselsa'ure; sie ist zum Tlieil (|uai*zharl, sehr feinkiirniu bis sdiein-
bar didit, zutn Theil hornslein-, pedistein- oder tlionsleinarlii;. \\eisslidi, izelb-
lidi. liellgrau oder liehtrolhlidi gefiirbt und besilzl nidil selten ein zellii:es,
poroses oder rauhes Aussehen. Selbst in ihren didilen Varietiilen vei-mai: man
unter dem Mikroskope den Quar/ in Gestalt kleiner \\assei-klaiv<-i- Kiirndien
meist deullidi 7Ai erkennen. In \ielen Fallen ist die Grundmasse nidit solid
ausiiebildet. sondern enthiill Zellen, Hlasen und unreueliniissi^e Holilriiuine.
In let/.terem Falle ist das Gestein reidi an Nestern , Trilmern und Mandeln
\<in Hornstein, Jaspis, Ouar/ und Ainethysl. Die Blasen sind y.\\;\r i;e\V(.)linlich
nindlidi. oft aber audi sainintlidi nadi einei parallelen Hiditmii: in die Liinge
IF. Petrogfaphische
i:e/oi:en. y.n\\eilen aurli yauy. reuello.s uestaltel uiul sehr hiiulii: \on oiner ehal-
eedonartiiien Sul>stan/. ineruslirt.
In dieser Gruudmasse lieizen ausgeschieden : Quary. in rauchgrauen oder
wasserliellen. SGharfbegreniteD Koniern oder Knslallen. lol/lere als Dihexa.'der
uiul IVisma , mil muselieliiiom Bruelio uiul mil Glasdany.. Sanidin, ri.-..sii:e
Knslalle von milunter \\assorheller UosHiallenlioil , oft uls kleine tafollormiiro
Indisiduon. moist in Zuillin^cn nach dem Carlsbader Goset/e. Oligoklas
mi \Vrlultnissr y.u dcni Sanidin stark /nrUrktivtriid. /inn Theil au seiner /\\ il
liiiiissii'firuni:. nit-ist aber an seiner stark vorgeschiittenen Zersetzuug ketintlidi.
Srh w jir/fr (i I i miner in kleinen hlaltdien . namentlicli in sanidinrciclicii.
xNi-niiier in quaiv.reiclien Ouar/.traehyten. Hornblende in vereinzelten sclwaivcn
Siiulclifii.
Niclit iinmer ist der (lliarnkter des Quarxtrachytes ein porphyrischer. \ id-
nifln- isl dcrselbe in mam-hen Fallen so ausp'l>ildet, class er nur noeli aus
finer Grundmasse heslelil, \\alireml die Ausscheidungen \erst-h\Ninden. Das
(let'Uue dieser TraeliN t\ arieliilen ist ent\\e<ler ein feiukornii; telsitisches , oder
ein Thonstein iihnliclies oder alier ein poreellanarliiies . als lithoidisch bezeich-
neles. Die I'elsitiselie Gniiidmasse umschliesst hisweilen nehen vereinzelten Sani-
dinausscheidungen kleine radial-HStrahlige (tugelo, \Nodmvh das Gestein spha'ro-
lithische Slrnctur erliiilt.
Audi der enti^egengesetzte Fall, nehmlich der der Individualisirung der
iiesammlen (leslcinselemenle des ^uar/traeliN tes anf Koslen der Grundmasse kann
eintrelen, \Nodureh derselhe einen iiranitiseh kornit;en Habitus erlani;t. (Neu-
Seelatid.)
Als dnreliselmittliche Xiisammenselzuni; d^f OuaPttrachyte hat sich ergeben :
Kieselsiiure 75 — 77, — Thonerde 12 — 12,5, — Risenoxydnl imd Kisenoxyd 1,52,
- Kalk 1—1,5, — Magnesia 0,3—0,5, — Kali und Natron 7 — tt. Dieselbe slimmt
mil der der Granite und Felsitporphx re in auffallender Weise Uberein, nur
sind die Ouar/traeh) le et\\as sauerer.
Die mosse Aelmlieheil der (juar/fdhrenden iilteren Ortlioklasgesleine und
der quarzflihrenden jiiniieren Sanidingeateine zeigt sich nicht nur in dieser
auffallenden lTel»ereinsliiiminnii der elu'inischen Zusarnmensel/uni; und der mine-
ralisehen Gemeniillieile . somh-rn isl aueh in dor vollkommen analoi;<'n petro-
graphisdien AusbildungSWeiae der lel/.teren ausj;«'j)ragl: dem krxstallinisch kiir-
niiren (Juar/lraehUe entsprieht der (Jranil, dem porpliN rarliiien Ouarxtraehx te
der Pelsitporpbyr, dem felsitisehen Onar/.traehvte der Felsitl'els und endlieh dem
sphiirolithischen Quar/tracli\te cine i^ewisse Varietal des Felsilpeehsteines, kurz
jeder pelroiiraphische Habitus der einen Gesteinsreihe lindel ebonfalls in der
andei-n seine Reprasentanten.
Der Ouar/lracliU isl /.war ein massiges Gestein, zuweilen slelll sich jedoch
in Foli;e paralleler La^erung der dUnnen Sanidintiifolchen oder durch
aiti^e Abwechsehing in der Besehaflenheil und Farbe der Grundmasse. eine
seliielerigo Struetur ein. Krstoros isl namentlieh bei den Quar/.traehxlen ties
liaula Meriies auf Island, lel/leres am \or/ili:liehslen bei den <pjar/.traeh\ tisehen
l.iiM-n NOIII Tanpo See aid' Nord Neu-Seeland der Fall. Audi siiulenlormige
Credner, Elemeute d. Qeologie.
Absonderung isi l>ci \idcn Quarxtraohyten in Drossier Rcgelmiissigkcii cnt-
\\ickcll, so .in tier llohenburg bei Bonn, ,mi Itaiila Bergc, ;iuf I'almarola.
Die Ouar/lraeli\lc bcsilzen cine niclit iinbcdcutendc Verbrcilung . sind je-
docli als I. .INCH unserer jel/igen Vulkanc gar iiiclil bckannl. In Kuropa sind
sic namentlich in Ungarn , Siehenlu'irgen und auf Island, in klcincrcm Maass-
slabe auf den I.iparischen und Pon/a Inseln und nur sehr spiirlich ini Sieben-
gebirge Hoscnau und Hohenburg) verlrelen.
Untcr dcni Naiuon Doinil xvordrn iit»\visse Quarztrachyte dcr Vulkancn-
kciicl in dcr AiiNcr^no (nanicnllich dcr l'u\ dc Dome) aiiiicfillirl . \\clclic cine
iiusscrst fcinkiirni^', matte, iiraulich \\cisse, spriidc (inindinassc hcsit/cn, in
\\clchcr klcinc ulasi;l;in/.cndc Olii^oklasc und Sanidinc, S(»\\ic hrannc (Jlinnncr-
blHUchen, /u\\cilcn auch einxclnc IIoi-nl)k'ndcsiiulclicn atisgeschieden lichen.
b) quarzfreic Sn n id in L'CS t c i n c.
44. Tracliyt.
Her Trachyt isl cine dcni Syenit und dern quarzfreien Porpliyr analoi;c Minc-
iali t)inl)ination, nolunlich ein (juarzfreies, \vesenllicH aus Sanidin l>cslclicndcs
(u'sicin, zu wclcheni Minorale sich elwas Hornblende und Glimmer, in iicuisscn
Yarieliiten auch Oligoklas gesellt. Nach der Abwesenheit oder (ici:cn\vait dcs
Icl/.leren hat man bis jelzt unterschieden a) Sanidin-Tracliyt, b; Sanidin-Oli-
iioklas-Trachyt.
Sanidin-Trach'yt, eine bald dichte, bald porose , graue Grundmasse
enthalt porphyrartig eingewachsen rissigen Sanidin in saulenformigen, ineisl ahcr
lafi'llnrmigen Kryslallen, daneben schwarze, starkgliinzende Hornblendek r \ -
si a lie in Sa'ulen- oder Nadelform , zuweilen auch kleine hexagonale Glim-
nierbliillchen. Die chemische Zusanunenselzung des SanidintrachUcs isl
Iblgende: Kieselsaure 62 — 63, — Thonerde 19,50, Eisenoxydul ;>,-^)> -
Kalkerde 1,85, -- Magnesia 0,75, -- Kali 5,35, -- Natron 4,83. Scin spcci-
lisdics Gewicht schvvankt urn 2,6.
Als zufallige Gemengtheile sind Magneteisenei-z , Sodalith und Tilanit zu
cr\\;ihnen. Durch Aufnahnie von Quarz kann der SanidintrachU in Quarz-
IrachU iibcrgchcn. Die Verbreitung der hierher gehorigen Gesteine ist cine
sehr bcschriinkle. Sie setzen am Alsberg in der Rhon, bei Rahcrtsliauscn ini
Grossherzogthum Hessen, am Ml. Olibano in Silditalien auf und sind als Ira-
ch\iisehe Laven z. B. auf Ischia und als*"vulkanische Auswiirflingc (Lesestcinc
in dcr I'limcltung des Laacher Sees bekannt. Letztere sind ausscnirdcnllich
rcich an zufalligen Mincralcinschltissen z. B. Hauyn, Nosean, Nephelin, Lcu-
cit, Olivin, Tilanit, Zirkon, Korund, Sapphir, Spinell u. s. NY.
Die Sanidin-OI igoklas-Trachy te bestehen aus cincr lichtgrauen oder
rolhlich grauen /um Theil auch braunrothcn, rauhen, auch NNohl poroscn (Irund-
niasse \on \or\\allcndcm Oligoklas und Sanidin, soNYic ctwas Hornblende, Mag-
nesiagliinmer und Magneleisenslcinkiirnchcn , in \\clchcr Kryslallc NOH Sanidin
und Oligoklas, auch (ilinmicrtiifclchcn und Hornblcndcsiiulcn porphyrisch aus-
gcschicdcn siml. Der Sanidin bildcl zuin Theil tafeUtfrmige, zuin Theil siiulcn-
lormige Kr\slallc. Lcl/lci'c Irclcn slets als cinfachc lndi\ iducn auf. crslcrc
II. Petrographische (ieolo^ie. 07
I'iisl durchweg nach dem darlsbader Gesel/.e /.u 7\\ illingen verwaehsen und er-
reichen, so am Draehenl'els. an dt-r IVrlenhardt im Siebengebirge 5 bis 10 dm.
Sic liegen /.uweilen /.crbrnchcn im Gesteine, \\aivn also bereils ausgebildcl.
als sich die Ilauptmasse desselben nocli in plaslischem Zustande befand.
Kbendarauf \\eist aneh die Krsclieinung Inn, dass die Sanidintafeln an manchen
Loealitiilen eine vollkommen parallele Anordnung \\alirnelunen lassen. Der
Oligoklas hildet /.\var meist kleinere Krystalle als der Sanidin, fiber! ri 111 die-
sen aber an Menge. Sehr hiiufig ist dersellie an seiner Z\\ illingsslrcifung x.n
erkennen. \\o diese aber durch die rissige Bcsehall'enheil , \\elehe aneli den
Sanidin aiis/.eiclinet. \erdeckl \\ird. dienen Farbe , Glanz und Iliirte als nnlei-
sclieidende Merkmale : aueli die leiclite Ver\\ illerharkeil ist fdr den Oliuoklas
eliaraklerisliseli. Kleine Siiulen und /arte Nadeln von sch \\aiver 11 o rnl)l e n d e .
Scliuppen oder Tiilelchen \on seli\\ar/.em oder braunem Glimmer treten in der
Gmndmasse dor Mehr/ahl der Oligoklas-Sanidin-Trachyle, \venn aueh spiirlich,
her\or. In vielen der let/.leren ist Tridymil nicht allein als Ausscheidung
in Dnisenriiumen, sondern auch als Gemengtheil der Grundmasse nachgowiesen.
Das l\pische Miltel der ehemisclien Zusammenset/.niiL' der hierherizehorigen Go-
steine is( . Kieselsiiure 03 — 64, -- Thoncrde 16 — .18, — Eisenoxyd und Riscno\\
dul •;. - Kalk 2,50, — Magnesia 0,85,- - - Kali 3,60, -- Natron 5, - - Wasser
'». •"><> — -1. Ihr specifisches Gewicht betrUgt 2,6 — 2,7, also elwas niehr als das
der SanidintraeliUe. Als /ufiilliize Gemengtlieile kennt man \orxugs\N eis«- Tita-
nil, Apatit, in sellenen 1'allen auch Granat und Augit. Sanidin-Oligoklas-Tra-
eli\le sind in dem Siebengebiriie (l)rachenfels, Lohrberg, KtlhlsbrunncMi), im
\\Csler\\alde .rmgcgend von Sellers), in Siebenbtirgen u. s. w. nachgewiesen.
45. Phonolith (Klingstein).
Der Phonolilh ist cine dichte, meist vb'llig compacte, in frischem Zustande
dunkel griinlich graue, vb'llig quar/freie Gesleinsmasse, auf deren unebenem, ins
SplilleriLie verlaufendein Hrnche jzliin/.ende Sj)altungsflachen von Sanidin orschei-
nen. Das (ieslein besit/.t eine grosse Neigung /u dUnnplaltenformiger Absonde-
runi; und iziebl beim Schlagen einen hellen Klang von sich. Die Grundmasse
der I'honolillie ist ein lio'ehsl innigos (Jemenge aus einem in Sal/saure unlos-
lidien Feldspatbminerale Sanidin und einer in Salzsiiure xerset/.baren Subslanx,
\\elclie \or\\iegend aus Nej)helin , sowie aus einer geringen Menge eines /eo-
lilharligen . \ielleiclil aus Zeiset/nni: des Nephelin hervorgeganirenen Minerales
liesiehi. Das Mischungsverhaltniss dieser Gemengtheile ist ein so unbestimm-
les, dass die Ouanlitiil der in Sa'ui'e loslichen Mineralelemenle /\\iseh(Mi 15 und
•')•") I'l-oi-ent der Gesleinsmasse sch\\ankl. In der dielilen (irimdmasse liegen
seln- /ahlrei<-lie lafelige Sanidinkrystalle . hexagonale I'rismen \(»n Ne|)helin,
sch\\ar/e Nadeln \on Hornblende ausgeschieden , /u \\elelien sich als /nfallige
(ienienizllieile noch braune, sechsseiligc* Glimmerlafelchen, Magneleisenkiirnelien,
I'Ni-ileiusprenglinge , gelbliche Tilanilkrxstalle, in sehr sellenen Fallen Anuil,
Hau\n und Oligoklas gesellen konnen. Auf Kliil'len, in Hlasen und unregel-
miissig geslallelen llohlriiumen enlliallen nameiillieh die hellfai-big.in N'ariel.ilcn
des Phonolilhes maneherlei /eolilliisehe Mineralien . /. B. dhabasil . Xalrolith.
An.ili-im. A|)nph\ Mil. I'erner Kalkspalli und Ihalilh.
5*
t,v II. |Vtrot;i-;i|>liisclie (i
Als i\|iisches .Mind ilcf chemisehen ZusammensetziiQg dor Phonolithe hat
sich crgeben : Kieselsiiuiv •">'.>. i<». - Thonerde l(.l. •"><>. Kisem>\\ d ii.^iO. —
Mangann\\dnl <>,|.-). Kalkerde .',25, Magnesia 0,70, - Kali <i,oo. -
Natron 7.00, - \Vasser I. til), lln- miltleres specilischcs (ieuiclil belriigt :>.">:
iin Allgemcincn niininl dasselbe mil dem \\achsenden Anlheil an un/ersetxbarer
Siihstan/ /u. Vor dent Lnlhrohr schinil/.l die Phonolithmasse y.n einem grlln-
licli grancn Glase. iin Glaskolbchen y.eigt sich ein \Vassergelialt. der inn >.»
grosser isi. jc bedeutender di»* ouantiiiii dcs /.fdliiliisclicn Gemengtheiles 1st.
her I'lioiiolitli ht'sit/i cine izrossc Nciiiinii: /u dttnnplaUeDfbrmiger, ja sdiie-
loriiit'r Slniclnr. uclclu- naincntlic-li (lurch die parallclc Anordnunu der Sani-
dinlal'cln l»cdini:t scin dilrflc. In dicscr AushildiniLisNscisc \sird cr als ritiriil-
lichcr odcr p 1 a 1 1 c n fii r in i izc r IMionolith hc/cichnct. PorpliNrarlim1 Yarie-
tiitcn cnlsU'hcn aus dcni massigen , rei-cllos /crklul'U'tcn (JcsU-ine, sohald in
dc.sscn (Iriuidinassc cin/clnc irnissrre Kryslallindis iduen hervorlrctcn. TracliNt-
iihnlich ncnnl man die licliliiraucn Phonolilhc mil rauher, elvvas porOser Grnnd-
tiuissc. \\clcher dciillich crkcnnltarc /.colithischc Hcstandlhcilc hciiicmcniit sind.
die sich aus.sL'rdem in Nestern ndcr Di'iiscn ansiicscliieden hahcn. - Die Pho-
nolithe bildcn mcistens dom- odcr idockenloriniiie Kuppcn (homogene Vulkane),
sd\\ic Giinge von durclischniltlieli izerinutM- Miiehliukcit nnd sind in dicscr La-
L'crnngsform in Europa besonders iin ndrdlichcn Bohmcn (Marienbei^ l>ci Aussif:,
Teplilzer Schlossbei-g, Milleschauer), in der Lausitz Lauschc. Umbcrii l»ci Zittan .
iin Rhdogebirge (Milsebui^), im Hcgau am Bodensee Slaidcn . in der Auvergne
ausiicltildcl. Die Hanplcruplion der Plionolithe fiillt in die y.\\eile Ha'lfle der Ter-
liiir/cil. <ie\visse La\en des Monte nuovo und der plileizriiischen Felder sind
naeli ihrer petFOgraphischen Ausbildnng und chemist-hen Zusammensetzung als
PhonolithlaNcn /u he/eichnen.
Der N os e a np h o nol i t h schliesst sich eng an die eigentlichen Pfaonolithe
an. Dersclbc enlhiilt in einer tlichl erschcinenden, tlunkelen, (lurch Vei'\\ille-
ninii bleichcndcn phonolithischen Grundmasse Krxslalle von Sanidin, Nosean
und Leucit. Der Nosean isl blaugrau gefiirbt, l>ildet mehrciv Millimeter i:n>ssc
Kryslalle, vselche auf dem Bruche (lurch ihre dodekaedrischen Unirisse dcut-
lich hervortretcn. Dei1 Leucil erschcint in Gesiall /alilloser. sehr kleiner, durch-
sichtiger, in /crset/.lem Zuslandc sclincc\\eisser Kornchen. Aus Noseanphonolith
hestchl /.. \\. der \ulkanischc Kegel von Olbriiek. der Burgbcrg bei Hicdeii in
der Laacher (legend, der IlohenlNviel im liegau.
c) IM a i: ink 1 ii s LI- s 1 c i n c.
46. Hornbleiide-AmlesH .
Hornl)lende-Andesite sind Gesleine . \\clche \or\\ iegend aus Oligoklas und
llnrnblende bestehen , /u denen sich als driller (ienienglheil (Juar/. gesellen
kann. — cine den Diorilen und Porp \riten analnge Mineralcombinalioii. Nach
der Ab\\esenlieil dder Gcgcn\\arl des Ouarxes unterscheidet man t| u a rxfti li-
re n de und q u a r/. I 're i e IIornblcnde-Andesile.
Una r/fiihrcndc II o r n b I e n d e- A nd e si t e sind schwiirxliche, griinlich-
graue. braune oder dunkclgriine (iesleine mil dichlem bis denllich feinkornigem
II. iVlniur.ipliisfhr (icnl.i-ic li!»
Gefiiue. be.xtehend aus Oliuoklas. Ouarz mid Hornblende. meisl .uirli aus Uimnicr.
/nvNcilen isl der Onar/ nidi! sichlbar, doch \\eist der liohe Kiesels8uregeha!t
der belrefl'enden Gesleine. \\elcher den des Oligoklas iibersteii:! , d;ir;iuf liin,
dass freie Kieselsanre. also Onar/ \orliand(Mi isl. AIs | \pisehe miUlcre Zusain-
mensei/uni: crgield sich : Kicsclsiiiire 66,10, Thonerde 14,80, - - Eisen-
• •\\dul r.,30, - Kalk :>,30, • Magnesia :',tO, -- Kali uiul Natron i,70, -
YVassrr l>. .")(); das niililcrc spccilisclu- (ic\\idii lu-triigt 2,60. Man kennt
dirsrs (icstciu aus SicluMibilriirn sou. andrsitisclic odcr "ilinslcinarliiic Ouar/.-
li-acli\lc . L. B. b<M Naizyaii. fcrnor aus Transkaukasicn und aus den
'Oligoklaslrachyte \om Rath's).
Die quarzfrcien H ornblcnde.-Andesitr sind jjraur his scli
dunkelgrUnliche oder dunkelbrttunliche (lasicinc von porphyrischem llahiins.
In cincr fcinkiirniiien, deutlich kr\stallinischen, biswcilen auch scheinbar tlicli-
Icn. /inn Tlicil fast glasartiucn (irnndinassc lichen lafclai'lit^c, incisl scliiu>r\\«iissc
odcr uriinlicli \\cissc, iwilliDgSStareifigC! Oligoklaskrystallo und sclmar/o Siinlcn
von llornbU'iult' al)cr weder Sanidin, noch Quarz) ausgeschicden. Dancbcn
tiTtcn MagiioteisenkorncluMi . Magncsiagliminerblatlchen, auch vvohl etnas Angit
nnd Titanil, noch scltcncr Olivin und Ilauyn auf. Mitllcrc cheinischc Xnsain-
incnscl/nni: : Kii-sclsiiurc 59,75, — Thonerde 17,25, — Eisenoxjd und Kisonoxydul
7,57, — Kalk 6,00, - - Magnesia 1,30, -- Kali 3,10, — Natron 4,00, — Wassci
1,00. Spccilischcs (Ic\\iclit =2,7 — 2,8. AIs Typus der quarzfreien Hornblcndc-
Andcsiic konnen die Gesteine der \Volkenburg iin Siebejigebirge gellen (Wol-
kcnl)urg-'Prach\ic . Ausserdem treten sie iin Siebengebirgc noch am Bohci-s-
halin. an den Scheerkopfon , den Breibergen und mehreren anderen Punklcn
aid: ei)enso bei Kehlberg in der Eifel, bei Bannow in Mahren, in Ungaru und
Sicbcnbiirgen (die GrUnsleintrachyle und grauen Trachyte von Richlhofeirs) , das
Mullcrgestcin der dortigen edlen Erzgange.
1 7 . Augit-Andesit.
Dc.1 Aniiit-Andesit ist eine Mineralcombination von Augil und Oligoklas,
/ii dcncn sich in seltenen Fallen Quarz gesellt, wahrend die meistcn Augil-
Andcsiic (|uar/frei sind.
Die quarzfreicn Augit- Andc s ilc hcstchcn aus ciner deutlich fein kr\-
slallinischcn (irundmasse von graulich weisser oder rblhlieher Farbe, in uclclicr
Kr\slallc odcr krvslallinische Korner von Oligoklas und Augit, ersterer in dllnnen,
linker an cinander geftlglen Blaltchen, lelzercr in scharf. ausgcbildctcn, gliin/en-
dcn. /.inn I'licil siiulenfb'rrnigen Kr\slallindi\iduen, daneben vereinzelt auch solclu-
\on Hornblende eingewachsen sind. Ausserdem stellen sich Magnclciscnci'/. Mai;-
nesiaglimmer nndOlisin als zufallige (Jemengtheilc ein. Mittlere cheinischc Zn-
sammcnsct/mit:: Kieselsiiure 57,15, -- Thonerde 16,10, — Kisenoxxdiil I-'J.OO,—
Kalk '),7.'), — Magnesia 2.-M, — Kali 1,81. — Natron 3,88, — miltleres specifischcs
CK>\\ icht = 2,8i. Die Augit-Andcsilc besit/.en dcnmacli einen cl\\as geringeren
Kicscl.sauregclialt nnd ein elwas grb'sseres specilisches (ic\\ichl als die llorn-
blend(¥-Andosite. Sie sind namcnllich unler den Laven des siid\\cslliclicn Island
verbreitet, auch vom Chimbora/zo. \on Ti-ncrilla, Ischia, Noi'd \en-Seeland sind
\nlkanische Gesleine bekannl, die hierher zu rechnen sein diirl'len.
70 II.
Al.s i|iiar/. l'ii h re nde A ug i I - A nd e s i I e uenlen geNN is.se Andesile .nis
den sudamerikanischen Andes belrachlel . deren KieselsUure-Gehall 'ini Dureh-
scliiiitt (').') — (>(') I'roeenli den des Oligoklases Ubei \sieigl, und domnach der Ge-
geiiNNarl \(in Oiiiiiv. /u/usehreibon 1st.
Was die Ligorungsl'orm dcr Aiigit- and Ilornblende-Andesile belrill'l . so
bildon diese Gosleinc in dcr Hegel isolirlr, kc^rlloi 'iniiic odcr douifdniiige Kii|i-
pcn lidiiiKui-iif Viilkiinc;, \\clclic m'Nvohnlicli rcilicidonnii: i;rordncl sind. Dicsc
l.,ii;rniiii;s\\cis(' scl/t u.inizjirli^t1 JhiiTliln-ilclir Nonius, N\rlrhr ;iuc|i liiiuliL; /u
iM-oltiichlcn sind. Die Andesil-Laven luilKMi sicli slronmrtitj ciyosscn und /uin
Thoil deokenaiiig juisgebreitet.
48. Trachytpechstein.
Dor Trachylpochstein ist von doin suh 32 hrsrlirichcncn h-lsilpcclistrm
NNcdcr in srineni aussoron Ansehon, noch in seiner chemist-lien Xusammen-
set/unij /u unlerseheiden, desson pctrographische Beschreibiini; deshall* auch
fiuf ihn aiiN\endl)ar ist. Unler dem Mikroskopo jedoch unlerseheitlen sieh heide
I'et lisleine d.idurch, dass die Felsitpechsteinc felsitische Ausscheidungen , ahcr
keine Heloniic. - die TraeliN Ipechsleine jedoch zahllose Mengcn von Boloniten,
aber koine folsilische .Malerie in ihror glasigcn Grundmasso uinschliossen und
endlich keine Fliissitikoitseinschlilsse onlhallon. Neben den oft stroinartitu an-
geordneten Bolonilen kommen in der lichtgrilnlichen Glasmasse vor : mil blossom
Aujio erkennbaro Foldspatho mil Glaseinschlilssen und mil Glasadern. NNelche
von der Grundmasse ausgehen, -- mikroskopischc Feldspatho in bedetitender
Menge mil sohr viol Glaseinschltlssen, -- mikroskopische Hornblende- odor Au-
gitsaulen, - schwarze Magneteisenkdrner, -- zahllose Dampfporon.
Island, Neu-Seeland und Centralfrankreich bergen die Bauptvorkpmmnisse
des Trachylpechsleines.
49. Obsidian.
Der Obsidian ist ein vulkanisches Glas, eine glasige Modification der ira-
cli\ii.schen , und z\var namentlich der kieselsaurereichen Laven, eiilsianden
durch rasehe Al)kiihlunu tier gluthflttSSigeD T radix tmasse. Die Obsidiaue bilden
cine glasarlige. slark glanzentle Masse mil . ausge/eichnel ipuscheligemBniche, daher
mil scliarlkanligen. sehneideiitlen Bmchstttcken. Hire Farbe ist moist scli\\.ii7..
braun txler griinlich. Nach ihrom verschiedenartigen Geluize untorschoidon sich
lolueiido Varietiilen :
reiner Obsidian, vollkommonos Glas, anscheinoud homogon, jedoch an-
geltilll NOII mikroskopischen Kr\slallclieii . \\elche parallel ango«»rdnel sind und
Mikrolliiftiialionsstructur /oigen: aussertlem mil zahlloson mikrt)sko[)isclien.
spil/eilurmigen Gas- und Dampfporen ;
porpliN rarl igor Obsidian, in glasiger Gruntlmasso sind ein/.elne Sa-
nidinkorner odor -Knstalle ausgoschieden :
spha roli Ih is oho r O bsi tl i a n, in glasiger (irnnd masse liegeii radial-lase-
rigo SpharolithkUgelchen ;
blasiger Obsidian, Obsitlianmasse mil /.urn Thoil langgeMrocklon und
parallel gelagorlon Ulaseiiraumen.
II. Petrographtscbe (imln^ir 71
\ucli unlei dein Mikroskope crueisl sieh der Ohsiilian als cin echles Glas,
inci.sl schr reich an durchsichligcn oder seli\\ar/en, haaiibriuigen niikroskopi.selien
Kfystallausscheidungen Itelonilen und Trielulen . \\clclie nichi selten die pradii-
vollsle gewundene FlurtuatitDtttniOltir siehe JKig. (>; /cigen. Namenllidi h.uiliu
sind iii manchen Ohsidiancn seh\\ar/e Trichile, \\elche dann gebogen, scharf
tickzackartig geknickt, sohleifenartig gekrttminl und mil sclmar/en. solidcn Kiii-n-
rlicn luvsi'l/l sind. ndrr y.u spinncniihidicluMi AggTOgaten /usainincnlrclcn. IXrhrn
ilincn kniniiicn xahlrciclic cclilc Hclonilc und niincuartii; aiisiic/.ackic larhlosc
.Mikn>kr\sl,illt>, so\\i(> MagneteiseDSteinkOrner und (Iliinmor- odor Kiscni;lan/-
l.dclclion vor. Dampfporon sind im (ian/cn in dcr Oksidianmassr nur scllr-n
vorhanden, \\o sic abcr auflrctcn , in cnoi'inor An/.alil aus^cliildcl. Mcist sind
sic rundlich. citorini" odor an cinor Seile in cine Spil/c aiisi»c/.oi;cn. In cincm
()l>sidiaiic von Island lichen in oiner Ebenc von cincm Quadralmillimctcr
suit, 000 Poivn.
Da die Ohsidianc (1 laser aller (iliedcr dor Trachytfamilie von dcm kicsel-
s.micrcichslen his /uin kicsclsaurcariustcn darstcllcn, so bowcgl sich der
kicsclsaurciichall dcrsclhcn xwisclicn wcitcn Grcnzcn und schwaiikt /\vischcn
(>0 und 70 IVoccnl, und ahliau^ii; davon das specifische Govicht /\\isclicn 2,5
und ;'.:{. Die Obsidianc sind mil den iibrigen glas- und schauniartigen Alodi-
licaiioucn dcr Tracfaytgesteinfi durch Obcrgitnge cng verbuinden; namentlich
gelirn kr\slallinisch kb'rnigc Lavcn an ihrcr Oberllilche in Obsidian und dicsci-
luich seiner iiusscrcn (Ircn/c1 /u in Bimsslein ilber. Hire llauptverbrcituni; lin-
den die Oltsidianc in den vulkanischen Gebieten dcr liparischen Inseln , auf
Island, ill Transkaukasien, Tencrilla, Neu-Sccland.
in. Perlit, PcrLstein.
Der IVrlit ist cine glas- odcr cinailarlige Masse von nieist graublaucr Kar-
IHHI-. \\elehe aus laulcr liirsc- bis crbsengrossen, concenlrisch-schaligen Kbrnern
/iisaniiiKMiucsct/.l isl. Die ausserslen Lamcllcn der (Miiander /unachsl liciicuden
korner sind mil einander verwoben und verflossen. Bei gewissen Variclalcn
der Perlsteine, den spha roli ihischen Perlilen, Irelen in dieser Grundinasse
\on diircliaus kbrniii-selialiiicni (Jeftlge Spharolilhe , also radial-faserige , kugelige
<»dcr kuolliue Ausscheidungen mil scharfbegnMixlen Handern auf. Andere Per-
liUarielalen, die Perl ilporph y re, umschliessen in einer echl perlilischen,
kuciiiL; selialigen (Jj'iindmasse ki'\stalle von Sanidin und Glimincr.
Hci dcr mikroskopisehen rnlcrsucliuiiii der eehlen Perlile Irelen naturlieli
die DUK lisehiiiltc der concenlrisch-schaligen Korner als eoncenlrischc Cur\cn
und /.war Krcissc^mente hcrvor. Die ein/.clnen Sclialen sind ge\viilinlicli gaii/
gfeichfarbig. In dcr Perlilmasse haben sieli nun iihnlich wie im Obsidian die
selben niikrosk(ij)iselu'ii Kr\slallchen , bald geradc und einfaeli uelnnnle , bald
gabelige, gekrilmmlc odcr ruinenarliu -c/.aekle Hclonile , bald scli\var/e Trichilc
ausucscliiedcn. Xuueilen /iclien sich Slrb'mc dieser zusainmcniieliiiuflcn mikro-
skopiselicn ki-\sliillehen in geradem odcr ^ekninuntcin Verlaufe (juer durch inch
re re bcnachbarle I'crlilkorncr hindiirch, so dass augcnscheinlicli Ausscheidung
dcr Mikrolithe und sehalenlormige , perlilischc Absonderung ganz unabhiingig
von einander vor sich gegangen sind.
7"2 II. iVtmui.ipliiM lie li
Dor kie.selsamvgehall dor IVrlilo schwankl zwisehen 7(1, •")'.» und K^NO,
dies inacht i>s \\ahrselioiiilicli, dass nur quarzlracbytisches Material y.u porli-
tiselier Ausbildung i:eeignet isl. Das Ivpiselu- Miltel dor elieiniselion /usammen-
sot/.ung der IVrlile isl: kieselsaure 7:J, IY.\, - Thonerde U,23, - Kisenoxyd
und Kiseno\\dul :>, i I , - Kalk 1,70, -- Magnesia 0,SO, -- Kali mid Natron
(>,i:{, \\asser 1,90. Speciliselies Gewiolil = 2,:J6 l»is 2,'i-').
Dcr I'crlit hildcl Slriinic und (i.inuc bci Sclicinnil/. und Tclkchanxa in Un-
iiiirn, in den I'iiiiiancon, auf den I'on/a Inseln, in Mexico.
5 1 . Bimsstein.
Dor Bimsslrin isl cin scli\vaininiges oder schauini^cs (ilasiicslcin \on iiH-isl
licbtgelblicher odor Uqhtgraulicher Farlto, o\m>. (lurch das Durchstronu-n von
(iascn oder Diimpfrn cnlstandenc hhisigi' Obsidian -Modificalion und dcsslialh
\on durclisclinialk-h dcrsolhen chemise-hen Xusammenset/uni: \vie xum Theil
die kieselsiiurereichen , zum Theil die kicselsiiurearmen Trachyte, indem ihr
Kieselsaureuchall zwischen 58 und 74 Procent schwankt. Auch die eiiienlliche
Glasmasse dcr Bimssleine ist angeftlllt von Mikrolithcn. Das Vorkommcn des
Bimssleins ist an die Vulkanc gebunden , wo er sich theils in Form loser
theils in Verbindung mil Obsidian- und Perlitslromcn lindcl.
Die oben beschriebenen juugerupliven Gesteine, deren Hauptgemenjilheil
Sanidin und Oligoklas ist, pflegte man als Trachyte zusammen zu lasscn
und ihncn die Basalte als zwar gleichallerige aber labradorfiihrende Gesleins-
gruppe gegenilber zu slellen. Es hat sich jedoch aus Zirkel's rnlersuchungen
iiber die Basaltgesteine herausgestellt, 1) dass der Feldspath dieser Gesteine. wo
soli her Uberbaupt vorhanden, kaum Labrador, sondern wahrscheinlich ein kicsel-
siiui'creicherer Kalknatronfeldspath (also Oligoklas) sein diirfte; 2) dass zahl-
reiche Basalte gar keinen Feldspalhgemengtheil, sondern an (lessen Stelle Le licit
oder Nephelin aufzuweisen habeu; 3) dass die Basalte aphanitische J-lrslar-
ninusmodincalioiien der grobkornigen und feinkbrnigen Dolerile . Leucitophyre
und Anamesile sind. zu welchen sie sich verhalten wie die Diabas-Aphanite
zu dem kornigen Diabas, also ebenso wenig wie diese eine selbstandig«- Gc-
steinsspecies repriisentiren. Da ihuen jedoch eine gewisse geologische Zusammen-
geliorigkeil, eine fast vollkommcne Idenlat in ihrem ausseren Ansehen, eine.
grosse Aehnlichkeit in ihrer clicniisclicn Constitution und eine cnge zeitliche
Verkniipi'ung niclit .abgesprochen \\erdei\ kann, lernei- das Acusserc der hier-
hergchorigen (Jesleine dieselben leicht als Hasalle serrath, aber erst eingeliende
mikroskopisehe I'nlersucliungen enlscheiden konnen, ob ein Plagioklas-, l.eucil-
oder Ne|)helin-Basall \orliegl. so \\ird der CollecliMiame Basalt I'Ur die apha-
iiilisclirii riagioklas-Dolerilr. l.euciloph\ re und Nephelin-Dolerile nielil zu enl-
behren sen.
K'. Plagioklu8-l)olerit; nebsi Aiiainesit uiul Flagioklas-Knsalt.
Der I'la^ioklas - Doleril isl ein grob- oder mitlelkorniges (iemenge
son Iriklinem Ichlspalhe und Augit, nebsl \\enigem Apalil und litanhalligem
II. iviio^r.ipiiiM'iif (•(•(. icuit- 7:'.
.MagneU'isonerz, /,ii woli-hom sieh et\\as kohlensaiires Kiseno\\dul und kohlen
saurer K;ilk y.u uesellen pllcucn. Der IMauioklas v\ allot moist \or den iibrii:on
Bestandthcileo stiirk \or und Irill in \\eissen odor liehtiirauen ulan/endon Tafel-
elien, dci- Auuit in kuryen Saulehon \ou >eh\\ar/er odcr diinkelunlnor l-'arbe
iiul'. Da> .Maizneleisenery. erselieint mrist staubtormit; iin (Jorneuije \erlheill, sol-
lenor in siehlbaren Oetaederii und Kbrnern. Anf die (ie^eimarl von innig
n (];irl»on;itcii I'mduclcn dor ItciiiiUHMiden ZiM'si't/unui l;iss( d;is
scn dcs pulverisirlen (iesteines hei Heh;indlunu mil Siiuren seliliessen.
Ifikroskopisehe Untersuohungen von Dolei-it-DilnnselililVen \\iesen lichtltriinn-
lielie AiiLiite, in pohirisirtcin Lichto praehtvoll I'jirbii: ^esli-eit'te Irikliuc Feld-
sp.ilhe, ferner hl;isse Olivin- und sehw;irzo .Ma^iieleiseiier/konuT und tMidlieli
l';irMnse. diinne, hexjiuoiude Niideln von Apatit nach. Ainorpho ZNvischensuhsl.in/,
i>l niii- ;iiisn;ilinis\\eise und dann solir spiirlich vorhanden.
Der I'l.iuiokliis- Dolerit niniinl y.u\\eilen duivh das llervortreten ein/elner urb's-
serei Kr\si;ille von" Augil odor Foldspath aus deni sonsl gietchm^lssigeD Minc-
r;ikeineni:e po rj> h v rischen, durch das Auftreten von Blasenriiunien mil
/eolidien und Carbonatcn in a ndelstci narti gen Habitus' an ; Doleritlavcn
uelmren y.u den I^riiptionsproduclen dcs Aetna, Stromboli und anderer Vulkane.
Mitllere eliemisehe Zusamnienselzung : Kieselsiiure 50,59, — Thonerde 14, 10,
- Kixriinxyd 16,02,-- Kalk -- 9,20, --Magnesia 5,09, --Kali 1,05 - .Na-
iion .', H». \V;isser 1,78, -- Specifisches Gewicht: 2,75 — 2,96.
Die Kniplionen der I'lngioklas-Dolerile haben in dor Terlia'rzeil bcgon-
nen und dauern jetzt nocli fort ; sic haben die Nebengesteine gaiiiilonnig
durehset/.t und sieh entvveder an ihrem Ausbruchsorte kuppenformig aul'iiestaul.
oiler deeken- und stroinartig ausiiebreitet. Zu den ausgezeichneteslen Doleril-
vorkomnien sind die des Meissners in Hessen, der Lowenburg im Siebenge-
birue, des Hnnkenkiipfehens in der Eifel zu ziihlcn. In Island und Scholtland,
so\\ie auf den Farber ist der Dolorit \veit verbreitel.
Der A H a me si i ist ein Aggregat von tiesteinselementen des Plagioklas-
Doleriles MID so t'einkbrniger Zusainmenset/.ung, dass das unbe\xa(l'nele Auue
z\\ar ein krxslalliniseli kbrniges Aggregal von Mineralindividuen erkennt, ohne
jedoeh ini Slande zu sein, die verschiedenen Bestandlheile zu unlerschnden.
Die l-'arbe der Anamesite ist graulich oder braunlieh sch\varz. Hire Besland-
theile sind. \\ ie p-sagl . die des Dolerites , also Plagioklas, Auiiit, Magnelei>en-
erz, so\Nie et\\as Apalil , zu \\elehen sieh melir oder minder haulig Olivin ge-
selll. /ANisehen den kr\stallinisehen Beslandllieilen des Anamesites liissl sich
unter dem Mikroskope einc amorphe (irundmasse und in dieser die (ietzen\\ar(
y.alilloser Trichile nach\\eisen. Das speciliselie (ie\\iehl des (Jesleines seliuankl
y.uiseheii :'. ~ und i,S und ist im Allgeiueinen et\\as geringer als das der
Plagioklas-Basalte. Die Anamesile sind namenllieli in Inland, Sehollland und
Island \erbreitet. In Deulsehland trill or z. B. boi Sleinheim un\v<'il llanau
und auf der Wilhelmshbhe bei Cassel auf.
Der IMagioklas-Basal I ist oin seli\\ary.es. seln'inbar diehles (iestein mil
inaltem, splitteiigem, iiu (Irossen llacli inuseheliijein Bruelie. Ansehoinend voll-
konuuen homogcn, erucist es sieh, ganz ab^eselnji \on mil uidteuallnelein
74 II.
Mcliibarcu porplm'ischen Ausscheidungen , bei starker raikfoskopischer
ycrgrb>seruni: dcr Dunnschlille aus z\\cil'aclicm Maleriale ziisanimengeselzt, einer-
sells iius iiiikroskopischen Mineralindividucn von Plagioklas, Augit uiul titan-
haltigcm oder reinem Magneteisenen iicl)st Olivin, s<>\\ie clwas .N'ephelm. anderseils
iius eineiii amorphen Omeiitc, welches die Zwischenraurne zwischen den indi\i-
dualisirten Gemengtheilen ausfUlll. Diese glasarlige Substanz der Basalle 1st tins
lU'sidiuiin dt-s ui'spriin^liclMMi BasattmagmaSj welches in amorpheni Zusl;indr
zurilckl>liol), n.ichdcm sidi die iiiif^c/iihlUui Geinengtheile kryslallinisch ansur-
scliicdcn li;itt(Mi. Sit1 ist enlwedcr rein glasi", halhiilasiu, odor cnlszlast. Die
i;lasiiic (irundiuasso 1st vollkonimen homogen , besitzt gelblich braune Farbc
und \crli;ill sich in polarisirtem Lichte \vic cine einfach brechende Substan/. :
in ha 1 b g las i gem Zuslande erwcist sic sich angcfiillt von massenhafteo,
>ch\\, iiv.cn . mikroskopischen , nadel- oder haarfbrmigen Knstallchen (Trichilen)
odcr scli\\arzen, scharfbegrenzten Kornchen. Die Trichite sind bald geradc, bald
gekriimmt oder ge\vunden, zu\veilen kculenformig verdickt und biischelig odcr
in-l/arlig angcordnet oder baumarlig verzweigt. In entglaslem Zustandc be-
slclit die Grundmassc aus einem entvveder ver\vorrcnen oder parallel faserigcn
Aui:rcL:alc inikroskopischer Kornchen, Niidelchen, Ilarchen und Krystiillchcn,
trill jedoch den eigenllichen Basaltgcnicngtheilen gegcnilber als ganz abweichende,
lorrnlich frenide Substanz auf. Die Menge der amorphen Grundmasse sclnvankt
in ihrein Verhallnisse zu den kryslallinischcn Ausscheidungen sehr bedculmd.
ZiiNveilen trill sic so zurtlck, dass Diinnschlifle dcs Basallgcsleines als krystallinischc
Minoralaggregale erscheinen, zwischcn deren Slrahlcn, Saulchen und Kbrnclicn
nur ein Ilauch von (irundmassc eingcschlossen isl, — odcr sic ninnnt z\\ar
,ni .Mcngc zu, bleibl aber unlergeordnet und isl zwischen die Mincralausschei-
diingcn zwischengedrangl , endlich kann sic zum vorwaltcndcn Bcstandthcile
der Basalte werden; dann liegen die Krystallausscheidungen isolirt in dersclbcn
t-inucltcttcl und zeigen dann nichl scllen Fluidalslruclur, in Folge deren die
Icislcnforinigen Feldspathdurchschnille, die, langlichen Augilsaulchcn, und schma-
len Ncphelinrechlecke slrcckenweise parallel neben einander hcrlaufcn und sich
/u Stiiimen anordnen, \\elche sich zwischen grossercn Kbrnern von Augit, Oli-
\in und .Magneleisenerz hin und herwinden. (siehe fig. 7 pag. 29.)
Das krsstallinisch ausgeschiedene Gesleinsmalerial dcr Feldspath-Bas.ilic
beslchl aus vorwaltcnden triklincn Feldspalh- (\vahrschcinlich Oligoklas-'j
ki'vslallcn, wclchc in polarisirtem Lichle prachlvoll bunt gcslrcifl erscheinen.
Augiten, von welchen die grbsseren gewbhnlich (lurch (ilaseinschlUsse und
.Magneleisenkiirncr vcrunreinigl sind, -- Olivin von griinlich graucr Fa'rbung,
in sehr diinnen SchlilVen ganz farblos, — Magnet- und Tilaneisen in schwai-
zen Kbrnern, — zuweilen auch Nephelin in farblosen, ungestreiften Becht-
ecken, -- Apalil in langcn. farblosen Nadeln, sehr sellcn Leucit undGlini-
mer, nie aber Ilauyn und Melililh.
An< dcr licschricbenen, gleicharlig scheincndcn Grundinasse Ircten bis-
\\cilcn pnrph\risch einges|>rengte grbssere Kbrner und Krxstalle von Plagioklas,
Audi. Olivin und Magneteiscnerz her\nr. I'nter diesen ist der Olivin ein hbchst
charaktei'islischei- zufalliger Gcinenglheil, er bildel glasghin/cinlc. olgrUne, mcist
II IVIlMiliapllix'llC (ir.iltPUir 7,">
Iroplcnalmliche konier und his iiber knpl-ni.sse rimdliehe, konu-c Au
Der Oli\in kommt /uueilen in soldier .Menuc im I'VIdspalhhasalle \<»r, d;iss er
die eiuenlliche Hasallmassc stiirk /urilekdriini;!. Hornblende, /urn Theil in y.oll-
-I-OSMMI Kr\>|,illen mid kennllich ;in ihren .sliirk ulan/enden Spallun^sll.idien,
ist ,ils /iilalli^cr (lemcniitheil nichl selten.
Inncrhalh dcs dichlen r'eldspathhasalles linden sirh nichl scllcn uiirei;el-
miissiue iidcr hlasenarlii;c llohlriiumo, \velche xuin Thoil von den \rrschirdcn
.irliuslcn Mincr;ilirn , Silicalcn s(t\\ic (liirhonalcn , ausi;r!'Ulll odcr ans^cklridcl
siml, so \oi7.uus\\cisc \on Dcsniin, Slilhit, Nalrolitli, Analciin, (lhahasil, Apu
|ih\llii. llannoloni, Kalkspalh, Arai;onil, mdlicli Ouar/. (ihalccdon, Ihalith.
Als Stnicliir\arict;ilcn dcs I'l.i.uioklas-liasallcs kanu man untcrschcidcn
uc\\dlinlichcn odcr dichlon, |)orph\ rarlii^rn mil Ausschciduni;cn son Aui;il, IMa-
i;ioklas. llonihlcndc. niandclslcinartii;cn mil Mandeln und Neslcrn von den chcn
.inr-c/alillcn Mincralicn.
Als milllcrc chcinischc Xiisainincnscl/.niii; dcs IMaiiioklas-Hasallcs cri;icl»l
sicli : Kicsclsiiurc i,'), 00, — Thoncnlc 14,00, — Eiscno\\d und Kiscno\\tlul I5,:{0,
- Kalkcnlc I-', 10, - M.c'iicsia 9,10, -- Kali 1,30, -- Natron 3,87, = = Wasscr
1. 30. Spccilischcs (Icuichl = 2,9-3,1.
Die meislcn Pla^ioklas-Basaltc hrauscn, \\cnn man sic in gepuiVertaH] 7>u-
siandc mil Saurc hciiicssl, t-nlhaltcn also Carbonate. In dicsem Zuslandc rc-
|>i-,iscnlircn sic das crslc Sladium ilircr cintrclcndcn /crscl/.unL: (lurch die At-
iiKispliiirilicii. Schrcil<>l dicsclhc \\cilcr fort, so resultircn (lurch forlfilhrunt;
eincs Thcilcs dcs Kalkcs, der Magnesia, dcr Alkalien, dcs Kiscno\\duls und
dcr Kicsclsiiurc \un Seilcn im (Jcslcino circulinMuler kohlcnsaurchaltijj;or VVassei-
y.uersi die |{;isall\\aekcn und als Icl/los Stadium dieses Vorganges, t;c\\ isscr-
massen als Hesiduum dieses Auslaii-eprocesscs, die hasaltischen Thono
oder \Vaek e n ih one, wclchc sich dcr Ilauplsache nach als \\asserhalliiie Thon-
ei-dcsilicale er\\eiscn. Diesc Itasallwarken sind schcinhar cinfaehe, diehle oder
ridi-e .Masscn \un unrein uriinlieh t-raucr bis briiunlich sch\var/,er FiirlMinjjf.
Sic sind mildc und \\eich, ^elien beim Anhauchen eincn llioni^cn (ienirh und
iinisehliesscn einerseils (iliininerblaUchen, Aui;it und llornblendciki'sslalle. souie
MajAneleisensleiiikonier, aiidcrcrscils Ilohlriiume, \\elelic (lurch nianehcrlci /eo-
lilhe und (larhnnate au.s^dnlll sind.
In enusler Verbinduni; mil den bcsehriebenen I'lajiioklas-Basalten slehen
/.ihlreiche hasallisch<- |.a\cn. In pelniuraphischcr Kc/.iehuni; stimmcn beide
/.urn Theil so \ollkiMiimen ilbcrcin, dass nur der cr\\eisliehc /usaiimienhaiiL;
mil einem Stralo\ ulkanc als enlschcidcnd filr die ciicenlliche l,a\anatur licllcn
kann. Die Hasaltla\cn besil/.cn an der Ohei'lliiche dcr Slrome fast durcliLiiin.uii;
cine sehl;iekii:e. piirn>e Aiisbildnni:s\\cise, \\iihrend die inncren Theile der
Slruine cine \olli- coni|)aele, sli-iiuirliue Ueseliall'enheil /.eii;en.
Die Uageruogjrformen des I'hmioklas-Hasallcs sind dieselbeii. \\ie die der
bercils besprocbenei) juniicrupliNen <iesleine. Kr trill in Kup|)en (homouenen
Vulkanen , (liin^cn, Slromen und Decken auf. Lel/.lcre sind x.uweilen in viel-
facher WiederholuDg Uber einander i;elai;ert und bilden dann formliehc hori-
/onlale Sehichlcn-Sxslcme. Ks isl dies namenllich in Island und aid den sehol-
7(i II. Petrbgraphische
tiseheii luseln dcr Fall. An sehr \ielen Punklen seines yorkonimens besitzt
der Basalt cine aiisgc/eiclmet regelmassige, saulcnfbrmigc oder kugcligc Abson-
derung.
Die Kruptionen dcr Plagioklas-Basalle fallen ihrcr Mehrzahl nach in die
Terliarzeit, daucrn aber and) in dcr Jet/lzeit noch fort. Sic haben die \\ei-
Icslc ycrbreilung von alien basallischen Gesteinen. Zu ihnen gehbren die mei-
slcn BasaltduivlibrUclie dec Rlicinlande (z. B. Wcilberg, Oelberg im Siebcniie-
birge, (lasscler Ley, Unkel , Leiberg, Minderberg, — Landskron , Ntlrnberg in
der Eifel) , so\vic 1 lessens (Stillberg, Bausberg im Habichlswalde), ferner \icle
bbhniische (z. B. bohmisch Leipa, Walsch), endlich alle Basalte ^Scholllands
und der llebriden. Von hierher gehorigen Laven sind die des Aetna and die
Basalt la ven der Auvergne zu erwahnen.
53. Nephelindolerit und Nephelinbasalt.
Der Nephelindolerit ist ein krystallinisch korniges Aggregat von Ne-
phelin. Augit und etwas Magneteisenerz. Der grilnliche, graue oder gelbliche
Nephelin ist meist in krystallinischen Kornern, bisweilen in deutlich hexa-
gonalen Siiulcn ausgebildet und an seinem muscheligen Bruche, seinem Felt-
glanze und seiner Zerselzbarkeit in Salzsaure zu erkennen. Der Augit ist
sch\varz und gewohnlich in Krystallen ausgebildet. Das Magneteisenerz er-
scheint in sehr feinen bis erbsengrossen Kornern oder Octaedern. Das Gestein ist
theils grobkornig, theils feinkornig und zeigt bald den Nephelin, bald den Augil
als vonvaltenden Bestandtheil. Von zufalligen Gemengtheilen kennt man Apatil
in \\eissen, dilnnen Saulen und Nadeln, Olivin, Titanit, Nosean und in s( 1-
lenen Fallen Sanidin. Der typische Nephelindolerit ist in Deutschland an /.wei
Localitaten aufgeschlossen , am Katzenbuckel im Odenwalde und am Lb'bauer
Berge in der Oberlausitz. Am Katzenbuckel treten sowohl fb'rmlich granitarlige.
wie porphyrartige Varietaten des Nephelindolerites auf. In letzterem Falle
\vird das Gestein hochst feinkornig. zeigt bei mikroskopischer Untersuchung
ausgezeichnete Mikrofluidalstructur und umschliesst grossere Nephelin- und No-
seankrystalle. Der Nephelindolerit von Lbbau ist zum Theil gleichmassig kbrnig
a us Nephelin und Augit gebildet und enthalt zwischen diesen Kornern eine
amorphe, graugrilne Substanz, welche bei starker Vergrbsserung Mikrofluidal-
structur aufweist. An diese Gesteine reiht sich das venvandte, aber neben
Nephelin und Augit Leucit, Feldspath und Sodalith fiihrende Geslein von Mei-
ches in Hessen und endlich die Nephelindoleritvarictat von Oberbergeti am
Kaiserstuhl an, welche ein kbrniges Aggregat von Nephelin. Augit, Nosean.
Magneleisenerz, Plagioklas , Sanidin, Melanit und Apalit ist und hier und da
kleinc Parlien von glasiger Zwischensul)slanz umschliesst.
Der Nephelinbasalt ist eine schwarze , dichte , zahe Gesleinsmasse.
\velchc sich in ihrem Ausseren (lurch Nichts von dem Plagioklas-Basalte unler-
scheiden liisst. Unter dem Mikroskope zcrfallt die anseheinend homoucne Ba-
saltmasse in ein feinkbrniges Aggregat von Nephelin, Augit. Olivin und Magnel-
(Mscncrx. neben \\elchen sich auch elvvas Plagioklas und Lcueil. endlieh kleine
Blattehen \on Magncsiaglimmer und Saulchen \on Apatit eiiislellen kbnnen.
(llasartigc X\\ isehensubstanz, welche einen so \vesenlliehcn Anlheil an dcr Zu-
II. Petrographische (ifolo^ic. 77
samiiirnsrt/ung des PlagioUas-Basalte nimml, spielt bei den NVplielin-Basallen
iiur eine hiielisi untergeordnete Rolle, olme dass ihr Vorfcomraeo innerhalb der
Irl/leren giin/lieh ausgfschlosscii 1st.
Als miltlerc ehemischc ZusammensetXUDg der Xephelinbasalle ergiebt sich :
Kieselsaure 'i'-\. '•'>•>. Thonerde Ml. .'in. - Kisenoxyd und Kisenoxydul 11,20,
- Kalk 10,62, -- Magnesia 4,:{">. Kali 1,95, — Natron 5,40, — Wasser2,f>8,
Specilischrs (i.-ui.-ht e,9 — 3,1.
Porph\risch \\ird der Nephelin-Basalt, \\CIHI aus dem dichten (ICIIUMI^C
cin/cliu1 Lii'iis.sfi-f Nepfaelinkrystalle lu'i-Nortivlon. Audi Idasiiic und mandcl-
sU'inar(ii!c VaritMatrn, SO\N it' Ncphclin - Hasalt- La\ t'li koinincn vor, lei/err na-
nuMitlicli in der Um^clmni; dcs Laac-lici' Sees und in drr Kifrl. Sit' zoiclinen
sich dmvli ilin-n Mcii-lilliuin an Melilitli und die helfiichtliclu' Ht'ini(Mi!;un^ \ on
MaiiNii aus l.a\aslroiu Mini Nicdeniicndiii. des JJellerluM-jj;, llochsiinmer.)
Die Nephelin-Hasalte ei'reiehen /\var nicht die VeVbreitung der Plaiiioklas-
Basalte. sind jedoeli noeh hiiufiger als die Keueil-Hasalte und naehiiesviescn an
der IMlastrrkaule ini Thiirini-er \\ahle , Kohlbacli Jiei Bayreulli' , .loaeliiins-
tlial, Speelilshausen, Seheiheidierg (Erzgebirge) , Kosakovv, Tichhmil/ lioliini.sche.s
MillrL'eliirirc' . Kaltennordlieiin (HhOn) , Sinsheini Baden) , Auerbach (Beri:-
slrasse u. a. 0. Hire Eruption ftillt in die Terliar- und Posttertiar-Periode :
sit> hilden I,a\aslriinit'. (i.inuc und isolirte Kuppen.
ii. Leiicifophyr und Leucitbasalt.
Der l.cuciloph\r oder Leueilporplixr ist ein krystalliniseh kb'rniges Aiigivgat
von I. eucit, Auirit und Majineleisen, zu welehen siclj Neplielin, Olivin und (iliin-
nier in ijerinijen Mengen iieselien. Diese Mineralien bilden eine aiiseheineml
diclile. mil dein noch /.u besehreibenden Leucitbasalle identische, aseligrnue bis
riidilich iirauo Grundinasse, in \velcher rinjis ausgebildete erbsen- l>is liasel-
nnssurosse I.eucilki-xstalle von izraulich-weisser Fai-be, sowie seli\var/e oder
dunkelgrUne Auuilkr\slalle. lu«ir und da auch weisse, gla'nzende Nephelinsaulelien
einiie\\aehsen sind. Die Leueilkrystalle des Leucitophyres umschliessen in ihrer
Masse kleine Sclilackenkorner oder siiidenforinige Augitkrystiiliehen, so die von
Ci\ita an der Tiber und von Rieden bei Laach. An lel/,tgenannter Localitiil
[rill auch Nosean als svesentlieher Gemengtheil der Leucitoph\re auf. Kr er-
sclieini in schwiiry.licli-iirauen, durch Verwitterung hellgrauen Granatoydern von
I — 5 Mm. Grb'sse neben Angil- und I.eucitkrystallen in einer feinkbniigen (iruntl-
massc BUSgeschieden. Die Leucitophyre sind lianplsaehlieh an die neueren Vul-
kane llaliens gfbnnden und nanientlieh im Albaner (Jebirge und am Vesus
\eilireitct. Doeli erseheiiien dieselben auch als lose Blocke irn Tuff, sowie au-
steheiid in der rmgegend des Laacher See's. Auf das Vorkomnien von Leu-
ciUiphsreu im Kr/tzebirtie, \velehe augenselieinlich in naher Be/iehung '/.u den
dorligen l.i-ucitliasallen slehen miissen, \\t-isen die 2 — S Cm. grossen P.sciidonior-
phosen naeli I. eucitki \stallen hin, als deren Fundort Bb'limisch- Wiesenlhal l»e-
kanul ist.
Als mitllere chcinisfhe Xusaminensel/.ung der Leueitophx re ergiebt sich:
Kieselsiiuiv iH,88, — Thonerde 19,50, -- Kisenoxyd und -oxydul 9,24, — Kalk
S.SC.. Magnesia 1.90, — Kali f>,:>2, Natron 4,36, —Spec. Gewicht 2,5—2,9.
Der I. cu ci I basa It ist ein schwa rzes, scheinbar dichtcs Geslein. welches
in seinem Ausseren \nn dem 1'lagioklas- und Nephefinbasalt niclit y.u unler-
seheiden ist. Krsl aus der mikrnskopischen lTnlersuchung gehl ihre Versehie-
denarligkeit hervor. tTntcr dem Mikroskope erueisen sich die Leucitbasalte
f.isl dureliweg ;ils gleiehmHssig feinkornig atlSgebiMet, die amnrphe glasige Grund-
m.iNM'. \\clchc bei den I'lagioklasbasallen cine so wichtigc Rolle spit-It, ist bei-
nahe Nollkoiiiinen yersrli\Miiulen. Das l.riicithasalliiiaizina ist dciunarh in \oll-
StShdigerer NVcise als |>ci den l;eldspalhhasalten und x\\ar anf Kosten der anior-
plien Suhstany. y.ur ki'Nslallinischen Atisbildung izelan^l. Die niikroknslallini-
schen (Jeineiii'theile des (\pisclien l.ciicilliasaltes sind Leucit, Augit, Olixin mid
MagneteiseneTZ, \vo/u sich eine L:ei:eii den \or\\allenden I.eiicit stets /uriiek-
tretende Menge von Nephelin gesellt. Die Leucilhasalle sind pe\\i)lmlirli \oll-
koininen feldsj)athfrei, Glimmer tritt in niikroskopischen Bliittchen ein. ebenso
hior und da Melililh.
In mikroskopisch untersuchten DilnnschlifTen trill der Leucit durch die
chai-aktcM'istische aehtseilige Umgi*en/ung seiner Krystalldurchschnitte und die
einfache Strahlenhrecliung seiner fnrl)losen Subslan/ hervor, y.eiclmet sich alte-r
ausserdem nocli durcli die Eigenthilniliclikeit aus, freindartiiie (Ani;it-' Niidel-
ehen und (Schlacken-) Kornchen in grosser Menge zu umhiillen und sic x.n
zwingen, sich innerhall) seiner Masse zu einem centralen Haufchen oder in Zo-
nen zu gruppiren, deren Durchschnitt ebenfalls achtseitiiz oder rundlicli isl
(siehe Fig. 1 pag. 26).
Uber die Strnctur und Lagerungsverliiillnisse des Leucitbasaltes gill das-
selbe, was in dieser Beziehung iilier die Feldspathbasidte gesagt worden ist.
Illtenso \vie diese konnen auch die Leucilbasalte durch Annahme cines grolie-
ren Kornes doleritiihnliches Aussehen (z. B. bei Gross-Priesen umveit Aussig .
sd\\ie durch das Auftreten grosserer, krystallinischer Ausscheidungen, porph\r-
arlim-n Habitus erlangen. Verliert der Leucit seine mikroskopische Kleinlieit
und erscheint er in grosseren Krystallen innerhall) der dichlcn Basallgrund-
masse, so entsteht Leucitophyr.
Die Verbreilung der echlen Leucitbasalte ist, soweit bis jelzl ermittell.
eine sehr beschriinkte. Dieselben sind nacligewiesen bei Schackau Hliiin . bei
Sidlpen, an der Geisinger Kuppe, am Pohlberg (Erzgebirge), bei Tichlo\\ it/,,
am (isllichen Abhange des Milleschauer. bei Boltueil (Kaiserstuhl) , an der
Stopl'elskuppe (Thiiringer Wald).
Xu den Leucitbasalten gehiiren auch die basaltischen Laven der rmgegend
des Laacher Sees und zuin Theil auch diejenigen der benachbarten \ulkani-
schen Kilel. Hire llauplgemengtheile sind unzweifelhafl Augit und Leucit, einige
derselben zeiclmen sich durch einen grosseren (iehall an Melililh. andere durch
Beimengungen von Ilauyn aus. Krslerer bildel niclit nur einen Reslandlheil
der Grundmasse selbsl, sondern ist auch in den I'oren und an den \\andun-
gen dei- Blaseni'iiume auskryslallisirl 'llercheidierg. Mannebacher l.e\ am l.aacher
See, (]apo di Bn\e bei Bom .
... Tacliylyt.
Tach\l\l isl cine sch\\ai/e. daMge. obsidianai li^e Modilication der Ba-
II. Petrographische ticolo-ii-. 1\)
saltgesteine, \\elche sicli namenllich nalie an den BegrenzUDgsflttcheil gangarliger
Vorkoiimirn MID t'einkiirnigen Hasallen aui' Island uiul Arran, ferner als (ilas-
krusle an den Innenwiinden \on Blasenraumcn so\\ie in Gestalt ncslarliger
Kinschlilsse iin Basalle /. H. des Vogelsgehirgcs und von Dransfcld lindet. Bei
mikroskopischer rnlersuchung /eigen DiinnschlilVe dcs Taeh\ l\ les in der dunkel-
hrauiUMi, glasigen Grundmasse ausserordentlich /.ierliehe, sdiwar/c, farnwcdel-
iihnliclif Anhiinfunizcn von srliwar/hraimcn, nindlichcn Kornclicn und spil/.cn
Kcilclicn, so\vio Massizriliu1, ladcnfiinniizt', au^itisclic Mikrolithc, aucli \\ohl \rr-
cin/.t'llc .MaLiiiclfist'nkiinicr, Ncphclin- und Auiiitkr\slallo.
Feldspattlfreie, massive. jj;cincngtt' krxslallinisclic (icslcinc.
(ireiseu.
DI-I- (JrcisiMi ist fin kornigos Aiztircuat von vorwallcndcin heligrauero Onar/.c
und \\rissnn. lii'aucin, lielhlicluMU odor turiiulirlu'in (JliinnuM* (moist Lilhion-
gliinincr . - cine feldspatblreia Modification des Granites, in \vclchcn or duiich
Aufnalnnc von Fcldspatli slellenweise wirklicl) ill)er^ehl. Als wichliiislcr seiner
y.ufiilliuen Geroengtheile tritt Zinnstein zuweilen feineingesprongt auf, welcher
ausseideni den Greisen in GiJngen und Schntlren durchsetzt (ZinuwaM ini Kr/-
izeltii^e, Schlarkt n\\ald in Bohinen, Cornwall, Banka). Der Greisen l)ildet Slb'eke
iin (Iranil. ist ein inassiges (leslein ohne Spur von Schiclitunii, dahingeg9D mil
unregelmftssig poly^drisoher Zerkluflung.
Mil dem Greisen nalie verwandt und vvie dieser durch rehergiinge eni:
init dem (Iranite verhunden isl das Z w i tie rge stein (StockNvei'ksporphyr),
\\elclies aus einer feinkornigen his dichlen, eisenschQssigen, (|iiar/igen Grund-
iiiass«i l»esicli(, aus welcher Clilorilschuppen und ein/elne Quar/.korner hervor-
ireicn und die von Arsenkies und Zinnsleinkornchen impriignirl ist. (Alten-
Ix-rii iin Jiiv.i:el»iri:e.
Turinaliiifels (Schorlfels).
Dec Tiinnalinfels ist ein Aggregal von graulieli weissen Quar/kornern und
scli\\ar/en Tunnalinkiirnern oder-Nadeln mil schieferigem, dichlem oder kornigein
Gefllge. Unter seinen /nfalligen GemengtkeHen sind Zinnerz, Arsenkies, Topas
und Glimmer hervor/uliehen. Mil dem Granite ist der Tiinnalinfels durch
Iin inalintiilirende GranitvarieUilen und durch orlhoklasfilhrenden Turmalinfels
eogverknttpft und hildel gewohnlich die a'usserste Umgren/unt; der lurmaliii-
nihrenden Granite, kann aber au(;h selhslaiiilig, slock- und ganglormig andere
Gesleine dnrchset/.en. iConnvall, Kibensloek iin l-lr/gebirge.)
tt Eklogit. (Omphacilfels.)
Der l'<klogil isl ein kiirniges oder porpli\ risches Aggregal von grasgrilnein
Smaragdit oder von Omphacit und rolhem Granal, /u welehem sicli als
/ufallige Gemengtheile blauer Cyanil, \\eisser dimmer, Hornblende, Magnet-
eiseneiv. u. a. gesellen konnen. V.r bildel slockarlige I'arlien in (ineiss und
GKmmerscbiefer und isl sehr geuolmlieli mil Serpentin N^ergesellsehal'lel. bei
.Milnehberg im Fichtelgebirge. an der Saualp in Steiermark, bei Waldheini irn
GFaouHtgekiffge.
SO II. IVlrni<r;i|>liisrlii'
5!). (JraiiatfVK.
DIM- Gamaliels isl ein kryslalliniseh kiirniges Gemenge \on meist vor-
herrseliendem. braunem oder gelblichem Granal and dunkeler. Hornblende,
/.u \\elehen sich gevNolinlirli nodi .Magin-lrisenslein iieselll. Kr Iritl nur selir
unlergeordnel in unregelmiissigen Kinlagerungen und Giingen mil'. /. II. bei
Schwanenberg, Berggieshiibei, Bhrenfriedersdorf in Sadism; bei Joachimsthal .
Hires ausserordeatlich beSOfalUnkten Vorkoinincns NNCLTII kiimifn liicr nur
kur/ crwiihiit \\«'i-(lfii :
Kinzii>it, ein krystaUinisehes Aggregal \<in srlmawm GlinnntT, (iranat
und Oligoklas (Schwarxwald, OdcnNMild.
Cordicri tl'ols (Dicbroitfels), A^iviMt \dii hVldspatti, Conlierit, Granat
iiinl ft\\as <Jliiiinit'r Krifhsifin im Granulitgebifge .
Du nil, ein knstalliniscli kiirui^cs ALiiin^al von lielhttrUniMi Ulivinkornern
mil (iliroiiKMscnslt'in-OctatMlcrn (Neu-Seeland).
Lhcr/ol i t li , ein kornigos bis dichtes Aggregdl von vorwaltendem grunena
Olisin, und graulich brauncm Knslalit. EMnvie smaragdglHoem Diopsid Pxivnaen,
Nassau).
Kulysil, ein Ai^grecat von vorwaltendem Olivin, so\vie »rQnein Auait und
hraunrotlifin (iranat (Tunabera; in Sch^eden).
-2. Alithfilung (der gemeneten krystallinisohen Gesteine). Geschichtete Gesteine.
60. Gneiss.
Der (ineiss ist ein (laseriges bis schieferiges Aggregat von Orthoklas und
zuin Theil Oligoklas), Quarz und Glimmer. Ks sind dies die' Gemengtheile des
(iraniles, so dass sicli beide Gesteine nur durch ihre Structur unlerscheiden.
1'eber die Gemenglheile des Gneisses gilt daher dasselbe. was ilber die des
Granites sub 28 gesagt wurde.
Die Structur des normalen (ineisses ist zwar MHV.ugsNNeise eine (laseriue.
ist jedocli je naeh der Menge des in ihm enthaltenen, die Schieferiukeit und die
gesammte Farallelstructur bedingenden Glimmers Niellaehen Modilic-ationen unter-
\\orlen. Naeh diesen unterscheidet man:
Gemeinen oder ge\\ ii li n I iehe n Gneiss, der Glimmer bildel ein/elne
Schappige I.amellen, welclie /.iemlieli parallel /wisehen den l.agen son kiiniip'iii
I'eldspalh-Ouarx-Gemenge liegen .
Flaserigen Gneiss, das kornige (iemenge von Feldspalh und Quaiv.
hildet lauler einzelne, unregelmiissig linsenfiirmige Parlien. an \\elehe sieli
dUnne Lamellen von Glimmer anschmiegen. so dass sie aul' dem Qnerfaruoiw
als wellig gebogene Linien erseheinen , deren Undiilationen rtellenweise /.u
gegenseitiger Bertlhrung geiangen. \\iilirend man auf den Spaltunizslliielien nur
die (ilimmerlagen gewahrt.
Schiel'erigen Gneiss, der Glimmer bildet /.usaininenliiiiiueiide. diinne
parallele. elxMilliirhliehe Lamellen, \\cldie die ein/.elnen Lagen \on korniger
Pekispath-Quarzinasse trennen.
(i ranit-G neiss. mil nur iindeullich flasei-iuer oder schieferieer Slrudur.
II. IVlru-iMpliischi- tu-uldiiie. 81
I.. i .u c ni; no iss, aus aim ediselndeii ijinimrnvidien und ulimmerarmon
Liiit'ii Itestehend.
Cor nubia nit, ein diehtes. korniu sdmppiues (iemenire tier (ineisshesland-
Iheile, (lessen I'arallelslruelur iiur noch an der lai;en\\eise ah\\ echselnden Farlie
mid G rosso des Korncs /.ii erkennon ist.
Sta nueluneiss, die Gemeni:tlieilo sind in dor Sdiicferun^sebone n.icli
eincr Hichluni: sl;ini:eliiz aniioordnel (izeslreckl) .
PorphyrartigeD Gneiss, aus dem sdiioforiuen Gemeniio trelon ciny.einc
i:rosse Oi-llioklas-lndividucn jxii'pliN I'iscli hcrvoi1. /ii\Ncilcn iifhnicn sic cincn
linseDlbrmigeD I'mriss an. \\ahrcnd sic'h die GlinHnci-hliiltclifii NNcllii: an die
sclhcn anscbmiegen j man ncnnl dicsc Vai'icliil A n ^c n ii n c i ss.
An /ul'iilli^cn Gemengtheile^ ist der Gneiss selu1 n-irli ; unler ihnen sind
hervorzuhebcn : (iraphit, (iranat, Tunnalin, Epidot, Zirkon. Ilornl)lende, (ihlorit.
Apalit. Eisenglimmer, Mauneloisenerz und Schwefelkies. Die heiden lel/ii:e-
nannlen l;.r/e Irelen liiiulii; jils Impriiiinationen, ^o\\issennaassen als Wolken
M>n Kivpartikelchon auf, \velelie hestinnnten Zonen quer duivh die (Ineiss-
schiehtenreihe ioluen; man he/.eichnel derarliijo Vorkoiniiien als Fallbu nd e r.
Innerlialh dieser kiinnen sich die Kr/lheilcheii /u Had) Icnliculiircn. , floly.ahnlit'lien
oder slocklunniiien I.aiierstiiilen conccntriren. Gan/ iihnlich \vie dies beim (Ji'anile
der Fall ist, konnen einige der oben auf^e/ahltcn accessorischen Geinenii-
tlieile. neliiiilich lloridtlende, Chlorit, (iraphil und l-'-isenulininier (lurch ihr
H8u6gerWerden \\csenlliclie Heslandlheile des noi'inalen Gneisses vollkoininen
\erdraiiiien. so dass man folgcnde Gneissvarietiiten unlerscheiden kann :
Glininnne ri^ne i ss, bcslchl aus Feldspalh, Quarz und Glimmer, i;ehl durch
Verlusl der scliieferiiien Slructur in (iranit, durch Ueberhandnehmon des (ilim-
mers nnd dadurch seiner Parallelstruclur in Glimmerscliielcr ilber.
Hor n 1>I e n d et: n e i ss (s\enilisrlier Gneiss), der Glimmer isl durch Horn-
blende \ordrangt, kann auf der eineu Seite in Syenitiiranil, auf der anderen
in llnnililendescliicl'cr ilhergehcn.
GrapbitgneiSS, (iraphit \erdriingl den Glimmer lian/. oder /um Theil,
mil GraphHgranit und Graphilschiefer in derselhen ver\Nandtscliaftlichen he-
/ieliuni: slehend. \\if der normale Gneiss und Granit /um Glimmcrschiefor.
Ch lori tiiii e iss, filr den (Jinimer isl Chloril einiielrelcn.
I'll se IIL: I i m meru n e iss , stall des Glimmers Kisoiiiilimmer enthalleiid.
ProtOglDgneiss, cine llaserii: sehieferiire .Modilicalion des ProlOgingranitea,
\\elehe ndicii duiikel^riiiieni Glimmer helluriine Talksrliiippelien entliall. ^Alpi-n .
In inanelien Gnoissdistrieleii, namenllidi ini l-'.r/.uebirtre. hat man bei den
eclilen (iliimneruneissen y.\\ei llaiipl\ariel;ilen unterschieden, den izrauen und
den roth en Gneiss, deren ersterer durehsi-li nil Mich (Hi IVoreiil Kiesrlsaiire. \\eissen
oder iirauen l-'eldspalli nnd /iemlieh \ iel Liraiien (ilimmer, deren lel/.terer
7.') — 7(i I'i'ocenI Kieselsiinre. \ id rothcn Feldspalh und \\enii: \\ eissen (ilimmer ent
hiilt. Itiesr V.irirlalen sind (lurch MiUelgUeder en^ mil einander serkniipll. so
dass man sic nur als hasisdiles und sauersles Glied einer iirossen lU'ihe
\i>n in ihreni KiesdsiinreL:dialle sdiuankenden (ineiss\arieliilen helradilen
darf. Die diemisdie /usammensct/iniL: der (iliminerizneisse helriiiit im Durch-
Ciedner. Elements d. tieologio. (j
s2 II Pet rographische Geologic.
selmillc: Kicsclsiimv TO.XO. Tlmncrdr 11.20, - Kiseno\\ (lii! «>. I (I. - Kalk ;'. MI.
- Kali 3,00,— Natron :MO. \\asser I , ;>0, - ihr speeilisrlies <ie\\ irlil i.«i- 2,7.
Dcr Gneiss isl ein geschichtetes Geslein. (lessen Sehielilnn^ mil der Sehiele -
runu parallel liiul'i : cr \\eehsellauert liiinlii: in regelmftssigster Weise mil (dim
iin'i1-. Boroblende-, (ililoril- uml Graph itschiefern, mil Kisener/en. Kalksteinen.
Serpenlin. Ouar/ilen, llallellinta und tiranilisehen Gesleinen und bildd mil
ilinen abwechsllingsreiche Sdiiehlenreilien. Diese ivpriiseiilircn ill den meisten
Fallen die laurentisehe oder primilive (Jnci.sslonnalinn : mil' ausnaliinsxNrisr
kuinmcii Gneissbilduogen jiinLit-n-n Alters \<>r. \\clchr versleinernngsfiibfende
Scliirlilt'iii'iim|ilf\c iiltcrlaiicrii im Tanniis. in den Alpen. in Scliollland . (irits
sciv Terrilorien laui-cntisclit-r (incissc linden sieh im Kr/izehirue, Hohmen. Miihren.
in den Sudden, im Ix'iltmiseli-baverisrhen Waldgebirge, in den Onlralalpen.
in Sclinlllaiid nnd aid' den llehriden. in Skandina\ ien. Canada, den allanliselien
Staalen von Nordamei'ika, Brnsilion.
<>l. Urannlil \\Cisssiein und Trappgraiiulit.
Der (Irannlit isl oin schid'eritzes (J(Mneni:e \on l;elds|ialh und Ouar/ mil
einueslreulen kleinen rotlien (Jranalen. Der Feldspalh und /\var Orlhoklas
sdlener IMauiftklas) isl der IIaupl1)eslandlheil des (iramdiles und l>ediiiL:l durcli
seine liehlrolldiche. licl)li;ell)lielie und \\eisse l;arlte die (idle l;iirl»unu dieses
(lesleines. Kr hildd eine feinkorniize bis diclile (irundmasse . in \\elrlier
plalle KuriKT oder diinne. oft nur papierdieke Lamellen von Ouar/. in paralleler
\.niH' \ertheill sind, so dass auf dem Ouerbruehe des (iesleines eine deulliehe
Seliiefersli nclur herxorlrilt. Die Granateii sind ineisl in liirseiirossen Kiirnclien
in den heiden anderen Heslandtheilen des Granuliles riniicspreiii:!. Nehen ilinen
ersclieinen nichl selten liellblauc C\anilkr\sl;dlclien. Selir hiiuliii iieselll sidi
zu diosen noch (iliinmer, (lessen [larallde Anordnunu die Scliiererslruclur sleii:erl :
dann Irdrn die (iranaten zurtlck und es enlstehen Z\\ iseheniilieder /.\\ ischen
GiK-iss und Granulil. die (i n e issgra nuli lc.
Als (\piselies Milld der dieinisc-lien Zusammensdxunu erizieht sieli Kies( I
siiure ^4,50, - Thonerde 10,70, — Eiseno\\d uml Kiseno\\dul o.(>0.
Kalk 2,20, —Kali 4,00 — Natron 2,50; -- speeilisehes (ie\\ieht = i.«i.
Neben der aiisue/eidmdeii Schid'tTlini: /.ciul der (iranulil eine sdir re^el
massive SeliidituiiL: : ei- \\echsdlai:erl an mandien Aufseldusspunklen mil Serpen
lin-Hiinken (Waldhoim, Budvveis), an anderen bildd er reiidmiissiije S« liidilen
/.uiselien dem Gneiss (AsdiafVenburiJ:, Bodenl»adi im ostba\ erisehen (iren/izebirue
und tiehiirl an den meislen Punklen seines Aul'ti-dens der a/.oisclien Formalions-
reihe an. In Saehsen bildd er am nonKveslliehen Abfalle des Kr/uebirues
eine •'• Meilen laitiie und 2V-2 Meilen breite Kllipse siiehsisclies Graniditgebirge),
in Holmieii (rill ei1 bei Budweis und im Kiierlhali1, am Main bei AschalVenburi:
ebenso \\ie in Nieder-Osterreieh x.\\isclien Gneissen und Graiiiten auf.
In sidi \ielfach \\iederholender Weelisdlai'enniii mil diesen normalen.
hdlen Gi'anulilen Sadiseiis ersclieinen nameiillidi /uiselien I'enii: uml Hochsliuru
in sdi\\aehen oder bis fiber Meter slarken. sdiarl bciiren/.leii I'lallen und
Banken uriinsdi\\ ar/e T ra ppjira nu I i I r. Hestelien erslere fast nur aus
Onar/. und Orlhoklas. s,, hjssi die mikroskopiselie Untersuchung dcr Trapp-
II. lVtroi:r:i|»lii>rlie (.icolojjio. V,
i:iMiinlite erki -mien, tlass deivn Bauptgemeoglheile Ouar/, plagioklastischer Fdd-
spaih. .Maiuieteisener/. fin prunes, glimmerartiges Mineral und tnehr oder weniger
reichlichcr (iranal sind. Die nranathallii;cn TrappgranolUe /.ciijcn /.inn Tlieil
inleressanlc (Jruppirunuen ilnvr Klemente. In ein/elnen Dilnnsehlillcn siehl
man jedes (iranalknrnchcn von einer liehlen Quarz-Feldspath-ZoDf niniieheii.
in andcrcn sind (dimmer mid MaLMieleisener/ radial inn den (iranal ani;cordnet.
DIM- l-'eldspath nnd Ouar/. slrol/l \mi Mikrolilhen so\\ ie \on (Mas- nnd Slein-
einschlilssen. Das (\pisclic Millcl dt-i' clifinisclicn /nsaininrnsi'l/niii: dcr Triipp-
izi-annlilf isl : Kicsclsiiinv :>:>.:{l>. Tlioncrdf r.{,(><', - Kis»'no\\d nnd Kisrn-
o\\iliil li. !»»'>. - Kalk.-rd.' I(».IM). .Magnesia T,l 3, - \\ass.T 1.7(1. Die Trapp-
Ijr.innlilt1 .sind drslialh \\i-it hasisclicr als die normalen (iranidilr . cnthallcn
stall «lcr Alkalirn lit-lriichtliclic Menken \on Kalk und Magnesia und sind srhr
ividi an Magoeteisenerx.
62. II ill I. -Hi nt a.
Die llallcllinla ist cin dichlcs. anschcint'iul hoinoi;t'nt's (icstcin von fclsit-
arliLTt'in Anst-hcn. \\cldics ans inniu mil cinandiT verschmoj^enen, DQikroskopisch
klfini'ii 1-Vldspatli- und Ouar/koi'iirlicn, zuin Tlieil mil trincn (iliinmer- und
Chlontschtippchen, Ix'siclil. Ivs ist in abwecbselndeia Laizcn uran. ^clhlicli, liriinn-
lich odrr i:riinlich bis scli\\iii7.lich yrlarhl, wodurch os anl' dcm Oncrhi iichc
handarliu ut'.slrcill ••rsclicint. Scin Hruc-li ist splilh'i'ii; his iniiscliclii:, schiin-
end IMS mall, sfint- Fcsli^kcil si-lir hcdcntt'iid. \or dcm Liithrohr ist es
in dilnncn Splittcrn schmcl/.har. Die llallcllinta ist als cin (jfticiss /u bclraclilcn.
dcsM'ii hcstamllhcilc /u miki'oskopisclicr Klcinhcit herabgesunken nnd IcIsilartiL;
innii: \crschmol/cn sind. so dass das (icslcin apliiinitische Structur angenommcn
hat Daranl \\ciscn ancli die l.aiicnmizsvcrliiillnissc dcr Iliillcflinta liin, indem
sic mil den lanrenlisclieii (Incissen /. 15. Skandinax iens \\ee|isella^crl und reher-
iliiiiiic in diese hildcl.
»ii Torpliyroide (Flaserporpliyre).
Die I'orphyroidc lieslelien aus cincr splillerigen, feinkdrnigeo bis dicliten.
felsitahnlielien (Inindmasse. \\elrlie dureli dilnnc l.a^cn. IliiuleliiMi oder I .a
melleii von Glimmer oder cincin Lilimmeriilmlichcn Mincrale cin llascriiics bis
ausLic/eiclinct scliiclci'iiics (uTilyc crhiill. nnd in \\clelier kr\slallinisehc Koi'ncr
oder Krystall-Icfdividueil \on l-'cldspalh und Unaiv. ans^eselucdcn lichen. Die
l'orpl»\roide /.eielnicn sieli deinnacli im All^cmcincn dnrcli ihre eombinirl sehieferii:
porpl)\risehe Slruclur aus. iiclicn jedoeli local (lurch Xuriieklrelen dcs die Sehiel'e
IUIIL: bedin.-endcn (Ilimmcrminei'ah's in (iestcine \om Aiissehen eines massi^cn
Onar/poi-plnrcs. an andercn Slcllen (lurch (iroherwerden dcs Kornes, \\oneben
die porphyriscli ausgescbiedenen [ridividoen \ersch\\indcn. in gneissartige (le-
stcinc, /.. H. Scricilizncissc'; ilber. Der l;cldspalh ist cnl\\cdcr Orlhokla.s
Orthoklasporpbyroide dcs llar/cs und MiehiL'an.s oder Albil (die Scricil -Adinol-
Schicrcr dcs Taunus und der Ardcnncn) und bcsil/.l \\eisse, Lrelblichc. riilh-
lichc, lleisch-, rosa- bis corallrolhe. y.u\\cilen auch uranblauc Kai'bc. Die |">i
phyrisch ausizcschiedcncn Indixiducn sind cnt\\cdcr rccianiinliiiv I'rismen oder
iL-e' Krxslalle: die frisehcn Albilc /.cii:cn meisl deulliche /\\illini:s-
Dcr Quar/ M ^e\\i»lmlicli i-auchi:rau bis dunkclblauiirau L'clarhl.
^ I II. Petrograpbische
l>esii/i .starkeu Fetlglanx. imiseheligcn Hruch und nicht sclten dihexa&drische
I-'nnn. Das G I i in in c rni i ncra I ist cnl\\cder I'aragonit Michigan, oder. und
z\var gc\\ ohnlich. i:elblich griiner, fetlgliinxcnder. talkiihnlicher Sericit Srricilpor-
plm-oide do llar/es und des Taunus).
Die l'orph\roidc siml nainenllich in der Taunusketlc. in dcr Lennciiegcnd
in VA'eslphalen. ini Seh\\arxalhalc ini Thuringer Walde, UN Oslharxc. ;inl' der
Olicrcn lliilliinscl \«m MicliiiiJtn als untcriiconliictc (ilicdci- dcr dc\onisclicn.
silurisrlicn und huronisclicn Scliidilcnrcilic (Milu ickelt.
i.i. (lliinniorseliiefcr.
Dei1 (iliimiicrsrliicfcr isl cin sdiicl'criLics AIILMVIM! \nn <Iliinincr und Uu;irx.
dcrcn HeDgUDgSverh9ltni8S x\\isclicn xsvci cxlrcincn EndgHedern scli\\;inkt, \on
dcncn d;is cine f;ist iiur aus Gliinincr, das andcrc fast nur aus Ouarx Ix-stchl.
(Jiiiir/schict'cr . Der Glimmer isl in dcr Rcizel bellfarbiger Kalitiliimncr, xu-
\\tMlcn dunkclcr Maiiiicsiaiilinuncr und noch scllcncr NatTODgli miner. Die fllim-
iiicrschiip])cn und -Hliitlclicn liegen parallel und hildcn xuin Thoil xusammcii-
b^ngende Merobranen und Lamellen, wodurch die ausgezeichutet schieferige Stnictw
dcs GJimmerschiefers bervorgerufen \\ird. Auf den Schicbtungsflachen gewisser
Varicliitcn dcs Ictxteren, welche man Faltenglininicrschiefer nennt, trill nicht
scllcn cine xarlc parallele Faltelung der Glimmernicinbranen hervor. Der Quarz
lici:t in Gestalt kleiner Korner, flacher Linsen und diinner parallelcr Lagcn
xNvischen tlem Glimmer, so dass er nur auf dem Querbruche des Gesteincs
crsdicinl. Glimmer und Quarz haben sich zuweilen in cinxclne Lagen L:C-
sonderl, so dass dilnngeschieferte Glimmerlagen mil solchen von Quar/ ;d>-
\\ecliseln (Lagenglimmerschiefer) . Die Farbe des Glimmerschiefers ist durch
den Glimmer bedingt, demnach bei vorwaltendem Kali- und NatroDgUmmer
lu'Mgrau oder gelblich grau, bei vorwaltendem Magnesiaglimmer dunkelhraun
l)is schvvarz. Der Kieselsauregehalt des Glimmerschiefers scliwankl jc nadi
dcr Menge des Quarzes zwischen 40 und 82 Procent.
Von scincn xalilrcichen zufallicen l^cslandtlicilen sind hervdrxuliclien : vor
Allcm rolhcr odcr brainier Gi'anat, der cin liochsl cliai-aktcrislischer zufalliiier
Gcnu'iiglheil fast allcr (ilimmcrschiefer ist, Turmalin, Feldspath, Hornblende.
Staurolitli, Cyanit, Kpidot, Chlorit, Talk, Gra])hil, Eisenglimmer, Magnciciscn
crx. Schwefelkics. Gold. Durch das Ueberhandnclmien ciniizcr dcr genannten
/ufiilligen (icnicnullicile des Glimmerschiefers gchl dicscr. indcin jene den
Glimmer vcrdriiniicn. in andere (ieslcine (ihcr. So durch i:eslcigerte Aiifn.ihiiic
von Chlorit in Chlorilschicfer. von Talk in Talkschicl'cr. von Turmalin in Tur-
malinschicfcr, von Eiaenglimmer in EiseDgliminerschiefer , MID Kcldspaih in
Gneiss, \<m Hornblende in Hornblendcschiefcr. \on Gra|)hil in Graphitsehiefer.
\\odurcli /uglcich cine ciiiic Verkniipfung mil ge \\ i ssc n Graniten. s\cnilischcn
Granitcn und (iraphitgranilcn lier^cslclll \\ird. \Nelche den sedinienliircn. niclil-
cruptiven rrsprunu dicscr Iclxtcrcn be\\cisi.
Den eigcntlichen Glimmcrschicfcrii reihcn sich an:
die Paragonitschiefer, NatroBglimmerschtefer \on licbtgriinlicher odcr
hcllL'clMichci l-'iirbiniL; Si. (iolthiirdt. Michiii.in .
II. Petrographische (icoloine. s,">
die A mph i In- ilx-li ic ler, /.arlschuppiucr. Iclligcr. urunlich \\ci.N.scr Glim-
mersehiclcr dcs Xillerthales mi! iiur i<> IVoeent kieselsaurc.
die Sericilglinimers.ohiefer, parallele Lagon mid llaehe l.insen \mi
dichlcm. honisteinahnliehcm. seltener knslallinisohem Oiiar/.c \\cchseln mil uelb-
lich LuMinen bis dunkellauch^nineii. tallUihnlicben Sericitrnembraoen, dcncn x.u
\\eilcn silberueissc Glimmerblallehcn und dunkele ChloriCschUppcheb eini;c\Ncbl
Mini. MI d.iss fin gebiinderlor Owrhnirh cnlslcht. Tauiiuskcllc. Ohrrslcxcr.
die K ;i I kj: I i in iiMM'sch ii-l'c r, cin/cliu1 l.jiiucllcMi, La^on odcr llarh linscn-
I'urini^c I'arlicn \on koniip'in, xuni Thcil doloiuilisclicin Kalkc wcrdcn \un
parallel lic-nidcn Scliuppcn , Hasrrn. Mciiilti-aniMi mid Laiicn \on (iliiiinirr
durchzogen, \M>durch cine schr vollkoninicii dick- odcr dttnoachieferige Siruciui-
licr\or^clirarlil \\ird (siclic auch sul> ;i? a). Dcr (iliinincr kaiui ancli hicr /.inn
Thcil odcr ^iiii/.lich diii'ch Talk, Chlorit odcn1 Soricit, sovvic durch diinnc i;lan-
/.cndc .Mciiihrancn von hlauui'aucni Thonschicrcr scrtrctcn \\crddi ^KalkUilk-,
Kalkcblorit-, Kalkscricil- und Kalklhonschiofer).
die (jn a r/. i tsch icfcr; es 1st hcreits ohcn hciniM'kl \voi-dcn, class dcr
(Jiiar/.izchall dcs (lliniincM'sc'hicic'rs so t'ltcrliand nchincn kann, class cin vorhcri1
scln-nd ans Onar/ hcsichendcs (u-slcin, dor Quarzilschiofcr ^childc'l wird, (lessen
Unai7.lai;en durch dilnne Membranen von Glimmer t;clrciin( \\erden uud dor
M'lion frilhcr sub S) als sohiclci'ii;cr Onar/.il angofiihrt \\ordon 1st.
Dcr (Jliiiiincrseliicrcr y.eii;! aiisscr dcr Schieforuni; cine schr aus;j;cpriii;lo
Schichluiii;, \\clehe (lurch \\ 'cchsclla^ci'iini; seiner Vnriolalcn unlor sich so\\ohl,
\\ic mil Ouar/ilen. kr\ slallinischem Kalksloin, Graphit-, Hornblende-, Talk-, (llilo-
ril- und Tlionseliiclern so\\ic mil Kr/la!iorslallen noeli stiirkcr licrvorlritl. l-lr
bildct das llaiipliiesleinsinaterial der untcrcn huronisehen (priinilivcn odcr kr\-
si.illinischeni Schieferformation im bolunisch-bayorischen \Vald^cbii'i;e. in den
Sal/burger und ()berk;inillieii(>r Alpen , am Abl'allc dcs l-lr/^cl tiroes , dor Su-
deten, in Skandinaxien, Nordamerika. Hrasilicn.
c> •"). Thoiigliniiiiersehiefer1, Urthonschicl'er, Pliyllit.
Der Thonglimmerschiefer isi cin aiisgezeichnel Bcbieforiges Gestein \on meisi
ki •\plokr\slallinischor, niilunlcr auch deutlieh roinkornijjior Slrucliir und \or-
\Nicuciid duukcluraucr, ^rUnlichci1 oder seli\\ary.bliuier l;arhc; seine Spallun^s-
M.ichcn bcsil/,cn scidenarliiicn odcr halbniclallischcn (llanz. Seiner inincralisclien
/us.mimonsoty.mii: n.ich bcslchl dcr Thonuliniinerscliierer aus last durchi;;inuiu
niikroskopiseh klcinen Glimmer-, (Ihlorit-, Quara-, und Foldspalh|)arlikelclien :
er isl also cin in scinem korne y.ii ausserslcr Foinhcil horaliLicsiinkener. ue\\ is-
scrmaasson aphaiiitisoher Glimmerscliierci-, in \Nclchcn er auch die deutlichslen
rboruaiiLic bildct. Seine chcniisehc /usammensct/.iini; x.ciiit die uriisste t"nrei;el-
m.issiLikcil. su das> sein Kiesrlsiiurcuchalt y,\\ ischen 45 und 7 'i lYoeenl sch\\ankcn
kann. Die Thondiniincrseliiefcr sind ausgozoichnet schiofcrii^. spallbar und aid'
den SpalluiiLzsllachcn schr hiiuliu |iarallcl ^claltolt. Sic sind reieh an y.ulalli^en
Gcmcniithoilon. \\oloho sich in so conslanter Wciso \\iedeiliolen. dass sic t;anx
beslimmto Gcslcinsmodilieationcn horxorbringen :
Chiastolithscli i e I'e r. cin iiraulioh bis bliiulich sch\\ar/cr. dichler Schio-
I'cr. in \\elehem viele saulonformige Chiastolithkrystalle eingewachsen sind, die
.ml ilnvm Ouerhruehc das charakleristische sch\\ar/e Kreu/ erkcnncn
. Hrela.LMic. I'srenaen, siichsisclics Voiglland).
Sta urolilhsch ic Icr, ein glimmeriger Thmisehirl'cr mil Slaiirolithkr\-
fallen I'xivn. ifii, Tennessee .
Oltrelitschiefer, ein grauer Thonschiefer, in \\elchcm kleine sechs-
seilige. griinliehe Oltrelithliitlchcn eingewachseu sind Ardcnncn, Ha\crn, .M.i— ,,
Knolcn-, F rue hi-, (iar hen- und F leek sell iefer. In den diclilcn.
/ti\\eilen glimmerigen mid I'einsehuppigen Thonschiefeni slcllcn sicli klcinc (lon-
crctioncn von ci^cnlliiimliclicr Hc.scli;ill'cnhcit, l;;n-l»c und lliirlc cin. Sic bildcn
liirsckornurossc Knotchcn Knotcnschicl'cr), liclrcidckorniilndiclic (loncrclioncn
Pruchtsehiefer), bUschelformige Ai:L:rci;;iic (iiirhcnscliicfci' . imhcsiiinmt hc-
i;rciixlc l;lcckc I'lcckM-liicfer). Sic findcn sicli niiincnllicli im Contii<-lc mil
(Inmit und Syenit in den Pyreniicn und am NO. und N\V. Al»t';dl(! dcs VM-
iicbiri^os (\SYcscn.stcm, Wechselhurg) .
Die Thont:limmcrschicfcr scl/.cn im Verein mil kr\sl;illinisclicn K;ilkslcin(>n.
Di.-ibasen, Quar/ilcn und Enlagerst^ten die oltcrcn Nivcaus dcr Imronischen
(primilivcnj Schicferformalion zusammen .Nordabfall des Erzgebirges, Bolmien,
Mahrcn, Alpen, Pyreniien, Skandinavien, allanlischc Slaalen von Norilamcrika .
AnhangsweLse isl hior anzuftlhren :
dor Sericitschiefer (SericilphyllLl), eine dichlc oder iiusserst feinkor-
niuc Modification des Sericitglirnmerschiefers (sub 64), in welcher der Glim-
mcr dcs Thonglimmerschiefers durch Scricit \crtrctcn isl; xu ihm iicsclll sicli
Quarx, ein chlorilisches Mineral, Magneleiscnkornchen und in gewissen Fallen
auch Alhit. Man unlcrscheidct:
a) griine Sericitschi c I'cr \on lebhaft dunkelgrttaer, scllcn ucllccklcr
Farlie, schinimcrnd scidcngliinxcnd his lialhmctallisch glanxcnd, schr ucuiilmlich
gefallclt. mclir dick- als diimiplatlig, xiemlich hart und fest. Durch Ycrwiltc-
nuii: anlanglidi gelh gelleckl , dann ganz gclhlich hraun \\crdcnd: mil \icl
Ouar/.sclmiircn und -Triimern. Sie xcichncn sicli durch ihrcn AlhitgchaU ,ms.
(Ihcmischc Zusammcnselxung : Kieselsiiurc (iO.i^i, — Tilansaure l.'iS'.l. - Thon-
crdc I"), 958, — Kiscno\\d l.ll:{, — Kiscnox\dul i-,939, • - .Magnesia :'J'Tn.
- Kalkcrdc i, 196, -- Kali 2,585, -- Naln.u 6,708, -- Wasscr und Fluorkicsd
:'. Ii7, - Phosphorsiiurc 0,039, Kupfcro\\d 0,051: - Specifi^chcs <;«•-
\\ichl i.TSS.
b) rothe Serici tsch i cfcr von violcllcr, rolhhrauner his kirschrolhcr
Fai-hc. \\cich, seidenailii; glanxend, sicli Icllig anlulilcml. Mil den uriincn siud
>ic durch gcflcckle Varicliilcn cu- \crhnndcn. Sic cnlhaltcn kcincn Alhil.
ChemischeZusammeosetamg: Kicsclsaure •')."), 842, -- Titansiiurc (>,-"> I M. Thou
crdc l-").*i.M. - Kiscno\\d i.S-">T. l;.iscuo\\dul S.:'i7. - M;ii:ncsia I.:{H7 -
Kalkcrdc n. i98, -- Kali (». I :{.">. -- Natron U'.'.tS. - Wasscr und Fluorkics.-l
5.192, -- Specili-M-l.cs (icuiclH i'.S,S;>.
Die Scricit|)h\llitc sind in der Tauniiskcltc. im Oslhaiv.e. in den Salxhur-
I:<T Alpen \crhrcilct. /.ililrcichc Schiefer. \\clchc hishcr al> talkhallig hc/cich-
uet \\urdcn. \\ertlcn sicli uoch als Sc!-icili:cs|ciiie aus\\eiscn.
II Petrographische (irnlumr S7
'•'•. haniliiinit.
Der Itaeolumit 1st cii\ schieleriges (iemenge \on kleinen QuarzkOrnchen
mid Schiippchen MIII (dimmer. Talk, (Ililorit und Sericil. Lcl/lere y.iehen sicli
in paralleled AoordnuDg /.\\isclicn den Quarxkttrncben liindurdi mid brdingen
dadurch die feinschieferige Structur dcr Grundmasse; in einigen Varietttleo deg
llacolumiles sclimiegen sic sich gelenkartig tun die ein/elnen Ouar/kornclien,
\\odnivlidiese eine gewisse Verschicbbarkeit, nml nichi &u dicke GesteinsplatteD
eine ge\\isse Hiegsamkeil crhallen (ielenkipiar/. elasliselier Sandslein . Diese
Eigentbttmlichkeil ist jedoch nielil ;illen llacolumilen iiemeinsaiii, inaiu-he sind,
\\enn .inch /inn Tlieil sehieferiii , docli nichl hiei^sain , sondern inilrhe und
lnMckelit;. noch andere con^loincralarliij:. Die Farhe des llacoluiniles isl \ur-
lici-rsclicnd lielluellt odi-r liclilrotlilich. Als /.ulalli^e (ieiiicnullieile sind xti er-
\\alineii: (inld siidliclie atlanliselie Staaten von Nordainc'rika, Brasilicn), I'liscn
dimmer. Marl it elicndort . La/,nlitli und Until ((leorina) ; eudlich isl der Ita-
culiiniil in Mrasilien und in den Slaalen (jcoriiia und SUd-Carolina das Multer-
uestein der Diamauten. In den ebon \\iedcrholt yenannlen Laudslrichcn trill
der llacolumil als ein Glicd der huronischen Schieferformalion auf.
2. Classe. Klastische (Trummer-) Gesteine.
Die klasiischen Tiesteine sind aus der Wicderablagerung von Trilmmern
und Tlieilen meelianisch zcrklcincrlcr iiltercr Gesteine hervorgegangen.
l. l-ainilic. Lose Acciuuiilntc.
a) I'nul u c I c mocha n isc lie r 7. c- rk I r i n c r 11 n^ (lurch das Wasscr.
<>7 Ssind, Kies, Scifeii, Grus, Geroll, Gescjiiebc.
Der Sa nd hcstchl aus losen, unverbtindenon Kdrnern, meisleus von Ouar/,
.iber aueh von Feldspalh, llornhleiide und Kalkspalh, sowie Glimmerschiippchen.
Manclie Saude. die Ma ii n e 1 1> i se n sa n d e , bestehen vorwallend aus kleinen
Kornclien von litanhaltii;em Mai;neleisenslein, \\elclie mil Fragiuenlen \on Ouai1/,
(Jliminer, Augit, Olivin geinengl sind. Am Attsilusse des Si. Lorenzslromes
uud auf Nord Nen-Seeland bildct er niachliiie. al)l»an\\iirdiL;e, an \ielen andereu
Flussulei-?! und Meereskiisten hesclii-iinklerc Ahlauerungen. Zuweilen sind die
S.indkoruei- in Folgc thoniger oder kalki^er Heimengungen locker /usammen-
gehacken. Frreichen dieselhen die Grdsse ciner kleinen Erbse, so cntslehl der
Kies. KnthaUen die Sand- oder kiesahlagerungen Melall-. Frx- oder Kdel-
steinkorner. so nennt man sie Seifcn, so die Goldseilen (laliforniens und der
Midlidien ill.nilis.-lHMi Slaaten von Nordamei'ika, die I'lalinseiren des lYal, die
Zinnseiren in (loi'iiuall nml anf Hanka, die Diamantseiten Hrasiliens und Sdd-
al'rikas n. s. \v. ( i r u s nennl man Anhiinrnn^en \on erhsen- bis haselnuss-
grosSBD, abgerundeleii oder seliarleekigen (iesleinshrnclistiicken Ouar/grus. (Jra-
nilgrus . Gerolle sind abgerundele. regellos ill»er einander gehiiufle (iesteins
lnMiehsliieke. \. r r a I i sc li e Ulocke oder (iescliiehe sind /u\\eilen nur \\e-
nig ahgernndele, kopf- bis hausgrosve l;ragmenie der \erschiedenartigsten Ge-
sleiii(>, und durch Gletschcr und Mislterge von ihrem Ursprungsorte in ihrc jctzige
ss II. Pet rographischc Geologic
Lage transportirl \\onlen. Werdcn die SandkOrner oder (iemllr dmvh em (le-
nient \erkiltel, so enlstehcn Sandsleine uiul Conglomerate. Die Ablageningen
der Sarnie, Kiese mid (Jerolle gehoren xor/ugsvNeise dm jiingslen Formalionen,
namenllich di'in |, Th. ii\ Dilu\ nun mid \lln\iiiin ,m.
h) Lose \ u I k ;i n i sc he \ u s \\ MI I I i n -c i V n I k;i n i sc lie r Sc h n I (, .
».s Vnlkiiitisc.hr Asche, Sand, Lupilli, Bonihen, Blocke, Bimssteiiisand
mid Bimssteingeroll.
\ u lk;i nische Asche, Irinc .sl.nih.irliuc Krysliillchcn mid Krys|;ilHV.iL;-
niciilt1 von I;clds|Kitli . Auuit. Miiunclciscii und Kcucil. souic riuciilhilinliclir
lo.-krrc odcr IVslcn- Flockclicn und lliiufchcn EUSMnoaeBgehalHer Mikrolilho,
inshrsondrro von Augit und Magneteisen , endlich hdi'iicliilichc Alciiiirn von
(liiisM-litM'licn mid -S|)littorchen.
Vulkanischer Sand, hirsekorn- bis erbseogrosse LavabfOckchen, (ihis-
Scherhcn und -Splitterchen, gemengl rnit ZUITI Theil schr scharfkantiucn Krysiallcn
von Augit, Leucit, Glimmer, Melanit, Sanidin, Olivin u. s. \N. Sie /.cichnon
sich durch die erstaunliche Menge \on (ilaseinschlussen. Mikrolilhcn und Iccrm
(I, is- und Darnpfporen aus. Aschen und Sande unterscheiden sich nnr durch
die Dimension dcr zusammenselzenden Theilchcn.
Lapilli iRapilli), haselnuss- his \\allnussgrosse Schlackenhrocken von po-
nisci oder hlasiger Beschaffenheil und brauner oder schwar/er Farhr.
Vulkanische Bornben, rundliche, keulenformige oder ellipsoidisch ge-
slaltete, fa list- his ilber kopfgrosse Lavamassen, welche in noch halhflQssigcm
Xuslande durch die Luft geschleuderl , in Folge rasch rotirender Be\\<!gung solche
(ieslalt erlangten.
Vulkanische Blocke, mehrere Fuss im Durchmesser haltende L,I\,I-
hlocke. welche in ihrem Inneren eine compact slcinartige. n.ich Ansscn /.u eine
schlackig blasige Beschaffenheit besitzen.
Him ssteinsa nd und Bimssteingerbl le, lose Anhiiuhmgen \ on gro'ssr-
ren und kleineren liimsslcinstiickcn in dcr rmgebung \on Vulkancn. In Deulsch-
land \erbrcilen sie sich von den erloschenen Kralercn des Laadicr Sees bis
n.idi Nassau, j.i bis nach Marburg und (liessen.
i.. Familic Saiidsteine, Conglomerate, Breccien.
t.'.i Sitndsteiii.
Dcr Sandslein beslehl aus Ko'rnern von Ouar/, seiche durch cin mincra-
lisches Bindeinillel \crkillet sind. Die (Iriisse dieser Kiirner \ariirl schr und
erreichl die eiucr klcinen l;,rbse; iibersleigt sie diese, so enlslchen Cooglonaeratft.
.le nadi del- (iro'sse del- Kiirner nnterscheidel man grob- und 1'einko'rnige Sand-
sleine. His\\eil(>n besil/en die (Jnar/kiirner Kr\slallgcslall und trelen dann zu
kr\slallinisehein Ouar/sandstcin zusammen sielie sub '.• . Das Cement des
Sandsleines isl sehr \erschiedenailii: mid bedingl Farbe und Iliirte des gau/.en
(lesleines: bci kieseligem, kalkigem und thonigeiu Mindemillel sind (Iran und
YVriss die llaupirarben, eisenschiissige Ccmenlc fiirben gelb, braun und rolh.
bilnminose diinkelgrau bis sch\var/, glankonilisdic griln. Auf Sch\\anknngen
II. Petrographische (imln-ir s!i
del Meni;e (It-s Hindcmillels licruht dec I IKTLMIII: dcr Sandsleinc in andere
(iesteine: dnrch /uuahino desselhcn uehen sic in Thon, k;ilk nnd Mcrucl niter,
dureh sein /urileklrelcn \\crden die Sandsteino /n loscu Sandcn. /.ulaHi^e
(icmcuiMheile sind nelx-n (iliinmerMaltchen nnd FeldspathkOrncheD namcnllich
Hlei- nnd Kupfercr/.e Commern . Sani:erhauscn . (ilicssO. Die incision Sand-
slrinc sind sclir dcutlich ucsrhiclilcl, sclir hiinfii; iinch \<ni scnki'cclilcn Kliiflcn
dmvhsH/.l. \\odnrcli On.idci-- nnd Siinlt-nltildnni; hcirilnslii;! \\ii'd nii;idcrs;ind-
stcin dcr s.u-lisisclirn Scli\\t'i/. . \(tn Adci'sltiicli , 'h-ulVlsiiuuicr ,un ll;iry.i-;nidc .
Die Siindslcinc \M'cliscll,i-crn mil Srliirl'crlhonrn. 'riionschiclri'ii. Mci^cln. K;ilk
Sicinknlilcnlldt/.cn n. s. \\ . nnd sind das Bauptraaterial vieler Fonnationen.
.Ic n.icli dcr Niilnr dcs Hindcinillcls unlcrsclicidcl man:
llioniiicn Sandslcin, hriin Anhauchen charakteristiscb Ihonin i'ic-
Sandslcin mil \ id Ilioni^ kdJkjgen) Hindcinillcl :
kalki.ucn Sandslcin, das (Icnicnl isl kohlcnsanrcr Kalk , llirils als
Kalk. llicils als Kalks|>alh. Isl nchcn kulilciisaiirciii Kalk anch Mi
gnesia-Carbonal voi-handcn. so cnlslclil d olom it ischcr Sandslcin;
(I kicvcliurii Sandslcin <ilas\\ackc) mil hornslcinai'li^cin, sclir fcsh in
(Icincnic. die nnaivkiii'iici- hcsil/cn dann sclir hiinlii; Kr\slalM'onn (sul> 9).
Knmmt in Hankcn und in loscn Blockcn inncrhalli dcr Sandalda^cninucn dcr
Braunkohlenformation M>I-:
0) c i sc nscliiiss iuc n Sandslcin. das Hindcmillcl hcslcht ans l^iscn--
ii\\d ndcr I'.iscnoxNdhvli'at in inni^cr NCfhindtinii mil Thou odor Kalk nnd
I'arhl den Sandstcin dnnkcli;cll». roll) odcr hrann ;
fj bnuminosen Sandslcin, das hindcmittcl bostehl ans hidiinonrcichcin
Tlionc odcr Kalko odcr ans Asphalt.
'l.\\ den Onar/.korntTti, \\clchc das llanplmalcrial dcs Onar/.sandslcincs hil-
dcn. Lcscllcii sidi niclil scllcn Kiirncr odcr Hlallchon andcrcr .Minci-alsul»stan/cn
in s() roichliehcr Mcn^c, dass auch dadnirh eharaklcrislische Variolfitcn cnlstohon;
ii] (J I i m me i sa ndsl ci n (Micopsammil) , glimnierrcichor und dadurch
etu.is scliiclcriuci- Sandslcin;
h) (Jrllnsandsl ei n daiikoniliseher Sandsloia), nchon don Onar/koi'iiern
eisrlirinen hirsei: : rosso , schics.spulNcrahnliclK' Kornchcn von spangritnem In's
dnnkcl lauchiii-ilncin (ilankonil . durch \\clehc das (ioslein jc nach dci- Mcn^c
dersell»en melir odcr \\cniucr inlensi\ i;r(ln iidarbl \\ird. Nach Mhrenlx-rii's
UntersuchungeD heslehen dicsclhcn meisl ans I •'oraininircrcn-Slcinkcrncn. Das
('.eineiil isl kalkii:. mei^clii; nnd ihoniL:. Die Ilanplcnl\\ iokluni; dcr (Jrilnsand-
slciiie lalll in die Kreiderormalion.
1) Arkose (Foldspallipsammil . cin l;clds|)alh - Onarx- (Ilimmcr-Sandslcin.
Koi-ncr \on ui'ancm Oiuuv. . \on rolhliehcm , y.nweilcn kaolinar(it:cni Orlhoklas
nnd (ilimmci-|>l;iUclicn. sind durch cin (lionises, kjudini^-s odcr kicscliues (Ic
incnl \erlinndcn. Die Arkose trill als (ilicd dcr Slcinkolilcn-, dcr Hunlsand-
stein-. dcr Tertiarformation auf.
Kndlich l>c/eiehnet man die \erseliiedencn Sandslcine jc nach ihrer Stcl-
luiii: in dcr hirmalionsrcihc. /,. B. als Oldrcdsandslone. Cnlmsandslein, K(^upcr-
1)11 II
>,md.steiu, Liassandstein, Ililssandstein, Bralinkohlensandstein, Molassesandstein,
- nach ihrcr yerslciuerungsfuhruug /.. H. als Spiriferensandslein . \Valchieii
sandslein, Scliilfsamlsleiu, Niiiniiiiilileiisaiidstein. Cerilliiensandslein, Hlallersand-
slein, • - nach aiisge/.eielmelen Aufschlussptinktef) und Vorkommen. /. H. als
Polsdamsandstein, Calskillsandslein, Yogesensandslein, Deistersandslein u. s. \\ .
70. Conglomerate.
Die Conglomerate beslchen aus a'bg e r u n d e t e n Stiieken (Kollslueken.
(ie.seliieben irgend cines .Minerales oder Geslcines, \\clche (lurch ein liindc-
mittel lest \creini;:! sind. Die .Mannigfalligkcit der Conglomerate isl schr i;ro>s
und beruhl :
•I) auf der pet rogra ph ischcn N" e rsc h ie d e n h e i t der /um Congln-
meral \erbiindenen 15 o 1 1 s til ckc , \\onaeh man Ouarx.itconglomerat , Kalkslcin-
oonglomeral . Granitcongleraeral, Gaeisscongloineratj Grttnsteinconglomerat, Tra-
chytconglomerat, Masallconglomeral und endlich gemengte (polygenc) Conglo-
mcrale unlcrscheidel , welche lelzlere Fragmented der vcrschiedensleii Gesleins-
artcn umfassen :
2) auf dcr Verschicdenarligkeil des die Hollsliickc verkiltemlen
Cemcnles, welches cine kalkigc, tlionigc. kieseligc, sandige. eisensehussige
HesehaU'enheit bcsitzcn oder aus cincin sehr feincn ; gcschliimmtcn Gesleins-
schutl(> beslehcn kann;
3) auf der Grossc der Hollsliickc, wonach man mchr oder \\cniger
-grobe Conglornerale unlcrscheidel:
4) auf der grosseren oder geringcren Menge des Bindemitlels , \\el-
ehes \or den Hollsliieken voru alien, auf der andern Scilc aber auch von die-
scm fast \ollkomm<Mi Ncrdrangl wcrdcn kann:
•"> auf dem Grade der Festigkeil, mil wclchcr die Rollsliicke und das
Cemcnl zn cincin Gcslcinc vereinigl sind.
Aus den x.ahllosen Modificalioncn dcr Conglomerate verdiencn als besonders
wichfigc Yarielalen luM-vorgchoben /u wcrdcn :
a das Conglomcral des Ho t hi i cgc ndc n ikurz Rothliegendes genannt),
ein Conglomerat von wallnuss- bis iibcr kopfgrosscn , zum Theil vollkommen
kugelninden Geschicbcn von Quarz, Hornstcin , Kieselsdiieifer , Granil . Cneiss.
Glunmerschiefer, Fclsilporphyr, nebsl scheibenloi'migen IMaltcn von Thonsehieler.
Test zusammcngchallen von cinem slark eiscnschilssigcn , sandigcn, zum Theil
kieseligen HindemitteL welches dem Gan/cu cine rothbraune Farbt1 \crlcihl.
Dicse Conglomerate bilden in Deiitsehland die llanptniasse der unlcrcu d\assi-
schcn oder permisehen Formation;
h) das Grauwaekcnconglomerat oder die Grauwackc, ist x.usam-
menuesel/t aus abgeriindeten l;ragmcutcn son Ouarx., Thonsehieler. Kicselschie
fer. l-'eldspalhkornern . zum Theil auch (ilimmerblattehen . sehr fcsl cemenlirl
(lurch ein x.iihes, kicscligcs oder kieselig Ihonigcs Hindemitlcl . \\clchcs let/-
lere oft (lurch I'ein \erllieille Aiilhi-aeilsliiubehen dunkelgclai-bl \\ird und
dadureh die dunkelgraue Farbc des (lesammluesteines bcdingl. Die Varielalen.
\\elehe reicli an sich parallel lagennlen (llimmerblallchen sind. bcsitzcn cine
mehr oder \\enii:er deiitliche dickschieferige Slruclur. Die cigeutliclic (irauuackc
. (ieoldjjr. 01
(lurch h>iner\\erden Hires Kornes in die aiisserordentlich leinkorniuen
(i rau\vaekenschiefer Ubcr. GclaniU l»ci diesen d;is Ihoniue Bindcmittel
/inn U»er\\iepMi. sn enlslchl die dichlc (Jrauuacke. ein homoizen erschci-
nendes. verliiirleleni Tlmne ahnliehes. meist urau ueliirbles Geslcin. Die C.r.in
xNackengcslcinc spielen in der silurisehcn , desonischen uiul uuteren Kolilen-
Ciilin Formation cine ^iclitiize Nolle Boltmen . Voiijtland, liar/. Thilringen,
We>l|>lialen :
c Nil-fill u c . cin licmengles (louizlonierat, bostoheiul aus stark ahjieriin-
drlen Hdllsliickcn \<>n nicisl jurassisclicn Kalksteincn und Sandslciiicn. /\\ isclicn
siilchcn \<>M (irau\\ackc. Kiesclscliicfi'r, Quarz, Grauil, (Inoiss, Scrpcnlin,
(iahliro u. s. \\.. KusammengehaHen durcli cin Cement von \\eisslicliem, izellt-
licliein oder rnlhlicliein . meriicliiicni Kalkstcino. Die Nairellluc ist cin stcllen-
\\ei.se sclir machines (ilied der Tcrliiiri'onnalion , wolcho die luirdliclicn und
nurduestlichen AlpeiiNorher^e /usannncnscl/.l : .
d) Pudd inysle i n Flintcongloinoral). abizcrundelc. nuss- bis faustgrosse
(Icrbllc von iiclbcin, brauncin oder schvvarzeni Keuerslein licgcn ansserordcnt-
lich fesl verkiltet in cinein fcucrslcin- oder hornsteiniilinlielicn Ccincntc \on
^("Iber oder iiraucr Karbc. In der Silurforniation Englands;
e goldfUbrendes, sog. blaucs Conglonierat, ein festes, sc%li\\ci-
/i rs|)n uuli.ucs Conglomerat von blaugrauer, unler dem Einflusse der Alnio-
spjirilicn braun \\ erdcnder Farbe aus bis cenlncrschweren Geschieben und
Hlockcn von Ouar/, Kalkstein , (iranit, Oriinslein, Serpenlin; Gliinmersehiefcr,
Tlionschiefer u. a., \vclchc durch ein schr festes, kieseliges, von Schwefclkies
iinprai:nirtcs Hindcmiltcl von blaulich grauer Farbe zusainniengekiltct werdcn.
Nebeii deii aufiie/.ahllen (leseliicben trill Gold in bcdtmtender Menge auf; das
Hindcmitlcl unifusst nichl nur kleine Korner, Blatter und Bleche des edlen
Melalles, sondern /.alilre.iche , erbscn- bis nuss-, ja laubeneigrossc RollslUckc
de.sselbcn, so (la>s sielleiuvcisc ein fbnnlichcs Goldcongloinerat entstcht. Diesc
i — 6 M. ni.iclilige Coniilomerallajze findet sieh in einein terliaren Flusslictlc am
\\ estaldianiic der Sierra Nevada in Californien.
Die Geschiebe inanclier flonglomerate, nainenllich solche von Kalkstein,
/ci-en x.nweilen die merkwUrdige Erscheinung gegenscitiger Eindriicke. Sn
sind /.. B. fast allt> Kalkuesi-liicbe In der Nagelflue von Bappeis\\ \ I mil oft so
Helen l-'.indrilckcn an enlgcgeniicsel/len Seilen verselien , dass hiinlig nur cine
sclir dilnm* Seheide\vand Ubrig blcibt. Diesc Geschiebe haben bisvvcilcu \\jr-
deruin in denjenigen (icsclueben Kindriicke verursacht, voii welchen sic selb.st
solelie erliallen haben.
' I . Hrccciou.
Breceien bcstchcn ans cckii:en. schai'fkanli^cn Bruchslilcken von Mincralien
oder (iesleinen. welche (lurch ii'gend ein Bindeinitlel fesl mil einander \cr-
einiut sind.
Hirer Enlslcliungsu ei.se nach nniss man die Breceien in Zusammcn-
sc h \\ e m m u ngs- und B e i b u n g s b reeci e n liennen. Mi'stere beslelien aus
/:usaimnenuesch\\enimten Gcslcinsfrai:meiilcn . \\elclie durch chemisdie oder
meclianische Absiil/c des Wassers /u einem neueii Ge>leinc \erkiltel \\orden
Ill* II.
sind. Die Breceien ,smd mil den CongloiQ6rat6D aul das en-sir \er\\. mdt
mid gchen dnreli Abrundung dcr Keken und Kanten ihrci1 (Jcslcinsbrnclislnckc
m Cnn-lnmer.ite liber, .lene v\ic dicsc besil/en cine ansserordcnlliche .Mannig-
lalligkeil. \Nclchc \ or/.ugs\\ eise aid dcr pell (tgrapliisclicn Vcrschiedcnarligkcit
dcr Brnclisliickc und dcr Beschaffcnheil des BindemiUels beruhi. Man unier-
schcidcl ilcmnach Onary.ilbreccicn, Kalksleinbreccicn. (iriinsleinbreccien. Tr,icli\l-
brcccicn, (Ineissbrecien n. s. v\ . mil tlionigem. kieseligem. kalkigem. eisen-
schiis.sjgcm Bindcmillcl, welches lel/terc endlich auch noeh aus reineni (ies|,-iiis-
schntl bcslchcn kann.
Als bcsondcrs eigenlhiimliche Varicliilen sind her\ nr/.nlicbcn :
a) Ouarzbrocken le Is. Ouar/it- und llornslcinl'ragiuenle ucrden (lurch
• Jii.ii/ oder Kiscnkicscl Icsl \crbiindcn. Die Spalten /\\ischcn den Bruchsliickcn
sind haulig dureli Ouar/.-, \melh\sl- mid Kiscnglanxnielalle inerusiiri : Selmar-
/.enbcrg im Kr/gebirg,e :
b) Tapan hoa nca nga, /oil- bis fuss-rosse. eckigc Bruchsliicke von M.i
gneteisener/., Kisenglanx, Braimcisenstcin \\crdcn dnrch ein Cement von Bolh-
eiscnslcin. Brauneisenstein oder Kisenncker zusammengekillel. Als xuialli^c Kin-
sehliissr \\erden Gold, Topas, Diamant , Bulil gclnnden. Dieses (iesicin bildct
in dcr IVosinz Minas (Jeraes in Brasilicn cine \\eil .insgedelmle obcrll.ichlielic
Dcckc:
c) llaselgebirge, Thone, \\elche mil Fragmcnlen der benachbarh-n '
sleinc angefulll sind und die Sleinsalxbildungen in den nordlichcn Alpen xu
bcgleiicn pllcgen ;
d) Knochenbreecie , Kalksteinbruchstiickc -und Fragmcnle von Conch\-
licn. natncntlich abcr son Knochcn und Ziihnen von Wirbelthicrcn \\crdcn
(lurch ein ciscnsclnissigcs . sandig thoniges und sandig kalkiges Bindemillcl
mchr oder \\eniger lesl verbunden. Solche Breceien \on Bhinoccros-. Ilirsch-
und IMerdeknochcn linden sich /. B. in den Spalten des Kalkslcingebirges am
miUcllandiselicn Mccrc . solche von Knoehen des Ursus spelaeus , dei1 Jhacna
spclaca namcnllieh in Iliihlcn. so in der von Muggendorf. in der Baumanns-
hbhle, in der Adelsbcrgcr (Ji-otte und \iclcn anderen, — und endlich solche
von Replilien- und Fischrestcn, das Bonebcd, als eine nur einige Centimeter
miichtige Lage in der Grenxbildung xwischcn Kcupcr und Lias.
Beibiingsltrcceicn nenut man scharl'cckige (Jesieinsfragmentc . \\clclie
dnrch crnplixcs. kr\stallinisclics <'ieslciiisiiiatcrial schr lesl \crkittet sind. 7\\ci
Fiillc des Abstamniens der Bnichsliicke sind mnglidi: cnl\\cder \\iirdcn sic
durch die aufsleigcndc Krupti\ masse \on dem Nebengesteine losgerissen . sind
frcmdarlige (Jesteinseinschliissc in dem lcstgc\\ ordencn Kruptixgestein. -
sic (Mitslandcn durch Zerlriiinmerung dcr bcreils 1'estgew ordencn Ober-
Iliichc durch nachdringendc. noeh ililssige (ieslcinsmasse. Dann isl das Material
dcr BruchslUckc und des Ccmcntes idcnlisch oder hoehstens (lurch die Cmss,.
des Kornes verschieden; Breceien erslcrer Art linden sich hiiulig an dendren-
y.en \nn (Iranilcn z. B. bei Rcixenstcin im Fiehtelgebii -ge . F»'lsitpnr|)li\r (z. B.
bei Wcndisheim in Sachscn;, Sxenit (z. B. bei .Mar«|iieUc am Lake Superior.
7. B. bei Sales! in Bohmcn . Brcreien \ mi idcntischer Zusammcns(>txung
II. iVtrourapliische Geologic. 93
der Hnichsliieke und des (lementes sinil namentlich bei den Pelsitporphyfen
('/.. H. bei Priedrichsroda und Oberhol' iin Thiiringer \Yalde. Niedeck in den
VuLirsen iiml den Diabaseu (Voiijlland. Thiiringen, liar/ bekannl.
Die Hreccien. souohl die Zusammenseh\\emmungs- \\ie die Reibunu.N
breecien. neliiiien nur gerinuen Anllieil ;in der /usammeusel/ung der Krdknisle.
:i. Fnmilif. ThoilgcstciilC.
Die Sehlamm- und Them- (oder limalischen) Gesteine bositzen ein ei'diizes
limiio^enes Ansselien , heslehen ;uis I'einen , Sliiuhkiirnclien nnd Seliiippelien,
den lliiek.sliinden der Verwitterunii, naincnllk-h folds])alhreiclieii (iesteine.
'•>. Kaolin.
Der Kaolin ist cine aus sohr feinon, slauhartigen , ecdiiKMi Theilehen be-
steliende, /.eiTeililiehe, ineisl iiltl'iirhonde Masse von vorhoiTschend \veissei'. i;ell>-
lielier odei' riithlieher 1'arhe. In seiner reinsten Form isl der Kaolin /ueii'aeli
kieselsanre Tlumerde mil 2 Atomen Wasser und dem entsprechend 47,0") Kiesel-
siini-e, -- 39,21 Thonerde, — 13,74 Wasser, einc Zusammenset7Ainc;, welche
jedoch p-osseren Seh\vankun^(>n unlervvorfen ist. Gewohnlich ist der Kaolin
• lurch lieiLieinenute Glimnierbla'ttchon und Quarxkorner verunreinigt.
Der Kaolin ist das Residuum der Feldspathzersetzung, so dass namenllich
Granile. (ineisse nnd I'orphxi'e das Material zur Kaolinbildung geiielten h.ilien
und delude dieser Gesleinsarleu die Ileimalh der Kaolinlagerslalten sind , so
l»ei (lai-lsh.id in Itohmen , bei Schneeberg in Sachsen, in tier Umgegend von
Halle und Allenburg.
7:5. Thon, Lrlini, Loss.
Der Thon ist eine in trockenem Zustande erdige, milde und zerreibliche,
an der Zunge klebende, in feuchtem Zustande plastische Masse von weissei1,
-i.uier. iielMich izriinliclier, bi'auner oder blauer Farbc. Die Thone sind wasser-
haliiiie Thonerdesilicale, \\elchen Spuren von Kalk-, Magnesia- und Kisenearbo-
iialen beiiz»'meni;l sind, ein geschlemmtes, zusammengeschwemmtes Zersel/ungs-
product feldspallireiclier Gesteine. Von zufalligen Besl.mdllieilen sind Knslalle
und Kr\stalliii-uppen von Schvvefclkies, Slrahlkies und Gyps zu er\viilmen ;
I'erncr nniLisst er niclit selten Concretionen von Spharosiderit , Thoneisensiciii
nnd Kalkmergel und sehr hiiuliu \\ohlerliallene organische Reste. Aus deu
nrspriinglichen Ablageruni:en von Tlionen wurden iin Laufe der Zeit (lui'ch den
Di'uck der auf ilmen laslenden Gesleinsscliiclilen lesle sleinarlige nnd s<'hiele-
Masse n ;Schieferthone) . Als die \\ichligslen Varielaten des Thones sind
a) Topl'ert lion , die reinste Vaneliit, \\ciss, hellgraublau und sehr pla-
slisch, brennt sich roth :
b) eisenschtissiger und gl i minerreicher Thon mil liedeulendem
EisenoxydgebaH, deshalb gell) oder rothbraun , oder mil sehr \ iel Glimmer
Itliittehen :
<• I) i t nni i nnsei Thon. dunkelgrau bis sch\\;ir/: bleichl beim (iliiheii:
',( 1 II. Petrographischc
• I Sn I/I lion . hiluminoser. mil Kochsalx. impriii:mrler Tlion. Mcdcilcr der
Steinsalzlagersttttten ;
c A l;i n n t li mi . hiliiiiiiimxer. mil Sch\\ cl'clkicsllieilclicn impr;ii:iiirlcr Thon :
I Sc |> I a r i e n I h on. cin an kalkig thonigen und mcrgcligcn Nicrcn ivichcr
Tlion :
•j. Uasa I I 1 lion \\ackenlhon , sichc snl> •">:>. paii. 7-i, <l;is Kn<l|>roiiuct
tier /ersel/uni; des Fcldspath- Hasallcs , heslehl \\esenllich ;ius \Nasserhallii:eni
Tbonerde -Stiicat und 1st ,-ils Residuum der Basaltc /.u belrachten . uelchcn
durch koblensSurehalUge \\asser K;ili, Nalron, Kalkerdc und cin Theil des
l''.ist'iio\\duls und dcr Kicsclsiiurc rnU'illirl \\ordrn sind :
li) \Vjil_kci-dc riillcrsciirdi), cine crdiiic , llioniilinliclic , cl\\.is fclliiic.
mi Strichc i:l;in/cndc , durchiiiis nil-lit pljistisclic , sondcrn ini \\asscr /.crhro-
ckclndc .Masse \on ^cIMirli Brunei' his oUvengrOper h'iirhc. Sic isl ehcnfalls
cin \vass<'rhalliiics Thonerdesiliral , \\clchcin conslanl cl\\as .Magnesia, und last
slcls cl\\as Kalk und Kiscno\\d hciiicmciii;! isl. Sic Liclil aus dcr Xci'scl/.unu
\nn hiahascn und Gahhro hcrxor und isl namcnllicli hci l{oss\vcin in Sacliscn.
in Slcxcriiiark, in Kiii>hind (luillci'scarlli, cin (Jlicd dcr dorliizcn .luralonnationi
eotwickeU.
Die Tlionc sind nainentlich in den jiingeren Forniationen voin Jura an cnt-
\\ickcll und wcrdcn nach ilii'cr Stellung iin Scliiclilcnsxslcnic so\\ic nacli ilnvr
VersteineniDgsfUhrung z. B."als Wealdenthon , Hilsthon, - Amattheentboae
und Ornatcnlhonc Itc/eichnet.
Isl dcr Tlion durcli I'cinon Quor/sand und (Jlinunci'hliiltchcn so\vic cl\\as
Kiscn \cninrciniiit, so verliert er seine Plastieitat , fQlilt sich rauh und inaucr
an und \\ird /urn Lehin. Besit/t dieser einen Gelialt von kohlensaurcin Kalkc,
hrausi cr also mil Siiuren, so nennt man ihn Loss. Sehr izc\\ohnlicli uml'asst
dicscr ciiicntliiiiulich t;c.slallclc (lonrrelionen von Kalkmergel (Lossina'nnrlicn.
l.o.sskindclj sowic xahli'eiche Resle von Land- und Siiss\\ assert I lieren. Lelim
und Loss hilden inachtiiic oluM-flachlichc A*biagerangen an Bergabha*ngen und
in Thalorn, - - der Loss nainentlich iui Rhcin- und Donaulhalc.
An manohen Localitiitcu sind die Thone in Folge der Einwirkung von
Kohlcnhriinden oder hasaltischen Eruptionen iiehrannl und licfrillet und y.u uan/
eiirenlliilinlichen Gcsteinen umuewandell \\orden. \velche man Porcel la n- und
%
Basaltjaspis nennl. Diese besitzen eine zieiuliche lliirlc. muscheligen Bruch,
scliNNachen l-'eltulan/ und graue oder rolhe, /uni Theil gellanuntc oder ucstrcifte
Kiirhung. l)utt\\cilcr hci Saarhillcken, Sichcngehirizc, Zwickau, Teplil/. Bilin).
Anljaii;_'s\\eise mag hier des Tschernoseni gedacht \\erdcu. l'"s isl dies
cine Arl sclmar/er. Tciner Rasenerde mil G bis 10 IVocent oriianischer Sul>-
slan/, \\elche eine ausscrordcntlichc Verhreitunj; im eenlralen und siidlichcn
Hussland, in Sihirien. so\\ic in den Pi-acrieu dcs sildlichen Noi'daiucrika hat,
\\o sic stcllen\\cise c-ine Miiehligkeil von 7 Meier crreichl.
' i . Schieferthon.
her Schicrcrllion isl ein inildcs. /.ieinlicli wcirlics. scliiclViiies (icslcin. \\elchcs
aus \erhiirtclcni Thone. inikrosko])ischcn (iliiiinici-hlallchcn und Uuar/.sliiuhclicn
hcsleht. Mr isl uc\\ohnlicli gran his sch\\ar/. ucfiirhl und nielil selten rcich an
II. Petrographteche
|)|];ni/liclit'ii mid Ihicrischen Hcslen. Schsx ddkies isl cin sehr ucxxolmlichcr
y.ulalliiier Gemoniitheil desselhen. Als S c h i c fc r I el I e n Ix'/eiclmct m.in die
roihen iind Imnieii, als Bran dschiefer von liiimncn imprSgnirto Schiefertfione.
Die Srhicfcrlhonc sind aiisuc/eiclmel iicscliichlct. sic \scehscllaiicrn mil Kalk-
sieinen . Sandsleinen, .Mcrueln und KohlenfiOtzen iind iicxsinnen namcnllich in
dcr kohlen-. I i,is . \\caldcn und Tcrliarformalion cine l>edeutcnde Knlssick
limi:. sxahrend Schieferletteti namenilich im Kothliegenden und Bunlsandsteio
\ ci'lft'tcn sind.
7'i. TlioiisdiiH'er.
Dt-r TlKiiiscliicfcr ist cin ausgezeichnet schieferiges, luirlcs Thonticslcin \on
UK is| -i;uicr odcr scli\N;ir/cr, (lurch cincu iici'iuucn (icluill ;in koliliucr Suhshiny.
hcr\nri:chr;iclitcr I-'jirlic. y.u\\cilcn durch Kiscno\\d ucll>. i^riin, roll) ^cnirbl. Ant'
dcin Mruchc niiill . hoiuoiicn und ;inschcincnd niclil kr\st;illiniscli. Schr iic-
\\iihnlirli mil ScbwetelkieskrystaJIei) iinti -Concrelionen, fcrnci' mil Ou;ir/-Ncsicni,
Triiiucru und Sdiiiiircn . sonic K.ilkslcin -Knollcn und cudlicli oriiiinisclicn
Itcsicn. Die mikroskopische Uritersuchung silurischcr und devonischer Thou-
schicl'cr hiil cri:c!)cii. d;iss .sic uichl. \\ ic iniiu bishcr ul;iuhlc. hlos ;ius kl.islischcn
und |)clilischcu (Icslcinsclcnicnlcn bcslchcu. nicht Icdii^lich dcu crhiirlclcn. I'ciu
/.crricliciicn Schl;iiiiiu praeexlstirender l;cls;irlcn diii-slcllcu . sondcrn dass sic
inikroskopischc kr\slallinischc und kr\stallisirlc (icincniilhcilc in sich cnlhaltcn,
\\clchc tifl soiiiii- die haii|)Ls;ichlichstc Hollc bci dcr /usainnicusct/.uiii: jcncr
Schicl'cr .spiclcn. Dicsc inikrokrNslallinischcn Ucslandlheilc sind : i^clMich hraunc
Niidclchcn augenscheinlicb \on Hornblende, nlle dcr iirsprtinglichen Srhieferuni;s-
cltcuc parallel Liela^crl. un'inliche odcr irelNirhe (Jliiniuerliifelehcn, - o\alc
odcr rundlichc Ouary.kiirncheu mil xahlreii -hen PlftssigkeitseinschlUssen. Die
Hiinder dcr Ouar/.ausscheidunpMi verflicssen fonnlich in die uniuclicudi> Ge-
stcinsmassc: um sic slelicn /uucilcn radial a uncord note /arte (lliiniucrhliitlchen
allscilii; heruin.
Die eheniisehc Xiisaininenselxunii des Thonsehicfers isl (Mne seh\\ankcnde,
doeh eriiicltl cine Liriisscre An/aid von Anahsen foL-cndcn Diirehschnitl : Kicscl-
siiure .'i'JjOO, Thoncrde :JI),00, Kiscnoxyd und Kiscnoxxdul 7,40 -
Magnesia 2,80, -- kalkerdc, t.JiO, — Kali 3,50, — Nalron 1,10, — Glilhserlusl
Hiluincn und \\asser) 4,00. -
Nchen dciu uciucincn , an acccssorischen (icnicnulhcilen reiehcn . \\eni;:
clicnschicrcriiicn ThonschicfiT unlcrsehcidcl man:
a) Darh- und Ta fc I s c h ic i'c r. die reinslen, sclii1 chcnschiereriuen Varic-
talcn tl<-s Tlmn.schicl'crs, die sich Icichl in diinnc Tafeln s|)altcn lasscn. ei'slere
son urauer, lel/.lere \on sehssarxer Farl>e. (St. Goar am Hhcin, l.chstcn im
Tliiirintici1 \Valdc, (loslar am llar/e);
l>) G ri fIV I sch icl'cr. rcinc. fcsle Thonschierer. \\clchc .sich in l;oli:e
des Xusammcntretens son i:c\s iihnlichci- und I'alseher Schieferun^ in izrill'clfiirmiizc
Sliiniicl spallen lasscn. Sininelicr^ in Thdriiiiicn) :
c) NVcl /sell i cl'cr. cine iiclhliehc odcr uriinlich iiraiic . jzan/ lioinoticnc.
son Kiesclsaurc ilurclidriiniicnc ThoiiM-hiclcrniasse. (Ardcniicn
II. IVtl-dlMMIllliM-llC <M'<l|<»»ic.
il /c i cli urn- Kdilen- Schiefer. feinerdigc, \veidic. milde, sdmarxc,
sehr kolilcnstolVrcidie Thonsdiieler. (llaselbaeh ini Thiiringcr \\al<l<
e) Alan nsch iefe r. \<m knhligen Snbstanxen mid \on Sdi\\d'clkics ini-
pr.ignirte Schider son srh\\;irx.lidier Farbe. Dcr Kohlcnsloll' ersdieint xuucilen
als Anlhracil in bunt angdaufenen Iliinldicn und Sdmppen ;iuf den Klilflen
uiid Spalten dcs (Jcsteincs. Aus dcr Ycr\\ iUerung dcs Sdmefdkicscs gdicn
Kiseimtriol, sowie Alnun hervor. Mrit lirul»;icli ini Voigllando) ;
f) Granwaokenscbieier und dirhtr (ir;m \\ nckc. siclic sub. 70,
1)), cine ausseronlrntlirli I'cinkiirnitic l>is dichlr. scliit-rcriiic. /inn Thoil liliniincr-
rcic-lic, /inn Tlicil vollkommcn thoDsdiieferarUge Varictiit dcr Gr;niN\;ickc.
Dor Thonschiefer ist ausgczeichnct iiescln'clitct . \vecliscllai:crl mil Kicsd-
scliicfcrn, KalkstciiHMi . Sandsteinen , Grauwacken , und ist naincnllidi in d<-r
silurisduMi, devonischen, zuin Theil auch noch in der carbon isc)u>n , nur aus-
nalnnsNvcist1 in jiiniicren Fonnationen enhvickdl. Seine Scln'eferuni: fiillt nidi!
iminor mil tier Schichtung zusammen, sondi-rn durclisd/l die Tlionsdiicfcr-
inassc gan/ unal>liiin^ig von diesor, CMIIC Erschoinung , \vdchc als falsdic mlcr
transMM-sale Schieferung be/.ciduid \vird (siehe sub Archileclonische Goolouic,.
Thon, Schit'ferlhon, Thonschiefer und Thonglimmerechiefer iiehen in dn~
ander iiber und lassen sich nur in ihren *Exlremen unterscheiden. Der echte
Thongiiminerschiefer besitzt ein enlschieden kryslallinisdies Gefiige, umschliessl
x.ahlrcidie xufiillige Gemengtheile und gehdrt uamenllich der huronischen . pri-
iniiiven SchieferformatioD an. Der Thonschiefer ist im Bruche matt, fest, aus-
uc/.ddind sehiefrig, besitzt sehr ge\volmlieh falsche Schieferung, ist oft \cr-
stfint'runizsreidi, filhrt aber nur \venig zufalligc Gemengtheile und udio'rt
naincnllidi der iilteren, der weiche milde Schieferthon endlidi dcr mitileivn
und jilngeren Formationsgruppe an.
4. Familie. Tuffe.
Die Tuffe sind zum Tlicil crliiirtdc, xcrsclxte vulkanisdie Selilainmmasscn.
/um Theil vulkanisdie Zusammenschivemmungsgebilde, d. h. Trtlmmergesleine,
dcicn M.ilcri.il in Form von vnlkanisdicn Aschen, Sanden und I>apilli durdi
uilkanisdic Kruptionen geliefert und spiiter dureh Mil\\ irkmiL; dcs \V;is>crs
/.IIS.HIIIIICII i:csdi\\cmml, gesdiiditel und zum Theil stark zerselxt \\urde.
7(i. 1'orpliyrtnlf. (Thonstein.)
Ucr Porphyrlulf isl ein didiles. im IJiiielie crdiizcs. hiintcs. in scincn l;arben
unizcniciii \\cdisdndcs (icstein, aus sdilainmartigcni 1'orpliNr- oder Felsilsdiull
licr\ori:cL:;ini:cn. Kr mnsdilicsst nidil scllcn krysl.illinisdie (J^iaiv.kiirncr. Kcld-
sp;illikr\st;illc odcr Glimmcrbliittdicn . xu\\cilcn audi Hrocken von l'nrph\r
tliidnrdi in Porphv rbrecde iibergehcnd) und endlich PflanzenversteinerungeD,
bcsondcrs \crkicsdtc Haiimstiimme. Die din-disclinilllidie. dieinische /usaminen-
sclxniiii dcr PorphNrlufle ist der der Felsilporph\re ausserordcntlidi iilmlidi
und Iwiriigt : Kieselsiiure 77,00, • Thonerde 12,00, Kiseii(.\\d :>.<•>().
Kali 4 — '^,00, - Niitron 1,00, — Kalk, Magnesia und Spuren \<»n \Vassei-.
Die I'oi'itliNrtiilte sind xuni Theil sehr dcutlidi dilnn g( sdiiditct und trctcn
/. H. im erzgebirgisdbeo Hassin als dlicilci dc> uniercn Rothliegendeo, l»ci
Urdnit/ in Miilmirn nnil bei Do'Mcn unsveil Dresden in Wrbindun^ mil Por-
plnren auf.
77, <<riiiis1nii1iift'.
Der (iriinstein- oder DiabastutV isl em didiles. ini Brudie entires A^reual
\iui feinem. sand- odcr staubartigeiYi Grttnsteinschutt von meist sdimnty.ii: primer
l;arbe. weldies \on kohleiisaurem Kalke inniii imprii^nirl isl Die (IrUnslein-
lufle sind liiiulii: sdiieferk und filhren . abueselien von iM'osseren (iriln-
steinbrocken , nichi selien oruanisdic Hcsic s<> suldic drr Devon formation
l»«-i Planschwiti in Sadism'. Sclir ^cwiilinlidi iiclu'n sic durdi das Aullrclt'ii
und die Ueberhandnahme (lioni^cr, edit sedimepUirer Beimengungungep in <ir.ui
\\,K krnsdiicl'cr Ubcr und liildcn ini siidisischon Voiiillandc , in OboiTrankci),
in l)i»\onsliiiv /wisdicn silurisdicn und dcNonischcn (icslcincn inaditiiic Ah-
laizrninucn, \\cldic mil cdilcn Diahascn in cnizsU'in Zusaninicnlian^c sldicn.
In Siidlsrol bildcl rcinkiinii^cs. ^csdilnnnilcs Aiiizilporpliyriiialcrial cine rei:d-
niassiirc Fokc von diinncn 'rulVsdiidilcn, \vcldic das Aussclicn von bald lorkcren,
li.ilil fcstcn korniiicn, sdiwar/.cn SandslciiHMi l»csil/.cn und /wischon den Schich-
(en der olteren Trias einLjesdiallel sind.
78. Schalslein.
Der Sdialslein isl der llauplsadie nadi ein sdiieferiiier, von kolilensaurem
Kalke iin|)i-ii;4nirler DiabasluH', ^einenut mil Kalk- und Thonsdilamm. Die (Irnnd-
masse dessellten ist i'einerdi^. sdiieferii;, itrUn, i;rau, iU'llilidi oder rotlilidi ue-
I'.irlit odcr luinlirelleckl und durdi und durdi von kolilensaurem Kalke und
xum Tlieil von ChlorilsdiUppdien iinpriiu;nirt. Dieselbo unusdiliesst platlc Hrudi-
stilcke \on 'riionsdiieler, spiirlidie Krjslallc und Korner von Fcldspalh, und
Korner, l.aicen, Nesler und Triimer von Kalkspalh. Witlern diese Ictzteren aus,
so enlslelien lodiei'iize, sdiwammii;e (iesleine, die Bl a tterstei nsch iefer.
Die miltlcre diemisdie Xusaiiiineiisel/un;: der Sdialsleine bclriii'l: Kieselsaure
:{'.. 10, Tlionerdc 13, 10, - Kisenoxyd 5, SI), — Eisrmi\\dul 2,40, — Mag-
iii >i, i I.<i0, -- Kali 2,40, — Natron 2, HO, Carbonate von Kalk, Magnesia,
Kiseno\\dul. Man^anoxjdul 33 — 34,00, - NVasser -5,10, Phospliorsiiurc
Spur, — spedlisdies (iexviclit 2,0 - 2,8. - Man kann foli;cndc. Varicliileu
iles Sdialsleines unlersdieidcn :
a norm al e i- Sdialslein ;
b ma ndelslei na I'l.iuer Sdialslein, mil\iel kornern, Knollen und Linsen
von Kalkspalh;
c) Sehalstei nbreccie, von netzlormii;cn Kalkspalhadern durchzogeo,
\\odurdi die (irundmasse in eekiiie Sliicke /.erllicilt \\ird;
d) Se ha I slei ncongloine rat;
r porj) h ^ rarli |j;er Scha Isle i n , mil eingespreogton Labradorkrvslallen.
Die Sdialsleine slchcn auf der einen Seilc mil den Diabasen. auf der
anderen mil devonisdien edilen Sedimenlargesteinen in enj:sler he/ieluing und
\ermitleln den I CberLiani: y.\\ isrhen beiden. .Mandie Sdialsleine, so ini Nas-
sauisdien, fuliren dexonisdie Versleinerunuen. Die Sdialsleine sind namentlieh
De\one \.is>.nis. dcs llaiv.es und dem Silure liiilimens eiiiiiesdiallet.
i'ir Jner, Elemented. Geologie. 7
'.is II. Petrograpitische Geelogie.
Tii. Tutte <ler trachytischen uml basalt isclum (icsteine.
.1 Trach \ Uuf f , ein l)iild loekerer. It.ild dichter und fester Tuff von
zerkleinertem, /utn Theil zerselzlem traehylischern .Materiale. welches bald eine
kreideartige, erdige, bald eine kornige sandsteinartige, bald cine feinbreccien-
arlige Beschaffenheit und vorherrsehend lichtgraue oder lichtgelbliche Farben
boii/i. Die Masse umschliesst nicht selten Kryslalle von Sanidin, Hornblende
und Magiieteiseiierz, sowie fremdartige Gesleinsbrocken, enthalt auch zuweilen
pllanzliche Rcste. ferner Schnilre, Nester und Triimer von Opal (edler Opal
unvu'il Kascliau in Ungarn) und geht durch Aul'nahme von Trachytgerollen in
Trachytcooglomeraf ul)er.
Die Hauptlagerorte des Trachytluffes sind das Siebengebirge, Centralfrank-
reich, die Mii^ancen, die I'mgegend \on Schemnitz in Ungarn.
b) Fhonolithtnff. ein weisserbis briiunlich grauer Tuff von zerkleincrtein.
phonolilhisehein Material?, welches eine nitirbe, erdige Beschaffenheit besitzt,
iiewohnlich \er\\ilterte Bruchstiiche von Phonolith, sowie Krystalle von Augit,
Hornblende, Sanidin, (rlinnner und endlich fremdartige Gesteinsbrocken um-
schliesst und durch Aufnahme von abgerundeten Phonolithfragmenten in Pho-
nolithconglomerat Ubergeht. Im Hegau, bei Teplitz.
c) Bims stein tuff und Trass, ein weisses, gelbes, graiies, erdiges bis
diehtes, sieh rauh anfiihlendes Aggregat von zerriebenen Bimssteintheilchen, oft
Brocken von Trachyt und Birnsstein, ferner Glirnmerblattehen , Sanidin- und
(iranatkrystalle uinschliessend und mil Bimssteinconlonierateii eng verkniipft.
Am Laacher See, bei Schenmilz in rngarn, in der Auv(>rgne, in der Umgegend von
Neapel dorl Puzzolan und Pausilipptuff-genannl , aufTenerifTa (dorlTosca genannt .
Eine locale Varietal des BiinssleintuH'es, \\elche in den Thalern der I'mgebung
des Laacher Sees (Brohlthal und Nettetlial machlige AblagerungtMi bildel . isl
der Trass (Ducksteii^ . Er ist eine unrein gelblich graue. erdige Masse, welche
Fraginente von Bimsslein, (Irauv\aeke, Thonschiefer, Basalt, Lava, und Krystalle
von Sanidin, Augit, Hornblende, Glimmer, Hauyn, endlich auch verkohlte
Baumstiiinme und Aste umschliessl -und /ur Darstellung des hxdraulischen
Mbrtels verwandt wird.
d) Alaunstein, ein weisser oder gelblicher, erdiger Trachyt- oder Bims-
steintuff, welcher von Alunit in feinen Kb'rnchen und KrystiJ lichen impra'gnirt
oder in Giingen und Trilmeru durclisclivviirmt wird. Bei Tokai in Ungarn. in
der Amergne, bei Tolfa in Italien.
e Basal tluff, ein diehtes oder erdiges, schmutzig graubraunes Aggregat
von fein zerriebenem, ziemh'ch zersetztem Basaltmatei'iale, \\elches Brocken von
theil\\eise zerselzlem Basalte, lenier Krystalle \on Olivin, Augit. Hornblende.
Glimmer und Magneteisenerz , sowie Adern und Nester von Kalkspath, Ara-
gonit und Xeolithen, endlich organische Resle umschliesst und mil Basaltconglo-
merat eng verkniipft ist. Vergesellschal'tel mil diesen und \\ecliselliii:eiii(l mil
Basalldecken, zum Theil als Glied der Braunkohlenlonnalion. lindet er sirli am
Vogelsgcbirge, im nordlichen Bohmen, am llahiclits\\ald bei (lassel.
I I'eperin, ein schmut/ig graubrauner. feinerdiger. \\eirher Tuff, in
\\elchem /ahlreiche Kr\stalle \»m Glimmer. Augil. I.eiicil. Magneteisenstein \er-
II. Pelrographische
theilt liegen. \\elcltcr aiisserdem cekiize Bniclisliicke \ou \\eissem. kornigem
Kalkstein, Basalt mid Leucitophyr umschliesst. Der Peperin bildet cine inai-liiige
ueschiditete Ablagerung ini Albaner (ichiruc.
g) Piilagonit tuff, fin izrscliichlclrr, hrauncr KasalttufT, welcher zalilrcidic
klt-inc hirtikt'lclicn. cckiuc Kiirncr mid Brocken des in seinein Ausscrcn an
KolnphoMimn (M'iiiiuM'iidcn. lioniuLiclhcii his hrauiKMi I'ala^onitcs umschlicssl, dcr
xu\\filcn /.inn \or\\,ilt»'mli'ii. ja so^ar zum einzigen Bestandihrilc des Geslcincs
\\cnlt-n kann Pa I ago u i t f c Is) . Diesc Varictiit des Basalltuftes 1st \vahr-
schcinlicli durch Umwandeiung dieses letzteivn \\ahrcnd cincr liingci'cn Sub-
mersion miter den Meeresspiegel enlstanden. Ausserordentliche Verltreilnnt:
liat der PalagoniltufT auf Island, ferner auf Sicilien, den cannrischen Inseln,
den (ialapagos. Derselbe ist jedoch auch in der Eifel , am Habichlsvvalde.
in Nassau naehge\\iesen.
h I.e ueit tuff, ein dunkel gelblich grauer Tuff, dessen feinerdige Grund-
massc \ci\\itterte schneevveisse Leucile und neben diesen Krystalle von Augit,
(Jliiiiiner. Sanidin. sowie BruchstUcke von Noseanphonolith und devoniselien
Scliielern mnsehliessi. In der Unigebung des Laacher Sees.
Dritter Absclmitt.
Dynamische Geologie.
Die dynamische Geologie ist die Lehre von den Kriiften, unter deren Mit-
wirkung das Gesleinsmalerial und die Oberftachenverhallnisse der Erde eni-
slanden sind und noch entstehen , sie ist die Lehre von den Agentien in dcrn
Ent\\ iekelungsproeesse der Erde. Als solche mllssen nnincntlich der Vulka-
nisnius, die inechanische und chemische Thiitigkeil des Wassers und
die Thiiligkeit des organischen Lebens gelten. Filr die grossartige
\Yirksamkeit aller aber ist die Liinge der geologischen Zeilriiumc ein
Rauptfactor.
Der Yiilkaiiisimis.
Begriff (les Vulkailismus. Unler Vulkanisinus verstehen wir den Inbe-
grill' aller aus dein gluthfltissigen Erdinneren auf die Krdkrusle wirkenden Thiitig-
kcilen und Kral'tjiusserungen, - - den Inbegrill' aller Koactionen des Iniifren
unseres 1'la'nelen gegen seine Rinde und Oberfla'che.
Es l)elliiitigt sich der Vulkanisinus nichl nur durch Eruptionen ge-
schin ol/ener Geste ins masse n und durch Dampf-, Gas- und lieissc \\asser-
ausslriimungen und AusbrUche aus Alofetlen, Funiarolen, Solfalai'en
und Gey sirs, sondern aueh und /war in viel haufigerer und einflussreicherer
Weise dureh Erdbeben und /uni Theil mil diesen verkniipl'U- Ni \eau-
verii n der un gen \\eiler Gebiele , ja gftttxer'C online nte, so\\ ic cndlich
duri-h iiirlir odcr \veniger langsame llebungen einxelner l.andslrichc / ti (ic-
l)irgs- und II ii hen / Ugen.
1. Vulkane und ihre Thatigkeit.
Hegriff eines Vulkanes. Ein Vulkan ist cm llach-- oder steilkegelfbrmiger
Berg odd- Iliigcl, der durch eincn (lanal mil dcm I'lrdimicrcn in Vcrltindung
slclil odcr gcslanden hat mid mancherlci gaslormigcn , I'cslen , bcsonders aber
glutbflUssigen Malerialien /mn Ausgangc <licnl ndcr gcdient hut.
III. Bynamische (Jeoiouir KM
N, ich ilnvr Haiiarl und Knt>ldmnus\\ eise unterseheidet iii;in mil K. v. See-
bach g e sr h i fill c t c und h om out' n e Vulkane.
i Die geschichteten oder Strato Vulkane.
§. 1. Charakter derselben. Die Straio\ulkane hestehen aus mehr od«-i
\venii:er regdm.i.vMgen l.agen oder Sehichten von ausgeworfenem oder aus-
gdlossenem yulkanischem Materiale, wdche von einer durch den Vcrbin-
duniiscanal mil dern Krdinnorn reprasentirten Axe aus nach Ausseri /n ge-
neigt sind.
l»i<- Form der ineislen Stratovulkane ist die eines mehr oder \\eniger
si, irk abgestumpflen , tlachen oder steilen und auf seinem Gipfel
kf^i-ls. N.icli ihrcr l-'-nlstclHiti^sweise ist diese Gestalt der Stratovulkane
Scli\\.iiikiiiiui'ii iinttMAvorfen , jeder vulkanische Ausbruch vennag eine voll-
Verandenmg der Conturen hervorxubringen. Eine ganz eigenthilm-
l-orinaushildunt; sind die Rippen und Furchen, vvelche von dent (lipfel
in.iiii'liei' /. R. javanisrlier Vulkane allseitig ausstrahlen , die Abhange hinab
laufen und nach dena Fusse des Berges immer tiefer und grosser werden. Ihre
l<'.ni>telmng ist die \\irkung des sich gerade auf Java oft in wolkenbruchartigen
Massen eiuiesscntlen Regenw«ssers. Ebensowenig vvie die Conturformen sind
die Di men si on en der \ ulkanenkegel constant; eine fortgesetzte , gema'ssigte
Tliatigkeil erhohl im Allgemeim-n den Berg durch die ausge\vorl'tMien IVodncie,
hel'tiue \n>liiiiclic hingegen pflegen ihn theilweise zu zerstoren. So ist der Vesuv
in den let/ten iO Jahren um etwa 150 Meter gewachsen , - - die Hekla im
.lahre IS Hi um 150 Meter niedriger gevvorden. Ueberhaupt aber schwanken
die Mohen der verscliiedenen Vulkane in eben den weiten Grenzen wie die
der nicht vulkanischen Berge. Es gehoren einige Vulkane zu den hbch-
sien Gipfeln der Erde , der Aconcagua erreicht 22,434 Fuss, der Cotopaxi
17,742, «ler Aetna I0,ioo, der Pic von Tenerifla 11,408 Fuss Hohe, -
andere erheben sich kaum :{() Meter ilber das Territorium , auf das sie aufge-
sel/t sind.
Als der \\icliiigste Theil der Stratovulkane ist der Canal anzusehen,
\vddier durch die I'este Krdkrusle bis auf das gluthtlltssige Erdinnere reicht,
\\o tier Ansgangspunkt der \ulkanischen Thaligkeil 7.\\ suclien ist: er bildet
den Wei:, auf \velchem liasformige oder glulhllilssige Knijilionsmaterialien aus
der Tiefi- bis /.ur I'lnloberllache gdangen. V.r isl Ubrigens nur bei im /n
stanch1 der Thatigkc-il hdindlidien Vulkanen ollen. d. h. flir vulkanische Pi-o-
ducfe passirbar, bei erlosehenen oder im /ustande dc-r Huhe bc'lindlichen
Vnlk.inen hingc-gc-ii isl er durch erstarrle l.a\cn \erstopft. Seine obere, meist
trichler-. kc'ssc-l- oder Idlcrformig er\\c'ilei-le Miindung heisst der Kraler, an
\\eldieni man \\iedennii den Kralerrand , die Kralerwiinde und den kraler-
boden miterscheidel. Vic-lc1 Vulkane besil/.c-n ausser dem meist cM-niralc-n,
/.u\\cilen alter aucli auf dcm Abhange geleuenen nodi einen /\\cilen llaupl-
kralc-r oder x.ahlreiche radial angeordnele Nehenkratere mil da/.u izc-liorigc'n
pai'iisitischen Kc-gdn. So hat der Pic von Tenerifla und der Mauna l,oa z\\ei
Hauplkraterc' . so sind ferner am Aetna 700, am Vesuv 30 kleinere Eruptions-
G cologne,
schlilnde ge/iilill \\urden. Kinigcn dcr hoehsten Slralox nlk.ine lehll ein eigent
licher Kraler. Hire Krnptiimsersdieimmgen crfnlgen ans Spallen. die sidi an
den Abliiingen dcs Kegcls bildcn, so am grosscn Ararat, am Anlisana in Sild
Amerika u. a. Die Diinensinnen dcr kralere sind ansserordeiillich imgleich:
\on ciner sclmachcn Vcrlicfnng anf deni Gipfel dcs Vulkancs bis zn schrollen.
kesscllormigen Reeken \on 3000, .'iOOO nnd (5000 Meter Durclnncsser sind alle
(irosscn \erlrclcn. Dcr Kraler des Slromboli inisst gegen (570, dcr des \Vsn\
t'n'O . des I'opocalepell 1700, dcs Kilanea auf lla\\aii cl\\a -V|00 Meier im
Durchincsscr.
§. 2. Material dcr Vulkaneukegel und daraiil* basirtc Kiiillieiliini:
der Stratovillkane. Die Malerialicn dcr slralovnlkaniselien Kegel sind Knip
lionsproducle, \vclchc sich inn den Ausbruchscanal anhiinftcn nnd inchr mler
\\enigcr schncll zu cinein Merge anwuchsen. .Ic naehdcin nun enl\\eder inn
Lava, Tuff oder \iilkanisclier Sclnitl nnd Sand, jcdcs fur sich allcin. mler alle
drci genicinsam an deni Aufbau dcr Vulkaneiikegel Theil genoininen habcn.
sind die Charaklerc dersclben \ersdiicden, so dass man diesclbcn gclrcnnl.
a Is Lava-, Tuff-, Schutt- und gemisehte Vulkaneiikegel bclrachlen muss.
Die Lavakegel \erdanken aus dem Kraler fliessenden geschinolzenen (ic-
slcinsmasscn ihreu fi'sprung. welchc sich bci dcr ihnen eigcncn LeichlHiissigkeil
uni den Eruplinnscanal hcruin ausbreitelen und sich seJbsl auf wenig genciglen
Kbenen fortbewegten. Die Folge davon \var die Bildung ausserordcntlich flacher
Kegel, deren Bbschung gewohnlich nur 3 bis 10 Grade betragl und die ans
lauler einzelnen, \venig geneigten, fasl horizontal liegenden Lavaba'nkcn bcsichen.
Die grossen Vulkane auf den Sandwich -Inseln. der Mauna Loa und dcr Manna
Kca. bcide gcgcn i3ol.l Meier hoch, sind solche La\akegel mil cinein durchschnitl-
j. lichen Abfall von H bis <s
Graden, sodassdci'Durch
inesser des Mauna Loa (500
Meter miter scinem (ii|t
felilber i dculselicMeilen
Kig. !i. Frolil der beiden Latakegel M. Loa uud M. Kea uuf Hawaii. betlVigt . DicNN iillde seiner
bciden Kralcrc, \on deuen der seitliche (der Kilauea dcr /.\\cilgrossle dcr
Krde isl . stiir/cn in /\\ci Terrassen senki-cchl ab und sind aus horizonlalen
Lavabanken aufgebaul.
Die Tuffkegel cut
slehcndiidurch. das^brci
artigcTnlVmasscn ddcrmil
licissem \\asser gcmenglc
, Ki_-. |(i. 1'rolil il''- Kr;iti'i~ Kilanea l^lo.
i;ri.st-tfr I>iirclini''ss<T Mini Mrtcr. Tii-fi' 'JlKt bis li.SO M^tcr. Lapilli. Sallde Ullll AsellCII
ans dem I'j'iiplionseanalc Irclen. sich anfanglich zu eiiieiu \\alle rings inn den-
sclbcn anhaufen nnd sich spaler slromarlig ilbcr den so gebildeten kralerrand
crgiesscn. Hires breiarligen /uslandes ucgen < rl'orderl ihre l;orlbc\\egung cine
veignng dcr I'lilerlage als diejcnigc der Lavakegel. Sic bildcn dem-
Sdiidiien, die unter 15 bis 30 (iradcn uach Aussen fallen. Audi das
Innere des ge\M>lmlich tcllerforniigcn Kralerbassins \\ird \un soldicn Tunsdiidilen
au.Nurkloidol, \\olrho dann llach iiach dom Kniptinnscaiialc xu gonoigl sind.
Dorarligo TnlVkogol rcsiilliron namenllich in Foliar soillichcr Kruplion grosser, in
der Nalie dos Moeres gologener Yulkano.
Fig. 11. Profit eine-i Tuffkegels.
Fig. 12. Profil Pines Scliuttkegel*.
(Assumption - Island.)
Die Sell ut I keg el \\erdon (lurch Aiihaufung dor mis dem Kruptions-
eanalo in fast senkrechter Richlung und zuwoilon bis xu erslaunlichcr llohe
emporgegctteuctartea , daun in unmitielbaror Umgebunu dcs Schliindcs zurilek-
fallendon losen Milkanischcn AuswOffKbge ^childol und bcslohen dcinticnuiss
.ins HlookiMi \<MI I.a\a, schlackiiicn Lavaklmnpon, vulkanischon BoinlxMi, l.apilli,
vulkanisclicn Sandcn und Aschcn. l)i(>S(\s Malrrial isl schirhlen\\cisc m>sondcrt,
so dass l.aia'ii von grohoin und fcinein Haufwerko mil cinandcr al)\vccliscln.
Die /urilekfallenden Auswtirflrage liaulcn sich mil dcr Zcil zu Kegeln an, derm
Seiten und sehiehtenartit:e Lai^en 35 — 15 Grad Ncigunti nach Aussen hcsil/cn
und deren Kratere ili<> Form rngrr, sloilor und schlotahnlielior Schlilndo baben
liu. 12). Die Seluillkeiicl sind in dor erslcn Zoil naeh ihrcr Enlstchung sclnNaiv.
neliinen aber allinahlich in Folt:e \\eiterer Oxydation ihrcs Gehaltcs an Kisen-
<>\\dul cine rothbraune Farbung an.
Die Kogol von gcmischlcm vulkanischcin iMalorialc bestehen
aus abwechselnden. inehr oder \\cniijer iiiachtigen, schichtenartij: aiis^ebreiteteii
Lavaslrninon und l.a^en von losen Ausvvilrflingen, \\olchr \\iederuin von Lava-
uaiiuen durehsel/i \\crden kbnnen. Diese stMikreehlen Lavagangc sind ztmi
Thoil Ausfilllungen \on radial voin Kraler ausstrahlonden Spaltcn , vvclche- bis-
\vrilrn inehrcrc Hundort Meier I Jingo orroichon. In dcr Aufeinanderfolgc des
\erscliiedenartit:en Maleriales Jierrsehl keinc Gesetzmassigkeit. Bald vvird dor
uiilcre. llacliero Thoil des Vulkanonkcgols von Lava und soinc obero, sleile
I'arlie \on llauf\\erk uebildel 'so bciin Aetna : bald bostohl dor Kralorrand
aus solider l.a\a und dio Basis dos Borgcs aus loscn Auswilrfliniron. Xur
<llasse dor uoinisohton Keuel t;ehoron dio incislen Vulkano , so doi1 Vesu\ , der
Aetna, dio Vulkane dor l.aaehor Gogond.
§. :t. Untergrund der Vulkano. Die Gestoinc, durch welchc sioh die
\ulkanisehe Thatigkoil Halm brach. und auf \\elehon die Vnlkanonkogol para-
silisch aufgesettt sind. golioron don inannigfaohslon Arlen und don vorseliieden --
slcn goolniziselien l-'ormationen an. Sic sind thoils selbsl erupli\or Natur und
selbst bereits friilier aus der Tiefc emporgodrunucn. llieils sind sic sodimen-
tiiren rrsprungs und Glieder der ijcschieliteten (iesteinsreiho. Auf (iranilen
ruhon dio Vulkane dec Au\ergne und <-iii Thoil doror son Quito, auf Diabas,
Diorit und Porphyrit die Vulkano dor Canarischon Inseln. auf (inciN>. (iliminei
und Talkschieforn die Vulkane des Vivarais, Volay, so\\ie des l^lbrus, auf pa-
laeo/oischeu Sehiofern und Grauwacken die Vulkano dor Kifol und des Laaehor
Sees, auf tortiiiren Sehichlen der Aetna und dio Nou- Seolandisohen Vulkane.
III. l)\ ii.miiM-lii' li
Hesonders \\idiiigc Sdiliisslnlueninuen gcstatien die LageniDgsverhsHnissc!
der gesdiidilelen (iesleinc. \\o diese \<>n \ulkanisdicn MJISSCH dnrdisctyl mid
nlirrdci-kl \\cnlrii. Mini n.ihin 1'riilicr mil I.. von lindi mid A. \un HIIMI|MI|(||
in den iiicislt-M Fallen ;ui. diiss die vulkanisdie Thiiligkeil cine centrale Kr-
liebiinu dcr rings inn den Kruptionslierd bclindlichen (ieslcinc /.nr l-'ol;je ge -
haltl halte. in dcr \\Visr . diiss die ;nil' den benadibarlen sedimcnliircn Sdiidi-
ten gelagerlen TuhV, Aselien und Sdmlllagen Hire ufiu-i^te, von dcr Ansbnidis-
c.ssc abfaUeode LILIC durdi die licl)cndc kriill ciiiLiccn^lcr. \(ir/iii:licli |i;isl'(ir-
nii^cr l'j'iipli()iis|ir(idiiclc crluillcn hiittcn. An cincr dcr.ii'lii:cii AiilVidiliini;
h.itlcii unlicdingt ;mch die die Grundliiuc do \ iilk.iiiisdirn M.ih ri;ils liildcndcn
-cdinicntiircn (Icstcinc 'I'hcil ticlmien mtissen. Mil diosein Krlnnlcrniss stimuli
die Beobjichlimu nicht iiberein ; viclmclir ci'uicbl sidi ,nis dcrsclltcn. d.iss
die Lagernniisvcrluiltnissc dcs Untergrundcs dcr Vnlkiincnkcucl \on den l^rnp-
lionscrscheinungen nidil in, (ici'ingstcn Itccinflussl \\ordcn sind. Rcispidc d.i
filr liefern die trotz zablreidicr vulknnisdicr Durrlihiiidic vollkoniincn iniLzcsinri
(d. h. in ihrer friiheren Stellung) gebliebenen Ldgerungsverbdllnisse dcr Sdiic-
Iri und Quarzile der Laacher Gegend , sowie der Kalkstcinc und Sdiicl'cr dcs
Kli.isberges auf -Sanlorin. Damil l';illt audi die Theoric son dcr KiiistdiniiL'
IZCNN isser Kratere und der steilgeneigten Stellung vulkanisdier Sdiiditcn dni'di
Mrhebung (Theoric dcr Krhebungskratere .
Ans Obigem ergeben sich /.\vei \\ichtige geologische Resnltate : I) Die \ul-
kiinisdic Tliatigkeil ist unabhangig von der geognostischen BdsebaffenheH cincr
(legend, i lire Ursa che muss deshalb eine von jener nnabha'ngige, liclcr liegende
scin. 2) Die I.agcrungsverhaltnisse des Untergrundcs \ ulkanisdier (iebictc sind
durch \ulkanisdie Eruptioncn niclit gestort vvorden , namentlidi ;ibcr ist mil
diesen lelzteren keine centrale Aufrichtung der die Vulkaneukrgel bildcnden
Lavii- und SchuUschichteo verbunden gewesen.
§. i. Kingformige Umwallungen, Einsturzkratere. Kine ansdieinend
zosammengesetztere Form als die bisher beschriebenc ndimen die Vulkane .m.
\venn ihrc eigentlichen Eruptionskegel in grosserer oder geringei'cr Mnll'ci -nung
von einer ringformigen Urnvvallung umgeben sind. Dieser Ring\\all besleht
aus Lavabanken . \veldie mil Tutt'-, Sand- und Sdintlsdiiditcn \\echsellagern
iiinl \\ ic diese n;idi Aussen gcneigt sind, naeh Innen /u abcr sleil ;il>sliir/.en.
so dass sic einen weiten Kcssel iinisdilicsscn. innerhalb (lessen sidi dcr l-j-up-
tionskegel aufgebaut hat. Der Monte Somma ist cine soldie. Ireilich nur Ilieil-
Fiu. i:». Pr,.til eines »lt«rcii Stratovnlkanf s I.MIIPS KiiiRwullcs) un<l oinrs jiinRprpn Kruptionskegels
in <lr,n Kinsturzkrater de« ertiterrn. a. VrrsHir^tn alt-r -iiAlnvulkan. l>. Ausfnlluiiu' and AoscbanD
kratcrs .lfi.-srlli.-n durch Schull \<>ii d.-n k r;it.TW»iid.>ii. C. N''ii'T B«ptlWI8k«g«l.
,/. Spiliiii.'Mlar-Scliicliti'ii di's Uiitorj;ninclos.
\\eise
erliiillenc riniiforinige rin\\allniig des cigetitlidien Vcsu\kegels. M,m
frilher. \\ie im voriuen I'arjiizraplien i-r\\;ilint, die Knlsteliimg dieses
Ill l»\n;ilili>dli' (i
an»i ren kratcr\\allcs .ml ccnlrale lle|iuni:cii \iui la >l liori/nnlal ahuelauerlen
Sehiditen \ulkanisdien l'rs|n unues y.unick und nannle die anueblidi durcli
Hcrslun:-1 der Sehiehlen in der AM- der Krliebuni; enlstandene KinsenkmiL;
'•Krliebuni:skraler M.III hal jedodi diese iius.srreu DmwallungeD .ils niclits an
deres aur/ul'assen , diMiii ills Kesle eincs alleren und /.inn Theil \ersliiryteu
Stnatovulkanenkratersj in dcs>cu Mine sidi die Eruptionsproduete cinen ncuon
\\ cu balmien mill ciiicn ncuen ErupUooskraler iiiiHtiuih-n.
(j. '•'>. Waart'. \\ <ilnvnd die eiuenlliclien Slr;ilo\ ulkiiiu> ails einein Seliult-
odei- l.;i\.ikem'l heslelieii. ill \\elehein dcr Kr;ilcr cin.ueseiikl isl, Irclen in \ ic-
Icn Milkiiiii.M-licn deuendi'ii kcsscliirliuc kr.ili'i-eiiisenkun^en iilll'. \\elchc cnl-
\\edei iiur \<MI einein u.in/. nicdrijicn \\iille \on Tull' mid Honihcn iniii:cl»cii
Mini, ndcr sclhst dieses cnlhehren und nur dnreli einen Kr;in/. von Hruelisliicken
ihrc> Nclicnuesiciiics nniuiirlel \\erden. nic alter Lii\cn zun» Ausllusspunktc
uedient lialx-n. Sie hcsil/cn moist o\alo oder \ollkoniincn kreisriinde I'mrisse,
sind liiiuliu. ;ilier nielil imnier mil NViisscr iiiiiictullt und hildon dann reiiel
in.i.sM.-e. nur sellen mil ciucm /.u- oder Ablluss \crsehene Sceheeken. M,m
lie/ciclinet sie ills k e s s e i k r a t o re oder Mil arc. liber Hire Entslelinniisucisc
lierrschen \erschiedene, noch nieht eodgttHig cnschiodcne Ansichlcn, indem
sie /nm Theil als dureli |-!\|ilosion unterirdiseher . lioeli;j:es|i;mnler (iiis- und
Dampl' Ansainmlnnuen liersoi'izelnvieliU* ».Minenlrielilen< l^xplosionsknitere . /.nm
Tlicil .ils EinsturzvertiefungeD , \er;iidasst dnreli Ahselimcl/cn dcr tict'cren (ie-
sleins|tartieu und dadurch hedintilc l.oekernnii des SeliiehU^xerbandcs hcli-iieli-
lel \\erden. \\ ie m, MI aueli uher iliren ITrspruns; dcnkcn iniiijc , so seheinen
sie doeli das crslo Stadium in dcm hildunL;s|)roeesse dcr Slr.ilo\ ulkiinc /n re
|tr,i>entiren. indem /\\ iselienlormen y.uiselien den liohen \ulkiinenkeiieln und
den dcr rm\\alluni: cnllielircndcn Kcsselkr;ileren den i;enetischcn Xusamnien-
liiini: liridei lu-knnden. M.i.nr uud Slr;ito\ ulkanc sind dcmuach (lurch ,ill
m.diliche llieruanue \crlnmdcnc Ausltildnnusslul'cu cin und derselltcn ICnt\vickluuizs-
reihe. dcr in dcm Maaiv (lurch l.ockci'iuiii dcs Cesteines gedffnete \\Cii iiah
\ er.inliissniiu /.u \\iederliollcn I'lruplionen \ou (iascn und Lavon uud somit dureh
iillniiiliehc Anhaufuni; dcr \ulkiiniselicn I'rodnele y.um Aiifhau cincs Slrato-
\iilk. ine^. Audi Peutsehland hesil/l in den \ulkaiiischcn (ichiclcn dcr 1'lil'el
und der I mueuond \oii Laach cine An/.ahl soldier Maarc. Die Itckiiimleslen
sind d;is I'lilxcrmaar hci (lillciileld, das NN'eiiil'clder und d;is (icmiindener Miiar
hci Daun . \vcldic in de\onisehe <irau\\aeke uud Thonsdiicrer ciniicscnkl
sind. Audi dcr l.aadicr Sec sclhsi \\ird \on .Manchcn I'iir cin Maar ge-
hiillen. Hirer Schniihcit \\ei;cii beriihml siud y.\vci mil Wasser ucliillte Kr;i-
Icrkcssd mi Alkmer (iehirge. del1 See son Alkino nnd der \on N'emi :
HUQSerordenllicb reidi isl ferner .lava an a'linlidien . den Maaren analoiicn
Mlduogen.
§. (i. I nters«'i'isrlu' Vulkane und Viilkancniiisolii. Hei dem ul»er-
\\ieucud iirossen Ai'calc. \\cldics das \\asser iiul l-lrdeii eiunimml, isl y.u ci'-
\\iirlcu, dass, so \\ ic auf dcm Iroekenen l.andc, audi aid' dem .Mccresi;rnndc
\ulkaniselic Kni|tlioiien sliilllindcn . in l-'olge deren VulkancnkcLiel enlslehen.
Di(> iirosse Mchr/ahl dcrsclbcn mai: die Ohci'lliidic des Meeres j^ar nidil errei-
Illli III. iKn.imi.M'lio (n-olo-ic.
chen. \\alirend andore dioselbe liocli iiborragon Vulcaiio. rino dor liparischcn
Inseln. H!» M. . der Kosiniii. /wisohon Nipon und .leso. 232 .M. , und ondlieh
noch andore sich nur mil ilirem Kraleirande fiber den Meero&apiegel erhoben.
In lot/torem Falle \\orden \ollkommon gesohlossene. moisl abcr ;in einor Stollo
untorbroelione . ringforinige Vulkaneninseln gebildet. Dieselbon uinschliessen
fin kreislormigos odor elliptisehes Seebeeken. in (lessen Milte niclil selton oin-
zolne kleinere Inscln erschoinen . \\clohr oinen jUngeren. eenlralen Krnptions-
knilor ropriisciUiron. Solcho Kratorinseln sind /icnilich /ahlroich. jodoch in
Foljio der loichten Zerstorbarkoit ihres loson Malcrialt s /.nin Thoil so vcriiant:-
lichor Natiir. dass si<- liiiuliu dor xorsliirondcn Goualt dor Wouon nidi! /,ii \\idor-
>l(ihon xonniiiion und dann nach kurzoin Dasoin \\iodor \orsoh\vinflon. Nnr
\\onn ilinon duroh solido I.a\aniasson Halt gegeben \vird. uowinnon diosollion
an HosUind. Santorin ini i-i-ioohisohon Arohipol, Deoeplion Island Slid \Valos .
Amslordain Island sind ausgozoichnoto Bcispiclo solcher Kralerinsoln . \\ahronrl
dio iin Jahro IS.'H ini niiltollandischen Meere zwischen Sicilicn und Panlollaria
onlslandono vulkanisrho Insel Fordinandoa. dio unler fort\vahrondor Kruption
bis /u 7^ M. Hoho gowachson war. nach halbjahrigoin Besk'hon \viodor \or-
schuand.
§. 7. Kiiiiniliclio Verkniipfuiig cler Yulkane. Vulkanenreihen und
Vlllkanengrupp^ll. Dio Vulkano Irolon onlwedtr isolirt als Einzoh ulkano odor
in oiucr grossoron Anzahl vergcsollsohaftet auf. Die Gruppirung dor lolzloron
scheint oinor gowissou (ioselzmassigkeit zu unlerliegen , \volohe sioh ent\\oder
in oinor reih (; n form ige n Anordnuug oder einer haufenformigo n 7. li-
sa in mo u d rii in gang dor oinzolnon Individuon kimd giebl. Nach der raum-
liohon Ko/iohiing <lor Vulkano /,u oinander untorscheidot man doninaoh Vul-
kanonroihon und Vulka u en g ruppo n.
\iilkanenreihen sind dor Inbegriff einor gross*'^1!! An/ahl von Vul
kanon. seiche in oiner Linie an einander gereiht sind. Die Reihenvulkano
erheben sich entwoder als vulkanische Inseln Uber den Meeresspiegel Ktirilen.
Alouton, Antillcn), oder sio stehen auf deni Riicken oinos (iebirges oder Pla-
loaus und bildon dossen Gipfel so die Vulkanenreihen \on Quito, Bolivia und
.Mexico . Dio Zahl der zu einer Reihe zusanunenlretonden Vulkane schwankl
lu-lrai lillich. Die Vulkanonroilio von Chili bcsteht aus 33, die von Kanischatka
aus :{S, dio dor Aleuton aus 48 Vulkanen. EbensoNsonig horrscht eine Rogol-
massigkoil in dor (Irosso dos Abslandes z\\isoh(Mi don einzelnon Individuen der
Vulkanonroiho. In manchen Fallen sk^hen die Kegel so dicht "neben einandor.
dass sio sich mil ihrer Basis borilhren, in anderen betriigt ihr niilllerer Abstain!
• i Mrilcn so in der Vulkanonroilio \ on Chili , in nooh anderon \i so in dor von
Mexico . Anch die Liinge dor Vulkanenreihen schwankt zwischen \veiten (iron-
/on. Die chilenische dehnl sicli £iO, dio poruanische 105, die der Aloulon
170 Moilen aus; fasst man dio Vulkano an dor Westkilste Mittol- und Siid-
Amorikas als eino oin/igo Reiho auf. so orroicht dieselbe oine Ausdolmuni: \<>n
fas! I (MM) Moilen. Die Linio . auf wolohor die Vulkano /.u einor Reihe ange-
ordnoi sind, hat onl\\oder auf ihrer ganzen. ol'l seltr bodeutondon Ausdohnung
einen geraden Verlauf, oder sie ist ot\\as uebo^en. Die sclion melirmals or-
III. byitainisciic (ii'do^ie. 107
\\almle Vulk; menreihe \iiii (ihili isl Irol/ Hirer Lirossen l..mue lasl Millkoinmen
iieradlinii:: elienso die \oii .Mexico. Als ansue/.eidinele Beispiele btgenfbrmig
uekrumniter Heihen komieii die Aleulen, Kurilen uiul <lie kleiuen Antillen uel-
tcn. Kine itutliilliue KiuenthUniliehkeil dieser \ulkiii\isclien liiselscliimreii isl es.
il.iw sic slels die eon\exe Seile ihres Hourus dein otVenen Meere. die Ollnunu
des Hoizens deiu r'esllande /uwenden. /u\\eilen lauleii /.\\ei soldier Ynlkanen-
rrihrn parallel nelien rinandrr her so in der Anserine, ini lloclil;inde MIII
Ouito. mi \\eslliclien Theile \on .la\a .
Das deset/. der reihenforiniuen Anordnm«n der Vulk;ine Irill nichl nur ini
drnsseii. \\ ie .111 ol»ii;en heispielen erliiulerl . lier\or, sondern innchl sich ;uicl)
ini Kleinen ;in der (inippirnnu der p;inisiliscli deiu HauplN ulkiiiicnkeuel iiul
Nil/eiiden Nelienkeiiel uellend, \\elche el)enf;ills liiinfii: in ueriidliniiier Kiclilnni;
iiiieiiiiinder uereihl sind. Klu-nso \\ie diese .ml Hissen des llaupl\ iilkiiues x.iir
Aiisluldiini: ueliinut sind. so isl ;nicl) die iiesely.iniissisie Anordiuini; der urossen
Heilien\iilk;me diirdi Spjilten in der Krdkrusle Itedinut. deren oll'ene Stellen
di<> <Mj;enllichen Krupli(tiKSc;iiKile der Vulk;ine hilden. Mil dieser Deiilunti mid
drin rnisliinde. diiss die Vulk;moiireilien x.mn liriisslrn Thrile auf die Kiislen
4lrr (loiiliiirnle ln-schriinkl sind mid diesen ini All^emeinen panillel liinlen.
sliininen ;nicli unsere Ansiclilen (liter die l<;nlsl(>liiuii:s\\rise drr (Iniilinriile
ulterein. \\elchr ;ils ^eliol»ene l';irlirn drr iiehorsleiien Krdknistr aiir/iifcisson
sind. mid deren Ahlrennmiu; \on dein sulniuirinen Arr;ilr cine Sp.illenltildmii;
Miriiiisueu.uiuen sehi muss. An einer frUlierrn Stelle 'pnt:. 10) isl hereils her-
\oruehohen \\orden, diiss die heiden urossen (loiitineiiliilniiissen . \\elche das
l;e^tl,ind der h'.rde miiliissen , in I'iisl rechleni \\inkrl auf ihrr l.an^srichtllliu
dun h liefe hiichlen mid \Yas.srrstrassen in eine nordlirlir mid cine sildlichr
Haltle ueiheill vvordoii. Dass diese Trennung keine oherflarhliche ist, sondern
,ml Sp.iltenliildnnuen in der Krdkrusle heruhl . darauf deutet der Rrirhlhuni
jener Dislricle an Vnlkanen Inn : die Hnchl /.uischen \ord- mid Sild-Ainrrika
mil den kleinen Anlillen. das Millellandisclie Meer mil den Vulkanen-(ie-
hielen der liparischen Inseln. Siciliens. der apenninischen Hallmisel, der i:rie
chisclien Inseln mid Kleinasiens. - das Holhe Merr mil seinen VnlkaiH-ninseln
mid KiisleiiMilkunen, - die (Iren/.klufl /.\\ischen dein asialisehrn mid austra-
lischen (ionlinenle mil .lava, (lelehes u. s. \\ .
V n I ka n en^rup pen sind Veri;esellscliidlmiuen melirerer Vulkane , cnt-
\\eder dime dass denselben iri;end eine erkennliare Iteuel /u (irnnde lietil.
oder so. dass eine An/.alil \on Viilkanrn radial mil einrii ^rosserrn (lenlral-
\nlkan ^eordnel isl. \\elcher sich (lurch seine llohe mid die Xahl seiner
l-j-nplioneii \or den iil>rii;en. /.urn Theil erloscheiKMi . kleineren Vulkaneuke»elu
.nis/richiiel. I'iin solches Verhallniss isl xieinlich sellen mid naiiKMillich am
\lna mid in der (irnppe der canarischen Inseln ausiiepriigt, in v\ richer Irl/.-
leren drr I'ic \on Tenrrilla die Molle des llauplvulkanes spiell. Heispieie mi-
reuelmassii; liaufriiloriniiirr (iruppiruni; liefern die (lalapaizos. so\\i- die lipa-
rischrn- Inseln.
§. N. Lage der Yulkane init Bexug auf Land mid Meer. Kinc }>e-
deulsaini' I'.ixeheinmiii ist die Abhaiiiiiiikeil der tlialijzon Vulkane von der Nalie
Ills HI. DviiiiiiiiM-lio (i
\\ .iv-erllachen. Die bei \\eitem rneislen der existirenden Ynlkane lie
,uil Ins. 'In. die anderen fas! alle langs der Meereskilste mid einige
in der Nahe i:russer Hinriengewjisser. Nur seheinbare Ausnahmen
machen die iin Inneren em/elner Continente gelegenen , crloschenen Ynlkane.
inir scheinbar. \veil ihre Thatigkeil in /eilen I'iillt . \vo sich das Men1 liis
in ihiv N.irlilt.ii sch, ill erstreckte oder Seen sich in Hirer Nahe ansdelmten,
deren Gren/en (lurch spatere i;e<»|oi;isehp Vorga'nge verrilckt \vurdon. Sn lie-en
die Viilkane des l.aacher Sees and der Eifol heute W Meilen von der Meeres-
kiKie. \\elche sich vor verhallnisjpinassifi noch" kuiven Zeitriiumen nur in \\eiii-
uen Meilen KnU'ei-nnni: \on derselben hin/op. Ahnliches u;ilt von den erlosche-
ncii Nnlkanen der Rocky Mountains und der ihnen parallelen westlichen Ge-
l>ii-i:s/iii:e. an deren Fuss sich gleichfalls \vahrend der Tertiar- und Dilnvial-
/eil .Meeresbuchten und weite Sils.s\va.sserllachen ausbreiteten. Auch in der
Nahe der Vulkane des cenlralen Frankreichs isl die einstige Existenz inehrerer
Seebecken nachgewiesen. Wahre Binnenlandvulkane beh'nden sich nur im Inneren
Asiens in der noi'dwestliehen Mandschurei und auf deni Thian-Schan Gebiriie
sd\\('ii vom Meere entfernt, als dies bei der jetzigen Vertheilung von Land nnd
\\a->er iimulieli isl. Doch auch hier hat man Grilnde, ein postterliiires ,isi,i-
lisches Binnenmeer annehmen zu dilrfen. Trotz einiger Ausnahinefalle ist die
He^el. dass die ihiiligen Vulkane an die Nahe grosserer Wasseransammlungen ue-
Imnden sind, cine wohlbegriindete. Von den 225 Vulkanen, welche sei! der .Milie
des \origen .lahrhunderts Eruplionen gehabt haben, liegen I •")•") auf Inseln und nur
70 auf Continenten und von diesen die Mehrzahl direct an der NeereskUste.
§. 9. Geographische Vertheilung der Stratovulkane.
I. In Europa.
a. in Den tsch land.
1) Vulkanengebiete der Eifel und des Laacher Sees, letzteres allein mil »o
Vulkanenkegehi und zum Theil ziemlich bedeutenden Lavastromen. Sie
sind, soweit menschliche Nachrichten reichen, nicht thatig gewesen ;
2) der Roderberg bei Rolandseck am Rhein mil einem flachen, 800 M. hal-
tenden Krater;
3) der Ka in tnerbil hi bei Eger, ein 25 M. hoher Schlacken- und Schultke::el :
i ein kleiner Vulkan im SUdosten von Ma'hren an der Bistrizka :
5) drei Vulkane an der Gren/.e \on nste.rreichisch Schlesie'n ;
6) Resle eines Vulkanes im Ries bei Nbrdlingen in der rauhen Alp.
b. in Siebenbtiryen.
Mehrere Kralere und Maare bei \V a s c h a r h e \ .
c. in Frunkri'icli.
\) Das Vulkanengebie Uler Auvergne mil 43, bis 235 M. hohen, erlosehenen
Vulkanen;
2) das Vnlkanengebiet des Velay und Vivarais, ersieres mil iiber li>(>
Kraleren. lel/.teres mil (i Vulkanenkegehi :
:t Vulkane mil l.avaslnimen , so\\ ie ausuedehiilen TnlVbildungen l>ei Agre,
VaUos und Montpellier.
^ lit. l)\ll,lllliscllf (ieoliiLiie. 11)11
d. in S/iunicn.
I YulkaneiiLjeliiet \on Cal .1 In n i en mil II ausge/eiehnelen Sehultkeizeln ;
2) die Colunibretes I use In y.\Nisehen Yaleneia mid der Insel Majorea.
«'. in / la Ht'ii.
I Die K uiz ,MI e t-ii, t-inc kleine Yulkanenreihe bei Padua:
2) die r'nmarolen von I, a rd «• 1 1 o in Toseana. namentlieh Borsiiure enl\N iekelnd ;
;l d;is Cimini Gebirge bei Yilerbo mil einem Kraler inul von SrhhrktMi
mill l..i|)illi lii-ili-ckt:
i d. is AlhiiinT (Jcltiriic bei Rom, Iliiuptkcud Monic (lavo, 1000 M. liodi.
Ks \\ird uin^chcn \<m der
!i) (lain pa j; n;i mil /ahlivirlirn Krateron, Laviistoincn , Schull- und Tiill-
bildnnpMi :
6) Rocca in u n fi n a . mil ^rossein Kraler, in diesem IIOIIIO^MUM* lu'uptions-
kegei;
7) die phlciirai.se hen KeUler mil 27 Kraleren;
S) der Yulkan Vullur und der Kniler l>ago diAnsanlu in ostlicher Ricli-
lun- \on Neapel :
9) Vesuv, 3720 F. holier, kegeli'bnniger, noeh thiiliger Vulk;m mil llieiKveiser
riniiformiiitM- Umwiillung (Monle Soinina) ;
10) Inst-l Is cliia mil dem l^poineo und noch 12 kleineren Vulkanenkegeln ;
11) Sici I i.i n is dies V ulkan e ngebiel mil dem Atna (10,200 F.) ;
I;' l.ip a i ische I use In mil den llauplvulkanen Slromboli, Vulciino und
Lipari.
f. an/ den (/ricchischen Inseln.
(Santorin, Milos, Kimolos, Polinos und Nisyros.)
II. In Afrika.
a. auf dem Conliiicnlc.
<) am Huscn \un (iuinca die Cameron Berge;
2) an dei- \\YstkUsle unler 10° s. Br. der thalige Vulkan Zambi;
'•\ an dei- Oslktlsle, einige Grade sddlich vom Aqualor, ein ausgedelmles
(u-biel erloschener Vulkane.
b. auf den Iiisclii.
1) Madeir.i mil mehreren Kraleren;
2) <lie ca n a ri sc h en Inseln mil 7 vulkiinischen Inseln, unler dieseu Te-
neriir;i, I'alma und (Iran (liiiiitriii ;
3) die capverdischen Inseln, 14 vulkanische Inseln;
4) die isolirlen Yulkiineninseln Fernando Po, Aseension, Si. Helena;
5) Mad ai:as kar mil mehreren Vulkanen;
6) die Inseln Bourbon und Mauritius.
7) die Yulkaneninseln des Rolhen Meeres, so namentlieh I'erim und Sebair.
III. In Asien.
a. auf dem Conliin'iilc.
1) Kleinasien; grosses vulkanisches Gebiel mil 30 erloschenen Vulkanen;
•2 tier Taurus mil dem ArsJii |);ii:h:
I 1 0 III. DyiUMiiisrlir ( i
3 /NNisrhen sc h \\ ;i r/ c in mid kaspisrhrm Mr err drr S;iil>;ui l)agh mid
drr Ararat Armenien , sowie drr Klbrus i'Kaukasu> :
4) siidlich \oiii kiispisrlirin Mrrrr drr Demawend:
5) Vulkanengehiet der Ostkiisle \on Arabien. so\\ ie die rmgegend \on Me-
dina und das Yoriiebirge Aden mi! zahlreichen Ki'atrren und Kruplions-
ke£eln :
II die Vulkanengebirlr der Mandsehurei mid Turans in Cenlralasien.
b. auf den Inscln.
\ Harren Island im Meerbusen \on Bengalen mil einem thiiligen Vulkanr:
2) Sunda-lnseln; Java, das grossartigste Vulkanenland tier Erde. mil
liber 100 zum Theil noch thatigen Vulkanon. Sumatra mit ID Vul-
kanen, darunter 7 thatigen;
•'! Molukken; Celebes mil II Vnlkaneii : Gil olo und Terna te mit thii-
liizrn Vulkanen.
An die Molukken schliesst sich von Stid-Osten koniniende westaustra-
lische Reihe von Vulkaneninseln an. Zu dieser gehbren naiiienllicli
Neu-Seeland. Vorztiglirh grossartig sind die vulkanischen Krsclieiiumuen
auf der Nord-Insel mit deni an kochenden Quellen . dampfenden Fu-
marolen und Solfataren reichen Seedislricte. In der rmgegend \<m
Auckland sind 61 Vulkane vorhanden. Ferner
die n e u e n H e b r i d e n . Santa Cruz, die Salomons Inseln und N e u -
Guinea mit zahlreichen erloschenen und einigen bestandig tliiitigen
Vulkanen.
i Philippine!!. Die Hauptinsel Luzon selbst mit 3, die Halbinsel Cama-
rines mit 10 zum Theil stets thatigen Vulkanen;
•i Formosa mit 4 Vulkanen; 3 von ihnen bestandig in Thaligkeil. nahr
der Ktiste einige submarine Vulkane;
<> Japan; Nipon mit 6, Jeso mit 17 Vulkanen:
7 die Kurilen. eine vulkanische Inselreihe, welche neben sehr /ahlreirlien
erloschenen 10 tha'tige Vulkane besitzen soil. Sie sind die Forfset/ung
einer Vulkanenreihe auf
H Kamschatka an der Ostkiiste mit 38 oder mehr Vulkanen. unter diesen
12 thalige, -- im Inneren eine /\\eite. noeh \\rnig bekannte Vulka-
nenreihe.
IV. In Amerika.
I) Die Aleuten, eine bogenfonnige Reihe von zum grossen Theile dinvhaus
Milkanischen Inseln mil i?< thiiligen Vnlkanen :
•2 die Halbinsel Alia ska mit 5 Vulkanen;
3 die Vnlkanengebiete der pacifist-hen Kiiste \ nn Nordamerika mil
grossartigen l.a\aderken und -Slronien und /ahlreichen . nodi \\enig
hekannlen Vulkanen. welt-he namcntlich im ndrdlirhen Californien , in
Nrsada und Arizona eine \\irlitigr Rolle . spielen , so der l^liasberg
Hi. 7:18 F.j, Ml. Fairweath.'i- li.<>03 F.}, Ml. Urignirr \\.1W V.
Masla I'eA I'..'.'.;' F. . I ;is.srn.s |»,.;ik Hi..",: 7 F. :
III. l>\ nami-rlir Cn'oloLiir. I 1 |
4) die Vulkanenreihe \<m Mexico, crstrrcki sit-h in Mt-westtichoe ftiehtang
I ill Mrilrn laiii: mil II un'issrrrn Vulkanrn. 1'ir \on Ori/aba I <>. ('>();> F.),
Popocatepetl (10,702 F.), Xorullo:
•"> die Volkanenreihe \on Out r;i lamrrika, 190 Mcilrn laiiij;, mil Uber
•')<> Vulkanrn;
6) die Vulkanrnrrihrn \<>n N cu-Gra nada und Qui to , die b'stliche mil dem
Antisaiui I7,«;>6 F.), Cotopaxi IT. 712 F.) und Sangay ^16,080 F.), die
\\rstliclir init drm Pinchincha (14, 940 F.: im Ganzen 20, meist thiitige
Vulkanr :
7 dir Vnlkanrnrrilir von Bolisia und Obrr-Peru, mil 15 sehr holim
Vulkanrn. drr (llinquibamba und Saliama sind Uber 6600 M. hoch ;
X dir Vulkanrnrrihr von Chile enthalt bri einer Ausdehnung von iibrr
.Mrilrn M grftssere Vulkanr. deren hochster der Aconcagua (22,434
ist. Kinr sildlirhr Fortset/unii dirsrr Vulkanrnrriho crstreckl
sii li bis nach Pataizonien. (Jeberhaupt schrinl /.\\ischrn den aufizr/alilten
slid- und crntralamerikanischen Vulkanrnreilirn durch zum Theil mas-
scnhaltrs Aul'trrlen \ulkanisrlirr Kruplionsprotlukte eine Verbindunu
hei*gestellt zu sein , so dass man sir in Hirer Gesammlheil als eine
rinziiie Vulkanrnrrihr von gegen 1000 Meilen Liinge auffassen darf.
An der Oslktlste des ainri'ikanischen Conlinenles bilden
'.' <lir klriurn Antillen eine bogenfbrmige Inselreihe mil zahlreichen Vul-
kanen , so namenllich die durchaus vulkanischen Inseln Martinique,
St. Vincent und Dominique.
V. auf drn oceanischen Inseln.
a. im (itldinlischen Oceanc.
1) die Azoren, eine Doppelreihe von 9 Vulkaneninseln ;
2) Island, neben Java und Neu-Seeland der grossartigste Schauplatz vulka-
nischer Erscheinungen. Fast vollsUindig aus vulkanischen Gesteinen
brstehend, mil 26 theilvveise slark thaligen, grossen Vulkanen, so der
llrkla (4961 F.), dem Oroefa (6000 F. , sowie mil heissen Spring-
<|ucllen (z. B. dem Geysir).
b. im wdischen Oceaiu'.
1) Neu-Amslr rdam und St. Paul, ringfb'rmige Kraterinsrln im sildlirh-
slrn Theile des indischen Oceanes.
c. im fft-ossen Oceune.
1) die Sandwich Inseln, vor/Uglich Hawaii mil dem Mauna Loa. Mauna
Kra mill drmKilauea, ausgezeichnet durch die Grossartigkeit und lid
tigkeit Hirer Eruptionen ;
•2 dir .Ma rian en mil 9 Vulkanen, davon 3 thiitig;
M dir I- rr udsrhaftsin seln, einige dieser 200 Inseln mil Vulkanen;
i die Ge sell sch a ft si use In, 11 Inseln. unter diesen Tahiti mil rinrm
Iibrr 3000 M. hoheii Vulkane;
•"> dir (iala pagos, rinr Vulkaiirnin.s«'li:nippr mil inchr ills -.'(inii Kratrrnt.
1 1 2 III. Ihliaillischc (ieiiliii-it'.
(I. im sildHchen Polarmecre.
1) die Nen-Shc! l;i nds Inseln in dcr \iihe des Polarkroises in der Fort-
selxung der chilenischeD Yulkanenreihc. Deception Island, cine Kra-
lerinscl \on ausgexeiehnet rtagfftnniger (it-stall;
L* Krcbus mid Terror, x\\ei liber 3000 M. hohe Vulkane anfdem polarcn
I'Vstlandr ; ersterer Ihiilig.
§. 10. Rrloscliene und tliiitige Siraioviilkane. Nichl !m-i\\;iliivnd und
bcstiindig ent\\oichen aus dem Canalo, inn (lesson Munching sidi die Strato-
vulkane aul'gohaul habon, aus dcr Tide jteraufsteigende glulhflttssige odcr uas-
lonniiic Malcrialicn, \iclniclir sind die derarliiien Eniptionserschefnungen dun-h
iii'ossei-e odcr ueriii^crc I'aiisen uiiterln'odien , Nviihrcnd dei'en dcr Ki'alciranal
\nllsliindii: Ncrslopl'l isl , ja bei vielcn , selbst den ineisUm der SlraloMilkane
hilt, so laiii^e inensdilidie Niichriditen /.uriickreichen, (tin Ausbrudi nichl statl-
jjjefunden. Man be/eidinel dieselben ills erloschcn ini llei^ensatx xu denen,
von deren Eruptionsthiili|j;keil wir Kiinde besil/en, den Ihiiti^en. Diese I'n-
tei'sclicidunii isl deshiilb eine sehr unsidiere, \veil die Zoilmasse, \\elehe man
hierbei in Anwendimg brin^en kiinn, in versehiedenen (lejjendcn sehr \er-
sehieden i^ross sind, in manchen Fallen nur \\enige Jahnehnte oder .lahrliun-
derte /uriickreichen, -und selbsl dorl, wo sie belrachllidi sind, doch innner
noch versehwinden ini Vers^leidie mil den Zeilriiiiinen , von deren Heizinn die
Bildunij; der ersten Slralovulkiine datirt. Man hat denn auch vide Vulkanen-
als erloschen belr;ichlel , -his inn so furchlbarere Kruplionen den Nanicn
y.u Schanden machlen. So erfolgle dcr Ausbrudi des VOSUNS ,79 n. Chi. .
(lurch \\elchen Hercuhinuin und Pornpeji vernidilel \vurden, nach dcr liiihc
\icler .lahi'hunderle, \viihrend deren jener Vulkan als la'ngsl erloschen i-all.
Dodi audi ein thiitigor Vulkan befindel sidi nidil forUviihrond im Xiistande
der AufregUDg, vielmehr slelll sieh dieser nur von Zeil zu /oil, nach liingeren
oder kiir/ercn Perioden der Ruhe, gewissermaassen als cine i:e\\altsaine I'nler-
breehung del1 normalen , sleligen und ruhigen vulkanischeo Thiiligkeil ein.
Auf der iinderen Seile erslirbl auch in als erloschen belrachleten Vulkiinen-
dislriclen die vulkiinisdie Thaligkeil nichl giin/lich. Ilcisse oder kohlensiiurc-
reichc Wasscrquellen und (lasausslriiinnnijjen sind die lelzlen , unsdieinharen
Niieh\\irkungen der grossarligen FM'ciiinisse I'riihcrer /eilen. So trill in der
I'niiielmnji des Laachcr Sees die Kohlensiiure an un/iihligen Punkten , bald ills
freies Gas, bald an Wasser gebunden als Siiuerling /u Tiige ; besonders reidi-
lich sind solche Kxhiihilionen in dem lief eingeschnittenen Brohllhale Norhandcn.
Eine einxiize Sauerquelle bei Hurirbrohl fiihrl der Atmosphiirc in jedein .lalire
jjc-eii 120,000 CM. Kohlensiiure xu. Ganx Ahnlidics isl in dem Yulkanen-
dislricle dcr l^ifel und des nordlichen Bohmcns Bilincr Saucruasscr der Fall,
- iiuch das (Hebiel erloschener Vulkane in dcr Au\eri;ne isl reich an Kohlen-
siiure-l'Ahalalionen, \\clche somil ue\\ issernuiiissen dcr Icl/.lc Act \ulkanisdier
Thiitigkeit sind.
§. 11. Die nor in ale Thiitigkeit der Stratovulkane hesichi in don Aul-
und Abslei^en, in der \viillenden BCVSCIMIIIU der gluthfllissigen La\;i inner-
hall) des Kralerschlundes. in dem rulii^en, y.um Thcil cnnlinuirlidien
III. DyiKimisrhc <iroln-ic. I I 3
der Lav. i. in clt'iu Aussthiim-M \mi (iason and Diimpfen <ius Spalten des Vul-
kanes odor aas doui mil llii.ssigor Lava gel'illlten (lanale, and in let/terem
Fitllo aas Sehlaekenauswiirfen. Dio ue\\olinliehsten Merkmale .stetigor \alka-
niseher Thiitigkoit innorhalh dor Valkano sind die Kxlialalionon gasl'iininger
IVudurte. Das lioi \Voiloni \nrwaltondste dor lel/.leren isl \Yassordampl'. dor
ot'l y.isohond and brausend aas allon Kliifton and Spalton dos Valkanos hervor-
brielit and dann die aas dem lol/.toroii aalsleigende Danipfsiialo hildot. \\elrln-
il,i> \\eilhin siehtbaro Konn/.oiclion oiaos thiiligon Valkanos ist and sioh /.. H.
Itoiin \'esa\ IS:':' :jaoo uiid mohr Motor hoch orliohon kann. Soli\\ol'«'l\\ass»'r-
>tofV. soli\\ofrlii:o Siiuro. Scliuct'cldainpr. ChlorxvassorstolV. Kolilonsiinro . \Vas-
vrr>toIVi:as and Hursiiaro sind die i:o\\olailiohsten Bogleiter oiler Stoll\'ortrolor
dfs \\'ass«-rdain|)l'os. Aas dor Zorsoi/uiiii des Sch'AotoKNasserstoffes und aus
dcr Saltlimation dos Sch\vofols gohon die gfeD&rbigea Incrnstato \ua Sdiud'cl
lior\or. \\clclio die Wiiado dor Kraloro und Spalton \ioior Sli-alo\nlkane be-
dookoa. In iilinlioher \\'cisc koannon Sahliaiations- und Xorsct/.aiiusprodiu-lc
\nii ^hloi'Noi'liindunurn Kochsalx. Salaiiak, EisenohlOfid u. ;i. als rindcnartiizo
Inrrastationon vor. Der Eisengkmz , welcher in gliinzendon Sclmppen und
Krxstallca dio Lava der erloschonon und lliiitiuon Valkano bodeckt. 1st das
Zdrsetningsprodoct dos Kisonohloridos na't AVasserdampf, wobei sioh Sal/siiaiv
bildot. Huliondo Vulkane , doron Thiiligkeit auf die Exhalation von Sclmol'cl-
i->tcill, Sch\N('tVId;iinpfon und sch\\ cfoliuor Saure beschrankt ist, nonnt
man Sol fa ta ren . Kuiilonsiiure producirende Kratere und Valkanonsoliluohlon
Mott'tlou, AusstromaiiLissU'llrn von vorwaltendem, mil Gasen gemischloni \Vas-
-t'l-dainpf Fu marolon.
Steigen die genannten Gase und Daiapfo innerhalb der guthflilssigen Lava-
M. \\flohe den Canal und einen Theil des Kraters ausfilllen, empor, so
werdon sich die Erscheinungen des kochenden Wasser einstellen, (il)er dessen
Oborflaoho Dampfblasen Wassertheilchen niehi-ere Fuss hoch emporreissen. Nur
ist die (n-\\alt, mil welcher die durch die Lava sich drangenden (Jas- und
Kampl'lilason oxplodiron . \veit grosser, so dass z. B. die diinnfliissige Lava,
welclio im Kilauea-Krater zuweilen einen See von i englichen Quadrat-Mcilon
(in'issc bildot, in 10 bis 12 M. hohen Slrahlen ernporspritzt. Bei ziihfliis>ii:i'r
l.a\a. \\d dom Ent\\oioho!i dor Diimpfe und Gase ein noch grosserer Wider-
stand eatgogrniiosct/t \\ird, \\o sie sich demnach zu enormen Blasen ansam-
moln miissoa, am lol/.toron /.a iibor\\ indi-n, ist die (iowalt der zur Oberlliidic
uolangenden oxpludirenden Gase so bedoaU'nd, dass die ScMacfcenfragmeote
r.iuscndo \on Fuss hoch in die Luft geworfen \\crdca, auf ihrom \Vogc in
1 nkc raschor Dotation kagelige Geslalt annolnaon and als \alkaaische Bom ben
riiiLis uin don Krater /uriiokfallen.
Mil der Entwicklung und dem Emporsleigon von Gasen und Dampfon in-
nerhalb des Kratercanales und der damit Hand in Hand gohondon Aasdchniing
dor Blasen, je niohr sie sich dor Oborlliiolie niiheni , sleht das jilnf/licho Auf-
\vallon und das darauf folgende Zuriicksinken der Lava im Kralorselilande im
Zasammenhang, eine Erscheinung, ftir welche in einem Probirrbhrchen sieden-
dos Wasser ein orliiulorndos Analogon bietet. Wioderum ein Resultat des Em-
Credner, Elemented. Geologic. > *5
Ill III. Dyiiamix'he
porwallens der L;iv,i 1st ihr I'lierknehen. in Foke dessen sic sich an den nie-
driizen Stellen des Kralerrandes liber denselben ergiesst, wodurch sehichten-
artige Systeme von La\alaLfern gebildet \\erden.
§. 12. Zustand der Eruption der Stratovulkane. Student sich die
besehriebene normale Thatigkeit der Vulkane zu einem ungewbhnlichen Grade.
ist naiiMMitlich die Gas- und Dampfentwicklung iin Kratercanale erne besonders
enerui.sdie. so tritt der Vulkan in den Zustand der Eruption. Dann werden
aus den von den emporsteigenden I)anipfl)lasen in die Hfthe geworfenen Aus-
wttrflingen den Himmel verdunkelnde Aschen- und Sandregen, die sonst ruhig
liber den Kraterrand rieselnde Lava bricht sich jetzt in verheerenden Slrbmen
Bahn. Besonders furchtbar sind die Eruptionserscheinungen bei Vulkaneu.
deren Canal in Folge langer Ruhepausen von erkaltender Lava verstopft ist
(z. B. AusbrUche des Vesuv i. J. 79 und 1631). Dann mtlssen sich Lava und
Darnpfe neue Bahnen aufreissen und gelangen zugleich auf ihrem Wege 'zur
Oherlliiehe in Regionen, welche das Wasser als Schauplatz seiner Thatigkeit in
Anspruch genommen hat, wo es in Tausend Adern und Hohlriiunien circulirt.
alle Gesteinsporen erfullt und mil grb'sseren Ansammlungen in unterirdischen
Spallen und Hbhlen und durch diese augenscheinlich mil den benachbarten
Meeren in Communication steht. Bei der Bertlhrung mit der gluthfliissigen
Gesteinsmasse wird das Wasser plbtzlich in Dampf umgesetzt, Explosion erfolgt
auf Explosion, die Lava wird in Atome zerstaubt, zischend dringt der Dampf
aus dem Krater, und Wolken von vulkanischen Aschen und Sanden werden
hoch in die Luft geschleudert. Unter dem Ringkampfe erzittert die Gegi-nd.
rollender Donner dringt aus den unterirdischen Regionen empor. Endlicli ist
der Widerstand des Wassers tlberwunden, in Dampfform ist es entwichen und
das benachbarte Erdreich vollstandig ausgetrocknet : da offnet sich eine Spalte
an der Seile des Vulkanes, hellleuchtend bricht die flilssige Lava hervor und
stilivt sich, zuweilen mit der Schnelligkeit eines Sturmwindes, die Bergal)hiinge
hinab, in die Gefilde und nach den Wohnstatten der Menschen!
Als eigentljche Bedingung der Furchtbarkeit der Eruptionserscheinun^fn
t'ino Vulkanes ist demnach eine aussergewohnlich starke Gas- und Dampfent-
uicklung zu belrachten.
Anfiinglich schwache, immer heftiger werdende Erhebungen des Boden>.
dumpfes untei'irdisches Rollen und Donnern, das Austrocknen der benachbarten
Brunnen. das Vei>iegen der Quellen, das Schmelzen des Schnees. welrhrr
inanche Vulkanengipfel bedeckt, sie sind die Vorlaufer einer Eruption, deren
Schreeken sie den Bewohnern der rmgegend ankiindigen. Das Ziltern der
I'.nle >teigert sich zum heftigen Sehwanken. das Rollen wird zum furchtbaren
(.el.riill und Getbse, krachend zerberstet der Kraterboden. glUhende Lavabroeken
\\erden umher geschleudert (Boml)en, Lapilli , blitzschnell erhebt sich eine
schwarze Rauchsiiule gen Himmel, die sich an ihrem oberen Ende ausbreitet
^Pinie und im Dunkel der Nacht die Gluth der Lavamassen im Grunde des
Kraters \\iederspiegelt, so dass sie wie eine Feuersaule erscheint. Diese Pinie
besteht aus Gasen, Wasserdampf und feinen Theilehen vulkanischen Staub«-s
un<l verdankt ihren t'rsprung den mit enormer Gewalt sich empordriingenden
III. Dyuamisolie (Jeolo-ic. 1 15
und die Lava emporpressendon Gason mid Hampton. Bei dm ausserordonllioh
rasi-h aufoinander folgeiidon stiinnisehen Gas- und Dampl'oxplosionen. welehe sirh
Slossweise duivh die gluthlliissigen Lavamassen Halm brerhon. v\ onion let/tore in
almliehor \\Yise. wie das aus einem Ge\\ehiv abgeschossene Wasser, in ausser-
ordentlich /.ahlivi, he TniptVhen /erstiebt und orstarren zu einem Sleinslaub, den
vulkanisehen .When und Sanden. Daher rtlhrt der Heiehlhum dor letzleron
an selbstandigor odor von don Krxstallen eingeschlossener Glassubstanz , die
aim erhselungsN olio gegensoitigo rmhUllung dor oinzolnen Krystalle, dit> Un/.ahl
dor (iasj)oron innorliall) dorsolbon: ziigloioh abor deuten diese Erscheinun^cn
darauf hin, dass dioso Krystallo schon als feste Korper aus dom Krater ausuo-
\vorfen soin inilsson . so dass dio Lavamasse, welche der ZersUlul)un;j! anhoini
(iol. oinon Soliinol/lluss darstollto. in welchem die Krystallausscheidung l)oroits
l»oi:onnon hatte. Bei ununtorl)rochener Aufeiuanderfolge der Explosionen stei-
iiou die dadurch producirten Asclion und Sande zu einer senkrechten Saule
2 bis tlber 3000 M. hoch in die Luft, wo sie sich gewb'hnlich zu einer aus-
godohnten Wolkonscliicht ausbroiton und von den "Winden viele Meilen \veit
\\ euizofulirt wordon. uin zuni Theil in entfernten LUndern als verheerendo
Aselieni-egon niodorzufallen. Vom Vesuv im Jahre 512 ausgevvorfone Ascho
fiel in Constantinopel und Tripolis; die Asche des Atna wird oft bis nach Afrika
gotragon. Hesonders abor liiiufen sich die Aschen und Sande in der Unige-
Imnu des sit> producironden Vulkanes selbst zu erstaunlichen Massen an (Ver-
soliiiHung von llereiilanuin und Pompeji). Fallen die ausgoworfenen Lapilli,
Sande und Asehon in das benachbarte Meer, so werden sie zu horizontalen
Sehiehlen ausgebreitet, welche weit ausgedehnle und mMchtige Complexe bildon
kiinnon und nioht solton die Uberrosto von Meeresbewohncrn umfassen. Die
\Yassordampfe, welche in so enonnor Menge von den Vulkanen ausgestossen
werdon. v«'rdiolilon sich, sobald sie in hohere, kiiltere Niveaus der Atmosphiire
golangen, zu Wolkon. die sehr liautig stark elektrisch sind und sich untor Blitz
und Donnor als gewaltige Platzrogen auf den Vulkan und (lessen Abha'ngo er-
giosson. \vo sie die dort angoliauften Aschen und Lavablbcke in Form von
Schlaininllulhon mil sich fortftlhren. Zu ihnen gesellen sich niclit selten
NVassorstriiino. \\elelie von der Entleerung von Kraterseen und unterirdisclien
\\"asscrbohiiltorn horrilhren.
Dio niiohsto Folgo der Thatigkoil der Vulkane ist die Vergrdsserung ihror
Kegol. dadureli dass sich ihre Aus\\urfs])roducto rings urn den Krater anhiiufon
und so zuni Waohson dos Vulkanenberges beitragon. Dadurch dass Grosso
und HesohalVonheit der Auswllrflinge inconstant sind, dass also grobos mil lei-
neni Materialo, Bomben , Lapilli, Sande und Aschen in stetem \Vechsol zur
A!)lagorung golangton . wurde der schichlonarligo Aul'bau dor Stratovulkano
orzougl. rntorinoorisohe Eruptionon und daduroh bodinglo locale Anhaufunuen
von Vulkanensehult. \\oloho sieh allniiililich Uber den Sj)iogol dor See erhebon.
sind die IV.saoho der Entslohung dor vulkanischen Inseln.
Das vulkanische Getb'se, die Erdboben, die Aschenregen und Boinbon-
auswiirfe erreichon ihron Iliiliepunkt kurz vor dem Augenblicke, in welchem
onlsvoder aus detn Krater selbst, oder aus Spalten, welche sich am Abhange
116
III. I)\n;iii)i<c!iL'
dt-s Vulk, iiifs bilden, die Lava hervorbridil, tun als I.a\astrom dm Beru hinab
in die rniiiebuui: xu Iliessen und dorl nicht sclten \\eit au.sgedehnle l.a\al'dder
x.u bilden. Die Geschwindigkeit, mil welcher sidi cin soldier Strom bewei:!.
ist von dcm Fliissiiikeilsgrade dcr l,a\a. NOII dcr Meui:r dcr nadidraii^enden
Lasamasse und \on der Nei^iing und Besdiall'enheil des Unterurundes abhaugii;.
Manehe besonders dunnllussiize Sln'ime sdiossen stcile Abhiinge mil dcr Sdincl-
liukeit dcs \Vindcs hinab, bei anderen ist derm Hcucunnu kaum mcrklidi und
U'ti.iid nur \veniiie Fuss iimerhalb eincr Stundc. Kbmso \crsdiicdcn ist die
Xcitdaucr, \viilircnd dcrcn sich cin Lava^trom iilicrliaupt iui Zustaudc der Fort-
lie wc'uuni.; iH'linden kanu, und tlie in ein/elnen Fallen x\sei Jahre iibcrti'iflt.
Uahinueui'ii sind Lavastroine selir hiJufii; nocli -20. ;iO. ja 40 Jahre nacli ilirem
Aiisljruehe iin Inneren noch vollkominen uliihcnd oder xeitien \\eiiiLislens eine
selir bedeutende Wurme, \viiJirend ilire Oberflache liinusl die Temperatur d.-r
Atinusphiire angenoininen hat und mil Flechteu bewachsen sein inaii. Ms lie-
ruht dies auf der ausserordentlich geriniren \\iinueleituni;sfahii:keit der erstarr-
ten Lava, weldie liereits die uoch fliessenden Lavastrome, wie mil einem Pan-
zer bedeckt, inuerhalb dessen die Fortbe\veuuny der gluthflUssigeD .Masse statt-
liiulet, und der sich in gleichem Schrilte mil dem Fortsdireiten dcs Stromes
\erliinuert. Daher sind auch die Erscheinungen, welche sich in's Meer ergiessende
Laven l)ielen, nicht so furchtbar, \\ie man erwarten sollte, und daher ist es
luiiglich, dass sich Lavastrome ilber Schneefelder ergiessen, ohne diesen ihreu
Uniergrund vollkominen wegzuschmelzen. Die Quantitat der Gesteinsmassen,
\velche durch Lavastrome der Erdoberfliiche zugefilhrt werden, ist zum Theil
ganz enorm. Auf Island z. B. sind Lavastro'me von 8 bis 10 deutschen .Meilen
Lange. 2 bis 3 Meilen Breite und 30 bis iO, an manchen Stellen bis 230 M.
Dieke, ferner eiu Lavafeld von 100 DMeilen Grbsse, auf Hawaii ein Lavastrom
von 14 deutschen Meilen Lange bekannt.
b) Die homogenen Vulkane.
g. 14. Trofil des Scheidsberges bei
Be magen.
a. prismatisch abzesonderer Basalt;
.iltgruss nnd -haufwerV;
c. Jevonischer Thonschiefer.
Fig. lo. Profil der Basaltkuppe des Ziegenberges
am Habichtswalde.
a. Basalt: b. Basaltconglomerat;
c. loser Sand; d. plastischer Thou:
e. Braunkohlenflotz, 4-5 Met. machtig; ira Contact mit dem
Ka-;ilte verkokt.
§. 13. Charakter der liomogeneu Yulkane. I nter soldu n \ersteht man
ulockenfiiriuige Kegel, kuppenformige Hiigel oder domformiiie Ties, .sov\ie deeken-
lonnig ausgelyeitete Kuppen eruptiven rrspniugs, deren Gesteinsniaterial cine
gleieharlige pelrograj)hische BeschalVenheit besitzt . denen ein Krater fehlt und
deren ursprllnglicher Eruptionscanal durch eiue solide Gesleinsmasse vollkommen
.nisuel'ullt und goschlossen ist. Hierher gehun>n die Basalt-, TradiU-, Pliono-
lith- und Andesit-Ke-el, -Kuppen und -Dome aller Vulkaneugegenden der Hrde
111. IKiumix'lie Geologic. 1 17
und somit aucli die des zu lertiiirer Zeit vulkanisehen Deutsehlands and des
nordliehen Bohmens. Als besonders charakteristiseh und allgemein bekannt
sind beispie!sv\eise /u nennen : anter den t ra ch yt isehe n und a tides i -
tischen Vulkanen die Kappen des Lohrberges. D.'achenl'els. KUhlsbnmnen iiu
Siebengebirp-. der Kegel des Pay do Dome, der gloekenformige Pay de Sar-
eoai in der AaNergne. der isolirt aas der Ebene hervorragende. domformige
Kelemenhegx and die Kappen von Deda . Nag)-.MihaK in t'ngarn and zahl-
reiehe andere Kegel and Kappen der Trarhyt- und Andesitgebiete I'ngarns.
Siebenbiiruens. der Eaganeen. des \Vester\valdes. der Eifol. der Andes: anter
den phonolit hischen Vulkanen dt>r glockenfonniiie Millesehaaer. der spitx-
keLieHunuiiie Kletsehenberiz. der xackige Felsen des Borzen l>ei Bilin. siiinmtlieli
ini nordlichen Biihmen. der Heldburger Schlossberg bei Coburg. die Milseliarg
in der Bliiin. die Kegcl des Hegau in Baden, der steile und spitxe Hartent'elser
Kopf in der Kifel and xahlreiehe Pics iin Velay. so der zuckerhutformige Gerbier
des joncs: anter den basaltischen Vulkanen eine grosse Anzahl Kuppen
d»xr Eifel. so der Hohen Aeht. tier Niirburg. des Hohen Kelberges; der schbne
Keuel des Karpfenhiihl bei Dettingen in der schwa'bischen Alp; die Slopfels-
kappe. die kappenformigen Kegel des Gebaberges bei Meiningen, der Gleieh-
berge hei Boinhild. der blauen Kuppe bei Eschwege, des Dolmar in Thllringen.
der Sehlossberg von Stolpen in Sachsen u. v. a. Bei nur \venigen homogenen
Vulkanen ist die gangartige AusfUlluug ihres urspriinglichen Eruptionscanales
oder Schlandes siehtbar oder naehgewiesen, so der der Basaltkuppen des Drui-
tlensteines bei Kirchen unweit Siegen, des Schlossberges von Stolpen und der
sich naeh unten Irichterformig zusammenziehenden Dolerilkuppe der Pllasler-
kaate iin Thilringer XN'alde.
Nieht selten hat sich das zu solchen homogenen Vulkanen aufgethUnnte
eruptive (iesleinsmaterial an seinen Bandern strom-oder deckenartig ill)er
die naelisie I'mgebung ausgebreitet, so dass mil den Vulkanenkegeln lavastrom-
ahnliche Ablagerungen verknUpi't sind (Phonolithausbreitungen an der Milse-
liari: in der Rhb'n, bei BrUx in Bo'hmen). Diese Erscheinung vennittell zu-
gieich den t'bergang der typisch kegelfb'rmigen homogenen Vulkane zu der
(I eekenart ige n Mod ificat ion derselben. d. h. zu den oft Uber Tausend Meter
iniiehtigen and sich Uber Hunderte von Quadratmeilen ausdehnenden, ziemlieh
horizontal ausgebreileten und zurn Theil zu gewaltigen Complexen tlbereinander
gelagerlen Deeken von vulkanischem Gesteinsmateriale. Dieselbea slehen in
engslor genelischer Verkndpfung na't zahlreiclien, den Untergrund durchset/.enden
(iiini:eii. \\elche -als ausgefiillle Eruptionscaniile oder -spalten /a betraehten
sind. aas \\elrhen sieli die ulathfliissiuen (i<-sleiiisinassen ergossen und in ihrer
N.ieldiarsehal't aasbi eiteten. Augenscheinlich \var es demnach der FlUssigkeits-
grad des EraptiMiiagmas. \\elcher es bedingte, dass sich lelzlerer entwedcr
zu eineia Kegel aufstaute. oder naeh den Seilea aasweieliend aasbreitete. I);is
hedeulendste Vorkniiinieii letxterer Art ist in Deklian in Vorderindien bekannl.
\vo iibereinander gelagerte Basalldeeken ein Plateau von 1000 bis 1300 M.
M'ereshiihe and etxva \->. 000 DMeilen Gro'sse bilden. Auch die Ktiste der
Kerguelens Insel \vird von Uber 3'iO M. iniiehtigen Basaltlagern zusaiiiinenge-
III. |)\ iiiiiiiischf (i
set/I; ganz Ahnliclu'S 1st auf dem FaenVr and auf Island der Fall. Das cm
Arral \on 40 DMeilen bedeckende Yogelsgehii^e 1st das bedeutendsle dcr-
arligo deulschc Vorkominen, uuter denen ilbrigens die Uher llundcrl Meter
marhtigen Hasalldecken des llabiehtswaldes und des Meis^ners besonders in-
structiv siiul.
Bei dor Eruption der Gestein.smasse der honiogenen Vulkane \\urdc das
duthlliissige Material zugleich in sich neu bildende oder bcreits vorhandene
Spalten gepresst. Auf diese Weise ausgeflillt, wurdcn dieselben zu den Basalt-.
Phonolith- und Trachytgangen, welche in der Umgebung von Basalt-, Phonolith-
und Traclntkegeln das Xebengestein zu durchschwiirmen pflegen 'z. B. in den
vulkanischen Districten von Nordbb'hmen und des Siebengebirges) .
§. 14. Structur der honiogenen Vulkane. Hbchst charakterisiisch fur
die kegelfb'rmigen, sowie filr die ausgebreiteten »homogenen Vulkanea sind deren
Struciurverhaltnisse, welche aus der Zusammenziehung des erkaltenden, bis
dahin uluthflUssigen Magmas resultirten, und in Folge davon, dass diese Erkal-
tung von den Grenzflachen der Gesteinsmasse ausging, sehr oft in einem ganz
bestiminten Zusammenhange mil deren Lagerungsform stehen. Die Volumen-
verringerung des erstarrenden Eruptivmagmas bedingte nehmlich zweierlei Ab-
sonderungsformen, einerseits^eine bank-, platten- oder schichtartige, andererscits
eine prismatische oder saulenformige. In der Anordnung dieser Schichten und
Saulen lasst sich sehr haufig ein bestimmtes Gesetz nachweisen , indein
die Lage der Platten und Ba'nke der kouischen oder glockenformigen Gestalt
des honiogenen Vulkanes entspricht, die Saulen hingegen meist rechlwinkelig
auf den Grenzflachen der betreffenden Gesteinsmasse stehen. In ersterem Falle
zerfallen die Bergkegel in lauter tutenartig oder glockenfbrmig ilber einander
liegende Schalen, welche allseitig steil abfallen, auf dem Gipfel aber sich
zicmlich flach legen. Diese der ausseren Form entsprechende Structur zeiut
sich namentlich bei Phonolithkegeln, so besonders ausgezeichnet am Heldburger
Schlossberge, am Hohentwiel und Hohenkriihen, am Milleschauer, am Teplitzer
Schlossberge und an vielen anderen Kuppeu Xordbbhmens, sowie solchen des
Velay. tritt aber auch bei Andesilkegeln, z. B. dem Puy de Sarcoui in der
Auvergne auf. Andere homogene Vulkane sind zwar plattenfbrmig, bankartig
und schichtcnahnlich abgesondert, doch aussert sich in der Richtung der Kluft-
flachen keine bestimrnte Gesetzmassigkeit, vielmehr verlaufen sie bald horizon-
tal, bald wellig, bald ganz ordnungslos, wie es bei vielen Trachyt-, Andesit-
und Liparitkegeln der Euganeen, Centralfrankreichs, der Ponza-Inseln und Islands
der Fall ist. Stellt sich bei kegelfbrmigen honiogenen Vulkanen prismatische
Adsonderung ein, so zeigt sich nicht selten eine gesetemftssige Anordnung der
Gesteinssiiulen, d(;r zu Folge die letzteren cnlweder l)iischelfbrinii: nach Aussen
di\eiviren. also \om Innern aus nach alien Punkten der Oberflache hinlaul'en.
oder kegelfiirmii:. nach dem Gipfel zu convergirend. i:estellt sind. Bei vulka-
nischen Decken treten die diekplattige und die jirisniatisehe Al)sonderung.sfi)rm sehr
i:e\\Ghnlich vergesellschaftet auf, die Plallen sind dann horizontal gelagert. so
dass die Trennungskltlfte ]>arallel der Oberlliiehe laufen, und beslehen aus lau-
ler dicht aneinander und rochtwinkelig auf den Ablosunuslliichen stehenden
III. 1>\ nainisclio tiiM>|o_:ii>. 1 19
Siiulen. Es isl dies hoi fast alien Hasaltdecken, al>er aiieh l>ei snlchcii \on
Andesit, Tracliyt und Liparit dor Fall.
§. t'). Yerkuiipfuiig der lioinogeneu und geschichteteu Yulkane.
Im Gt'iionsat/ /u don aus Schicliten dor \erseliiedenartiusten \nlkanisolion Pro-
ducto allmahlieh und mil /ahlroiohon I'lUerlnvrhiiniien aulueluuton Stratus ulkanon
lie/eiclinet man das GeMoinsmaterial dor in diesem Absehnitte botraehtclon
\ulkanisohon Ho rue und Deekeii als homogen, um dadurch auszudriicken, dass
\\is.sormaasson aus oineni Guss durch eine Masseneruption ontslanden ist.
Kino vollkominene und duivhiiiingige Gleichformigkcit hesitzl dassolbe jedoch
nicht, \ieliuelir \\ird dioso duroli Abanderungen in dor Structur unterbrochon,
welche auf den innigen Zusammenhang zwischen homogenen und Stratovul-
kanen hin\\oison. Es sind dies Breccienbildungen irn Contacte der vulkanischen
mil doin Nebengesteine , von welchem erstere BruchstUcke losgerissen
und unischlossen ha ben, — es sind Tuff- und vulkanische Schuttablagerungen,
doren Auswurf der Eruption der gluthfliissigen Masse voraus odor mil ihr Hand
in Hand iiin;.1, deron Menge jedoch im Vergleiche mil ahnlichen Producten der
Stratovulkaue verschwindend klein ist, und endlich siud es Mandelsteinbildungen,
welche eine ursprtinglich porose, schlackige Beschaffenheit des Gesteines voraus-
sot/.on, \vodurch sich dasselbe gewissen Laven der Stratovulkane naherte.
Tulle und Conglomerate , welche augenscheinlich nach Art der Aschen, Sande
und Boinbeu der Stratovulkane durch Gas- und Dampfexplosionen innorhalb
des vulkanischen Schlundes entstanden, sind sehr gevvohnliche Begleiter der
homogeneu Trachyt-, Andesit-, Basalt - Vulkane. Mandelsteinstructur zeigen
namontlich viele Basalte. Noch scharfer wird der enge genetische Zusamnion-
hang zwischen geschichteten und homogenen Vulkanen dadurch hervorgehoben,
dass Vulkane im Verlaufe ihrer Thatigkeit mil dem einen ursprilnglichen Typus
allmiihlich den zweiten combiniren konnen. Santorin war aufanglich oin uo-
schichteter Vulkan, desseu Kraterrand die Inseln Thera, Therasia und Aspro-
nisi luldoto. orst spiiter tauchten in dem Centrum des von der See eingenom-
menen Kraters die homogenen V:ulkane ernpor, deren Spitzen die Kaimono
Inseln bilden. Ganz ahnlich erhebt sich im Vulkaue von Astroni bei Noapol
innerhalb eines aus Schichten von Bimssteintuff bestehenden Kraters ein iiber
fi»> M. hoher Trachytkegel. Ein drittes, ganz analoges Beispiel liefert die Rocca
monlina. Derartigo Vulkane sind als combinirte bezeiohnol worden.
£. 16. Eutstehung der homogenen Vulkane. Es ist fruher gezeigt wor-
don. dass die cliarakteristische architeklonische und petrouraphische Besohall'on-
hoit dor Stratovulkane wesentlich durch den Conflict zwischen sich aus dem
Vulkanenschlunde draniiondon (iasen und Diimpfen einerseits und der dilnu-
tliissiiion l.a\a andororsoits botlingt war, dass die Hauplmeiiiio des .Malcrialos
dor Stratovulkanenkegel ihre eigentliche lose, schutlartige BeschafFenhoit don
sich im Zustando dor Thatiiikeit des Vulkanes continuirlich wiodorholondou
Gas- und Dampfexplosionen verdankl. Sind domnach Gas- und Dampfroioh-
thum, sowio DiinndUssiiikeit und verhaltnissin,i»ii:r Armuth an f.a\a die Be-
diiiuung zur Entstehunt: eines Stratovulkanes um einen die Communication rnit
doin Enlinnoron vcnnittelnden Canal, — so entstohon homoiione Vulkano l>oi
120 III. l>\li;imiselie (Icnln-io.
armliclier GaseniNNieklung ;ms ziihlliissiger. ausserordentlich reichKch strOmender
La\a. \\clchc di'iu Dmvhbruel) der i:eriiigeii (ias- iiiul Dampfmengen eincn
solehen Widerstand entgegensel/t. d;iss die Miigliehkeit der Bildung betriieht-
licher .Ma.ssen M.II Ausvuirfliiigen nichl gegeben \\ar. War die l.a\a dcr gas-
arinen Eraptionscaottk bereits ihrem Erstarrungspunkte nalie. wemi sic die
Krdol>erllache erreirhte. so stautc sic sich. conlinuirlich und inasscidiatt empor-
dringend. zu Iltigeln und Koi-clii, den SOL;. Do m vulka nen aut . \\ai- sic
leichtfltissiger, so hreitete sie sich zu vulkanisclicn Decken aus. l).i»
die eintMi so\vohl. \vie die anderen das Product einer einzigen. ununlei'broche-
nen Eruption sind, wird. ausser durch die Gleichartigkeit des Gesteinsmate-
I'iales. durcli die Cieselxiiiassiiikeit hewiesen, welche die AbsonderunL'sl'onnen
dei- izan/en Hei-irinasse Ix'horrselit und welche nur durch die Gleichzeitiukeit
der l^rstarruni: der letzeren erkla'rl)ar ist.
Dadurch, dass man die Basalt-, Trachyt- und Phonolithkegel als Vulkane
erkannt und in Folge davon den frtiheren, nur die Stratovulkane umfassenden
Begriil' eines Vulkanes erweitert hat, ist eine enge Verkniipfung ZNviselien den
vor unseren Augen aus dem Erdinneren emporgedbttngten vulkanischen Pro-
dneten der Jetztzeit uud den Eruptivgebilden la'ngst verflossener Perioden her-
gestellt; eine Porphyrkuppe des carbonischen. eine Melaphyrdecke des dyassi-
schen Zeitalters, eine palaeozoische Granitdecke ist mil Bezug auf die Art ihrer
Kntstehung nichts anderes als ein Trachylkt^el oder eine Basaltdecke. sie sainmt-
lich gingen aus vulkanischen MassenergUssen hervor, welche entweder von
gar keinen oder unhedeutenden Tuff- und Schuttauswtlrfen begleitet waren.
2. Heisse Quellen.
Es isl bereits bei frllherer Gelegenheit (pag. 7 u. 8 gezeigt worden, dass aus
der Teufe aufsteigende Quellen eine urn so ho'here Temperatur besilzen. je tie-
I'eren Hcgionen sie entstammen, eine Erscheinung, welche auf der Zunahnu1
dei Krdwanne in der Richtung nach dem gluthfliissigen Erdinneren zu beruht.
Da diesc Teiiiperaturzunahme auf durchschnittlich je 33 M. einen Grad Celsius be-
trii^t. so muss demnach im Allgemeinen Quellen, welche ihren Zufluss aus
einer Tiel'e \ on mehr als 3300 M. erhalten, Siedehitze innewohnen. Diese
hohe Temperatur ist dem zu Folge als eine Ausserung des Vulkanismus auf-
zufassen. In der That ist das Hervorbrechen heisser Quellen vorztlglich auf
\iilkanische Gegenden beschriinkt, wo ja filr die Communication zwischen I;.nl-
oherfliiehe und Erdteufe gentlgende Bahnen gebffnet sind. Fast sammtliche
liekannte Vulkane werden von heissen Quellen begleitet, deren Xahl ofl stau-
neneri-egend ist, -— doch brechen solche auch xu\\eilen weit enlfernl von irgend
einein andei'en Zeichen \ulkanischer Thiitigkeil hervor.
l>a he'isse Wasser eine griissere LOsungsf^ihigkeit besit/en. als kalle . s«»
liescli\\ci-cn sirli die meisleii heissen Quellen durch AoslaugUDg ihres \eben-
gesleines mil mineralischen Substanzen und sind dann zugleich Mineralquellen.
\\eldie sich nidit selten ihrer Last beim Erreiehen der Erdoberfliiche entle-
digen. Die gewiihnlichsten ihrer Heslandtheile sind Carbonate. Sulfate. oder
III. l>\r.,imi-rhc t'ii>o|.ii;ii'. 121
Chlorverbindungen von Calcium. Magnesium oder Natrium. so\\ie Kieselsiimv
and Kiseno\ydiri. von wdchcu sidi aamentlich koblensaure Kalkerde, Kiesd-
siiure mid Kis.'m>\\dh\dral am Austrittspunkte dor Quellen ausscheiden und
zu oft ziemlich miiehtigen und ausgedelmlen AblagefQngen Veranlassung geben.
Die Hilduug \<>n KieseltntV geht am grossarligsten an den heissen Quellen 1>-
lands und Neu-Seelands vni- sicli. Auf Island stannnt der Kieselsiiuregchalt tier
dortigen Ge\sir\\asser aus der /ersd/uMg des weit \erbreiteten Palagonittutl'es.
In Kolge der Vfrdunstiint; ties hcissen OupHNV;|SS|>i's l»leil)t die bis dahin in
kolilt-nsain-en Alkalien und als Ihdrat iieloste Kiesclsiiure als Kiesellufl' und
Opal /.uiiick nnd liildrt uin die Quellen herum Rintlen und Stalaktiten, aus
\\elcheu >ich )>ald kleiue Kratei'c aufhauen, bald grosse Becken hilden , odi-i-
\\t-lcln1 sicli endlich x.u rundcn Schiicliten von grosser RegelinassiizktMt gestalten.
Vit>l raseher als dei'gleifhen Kieselabsa'tze gehen die Niederschla'ge vou kolil<Mi-
.sauivni Kalke und vou Kisenoxydul aus kalk- und eiseucarbonatlialti^cn hcissen
Out-Urn \or sich. \\i(> /.. B. die Ablagerungen von Sprudelsteiu und Pisolilh der
Carlsbader Thennen und die sclmelleu Incrustationeu der in diese Quellen
izclc^ten Gegenstande beweisen. Das Carlsbader Wasser enthiilt ausser kolilcn-
sanicni Kalkc unter anderen auch etwas Fluorcalcium und zwar \ Theil in
300.000 Theilen Wasser aufgelo'sl : diese anscheinend verschwindend kleine
MiMii:f sunimirt sicli iin F.aul'e cincs .lahres /u etwa 12,500 Kilogr., \velche den
dortigeii (iesteineu rnl/ngeu und in gelostem Zustande an die Eroberfliichc
gcst-lialVl \verdfii.
Ganz besonderes Interesse erregen die Dampfquellen und die intennil-
tircndcn heissen Quellen oder Geysirs. Erstere beslehen, \\it- dcr Name sagt.
in Darapfstrahlen . \\clchc /inn Theil mil brausendem oder brilllendein Ge-
riiusche aus einer trichterformigen Offnung hervorbrechen und namentlich auf
Island. .la\a und Ncu-Sceland ha'uligr Mrschcinungen sind, \vo sie mil Geysirs
Ncrucscllscliaftct aiil'trelen, wahrend kochend heisse Quellen an ausserortlcnllich
zalilrciclicn Orten Uber die gauze l^rtloberflache verbreitet sind. Die berUhni-
(esle und am genauesten untersuchte interniitlirende Springquelle Islands ist
der <ie\sir. Er liegt sUdvvesllich von der hochsteu Spitze der Hekla in Mitten
einer Kbene am Fusse des Harnafell. Durch allmahlichen Absatz der in seinem
Wasser anlgelbsten Kieselsaure hat sich derselbe rings um seine Ausiniindnnu
eineii llaclien Kegel \on el\\a 10 Meter Iliihe uutl gegen 70 Meier Durclimesscr
aulgebaut, in (lessen Gipfel ein (laches Mecken von 2,3 Meter Tiefe und 18
liis 20 Meter Durchtnesser eingesenkt ist. An der tiefsten Stelle des letzleren
miindet ein 3 .Meter \\eiler cylindrischer Canal, dessen Wiinde aus Kieseltufl'
bestehen und \\ ie [tolirt erscheinen.. Das Wasser. welches das Hecken ausfilllt.
i.st -e\\uhnlich ruhig und zeigt 76 bis 89 Grad C., wiihrend es innerhalb des
Canales in 32 Meier Tide iiber 120 (irad C. besil/l. Allein von Xeil /.u Zeit.
gewohnlich alle 24 bis 30 Stunden trill cine iiussrrsl lieflige und grossarlige
Wassereruption ein. welcher mehrere kleiuere Kruptioneu \orausgehcn. Lcl/-
tere beginnen mil starkem unterii'dischein Donner und ErschUtlerungen dcs
Bodens, worauf das Wasser bis /.um Hande des Beckens auCsteigt, aufkocht
nnd hoch empoi-\\allt, bis endlich cine niiichtige Wassersiiule, von Dampfwolken
122 III. iKii.iiiiix'li,-
eingehiillt pfeilsclmell l»is 30, ja 4<> Meter llohe emporschiesst, -urn nach
.Minulcn zurilckzusinken. Die Ursache dieser Kruptionen 1st darin zu suchen,
(lass das Wasser am Rodcn der Rohre unter dt'in Drucke dcr aut' ilun lastendrn
\Vassersiinle iiber 100 Grad C. erliit/.l \\erden kann. \\iihrcnd sicli dassclbe
,111 ihrer Miindung bedeutend abkuhlt. Sobald nun in Folge der Dampfan-
haufimg in dcr Tide Wasser \<>n liohcrcr Temperatur rasch in obere Tlicilc
der Rohre gedriingt \vird, tritt eine der Abnahme des Druckes entspivrhende
Temperaturerniedrigung desselben auf 100 Grad C. ein, \viihrend der Ueber-
schuss der Wa'rme xur Bildiing von Dainpf verbraucht \vird, \vodurch die al>-
^ekiihlten Wasser der ObtTfla'che zum plotzlichen Kochen gebracht und zugleii-1)
das ilber dem Kxplosionspunkte beiindliche Wasser der Rohre in die Luft
ueworfen \vird. Naeli einiger Zeit hat sich das Wasser an der Oberflache
\\ieder abgekuhlt, bis eine zweite Danipfexplosion eine ueue Wassermasse in
ein hoheres Niveau des Canales treibt, wodurch sich die Eruptionserscheinunuen
\viederholen.
Eine zweite grosse intermittirende Springquelle Islands ist der Strokr,
\\elcher kaum 100 Schritte vom Geysir entfernt gewb'hnlich alle 2 bis 3 Taize
eine, dann aber gewaltige Eruption zeigt.
Noch viel grossartiger wie die Island's sind die heissen Quellen Neu-See-
lands. In eineui einzigen und zwar kleineren der dortigen Quellengebiete, dem
bei Tokanu, sind auf dem Raume von 2 englischen Quadrat-Meilen ilber 500
Dampf- und heisse Quellen, mehrere gewaltige Sprudel, mil kocheudem Wasscr
i:efiillte Kessel, Kieselsinterkratere, welche sich periodisch fallen und leeren, be-
kannt. An den Ufern des Waikato sind auf eine Entfernung von etwa I Meile
76 intermittirende und constinuirliche Spring- und Dampfquelleu vertheilt und
\verden von zahlreichen kochenden Schlammpfiltzen begleitet.
Als Folgerung aus den letzten Abschnitten ergiebt es sich, dass die
Verbreitung der Vulkane und heissen Quellen auf der Erdoberflache eine all-
gemeine, von den physikalischen Verhaltnissen und der geognostischen Zu-
sammensetzung der Erdoberflache vollkommen unabhiingige ist. Wir sehen Vul-
kane auf alien Continenten und in jedein Oceane, unter alien geographischt-n
Hreiten , nahe den Polen und unter dem Aequator, wir sehen sie auf Hoch-
plateaus und Gebirgsrilcken und unter dem Niveau des Meeres und entllich in
ihrem Auftreten an keine Gesteinsformation gebundeu , bald auf dem iiltesteii
llni]»livgesteine, bald auf dem jtlngsten Schwemmlande aufsitzend. Aus diescr
vollkommenen Unabhiingigkeit des Auftrelens der Vulkane von den VerhaltnissrM
dcr Krdoberflache ergiebt sich, dass die Ursache ihrer Thatigkeil ausserlialb
d-'s licreiches dieser letzteren, also in tieferen Regiouen des Krdbalies
/.u snclicii ist. Ferner l>e\veisst ihre allgemeinc Vcrbreilung iibcr allc Thcilc
der Krdc das Uc h c ra 1 1 v or handen s c i n ihrer materiellcn Ursache und cnd-
lic-h lassen die Uebereinstimmuni: dcr Auswurfsproducte auch dcr \<>n cinandcr
cntl'criitcii Vulkane, die klentititt des Banes dicscr ielzteren sowie ihrer Eriij)-
tiiinscrsfheiiiungcii auf eine (icmeinsamkeit ihres Ursprunges schliessen. (ianz
ahnliches lasst sich von den heissen Quellen sagcn. Unter alien Zoneti . auf
Inseln und inmitten der Continenle dringen sic aus dcr Ticl'c. Alle diesc Um-
III. DyiKimisrlie
stando ueisen darauf hin, dass die orssahnlon \ ulkiini.schen Krscheinungen nichts
andoivs sind, als K ra K ii usseru i» 1:0 n des g I u t hf I iiss i go. n E rd i n nero n.
3. Vulkanische Erdbeben.
§. I. Begriff derselbeil. Dor Monsch 1st gewb'hiit die Erdkrusle als
elwas Slanvs, Vnbeuediohos zu botraditon und nennt den Boden, auf dem
CM' \\;mdelt. Knheste. Allein fast von Tag zu T;IL: \\iederholen sieh Erscheinungen,
\velche. olmohl sich nur sclten zu enlsetzlicher Furehtl)arkeit steigernd, den
Irrthum. dor in jener Bezeichnung iiegt, vor ihm aul'dookon sollten. Es sind
ilios dio Erdsto'sse. Nit-lit als ob sie ausiiahmsweise Paroxymen dor vulka-
nischen Kiimirkung auf die Erdkruste wiiren, es sind vielmehr Erscheinuiiiion.
\\ok-lio sich zweifelsohno fort\\iihrond an irgend einem Punkte der Erdo. bald
liior. l»ald durt iroltond mat-hen, fast la'glich beobachlet \verden und auch Deutsoh-
lattd nirlit fivind sind. Glilcklichenveise uur sellen steigern sie sich zu den
furchtbarsteu der irdischeu Schret-kuisse, den Erdbeben.
Die als Erdstosse und Erdbeben bezeichneten Erschiltterungen verdanken
zuoiorlei ganz vorschiedenartigen Kriiflen ihreu Ursprung; auf der einen Seite
dein von unten herauf wirkenden Vulkanisnms, auf der anderen der Einvvir-
kuni; dor Atinospharilien auf gewisse den Untergrund einer Gegend bildende
(iostfiue. Nur die Betrachtung der vulkanischen Erdbeben gehort an diese
Stollo. L'nter solchen versteht man Kraftausserungen des gluthflilssigen Erd-
inneren , \\olche sich in Erschiltterungen und Schwankungen grosserer oder
kleinorer Theile der Erdkruste und mil ihr der Meere kund giebt. Mil diesen
Howeuungen konnen Spaltungen und Niveauveranderungen des Bodens ver-
bunden sein.
§. 2. Intensitiit iind Art und Weise der Bewegung des Bodens. Die
howogung, welche durch ein Erdbeben dem Boden mitgetheilt vvird, aussert
sich an dosson Oberflache sowohl in sehr verschiedener Starke wie auf sehr
\«-rs«'hirdene Art und Weise. Die haufigsten und ungefahrlichsten der hierher
i:oh(irigfn Krsdioinungen sind die Erzilterungen des Erdbodens, wie sie sich
u. A. auch in Zusammenhang mil den Eruptionen der Vulkane filhlbar machen,
iilior t rst bei den heftigeren Erdbeben tritt die Art der Bewegung in der Knl-
inasst- doutlicher hervor. Dieselbe kann entweder eine vvellenformig sch wan-
ken do ;undulatorische) oder eine stossforiuige (succussorische) sein. In
ersterem Fallo \vird die Erdoberflache in abwechselnden Zonen einer Ilebuni:
und einer Senkung unterworfen und dadurch in eine wellenfdnnii: \\ogende Be-
\\ogung verselzt, welche so stark sein kann, dass sie dem Auge wahrnehmbar
\\ird nnd dieselbe Empfindung wie die unruhige See hervorruft. Solche undu-
l.ilorisclio Knlboboii vt-rbroiton sich Uber sehr grosse Haume, besitzen aber
nur dann. woim sie besondere Grade von Heftigkeil on-oicln-n, grossere Gefahr-
lichko.it. Am verliccj'ondstoii wirkon \\ollciifiinnige Beben beim Ziisaiiiiiioii-
trcHon mehrerer sich krou/cndon undulatorischen Bowegungen. in FoLo (lessen
sich der Boden in wirbelndem Zustando /u bolindon sclioint. Diese Modili-
oation dor wollenformiuen Erdbeben hat man als rolatorisch bezeichnet. Die
\
succussorischen Erdbeben machen sich in von uuten nach oben senkrecht \\ir-
I 2 I III. I>\ii;imisrlit> (ieolo-k1.
kcndcn Stussen flihlbar. sn diiss dcr hoden in cine hefliiie. .nil'- und nieder-
sl..s>ende Be\Negung geriilh. Sic \\irken ausserordenllich zerstr.rend. sclileudern
lliiuscr ;ius ilircn l;und;uiiciilcn cni])or. maelien Felsblocke auf- und nicdi-i-
springen und haben Mcnschcn inehrere Inindert Fuss hod) in die Hbhe uc-
\\orfcn.
§. 3. Fortpflanzungsweise der Erdbeben. Die von cincm Pnnkt. ;ms-
gehende F.rsehutterung des Bodens dnrdi Erdbeben kann sich in dcr Wci^-
iilicr \\eile Landslriehe ausbreiten, dass sie sich entweder allseilig odrr nach
cincr Birhtung hin fortpflanzt. In crstcrem Falle nennl man die Krdbeben
cent rale, in let/terein line a re. Bei centralen Erdbebcn breiten sich die
Krsrlmtlenmgen in radialen Richtungen. also nach Art dureh einen in'.s \Va>ser
i:e\\iirrenen Stein enstandener Wellen in sich er\\eiternden concentrischcn
Linien aus . in \velchen die Intensitiit der Heweizung mil der Enlfennuii: voni
Mittelpunkle abnimrnt. Ebenso \vird der erschutterte Landstrich innerhalb an-
niihernd kreisformiger Conturen fallen und deshalb Ireffend als E rschii tie-
run gskreis bezeichnet. Bei sich ofters vviexlerholenden Stdssen veriinderl
das Erschiitlerungscentruin nicht sellen seine ursprdugliche Slellung und rilckl
in einer bestiminten Bichtung fort. Derartige centrale Erdl)eben waren dit'
\<m Lissabon im Jahre 1755, von Calabrien 1783, in den Bheinlanden 18 IS
und 1846. Die linearen Erdbeben pflanzen sich nur nach einer Bichtung
innerhalb eines langen schmalen Landstriches fort, den man Erschtille-
rungszone nennt und welcher meist durch den Verlauf eines Gebirgszuges
oder einer Meereskilste bestimmt wird. Die Erdbeben Sild-Amerikas besohva'n-
ken sich gewohnlich auf die Zone zwischen der westlichen Ktlste des Conti-
nenles und den Andes, sowie auf die Nordseite der Ktlstenketlen von Vene-
zuela und Neu-Granada. Innerhalb dieser Striche tlbten die bekannlen Erd-
heben von Quito, Lima und Caracas ihre furchtbarste Wirkung aus. Erd-
beben endlich. deren Erschdlterungen nicht von einem Punkle. sondern von
einer ganzen Zone (der ErschUtterungsaxe) ausgehen und sich von dieser aus
gleichrniissig nach einer Bichtung wie geradlinige Wellen fortpflanzen . nennt
man tra ns\ ersale.
Die Krkenntniss der Nalur eines Erdbebens und dessen Zugehiirigkeil zu
einer der drei genannlen Classen beruht auf Beol)achlung ihrer Forlpflanzunus-
richlung und des Zeilpunktes ihres Eintriltes an thunlichst zahlreichen Pnnkten.
wodurch cine graphische Darstellung des Foi'lschreilens ihrer Bewegung IIHIL:-
lich geinachl \vird. Es geschieht dies durch Seismographen genannte In-
strniiHMUe.
§. i. Abhiingigkeit der Erdbeben von den geogiiostischen Verhiilt-
Ilissen. Die Fiihigkeil des Bodens, die lokalen l^rschiillerungen \\eiter foil-
zupllan/en. bei'uht sowohl auf der petrographischen BeschaH'enheil desselben. \\ic
auf seineni geologischen Han. Ks ist oll'enbar, dass in der Intensilat und dcr
Ausdchnung der Erschtillerungen auffallige Unterschiede hervorlrelen. je nach-
dem dcr I'lilei-grunil aus lockeren oder feslen . massigen oder geschichleten.
/erkliiftelen oder stetiu ansgedehnten Gesleinsmasscn beslelit . je nachdem er
('infurmig \on ein und demselben Gesteine oder von verschiedenartigen, \\cch-
HI. l)\n;mitsrhe (ieulo^ie. 12")
solndeii Felsarlen uebildet \\ird. In Gebielen \on zusammonliangendcn. feslen
und gleichartigen ("leslemsm.issen werden sich die Erscliiittorungen des Bodens
iileichl'iirmiu and weithin forlpllan/en . wiihrend sic sii'h da, \vo dor Boden
aus lose iu Sande uiul Gehille oder aus y.erkliil'leten (iesleinen beMeht , in un-
deiehmiissiger. \er\\orrener und des losen Zusaininenhanges und der i:rn>-
seren I5e\\eglielikeit allor Tlieile \\euen in furchtbarer \\eise kundgeben. Be-
sondtTS zeigl sifh dies .111 solrlicii Slelien, wo Decken von lockeren (iesleinen
aul' einem feslen Felsgrunde aul'lauern. Selbsl hci uerin^cu Kr/ittcnmi:cii dcs
Ift/tei't'ii uerallien die losen Massen ulierhalb dessolbe.n in fonnlich sprini:eiide
lie\\euiuiL;. deren l.el>hal'tii;keil mil dec l.oekerheit des Zusaininenliaiiues \\iichsl.
Fast jedes Krdbeben liel'eil lieleue 1'iii- die Abhiinuiijkeil dor Intensilat der 1-j-
M-liutterunuon \nn tier Sti'uctur dos Unteriirundos. Hire \Virkuni; \\ar viberall
da .mi /.orstinvndslen, wo lose Seliulluesieine aul' solidem, niassigen Fels Jauern.
da alter. \\o letzterer y.u Taue trill, uniileieh iioriiiiier. Daiie^en \\erden lesle
(ieltirj-'sulieder die Sch\\ ini;uniien und Kr/ilteruiiiion , dureh welelie sie in Be-
\\euiuii; ueset/.l werden, unuleieli \\eiler l'ort}>ilan/.en als lose Sand- oder Schutt-
inasM'ii. Doeh auch die AusdehnuiiL; und somit die Conluren des Erscliutte-
nuiLisareales der Erdbelien sind vom geologischen Uau der Unterizrnndes ab-
h.iiiLiiu. So uiiissen vorzugsweise Spallen und Risse in der Gesleinsinasse die
Fortpllan/inii: iler Bodeuerscliiittenini: seli\\;iehen oder vollslJindig luMiiinen. Eiuen
iilmliclien Einlluss muss der rasehe \\frlisel der Gesleinsarlen , gestb'rte Schieh-
tnni: und diseordante I lierlaueruni; ansiiben, Frscheinungen, vvolehe namentlieli
duivh Geblrgsbildungen bedingt sind. In Folge dessen beslinnnen Gebirgs-
ketten uewijlinlich aueh die Greuzen fur die' auf einer ihrer Seilen enlslan-
denen Erdbeben , welehe sich daun liings derselben hinziehen, ohne sie zu
ilbersehi-eiien, wodurch sie zu liuearen Erdbeben werden.
§. >. Fortpflaiizuiigsgeschwmdigkeit, Dauer, Hiiufigkeit, and Ausdeh-
llUUg der Erdbeben. Die mitllere F o r I p fl a n z u n g s g e s c h w i u d i g k e i t der-
Krdbeben \vird naeli der Zeitdauer geschiitzt, welehe zwischen dein Eintrille
der Me\se^ung an zwei enlfernten Punklen vertloss. Auf diese Weise be-
>tiiiinit»' man die Geschwindiukeit der Erschiitterungswellen des Erdbebens in
Nurdaiuerika im Jahre 1843 in ihrer Hiehtung gegen West auf 005 Meter,
in der nach Ost hingegen auf 908 Meter, des Rheinisehen Erdbebens von
IN it! auf 470 .Meier, des Ussaboner Erdbebens von 1755 auf ooO Meter in
der Secunde.
Die hauer der Erdbelten liiingt von der llauligkeit der raseh aufein-
ander folgenden Stosse ab , von denen jeder einzelne nur eine einzige oder
iianz weni^e Seeunden in Anspnieh niinml. Die verheerendsten Erdbeben
\\aren das \Verk einrs Augenbliekes. (laracas \\ard ISU> innerhall> 30 Se-
kunden, Oppido und rmgebung I7N3 in 2 Minuten, Eissabon binnen 5 Minuten
\nii driuid aus zerstb'rl : am It). August I80N kamen in Ecuador durch ein I'j'd-
beben innerlialb I •> Minuten 40,000 Meiisclien urn. I{ei anderen liin^ei1 andauern-
den Enlbeben hal>en sicli mehrere llnnderl Stosse in kurzen Zwischenraumen
\\iederholt. 15ei dem Erdbeben von Honduras 1856 zalilte man in einer Woclie
|t>S. bei dem von Lima im Jahre IT'Hi innerhall) o Monaten 451 Stosse. Auf
r2»i 111. DyiiamisHie
die eigeniliohen hefligen uiid \erhcerenden Paro\\smon pllegen sich in liin-
geren odor kiirzeren Pausen Naehschwingafigeil oin/.uslcllen . vxelche sich oft
Worhon. ja Monato lang NN iedorholen, allmahlich iniiner schwacher \\crden und
allniiililich ganz aufhbren. Nach dem calabnschen Erdbeben I rat <>rsl nacli last
einem .lahrzehnt cine giin/.lieho Beruhtgung des Erdbodens ein. Das Knlbebon.
\\elehes 1766 (luniana zerstorte. set/to die Erde 14 Monale lang und zv\ar an-
fiinglicli (lurch stiindliche Slb'sse in Bewegung.
Die Hiiufigkeit der Erdbeben isl eine tiberraschend grosse, bositzen wir
doch allein aus den Jahren von 1850 bis 57 Nachrichl Uher 4620 Knl-
Itehen. von diesen kommen 'L. B. auf Unteritalien und Sicilien 509, auf Miltel-
italien 196, auf die pyreniiische Halbinsel 77. auf Frankreich 105. auf die
sch\\ei/.er. savojer und piemonteser Alpen 1005 (darunter freilich /ahlreiclie
nicht vulkanische). auf die Ostalpen 81. Aus der Zeit j;om Anfang des neunten
.lahrhunderts bis 1845 ist uns Kunde von 559 Erdbeben Uberliefert \vonlen.
welche sich im Rhein))ecken ausserten. Am reichsten an Erdbeben ist jedocli
Stldamerika. Dort sind sie so hiiufig. dass man annehmen darf, dass sich
jener Continent besliuulii: an irirend einem Punkle in Bewegung belinde :
wurde doch die Stadt Lima seit ihrer GrUnduug zehnmal l)is /u ihrer giinzlichen
Zerstb'rung von Erdl)eben heimgosucht.
Die Gr5ss e des Areales, tiber welches sich Erdbeben auszudehnen im
Stande sind. ist zum Theil eine ausserordentliche. So zerstb'rte das Erd.J>eben
von Lissabon nicht nur viele Sta'dte in Marokko, sondern reichte bis nach
Skandinavien. Massachusetts und den kleinen Antillen. Liueare Erdbeben. >•>
eine Anzahl der chilenischen, dehnten sich auf eine Erstreckung von I'io
Meilen aus.
§. 6. Seebeben. Wenn Erdbeben auf dem Grunde des Meeres statlfinden.
so pflanzen sich dieselben durch die ganze Tiefe des Oceanes fort , so. dass
dieseiben als mehr oder \\'eniger heftige und gefiihrliche Stosse an seiner (31)er-
tlaehe empfunden \verden. Dabei l)leibt letztere auf offener See vollkominen
ruhig, man sieht koine wellenfbrmigen Bewegungen: am Strando hingt^en
trill oin plb'lzliches Zui*ilck\veichen und dann oin slilrmischos Sleigon des Meeres
ein. welches grosse SchiH'e \\oil in's' Land werfen (Si. Thomas) und Stiidte
uborllulhon kann (Callao, Conceplion). Gewbhnlich boginnl die Boxvogung mil
einem RUckzuge des Meeres, in Folge dessen die Unliefen hervorlroten. Schiffe
auf den Grund geralhen, Hiifen und ganze Moeresbuson irocken gelegt \\rnlen.
Die Dauer des Rllckzugos sohwankt im Millol zwischon 5 und 35 Minulen:
boi dem Erdbeben von Santa dagegon (18. Juni 1678) zog sich das Moor so
\\eit man sehen konnle zurtlck und brach erst nach 24 Slunden Alles ver-
heerend wieder herein. Bei dem Erdbeben von Pisco (1690) zog sich das
Moor -1 Meilen weil zurtick und kehrte erst nach 3 Slunden wicdor. Wie ein
\Yasserberg stUrmt das Meer gogen die Ufer an. stoigt 10. 20 ja in oinzolnon
Fallen bis 70 Meter liber seinen normalen Stand, wirft SchiH'e iiber den Ilafcn
\\-eg und reisst sic \\eit landeinwiirts. Krdbeben von Kustcnlandern pllanzi1!!
sich auf dem Moore nit auf ausserordentliche Enlfornungen fort. So orzouglo
ein Knlbeben dor chilenischen Ktlste oino Welle, welche don Ocean bis zu
III. Dynamische Geologic. 127
don Sandwich Inseln. eine Entfernung von 1200 deutschen Meilen. diirchmaass
und auf Hawaii das Dorf llilo iibertluthete.
§. T. Wirkung der Enlbebeil. Heftige Erdbeben gehbren zu den zer-
stiirendsten Naturereignissen. YSYnige Sto'sse geniigen. uiu Tausende von <ie-
biiuden in Trtlmmerhaufen zu \er\\andeln und Tausende von MenscluMi zu
vernichten. Die Zerstb'rimg A on Mendoza durch das Erdbehen von 1861, das
furchtbarste dor Neuzeit. war innerhall) einer einzigen Minute vollendel. —
in wenig Augenblieken kamen 9 — 10.000 Menschen durch das Erdbeben von
Caracas inn. — ein einziger. der erste Stoss des calabrisehen Erdbebens 17^:5
verwandelte den grb'ssten Theil der Ha'user aller Stadte und Dorfer seines Er-
selultteruNi:skrcis«'s in Srlmtlhaufen. Sehr verderblich a'ussern sich auch die
Wirkunuen der Erdbeben dadurch, dass sich Erd- und Felsmassen von den
Ht-rufii losliisen. in die Thaler stilr/en und dadurch FlUsse in ihrem Lauie
heininen und /.u rebersehwennnungen zwingen. Spaltenbildungen sind hiiuiiLrc
Foliien der \\ellenformigen Bewegung der Erdoberflache. Die Spalten haben
bald einen geradlinigen. bisweilen einen /iekzackformigen. selten einen krumni-
liniuen Verlauf. entstehen oft in sehr grosser Anzahl, schliessen sich jedoch
zuin Theil direct wieder. indem sie Alles. was sie in ihrem Schlunde ver-
schlunuen. zerquetschen. Die geb'ffnet bleibenden Spalten zeigen sehr hiiufig
ciiu-n autlallenden Parallelismus, in anderen Fallen laufen sie strahlenformig
von eineni gemrinsaiuen Mittelpunkte aus, in noch anderen trat zugleich eine
Vei'^ei-fung der Gesteinslagen ein, so dass die eine Seite der Spalte gehoben.
die andere gesenkt \vurde. So zerbarst bei dem F>dbeben von Galabrien ein
dickinaueriger Thurni durch cine verticale Spalle in zwei Hiilften, von welchen
die eine an der anderen 5 Meter hoch aufwiirts geschoben wurde. Mil diesen
Spaltenbikluniien slehen gewaltsame Ausbrtlche von Wasser und Schlainni in
Yerbindung. was offenbar darin begrUndet ist, dass unterirdische wasserreiche
Schichten und \Yasseransaminlungen durch die Erschtltterungen der Erdkniste
eine starke Compression und Spannung erleiden, in Folge deren sie beim Hersien
der dariiber befindlichen Erdschieht mil Gewall zu Tage dringen. Zu den
einflussreichsten \Yirkungen der l'>rdbeben gehiiren die Niveauveriinderungen.
denen grb'ssere oder klcinere Areale unterworfen werdeu, und die im niiclisten
Capitel ill re Besprerhung linden sollen.
§. 8. Beziehiingeu zwisclien Erdbeben uud vulkauischen Ernptioneii
uiid zwisclien Erdbeben und Gestim-Constellation. Zweifellos stehen \ iele
vulkanische Ausbrllehe mil ErderschUUei-ungen in Yerbindung, welche die
eigenllieln1 Eruption einzuleiten und vorzubereiten pdegen, sich zum Theil liber
Uundert Myilen \veit forlpilanzen und in vielen Fallen einen ausserordentlich
lieftigen Charakter annehmen, bis sie durch die erfolgende vulkanische Eruption
unterbrnchen werden. Hier ist also der Ziisaminenhang z\\i.schen Erdbeben
und Yulkanenthiitigkeit so klar. dass er die Yeranlassung \\iirde L';m/. im AII-
gemeinen die Yulkane als Sicherheitsventile der Erde aufzufassen. deren (ie-
bflnetsein. also deren Eruption einen sicheren Schutz gcgen \erheerende Erd-
beben gewahre. Die heftigsten und furchtbarsten Erdbeben sowohl Europas
wie Amerikas fallen jedoch mit Eruptiouen nicht zusammen, oder gehiiren
12s 111. iKii.iinisrlic i:
uerade selii- vulkanenreichen Bczirken an. \\elchenachjenerAnsielii\uiid.
\almvreignisse geseliilt/t sein sollten. Aul' der anderen Seile eiinlgten die enl-
selzliehen Erdbeben \on l.issabnn uiid Calabrien in nicht \ulkanisehen (iegenden
mid oliiu' Ausbrueh benarlibarter Yulkane. Aus alle dem geht her\<>r. dass
fine bestimnile (ieselzmiissigkeil in den Beziehungen x\\ isclicn \ulkanisehen
Krnptionen und Erdbeben nicht stattlindet. Die (iesammtivsnltale der an!' die.se
Yerhaltnisse beziidiehen neueren Benbachlungen IS.'id — oT. lassen sic-li in fol-
m'lidf Siitze znsaninKMil'asst'n :
I Die uritsslc Xalil \on I'>i%dl)('l>en und die hel'tiL'stcn faiiden in dicsei- Zcit
in Liiiulcrn stall, in \vfk-lu'ii sicli llialiiic Vulkane hclindcn.
;' Vulkanisrlic AusbrUchc cr»'ii:ncteii sich inehrnials. ohne class dainil in
Xusaimncnhani; slchcndc Krdltt'ltcn ln'inerkl \\urden.
:i Vulkanisclu' Ansltnirlu' schiitxcn hiswcilcn die nahc L-clegenen Gc^cndcn
vor Erdbeben,, oft aber sincl sie auch gerade die Veranlassuni; zu solcht-n.
Xicinlich \\ahrscheinlich hingogc-n dilrfte der Einiluss der (lonslellationcn
• l«'s MoiuU's /Air Sonne und Krde auf die Erdbeben sein, so dass die Urs.iche
der U't/leren in Springflullien des gluthlliissigtMi Erdkernes d. h. in <!
Boslivb_en zu suclien sein \viirde, der Anziehung der Sonne uud der des Mondcs
zu folgeu. In diesein Streben \vird er von der festen Erdkruste gehennnl,
Ubt also auf diese stellemveise einen Druck aus und sucht sie zu heben. 1st
der Andrang des Erdkernes starker al§ die Festigkeil der Kruste, so \vird letzl-
tere stoss- oder \vellenforniig gehoban. Xachdies er Theorie wiirde der Strich
der Erdoberflache, der den Gipfeln der Fluth\velle entspriclit, also die lieisse
Zone, der vorzilglichste Schauplatz der Erdbeben sein, wiihrend die lleftigkeit
und Ha'ufigkeit derselben nach den Polen zu abnehnien muss, eine Forderung,
\\elclie ini Allgeineinen durch die Erfahrung besliiligt \vird.
4. Permanente Hebungen und Senkungen des Bodens.
§. I . Instantane oder saeculare Hebungen und Seukungen. Au-
haltspnukte fur Constatiruug (lerselbeil. In engstem geneUschein Zusaininen-
hange mil den Erdbeben, zum Theil als deren Ursache, zum Tlieil als deren
Wirkung stehen die permanenten Xiveauveranderungeii des Bodens, Erschei-
nungen, welchen der grcisste Eintluss auf die Entwickelungsgeschichte der Erd-
ol>ertl;ichengesiallung zukomint. Niveauveranderungen konnen sich als He bun-
gen und als Senkungen und z\var grosserei1 oder kleinerer Theile der l.rd-
kruste geltend rnachen und sich entwi-der riu-k\veise oder unmerklich lang-
».MII vollziehen, also instant an oder saecular sein.
In Folge der Allgemeinheit dieser Schwankungen, aus Mangel an einem
an der Bewegung des Festlandes unbrtlieiliglen Beobachlungspunkh- gehen diese
stetigen Oscillationen an dem Bewohner des Binnenlandes unvermerkt voriil)er
uiul warden iiberhaupt selixvei1 naehxveisbai' sein, \venn nicht der Meeresspiegel
ein unveriinderliches Niveau einniihme, an \\elchem sich die Hebungen und
Senkungen der Conlinente \valirnehmbar maelieu und inessen lassen. Fels-
ritle, \\elclie tViihor von Wasser bedeckt \varen, tauehen empor, Kilstenstriche
\\aclisen an Breite in der Richtung nach dem .Meere zu. einstige Hafenpliilze
III. Dyoarntsche Geologie. I'J!<)
werden landeim\iirts geschoben , llache Meeresanne vollsla'ndig unfahrbar ge-
macht, Korallen- uiul Ansterbiinke Irocken gelegt. Andere t'fer mid mil ilnuMi
llucli\\,il(ler mill menschliche Bantcn senken sicli allmiihlich miter den Spiegel
dt's benachbarlei) Oceans, bis sicli die \Yasser fiber ihiHMi schliessen.
Soli-lit- llebungen und Senkungen aussern sicli der Nairn1 der Saehe nac-li
durcli rmgestaltuiig der Kiislenlinien . ebenso \\ ie dies bei Kbbe uiul Flulh
der Fall isl, am BuffeMigSten an llachen I Tern und wiirden an sleilen, felsiizen
<iestaden s|uii-los Tbrtibergefaen, wcnn das Mrer niclit scllisl daraul' hcdachl
\\iiiv, unverkennbafe Mcrk/.t'iclicti iibcrall da zui-iU-k/ulasscMi , \vo (\s cinsl
uciicn die I Icr ucbi'andot lial. Durcli d(Mi Anpi'all dcr Woiiou hat cs die b'ols-
\\iinde nntcruasclicn und die Klippen dallirHtvkl, es hat HaufNNerkf1 \«m runden
Kieseln aiil'iz-'lliiinnl und Muschel- und KorallenbruclisUioke, so\\ie Seelanize /u-
sainineni:escli\\eiiiinl, km1/., jene eiiienthiiinlichon Sirandlnlduniien, \\elch(> den
Ocean \\ ie ein Sauin umijiirU'n, (M'/tMi^t. Ilebl sich dor (loiilinenl, so enl/.ielit rr
diese S I r a n d I i n i e n dein Uereiclie des Meeres , rtlckt sic landein\\arts und
\erse(/.l sic in die Holio von Hundei-ten son Motern. Unlerdessen vvirft das
Mcrr neue SliMudhildun^en auf, urn diesplhon oine nach d«r andfren einein
^Schicksale anlieiinfallen /u sehen. Als anscheinend liorixonlalc Ter-
imisaumen sie dann die Abhan^e der sleilen Meeresktislen, - l»ei der
I 11 \eriinderlichkeit des Seespiegels ein sicherer Massslal), um \\ie viel sich die
kiisle in junusler Xeil iiehoben hat. Der Kinwurf, dass dioselben nicht auf die
llebuiiii des Festlaudcs , sondern auf das Sinken des MeeresspiegHs zurilck-
/ufiihren seien, \\ird durch die z. B. an der KUste von Norvvegen heobachtete
Thalsache enlkriiftigt, dass die Slrandlinien nicht innner unter sich und init
dei- Oberlliiche des Meeres parallel laufen, sondern zuweilen eonvergiren, was
nur (lurch cine undeichtnassiue llebung der Kiisle erkliirlich ist.
§. 2. Beispiele YOU Helmngen. In gfossarligster Weise haben sicli in-
stantano Hebungen an der Weslkiiste von SUdamerika bethiitigt. So erlitten
die Kiisiensliiche Chiles im Jahre 1750 eine von Erdbeben begleilele llebung
von H Meter, der alte Ilafen von Conception \vurde unbrauchbar, ja die Schille
kiinnen sich ihni seitdein nur bis auf 1 '/.2 Meilen niihern, Sandsleinfelsen, welche
bis dahin 3 bis 4 Faden unter dem Meeresspiel gelegen, erhoben sich (iber
diescn. Im .lahre IS2^ hob sich die KQste von Chile und Peru auf eine Kr-
slreckung von 240 Meilen um etwa \ Meter, so dass eine Reihe von Auster-
biinken blos^elegt vvurde. . \linliches wiederholle sich 1S:}.'i in migefahr den-
selben (iciienden, am aiifl'allcndslen aber auf der Insel St. Maria. Diese wurde
bei I1 _, Meilen Liinge an ihrem SUdende ?,G, in der Mitte 3 und an der \ord-
spit/.e :<,.'{ Meter gehoben. Schon in frUheren Zeilen haben Hebungen an der
\Yesikuste Siidamerikas stallgefunden, Uber welche wir /war keine geschichl-
lichen Nachrichten besit/en, welche aber in alien Slrandlinien sicherere Xeuii-
nisse als in mensrhlichen Ueberlieferungen hinlerlassen haben. In manchen
Theilen von Chile und Peru wicderholen sich diese Xeichen eheinaliger Kin-
wirkung des Meeres 4, .">, ja 0 oder 7 mal ilbereinander, entsprechen also ebcn
su\iel pliit/lichen Hebtiniisperioden und darauffolgenden Slillsliinden und ei-
slrecken sich an ein/elnen Stellen 7 Meilen well in das Feslland. Die obersten
C re ilner, Elemente d. Oeologie. <J
I3i> IH. DytiamisclTe Geotogte.
dieser Strandlinien ziehen sieh in 100 bis ino, ja slellemveise /.. B. bei Valparaiso
in 400 his fast i.">0 Meter Hohe iiber dem heutigen MeereSOTVeatl liin : - um eben-
so\irl haben sich jene Kiistenstriche im l.aufe der let/leu wenigen Jahrhunderte
gehoben. Von htiehslem Inleresse isl die Auffindung ernes Maiskolbens und
baumvNollener Faden innerhalb einer auf der Insel S;m Lorenzo \<>r Callao
2K Meter tiher den jetzigen Meeresspiegel geliobeiien Muschelbank, cin Kund.
\\flclici1 bt'SNcist, dass diose hcdciilcndc llchiini: in /citon slandfand, \\iilirtiul
dcren die BcNMihncr ji'iu-i1 Kiislon licrcits Ackci'ltau und Industrie trieben.
(Ian/ iihnliclie EfSCheiBangen hat man in Europa beoharhtet. So sind auf
Sit-ilion bis 7.11 00 Meter Mecivshohe Strandlinien mil Aus\vasohuni;(Mi und Poli-
nmi:rn der Felsen, Muschelanhiiufuniion. GerOUablagerangen and Bohrmusclicl-
loVhcrn Ix'kannt und ehen solche Bilduniien an dor \\Cstkiislc von (irossbri-
tannien in 10, ?•> und gegen lioMrterHohe nachiiewiesen. Letztore izeuinnen
dadurch an Interesse , dass sie nichl horizontal laufen , sondern landeiinviii ts
ansteigen, so dass sie dort alhnahlich iiber 430 Meter Iliihe erreichen. Die
grosste Beriihmtheit aber als Beweismiltel fiii- abwechselttde Senkungen und
Hebungen des Bodens hat der Serapis-Tempel bei Puzzuoli un\veit NVapel 1-1
lanct. In den dichl an der Meereskiisle gelegenen Huinen desselben^beliiulen
sich noch drei 13, 3 Meter hohe, aus je einem Sliicke gearbeilete .Marniorsiinlen.
welche nach Wegraumung des sie uingebenden vulkanischen Sandes jetzt 1'rei
dastehen. Die Oberflache ihres untersten Theiles isl bis zu \ Meter Hohe glatl
und unverlelzl . dann aher innerhalb einer 3 Meter
hohen Zone von zahlreichen Liichern von Modiola litho-
phaga durchbohrl, in welchen die Sehalen diesei- Bohr-
muschel liaufig noch erhalten sind. Die obere Partie
der Saule ist \\iederurn vb'llig unverlet/.t. Die (ie-
sainmtheit 'der hier vorliegenden Krscheinungen be-
ueist, dass sich der Landstrich mil dem Serapis Tempel
in Kolge einer mil Krdbeben und Aschenregen \er-
l)undenen vulkanischen Eruption um wenigstcns 7 Mett>r
gesenkl hat. In diesem Niseau \erl.)lieb der Tempel
langere Zeit, \\iihrend weloher die Bohrmusrheln ihren
Wohnsil/ in dem Theile der Marmorsaulen aufschlugen.
Kig. 10. Rui^d^ Serapis wpk>h,T /AN is,.,1(in |lrr ; M(.1(>r hohon J)ock(> von v,,|-
kanischem Sande und dem Wasserspiegel lag. Erst spiiter erfolgle \\iedei-um
eine Ilebung, in l;olge deren der Tempel si-m heuliges Niveau erhiell.
Am genaueslen von alien sind die durch Niveauveriindernngen bedingten
l;.rs( -lieinungen in Skandinavien untersuchl worden. Die Kilsten dieses Landes
belinden sich /um Theil noeh gegen\>iirtig im Zuslande <ler saecularen Ilebung.
nachdem dieser in vorhislorischen Zeiten mehrere inslantane Ilebungen.
unterbrochen von liingeren Slillsliinden, vorausgegangen \\aren. Behufs (ion-
slatirung dieser Oscillationen hat man an vielen l-'elsen der Kiiste und der
Inseln \\'a>sermarken eingehaucn, dieselben in mehrjahrigen Zwischenriiumen
untersuchl, \virklich Niveauveriinderungen, nehmlich Ilebungen \\ahrgenommen
und dieselben auf I Meter im .lahrhundert feststellen /u kiinnen geglanbt.
III. [Kiiamisclic (ieolo^ie. 1 ',i |
rntersliii/.uni: I'anden diese Heobadilungen in dem Kmporlaudien von klippen
.111 Slellen. v\o man IViilirr die See nidil brandon sail. Auf viel grossarligere
llebunuen in dor Vor/cil weisen die /.ahlreichen alien Slrandlinien nnd lerrasson-
alinlichen Tlionablaiierunuen liin. \\elclie von Sdialen nodi jel/t in der Osl-
see oder an der norwegisdieii Kiisk' lebender Muscheln angefiilll sincl (Meeres-
lerrassen . Dieselben \\iederholen sieh in meluvren \i\eaus ubereinander
und ko'nnen bis 200 Meier Moeresliolie orreidien. Dass dicsclhcn wcdcr ganz
parallel nodi \oll.sliindii: liori/.milal laufcn, sondcrn landcinwiirls anslciiion und
/uulfidi divri'LiiivM. isl IxTiMls <»bcn cr\\iilint wordon. Diosc llcbunii Skandi
navifiis *>•(/( >idi unlcr dcr OslstM- bis y.ur Kiistc Itnsslands fort.
Von den Inscln dos Slillcn und dos IndisduMi Occancs miiucn hicr nur
Ni'U-St't'land und (icxlon als Xcu^nisso sacculai'cr Hcbunizcn an^cfidirl
Kir Terrassenbildungen dor Oslkiisle crsliJionanuUMi I'^ilandcs \\eison auf oin Aul-
inn .'ioil bis l-'iOO Meter in postlertiiirer Z(Mt liin, \\iihrend die \\Ysl-
kiiste in Senkuiii: beiirill'eii isl. Mbenso sind Korallenbiinko der Ktlslo Gey-
Ions bereils /u beti'aehllicher Mohc ilbor den Meeresspieuel i^ehoben ^'orden
und \\erden bei foilschreitender Heue^uiiL; bald die Insel mil dem Fesllande
verkniipfen.
§. :J. Beispiele YOU Seilkuilgeil. Die Mehrzahl der iin (ianzen nicht
selienen Senkuiii^en kleinerer Theile des Erdbodens slelil mil dem Vulkanismus
niehl iin /usaininenhange, sie sind vielmehr die l-'olije des /usamniensturzes
unlerirdiseher llohlriiuine, des sieh Sel/ens lockerer Gesleinsmalerialien, des
Eintroekenens friilier \\asserreidier Schlammschichlen , des Rutschens einer
(iebirizsmasse ant Abl(isuiii;sll;ielien und anderer iihnlidier Vorgiinsj;e, \\elche,
iin enizslen Zusanunenliauge mil den nidil \ ulkanisehen Krdbeben slehend,
bei (ielejieiilieit dieser besprochen \\erden sollen. Die neuere Xeit lieferl in-
dessen y.iemlieh \iele Heispiele von plolzliclien Bodensenkungen, als deren
(irunduisadie nur der Vulkanisinus i^edaehl, vverden kann. Uei dem grossen
l-irdbebeii Mm l.issabon sank der ij;rosse marmorne llnl'endamm plol/lieh in die
I'ii-l'e. - auf Jamaica \\urde iin .lalire i69i rin grosserer Landslrich mil den
darauf Itelindlidien (Jebiiuden iiber I ){ Meter lief in das Meer versenkl, - bei
dem Krdbeben im Mis.sisippi Thale 18!:} fanden bedeutende Jiodensenkunyen
slall. An /.-dilreidien I'unkleii der Kilste Knglands, der Normandie, der Bre-
taiiiie, \e\s-.leise\s und Nordcarolinas sind submarine, also unler die Ober-
Iliidie des Meeres iiesunkeiie Wiilder bekannl, welche fill' Senkungen jener Land
slriehe spre<-lien, die vor \erliiiltnissmiissii; ersl kur/.er Zeit stattfanden. Audi die
Kiisle der Nordsee belindel sieh im Xnslande saeeularer Senkuni.', ein Theil
Hollands lieul bereils unler dem Niveau de> Meeres, (lessen Kindriniien nur dnrch
kiinsllidie liaiilen abjiehallen \\ird; das A real des /uider-Sees \\urde ersl vor
fiinf .lalirlmnderlen von den Kliilhen bedeck), und eine grosse Znhl der Kilslen-
inseln /.\\iselien Texel und Kibe nnd an der \\Cstkiisle Sddes\\ii:s sind vviihrend
unseivr Zejtrechnung versdi \vunden odei- liaben bedeulend an (iriisse verloren.
Kbenso sinkl die \\Vstku.ste (Ininlands langsam unler di<^ (Ie\\;isser derDa\is
slras.se, so dass die 1'fiihle. an \velche die eiiiL;e\\anderlen Knropiier ilire Kiiline
/u befesligen pflejilen, bereils unler dem \Vasse-r \erveli\Mindcn sind. Weiler im
9*
i;V2 III. l)yn;iini>clic
Norden trill jedoch cine enlgegeniifSflzlf BfWegung fin, die sicli in zahlreichen
alien Slrandlinien kundgiebl.
Gerade so vsie das massenhafle Vorkonuncn von Seethienvslen in be-
dfiitcnd huh ere n Niveaus, ;ils jene gelebl haben koniu-n, cin nntrilgliches
Be\\eismitiel fiir Ilcbungcn von Landstrjchan abgiebi, go wird auf der anderen
Seile durch das inassenhafle Aul'lrelen von 1'roducten organiseher Thiiligkeil
ii 11 It- r ha 1 b dcr I.ebeiissphiire ilir<-r Krzeuger oino Senkung dos Bodcns be-
\\ifsfii. So dculfl das Material und dor Ban der Korallcninseln des slillen
Oceanos darauf bin, dass sich dor Grund dieses Mecres soil langen Zoilriiuinen
iin Zuslande saecularer Sonkung befindel. Difsc Tbeoric la'ssl sicli nuf folgfiidi"
\\fisc bcLjriindfn. Die Korallenlhiert'licn, die bei doin Aufbau dor Korallfn-
insfln lliiilii^ iicwcscn sind, 'ko'nncn nur bis zu einer Tiefc von 40 Meier unler
doin Wasserspiegel lobcn. Trotzdein besleht das Material dieser Inseln bis zn
so ausscrordenllicli grosser Tiefc, dass ilir das Loth nicht mebr zu folgen vor-
inair, ausschliesslich aus abgeslorbenen Korallen. Diese mtlssen demnaeli durcli
Senkung aus dcr ihnen zuin Leben angewiesenen oberslen Meereszone allniiihlieli
in jene Tiefe gelangl sein. Ein solchcr Vorgang zwang die sich ncu cnl\vickeln-
dfn Generationcn von Korallenlhierchen, um nicht aus ihrer Lebenssphiire ge-
rissen. also ihrer Existenzbedingungen beraubt zu vverden, zur fortvviihrendcn
Ansiedelung auf den oberen Randern des sinkenden Korallenrifles, zwang sie
also dazu, ihre Banten stall in die Brcite nach oben zu richten. Die Folge
dieser Senkung und der dadurch bedinglen und geleilelen Thatigkeit der Ko-
rallenthierchen war die Enlstehung der nach Uunderlen ziihlendcn ringforniigen
Koralleninseln (Alolls). Jede derselben enlsprichl einer versunkenen Insel, um
welche sich die Korallenthierchen angesiedell und ursprilnglich ein Saumrifl'
aufgebanl hatten, welches sich direct an das Ufer anlehnle. (fig. 17, 1.
1. und fig. 18, a.) Es begann die saeculare Senkung des Meeresgrundcs
und mil ihm der Insel und ihres Rifles, wrelches sich dadurch allmahlich zu
einem BarriererifT umge-
staltele. (figr'IT, 2. 2 und
fig. 18, b c). Die Insel
verschwand bei forlgesel/.-
ter Senkung unler dein
Meerosspiegcl, die Koral-
lenlhierchen hingegen er-
hiellen ihre Baulen slels
tig. 17. Pronl durch cine Koralloninsel in den einzclnon Htadien ihrer
dnrch Senknng bedingtcn Entwickelung. in deinselben Mef IVSlli-
vean, so dass dieselben, mag auch ihr Unlergrund in sleler Senkung begrill'en
sein. noch immer die Oberfliiche des Meercs crrciclien und hier die Alolls
biltien (fig. 17, 3. 3.) Das Senkungsfeld auf dem pacifischeu Meeresgrunde
seheinl g(>gcn 1200 Meilen Liinge und 100 Meilen Breile zu besilx.en.
Durch saeculares Versinkcn ganzer Conlincnle unler den Meeresspiegel
erkliirl sich auch die ilberraschende \Viederholung cliarakleristischer I;aunen
line I'loren auf weil von einander enlfernlen Inseln. Lelzlere miissen als die
durch ihre Hohe von dem Unlerlauchen gercltelen Teberresie eines ehemaligen,
111.
Etisammenhftngcnden Fesllandes aul^efassl \\crden, aui' \\elche sich eiu Theil
der h.'\\ohner des untergegangenen Areales /airuckge/ogeu und sicli dadurch
erhallen haben. So \\cisl /. II. das gcmein-
same und ausschliessliche Yorkomiiien \ on Fuchs
alVen und FaulalVen auf Madaga.skar, den Sey-
chellen, den Malediven und CON Ion aid eineii
\erseli\\undenen (lonlinent Inn , (lessen let/.le
S|Hiren sicb in jenen Inseln und ihrer Fauna
.. , ., -. i i.. • i I- Kii;. IS. Feejeo KorullPiiiiisplu , ;il (ioro mit
linden. Aui der anderen Seite erklarl sicli die Banmriff, b) Avgau mit Barriereriff, c) Explo-
... .- i •. i i-i it- ring Isles mit sehr ontferntein lt;irrii'ivntV,
lolille \erschiedeiiarllgkeil dcrHoretl Umlraimcn ,n N,lmuku, eine Lagune mit c-iin-r cin/.i^-n
benachbarler Inseln aus ihrer bereits frlihzdtig
eil'oliMeii Seiikung, Treiinung und dadurch bedinglen gegenseilig unabhiingigen
Knl\\ickelung ilirer Be\\ohner. Wo sich durch Senkungen Thoile des Fesi-
landes als Inseln von diesem Irermten und dadurch ihre Bewohner vor der
Yerdriingung durch einwandernde Thiere und Pflanzcn schUtzlen , vermocliten
sich allerlhiimliehe Formen, die auf dem Festlande la'ngst versch\\ unden sind,
/.u erlialten. Solclu; Frinnerungcn an die geolouische Vergangenbdit sind namenl-
lich in Auslralien und Neu-Sceland bewahrl \vorden.
§. I. Hebungen und Senkungen in friiheren geologischeiiZeitriiiimen.
Die Oberlliiche siimmllicher Conlinente bildete in friiheren geologischen Zeil-
riiumen eineii Theil des .Mccresizrundes und ist erst allmiihlich zum Fesllande
emporizehoben \\orden. Noch kurz vor, vielleicht sogar l)ei dem ersten Auf-
Irelen dcs Menschen war der griissle Theil des nordlichcn Kuropa und Ame-
rika vom Mcere iihci llulhct, welches durch Ilebung des dadurch auch an Aus-
dehnung in horizonlaler Hichlung p'winnenden Festlandes nach und nach in
seine jelzigen C.ren/.en /urilcki;cdriingt wurde. In den weiten Sandllachcn der
norddcutschen Kbene, den auf ihnen zerstreut liegenden erratischen Blocken
und \\enn auch seltenen Beslen seiner einstigen Bewohner hat jenes Meer
iinvei kennbare Spuren seiner friiheren Herrschaft zurQckgelassen. In Gesleins-
formationen, die aus noch iilleren geologischen Zeilriinmen herriihrcn, mchren sich
die An/cichen ciner frUlieren allgemcinen Wasserbedeckung ; ganze Gebirgs-
y.iluc sind grossenlheils aus Beslem einstiger Meeresbcwohncr odor aus Gesleinen,
\\elche x.ahlreiche solchc umschliessen , zusammengesetzt, weilo Plateaus und
llochebenen im Inneren der Continente bestehen aus urallen, jetzt in Stein um-
gewandelten Korallenbauten , Muschel- und Crinoidenbiinken; sclbst die Uicher
von Holiriniischeln , wenn auch bereits wieder durch jllngeres Gesleinsmalcrial
ausizcfiilll, die Gerollanhiiufungen an der cinsliuen l;lutligrenze, heute zu Gon-
glomeralen verkittet , fchlcn nicht inmilten des Festlandes. Noch vor verhiilt-
nissnusslL: km/en Xeitriiumen waren manche und /war gerade die hochsten
Gebirge der Krde noch Mecresboden, waren ihre G«>sieine noch schlammiger,
mil den Thicren des Mceres gemenglcr Bodensalz. Krst (lurch langandanernde
Hebungen wurde der einslige oceanisclu? Grund /.um Festland und zum Hoch-
gebirge. Diese Ilebung ging aber nicht gleichfbrmig und constant, sondern mit
Unterbrechungen durch Stillstande, ja durch neu eintretcnde Senkungen vor
sich. An zahlreichen FrscheinuiiL'en liisst sich diescr Process der Niveauver-
I :! I III. |)\ii;imisrhc (reoloijif.
iindcrunu dcr alien Continents verfolgen. An kcinem I'unktc dcr i:co|oi:isch be-
kanntcn Erde ist die Heihc dcr unler Mithiilfe dcs Mecrcs . also aus Niedcr-
schlagcn aus dcmsclbcn entStandenen gefcchichteten l-'ormationcn cine \<>llsl;indiiic,
ubcrall IVhlcn ciii/clnc \\ichligc (lliedcr dcrsclhcn , an den ineistcn Slcllon
sogar dcrcn Mchr/ahl, ;in \iclen sind iiur cin odor zwei- Fonnatinncn nnd
nodi d;i/u inn- llicil\\cise /ur Ablagcrung gckommen, oft Insert die jiingsle
direct ;iuf der iillcsicn Formation, \\iihrcnd alle X\\ ischenglieder fchlcn. Solchc
l.iicken in der Schichlenrcihe cnlspreehen periodischcn Emersinncn grosscrcr
odcr klcinci'cr Tlicilc des diiinaliizcn Mecres^riindcs iiher den W;issei\spicL'c],
in Foliic dercn /.\\;ir rings um den iicliohcncn Landslrich conlinuirliclic .\icdci--
des Mccrcs ciTol^len , auf ilun sclbsl jcdwh nicht slallfindcn koiuitcn.
ueniiiLZcn dieses cinslii:cn Fcstlandcs durch jiin^crc Schichtcnreilicn
hcN\ciscn spiilcrcs /nriicksinkcn dcs in das Trockene izchohcncn MeereSgrundes in
soin friihercs Niveau, und cndlich seine jelzii^e Lage oherhalb des Mecres-
spicgels eine none Ilelumi:.
Fernere Beweisniittel stctiiici-. \\cnn auch lanizsamcr NiNcaiiveriindcrungen
dcr Erdoberfltlcbe \\alircnd verflossener geologischcr Perioden Ireten uns in
dcr WecbseilagemBg rein mariner Schichtenreihen mil Land-, Surnpf- und
Siisswasserbildnngen enlircucn. Sandsleine mil Resten von Landpllan/cn und
Flotzen von Steinkohle, vvelche aus der Vervvesung von Farnen, Calamitcn
und Sigillarien oder von Conifercn, (lycadeen und Equisetaceen hervorgegangen
sind, Schichten , auf welchen sich noch die Fussabdriicke der Thiere erhalten
haben, die am Meeresstrandc ihre Xahrung suchlen, Schichten, anf welchen
man noch die Wellenfurchen der Ufer uralter Oceane, die Eindrticke von\elt-
lichcr Hegentropfen erkennl, sie werden iiberlagert von machtigen Formationcn,
dcren Ueichlhum an Hcstcn von Bewohnern der Ticfscc auf einen occanischcn
Trsprung dcrselben, also auf bedeutende und \\icderholleSenkunucn dcs vor-
rnaligen Fesllandes und auf eine spatere neuo Hebung desselben in sein jct/.i-
i;cs Niveau schliesscn lassen.
Mil diesen zum Thcil schr ausgedehnlen llcbungen und Senkungcn, mil
dieser sich forlwiihrend gellend inachcnden Umgeslallung der Conturcn dcr
Erdoberfliichc gingen stele Veriindcningen der I.ocall'auna und -Flora, das Vcr-
drangtwei'den der iiltercn und di(> Eimvanderung eirier bcnachl)ar(en Hand in
Hand. Bei cintretenden Scnkungen slcllten sich stall der bisherigen contincn-
taJen Thier- nnd IMlanzenwell zuersl die Bewohner der Siimpfc cin ; \ or dcni
hcrcindrin^ciuhMi Mecrc vcrsclm andcn auch dicse; die Organisincn dcs Brak-
\\.isscrs. dann die dcr scichlcn Sec und noch s[>iiler die d('s oll'encn Oceancs
\\andcrtcn cin. Bei Hcbunucii dcr von YVasser bcdcckten l.andslriche zti I'Vsl-
land fand die imiuckdirlc fteihenfolge in dcm Wcchsel dcs or^anischen I.clxMis
stall. Dcr Thier- und IMlan/encharaklcr cin nnd dersclben Slellc der Erdoltcr-
Iliichc \\ar dcinnach , ganz abgcschen von den mil dcr Xcil rortscfircilcndcii
Ver&nderungen dcs organischcn (lesaminthabitus dcr I-'-rdc, roi'ldaucrndeji und
darofagreifendei) \Vandcluni:cn und -c-cnscitit:cn Ablosungen unlcruorl'cn.
Die gegcimarligc Vcrlhcilnng von Land und Wasscr so\\ i<- dcr Thier- und
IMlan/.cnwell isl als d;\s Hcsultal dcr Icl/lcn Ereignissc dcr bcscliriclicncn
III. !)\iKimiM'|ie (ieolo-ic. 1 :>.">
Art auf/.ufassen. Sell Jahrlausendcn mag dieses Itild cine ge\\issc Stahililiil
behauptet haben und mag sic I'ilr uoch ehen so lange Zeitriiunic bcuahren:
cs \\ird jcdoch die Xeil konmicii. \M> die (lonturformcn dcr (iontinente andore
gc\\ordon >ind , wo die Yerlhcilung von Festland und Ocean mil der jet/.igeu
koine I bcrcinslimmung mehr zeigen \\ird.
§. o. Elltsl cluing dcr Conlineilte. Es ist eheu ge/.eigt worden, dass
sicli die Krdkrusle in fhiheren gcologischon 1'erioden fast stels im Zustaiule
grossartiiier Ilchunizen und Scnkun^eii hefunden hat. Diese Bewogliclikeit des
anscheinend Stan-en und eincn I'esten Widersland Entgegensetzcnden mtlsste
unei-kliirlich srheinen . \\enn nichl die geringe Dicke der Erdrinde N\iihrond
IVillierer Zcilalter, nainenllicli a her Spaltenhildungon in BerUcksichliizung ue-
/.oiien \\iiidcn, \\elclic die Krdkruste durchsctzen, die einzelnen Hebungs- und
Scnkungsfelder \on einandcr trennen und dadurch Niveauveriinderungen dei-
selhen erleiehlern. Man lial (Irund an/unehinen , dass die ErstaiTunizskruste
der Krde anfiinglicli glfichiniissig von den Gewiissern des iiltesten Meeres be-
dcekt ge\\es(>n sei. Die Ahkiihlung der Erde hatte eine Verrinizerung des Vo-
Ininens /ur Folge, mil \\elehcr Spaltenbildungcn in der Erdkrusle und Sen-
kunucn einzelner Parlicn der let/.teren in Verhindung standen. Das Nicder-
sinken iler Hinde auf dem griisslen Theile der Oheriliiehe des gluthfliissigen
kernes veranlasste eine, wenn auch verhiiltnissiuiissig sehr unbedeutende He-
hniii: der ilbrigen Schollen. Durch den gleichzeitigen Einlluss beider entgegen-
L:eset/ler Ilewegungen in versehiedenen Regionen wurde der erste Anstoss /.ur
Sclieidung V(jn Land und Wasser, zur Bildung der Mcere und des Fesllandes
uc-. hen. Die horizontalcn Conluren der heuligen Continente, von denen jc-
doch die llaehen Kilstcnzonen als ihre vom Meere bedecklen Rander nicht ge-
trcnnt \verden dtirfen, waren also bereits im Beginne dcr Geschichle des Erd-
halles im Allgenu-inen \orge/eichnet und erlilten nur dadurch Modificalionen,
dass die forldauerndon llebungen nicht gleichrnassig in den ganzen Hebungs-
feldern vor sich gingen und ebenso durcli zahlreiche giinzliche oder theilweise
Siihinersionen dcrselben unterbrochen \\nirden. In lelzterein Falle boNNeuicn
sich ha'ufig submarine Schollen der Krdkruste in entgegengesetzleni Sinne, \\o-
diirch gleichzeitig grosse Begionen des Meeresgrundes in Land verwandcll \vur-
den. \\iilirend sicli das frilhere Kestland unler den Meeresspiegel senkle. Hier
helud es sich mil den oceanischcn Sedimenten , Nvelche naeh \vieder einge-
tretener llchiing die hori/.ontalen und \crlicalen Conluren der tlber dem Me(>re
helindlichen Thcilc der (lontinentalmassen in so ausgedehnlcr NVcisc heeinllussen
mid so \\esenllichen Antheil an der Xusainmcnsel/.ung der ausseren l^rdkruste
nchmen solltcn.
\\iihrcnd heim Auftauchen ganzer Continenle griissei-e Theile der Erdki iistc
eiiier llebung unlei'lagen , \\urdcii hei l-lntsteluing der (icbirge kleinerc, bc-
schriinklere Zonen von einer beschlenniglen Erhebung hclrollen. \\clch(>r Spal-
lungeu del- Erdkrusle voraiisiiegangen scin musslen, um eine derartigf! Be\\ci:-
lichkeil zu ermoglichcn. Aus der Abhangigkeit der Gebirgsrichlung von dem
Yerlaulc der kiistcn, souic dcr Gehirgshohe \on der Grosse des angrenzenden
Oceans, ferner aus der Anlagerung von llochland an die conlinentalen Al)hiinge
der Gefoirge uehi her\ur. d.i>s die meislen und hOchslen Gebirge cr.st, nachdem
il;is Festland bereits seine hciiligen I'mrisse angcnnmmcn hallo , entstandet)
sind, d;iss mil andereii \Yorlen die Cmilineiile alter sind a Is diese Gebirge.
Die mil der Knlstehung der Continenle und Gebirge verkniipflen Sliirungen
der LdgeniDgSVertmltniSse der Gcstoino, so\\ie die Addition, \velche sich l»ei
drr spjitoron Herausbildiiug der GebirgsgliedermiL' und iiberhanpt der Ober-
RgehenverhilUllSSe der Conlincnlc bethaliiilon, sol Ion in einein anderen Capitol
besprochen \vmlen.
§. 6. Auscheineude (iesetxiiiiissijt'keit in den Conlurformen der Con-
tinente und dein Verlaufe dor tJebirge ini /iisaniinenliange mil deren
Flltslehmmsweise. M,\n i;laul)t in don Conlurl'ormen der (!onlinonl(> , sn\\ie
in dein Verl.iufe und dor Verlheilnnu der (Jobiriio eine ^e\\isse (Jesel/iniissii;-
keit /u cM'hliokon , \velehe sich in folgonden Punkton jiin auffiilliyslen kund/u-
i:el)on scheint :
<) die (lonlinonlo sind nacli ihron Kdslon zu uehii'iziLi, in ihrein Inneron
alter Nei'liiiltnissmiissiij; niodrig;
'2 das hbchsle Kilslongobiri:o liogt an dom grb'sstcn Oceanc, d;is unbodeu-
lendoro nacli dom kloinoron Moore zu ;
3) die Vulkano sind moist auf die Moorosktislo boscliriinkl , ini Innoren
dor Continenle sind sic Sellenheiten;
4) fast alle Vulkane oines Continonlos concenlriren sich nacli tlom urosslen
Oceane zu ; so liegen die moisten Vulkane Asions und Aiucrikas am slillon
Oceane. don sie vollstandig umgurten;
5) die Lagerunysvorhiiltnisse der Schichten haben an den Continontalktislen
grossailigo, in Inneren der Conlinente fast keine oder verhaltnissniassiii goringe
Sldrungen erlitlen;
6) die KUslenlinien, Gobirgskelten und Inselroihen besitzen in don moisten
Fallen eine nordb'stliohe oder eine nordweslliclio Richtung;
7) die Conlinentalmasscn der Erdc sind durch Meeresarme odor liofo Mee-
resbuchton in je eine nbrdliehe und eine sildliche Iliilfle gelheilt; diese tron-
nonden (iowassor sind reioh an Vulkanoninseln (Ostindien, Rothes Moor, Mil-
lollandisches Meer, Kleine Antillon, siehc pag. 10).
Auf dieson niohl ab/.uslroilendon LIbereinstirnmungen oder (Jescl/niiissig-
koiton in don Conturlbrmon der Erdoberflache fuss^n Dana's Ansichton iibor
die EolsfefauDgsweise dei- Continenle und Gobirgo. Naoh ihm ist dleSpalliinu
der Erdkrusto nacli bostimmlon Richlungon dcs geringslon Zusammenhanizos
P'schehen. Diese Riebtungeo laufon nacli N\V. und NO.: \vo sie collidiron.
kiinnon die sonst geradon Union zu Curven svorden. Durch Ilobung oin/.elnor
dioser von Spallen gotronnlon Folder und Senkung der anderon enlstanden
gloich anfangs die Oceane, Conlinonto und grbssoron Insoln ungofiihr in ihren
lieiitiizen hori/.diilalen rmrissen. Die Conlinenle orsclieinen dahor moist als
Dreiecke mil nacli Sudon izeridileler Spit/.e. Dor durch das Niedersinken di s
-i.^slen Theilos der Krdrindo auf die gohobenen Schollen ausuoiiblo Druck
hiil sich namentlich auf doren Riinder , auf die Kiislon goiiussert und hal die
hier anstohondon Gestoinssdiichten aufgeriohlol , geknickt und gefiiltelt, die
III. Dvnaiiii-rlir ( ii-oln-jp. l'>7
kustenreuionen selbst aber gehoben, \\eshalb diese meist holier MIK! als tl;is
Innere der (loniiiienie. Wo sich au&gedehole Partien seokten, \\ urde ein grosse-
ier Druek mil' die y.unaehsi lie^eiulen Kilsten ausgeiibl, als wo kleiuere dies
Ihalen. Deshalb lichen mi dem gnisstcn Oeeane die lioelisten Gebirge, und
dcshalb ist /.. M. diis Slillc Met r von lioheren und sleileren Gebirgen hcurcn/.t
ills this iitlmilisdir. In Kol^c dieses sUirkeivn Seiteiidruckes sind h(>i dec forl-
diiiu'nideii llelmii- tier Kiisleniiehiri-e und Knickung dor dort anstehenden
Sehirhten neue Spalti-n und somil neue VQFbiodUD^WjBge mil dent Krdinneren
enlslanden, dureli wolclu1 sieh \iilkanische Kriifte einen Ausweg suchlcn. Da-
lier \\ii-tl last tier giui/.e Stille Oce;in von einein Ki'iin/e von Vulkancn nin-
gehon. /eihveilii; \vnrde ein bosonders starker Druck auf die Klislenliinder
tier Conlinente iuisgclibl, \\odiircli elwas Nveiter von der KUste enlfcrnlc, ihr
;d)ei- parallele (iel'irue einporuehtiben \\urden. KiiKMii solchen aussoriiowohnlicli
staiken Diutke \crdanktcn im teitjiircn Zeitaller die Rocky Mountains, die
Andes, die 1'yreniien. Alpen u. a. ihre h'-rliehuntz. Die Hauptmomcnle in Dana's
Theoi-ie sind somit:
a. Spa I Icnbildung in gcselzniiissiger Richlung;
I), lleliuni; tier einen, Senkung dor anderen Schollen der Erdkrustc und
dadurcli Seheidung von Land und Mcer, -- Entslehung der Con-
tin e n t e ;
c. in lolize des von Sciten der im Sinken bcgriffenen Theile der Krdrinde
und der sie bedeekemlen Oceane ausgeUblen Seilendruckes auf die
Miinder der Continente : Erhebung der Gebirge, dcren Hb'he in
einern bestimmlen Verhallnisse zur Grb'sse des angrenzenden Oceanes
steht,
Mogen die GesetzmUssigkeilen, auf \\elchen diese Ansichten beruhen, auch
n ur stheinbare sein, so sleht doch nach allcm friiher Gesagten fest, dass es
die von dein i;lutlilliissii:en Krdkern her;uif\virkende vulkanische Kraft ist, wel-
elier die Krde die Seheidung von Land und Wasser und dadurcli auch ihr
hiiehsl organisirler Hewohner, der Mensch, die Moglichkeit seiner Existenz ver-
diinkt, - - cs ist der Vulkanisniu's, welcher die Einfbrmigkeit der ursprllnglieh
fast vollkommen ebencn Continente unterbrach, einzelne Theile zu Gebirgcn
(Miiptirdriinule und die stagnirendcn Wasser zwang, sich Wege nach deni Meere
y.u bahnen, \velehe y.u Adorn des Verkehrs, ja zu Bedingungen menschlicher
Civilisation \\erden sollten, -- es sind endlich die Niveauveriindcrungen vul-
kanisehen Ursprunges, \\elehe ganze Faunen und Floren zum Wandern zwan-
iien und deshalb den grossten Einfluss auf die Verbreitung der Organismcn
ausgetlbt ha ben.
Die geologische Thatigkeit des Wassers.
1st auch der Kinlluss des Vulkanismus auf die GesUiltung der I-lrdobcr-
Iliielie und dadurch auf die Organisation der Erdbewohner kauni zu iibcr-
sehiilzcn, so ging doch die Geologic, begeisterl fUr das gcwallige Agens, darin
7.11 well. In der geheimnissvollen Thiitigkeit der unterirdischen Krafte glaubte
]'.\^ III. iKiiainisrlie Geologic.
man die alleinige I'rsaelif <lrs ausseren Habitus dor Erde orkannt zu habon:
man selirieb die Mannigfalligkeil in den Tnirisscn dor Continente, dor Insolrcihon,
\\elchc dioso lol/loron umgiirlen, die (iliederung dor Gebirge in Tliiilcr und
Iliihon \ulkanisrhen P;m>\\ smeii /u und nialte sicli Ho\ohitionon aus, \velehe
die Erdo in ihron Gnmdveslon rrscliiitterl und umgeslallel liiitton. In dor Yor-
liebe fUr das Wundcrbare eitirte man iilicrall das Gosponst drs Yulkanismus,
indcin man os verschmiihlo, an dor Hand niiolilornor Beobachkmgeo oino don
natilrlichon yorgiingen entsproehrnde Lbsung dor geologischon Hiilhsel /.u lindon.
Man glaubte ;uis grnssarligeu \yirkungen auf grossartigo Krafliiussorungen
scliliosscn zu iniisson. und \\ar ondlich iihorraschl, in dom Allos durchdrin-
gondon Was sort ropfen das Element /u erblicken, dessen stille, abor nim-
mer still stehondo Tliiiligkoil die Ilauptursache dor houligen Oberfliiohengoslal-
tung der Erde ist.
An der einon Stclle zerstorond und furtfiihrend, an der anderen absotzond
und noubildend, ist dem \Vasser die Aufgabe gestellt, dem Vulkanismus onl-
gegen zn arboiten, unmireissen , was vulkanische Kraft aufcoUiiirmt. aus-
zuebenen. \\as sie .emporgedrangl hat. Das Endziel seiner Thiitigkeit ist es,
die urspriingliche, regelmassige, von Berg und Thai nicht unterbrochene Gestall
der Erde \viodorhorzustellon. Die Annahine, (lass das Wasser nur in fliissigoin
Zustande eine Rolle in diesem Kreislaufe spiele, ist eine Tauschung. Derselbe
Drang nach der Tiefe, \volcher das Wasser zum wichsligen geologischen Werk-
zeuge geslaltct, wohnt auch dernEise inne. Wir haben demnach das Wasser
so \vohl in fllissigem, als im feslein Zustande mil Beziehung auf seine geo-
logische Thatigkeit zu betrachlen.
1. Das fliissige Wasser als geoiogisches Werkzeug.
Das ganze Kreislauf des Wassers ist, abgesehen von seinen Ptlichten gegeu
die organische Natur, ein geoiogisches Werkzeug, dessen einschneidende Wii-
kung auf seinem Streben beruht, von der Hb'he nach der Tiefe zu gelangen.
Als Hegentropfen auf den Schauplatz seiner irdischen Thatigkeil gefallen, begin n I
cs sogleich mil Uberwindung aller Hindernisse sich einen Weg nach dom ticf-
>ten Punkle der Erdoberflache, dem Meere, zu bahnen. Der Grosse und Schwie-
i-igkoit der Aufgabe des Wassers entspricht die Viollaltigkeit der Mittel, \velche
ihm /ur Erfiillung derselben zu Gebote geslellt sind. Reichl seine mecha-
nise he Kraft zur Zerlrtiinmorunii und zur Transporlirung dor Gesteinsmassen.
welche sich ihm in den Weg stellen, nicht aus. dann kommt ihm seine Fiihig-
keit zu IlUlfe, gewisse Bestandtheile der Gesteine chemise h aufzulbsen, zu
/ersetzen und aus/.ulaugen und daduroh den Fols in seinem innerslen (iettiue
zu lockeru, und sind beide vereint zur Bcwultigung der Hindernissse zu schuaoh,
sti gcsellt sich ihnen der Frost zu. Dann nimmt das Wasser seine festo Form
an und dehnt sich bei dieser Gestaltsveriindorung mil so unwiderslohlieher
(ii-\\alt aus, dass es. in Felsspallen eingeschlossen, die -(iesteino zerlrummerl.
D.T XVoi:, wolohen das \Va>ser oinsehliigl, um aus den Bergen in die
Kbenc und von da zum .Mooi'o y.u gelangen. isl ein dnppeller. Ein Theil sucht
sich unlerirdische Bahnen, ein anderer folgt dor Oberlla'che dcs Bodons.
III. iHiiainisrlie (u'ologie. I '->9
Aus dcr llebung eines l.andslrichcs zu einem Cebirge ging niclil umnit-
telbar (I. -is hcr\or. \\;is licutc als ;ib\M'chslmigsrciclies (ian/cs \<>r mis liegl,
- der Vulkaiiisnnis licferle \iclmehr nur cine rolic, ordmmgslos von Spaltcn
durchsetzie GesieinMiiasse : dicse in ein gegjiiedertes Gebirgssystem uftimgestalten,
liegl dmi NYas-er ub. Her ersle Megenguss leitele die Arbeit ein. Die gel'al-
lencii Tropfen streben nacli dcr nachslen Bodoneinscnkung. /arle Hillcn liiutcr
sich zuriieklasscnd : /inn Kirsclbacli \ereinl. schncidcn sie sicli \Yasscrisse in
das (lesfein: als (irlurgsbach sllirzen sich die gcsamniolton (l<nviisser in vor-
handcnc Spalton, enlfalten hicr die i^an/e Kraft Hirer Falllha'tkkeil und Nxilhlcn
sieh liefe Srlilurlilen in die l-'elsen. Die Biielie \ereinen .sicli y.nin BeriiStroine,
\\clclier di(> Schluclil /inn (iebirusllial ersM-itcrt, die Bergslriiine y.\\ Fliissen,
deren Helt sich /inn Tliale ansdehnl, aus welcheni sie in die Niederung trelen,
inn duivli diose, indein sie anderc (ieNviisser in sieli aufnclnnen, dein Meere
als Strum x.nxiilliessen : ein knnstreiches S\slem von Wasscrcanalen, dessen
y.arlesle Aste sich im lloeliiiebirge vemveigen, urn jed<'ii Wasserlropfen anf/u-
l'aiii:en, nut/bar /u machen und dein Mecre xuxufilhren. In den. ursprling-
liehen ('iel>ii'L'sabfall schneidcn sich die Wasser ein solehes System ncbcn dein
anderen ein; Schluchten und Thaler unterbrechen jetzt in mannigfachster Ge-
stallmiiz die frliher gleichtonnig ausgedelmlen Abliiinge, als deren Uberbleibsel
nur nodi di(> Felsrdcken und Felsgrate stehcn geblieben sind, welche die ein-
/elnen Tliider trennen. Hire oberen Begren/mi|zslinien deuten das vordeni all-
i:enieine. miunterbroclit'iie Niveau des Bergabfalles an.
I>i( Bildung dw Thaler durch lliesscnde Gewiisser ist nicht das Endziel
Hirer Thiitigkeit, sondern nur das Miltel xur Erreichung eines Zweckes. Soil
das Meer dureh Absiitze fortwiihrend neue Schichten und durch Anschwem-
inmiLieii neues Feslland schaflen, so bedarf es eines Ersatzes dcr Him dureh
vulkanische llebunjien enlzogeiuMi Sul)stan/.en, — dem" Bache, deui Flussc isl
die Aul'^abe /u Theil ge^orden, diese Zufuhr nnd Neuversorgung zu be\\erk-
slelligen. In dcr Erfilllung derselben spielen Thalltildlingen eine doppelle
Mdlle, einerseits sind sie die AnuritVspiinkte, welche sich das Wasser zur Zer-
stiirung der (iebirge gevviihll hat, also die Liefcrungspltitze des Gesteinsmatcria-
les, andrrerseifs zugleieh die Caniile, in welchen die gewonnenen Gesteins-
Irilnuner dem IVstlando enlluhrl und dem Meere zugefUhrt werden. .Icder
Beuenguss, jeder ( ie\\ illerschauer komml den Gebirgswassern zu Htllfe, indcm
er von den absehUssigen BergabhiingtMi I'clsblOckc loslbst und dein Bache zu-
fiihri, dcr sic entweder direei. oder nachdcm sie der Frost in klcine Sllieke
gesprengl hal. mil sich fortschiebt. Durch ge^enseitige Keibung runden sieli
die Fragmente alt und \crliercn zugleieh immer melir an Griisse, bis sie, am
I n»c dcr (iebirge aiigeki>mmen, zu Kies, Sand mid zuin Theil zu den feinen
Schlammllieilchen /erinalml \Minlen sind, \\clchc die Triibung der Flilssc be-
\\irken. Selbsl an schr saiiften Thalgehiingen sind die Begenuasser unabliissig
Ihatig, sandigcs mid (>rdiges .Material /u rauben und den Striimen zuzufUhrcn.
In Folge der allgemeinen Verbreilung der IJcgcn mid der dadurch bedinglen
Bildung \nn Iliessenden \\asscrn ist dcr gnisstc Theil der Oberlliiche des Fesl-
landes in einer Be\\egung naeh dem Oceane bcgrill'cn. in \velchem sich die
I 10 III iKiiiimi.M-hr
Sukslan/en /u feinom Sehlamme niedrrselilatieii, inn .illniiihlich
zu Geslein xu orhiirlon mid itn Laufe dor /oilriiiiino von Nonem iiber dm Spie-
gel (It's Moeres, x.uin Theil y.u liolien Gebirgen gehoben zu \verden. l);is Ma-
lorial, aus \\elehern dio Krdkrusle aiifgcbaut 1st, bolindet sich soinit in eiiiein
ilDUBterbrochenen Kreislaufe, — einem Kroislaufo, den iliiu dio Halm dos Was-
sors \orschroibt, wolrhos, iiu Mooro angelangt, in Dunstform zum Gebirge zu-
i -ufkkehrl, uiii dort von Neuoni seine Wamlerung in die Tiefe anzutivim.
Daboi stehl ihm aber ausser dem Wege auf dcr Oberfluchc der Krde noch
oin zweiter oH'on. Durch feinc Spallen, durch Poren des Gesteines dringl us
in das Innere dor- Gebirge, um an dercm Fusse oder in der Ebene als Ouelle
wiedor an das Tageslicht zu trelen. Auch aut diesor seiner unterirdischen
Hahn liogl das Wassor eri'olgreich seiner Aufgabe der Zerstbrung ob und vcr-
sioht sich /u dicsem Zvvecke mil ciner neuen Wafle, indcm es begicrig die
Kohlensauro, mil der es in Contact gelangl, aufsaugt. So ausgerilstot, ont-
faltel das Wasser ini Verborgenen eine so grossartige Thaligkeit, dass uns da-
liir jeder Maassstab fehlt, und vervvandelt das Innere der starren Erdkruslo in
rine Woikstalt, aus vvelcher die wichtigsten geologischen Erscheinungen hor-
vorgohen. Zuorst dra'ngt es sich in die Poren der Gesteine, - - sclbst die
dichtesle Felsart kann ihm den Zutrilt nicht wehren, — und dann beginnt os
den Process der Auflbsung und Zerselzung, welchem ini Laufe der Zeit fast
alle Mineralsubstanzen verfallen.
Beladen mit fremdarligen Stoffen, setzt das Wasser seinen Weg vveiter fort,
um frischen Kraften, nehmlich neu eindringenden Gewassern Platz zu machen,
\\clche das begonnene Werk der Auflbsung und Zerselzuug aufnehnicn. Voi-
der andauernden Thaligkeit der mikroskopisch kleinen Wasserlrbpfchen ver-
scliwinden ausgedehnte Gesteinsmassen, an ihrer Slelle enlslchen untcrirdischc
Jlohlraunie, an deren Erweilerung die Wasser so lange arbeiten, bis ihre Docko
die auf ihnen ruhende Last nicht mehr zu tragen vermag. Dann brichl die
Hbhle in sich zusammen, Stbsse erschUltern die Erdoberflache, der Boden \vird
von Spalten durchsetzt und beginnt sich unter erdbebenartigen Erscheinungen
zu senken.
Die Minerahvasser selbst sammcln sich in der Tiefe in Spalten und llohl-
riiumen an und brechen von diesen unterirdischen Reservoirs aus als Quollon
hcrvor. Dann ist ein Theil ihrer Aufgabe gelbst, sie haben den Gebirgen oine
bfdcuionde Mengc ihres Materials entzogen und in- ihreni Inneren ebenso zcr-
slorend gewii'kl, \vie di<^ Biiche und Strbnie auf deren Oberflache. Hire Ar-
beitsfahigkeil als chcmisch lhatiges Agens erlischt, sobald sie mit atmosphariseher
Luft in Berilhrung kommen, dann entweicht ein Theil der Kohlensauro, die
onti'Uhrten Substanzen scheiden sich aus und lagern sich am Fussc der Gebir^c
odor ilberhaupt an der Quellonmiindung, fern von ihrer ursprUnglichcn Hei-
inatli, ab. Doch am Ziele ihrer Wanderung sind sie noch nicht angelani:!.
Die unlerirdisehon Wasser haben sie nur dem Schoosse der Erde cntftlhrt, um
sio dor zerstiirenden l-'.in wirkung von Seiton dor Iliossenden Tage\vasser zu
uberliefern. Binnen Kurzem mbiien sie diosom Schicksale verfallen, begcben
III. l)ynaini<clie lii-olo^ie. 1 \ I
sich von IS'euem auf die \Yanderung uiul treten als Schlainm, Sand und Kies
ihren Weg nach dem Meere an.
Die Gebirgsquelien entledi^en sieli jedoeh ihrer mineralisclien Last l»ei
ilircin Auslrille ;tn die Taiiesoberfliiclit' nieht volislfindig , eine geringe Men^e
von foemdarUger Subsian/ und /.war n&mentlich von kohlensaurem Kalke bleibt
\ielniehr gelost zurik-k und \\ird von ihnen dem izemeinsamen Ziele aller (ir
\\iisser zugefiihrl. Da dies in Tausenden von Slrbinen geschieht , so iniissic
di-r Oc-ciiii inncrhall) kurzi-r Zcilriiunic /u oincr »i!\valligen Solution von doppell
kohU'nsaurcni Kalkc \\erdon. Dies /.u vorhindorn, \virkcn Milliardon von Mo«>-
resfoe wobnern , deren Lebensaiifgabe es isl, den kohlensaurcn Kalk , \velcluT
aus dem Inneren cler Conlinente, vielleichl aus den ho'chsten Berggipfeln stanunl,
nai-lidfiu (>r in grlostom Zuslande \veile Strecken durchwanilert , vvicdci1 dem
\\'.-i-scr /u onl/iflu'ii , als fcste Substanz auszuscheiden und als Material ftir
Gesteinsbildttngen aufzuspeiohcrn. Diese iin llaushalte der anorganischen Na-
tur so wichtige Pllichl liegl namentlich den Mollusken, Echinodennen, Korallen-
lliiercn und Fora min iferen ob. Die Auslerbanke der atJantischen Kliste sind
aus Kalk aufgebaul, wclcher zum grossen Theile aus dea Alpen und anderen
Boohgebtrgen slainmen mag , — die Korallenriffe des Stillen Oceanes iniigen
ihr Material xuiu Tlieil der Andeskette verdanken; auf der anderen Seite sind
diese Gebirge zum Theil wiederutn nichts anderes, als ilber den Meeresspiegel
uehobenc Baulen von Seethieren , — kurz , diese wie jene reprasenliren nur
Sladien in dem Kreislaufe des Stoftes.
Aus dieser Skizze der Belheiligung des Wassers bei dem Enlwicklungs-
processe der Erdoberflache und der Wege, auf denen es seine Aufgabe ver-
I'olpt, uehl hervor, dass die Thaligkeil des Wassers einerseits eine chemische,
andererseits eine mechanische ist und in jedem dieser beiden Falle wiederum
(iestein zcrslbrend, Mineralsubstanzen fortftlhrend und Gesleins-
malerial absetzend sein kann.
a) Die chemische Thatigkeit des Wassers.
§. 1. Das Wasser. Die Wasserdllnste, welche den Luftkreis unseres Pla-
nolon erfullen, schlagen sich auf die Oberflache der Erde als Regen, Thau und
Schnce nieder. Diese enthalten elvvas Kohlensaure, namentlich aber Sauerstofl"
und StickstofT, welche sie aus der Atmosphiire absorbirt haben , und ihnen,
wenigslcns den beiden erstgenanntcn. verdanken die Wasser einen grossen Tlieil
Hirer Zerselzungs- und Auflosungsfahigkeit. Ihr Kohlensiiuregohalt isl ursprtlnglicli
ein ausserordentlicli geringer, trotzdem aber durch Kalkwasser, selbst im Schnce
nac-hweishar. Kr wird jedoch bedeutend vermehrt, sobald die Wasser in die
an vervvesenden vegelabilischen Restcn reiche obere Schichl der Erde dringen,
\vo sie die durch Faulniss der organischen Subslanz enlstehende Kolilensiiure
aut'nehmen. Endlieli siiltigl sich das Wasser mil der Kohlensaure, \\elehe
aus dern Inneren der Erde euiporsteigl, und \\elcher dasselbe auf dem \Yei:e
nach der Tiefe begegnet. Ausser Sauersloff, StickstolT und Kohlensaure fuhrt
das Sickcrwasser von der Erdoberilache organische Subslanzen mil sich in die
Erdleufe, \vo sie in Folge ihrer reducirenden Einvvirkung auf die Oxyde ein
I 12 (II. l)\n;imi«-he
\\irhtiges Klement ill dem durch chcnlirende Ge\\ii>ser in's \Veik gesolztcn
Umwandiungsprooesse der Gesleine bihlen. In soldier Geslall. beladen mil
SauersiotV, kohlensiimv mid organist-hen N 'erbindungen , isl das Wasser ein
goologisches Werk/eug, (lessen zersel/endem mid aui'liisendcm Kintlus.se keine
l-'dsarl irn La life der /eil \\iderslehl. Heitn Eindringen in die Gesteine ver-
liert das Sieker\\ as>< r l>ald seinen SauerstolV und die kohlensiinre. i'alls in den
Ge.xieinen Kcirpor vorhanden sind, \\elche Yerbindungen mil diesen Gasen ein-
gehen kiinnen. Dafiir aber niminl os solclie .Mineralsuhstan/en aul', \\-cK-lio in
ilini enl\\eder an nnd fiir sich , odor mil Iliill'e der Kohlen.siitire lii>licl) sind,
\vodurcl) es in den Stand i:esel/,l \vird, \\eileiv Zersel/untien oder neuc liil-
dunuen /u veranlassen , \venn es \veitor in die Ticl'e drini:l. — Der von den
alnins|)liiiri.selion Niedersclila^en absorhirlc Si io k s I o IT izolil mil den minern-
liselien Korpcrn, xwischen denon or, \om \\asser in die Tiel'e liefulirl . circu-
lirl, kerne Yorbindmiijen cin, sondorn \vird bis /urn Wiederaustrill der (x)uell-
T in Absorplion gehallen, macht sicli dann \cm ilini Irei nnd kelirl indie
Atmosphiire zuriick.
§. -2. Durchdriugliclikeit, Aufloslichkeit und Zersetzbarkeit aller
(icsteine (lurch AVasser. Die Taue\\asser Irelen ihren \\eiz nach der Tiefe
an: dabei folgen sie nichl allein den Spallen ,. Klilften nnd Schichlungsfliichen
der Gesleine, sondern sie dringen in diese lelzleren sclbst ein. Die Ma--e
allcr (iesteine isl von feinen mikrosko})ischen Poren angefulll und \on einem
Nel/.e ieiner Haarspallen durchzogen, in welche das Wasser um so leichler ein-
sickerl, je grosser dieselben sind und je bedeulender der Druck isl , den die
auf ilnn lastcnde Wassersaule ansiibt. Wio. gross die Wassermen^e isl. \\elohe
mi Inneren der Gebirge circulirl, zeigl sieli in den Slollen und Seliiiehten vic-
ler Berg\\erke, von deren Wiinden und Firsten das Wasser iropfl und riesell,
- dass feinkornige \vie grobkb'rnige Gesleine durchdringlieh sind, \\ird in der
vollslandigen Zerselzung mancher Basalle zu Wacken , in der Kaolinisirung
maiK her Granile offenbar, und dass Fliissigkeilen iliren Weg in selbsl anschei-
neiid vollkommen liomogene Mineralmassen finden, ergibl sich aus der ktinsl-
liehen Fiirbung der Chalcedone und Acliale, kurz keine einzige Gesieinsart sel/.l
dem einsickernden Wasser einen absolulen Widerstand enlgegon.
KbcnsoNvenig wie cine vollkommene UndurohdringlichkcMt , existirl eine
\ollkommene I'nzerselzbarkeil und Unnuflbsliehkeil irgend eines (iesteines durch
Wasser. Wiirde auch der Chemiker ein Mineral, \\elc-hes er mil NVasser I*.--
handell hat, von dem er aber wedcr durch Reagent ien, noch dnrch Abd;impt'en
Spnren in lel/.terem nachweisen kann, ein unlosliches nennen, so ist doch d;i-
mit der Beweis seiner absoluten Unloslichkeil noch nichl gefiihrt, denn l>ei
hohen Graden der Verdiinnung reagiren Reagenlien nichl mehr und der Uilck-
sland nach dem Abdampfen kann so unbedeulend sein , dass er dem Ange
enlgehi. Findet aber der Geologe ein Mineral in der diesem nichl zukommen-
den Kryslallform eines anderen , nach unseren Krfahrungen unlbslicln-n Mine-
r.iles cjii,- Pseudomorphose dieses lelzleren . so beucist dies, irotz der an-
scheinenden Unloslichkeil des lel/.teren, dass (ie\viisser das verdriingte Mineral
im Laufc der .lahrlausendc aufgelosl und \veggefiihrl halten , oder dass mil
III. n\n;\mi.s<i,t> (iooloi.-io. I 1:5
llull'e (It-s Wassers cine lanusame I nmandlunu der .Masse slatluel'unden hat.
Die Pseudomorphosen sind also UawandhtngSfMrodocie urspriiiifjieher Mineral-
kiirper, wohei diese d.ild i:e\\isse lU-Mandlheile \erloren, liald solche neu auf-
L:emimmen hahen, odcr \\obei ein Austausrh ein/.elner Bestandtheile oder end
lich fine iziin/.liche Yerdranuung tier einen Subslanx durch cine andere stall
uefunden hat. Ihr Sludiuiii hat /u den \\ichliiislen Uestiltalen iiber die I in
WftndltingSprooettC ini MtoeraJreicbe ircl'uhrt , li'it namcnllich die l.oslichkri!
\idcr (icstcinscUMiifiilc dai^fllian , dii> filr deu Gheiniker gewuhnlich als un-
Idslich ii«'lttMi. l-'iir Icl/.lcros spivchen vorzugswoise diejeni|j;on 1'scudotnorphoscn,
lici \\«'lcht'ii das rinwandliinizsprodiicl keinci-lci cluMiiische Bc/ii'hunii inolir xu
dciii urspi-iiniilichon Mineralo besilxt. llierhcr m-horen die Pseudomorphism
\on RraiMu-i.scnsti'in nach Ouar/.; von Zinnslein nach Fcldspalh , Sch\vcfclkics
nacli Ouar/. und HotliiziiltiutM1/., (Jnar/ nach Flussspalh u. s. \v. In hohoin Maassc
koinnit drin \\assor l»tvi dicscn rni\\aiulliingen sein (Ichait an Kohlcnsiiun1 /u
Staltfii. /u iian/ ahnlichcn Itesullalcn , \\ ic die lloobaclilimi; der naliirlichen
Vori:iini:c. hat das Kxpcrimont gefiihrt. Ks xeigte sicli nchinlich, dass l;cld
spiithe, Epidot, (Jlimmor, Turnialin, Augit, Hypersthon, Hornblende, Olivin,
(ihlorii. Talk u. s. \v., also anscheinend unlb'sliche Mineralien , in feingepul-
/usiamlf und beini i'lx-iLiii'sscn mil kohlensiiurehaltigem oder selbst
\\asscr so srhnrll \on jliescin aniiegi-iffen wurden, dass schon die erslen
Tropfen dcr ablillrirten I'lilssigkeil Spuren eincs jenen Mineralien enlstannnen-
den Alkalis odcr einer alkalisehen I'.rde x.u erkennen gaben. Die Krtahrung
Ichrt, dass ausser Gol<I und Platin kauin irgend ein in kohlensiiurehalliiieiii
\\'.isser al)solul unlosiiclies oder un/ersel/bares Mineral exislirl, dass nanientlich
alle die .Mineralien, \\elche einen \\esentliehen Anlheil an dem Aufbau der
l-'.rdkruste nelunen, dem xersetxenden und losenden Einflusse der Sicker\vasser
nicht \\iderstehen kiinnen. Die Folge davon isl, dass sich lelztere mil mine-
ralisclier Siibslan/ beladen und diese mil sich I'ortluhren , dass also die ur-
spriinulich reinen alniosphiirischen Wasser von ill rein Laufe durch die Gesteiiie
als Mineralquellen auf die Erdoberdache zui'iickkehren , und dass endlieh iin
I.aufe der lancen geologischen Xeilriiuine , seil denen das Wasser durch die
(iesteine liltrirl, gan/ enonne Ouanlitiiten von Substanxen dem l'>rdinneren enl-
/oiien und der Erdoberllache xiiizefuhrl werden. Die Mineralien verlieren aber
nichl nur durch die Wirkuni; des Wassers mehr oder weniger von ihren He-
slandtheileii. sondern sic erleiden auch, vvie uns die Pseudomorphosen be\vei-
sen , vollsliindige Yeriiiideruniien in ihrer ursprilnulichen ZusammeDSOtZUBg.
Diese Veriindenmiien und die (ieset/.e, nach denen sic vor sich gchcn , sollen
in dem Folgenden betrachtet \\crden.
§. 3. Die hydro-cliemischen Processe. Die in die Gesteinc der Erd-
krusle einsickernden , Kohlensiiure , SauerstotV und organisehe Subslan/.en mil
sich filhrenden Wasser leilen folgende hydro-chcmisclu1 Voriiiitiiie ein:
I) Auflosung.
(Ian/, abgesehen von einer Reihe sehr leichl loslicher, in der Nalur eben
aus diesem Grunde selten und nur an besonders geschUlxlen Punkten \or
kommender Sal/.e Eisenvitriol , Kupfervilriol , Alaun, Salpeler u. s. w.), sind
Ill III. D\ IKIIIlisl'llC (l
rs namentlich vier Gesleinsarlen, aul' \\ elehe die almosphiirischen Wasser
liisend uiul wegfiihivnd einwirken: G\ps, Sleinsal/, Kalkslein unil Dnlomit.
Dor Gyps niinml oinen niehl unbodeulenden Anlhoil an dem Aufltau der
Krdkrusle. in welehor or miichligc Stoeke und Kiiilagerunijoii bildot, and iiber
doren Obei-llarlio or sich ill Goslalt gan/or Iliigolrcihen , Bergkupp<Mi und an-
selmlieher I'elsmasson erhobt. Daraus gehl hervor, dass solbsl seine nnr ihoil-
\\eise yerniehlung und NVeiil'iihrung von dcin gnisslen Kinflusse ant' den Schicli-
tenhau niul die (leslalt der ErdoberflSche sein muss. Da Oyps ein in 'Hid
Tlieilen Wasser losliches Sal/ ist, da cr fei'ner dern auflosenden Anurill'e des
\\assei\s niclii nur auf seiner Oberflacho , sondern aucli in znhllosen Kliil'len
und l;iiiicn ausgesetzt ist, wclchc das Geslein in Folge seiner \veiler unlcn v.u
hesprechenden Enlstehungsweise nach alien lUehtungen durchziehen, so ergiehl
sich, \velche hedeulenden Massen dieser Mineralsubstanz in verhaltnissmassig
kurzen Zcilraunien in Solution enlfilhrt werden. Wenn man die miUlerc jiihr-
liche Rcgenmenge auf \ M. annimmt, so stellt sich heraus, dass das auf einen
(iypshcrg fallende atmosphiirische Wasser, falls es sich vollstandii; mil C.yps
salligt, jahrlich 1,10 Mm. von demselhen abnagt. Nach dieser Berechnung \Aiirde
ein 33 M. hoher Gypsberg bios in Folge der Aufldsung durch atmosphiirische
Wasser on seiner Oberflachc in 30,000 Jahren vollkornmen verschwunden sein,
ein Process, welcher durch die Belheiligung des in den Kluften thiitigen Sicker-
wassers noch bedeutend beschleunigt wird. In Folge der unlerirdischen, aus-
laugenden Thatigkeit des Wassers bilden sich nach und nach grosse Hohlriiume.
die Gypsschlolten.
Bedeutend leichter als der Gyps fallt das Steinsalz dem Wasser zur
Beute und wiirde aus seinen , zuni grossen Theile aus den palaeozischen Zeit-
altern stamnienden Lagerstatten la'ngst vollstundig entfiihrt sein, falls es nicht
zum Theil durch seine conslanlen Begleiter, nehmlich wasserdichte Thonschichten,
vor Auflosung und Wegfiihrung geschiitzt ware. Sie sind die Bedingungen
seiner Existenz als Glied der sedimenlaren Schichtenreihe; deshalb ist denn
auch wohl die Mehrzahl aller uns bekannten grosseren Steinsalzablagerungen
von Thonen bedeckt. In der bertihmten Steinsalzlagerstalte von Stassfurt slel-
len diese den Abschluss gegen das Wasser so hermetisch her, dass die dor-
tigen, aus dem permischenZeitaller stammenden, also jedcnfalls Millionen von Jah-
ren alien Ablagerungen von Chlorcalcium und Chlormagnesium, welchc, an die
Lufl gebrachl, durch Anziehung der Feuchtigkeit derselben zerlaufen, vollkommon
Irocken geblieben sind. In ahnlicher Weise sind die Steinsalzc von Wieliczka
(lurch allseilige I'inhullung von Thon gegen den Zutrilt des Wassers conservirt.
Urspriinglich \varen wohl fast alle Steinsalzlager in dieser Weise geschiit/t,
erst in Folge von Schichtenslorungcn und daraus hervorgehender Spaltenbil-
dungen wurden sie den Wassern /ugimgig gemaehl, — dahcr die Hiiuliukeit
starker Soolquellen. Jedoch verdankcn viele der lelzteren ihrcn Salzgehall
nicht Lagcrn Son rcinetn Sleinsalz, sondern Salzthonen, deren Salzgehall sie
('xlrahirpn.
ruler den Gesleinen, welche einen noch wesentlicheren Antheil an dem
Auf ban von Gebirgon nehmen, ols Gyps und Steinsalz, ja solche oft ausschliess-
III. l>\ ll.mil-dir (,,•(,!« | I.".
lich /iixaiiimeiisci/en. isi cs dcr Kalksiein, \\eldicr. ganz abgesehftn von sei-
ner niedianisdien /ei-storuui: uud Forllnhrnni:. in den l»elr;iditlidisicn Menken
vom \\asser auc-icliist \\ird. I'Yeilich isl der Kalkslcin. je nadi seiner mehr
enliven odor inclir krsslallinisehen Hesdiallcnhoil, nur in 900 liis iJOOO Theilcn
kahlensUurehalUgem und nodi \id unliedculemler in reinoni \Yasser liislidi,
docli \\inl dicse i:cri 111:0 Lo'slii hkoil dnrdi die cnorinc Ouanlitiit dcr in dor
Tide Coracle ;in!' den Sehidilniiiis- und Kliil'lllac-hen dcr Kalksloinc circiilircndcn
\\.issci' crscl/.l. Die Hcsnlljilc sind dcsh;ill> iibcrr;isdicn<l : so li.il in;in ;nis
dci .Mcnui- do \\.issci-s dcr ;ins dcin Tculohuriccr \\;ildc und dcr ll.i.n cnl-
>lroiucndcn I'liissc und ilirciu (iclmllc .in kolilcns;iiircin Kiilkc hcrcdmel. d.iss
dicscllu'n jcncn (icl»irucn jiilirlidi cino Quantitiil Knlkcs cnt/.iclicn . \\cldic
cincin \\ iirfcl von inclir ;ils :{:$ M. Scilcnliin^c cnts])ridil. Dcslialh sind ;uicli
llolilcn und Krdliille schr i;c\\ oltnlidic MrsdicinuiiLicn ini (icl»iclc \on Kalk-
stein forma tioneo.
Audi Do loin ilsp;i I li isl in IVcilidi schr unhclriidillidicn Menken durcli
\\.i>vcr liislidi, so class Doloinillaizcr alliniihlich der ZetBtttSUDg und NN'ciiriiliruni;
\on Scilcn circulircndcr (icuiisscr anhcinirallcn nuiiicn. Viol cinllnssrcidicr
;ils dicscr Icl/lc Vori;ani: isl indcsscn die Auslauizuiiii dcs kolilcnsanrcn kalkcs
ails doloiiiilisdicn (ic.slcincn, \\cldic anl' chcn dicscr schr iinl>odcnlciiden Liis-
lidikcil dcs Dolomilhspallies licruhl. und in Idolize dci'cn cine relati\ c Anrcichc-
rnni: dcr ursprUngiicheB (icslcinsarl an kohlcnsaurcr Magnesia, die Doloinili-
siruns; derselhcn \or sich iiehl. Die Itesliindiize \Vci-luliruni; dcs kolilensanren
Kalkcs \crnrsadil die ea\crnose nnd |)oriise Slrudur dcs /urilekltlcihendcn
Doloniiliicsteincs nnd /uizh'idi die Xcrslornnii dcr Kalkschalcn seiner oi'iianisdieii
Ucsle. Hei \vciter ^chender Kinu irknnu \on Scilcn dor (io\\iisscr \\ird dicse
|iorii«>e BeschafTenheil \\icdcr \crsch\\indcn, donn so\\ic das Wasscr ktMiicn
knlilriisaiircn Kalk inchr lindel. ui-eil't os die doloiiiilisdicn Theile sclhsl an
nnd sel/.l dicscllx-n in den I'oren liol'cr liclcizeiier Stcllen krystalliniseh \\icder
ah. Aid' dicse \\eise izeht das poriise (ieslein alliniihlieh in kr^stallinisehcn
Dulo mil iiher. Die I'liiuandluiii; niaiinesiahalliLiei- Kalkslcine in Dol ile crl'dLlo
Miinil anl' hvdroeheniisdicin • \Voiio in der Uidilunu \on dor Ohorlliicho naeh
dcr 1'icl'c. /ri;ji sich deshallt ohen am sliirkslcir und niininl nach nnlcn .ill
in. ihlidi ak Dnrdi dicscii Process \\urdc cin Itis dahin deullidi t:esdiiehlclcs.
\ er.sleiiieruiiiisroichos. dichles (ieslein x.u cinein unticschidilclcn oder sohr uu-
dciitlidi LJCM liichlclcn, \crsleinernnL:sleercn, schr deullidi kr\slallinisehen : x.n-
L'lnrli alter |iedin;jli- diesc l'ni\\ andluiii: dnrdi I Milliilinin;j des Kalkirehallcs
ilc-- (ie>lcinos cine ansdicincnd schr hclriichlliehe Yolunicnverriiiizoruiii; des-
>cl|»en. Dicse |-'.i kliii un^s\\cise der Doloinilcnlslchun^ isl iiliri^ens nichl aid
.illc. s, m, Inn nur .ml sul<-h<> l.illi an\\ (>ndl>ar, in dcncn nainenllidi die mil
dies, 'in Voriiauiio Hand in Hand uchcndc .MasscnNcrniinderuni: des urs|)riin;.r-
lidien (icslcincs nadi\\ cish.ir isl.
;' I MI \\ a n d I n n u \\asscrlrcier in \\ a sse r h a I I i i: c M i n c ra I i e n.
Das \\asxM- der Alnios|>harc \\ird schr allijeiiioiii von den ueslcinsluldenden
Mineralien ault:ciioiiiiiien. so dass es anl die rniNNandhuiLi dersclhcn don ui'iisslcn
l.inlluss iitisserl, sclhsl \\enn andcrc i:cii|n;jiM-hc Aiicnlien nichl /ur Mil\\ irknnu
C'reduer, Elemeute d. Ueologie. In
1 Hi III. l>\ n iniisciif li
gelangen. So iirhmrii Silieate und Melallo\}de. \\ ie /. 15. Orlhokliis, Sanidin,
Albit, Oligoklas. (ilinmier. Hornblende, Audi. Magneteisenslein , Eisenglan/.
dichler Iliimalil, Psrolusit und Braunil ini Liu.fi' liingeivr /eilriiume Wasser
eheiniseli ;iuf, olme eines von ihren Elemenlen x.u \erlieren. In gmssarligem
Maassstabe 1st /.. B. die riiiwandlung des Kiseno\\des in Kiseno\\dh\ di at ;iuf
der Inscl Elba vor sich gegangen. \vo der Kotheisenstein von kilnstlichen Enl-
bltfSSlingSStellen aus iin Laufe \\eniger .lalirliundcrli' bis lief in die fe.slr .M,i^.-
liini'in in Brauneisenstein iHBgeWandelt \\ordcn isl. Kiner dcr eneri;is<'list»'ii
und roliicnscliucrslcn dcrarti^cn Vortiiin^- isl die Umwandlun^ des Anhydrites
in (i\|>s. also des \\as.sfi-IViMcii srhNNcfrlsaiireu Kalkes in wasserfaaltigeD, \Nobei
erslei-er ein Viertel seines (Je\\ iehles Wasser aufniininl, ein Process, der, local
dureh p'\\isse Hediniiuiiiien begtlnsligt, so rasch vor sich ttehen kaun, dass
z. B. die zu Bex im Canton Wallis auf die Grubenhalde gestilrzlen Anhvdiitstiicke
bereits nach 8 Tagen beginnen, sich zu Gyps umzugestalteu , uud dass die
Stollen, welche durch den Anhydrit fiihren, durch Auflilahuni; des an ihren
\\ iinden in Gyps Ubergehenden und durch diese Wasseraufnahme sein Volumen
vennehrenden Anhydritgesteines fast unfahrbar werden und von Zeit zu Zeit
naeligehauen werden milsscn. Auch ohne die fordernde Zwischenkunft des
Mensehen erfolgt diese Umwandlung und zwar iin grossartigsten Maassstabe an
den gewaltigen Anhydritmassen, welche slockformig zwischen den Schichten
der Dyas, Trias und Tertia'rformation eingelagcrt sind. Die atmospharischen
Sickerwasser haben die Oberflache dieser Sto'cke bis zu wechselnder Tiefe in
Gyps umgewandelt, der wie ein Mantel den noch unveranderten Anlivdi itkeni
umgiebt. Die liierdurch bedingte Volunienverinelirung hat die Auflreibung,
kniekung und Uberslllrzung der tlberlagernden und benachbarlen Schiclilen
zur Folge gehbt, eine Erscheinung, welche frUher Veranlassung gal), den (isps
fllr eruptiv zu halten.
3) Oxydation.
Die atmospharischen Wasser enthaiten, wie bemerkt, Sauerstoff in zieni-
lich betrachllicher Menge; alle Substanzen, welche eine Verbindung mil diese m
Gase eingehen, werden deshalb oxydirt, wenn solche Wasser mil ihnen in
Contact komnien. Doch spielt der Sauerstoff bei den Umiinderungspror
inneilialb der (Jesteinsmassen der Erdkruste eine Rollc von geringerer BedeatUDg,
als man anzunehmen geneigt sein sollte. Auf einem Oxydationsprocesse beruhl
die Umwandlung des Spatheisensteines (kohlensauren Eisenoxydules) in Braun-
eisenstein (Eisenoxydhydrat), wobei einerseils das Wasser die Kohlensaure aus
ihi'er Verbindung mil dem Risen auslreibt und selbst deren Slelle einnimmt,
wiihrend /ugleich das Eisenoxydul durch Aufnahme von Sauerstoff in Eisen-
o\\d Ubergehl. Es ist dies ein Vorgang, welchem die oberen Partien aller
(iiinge und Lagerstiillen des Spatheisensleines unter\\oi-l'en sind. deren Aus-
gehendes oft bis zu bedeutender Tiefe in Hrauneisenstein umge\\andelt wurde.
wiihrend in noch griisserer Teufe der Spatheisenstein unveriinderl geblieben
ist. Die ()\\dalion Iteginnt an der Oberlliiche der kr\stallinischen Aggregale,
die liehlgelbe I'.irbe wird briiunlich, dunkelbraun und zulelzl selbst sch\\ar/.
allmiihlii-h sclireitel diese rm\\andlnng in die Masse selbst und in die Tiefe
III. 1>\ n.mii>che (icolouie. 147
vor. Der ;uis ilir herMiruehcnde Braiineisenslein isl poriis, \\cil der Ycrlusl
dcr Kohlciisiiurc den Belrai: des aufccnominenen \\assers mid Sauerslolles ilber-
sh-JLil. so diiss d;is urspriiudiche Yolumen des Kr/cs inn unuel'ahr ein I'iiiiHel
M-rininderl \\ird. /uweilen bleibl die iiussere (iestall des Spathcisenslcines
noch fine Xcil lani: in dem Hrauneisenslein erhallen. so d;iss let/lercr die rhom-
boedrische (ieslalt des Spallieisensteines. jedoch die siimmtlirlicn iiliriucii I'liut'ii-
scluilitMi dcs Brautteisensteinea Ix-sii/t. Beupiele I'iir den besohriebefneB Process
licfcrl d;is in Briiiinciscnslcin Nci'u^ndclli' AiiSLiclicndc der Sp;illiciscnslcin-
sloctc MIII Kiinitlicn. dcs Ihci'^es ini Ihir/c, d.is Sliihllicr^cs ini Thilrinin'r
\\;ildc mid viclcr ;mdcrer l-jscncr/lii^crstiillcn. Auf dicscr 'rcndcnx, dcs Kiscn-
o\\dnlcs. diin-li Aurii.iliinc MIII Saucrsfoll in liiihcrc ()\Ml;itionsslufcn illici/n
ii»'licn, licrulil .inch die KI-.SI-IHMIIUIIL;. d;iss die (lurch Bisenoxydulsalze bediiiL-le
(iunkelgrtlne liis sch\\;ir/e h'iirhunu \ielcr Steine .•dliniihlich in cine rolhe odcr
In-.iunc abci-iiehl. Kbenso iinlcrlicucn aiich die Carbonate des Mani:aiio\ \dulcs
dcr hiiheren ()\\dalion. sti dass sich dcr roscnrolhc Maniranspalh schon in den
Mineraliensammluntren alliniihlicli hriiunt. Als Kndprodukte dieses Processes re
sulliren Pseuddinorphdscn MHI I'xrolusit nach Maniianspath.
I'crncre ()\ \dalionsproccssc , \\ ic sic innerhalli der Krdkruste vor sich
Lichen, sind die Unnvandluni: di'r Schwefelnietalle in schwefelsaure Melallo\\de.
Da allc Sch\\erelnielalle lieini Zutrilte saucrslolVhalli^er (lc\\iisser alliniihlicli dic-
seni Schicksale \erfallcn. so \\iirdcn MelallsulfaU; sehr liiiuiii; vorkoinrnen, \venn
nicht die nieislcn dersellien leiehl liislich in Wasser \\iircn und ' von dieseni
lorliiefilhrl \\ilrden. So \vird l-asenkies /n Eisc.nvilriol, welcher (lurch \\cilerc,
chen licschriclienc ' OxMlalionsvoriiiiniic in Brauneisenslein illxM^ehl , \\dliei
SclixNclelsiinre frci \\ird: dicsc \\ird von etwa in der Na'he liclindlicheni Kalk-
stein aufLzeiioiiiiiien so dass sich ^;>ps liildel, oder von kalkhaltiuen Wiissern forl-
Lieriihrl. Als ein Oxydationsproducl der Blende resullirt Zinkvilriol, aus Kiipl'er-
kies Kujifcrvilriol und Kiscnvilriol, aus Bleiiilan/. Blei\ itriol, aus Speisskobalt Ko-
hall\ilriol. Aus Zrrsei/uni: der durch Oxydation aus den Sclnvefelnietallcn enl-
slehcndcn schwel'clsauren Melalloxydc verinitlelst Wasser, \velc.he Carbonate von
Alkalien oder Mrden enlhallcn, izehen k oh 1 ensu u r c Metalloxyde hervor, in-
dcin die Alkalien oder alkalischen Krden die Sch\\cfelsiiure, das Mctalloxyd hin-
iiei:cn die durch Zci sel/uiiL; der Carbonate freiijewordene Kolilensiiure er^reifl.
Aid" diesc YYcise cnlstchen nanientlich Weissbleier/, Malachil, Kupferlasur und
Zinkspalh. I'Jidlich lichen aus der Zersel/.uni; und Oxvdalion MIII Sch\\efclinclallen
Melallo\\de hervor. \\clche dann das Miilterinincral in l-'orin cines I'einen
incruslircn, nach berijmanmschcr Ausdrucksucisc aus ihin »hcraus-
sind. Auf dicse Wcisc koiiuul Mol\ lidiinocker auf Mol\ bdiini:lan/,
Antiinonockcr und Anliinonbhtlhe aid Antinioiiizlan/. Arsciiikhliillic aul Arsenik
kics in iieiiclisch bediiiLiler Vei'LiescllschaflunL: \or.
Die VerbreiluiiL; dcr durch elien licschriebenc ()\\dalioiisprocesse belroll'c
neil Mineralien isl cine \erhiilliiissiniissiLi beschriinklc. mid deshalb der N'or-
izani; selbsl mil Be/uij; auf die (ieoloiiii- des Mrd»an/.en \<>n nur \Neniii Bcdeu-
tuiiii. Ahnliches i;ill \on deu 1'roducU'ii der ()x\da(ion des Krddles. aus
lel/.leren durch Aul'nahme MHI Sauer^loll /ucrst das y.iihc ICrdpecli und
10*
I IS III. l>\ii;iiiii>Hic (i
il.uiii del1 t'esle, inusclicli- breehende Aspliiill wird, \\iilirend dorl, \\o dicse
pflanzlichen und thierischdn Zersetzongsproducte (it-sicine imprttgoiren, in Folge
liiiiiieren /utriltes atmosphiirisclicr Lull cine \ ollkommi-nc <)\\d,ilion dcs Koh-
IcnsiolVcs y.u entweichender Kohlehsa'nre siaitlindci. In FoLc d;i\(in bleidicn
die urspriiiiLjIicli sehwar/en , von Bitumen gelriinklen (lesleine .in dcr Lufl
xicmlich rasch, so (lie Asphall-Kalksteine von l.iimner bei Hannover, deren
Oberfliiehe vollkommcn \\ciss \\inl, \Niilii-ciid d;is Innerc dcr Gestcinsslilckc
scli\\;ir/ln'aun 1st.
4) Ro due lion.
Ver\vt'si>ndc or;j;;inische Sul>st;in/cu und ihrc Zersetzuogsproducte (nanicnl-
lich Koblenwasserstofie) scheinen die oinzigen Hcductionsmiltel ininei-aliscln-r
Stotlc 7.u scin. Sic \\erden, wie oben gezeigt, von den Sickervvassern in die
Krdlii'fe izefiihrt, so dass ilir reducirender Einfluss nichl nur auf die Krdobcr-
Iliiehe beschrttnkt ist. Durch ihre weitere Zersel/jiiiiz. also duivh Hildung von
Kolilensaure, wird nainentlich den Eisenoxydverbindungen der zu dieseni Pro-
eesse nolhige Bedarf vou Sauerstoff entzogen, also z. B. Eisenoxydhulral /u
Kisem>\\dul reducirt. Die aus diesern Zersetzungsprocesse der vegelabilischeo
Masse entstehende Kolilensaure verbindet sich mil dem Eisenoxydul zu kohlen-
sauivm Eisenoxydul, aus dem sich wiederum beim Zutrill der Luft Eisenoxyd-
lijdral bildel und niederl'iilll, um spa'ler eine neue Reduction zu erleiden.
Ebenso wird auch Eisenoxydsilicat durch faulende organische Subslan/en und
/\v;ir zu Eisenoxydulsilicat oder Eisenoxydulcarbonal desoxydirt. Die Reduclion
dcs Kisenoxydhydrales und des Eisenoxydsilicales isl in geologischer Beziehung
\(in grosser Wichligkeil. Wir sehen, wie die Eisenoxydulsilicale in den ki\-
slallinischen und klaslischen Gesleinen forlwahrend einer Oxydalion unlerwor-
I'en sind, die zum Theil deren Zerselzung bedingl. Wilrde diesein Proec^>c
nichl eine Reduclion enlgegeuwirken, so milsslen nach und nach alle Eisen-
oxydulsilicale aus dem Mineralreiche verschwinden.
In ganz ahnlicher Weise wie Eisenoxyd zu Eisenoxydul, werden schwefel-
saure Melallsalze durch Enlziehung ihres SauersloiTes zu Schwefelnietallcu re-
ducirl. Die Zink- und Bleierzlagerslallen z. B. Oberschlesiens scheinen von
Zink-, Blei und Eisensalze fQhrenden Quellen gebildet worden zu sein, deren
Melallsalze durch biluminose Subslanzen eine Reduction erfahren haben. Am h
die im Mineralreiche vorkommenden gediegenen Melalle scheinen zum iin»ssen
Tlicile das Product analoger Reduclionsprocesse zu sein. (Siehe sub: Das or-
uanisrhc I.eben als geelogisches Agens.)
5) (la rbona I l»i Id unge n (lurch Zerselzung von Silicalen.
Kohlensiiui'ehalliiic Wasser zersetzen die Silicale von Kalk, Kali, Natron,
Kiseno\\dul und Manganoxydul bei ge\N(ihnlieher 'reinpcralur, \vnbei (lai'bu-
nal<- dieser Basen gebildel \\crden und Kieselsaure IVei wird. An dcr Zusam-
inensci/.tin- dcr llauptmasse der Erdkrusle nehmen Feldspalh, Augit, llnin-
blende ciiicn bedeulenden Anlheil. Diese bcstehen aber aus kicsclsaurer Thon-
erde dder kicselsaiirer Magnesia ncbst Alkali-. Kalk-. Eiseno\\dul- oder Man-
gdDoxydnlsilicaten und \\cnlen deshalb von der Kohlensiiure der Sickerwasser
Ill I>\ ii.uiUM'ho (it'ohiuic. I 1 '.I
/or>elzt. Ks re.xiiltireii (larhonale utid zugleich \\inl Kie.xolsaure ausgesehicdcu,
\viihrend die I'.ist nnlttslichen Silicate \<>n Thonerde und .Magnesia zurttckWeibeiL
Das Krauson mil Sauren, \\elehos ni.ui hoi \ielcn OTSprttDglich koine Carbo-
nate enthallonden Diahascn, Basalton mid Melaplmvn hoohachlot , deulet ;in.
diiss dieso UrowaudJuilg hereits bogonnen hat. Die IVoducle diesor lolzloren,
die Carbonate , \\erden \on den (ieuassern \ollslandig ausgelaugt und \veg-
:r|iihrl, •- ganx. /ersel/le ( M-steine ItiMiisen dahcr niehl niehr mil Siiuren. Die
ausgescbiedene Kieselsiiure 1st in 10,000 Thcilen \V;isscr loslich : es ueniiut
ileshalb das die ZeraetUDg l>e\\ii-kende \Vasser, solmld es sehr kohlon.siim-ei'eicli
i^l . iil.sn sehr r.iseh \\irkl. nielil zur Fortfithrung der gcsammtcn, in i
Sehi'ille mil dieser Zei'sel/uiiL: IVei wei'denilen Kiesolsiiuro. • In diesem
lileiltl der ^riissh1 Theil der lel/leren /ui'iiek. Isl jedoeh dns Wiisser nur arm
.in Kohlensiiure, so gohl die Xerselx.uni: langsam vor sich, die izoringc Meni;e
del1 aiisuesehiedenen Kiesdsiiure \vird ^eliist und mil den kohlensauren Alkalien
mid l-lrden riirlireluhrt. In Fnlge der ZcrsclxiniL; der /usainmen^-set/ten Sili-
eale dnrcli k(thlens;iurehallii;e \Ya.sser \\erden denmaeh die Carhonale dor olten-
yrn.innlen Hasen . sowio oin Thoil der Kieselsanre entfernl. Als lelzler, fast
iiiiaimi-eirharer ZerseteUDgSTttckstaad der ansizelanglon Ciosloine l)leil)on (lie \\as-
>< I'liallJLien Silicate von Tlionei'de und Magnesia zuriick , deren ei'sleres wedcr
\on kohlen.s;iiirehaliii;eni \Vasser. iinch von kohlensauren Alkalien, deren letz-
teres nur sehr schwer und erst, wenn alle Uhrigen zerselzbaren Suhstan/en
ausuelaui;! sind. /.ersetzt \vird. Die \\asserhaltigen Silicate der Thonerde sind
als I'hnn und Kaolin, die der Magnesia als Sei-pentin, Speckstein, Talk hekannt,
die^e sind denmaeh die zuniekbleihenden , di<^ Carhonale die \veggofuhrlcnPro-
dncie des Xerset/.ungsprocesses vieler gomonglor kryslallinischer Gesleine dureh
k(»hlens;iur(>haltige Sicker\\asser. (Jesteino, deren Hestandtheile in diesem von
der Oberflache naeh Innen /u forlschreitenden Vorgange hegritl'en sind, helinden
sich im Zuslande der Ye rw i t le ru n g. Mil dieser gehl cine Auflockerung
der Felsmassen und endlich ein Zerlallcn derselben zu Grus Hand in Hand.
F.mige Heispiele mogen zur iM'Iauterung des Zersetzungsprocesses der Silicate
dieiuMi. Als die vveitverhreilelsleii und deshalh auch in ihrer Zersctzung ein-
BussreicfasteD Mineralicn, welche dem oben bcsehriehenen Vorgange untoiANorl'en
sind, dilrften zu nennen scin : Orlhoklas, Oligoklas, Labrador, Hornblende.
. \ngit und Oli\in.
Der () i-l hnk I as, dor hauligste Verlicter der Feldspathfamilie , ein Haupt-
he>i.indiheil des (iranils, (Jneisses, (iranulites, Syenites, Fclsilporplnros, be-
•leht aus I Atom Thonerde, 1 Atom Kali und f> Alomen Kieselsanre. wobci jedoch
l.i>l immer ein kleiner Theil des Kali dnirh Nalmn, Kalk nder Kisenoxydul
\erlrelen \\ird. Seine hereehuele Zusammensetzung 1st: Kieselsaure 65,2,
Thonerde Is, I, Kali 16,7. Die als Kaolinisirung he/eichnete Zerselzung des
Orlhoklases is! eine sehr izeuohnliche Krscheinung. Sie beginnt auf der Aussen
seile des orthoklasftihrenden Gesleines und gewohnlieh auf der Oherlliiche der
Ki \-lallindi\idnen. Diese verlieren zuersl ihren (ilanz, \\erden matt, ihre fleisch-
rothe Farbe geht in eine \veisse iiher, es hildel sieh eiiu> mil dem Fortschreiten
des Processes an Dii ke zunehmende Rinde, Spaltbarkeit, Ilartc und Zusanimen-
Kill III. l»\ MiUIMM-hc I iculll^if.
li.ilt uelten \erlnren. aus dem I'esieu krystallinischen Feldspath u'-hi ein \\CIN-SCN.
erdiiies Tlioni:e>lein . der kaolin, her\or. Diese l'iii\\,iii(lliiiii; beslehl darin.
d.i^s das K;ili nebsl (Inn et\\.i \orh. imlenen kalk, Vilrnn oder Ki.seno\\dul durch
ItoUeosfturehaltige Wasser in (larbonate ttmgewandett und ebenso, \\ie ein
Theil der .iiis^eseliiedenen Kieselsiiurc. lortueliilu l werden, die Eurttokgebiiebene
kieselsaure Thonerde hinueuen -2 Alome \\ ,isser auhiimmt. Die niclit -rli.slc
und rult'Ulirtc Kicsclsiiiiro h.il /,ur Mildiin^ \on Clonci'diniicu \on ()p;il, (lliiil-
crduii und Mnrnstrin Vci'.iul.isMinL: uciiclx-u , uclclic sidi in dm Kaolioablage-
ninizi'ii vieler Localitttien linden. Xuuciillirli sind cs die (ii-.initc und Porphx re,
\\elehe dureli /erset/.uni; ihi'es l;elds|)iitli-(;enieniillieiles y.uerst in ilirern iuneren
uelitckerl \\vrden, d.inn /u (Ii'iis /erliillen und endlieli Anliiss x.ur Hil-
von KaoliaablageruDgeD liobon. Aus (imnil hervorgegangen , linden sie
sieli in grosaertigstem M;i;isssliihe /,. H. IHM Cjirlslnul, hei Selineehei'i; in Siielisen,
hei LiiiKtiics in l-"r;inkreieh , bei St. Auslcll in Connvjill; au§ der Zersel/unu
des Felsilporphyres resullirten die von Riiscplms bei Allenburg, die von Mori
und Trotha bei H;ille.
DcrSanidin, eine Varieliit des Ortlioklas, verli'itt diesen lelzteren in den
jiinueren BrupUvgesteinen; er ist demnaeli eiu llauptliesliintlllieil der Ti-aeliNle
und rhonolitlie und \vird durch die na'mlirlien /ers»ay.uni:sprocesse, \\ie der
Ortlioklas der Porphyre und Granite, in Kaolin umgewandeH, \\ie es bei .ue-
\\issen Phonolitlien in Bohnien und Traclnten in Tnuarn der Fall ist.
Der Oligoklas unit 62,8 Kicselsaure, 23,1 Thonerde und 14,1 Natron,
von \veleheiu lel/leren ein Theil durch Kalkerde , Kali oder et\\as Maune-
sia ersetzl \vird, bildet einen vvesenthchen Geineniitheil des Granites, l-'el-
silporph\res, Gneisses und Trachytes, in wclchen er neben Ortlioklas, und des
Dioriles, Melaplmvs, Andesites und Basaltes ('?), in welchen er olme jenen \nr-
knniiiit. Der Oliiioklas verfallt seines izerin^eren Kieselsiiure-Gehalles \\euen der
Kaolinisirunu nocli sehneller als der Ortlioklas, deshalb licgen oft in ein und deni-
selben llandsliieke neben nocli vollkoinnien unzersetzlen und deshalb stark
izlan/.enden Orthoklasindividuen solche von bereits niatlen. enliven, also schon
mi Zustande der YerwesuiiiZ beurill'enen Indi \iduen des Oliuoklases. Das die-
>ein entfiilirle Carbonat ist \\esentlieh kohlensauros Natron.
Labrador mil i'y'J,(\ Kieselsiiure , -2\),H Thonerde (zuni i;erini:en Theile
dnn-h Kiseno\\d \ertrelen), 12,1 Kalk und 4,5 Natron, ist ein llaupliiemeni:-
theil des Diabases, des Gabbros und llypersthenilcs, sowie gewisser Dolerite und
T.-isalle ' . Seiner Kieselsiiureanuulli und seines Kalkreichthumes \\eizen [si der
Labrador der am leirhteslen /erselzbare aller urossere Verliroitunii besil/.enden
I'eldspathe. Namenllich ist es die Kalkerde. welehe dureli die Kohlensatire
-i<-kei-\\;issers bis zuni izanzlichen \frsch\\inden aus ilirer Yerbinduni: mil
der Ki«'selsiinre juisueseliieden und \\ euuelulu-l \\ird, erst dann seheint die X«-r-
set/.ung des Nalronsilieates und die Auslaiii:uni: der entstelienden (larbonate xu
beginnen.
DieAuuile sind /urn uriissten Theile tlidnerdehaltiij; und daruiii Mi>diun-
Lien \on Hisilieat und Bialiuuiiiat \on Kalk. Majjnesiii. Kisi-no\\dul und Li^en-
n\\d. Der Auuit bildet einen \\ esentlielieii he>tandtheil des Diabases. Mela-
111 n\ ii.uniM iir ('icdiu-ic i.. i
phvres, Andesjio in\(| Basalles. Bei seiner Xersct/unt; \er\\amlell der /.uue-
luhrte Sauerstoff das Eisenoxydulstlical in EiseBo&ydsilical, \\elehes durch Koh-
lensiiure nidil /crset/.l \\erden kiinn, d,i diese mil Kiseno\\d keine Verbindtmg
eingehl , \\ahreud sir die Kalksilieale in Kalkearbonat und sehliesslieh auch das
.Magnesiasilieat /inn urossten Theile in .Magnesiacarbonal uimandelt und enl-
liilirl. Als Besiduum des vollsliindig /erset/.len Augites bleibl also etseoschttesiges,
\\.isNerhaltigcs Thoncrdesilieat mil cl\v;is Magnesiasilical /.uriick. 7u i^nnx ;ilm-
HfsnllitiiMi lilhrl die voUstHodige /rrsrl/.iinu dcr II orn I) I cndo , nur
diesr im Alkniicincn scli\\ ici'iucr /.ll \rr\\itlcrn .ils dcr . \uuil. \\;is, da
die YriAvittrrunii durcb GartxMMitbHdang crlblglj, seincn (Irimd darin liat, dass
die lliirnhlcndc \veniiier kalk cnlliiiil als jcnrr.
Oliviu, t'in Magnesiacisenexydulsilicat, \vorin die Magnesia iiher das Kisrn-
n\\diil strls vorwallet, cin hiirhsl eharaklerislisclier /nlalli^er Hcsiandlhcil dcs H,i-
s.ilu-s, IV'i'iuT arccsMnix'li im (lahhro, zi-i'scl/t sk'h x.icmlicli rasch, indoni sirh zu-
crst das Kiscnoxulul /u Kisriunxd o\\dirl und Wasscr aui'ninunl, woduirli die
h licliUriinc l-'arhr dcs Olivines /ucrsl dunkc'lhraun, dann ockeryrll) \\ird.
/.crsct/t'ii die kohlensiiiirchaltiueu NVasser die kieselsaurc Magnesia /u
Magnesiacarbonat und Kieselsaure und entl'ilhren crslcrc vollstiindig, lel/,tei-e
/.inn Tlieil. J)as Vorkominen von Pseudoinorphosen von Scrponlin nach Augil,
llonililende. naiuenllich hiiuliii aher nach Olivin, beweist Ubrigcns , dass die
;:en.iiiiiteii (iesteinselemento , wic spiitor gozeigl werden \\ird, nobon der er-
\\iilinlen \ollstandiiren Xersc'l/ung zu eisenschilssiiieni Tlion cine llin\vandlung
in wasaerhalUgea Magnesiasilicat, nelnnlicli in Serpentin oder Speckstcin crleiden
kdiuien. Auf ahnlichc Weise konnen Chloril und Gliinmer aus ihncn liei
voi^gehen.
Der Zersel/ungsprocess von Kalk-Nalronfeldspalh, Augit und Olivin durch die
Tage\\asser i;elil in grossartigsleni Maassstal)c in dcm woscntlich aus jenen drei
Mineralien /usaniineni:esel/.len Hasalte vor sich. Die kohlensiiurehaltigen Was-
MM- driiii:en in die anscheinend dichtc Basallmasse und beginnen die in dercn
• iesh'inseleineiilen enlhallenen Silicate von Kalk, Natron, Kali und Kiseno\\dul
in Carbonate iim/uwandeln. In dicsein Zuslande braust der Basalt bci Berilh-
rung mil Siiuren. Anliallendc Circulation dcr Sickcrvvasser in diesern carbonat-
lialtiizen (iesieine hedingt die allniahliche Auslaugung der let/leren , /uglcich
aber eine tlieil\\eise Fortt'ilhrung der aus ihren Verbindungen ausgcschiedenen
Kieselsaure. Dann beginnt auch die Zerselzung der kieselsauren Magnesia und
die Fortfiilirung des cnlslehenden Carbonates. Den Hackstand bildet die Thoii-
• rde, \\elche naliirlieh relativ an jMenge sehr /ugenonunen hat, die tlbriue
Kieselsaure und das aus ()\\dalion des I^iseiioxulules oder Eisenoxydov \dules
bervorgegaogene £iaenoxyd; sie repf^aeotiron mil Wasscr vcrbunden als eisen-
.sr|iiissii;es, \\asser- und /.uin Tlieil auch inaunesiahaltiges Thonerdesilicat (Basal l-
\\acke und Waekentlmn das nnlosliche Besiduum des Xerset/.ungsprocesses des
llasaltes, \\eleher ursprilnglich bestand aus: 43 — 50 Kieselsaure, \ 1 — 16 Thon-
erde, II — 15 Kisenoxulul und Kiseno\yd, 10 — 12 Kalk, i — 9 Magnesia, 1 — 2
Kali, 3 — 5 Natron, 1 —2 \\ass.-i .
§. i. Hydro-chemisehe Processe. Fortsetzung. Aus dem obcn Ge-
.s.iiilcn ut'lil hcr\or. d.iss dnrdi direcle Losing oder (lurch \ or.iiis-dicmlc Zer-
scl/nn.u mid diinn crlolueiide Losing .Mineralsolnlioneii udiildcl \\erden. unlcr
dencn (licjcni^cu \(»n (Ihloriiiilriiini , schwefelsaiirpni Kalk . sdi\\erd.s;mrer M,i
^noi.i. doppdi kobleosaurem Kalke, doppdi kohleiisaurer Magnesia, kolilcns.iurem
Eisenoxydul, tohlensaurem Maogauoxydul, kcrfitensaurem N.iiron. kohleusaiirem
K.ili. .sdi\\erds,iiircni Kiseno\\dul. scli\\dels.iiirem Kupler und Kiesdsiiure die
\\exriillichslen sind. Die Losiingen \Nenlcn /inn Thcil ohnr \\citcrc \fr
iiiidcniiiuen y.u erlridcii mid (ilnic ncuc VrrlMiidiiML'rn und /(•rsci/iiii-icn cin-
/ii^t'hcn ills .Mim'r.il<|iirlleM y.u Tauc ddcr in unlrnrdisrlir Mdih .mine (rclcn
uiul dorl iin (loiilacic mil dcr ,ilui(»sj)liiirisclK>n Luft durcli Vcrlusl ciiic> Thcilcs
dcr Kohlcnsiiurc ndcr durcli VerduostUOg (It's Wiissois ihrc Bestandtbeiie \\icd<T
,il>srl/cii. Andcrc jcnci' l.nMinuci) ;ili<T Icilcn ilirccl uciic clicinisclir YoriMiiiic
ciilNscdcr ucuciiscilii: uulcr sich odrr (lurch Min\\ irkuni; iiul Irslc .Miucnilsul)-
sliiii/cii cin, kur/ ut'l»('ii Vrr;tnl;issung zu nciicn uiossiirli^cn (icslcinsxcriin-
• Irniu.utMi iin Knlinncrn. Die \\ ichliiislcn dcr ;iuf dicsc \\Ci.sc iu's l.chcn •-< -
nifciifii V<iri:iiui:c .sind lol^ende :
1) Kolilcusiiiiro Alkitlion xcrsclxcn kicsclsiiiircu K.ilk. I-j-slcrc uchcii /. \\.
;ius /crscly.iiui; dcs Orlhokhs und> Oligpklas hcrxoi1: koiniiicn sic ;iul ihrciu
Wcuc durcli die (ic.siciuc in Heriihniu.u mil Kiilksilic;itcn . so hes\irkcii sic cine
/ersel/uni: (lersell)cn, HUS \\elcher kolilensaurer Kalk ciiierseits und kiesel-
s.uire Alkiilicn andrersoils hervorpchen. Uei dcr sonstigcn Ahnlichkeit von K;ilk
and M;ij;iiesi;i dui'fle in;m er\\;irlen, dass Jilich kieselsaure .M;ii;iiesi;i der Zer-
set/uiii; (lurch Alk;iliciirl)oii;ite \erliele. Dersellte \Vidersliind jcdoch . \\clchen
dieses Silicat der Einwirkung kohlensaureluilliger Wasser eiilgegensel/.l . inacht
sich auch g<'gen fine Zersetzung dureh kolileusaiire Alkiilicn uclleud. Darauf
liernhl die Hiiuliukeil , in \\elcher \\as.serhal I iizc Maunesiasilicale als Hesiduuiu
\ielcr in Xersei/ung l»ei:i-illener Mineralien auflrelen , indent das IfagnesiasiKcat
in sich slets anreicherndcr Menge y.uriiekhleil>l , \\ahrend andere Hesliindlheile
zerset/t und ausgelaugl \\erden.
2) Kohlensaure Alkalien zersel/.en in der Siedehil/e . sou i(> liei ^cuolin-
lichcr Teniperatur Fluorcaloiuin (Flussspath) . Ks cnlstehen kohlensuirer Kalk
und leichl idsliche Fluoralkalien. (l)aher die Pseudoinorpliosen \on Kalksp.ilh
u.ich Flu.s.sspath). Rildel sich aid' diese Wei.se cine Liismiu \on Fluornatrium,
so isl die.se \\iederum ini Slande , Kalksilicat x.u zersel/en. \\ol»ei kiesels.iures
N.iiron nii'l neiier riiisvspalh eiilslehen. (iehl ,ius der /ersel/uiiLi di-s Icl/.t-
;jeMiiiinlen Miner, ilcs diucli kohlens.uires Kali Fluorkalium hervor, so k.inn
diesi-s bei Kiinvirkiing aiif kieselsaure Thonerde -kieselsaui-es Kali und Fluoi'-
.ihiiiiiniiim er/.eiiL'cn. llaiiliges Voi-koinnien von To|>as in zersel/.lem (ir,nul .
3) Koininen die anf olten suit I angedenlele \N'eis(> eiilsl.indcnen kiesel-
.s.uiren Alkalien auf ihrein \\eileren Wege mil sch\Nerels;iui'eni Kalke. .schuefel-
s.iurer M;ii:ncsi;i. ( ihloiv.ilciuiii und Chlorinauuesiuiii /.usainiuen . so hilden sjr||
kieselsanrer Kalk urtd kieselsaure M.i.-nesia cincrseils und scliNNerdsaiire Alk;i-
lien. Chloikiiliiini odcr (ililorn.ilriuin andererseils.
4) Die kiesds.-iiiren Alkalien sind ferncr iin Slande, -erinuc Mengen von
Tlioiierde ,nis kiesds.iui-er Thom-rde /u exlraliiren.
III.
•"> Kie.selsaures K.ili y.ersely.l Chlornatrium, cs Itildct sich kiocUmivs Natron
mill <:iilnrk,iliiiiii.
(\ Die kicselsaiiren Alkalien y.erset/en doppell kohlensaure Magnesia : cs
enlslehen kieselsaure Magnesia mid kohlensaure Alkalien. Die kieselsanrcn Alka •
lien del' l;eldspalhe komieu dcshalk \\enn sie lanijere /.eilramne liiiidiiivli mil
doppell kohlensaure Magnesia hallii;en \\';issern in Berilhruni: komnien , dmvli
kicsels.mre Magnesia ersel/.t \\erden.
7 Die kieselsaiireu Alkiilien /.ersel/en doppell kohh'MSiiuiTS Kisen(»\\dul :
es i-esnlliren Kisen<>\\dnlsilie;it mid kohlen.siiui'e Alkalien. Didier die Hdufigkeil
rsleren (lei1 (ii iinenle in llolilriimiieil ver\\ idernder (lesleine, MI des Mola-
|>li\r. Di.dt.is. Basalt, SUNN ie in Sandsleinen , ill \vclelien dnppell knlilensam'es
Eisenoxydul halliue \Vassei' circnlifen mid kieselsaure Alkalien (lurch sieli /ei
sel/ende Feldspallilhcilehen i-cliclVil \\erdcn.
s \\IMIII cine I.Msuiiii von kieselsaurcin Natron mil doppell kohleiisaui'ein
Kalke in BerUhrung i^elanul , so \\ird miter Bildmi^ \on kolilensaui'ein Nati'on
mid kolilensaiirein Kalke Kieselsaure ausjj;eschieden. Daher ilic Psendiniiin -
11 \on Ouarx uach Kalks|)ath.
9) Kieselsaui'er Kalk win! (lurch schwelelsaim- Magnesia und Chlonna-
y.ersct/.t. Ivs enlslehl kicselsamv Maiiiiesia und schwerelsaurer Kalk
oder Cblorcalciurp,
I 'i Kieselsaure Tlmnerde uird (lurch schwerelsaureii Kalk oder (]hlor
calcium y,ersel/.t. Kicselsaurei- Kalk und schwel'elsaure Thouerde oder Chlor-
.iliiminium \\erden i;el)ildct.
i<) Kieselsaure Thoiierde \\ird (lurch schwelblsauro Magnesia oder (llilni-
m.i^nesimn /ersel/.t. Kieselsaure Magnesia und schwcfelsaure ThoiHM'dc oder
Clilor.ilmnininni hilden sich , -- em Process, vvclcher, wie die llauliiikeit \on
INeud.n plinscn l.rueist, sclir gowohnlich hei Uiuwandluiii: \<>n Keldspath.
Auuil. Hornblende, Turmalin u. a. Miueralieu in Serjx'ntin , Specksjein oder
Talk \ur sich izelit. Die enlslehende schwei'olsaurc Thonerde mid das Chlor-
aluiiiiniuin sind liislich und \\ei'den forli^eliihrt , wiihrend die kieselsaure Ma
unesia /.uriickhleiht.
I;' l.isenii\\dli\diMi wirkl /erset/end auf kiesolsauro Thonerde. Koninien
(ie\\assi-r. in \\elchen doppell kohleusaui'cs Kisenoxvdul i-eliist isl, in Beriihi IIIIL;
mil kie.M'Isamv Tlnnierde eiithalleiiden Mineralien, und wird jtus crsleren (lurch
Vnlnahme von Sauerstnll mid Wasser l'jseiio\\dhydi-al aus^escliieden , so isl
dieses l»ei der urosseu \ 'crwandlschal'l. welche Kieselsaure und die ()\\de de.s
I i^rn-, /ii einaiider hahen , mi Slaude, der Thonerde einen Theil der Kiesel-
saure x.u enl/ielien und sich mil dieser /u kieselsaurein Kiseiu»\\d /.u verlunden,
*M» da^s Doppelsilicale \on 'I'honerde mid Miseno\\d enlslehen.
\ucli kieselsaurer Kalk und Natron, sowie kieselsaure Magnesia, let/-
lei-e alter nur in hiichst uei-in-eni Maasse, NNerden (lurch Kiseno\ulh\diMl
zerselzt.
|:$) Sch\\ere|s,Mire Alkalien und scliwefelsaure alkalische Krden werden
durch r.iulende or^anische Siil>slan/.en /,u Sch\\ere|,ilkalien und Sohwefelver-
I ."> I III. D\ ll.mil-rll'' ( icoloiiif.
bindungen der alkalischen Erden /ersel/l. S»» \\ird <i\p.s (lurch moorige Wa»er
theilueise in Schxxefelealcium , von Bilumcn impra.miirler schxxelelsaiirer Barxt
HI p.iiii in Schwefelbaryum umgexxandelt.
I 'i Difsc Scfawefelverbindungen <lrr Alkalien uud alkali.schen Krden /er-
sel/.en knhlensaures Eisenoxxdul sou ie Eisenoxydhydral unler Bildnng von
Schxxefelkies. Wcim deshalb Gexxasser schwefel^aUFCD Kalk. doppell kohlen-
saures Eiseno\\dul und organische Snbslan/en enlhallen , so sind iiiich den
Geseizen l:$ und 15 dir BedingUDg^p /.ur Hilduni: von Schucl'dkics iiciichcn.
l-> Doppcll kolilcnsiiurcr K;ilk, \vie t-r durch die Sirkcrujisscr /. B. dcin
K;ilks(cin odcr den l.iihrador halliiien Eruptivgesleuien cnlfiihrl \\ird, bildcl mil
Bchwcfelsaurem Blcio\\d, Eiseuoxydol, Kupforoxyd odcr Zinkoxxd cincrscils
<i\ps. .indcrcrscils kohlcnsanrcs Bleioxyd, Kiscnox\dnl, Kupr«M-o\\d und Zink-
n\\d. Aul' dicsc Woisc cntslohcn nanientlich KuplVrlasur, Malachit, \Vcissblci-
erz und Zinkspnth als ZerseteUQgsproducte von Kupfcrkics und Zinkhlcndc.
\\clcho sich vorhor durch Aufnahmc von Saucrslofl' in schvvofclsaurc Metallsalzc
mngewandelt hatlon.
l(> Kicsclsaurcs Zink-, Kupfer-, Nickel- und Silbcroxyd wcrdcn durch
kohlensaurehallige Wasscr zu kohlensaurcn Mct<illo\yden /ersei/.l und dieso
iielist eineni Theilc dcr ausgeschiedcnen Kieselsaurc fortiieiiihrl.
•17) Kicselsauros Zink-, Blei-, Kupfer-, Nickel- und Silheroxyd, ferner
kohlensaures Kupfer-, Blei-, Silber-, Zink-, Nickel- und Kobaltoxyd sowie
Eisenoxydul und Manganoxydul werden von Schwefehvasserstoff zersetzl , %\o-
bei sich Schvvefelinetalle bilden ,'und in ersterem Fallc zuuleich Kieselsaure
• k u
ausgeschiedeu \\ird. Die sub 16 und 17 ausgesprochcnen Gesetze crgeben
die Moglichkeil , dass Metalloxyde aus dem Nebenizestein , in \\elcheni sie i'ein
iinpriiiiiiirl auflreten , ausgelaugt, in Spalten gefUhrt, hier als Schwefelinelalle
ansgeschiedcn und in Gangform concenlrirt \\erden konnen. Sobald sic je-
doch mil Sickerxvassern in BerUhrung gelangen, werden sie von Neuein in
Ibsliche Vcrbiiidungen umgcwandell und zum The! I forlgefiihrl.
Aus dem Inhalte der letzlen Seilen gehl hervor, dass das Wasscr die Auf-
gabe, dern Gebirgsinneren Material zu cntziehen , in der vielfaltigslen und er-
folgreiehslcu Weise zu erfiillen bestrebl ist. Viele Mineralsubslanzen lost es
direct Sleinsalz, Kalkslcin), andere , die ihm \vidcrsU?hen , wandelt es vorher
in losliche urn Schwefelkies in Eisenvilriol, Kuplerkies in Kupfer- und Eisen-
xilriol, Anhydril in Gyps, inn sie dann zu entl'Uhren, noch andere unlosliche
zer.selzt es niittclsl seines Kohlensa'ure-Gehaltes und l)emachligl sich allcr, dann
Ibslichen Elenienle (der Alkalien , des Kalkes, des Eisenoxyduls und eines
Theiles der Kieselsaure der Feldspiilhe) , so dass xvenigstens eine theiKxcisi1
Enfuhrung des urspriinglich<in Gesleines stallfmdet. Noch maunigfaltiger isl
der zerselzende und losende Einlluss der durch solche Processe enlstehenden
Solutionen. So xvird das anscheinend alien Zerselzungen xviderstehende Thon-
erdesilicat nieht nur von kieselsanren Alkalien, freilich nur in geringen Mengen
gelo.st , sondern auch von schwofelsaurem Kalke und Chlorcalcium zerselzl,
\\iihrend Kalksilicat ausser durch kohlensiiurehallige Wasser durch kohlen-
saure Alkalien, und Flussspath ebenfalls durch letztere in die leicht Ibslichen
III. l>\ II.IIIIIM'lll' (lIMllllLIIC. I,"!,")
l-'luoralkalien uml kohlensainen K;ilk mni:o\\andclt werden. Ktirx. liberall trill
die Temlen/ <lcs \\.issers hers or. cnt\\eder die Gesteioselemenle dheci /n losen
oder narh Zerset/uni; nnlosliehcr Verfoiodungen \\eiiii;steiis cinen Theil der-
selben /u enlfiihren. (icwisse Beaelionen ue^eiiseilii; .ml' einander ciimir-
kender Mtneralltisungeti \civ.umTii fivilirh diesen Process der AuslaiiiMini: da-
dureh, diiss von iieueni sehuer losliche Yerbinduni;en enlslehen. Diescr Um-
st.ind trill /.. B. nil, v\o kieselsanrc Alkiilicn mi! srli\\t'IVIs;iiirrr M;ii:ncsi;i odcr
Chlorniagoesium in Hcnllirnni; ^'liins^cn , \\olxM kicsclsiinrc Magnesia ^childct
\\ird. I'crncr \\o dmrli Scli\\ cfcluassci'slofV ails kolilnisanrcn nnd kiesclsamrn
Mflallsal/.cn ScliNxcfclinclallc i^'lalll \vcrdcn. Solclu; Voriiiiniit' liallcn den \HS
bugungsprocess, NNclchcni die l-j-dki-ustr iinU'rworl'ni 1st, /\\ar aul', hcsclirankcn
ilni C|\N,IS. ulciclitMi iiin alter ht-i \Vrilem niclil ans. In den wasscrlialliiirn
Silicalcn der Tlionerde mid Magnesia selicn \\ir die nur in geriiiijem Maassc
an.nn'il'harcn , nirht ahi-r die "iinzlich nnloslicln'n Hilrkslande dcr Kxlraclions-
proccssc dcr (icslcinc \or uns.
§. ;i. Untcrinlisclui AbsJitzc aus Mincralsoluiioneii. \Vcnn die durch
AuslaQgUDg dos Gefoirgsioneren von Scilcn rcincr odcr koldcnsiinrclialli^cr
\Va-scr ciilsiaiidcncn Minoralsolutioncn mil alinosphariscluM' Lull in Ucriilininiz
uclani;cn , \crdunslct cin Thcil dcs \Vasscrs odcr dcr Kohlcnsiuire und die
.inlucliisicn Mineralsabstaoien schcideu sich griisstcnilicils ans. Zu diosem Vor-
u.ni^c hiclcl sich in Spallcn. llolilcn unil Druscnraimien iniu'rhall) dcr I'lrd-
k i nslc u ltd endlieh anf dcr I'lrdohcrllachc sclbsl (lelciionlioil.
Die Mincralal»siil/.c in Druscn- und Bl asonra urn en hahcn dcshall) cine
l^rossc Hcdcnlunij:, \\cil sic cin liild dor Zorselzuni^s- und Auslaui^ungsproccssc
^clx'ii. \\clclic inncrliall) des Gestcincs, in deni sie auflrelen, vor sich Delicti.
Am Ichrrcichslen si ml deshalb die MandelslcinlHlduni-iMi in y.usainmengcscUtcn
kr\slallinisclicn <Jcslcincn \\ ic Mclaphyr, Basalt, Phonolilh, Diahas. Die Blascn-
IMIIIMC dcr Mclaphyre siml von Grllncrde, Chalccdou, Quur/, Anicthysl, Zeo-
lilli(>n, I'rehnit und Kalkspath ansgefUllt oder incruslirl. (Icwiihulicli bildel
die (iriinenle cine leine Uinde, welchc die Wiinde des llohlraumes auskli'idel.
Ivs niiissen dcshall) die Gesleinsgemongtheile , vvelche Eisenoxydul- und Ma-
iiiiesiasilicate enlhallen, zuerst zersetzt, nebst Thonerdesilicalen fortgelilhrt und
/in BilduiiL: jener Rinde verwandt vvordcn sein. In diesem Falle ist also dio
Xcrscl/jiiiii des Autjilcs oder der Hornblende, von welchen jene Silicate slainincn
niiissen, dcr des Oliu.iklas und Labrador vorausi;ei:angen. Dann wurden let/.-
lere und die ilbriucn Kalksilical enlhallenden (iesleinseleinenlc nnlcr Bildnni:
von Kalkcarbonal /.erscl/.l , \\elches letzlen^ cnlucder ini Gesleine zurilckblieb
oder falls cine genUgende Menge kohlensiiurelialliiicn Wassers vorhandcn \\ar,
ausm'lauiil, in die IMaseni'iiniiie uel'dlirl und dorl abuescl/.l \\nrde. so dass diese
nicht sellen \ollkoniinen \on Kalkspath ausgeftlllt siml. Wurde jedoch anch bei
frischen \\ asser/.ullilsscn die Kohlensiinre von der Zci'sclxuni: der Sicicale ab-
sorbirt, so filhrlen die Ge\viisser die durch lel/.ler\\iihnlen Process frei gcwor-
dene Kieselsiiure \\e|4 nnd den Blasenriimnen zu , auf deren \Vanden sich die
Solution ausl)reilele. Vcrdunslele das NVasscr, so schied sich die Kieselsanre
ans nnd bildcte dilnne, concenlrische Chalcedon-Lagen von verschiedener Fiir-
l."»(i III l>\ ll.llllix lie fi
bung. Tral spaler cin sehnellcrer Zulluss \on .sich lorl\\,ilirend erneucrnder
Kie.sekinre- Solution fin. \\elclie den Hiiuni inncrhalb dor Chalcedon- Kruste
ganx ansfiillle, sit \\nrde die Verdunstung aiisserordrnllich beschrankl , die
Aiisscheidnng der Kieselsiiui v \erxiigert. nnd die Moglichkeil xur Ausscheidung
vollkommener Quarz- oder AmetliNst-Knslalle gegeben . \\ie sic haufig (I. is
Innere der Chalcedon - Drusen erfilllen. Auf diese Altsiil/.e der kieseligen Snlt-
sliin/.en lolgen die der Zeolithc, so des Natrolilli, Skolexit, Desniin, Slill)il,
Analeim, Chabasit. Sic verdiinken ihr Matcrifil den Silieaten \on K;ilk, Natron,
Kali uiul Thoiiordo, \\elehc bei der Zcrsetzung der Silicatgesteine von Sci-
li-n der (leuiisser aus Mangel an Kohlensiiure nirht \ollsUindiii in (larlmnale
omg^wandelt, sondern /inn Theil als Silieate forl^el'Qhrl \\urden und l)estehen
gewissermaasen aus regnerirler, wasserfaalUger Feldspaihsobslanz. Deshalh
linden sieh diese Zeolithe nnr in den Hohlraumeii von Gesteinen, welche leicht
/ cr.se | /I »are I;eldsp;ilhe enlhalten, nieht aber in Orthoklas-Gesleinen \\ie Granil
und Polsitporphyr. Aus diesern Grunde kommen auch natron- und kalkhahi^e
Zeolithc hiiufiger vor als kalihallige. Je nachdem die Gowiisser in gewissni
IVi'ioden treie Kohlensaure entliiellen, fiihrten sic den Druseni'auinen kohlen-
s.nnen Kalk xu, dessen Absatz dann mil dcni der Zeolithe wechselt.
In den Phono Ml hen widcrsteht zwar der Sanidin als Kalileldspath der
Zersetxung harlnackiger, dahingegen begilnstigen zvvei andere, natronreiche und
sehr leiehl zers(>ixbare Gernengtheile , der Nephelin und Nosean , die Bildung
von Zeolilhen und zwar namenllich von Natrolilh, \\elcher, b(>i:leitet von Des-
niin, Apophyllit, Chabasit, Analcim, Kalkspath und Hyalith fast liberal I, u<»
I'honolithe aultreten, die Drusen- und Spaltenriiume dieses Gesteines auskleidet,
\\ahrend deren ringebung oft fonnlich ansgelaugt erseheint. Sehr hiiufig findet
eine forinliehe gesetxrnassige Aufeinanderfolge dieser Mineralien statl. Kalk-
spalli ist dann gewbhnlich die jiingste, Analcim die alteste Bildung, z\\isehen
\\elche die Entslehung von Natrolilh und Apophyllit falll.
Ebenfalls sehr reich an Miueralabsiitxcn, die von der Zerselzung und Aus-
laugung des Nebengesleines herslaiDtnen. sind die llohlrauine der mandolstein-
arligen Basalte. In ihnen haben sich Chalcedon, Opal, Ilyalilh. Qn^rz, Ame-
th\sl, Kalkspath, Aragonit, Sphaerosiderit, Dolomitspath , Grilnerde, Desinin.
Slilbil. N.itrolith, Analcim, Chabasit, Apoplnllil, llarmotom , Laumontil, Prehnit
nnd andere Silicate angesiedelt. Auch bei ihnen liisst sich eine geselxm.issiue
Heihenlnlgi- ihrer Kntsteliung beobachtcn. So folgt der Kalkspath in den Basalt-
mandeln des bohmischcn Willelgebirges stets ersl auf die Zeolithe. ini Sieben-
geliii-ge auf Chaleedon und Sphaerosideril. An sehr vielen Punklen jedoeh ist
dci- \ci\vitlernde Basalt reich an Schniiren und Neslern von reinem kohlen-
saurem Kalke. also Kalkspalh und Aragonit, \\iihrend Silicate fehlen : hier \\ar
dtMiinaeh die Bildung und Fortfiihrunng \on Kalkearl>onat dnrcli kohlensiinre-
halligc NViisser der aussclilicssliclie. bei dem Voru alien der Zeolithe jedoeh die
Anllosung der unxersel/.ten Silicate der \\esenlliclie Vorgang. \\.ihrend dort. svo
Chalcedunc nnd Huarx <lie Hanptausfiillungsinasse bilden, sUsse, also von Kohlen-
s.nire IVeie \\.isvcr die1 dnrch Zei'setximg der Silicate freigewordene Kiesels;niic
fortfUhrlen und ausschieden.
III. D\ n.lmisclic llenlo^ie. ^57
(Ian/ iihnlich wie in Drusoiiriimnon koimlen die dem GebirgSlfiDern eul-
gtamroenden Solutionon ihrcn Ilineralgehalt in Spa I ten abseteen, Durch all-
miihliohe Ansl'i'llliing der lety.tereii' cjitsldien M i ne ra I gii n ge. Diese I'iilnvu
entwcder nnr Kalkspath, Ouary., Sclmerspath odcr Flussspalh, odor aber nebcn
dieseu, j.i selli.sl aussehliesslieh Kr/e, YOU \\elchen die des Kiseiis, Hides, Kupfers
mid Silbers die -evNolmlichsten sind. Der Kalkspath stamml onlwodor von
der direeleu Aullosuiii; der Kalkslcine daher die Hauliukeit \on Kalkspalh in
Spaltrn dor KalkstcinfonnatioiuMi, odcir von dor /rrsrt/.unu dor Kalksilicalc dcs
Nchfiiiiostt'iiu'S. Dcr Ouary. ist oin Al>salx. aus (Jowiisscrn, \\olche sich bci dcni
Id/I i-i-Nviilinlon I'roccssc mil der freiwerdenden Kiost'lsiiiiro holadcn. Der
Srlmrrspalli schcinl sirh aus (JuclhNasscrn , welchc kohlensauron liaryl enl-
liidtcn mid mil scliNM'Iclsaiirc Alknlien fllhronden Gewassern /usainnu'iikainon,
odcr aus Clliliu l»ar\ um-Losung ln>i Vennischung mil schwefelsauren Kalk odcr
sclisNt'lVlsaurt1 .Magnesia lialliiicn Wassern ausiicscliicdtMi zu hahcn. Der I-'Inss-
spalh iK-lanut in die Gani-spalUMi dndurch , dass kohlonsaurc Alknlien die zu-
I'iilliiicn Flusss[)a(hi;i>inoni:lli('il(> des Nebengesteines zerselzlen, wodurcli sich
l-'limralkalien bildelen, \vclche als Losung in die Spallrn ud'iihrt und liier, falls
sic mil Kalksiliraton in Berilhrnn^ kainen, die Auscheidung von Flussspalh veran-
lasslfii. r«>brigens isl dieses Mineral auch in 26,923 Theilen reinen Wassers los-
lich und Linn doshalb auf dii'eclem Weg*' zuin Absalze in Spallen gelangen. Kben-
so \\ie in Mandcl- und Di-iiscnriiuuicn kiinnen auch Silicale und zwar naiut-ul-
lich /t'olilhc. in (J;ini:en auflrelen, wohin die Elemente zu ihrer Bilduui: in
ijeloslein Zuslande iicfiihrl werden. So sind die Andreasberger Silbererzgttnge
rcich an llannoloin, Apophyllit, Analciiu, Slilbil und Desmin, — die Kii|»ler-
uiinuc am Lake Superior in Nord-Amerika an Apophyllit, Analcini , IVehnil,
l.aiiinoiilil.
Das Auftreten von Erzen in Gangspallen isl dadurch bedingt, dass los-
lirhr MeUillsal/.e durch Gewa'sser in jene gefUhrt und darin , falls sic mil ge-
\\lssen anderen Subslany.cn yAisaminenlrert'en, als schwerlosliche Schwefcliuclallc
mill .Mciallu\\dc abitcschieden werden. Geschiehl lelzleres nicht, so sind sie
an dicscr Sidle fUr die Krzbildunu \crloren und werden \on den (Je\\iissern
\\eii.-i mil fortgenommcn. Die Silicate von Zink, Kupfer, Nickel und Silber
sind in rcincm, kicsdsaures Hlei in kohlensaure Alkalien haltigem Wasser liis-
lieh. Kniiimcn dahcr diese Silieale in den (iebirtzsizesleinen vor, so kounen
sic dureh (Jeuiisser in die Gangspallon gefUhrt werden. Ganz ausserordeut-
lidi \\ii~d diese Auslaugung dadurch erleichlerl, dass kohlcnsiiurcliallii:e \\assei
diest- Silicate /.erset/cn und die so gebildolcn darbonale mil der aus^cschiedenen
kiesdsiiure in die Spallenraume bringen. Kndlieh kuuiien sich auch durch
<)\\d;iiioii von mi Nebengeslein eingcsprenglcn SdixNel'dmrtallen sch\\el'clsaurc
.Meiallo\\de ^I'.iscn-, Kupfer-, Zink-, Nickel-, Kobali\ ilriol) bilden und, well
nisverordcntlich leichl loslich, den Spalten /uslroinen. Hier land also e-incrscits
cine Ansammluiii; son Silicaten , darbonalcn und Sulfalen von iMdalloxydeu
stall, auf der anderen Seilc \%ar die .Mndidikeil dcs Zulrilles von ScliNNelel
NN.is.serstou" halliizcn (icNNiissern geboleu. seiche ihren Geliall an dieser Schwe-
felverbindung ineist der Zerset/ung sch \\efelsaurer Salze durch faulende orga-
I ,">*> III. Dynamisi-lie (Jeologie.
nisrhc Snbslan/en \erdanken. Famlcn die gcringslen Spuren dieses (iases
/ulritl zn den Meiallsal/.solulionen. so sdiicdcn sicli SchwefeltneCalle aiis. l);is
so hauligc Yorkoinincn znsainmengesclzlcr. Schuefelmetalle set/I \or.in>. dass
aut-li in den deuiisscni mrhiviv Melallsal/.e in gcineinschaftlichcr Ldsung \\aivn.
\\.. rs in (iangen an Sdi\\elcl\\asserslofV fehlle , da schiedcn sicli die Kr/.c
in. hi ills SchwefelmeiaUe, sondcrn als sdiweHdslidie iMctallsal/.c. als (larbonale
mill Phosphate odcr in Ycrbindung mil Melallsaurcn aus, oder sic kainen gar
iu> hi /inn Aksal/e, sondern \\unlen in \\iisscriger Losung fortgefiilirt. So siiul
di.- (liinuf \<m Brauneisenslein und Spathciscnstcin enlstandcn. Kohlcnsaures
Kisi'in>\\dnl ;:inii ans del1 /crsct/nni: dcr Silicate dieses Metalles hcrvor und
\Mirdc in die (Janizspallen L't-fiihrt. \\o es sicli, je nachdcin die atmnspiinsclic
I. nit Xulrilt hatlc odcr nicht, als Eisenoxydhxdrat hraiineiseiislein odcr als
kolilens.inres lliseno\\dul (Spatheisonstein) abset/.tc. - Die liesclirichcnc I'-nt-
steliunLjsxvcisc s-e\visscr Mr/i;iini:c durch Kxtraclion dcs NeheiiLrcsteincs ist jedoch
nicht auf die Genesis siininitlicher (ian;je aus/.udclinen. Viele dcr let/tcren
vcrdankcn \ielniclir M i n era 1 que I len , welehe aus der T i e f e cinpor-
uestieizen. ihren Ursprunii.
In i^anz analoser Wcise \\ ie auf Spa Hen konnlen die mil Mincralsubstanzen
hcladeiien , unterirdisch eirculirenden (Ie\\iisser auf Hohlen IrelVen und hier
cinen Theil ihrer Last abselzen. Am ge\vohnlichslen war dies mil LosmiLien
von do])pelt kohlensaurem Kalke der Fall, aus \velchem sic-h bei dcr Vcr-
dunstuni! des Wassers oder nach Verdriingung der halb gebundenen Jvohlcn-
siiure durch die atniospharische Luft kohlensaurcr Kalk ausscheidel. Diesel
bildcl dorl . \vo die Solution ziemlicli reichlich iliesst und sich auf den \Van-
dungen der Hohle ausbreitet, mehr odcr \veniger dicke Incrustationcn. an Punklen
al)er, an denen die Wassertropfen so langsatn fallen, dass sie an der Iliililen-
decke hiiniieu bleiben , bis sich ein Theil des Kalkspathes ausscheidel, resul-
tiren ciszapfenartigc Gebilde von Kalksinter, die Stalaktiten. An den Stellcn.
\\d die fallendcn Tro])fen aufschlagen, findet der Absatz des let/ten, bis dahiu
noch in Losung befindlichen Restes von kohlensaurem Kalke stall, der zur
Rildung von Sta lag in it en Vcranlassung giebt. Diese \\achsen alliniihlich in
die lli)he, also den Stalaktilen entgegen, bis sie sich zuweilen mil diesen ver-
eincn und dann Ka 1 ksin tersii u 1 en (Orgeln) bilden. Nichl immer ist e>
rlioinbn(;drischer kohlensaurer Kalk. Kalkspalh, welcher auf diesem \Vcge zuin
Absal/.e gelangl, sondern zuweilen auch und zwai' \vahrscheinlich in hike der
Verunreinigung der ursprilnglichen Losung durch frcindartige Sulistan/.cn. Ara-
gdiiit. Dies ist namentlich in der Hohle von Antiparos dcr Tall. Ildhlcn im
Kaikstein^ebirgc, in \velchen sich Slalaklilen linden, sind ausscrordentlich
hiiulig. .lede dersell)en ist ein lehrreiches Hcisjiicl dafilr, dass (ie\\;isscr. \\elche
durch Spalten und Klill'tc dcs Kalkslcines sickcrn , mil lliilfe frcier Kohlcn-
sa'iire kohlcnsanren Kalk audosen und denselben in Hohlriinincn in Folge lang-
samei- Verdunslung dcs \\'a>>crs und dcr Kohlensiiure \vicdcr abset/.en. S.-l
tener sind die Falle, \vo in Hohlen SchwefelmeiaUe in iihnlichcr Wcisc wie
in Spallen /ur Abiagerung gelanglen. Die grossartigslen hicrher gehdrigcn Vor-
kiunmnisse sind die Ulciglan/- . S4-h\\cfclkics- und /inkhlemleabsat/'- in den
III. l)Nii;mii«-lie lieulou'ie. !">'.)
lldhlen (Ics dolomitischen Silurkalkes der Bleiregion ;mi obercn Mississippi, an
deren \\andunuen sir nicht nur als I'ussdirke Kruslen aul'livten, sondern auch
in liniendicken l,auen nut Kalksinter abvvechselnd die regelmassigslen Slala-
kliten bilden, vvelelie dann aid dem Otierhruclie lauter concentrische Binge
jener Kr/e mid /vvischen diesen solche von Kalksinter /eigen. Khcid'alls ver-
haltnissmiissig sellene Erscheinungen sind die von krystallisirlen Mineralab-
siit/en und /.war vor/.Ufdirli von Hci^krv stall ansiickltMilclcn Holilm ill) Granitt',
die s..u.'iiannU'ii Krxstallkeller. Sic linden sicli /. B. ini (iranite dcr Alpcn,
nanit-ntlich in Savoxen und der Schvvoi/. Ht-sonders l»«M'iilnnt sind die Kry-
slallhiililen des /inkensloekes mi lierner Olterlande und jene des \ ieselier
Thales und von Naters im Canton Ohervvallis, \velche let/lere Ouar/.kiyslalle
MIII inehr als einein Meier Ihnrhmesser L'eliel'ert hat.
§. ('). Miiieralquellen und deren Absiitze. Diejoniiien in Liisuns; l>e-
tindlielien MineiMlsnlistan/en". welelie \veder in Blasenriiunien noch in Iliihlen
oder Spalten /urn Altsal/ p-laniittMi, fiiliren die Ouellen der K rd oherl'l ii c li e
/u, auf vvelclie die \\asser urspriinizlicli als reines Heyen\vasser niederiiefallen
\\aren, uiu jel/l nacli erfolureich zurlickgelegter , unleriixlisdier Laufbahn als
Mineral(|uellen /u derselben zurUckxukebren. Hier an^olanLit entledigen
si«- sidi last alter ilirer Bestandtheile. Am reichsteu an solchen sind die Sauer-
(|iielleii. \\elche in der Kohlensiiure ein ausserordentlicli wirksames LOsuniis-
iind Xerset/iniiisinittfl l>esit/en, \viilirend die "owolinliehen sUssen Quellen viel
\\eniiier niineralische Substan/en mil fortfllhren. Sehr selten finden sich Quell-
\\asser, \\elehe nicht weni^stens Spuren von ChlorUren, in den meislen Fiillen
von Chlornatrium, neben diesein von Chlorkalium und Chlonna^nesiuni /eiuen.
Ks ist dies selbsl bei solcheu der Fall, welche aus Granit, Porphyr, S\enit?
Basalt und Traehvl emporbrechen. Quellen, welche einen so bedeutenden I'roeenl-
sal/. von Chlornatrium aufgelttst enthalten, dass sie sich zur Gewinnung von
Kochsal/. eiiinen , bezeichnet man als Soolquellen. Neben ChlorUren sind
Brom- und .lodverbinduiiLren als Bestandtheile vieler Minerahjuellen bekannl,
dasselhe gilt von Fluoralkalien und Fluorcalcium. Von Sauerslollsal/.en sind
do|tpell kohlensaurer Kalk , doppelt kohlensaure Magnesia, kohlensaures Kali,
Natron und Eisenoxydul die hiiufigslen ; sie resulliren zum grossen Theile
aus der Zerset/ung von Silicatgesleinen. Die Grossartigkeit dieses Processes
lii-lil aus Fiilgcndrni hcrvor : 10,000 Pfund Wasser eines Sauerlinges, \vclchc
nur 1,:i I'l'und kohlensaures Natron (eine verhiillnissiniissig sehr unlu'lriichl-
lichc Meii-c) cnlhallen, mussten zur Erlangung dieses letzteren 6,5 Pfund Na-
tronlVldspalh zersetzen. Eine derartiize Mineralquelle, welche (wie z. B. eine
solehc in der rmgrliuiii; von Burgbrohl) in 24 Slunden 76,302 Pfund Wasser
liefert , verlangt dahcr ftlr diese Zeit die vollsliindige Zcrsetzung von 49,6,
mithin filr ein .lahr von 18.104 Pfund Natronfelds|>ath , urn die in ilini enl-
haltcnc Menge von kohlensaurem' Natron ervverben v.\i konnen. Da nun die
Zahl der kohlensaure Alkalien fUhrendon Sauerlinge ausserordentlich bedeulend
ist, so kann man auf die cnorinc Tragvveitt' des (lurch sie einp-lcileten Zer-
scl/ungsproeesses schliesseii.
Niiehsl den ChlorUren sind unter den in rcinem Wasser liislichen Mineral-
Hill III. IK iKimisdie (it'o|oi;ic.
subslati/en die BCbweCelsauren S;il/c die hiinligslen und \\allen ill mandien
MineraNpiellen N or den iibrigcn BesUtndtheileD \<>r, MI das sdiNvdelsaiirc N.I
Iron in den (!;irl.sli;iili'r. .Marienbader und Franzensbader Quellec und derG\ps
iii sclir Nielen Ge\\asserii. IMiosphnrsaiire lindcl sirh ,m Alkalien odcr K;ilk
gebundcn /iemlidi liaulig, Nvenn .ideich in geringeren .Menken in Rboeralwassefn,
als pliiisphorsaiire Tlionerde niclil scllen in slacken Saucrlingcn. Kiesclsaiirc
Alkalien koiiuiH'ii in Nieleii OuellNNiissern , weldic ;ius Gran it-, Gnei.ss- odcr
PorphyrantergrUDd licrNorhrcchcn . NNCIIII aucli incisl nnr in L;crini:cr .Mcn^c
vor; viel seltcncr cnlliiiltcn sic Silicate \oii K;ilk, Ma^ncsi;i, Tlinncrdc odcr
Kiscno\\dul.
.Ic narli ihrcni liiiiiicron odcr kiir/crcn VcrNVoilen in loslichcii (icslcincn.
werden die (JcNviisscr niclir odcr weniger von diescn mil sicli fiilircn . -- i:c-
siilliulc Solutioncn jcdocli sind nur von Kochsalz und <i>ps hckannt. Nai-li^-c
\\icscn sind bis jetzt in den GeNviissern dor Krdoberlliichc folizcndc Stollc.
welche siiinintlich durch Extraction der Gcslcinc doiiliin eclaniil sind :
\) Snlzbnsen: Natron, Kali, Lilhiou, Kalkcrdc. Magnesia, Sti'onliancrdc.
BarUerde, Thonerde, Eisenoxydul, Manganoxydul, Zinkovyd, Kupforoxvd : Xinn.
Blei, Silber, Antinion, Arson, Nickel, Kobalt, wabrscbeinlieb ancli als Oxulc.
2) Sa'uren: Kolilcnsaurc, Schwefelsaure, Salj)clcrsiinrc, Hiospliorsiiurc.
Borsaure, Kieselsaure, Schwefelwassersloffsaure.
3) Salzbildner uud Metalloide: Chlor, Brom, Jod, Fluor, ScliNvcfel.
Quellabsal/c von kohlensaurem Kalke gelioren zu den gewtthnlichsten
Ersclieinuniieii, von denen die an Kalkslein reichen Gegenden Deutecblanda
/ahllose Bcispiclc licfern, unter welchen die Erwa'hmmg der KalktulVablage-
rungen NOH Cannsladt, von Tonna bei Gotha, von Weimar, von Vlotho geniigl.
Kauni irgend ein Land vermag indesseu so ausgezeiclinete Kalksintcrahsiit/c
aufx-UNNcisen als Ilalien, wo die kalkreiche Kelte der Apeninen das .Material
diescr Traveiiinablaiieruiiiien liefert. Am reiclilichsten und grossarligslen gclil die
TraNcrlinbildung an den Cascaden von Tivoli vor sich. Audi Absiit/.e Nun
KisenoxydliNdrat bilden sieli an zahlreichen Punklen, so in der Umgeluing des
Laaelicr Sees vor unseren Augen aus Eisensiiuerlingen. Man hat bci-echnet,
dass die Mincralijuellen jener Gegend in 1000 Jaliren ein Kisenockerlaiier NOII
ungdahr f/s Quadrat-Meile (Jrb'sse und '/3 Meter Miirliligkeil abscl/.t-n kiinnen. Au^-
der bercils erwiilinlen Sool<piellc N on Neusalzwerk in \\~eslplialen set/en sich
sclir belraclilliclie Mengen \on Kalksinter und Kisenocker jedoeh in sehr 1111-
deiclien Verhiiltni.ssen ab. In der Niihe der AusllussoH'nunii schliigt sich I'jsen-
o\Ndh\dral nebst wenigem kohlensaurem Kalke nieder. N\iilirend in gi'osscrer
EnUernung von jenci- kolilensaurer Kalk vorherrsdit. Dies ist die l;olge da-
NOII, dass der Absat/. des l'.iscii()\\dliN(li-ates durdi doppelte \Virkung. neliin-
li<-h durdi Verlliidiligung der Kolilensiiure und gleidi/.eilige lioliere Oxulation
des KisrnoxNdules, - der Absat/. des kohlcnsauren Kalkes alter nur durdi
VerflUchtigeD der halb gebundencn Kolilensiiure, also langsaincr Nor sidi gelil.
1.^ /.eigt dieses Bcispiel . \\ ie sidi aus ein und dcrselben Ouelle Lager oder
(i.in-c bilden kiinnen . Nvddie tlieils aus Eisenocker, tlieils aus Kalkslein be -
sldicn. hie Soiilipifllc NIIII .Nen>al/.\\crk brinut jjilirlieli :{7»i Kubikineler koMcn-
III. Ihnamisrlie <ieoloL;ie. 161
samvn Kjilk uml IT Knl.ikmctcr Kiscno\\dh\drat ;mf die Krdoberfliiehe, kurz
erfQlll die HediniMinuen /ur Bildung der n.aehtiuslen Kranneisenstcin- und Kalk-
spalhablan.-rmuicn. \\.-nn soldi,- (ieuiisser .lal.rtauscnde Ilicssen. In iihnlk'her
\\eise uie kohlensaurer K.-.lk l.ilden sich /.. B. in Obersehlcsicn und l>ci Stoll-
IMM- nnlcrn Aachen aus den. dorliiien F. r/la^crstalten enlqucllenden Wassern
[Derustate von /inkspalh. NVben Carlumaten sind Quellahsat/.e \oi» Kieselsiiure
sirl.r |»;IL-. I :M - ifpn F.i.scnkk's (/. B. bei Burgbrohlj, naiiH-ntlicli abcr von Gyps
bekantrt. Letatere mtstch.-.. nb.'i-all da, wo gypshaltige Gewllsser verdunston ;
dalu'i lindfii sirh (ixp>kiN>iallr und Gypsiucrustate so haufig in Thonlagern,
in Mcrtirln. in (i.-riill- und Sandal. laucnrngt'ii, an den Wandungen von Gruben-
baiiUMi und liiiiiis dcr MenvskUste.
§. 7. Dem Meere zugeftthrte Mineralsubstanzen. Die mineralisch. n
Subsian/.-n. \N,-|(-|M- sich aus ihren wSsserigen Losungen Weder in llol.lrau.nrn
defi Kidinnrivn. nodi lu-i dein Austritte der Quellen an die Tagesoberflad>«-
absrl/.rn. \Nrrdm di>n Biichcn und Flitssen und von dicst-n dem Meere zuge-
liil,n. Aus der rntcrsudinnu /.ahlivi.-l.ci- StrOme hat sich herausgestellt, dass
miter alh-n ihren anoi-anischen Bestandtheilen der kohlensaure Kalk in grosster
M,,^,. No.konnnt, so dass z. B. der Rhein in 100,000 Theilen seines Wassers
'.i .Hi Tl.iMh- dieses Carbonates oder bis 75 Procenl der Gesaramtheit seiner ge-
lii>i«-n H.-standtheile enlhiilt. Kohlensaure Magnesia findet sich in den FlUsseu
„„,. in dor "rrinii.'ii Mrnj:.', in welcher dieses Carbonat in dcr H.-izcl den Kalk-
steineo beigemisohl 1st; .»ur dort, wo die GewSsser dolomitische Gesteine durch-
sdbeideo, wird ihr Gehalt an kohleusaurer Magnesia bedeutender. Der Be-
trag ilM s,!iNNt-l.-lsau.vn. kalkt- kniiunl in vielen Fliissen dem an kohlensaurem
Kaik.- nah.-. in .'in/eliH-n FiilltM. iilnM-triH't er ihn sogar. Ahnliches ist .nit der
srlmHHsau.vn .Maiin.-sia der Fall. Die Menge der (Chlortlre jedoch, welche dem
Mr»-iv /u-Hulul N\rrd«-n, ist eine seh'r unbedeutende und mehrt sich daher in
vie! ii.M-iiiiieivin Vrrhiiltnissr als die gcnannten Sauerstoffsal/e ; noch viel unbe-
n-achtlirhrr isl dt-r Silicatgehalt der FlUsse.
Die minrralisrhen Bestandtheile der letzteren sind grossen Schwankunuen
unH.n\orf»M». In. Soinnu-r und Winter, also in dcr trockenen Jahreszeit und
j,, d.-r, wo dcr Bnden mil Scl.nci- und Kis l.cdc.-kl ist, sind es nur die Quel-
Irn. welche die Fliisse speisen, dann ist der Mineralgehalt derselben am be-
denln.dsirn. /ur n;,ssen .lalires/eit l.in^egen, wo die Regen- und Schnee-
I.ei Wcilc.n mehr als .lie OuclluasM-r betragen, sinkt der Gehalt an
Heslandlheilen I.erab und wi.il xnn d,-n merk.nisrh suspend.rlen
Tlieilchen stark ilbrr\>oi(en.
Di,. Ouanlitiil dcr NO.I den FlUssen den, MC.M-C /u-cfiihrten mineralischen
Iteslandll.eile crsch.Mnt auf den .M'sten Klick schr .,nl,e(l,-utend, stellt sich je-
,|,,,.|, in ih.vr Nxah.vn GfOsse da, . .sul.ald man die eiioriiien Wassermassen ...
lvll,K.hl iieht, wetehe sini, dem Oceanc zustromen. Da FlUsse wie der
Ulu-in die Donan, die Hl.une ,.,,d di.- Klb.' .niiidestous '/^ minerahsche Sub-
stan/e'n in au^elttstem /i.slande enlhallen , so fuluvi. sic den. Meere in 8
.|;,hrcn sovicl'/.u. als das (lewicht iluvr jiil.rlichen Wassermasse betragt, -
Credner, Klcmonte cl. Oeologie.
i:enilt:ende Menuon IHII mi I .a ul'e liini:erei i:eologischor /eilriinmo d;is Material
(In- machligsion Kalkstoin- und QypsformationeD /u licfern.
Iin Meeres\\asser selbsl sind bis jelzl abgesehen \nu Saiiersloll' mid \\.is-
Nersloil. sou io organischon Substanzon folgonde Stoll'c iiadiLieu iesen \\orden
Chlor, \\elches niichsl den Be$tatodtheilen des Wassers die L'riissle .MeiiLie dor
mi Aleero \orkommenden Klemenlo ;iusin;iclil , Hnun . .lod. Fluor. Sdi\\ fl'd
(;ds Srli\M'l'cls;iinv und Schwefelwasserstoff , Phosphor, KohlciislolV ;ils frcif
oder .'in K;dk und Ma^ncsui izfluindcnc Kolilcnsiiurc . Siliciuiii ;ils Kirsrlsiimv .
Bor (als Borsiiuro], Sill)cr (;ils Chlorsilbcr), Kupl'cr, /ink, Blei, Kol»;ill. Nickel.
I;.iscn7 Miin^an, Aluminium, Miiiinosiuni niichsl Chlor. Scliucl'clsiiiire und N;i-
triuni iini gewiihulichsten}, Calcium (meist als kohlens;nircr und phosphorsaurer
Kalk odor als Fluorcalcium), Strontium, Baryum, Natrium, Kalium und cndlich
hiichst wahrscheititich Arson und Lithium. Von diesen 29 GrundsloH'on . also
fast dor Ha'lfte dor bis jotxt bokannlon sind Chlor, Schvvefelsauro , Calcium.
Kalium, Magnesium und Natrium die wosentlichslen und Ix-ti-a^cn /.\\ischon
3,21 und 3,84 Procent des Mooreswassers. Dor (lohalt dos letztoron an I'osti-n Ito-
standlhoilon ist cin conslantor und schvvankt nur local in Folge der ungh-ichon
Vordunstung in vorschiodenen Breilongradon, der Schmelzung grosser Kismasson
in den Polarxonen und des Zuflusses grosser Strb'me. So ist die Ostseo als cin
\t-rdiinntes Meereswasser 7Ai betrachten ; daher rilhrt ferner der an dor Kiisic
goringori> Sal/.gohall dos Ocoanos , auf der anderen Seite ist dor dos Miltol-
liindischen Meeres etwas bedeutender als der des Atlanlisch'en Oceanos. Nodi
viel grdsser ist die DifTerenz des Salzgehaltes des Weltmeeres und soldier Bin-
nonmeere. welche zvvar ZuflUsse , aber keine Abfllisse besilzen und sich dor
/ustromenden Wasser bloss (lurch Verdunstung entledigen. In Folge davon con-
contriren sich nach und nach die ihnen in starker Verdttnnting xugfluhrton
Minoralsubslanxon wie dies namentlich im Great Salt Lake in Nord-Amorika
und im Todton Meere der Fall ist. Das Wasser des lolzloren onthiilt ct\va
2-2 I'rocent Salze aufgelost, untor welchen Chlormairnosium boi \Voitom vorwallot.
\viihrond Chlornalrium, Chlorkalium, Chlorcalcium und Brommagnesiuro inohr
zuriioklroten, und ist augenscheinlich eine durch Vordunslung von Meeroswassor
entstandone Mutterlauge.
§. 8. 1 1 oh Ion hi Id mm en. Erdf iille, Erderschiitterungen und Schicliten-
storungeii in Folge der unterirdischen Thiitigkeit ' des Wassers. Wio
orfolgreidi die Gewiissor ihror Aufgabe nachkommen , dom Innoron dor Krd-
kruste soviel wie mo'glioh mineralische Substanzen zu ont/iohon . ergiobt sich
nidil allein aus der Quart titiit ihrer Absatze und des inineralischen (lehallos
des Fluss- und Meeresuassers, sondorn in \iel augenscheiolicherer \V(>ise aus
dom Massenverlnsle des (ieldrusinneren selbst, ferner aus dom Kinllnsso dioser
Yolumenvermmderung auf die Lagerungsverhaltnisse dor uber den boirollenon
I'unklon lioiiondon Sdiichlen, so\vie auf die Gostaltung dor Krdoberllache. Die
aulViilligslon dorarliuen Krschoinungon sind Bildungon \on llohleiu und in Folgo
<lr> /usaimnenstur/os derselbon KrdorschiUteninuen , SchichtenstdningeD und
Enifalle.
III. l)\ inmische
1'iiter den Gesteinen. sselche einen bedeulenden Anllieil am Aufbaue der
F.rdkruste nehmen. Miid cs Kalksleiu . Dolomil und G\ps. sselche in griisslrr
Menu.- s,,m YYasser auluelost sscr.len. sie sind deshalb auch die eigenlliehe
lleimalh derllohlen. Die meislen der lel/.teren beslchen aus gessolbiihnlichen
\\eitiin-en, s\dche (lurch c.mal- oder spaltenlnrmige Sehliinde mil einander in
Yeibindmig slehen. Diese NYeitungen Hegeii eulweder alle in demselben M-
\ciiu oder in \crschicdcnen lloheii elagen-oder slul'ensseise iibereinander. Die
\\iinde der meislen Kalksleinhohlen sind mil Snlaklilen, die tier (Is psschlollen
mil (.spskrsslallen uber/.ogen. Der Boden s icier isl mil thoniuem oder lehmi-
irem Sclilammr bedeck! . in \\elchem Skelellheile son Karen, llsancn u. s. ss .
/usseilen in soldier Menge enlhalten sind, dass man sie danaeh als Knochen-
hohlen be/eiehuel hat. Die berilhmlesten Hiihlen im Kalksleiu sind die Adels-
herp-r Grnlle in Krain . die son Casllelon in Derbyshire, die von Anliparos,
die ' Baumanns und Biels Iliihle im llar/e , die Kluterl und Dechenhohle in
\\eslphaleii. - dem .luradolomit uehort die Muggendorfer und Gailenreulh.-r,
- dem /echsleindolomit die l.iebensleiner liohle an, Hiihlen im G\ps-
luhrenden Gebirge (is psschollen) sind im grossartigsten Maassslabe (lurch den
Mansfelder Ber-baii aufgeschlnssen , wo sie den sich an den liar/ anlegendeu
li.md der /cchsleinl'ormalion in \\eilausuedehnlen. /.nsammenliangenden und
/.urn Theil mil Wasser anuefiillten Systemen dureh/iehen.
reberall dorl . wo die Wanduugen der Hohlen nicht (lurch einen Panzer
son Kalksinler izeschiit/t sind, arbeiten die Gewasser, unterstUl/t durch Biielie,
well-he nicht sellen in denselben ihre unterirdischen Wego verfolgen, an deren
VergTttftseruDg. Namenllich ist dies bei den von Wasser gefulllen Gypsschlollen
dei Fall, NNO lel/leres unabliissig losend auf alle Seiten des Hohlraumes wirkl.
Die Weiiunv: und die Tiefe soldier Hohlen iiimmt so lange zu, bis ihre Decke
nichl mehr im Slande ist, die auf ihr ruhenden Gesteinslasten zu tragen und
mil diesen /.usamm.-nl.richt. Lag der Schauplalz dieses unterirdischen Kreig-
ni>s, •> n, I. so mag sich seine l'.in\sirkung nicht in sichtbarer Weise, sondern
eiu/ii: .lurch stossartige ErschUtterungen auf der Erdolxjrfliiche belhiiligen,
lag ei der lel/leren naher, so bildeten sich ausserdem in Folge des Gesleins-
na.-hsluiv.es Spa lien oder trichter- und kesselformige Verliefungen, Krdfiille,
unter alien I'mstiinden aber wird die ursprUngliehe Lagerung der Ubor d.-n
/.usammenbrechenden llohlriiumen belindlichen Schichten gestOrt werden. /ahl-
reiche locale Krdbeben , wie sie kalk- oder gypsreiche Gegenden heimgesucht
l.,i|, en, scheinen dureh derarli-e EinslUrae und Senkungen erz.-ugl svorden /.u
sein. Ilierhrr diirfte das Krdbeben des Visp-Thales in Wallis im Jills und
Au-usl 1855 zu rechnen sein, welches tlber einen Monat andauerle und die
Bildung MUI Spalten in ansl.-henden Gesteinen, in Kirchen und Iliiusern , den
l-iin.sluiv. snn M.mern und das llerabrutschcn von Felsmassen /ur Folge halt.-.
Da in jener (legend nicht Nsemuer als 20 gypsfuhrende Ouelh-n h.-kanni sind.
dcivn cine allein dem Krdboden im Laufe eines -lahres Uber 200 Kubikmeter
G\ps enlxiehl. so liegl es nahe, in der mass.-nhaflen Knlfuhrun^ dies.-s (iestein.-s
und den dadureh bedinglen unterirdischen Kinsliirx.en die Ursache dieses wie
zahlreicher anderer Krdbeben zu suchen, deren im Laufe der lelzten V/2.\^r-
11*
Mil III. Dynamteche (Ifnin^ic.
hunderte (bis 1854) in der Seh\\eiy. 1 010 beobachlel vvorden sind. Nur muss
sich der Geologe hiiten . sole-la- Ansiehteii x.u verailgemeiaeni und. \\ie fs ge-
M-hehen, iinf die Entstehung aller Erdbeben ;iii\\t'iidtMi x.u \\ollen. — die \ul
k;i ni sch c Na I iir der Me hrza h I d<> r ye rs I o re n d s I e n und grossarlig-
si en Erdbeben uuterliegl n n r ge r i n tic in Zweifel siehe pag. \-r>>
und 127).
Die Erdfiille sind, \N ie durrh ilirc Entslehnng bedingt \\ird, ebenfalls
.ml <i\ps, Kalkstein, Dolomil , und Steinsal/. nihrende Gegenden besehriinkl.
innerhalb soldier aber selir jj;e\\()linliclH' I'lrscliciiiungen. So linden sidi in
dem Kalksteingebirge von Krain, Illyrieh, Kroalien und Ualnnilien iin/.iildiue
Ki'dtalle , von denen die griisslen 700 und mehr Meier Duirliniesser erreirlien.
l-lbenso liiiufijj; sind sie iin Gebiete des Teutoburger Waldes und der lla;n.
auf dem Kalksteinplatenus des I)e,])arleinenl des Doubs, der Haule-Saone und
des Jura in Frankreich , sowie in dem Kreidek-rrain des nordliclien Jutland,
iin Kohlenkalk Missouris, sowie des Gouvernements Tula in Russland . v\o sie
Uberall der Weglaugung des kohlensauren Kalkes ihren Ursprunti \erdanken.
\viihrend die Krdtalle am ymzen SW. Rande des llar/es und bei Liineburi:
durdi Einsturz von Gypsschlollen entstanden siud. Viele sole-he aus der Sen-
kung der Erdoberflache »hervorgegangenen Verliefungen sind von Wasser aus-
gefilllt und in Teidie und Seen umgewandelt worden. So die Seen bei Speren-
berg in der Mark Brandenburg, bei Segeberg in Holslein, die zahlreichen »Teu-
felslocher« und Pingen am siidlidien Harzrande und wahrsclieinlidi der Salzige
und Siisse See bei Eisleben. Durch Auslaugung eines machligen Salzslockes
soil das Becken des 106 Klafler tiefen Konigssees am Ostfusse des \Vazmann
enlstanden sein.
Wie zu erwarten, sind Schichtenslorungen, Spaltenbildungen und
\ 'erwerfungen im Gebiete der (iyps oder Stcinsalz flihi'enden Formalionen iiber-
all da selir gewdhnlich, wo Stb'cke und Flotze jener leichlloslidien Mineralien
von anderen sedimentaren Schichten bedeckt werden, welche beim Zusammen-
brechen der entslehenden grossen unterirdisdien Holilungeu borslen. sich senken
und auf diese \Veise Knickungen und Vervverfuntien erleiden musslen. Min
hochst lehrreiches und nur diese cine Deulung zulassendes Beispiel fiir den
erwiilmlen Vorgang lieferl die Gegeud von Eisleben. Ilier lagert auf dem Con-
glomerate des Rolhliegenden so regelmiissig wie ein Teppidi und flir grosse
Miichen so eben wie eine Tischplatte, weim audi hie und da von Yerwerfungen
durchselzl, das etwa 2 bis 3 Meter miichlige Kupferschieferflot/ . welcho das
Object des Mansfelder Bergbaues ist; auf dasselbe folgl die eigenllirhe /t-di-
slein- und auf diese die Bunlsandsteinformation. Man kann sicJi kaum \er-
\\ocrenere Lagerungsverhiillnisse ausmalen , als es die der lelzt genannlen
Si hiclitenreihe an derem , auf dem Ausgehenden der Zedisleingruppe ruhenden
Raode sind. Ilier sind die Schiehten in Zwischenriiumen \ou nur vvenitien
Sehriiien auf den Kopf geslelll, geknickt, gebogen, zerlrUmmerl und \er\\orfeu.
Da der elvva SO bis 120 Meter darunter liegende Kapferschi^fer , abgesehen
von einigen localen Slorungen, seine urspriingliehe Lage June hal, so kann
diese XerslUckelung des Bunlsandsleim-s keinr Aussei-iing des \on unlen
165
,,,„•!, ol.cn \virkenden Yulkanismus soin. Hie 1'rsacho der Sohiolilonslonmii
muss violmchr x.\\ isehen Umilsandslein und Kupfersduofer lioiion uiul 1st in
dm (i)pscn der /\\ isehen heide
uela^crten /eelisleinuruppe x.u
suchen. Wo dieso letztere zu
Tatjo ausiiint:. heiiann drr IVo-
0688 <l<-r Auflosnni: und \Yoi:-
]• Fie. 19
ftthrung deS GypSCS dureh Oie
Schiehte n storn ngen i m Bnn tsandsteine der
Huhnebur^ bei Eisleben.
.
, . a) Rothliegendes. b) Knpferschiefor nnd Zftclisteln. c) Asche, Dolo-
SchlOtten reSUJtllten, mit, rothe Menrel mit Gypsstocken und Schlotten. d) Buntsandsteiu.
e) Erdfiille.
von dt'iu-n die mien in zusain-
lu.Miliiinucndcn. \\cit ausgodehntcn Systcmen noch hcut den Unlcrgrund joncr
i;(-(>nd duivh/icluMi, \viiluvnd nndere zusammenbrachen und den Nachsturz
dcs (lariiluT lii'iiriuhMi HiinlsjindsttMiics zur Folge batten. Vielleicht hiitte dieser
nnrh lan.-.'iv Xril \\ie ein Gcwdlbe die auf im ruhende Last gelragcn , wcnn
or nicht hereils dadurch zorrisson und zerborsten worden wHre, dass derGjps
hoi seiner Kntstohuii" durch Umwandlung aus Anhydrit und der damil \or-
hnndenen Ausdolinung seine Decke sprengte und deren Zusammenhalt so lockerlo,
dass ilu- /usainnionsturz unbodingt erfolgen musste, sobald der Gyps -wcgge-
filhrt \\urde.
Audi hoi der Enlstchung des Dolomites durch Auslaugung des kolilonsau-
i-en Kalkes aus sehuarh dolomitischcm Kalksteine geht der Natur tier Sacho
nach oine solir helriielitliche Volunionvorringerung vor sich. Die auf ihm ruhon-
den Soliiohton inusslcn sich dcmnach sonken, —war der Dolomitisirungsprocess
,-in localer, so ging diese Senkung hochst ungleichfo'rmig vor sich, die ursprUng-
lich horizonlale Lage der Schichten machte einer gestorten Platz.
b) Die mcchanischc Thatigkcit des Wassers-
Dass die Oberflache des Festlandes ihre mannigfaltige Gliederung /inn
.ii Tlieilo dor zorstorend en , fortftlhrenden und wiedcrabselzo n -
ii mooliaiu'sohon ThSitiiikeil des Wassors vcrdankl, ist bereits in doin oin-
leiienden Theile dieses Abschnittes genUgend hervorgehobcn worden; es hleihi
deinn.ieh nur noch uhrig, die einzelnen Phasen des Erosionsprocesses und die
Grossartiiskoit der gesammten Voruan^e durch die Mitlheilung einiger Bcobaoh-
tunizen /u heleiiclilen.
§.0. Die fliessenden Gewiisser. Die Iliessenden Wasser slaninion aus
,|<-r Atmosphiiro, doren WassordUnsle sich als Tropfon Qiedereohlagen , \veleli«>
sicli dann sainmeln und, doin (icsd/c der Schwere folgend, nadi der Tide
Iliosson. Kei einer durchschniltliehon llflhe dor jilhrlichcn alinosphiirisclien
Niodorsohliii:!' \mi I M. fiillt in 10,000 Jahren ein Moor von 10,000 M. Tiofo
auf die Krdo nieder. urn doin Oceane zu/.uslriinion uud sich von Nouein in
DaniptTonn /.u orhohon. Nainenllieli sind os die llocht»ol)irgo, an \volohon sich
das atinosphJirisolio Wassor, el\\a \\ie der llaueli des Alhoms an kalton (iogcn-
jsliindon. \ordiohtcl. Ihre tlhor die Sclnn'«>i:ron/o hinaus ra-ondon , mil (llel-
schorn und Firn bedocklen Gipfel bilden deshalb Reservoirs von gefrorencm
Hit) III. [)\n;imiM-lir ( I
\\clchc lie.xonders tl.iiin dcr Klicne ihre Ynrralhc milthcilen . \\enn
<li»rl l»ci dcr Ilit/e (lex Summers dcr Vcrbraiirh ,m Wa.xser (lurch (lit- \Yrdun-
xlmiu mid (lurch dfii Hedarf dcr Vegetation am grosslen isl. In niedrigen
(iehirgen isl cs die IMlanzendcckc, welche in iihnlicher \Vcisc condensirend aid'
diis \\";isscr \\irkl. d;isscll»c in nasser und regneriseher /oil aufsaugl nnd \er-
Ilicill nnd dadurch cine hcstiindi^e Fcnchliiikeil dcs Bodens und den Uuellen-
reichlhnni desselhen iinlerlijill. \\iilircnd ;uif dein n;ickten l-'elsboden cine Milche
Ansammlung und ailmfihliche Abgabe nidit slallfinden kann, \iehnelir strnmen
hier die Re^en\\asser direct in's Thiil und \ernrs;ichen hier (lurch ihren nnue-
slihnen Andnin^ tJbersch\veininnni;en.
.le naehdein der Krdboden mehr oder ueniucr wasserdurchlassend ist,
driniien urtissei'e oder yeriiiizere Menken des alniospliiirisclien \Vassers in den-
sclbcn ein, uni tin tiefon Stellen der I'j'doberfliiehe als Quellen \vieder /,u Taize
m treton. Die grdssle Zahl der let/teren /eiul sich dahcr am Fnsse der (Je-
birize nnd y.\var dorl, \\o \\asserdichlc Thonscliieliten das tiefere Kindi-inuen
dcr Gcwasscr abhalten. Andere steigen aus der Erdticfc auf. Diese Erschei-
uiini; isl dadurch bedingl, dass geneigle wasserfiihrende Schichlen, \velehe mil
\\asserdicliten \vechsellagcrn, von Spalten durchsetzl sind , auf denen die
(icxsiisser von der auf ihnen ruhcndcn \Vassersiiule einporgcpresst \\crden.
Zapfl man solche \\asserfiihrende Schichtcn (sandige Gesleine, kliiftige Kalk-
sleiiu1), die keine naliirliclicn Abfliisse besitzcn, durch Bohrlocher ab, so cnl-
slchcu arlesischc Brunncn. Letzlere kb'nnen iiberall dorl crbolirl \verden.
D
Fig. 20. Artesischer Brunuen.
A und B wasserdichte Thonlager. — M wasserfuhrende Saiidlage.
D artesiscbcr Jtrunneii.
\\o cine mehr oder \\eniger sleil aufgerichtele Schiclil einer porosen oder zer-
kliiflelen Gesleinsarl von z\vei \\asscrtlichlen Schichlen eingesehlnssen ist. \\elche
das Knl\\cichen des \Vasscrs naeh Oben und Unlen \erhindern l;ig. :><);. NVird
die obere, imdurchdringliche Schiclil durchbohrl, so sleigl das Wasser nach
dem (ieselze der Ihdraulik cmpor und kann sich sin-ingbrnnntMiarlig iiber die
Krdolierfliiche erheben.
Dcr \Vasserreiehlhum der Oucllcn isl naliirlich \on dcr Menge der almo-
sphJirischen Niederschliige auf dem Arcale, aus \\elehen jene geniihrl \\erden.
abhiinuii:. deshall) weehsell in (iegenden mil Irockenen und Regen-Zeiten das
I •'lie-.scn nnd Versiegen der Ouellen periodiseh al>. Kine ganz iihnliche V.i'-
scheinnng /.rigt sich bei den II u nge rb run n en . \\elche nnr so lange XVasser
III. > f
IU.I',.,.,,. (,ls der sou dem pesrlm.ol/.eueu Srlmee slammende mid in Spallen u.ul
nnlerirduschen llohlriiumen anuestaute Wrath anhall.
Die Ouell\\asMT sammeln sieh /.u Biiehcn . diese /... FliiSM-u uml Slrii
„„.„ an 'inn sieh endlich in Oeeane oder in Binnenmeere /... eruiesseu. Die
Wassermenge eines Mnsses uinl hrdinui I. dun-h die dross.- des A.vales.
welches derselbe entwWat; i dun-l, die QuatfiMM de? H)f..df0Mp Area! i:.l-
InuU'ii Regen*, Th,,ur> ,m«l Srlnuvs: :» iln.vh .las Klima des FlussurLu-trs,
im|,.in heissb TrmpcraU.r and tnu-konr Alinospliiire die VcnlnnsU...- .u,d
,lrs|,,,ll. dm \\ass.M-NcM-lust hi-ilnsligen: i) durch den geoloyis.-hcn Ifciu des
Flussgebietea, indem ein NieJIaeh gestbrter Schichtenbau Spaltc-n und Kllilie
i.n Gefolge hal, duivl. >Nel«-he die NVasser in die Tide sinken; ehenso ent/.i.'l.l
wndigcr Untergrunji den Siromen AVasser; 5) durch die 01)ernachengestaltunu
,„„! VegeteUoDSverhttltoiSw d.-s (Jebietes, indeiu Gcbirge un.l Waldreirhili.m.
(lit- Niederaohlage, ehene und waldlose Gcgenden die Yerdunstung ver-
nu'hrcii.
Dir (iriisse des Flnssuehietes ist nallirlieh cine sehr verschiedene , c
,lriil«-ndsl«-n sind die des Amazonenstromes und des Mississippi mil 106,000
m,d c.l.iOO geogr. Quadrat-Meilen, wahrend das des Rheines nur ein Areal
Vpn i080 Quadrat-Meilen enUMissei-l. Dcmgemass isl auch die von diescn
1 HisMMi dc-in Mcere zugefilhrte Wassermcnge cine ausserordcntlich versehiedene,
iuden. >u -I. /. H. aus*" dem Mississippi im Laufe eines Jahres durchschnilllieh
7i:{.0no Millinnen Klun. Wasscr ergiessen, wahrend bei Bonn jahrlich nur cUxa
63 :i70 Kbni. Hheimvasser vorbeislronien.
Kin anderer Hauplfaclor dcr mechanischen Thiitigkeit dcr Hiessenden (
svaaeer ist ausscr ihrer Wasscrnienge ihr Gefalle, durch dessen Grosse die Ge-
schwindigkeit, mil welcher sich das Wasser bewegt, bedinizt Nvird. Das Gefalle
,|n Fltisse ninnnl von ihrem Ursprunge bis zu ihrer Mundung ab, und da d.e
l,ilV,.,vn/. /uisrl.,,, dm. Falle des oberen und unteren Theiles ihrcs Laufes urn
so grtteer ist, jc hoher jene entspringen, so ist sie bei den Alpenslromen
;,m 'betriiehtlichslen. Da nun sowohl die unterwUhlende und zerstorende, als
am.|, di,- transportii^de Kraft des Wassers von der Starkc seines Stroraes ab-
hiin-t. da ferner die Quellen 'racist in Bergen und Jliii:.-lketlen enlspringen,
wo die Thalsnldi-n siark gencigt sind, wahrend in den Ebenen das Gefalle nur
>,.hr unbrdeulend ist, so folgt daraus, dass die oinschncidcndc und fortfuhrendc
Thiili-keii d.-r (.cxNiisser namentlich in den gebirgigcn Gcgenden /.u llause ist,
NNiihrend sieh der Unterlauf, wo die Gesehwindigkeit all.uahlicl.abnini.nl, dnreh
Absiil/e des dem Gebirge cnlfUhrten Geslei.isn.ateriales auszciehnct.
§. JO. Erosion. Der mechaniselien muss durch die chemisehe Thiitiiikm
(|rs Wassers, (lurch die VerxNillerunj:, x..rii.-arbeilel %%.M-den. Auf einer Thal-
s,,hle NHU -lattein, un/.ersct/tem Granite NvUrde der schnellst stroiucudo Baqh
M-lbsl in tenge^l /ritr.mmrn k;ui,n uirrklirl,,. Spuivn hinterlassen. Krsl wenn
das Geslein unler dem z.-rsct/cndcn Einllu>M- der Knhlensaurc zu Grus und
Sand /.erfallt, wenn es miirbe gewordcn, zerfresscn und angenagt ist, wenn
Gesteinsfrau.urule durch die ffli-ssmden Gewiissor in Bewegung gesel/A nud
als Schliffmittel lu-nut/t wqrden Mtpnoi, l'«^i»ni die mechanischc Erosion. \\c-
168 III. I)>iiaiiiisclic <ii'<>|Mi;ic.
senllich \\inl sic imlerstiit/t (lurch die Eiuenschal'l do \\ >ich Itcim
(iefrieren aus/mU'hnen. Geschicht (lies in (icsleinsspallen . sn -eniii:! dicscV
Vorgang, um die Felsen zu /.crlriiinincni. l);i ;illc Kliiflc, Poren und llaar-
s|>;iltcii dcs (loslcines \mi \\asser angefullt sind, <l;i sicli I'crncr dicscr Process
in gemiissigtcn Kliinatcii in jedem llerbsl und Friihjahr, auf llnehgebir^en alter
I'asl in jcder Nachl \\icdcrholt, so spielt or bei dcr incclianisclicn (icslcins-
zerkloinerimi: cine nicht zu unterschalzende Rolle. Von Felswiindon . wclehe
lioch (liter das Belt des nahcn Baches emporragcn und seinen dirokten An-
griffon enl/ogen sind, sltlrzen hoi cinlreleiidein Thau\\eUer Blocke und Schiilt-
niassen herab, deren sich jelzt erst die fliessenden Wasser bemachtiiien und
sic fortschiel)cn. Die Abrundung der in dem Bottc des Baches oder l:lusscs
forthe\veglen GesteinsfraiinitMile erfolgt theils durch das gegenseitiue Aluvihen.
indem die kleineren schneller als die grosseren fortgeschoben \verden, theils
durch ihre Reihung an deni felsigen Belte, wodurch zugleich auch dieses em-
dirt Nvird. Sell)st die feinsten aus dieser Zerreibung resultirenden sch\\elieu-
den Theilchen, wclche mil der ganzen Gesclmindigkeit des betrefTenden fliessen-
den Nassers fortbewegt \\erden, vvirken noch polirend auf das Flussbell. Je
grosser die Gesch\\7indigkeit des Baches oder Stromes, desto bedeutender is!
sowohl seine Transportfahigkeit , \vie die Erosion seines Bettes, — daher die
grosse erodirende und transportirende Wirkung sell)st unscheinbarer Gel)iri:s-
bache ini Vergleich nut langsain fliessenden Strdmen, und daher die unter-
\\ilhlende Thatigkeil der Wasserfalle, durch welche nicht selten ein /usamnion-
brechen der Felswimde, Uber vvelchc sie sich stiirzen, und ihr allinahliches Xu-
rtlckziehen bedingt isl. Auf diese \Veisc schreiten die Niagarafalle jahi'lich
etvva */3 Meter rtlckwarls und auf ahnliche Vorgange la'sst sich die Entstehung
der Thaler der Elbe und ihrer NebenflUsse , • wie sie die sachsische Sehweiz
bilden, zurllckftihren. Dieses Labyrinth von grotesken Felsinassen \var ur-
sprdnglich eine monotone Ebene von horizontal liegenden Sandsleinen und
dehnte sich ini Niveau des Konigsteines und Liliensteines gleichformig aus. Auf
diesera Plateau stronite die Elbe, dainals augenscheinlich noch der Abfluss eines
bohmischen Seebeckens, und sttirzte sich ungefahr in der Gegcnd \on Pirna
idicr den steilen Rand des Sandsteinterritoriutns. \\elches sich dort aus dem
Flachlande erhel)t. Seine Wogen iinterwiihlten das Gestein, es brach zusain-
inen, der Wasserfall rtlckte stromaufwarts und /og sich unaufhaltsain niehr und
?nehr in das Sandsteinplaleaii hinein, bis es dieses ganz durchschnitton hatte.
bis oberhalb Telschen der lelzte Danuu des bohmischen Elbsee's zusamincii-
slilrzte und der See sich durch die tiefe Schluchl cnlleerle. Das neue Hell
der Elbe liegl Uber 270 M. liefer als das ursprttngliche. Durch diese .\i\eau-
\ciiinderung erhicllen auch die NebendUsse des Hauptslromes none (ielegenheii
zur Ausilbung ihrer Falllhaligkeit . - ihre filiher nur oberlliiclilichen \\asscr-
l.iul'e sclmittcn sich lief in den Sandslein zu jenon Srhluchlen ein, welche sich
heuie in labyrintlu'scheni Gewirre zwischen den unlxM'Uhrt gebliebenen Fels-
Partien. den Huinen eines zerstorlen Landslriches. hindurchwinden.
Ein andcres, noch grossarliizercs Beispiel der enxlinMiden Thaliukeil des
Wassers liefert das Schluchlens\slem des Colorado in Arizona. Die Oberilache
III. iKiiamischr Cicnlo-io. M>*>
dieses ToiTitorinnis slfiul \om .Meere iius in \\eit aii^edelmten. leiTassenarlit;en
Plateaus l.is /.u iiber 3000 M. Mooreshohe jin. An dom Aiifbau dorsclben hal
die p-sammlo palaeo/.oischc mul /HIM Theil iiudi die meso/oische Schichlcn-
i-eihe theikenommon. Sic nihen in hori/.onlalor Lain- auf Granit. In eine dio-
ser llochehonen hat sioh dor Colorado soiii boruhintes Sohluchlonsystoni cin-
"ONxuhll. Der llanplstrom fHessl auf ohva <><> gooi:r. Moilon 1, Jingo in einem
1000 2000 M. lit-IVn Canal, \vclclicr sonkn«flit durcli dio Scdiiiu'iiliir-Fonna-
lioinMi und nodi 200—300 M. lief in don Hranit eingesclniitlfn ist und in
\vol.-lioii x.ahliviclir Nchensohlui'hlon von derselben Tiefo und Ausdelmuni; oin-
mttnden.
In andoron (Jouondon sind uanzc bis 400 M. machtigc Scliidilcnsvslcnic
voin \Vass(>r /crstbrl und \\-oiigofilhrl worden, nur einzelne Schollon sind unlor
lu-Miiulrrs i:nnstii:on Vorliiillnisson dor allgemeinon Zcrstoruni: onls:ani;«'n und
doulon die (iriisso dor slalliiofundenen Erosion an. Der Natur des Voriiaiii-os
nacli \vird dorsolbo nainontlich durcli loichle Vor\\iltcrl>arkcil dos Gesleinos
hoiiilnsliizt. so dass ihni xoiv.iiulich ilmniiio oder kalkige Sandsteine, sandigo
Mcruol und siark thoniize Kalko vorfallon. So war frUhei4 der ganze Gnoiss-
nnd Sohiofordislriol stidlich vom Lake Superior auf 100 M. Hb'he von untor-
siluris.-licn Sandsteinen und sandigen Dolomiten bedeckt. Heute sind diese bis auf
rin/rlno kloin<- 1'artion, dio ilber jene Gogend regellos zerstreut sind, versclnvun-
dcn. \Vio sclindl solclio Erosionon vor sich gohon kCnnen, beweist eine durch
den Sinioto in Sk-ilion Norursaclitc Scl)luclitonl)ildunLr. Dioser Fluss wurdc
im .lahrc 1603 boi oiner Eruption des Atna durch einen Lavastrom abgodanmil.
.Ict/.t. nach 2' 2 .lahrhunderton, hat or sich durch ,den harten, solidon Basalt be-
ivits oinen Canal von 20 bis 35 M. Tiefe und 12 bis 18 M. Breilc gowUhlt.
Dass der I'rsprung sehr vieler und die jotzige Erscheinungsweise saniinllichor
Tliiilor und Sclilnditt-n von der Erosion durch fliessende Gewasser und nidil
otxva von Spaltenbildungen in dor /rrborstenden Erdkruste herzuleiton isl, ijohl
nanioMllioh aus der Abhjingigkeit des Vcrlaufs der Thiiler von der grossoivn
ndrr uoringoron Widorstandsfahigkeit des Gebirgssteinos hervor, indera die sohr
ungloicho clicinisehe und niechanisoho Zorstb'rbarkeit des GestoinsmatcM-iales auf
dio UiohliiMg <les Flusslaufes veriindernd einwirkte; so lasson sich dcnn sohr
hiiutii: die pliii/liohon KrUiMMMiniion der FlUsso 'auf das Auflreten besondors
losler oder bcsoiiders lockcrcr (losloinsscliichtcn zurUckftihron.
Eino dirocto 1'olge der Erosion von grosser Traguoilc sind die Bergsch I ipfo.
doren iMiiontliolu-r rrspniMi: darin x.u suohoM isl, dass /.\\ isclion andeir Schich-
tcn golagerte Thonlagor /orsolxl odor /u hrci ervsciohl \\erdcn , so dass die liber
ihnen liogoudo (lobirgsiMasse, falls dio Sohichlon uacli dein Thale zu oiid'allen.
ihren Hall \orliori und sich auf der izmeiuton, srhlUpferigen Balm in BO\\OI:MMI:
set/I, inn das Thai oft ftir urosso Erslrocknni: /u \erschUUen. Ahnliche Itnlschun-
ucn oreigMcM sich aiif uonoiLilon Schichlcn \<»n loichl boweglicheni Sando. for-
nor ebenso an der Mooroskiisle %\ie in den l-'lusslhiilorn.
§. II. Transport uiid Absiitze voii Seiten fliessender Gewiisser. l.s
isl schon hor\ orizehoben wordon , dass die TransporllaliiL'koil des Wassers son
der Schnolligkoit der Bewegung desselben, also von der Grosse seines Gcfalles
!7H III. l
abhangii: isl. Dem /u hilge ist aneh der (Inn (iebiri;e .uiLjelictri^p ( )|)t-i-|;iul
der Klilsse dci- Sehauplal/ der i:rnssarlii:slen (iesleinssehube. Namenllieh wer-
den snlehe diirch aussergewiihnlieh slarke \Vasserllnllien b0rVOTgeforacht^ \\ ie
sic/. B. iin .lahre ISIS das Banien-Thal iin I'nter- \Yallis heinisiirhlen mid dorl
cine Tniiiimermasse von ilber 100 .M. Iliihe und Granitbliieke \<m last 'iO Khin.
Inlialt \or sicli her gesehoben haben sullen. (Jan/ abgesehen \on diesem in
seiner Grosse fast einzig daslehcnden , almormalen Ereignisse, isl die Bilduni:
von sehr bedeutenden, oft inehrere Tansend Meter breiten Schuttkegeln an sol-
chen Slellen , \\o liefe Schluchten in Invite Thaler ausiniinden, eine sehr ge-
\vohnliehe Krseheinunii. tlberhanpt \\erden die WildbHche oft durch hel'tige
HeiieniiUsse mid \Volkenbrilehe so gesch\\ellt und mil Gesteinsinassen iibei'laden.
dass sie \\ie t:e\valligc SclilannnstniiiK1 ans den Schluchten hervorbreehen und
enorme Felstrtlminer mil sich fllhren, im» sie, sobald sie in eine Thalei \\eile-
runii gelaugen, wo die Kraft der ersteren abnimmt^ liegen zu lassen und auf-
/uhaufen. Unter normalen Verhaltnissen werden nur Sand und Schlainni \on
den GebirgsbSchen schwebend fortgefiihrt, die grosseren Gesteinsstiicke hingeizen
auf ihreni Koden Ibrtgerollt und fortgeschoben. Dabei komrnt der L'nistand in
Belracht, dass die ineisten Gesteinsarten , welche an dem Aufljau der Gebirge
einen izrosser<>n Antheil nelimen, nur ein specifischcs Gewicht von 2,0 bis -V.I
besitzen, so dass sie, iin Wasser liegend, fast um die Halfte ihres Gewichtes
erleichtert werden und somit einer geringeren Kraft bediirfen, um fortbe\\-egt
zu werden. Durch andauerndes Rollen und Aneinanderreiben dieser anfiing-
lich eckigen Gesteinsbruchslucke werden dieselben allmiihlich zu abgerundelen
Geschiebcn oder Gerollen, wobei zugleich feine im Flusswasser schwebende
und dasselbe IrQbende Theilchen gebildet werden. Schieferfragmenle nehnien
keine kugelige oder eiformige Gestalt an, sondern zerfallen in Flatten, deren
Keken sich allmiihlich abrunden. Am leiehtesten werden Geschiebe von thoni-
gem oder kalkigem Sandsteine bei ihrem Transporte zerkleinert und zcrstiirl
und zerfallen bald durch Auflosung ihres Bindemitlels in losen Quarzsand.
Daher fiihren FItlsse, welche Sandsteingebirge durchschneiden , grosse .Alassen
dieses lelzteren mil sich. Je weiter Geschiebe von einem Flusse fortirefiihrt
werden, desto mehr nehmen sie an Grosse ab. Anfanglich, also iin Ilochge-
birge, zuni Theil bis 20 Gtm. gross und scharfeckig, runden si(> bereits in kur-
zen Strecken ihre Kanten ab; in die Strome gelangt, verlieren sie in demsel-
ben Verhiillniss, wie ihre Entfernung von dem Ursprungsorle zunimmt. an
(iriisse, bis sie, falls der Lauf der FlUsse nicht allzu kurx. ist, als Sand und
Sehlamm. namentlich aber als schwebende Theilchen (Silt, Flusslrilbe an dessen
Mtlndung gelangen. Die Quantitiil dieses feinen Detritus isl xuin Theil iiber-
rasehend gross. So flilirl der Mississippi dem Golf von Mexico jahrlich eine
solche Masse von Schlainni zu, dass dieser, \\enn er si eh x.u einer /usammen-
hiiiiLrenden Ablagerung absetzen sollte, eine englische Quadrat-Meile el\\a 90 M.
hoeh l)edecken wtlrdc. Die jiihrlichen'Sedimenlc des Ganges werden auf 235
Millionen Kbm. geschiil/l, \\elehe ein Lager von 26,600 M. La'nge und Bi'eile
und ' ; .M. Dieke geben. Die Niederschliige . \\flehe die Donau bei ge\\i>hn-
liehem \Vasserstiinde jiihrlieh dem sclmarzen Meere /.uwiil/.t, \\iirden eine Scliichl
Ill 1»\ iiainiM'lic (ifnlo^io. •••
\«jii I.™ Ouadrat-.Meilen und 1/3 M. Dicke bilden. der Ithein lulirt bei Konn
jiihrlich lienun sclmebende Theilehen \orbei. inn rim- Scliichl MHI 1956 M.
Jin Ouadral und ' :. M. Dicke ab/.ulai;ern.
\Yo die IMS diiliin slarke Neiiiung der Hussbellen und deshalb die Strom-
-esch\\indiukeil und Transporll-ihigkeit der (icNNiisser cine ^erinuere \\ird. sel/en
sich die (icrolle iih. Ks isl dies der Nalur der Sadie nach nainenllich dorl
d,T hill. NMI die Fliisse aus den Gebirgen in die Kbene livtrn. In Folge die-
scr Al.l.iucrunu.Mi .M-lmlu-M die Slroinr alliniililieli ilir Belt, versanden, brechen
,,us. siiir/.-n sii-h iil'er ihiv lifer, graben sich cin neues Belt und lassen das
.illeiv /iixveilen Irocken xuriick. Urn dies xu verhilten und sich und ihre Fluren
\,.r derartip-n I berschu emmungcn zu sichern , dammen die Bewohner der
Slrnniihiiler die I'ler der Fltisse ein und erhohen diesc Dainine in demselben
Verbtfltaisse, in \\elrhem si.-h der Boden der Strbme erhebt. So erei^nel es
sich. dass niclii nur der Spiegel der lel/teren , sondern sogar der Grand
(fes riu^bellesallinjihlich ein hi.lieres Ni\eau crhiill, \vie die beiderseitiiien Thal-
ebenen. Dies ist z. B. l.ei dein Po der Fall, welcher sich im Laufe der Xeit
sn selir iib.-r die Nicderunji erhoben hat, dass jetzt das Niveau der Stadt IVr-
rara unler dein des nahcn Po-Betles liegt.
So lantie die Ufer der Strome durch Dairunanlagen noch nicht kUnstlich
ivuulirt und eingeeni:! \\aren, ergossen sich deren Wasser bei jeder Hochfluth
in die Slruintlialer. so dass dicse ofl \veile, nieilenbreite Seen bildeten, in
\\clchen sich, je uach dec l^ntfernung derselben von dem Gebirge, Kies, Sand
und Schlainin ahsetxten. Je niedriger die Ufer sind, destq mehr wird das
llache ITerhind mil Detritus UberschUttet. Vertieft sich im Laufe der Zeit das
Hell des Stromes durch Erosion, so werden auch die ursprUnglichen Alluvial-
ahlaiieruujzen, wclche auf bciden Seilen der Fltisse mehr oder weniger breile
Xonen bilden, \vieder vcrnichlel, uni neuen, liefer liegeuden Plalz zu machen.
Bleiben schinale Slreifcn der alien Gerollablagerung an den AbhSngen der bc-
uacliharlen Thaluehanizc /AirUck, so werden diese als Flussterrassen bezeiclmet.
So beweisen die Anhaufungen von Rheingeroll, 270 M. tiber dein jeteigen
Kheinspiegcl, dass der Rhein sein Belt seit ihrer Ablagerung uiu ebensosiel
\crliel'l hal.
Dort, wo die FlUsse ihre \\ assennassen in Seen oder in das Mcer crgiessen,
bilden sich uiitei uexsissi-n Bedingungen durch den Absatz mechanisch fortiie-
lahrten (;esteinsiualenales Deltas. Die Seen, welche von den aus dem Ge-
birtte tretendeu Fliissen durchslrb'ml werden, dienen deshalb als AbklHriiDgfl-
hccketi, in \\elche die (iewiisser, mil Schult ., Schlanun und Sand beladen.
einlreten und \\elche sie vollkommen klar ui\d ohne cine Spur mechanisch
suspendirler Theilchen \erlassen. Diesem /wecke dient beiin Ulieiu der Boden-
se<\ der \ier\\ aldstiUter See bei der Reuss, der Brienzer und Thuner See bei
dei Aar. der (lenfcr See bei der Rhdne. Die Delias, welche die Slrome an
ihr<Mi KinmUndunusslellen bilden, bestehen aus al>\M-cliseliideii Sand-, Kies- und
I.eliiulauen. uelche einiiesdwi'inmte Resle von Pflan/en. Land und Siisswasser-
Ihii'ren in iinisserer oder ueringerer Menue einschliesscn und zum Theil reizel-
miissiue. alUeili- llach abfallende, zum Theil aber auch und z\\ar naiuenllich
172 III. iKnamisclii' (icolo-ir.
l>ei iiii llochlliithen reichcn Slromen lioclist \cr\\orrcn gclagerte Schichlen bil-
deii. Die sclmcren (lescliicbe \\erden unlcr noniialen Ycrhaltnisseii direct ;iti
dcr Milndung des Flusses abgesetzl , wahrcnd S;nul uiul Schlamm \\eiter und
die feinen sclmcbemlen Theilehen bis zu noch grnsserer Entfermmg I'orlgeftihrl
werden. Die Sonderung des Gestcinsinaleriales nach der KorngriKse \\iirde
eine gleiclimassige und durehgehende sein, wenn die Stromschnelligkeit der in
d(Mi See tretenden Geuiisser sich stets gleich bliebe, da sie aber in gewissen
Xeiten durch Anschwellen dcr Stroiuc vcrurosscM't , in anderen durch Abnahnic
der \N"asscrniciii:c verringert wind, so werden auch zeit-weilig grossere Gescliiclic
und grober Sand so \\eil in den See geschleudert , als unter anderen Bedin-
uunucn die fcinsten Schlanimtheilchen gelangen \verden. Daher die Abwcclis-
lung grobor Kies- und feiner Lehmschichten. Die entstehenden Deltas
die Gestalt sehr flai-lier Kegel. So erstreckt sich das Delta der Aar bei
Einlritt in den Brienzer See etwa 1100 bis 1200 M. weit in diesen lotzteron
hinein : die abgelaeerten Schuttmassen bilden nahe der Flussmiinduni: eine
Boschung von 30 Grad, die jedoch mil der Entfernung von jener imnier flacher
\\ird und sich allmahlich an den fast horizontalen Boden des Sees anscluuiegt.
Die Bildung- von Delias an der Ausmiindung grosserer Strdnie in das Meer
\\ ird nur dort vor -sich gehen, \vo letztere durch vor ihnen liegende Uferwiillc
oder Diinen geschiitzt sind, so dass hinter diesen der Absatz der Flusssedi-
inenle in Ruhe vor sich gehen kann, ohne von dem Andringen und Ausstro-
men der Fluth und Ebbe gehindert zu werden. Deltabildungen setzen mil
anderen Worten einen flachen, wenig geneigten Meeresgrund an den Flussiniln-
dtmizcn N oraus, \\elcher durch einen Uferwall von dem offenen Meere geschie-
den ist. Dadurch werden Lagunen gebildet, in welche voni Flusse Sand,
Schlainm und schwebende Theilchen gefiihrt und dort in ahnlicher \Veise \\ic
in einem ruhigen Binnensee abgelagert werden. Durch fortgeselzte Xiederschlage
werden die Lagunen allmahlich ganz oder theilweise ausgefullt, so dass sich der
neugebildele Boden im Lauf der Zeit ttber das Meeresniveau erhebl und ein
llaches, von sich verzwreigenden Flussarmen durchfurchtes und seichte Seen.
die Uberreste der Lagunen, umfassendes Land bildet, an desseu Meen-sufern
sich die sandigen Uferwalle erheben. Nur ausnahms\\ <•!><• und /.\\ar liaupl-
siichlich in Folge von Menschenhand aufgefiihrter Strombauten Qberschreiteq
die Deltaabsatze diese Uferwalle und treten in das offene Meer vor. Die be-
deutendsten Deltas sind die des Rheines, der Rhone, des Po, der Donau , des
Nil, des Ganges und des Mississippi. Als erlauternde Beispiele der Dellabil-
duui: iiuigen an dieser Stelle kurze Beschreibungen des Delta des Nil. des
Hheiues und des Mississippi Plalz finden.
Das Delta des Nil ist eine vollkomrnen horizontale Ebene von 22,194 Qua-
dral-Kilonieler Grb'sse und von der Gestalt eines Dreieckes. Die naeh dem
.Miltellandischen Meere zuge\Nandle Basis desselben bildet einen weiten, naeh
die>i-ni zu convexen Bogen und ist gegen d;i> .Meer zu von einem sich iilx-r
da> Delta crhcbenden. nur stellenxNeise unterbrochenen. ebenfalls bogenformigen
Damm \nn DUnensand und sandigem . /.urn irmssen Theile \on Fnraminiferen
gebildeleii S.md>tcin. dem U'erN\all. der iiberhaupt die Moglichkeit der Delta-
HI. IK ii. Unix-he (uMilouie. ' ';>>
bilduim bedinglf, begren/t. Das Delta selbsl isl \on den beiden. sii-h wd-
r;,i-|i verwtfgenden Armen d«-s Nil dem sou lloselle mid dem NOI. Damielte
durchschnitten und \un \ier grossrn. sehr seichlen l.agunen unlerl.roehen, NNelehe
(.INN(1 r.uO Ouadral-Kilomeler einnehmen. M.MI Meer diuvli den U.'nxall gi--
t remit sin.l. nur Nermittelsl sel.maler rnlrrbrerliungen dieses lel/teren mil je-
,„.,„ omimmiieiren. ininier n.el.r von San.l und Sel.lamm angel'ilUt uud deshalb
einst Nollkon unen N ersrlm inden werden. Das ga .!/,«• Delta beslel.l bis /.U U
o.ler i:i M. Tifle aus l.(»ri/.onlalen Seliieliton eines IHM den |)eri..disehen I'ber-
selnviniHniiuen dt-s Nil al.uesel/.ten leinen. brauni'..llien l.el.ines. m.ler NN ,'lchrii
si.-li Ablauen.nu.'i. \..M M.-eressand ansbrcilen. Die Absat/e dcs NikNassers ini
(.ebiete des Delias we.'den anl (i I Mm. ini Liiufo von 100 Jahren geschiil/l.
Aus alle den, uel.t he.'vor. dass der Nil ursprUntili^ i" «''»« But'ht mtind.-t,-.
uel.-he na.-li den. Meere;zu \on i-im-in ri'erwalle beuren/.t NMird.- und \seMie
.tllmiihlirli \nn Nilsehlannn juisgefUlll und so zuin -Nildella uinii«-\\iind«'ll \\unU-.
In turn/ iilinlieher Weise sind die Deltas des IV) und der Hhone entstanden.
.meli sie besit/.en einen dem Meere zuiiouandlen fferwall. Auch die Al»laue-
inn- des Hheindella \\urde durch einen solchen ermOglicht, nur wurde dieser
i,, i-oli-,. der allniiihliehen Senkung der norddeulschen und hollandisc-hen Kiisle
,md daduivli bedinuter EinbrUche des Meeres an vielen Slellen durchbroclien
nnd ist deshalbjet/.t tlieilNNeise durch Seen vom Fesllande gelrennt. Die Inseln
in, Norden des Xuider Sees und liiniis der friesischen KUste bis zur EinHrtlnduBf
der YVeser -ehiiivn diesein ausuedehnlen DUnen\\alU- an. Zwischen ihnen und
dem Festlande dehnten sieh ursprUnglich flache, langjjezogone Lagunen aus,
deren »«.deii \mi diluvialem, mil nordischen Geschieben gemengteni Sande ge-
bild.-t \\anl. aul \\eleliensiehdieschlammigenund sandigen Anschwemmungen
des Hlieines. der Maas und der Schelde abs'el/len und alliniihlich die Lauune
iuislullu-n. Sn entstand durch forlgesel/te Ablagerung des Flusssclilamnies und
«|;./.\\i.M-li.-n fallende Torfbildung das uber 60 M. machliiie Hheindelta und <lie
Mar.sehliinder der benachbarlen KUsle.
D.IS Ih-lta des Mississippi besitzt uber 320 Km. Liinge, Uber 300 Km. Breile.
l.esteht aus iiussersl tlachcm, niedrigem Lande, welches jedoch vviihrend des
-inssien Theiles des Jahres von einer trUben Fluth uberschwenunt ist. Das
Delia \\ird ausser durch den Ilauptstrom des Mississippi, welcher sich kura
VOC seiner AlUndung in den (iolf von Mexico in •"> Anne thrill, von einer be-
druleuden An/.ahl sich vielfach verzweigender Nebenarme ,Ha\us durchschnitlen
und N.in Siimpl'en und (lachen l.auunen unterbroehen. Die Miiehli-keil der
Della-Abs;il/e l»eiriigl gegen 200 M., ihre Anschwennnung und Abliigrrung gehl
jediM h >o sclmell vor sich, dass in kUr/ester Zeil die bedeutendsten Veriinde-
nin^en der C.mturt'ornien des Delta hersoriiebraeht \\erdcn, ja dass die Sand-
biinke der siid\\cstlichen Haiipliniindiiiig des Mississippi jiihrlich in einer Hreile
\<>n l^lii M. urn mehr alsil2M. vorrticken sollen und demnaeh der urspriing-
liehe ri"er\\all liintzst \er\\isehl und ilberschrilten ist. Dies m;ig seinen (irund
darin haben, dass die Fluthhohe ini niexieanischeii tioll'e cine ausserordenllieli
geringe ist und nur elwa •/:» ^'- '"''^'K1-
(Ian/ anderer Art sind die Krscheinungen in Flu.sMniinduniren . welehe
1 7 I III. IK li:iliiisrli(> <ieoloi,'ie.
nicht son U'eruiilleii umgiirlet \\erden. sondern frei mid olVen sind und
Aeslnarien genannl \verden. In sie driingl sich. x\as in andereii Fallen durch
die DttnenwttHc verhmderl \\ird, die Fluthwelle em, strbmi dcm Fhisswasser
dfl :.'<) oder inclir .Meilen weit landeiimiirls enlgegen. slant sit- \\ie cin \or
dringender Damm auf und \er\\andell deren He\\egung in rim- dt-r unrmaleii
enlgegengesel/le. Mil dcm Wcchsel der (le/.eilen beginnl sich die Flulh .•iiieii
aiis dein Slrome y.uriicky.uy.iehen. seine his dahin uesl.-iiiten \V;I.SMT strii n
mil erliulileni (iel.ille der MiindunL! xu und ivissen die \\iilirend der l-'lulli/eil
;il»L;esetzten Selihinuu und S;indiu;issen mil grosser <ie\\;ill n;icli dein Meere
und \\eit in dieses liinein. stiill sic. \\ie hei l;lussiniinduni:e!i. die duivh ri'er-
\\iille izeseliiit/l und mil l.aiiiineu ruhiiien \Vassers \ei-selien sind, y.u Delias
aii/.nliiinl'en. So bedinid es der Mangel eines rferwalles, dass der Ama/.onen-
slruin truly, der unueheueren Menge von Schlamm und Sand, mil \V(»leher seine
\\asser heladen sind. kein Delta bildel, sondern dieselhen in das oll'ene .Meer
hinaus 1'iilirt. Hier fallen die groben Theilchen nieder, der feinen Triibe aber
bemiielttigt sich der von Afrika quer durch den Ocean kommende .Meeresslroiu
und Iriiiit sie in der Richlung nacli den Anlillen zu fort, bis auch sie sieli all-
miililieh /u Boden senken und Schlammal)lagerungen bilden. In anderen l;all<in
\verden die 1'einsten, meehanisch ini Meereswasser suspendirten Theilchen in
hilize des holien specifischen Gewichtes des lelzteren, sowie der durch Stiirme.
dureh die Gezeiten oder durch Stroiuungen hervorgebrachten Bewi'guniieu des
Meeres zieinlich weit in die hohe See hinausgefilhrt und liefern hier das Ma-
terial des sich auf dem Grunde der Oceane ablageruden, ausserordenllich fei-
nen, kaum fiihlbaren Schlamines. Durch die Wechsehvirkung /Avischen der
Stroniunii der Ebbe und Fluth einerseits und der Fliisse andererseits kann je-
doch auch die Entstehung von in die See vorgeschobenen Uferwiillen bedinul
\\erden, vvie am Schlusse des niichsten Paragraplien gezeigt werden soil.
§. I?. Die mechanische Tliiitigkeit des Meeres. Nur der beweute
Ocean Ubt eine mechanische zerstorende oder Iransportirende Thiiligkeil aus.
Die Meereswasser werden durch die oceanischen Strom ungen, die (ie-
zeiten, Sturmesw ogen und Wasserbeben in den Zustand der Hewe-
gung verselzt.
AVerden m auch die oceanischen Stro'mungen durch die Geslall und
die Lage der Meere, innerhalb deren sie sich geltend machen, auf die mannig-
faltigste Weise modificirt, so bleibt doch das allgemeine Gesetz, \\clchein sie
liberal 1 unlerworfen sind, das nehmliche und bethiiti^l sich in alien Oceanen
durch folgende Erscheinungen :
1) Sowohl in den nordlich wie sildlich vom Equator gelegenen Meeren
machl sich cine \\irbelahuliche Meeresslromung bemerklich. \\elche innerhalb
der Tropen von Ost naeh \Vesl gericlitel isl, durch die Westkiisle der Oceane
(also die Ostkdste der Continenle von ihrem urspriiiiglicheu Laule abgeleukl
\\ird und sich auf der sildlichen Halbkugel naeh Siiden. auf der niirdlicheii
Hemisphiire naeh Norden wendet. uni von hier (lurch die gem;issii:le /one ynm
Aecjuator /uriickxiikehren und ihre alle Hichlung son Ost naeh West wieder
einzusehlagen.
III.
2) die sieh rilckwiirls \\endende. also um West naeh Osl ^friehtflf Stro-
king UieHt sich in zwei Anne, deren einer sirh. *fc el.en hemerkl, den. A.iu;,-
(oriaistron.f wieder /uireselll. wiihivnd d.-r andf.v den, Pole /ulliesst mul von
(lor! ;ils Polarstrom naeh den Tropen zurilekkehrl.
:i Der xrrsrl.if.li-n.-n Sehwere d.-s kalten Polarslromes un.l d.-s NMirmeren
\qi.al..n;.l.slrnmf> wegOT n.-hmen difSf beiden StriimungeM in d.-n Meeresredo
,„-... NNO si.- sifl. tiviifii. xersehi.-dene. aratere tifffiv, Ift/u-iv l.nhf.-.- Nisf.ms
ein; .l.-r A.|iiiitori;»lsln»in lli.-sst dfshalb Uhfr ilfii sit-li in fnt-fiifnufscl/tfr
Itichliinu l>«- \\fUfnd.Mi. U.-NN isM-rmaassfn untf rs.-f isclif n Folarslroin liiimfiz. l.fl/.-
ifivr trill nur'jin dfit Kilslfii dfs Ffsthuules oiler an seichlen 1'ntiflVn an die
Ol.crlliiflif.
S..\\olil die Wjisser des Allantischen, wie des Stillen und Indischen Offa-
,,,-s sind dfi-arliiii-n Slroinun-f n unlciAvorfcn. In drr niirdlifh von. AqualOf
-flfu.Mifn Iliilltf dfs Atlantischon Oceanfs \vird der naeli NV.-sifn -.-rifhlflr
Sirnin duirh dif \\fslindisfhc Inselreihe nach Norden abgelenkt und fliesst iiim
in nordostlidifr Rifhluni^ als Golfslrom in fini-cr Kntfornung von der Oslkilsle
N.,rdanifrikas his nacli «len Neufundlandbiinken, urn sieh von hier aus suif
l-nropa x.u \vfnd.-n. Unlfrm^s llu-ilt er sieh in einen sUdostlichen und ein.-n
nonlosilifhiMi Ann. Erslnvr slrbml wieder nach den Tropen und schlifsst
dainit dif Slrumungsellipse, deren Mittelpunkt die rait zusaininengeschwenunten
Tan-.-n hfd.-fkl.- Saritasso-See bildel. Der zvveile, nordliche Arm des Golf-
sirniiif.s fliesst z\\isfhfii GrossbriUinnum und Island der Kusle Norwegens enl-
lanu und kfhrt an der Ostkusle Gronlands und durch die Davis Strasse, Eisbergf
mil sieh livilw-ml, nach der nordamerikanischen Ostkuste zurUek und folgt ihr
I, is nafh \Vesiindien und die Ktlste von SUdaraerika, wo er sieh alhnahlich verliert.
Die Ost-West-Slroinung das Atlantischen Oceans slidlich vom Aquator
l.i.-l sifh in der Niihe des sUdamerikanischen Gontinentes sttdlich nach Rio
.lan'fin. /u und von da sUdosllich auf das Cap der guten Iloffnung, um von
dnrt ans in abiickahllem Zustande nach den Tropen zui-uckzukehren.
Im paciiisrhen Oeeane wiederholt sicli dasselbe Spiel, die Kuste von Japan
\\ird \on cinein n5rdlichen, die von Australien von einem sUdlichen Aqualo-
rialsirnnif bespUlt, vvelcher letztere bei seiner Ruckkehr nach den Tropen dif
NV.-slkiiMf SUdamerikas berUhrt und bedeulenden EinOuss auf deren Klima
ausiil.l. Mffivsslromungen vcnniltfln Uberhaupt cine Ausgleichung der exlr.--
ni.-n Tfni|)fraluivn \\.-il fiillf rnli- r ocfanis.-lifr Regionen, indem die tn>]>isclien,
anliin-lirli \\fsl\siiitsgeFichtetenStr8me an die Meere, welche sie durehfliessfii,
und dif Kiisien, welche sie bespUlen, Wiirme abgcben und dann in ahii.-kilhl-
UMII /.ii>iandf in dif a.|iiaiorial.Mi Zonen zurQekkehren, um dort die irnpischf
Ilit/.f x.u mildern. Die Hedeulung dieser klimalischen Beeinllussung von Seilfii
d.-i' .Mffi-f.s.stn.immufii trill in den grossarligcn Sterung.-n des nonnalen Ver-
laufes d.-r o.-eanischen Isothennen am ilbfn-aschfndstfn hervor. Durch den
Golfslrom \\erden die nordallanlischf n Isolhermen \\eit nach den Polen zu hin-
ausiiedriiniil. wiihivnd die Isolh.-rinen d.-r gomiissiglen Zone an der \Vesl-
kvisif SUdanifrikas durch den zuruekkfluvnden und stark abgekUhllen paci-
tisfhen Strom bis Uber den Aquatcr hinaus gerUekl wenlen.
Die einfachsle AusSeTUDg (Iff (le/eilen M das periodische Steigen des
Meeres ,ni den Kiislen das Kindringen der Fltithxxelle in die Fliissc und das
y.eilxxeisc Aufstaueii der lel/.leren und endlich die regdmiissig \xiederkehreiide
Dbeifhllbling der llachcn Meeresufer. xxdche d.niii ;ils Sal/mars< -hen be/eidmet
xxerden. Die Unite del- Huth belriigl in der Mille des Ocranc.s \\eniger als
an den (lonlinenlen und xxird liier durch d;is Coin ergiren /.xxeier Kiislen
/\\ischeii xxelche sich die Fluth driingt. nodi \ erun'issert. L««tzlere> i>t /.. B
ini liolf NOD Ciililornien und nodi iirnss;irlii.'er in def Kuiulx B;i\ tier l;;ill. \\o
sie Hi bis :Ji M. crreiclit, \\iilirend sie in der Mille des Allanliselien Oceanes
/. H. in St. Helena, kaiini I M.. an der Oslkiisle Nordainerikas -2 i M. l»e-
iriiiil. l)i<- dnrcli die Flulh er/.eui-le Stromim^ ist nanienllich dorl cine heftiije.
\N(» sich die \\ a»er dmvli eine en^e (')Hiiuiii: driinu»Mi iniissen, uin in ein \sci-
le> liasin (tdcr eine Ha\ 7Ai iiclanizen. In d»Mii TsieTi-taiiiZ Flus* in (lliina stiir/t
sich (lit- Flulh \\ie ein sich \or\viirls l»e\Ne^ender NVasseiiall \on I Meile Breile
und \<>u 10 M. Ilohe 16 Meilen \\eit mil finer Schnellii;kcit \on •"• .Meilen die
Stunde hinaul'. uni sich hei eintretender Kl)he elienso plot/licli y.uriickzuy.iehen.
Ahnlirlie l-.i>clieinungen sind in der Fmidx Ba\ nnd den in diesellie niiindenden
Fliissen, soxvie in deni Aina/.onenstroin hekannl. Audi die sich in Fol^e del
einlrelenden Kbhe /uriick/.iehenden \Vasser bexxirken oi't eine aiisseronlenllich
reissende SlriJinung.
Durch \Vinde und Stilrme herVorgel>rachte Wogen und Sti'oinunucn er
hallen die Oberlliiche des Oceanes in steter Bewegung und hexxirken dadurch
die hramlung an der Kiisle. (lurch xxelche die /ersliel»len \Vellen :}<> und inehr
Meter hodi izexvorfen werden konnen. In \Veslschottland anuestellte Versuche
/eiiileu. dass die von den Wogen ausgeiilde Kraft in Soiuineriniinaten durch-
schnittlich 27i8, in den Wintcnuonaten jedoch 9387 Kgr. aut' den Quadrat-
Meter betrug. Da sich die von den Winden gegen die Ufer gexvorfenen und
ln-andenden Wasser unterhall) der nachsten, bereits ansliirnienden Welle /uriick-
/.ielien, was auch bei den xon Winden hervorgebraditeii. gegen das Land ge-
richleten Striiinungen der Fall ist, so enlsleht eine rnterstrb'niung in entgegen-
gesel/ler KidiUing als die der Oberflache.
§. 13. Zerstorende, transportirende uud wiederabsetzende Thiitig-
keit des MeereS. Die niechanische Thatigkeil des Meeres kann. xx ie die der
Iliessenden (iexxiisser. cine /erstoreiide. transportirende und abset/.ende sein.
Dei- /erslbrende Kfl'ecl der See auf ihre Kiislen beruht auf del' Iliihe del1 Fluth.
;uil' der Hichlung und Schnelligkeil der Fluthxxelle. auf der Hichtung der xnr
xxallenden Winde und Stiirme, auf der (Jexvalt der NVogen. auf dcr pelrngra-
phischen Beschall'eidieit und dein geologischen Han der 1'fer, soxvie auf den
Onnluren und der Sleilheit derselbon. (iranil. (Ineiss. Sxenit. Hasalt xxider-
slehen dein Anprallc dcr Wogen besser, als Sandstcin. Mergel und Kalkslein.
— an flachen. sandigen Kiislen trill niehi1 die aufbauende I'liiiligkeit des Mee-
res herx»»r und eine an Vorgebirgen und Huchlen rcichc Kiisle xvird durch die
Vei'inelirnng der Angrill'spunkle unler sonst gleicheii VcrhiiltnisM-n eine v|.irker»-
Xersliirung nnd Veriindei'ung erleiden . als geradlinige Slrecken. Die Wi.gen
do ()ce;ine> xxirken mil der y.crstorenden Krafl eines \\ .is^.-rfalles auf die
III. Dynainisclie Cioolo^itv
Kilsten uelrhe unler diose.n Kinlh.sse bestandiuen Yerandenmgon nnlerv,o,-!en
siml Die Steilen IVlswande dor lUVr, die Schrdffen 1-Vlsklipprn an .lor Sec-
kilslo verdanken ilnv ConU.ren der Krosinn d.-r Wogen, welehe d.eselben an
ih,vr Basis i.nlrrwuhlen, so dass die oberen I'arlien derselben nachstiir/en.
|)i,ser Hruehsliieke bemaehli^en sich die Wellcn, /.erkleinern sic, runden ihrc
Bcken und kanten al, und sehaiVon auf diese Wrisi- die Rollstueko, den Kic:
i,,ul Sand. v,ie sir die Kiiste mnsiiumen, und den feinen Scl.lanuu der an
manclu'ii St«.|lrn al^.-si-Ul wird. Dio (ii-sladr .Irr Inscl Helgoland, SONY..' die
IHsi-rn Kil^l.-n von Norfolk und Suffolk in England zeigen, wie grossarlij? die
.er^frende Marl,, dea MO...VS 1st. Im Laufe dor Jahro 1S21-1N-.. rtlckten
,lir Irt/.l'-enannton KUsten niehr als 1G M. landeinwarts, zuglcich nalnn d.o Vrtu-
fun- dos ' Mooivsuruiulos so zu, dass Frcgatten von ttber CM. Tiefgang Ubor one
SU-'llr scgeln konnton, wo sich vor 48 Jahrcn ein Pels von 23 M. Iloho orhob.
Was die Thaligkoit des Ocoanes als Transportmitlel der in densell
-vfiilu'ton Sand- und Schlammmasscn bctrifft, so boschrankt sich diesclbo fast
alh-in auf schinale und flnche, von don Wellen aufgewUhlte KUstonstnche, und
•war isl sic bier darauf gorichlet, die aus don Flussmtlndungen herausgo-
s,.hxv.Minnl.Mi Schutt- und Schlammmassen an die Ufer der Goutinente zurUc-k-
/iiliviU-n und dieselben dort abzusetzcn. Weder Ebbe und Flulh, noch Slur-
mrsN>o»on dienon zur Verbrcilung des Flussschutles und Sandes, im Gegen-
U,,.il.. drtngen sic diosolbon an die Kuslen und bcfreien das Meer von jnecha-
nisrhen Verunreinigungen. Deshalb kbnnen sich auf dem eigenllichon MIMMTS
m-undc koine klaslischen Gestoino, %vio Sandsleine oder gar Conglomerate b,l-
',len, dcron Ablagorung auf die KUstcnzoncn beschriinkt bleibt. Nur die von
den Wassern in Suspension gohaltencn feinslcn Schlammlheilchon erhalten,
begUnstigt durch die Strbtnungon des Moercs, eine weilero Verbreitung in d.o-
scra, vortheilen sich jedoch iiber so enorme Areale, dass ihre Anhaufung zu
niiU-iitii:.-n Al.lagerungen sehr langsam vor sich geht. Die Sand- und Kies-
n.asse.i, Nvelehe die Fliisse dem Occane zufUhren, verniehrt um die Producle
dn- /rrsloivndrn Meerosvvogcn, wrrdrn von den Wellen zu Ufenvallen aufge-
wwfen, wo die Wogen unabliissig an ihrer Zorkleinerung arboik^n, die femcn
Sandkornchen mil sich zurUcknehmen und an dem Fusse des aus don. zurilck-
l.lribondcn grobercn Materiale bestehenden Dammes wiedor ablagern. Auch
an dem Ausgange flacher Buchten thurmen sie sich auf und verwandeln dies,-
alliniihlirh zu Binnensccn odor Lagunen. MUndon FlUsse in diese let/leren ein,
so win!, wie lYiiher gezt-igi, «leren Absaizen Gclegenheit zu Deltabildungen
und allmiililielier vulliger AusfUllung der Lagunen gegeben. An alien Kiislen,
,m d.-nen sich uberhaupl Raum zu ihrer Ausbildung lindH, /eii^en sieh diesc
Uforwalle, In Dcutschland zieben sie sich von Schleswig die Nordsce ontlang
bis naoh Holland, an den Gesladen der Oslsee treten sie als Nehrungon zwi-
Khen den La-unm der FlussmUndungen (den Haffcn) und der offenen See
auf. Solbstan Stollen, wo diese rferwiille durch 1-lussmUndungen unlcrbrorhon
sehoiuen, sind die Ltlckon nur oberlliiehliel., indom eine Sandbank, die Bar IT,
in dor Forlsctzung des Ufei-walles die MUndun- der moisten grosseren StrOme
tinor durchzieht.
40
( ' i i- A ii o r , Elemento tl. Geologie.
178 III. iHinmi.M-lie
Niruends >ind diese Mii^oclinbeiien untl VOID Fe^tlande (lurch einen Stricli
llachen \Yassers getrennten ITcrwidle so vollkoiiiiucii 9USg$bild@t, ^ ie an der
()>tkiisle Nordamerikas von Long Island bis Florida, und x.\var iKimcnllicli in
dcr Nachbarschafl dcs Cap llalteras. Hire Hildung lasst sicli hier ganz beslimmt
auf die \Yecliscl\\irkuiii: dcr (ic/.eilen und der ausseriieublmlich /alilreichen
Flilsse und Strbme /.uriickfilhren. In lelzlere dringl die Flulh, staut sie an,
ilbcrsehwemmt das benachbarte Flachland und bringl die Wasser eine Zeit lang
z u in Slehcn. In Folge davon gelangen ilire Sand- und Schlaniniinassen zum
Absatz. Bei einlretender Ebbc beginnen die Flusswasser sich in Bev\egung
zu setzen, ihre Niederscblftge wieder aufzuwuhlen und nach dem .Meere /u
schallen. Auf den llaelien Kiisten/onen angelangt, breiten sie sich aus, hnbcn
den \Yidersland der Meereswogen zu bekiimpfen, verlieren dadurch ihre bis-
herige Sehnelligkeit und selzen ihre Schlamm- und Sandlasi von Ncueni ab,
- es entstehen die vorgeschobenen Uferwalle. Die Enlfcrnung dersel-
ben von der MUndung der Flilsse hangt von der Grosse und dem (iefalle dieser
lelzteren, so\vie von der Hbhe und Starke der Fluth ab. Innerhalb der neu-
gebildelen Lagunen (Sounds) geht ein continuirlicher Ausfiillungsprocess vor
sich, weleheni die flachen Kilstenstriche am Atlantischen Oceane und am Golfe
von Mexico ihre Entstehung verdanken. Bewirkt jedoch die aus dem Flusse
y.uriickkehrende Ebbe cine sehr starke Strb'mung innerhalb der Lagune, so be-
nagl und zerstbrt diese die Innenseite des Uferwalles, wahrend die Anschwem-
mung, also Vergrosserung desselben vom Meere her ununlerbrochen vor sich
geht. Auf diese Weise riicken die Uferwa'lle langsam in den Ocean vor und
werden gefolgt von den an Ausdehnung zunehmenden Flussmarschen. So
wachscn die Continente an der einen Stelle, wahrend sie an der andcren der
Zerstdrung durch die brandenden Wogen ausgesetzt sind.
In manchen Gegenden vvird das Material der Uferwalle dureh kalkhaltige
Ge \\iisser zu einem Conglomerate verkiltct und dadurch zu einem festen Ge-
sleine umge\vandelt, meist aber bleibt es eine so lose Anhaufung, dass die
von der See wehenden Winde den feinen Sand von den groben Gerbllen und
Kiesen Irenncn, ihn zuDiinen aufhiiufen und als Flugsand landeinwiirls Irei-
ben. Die Dilnen sind ode, nackte, langgezogenc Hiigel oder zu mehreren par-
allel hinter einander liegende Hilgelreihen, welche 10, 20, ja 60 M. Hbhe er-
reiehen und dadurch entstehen, dass der Wind den wahrend der Ebbe trocken
geleiilen Sand hilgelartig zusammenfegt und vor sich her Ireibt. In Folge da-
von sind die Dtlnen in einem besliindigen Vorriicken in das Feslland beg rill en
und sind im Stande, fruchlbare Flurcn in ode Sandhtigel zu verwandeln, ja
allmahlich ganze Dbrfer zu vergraben, von denen nur noch die Spilzen der Kireh-
thilrme und .Kamine hervorragen.
I berall zeigt es sich, dass die augenblickliche Erscheinungsweise der Erd-
oberlliiehe nur ein vergiingliches Bild in dem rmgeslallungsprocesse unseres
Planelen, nur eine momentane (Jruppirung des ruhelos wandernden Stofles ist,
weleher nur scheinbar eine gewisse Slabilitat bewahrt.
Kin Ereigniss, welches sich im Laufe der Kntwieklunusgeschichle der Erde
oftmals \\iederholle, war das allmiihliehe Unlertauchen eines Conlinenles unter
1IF. Dynainisrlio Gooloi^io. 17!)
den Spiegel des Meercs, welches sich iiber ilin ausbreilele und sofort seine
Thiiligkeit auf dessen cinstmaligor Oberllache bogann. In demselben Maasse,
wio os sirh auf Kosten des Fesilandos vergmsserte, riickte cs seine sandigen
DUiion inimer weiler landeinwiirts. glich Thaler uuU Yerliefungen wenigstens
/inn Theil aus und stolllo ebono Fliichon her, .bis allmiihlich jede Stelle des
iianzon Continents einnial Kilsto gewesen und als solche vorn Meere bearboitot
und umgestaltot worden war. Gebirgige und felsige Partien untcrwusch und
bonaiito os und sudito mil doin so hergeslellten Gerblle und Sand die Thaler
iius/ufiillon, kiir/. os arboileto darauf hin, alle Unebenheiten mb'glichst auszu-
dciohon, oine Tendonz, welche auch seine Niederschlilge verfolglen, nachdoiu
d;is oijisliao l-'ostland hereils zum Grunde des Oceanes geworden, und welche
ondlich von Neuem hervortral, sobald sich der Meeresgrund \viederuin langsain
xuin l-'estliind orhob, vvobei von neuem jeder Punkt desselben eine Zeit lang
Kiisto und dor ausgleichenden Arbeit der Brandung ausgeselzt war. In alien
Hiohlungon \vird das Wasser seiner Aufgabe gerechl: auszugleichon, was dor
Yulkanismus aufgethilnnt und die Oache, ursprtlnglich von Gebirgen noch niohl
unlorbrochene GesUilt der Erde wieder herzustellen.
2. Das Eis als geologisches Werkzeug.
Die Mitwirkung des Eises auf die Gestaltung der Erdoberniichenvorliiilt-
nisso lial sich dor Nalur der Sache nach weniger durch VVassereis, als dutch
dit1 grosseren Ansammlungen von Landeis, welche man als Gletscher bezeich-
not, goltend mac-hen konnon.
§. 1. Weseil der Gletscher. Glclscher sind Eisstrome, welche in don
Firnschneefeldern enlspringen und sich in langsamem Flusse thalabwUrts be-
woi-cn. Ilir Miitoiial besteht aus festen, harlen Eiskb'rnern (siehe pag. 32),
\\olche zu einer compaclen Masse verschmolzen sind. Lelzlere ist nach alien
Kirht linden von ausserordentlich feinen, sich nel/formig kreuzenden und ver-
/weigondon Haarspalten durchzogen. Das Gletscher-Eis entsleht aus Zusammon-
schmelzen des Firn-Eises, dieses duroh Abschmelzen der Firnschnoekryslallo /u
rundon, losen oder durch Eiscement verkitleten Kb'rnern. Die Heimalh des
Firnschneos sind dio hiichslen Partien des Ilochgebirges, sowie das Innore des
polaron Festlandes, wo er sich als Niederschlag der almospharischen Feuchtig-
k(>it bildof. In geringeren Hahen und in polaren Gegenden in grb'ssercr Niiho
des Meeres bildcl er sich zu Firn-Eis und in noch lieferen Niveaus zu Glolscher-
l,is HIM. Die Firnschnecfelder sind domnach die Eisroservoirs, aus denen die
Gletscher enlspringen und crniihrl werden, so dass sich Gletscher und Schnee-
folder zu einander verhalton. wie ein Fluss zu dem See, welchem er Abfluss
\orsehalVt. Ks bewegt sich also auch die Firnmasso fort und fort thalabwiirls,
bis sic in oben angegobenor Woiso in Glelschereis umgewandelt wird und dann
als solches die Howegung forlselzt. Es sind demnach zwei Bedingungen, von
denon die Entslohung der Gletscher abhiingig isl, erslcns die Existonz kessel-
formigor Erweilerungon der Thalenden, deren Boden nur eine geringe Noigung
bositzt. und zwoitens dio Lage diosor Kessel obcrhalb der Schneelinie, so dass
12 *
]sn IFF. l>M>.iiiiiM-lif fn-i.l..
sich d.irin izrosse M.I»I-I» des Kirn anhiiufcn kiitmen, ohne alljiihrlicli W<
schmelzen.
§. 2. Bewegllllg <ler (Jletsclier. Die (ilelschernusse dcitcl imaufliallsam
tint! besliindii! lhalalw in I-. Sic bclindel sich in eincin plaslischen Zuslande,
in Folge dessen ilirr Be\\( -^iin^en durdi Yerengungen ilnvs Belles nder I'nehen-
heilcn drs Bodcns nieht \erhinderl werden, viclniohr schmicL-l sic .sich den
lel/.teren an, quilll durch Engpasse hindurch und breilet sich l>ci KrucitcruiiL:
drs Thales wieder aus. Trill ciner vorrilckonden GletscheTmasse cin Fdscn-
riff in den Weg, so schiobl sic sich an demselben in die Hohe und Uber das-
selbe himveg; in iihnlicher Wcisc driiiiL't sie sich Felsenabluin^c liinab und
spallcl sich dabei in verschieden geslaltHc Kisblb'ckc. Mehrere Glelscherslrome
konncn sich zu eincm Haupltiletscher vereinigen und verschmel/cn dann zu
einer einzigen Glelschermasse. Uber das Wesen der Gletscherbe\\ci:uni: stchen
folgcnde Thalsachen fest. Die von der Hohe nach der Tiefo uciichlctc I3e\ve-
gmii; des Glelscher-Eises isl eine regelmJissige und beslandige, nie ruck \\eise vor
sich gehendo, \\elche nicht nur auf den Sommer beschriinkl ist, sondern sich auch
\\iihrcnd des Winlers belhaligt. aber in lieissen Jahreszeilen slarker als in
knllcn isl und namenllich durch Regen und Schneeschmclzen begiinsligl wird.
Kbcnso Irilt auf sleilen Senkungsllaclion bei sonst gleichen Vcrhaltnisscn eine
Beschleunigung der Bewegung ein. Die gesammle Gletschermasse belheiligl
sich jedoch an dieser steten Forlbewegung nicht in gleichem .Grade, es verha'll
sich vielmehr der Glelscher in dieser Beziehung durchaus \vie ein Slrom, in-
dem seine inilllere Zone schneller vorriickt, wie seine Hiinder, seine Ober-
fliiche schneller als sein Boden. Eine quer ilber einen Gletscher gezogenc u<--
r;idc Linie bildel sich deshalb nach einiger Zeil zu einer erst flachen, dann
sich immcr sUirker krQmmenden Kurve aus.
Die Griisse der Gletscherbewegung ha'ngt von der Masse des Glelscher-
Eises und der Sla'rke der Neigung seiner Unterlage ab, schwankl demnach in
weilen Grenzen und belragt zwischen 15 Centimeter und 1,30 Meier liiglich.
Nininit man als gewohnlichsles Maass derselben 20 bis 30 Centimeler pro Tag
an, so enlsprichl dies einer jahrlichen Bewegung von etwa 75 bis <10 Melt T.
Das Maass der Glelscherbewegung ist jedoch nicht nur bei verschiedenen
Glelschern, sondern auch bei den einzelnen Sectionen der Langenerslrekung
ein und desselben Glelschers in Folge der wechselnden Neigung des Glelscher-
beiics cine verschiedene. So bcwegen sich gewisse Glelscher in der Mille
bedeutend rascher als an dem unleren Ende, \\odurch eine Zunahme der Dich-
li.^kcit des Eises nach unlen zu bedingl \vird. Die Bewegung des inillleron
Theiles des Aargletschers verhall sich zu dem seiner unleren Endpartic NNic
• !7 7.11 2.}; in Folge der dadurch stalKindenden Compression wiegt ein Kubik-
meter Eis vom Ende dieses Glctschers 72 Kilogramm mehr als ein solcher aus
der Mille desselben.
Die Fiihigkeil des Glelschers, sich zu bewegen, beruht auf der Plasliciliil
i'- Eises, \\elehe das Glelsdicr-Kis in Folge der dasselbe durchsclisviinnenden,
i- enthaltcndcD Haarspallen und in Folge seiner kiirnigen ZusdmmensetsuQg
in i-rhiihlein Maasse besilzl, namenllich aber auf der Leichligkeit, mil weh'her
I W 1
III It . . . I , . , j 1 , t. ll I I ' • 1 1 1
dasselbe ... Slttcke brirhl i.ml sirl. .lu.vl. Zusainin^nfrlefen dor Conlao.llarhon
wieder /n einer gleichformigeii Masse voreint. Efo in Bewegung bounilonor
Glelscher befindet sich i... /iiMand.- des bestandigon ZersWckelns und Wieder-
MMviiiiulxN.Td,-!.*. Am aullalli^lon ist diesef Vofgang do, wo sich o,n Glrlsrh
iUn-i- cine Felswand siur/i un.l an dereq Fusse >u oinom HaufWerke NO,
slnrkon /orlrummorU werig unlorhalh die*6S PttrikteS ftbef W&der als fflde
li.lo EusainmeDhangende Gteischehnasrt erscheint. Kiiic dcrarlige BeweglM
keii der einielneti ThriU- dos (ih-isi-hc-r-Eisos bcPahigl den Gletecher, .Inn gtf-
walUgeo D.-u, kr. den .soi.u- eigeQe Mn.ssr narh union ausiihl, ui folgen and voi
hoi,,.,- url.-urncn I'nnklcn na.-h ticfereii /u glcitcn.
§.3. riilt'iT (Jreu/c der Oletschcr. Die Brwrgung dor (iU-tsdu-. ,
Biufelao aur/nfasseii, als oh oin llialalmarls grrichUstes VorrUi-k.-n deS nnl.-i-on
GleUcborendes mil (U-rsrllu-n Nn-kntlpfl Wflre. Kin solchcs trill iiur .lann oin,
wenn .U-r Kinlluss dor hon-sdu'iulon Tcmp.M'alur cin steles Forlsc-l.ro
Gtetecbers naoh ,lon. Tiol'lando /u ^slaltet , also nur in polaivn Co^ondon,
svalnvnd in dor uonu.ssi-ton un.l heisscn Zone iln-cr Ausdohnunj- nach unte
(luirl. dio NNiirn.oro Tomperalur eino Groiuo goscl/l wird. Diosos Nivi-an, die
S-liiiu-lzlinic (nichl zu verNvechseln mil der Schncelinie), kann dor (il<-lscl.or
,,i,.|n ttberschreilen, indcm sc«in Ende in dcnisclbcn Verhallnisse abgeschraolzeto
NNir.l. in welcbem (llolsolionnasso zuslrUmt. Die Glelschergren/e licgt de.nnaol.
iu (|.iu Nireau, wo bcido Klon.onlo oinander das Glcichgcwicht hallen, so dass
,lir Sd.noolinio dor Glelscher oft liber Tauscnd Meter ausserhalb der Schncc-
linir y.u snohenisl. Do, •rnl.-.-i'rindelwaldglclschcrdriiiglUbcrlSOOM.uiilcr Ictztero
sor. Ganz constant ist die Schraelzlinic nicht, ist viol.nehr je nach dor Vor-
M l.i.Mlonhoit der Tempcraturverhaltnissc in den auf einander folgonden Jahren
gcringen SrhxNankungen unterworfen. Trelen ktlhlc , fcuchlc Jahrc cin,
wShrend dorcn viel Fimschnee gebildet wird und wenig Eis abschrnilzt,
M rU.kl der Glctscher wciler ins Thai hinab, ist in warmcn Sonnnern
d-is Absrhinclzcn Ubcrwic«cnd, so ziehen sich die Glctscher schcinbar zurttck,
uml es u.M-don Theile des Thalos entblosst, welche frUher von Eis bedeckl
\\aron.
Die Meereshb-he dor Sch.nel/linic der Glctscher wird vorzugswo.s
dir 'riMnporalurdinercnzcn der vcrschiodonon Jaliroszeilcn heslimint. Sic licgl
.h-mnarh in Ho-ioiu-n, wo /NNar sohr kalle Winter, abcr heisse Sommor horr-
s,-l.on, hiihcr als an Orion mil kiihloron Soinnicrn, - - sic niihort sich mil an-
deren Worton mil dcm Fortschrcilen nach den 1'olen hin immcr mohr dom
Nivran «l.-r Bee, Feraere b«-slin.mond.- r.-saohon dor llol.o dor Sclm.ol/Jinio
si,,d in dor hViohlirhkoit dor almuspharischcn NiedcrschlJIgr innorliall. dor rfh-
/..•Inon Glolsrhonvdonen und deshalb nnoh in der Richlnn- dor dort herrsohon-
don Wind.- 7,u suehen. Stroichen letztere, ehc sie zu den Glclscho. n ijolaniioii,
ilbor woilo Wasscrfliichen und b.-ladon sich auf ihivm \Vo-o mil Fouchligkcil,
so brwirkon sir oil. Moral., iiokon dor Solnnel/lini.-. Ks roi.-hon aus diesom
Grundo am Siidabhan-o dos Ilimalaxa dio Glctscher liefer hinab, als anf
dor Nonlseilo, \\.-loho nur von den trockencn Landwinden Cenlralasiens be-
strichen wird.
I V2 III. |)\ ii.iiniM-lie (i
Die Scliiiit'l/linic der Glelseher des Irnpisehen Ameiika lieiit iin AILemeinen
iti riner .Meere.xlmlie \on iOOO — 5000 Meter, am Himalaya rcielit sit- bis iUluil
Meter hinab, in den Alpen isl sic-, \venn man von einigen Ausnalmicfallen
.ibMehl so /.iehl .sieli der I'nlergrindclwaldglelscher his zu einer Meereslibhe
von nntcr 1000 Meier hinab), in I'.MJI) .Meter llohc zu suchen, in Norwe^en
he.Ml/.l Me JTO Meier Meereshbhe, in Lappland, Island und Grbnland und in
deiii sildlichsleii Theile von SUdamerika schicbcn sich die Gletscher in die
See liincin.
§. 4. Yerbreittillg der Gletsclier. Glelscherbildungen sind gcbunden an
Geizenden, wo sich kalle Winter und kllhle Sonnncr irn Kreislaufe wieder-
holen, wo zweitens die Massen almospharischer Niederschliige bedeutend und
endlieh die Bedingungen fUr cine Bewegung auf geneigtem Unlergrunde, durch
IU)denerhel)ungen gegeben sind. Diesen Erfordernissen enlsprechen die llocli-
gebirge der heissen und gcmassigten Zonen , die Gebirge der kalteren Land-
slriche, sowie die Continentc der Polargegenden. Sie sind es, welche die Yer-
breitungsgebiele der Gletscher uinfassen. In Asien tragen nur der Kaukasns
und der Himalaya, in Sildamerika nur die hbchsten Spitzen und das slldliehe
Knile der Andes \vahre Glelscherfelder. 1m sildlichen Europa sind es die
Alpen und Pyrenaeen, ini Norden dieses Continentes namenllich die zuisehen
60 und 70 Grad n. B. gelegenen Gegenden Nor we gens, welche von den weit
ausgedcbnten Schneefeldern ihrer Gebirgsplateaus machtige Gletscherstrome in
ihre Thaler und Schluchten senden. Die Gletscher der Schweiz, deren Zahl
gcgen 400 betriigl, nehmen allein einen Flachenraum von 50 Quadrat-Meilen ein,
einige derselben erreichen bei einer Machtigkeit von 270 Meter eine La'nge von
21 ., Meile. Die Gletscher der Pyrenaeen sind im Verhaltniss zu denen der
Alpen von nur untergeordneter Bedeutung. Sie sind auf die Nordabhani:e der
hbchsten Theile des Gebirges namentlich zwischen den Thalern der Garonne
und dein Val d'Ossone beschrankt. Auch dje skandiuavischen Glelscher er-
reichen nicht die gewaltige Ausdehnung vvie die der Alpen. Der machtii4ste
derselben, der Lodal Gletscher, ist etwa eine Meile lang und 650 bis 850 Meter
breit. Auch Island und Spitzbergen besilzen grosse Gletscher, wahrend das
ganze Innere von Grbnland von einer machtigen Eisdecke Ubcrlagert ist, von
welcher aus , abgesehen von zahlreichen , verhallnissina'ssig kleineren , haupl-
sachlich filnf niiichtige Eisstrbme in's Meer ziehen. Der grossartigste derselben
ist der Humboldt-Gletscher, welcher an der Slelle, wo er in die See tritt,
eine Breitc von 9 deutschen Meilen besitzt. In ganz iihnlicher Wi-ise drin;-en
aus der schluchten- und fjordreichen Siidspilze Siidamerikas ungeheure Glel-
sclierniassen hervor. Ein an hbchst interessanten Erscheinungen reieher Glel-
scher befindel sich im Kolzebue-Sund iui frUher russischen Nordamerika.
Er ist von einer Lehmschicht bedeckt, auf deren Oberllache Weiden, Haide,
Moose und Flechten Uppig wuchern , wahrend sie Skelettheile VOID Mammuth,
Pferd, Rennthier und Bisamochsen umfasst, wie sie aus deni Diluvium anderer
Gegenden bekannt sind.
FrUher und zwar in der Eisperiodc, welche der Jet/t/eil vorausging, be-
sassen die Gletscher eine viel grbssere Verbreitung. Aus den llaiipllhalern der
III.
183
cincn liillten diis vvcile
Yollsliindi" also his /.it
Alpen tralen niiirliliiif Kissln.nie in dir Kbene
Thai y.uischen .lur;i und dein crsluenannten C
|:i;iO .Meter llohr aus, andere dran-en ilbrr «!.-.. Uodensee bis weil nach
HaM-rn uiul Sclmaben vor. Von den Siidabhanuen dcr Alpen slirj-.Mi Eis-
MKr>srn bis in die IV^Nicderunu hinab. Sclbst Grossbrilannirn uiul Skandi-
oavidn ahnelWti in der Kis/eii in itr/.uii auf ihro GietecbcirbedecWbg uiul «lir
Ai.sdc'hnuni; iluvr Clrlsrht-i- bis /.urn M.'.Mv.sspii'iirl (Inn lu-uti^n Foucrland
und (ironland.
§. :, You den Bewegungen dor (illelsclier abhiingige ErscluMiuiiigcu.
Drr Vor.s.'l.ub, NvHcluMi das Eis dor Aufgabc ilrs WasstM-s Irislel , indcin rs
Il,,,1(| in i|;uld mil ilun dio (Irbiruc ab/ulra^n bollisscn ist, olVcnbarl. sicl.
..MI auiicnlalliiislen in doin Transports von Gesleinsmassen anf dcin Hiirki-n dor
r. \«.n den l-Vlspartirn, /wise-hen \velchon sich dicsc hindurch driiniicn,
x.uin Thoil in Folgo dt-r (JostiMns/tTspallung durch den Frost, zum Thcil
in Foluc dcr /.(M-stiiivndcn Ccwalt dcr Lawincn grossorc oder kleincre Trllinincr
aul dir (Molschcrobcrflachc, wo sic sich zu vcroinzollon Ilaufwcrkcn ansam-
nu'ln NvilrdiMK Nvcnn d«-r Gletscher stillsUlndc, - - dadurch aber, dass er untcr
,1,-in r.sprungsorte dor Gestcinsbruchstiickc langsam vorbci zicht, ordnon sich
.lirsc in laniio, dor Bowegung und don Randern des Gletschcrs parallcle Rcihon,
cs (Milst(>hon"dic Seitcnmorilncn. Mil solchcn Gcsteinsmassen bcladcn sctzl
dr.- (ilrtsrhrr seine ihalabwiirts gcrichtete Wandemng -fort. Vereinigen sich aul
ihivin Wcgo /\\(M Risstromc zu einom Hauptglelscher, so Irelen zugleich dio-
jciuiicn ihrer Seitenrnoranen, wolcho auf den mil cinandor beim Contacte vcr-
schinelzendcn Randern der beiden Gletscher lagern, zusammon und bildcn dann
auf doin Mittclnirkcn des neu entstandenen Hauptgletschers cine Mittclmo-
rano Da jeder Vereinigung von zwci Gletscherstrb'men eine Miltelmoranc
efllspricht, so ist man im Stande aus der Anzahl diescr lelzteren auf die Zahl
dor nach und nach zu eincm Mauplglctschcr vereinigtcn Nebengletschcr. 7.u
schlicsscn. An seiner Grenxlinie angelangt, schmilzt das Eis des Gletschers,
seine Hclasluni: sttirzl auf die Thalsohle
und hiiufl sich hior im Laufc dcr Xcii /u
eini'in oft mehrere llundert Fuss lu.hcn
Wall, drr Knd- odcr Stirnnioriino
auf, — cine Station auf dcr Wandcriing
dcr (icstcinshnichstiirkc von dcni Imrh-
slcn Hcrucsizipfcl nach dciu Mccrc.
Die (lesh-insbruchstucke, \\clche die
Seiten- und Mittclmorilnen zusamincn-
setxen. also mil der Gletscherobcrfliiche
fortbeWegt WUrden, habcil Sldl dlirdl-
aus frischc Bruchllachen und scharle
Fig. 21. 1 \ind2Seitenmoriincn d«B OUtMttert A. :'. uiul
I Scit-nmoniiien dos Ulotsrhcrs IS. :, Mittflmoranc, ent-
Ktandcn duroK Veteinigttiig derGtotaolMl A und K und
dcr BeiUnmo«ia«B ~i uml :;.
Kauton und Ecken erhalten, da sio auf ihrcin Wcge mil festen Gesfeinsmassen
nicht in Contact kamen. Urn so griissere Geataltsveranderangefi erleiden die-
jeniizcn Triiinnicr, \velcli(> in die S|iallen /wischen deni (ilelscher und seinen
felsiiren ri'er\Niinden oder z\>ischen ihn und die Thalsohle geralhen. Sie werden
I S I HI. |)\ niiini-rli.'
unter <i<'in iMnckc dcr imurheiiercn F.ismasse , \\clelie ,iuf ilmen l.istcnd sirh
I'orlltcNM'gl, cntNNcder 7.U Sand /ei ricben , ndcr doch abgerundcl, i:cglattct und
an Hirer Obcrlla'chc mil Icinen Slreifen versclicn. Sic bildcn fine (iciiill- und
Schlammschielil unlrrhalb dcs u,m/cn Kisslromes ;G r un d in o rii n e) und \\crden
an der imtcrcn Gren/.e dcs (ilelschers yon diesem ausgeslossen odcr Ihcilueisc
durcli ihni entsti onicndc Glelseherbiiche uls deren TrtlFic fortgefttbrt. In crslrrt'iii
Kallc liiiulcn sic sich in Geueioschaft mil dein Milld- und Scitrnnioiiiiicn-
inatcrialr /u den Kmlmorancn an. I)ics(^ heslclicn soinil aus cckiiion, sclmrf-
kanliiicn Brucbstticken und a lip •rundclcn, iicsircil'tcn Holl.slilckni und sind An-
BammUlOgeD allcr dcr Gcstcinsarlen , \vclchc innorhall) dcs Berciehrs dcr (ilcl-
schcr anslclicii. Die Quantiliit dcs durch (ilclsclicrbiiclic \\cui:csc)i\\ cinnilcn
Matci'ialcs isl so hcdculcnd, dass z. B. dcm Aar-(Jlclschcr , \\clclior ini Monal
August cl\va y Millionen Kubikmetor \Yasscr pro Tag zu lie fern pflcszl, in dw-
selben Xeit 2Si37i Kilograinin Sand enlflihrl wcrdcn.
Durch densclben Vorgang, nus \\clcheni die Grundmoriinen resullircn,
\\crdcn grossc Fliichen dcs Fclscnbcltes. in \vclchcin dcr Glctscher dahinulcitct,
ulalt gcschcucrl und vollslandiu polirl (Sch 1 i f ff lachcn). In die Oberfla'clic
dieser Schlille hat dcr Glclschcr die Richlung seiner Bcwogung vcnnitlclsl
bcsonders harlcr, an scinein Boden cingefrorencr Gesleinsfragnienle in Gesiall
zablloser, feincr, gcradliniger, mchr odcr minder parallclcr Ritzen und Streifen
cingegrabcn.
Die gcologischcn Erschcinungcn , \velchc aus der Bevvcgung dcr Glelscher
hcrvorgchcn, sind nach alle dem so charaktcristisch, dass die Ausdchnung und
Miichligkeil chcmaligcr, seit langer Zeit vecscfawimdeiier Glelscher, dcr Weg,
den sic gcnommen, aus den unvcrkcnnbarcn Spurcn , die sic zuriickgelassen,
genau feslgestcllt werden konnen. Man seize den Fall, dass sich die mitllere
Tcnipcralur cincr glelschcrreichcn Gcgend erhohe und zu gleicher Zcit die Mcncc
der den Firn liefernden Niederschlage sich vcrringcre, so wtlrden dicsc ViM1-
iindcrungen zur Folgc habcn, dass einerseils die Schmclzlinic hohcr hinaufriickl,
andercrscits der Zufluss von Gletschermatcrial vvcgen einlrcU'iiden Mangels an
Firn-Kis aufhort, — die Summa dieser beiden Resultatc %vird das vollstandige
\Yrseh\vindcn dcs Glclschcrs sein. Das jetzt bios gelcgtc Thai \\ird sich als
alles Gletscherbelt kcnnllich machen durch SchlifTQuchen an den Thahviinden
in der ganzen Hohe dcr einstigen Glelschcrmiichtigkcit, durch Grundmoiiincn
und SchlifHlachen auf dcr Thalsohle in der ganzen Ausdehming, durch F.nd-
und Seitcntnoranen an den Grcnzen und Riindern dcs einstigen (ilctschcrs,
und endlich wird die GcsleinsbeschafTcnhcit des Moriinen-Malcriales ein Bild
von dcr gcognoslischen Zusammensctzung dcs einstigen Glctschei^chiclcs und
zugleich Auskunft Ubcr die Herkunft und den Wcg des verschwundcncn Glct-
scherslroincs gcbcn. Auf dcr Beobachtung dieser Meikmale bcruht unscrc ge-
naue Kennlniss der im vorigen Paraizraphen erwahnlen ausgedehnlcn Glelschcr
dcr Vorzeit.
§. 6. Eisberge. In polaren Gcgcndcn ist die Sonimer\va'rme cine so ge-
ringe, und ilussern die Sonnenstrahlcn so \venig Kiniluss auf die Eisniasse der
Gletscbcr, dass diese nicht nur bis zur See hinabsleigcn , sondern sich sogar
HI. DMiaiuiscliL- <;.'til.ii;.t' 185
,„„•!, ueil ... diese l.inaussehieben. Die Glelseher.sln.me ru.-ken anlaniili.'h tiuf
drill Mee.vsiM.ii.de der Fjords in derselben NYeise NN if aid' dem .Festlande vor,
his die m.ler \\asser belindliehe Kisnusse in Fnlge ihres i:eringen spceilisehen
(ieuirl.les von dt-in Glelseher abbrirhl «»der dureh die \Yo-en los-erissen \\ird
und iin .lie Oherll.iehe des Meeres emporsleiizt. Dies.- (ilelscherbnichsliieke
si. H! .lir Bisherge, Dicselben ragen /uwcilen 70 his 100 Meier hoch uber
den Wasserspieuel empor: des ^erini:en speeilisehen Gewichtes des K.srs
wegeo IM-IIM-I jedocb ilirsr /.Jtlil nur ', s i»»ir (lesaiumlholio (ler Kisbcip-. D;«
nun in. Ni.rden des iiilanlisclien (KrJins solche ;tn-clrollen hat , ^elrhe hri
I hi> J M.-ilen Limtfe und Hivile 7.:» MeU-r l.ocli einp«»rraglon , so liissl sich
(llll di.- i:.-\\alli.ue(;n.ss(! v icier Kisberire sehliessen. Tolare Slron.un-cn tiviben
diesrlben \\eil in den ollenen Ocean humus, so dass sic noch auf dem 36. und
M. Cn.de imi-dlirlier Hreile aniielroffcn \verden. Die schNviininendcn Eishn-e
des allanliseheii Meeres stranden schr gcwiilnilich auf dor Neufundland-Bank,
NX,, sie unter dem Kinlluss des Golfslromes und der Luflwiinnc selnnel/eii.
NVie die Clelsel.er der Ilochgobirgo, sind die der Polargcgonden oft mil Sdiull-
massen heladen , xvolche von den Eisbergen in enlfernte (leyenden gelragen
\\i-rden und beim Si-hmelzcn derselben auf den Mecresgrand sinken. Man hat
aid den. arktisehen Tlieilc des Atlanlischen Oceanes Kisbcrge beobachtct, wclchc
i:,oii M.-ie. iin Tinfange maasscn, 30 bis 70 Meter uber den Meeresftptegt)
raulen und mil Ablaiicrungcn von Lchra und Felsblockcn bcdeckt waieu,
,lrivn (iesan.nil^eNNiehl auf 1 — 2 Millioncn Centner gcschiil/l wurdo. Slranden
solel.e Eisberge auf Felsklippen oder streifen dieselben auf ihivm Wege iiber
seiehle felsigQ Slellen des Meeresbodens, so sind sie im Slande dieseiben ver-
niillelsl des auf ihrcr Unterscite eingcfrorcnen Sandes in iihnlicher Weise, \\ .e
di,- (ilelschcr, ihr Belt glatt ssu poliren, sowic mil grosseren Geslcins-
frauiiM-ntcn in der Richtung ihrer Bcwcgung Ritzen , selbst liefe Furchen
uud Hinnen in die Gesteinc auszuscheucrn. Derartige Kisbergscliliire sind auf
d,M nordlicluMi llemisphiire auf die nOrdlichcn Abhiingc und die Gipfel der
llii-el und Kiippen, also auf die dem Anprall der Eisberge ausgesolztc Stoss-
seiie .lersclben, hesehriinkt, sviilirend ihro sUdlichen Abfalle rauh und /.aeki^
urbli.-b.-n sind. In grossartigster Weise treten dicsc Erscheinungen in dem
Distriele slidlich vom Lake Superior in Nordamerika auf. Dort sind jje\\isse
^allp«»lirl«' I'elsklippen mil lauter parallelcn, mehrerc Fuss tiefen und breilen
I MMrl.en hedeekt, \velchc augenscheinlich durch eincn dort gestrandflten Eis-
!„.,- .'in-jesii.it worden sind, auf (lessen Hoden gross,- ( Mmr/.ithliieke einuelrnn-n
ua.vn, und der von der Ebbe und Fluth tUglich mehnnals urn eittige Fuss
uehobcn und gcsenkt, also auf seinem gcneigtcn Untergrundc bin und her ge-
zouen \\nrde.
I'ine iihnliehe Rolle wic heute die Neufundland-Bank hat Nvahrend der
Eiszeil die j.-lxiii. nordeuro|>Jiischc Ticfcbcnc gespiclt, damals eine seiehle Kiisten-
zoue, bcdeckt von einem Mcerc. auf welchem sieh /ahlreiche, von den skandi-
navisehen Glelschcrn abslamincndc Eisber-(- lu-rumlumn.elten. Mit Gosleins-
fraumenlen befrachlet strandelen sie auf dem sandigen, llael..-.. M.-eresbodcn
und hinlerliesscn als Denkmale ihrcr Fahrtcn die zum Theil gewaltigen crra-
1 S<> 111 l)\ naiiiisi lie1 Crulo-ic.
I i sell en hlncke, \\ie sic in unziihlbarcr Menge auch in dcr norddeut.sclicn
NicdeniiiL; zerslreul licgen.
Aus alle driii gchl licrvor, dass sich die Thiitigkcil dcr Glclscher und
clicnso dcr von ihnen ahstanmienden Kisbergc in doppelter Hichlung gellcnd
maeht : 1 1 in der Abrundung und Polirung dor ursprllnglich rauhcn und zarkigcn
Feteoberfltichen , 2) im Transports von Schultmasscn und Felsblocken , sowic
in dcr Wiederablagerung dersclhcn an einer andren Stcllc. Man hat nanienl-
lich die ersto dicscr \Virkungen liber die Bcobachtung hinaus tlberschalzt, in-
dcin man so \\cit ging, den Glelschcrn die Ausfurchung go\visser Alpenlhiilcr,
die Aiisfeilung der I-jorde, die Aus\v(ihlung der Alpenseen zuxusclireiben, -
Ansieliten , welcho jetzt als \viderlegt gclten dtlrfen. Manchc Gletscher huben
jcdoch in der That, wenn auch auf ganz andcrc Wcise als durch Ausschaufe-
lung, zur Bildung von Seen beigetragen, in dem ihre Erdmoriinen \vie klinsl-
liche Damme Gebirgsthaler absperrten und die Wasser hintcr sich aufslauten.
Auf diesc Weise ist z. B. der Garda-See entstanden.
Das organische Leben als geologisches Ageiis.
Eine drilte der Einzehvirkungen , als deren Gesammtrcsultat die augen-
Mickliche Beschaffenheit der Erdoberflache aufgefasst werden muss, ist das
organische Leben. Ahnlich \vie das Wasser und meist in cngem Zu-
sammenhange mil diesem, macht es sich in bestandiger aber stiller Arbeit fast
auf dem ganzen Erdenrund geltend.
§. f. Mannigfaltigkeit der geologisehen, durch organische Thatig-
kelt vermittelten Vorgange. Die Pflanze treibt ihrc Wurzelenden in die
fcinen Gesteinsspalten , erweitert diese durch ihr Wachslhum mil der Gewalt
eines Keiles und ist im Stande, grosse Felsblb'cke aus ihrer Stelle zu rilcken
und diese ahnlich wie das gefrierende Wasser von dem Rande eines Abgrundes
oder eines steilen Bergabhanges in die Tiefe zu stiirzen, wo die mechanische
Thatigkeit des Wassers ihren Zerkleinerungs- und Fortschaffungsprocess be-
ginnt. Die vermodernde Pflanze bereichert die atmospharischen Ge\vassci-
mit Kohlensaure und befahigt sie dadurch zu der grossen Arbeit der Ge-
steinszersetzung und -Losung. Der Verwesungsprocess der Vegetabilien und die
Zersetzung ihrer bituminb'sen Yerwesungsproducte \virkt rcducirend auf
o\N(lische Mineralsalze (siehe pag. 148), so dass durch ihre Venniltelung aus
schwefelsauren Metallsalzen Eisenkies , Blciglanz und Zinkblendc enlslchcn.
So findet sich Bleiglanz, zuweilen auch Z i nkblende als Anflug auf Stcin-
kohlen und als AusfUllung feiner Risse und KlUfte innerhalb derselben, SONMC
in bituminosen Baumstammen, ja sinterartig und rindenfdrmig an altem Grubcn-
holze. Ebenso, nur weit haufiger, kommt Sch we fe Ikies vor, dcr manche
Sleinkohlen und Braunkohlen vollstandig impragnirl und cin sehr gc^vohnliches
Versteinerungsmiltel fossiler vegctabilischer Reste ist. Auch Kupferglanz
isl bei Verwesung von Pllanzcnresten ausgeschicdcn worden, wic das Vorkonnncn
der Frankcnhcrgcr Ahren Zweigendcn einer Conifcrc, nchmlich von Cupres-
sites Ullmanni) beweist.
111. l>\n,iiiii>rlie
Die XerseUmi-: MIII Metallsalzcn dureli faulende oru.miseho Substan/en
k.inn jodoeh nodi \\oiter go hen und y.ur Rildung von ge d iege n <• n Motallen
liiliron. C,e\\isso Coniferenholy.or dor d\assisclten Formation von Frankenlier;.:
in Hessi-n heslchen in ihrem joly.igen 1'ossilen Xnslandc aus almoeltselndon Lagen
von Kupfcrglany. und einor kohligon Masse und unifasscn slellenwoise kloine
zaitc Schiippchen von gediegenem Sillier, \\elehe aiigonscheinlich durch lle-
duelion \on kieselsamvin odor kolilonsaurem Silhero\\d duivli das \or\\csondo
llol/ luM-voriit'iianiion sind. Lhci'iascliendc Hcsultak' oinos i;an/ ana lotion I'ro-
Oessra \\urdon l»ci DucktoNMi in Tennessee1 bcobachtol. Kin Theil dor dorlition
Kiipferiinilx'n \\ar wiihronil dos aniorikanischen BUrgerkrieges orsotlon , und
/.\\ar onlhiolten die nicht gowiilliiiton Wasser aus der Zersel/ung von Kupi'er-
uiid Kis«Mikies horvortioiianiionon Kupfcr- und Kisonvitriol in Auflosung. Nach dor
Wiodi-reroH'nuni: der Ouln-n /eitito es sich , dass im Laufc jonor wenigen Jahiv
an urvNJssen Slollcn dor unU-r NVasst-rbedeckunti verwesenden, zur Zimnierunii
honutxlen llolzor fast zolllangc Trauben von gediegenein Kupfer sich angosel/l
hatton.
In gjin/ iihnlichor Weise \vie pflanzliche konnen auch in Vervvesung be-
tirilVono tliiorischc Substanzen eine Reduction von Metallsalzldsungen bcvvirken,
\\nliii \\ir in dem so gewohnlichen Vorkominen des Schwefelkieses als Ver-
sloiiifrunt:sinillel von Ammonilen, Gasteropoden, Brachiopoden und Zweischalern,
in dem des Bleiglanzes und der Zinkblende in den Ilohlraumen vieler Mollus-
ken-Reste zahlreiche Beispiele besitzen. Eine hb'cbst instructive Illustration
dieses Voruanges liefert der Kupferschiefer des stldlichen Harzrandes (pag. 37
und 16i, sowie histor. Geolog. sub Dyas). Der Kupferschiefer ist augen-
seheinlich als ein Susserst feiner, unserem Silte ahnlicher Schlamm innerhalb
der liuchten des dyassischen Oceanes /ur Ablagerung gelangt. Letztere \\aron
von heterocercalen Ganoidfischen Palaeoniscus , Platysomusj dicht bevolkert;
aus noeh nicht bekannten Ursachen wurden diesen seichten Mecresbueliteii
Solutionen von Kupfer-, Eisen-, Silber-, Nickel- und Kobalt-Salzen zutiefilhrt,
\\olehe geniigten , die GewSsser sowie die in ihnen lebenden Fische zu ver-
uiflen, deron cdnvulsiv zusammengekrUmmte Leiber uns in iliren Urnrissen er-
halten sind und auf eine derartige Todesart hindeuten. Die Fischleichname
sankon zu Tausenden in den den Boden bedeckenden Schlamm und beganncn
/.n \ei\\esen. Durch diesen Process lieferten sie einerseits das Bitumen, mil
welt-hem die Kupferschiefer slark impragnirt sind , andersetts leiteten sie die
Reduction der Metallsalze ein, welche sich als Sehwefelmetalle in kleinen 1'ar-
likelelien niodorsclilugen odor die Fischkdrper selbst tlberzogen. Kino Krsehei-
iHint: bedingte die andere: der Reichthuin des Kupferschiefers an Fischresten,
Bitumen und Erztheilchen , die drei eharakteristischen Eitientliiiiuliclikeiten dos
(lesloines, sie slehen in ontistom, iirs|)rUnglichem Zusammenhanue.
Aher nicht inir die sdiwel'elsauren Metalloxyde , auch sch wefelsa ure
Alkalion und alkalische Krden werden durch faulende organische Sub-
stan/en rcducirl, so dass Schwefclmotalle, Schwefelalkalien und Schwefel-
verhinduntien von alkalischon Krden enlsleheiF (siehe pag. 154). Aus dieser
Xer>ei/nti^ u(>hl zugleich Sch wefel vvasserslof f hervor. ein Gas, welches
Iss III. |t\n, Unix-he
den weitreicbendsten Kinlluss aul die Umwandlungsprocesse im Mineralreiche
.msiilil. Mr \\ird \on den in der Tide eiretilirenden \Yas.sern absorbirl uml
gelangl /inn Thcil mil diesen .m die EtTdoberfl&che, \\<» sic dann als Seliwel'el-
qudlen bezeiehnd \\crden und von denen die v\iehligsien die von Aachen,
Milson, Ncnndorf, Baden (bci Wien), Wcilbach und Hurlschcid sind. Aus
iiiiinehei) dieser SchwefeJquollen scheidel sich in Folgc dcr Zerselzung dcs
Sdi\\efel\\assersiolles bei Bcrilhrung mil dor Lufl Schwcfel in Form eincs
\\ei.sson oiler gelblich grauen Sehlammes tib. lin Lnufc der Zcil konnen diese
Schwefelablagerungen bedcutende Diinensionen annchincn. Zu ihrcr Mnlslchnng
sind iibcrall dorl die Bedingungcn gegcben , \vo mil Bilumen gel rankle G\ps-
lagersliiUen auflrelon. Ein anderer Tlieil des SdiwcfelwassersloIVs gelangl mil
den nnterirdischen \Vassei-n in Spallen, in denen er schr liauflg Ansammluogen
son kieselsanren and kolilensaurcn Melallsalxen Irill'l unct dcron Ausscheiduog
als SeliNNefelmelailc bewirkl, also bci der Bildung von Erzgangen lliiiliir ist
(siehe pag. 1 .'i4 und 157).
Die Beispiele filr die engcn Beziehungen zwischen organischem Leben und
einzelnen Vorgiingen in dent Enlvs ickelungsprocessc dcr Erde lassen sicli leielil
vermehron, ohnc sic annahernd zu crschopfcn. Den slcligcnSlod'auslausch xNvisdicn
organiseher und unorganischcr Nalur zeigl jcdoch \voh 1 kaum irgend cine an-
dere Subslanz dcullichcr als die Phosphorsaure. Aus dcm Minci'alreiche gehl
sie in das Pflanzenreich, aus diescm in das Thierreich ilber, um bei dcr Fiiul-
niss der Thierlcil)cj' dem Erdboden zuriickgegcbcn zu wcrdcn. So liabcn denn
die meislen phosphorsauren Mineralicn ihren Kreislauf durch das Thier- und
Pilanzcnreich gcnommen. Die Landpflanzeu enlziehen diese Saurc dem Boden
und den in ihm circulirenden Gevvasscrn , die Fucoiden und Korallen dem
Meercswasser, die \Virbellhiere cmpfangen sie mil dcr Nahrung in so hohern
Grade, dass sie zu einem Hauplbestandlheile der Knochen dcr lelzlcren \\ird
und dass z. B. die Knochen eines Rindcs elvs:a 13,3 Kgr. phosphorsaure
Erden enlhallcn. Durch Faulniss der organischen Subslanzen und durch Aus-
sdieidung aus dcnselben kehrl sie wieder in das Mincralrcich zuriick, um Male-
rial zur Bildung ncucr phosphorsaurer Salze zu liefern, vvie es z. B. das Yor-
kommcn von Vivianil in den Knochen eines vor Jahrcn in einer obcrschlcsi-
schen Blci- und Zinkgrube verungliicklen Bergmannes zcigl.
Gross isl fcrner der Einfluss, welchen die Vegelalion auf die Bildung von
K a 1 kablagerungen ausilbl. Solchc Pflanzcn, wclche im Wasser ^adisen,
enlziehen diescm die Kohlcnsiiurc , welche an doppcll kohlcnsauren Kalk nur
schwach gcbnnden ist, um sie zu SauerslofT, welcher cnlvveichl, und Kohlen-
slofT, welcher zu ihrer Erniihrung dienl, zu zerselzen. Die Folgc davon isl die
Ausscheidung vom kohlcnsauren Kalkc, welcher Incruslale auf der Oberllaehe
dcr Pflanzen bildel. Auf diese Weise und z\var namcnllich durch Vermitlclung
von Sumpfmooscn und Charen enlslehen vide, zum Thcil schr miiehlige Kalk-
lulTlager. Ganz ahnlich bringt die Lebcnslhaligkeii der Dialomcen durch Ans-
sdn'idnng der in ausscrordcnllich geringer Quantital im \Vass er gelostcn Kiesel-
siiure miiehlige Sedimenlgebildc- hcrvor. Die zierliehcn Kieselpanzcr der Dia-
lomeen setzcn trolz ihrer mikroskopischen Kleinheil von Gallionclla-Schalen
III. DvnnmisrliP Goolopio. 189
nehon 41,000 Millionen anf oinen Kubik/oll) dicke l.aizer von Kiosolordo jjan/
ausschliesslich /usammon uml bilden boi Bilin in Bi.hmon erne his 1,5 Motor
rnHchtige Schicht von Polirschioler , I MM Oberlohe im Ltlno.burgisclien cine Ms
10 Meter miiehtiuo, iiber 250 Schritt langc und 150 Schrilt brcile Ablagermii:
von Kieselguhr mul nehmon. wonn man von vielen iihnlidien Vorkommen al>-
siehl, an der Zusammonscl/imi: cl.-s Grund und Bodons, auf welchem Berlin
-.-haul 1st, einrn bedoulonden Anlhoil, \velcher 4 bis 5 Meter unter Tage aus
einem bis tlber 30 Meter inilchtigen schwarzon Tlion besleht, welcher zu 2/;t
scin. i Mas.M- aus Dintomeen zusnmnicngesetzt ist. Man hat ferner berechnet,
da.vs sieh im Hafen von Wismar jiihrlich elvva 650 Kubikmotcr kieseliger Or-
iianisinenrestt' ahset/en.
Kudlii-h berulit auch die Bildung des Raseneisensteines, welcher in dor
norddeutsehon Niederung, in Holland und Polen in weithin ausgedehnten Lagen
aufiriti, darauf, dass cisenschUssigen Quarzsanden (pag. 148 sub 4) durch ver-
wesondc Pflanzen Kisonoxyd enlzogen und in Eisenoxydul reducirt wird, desson
sicl. Knhlensiiurc und QuellsHure hallige Wassor bemachtigen, urn es nach Nie-
deniniien /u fuhren, wo die eisensalzhaltigen Wasser stagniren , und wo das
Rteenoxydul, durch den Sauersloff der Luft zu Eisenoxyd oxydirt, niederfallt.
In V;»>* andcrer Art bcthiiligt sich die Exislenz und Wirksamkeit der
Hnhrimisc licln auf die Gesteine. Sie durchldchern die felsigen Meeresufer und
boroiten dein Ubcrall zerslorenden Wasser und dem zerspaltenden Temperatur-
wechsel none Angrifl'spunktc. Der Biber zieht seine Damme quer durch die
Thiiler, staut die Bache zu grossen, oft seeahnlichen Teichen an, cntwiissert
die SUmpfc durch kunstvoll angelegte Kanale und giebt dadurch Anstoss zu
\\andclungen in der Vegetation und der Neubildung von Wasserlaufen. Die
Bedeutung aller derartigen Ausserungen thierischen und pOanzlichen Lebens
und Absterbens vcrschwindet jedoch im Vergleiche mil den Resultaten der
eigentlichcn Gost ein smaterial liefernden Lebon sfu nctionen der
Organism en. Dieser bewunderungswurdige Einfluss auf die unorganische
Natur /eii-l sich am grossartigsten bei den Thieren in der Abscheidu n i;
dcs Kalkes aus dem Mecre, — bei den Pflanzen in der Absorption
der Kohlensaure und der Assimilation und Aufspeicherung dcs
K ohlenstof fes.
a) Kalkabscheidung aus dem Weere durch thierische Thatigkeit.
Dem Meore \\rrden wie pag. 161 gezeigl, durch die Strome fort\viihr(-nd
gewaltige Quanliliiten von doppelt kohlensaurem Kalke zugefUhrt. Man sollte
doshalb ervvarlen, dass das Meer allmiihlich zu einer gesattigten Kalklosung
iioNMn-«leii sei, aus welcher sich endlich der kohlensaurc Kalk ausscheide und
niedersehla»c. In der That aber enthiill das Meereswasser nur 0,0001 kohlen-
sauren Kalk, mithin kauin den zehnlen Thcil von dem Betrag, wclchcn das
Wasser in Auflosung zu crhalten vermOchle und kommt trotz dor bestiindigen
Zufuhr von neuer Solution dem Saltigungspunkte nicht niiher. Die Erlinllunu
dieses stolen Gloichgowichlcs des im Meereswasser aufgclosten kohlensauron
Kalkes ist eine Aufgabo dor MooresboNvohner, vvelche zur StUlze odcr zum
P.)l) III. l>\n;imisHi(>
Srhul/.e iluvr Wciclilhcilc cin kalkiiit's iiincivs Gerilsl. nder eine Kalksrhale
absniidern. Zu diesem Zwerke ent/.iehen sio dem Meere den spars;iin vor-
Ilieillen kohlensaiiren Kulk , inn ilin in ihrem Kbrper almilagcrn his er enl-
\\eder fine y.usammenhiingende Masse ndcr mv/.iihlige lose in dcr Haul eini:e-
lagerle Kalkstiil>rhen oder -Seheibelieii bildet. Durcli derarlige Lehensfmiclionen
zeichnen sichnamentlich die Poly pen (Korallenthierchen), die EC h in ode r men,
die Mollusken und die F or am in i fere n aus.
§. 2. Die Bauteii der Polypen. Das Gedcihen der riffbildenden Korallen-
lliiere setzt eine niilllere Temperatur des Meereswassers von 2."> his M0° C.
voraus, obvvohl inanche derselben ausnahmsweise 20 ja 16° C. erlraiicn kiinncn.
Ihre wahrc Hciinalh ist deshalb namenllich die Zone zwischen dem nordlichcn
und siidlichen 28slen Parallelkreise, falls nichl ortliche Ursachen wie obktlh-
Irnde Polarstronie und auf der anderen Seile die erwanncnden Atjualorialslrijim'
die Grenze etwas verrilcken. Innerhalb dieser oceanischen Striche siedeln sic
sieh iiberall da an den Ktlsten an. wo nicht feinschlarninige I'fer oder die
Miindun^cn grosser Slro'mc das Meereswasscr durch Trilbung desselben fiir
sie unbewohnbar machen. Am verbreitetsten sind die Korallenbauten in den
tropischen Theilen des Stillen Oceanes , wo neben unziihlbaren Korallenbanken
und Kiistenrid'en 290 wirkliche Koralleninseln bekannt sind. Ahnlich isl die
Verbreitung derselben im Indischen Oceane , dessen Inseln und Continental-
kiislen einen ausserordentlichen Reichthum an Korallenrifl'en aufzuweisen haben.
Die Laktdiven uud Malediven sind die grb'ssten Koralleninseln der Welt. Im
Atlantischen Oceane bestehen die Bermudas, die Bahama-Banke und -Inseln,
sowie ein grosser Theil Floridas aus Korallenbaulen. Dass die Lebenssphare der
riflbildenden Korallenthierchen auf eine Zone zwischen dem Meeresspiegel und
elwa M bis 40 Meier Tiefe beschrankt ist, wurde bereits pag. 132 erwahnl.
Die Polypen wohnen nicht nur colonienweise zu Tausenden auf einem
Stocke zusammen , sondern es pflegen sich an giinsligen Ortlichkeiten zahllose
Slbcke neben und aufeinander anzusiedeln und dann die Korallenbanke und
-Riffe zu bilden. Die rill'hauenden Korallen gehoren zahlreichen Arten und schr
verschiedenen Geschlechtern an, namentlich aber sind die Genera Madrepora,
Poriles, Aslraea, Maeandrina, Millepora und Fungia stark vertrelen. Porites-Arlen
konnen Slbcke von 7 bis 9 Meter, Aslraea und Maeandrina solche von 3 bis
5 Meter Durchmesser aufbauen , von welchen jedoch immer nur die aussersle
5 — .jQ Mm. dicke Schicht Jebenden Individuen zum Sitze dient, vvahrend die
inneren Partien verlassen und abgestorben sind. Die Dimensionen der Koral-
lenbaulen sind im Yerhallniss zur Grbsse der Baumeister derselben ausser-
ordcnllich. Die Breite vieler Riffe belriigl einige Slunden und ihrc Hbhe 100,
300, ja mehr als GOO Meter. Manche ringfbrmige Riffe umschliessen ein Was-
serbecken von 30, 40 und mehr Meilen Grbsse, gewisse Barriererillc im Weslen
der Feejee-Gruppe und an der Nordkdste Auslraliens sind 100 bis 500 Klafler
breit und 40 Meilen lang.
Wenn die Korallenbaulen den Meeresspiegel erreichen, so beginnen die
\V(iL:cn. iilmlich \\ic Slui'inxvinde im Walde, ihiv zersliirendc Thiiligkeil. Sie
hrechen Zsveige und sonst ausgesel/.le Parlien vom Rande des Korallenrill'es
III. lKn;mii>rlit' (u'oln-io. 101
los, schleudern sie auf deren Hiieken und zerlrilnunern und zerreiben dureh
ihr steles Spiel diese grosseren Fragmente /u Sand. Diest-n brciU-n die \Vel-
Icn drirhmassig Uber das Hill' aus oder lluirmen ilin x.u vereinzelh-n, diiiifn-
ahnlichen Haufcn an. lnz\\ischen hurt das Wachslhum der Korallen nichl auf,
sie crsetzen den Verlust, siedeln sirh auf und ilber den TrUuimern wieder an
und verfestigen so den losen Bau zu einem \\idcrslandsfahigen Ganzen, dessen
Hilcken in Kolge der Thiiligkeit von Wind und Wogen' eine flache Krhebung
iiber den Meeresspiegel, ein Kora llenrif f oder eine Ko ra lie n insel bildet.
Die Korallenbauten sind 1) Sautn- (KUslen-) Riffe, welche KUsten unmitlel-
bar, und ohne einen Zwischenraum zwischen sich und den Ictzteren zu lassen,
uniLUirlen. -2 Da in in- (Barriere-) Riffe, welche von der nahen Kilste dureli
einen Streifcn Meeres gelrennt sind und sicb ineist ringformig um aus ihrer
Mitte hervorragende Inseln ziehen. 3) Lagunenriffe (Atolls), ovale oder
krcistonni^c, x.uin Theil vollkommen geschlossene Riffe, welche eine l;lache ru-
higen, stillen Wassers unigeben. Diese sammtlichen Formen der Koralleninseln
sind, \vie pag. 132 gezeigt, nur verschiedene Phasen ein und desselben durch
Senkung des Meeresgrundes bedingten Vorganges.
§. 3. Muschel- uiid Foramiuiferen-Biinke. In ganz ahnlicher Weise \%ie
Korallentliiere sorgen die Mollusken fur die Ausscheidung des kohlensamvn
Kalkes aus dem Meere, den sie zur Herslellung ihrer Schalen, Gehause und
Sehulpen bediirfen. Der Effect ihrer darauf gerichtelen Thiiligkeit ist nicht so
auffallii:, \\ie die bis an den Meeresspiegel reichenden gigantischen Baulen der
Pohpen, steht jedoch hinter diesen der allgeineinen Vertoreitung der Mollusken
\veuen, im Gegensalze zu der beschrankteren der riftbauenden Korallen wohl
kauin zuriick. Am augenseheinlichslen geht die Ausscheidung von kohlensaurem
Kalke durch Mollusken dorl vor sich , wo letzlere in Menge vergesellschaftet
Muschel ba nke bildcn. Ausser den sandige Ufer licbcnden Erycinen und
(l\ivnen sind es nainentlich einmuskelige ungleichklappige Zweischaler, also
Austern, Kainin- und Miessmuscheln (Oslrea , Peclen, Mylilus), welche sich in
grosser Anzahl neben einander ansiedeln, sich zuin Theil auf dem felsigen
Grunde, zuin Theil an einander anheften und dicht gedrangte Massen bil-
den, in deren LUckcn und auf deren Oberflache sich zahlreiche anderc Mol-
lusken, sowie rohrenbaucnde, also ebenfalls kohlensauren Kalk abscheidende
Annelidcn nainentlich Serpula) einnislen. Diese Serpeln konnen durch Uppige
Wucherung so Uberhand nehmen, dass sie das Wachsthum der Mollusken be-
eintrachligen , endlich ganz erslicken und schliesslich fllr sich allcin machlige
Biinke bildeu.
Die kalkbildende Thatigkcit der Foraini nifcren fallt um so mehr in's
Gewicht , als sie os vorzugswcisc sind, \\elcl\e enorrne Areale des liefsten
Meeresbodens, den man bis vor kurzem fUr lodt und unbelebt hielt, bevolkern
und hier machlige Ablagerungen eines formlichen Kreideschlammes bilden.
Derartige Schichlen werden z. B. auf dem Boden des nbrdlichcn Allantischen
Oit.iiics an^ehauft, hestehen aus 85 Procent kalkiger Foraminiferen-Schiilcn,
und /.war vorzilglich von Globigerina, und dehnen sich von Irland bis Neu-
fundland, also mehr als 350 Meilen weit, so wie bis ilber die Azoren aus.
102 III. l)\ii.iinisclic (JiMi|oi;if.
I'berhaupt aber linden sich Foraminiferen-Schalcn ;in manclien Kilsten und an
violon Punklen des Meeresgfimdes in sulrher Mcnge mil dem sjindigen und
kalkigen Sclilainiii geniengt, dass ihnen cine bcdeutemler Antheil an dor Zu-
saminensel/uni: gewalligcr MasM-n \(in Krdmalerial zukomml. In der Yor/.eil
|ic-.isv,.n sie dieselbe gesteinsbildende Y\ "ichligkeil wic jelzl, vielleirht noeh in
hoherem (irade, wie aus dgr Betrachtnog dcr zoogenen Gesteine Petrogenelischti
(iculiiizic) hervorgehen vvird.
In iihnlichor Weise wie Mollusken und Foraminifcren verbrauchen di<'
Echinoderincn xur Ilcrstollung der schildformigen odor kngcliiicn Schalc
dcr Kcliinidon, dcr Gcrilslc und Kalkstiilirlicn dor Seoslornc, dor feincn Kalk-
pliiltchcn und Ankcrchen in der Haul der llololhunen grosse Quantila'ten von
kohlensaurern Kalke, welcher ausschliossliclilich dem Meore enlstainmt und haben
auf dieso Wcise das N'orwallende Material ganzcr Biinke und Schichtencomplexe
geliefert, auf deren Besprechung im Abschnitte iiber zoogcnc (Jcstcim- vci-
\\icson werden muss.
Fiir die Deulung des Ursprunges vieler Kalkgesloine ist feslzuhallcn,
dass die Foraminiferen namentlich die kalkabscheidenden Organismen dcr Ticf-
see, die Korallen die der beschriinkten Meeresliefen, und die llauplmasse dcr
Mollusken und Echinodennen die der Kiisten und flachen Meorbuchlcn sind
und frilher waren.
b) Aufspeicherung von Kohlenstoff durch pflanzliche Thatigkeit.
§. 4. Per Verkolilimgsprocess und die kohlenbildendeu Pflanzen.
Aller KohlenslofT, der auf der Erde in der Pflanzenfaser und in den Kohlen-
gesteinen enlhalten ist, ist aus der Zerselzung von Kohlensiiure hervorgegangen,
und die Lebensthatigkeit der Pflanzen ist es, welche die Kohlcnsaure der At-
mosphare entzogen, assimilirt und das Product dieses Processes, den Kohlcn-
sloll' geliefert hat und noch liefert.
Den grossten Theil des Pflanzenzellgewebes bildet die Holzfaser, welche
aus Kolilenstoff, WasserslolT und Sauerstoff beslehl und beiin Ilolx, abgeschcn
von einem geringen Gehalte an Slickstoff und Asche fast durchga*ngig aus .'id
I'nu'ciit KoKlenstofT, 6 WasserslofT und 41 Sauersloff besleht. Bei ihrer unter
besrhranklem Luftzulrille, in Gegenvvarl von Wasser und in gewohnlicher
Teniperatur vor sich gehenden , ausserordentlich langsamen Zersetzung \ i r-
moderung, Verkohlung) verbindet sich cin Theil des Kohlenstofles mil Sauer-
sloff /u Kohlensiiure, ein anderer mil Wasserstoff zu Sumpfgas und cl\\as
olbildendem Case (?), welche entweichen, und endlich ein Theil des Wasserslolfes
mil Sauerstofl' zu Wasser. Nun ist aber in der entstehenden Kohlensiiure I (ic-
wichlstheil Kohlensloff mil 22/;j Ge\v. Sauerstoff, im Wasser \ Gew. Wasscr-
slolT mil 8 Gew. Sauerstoff, in Sumpfgas 3 Gew. Kohlensloff mil 1 (ic\v.
Wasserstoff verbunden, so dass die Zerselzung, deren Producle sie sind,
namenllirh auf Koslen dcs Wasserstofles und Sauersloffcs vor sich gcht. Diese beidcn
Klemenle wenlen dcr vrnnodernden Pflan/.enmasse \ icl rascher und reichlicher cnl-
/dgen als der Kohlenslolf, \viihren<l xugleich einc Anreicberung, cine relative Vcr-
nn'hrung des lel/leren slalllindel. Der Venuudei'ungs- odor Vcrkohlungsprocess
III. IK nnmisrlu-
193
arbcitct demgemass daranl' hin. aus dcr uewiilmlichen Pllanzensubstan/. ini l.aulr
dci- /cit iviiu'ii Kohlcnstofl' hcr/nstellen. Pllan/.liclic Masscn \on den Sedi-
nicnlen dcr Meerc bedcckl unterliegen diescr Zerset/unii ausscrordentlieli laiii:-
*am. da ihni'M (lit- Hcdinininuei) /ur Fiiulniss, nclmilich die Mogliclikcil dcs
Zntrittcs dcr atmospharisdien l.ul't und dcs Kiit\vcirhcns dcr gaslormiiren IVo-
duclc nur in liodist hcscliriiiiktcin .Maassc iicizchcn sind. So hat dcnn die von
cincr iiiaclitiizcn Scliiclitcnrcihc hcdccklc Slcinkohlo, trotxclcin dass Milliuncn
von .lahrcu scit ihrcr Alila^cnini: \ cruangen soin niogen, ihre Zersetxuni: nodi
nidit \ollcndct. rort\N;ihrcnd cntucichen aus ihr Kohlenvvassersloffe (sehlagende
\\rticr als ihrc Xcrsct/.un^sproductc uiul dcuten an, dass dor Process, \\cl-
chcr auf Ausschciduni: allcr llilditigcn Bestandtlieile und ant D.n-sirllunii dcs
rcincn KolilcnstotVcs gcriclitct ist, sich noch in vollein Gauge befmdet. Sein Ziel
crrcirlit cr erst, \\enn Anthrncit und Grapliit hervorgebracht sind; in dicsen
scinen Kndproducten liegl der Kohlensloft' brach und gefesselt in der Krde.
bis ihn der Menseh filr seine Zwecke benut/end zu Kohlensiiure verlircnnt
und ilin so der Atmosphare wiedergie))t, von wo aus er seinen Kreislaul \on
Ncucin beuinnl. Die Lange der geologischen Zeitriiume erselzt somit den freien
Zutritt von I.ufl oder den Einfluss hbherer Temperaturgrade, so dass der Koh-
IcnstolVrcichthuni der Kohlengesteine in demselben Maasse zunimnit, je alter die
lel/teren sind. Torf, Braunkohle und Steinkohle sind einzelne Stadien des be-
>pr»ichcnen Vcrkohlvinusprocesses der Pflanzenmasse, Anthraeit und Graphil die
Kndprodnrtc dessclbcn, wie aus folgender talicllarischci- Zusaiiimensiellunj;
liervor-geht :
Ueologisches Zeitaltor.
Kohlengesteiii.
BVMWOMMetemg in 100
Theilen nach Abzug der
Asche.
C.
H.
O. a. N.
.It txlxcil.
Holzfaser.
3i,65
5,25
42,10
Diluvium.
Torf aus Irland.
60,02
5,88
34,10
TcM'tiar.
Braunkohle von Coin.
66,96
5,25
27,76
\
Braunkolilr M-III Mi-is^nci1.
72,00
4,93
23,07
Erdige Braunkohle von Dax.
74,20
5,89
19,90
CarbiiiiiM-ln' I'-Tioilc.
Mitumiimstt Steinkohle von Saarbriirkm.
81,62
3,30
14,50
Cannelkohle von \Vit.;iii.
85,81
5,85
8,34
Hartle\kohle von Newcastle.
88,41
5,61
5,97
Bituiuiiiuv Sirinkolilr vmi KsciivM-ili-i-.
89,16
•V-1
6,45
(ijirlidiii-clif, (Ji-Noiiisi-lir.
silurisclic J'criode.
Antbraoft.
94
8
3
Hui-iinisrlic und lauriMi-
tische Perindr.
(Jraphit.
100
i
0
Credner, Elemente d. Geologic.
101 HI. 1>> n.'iini^ciio dt'ii]...
Lt»cal winl dcr Verkohlungsprooess bfschleuniut I durch dit' Bildung xahl-
rt'ichcr Spallrii in Folge \onSpallungen und Zenvissungrn der kohlent'iihrenden
l-'nnnatinnt'u : * (lurch Zersliickelung ausgedehnter Kolilent'elder in Folge \on
Sto'rungeu do <;ebirg>l»aues und von Erosion; in beiden Fallen \\ird der Zu-
irill tier aimospharischen Lul't und das Entweichen dor entstehendt-n (i.ist- er-
leichtert und drr Yerkohlungsprocess dadurch befbrdert. Deshalb sind die Koh-
len, wo sie horizontal und ungestbrl liegen, meist bituminb's und werden innner
inagerer. jt1 auttallendere Biegungen sie erleiden, und endlich zu Anthracit.
wo dif sliirkslen Faltungen und Zerreissungen stattgefunden haben, — daher
<lif von der bituminb'sen Steinkohle des in seiner ursprilnglichen Lage befind-
lit-licn appalachischen Bassins durch Hebung. Knickung und Erosion getrennten
Anthracitbecken Pennsylvaniens, sowie die kleinen Anthracitschollen auf dem Er/.-
gebirge; 3) durch Erzeugung holier Temperatur in Folge der Eruption gluth-
flilssiger Gesteine, welche die betrefl'ende Kohlenforniation durchsetzeli : so ist
die Braunkohle des Meissners im Coatacte mil Dolerit und Basalt in anthracit-
ahnliche Kohle, die Steinkohle von Waldenburg in der Berdhrung mil Melaphyr
in Anthracit umgewandelt. In alien diesen Fallen ist der Verkohlungsprocess
in Folge localer Beeinflussung der Zeit vorausgeeilt.
Aus dein durch die Lange der Zeilraume begunstigten, langsamen Verkoh-
lungsprocesse der Pflanzenrnasse gehen demnach auf der einen Seite Kohlen-
gesteine, auf der anderen entweichende Gase (Kohlensiiure, Sumpfgas und ol-
bildendes Gas) hervor. Ebenso al)er, wie sich bei dem Zersetzungsprocesse
vegetabilischer Substanzen gasformige Kohlenvvasserstoffe bilden, so entstehen
auch flilssige und feste \ferbindungen von Kohlenstoff uud Wasserstofl'. \\'w
Naphtha, Petroleum und Ozokerit. Diesen Vorgangen verdanken viele Erdol-
quellen ihren Ursprung, viele bituminose Gesteine ihren Bitumengehalt. \vah-
rend andere Bitumenstoffe aus der Verwesung von thierischen Substanzen her-
vorgegangen zu sein scheinen. Kein Zweifel al^er kann tiber die Abstammung
solcher fltissiger Kohlenwasserstoffe obwalten, wo sie als Erdb'l direct aus der
Steinkohlenmasse hervorschwitzen und sogar ausfliessen, wie in den Gruben-
bauten von Dawley und The Dingle in der englischen Grafschaft Shro]x \\n
das Erdb'l fbrmliche Traufen bildet, gegen welche sich die Berglrute durch
\orgcstccktt' Bretter schtitzen mussen.
Da die Ablagerung und Anhaufung von spiiter zu Kohlengesteinen uniur-
wantlelten Pflanzenmassen sehr verschiedenen geologischen Zeitraumen aniic-
hbren, und der Gesaniiuthabitus der Pflanzenwelt in jeder Periode eintM* vollkom-
menen Umgestaltung unterlag, so wai'cn auch die das Material der \erschic-
dcnarliLicn und verschiedeualterigen Kohlengesteine liefernden Floren jedesmal
andere,
Der Torf besteht namentlich aus verfilzten und zusamniongejMvsstfn Moo-
sen, von deneu das Sumpfmoos Sphagnum und Hypnum die wesentlichstefi
sind. Beide, besonders aber Sphagnum, besilzen die Eigeuschaft, weitcr nach
ultt'ii fortzuwachseh und neue \Vurzeln zu treiben, wiilircud die unteren Theile
der Pflanzen absterben. Da sie somit im Stande sind, die Torfbildung be-
slandig weiter fortzusetzen uud auf den abgestorbenen Moosschichten neuc xu
III. Dyoamische (.ifuln-ic. \9o
producircn, so bringen si«> rim> sletigf /unahmo der Miichligki-il dor Torfinoore
h.'ruir. Die F.xisten/ der let/teren 1st ;m bedeule-ndr Mrngen \on Fourhligkeit
gebmitliMi. es konnte deshalh cine sole-In- Krhohung der Torfmoore Uber ihr
llrsprttngliohes Ni\eau nichl stattlinden. VNenn nirht siiininUiche , an ihrer Zu-
sammiMisftznng bolheiliglon Moose ausserordentlieh hygreskopisch wiiren und
die Ffurhtiiikoil der Luft in hohoiu Grade an sich zo'gen und fest hieltcn. Bei
der l"ii)\\andlmiu des Mooses in Torf verliert es sein vorfilztes Ansehen, \\ird
.srhNverer. brik-kelig, erdii: und schluinmig, deutlich erkennbare Pflanzentlu-il.-
\crsch\\ indt-ii. st>inc Farbi' ireht in oiiu1 anlanglich braune, dann dunkelschwarzo
iib.M-. linden solche Torfbildungen in SttnipftMi . \velche hinter DUneii lifucn,
statt und \vei-dcn sie bei dem LandeimviirtsrUcken der letzteren von Sand be-
dc.kl, so \\andoll sich dor Torf unter dem Drucke der auf ihm lastenden Sand-
hUiii-l. \\elche zugleich den Process der Vermoderung verlangsamen , in eine
braunkohl«Mi;ihnliche geschichlete Masse um.
Die Brnunkohle, das Kohlengestein der Tertiiirzeit, besteht wesentlich
aus den unler Luftal)schluss verwesenden Resten von Coniferen (Taxites, Pi-
niles. SiMiunia, Cupressinoxylum), Palmen (Palmacites, Sabal, Flabellaria) und
Laubhoi/AM-n Hclula. .luiilans, Quercus, Cinnamomum) . Siehe Historische Geol.
Terliiirfonnal. Braunkolilenl)ildung.
Dir Steinkohle dcr Krc id e formation (Wealdenkohle z. Th.) verdankt
ihr Malcrial iippiu \vuchernden und sich dadurch schnell anhiiufenden Cycadccn,
Coniferen und Baumfarnen. Siehe Histor. Geol. Kreideform. Wealden.
Die Steinkohle und der Anthracit der carbonischen Formation
sind \cr\\ csriidc. ihrcm Endziel bereils ziemlich nahe gerllckte Massen von rie-
sigen Gefiisskryptogamen : SigiHarien (und Stigmarien), Lepidodendron , Cala-
m'ilrn und Farnen, nebst sparlichen Araucarien, Palmen und Cycadeen. Siehe
llisl. (ieol. Carbon. Formation, Bildung der Steinkohlenflotze.
Die Anthracite desSilur, z. B. der Isle of Man, kb'nnen nur aus Aluon
t-nlslandon sein, da sich in den Thongesleinen der Silurformation, \velche sich
zur Consoniruiii: der fossilen Pilanzen so trefflich eigneten, bisher noch kcinc
Spur von Gefiisskryptogamen oder noch holier stehenden Pflanzen uclundcn
hai. und ebenso haben die Graphitschiefer und Graphilflotze der huronischrn
Schicfcr- und lanrentischen Gneissformalion augenscheinlich denselben Ursprung.
Sifhc Mist. (ieol. Laurent. Formal. Organisches Leben-. ^
§. > (iasquellen als Producte der Zersetzuug vegetabilischer Sub-
stanzeu. Die Kntwickluug der, wic si»cbci\ gr/rigl. aus dem NYrkohliin.^-
proci'sst- lH-r\nriZ«'hiMidrn Kohlciisiiurc und Kohlon\\asscrst(.il'uasc isi slcll.-nucisc
ciii,- >.. ivi.-hlirh*', dass sie zur Enlstehuni: lormlichrr Gasquellen die Vi-ran-
la>suni: girbt. So sind denn, ganz abgesehen von den Gas-Exhalationen fast
aller Vulkanen-Dislricte. an zahllosen Punkten der KrdoberllaYhe AusslrUmnnucn
%,,!! Si-h\Nercl\\a>ser.sloir, Kohleiisiiuiv. Sumpl'uas und olbildendem Gase bekaimt.
deren 1'rsprunu ein organisclu-r ist. Am auflalligslcn siud die Kohlen\\ass<-r-
slolV(iiu-lU'n. \\cil diese, in Brand grsh-rkl. hohe, mUchtige Flammen von bald
g«'nniier. bald bedeiitendcr Leuchtkrait l.ilden und dann als Erdfeuer be-
kanul sind. Die zahlreichsten und bcrUluntesten derarligen brennenden Quellen
13-
1 *.)(> III. DyimniiscliP Clcul.
sind die \on Baku mid drr ganzen Halbinscl Abscheron am ka>pischen Mecre.
t'crner die der Apeninnen in Ober- und .Mitlelitalicn. In den Olgegenden Nord-
amerikas enlstromen \iclen der x.ur (lew innung des Petroleum angdcgten Hohr-
li'dier Kohlenwas.ser.stoH'gase mil brauscndcm . zischcndein , weithin Imrbarem
Geriiusche. Ziemlich gewOhnlicfa sind ansserdem K(>lilciiwasserslofVc\li;dalioiien
,»us Steinsalx.lagern , welche zum Theil so bedeulond sind, dass sic /. H. bei
Szlatina in rngarn x.ur Ueleuchtung der Grube verwandt werden: auch das
l»ci dor Saline Gottesgabe bei Hhcinc sich cnl\\ickclndc (ias \\urdc zu llciz-
/.\\cckcn \cr\\andt: in China versiedel man auf i:c\visscn Salinen die Soole
\crmitlelst der mil ihr empordriogeiniee brennbarcn (iasc. Das Knislcrsalx.
\on \Viclicx.ka cnthiilt brennbares Kohlenwasserstoffgas in stark coinpriinirteni
Zustande.
Die Ouantitiit der Kohlensiiure, \velclie aus der Zcrselzunu \on 1'llan-
/eninassen resultirt, ist ausserordenllich J)clrachtlifh. Fast alle \Vassen|uelIen
bnniien dieses Gas aus der Tiefe mil sich hervor, um dasselbc der . \lmospliarc
zuzufUhren. Auf der andern Seite produciren die an der Erdoborlla'clic \er-
\vcsciulen IMlanzen el)uufalls Kohlcnsiiurciias . \velches die Rei:en\vasscr auf-
saiiiien und mil sich in den Boden fiihren. Durch ihren Kohlensiiure- (Jchalt
\\crdeii sie in den Stand gesetzt . zahlreiche Mineralien aufzuldsen und zu zcr-
selzen. um sie. nachdem sie grbssere Gesteiiismassen durchsickert haben. cnl-
\veder als Mineralquellen an das Tageslicht zu fdrdern, oder sich ihrer bercits
in Hdhlen und Spalten durch Absatz \\ieder zu entledigen.
§. 6. Sclilaiiinivulkniie als Resultate orgauischer Zersetzuugen. Die
SrldamniMilkane oder Salseu stehen in engsteni Zusammenhangc mil (iasquellen
und zwar besonders solchen von Kohlen\vasserstoffgas. Diese gehen , \vic im
\orii:en Paragraphen gezeigt, aus der Zersetzung von organischen Substanx.cn
hervor, sind die Destillationsproducte im Zustande langsamer Verbrennung Vcr-
kohlung) begriffener Pflanzenmassen. Denmach sind die Schlammvulkauc . so
schr ihr Ban und ihre Thatigkeit denen echter Vulkane ahnelt, nicht Reactionen
dcs gluthllussigen Erdinnern, \vie diese, sondern Producte dcs gewaltsamcn
Hervorbrechens aus Organismen erzeugter Case. Mil deni Ausslromcn der Ictz-
teivn ist sehr gewdhnlich das Ausfliessen von flilssigen Kohlenwasserstoften
Naphtha und Bergbl vergesellschaftet.
Die Schlammvulkane bilden kleine llache, kegelfbrmige Hiigel. \veh-he mci>t
nur l>is ein Meter, zuweilen 30 bis 50, ja in einigen. wenigen Fallen 150 und
niehr Meter Hd'he erreichen. Sie'bestehen aus thonigcm Schlannn. der \\iihrcnd
ihrcr Thiitigkcit in zahfltissigem Zustande sich befindet, bei lang amlauernder
Uidie jedoch austrocknet uud von unzahligen Rissen und Sprilngen dureli/o^en
wird. Auf dem Gipfel der Schlammkegel beh'ndet sich eine trichterlormigc
Kratervcrtiefung. auf deren Boden sich eine Anzahl kleiner OHhungen . die ci-
gentlichen Eruptionscanale , befinden. Wahrend des uewdhnlichcn Xii^l.nides
gleichmiissigcr. ruhiger Thiitigkeit dieser Schlamimulkane entslromt dicsenOll-
nungcn mil elwas Kohlenoxydgas oder Kohlensiiure gemischles Kohlenwa»er-
vtotlgas, welches einen mehr oder minder starkeii Strom bilden kann. Haben
sii-h in dem Kraterbccken atmosphiirische Wasser angesammelt . wclehe einen
III. |)\nami-rhr (ii'olo-io. '*"
Theil des Thoncs aiifwvichcn und mil diescm cine breiartiuc Mass.- bilden. so
vxird diese, falls dUnnlliissii:. .lurch die cmpordrinucndcn Gase in einer wal-
|,.nden Bcu.-.mi: crhaltcn . falls xiihtlUssig , brim Zerplal/en der sic!, an dcr
Ohcrfliichr bildendcn gfwWH) (iashlascn ninliorgosdiloiidorl. In Geuendcn, wo
Nidc kleinc Schlanunkep-l sich befindcn. \Ncichldic ganze Thonmasse zu cin.M.i
gro^en SchlammpfilWe auf. wddu-r an dcr Stcllc . NVO die Gase entstromen,
sich in broddndcr Hfwrgung hclindcl. Im Zustande dcr Aufregung, welcher
frcilich nur scltcn cinlritt nnd nur kurze Zeit andauert. zeigon sic don Eruptionen
dcr Stratovulkanc ganz ahnlichc !• rsrlu-inun-cn. Unterirdischer Donnor und crd-
|u.|.cnartigc Krschiitlcrunircn dcr r.nuchunir verktinden das Eintrct»-n fines
lu-lti-cn AuslH.ichcs. Der Schlamm im Kraterbecken erhitzt sich, cine Dampf-
siiulc crh.-bt sich, die mit Energie emporgestossenen Dampfe und Gase schleu-
,[(.rn Schlamm und Steine umher und liber 30 M. hoch in die Luft. und prcsscn
cndlich Strome \on \\armcm odcr heissem Thonschlamm hervor, vvelche Koch-
sal/, aul^.-li.st und Naphtha in oft l)etriichtlicher Menge beigemengt enthaltcn
nnd sich zmveilt-n auf l-.ntfcrnungcn von »/2 bis S^gen 1 Meile weit ergiessen.
fl.crhaupl hdindcn sich in der Nahe dcr Schlammvulkane fast regehnassig
/inn Tlu-il s(>hr l>cdcut«>ndc Erdblquellen . Producte desselben Processes, wie
die Gase der Sclilammvulkane.
Das Yorkonuncn der Schlammvulkane ist auf Sicilien, Italien , Island, auf
die (icizcndcn dcs Kaukasus, die dcs kaspischen Meeres, auf Java und Trinidad
lu'schrankt. Einer der berlihmtestcn ist die Macaluba unweit Girgenli , cin
llauptschlainmkfgrl von 50 M. Hohe, auf dessen flachcr, 1/2 Mi8lia im l'"lf;"^
mcsscndcr (lipfeiflachc mehr als 100 kleine, zum gr5ssten Theile thatige Schlamm-
vulkane VNar/.enfbrmig aufsitzen. Am westlichen und ostlichen Ende des Kau-
kasus auf der Insel Tainan und an den Ufern des kaspischen Meeresl sind
dics<> Salscn in soldier Zahl und Grossartigkeit concentrirt, dass jene District
darin mil kcincr anderen Gegend der Erde verglichen vverden kannen. Audi
an ihnen trill die Alihiiniiiiikoil der Schlammvulkane von grossen, unlcrirdi-
schrn llcrdcn dcr /ersetzung von organischen Substanzen in ihrcr stetcn Vcr-
-..sdlschaftunii mil Naphthaquellen auf das deutlichste hervor.
Die Zeit als geologischer Factor.
Die \Virksamkcit der Kriifte, welche sich als llauptaLicnlicn in dcm Knt-
wickluniisprocesse der Erde bcthiili-en, bedarf zum grossen Thcile -c wal I iuc r
/,-ilraume, urn ihren Einfluss auf die Geslaltung der Enloberfliichc \\ahr-
ndmiliar y.u machcn. Di<' Liiniir dicsrr Zcilriiumc isl cine so aiisscrordcntlichr.
diiss uns. die \vir nach .lahren zu rcchncn ^cxvohnt sind, jedcr hcslimmlr
Maassslab liir dit-s«'lbcn fchlt. Um einen solch.-u x.u gr^inm-n, hat man \ cr-
Slicht. die I.aiiiie dcr .Id/t/.eil . also dcs Zcitraumcs ah/.iisrhiitzen , seit dessen
Hciiinn das organisdir l.eb.-n auf Enlcn srim-n heutigen (Jcsainmlcharaklcr an-
-cnommcn und scildcm nidit \vcsenllich \rriimli-rt hat, Derarlige Berechnun-
'.;«'n crgclxMi so enorm grossc Zahlcn , dass man zu zogern versucht ist. ihre
Wahrhcil an/.u(>rkcnncn. \venn man berucksiditigl. dass sic sich allein auf die
I'.is
III. I)\ii;iiiii-clir (i
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.Ict/t/cit Ite/iehen. und d.iss dicsc nur eine i-inzii:e dcr ueuiss naeh Ilundcricii
zahlenden IVriuden in dcr EntwioklungSgeschichte dcr Erde und ihrer Bewoh-
ncr ist. Man schcutc sieh, wie gesagt, die cnnnnen Zahlen, die aus dieseii
Factoivn rcsultiren , anzuerkennen, obwohl man langst ge\\iihnt ist. einen an-
deren X\\cii: dei- Nalurwissenschafl , (lie Astronomic, \\elche mil dcr (ienlode
so zahlrciche Berllhrungspunkte hat, mil dem menschlichen Geiste vollkommen
umfassbaren Grossen rechuen zu sehen, wenn sie den Durch-
messer der Erdenbahn als Maasseinheit fiir vide kdsmisdie
Entfernungen benutzt.
\\cnn es gelingen sollte, geologische Vorgange mil
berechenbaren astronomiselien Anderungen in Beziehung
zu bringen , so wiirde es moglich sein, auch fttr die Geo-
logic ein absolutes Zeitmaass feslzustellen. Bis jetzt aber
fehlen uns derartige Anhaltepunkle : wir konnen deshalb
nur versuchen, einige Vorgange der Jetztzeit auf ihre Dauer
abzuschatzen, und miissen uns fiir Ereignisse friiherer Pe-
rioden mil einer Bestimmung ihres relativen Alters, d. ii.
mil der Beantwortung der Frage : frtiher oder spaler, alter
oder jiinger als andere Vorgange und Erscheinungen '.' be-
gniigen. Fiir ersteren Zweck hat man namenllich die im
Zustande des stetigen Zuriickschreitens begriffenen Niagara-
Falle benutzt.
Der Niagara ist der Ausfluss des Erie Sees, wendet
sieh in nordlichem Laufe nach dern Ontario und stellt so
eine sechs Meilen lange Verbindung beider Seen her. Fast
genau in der Milte zwischen diesen Wasserbecken bildet
der Fluss die 55 M. hohen Niagara -Falle. Von diesem
Punkte an schiesst das \Vasser, stall wie bisher auf einem
Plateau, in eiuer tiefen, engen Schlucht mil seukrechten
Wanden fiir I J2 Meilen dahin, urn bei Queenstown in die
offene Ebeue des Ontario Sees zu treten uud sieh dann
in langsamem Laufe bis zu diesem zu bewegen.
Der Landslrich zwischen Erie- und Onlario-See be-
steht aus den Schichten des oberen Silur, welche sehr
flach gegen Sliden, also nach dem Erie-See zu einfallen,
so dass ihre Schichtenkople gegen den Ontario zu gerieh-
tet sind und nach diesem zu eine schrod' abfallende Fels=
wand bilden. Sie bestehen in ihrer oberen Miichtigkeil
aus feslem, compactem Kalksteine, in ihren unteren Lagen
•21 M. aus Schiefern und unterhalb dieser aus Mergeln
und Sandsleinen. In diesen silurischen Schichtencomplcx
^^^ hat der Niagara vom Falle bis nach Queenstown eine 70
bis 80 M. tiefe Felsschlucht eingeschnitlen. Die Felswand
d I Fig. -22), Uber welche sieh der Fall stiirzt . beslehl deshalb in ihrer un-
teren Ha'lfle. aus verhaltnissmassii: wcichen Schiefern , in ihrer oberen Hiilfte
III. IKnaim-rlie (ieolojjir.
aus Kalkslcin. Am l;u»c des Falles \Na.xelu-n die wiihlenden Wasserniassm
die lorkt-ivn Schiefer aus uncl unterminiren dadureh den Kalkstein , \\elcher
xtilckweise herunterltrieht, so dass die \Ya>sertalle langsam stromaufwarts riirken.
Ahnliehes siini: friiher \«>r sirli. Antandieh hat sic-l\ dor Niagara-Fall iil.cr die
IVIsuaiid Iti-i Queensto\\n direct in die Ontario-Ebone iieslur/.l, in Foliie der
unterwuhlemlen Thiitigkeit seiner Kluthen ist er jedoch ini l.aul'e der Zeit his
y.u seinein jet/iuen Standorte zuriU'ki:eN\ ichen, so class jeder Punkt dcr Fels-
sehlueht z\\isehen diesein and seinein ersten Fallorte bei Queenstow n zeitweilii;
die Wasserfalle bosass. Kdnnen \vir das Maass ihres jiihrlichen RUckschreilens
alisi-hiit/en, so sind wir ini Stande, aus dieseni und der Distan/, welche sic
zuriickleuten , die Zeitdauer zu berechnen, die das gesamnite ZurUckvveichen
in Ansprucli nalnn. Man schiitzt das jahrliche ZurUckschreiten auf hochstens
8^33 M.. so dass, da die Schlucht 12,000 M. (•! i/2 Meilen) lang ist, wenn nicht
einzelne Stillstiiiufe durch Auftreten von ha'rteren Schichten eingetreten sind,
\\elche das Zeitinaass noch um vielcs vergrossern wtlrden, wenigstens 36,000
.lahre verstrichen sind, seit der Niagara begann, seine Schlucht durch RiU-k-
\\aitsiiu-ken der Fiille auszuwUhlen. Nun kennt man aber auf dem Plateau,
in 'Welches die Niaizaraschlucht eingeschnitten ist, und zwar auf beiden Seiten
der let/teren, Geroll- und Sandablagerungen niit Schalen von Unio-, Melania-
und Paludina-Arten, welche heute noch in jenen Seen leben, und die nur al»-
uelauert \vorden sein konnen , ehe die Fa'lle so weit nach dem Erie zu hinauf
iieriiekt waren und ehe die Schlucht ausgewtthlt war. Die Zeitraume, die znm
F:inschneiden der Schlucht noting waren, also 36,000 oder wahrscheinlich mehr
.lahre. uehoren, wie aus der Identitat der subfossilen und noch in derselben
Gegend f»n-Uebenden Mollusken geschlossen werden muss, der Jetztzeit an.
Die Lange dieser Zeitraumes lasst ahnen, welche Zeiten darUber hingingen,
die der Colorado-Fluss (pag. 168) sein 60 Meilen langes und bis 2000 M. tie-
fes SehluehiensNsiem zum Theil in dem hartesten Granit auswUhlen konnte.
Auf Zeitriiume von iihnlicher Grosse lasst das Verhaltniss zwischen Koral-
lenhauten und Korallenwachsthum schliessen. Das Wachsthum der riflbauenden
.Madreporen betriigt etwa 2 Cm. im Jahre, da jedoch die oberen Enden der
K.irallen/.weige von den Wellen abgebrochen und durch das Spiel der Wogen
allmiihlieh zu Korallensand zerkleinert, /.um AusfUllen der Hohlraume und somit
dazu l>enut/.t werden, den locherigen und iistigen Korallenbau. in einen com-
paeten Korallenkalk umzuwandeln , so wird das Wachsthum der gesammlen
Oberfliiche dos Korallenbaues kauin I Cm. bctragi-n konnen. Ks giebt Ko-
I'alleninseln \on 600 bis 700 M. Ho'he, welche unter den oben angenoinmenen
Verhaltiiissen 70,000 Jahre gebraucht haben wUrden, um zu dieser Hohe an-
zuwaehsen. Die Mo'glichkcit der let/teren verdanken die Koralleninseln saecu-
laren Senkungen des Meereshodens siehe pag. 132); sehen wir nun, dass
sich z. H. Skandina\ien I M. im .lahrhundert emporhebt, und wollten wir die
Senkuni; des (irundes des Stillen Oeeanes nach iihnlichem Maasse abschiilzen
wie jene lleltung, so resultiren als Zeitraum, innerhalb dessen jene Senkung
von 600 bis 700 M. vor sich uini: . etwa 66,000 Jahre, also ahnliche Zahlen,
wie die aus Berechnuni: des Korallenwaehsthuines erlialtenen.
200 II. iKnamisriie ( '
Mine noch andere Zeit.seli.it/un;: hat man mil Bezug auf (lit- KorallenrilTe
\erMieht. \\elche Florida jelzt unii:el>en. Kin grosser Theil der Kiisten dieser
llalbinsel ist von vier conccntrisch aufeinander folgenden KorallenriiTen um-
giirlet. \un denen fines nach Volleudung des anderen vom Grunde des Meeres
aus aufgebaut \\urde, und welche erst in Folge einer langen Reihe von ahnliehen
Hani. -n enlstanden zu sein scheinen, deren Gesammtheit jetzt die flache Halb-
insel Florida hildet. Die Ausbildung jedes einzelnen dieser jiingsten Ritte hat
\\enigstens 8000, aller vier zusammen inithin 32,000 Jahre erfordert, und
bestiinde Florida auch nur bis zum See Ogeechobee, 2 Breitengrade weiter nord-
\\iiiis. aus lauter, wie jene vier, durchschnittlich 1 Meile \veil aus einander
liegenden Riffen, so wtirden 200.000 Jahre zu dessen Bildung noting gevvesen
sein. Und in dieser ganzen Zeit sind die bauenden Korallen- und anderen
Thierarten, deren Reste in den Korallenrift'eu sleeken, ini Golfe von Mexico die
nehinlichen gebliel)en.
Wenn solche Begebenheiten in Zeitraume fallen, wahrend welcher die zoo-
logischen Zustande der Erde stationar und unverandert blieben, welche Zeit-
riiuine ino'gen wa'hrend der zahlreichen tertiaren Perioden, innerhalb deren
sieh Flora und Fauna fast durchga'ngig und vollkonunen iinderten, verflossen
sein. Und welch eine untergeordnete Stellung nehrnen \viederum die tertiaren
Perioden in der Chronologic der Erde ein !
Eine Idee von der Grosse der geologischen Perioden hat man sich auch
durch Abschatzung des Zeitraumes zu verschaffen gesucht, welcher erforderlich
war, um die gewaltigen Quantitaten von Kohlenstoff in der Steinkohlenformation
aufzuspeichern. Die Vegetation unserer \S"a'lder liefert in 100 Jahren eine ge-
niiuende Menge Kohlenstoff, um eine Schicht von 16 M. auf der Oberflache
do von ihnen bedeckten Bodens zu erzeugen. Die Gesammtma'chtigkeit der
Steiiikohlenflbtze von Saarbrtlcken betragt 113 M., so dass unter ahnlichen Be-
dingungen mehrere Jahrhunderltausende zur Ablagerung des dortigen Kohlen-
materiales erforderlich waren. Yergleichen wir ferner die Pflanzenwelt der
oberen iproductiven) mit der der unteren Steinkohlenformation , so stellt sieh
heraus, tlass von der letzteren, aus 104 Arten bestehenden Flora zwar alle
(ienera, aber nur yio der Species in die productive Kohlenformation Ubergehen.
Dii-ses fast vollstandige Aussterben einer Flora spricht flir die La'nge der Zeit.
xvelche man der Bildung der einzelnen Abtheilungen der Kohlenformation zu-
schreiben muss. Zieht man aber erst die tolale Verschiedenheit der carboni-
sehen Flora und der jurassischen und dieser und der tertiaren in Belracht.
ixler \ergleichl ein von Thieren belebtes Landsehaftsbild der Silurperiode mit
einem der Jura-, der Diluvial- und der Jetztzeit , und abstrahirt man von pe-
riodischen SchdpfuiiuseinuriHen in die KnlNNieklungsgescliichte der Krde . SO
ullnet -icli dem Blicke eine Vergangenheil, ftir deren Abschatzung uns die Kraft
fehlt. \Vie verschwinden gegen sie die \\enigen Tausend Jahre. l>is zu \\elchen
die .Nachrieliten iiber unser eigenes Geschlecht zurtickreichen ! -- Alle geologi-
schen Zeitberechnungen kiinnen desiiall) \veiter nights be/\N«-eken. als uns zu
uberzt'ui:en, dass \vir in der EntwickiungSgeschiehte der Krde mit
u neriness I ie li gmssen Zeitriiumen /. u reehnen haben.
Yierter Absclmitt
Petrogenetische Geologie.
§. I . Aufgabe der petrogenetischen Geologie. Naehdem in den letzton
beidon Absehnitton dor pelrographisehe Charakter der Gesteine, welehe die
Krdkrusif /u>;muuonse%tzen, sowie die Kriifte, welche Uherhaupt einen bilden-
den und liostaltomlon Einfluss auf die Erdrinde austiben . geschilderl \vordon
sind . lieirt die l-'raue nahe, auf welche \Veise jene Geslomsarten (lurch Vor-
mittoliiii!; dioser Krafie ihren gegenwiirtigen Zustand und petrographischen Ha-
bitus erhaltoii ha ben? Mil der Beantworlung dieser Frage beschiiftigt sicii die
petroiioiietisrhe Geologie, die Lehre von der Gesleinsentstehunu.
Die Entstehung irgend einer tellurischen Gesteinsart ohne Mitwirkuug ent-
\vod.-r des Vulkanisnms oder des Wassers 1st undenkbar, -- imd in der That
lasst sicli auch die Bildung aller Gesteine auf die Thatigkoit cines -dieser bei-
den Agention xurUckfiihren. Je nachdem dies der Vulkanismus oder das Wassor
i.st. werdeii die (lesteine ihrer Entstehung nach in eruptive und sedimen-
tiire getrennt.
A. Die Eruptivgesteine.
§. 2. Entstehung der Eruptivgesteine. Die Eruptivgesteine sind in
glulhfliissigem Zuslamte aus der Tiefe der Erde hervorgetreten und an dor
Erdi.borllaoho odor nahe derselben mehr oder vyeniger rasch erslarrt. Die An-
Nvesenhoit \on oluiinisch gebundenein oder von Uberliit/.loni Wasser oder ond-
lich von Wassordjiinpfcn isl boi diosor Knt.steliungs\M-iso niclil ausgeschlosscn.
(liirl iin C.oiienthcilo auf das beslimmleste \nrausgesol/.l NVoi'don. Auf eino
Mit\\irkung ilo> \Vassei\s Itoi Bildung der Eruplivgesleino aiioh in don IViihoivn
neologisohon /.eitallorn weist schon die Analogic mil (l«-n Kniptionsorsoheiimn-
uen dor hoiiiiucn Vulkano hin. Jede Eruption isl mil enormen Dainpl'ausslrii-
nmngen und I'Aplosionen \orbundon und .-l.ouso onl\\ ickoln <lio Laxastriiine
soll.sl, bis sio erkalten. aus ihron Hissen und Spallon urosse Mengen von
\Vasserdiiinpfen. Die fliissige Lii\aiuasse muss deshall) von Uberhitztem
\Va>ser odor Wjissordampf iiiipriignirl soil), wenn sio sioh auoh in erslarrteiu
2<!'2 vi. Pelrbgenetische
Xu>i;iM(lf l'a>l vollkoiniucii \\asserlVei erueisl. Der WassiTgehall , der duivh
MaiischanaKsen in zahlreichen EnipUvgesteineD nariiiieuiesen isl. k;inn mi uiul
I'iir sirh nichl ;ils maassgebender Be\\eis t'iir die MiUvirkung des Wassers bei
Hildung derselben angesehen \\enlen, da er rrsl spiiter einiiednmgen sein
mag. - - in vielen Eruptivgesteinen sind jedoch die Belege fUr die Tlieilnalune
drs Wassers ;m ihrcin Bildungsv0rgange gewissermassen versieinert erhalten.
nelimlieh in Geslalt mikroskopiseli kleiner Ilohlriiume , welche wasserige Solu-
lionen z. B. von Chlornatriuin uinschliessen. Diese FlttssigkeitseinschiUsse
siehe pag. 27) sind in den Quarzen fast aller und in den Feldspathen vidcr
Granite und Syenite in unzithliger Menge vorhanden und enthalten zum Tlicil
klt'iiu> Luftbljischen , welche sich beim Drehen des DUnnschliffes bin und her
hr\\vgen, und neben diesen nicht sellen kleine WUrfel von Kochsalz, wolche
lose in der Losung liegen (siehe pag. 27). Gegen die Annahme, dass die
in den Poren befmdliche FlUssigkeit erst im Laufe der Zeit in die Hohlraunie
eingedrungen sei, spricht namentlich der Umstaud, dass sie in den Hohl-
riiuinen so hermetisch abgeschlossen ist, dass sie selbst beim heftigen Erhitzen
nicht entweicht, was der Fall sein wilrde, wenn sie durch Haarspalten oder
Caniile einfiltrirt worden ware.
Die Annahme eines dampfbeladenen oder durchwasserten Zustandes des
sehmelzflilssigen Gesteinsmaterials findet eine weitere Unterstiltzung in dem
Vorkommen von ausgeschiedenem Quarz in vielen Eruptivgesteinen , cinem
Minerale, fUr dessen Entstehung durch Abscheidung aus einem rein glulli-
flilssigen Gemenge weder kilnstliche, noch natilrliche Vorkommnisse sprechen,
\\iihrend es auf der andern Seite gerade der Quarz ist, dessen Reichthum an
Wasserporen auf eine Mitwirkung des Wassers bei seiner Bildung hindeutet.
Auch eine Reihe eigenthtirnlicher Erscheinungen im Contacte gewisser
Erupti^ gesteiue mil ihrem Nebengesteine (die Contactmetamorphosenj finden
ihre befriedigende Erklarung allein durch den Wassergehalt ersterer. Man
kann nur annehmen, dass das iiberhitzte Wasser, das sich bei der Abkiihlung der
Eruptivmassen ausschied, mit Mineralsubstanzen beladen in das Nebengest^in
eindrang und zur petrographischen Umbildung desselben Veranlassung uali.
Eine wesentliche UnterstUtzung h'nden diese Ansichten in den Untersuchungeg
Daubree's, aus welchen die grosse mineralbildendo Kraft des iiberhitzten Wassers
hervorgeht. Durch Einwirkung des kt/teren gelang es ihm u. A. Quarz und
Feldspath darzustellen , und Obsidian in eine feinkbrnige, trachytahnliche ,Ma>st-
uinzuwandeln.
Eruptivgesteine, bei deren Entstehung Wasser in uberhilztein oder dainpf-
rnnnigeiii Zustande eine Rolle gespielt hat, bezeichnet man wohl als h\dato-
|> \rogen. Ehe sich die Ansiclil eines solchen h\datopyrogenen Ursprnn.-cs
der Eruptivgesteine allgerneine Anerkennung verschafll hatte, wurde es ver-
sucht, die Widersprilche gegen eine rein uluthllussi-e Knlstehuni;s\vei>e der-
selben, welche in ihrer mineralischen Ausbildung zu liegen scliienen, durch
die Aiuiijlinie zu beseitigen , dass sie ursprilnglich zu amorphen oder dichten
ii erstaiTt seien und erst im Laufe der Zeit durch hydro-chemische Pro-
• esse ihren heutigen petrographischeo llalulns erlangt hiitten. Die ZurUck-
IV. ivir»'-:eiiciiM-iie Geologic. 203
des krxstallinisclien Charakters der Granite, Porplmv. Trachyte und
iihnlieher selUst \m\ii vulkanischer Gesteine der .lel/lzeit aut' einen derarliizen
Voicing \vird schon iluivh die Thatsache widerleiit, dass vor unseren Auuen
entstandene l.avi-n unmittelbar nacli ihrer Krkaltunu ebenso \ollkoinniene
Kr\stallindi\iduen einschliessen . \\ie \\ir sit- in den alteren Eruplivgesteinen
vorfinden.
Was die Bilduni: der \erschiedenartiuen eruptiven .Mineralijeinenge be-
(rillt. so liat Hun sen /.uersfr mil hesoiulerem Bezug auf die vulkanischen Ge-
steine Wands und Transkaiikasiens. spiiter mil Anvvenduug auf iiltere Erupliv-
die Ansieht ansuesprodien , dass dieselben Mischungen zwcier ur-
Nonnalniassen seien , welche aus getrennten vulkanischeu Herden
.ilotainmten und sich ill verschiedenen Verhaltnissen mengen konnten. Die
z\v«'i t-xtreinen und x.ugleich ursprUnglichert Glieder der auf diese Weise ent-
standenen und i:enetisch verknlipften Gesteinsreihe \\erden als noriual-
t raeh\ tiseli und norm al-p yro \euisch bezeichnet. Ihr Unterschied be-
I'uiit iin Wesentlichen auf ihrem Kieselsaureizehalte ; das normal -trachytische
Misehuni:sinaterial ist sehr kieselsaurereich ^76 — 67 Proceut), das normal-
(»\ni\enisehe sehr basisch und somit armer an Kieselsiiure (48 — 47) Procent),
so dass das Sauerstoffverhaltniss der Sa'ure und der Basen bei den ersteren
:',(>. .»<)T also "> : 1 1 bei letzteren 3: 1,998 (also 3:2) ist, wahreud es bei alien
ultrii^en vulkanisehen Gesteineu z^ischen 3:0,579 und 3:1,948 sehwankt, so
-ie als Mischungen jeuer beiden extremen Glieder zu betrachten sind.
Line anspreehendere Ansieht, welche durch Sartorius von Walters-
h an sen vertreten wird , geht davon aus, dass in der Tiefe der Erde eine
allinahliche Diehtiiikeitszunahrne und durch diese bedingt eine allmahliche Aende-
i uni; der materiellen Beschaffenheit des guthflilssigen Inneren stattfinde. Nach
jenem Geologen stammen die beiden von Bunsen beanspruchten ursprilnglichen
Mischuniisinateriale nicht aus gesonderten Herden, sondern repriisentiren sehr
\\eit von einander liegende Glieder dieser stetigen Reihe von verschieden-
artiiien, sebmelzfltlssigeo Materialien , deren Charakter sich nut zunehinender
Tide iindert. Je nach der grbsseren oder geringeren Tiefe, aus welcher die
eruptive Gesteinsmasse hervordringt , wird denmach ihre Zusammenselzunu;
cine verscbiedene sein.
§. 3. Charakteristische Eigenthiimlichkeiten der Eruptivgesteine.
Die I'.ntsclieiduni:. ob ein Gestein eruptiven Ursprungs sei, ist in vielen Fallen
mit ScltNvieri^keihMi \erknUpft, da die alteren als Eruptivmassen angesproche-
nen (iesteine \on den jilngeren edit vulkanischen, bei deren Entstehungsacle
der Mensch Zeu.ue \\ar. in vielen Be/ieliunizen abweichende Erscheinungen
darbieten. (ie\\is>e Structur- und LaL-erungsverhaltnisse sind jedoch so allue-
inein an eine eruptive I'.iilsiehun^su ei-e Lielmnden, dass sie, \\enn auch nicht
jedes fUr sich allein, so doch , sobald sie ihrer Mehrzahl nach an eine in
Gesteine auftreten, als inassiieliende Anhaltspunkte filr deren Genesis
dicnen kiinnen. Als solche durch eruptive Enlstehung bedingte Charaktere
konnen angefUhrt vverden :
I) massige Structur, al«o das Fehlen eehler Scliichtuni; oder Schie-
201 IV. lVtri>:;i'!iftisrlif <i
t'enini:. \\ie sic hei Sedimentgesteinen ausgobildot \\inl. \\emi aueh pliitten-
fiirmige Ahsondoninuen uiul Andeutungen einor ParaUelstructor nicht vollstiin-
dig ansgesehiossen sind.
2) A I»\N esen h o i t von orga niseho 11 Kesten. wiihrend let/tore ;ils
y.ahlreiche zufiillige EinschlUsse, selbst als Geslein bildendos Material den Se-
dimeiiiuestcinon einen ganz bezcichnenden Habitus verleihen, ohne dass jedoeh
alle gesehichteten Gesteine reich an ihnen sein milssten.
3 Sii ul c n I'tir in iuc odor sphac roidische Absonderung. \velcln1
It't/lcro Itesonders bei Vcnvitteruni: des Gesteines hervortritt.
i Glasige . l)lasige, schlackige oder mandelsteinartige
St ructur.
•") Fluctuationsst ructur. \vie sie sich in glasigen und halltiilasiizcn
dcstcinen (Pechstein. Obsidian , sovvie in der glasigen Zwischendr^ngongsmasse
kdrniger Gesteine (Basalt, Melaphyr) zeigt.
ii (ilaseinschlUsse in den krystallinischen Mineralelementen eruptiver
Gesteine, welche nur als von den sich ausscheidenden Mineralindividuen uin-
schlossene Theilchen des gluthfliissigen Magmas aufgefasst werden konnen.
7 Durchgreifende Lagerung, also das Durchsetzen anderer (ic-
steine, welches in Form von Giingen oder Stocken gescheheu kann und
die Moglichkeit weilcrer ftlr die Eruptivgesteine bezeichnender AusbilduiiL:>-
formen und damit der Entstehung von Kuppen, Decken und Strom en
und in gewissen Fallen auch der Stratov ulkane bietet.
8) Zerspaltungen des Nebengesteines und in Folge davon st-it-
liche Inject ion en der Eruptivmasse in let/teres Apophysen). sowie Zer-
malmung desselben durch die emporgepra'ngte Eruptivmasse und in Fobe
davon Bildung von Reibungsbreccien, sowio Umhilllung einzelner von
dem Erap*fvgestein oft aus' grosser Tiefe emporgehobener Nebeni:*'-
sleinsbruchstucke , endlich St auch un gen und Win dun gen der Schichten-
i-nden, mil denen das Eruptivgestein in Contact und Conflict getreten ist.
9) Reibungsflachen oder Frictionsstreifung an den Wiindm
der Eruptionsspalten.
10 Fe i ner \verd en des Kornes nach den beiderseitlgeD Hc-
grenzungs-, also Abktihlungsflachen zu. wo 'sich in Folge s»>lir
rascher Abkiihlung sogar glasige Structur einstellen kann.
11 In seltenen Fallen Spa 1 tenbildungen und Stbrungen des
Schichtenbaues in der Niihe eincelnep Braptivgesteihe, dime class sie jedorli
imiiier als I-'dlgen der Eruptionen aufgefasst werden dtlrften , sondern \iel-
melir als der Eruption vorausgega n gen und diese tlberhaupt ennOgtichende
Hodingungen /u betr;icliten sind.
12} Contact meta morphosen , welche sich y.uweilon von Seilen der
Kruptionsmasse ant' d;is Nel)eni:esteiti geiiussert haben und sich dann in Form
von FrittuiiL-eii. Verglasungen . Verkdkungen. rmkr\stallisirunL; und Material-
/.ut'iilirunueii li\d;ild-(l)erinisclie lmpragnatif)nen kmid geben.
Teller den erupti\en l"rs|>rung einer grossen Heihe von Gesleinen kann
nielit der i:eriiiLi>te Xxveifel oliw;il(en. <ienn wir selien sie in gluthflttssigem
IV. Petrogenetische (ieoiniM.c.
Ziistande hemu-breehen und zu kryslailinisi-hen (iesleineii, zu basaltisehen
oder iraehUiselien La\en erslarren. Bei anderen. deren Bilduni: in die Zeit
\iii- dcin Aut'lrelen drs Mensclien lallt. 1st die Idenlitiit Hires pelrographischen
Charaklers und Hirer l.ai:enini:s\ erliiillnis.se init donjenigen der \<>r unseren
Augen entslehenden l.a\en cine so \ollstiindige, dass wir Hmen dieselbe Ur-
sprungs\\eisr \\ie diesen /ugi'slrhen mUssen. Ilierher gehoren die Basaltr.
Trachyte und Phonolithe der homogeneu Vulkanc, sit- nebst den Laven dcr
Stiat(i\ulkai>t- \\crdeii uacli den I'unkten iluvs IlcM'vorbrechens vul kanische
ndcr jilnutTf Kru|>li\i:esleiiie uenannt. Durcli dio lioinoiienen Vulkane sind
dirsrll.eii mi: xerkniipt't mil den iilteren E rupti viiestei n e n, welche uan/
alinlicli \\ii- diese in (iiinuen, Stockon, Kuppen und zuin Tlioil \\eit aus^edehn-
u-ii Deeken /.\\iseiien nieso/.oisclieii und palueo/oischen Formationen aul'trelen:
in. in pfleute sie als plutonisch zu bezeichnen und glaubte anneliinen zu
inussen. dass sir die lief ini Inneren tier Erdkrusto unter hoheiu I)ruck»- er-
Ntarilen Theile von Lnvaei-uiessun^en seien, deren obere Partien ini Laufe
d«-r Xi-il /.erstoi-l und weiiizeiulirl waren, eine Ansicht, welche, wie die de'eken-
f>rnu>- Ausbivitunsi der Diabase, Melaphyre u. A. auf dern einstmafigen
Mretvs-i-unde, ferner die Vergesellschaftuiig der Diabase und Porphyre mil
lullen. endlich die Haufigkeit von RollstUcken eruptiver (sog. plutoniselier
(ifsteine in nur \vonig jUngeren Gonglomeraten beweist, eine irri^e isl und
iiur da/.u diente, eine unnaturliche Scheidewand zwischen den vulkaniseheii
I'rodueten der Jet/tzeit und tleneu vertlossener geologischer Perioden auf/.u-
lieliten. Ks (Miipliehlt sich deshalb, den Ausdruck plutonisch gauzlich aus/.u-
merzen und dafilr die Bezeichnung : altere Eruptivgesteine zu wahlen.
Ein Vergleich des petrographischen Charakters dieser beiden verschieden-
alteriizen Ueihen von Eruptivgesteinen ertziebt das interessante Resultal, dass
die jiiiiLieren ue\\ issennaasseii nur spatere Wiederholungen, neue Auflagen der
iiHeren Mineralcoinbinationen sind. Dem. Granit und Felsitporphyr mil dem
F.-lsitfels und Peehstein entsprechen die kornigen, porphyrarliizen und fel-
sitischen Ouaiv.traelix te mil dem Perlit und Obsidian (alle aus Orthoklas ml, r
Sanidin, Oligoklas. Quarz und dimmer beslehend], dem Diabas die Plagioklas-
l.asalte und Dolerile (Plagioklas, Augit, Magneteisenstein); dem Diorit und Por-
phvrit der llornblende-Andesil (Oligoklas, Hornblende und zum Theil Quarz
Verhiillnisse \\elche aus der bereits in dem pelrographischen Theile dieses
l.elu-biu-hes gegebenrn Tabelle (pag, 4H; liervorgehen.
§. :\. Eruptive Natnr der basaltischeii und tracliytischen Gesteine.
Die Erupt ionsproduct*- der heuligen Slratovulkane sind zum Theil gellossene
und spiiter erstanle Massen, die Laven, zum Theil lose AtewQrflmge, nehm-
lich Selilaekenstueke, Lapilli, Aschen. Die LJIM-II erseheinen an ihrer Ober-
tliiclie als seldaekige, naeh ihrem Inneren zu aber als kornige oder |>orpli>r-
artiue (iesteine. deren kr\ stallinische Ausbildunusueise mil der Langsamkeit
der Abkuhlung und Ersijirrung an Deulliehkeil zugenommen hat. Die wcseni-
lichen (lemenutlieile der Laven sind enl\\eder Augil . Plagioklas, Nej)helin.
Olivin und Leucil , oder Sanidin, Oligoklas und Hornblende, wonach man sie
als basallische und Irachylische in zwei Gruppen Irennl. SHiumtliche Laven
2(M> IV
tier .lelztzeit beslehen z\\ar aus Silicaten. enlhallen jedoeh k.'ine ausp-.sehiedene
freie Kieselsiiure, also keinen Ouarz. llir Wasser^ehali ist trotz der grossen
Rolle. \\elrhe d.is \\~asser bei ilnvr Kruption spiell. nur ein sehr ueringer.
PetrographtSCh lassen sich die ;ius den jetzt thiiliiien Stratovulkaiien ijellosM-iien
Laven von den versrliiedenen Ba >a I t ue st e i n e n. Andesiten und Tra-
cliyten der homogenen Yulkane der Tertiiirzeit gar nit-lit trennen . nur ist in
sehr \ielen Trachyten auch Quarz als krystallinischer, wesenllicher (ieinent:-
theil vorhanden, was den Beweis liefert, dass aus vulkanischen Silic;it^cinen-
uen unter i:e\vissen Umstiinden wahrend ihrer l-j-slarrung die Oberscbttssige
Kieselsaure in Form von Quarzkrystallen ausgeschieden \verden k;inn. D;is
\\enn auch sellene Vorkommen von Wasserporen innerhalb der triichytichen
Quarae spricht dafiir. tliiss es tlein gluthflilssiiien Magma heigemengtea Wasser
war. welehes hei dessen Festwerden die Quarzausscheidunu \ermittelle. Dass
durch tlie wahrend der Tertiarzeit hervordringenden Basalte und Traelnte
eiiientliche Krater und lose Auswlirflinge nicht gehildet wurden. beruht. \\ie
pau. I ^0 gezeigt. auf ihrer Zahflilssigkeit, der zu Folge sie sich aufstauten und
die Eruptionsspalle verstopften, andererseits auf der geringen Betheiliuunu \oi,
(iasen und Dampfen an der Eruption, wodurch sich der Mangel an Auswurf-
lingen und somit einer Schichtung jener Vulkane erkliirt.
Kilhlten sich die genannten vulkanischen Eruplivmassen sehr rasch ab, so
entstanden glasartige, homogene. oder wenigstens homogen erscheinende Ge-
steine wie Perl it. Obsidian und an ihrer Oberflache die schaumig zelli^en
\arietiiten derselben , die Bimssteine. Der Wassergehalt mancher solcher
natiirlichen Gliiser ist ebenfalls als ein Resultat der raschen Erstarrung anzu-
sehen. in Folge deren die Entweichung der Wassertla'mpfe verhmderl wurtle.
wahrend diese bei langsamer AbkUhlung allmahlich ausstromen konnten.
Ahgeseheu von der Gesteinsalinlichkeit der Basalte und Trachyte mil den
echten Laven sind es die Lagerungsverhaltnisse, durch welche die eruptive
Entstehung der ersteren auf das untriiglichste be\viesen wird. Diesell»en
steigen als Gange. welche sich zum Theil vielfach verzweigeu, durch das
Nelienizestein und bilden an dessen Oberflache angelangt ent\\eder Kuppen
oder l>reiten sich in Form von horizontalen Decken aus. Die (iangmasse um-
sehliesst nicht selten GesteinsbruchstUcke. welche aus der Tiel'e stanunen und
durch die Gluth. der sie ausueset/.t \\aren. verglast oder gebrannt erscheinen.
Manche Basaltgiinge z. B. Islands sind genau wie gewisse Laxagiinge untl
Strome ties Vesuvs nach ihren Bejirenzuni:sllachen zu. \vo die AbkUhlung
schneller vor sich ging, als glasarlige, oder, wenn die mittleren (ianiizonen
grobkornig sind, als dichte Massen ausgebildet. Dasselbe ist an Quarztrachxt-
uiiiiLien beobachtet wortlen . in denen sich ausserdem eine den Saalhiindern
parallele. schieferige Sti*uctur enlwickelt hat. Reibungsflachen an den Wan-
dunuen des Nelienuesteines sind an manchen Punkten hekannt (so auf Island,
bei Sieuen'1. Auch Umwandlungserscheinun^en im (lontacte der Traclnte. na-
mentlich aber der Basalte mil dem Nebenue.steine. \velche der Einwirkuni:
holier (iluth zugeschrieben \\erdeu miissen. sind an sehr zahlreichen Punkten
benbachtet worden. An den Basalt angrenzentle Sandsteine sind von diesem
IV. IVtro.UtMietUrh'' ', M-uluuit'. 207
\erhiirtet. uel'rittel uiul \eruiasl i«lrr iilmlirh \\ie (lestellsteine in Hoehofen mil
prismatischer Absond.'riuu: \erschen. Thorn- in Porcellanjaspis mngewandell
uiul Braunkohlen verkokt \\orden. Aehnliehe Krscheinnnuen hat man, \\enn
auch seltener. iin Contacte mil den Trach\ten beobaehtet. Yerhaltnisse . wie
die «.|,,MI beschriel.enen. siml rbi'iisu \\rnii: \\ie die pelrographische Yer-
kniipfuni: «ler Ba>alte und T radix tp-sleine mil den heutigen Laven einer
anderen. als einer eni|»ti\en Deuluni: lahii:.
§. »>. Eruptive Natur gewisser Granite, sowie der Felsitporphyre,
Syenite. Melaphyre, Diorite, Diabase. Aehnliche Belege, wie die el>en
inituetheilten. stehon uns behufs Beweistulirunij; des eruptiven Ursprunges der
Irtilier als plutonisch bezeichneten Gesteine zu Gebote, deren Hauptreprasentant
der Granit ist. Bereits bei Gelegenheit der petrographischen Beschreibung
desselhen (pag. 49) ist hervorgehoben \vorden, dass gewisse Vorkoniinen
dieses (lesteines als iniichtige Glieder der altesten sedimentSren Schichtenreihe,
nehmlich der laureutischen oder Ur-Gneissformation zu betrachlcn sind, \viih-
rend andere als erupliv bezeichnet \vurden. Nur letztere konnen an dieser
Stelle in Betraeht kommen.
Petrotiraphisch ist dieser Granit durch ge\\isse (neuseelandische) krystal-
linisrh k5rnige Quarztrachyte mil den vulkanischen Gesteinen in Zusainmen-
lunu geln-iu-ht. Wie bei diesen erklart sich die Ausbildung der Mineralindi-
\iduen, sowie der Quarzreichthum des Granites durch die Mitwirkung von
iilierhit/.ten \\assern oder Wasserdiiinpfen bei seiner Eruption und allmiihlicben
(.esteinsuerduni;. wofUr die Wassorporen der Quarae und F.ldspathe zahlrei-
c-her (iranite sprechen. Eine solche hydatopyrogene Enstehungstheorie lost
auch den Widerspruch gegen einen eruptiven Ursprung des Granites, \veli-lier
in der Krstai runusfolge der Granitmineralien zu liegen schien. Davon ausgehend,
das am sch\vierigsten schmelzbare Mineral bei eintretender Al)kUhlung
auch zuerst erstai-re. lititte sich nach den verschiedenen Graden ihrer Schmelz-
harkeit zurrsi nuaiv.. \iei spiiter Feldspalh und endlich Glimmer aus dem ue-
ineinsaiiien Mauina ausscheiden mUssen. Die Beolmchtung der Aggregation der
<'iiv/elnen granitischen Bestandtheilc lehrt jedoch in vielen Fallen gerade das
(ieiientheil. Diese Thatsache' wurde oft als Beweismittel gegen eine Entstelmnij;
des Granites auf erupli\rm Weire angewendet. Auf der einen Seite machte
j,.(|ocli Hun sen ilarauf ant'merksain , dass der Erstarrungspunkt eines ftlr sich
allein ues< lini.)l/enen Korpers nicht derselbe ist, wie der, bei welchem er aus
seinen Liisiingen in anderen Korpcrn fesl wird. sondern in letzlerem Falle
aU88€f \on dem Drucke hauptsiiehlich von dem relativen Verhiiltnisse der sich
ueliisi haltenden Snhstan/.en hedinut \\ird: auf der anderen Seite xenn.iuen
sirh nai-h I)aul»i-ee die Silicate miter dem KinllusM- des mit granilischer M.-INSC
tieinenLzten Wassers in einer Reilu-nfolge aiis/uscheiden. \\»>lche nl't ihrein Schniel/.-
punkte /imider liiuft. Kndlich hat X irk el gezeigt, dass in echten l.a\en so-
wohl der Augit Leucitkrystallchen. \\ie der Leueit Augilkrystiillchen umschliesst.
Danach hat sich bald der leicht sclimel/bare Augil. bald der schwer sclimel/.-
baiv Keucil xnerst ausgeschieden . es findet also eine bestimmte Reihenfolge
in der I;.rstarrung der Mineralelemente der Lava nicht stall. Die aus der Er-
Oils IV. IVtn^cncliM-hr (i
der Granilgemengtheile ahgeleiteten Ucucise. dass diodbcn nicht
.HIV gluthlliissii:em Materialc anskrxstallisirl scicn . hahcn demnach ihre Stiil/.c
verloren. Niclils alter ist mehr <l;i/.u angethan. die AttSSdbeiduUgsf^higkeit des
granitischen Onar/es ;iirs cincr geschmol/enen .Masse x.ii cr\\ciscn. als das Vor-
koimiien /ahlreicher (ll.iscinsclilUs.se iin Quarze \iclcr KrupliNgestcine. /.. H. dcr
IVchstcinc \on Arran.
Ronnie auch aus dem pelrographischen Cliaraklcr dcr (iranitc nur so vicl
uorlilosscn \\crdcii, dass cr mil den an cin EruptivgQStein zu slcllcndcn An-
fordenin.m'n nicht iin \Yiderspruch stcht, so \sciscn die LagerungSverhSllQUM
i:c\\isser Granite denselben mil grdssler Bestiinintlu'it einen Plal/ untcr dcr
Zahl iler cruptiven Gesteine an. Die Krupti\iu-anite durclisct/.cn in /.inn Tlicil
schr iniichtigen Giin^en und Stocken das Xebengestein und vei7.\\«'iucn sich in
dicscin durch \veitreichende Apophysen. Sie haben BruchslUcke des Nelicn-
jcstcines von oft eolossalen Dimensionen losgerissen, diese urnschlossen und in
vielen Fallen mil sich in ein hoheres Niveau, ja inanche Schollen ant ihrcni
Riicken hoch liber deren einstmalige Lagerstatte gehobcn. Die Wandunuen des
Ncbcngesteines dieser Granitgange sind nicht selten glatl i:eschciiert und mil
vielen geradlinigen Furchen versehen, — Reibungserscheinuneen , \velchc dem
izcwallsainen Hervordringen von granilischem Materiale in einer Spalte zuge-
schrieben \verden iniissen. In manchen Fallen sind auch wohl die der ur-
spriinglichen Spalle zugewandten Schichlenkopfe verbogeu, geknickt odcr jjc-
gewunden, oder es ist der Granil zwischen dieselben hineingepresst \vorden.
Auch die petrographische Ausbildung der granitischen Gangaosfdllungsmasw
selbst harmonirt vollkoininen mil gewissen in Basaltgangen beobachleten Thal-
sachen. In der Mitte grobkornige Granilgange und Slocke werden im Conlacle
mil dem Nebengesleine feinkornig, ja felsilisch, oder uehmen eine scliwach
flaserige Slruclur an, wahrend bei Apophysen, welche sich von der Hauplgra-
nitmasse aus in das Nebengeslein verzweigen, die Grbsse des Kornes mil der
Machligkeit derselben abzunehmen pflegl, Umsliinde, welche von dcr Sclmcl-
ligkeit der Abkiihlung und Erstarrung des glulhflUssigen Gemenges abhiingig
\varen.
Von Wichligkeit fur die Deulung des Ursprungs der besprochenen Granite
sind die Contactinctamorphosen derselben. Kalkstein wurde an ihrer Grenze
in Marmor umgewaudelt oder mil den mannigfaltigsten Mineralien impriiunirl,
Thonschiefer in Fleckschiefer, Chiastolithschiefer u. a., zuweilen al>er auch in
Hornfels melamorphosirt, Alles Vorgiinuc. \\clchc nicht nur auf hohc Wiirmc-
i;rade, sondern namenllich auch auf die Zufuhr granitiseher Mineralsnlistan/cn
in Form von Losungen in den uberhit/.ten Eruplivgewasscrn tics Granites
schliessen lassen. — Aus der Gesammtheit aller dieser Beobachtungcn geht
als Resultat hervor, dass an dem erupti\en Ursjirunge gewisser Granite nicht
•.it -/.Nvcifelt werden darf.
Die librigen alteren krystallinischen .Massengesteine zeigen in ihrem petro-
gra|)hischen llabilus, in ihren Lagerungs- und Contactvcrhiiltnissen /.inn grossen
Theile solche Analogien mil dem Granite, dass man ihnen dieselbe Ursprungs-
\veix- \\ic diocin /nci'kennen muss.
IV. IVtio^cnctiM'lif (lenitive. 209
Dcr Fe Isi t porph \ r isl ein Aggregat derselben Mineralspecies wie der
Granit mid untcrscheidcl sich \<>n diesem nur in der Art der petregraphisofaei)
Ausbildung derselben. I'.s M-heint . als \\enn sich in Folge einer anfanglich
sehr langsamen Abkiihlung, viclleielit \\iilirend des Emporsleigens dcr gluth-
Ililssigen Masse \\oliii /crbrochene Feldpathkr\ stalle ini Porphyr spreehen),
die griisseren Krystallindi\ iducn ausgeschiedcn hiitten, \vlihrcnd die dichte Gruiul-
inassc hciin Ki-rciclicii dcr Krdoberllache , Uber welche sich der Felsitporphxr
hiiulii: dcckcnartii; aushrcitctc. rasclici1 crstarrtc, das^ciicn bci tileichmiissig fort-
daucnidcin, lanusainciii Fcstwcrden cin ijranitisches Gefiliic aniicnommen halicn
\\iirdc. I'.s sicht soinit dcr Fclsitporphyr in deinselben Vorhiiltnisse /.uni
(Iranilc. \\ic porpli\ risdicr Quar/trach\t zu seinen krystallinisch kornigen Varie-
tiitcn , und ist in Handslilcken oft kauin von den echlen vulkanischen Quar/-
(racliUcn /u untcrscheiden.
Die PelsUporphyrggnge durchsetzen in zurn Theil rneilenlangen und dann
schr machligen Gangen oder gcwaltigcn Stb'cken die Schichten der palaeozoisclicn.
sclicn der jttngeren Formationen, oder altere Eruptivgesteine, senden Apophysen
in das Ncbcngestein und unifassen BruchslUcke desselben oft in solcher Menge,
dass porpliNrischc llcibungsbreccien entstehen, und nehmen nach ihren Begrcn-
/un^slliiclicn zu nicht selten saulenfdrmige oder plattenformige Absonderung an.
CoiitaeUeiiiiulcnmgen von Seiten der Felsilporphyre sind weniger hauh'g und
ha ben sich nanientlich in Umwandlung der angrenzenden Steinkohle zu einer
koksiihidichen SubsUinz bethiitigt (so auf der Fixsterngrube bei Altwasser in
Schlesien . Eine andere, sehr gewohnliche Lagerungsform der Felsitporplnre
ist die als Kuppen, Lagergange und Decken. Dieselben slehen an irgend einer
Stelle init \\irklichen gangarligen Gebirgsgliedern in Verbindung und haben
l»is\\eilen sehr bedeutende Ausdehnung und Machtigkeit. Die Porphyrdecke
von Botzen und Meran in SUdlyrol bedeckt, ebenso wie die des Leipziger Krei-
scs, cin A real von 20 Quadral-Meilen. Beide sind an ihren Randern von Bruch-
stiicken des Nebengesteines angefdllt und dadurch breccienartig ausgel)ildet.
Als cigenthUinliche, durch rasche Erstarrung des gluthflUssigen Magmas
bedingte Modificationen des Felsitporphyres sind Felsitfels, Pechsteinpor-
l>li\r und Pechstein zu betrachten. Die beiuen letzteren sind naltlrlichc
(iliiscr. dcren Gchalt an Wasser ebenso wie der der Obsidiane durch Verhin-
derung dci Vcrdainpfuiii: in Folge raschen Erkaltens enno'glicht wurde, und
\\eli-he die ini Felsilporphyre l)ereits krystallinisch gesonderten Bestandtheile
iHK-h mi Zustandc eines liomogenen Magmas enthalten. Audi Tuffbil-
d nn gen haben die Kruplionen der Felsilporphxre begleitet und das Material
der Thonsteine (Felsittufle) geliefert. *
Die Syenite stehen mil den Graniten in so engem und zuin Theil durch
I'bcrgiinge \crniittcltcin Zusanunenhange , dass ihnen dieselbe Ursprungsweise
nicht abgesprochen \verdcn kann. \Vir linden sic. wie bereits pag. 55 mit-
getheilt. genau wie den Granil in Fun iichtiger Zwischenlagerungen zwischen
sNenitischcn (iiicisscn: auf der anderen Seite sind stock- und gangfonnige Vor-
koiiunnisse. sowie Contaelmetamorphosen , z. B. Umwandlung \on Kalkstein in
.MariiKir auf Sk\c, fiir die erupli\e Natiir dcr ilbrigen S\cnile charaktcrislisch.
i' re ilnc r, ElementP il tii"iln',;ii' j^
210 IV. PetroiitMietUrho
Die Diorito, Melaphyre und Porp h \ ri le sind durch die Unrnlilonde-
Andesito init den Traelnlen, die Diabase mil den Doleriteu und Plagioklas-
Basalten petrographisch ;iuf das innigsle verkntipfl und in einen genolischcn
Xusammonhang gebracht , \\elclier dadurch einc noch grossere \Vahrschoinlich-
keit erhiilt, dass sich die charaktoristischeu Lagerungsformon der iibrigrn Krup-
ti\gesteine bei don Dioriten, Molaphyren und Porplm-iten \\iederliolen. Sic
treten als Giinge , Sto'cke, Kuppen an die Erdobordiicho , zeigen haufig nach
ihren Grenzlliichcn xu platten- oder siiulenformigc Slruclui1 oder ein Foiner-
\\erdeu ihres Kornes,' sind zum Theil als .Mandelsleine, also urspriinglich als
Schlackensteine ausgebildet. uniliiillen hier und da gowaltsam losi:espren<zi»'
Hnichsiiicke der anuren/.enden Schichlen und haben diese let/teren hisweilen
durch Kin\virkun» hydro-chemischer Processe mil Hlllfe ihrer Eruptiv^cv
metaniorphosirt (z. B. Verkokung der Steinkohle durch Melaphyr im Saar-(ie-
biete, Um\vandlung der Schieferlhone durch Melaphyr in dem Bandjaspis ahn-
liche (lebilde bei Ilinenau). Sie treten ebenso. wie die Diabase, sehr geuohn-
lich als Lager auf. welche sedimentaren Schichlensystemen regelmifssig einge-
schaltet sinci, mil ihnen wechsellagern und an alien Biegungen und Knickun-
gen det'sclben theilnehmen (so in Nassau, im Voigllande, Bohnien, Xe\\-.lersc\ .
am Lake Superior). Es kommt auch vor, dass Ga'nge plotzlich in Lager iiber-
gehen und sich dann wieder als Giinge emporrichlen. Solche Lagerungsfor-
men ko'nnen nicht befremden, da \vir sie bereits bei den Basallen und Felsit-
porphyren kennen gelernl haben. Auch die Tuffbildungen dieser beiden (ie-
steine finden \vir l>ei den Eruptionen der Augilporphyre , Melaplnre. nament-
lich aber der Diabase wieder. Die Melaphyre im Rolhliegenden von Bolnnen
sind grosslentheils echle, lavaartig geflossene Strdme und stehen mil un/\vei-
felhaften gangarligen Durehbrilchen in ersichtlicher Vei'bindung. Die I'mge-
bungen der letzteren sind dann gewb'hnlich wahre Aschen- und Schlackeu-
felder.
Lassen sich auch noch mancherlei nicht leicht zu beaiU\\ortende l-'ragen
mil Bezug auf die Theorie von der hydatop\n>geneu Entslehungs\\eise der
Granite, Syenite. Griinsteine, Melaphyre und verxvandter Gesteine geltend ina-
chen, — in der Ansicht von dem eruptiven Ursprung derselben stimuli die
grosse Mehrzahl der Geologen iiberein. Ihre Anschauungen Uber die Modali-
taten dieser Voi'giinge \\erden freilich stels je nach der Richtung der \\issen-
schaftlichen Sludien der Einzelnen und je nach der G rosso ihres Beofoachiangs-
st hatzes auseinander gehen.
Zu den aus glnlhflussigoni Zuslande durch Abkiihlung in den leslen ilbor-
gegangenen, der Nalur ihifs Ursprunges nach aber nicht zu den eruptiven.
als aus dem Erdinneren emporgedrungenen Gesteincn gehdrt die ersle Er-
starrungskruste der Erde. Hal man auch zeitweilig ge\visse Gneisse als
Repriisentiinten dersolbon ansprochen x.u diirl'ou geglaubl, so sind doch die
iiltosten Krstarningsgcslcme noch an keinem 1'unkle der Krde mil Sicherheil
nachgewieson. \iclmelirseheinen die als solehe beanspruchton Gneisse der iilte-
sten Sedimentiirroniiation anzugehoren . N«MI \\dclier die Mrstarrungskrusle
liberal I izleichm.issiL! bedeekt \\ird.
IV.
B Die SedimentargesteLne.
§. 7. Entstcluiii!: und Material der Sediment iinn'steiiie. Als Sodi-
m.-ntiirgesteim- br/rirhnet man Minoralaggregato . \velchc enlNNcder ;uis eiuri
wasserigen Uteung ausknsiallisin oder aus rnecfaanisdien AbrtRMM des Wassers
befvorgegangMl sind. Die Meiston derselben sind Ablagorungon des Mrcrrs,
wjihrond Srhichlrn. die dmvh Ouellen und Flusso. in SUmplon und Seen ge-
bildet \\nrden, nur cine untergeordneto Stellung einnehmen , \vie sich dies
.ins den. \Yi-deirhr der duivh das Meer und die sUssen Gewiisser oinuenoinn.enen
Aiv.ii,' eruiebt. M.in reelinet luerlier lediglich Bodensatze chemischcn oder
m«vh,imsi-hen rrsprun^os, schliesst aher Gangbildungcn und Ilohleninerusta-
tioneii aus.
Das .Material aller Sediinentiiriiesleine stainmt von der ZerstOrunii iilterer
Ix-reils \<>rhamlener Gesteinsinassen durch die chemische oder mechaniselie
Tliiitijik.-it des \Vassers. rrspriiniilieh, also in jenen entlcgencn Zeitriiunien.
uiiluvnd deren sich das erste Wasser auf der ErdoberflHclio eomlensirte , \%ar
dfese /erstiirende Thiiliijkeit auf die Krstammgskruste des Haneten beschriinkt.
l-irst naehd(>in ilir das Wasser StolVe enl/ogen . eine '/oil lanii in Auflosiinu
udcr Su>pensinn orhalton und in einer veranclerten Gestalt wieder abijosot/l
halte. narhilein terner oniplivo Masson die Krdkrnste dmvlibrochen und deivn
Oli.Tlliiehe n-reicht hatten . inaehte sich cheniisehe Zerset/Ain» und Aul'losimj:.
so\\ie nieclianische Wegselnvemmung auch auf sie geltond, um neuhildend
\\irkon zu kbnnen. Dio jungen Gcsteinsproducle verfallen demselben Schick-
salr. Das Matorial der ursprOnglichen Erslarrungskruste befindel' sich doninach,
\\i«- aus der Schildoninii der geologischen Thatigkeit des Wassors im vori-en
Al.sdinitle horvorgoht. iin stoloin Kreislanl'e und ersehoint unaufhorlich in neuem
i.rvs.md.' und in neuer Form. Vermehrt und vorviollaltigt wird dieses iilteste
(u-steinsinaterial oinerseits durch die zahlreichon ICruplivgebilde , wio sie soil
d.-i- I'.nlstehung der ersten Krstarnnigskrusle, IVeilieli in vorhiillnissmiissiL; s.-lir
uoringor riiuinlichor Ausih'hnung, liorv(irgi-ti-rton sind, anderei-seits durch die Koh-
Icnsiiure. \velche jilliniihlich dor Atinosphiiro enlxogon \vurde, und dann als
M.lchc oder als KohlonstofV und Kohlenwasserstoff einen wichligon Anthoil an
drui Aufbau dei- sediinentiiren Seliiclitenivilie naluu. Ahnliches gilt votn Wasser,
wrlrlio sirli in glrirhoni Selirilte mil der AbkUhlung der Krdr aid' dieser ron-
drnsirtr und \.-nnrhrle. Auf dieser sioh slols \\iederholenden Heproduclion
drs minrralisrhcn Sloll'os beruhl (lie \ ••rhiillnissmiissigo Kinformigkeil des prlro-
graphisclu-n Habitus der scdinientiiren Scliichtenreilie. so%vie die riiniiiL-lirhkeit.
im Allgomoinon das Alter einrs Srdimenlargesteinos an soinom petrograpliisdien
Charaktrr /u rrkrnnen.
Dio 1'r.M-osse drr clirmisi-ln'n und moohanischon /erslonmg. des Transposes
und Wiederabsat/.es des (Irsteinsmaterialrs durch das Wasser sind in \orhor-
grh.-mlon Ahsrhnitlon. nainenllirh pag. 138 und fnlgrndr. l.rs.-hrieben \v(»rdon.
Aus jenei' S.-hildoning gohl /.ugleicli horvor. dass die ( irstrinsbildunu ontxNedrr
in dom einlachen Wirdrral)sal/r goliislor odor lurlgH'nhrlrr Substan/.en bostrhrn
kann odrr abrr, dass sir der V.-rmillrliing \«.n Orgaiiismni bedarf. In ersterem
14*
212 IV. IVtrom'iu'tisrhi- (Jcolouir.
Falle erscheint d;is Gestein ;ils cine Host- Anhiinfung von .Mincralstofl'en untl
vvird mincrogcn gcnannl, in lelzlerem isl es \\esentlieli oder ausschliessli^h
aus den Ueberresten organischer Kb'rper zusaininengr.seizl nnd \\ird, je nach
dfin diese soleho von Thieren oder von Pflanzen sind, ills zoogen oder ph}-
togt'ii bezeichnet.
§. 8. Charakteristische Kennzeichender Sediinentiirgesteine.
satze zu den Eruptivgcstcinen niachen sich die Gesteine sedimenUiren
als solche dadurch kcnnllich, dass folgcndc Kennzeichen Hirer Mehrzahl naeli
\fn'int an ihnen vorkommen:
1) Schichtung, also der Aufbau einer grb'sseren Gesteinsinasse aus lauter
einxelnen zuin Theil vollkoinmen verschiedenarligen , durcli parallcle Fliiclicn
lu'iii-enzten Lagen, Schichten, Banken, wodurch sich eine successive Ablagerung
und Bildung des Gesteines kundgiebt. Hand in Hand mil ihr pflegt ciiit- den
Schichtungsfliichen parallele schieferige Structur der Gesteinsrnasse /u gclu-n.
Schichtung vereint mil Schieferung sind untriigliche EigenthUinlichkeilen der
Sedimentttrgesteipe.
2). Das zum Theil den Rest des Gesteinsinatcrialcs Uberwiegende Vor-
koininen von Rol Is ttickeu, deren Entstehungsweise ohne Beihillle dc.s \\ ;is
sers nicht gedacht \verden kann.
3) Das Auftreten der Reste von Thieren und Pflanzen, welche von
Schlamin umhiillt entweder als Abdruck erhalten oder in Mineralsubslanz um-
iit-wandelt wurden.
4) Durch das Auftreteu von Wellenfurchen, ferner der Eindriicke von
Regentropfen und der Pseudomorphosen von Kochsalz auf der Ober-
tliiche der Schichten.
§. 9. Minerogene Sedimentargesteine mechanischen Ursprunges l'i--
trographische Geologic sub 67, 69, 70, 71,. 72, 73). Sie beslehen giinzlich odei-
doch voi'vvaltend aus den mineralischen ohne Mitwirkung organischer Kiiipci
zum Absatz gelangten Fragmenten , Gemengtheilen , Auslaugungsproducten und
Verwitterungsrlickstiinden alterer Gesteine, ohne dass jedoch Einschlilsse \on
organischen Ueberresten vollkoinmen ausgeschlossen waren. Sie werden dein-
nach von durch das Wasser zerkleinerten, zerriebenen, nach ihrer Grosse ge-
sonderten und geschlaminten Bruchstilcken alterer Gesteine gebildet, welche dei
Mehrzahl nach durch ein weit jilngeres Cement verkittet sind.
Die hauptsachlichsten , die Ubrigen bei Weitem Ubervviegenden Glieder
der sediinenla'rcn Schichtenreihe, die thonigen und sandigen Gesteine und nt-lx-n
ihnen die Conglomerate und Breccien gehb'ren dieser Abtheilung an.
Mil Bezug auf Entstehung, Transport und Absatz des sie bildenden Ge-
steinsschultes rnuss auf den Abschnilt ilber »meehanische Thiitigkcit dt-s \Vas-
sers« pag. 165 ver\\iesrn werden. Aus der ZertrQminerung der Gesteine durch
den Frost und durch Bergstiirze gehen Haufwerke von eckigen (lesteins-
bruchstdcken. durch Forlschwemmung und dadurch bedingte Abrundung
der lelzteren RollstUcke, durch forlgeset/len Wei tor I ran sport und damil Hand
in Hand gehende Zerkleinernng kiesartige Korner, endlich noch kleinere
S;i nd kiiriii- r ln-i-\or. \\ iihivnd die leinsten Sell I a in in I li e i leh e n in noch
IV. IVImp'iii'liM'lir (iculrt-ic.
K iitf.-numu ii.-liM.mMi uml als Srl,lanm,s.-l..rl,l.Mi abgesettt urrd.Mi. Dir
Gfttsse der Grslrinsfranmrntr nimint drmnaoli mil drr Entferoung von ihrrm
r.-spnu^sorlr ah. ihrr Abrundung hin^rn in iih-ichom Sohrillr zu. Durch die
M>lagerung drr Hollslil.-kr und Kornrr rnlslrhrn lose Accumulate. Warden
dir Zwischenraume z*isrhrn ihivn rin/.clnm Grrbllrn uml Kbrncrn durch cm-
geschwemiates frim-s, thoniges oiler sandi^rs Material oder durch den Absatz
rinrs kalkinrn. kirsrligrn oder eisenschUssi^-n Cementes aus eifadringendeo
Ilineralaolutionen ausgetellt, so dass die sonst losen Fragmente zu einem mrhr
od.-r ^eniger l.-strn (u-strim- xcrkittrt wcrden , so cntstchcn aus dem llmif-
xxrrke vonedugwi Fragmenten Breccien, aus dcncn von RollstUcken grblxMv
O,|,T I.MII.MV Conglomerate, aus den Ablagerungen von Sand Sandsteine,
uahrcnd dir Schia.n.nscliichlon zu Lchm und Thon verhartcM! odor duivli
rrlM-rla-rrum: andoivr (u-stcinsmasscn und den dadurch auf sic aiisgcublni
Dn.ck /u fcs'trm Thon und Schiofcrlhon und, falls sie kalkhaltig vvaren, zu
M cm. -In und Mergelschiefern zusammengepresst wcrdcn.
/u den St-dir.icnt.Mi morhiinischcn Ursprunges gehb'ren auch gevvisse Tuffe,
(.rstrin.- /.u iU.M-haH.M- Entstchung, indcm ihr Gesteinsmaterial in Form von
\s,-li(-n. l.apilli, Sanden, Bomben uud TrUmmcnverk aus Vulkanen oder Spal-
tni d.M- Krdkrustc ausiievvorfen vvurde, also direct dem gluthflUssigen Erd-
inm-iTn .Milstannnl . NvahiTiul sie ihre Ausbreitung zu ausgedehnten , gleich-
lormiu.Mi Schichten, also ihre Lagerungsform, ihre nicht seltene Versleinerungs-
fUhruog, Urn- iheilwnse Zersetzung dem Meere oder Seen verdanken, in vvclche
sir nicd.M-ti.'lon.
§. 10. Minerogene Sedimentargesteine chemischen Ui-sprnnges.
sirher als solche erkannlen Gesteine spielen von der Silurperiode ab bis auf
uns.MT Xoil mil Bezug auf ihre Miichtigkeit eine verhaltnissmassig untergeord-
,u,lr Uullr ii. drm Aufbau der sedimentaTen Schichtcnreihe. Chemischen Nieder-
s.hla-.Mi dmvh lo.-al.- Vrrdunslung von Solutionen oder durch eingctretene
Kcartion MM'dank.M. . st.-ls ab-.-sehen von Mineralbildungen in Drusen und
SpallrnraunHM. Kalktuff, Travntin, Erhsenstein, Rogenstein sowie mancho kor-
ni-r Kalksli-im- und Dolomite, ferner Kiesrlsinter, kryslallinischcr Quarzsand-
siri.i. gewisse als normalo Kml^mm^Mi auftretende Spalhelscnsteine und
Brattneiaensteine, Anhydrit, Gyps und Steinsalz zvveifellos ihren Ursprung. Von
,|i«-s.Mi isi dir Bildung NOU Kalktuff, Travertin und Brauneisenstein ben-its
,ui! S.-ile 160, die von Kii-srlsinler und l-j-bsc-nslrin |>au. 161, die Entstehunu
,1,-r Minrrallosunurn aber, aus d<Mi«-n si.'h di<> sJimmtli.-hen gcnanntcn Gesteins-
arten ausgeschieden hab,-n, pag. U3 u. f. besprochen vvorden. Es blcibt des-
halb nur norli ubriji, den Bildungsproces.s rtuas (-inuehrnd«-r /.u betrachtrn,
(1,is NN.-lrh.Mii dir l.au.M-statt.Mi von St.-insal/. (Jxps, Anhvdrit, und krystalli
nisclicm Ouar/sandsl.Mii h<M-\oi-.^anu.Mi sind.
Dir l.a-rrstatten von Sleinsalz sind dmvh unmittrlbaren Absalz aus dem
Mr<M-<\s\\assrr oder den Grv\;is>rrn NOII Binnensccn hrrxorurjiaiigrn, von deron
in Lbsunu vorliandenen Bestandlhrilrn Clilornatrium das hauplsachlichste war.
durcbschniUttche Sal/grhall drs MC.MV, brlriJgt 3,527 Procent, welcher
wie loLt Nrrtheill: Cldornalrium 75,786, -- Chlormagnesium 9,159, -
211 l\ . I'l'I
Chlorkalium 3,<)o7, — Bromnatrium 1.1*1. sch\\elclsaurer k.ilk i.(il7.
sch\\cfelsaure Magnesia .">..">!>7.
In ruhig slcliciidcn Sal/.losungen sinkl die durch' Yerdunslung des Wasscrs
,tn Hirer Oberlliichc entslehcnde starkere Soolc zu Bodcn uiul saiimiell und rei-
ehcrl sich hicr an, so dass cine /unalinic des Salzgehalles von dcr Obcrflache
nach der Tide staltfindet. In ollcncn an Strbnmngcn reichen Meeren kann
cine soldie Concentration nichl \or sirli gehcn. da einerscits in Fokc dcr Slro-
mungen cine slctc .M engung dcr'/^iitrciclicii und sal/anucn (icwiisscr slattlindcl.
andcrcrscits die Flilsse das \<'rduii>lcndc \Vasscr \\icdcr crscl/cn. In Binncn-
niccrcn jcdoch, besondcrs in solchcn , wo wenig und z%\ar scllist Kochsal/
halliiics FlussxNasscr xuslronit , findol dcrsclhe Vor^anj: \\ic in cincm (il;isi:c-
fa'.ssc stall, \Nic hior scnkt sich tiuch in ihncn cine ucsiitti-lc Sleinsalzlosuni?
auf den Boden, aus \veleher Sleinsal/ auskr\slallisirl und durch allinaliliclic
Anhiiul'iuiiz cin Salzlaiier bildet. Im Friihjahr, wenn die Zuflilssr durcli sus-
pendirle Kalk- und Thonlheilchcn uelriihl sind , schlagen sich auf dcr Slein-
salzablagerung Schichlen von Kalk- und Thonsedimenlcn nicdcr, \viihrend zu-
ulcich des durch die Frilhlinuswasser verslarklen iirosseren Zuflusscs \NCUCII
kein Steinsdx aus»eschieden \vird. Ini Soinnier hiiiL'cuen. \\u inehr \\
verdunslel als zugefiihrl \\ird, cntstchen ausschliesslich SteinsalzablagcruiiLzen.
im Laufc der Jahre somit Schichleniolucn von al»\\eehselnden Sleinsal/-. Thon-
und Kalkschichlen. Enlhall das Wasser cincs Beckons, in wclcheni ein soldier
Verdunslungs- und Ablagerungsprocess vor sich geht, schwct'clsaurcn Kalk. so
mussle sich dieser, da der Salligungspunkl dcs Wasscrs durch sch\vcfels,uircn
Kalk frilher eintritt, als der durch Chlornali'iuin. ausscheidcn. ehe der Absalz
der Kochsalze beginnt, der erst dann anhob, als das Meeres\\asser zu einer uc-
saUigleren Koehsalzlosung eingedunslel war. Daraus erklarl sich ciiu-rsciis.
dass die t'nlerlage der Steinsalzlagerslatten sehr gewohnlich (i\ps oder Anh\-
drit ist, sowie dass entsprechend dem Beginnc des zeitweise unterbi-ochencn
Verdunstungsprocesses, (»yps und Anhydrit in Zwischenlagen zwischen den
einzelnen Salzschichten auftrelen wie in Stassfurt). Absalze von schwefel-
saurem Kalke Uber solchen von Steinsalz rtlhren deshalb slels \on ncucn
WasserzuflUssen her. Finden sich G\ps- oder Anhydrillager als alleiuige. niclil
von Steinsalz beuleitele Ablauerungen , so isl entweder die Verdunstung nicht
bis zum Satligungspunkte des Chlomatrium vorgeschritten, oder das abgesetzle
Sleinsalz ist durch zufliessendo Wasser wieder in den aufgeloslen Zustand zu-
rilckgefUhrt worden. Ftlr die Erscheinung, dass sich schwefelsaurer Kalk bald
wasserfrei als Anlmlrit. bald mil Kr\slallwasser als Gyps absented, bieien
dit> Krfahrungen der Chemic genilgende Analoga. Die das cine oder andere
bedingende Ursachc diirfte in dcr Grdsse des Druckes zu suehen sein . indein
ein solcher von 10 Alinospharcn hinreichl, den schwefelsauren Kalk aus seiner
Losung als Anhydrit auskryslallisiren zu lassen. Dicse Verhaltnisse sind auf
dcni Boden eines 107 Meter tiefen Sees gegeben.
Enthaltcn eudlich die Wasser des Binnenincercs, auf dessen Boden die
Slcinsalzablagerung vor sich geht. ausser Kochsalz und sclmefelsaurem K.ilke
noch leiehler losliclie Salze , wie Chlormaguesium . Chlorkaliuin, ChloiTalciuni.
|\ . IVIiouiMirliM-lir licolouir. 215
xt.|,NNclrls,,urcs Kali. solmolrkamvs Nalmn unil sohuofolsaiiro Magnesia in Solu-
Uon SO xxmlrn Sich di,-.so in den dmvl, Yenlunslnnu an Menue almohinendon
GMVlfwn concenlriwn uiul bei **» Ansselieidnnu des nrsprunuhrhen un.l duroh
f,,ridanrrnd.. /iillusso einueluhrlen Chlornatrinm-Cehalles allmahlioh aim Mullor-
,all,M, |,j|d,.,,. aus welohoc sir sirl, ersl bei deren vollslamliuer Vordunslung als
IrsiV Masse auvsrheiden and /.u Bod.-n sinken. Aus dom Kinirookenen omos
m-spnin-'lich saJzige H.-stamltl.ciir rnlhall.Mulcn Hi.nuMnn.MMVS , (lessen Zuihlssc
,li,'s..||...|i norli s.-Vn.rh.vn. wUnl,- nacli .li-in rlu-n (icsa^lrn lim-orp-hrn : /.u-
un.rrs. cmc Ahla.rn,,^ von tiMKS, .lariib,-r rin S.-hirht.MK-.m.pl.x VM Sl,,n
^ ,,,il .lunn,-n l.aurn von Th»n, Mor^l odor (lM>s uiul endlu-h /n IteH
cine M.laarrunu <lrr an. U-i.-hlrsh-n loslichcn Schwefelsauron und llal«.l(lsal-/.(-.
Kin aj,,,/' analouor Voruanji isl dor Siiulcpnurss dcr Salincn. Kr lu'iiinnl
mi, (',ilUM- An.virh.M-un- der Soolo dmvli Ahdunslunii, vvolxji sich Gyps als
IManiH-nsh-in ahsrl/.t : lu-i iurlucscl/tein Kiukc.-htMi lalll n-incs Kochsalz n.eder,
^aluviul <lir I.M.-IU liislit-lion Salzf. in der Multcrlaugo hlcibon und bcini \MMUM--
r(l,-ls,-|u-(MU-nd.-n Ahda.nptcn sich clu-nlaUs ausscheidcii wUrdon.
Kin horhsl instruc-liNcs Bcispiel auf die beschriebenc Weise entslaudcner
s^l/la-crsliittcn isl die vonStassfurt (siehe historische Geologic, sub Dyas, Zechsloin-
,,,-upp',- . (.an/ almliclH- Salzlaiior Nvilrden heutigen Tai^es daduivh enlst.-h(Mi,
,'|;,ss das Koihr Me.T durch Sandbankc oder KorallonriJVc gegen den Ocean zu
^....Mlaiiiint « ilrdo. Faelisch aber jjrlil ein solcfeer Abla^run^sprocess im
To'.llcn Meere vw sich. Die Gewasser dcs Ictztcron hefinden sich mi Z\i
sl;lnd(- ei»er in Folpo lang andaucrndcr Verdunstung salzigcr Wasscr enlslan-
dcncn Multerlauqe, deren grosser Brommaiinesiuin-Gehalt daraui huidculet,
dass sich aus ihr Leivits viel Ghlornatriuin abgeschiedcn hat. Da dieser See
n,,r /ullussc, abcr koine AbflUsse bat, so kann das zu^lilhrlc Wasser nur
din-ch Vcrdunslnnu riilNM-irhou und lasst dcmiiach seincn Salzgehall in ihm
/uru.-k Dor -Inr.lan. d.-r HaupUHiss dor sich in das Todle Moor (M-u,csscndcn
(irxxasscr isl unvorhalliiissiiiassij! rcich an aiil«oloston Hoslaiidtlioilon und zwar
vorzugsweise an Chlornalriuin und Chlormagnesiuui , von denon er in »00,0(
Tlu-ilcn von dm, oinon 52, von dom andcrcn 25 Theile enlhiill, und mil Nvolclu-n
,-,- ,|ic den See bildondo Laujio lurlNNahrcnd anrcichert. Aus dicscr l.al s.ch zuon
srhNx.-ri^anrrrKalkiindSlrinsal/ ausucschiedcn, vvahrendChlonna^n.-sunn zurUck-
|,lit.|, >,,„ Ncrlicrtabcr das Wassor sc-inc I'ahi-keit Kochsalz .u Ittscn in doinsHbrn
(iradc inxN.-lrhc.nscmChlonnauncsiu.n-lM-halt/uninnnl, die Abla^-rnnu vonSt
sal/, -olil .loshall. bri dor jol/ijr.-n IVschallcnhcit dos Wassors dos Todlon Meeres
mmi;((,|.|)1,),|1(-n VQF si,-h, da ihn. dicsrs Sal/, .linrh don -Ionian und seme
nbri-on Xi.llu.ssr immerfnrl /uu<-lilhrl Nxinl. Irol/dc.n dcr K.u-hsal/^-hall de;
srlbcn nur S. H bis 15,^ I'm.-cnt botriiizt. NVir sehen son.it in. Todlen Mccrr
Hm- d.nrh V.-nliinslui^ ^ ^W*M bodinjllo rontinuirlirlio. Sh-insal/b.ldunu
und /.u-loich die Kntslehnnu .-iner MullrrlauKc xor tins, aus deren srhhess-
|K.lu,m Kintrnrkr.,..., b,-i Huai.r.n Abschlnss allcr Zullllsso cine wcsentl.ch aus
danohon aus Chlornatriun, , Chlorcalciuni , Chlorkabupi und
Broinmaiinesinin bcstchcndr Sal/.abla^n.nu resultim.
(iiin/. \hnlichcs uir in, Tndtrn Mooro uohl in d.-m Ellon und den. Bogdc
2 Hi IV. Petrogenetisohe (icnin^ir.
Sec vor sich, \\elche /,\\ ischen \Volga und Ural in einer \\eilen Steppe liciren.
in dcr sich ein Sal/^ebirue. der Tschaplschalschi, erhcbl. Aus diesein Iliessen
cine Anzahl von Salzbaehen den genannlen Seen zu. Da sic keincn Ablluss
hal)en und das aufgenonmiene Wasser durch Verdunslurig cntfernl \\ird, so
scl/t sich das Kochsalz /n einer leslen Bank ah. Die Biiehc filhrcn den Seen
ausser Chlornatrium auch Chlorkalium, Chlormagnesium und sehwefclsaurc Mag-
nesia, sowie zur Frtlhjahrszcit Schlamm zu. Lclzler bildel jdcmnach diinne Lagcn
zwischen den Kochsalzausscheidungen des Sommers, wjihrend die Icichllbsliehen
Salze das Seewasser bis zur concentrirlen Mutterlauge angcreichert haben , \\elchc
enthitlt: schwefelsaure Magnesia 5,32, — Chlornatrium 3,83, -- Chlorkalium
0,23, -- Chlormagnesium 19,75, - - Wasser 70,87. -
Die der geologisehen Vergangcnheit angehbrigen Steinsalzlagcr milssen auf
ganz ahnliche Weise cntstanden sein, reprasentiren also einstmalige Binnen-
meere oder durch Hebungen oder Sandbanke von dem Oceane abgeschniUene
Mceresbuchten , deren Zuflusse Salz in Lbsung enlhielten , jedoch geringer
waren als die Verdunstung in dem Wasserbecken. Daraus gcht hervor, dass
die Bedingungen zur Bildung von Steinsalzlagern gegeben waren, so lauge
ein Meer die Erde bedeckte und Continente existirten. In der That vcrtheilt
sich das Vorkommen des Steinsalzes auf die gesammte Formationsreihc, wie in
der pag. 33 gegebenen Tabelle gezeigl worden ist.
Die hier mil Bezug auf ihre Entstehung zu belrachtenden Kalksteine
sind kbrnig, dicht oder oolithisch. Der Unlerschied zwischen den beidcn er-
steren ist nur ein relativer und liegt nur in der Grbsse der das Gestein zu-
sammenselzenden Kalkspath-Individuen , - unter dem Mikroskopc Ibsen sich
auch die anscheinend vollkommen dichten Kalksleine in ein Aggregal von Kalk-
'spathrhomboedern auf. Sowohl die sogenannten dichten, wie die kornigen Kalk-
steine cnlhalten stets kohlensaure Magnesia entweder nur in Spuren, oder in
reichlicherer Menge, so dass sich eine Gesleinsreihe derselben aufstellen la'sst,
in welcher der Magnesiagehalt sich allmahlich von weniger als 1 Procenl bis
zurn Maximum von 21,75 Procent steigert. Zwischen den echten Dolomiten und
den Magnesiahaltigen Kalksteinen und reinen Kalken lassen sich somil scharle
Grenzen nichl ziehen. Daraus, sowie aus der engen Verkntlpfung und der Aim-
lichkeit ihrer Vorkommnisse geht denn hervor, dass normale und magnesiahalligc
Kalksteine keine wesentlich verschiedene Entstehungsweise gehabt haben kbnnen.
V Durch Vermittelung thierischer und pflanzlicher Thatigkeit allein kbnnen die
Kalksteine schon deshalb nicht entstanden sein, weil vvir solche Gesteine und
zwar Ablagerungen von enormer Machtigkeil und Ausdehnung kennen, wahrcnd
deren Bildung eine Existenz organischer Wesen selbst im gtinstigsten Falle
von geringer Bedeutung war. Ftlr solche Kalkstein- und Dolomilbildungcn
ist die Annahme cines ausschliesslich chemischen Niederschlages die allein
zulassige. War solches wShrend der iiltcsten geologischen Perioden dcr Fall,
so konnte nach alien jetzt herrschenden Ansichten und Erfahrungen dieser
Praecipitationsprocess nicht plbtzlich aufhbren , sondern selzte sich , w enn auch
vielleicht in abnchmendem Grade , durch die folgenden geologischen Perioden
bis zur Jelztzeit fort. Wa'hrend aber die Kalksteine uud Dolomite der allcslcn
IV.
/eitalter reme oder fast rcme chemischc Praccipitale ware... menii.M. sich ill
die cntsprechenden Product.- der n.-uereu Zeiten mehr und mehr kalkige Ursle
orniinis.-l.rr (lescl.uple eiu. sn .lass sic in manchcn Kalksteinen bei Weitem NO.'
den ch.-mischcn Niederschliiuen dominiivn.
Filr .lit' Ansehauuni:. dass die Mehr/ahl aller Kalkstcinschiehlen und der
grtteste Theil der grsammli-n als (dieder dor sedimentaren Schichlenreihe auf-
tretendcu kalkstemmassen als cluMuischor Nicdrrsrhlai; aus den. Mcero, nicht
,,|,n- atis.M-hli.-sslich als orijanischcs Ansscheidungsproduct, wio niaiichr (leo-
lo-n. fur modirli halirn, m bolrachtcn sci, sprichl auch die mikroskopische
Untersachung d.-rsclhcn, wclclu' lolu-t, (lass unseiv ^cwbhnlichcn dichlcn Kalk-
SI.MIU- teineswegs dnivlivu-i: ans /rrklrinertcn nnd feingcricbcncn Thiors.-hal.-n,
s.md.M-n VOfXUgSWeiae aus KalkspathrhoinboedcrdR-n bcslohcn. Diesc leUUcmi
sind nicht ct\\a (lurch cincn rinknslallisirunjisprocess aus dcm Schalcndclrilus
luM-sorucuanucn. da man ncbcn ihnen zahlreiche, zum Thcil ausserordcnllich
/.arlc orgamacbe Hcsl<- \\ohlcrliallcn anlrilVt, sind viclnichr diivclc chcmische
Absai/c. Alinlichcs ;:ilt vom Dolomit, desscn sogcnanntc dichtc Varietalcn aus-
ur/rirhiu'l klcinkr\stallinische Slruclur bcsitzen. Da die kohlensauren Kalk
al.s, hcidcnden Organismen nur hochst geringe Mengen von kohlcnsaurer Mau-
IICM,. ..l.snndern, so ist auch die Annahme der Entslehung dcr Dolomile und
stai-k maai\rsialialtigcr Kalkstc>inc durch thierische Vcrmillclung abiicschnitten.
Dicscr rinsiand S.AMC die krystallinische Structur der Dolomite, die wicder-
holtc Wcchsdlaizcnmi: Ict/.lcrcr mil Kalksleinen und endlich Absatze von dolo-
initisrhcii (icstcincn aus FlUssen und Quellen, wic sie vor unseren Auijcn
\«»r sich ychen, sio sprechiMi auf das Uberzeugendsle fUr die Entstehunii dcr
Dolomite und dolomitischcn Kalkslcine aller Formationcn auf dcm Wcgr drs
diic.icii. clicniischcn N7iederschlages, wenn sich auch spater in manchen dicscr
(;<>stcin<- n(»cli Process.- bethatigten, durch welche der Dolomitgehalt angereichcrl
\\urde.
Durch einlaehe Ausscheidung des kohlensauren Kalkes und der kohlensauren
Magnesia aus den im Meere in Usung befindlichen Bicarbonalen dieser Krden,
M,.|,I die Hilduiii: der gesteinsaufbauenden Kalkspath- und Doloinithspalh-Krvstiill-
,hcn nichl \or sich, vveil keine der Bedingungen, unter welchen die Ab-
.chciduni: dcrselben aus ihren Losungen erfolgt, dort gegeben ist. Bei kalk-
absct/cnd.-n Quellen fmdet cine Verdunstung von Wasser und eine Vertluchti-
-II.IL; der nur halbgcbundenen Kohlensaure und dadurch eine AusscheiduiiL:
d.-s' kohlensauren Kalkes stall. Von dem Wasser unserer hculigrn .Meere je-
do.h miissten 75 Procent verdunsten, ehe sich kohlensaurer Kalk abscheiden
uiird.-. cin Vorgang, der sich nur bei einem eintrocknenden Binuenmeere dcnkcn
lassl. In Folge VerflUchtigung der halbgebundencn Kohlensiitin- mil auf der
Oberllache unserer Meere verdunslendem Wasser kann eine Ablayeninu von
Kalkstcin chcnso \\rnig statUindcn, \\eil der ab-esehiedene kohlensaure Kalk
von den. freie Kohle.isaure cnthaltcndcn Wasser der lieleren Meeresschichtcn
> sogleich wiedcr aiif-elosi uerden \\iir.l.-. Durch Abscheidung aus Meeren wic
die heutiuen .seheint dcshalh «lie .Modichkeil %on KalkMeinbildungen nicht ge-
geben ^ii scin. Hochst wahrscheinlich ist dies jedoch von den Oceaneu der
IV. Petrogeoetisehe (irnin^u-.
alleslen Perioden. Damals \\aren die almospharischen .N'iedcr.schla'ue kohlen-
saurereicher ;ils jelzt, d;i sic ihren \Veg (lurch ciucii l.uflkreis inachen musslen.
in \\clch(Mii sich die ganze Knhlensaiire, die hculc in den Carbonalgesleinen
ills solchc, in den IMliin/cn und den Kohlengesleinen, sowie ini Di.mi.mt als
kiihlenslolV. ini Hilumen als Kohlenwasserslofl' der Erde einverleihl ist, noch
in gasl'tii-imgem Zuslande \erlheill belaud. Diese ;in Kohlensaure reichen Hegen-
\\avser \\irklen auf die Kalk- und Magnesiasilicate der Erslarrungskruste in
holtem (irade zerlegend ein uud filhrten dein Mccre stark concenlrirle Solu-
lionen von Kalk- und Magnesiaearbonalen zu, wo sich lot/lore in l;oli:e der
stelen Verdunstnn^ des \Vassers sannneln und anreichcrn Timsston. Mei dent
Manuel an Kalk absumlernden Tliieren und IMlanxen Irat endlich der (loncen-
iralionsurad ein, hei \velcheni sich die Kalk- und Magnesiacarboiuile als dolo-
niilische Kalksleine ahschieden. Die Bildung der letztercn lassl sich ferner
auf die Wcise denken, dass eine Zersel/ung des Chloivalciums und Clhlor-
inaiinesiiuns ini Meei'essNasser (lurch die von der Zerselzuug der Silicaliiesieine
luM-rilhrenden Carbonate und zwar nauienllich (lurch kohlensauix's \airon slall-
land.
Was schliesslich die Hoi^ensteine und Oolithe belrifl'l, so kann ilber
deren niinerogene Enlstchungsvvcise ein Zweifel nicht .olmallen , da ihre
concentrisch-schalige und radial- faserige Slruclur keine andere Deutung nioglich
inacht. \venn auch der erste Anstoss zuni Beginn des lagenweisen Absal/.es
von einein l>ereils vorhandenen minerogenen oder zoogenen Kornchen ausge-
gangen sein mag. In der Bildung des Erbensteines von Carlsbad sehen \vir
einen ganz analogen Process sich vor unsern Augen betha'tigen.
Die krystallinischen Quarzsandslcine besitzen eine zieinlich grosse
Verbreitung in der sediinentiireu Schichtenreihe der Erdkruste. Es bestehen
nicht nur ganze Schichten und Schichtensysteme (in der Braunkohlen-, Quader-.
Buntsandslein-, Kohlen-, und untersilurischen Formation) aus lauter inehr oder
\\eniger \ollslandig ausgebildeten Quarzkrystallen, sondern sehr haulig xeig(Mi
sich auch krystallinische Quarzindividuen in grosserer oder geringerer Anzahl
deni echten klaslischen Sandsteine vieler Formationen, sowie den Ouar/ilen
des vorsilurischen Schichtensysteines beigemengt. Die gesleinsbildenden. scharl-
kanligen, klaren, zuni Theil fast farblosen Quarzc konnen nur (lurch direcle
chemische Ausscheidung aus einer Losung von Kieselsaure oder (lurch Re-
aclion von z. B. schwach kohlensa'urehaltigeni Wasser auf ausserordentlich MM-
dilnnte Alkalisilicalsolulion hervorgegangen sein.
§. II. Zoogene und phytogeue Sedimeutgesteine. In dem Absdmitte
Uber den Einfluss des organischen Lebens aul' geologische Voi-giinge isl pag. 189
ge/eigl \\ordcn, dass die Thatigkeit vieler Thiere daraul' gerichlet isl. durch
Abscheidung von kohlensaurem Kalke, den sic zu ihreni (leriiste odei1 (lehauso
benulzen, den Kalkbicarbonatg-^halt dos Meeres in slelein (Ileichgewichle zu
erhalten. Dieselbe Aufgabe wie heute lag ihnen auch in friihoren Perioden ob,
\vir linden deshalb in alien Formationen, vvelche iiberhaupt Kesle organischer
Wesen fuhren, theihveise oder fast ganz ausschliesslich aus kalkigen Theilen
ihrer Korper uebildete Kalksteine. Die \\esenllirhslen der gesteinsbildenden
IV. - tnii',
Tim-re un.l dor vorxNieuond (lurch ilire Yern.illehmi: horM.rue^murnfu kalk-
sieine siiul nun. u-.n/.' ab^el.en xnn den Norsteinerunusreiehen Kalken uiul
ihren Kinselilusson. loluende
Foraminiferen , die N u m n. ul i t enk ,. I k o und Mi 1 ioli t henka I k e des
Terliar. die Se 1. r e i hk re i d e und der K re i do t u ff dor crolaeoiselien l'<,rmali..n.
dt-r r'usulinenka Ik dcr russisehen unit nordamerikanisclien Kolilenl'ormalmn.
Spongion, die Spo us; ion ka Ike d.-s \\eissen Jura von Franken und
Schwaben.
Polypen, dor Koral Irnkalk des weissen Jura in Hamio\er, Sohwabeo
uiul Knuland. die Korallcnkn-idc Jiillands und Seelands.
Echinodormen, die K n cr i n it en- (Trochi Ion-) Kalko dor Trias, dio
C rinoidonka Iko dor nnrdamerikanisclien Kohlonronnalion.
Molluskcn, dio Torohralolbanke, Gervillio n bii nko dos Mus.-l.ol-
kaikos. (n-Nphaoonkalko dos Lias, Cyrcnonkalko des \Voaldou. Ilip-
puritonkalko dor Kroido. C o r i Ihionka Iko und L ilor i n o 1 1 o n ka I k o ilrs
I'orliiir.
Wiirmer, dor Sorpulit dos Doislcrs, Brv ozocnschichten dcr obercn
Kroido son Maslrioht und Nc\v-Jorso\.
Audi in'\>issr NVirbelthicrc haben durch Anhauluni; iliror Skololthoilr
und Hirer Kx.-reinente (Koprolithen) zur Bildung von Gosleinssoliiohlon lasl
,.usohliossli<-h l.oiuetrauen. So boslolit das Honcbed dor ..horslon TriaS ans
Kn.M-lien- und /alinlrauinenlen von Froschsauriern (Lal»\rinthodonlon und C.a-
iK.idlischon, - dio Knochenbreccic auf dein Boden nianohor llbhlen aus
Skelottlioilon von Biiren und lhanen, diejenige in Spallen der ilalionisol.on
und urioohisohon Kalkiiobiriio aus Rhinoceros-, Hippopotamus- uiul llirsrli-
rosUMi. — dor (Juano aus Excrementen von Vogcln.
Der Nouolahilisolio I'rsprimii dor Hraunkohle, Stcinkohle, des Anthracil<>s
und (Irapliil'rs. dor Naphlha und dos IVln.leum, des Bilunions, vieler Brand-
sohioler. des Aspaltrs isl pau. l(.l-> Ix'sproohen wordon. Nobon dioson llaupt-
ir|,r.isentiinlen drr p li > loiir n o n GcsltMiir treton einiue andore mil Hilll'o
ptlan/lioln-r [.ol.enstliatiukoit vor sich gegangene Gesteinsl)ildungon, nchmlich
die aus Diatomeenpanzcrn bcstchenden Kiosokulir, Polirschiefer, Tripel sUirk in
den Bmtergrand.
C. Umgewandelto (metamorphischej Qesteine.
55. 12. Begriff (lCS MetamorphisniUS. Schon aus oborllik-lilioliem Vrr-
-loiclie x.\\i>olion den sohlaniiuiiion oder sandigen AI)siUzcn oiner MecreskUste
und einem iian/ /Aseilollos auf dicselbe \\ei.se enist.mdonen Schieferthon und
Sandsloin /.. B. dor Juraformation orgiobt sich, »lass in den (lostoinsniassen
soil Hirer Ablaurnmi: i:o\visse Ver.inderun^en v..r sich geganiirn sind , die
einorsoits in oinem Vorhiirtunus- und Verdiolitun-sproeoss<> duroli don Druck
von Seiten mnehliuer ilberlauornder Scliioliteneoniplexe. andc-rsj-its in der Ver-
kitlunt; \on einzolnon Sandsteinkornehen duroli eine alliuahlirh eiedriageodfl
Mineralsolution bostchon. Solehe Veranderungen haben alle SediinenUiriiestoino
der Krdki-usto erlilton, sir sind os, \velchc Ulwrliaupl dio Existonz von Ge-
220 l\
Memsarlen iin (iegensaly.e zu den urspriinglichcn losen, \\eichen Mceresnieder-
schlauen bedingen. Deshalb I'assen wir jene Vorgiinge als zur Gesleins-
werdung unerliisslich nblhige aid und bezeichnen die durch ihre Yerniiltlmiu
enlslandenen (loteine nicht als umgew.andelle, sondern als urspriingliche. Den
Ausdruck umgewandbh oder metamorphisch pflegt man erst dann an
y.uuenden, uenn ein ursprllngliches (iestein aus iruend einei I'rsache cine
Dtagestaltung seiner chnuischen Zusammensctzung, seiner mineralischen Con-
stitution oder seiner Struclurverhallnissc erfahren hat.
Bei Gelegenheit der Belrachtung der chen)ischen Thiiligkeil des Wassers
ist die Gcsteinsuinbildende Tendenz desselben genllgend hcrvorgehobeii uorden.
Es zeigte sich, urn nur einige der auflalligslen Beispiele zu wie<lerholen. dass
durcli den Process der Audbsung, Zersetzung und Fortfuhrung gewisser (le-
sleinsbestandtheile cine Lockerung des GefUges, das Zerfallcn vieler bis dahin
I'ester (iesleinsarten hervorgebracht vvurde, dass durch diesen Process schliess-
lich aus Granit, Porphyr und Gneiss Kaolin hervorging (pag. 150 , als Resi-
duuin der Zersetzung von Basalten Basallwackc und Basalllhon zuriiek-
blieb (pag. 151), und dass aid der andercn Seite durch \Yiederabsatz der aus-
uelauglen Mincralsubstanzen in Blasenraumen desselben Gcsteines aus schlacki-
unn Eruplivgeslein Maude Isteine wurden (pag. 155). Man hat sich jedoch
gevvbhnl, wenn gleichwohl ohne besondere Berechligung, diese VerUnderungen
und Umvvandlungen nichts als Aeusserungen des Melamorphismus y.u bezeich-
nen, sondern diese Benennnng allein auf solche Vorgange anzuuenden. die
uenn auch zuwciien mil theihveisen Zerselzungen verbunden, zur Bildung
eines neuen und oft krystallinischen Gesteins filhrtcn , welches nichl s(ilten
selbsl vviederum einer spateren Zersetzung untervvorl'en sein konnte, was bei den
obengenanntcn RUckstanden der Vervvesung gevvisser Gesteine kaum der Fall isl.
Als nachvveisbare Ursachen der Metamorphosirung gewisser ursprUoglicher
(ieslfMiie hal man erkannt: I; Mineralquellen und Sickerwasser, 2 \ulkanische
Gas- und Dampfevhalationen, 3) Erdbriinde, 4) Eruptivgesleine. Die dutch
solche Ursacheu hervorgebrachten Umwandlungen sind locale Erscheinunuen.
\\eil die den Anstoss zu denselben gebenden EinflUsse ihre Grenzen habeu.
sich in der Niihe ihres Ausgangspunktes am energischsteu bethtttigeo und sich
in uleichem Schritle mil der zunehmcnden Entfernung von diesem \erringern
und endlich verlieren. Diese Erfahrung fiihrte zugleich zur Entdeckung der
melamorphosirenden Ursachen. Nur die Uberzeugendslen Grilnde, also souohl
der Nachweis der Ursache des Umwandlungsvorganges, als die Beobachtuog
inniger durch allmahliche Ucbergiinge erwiesener Verknilpfung des umgeuan-
dellen (iesleines mil dem urspriinglichen Mullergesein geben die Bere< -litii:uni:.
ein Gestein ftlr melamorphisch zu bezeichnen.
§. 13. Nachweisbare Oesteinsuniwaiidlungen durch Mineralquellen
und Sickerwasser. Der wichligsle der hierher gehorigen Process^ ist der der
Dolom ilisirung magnesiahaltiger Kalksteine, d. h. ihre Umwandlung in
Dolomit. Die Mehrzahl der verschiedeuni Erkliirungsueisen di(>ser Krscheiuung
haben nur hislorisches Inleresse, unter ihnen sind nur zwei als solche. denen
grbs'serc Wahrscheinlichkeil zur Seite stehl. her\nrzuheben ;
1\ IVtroia'lli'tische lifolo-ie
1) Auf n.aiznesiahaltii;e Kalksteiue \Nirken kohlensauivl.altigr Wasser ein.
extrahiren mehr Oder weniger Uhlensauren Kalk als hicarhonat mi.l lassen
rmllu-li Dolon.it oder ma-nes.areirhen Kalkstein /muck Slflhe pig. 1*8
diese.,. PTocesse der retatifOT Anreichen.nu dea KagnesiagetaUes ftioes ur-
spriliiiili.-l. srlnsach dolomitisehen KalUesleines gfl.t in r'nlgi' d«-r WegftlhJMng
des Kalkcarhonate.s cine Vnlunu-mrrringi'rnng Hand in Hand pag.
:' Bine Utettng ?dB Ul.U-nsau.vr .Ma-nosia in kol.lensiinn'lialtiu.Mn \\asst-r
NNirkt anl u.-NNi.lmlirhr oder he.vits .naunesiahalti-c KalkshMm-. rnl/i.-ht iliiicn
knhUM.sj.uivnKj.lk. wetebet t-rhohlii-l. liislk-lin- 1st ais Ma^U'smc-arlmnat und
sel/t d.iliir K.ilk-Mau.H-sia-Carhonat al>. Dieser VoriiJ.nu l.raucl.l niclil nut cn.cr
VoJumenverringernBg vcrl.nndcn /u win niul beruht daraui; dass di,- d,,|)|»(.U-
Ulilrnsamv Mauncsiasolution anlanus ans d,-n, dolomitisi-l.cn Kalkstcin kohlcn-
sauren Kalk aufhiimnt, his sic sid, soNN.-it ^csatti^ hat, dass sic krysteHini-
sc-hcn Dolomit ahsct/t. In dcn.sclbcn Maasse ahcr Nsic dieses gesohieht, wirkt
Bie da ihr Uchall an Kohlcnsiiure unverandert bleibt, von Neuc.n ai.lliiscnd
auf'dcn Kalkstcin fin and tahrt deshalb so lange fort, Dolon.it ausznsd.eidcn,
his sic ihivn ucsaiiunlcn Gehalt an kohlcnsan.vr Magnesia eingebUsst hat nnd
cine gesftttigte Anlliisunii von doppelt kohlensaurem Kalke bildet. Aus dicser
NNi.-d sid. an Orlcn, wo die Kohlensiiure entweichen kann, schliesslich aiu-1.
kohl.M.saurcr Kalk ahsetzen. Ihre vollkommenste Bcstiiliunnii lindct die Ansicht
Uhcr <liesen Von-aim der Doloinilisirung in i:cwissen Pseudomorphoscn von
Kitt.M-spalh narl. Kalkspath, wobei der ursprUnglichc Kalkspathkn stall ^m dcr
Uherllarhe ai.s in kiirniii krj stallinischen Dolomit uiniiewandi-lt NN urdo, wShrend
der Kalkspathkern oft noch erhalten blieb. HOchst instructiv als Rrlauterung
und »r\N«-isn.iltel fur den nehmlichen Process ist ein in der Nahe von Tharand
aufm-schlossenes Dolomit vorkommen. Dort troton zwischen Thonschiefe.-n lagerr
tenmge KalkMe,,./.<.nen anf und neh.n.'n in der Nachbarschaft der dorti^en
h,rph>r.- den Charakter ausgedehntcr Breeciengebilde an. Diese bestehiMi aus
klemeren und -rosseren, schai-rkanti-en KalksteinlVaiiinenten , uelche dinvh
,-in,. krsstallinische zum Theil drusige Dolomitmasse zusa.nn.eni:ckittet sind.
M.Mstenti.eils ab.-r sind diese BruchstUcke selbst ganz oder theilweise in Dolo-
,,.il •Brannspath u.n^-Nsandelt. Hier isl also das lockcre HaulxNcrk von Kalk-
steintram.nern \on cinem inagm-siahaltiiien Kohlensiiuerlini: durchstriin.t worden,
NNelehcr souohl die NVrkittnnii der Hrnehstiickc (lurch krystallinisehen Dolon.il
.,ls and. deren allmahliehc Umwandlunj; in Dolomit verursj.chte. \Vir hah.-n
,,ls(, jet/l dreu-rlei Processe kennen iielernl. (lurch NNclchc Dolomite entstehen
kiinlu.n |) dnrrh direcle chemische Anssrli.-iduni:. ;>j (lurch l-Mra.-tion dcs
kohlcnsauren Kalkuehaltes eines magnesiahalli-cn Kalkslcincs, :i, (lurch AusU.nsch
\,m ueu-cruhrteni Ulileiisaurem Kalke gri-.M. /.uuefuhrlc kohlcnsaure Magnesia.
Nrhrn der Dnloinitisininu der Kalksleinc isl die rmwandluni: dcs Anhy-
drites in (iNps (lurch Aufnahme von NVj.ss.-r cin herxorraLiendcs Beispiel des
,|un-h atn.ospharisrhe und Sickeruasser hedin^ten Meta.norphisn.us , ,jcd(,ch
schon in -enU-ender Weise pag. H «i hcsprochen Nvorden. Dasselhe gill N..I.
der Metamorphose des Spalh.-isenst.-inrs und SchNNcL-lkieses in lirauneisensl,-,,,
pag. I'M
222 IV. iVtro-tMiHisrliP
Hierher gehiirl endlieh die tTmwandlung \on Augil, (iliinmer. Hornblende.
• Iranat. Diallag. ()li\in nnd dhondrodil I'iihrenden (iesleinen . .il.so \or/iiglieh
Kklogit. Olivinfels. Diabas. (Jabbro. Hornblendesehiefer. Diorit in Serpent in.
Dieses (iestein repriisentirl das Knd/.iel eines Proee>se.s, \\elclier auf die Har-
sh-Hung der duivh fern ere Ver\\iUerung wenig tmgreifbarefl \\asserhalligen
kieselsauren .Magnesia hinarbeitet. Dieses geschieht nielit allein dadnrch. dass
diese Yerbindung als Hesidunin eines ZersetzungS- lind Auslaugeproeesses diirch
kohlensiiurehaltige (lewiisser /nrilekbleibt , soiulern nanientlieli (lurch Aus-
scheidung derselben aus Losungen von Magnesiasulfal. -earbonal oder -chloriir.
sobald sie init kieselsanren Alkalien, Kalkenle niul Thonerde in BeiiilininLi
konnnen.
§. 14. Nachweisbare (xesteinsnniwaiidlungen durch vulkanisclic
Diinipfe. Den Krateren der Vulkane, so\vie den Sj)alten. welehe in den \nlka-
nischen (leuenden den Krdboden dui'ch/iehen. entsti'iinien Kohlensiiure, lieisse
\Vasscrdiinipfe. Chlor\vassersto(T, Schwefelwasserstofl' nnd seh\\efelii:o Siinre.
Nanientlieli ist es die Selnvefelsanre. das Oxydationsproduct der beiden letxt-
izenannten (iase. \\elche bci ihrer Kin\\irkung auf das Nebenueslein rascher
als die Kohlensiiure die Kieselsiiure aus ihren Verbindunuen anstreilit nnd mil
den Basen sicli \ereiniuen<L zahlreichen neuen Substanzen rrspruni; iziebl. lin
Alluenieinen %verden die (iesteine dadurch gebleicht, ihre dunkele, oft sch^ar/e
Farlte »eht in eine 7Aim Theil blendend \\cisse oder gelbliche uber. ihre
Festigkeit nininit ab, sie werden poros, inorsch nnd xorreiblich nnd \er\\an-
dt'ln sieh endlieh in tuft- oder thonartige Massen, von welchen 7)is\veilen die
Krxslalle der weniger leieht angreifbaren Mineralien in unzersel/.leni /nstande
unisehlossen \\crden. Bcsondei*s energisch und tiefeingreifend \\irken der-
artige Xersel/.nngen dort, wo die Ausstroinungen von gasartigen Substanxen
dni'cli /jigleieh mil hervorbrechende Wasserdiiinpfe oder heisse Quellen unter-
stilt/t NNt-rden. Im grossarligsten Maassstabe geht diese Um\\andlnng an den
Palagoniltnflen verschiedener Localitiiten Islands vor sieh . \vo sie durch xahl-
reiche mil Gewalt aus den Gesteinsspalten des PalagonitluHbodens hervor-
braiisendt1 Strahlen von seh\vefeliger Siiure, Seh\vefel\vasserstoH' und \Vas>er-
diiinpl'en in abweehselnde La gen von bunlen und weissen Thonen \erwandelt
werden. Aehnliclie l-lrseheinnngen sind auf Java, auf der Insel Vuleano. in der
Solfatara bei Xeapel, am Pic von Teneriffa in Enlwieklung begrifl'en.
Als \eubildungen aus den sanren NVasstM'diiinpfen und den aus dein (ie-
slein extrahirten Stotl'en set/en sieh Ihalith, Alaun. l-'.isenkies. Sclmefelkies
und /.umal (iyps ab. So vermoehte eine anhaltende Kin\\ifkung der Fmnaro-
len auf traehylisehe (Jesleine aus denselben einen M>llst;indigen Alaunstein her-
xustellen, \\ ie es im Beregher Comitat in I'ngarn. ferner in Tolfa gesehehen.
Kbenso gehen nicht selten mil der Unnvandlung der vulkanischen TuH'e in
thon;ihnlieh<' Massen ansehnliehe (iNpsbildnngen Hand in Hand. Die gan/.e
/erset/.le TutVniasse \\ird dann von weissen, faserigen (i\psti%ninern duivh-
xogen. odei- umfasst Schiehlen, Stocke oder bliitlei'ige Krystallgruppen dieses
Minerales Island. l.i|)ari. i Koiiunt Kalkstein in der Niihe del- Fuinarolen oder
\on Schwefelwasserstoff haltigen nnellen vor. so wird die Kohlensiiure desselben
IV. IVtroijonetisrhc Cirolo^ic 223
(lurch Sclmelclsaure ersct/t und das (icsicin y.um Theil unter Liloichy.eitii;cr
Ahlairenmi: von Schvs del in <i\ps umuevNanddt. So isl an dcr Soll'alara hoi
Neapd am Sec Aunano mul an dcr (irotte des S. Calouero aiif Lipari ans Kalk-
Mein dci- ivinsle Alabaster cnlslandcn. — cin Ke\veis daliir. dass dassclhe .Mineral
das I'roducl iiianiii^i'altiucr \ crschicdcnartip'r Processe sein kaini : hahcn vsir
doch hcrcits ucsehcn. da>s(i\ps dinvli direeten Nicderschlaii pai;. 16fi, dnrcli
uci:cns('ilii:c /rrsrt/uni: von koliltMisamvin Kalk und Sulfal(Mi von Kison,
kiipt'cr und /ink pau. t'ii. durch rin\\andlunii dcs Anhvdi'it (p;i». I'M.,
(lurch Xcr/cl/un- \ulkanisclirr Tuffo durcli l;iniiai-.>lcn und cndlich (lurch IMII-
\\irkuni: von Scli\M>l'el(|uollcn und huuarolcn aul' Kalkstcin ontstolu-n kann.
§. Jo. Oesteinsuniwandlnngen durch Kohlenbrainde. 1 l«)i/c \on
Stcinkohlcn und Hraunkohlcn izcrathcn l>is\voilon durch Sclhslcnt/.iindung in
Brand und \\crdcn dann lanusam und allmiihlich in oft hcdcutcndcr Ausdch-
nuiiiz \(M"/chr(. Kin nalilrliche Kolizc dicsci- ICrschcinung 1st, dass die (Jesleine,
\\clche das llaniionde und I jciicndc dcs brennendon Kohlenflot/os sind , also
naincnllich thoniizc Sandsteine, Schiefcrthon und Thone durch einen solchcn
Mi-dhrand in iihnlichcr \\cisc Itccintlusst und M'randcrl \vcrdon, \\ ic die
l,(>hin/.icizel im Feucr eines hivnncndcn Ziegelofens. Sic wcrden liiniiere Xeil
einer sehr •liohen 'rein])cratur aiisuesel/l und \verden da her notlnvendiiicr \Veise
i-flirannl, uefrillcl. \erschlackl und tlieilwoise auch verulasl und /urn Theil
in hlauL-rauen. rothlichen odcr huntuellannnUMi IN) reel I an jaspi s, zuin Thcil
in hlasiL-e Schlacken. \\elclie rVairinontc von iichranntom his halhizescluuol/cneni
Thon und SchieCcrlhon uinschliessen, iiniiicwaiHlelt. Solche Gestcinsveriinde-
nniiien sind hei l)utt\\eiler unlVrn Saarhriicken. hei X\\ickau dureh hrennende
Steinkohlcnllol/.e, hei Ahtrode in Hessen, hei Bilin und Karlsbad in Hohmen,
hei Xiiiaii in Sachsen durch ausgebrannte Braunkohlenlager vor sieli uci:an-en.
§. 1fi. Naclnveisbare Verandenmgen durch Eruptivgesteine. Hei dcm
-luthflUssiuen Zuslande. den die Kruptixuesteine hesassen, als sie von deiu
Krdinnercn aus in die Spalten der Krdkruste injicirl \\urden, isl \ orausy.usety.cn.
dass sie aul ihr Neheni:estein sowohl, \vie auf die \on ihnen uinschlossen(M)
Fraunienle des lel/tei-en cine Kin\\ irkuni: ausgcilht halx'n. Dergloichcn in dcr
That heohachlele Vcriinderuniicn \\erden als Con tactmetanio rp h ose n be-
y.eichnet, sind jcdoch nicht so hauliL:. als man er\\arten sollte. An un/iihliizen
1'unklen. svo man den Contact eines erupli\en und seines Neheniiesteines heoh-
acht.-l hat. /i-ii:l sieh \ielmehr koine Andeutuni: ciner l'ni\\andlunii des lelx-
tcren. ohne dass man sich dicse Ki-scheinunu hei dcr Kmptindlichkeit mancher
hcnachhartei- (lesleinsiuassen ueuen Ilit/c crkliiren kiinnte. Die demnach ver-
haltnissmiissii; seltcnen (lontactmetamorphosen lasscn sich y.um Theil aus den
liohen Temperatururaden der i»lullilliissii:en Krnpli\ masse herleiteu, zum Theil
aher scheint den dcm erupti\en Mauma heiLiemeiiizleii ilberhily.lcn, \\;isseri»cn
Solutionen ein Hau|)tantheil an dcr .Mctaniorphosiruni; des Neheni-esleines y.u-
y.ukommcn. Durch hohc. dcm NchciiLicsteine mitiictheille Temperalur \eran-
lasslc (lontacterscheinuni-'cn hcstehcii in der Kriltuni;. Verkokuniz, HrennuiiLi.
HiistuiiL:. Veriilasuiii:. I'mkrvstallisirunL; und siiulenlormiL'cn Ahsondei IIIIL; des
Nehenizesleines
221 IN'. I'i'li (>L:rncli>rlip (JtM»|(ii;ic.
Die Ersrheiming dci Verglasung, Frit lung mid H re n n u n g zeigl sicli
in \tiiy.iiglicher Deiitlichkeit bei den BruchsUicken von Thon.sdiiel'er und Grau-
\\arke. \\elrhe diuvli die Yulkane der Vonler-Kilel und des Hoderberges ober-
h.-illt Bonn itn Yerein mil Bomben. Aschen und Lapilli ausgeworl'en \\orden
sind, lerner bei dciirn von Glimmerschiefer, Quarx und Gneiss aus don vul-
kanisrlien SchlackenanhttU&ingei) des Kammerbilhl bei Eger, welche /uni Theil
mil einer lormlichen Glaskrusle bedeekt sind. Ganz ahnliehe Einvvirkungen
lialu'n die Hasalle auf ungivnzende Sandsleine, Mergel und Schieferthone aus-
^ciil>t, haben die Sandstoini' enllarbl, xu oincr cniailiirti^cn. ^liinxcnden Masse
iiclVillel (x. B. an der Hlauen Kuppe bei Eschwe^e), haben das thoniii-kalki^c-
Hindcinittel gewisser Sandsleine xu Glas geschrnolzen, wahrend die Ouar/korner
unversehi'l iiel)lieben sind (Oberellenbach in Niederhessen), hal)cn Tlione und
Meiizel in Porcellanjaspis (x. B. bei Weida in Bayern), sowie GranillVaij;-
inenle in schlackige Massen umgewandelt, deren Feldspath gesclimolxen und
den Glimmer gebrannt (x. B. am Puy de Dome). Endlich haben ge\\isse
Dolerite Islands eine vollstandige Schmelxung der angrenxenden Tulle und
I'honolithe xu einer obsidianartigen Masse verursacht. Ahnliche Erschei-
nungen des Contaetmetamorphisinus sind bei Trachyten viel vveniizer hiinlig.
bei 1'orphyren und Melaphyren aber selten, bei Griinsteinen \Aohl kaum und
beini Granit und Syenit noch gar nicht nachgewiesen.
Dahingegen haben sowohl Basalt, Trachyt und Phonolith, \\ie Melapli\r
uiui Porphyr an einer grossen Anzahl von Punkten Veranlassung xur Verko-
kung, d. h. zur Umwandlung von Braunkohle in Steinkohle und Anthracit
und von Steinkohle in Anthracit und graphitische Substanx gegeben. l-^iiie
sell r gewohnliche Folge der von dein gluthflUssigen Eruptivgesteine ausgehenden
Krhitxung des Nebengesteines ist seine prismatische Absonderung, wie
sie sich in ahnlicher Weise bei den den Schmelxraum umgebenden Gestell-
steinen der Hochb'fen auszubilden pflegt und im Gontacte von Basalt mil Bunt-
sandstein (Wildenstein bei Btidingen), Quadersandstein (bei Zitlau), Thon und
Braunkohle (arn Meissner), von Trachyl mil Steinkohle (Commentry), von Pho-
nolith mil Braunkohle (im nbrdlichen Bohinen), von Felsilporphyr mil Dolomit
(Toseana), mil Kohle (Allwasser in Schlesien), von Melaphyr und Kohle (Sulz-
baeli in der Pfalx) beobachlel werden.
Ebenfalls nichl sehr sellen isl die von Eruptivgesteinen ausgehende Um-
wandlung gewohnlicher dichler Kalksleine in xum Theil schneeweissen, kry-
stallinisch kornigen Marmor, vvobei die Schiehlung verloren geht und die et-
\\aigen oi-ganisehen Resle desselben verwischt werden. Dies ist x. B. aul der
Insel St. Jago am Griinen Vorgebirge durch einen Lavastrom gesehehen. \NO
er mil einem ganx jungen Kalksleine in BerUhrung gelangte, ganx almlii-hes
wiederholt sich auf der Insel Ralhlin an der Kilsle von Antrim in Irland. Ilier
uerden die Sfhiehten der Kreide von x\vei parallelen Basaltgiingen dergestalt
durchsetxl. dass diese durch ein 12 M. breiles Z\\ isehenmittel von Kreide \on
einander getrennt werden Fig. 23). Diese ausserdem noch von einem C|\N;I
(>.:? Meter niiichtigen Basallgange duivlisrlmittene /one ist \ollsljindig in Marmor
umgewandelt. Dasselbe ist mil der ansserhalb del1 Hasallgiinge belindlichen
IV. lVlroi_:eiieti>.e!if
225
Kreide ;mf oino Kntferuunu \on iiber I M. t:eselielien . \on \\n ;ius oin uan/.
allmahlielier I 'her^aiii: in die t:r\\iilinlirho Kreide slaltlVndct. Die Yerslcineruii-
sind in dor umkrvslallisirlen Kividr spurlos \ er.sehu undrn. In t:an/. ana-
Fig. Z». Kreide im Contact mil Rasalt \vl Marmor nmgowandelt (Grundrigs).
lo-er Wrisr sind p-wisse Kalkstrinr drr I'xrenaen und Skandinaviens dnreli
(iranite und S\enite in .Marmor umtjoNYandolt \vorden. Dasselbe \\iederhoU
sieh .in \rrsrhirilrurn Punklrn drr Insrl Sk\r, \\o i:r\\i)hnlirlirr , Aiuinonitrn
und (ir\|)liarru fiilirrndrr Kalkstrin im Contaclr, mil Syenil^ranit und syrnili-
srlirm l-'rlsitporphjr in srhnrr\\ rissrn kr\staHinisclu'n Marmor ilhrr^rlil.
Allr dirsr (lontacUN irkuniicn drr ICruplixizrstrino auf ihr Nrhrui;rstrin las-
>rn .sirli aus drr mrhr odor wonit^er lang andaurrndrn Krhil/ung dessell)en
hrrlritrn. bosondors \\run man annimml , dass das Wu'rmeleilungsvrnnoiirji
drs Nrhrn^rstrinrs durcli Vrrmillrlimii d(>s soino I'orrn , Fu»on und Scliirli-
rrlullrndrn Wassrrs \rriirnssrrl und dadurch don Contarlrrscliri-
die Miiiilirhkril oinrr iin'issrrrn Vrrhrriluni- i?ojj;ol)on wurdo. Namonl-
lirh Iiei rnikrNsl.illisirunii des Kalksteinos scheinon erhilzte Wasser rim- ^r-
sentliche Hollo als Vehikel dor vom I;,rupti\^esloino ausLielienden liohen Tom-
peralmvn i;ospiell /.u hahen. Anderer Art ahor \\aron die aJs hydatolher-
miseli he/.eielmoleii Ausserun^Mi dor Conlaetinelainorplio.se, wio sio durcli das
Kindrintion dor \on dein l;.ni|)tivmai;ma emporgofUhrlen Uberhitzlen, Nviissori^on
Solulionen sielie pat:. 201) ill dom Noliengostoino hervorgobracht wurden. Diese
liei««>en l.osuut:en draiit;on in die Poren dor l>enaehl>arton Gestoine und voi-
millollen niehl nur eine rmkr\ slallisiruiit: . sondern solzlon /ui^loieli ilire mi-
noralisehe Last alt und \er\\andelteii daduroh nichl nur die Struclur, sondern
die iiosammlo elieiniselie /usaininen.set/.unt:. die jian/.o mineralisehe (lonslilulion
der>ell»on. Am aiii-enlalliiislon selieint sich dieser Vorgang dorl holhiiti^l /.u
lialten, \\o uewolmlielie Kalksleine dnreh (Iranilo nichl nur in Marmor umiio-
\\andell uurdeii. \\.is aueli wold olino Vormilleluni: dor Kruplivwasser t:e-
sehelion kann , sondern \s o y.ut:leie!i eine [mprflgnatMHl dor (lonlaet/oue dossol-
hen mil fivmdarliiien Mineralion, namonllieh kalkliallit:on Siliealen, \\ io (iranat.
Vosusian. Kpidul, Hoi nhlende . (ir.immalit, danohon Spinoll, Flussspalh , (ilim-
iner slallirorunden hat iPjronaon, Skandiiiavien , Alpon). Audi siiul Hoispielo
lioschriehon \vorden. \\oKalksleine /.um Theil lerliiiron Alters) im Conlaele
mil I5.is.ilt \oiiOli\in uiuMlat:neteisenei7.. im (ioiitaete mil I.eueitlava von Leu-
cil und Sodalitli impriit:nirt sind (lout-iors in Fraiikreieh, Monl(( Somma . Kino
iilmlielie. dun-li die \om (iranile abslammeiiden l'>ru|tti\L;e\viisser heuirkle, auf
Krliit/.unt; des .Nehen-e.steine.s und Xufuhr ueuer Mineralsuhslan/. Iteruhonde
(lontaetinetaiiiorpliose isl die I'IIIXN andlunt: \nn (Jrau\\aeko und (irau\\acken-
selnefer in Ilornfels, \vie sio hesonders in der Uingehung des Brockens slall-
Credner, Elemente d. Oeologio. 15
226 IV. lVlroi;i>ncti>che Geologic.
grfunden li.it. Yor/iidich schiin sind dieso Contactersfcheinungen mid der all-
mahliehc I'beriiani: des sehr harlen . splitleriiien llornl'elsos in uewohnlieho
Grauwacken am Hehboriier Graben bei Andreasberii x.n beobachten. Die rm-
\\andlunii der letctgenannten SddUneQtttrgestoine in llornfels h.u nicht in einer
Fritlunii mid Yerdasuni: derselben , sondcrn namentlich in Hirer ImpriiiMiation
mil Lrranitischeil EruptivwaSSGTn, v\olcho (lit1 Kcstandtheile des Granites in 1 .it-
si! mi hielten, slalliierunden. In l"nli:c d;i\i>n 1st del1 Kifsrlsiiurcgchiill (K-s (ir;m-
wackenthonschtefers brdrutcnd \cnnclirl \\ordcn. Gnniiil, Tuniuilin und 1-Vld-
spathkrystcQlchen, sovvic GlimmerblUlichen ImU-n sidi ausgeschieden^ kur/.. die
inineralische und ehemische Constilulioii dos Nebeogesteiofl ist \ciiindrri \vordcn.
Kinc iindtM'f durch Vcrinitlclun^ dor Kiiiptivwasscr des (iranilc.s Itodinutc
(Itiiilactcrschoinun^ ist die rnmandlunu dor Thonschiofer in Flecksehiefer, l:rucht-
scliierer. Knotcnschiet'er , (larbonschiefor, Chiastolithschiefor , feldspathfiihrende
("ilinimerschiefer, und Cornuhianit. Bei alien diescn Metainorphosen lieuinnt dor
iieNNiihnliche Thonschiofer in dcr Richtunii nach dcin (iranite /u ein fcinschup-
piizcs, krystallinisches Gefiljie an/unelunen, Lamellon von Gliniiuer und Kurn-
chen von Ouar/ treten allniiililich doutlich l\ei'\or. sie \verdon zahlreicher und
nehinen an Grosse zu und zugleich enlwickeln sich in dein (Jcsteine uluitkele
Flocken . wei/.enkdrniihnliohe oder bUschefformige Concretioncn einer falunit-
artiiien Sul)stanz, oder ahor Krystalle von Chiastolith und Feldspalh, l)is dcr
urspriiniiliehe Thonschiet'er /,u scinein (lontacle mil dem Granit als ein charak-
leristischer (Ihiastolilhschiefor oder feldspathlulirendei' Gliinniorschiefcr erscheinl.
Diese rinwandlunLrsprodiicte uniizeben solche Granitmassivs, \\elche inselartii:
aus eincni Schieforterritoriiini horvoiraijcn , nicht sellen allseitiu in Form einer
holartij4en Zono. Dies ist vorzilglieh bei den Granilparlion Corn\\alls dor Fall,
dasselbe \\iederholl sich in dor liretaiine und in den l'\reniien, so\\ ie in dein
Schiefergebifge Sachsens. und /v\ar am linken Elbufer in tier I.inie \on \\"ee-
senstein nach Leuben. Die Breite soldier Uinwandlungszonen schwankl zwischen
4000 und 30 bis 40 M.
Der Beanlworlunsi der Frage , ob ge\\isse ki-\slallinische . sich an Granil
und Svenit anlehnende Gcsleine diesen ihren kr\stallinisclien (lliarakler dein
S\enil und Granit \erdanken, also von diesen inetaniorphosirt sind. muss die
I .^Istrllniii: der erupti\en Natur des (iraniles \ oi-ausiiohen. In der Nachbar-
schal'i niancher der lanreiitischen oder Urgoeiiisformalion angebOfiger (inciss-
izranile trelen kr\ slallinisclie Kalksleine auf. \\(>lche i-erade italic dein Gnnlacte
mil jeneii reich an accessoi'isi-hen ( JeincnLZlheilen . jedoch jiinuer sind als die
benachbarten Gncissiiranile nnd diese uleiclil'iirmiL: iiberla^ern oder mil solchen
oder deren schit'1'erij.'cn GesleinsNarietiilen \\ •echsellai:ern . \M> also Kalkslein
und Gneissi:raml /nsammcni:ehorii:e Gliedcr eines Scliiclitencomplcxes bilden.
Solche nainentlich aus Nordanierika beschriebene Vorkoniinen \\erden /.ii\\eilen
.ils Ixpisehe Heispiclc der h\ dalolhermischeii (lonlaeliiiotainorplinse durch Granil
aul^el'iihrl . sind es aber ebenso \\enii:. \\ ie ire\\isse Gneisse und (iliniiucr-
si-hiel'er. \\elche iih'ichfalls als Glieder del1 laurenlischen GneissfortttafioD in
\i-ibindiniL: mil Granilen uleichen I 'rspruiii.rs und Alters auftrelen.
\\eseniliclu' rnlersliil/inii: hat die Lehre \oiii hylatolliermi.schen Con-
IV. IV'tm^iMirtisrhe Geologic. 227
lactmelaiimrpliismus in jje\\ issen \on Daubree angestellten Experimental) uehin-
deii. welche sich ;iuf die Wirkiini; iiberhil/ler \Vasser auf Miueralai^reiMle
nnd Mineralsubslany.cn ilberhaupl be/.iehen. Auf :Jt>0 Grad H. erhil/.te und
langere Xeil auf diesem Tomperatargracle erhaltene reine \\asser \\andellen
Obsidiansliicke y.u einem feinkorni^en krsstallinischen Trachyt, Glas in eine
kaolinarliue. namenllich aus (Juar/.krv.stallchen und \Yollastonilnadeln bestehcndc
Masse inn. Xu iVrntMvn Vcrsiifln'ii NM-iulrh' man slatt rcinen Wassci's Thcr-
mal\\asst'r \un IMnnibicivs an. dcsscn hcdt-ntcndcr (ichalt an MiiHTalsiiltslan/.i'ii
nnd /\\ar Nnr/nu^wcix- Alkalisilicalrn sclion darans licrvorging, class sich aus
HUM in dt-n IlOhlnnurn. KuLrt-n und POIXMI alli-iimisclicn Manci-\\ci-kcs jciuvs Ba-
df.s Chahasit, Apoph\ Mil. ll\alitli. I'lussspath, Aragonit, Kalkspatli u. a. Mine-
ralicn ahset/tMi, dass also durch ilnv Vcnniltcluiiii c'in der Zeolith- und Car-
lionalbildunii innorliallt dcr Mandclstoiiu- analoger Process cingeleitet wird.
Solchc durch Ahdampfen cunccntrii'te Thennahvasser wandcltcn in iibcrln't/.lcni
/uslandc Kaolin in l-'cldspathki-Nstallc um ; in der kaolinischcn Masse, in welche
die (ilasi'iihi-e /ersel/l \\orden \\ai~, hatlen sich Diopsidkr\ sliillchen ausgebildel,
- lauter Miuebnisse. \\elche .sich zu Gunsten der hydatolhennischeu Conlacl-
inelamorphose auslc^gen lassen.
§ IT. Die Theories vom allgeiueinen Metainorpliismus. Wir liaben
Itishei- eine Heihe \on (iestc-inen l)elraclilel, deren lTr.spning nnd jel/.ige Er-
selu'inuni:s\>eise \\ir mil ansclieinender Sicherheit erklaren konnten. Neben
diesen aber exisliren niiichliiie Schichlenreilien \on (ineissen, Gliinmerschiefern,
llornblendescliiefei'n, Chloritscliiel'eni, Talkschiefei'n und Granulit mil /\\ischen-
iielagerlen (Iraniten und Syenilen, Uber deren Enlstehungs- und Ausbildnniis-
\\eise die Ansichlen der Geologen noch unklar und unbeslininit sincl und /nin
Theil Nveit auseinander jiehen. .lene (Jesleine bilden nicht nur die Uber 30,000
Meier machine, als laurenlisch und huronisch be/.eichnele Gneiss- und krystal-
linische SchieferfuriDution, also die ;ille>,teii nns /.UL-iinglichen Gesleinsbildnni;en,
siiiidern WiederholeD sich in verschiedenen jilniieren I'erioden als izleichtni'inii;
zwischengelagerte Schichleni'eihen /AN isehen ecliten und versleinenin^si-eiclien
Sandsteinen. Kalksleinen und Schiererlhonen. \\ ie dies /.. B. im Silur Nor\\e-
Ljrns. im Silnr \on Schottlaiul. im DeMtn des Taunus. im Jura, in der Kreide
uml im l.ociin der Cenlralal})(M», im Jura der niirdlichen Apenninen del- Fall
isl. Die ursprunglich sedimeutiire Knlstehungsweise aller dieser Gneiss- und-
nanienllich der kr\ stallinischen Schielei-cmnplexe kann nichl be/\\eit'ell \\erden:
in Dbereuutifnmiing mil der Si-hichleiiabsonderiiiiiz \\iederholen sich zahllose
NVechsellauerungen der verschiedenafftigBleil (iesleine; die <loloinilisehen Kalk-
sleine der \i»i->ilui-isehen Schierei-rorinalidii sind so deullich geschichlcl . \\ie
It -iassiseln'r \\ellenkalk; /.\\ ischeii ihnen 11'eten reueliniiNsi^e Lai^er \(»n QuaivJl,
(lonuloiiierateii, i:rnben Sandsteinen und Thonschiereni auf; Hire Sehichluiii:s-
ll.ichen >ind an i:e\\i»en l.uealil.ilen \mi den deiilliclislen \Velleiifurchen be-
deekl : >ie >elbsl \\ ecloellaLierii in i:rii>ster Heiielinjissiiiki-il mil geschichleleii
(ineissen, (ihlorit-. Talk-. Glimmer-, uml llornblendeseliierei-n : /\\ isehen diesen
lieien Emlagerungen son (iranil. Kli»l/e son iMagneleiseneiv. und (iraphit auf;
endlich uehen sie in versteineruugsfUhrende Silurschichten iilnsr oder
15*
228 IV. Pi'tm^iMirlixche (icnlo-ic.
erl /\\ischcn die fnssilreichen (loinplexe jiiiigcrer Forinalioneii.
- alles Krscheimmgcn. \\elche i'iir cine sediiiienlare Knlslehung tier belrel-
lenden Gncisse mid krvslallinischen Sohiefergesteine sprechen. Ihi1 heuliger
Gesteinscharakler isl jedoeh nach Ansiclil der Mehr/.ahl dcr Genlogen uiclit dcr
UrSplHlngliche, vielmehr \erfiel das anfiinglichc, sedimenlare, klaslische .Material
ini La life drr Xeil cincr I nmaiidlnng, cincr iMelamorphose. aus \\elclier die
krvslallinische Slrnelnr iiinl del1 pelrographische Hal)itus, wie ihn <lie (iiiei--
NIK! krvslalliniselie Seliiel'erreilie lieiile x.eii:!. resultii'le. Uber die Nalur mid
die I'rsaehe dieses die kr\ slallinisdie Aiishilduni: l>ediii|4enden UinwandluiiLis-
processes LTchen die Ansichteii \\eil aiiseinaiider nnd enllx-lircii /inn Tlieil noch
jcjilichcr sicliercn Btigrtinduogi
Die jet/iize I'.rscheinungsweise dcr hesjtroclienon nielamorplnschen Schich-
Icnetiinplexc \\ird jc nach dein vcrschiedcnen Slandpunkte der CieoloiiCMi \on
den Kiiu'ii als das Kesnltat dcr vom gluthllussiijen Krdinnern hcraiif\\irkenden
liolicn Ti'inpei'alur, von den andcren tils das Resultal In drocheniischcr 1'rocesse.
d. h. eheinischer. durch Sickerwasser ein^clcitelcr Von;ange, mil anderen Wor-
(en einerseils als eine Reaction des Ynlkanismns. andererseits als einc solche
der Atiiiospliiirilien l)etrachlet. In ersleivin Fa lie war der Metainorpliisnins des
urspriiniilielien Sedinienlannateriales die l-'oke eincr langsam wirkenden Er^
hil/.ung durch die innere Erdwlirme, wodurch unter zugleich staUfindendein
Drucke der ul>crlagerden Schichlencoinplexe eine Schmelzung dcr untersten
nnd cine innere rnikrystallisirung der em hoheres Niveau einnehnieudcn (Ic-
slcinsmassen bedingt war. Bei diesem Processe \vird einerseits den \\assern.
wclchc anfiinglich die Poren der Sedimentgcsteine anfQllten, die WJinneleitungs-
fahigkcit derselben vergrb'sserlen und somit als Vehikel fiir die Wa'rme, /nuleich
aber in ihrcni iiberhilzten Zustunde als Auflosungs- und Zersetzungsmitlel dien-
len, tindei'ci'seits den (lascn und Diiinpfeu, welche dem gluthfliissigcn Krdki'rne
enlweichen und das Geslcin durchdringeu , als uingestaltenden Ursachen cine
grosse Rolle zugetheill.
Diese Theorie setzt voraus, dass bedeutende, vom Erdinneren ausgehendc
Tcinperalurcii alliniihlich in ein hoheres Niveau, nehmlicli in das (lurch die Se-
dinicnlablageruniicn dcr iilleslen Oeeane eingenonnncne, liinaufgcn'ickl seien,
nnd erkliirt dies dadurch, (lass in Folge einer Krlib'hung der Erdoberfla'che durch
Ablagerung niiichtiger Scliiclitens\sleine die conslanlcn Tenipcraluren der Krd-
ki-uste (chlhonisothcrmen Fliichen) naeh oben gestiegen seien. Auf diese Weise
\\crdcn die Teniperalnren der ursprilnglich oberfliichlichen Gebilde durch Aus-
t'iillung eines el\\a 15300 M. tiefcn .Meereslieckens. also durch Ablagerung eines
eben so inacliligeii Scliiclil(Micoini)le\es uni I DO (Irad (1. siehc pair. 7 geslei-
gerl. Der durch solche \\iirineeiii\vii-knnucn eingeleilele und ini La life Janger
/.citriiuine vollendete, sng. Inpngcne odcr plulonische Metainorphosirungs-
process iindet sein Analogon in gewissen Erscheinungen der Contactinelainor-
|)hosc, denen /u Folge z. B. Thonschieler durch die Kin\\irkung des cruplixen
(iraiiilinaginas in (lliininerschiefei1, Chiaslolilhschiefcr und Gneiss uingc\\andclt
\\urden. Auf der anderen Seile bleibl nach dieser Theorie, \vcnn sic allgeinein
auf die Deulung des L'rsprunges der geschichteten krystallinischen Silicatgesleine
i\ PetrogenetisctM <;«'nin-ii>. 229
anue\\andt \\ird. die ThaKidie vollsiandig unerklcfrlich, da.v, (l<nnple\e \nn
echien Gncisscn mil uraniiiselien EinlagemngeD, so\\jc \on krystallinischen
Seliiel'ern auf unveranderten versteinerangsroiohea Sediroentfirschichton auirulien
iinil \dii solehen direct iiml deichlormiL: uberlagerl \\crden.
Im Gei;ensal/ /.u dieser Ansiclil iiber den Ausgnngspunkf und die Vor-
U.illLie (lex Melaiiiitrpliisimis uaii/.er SchiclilcnsN sleme abslrallirt die hydroel.e
misclie Thcorie des alkemeincn .Mctamorphismus \on einer [tlutonisclien Ilil/e-
eiimirkuni:. erkennt in lanuandaucrnder I)iircli\va'ssermig die Irsache dieses
um.s.sarliuen GeMeinsuiiiNxandlungsprticesses und selireiltl diesei1 di(> slalluelialtle
substantielle Verttnderuiig und Umkr^stallisirtMig der metamorpfaischen Sehicli-
(en 7.11. Danacli ist dieser Vnriiani; die sich in der Knltiefe l>e(hiiti»ende I''oi1-
set/unji der in den oherllaelilirlien Ni\eaus der Krdkrustc als Zerset/iini: nnd
Aullnsunii >ieh izellend maclienden elieniischen Tliiitiiikeit des Wassei's sielie
P.IL;. lil u. 1'.). I.el/.teres. Kulilensiiure und SauerslolV enlhallend. driiiiil nacli
seinein Niedersclilniic ans der Almospliiire (lurch die (iesieine nalie der Hrd-
olterlliiclie. \\o Jlmi dureli slatllindende Oxydalionsprocesse der Saiierstoll'. (lurch
Xerset/iini: ue\\ isser Silicate die Kolilensiinre ent/oizen \\ird, bis heide (lase,
naclidem das \Vasser oinen laniieron \Veg in die Tiefe /uriickiidoi:!, allmiihlich
uan/ aiif-e/ehrl sind, und jene Zersel/nnizen aufhiiren milsscn. Dahiiii-etzen
halien .sieh die (ie\\;isser mil lOslichen MiiUM-alsubstanxen l)elad(M», >v(il<ilu> in
tieler lifiiendcM Scliichten anizelanizt, Veranlassung zu Gostoins\eriinde!MinLien
iielten >iehe pa». 132). Auf diose Weisc in Losung /uizelulirle Alkali- und
Kalk>ilicate \erltiiulen sidi mit l)oreils vorliandenen /u /.usjininienueset/len Si-
licaten (z. B. Foldspath, Glimmer), \velchcsicl), da dieser Process iiusserordcnl-
lieh langsam vor sich geht, krystallinisch ausschciden. Enthallen einfaclio Si-
licate. \\elclio sieh mil einander V(>rl>indon, Kieselsiiuro in griisserei1 Mengc,
als di(> aus denselben cnlstelienden Doppelsilicale . so (M'folgt l>ei diesem Vor-
^aii^e cine Ausscheidung des Quarzes. Die hydrochemischc GestcinsmeUimor-
l>hose bestelil demnach in der Zufuhrung von Minerallosungen aus obcrlliicli-
licheii Ni\eaus in liefere, ferncr in dem Vollx.U|j; gegenseitiger \Yrbindungen
und /ei-set/ungi-n /\\ischen jenen Solulionen nnd dem durch\\;isserlen Gesteins-
materiale und endlich in der daraus hervorirelienden. langsamen und deshalb
kr\stallinisclien Neuliildung \on .Miner;ilien, also in Summa der vollslandigen
I'liiueslaltunu der cliemischen Zusammenset/uni:. der pelrograpliisehen Consli-
lution und der Strueturyerhallni>se des urspriin^liclien Gesteines. Dieser Pro-
cess erforderl. \\enn auch unler.sliil/.t durch den Druck Uberhpern<ler Scliichten
und die Tcmperatur/.unalune dcr Krdliclc. enurine Zeilriiume. Die I'ol-ericli-
tige (]onsei|uen/. dieser Tlieorie isl. dass •/.. B. aus ein und demselben Kalk-
sleine. jc nacli dcr Natiir der in ihm circiilirenden Mineralsolutionen und der
dadureh einuelcitctcn cliemisclien Proccssc. sich an der cinen Stelle ein l'\ro\en-
nder Am|ihiboli;esteiii. an dcr anderen ein (iranal- odcr I'ipidittgeslein, an einer
drittcn ein Ouar/- odcr l-'ehlspalliueslein enl\\iekeln kann.
Dcr llaii|)lcin\vurf gegen di<- Tlieorie \mn hydi-ocliemisclien Metamorphis-
mus berulil daraul'. dass si,, liin-.-iv /eilraume. als /,. H. vom Silur bis jel/.l
\erllosscn .sind. fiir die rm\\andliini: der (iesieine in l-'olge allgemeiner Durrh-
IV. Pdtrogenetfeche Geelogta.
\\,is>enmg vnraussel/l. denn allc Formalionen \om Silni- his jety.l hclinden sich.
wo sic ii or in ;il ausgobildel sind, noch niclil ini /nslande des Melamorphosirl-
scins. Nun cnthallen aber allc palaeOCOfSehen Formatinnen, so namcnllich aueli
diis direct ;mf die kryslallinische Sehiel'erl'ormation I'nluende cambrische mid
silurische SchichlensNslem. Uollstiicke souohl \oii Gneissen. ills auch \on kr\-
stallinischen Selnd'crn, \\elelie jzrnau dcnselbcn Habitus bcsil/cn, \\ic ilir Mut-
lergeslein. Dor beanspruchle lang\vierige iMelamorphosirungsprocoss der vor-
silurisclu'ii Fonnationen war also bciin l-jiitrill dcr I'lrdc in die silurisclic
I'ci'iodc hci-cils vollendot, kann dcslialh kcinc laiiizcn /citraunu? in Ansprucli
ucnoiiiiiHMi liahcn. \\iirc aber dieses l.ctxtcrc dcr Fall, so iniissliMi alle uusei'c
palaco/oisi-hon Fonnationen sehon liingsl in krvst;>lliuisehc Seliicfcr und Gncisse
inn^e\\;indelt sein.
Ausser dicsern und dem oben gegen eine plutonischc Mel;inior])hosc an-
uefuhrten (irundc (Exislcnz von Gneiss- und krystallinischcn Schiefercomplexen
zwischcn uiueriinderlen verslcinerungsfUhrcndcn Schichten) habon cinii;e (ieo-
logon noch cine Anzahl anderer Einwllrfo gellcnd geinacht, \\clelic sic \oran-
l;i»en, sich dajzcuen zu orkliiren, class ilberhaupt eine derarliiie alkenieinc
Metaiiiorphosirung der alteslen Sedinientiii'iicslcinc stettgefanden liabc. diiss \iel-
inelir ihr heutiger Gesteinscharakter ein urspriinglicher sei, nrspriing-
lich in eben dem Sinno, \> ie dies Wort von Schieferthonen, Conglomeraten.
Sandsteinen, Mergelschiefern, Rogensteinen u. a. gebraucht wird. Von diesen
KiiiNNiirfen mbgen neben den oben berUhrtcn noch folgendc I'lalz linden:
i) Uberall, wo die vorsilurische Formalionsgruj^pe bekannl 1st, sei cs in Indien
oder Skandinavien, in Canada oder in Bayern, liliedert sic sich in derselben
\Veise. besitzt sic gleiehen pelrojiraphischen Aul'bau, liihrcn ihre ein/.clnen
Scliieliten diesclben aecessorischen (ieincnizthcilc, wiederholen sich in ihr die
nehinlielien \\ 'ei •lisellagerungcn dcr verschiedenarligslen (iesleine. Dit-se voll-
kommene Ubereinslimmuiii; des pelrographisehen Charaklers cincr idter :50,00(l
.Meter niachligen Schiclitenreilie kann nichl das Product eines dem \Veehscl
und Zufalligkeiten ausgesetzten ])urch\\asserungsproeesses sein. -2) Die soxvohl
in diinnen I.amellen, wic in miichligen Schiclilencomplexen wcchselnde (ie
sl(Mnsl)esehall'enlieil der (Ilieder der Gneiss- und ScbieferfMUiation steht immer
in voller Ubereinstimmung mil der Schichtenabsonderung, Ix'ides sind von cin-
ander abhangige Verhallnisse. Es hat sich mithin das Material successive ge-
anderl mil der Andenmg der Bedinguniicn, \\elchc der schichtcMimiissiucn Ab-
l,ii:enmg zu Grft'de liegen. Aus einei' hydrochernisehcn Melamorphose hingc^en
\\iirden in Folge des slofTliehen Umtauschcs ziemlich deirhartige, nichl ;il»ei
oft in gcringen Abstiinden ihi'en Habitus vollslandig andernde Gesleine hervor-
ue^angen soin. 3) Die durchweg den Schichtungsllachen parallcle AiKirdimim
der (llimnierblattclicn und dcr llornblendesanlcn ini (ilimmer- und Hornblende-
scliiefer, das sich Anschmie^cn der (ilimmerlamellen an acccssorische Kr\slallc,
z. B. an Granat, lasst sich allein dnrch eine chemisclie I'raedpation dicscr
Gemeogiheile, nichl (lurch cine h\droclieinisehe llcriinsbilduni; aus festem Ge-
sleinsmaleriiilc crkliiren. 4) Die Ansiclil \erein/.eltcr Gcologen, d.iss der kr\
slallinischc Habilus der Krupti\gesleine ein secundarer, crsl allmiihlich ;nis cinem
IV. I'rtl'n^iMICli-rllC
nrspriinulirh lioniouencn her\ urueuanizen sei . sticss iiul' alluctneinen \Yiderspnieli.
\M-il man sicli mil Hecht izcizcii (lit1 Idee slriiuhle. <l;iss sich /.. B. ein /.oil ;;rns.scr
Sanidinkrystall in dcr stanm. widerslands(ahii;en Uhriiien (Jesleinsmasse hiiUe
Plat/ versehallen uiul allmahlich \\achsen konncn. Kin rnterschied /\\ ischen
diVsi-n alluomein MTv\orlonen Ansichten nnd der \on der allmahlichen Aushil-
dmii: MIII Tunnalin. (initial, Spinell. Until, Klnssspalli. Apatil. Slanrolilh u, a.
in eincm r.'.siru Scdiinriil.irui^lfiiic in hdp- liMlniclu'iuisclKM- Mctainurpliosi- isl
iiirlit crsiditlicli. Hal man I'cnuM- mil Hcchl 1'ilr die licrcits \or Kr,slaiTiiii!4 dcr
X\\ isclicninassc fi-r«>lt;li' Individiialisinini; dcr I cldsp.illikr\ slallc dcs I'lirphjres
nnd Traclnlo da> Vni-knninitMi MHI /.crhroclicncn und von Gnindinassc ^t'lrt'iin-
Icn Ortlidklas- nnd Sanidiiikryslallcn L;cllcnd i:cmac|il. so kann dicscllic Sclilnss-
l(»li:cruni: mil lU'/iiu anl' die rr\\ahnlcn acccssoriscli in dci1 (Inciss- nnd Scliic-
rci-lormalion aiiftrclcndcn ^rystaUi^dividuen in Ansprncli UCIKIIIIIIICII \\crdcn.
anch liit-r linden *\c\\ /.crlirochene Xirkon- und (Jranalkrxslalle , dcn-n
t-nlt- ivp-nsriti^ M-rsflitilicn nnd von Goslcinsmassc izt-trcnnt sind.
Xclit-n dcr ohcn crlaulertcn Thcoric dcs allucmcincn .Mclamorphismns lii.ssl
sich die Ansichl von der Ursprllnglichkeit dor altesten Sod imciil-
I n i in a I iouon, vsie folgl, darslollen:
AIIN dcni Xnslandc dcr Millkoimncncii (ilnllilliissiiikcil iiing die Erdo durch
Aiissir.ililunu \on Wiirmc in don Wcllcnraum in das Stadium dcr Schlackcn-
liildmii: iiltcr. in I'uluc dcrt-n sic sich mil ciner Erstarrunuskriislt- licdccktc.
I'nlcr dcm Dnit-kc t-incr Atniospliarc. in \M-lclicr sich dt-r sammtlichc. hcnlc in
Kohlcn- und Carfoopatgesteineji, so\\iti in tii^anix-hcii \\Cscn iicl'csscltc Ktihlcn-
slulV als Ktililciisiiuro. allcs Wasser dor hcutigon Krdtiherfliichc nnd Kruslc in
(ias- nnd Dampffonn vtMlhcill hcl'and: unter doni Druckc tlicscr AtiiKispliiirc \\ar
di«' (Itindcioaliiiii dcr \\"asscrd;im|)rc /.n \Vasscrschon hci Tom{)oralurtMi moulicli,
unit-r tlcncn sich ln-i den heulim-n alm(isi>harisch<>n Yerhallnissen das Wasser um-
i
gckehrl in Dainpf \er\\andcll. Die Knldlierflachc hcdeekte sieh mil eincm Mccn-
MIII iilicrhil/len \Vasscrn. Diesc \\ irklen ill liochsl eneriiiseher \Veisc y.erset/.cnd
nnd Itisend auf die mincralischen Ueslandlheile der l-j'slarrunusknisle. In hike
allma'hlicher Ahkiihluni: dieser crstcn Mccrc \crltiren sic ihre Solu^ionsfa'higkeit,
(In- his dahin in I.nsuui; helindlichen Snhslanxen sehieden sich aiis nnd
liefcrten anlanulieh das kr\slallinische .Malt-rial der (ineiss- nnd (ilimmersehic-
fer. spalcr. jc mehr naeh eiimelrelener Ahkiihliinu die ehemisehe l>ildnnus\\eise
finer mechanischcn I'l.il/ machle . das Malerial dcr rrlhtinschii-rer und dann
der uexMihnliehen Tli<iiisehii-rci . Nichl y.u iihersehen ist hicrliei, dass der Kr\-
stallisationspunkl dcr Eahlreichen, dan^ils in Sulution helindlichen Mineralsnli
siaii/.en M.II dein relali\en Verhallnivse der i;lcich/.ciliL; ^eluslen nder sich in
I.IISHIIL; hallenden Snlislan/.en ahhini: nnd danach einem slclen NVeehsel unler-
\\iirrni \\ar. In den I rinecren iinderle sich dies \crlialluiss je nach den mehr
oder XM-ni-er raseh nnd masscnliaH erfiil:jenilen Alisselieiduugcn CMi/elner Mi
neralkiirpcr . sn\\ ie naeh der in nndeichcm Schrille \nr sich ueheiiden Anrei-
ehcrnni: dersclhen an \crschiedcnarliuen Miiicralsnhslan/.en (lurch neiie Xer-
sol/.unucn nnd l.osuu^en. Die I nke des iiicoii.slanlen Vcrhiillnisses dcr ueloslcii
Hcslandlheile des heisscn I rmecres \\ar dcr uherra.schendc \Vceh.sel der resnl-
IV. IVtroLMMlt'lisrlir
tirenden Gesteinsablageningen , so\\ie die Moglichkeil . da>,s siHi Mineralknrpei-,
die in reinem \Yasser ganz \ersdiiedene Krystallisationspunkte liaben , gleieh-
zeitig oder in umgekelirler Heiheiifdge ausseheiden konnten.
Dass iiuch unsere erhien, verstemerungsftthrenden »klastischen« palaeozoi-
sdien Thnnsdiiel'er nichl diuvliaus aus /iisaimneiigeselmemmlen Triunmeniiale-
riale, sondern /.uni Thcil ;\us urs piln i;l i ch k r \ sl;i 1 1 i n i sch c n Aussclici
duiiiicn, aiis klcincn HonihlcndcsJiiilclK-n , (JlimnirrlilaUdirn , Quiirxkornclirn
^n-ich ;inFliLssiiikoitseinschlUsson und mitdtni benachbarten Gesteinselementeo \cr-
(licsscnd und vi-rsNjirliscn} hcstcluMi, 1st crsl ktlrzlich durch Zirkel niicliizcxN Irscn
und untcrstiitzt die Theorie von der nrsprttaglich krxslallinisclicn Knlslrhunu ;m-
dcrcr Scliichtoncoinploxo. In dor roiidniiissiizcn Aufeinanderfolge von den (Jncisscn
/uni (JliinnuM'schiefcr, von dicscm zuin Phyllit und cndlidi \<>n Icl/.lci-cm /n
den vcM-sldiKM'iingsrddicu palaeozoischen Scliioforn hat man somil nur dn mil
dcr Zeit sich inalc'ricll iinderndes AusscheidiingsVenndgeti und oine Verschic-
dcnhdl dcr die Ausbildung dor ausgeschiedcncn Masse bedingenden iiusseren
Verliiiltnisse zu erblicken , ein Nachlassen der rein chemischen und eine Zu-
nahnie der niechanischen oder der unter Yermittelung der Organisinen \or sicli
uehenden Malerialbildung, mil \\elcher eine Verringerung der NeiLiunii '/.ur Bil-
dung von krystallinischen Gemengtheilen gleichen Schritt halt.
Fiir die Anha'nger der Ansichl einer hj^latop^Toy(MH'ii |{ilduni;s\Neise der
Eruplivuesleine und ihrer hydalothermischen Contactindaniorphose sollt(> diese
Theorie von der UrsprUnglichkeit des krystallinischen azoischen Gesteinsmate-
riales nichls befremdendes haben. Nehmen sie doch mil Bezug auf die l^nt-
steliunii des Eruplivgranilcs an, dass cine Mischung von gluthfliissiirer Gesteins-
masse und iiberhilztem Wasser durch Abktihlung zur krystallinischen Ausbil-
dung gelangt sei : die Enlstehung der sedinientiireii Gndsse und Granite \\ai-
ein an/iloger Vorgang, nur dass iiberhilzle Wasser nicht die Neben-, sondern
die Hauptrolle spielten. Die Eruptivwasser des Granites (»granitischer Saft«),
welche das benachbarle Gestein mil Feldspalh-, Glimmer-, Spinell-, Hornblende--.
Turmalin- und Quarzkrystallen impragnirten, waren ahnliche Solulionen, \vie die
ilb(M'hilzlen Ge\\;tsser, aus denen sich die ersten aus den nehmlichen Miiu-ralien
bestdienden Sedimenle krystallinisch ausschieden.
Locale und sporadische Einlagerungen von krjslallinisehen Siliralgesteinen
zwischen versteinerungsfilhrenden klastisehen Sedimenlgesleinen diirften sii-h
als das Resullat der Einwirkung von Mineralqucllen auf frische, noch schlam-
migc Sedimenle erkliiren lassen.
Flintier Abschnitt.
Architektonische Geologie.
Ms 1st die Aufgabe tier archilcklon ischen Geologic, zu erforst -hen,
.ml \\cldic \\Visc die (icsleine, dercn Zusammensetining uiul KnlslelmiiL; in
IViilicren Akselmillen hcsproclien \\nnlc, xiun Aufl>;ui der I'eslen Krdkrusle be-
iinl/.t \\orden sind. \\elche Form die ein/elnen Bauslcinc bcsil/.en, und \\ic sic
mil cinander zu einem grossen Ganzen verknilpft sind, -- kurz sic soil den
Ita ii|)hi n , die Architcktur dcr Krdc ergrtinden.
Die Mrdknislc 1st aus Gobi rgsgliedcr n aufgcbaut. Untcr einein Ge-
hirusdiede sei'siehl in;in cine tirosscrc, durch ihr Material, ihre Form und Lage-
nmi: individualisirte d. li. als selbsUndigea Ganze charakterisirtc Gesteinsmasse.
Miileriiil. 1 orin und Laiicrung cines Gesleincs sind aber das Gesammtresultat
dcr EntstehimgSWeise dessclben und jc nach ihreni sediinenlaren oder ci'up-
li\en rrspruniie so dmvhaus verschicdcn , dass die Gcbiiviilieder nacli dicser
ihrer Kntslehuiii; und den da\nn abhiini:ii;en Vcrhiiltnissen in gesehi c li I e t e
nnil massive liesnnderl \verden milssen. Zu ihncn ^esellen sich , riiiiinlich
freilieli cine selir unhTiicordnete . nalionalokonoiniscli aber ausserordenlHch
\\iclilim- I5olle spielcnd. die plat t e nforin ige n Miner alma 88 en, die Mi ne-
ra lua'nue.
.1 Die geschichteten Gebirgsglieder.
§. I. Die Sdlicllt. Die Lieseliielilelcn (lebirusdiedcr bivslehen ans einer
reiielmas.siucn Heihenfolue \on anf einander lai:eniden Sell i c li I e n . unlcM'selKMilen
sieli al.so \nu den iiN'^siiien durch den Hesil/. riner Seliichlniii:. Mine Scliiehl
is) cine dureli anniilicnid parallele Fliielicn lie^n-nzte (Jesteinsmasse . in dcr
Kc-.'I \on scdimenla'rem rrsprun::e. Hire IJc^rcn/imL'slliiclicn licisscn Schieli-
t unusflaehen. Dcr filr echle i;escliiclitclc (Icstciiu' lie/.ciclmcndc I'arallclismns
ist nicht allcin in dcr iieizenseiti^en Laiic dcr Scliicliinn-sllaelicn. snndcrn sclir ge-
\\iilmlicli aueh in dcr I'arallelMniclnr dcr Sehiehlenmasse selbst. so in Sehicfc-
:. in heller oder dunkeler Streifung, in verslcincrimgsiviclicn Zonen, in grob-
•i:\ I
\ \rchitektonische (I
nder feinkornigen Slreilen und in Lagen \ on Rollslileken ausgesproehen. Kino %er-
hjiltnissniiissig sollone Ausnahme von dieser Regel bildei die I) i a _uo n a I s e h i c h-
tuiii:, \\elohe auf Sandsteine he>elir;mkt isl. Sio beslehl darin. dass sich innerhalb
einer \on parallelen Sehichlungsllachen begrenzlen Sandsleinbank eine (Jiier-
sehiehlung und -Streifung zeigt, welche die Hank (|uer durchselzl siehe (i.-. :' i
und dor Wirkung \on Kbbe und Flulh zuzuschroiben isl. In andoren Sand-
sleinen von der Kohlonformation herab bis zu
deneii der jiingslen IVrioden ist nicht selten eine
ungl eiehforinige Paralletstructuf in der
Weise ausgebildet, dass sie innerhalb kurzer
Distanzen plo'tzlich absetzl und ohne alien Uber-
gang eine ganz andere . Richtung annimml lii:. l-'i .
In ein und derselben Gesteinsschicht konnen
dann viele kleine S\stenie von Parallelstruelur
unlerschieden werden, welche regellos durch
einander liegen und gewohnlich auch kleine Ver-
Fig. 24. Diagonalschichtung (discordante
Parallelstructar) im Sandsteine (b.) von Snh-
Icr Neudorf ira Thiiringer Walde.
schiedenheilen des Kornes, der Farbung und Zusammenaetzimg erkennen lassen.
Das Sehichteninalerial ist in den meisten Fallen das Product eines Ados
des ineehanischen oder chemischen Niederschlagsproccsses aus Wasser oder
wasseriger Lb'sung, \\iihreinl die Schichtungs-
kluft einer Unterbrechung, einer Pause in dieseiu
Vorgange enlspricht. Auch dann \\enn Schiehten
vulkanischen Eruplionen ihren Ursprung ver-
danken, (wie bei den geschielitelen odor Slralo-
vulkanen) sind sie das Product eines von union
nach oben forlschreilenden Bildungsacles. \vel-
unterbroehen \\urdo. Die Dieke einer Sehiehi.
Kiuf. 25. Uugleichforraige Parallelstructur.
rlior (lurch einzclnc Pauscn
also der rechlvvinkelige Absland ihrer beiden Sehichluniisflachen \vird als ihre
Maehtigkeil bezeichnel; sie schwankt zwischen dein Bruchtheile eines Xolles
und vielen Fussen und bleibt sich selbst bei einer und derselben Scliieht
nioht imnier vollkoinmen gleich, nainenllich nininit dieselbo nach ihren Hiin-
dei-n /.n zienilich gloiehmassig ab. In diesein Falle niiln-rn si.-li die Scliiolidin.-s-
Iliiolien niehr und mehr bis sic sich cndlioh sehneiden. Dioso Krsolieinuni:,
das sich Auskeilen einer Schicht, - maolii sich in der Hegel nur b<>i
Vergleiehunuen dor Maehtigkeil einer Sehichl an niehreren \on <>inander enl-
fernlen Punklon benierklich. Trill, sie in der Weise auf, dass eiii(> (iostoins-
masse son nur geriiigen Diinensionen allseiliu NOD ilir belroH'on \\ird. .so er-
halt diose lol/.lere eine linsenlorinige (ieslalt und heissl dann Ion lieu hire
Ki nlaueriinu. Sind die Cnjiluren soleher I'-inlaueninuen sehr umvuolin.i^iu
oder unbestimmt. und Ix'silzen diese .uleiehzeilii; bedoulonde Dimonsidiion. so
noiml man sio s I oek I'o r in i go l;. i n I a i;e ru n ue n oder Stiicko /.. H. \on
(.xps. Sal/. . Besomlers injichlige Seliiehlon cordon als Hiinko. S«-liichlen
\on leehiiiseh nul/barem (iesloinsmalerialo als Fliilze. z. H. Sti-inkoliloiillnl/.
l\u|»rersehierorlli.l/ . \\enn ihre Miiehli^keil koine sehr uh-idibleibondo ist. als
l.-iuer (z. 13. KisensleinlapT be/.eiehnet. ob\\ohl diese t'nlerschiede niohf
V. Aivliitektnnisclie
slreni: goliandhabt uorden Die Slelle. wo rim- Sehiehl die Krdol.erllaeho
acfaneidet, wo also riii reehlwinkelber .xl. -i- .srhrauer (Juers.'hniU der Sehiehl
entstoht. heisst. f.-ills dieselhe oine uenekle odor h.,ri/,outale LIL-O l).-sil/t . ihr
Ausueheudes. tails SM sehr steil autuerirhlel isl , odor Nerliral Stehl, dor
S r hie lit en kopf.
Die Obor- und I'ntersoilo einer Sehieht \\ird iluivh die Schich tu n u s-
fl lie hen uebildol. deren obere, die (iivn/.e nacli der niichst jiiniicn-n Schicht
DiH-hfliiclM-. deren union' dio S o h 1 fliic li o liouannt wird. Die
iohon sind p-Nsol.nlu-h ol.on mid jilall , Wolon ahor /uwoileu I'.r-
«l;«r, woloho in inniiistoin /usaininonhangc mil der Bildunu drr
S-hirhlon stohon. llirrluT u.-hoivn dio \Vollonfun-lion, Roiionln.pfonspuron.
l.oisten , I'seiidoiiioi-plioson von Sloinsal/M Thierfiilirlon nnd inan-
andoiv Spuron uriianisdion l.ohons. An llaolion. sandij:.-n odor solilain-
MoiToskilston hiUU-u sioh dnrch das Spiel der Ebho und Fluth, iluivh
deii \\.-llonsoliIii- dor Sro . lan^oslivckto \Nollonlonni-o , llaoho Krhohunsion
und YertiolimLMMi. l-'.rliiirtot eino solcho Sand- odor SchlainuiM-liiohi und wird
son Nouoni NOU Sodinionlon bodookt . so \\ordon diese Wellenfurchen aid
dor Karhlliiolio (lor Sohicht in ihrer wirklichen Gestalt und auf dor Sohllliioho
,1,-r narlisi jiinuoron Schiohl in Form oinos Abdruokos orhallon blciben. In
di-r Thai linden sio sieli auf don Sohiohlun-slliirheii violor Sandsleine, (irau-
waok.-n. rhniisehi.M'or, Ouar/ito und kiosoliiicr I'liseiier/o solbsl dor huroni.selirn
Schiororl'oniialion in I. :/.torer an ein/elnon Stollon an der Siidkuslo des Lake
Suporinr. Nnrdainerika). Auf der Oberllacho mancher sandi-er und ih.miuer
(M-M.Miissoliiohl.Mi siud kleino rundlicbe Eindrilckc zu beobaohton, welolio durch
,|,-n AnlVolilai: \on «ot;onlr«>pftMi auf dio damaligen schlanimigen nnd sandiuon
ITer \\iiluvnd der Kbbo horsorgobracht, von der emdrin^ondon Kluth mil Sehlaimn
bi-dookl und auf diese \\eise orhallen wordon sind. In Folge des Trockoiious
ciuer IViselien Schlammsehiehl wiihrend der Kbbo bildon sioh aeftxf&flfloige
Kissr ;iuf ilin-r OluM-llarlic, welcho von don Sedimenten der na. -listen t'lutli
\\icderausuelulll \\erdouund dann an der Unlersoile dor nougobildeten Sohiehl
in l.rislenlnrm horxorlreteu. In ahnlioher \\eise uerden die l;ussspuron dor
Thioi-e. \\el.-he sich iil»er den inicli plastischon Sehlaimn l)owoi^l habon, oonser
\irl. Selir oft sind die S.-hiehtuui;sllaehcn von don Hoslon der Ho\\olmor drs
M.M-ITS. ,ui> ilom die Sedimente al^clri^rl \\nrdou, liedeekl. Iliiulii: isl eudlieh
die Krsolieinuni; , dass /\\i'i (.rst.-iussehiehton durch dUnne Zwisolienl.iL-en von
andercm Material.-, diiroh emeu Hoslri; uelreuul \\erden.
§. 2. Scllichtenreiheu. I'nlor einor Seliichl<-nroiho, Sdiirhloni;nippe ..der
cinoni Sehielili-n.sNsleine \erslehl man eine yloiolilnrini^e concordanle Aul
rin.mdorfoli;e \on Sehiehlon. Die Xu.sainmon^ohiii'iLikoit der lel/.leren isl weder
allein dureh uleidie VersleiiifruniislnhrunL: . nooli aussehliosslioh duroh liloioh-
..rliue prlroiirapluM-lio Hosoliallonlioit . s.nulorn dureh ^l.-ieli/oili^> I'aralloliliil
<;ieiehf<>rmi::keil. Concordanz) der ein/.elnen ulterlauernden Sehiehlon bedingl.
Line Seluehlonreihe isl demuach das IVoduel eiues /usaiiiiuenhangenden. uiiLce-
slbrlen Ablai:oruni:s\ or^aiiLies aid' deni (irundo oinos Mooros- odor Seebeekeus.
Die iihor ir^-nd oiner Seln. ht nder Schichlongruppe betindliche, also bei
23C) \ \rchttekt6nische Heoloijf.
Dorraalen Verh^Unissen jiinucre Ablagerung, ncnni in.in das lla
(lit- inilci- ilir belindliche I'arlie der Seliiehlenreihe das I. i eg e 11 d e jener
ills Hori/oni ani;enommenen Sdiichi odor Schichtengroppe,
Die Vcrkntipfung der einzclnen. petn>i:rapliiseh oft durehaus vorsehiedeneri.
/.u einem S\slein veraeseilschafteten Sehichlen kiinn cine mehr oder \\eniuor
enue sein. Am loscslen isl dieselbe dorl, \\o gan/. heterogene Gesteinsschiehlen
geselzlos, pliilzlich und ohne i'l»cri;;iiiu mil cinjuidcr NM-rlisolhi^rni. Dcr in-
niuslc /iisiiinincnhiini; \\ird dui'ch den ;i 1 1 inii 111 i die n Chortia n L: ilircs M;ilc
rialcs hcriiostcllt. So nthmen in ihren unteren, also iiltcn-n Schichlcn cciMrnl-
itnne Sitndsteinc nach ihroiu1 Hangenden zu melir und niohr thoniizcs Hinde-
millel aiif, bis diosos vor den Sandkorncrn vorvvaltot und sic allniiililich u;iiix.
vordriiiiiil, so class die jdngstcn Schichtcn als reine odor sandiuc Srhirl'crllione
dastchon. Conglomerate gehen durch nach irgend einer Richtunir (Mnlrrlende
Vci kleinorung ihrer Gerolle in Sandslcine , Kalksteine durch Aufnahnie und
ritci'liandnehnien ihres Thongehaltes in Mergel und Thone, Gneissc durch Y.u-
riickli'clcn des Feldspathes und Ausbildung cincr schieferigen Structur in Glim-
nicrschiefer ilber u. s. w. Bci der Yerkntipfung pctrographisch vcrschicdciK-r
Schichlcngruppen oder einzelner Schichten durch Wechsellagerung sfelh-n
sich zwischen den Schichten einer Gesteinsart anfangs spSrliche und diinnc
•Lagcn einer anderen ein und nehmen in der Richtung nach dem Ilangendcn
odei' Liegenden an Zahl und Machligkeit zu, bis sie durch allmiihliche Yerdrim-
uiing der frilher dominirenden Gesteinsart schliesslich das alleinige (icbii^s-
malerial bilden. Solche Verknilpfung durch Wechsellagerong ist namentlich
bei krystallinischem Kalkstein und Glimmer- oder ChloritschietVr beobachlcl
worden. Ganz ahnlich aussert sich die Yerknilpfung petrographisch verschiede-
iici- Schichtengruppen durch in irgend einer Richtung Uberhandnehniendc
Goncretionsbildung. Anfa'nglich sparliche und unansehnliche lenliculiire
Concretion^massen nehmen grossere Dimensionen an und schliessen endlich das
Gcsteinsmaterial, in welchem sie frtlher eingelagert schienen, vollkommen aus.
Ebeuso wie in der Richtung nach dem Hangenden und Liegenden , so
konnen solche Anderungen des Gesteinsmateriales auch innerhalb ein und der-
selben Schicht sich einstellen. In ersterem Falle erlitten die Ablagerungsvor-
hiillnisse in einem Meeresbecken im Laufe der Zeit eine Umgeslaltung . in lel/.-
terem Falle waren sie gleichzeitig an verschiedenen Punkten desselben Al>-
lagcrungsareales verschieden. Es kann dann eine ganz eigenthtimliche Ver-
knilpfung der resultirenden gleichalterigen aber verschiedeoartigen Seliielit(>n
slalliinden : die auskeilende Wechsellagerung (fig. 26). llier sind
zwei Gebirgsglieder z. B. Kalkstein A und Sandstein B in grosserer Knirernuiig
Fig. 26.
von einander rein und selbstsliindig ausgebildel . allein in der HichtunL: n
dem Sandsteine zu beginncn die Sehichlen des Kalksteines allmiihlich seh\\iirher
237
zu werden und sieh schliesslich aus/ukeileM , \\ahrend sicli x.uuleicli /.s\ ischcn-
-rcilcn.le l.a-en M.M Sandstein cinslcllcii und an Miichtiiikeit y.imehincii, his
sic die Schichtenreihe sian/. allein /usanmicnscl/cn. Can/ diesclhc Krschcinunj:
hietet sirh nalilrlich drni Mcohachlcr dar. \venn er \on H nach A /.u i:rhl.
nui- .lass hicr dcr Sandstein das Nerdrimute. und der Kalksloin das \ erdrani:cn.lc
Gebirgsglied 1st.
§.3. Scliichlculaixc; ScliicMeiistorungeii (lurch Aufrichtung. All*'
mil llulfe des \Yassers aid' dem (iruiulc \on Mccrcs- odor Scchcckcn ahiic-
srt/l.Mi SrhiclitfM halUMi ursprUniilii'li t>iiu« liori/ontale oder nur schr \\vniu g^-
nt'iulc M-IINX fhcndr Laur inin-. VcrliaUiiissinassii; nur sclttMi halu-n sic
sirh difst-lltf l)t>\valirt (so die silurisrhrn Scliiditcn dcs nord\\cstliclicn Husslands.
dcr OuiHlcrsaiidstcin dcr siirlisischen Sclmciz, die Koldenfonnation dcr \vcsl-
lichcn Kohlcnfcldcr von Nord-Aincrika u. a. in den ineislcn l-allen ahcr liahcn
sic dicsclhcn mil einer secundiiren vcrtauscht, d. h. eine Schi rh tea slorun i;
crliltcn.
Die Stiirunu der urspriin^liclien Laiierun^sfonn dor Schichten ofl'enharl
sidi I durch dcrcn Anfrichtunii mil Vcrbleib ihrer ebeuflachigen Ausdeh&UQg,
:' .lurch ilirc HicLiunii, Kallnnu odcr Knickuni?, 3} durch ihre Zerspalluniz.
/crlriiininci-iinu und VcrN\crfun^. Die Ursache solcher Storungen des Schichlen-
hancs dcr Krdkruste siiul zu sucheu 1, in localon, mehr odcr \Ncnii:cr cner-
-is.hcn vulkanischcn Hehun-en , ,p;1^ l28); 2> in seitlicher Prcssung durch
Kniportivilmni! henachharlei- Landstriche . nainentlich aber durch Zusamraen-
/.ichnni: dcr sich ahkuhlenden Erdkrusle; 3, seltener und in beschranklem
.Maas>>lah(' in l<u alcn Eruptioncn pa-. 204) ; 4, in der Volumenvermindcruny
lic-ender SchichU>nreihen in Folge ihrcs Austrockenens, ihrcr Auslaugung (wie
hci LicNvissenDolomitisirungsvorgangen pag. 165) oder ihrer Verkohlung ; 5, in der
Wcduhruiii: -an/.er (ichirusjzlieder, so von Gypsslocken, Salzeinlagerungen durch
das \\asscr (paj:. IGi); 6, endlich in der Volumenvermehrung , wulche durch
Aufnahme von Wasser von Seilen uewisser Gesteiusarten (bei Umwandlunu
von Anhulrit in (i\ps pau. 1 40' vor sich goht.
Hci cinfaclK-r St hi< htcnaufrichtung haben die Schichten stall der anfanit-
lidi hnri/onlalcn cine nichr oder weniucr ucnci-le, oft sogar senkrechte, zu-
\\cilcn sclhst illu'rin-kipptt- Stcllung erhalten. Dass diese nicht ihre ursprung-
lichc. sondcrn eine erst spiiler riniinioiiiniene isl, dafUr spricht ausser unsercn
Vorstelluniien \<»n dcr Scdinicntl)ildunu an. h das Vorkommen von flaclilinscn-
od(M- platlcnl'ormiuen HullsUickcn in slcilstehenden Schichten, wo sie Uber ein-
ander, ihre schari'cn Hiindcr einander /.u^ckehrt, ihre uriisstcn A\cn parallel
den SchichluniislliicluMi lieiiend , an-eordncl sind. In dieser Slellunu kiinncn
sic uninnglich ahuclauerl \\(M'dcn sein, inUssen diesi'lhc \iclinclir crsl spiiler
erhalten hahen. Zu dem nehndichen Schluss filhrt die horizonlale oder stark
t:cneiutc I.aize fossiler, noch an ihrein \\ ur/.e I \\erke haflender Haiiinstiiinnic,
vu-Irhc icrht\\iiikeliL: auf stcil aufi:frirhl«-l»'n Schichlen slehen. Sie verlauschlen
ihre urspriinglich \erlicalc Slrlluni:, nachdcni sic schon liiiii-sl von Gesleins-
nialorial umhullt wordcn \varen, in Koliic der Aufrichlung der Schichlen mil
iuer horizontaien.
\ . A!rchitektonische
Senkredile Scliiclilfii he/eidiucl man ;ils auf dein Kopfo sie hen d:
sel/te sich <lir Be\\egung der I'nlerlage, ;ius welrher diese \ertirale Stellung
henorging, nodi \\eiter forl. so gelangte die belrolVcne Sdiidilenreilte /u einer
Uberki ppten l.agerungsform, indent die iiur wenig erhobenen Scliiclilcii spiiter
von den nadisdiiebenden .Massen cmporgedriingt. immer slciler aufgeridilel mid
endlidi iilKTstilr/.l wnrd.cn, so dass jel/t d;is Unlcrslc y.u Oberst liegt. Soldie
Kreignisse haben /. B. die Sdiidilengrnppe des Ilarxrandes hei Goslar mid
Oker hetrollen . \vo die Kreide vom \veissen Jurn und dieser \oin hraiinen
Jura und Lias, lel/terer \on den iilteren Formationen his zuni DCMHI iilter-
lai;ert \vird. \viilireiul urspriiiiiilicli iierade die uniirekelirle l.aueniii^slolue slalt-
I'and. Aeluiliehes lial sich in dor sachsisch-bohmisclien Scliwei/ /iiizetra^en,
\\o \\cisser Jui'a in das Nivean des cretaceischen Ouadersandsleines iiedriinirl
\\iifde. so dass er die Riinder dieser Fonnalionen (/.. 11. hei llolmstein iiher-
laiitMl. Auf die nelnnliche Weise niogen manche der wimderbaren Lai:ei-ini^s-
\erli;illnisse der alpinen Schichtenreihe entstanden sein.
\\ 'ei •hsellaueni IMMIII Kintritt eincr derarliizen Aufi-ichluni: hereits test ue-
\\ordene ( lesteinsschiehten :l"iiz. 27 A und C) mil solchen von plastischer nodi
l)iei?sainer IlesdiatTenlieil (B), ein Xusland. in
\\eldiein sidi 'i. B. ;>ls Schlainm ahuesel/ie
Thone lange Zeit erhalten, so enlsteht ein Driin-
gen ihrer Masse von ohen nadi nnten , die
ganxe hangende Sdiiditenreihe wird das Be-
strehen erhalten , auf der sdiiefen Khene her-
Fig. 27. sebirhtenRtanchung. ahzugleileii. Dadurdi \\erden die tietslen Par-
lien der nodi plaslisdien Sdiidilen aufgeslaut und xusannneiiizepresst und
nehiuen in l-'olge da\on die auft'allendsten VN'indunuen und l;allun^en an, Irot/.dein
sie /uisdien Banken von vollkoininen paralleler l.aue einuesdilossen sind.
Von grosser geologischer so\\ ie lechnisdier Widiligkeit 1st die Be-
st i in in u n g der I. age oder Stellnng aufgerichleter Sehiditen. Diesdhe
\\irtl niiiglieh durcli Fesllegung /.\\eier auf der ()l»erfliiehe der lel/leren ge-
/ogeiu'ii geraden l-inien. 7u der einen derselfien \\iilill man die in der
SdtidiUmgslliidie ge/.ogeiie Hori/ontaliinie Slreidilinie , s t. Fig. §8), zu der
/Nxeiten die Linie der griissten Neigung
der Sehiehtungslliiehe gegen den lloi i/.onl
Falllinie, f a der heislelienden Fig. :
heide stt'lien reehl\N inkelig auf einander
I'nler der mil dein (loiupas auf/uneh
nienden Iliuunelsriehtung der Slreidi-
linie \erslehl man das Slreichen der
Sdiidil, uuter ihrem Fallen die \ei
nt Streioknngalini* ; / n Palliate.
gung derselhen gegen eine llorizonlale.
Bei der Besliniinung des Fallens hat man die Hichlmig dessclhen und die
6 des Fallvxinkels fesl/uslellen. Bei liori/.onlal liegeiiden Sdiidilen kann
naliirlidi \\edcr \oii eineiii Slreiehen nodi einein I'allen di<> liede sein, denn
sie slreidien nadi alien \\ fllgei:enden /.ugli-idi und hahen gar kein Finlallen.
\ . Arrliitcktoni-die (leolodr.
239
Die Miiehtiiikeit einer anfVeriehteten Sehiehtenreihe erhall man, indem man
rntueder (i»Mi reeht\\inkeliuen Abstain! der Briiivn/uniislljidirn der ein/elnen
Sdiiehten missl, oder indem man die Ansdehminu iluvs Ans^ehenden in ivdi-
tcm \\inkel auf ihr Slreiehen misst nnd den Fallwinkel beobaditel, dnreli
triiionometrische Heivehnnnu ans diesen Factoren.
Das Streiehcn ireneiuler Sehielilen kann fiir write St reckon constant blei-
ben uiul fine last uormlliniizo iniuleiv Kidilnniz behanpU'n, oiler aber s.-in.-
Kirhtiin;z hoslandiu in doinsclbcn Sinne iiiulern, d. h. fiiu-n HO^.MI odcr cine
in si.-h /urUfklaulViule krumim' Linio hoschroiln>n. In ersterein Falle sprichl
man von u e ra d I a u t'e ndt> in , in lot/tnvm von urn la uf en do in Schirhlonbau.
§. i Scliichteiistorungen (lurch Faltuugen Oder Bieguiigeii. Die liiei
/u hetraehlenden l.aueruniisverhaltnisse sind nur eine complicirtere Form der
cluMi l»cseliriel>enen rinscitiuen Aufrichlung der Schichlen in Folge lokaler
Senknnuen o<ler lli'lmnsn-n des Unloriiruiules, sowio seitlichen Druckes. Man
li:U aueli liier \\ieder naeh dein Slreielien der Sehiehten einen gerad 1 aufe n-
d(>n nnd einen u in la u !\- nden Ban derselben zu uiilerscheiden. Faltungen
t-iner S< hielitenroihe aussern sidi dadurch, dass entweder die ccntralen
IV.rlien oder die \\ ii n d e r des von dor Schichtenstorung betroffenen Areaies
,-ine Aulireil.uni: erleiden. 1st der Schichtenbau ein geradlanl'ender, so ent-
stelit im er>teren Fallr eine im OiKM-seiuritte rinn e n form ii»e , iin /\\eilen
|.-j,H,, rj||(> salh-H'oriniiiJ- liii'iiunii jfder ein/elnen Gcsteinsschicht , ersiei'e
l.a-ei-unusforii) neiint man eine synklinaie, lelztero eine antiklinale
Srliidilen/one. In dem Profile einer rinnonforinigen oder sattelarti-en
Fallc ersrln'int jede Scliiclitenreilie /.weimal nnd /.\\ar in c
Rirlitiini: \\ idrrsinnii: einfalh-nd. Diese l)t>iden Tlieil.' eiiu-r Schidilen-
/.onr he/eielinel man aK Flili-rl. Di«- l;lu>-l einef Ssnklinale fallen einandei'
/.n, die einei- Anliklinalc von einander ah.
Die liriden i:enann(en l.a^ermiLisfoniicn kiinnen sieli bei ansiredehnlen
Srlm-litensyslemen in tnclirfaelieni \Vedisel \\iedeilmlen, so dass diese in gross-
arliuem Maasssi.ilx- Licfallel ersdieinen nnd einen < omb i n i rl e n Sdiidilcnban
/t-iL'rn. Kin liennrra^endes Heispiel i;e\\ alti^ei1 derai'tiuer Faltnntzen liielel
dtT L'eoloiiisdie liaii des O^rns der Vei-einiuteii Staaten V011 Nordamerika, \\ ie
cr in der hirmalioiisleliiv sid» earbonisdu' Formation besehriebcn werden
\\ird. Hei der anliklinalen su\\olil \\ ie bri der s\ nklinalen LiiH-riiniislorm kann
ferner der Ni-ii.MinL's\\inkrl der beiderseili^Mi Flii-el x.\\ isrln-n \\eniLren nnd '.HI
(iraden, der Sdiidilniban selbst /Nsiselien lladien Fallen nnd anf dem Kopl'e
slehenden Sdiidilen/.onen srlmanken. l.et/.letv l-'.rsi •lieiiiiini: slellt sidi nament-
lidi hiinlii: bei den alleslen Sediineiitrirlormalidiien der lanrentisdien nnd
Imn.nisdien (ineiss- nnd S.-liiderformation . jedodi an.-li bei den Ablauernni:s-
\ . \rdiitrktolli-di.-
produrlen jilngerer IVrioden. \or/ilglich dorl. wo sir am Aufbau von (Jebirgen
Theil nehmen, cin. l);inn beslehl iliis gan/e Schichlens\ >lein ;ms lauler
scharf nisammottgeakauchteo anliklinalen und ssnklinalen Fallen. deren Fliigel
p;ir;illcl i><lrr fast parallel neben einander lieuen. Mini- soldie Uaiiarl kann /u
der Tiiusdiuni: fiihrcn, (lass man cine machine, gleichfo'rmige und regelmiissige
Allfeinaoderfolge von Sdiiditen \or sich /u haben ineint, \\ahreml cs doch
nur cine inehrfacli ^elallete und /usainnieii^epressle Scliichlenreilie isl , dei'en
(ilieder sieli inelinnals wiederhoieQ. Die in liesliniinli-n BntfeFDUDgeD retiel-
miissii: erl'olLrende Wiederkelir identisdier Fonnationsglieder , \\ohei dei-en
llanuendes und Lie-endes in enl^eueniiesel/len Uidilun^en hei-\ortreten, (d, e,
h, a und a, b, c, d in I;iii. 30) liisst uieist mil /iemlidier Sidierheit auf das
Vorhandensein soldier Sdiiditensliirun^en
si-liliesseu. Die Aufrichlun^ und Ziisaniinen-
pivssuni: dcr FalU'iilliiizel kann selhsl nodi
\\eiter als zu einer verlicalen SU-lluui: der-
selben filhren, es stelll sich dann in.l'ol^e
grossarliiioi- Ucberschielnuiizen eine iiber-
PattUttg fin, weldie bis /,1,-iner
kanil
*
.1 rnt,,v Krtco^anatus,
b) Krpide mit Cjipn.tma ammonia, i-J Nummu-
liten-Schichten (Untres Tertiar), d) Fucoiden-
Schichten.
x \\eimal Ubereinauder, jedoch so, dass
id en Satlel- und ftfoldenbildtiBg geheo
1 •'!;_'. 31). In lelzlerein Fall \\ieder-
ein und dieselbe Schiehtenreihe
die sie zusammensetzenden Schichlen in
umgekehrler Reihenfolge auflrelen.
Eine andere (lurch slarke seitlidie
Fig. 31. Ueberkippte Faltnng. ZuSillllimMlplVSSUnii bedin-te ex-
treme, aus der verlicalen hervorgeheiide Lagerungsform anliklinaler Si •liidilen-
zonen ist die facherform ige Stellung derselben, \veldie namentlich an
den iilleslen krystallinischen Gesteiuen Skandinavicns und der Alpen beobachtel
\vorden ist.
In Folge der besehriebenen Faltungen slellt sich nidil sellen
bersluniz der Siittel auf ihreni Rilcken ein. \sodurch diesen
enllang
eine Auf-
laufende
:.'•-
SpalUingsthiiler enlslohen.
Die Deuluug complieirler
Faltun^sverhiiltnisse , namentlich
verlicaler Sallelbilduni:en. \\ird
noch dadnrdi ersdi\\ert , dass
die obere, die Verbindung x.\\i-
schen lieiden Fliigeln herslellende
Parlie der anliklinalen Fallen, der
Sa t le 1 rilrke n . (lurch Denuda-
lion bis zu grosser Tiefc zerslorl und \\rggefuhrt ist, so dass beide Sallel-
flUiH-1 als selbstandige , zusammenhanglose Sdiiditenrcihen ersdieinen sidie
Fij:. :}():. Man pflegl soldie SaltHlalten, weil deren Riicken ilher der ji'l/ig.-n
Krdnbeilladio /.\i suchen isl. als Lu ft salt el /.u be/.eidinen. Anliklinalc und
s\nklinale Faltungen der Schichten in kleinsteni Maassstabe, die sich in kurzen
Fig. 32. Profil im SchweizerJura, rechts ein Spal-
timpsthal, links Faltungsthaler.
V. Archit.'ktonisclic
Zwisi-honrJlmne dicht aneinander godrangl wu'drrholen, be/.oirhnct man als
wellenfur.ui-c Kaltungon, rigeHftSCI NYindun-en Flu. '.U und zick-
zackfbrm i:o K n i eku ngen.
Fig. :t,t. Schieliteuwindungen des Kieselschiefers bei Lautonthal im Harze.
Wir haben bis jetzt die geradlaufcnden Fallungen, also langgestreckte,
rinnen- oder sattclfonnige Biegungen dcr Schichtenreihen betrachtet. Ben
umlaufendem Schichtenbau stellen sich die aus gleichartigen Stbrungsursachen,
also llrlmngen, Senkungen und Zusammenpressungen hervorgehenden Lagerungs-
vcrliiillnisse cinerseits als bassin- (beckcn-j odcr muldcnf brmig, anderer-
seits als kuppt'lforniig dar. Boi Becken odcr Bassins habcn wir synklina-
len, bei Schichtenkiippoln antiklinalen Schi(^enbau vor uns ; in erslerem Falle
repriisentiren die einzelnen Glieder der Schichlenreihe lauter in einander ge-
setzte, mchr odor weniger tiefe Teller, so dass die Schichten alle einem, dem
liefsten, Punkte zufallen, bei letzlerer Lagerungsfonn lauter meist sehr flache
Glocken oder Kegel, welche allseitig von dem Gipfel wegfallen. Zichen sich
derartige Bassins oder Schichlcnkuppeln in die Lange, crhalten also eine sehr
langgeslreckte Ausbildung, so cnlslchen kahnformige (synklinale) oder um-
gekehrt kahnformige (antiklinalc) Schichlensysleme, welche allmuhlich in die
rinnen- und sattelfbrmigen Faltungen Ubergehen und Mulden und Sattel
genannt werden. Sind Bassins und Mulden nichl allseitig geschlossen, sondern
beschreibt die Streichungslinie einen mehr oder weniger ^ebttneten Bogen, so
bezeichnet man wohl solchc halbumlaufcndc Schichlencomplexe als Mulden-
buchten und Satteljiichcr. Inter Muldenlinic versteht man die
Linie, nach wclchor die Schichten cincr Muldc odcr Muldenbucht einfallen,
also die Verbindung der tiefslcn Punku- all.-r \rrticalt-u (Jucrschnitle einer
muldenformig gebogenen Schicht, -- unler Satlcllinie die Linie, von wel-
cher aus die Schichten eines Sallels oder Satteljoches wegfalleu, also die Y.T-
bindung der hbchslen Punkte aller vertikalen Querschnitlc ciner satlelfbrmig
gebogenen Schichl. Die Mulden sind bis\N«-ilen in ihren steileren Flilgeln
zickzackfbrmig geknickt oder gefaltet, ausserdem nicht sellen an ihrcn Hiindern
durch abwechselnde Muldenbuchten und Satl(>lj<)clu-r -rdirdert. Ausgezeich-
nete Beispiele fUr diese Verhaltnisse liefert besonders die Sleinkohlenformation
und zvvar namentlich Westphalens, Belgims. Nordfrankreichs (siehe carbonische
Formation, architeklonische Verhilltnisse) .
Ciedncr,
\
Die Mulden besitzen /.u\\ei!eii sehr bcdeutendc Tiefen. so die Steirikolilen-
iinilde von Ltlttich eine solche von Uber I:>:?<1 Meter, die von Kbersdorf in
Sachsen eine solche von Uber 1300 Meter, endlich die von Saarbrilcken eine
soli-he von Uber 7000 Meter.
§. 5. Seliichtenstorungen (lurch Spaltungen und Verwerfungen. I in
engsten genetischen Zusammenhange mil der Aufrichtung und Faltung ganzer
Sehiehtensysteme und zwar enlweder als deren Folge oder als die sie ermiig-
lichende Bedingung standen Zerberstungen und Zerreissungen der Gesteins-
ablagerungen, also Spaltenbi Id ungen. Durch sie getrennte Gebirgslheile
verloren ihren ursprUnglichen Zusammenhang, so dass jeder fUr sich von lo-
calen Bewegungen und Schichlenstorungen betroffen werden konnte, wahrend
der andere davon verschont blieb- Die dadurch hervorgebrachten VerrUck un-
gen ihrer gegenseiligen Lage bezeichnet man als Verwerfungen oder Dislo-
calionen, die Spalte, welche die Moglichkeit der Bewegung und zugleich
die Bahn derselben geliefert hat, als Verwerfungsspalte, Disloca tio ns-
spalte oder Sprungkluft (Fig. 34). Die Verwerfung ist in den meisten
Fallen dadurch vor sich gegangen, dass
jg> sich der hangende Gebirgstheil nach
der Tiefe bewegte, also auf der Spal-
tenwand des Liegenden a b w ii r t s
rutschte. Sellen und nur unter be-
sonders gtlnstigen Verhaltnissen als
solche zu constatiren sind die Fa lie, wo
eine Emportreibung des liegen-
«' b' spfnghohe. (jen Gcbirgslheiles stattfand. Die Grosse
der stattgehabten Niveauveranderung bezeichnet man als Sprung ho he. Die-
sel be ist a'usserst ^rschieden ; bald belriigt sie nur einige Zoll, bald mehrnv
Fuss, erreicht nicht selten einige Hundert, ja zuweilen Tausend und mehr
Fuss.
Wie zu erwarten, Ubte die rutschende Bewegung grosserer Gebirgsglieder
iiuf die Spahenwande eine mehr oder weniger auflallende mechanische Ein-
wirkung aus, in Folge deren dieselben geglattet, polirt und in der Richtung
der Bewegung mil Frictionsstreifung versehen sind (Ru tschf iHchen, Spie-
gel), wiihrend die angrenzenden Schichtenenden einerseits aufwarts, andei-er-
seils abwiirts geschleift und geknickt wurden. Der durch diese Vorgiinge ge-
liel'erle g robe re oder feinere Gesteinsschutt fullt gewohnlich die Verwerfungs-
spallen gangartig aus.
Letzlere tivten oft in ein und dersell)en Gegend in gro'sserer Zahl ver-
gesellschaftet auf und sind dann entweder zugleich oder mil grbsseren zeit-
lichen Tnterbrechungen entstanden. Sie streichen theils parallel, theils duroh-
sehneiden sie sich unter rechten oder schiefen Winkeln und verursachen in
diesern Falle eine vollkornmene ZerstUckelung der • betrellenden Partien der
I'rdkrusle, welche nicht selten mil einer gegenseitigen Versehiebung aller po-
Ivrdrisrlirn ZerklUftungsstUcke verbunden ist 'Fig. :{•') . La u fen die Ver-
\\erfungsspalten parallel oder fast parallel, so konnen sie die Veranlassung zur
\ Architekioniftche Geolopie.
Ansbildung eines treppen I'.i rmi ge n Srliiehtenbaues (Fig. :U> geben, duivh
welchen eine scheinbare Aufeinanderfolgi- und regelmiissige Abwechslung ahn-
lieli /nsaminengesel/ter Seliiehten-
reihen heTVQTgebracht \\erden
mag, \\aluvml doeh nnr die He-
petition ein und dessellien, alter
in kurzen Zwischenriiumen ver-
\\orfenenSchichlenoomple\esvor-
Fig. 30. a, l>, c, il Filial oinos trepnonfdrmig verworfenen
Kolilcnflotzos.
Fig. :!5. Violfach zerstficVolto und vcrworfeno Steinkohlenforma"
Da die meisleil GeblpRSkettCD tion von Auckland in Durham.
A, B, C Kolilcnflotze.
hervorgeeangen sind aus gross—
arti-eii Erhebungen der Erdkruste liings einer oder mehreren Spalten, so sind
Verwerfungen von bedeuten-
den Dimensionen am Fusse
von Gebirgsketten sehr ge-
wiihnliche Erscheinungen.
Mil ihnen slanden Schichten-
aufrichtungen , ja Uberkippungen , sowie Faltungen in engstem Zusammen-
hange. Gebirgige Gegenden sind deshalb die Heimath der grossartigsten
Schichtenstorungen.
§. 6. Lagerungsverhaltnisse zweier Schichtenreihen zu eiuander.
Eine altere Schichtenreihe kann von ein§r jUngeren gleichformig (concor-
dant oder ungleichformig (discordant) Uberlagert werden (Fig. :J7).
Bei gleichformiger Ueber-
lagerung herrscht ein gegen-
seitiger Parallelismus ihrer
einzelnen Glieder. die jUn-
Schichtenreihe besitzt
Lageruns:, also das-
selhe Streichen und Fallen,
Wie die altere, ISt VOn den- Fig. 37. i»«™..i«-l,or San,lstPin <l. uberlacm-t siluriscUc Schiefor
selben Slbrungen betroffen
worden wie diese, so dass
die Grenze zwischen beiden nur in deni Wechsel ihrer petrographischen Be-
sclialVenheit oder ihrer VersteinerungsfUhrung ihn-s palaeontdo-ischen Charak-
teis hervortrilt. Zwei concordante Scliielitenreihen slelien demnach in dem-
selben Verhiiltnisse zu einander, wie x.wei unmitlelbnr auf einander folgende,
normal auf einander liegende Schichten und weisen auf eine ruhige und unge-
stiirte, oft stetige, durch keine grosseren Pausen nnlerbrochene AblagenuiL:
ihres Materials hin. Bei discor danlcr reberlaurrung lindet dieser Paral-
lelismus nicht slalt, vielmehr bedecken die jilngeivn Schichten in beliebiger
Lage mil anderer Fall- und Streichungsrichlung die iilleren (Fig. :{<S A und B)
oder lehnen sieh mil ilirem Ausgchi-nden unler ahweirhenden l.agenmgsver-
hiiltnissen an das Ausgehende einer iilleren Sehiclilenreihe an (Fig. :i<S (1;. Die
»riisst miiuliche Discordanz lindet dann stall, wenn die Schielilen des einen
Hi*
211
V. \rc1iiirktonischc Geologic.
(iebirgsgliedes reeht\\inkelig mil' denen de> andcivn ;ml'lagern. I'ngleichformige
I "eberlagernng beueisl, d;is xwischen die Aushildung dcr iilteivn und jilnge-
rcn Schtcfateoreihe cine I'.msc fiillt, wahrend deren erslriv \ on Schichten-
Fig. 39. Silurischer Saml stein (6) umlagert huroni-
schen Qnarzit (a) mantelformig. Diluvium (<•). Bei
Marquette am Lake Superior. Nordamerika.
Fig. :iv l>i sc i. rdan te I' b e rl ager ung.
storungen belroffen \vurde. 1st eine Schichlenreihe zugleich zweien oder
mehreren Gebirgsgliedern discordant aufgelagert, so dass sic aus dcrn (Jchich-
des einen in das des anderen hinUbergreift. so sagl man, dass sir ilber-
greifend gelagert sei.
Als besondere Falle der discordanton Uebcrlagerung sind hervorzuheben :
1 die mantelformige Utnlagerung, die altere Schichtenroiho Irilt als
viilliu abgeschlossene , selbsliindigp Partic hervor, urn wclcho sicli die jiiniicn'ii
SchichU>n, allseitig von diesem cenlralen Kerne abfallend. mantelformig ango-
lageit haben Fig. 39); 9} die bassin fdrmige Rinlagerung (siehe I IL-. 5s
B oben , eine jUngere Schichtenreihe
fttllt eine Verliefung in einer alteren
aus; 3j die deckenformige Auf-
lagerung, eine liorizontale Schichten-
reihe lagert auf den Schichtenkopfen
einer alteren auf und bedeckt sie in
grosser raumlicher Ausdehnung. Isl die-
selbe durch spatere Erosion zerstiiekelt.
in lauter einzelne Partien getrennt oder zum grossen Theil zerstort worden . so
spricht man von sc ho lien for m i ger A uf 1 a gerunu.
§. 7. Relative Altersbstimmiing der Schichtenstorungen und der
Oebirge. Der Zeitpunkt, in welchem dia ursprtinglichen LaGerungsverhiiltm
einer Schichtenreihe anderen Plalz gemacht, also eine Slorung erlitten haben,
l;isst sich nur relaliv, d. h. mil Bezug auf andere Vorsiiinge des Knt\\icklnniis-
processes der Erde beslimmen ; es lasst sich mil anderen Worten nur fesl-
slellen, ob das storende Ereigniss zugleich, frilher oder spiiter \vie ein ;in<l<-ivs
slallgefunden hat. Die relative Altersbestimmung der Schichtenstoruncen l»e-
niht auf folgenden Grundsatzen, die aus dem (Jesagten hervorgehen :
\) Aus dem Meere abgelagerle Schichten haben ursprdnglich eine hori-
/ontale oder fast horizontale Lage besessen.
2) Schichten, welche unter anderen, als horizontalen, also in sleilen. ize-
falteten, geknicklen, ver\vorfenen Lagerungsverhaltnissen angetrollen \verden,
haben eine Stiirung (lurch Hebung, Senkung oder seitlichen Druck erfahren.
:'. Dort, \vo in dieser Weise gesto'rte Schichten von horizontal liegenden
Schiehien (iberlageil \\erden, hat der Acl der Schichtenstorunii nach Bildung
der iilteren und vor Ablagei'iing der jiingeren Schichlenreihe stattgefunden.
So fall! die Aufrichtung der in Fig. 'M wiedergegcliciicii silurischen Schic-
fi'i vor die Ablagening dcr dc\onischen Sandsleine. mil anderen Worten in
\.
(I, is Knde der Silurperiode. denn die Scliiditen des Devon lagern horizontal
auf jcnen auf, sind iilso erst , nachdem die Aiifriehtung vollendel war, /air
Ausbildunii i;elangl. (Ian/, iihnlich lassen sieh die in Fig. :J<> ini Profit darge-
stellten LagerungsverhMiUiiaia deuten : sic beweisen, dass die dorligen huro-
nisehcn Ouarzite vor Beginn der silurischen Periode aufgerichlel worden sind.
Das relaii\e Alter einer Schichlenslorung lasst sich nalurgemass um so genaucr
trst>tfllcn. jc licriniiiT tier Alli-rsuntcrscliicd /wischcn der aufgcrichlctcn mid
liori/.onlal licucndon Sohicfatenreibe isl, am genaucston also, \vonn bcide un-
initlclhar auf cinandcr t'obcudcn KormatioiuMi angchoren, \vie dies in den bei-
den ol>»-n angeliihrh-n lU'ispiclcn dc-r Fall war. Wiire hingegen der silurische
Schicfer von Siirar 1'oinl 1 iu. :57 stall von devonischen t. B. von Iriassischen,
-ilsu hoi \Vcitom jiingc'ivn Sandslcinen bedeckl, so wUi'dc di(> Aufricliluug der
• •rstricii ini VcrliiulV und an irgend cinein Zeilpunkte der devonischen, carbo-
nisclu'i), dyassischen IVriodc slaligefunden haben konncn, welcher nichl nahcr
/n lir.stiiiiincn isl, es \\iirdc also ein so cnormer zeillicher Spielrauin gelassen,
i|.i>s \dii cincr Allcrsl)cstimmunii nichl mehr die Rede sein konnle.
\\ ic schon oflers beinerkl, \erdanken die Gebirge besonders energisclicn,
oil duicli vorhergehende Spallenbildungen ermdglichten oder erleichterlen Ile-
bungen oder Fallungen einzelner Parlien der Krdkrusle ihren Ursj)rung, sind
(IcniiiiH h dor Ausdruck grossarliger Schichlenslorungen. Da wir unler bestiinm-
Icn Vcrliiillnisscn in den Stand gesel/l sind, das relative Alter dieser letzteren
lesl/.tislellen, so ist dadurch zugleich die Moglichkeil der relativen Alters-
best iniiuung der Gebirge gegeben. Wenn wir also dichl am Fusse einer
(iebirgskelte cine Schichlenreihc stark aufgeriehlel, einc andere horizontal dar-
iiber lichen sclicn , so kann mil Hecht der Schluss gezogen werden, dass die
Krhebnni: der Kdie n;icli der Hildung der in Folge dieser Begebenheit aufge-
riclitcten Schielilen stallfand und bereits abgeschlossen war, ehe die jilngeren,
hori/ontal liei;enden sibgelaiierl \\urden, dass sic also in den /wischen der Bil-
diinL: beider Schiclilenrcificn liegenden Zeitraum falll. Da jedoch die Gebirijc
nieht ans ciiicm cin/iL-en llebungsacle IICIA 01 uc^;mgen, also nichl wie mil einein
Hueke emporgesliegeo sind. da vielmehr ilire Ki-hebun^snrsaelie in einer gan-
/cn Beihe sieli sueeessixe \viederholender oder lang andauernder Bewegun^en
/n Miclicn isl, von denen jede einzclne die sieli in/ANisehen abgelaiierl habende
Schichl crurilV und soinil die Anhaltspunkle fitr Conslatirung jedes ein/.clncn
llc|»iiii-s\nru,uiL'cs \er\\isehle. so muss sieh die relative AIlersbestimmuni» der
(iebiriie meisl auf die der let/ten, das Gan/e absehliessenden llelmnu besehriin-
ken. In viel(Mi Fallen ist es aucli niiiglich , den '/eitpnnkt des Beginnes der
llebuiiiisaete, ;m.s \\el<-lien ein (iebiriic hen orjiiiii: , /.u lixiren. Die lelzle und
sclilicssliclic llcl.iiiiii der Alpen fand in der /weiten Hiilfte des Terliiir siail :
die Krhebuni: des llar/es hcii.iiin .nn |-;nde d<-r earbonisehen IVriode und daiiertc
bis /.urn Schlusse der Kreideperiode . denn cincrseils sind die obercarboniselien
und diassischen Sehiehten ini ci^ciitliehen llar/Liebiriir nieht mehr /.ur Abla-
uciiin^ -elanul das A real des spiiteren llar/.es \\ar also bereils Uber den iMee-
resspiegel gehoben . andererseii.s i>i die Kreideformalion noch von den mil der
llebung verkniipftei) SchiehtenstorunL;rii betrollen mid /\\ar vollstandig ilber-
.' |i, \
gekippl \\nnlcn. Die Krhchuiig de> Thilringer \Valdes f;illt in die 7eil zwisriien
die Ahlagerung der ohercn D\,is mid dcs l.iiis. Anderc (Jehirge, z. H. die
Huron Mountains in iS'ordamcrika , hallen ihre Krhehung hereits vor Bcgimi
dcs siliiiischen /oilallcrs crliUen , denn die Ahlagerungen diescr IVriudo licgen
horizontal auf den Sdiichtenkdpfen dor huronischen Schiefer.
§. S. Transversals Scliiefermur. Die fnlsche odor lr;insvers;ile Sdiic
I'rnint: luvstclil diirin, dass die schicfcriiic Slrnclnr und dainit vcrhundonc Spoll-
h.irkeit dcs (icsleines und z\v;ir njinientlich dor palacozoischcn Thonschirler
und (Iniinvackonscliiofer nicht dcr Schichlung parallel liiuft, sondcrn die Schich-
len unlcr eineni grdsscrcn oder kleincrcn Winkol durchschncidet (Fig. iO).
Die falsehc Schieferung
ist zusveilcn so vollkom-
nicn ausgehildet, dass die
urspriinglichc Schieferung
Fig. lo. Transversalc SuhicferuuK- i o i • i . i u
und Sclnchtung durchaus
\i'i \\ix-hl und cs nur dann tniiglich vvird, letzlere als solche zu erkennen und
von erslerer /.u unlerseheiden, \\enn ein natilrlich dcr Schtchtung stels cnl-
sprrchender \Vechsel von xcrscliiedeiiiirtiijjcm Gosteinsmateriale oder vcrschic-
dener Farbe die nolliigcn Anliallspnnkle j:iehl. Hal sich die ursprilngliclie
nehen der falschcn Scln'eferung erhallen, so zeigt das Geslein zvvei Systcinc
\on Schieferungsrichtungen, die einander durchschneidcnd griffel for m ige
SpallubgssiUdLe hcrvorhringen. Die falsche Schieferung lassl sich nichl sellcn
in crslannlicherBeslandiukeit undRcgelniassigkcit durch ganzcSchichlungssysteine
und ansgedehnie Gebirgskellen verfolgen, ohne in ihrer Richlung irgendxvie
\(tn dcr l.aue dcr Schichlen hccinflusst zu \verden. Mogen lelztere Uach oder
sleil aufgericbtet oder zu den rnannigfachsten Satleln und Muldenformen zu-
sainniengcfallel scin, die Richlung und Neigung, unlcr welcher die falsche Schie-
I'cnnii: die (Jesleinsreihe durchsclzl , hlcihl dicsclhe. Nur ein Zusainnienhang
cxislirl /\\ischen ihr und dcr Schichlung und heslehl darin. dass die falsche
Sebieferung an slarkc Slorungcn der Schichlung gehunden isl, und dass heide
--ii-ls ein und dicselhe Slreicliungsrichlung hchauplen , vvoraus hervorgchl, class
die Ursachc der Schichlenfallung und der falschcn Schieferung idenlisch sei.
Augenscheinlieh isl sic das Resullal einer durch gewalligcn scillichen Druck
vcrui'sac'lilen Hic'hlungsvcriindei'ung der kleinslen Theilchen, in Folgc deren sic
sich rechtv\inklig auf die Richlung des Druckcs slelllen. Das Mxperiincnl hc-
sliitigt diese Annahine. Man knelelc zahlreiche Schiippchen von Eiscngliinniei-
in \\eichcn plaslischen Thon, so dass sic in demselhen regellos vcrlheill \varen.
und unlcruarf dies(> '1 honmasse einein slarken einseiligen Druckc. Dic>cr
halle zur Folgc, dass alle Gliinincrlaniellcn sich parallel und zwar rechlwink-
liu auf die Druckrichlung anordnelen.
b) Die massigen Gcbirgsglieder.
Die massigen (ichirusulicdei- sind ihrcr gressen Mehrzahl nach erupliven
I'rsprunges, sind mil anderen Worlen auf Wegen des gi-ringsten Widcrstandes,
iilso auf Spiiltcn , in glulhlliissigcni Zuslande aus dcni Erdinneren durch die
V. Arclntt'ktom-clif
247
Kidkruste IMS auf deien Oberllaehe cmpoi-edrunuen und h.dien dadureh we
muslens in ihren Wurzeln d ure h a re i f en de Laizerunu erhalten. Dmvh-
greifcnd tu-laarrle Gesleine durehsel/,cn andere Gebirgsglieder ganz unabliitnuig
von deirn Besel.atVenheil, Schiehtuni: und Struelur, und behauplen innerlialb
eines jeden deiselben ihre Kiuenschallen -an/, un\ erandert.
§'. (.i. Lagemngslorimm der massigen (jtobirgsglieder. L)ie oberllaeh
li.-hen Au>bilduni:sfurmcn der Kruplivuesleinc haben ihrc Wurzeln in der Erd-
kiusle, \\elehe sie als Gauge und Slbcke durchselzen. An der Krdobcr-
flaehe anuelani;!. slant sich die Eruptivinasse enlweder zu Kuppen auf, oder
l.reiu-l sieh zu Decken und Stromcn aus, welche bei \\ie.derholten Erup-
iiuiieii fbnnlifhe Sehi ehtens \ sic me oder von Mecresniederschlagen bcdeckte
bilden konnen.
I Giin.ao sind von Geslein ausgefullle Spalten, demnaeh niehr oder we-
plallniftiriiiiur (iesleinsmasscn , wclche gcschichtulc sowohl , wic inassige
Felsarlen unler den vcrsehiedcnslcn Winkcln durchselzen, und sind demnaeh
der T\pus duirhgrcifcndcr Lagcrungsformcn. Die Contaclflachen zvvischen Gang-
masse und Nel>cngcstcin ncnnl man Sa a I ban der. Die Gangmasse umfasst
hanlig losgcrissenc , zum Thcil aus ticferen Niveaus emporgehobene Fragmcntc
\.-beiiL;e>icinos und dringt auf der anderen Seile zvvischen die Schich-
lungsllaehen und Kisse der lelzleren und bildet dann seilliche Injectionen (Apo-
physen, Verz \\figungcn). Schon frUhcr (pag. "204; vvurdc auf die hauligc Er-
M -heiiuing aufmerksam geniacht , dass die Slruclur des Ganggosleines, in der
Mitle seiner Miiehligkeit grobkoTnig zu scin, in der Richtung nach dcin Ncbcn-
ueMein feinkornig zu wcrdcn ptlcgt und cndlich in der Niihe der Sualbiindcr,
also aul den Abkllhlungsflachen , sich ganz dicht zeigt. Die GUnge konnen
mehrere hundcrt Meter Machtigkeil und mehrerc Mcilen Langencrslreckuny er-
rcichcn, erslere wcchselt jedoch an vcrschicdenen Stellcn ein und dcssclben
Cannes, je naehdem sich Anschvvellungcn oder Verschrnalerungen dessclbcn
einslellen.
Main he Distriftc sind sehr reich an Gesleinsgangen ; diese konnen dann
entwcdcr parallel laufcn , oder radial von eincm Punkle ausslrahlen , wie bci
Vulkanen, oder sich gcgcnscilig durchsetzcn,
\\..bei sie sich nicht sellen verwerfen. In lelz-
teiem Fa lie ist der durchsetzcnde oder vcr-
werfendr <iang nalUrlieh der jungere (siehe
•2 Stiiekr sind eruptive Gesleinsmas-
>en \on irn-Liularem Ouerschnittc und von
.ill liedeulenden Dimensionen, welehe das \e-
iM'nuesteinmildurehureifenderLagerungdureh-
sel/en. Ihre Form ist iiussersl versehieden;
bald niihcrn sie sieh der Gangform, sind also
J-CNN issermassen als machliue, aufgi-blahle und kur/e (liingi- zu betraelHen.
bald ist die Ansfhwcllung Hirer e.-nlralcn I'arlie so bedeulend , dass ihr Uori-
zontaldurchschnill ellipsoidische Geslall erhiill, bald isl lelzlerer inchr oder we-
VprM.hieden;iltPri,P ,;rillliu,
'M
V. Airliitcklonix'lif (i
niger kreisfurmig, endlich sind ihre Oonluren gan/ unrcgelrnassig und ihre !)i-
mensionen diinn niclil sellen enorrn; in diesem Falle bry.richnel man sic als
(\phonische Stiicke. Ahnlich \vie von den Giingen laul'en auch von den
Stiicken sehr hiiufig Apoph\sen his y.u belriiehtlicher Entfernung aus. Die
ansge/.eichnetslen Bcispiclc soldier Stiickc licfeii der Granil, wo er in grb'ssrivn
Kriiplivmassi'ii innerlialli des (ineisscs, Glinunerschiel'ers und Thonschiefers
auftrilt.
3) Kuppen (honiogcnc Vulkane) vverdcn die isolirlen kegel- oder glocken-
fbrmigen Aufslauungen cruplivcn .Gesteinsmaleriales genannt, als deren jelzt
verstopfle Eruptionscanalc sich die Giingc und gangfdnnigen Slocke erweisen.
Ihr Zusammenhang mil dicsen, namentlich abcr ihre Structur 'siehe pag. 11 8)
unterscheidet sie von kuppenfbrmigen Reslen theihveise durch Erosion vernich-
leter. ursprUnglich weit ausdedehnter Decken und Strome. Porphyr, Trachyi,
Phonolith und Basalt bilden am hiiufigsten solche echten Kuppen.
4) Strome nennt man in Erstarrung iibergegangene," ursprUnglich gluth-
(lilssige Gesleinsmassen, \velche sich von ihrem Eruplionspunkle aus stromartig,
d. h. mil selir vorherrschenden Liingendimensionen , abwarts ergossen haben.
Auf steil geneigtem Untergrunde sind sie meist schmal und nur wenig mach-
tig , wahrend sie auf sich sanft abflachendem Terrain eine grosse Ausbreitung
und Miichtigkeit gewinnen kb'nnen (siehe pag. 116). Hierher gehbren die Lava-
strbme der Jetztzeit, sovvie die vorhistorischen und tertiaren Basalt-, Trachyt-,
und Phonolithstrbme.
• 5) Decken sind eruptive Gesteinsmassen, \velcheeineallseitige, betracht-
liche Ausdehnung besitzen und andere Gesleine horizontal Uberlagern. Die
Hr-ionzungsfluchen dieser Decken, niimlich deren Ober- und Unterflache, lau-
fcn im Allgemeinen parallel, lassen jedoch haufig rnehr oder weniger bedeu-
tende Unebenheiten wahrnehmen, was namentlich an der Unterseite der Fall
sein muss, weil sich in deren Form nolhwendig alle die Unebenheiten der
Aullagerungsflache wiederholen. Nicht sellen folgen solche Decken in grosser
Anzahl auf einander und bilden dann fbrmliche Deckensy steme (s. p. 117),
welche sich von sedimentaren Schichtenreihen mil Bezug auf ihre Lagerungs-
form nur durch ihren Zusammenhang mil gangarligen Gebirgsgliedern unter-
scheiden.
6) Lager von eruptiVem Gesteine sind ursprUnglich deckenfbrmige Aus-
breilungen auf dein einstmaligen Meeresgrunde oder der frUheren Erdoberfliiche,
welche durch fortgesetzte Niederschlage des Oceanes von sedimenlaren Schich-
ten bedeckt wurden, also jetzt gleichfbrmig in die sedimentiire Schichtenreihe
eingeschallet erscheinen, aber ihrem Ursprunge nach ebenfalls an irgend einem
Punkte rnit einem Eruplionscanale in Verbindung stehen oder gest^nden haben
mUssen. Sie sind slets alter, als die sie Uberlagernden sediintMilaren Schich-
ten. Sehr haufig sind sie mil zum Theil versteinerungsfUhrenden Tufteinla-
ut'iiinizen verkniipft und wechsel lager n mil sulehen. An den Slbrungen der
Srhiclitetireihe haben sie natUrlich in demselben Maasse, wie die sedimen-
tiiren Sobichteo Theil grnommen. Vor/.ugs\\eise sind cs Diabas. Porphyr und
V. Aivtiitektonix'he (li-nloiiif. 249
Melaph\r. \\eldie als l.auer anftreten, und ;iuf \velche zurttrk/ukommrn. sidi
in (Inn Abschnitte ilber l-'nrmalionslehre uemiL'sam (ielet;enlieit bielen \\inl.
La i:eriia nue shul plattenfonniue Parallelmassen von Kniplivuesleiii.
\\elehe entweder \on rinrr i:r<t>sen iiang- odcr stockfb'rmigen Eruptivmasse ;ms
/.uisehen die Sehichten des Nebenuesleines eingepressl \\nrden, oder dadmvli
entstanden sind, dass ant einer Spalle, welche nicht ganz bis zur Erdoberllache
rcichlo , gluthtklssiges Material empordrang und von hior aus eincr besonders
deullich ausizesprochenen Schirhtungskluft bis zu Tage folgtc und somil nur
<-in«' inodilicirto (ianulbrin roprasentirt. Ein Lagergang 1st demnach slots jiii)-
m>r. als siMii liangendes Nebengestein, von welehem er auch nicht seltcn Inii:-
nuMitc cinsolilicsst.
8) AuswUrflinge. Durch die bei Eruptionen staltfindcnden Explosioncn
drr du.rch die gluthflUssige Masse empordringonden Gase und Dampfe \vird
diese zu vulkanischer Aschc zerslaubt oder in Geslall von Lapilli, Bombcn
und zum Theil klaftergrossen AuswUrflingen aus dem Eruptionscanale in die
Hbhe geschleudert. Auf die Erdoberllache zuruckfallend, hiiufen sic sich ent-
\\cdfr utn den let/teren zu eineni Stratovulkane an, oder gerathen indie nahen
(icNviisser, von welchen sie zu horizontalen Lagen ausgebreitet. mil echlen Se-
diiiH-ntcn untermischt, imjLaufe der Zeil theilweise zerselzl und dadurch zu
Tuffen werden. Diese lind nicht ausschliesslich das Produkt der jtlngslen
\tilkanischenThiiligkeit, sie spielen vielmehr bereits seit den palaeozoischen Pe-
rioden eine wichlige Rolle in vielen Formalionen , in welchen sie als normal
zwisohengelagerte Glieder auftreten (z. B. Diabastufle im Silur, Devon und
Culm, — Felsitporphyrluffe in der Dyas u. s. w.).
Alle die Lagerungsformen der eruptiven Gesleine werden bei Besprechung
der vulkanischen Ereignisse, wie sie sich im Verlaufe der einzelnen geologi-
schcn Perioden belhiUigt haben , eine eingehendere Erlauterung durch Beispiele
und Profile linden.
§. 10. Die Structurlbrineii <ler massigen Oesteine sind die Besuliau
der bei eintrelender AbkUhlung und Feslwerdung der gluthllUssigen (Jesleins-
m.isse erfolgenden Contraction. Aus lelzlerer gingen innere ZerUfiftnbgen des
(iesteines und aus diesen mehr oder weniger regelmiissig gestaltete Geslcins-
kbrper hervor. Diese Absonderungslbrmen sind entweder unregelmassig poly-
edrisch oder saulenforrnig oder plattenfbrmig.
Uei unregelmassig pol y ed r is cher Absonderung durchschneiden die
XerklUftungsllachen das Gestein nach verschicdenen, iranx, unbeslimmten Bich-
tungen, wodurch regellos gestaltete, von ebenen Flachen umscldossene, schail-
kanlige Gesteinssliicke enlstehen. Diese Slructurform gehorl zu den haulitrslen
Erscheinungen und isl bei fast alien Graniten, Porphyren und Diabasen anzu-
Ireften.
Zerfallt das Gestein in lauter mehr oder weniger langgeslreckte prismaliselie
Korper. \\elelie dielii. wie Bienenwaben, neben einander slehen, so nennt man
es siiulenfb'rmiu a b^e.sonde rl. Die (ieMeinssiiuleii sind gewbhnlich fUnf-
oder sechsseitig, ihre Seitentlachen sind meisl ebenllaehig und glatt. Die Win-
kel, untcr denen sie zusammenstossen, zind vollstiindL' nnbestimmt. Der Durch-
250
V. Architektonische
der Suilen betr.iul \\enige Centimeter hi» .'i , ii uder 7 Meter, ihre
Lani:e his ilber Mill Meter, (iewohnlieli sind >ie gerade , seltener bogenformig
gekrttBUDt Am h.inlksten und srhonMen ausgrbildel x.eij;t sirh die saulen-
fdrmige Absonderung HID Basalle, niiehsldem bei Porphyren , selten hri Dioril,
.Meliiplnr. (.r.uiit und Syenit. Zuueilon si-Ill sioh eine Quefuliedei IIIIL- dcr
Siiuleii dt-s BnsiilU-.s ein. <|er zu Folge sic in Umter cinzelne auf ein.nidri-
.slehnide Sliicke uelheill \verdeii. Die Trcniuingsflaclion dieser Glicder sind
enl\\eder ebtMillaelii!; und sctzcn in grdsscrcn oder kleincrcn Zwisclienriiuiiien
recliiwinkliu; durch die Siiulen hindurch (Fig. i^ A , oder sic haben einerseits
fig. 42. Gegliederte Basaltsiulen.
eine concave , andererseils eine convexe Endfla'che und sind so auf einander
geselzt. dass die gewblblen Enden des einen Gliedcs in die Endverliefungen
des nachslen hineinpassen (Fig. 42 B). Scllener isl die in Fig. 42 fl \vieder-
gcgebene Absonderungsform, der zu Folge die Basallsaulcn aus lauler abge-
slunipflcn Doppelpyramiden aufgebaut zu sein scheinen (Casseler Le\ boi Bonn ,
\\elche an anderen Localilaten (Kasegrollc in der Eifel) die Gcslalt zusamnien-
gepresslcr Ellipsoidc annchmcn.
Bei sainmllichcn Lagerungsformen der Eruptivgesleine, und zsvar vorzugs-
vveise der Basalle, Trachyte, I.aven, Porphyrc und Melaphyre kann sich saulcn-
lonnige Absonderung einslellen, welche dann rechlwinklich auf die AbkUhlungs-
iliichen der Gesleine gerichlet isl. Dcshalb slehcn die Siiulen bei Decken.
Stroinen und horizonlalen Lagern vertical, bei Kuppen rechl^inkelig auf der
Oberiliiclic oder dem Untergrunde derselben , falls nicht eine unregelniassige
Gruppirung slalllindel ^sielie pag. 118), bei Gangen rechl\vinkelig auf deren
Saalbiindern.
Bei pi atlenfbriniger Sliuclur isl das Kruplivgestein in lauler lafelarlige
Parallelmassen abgcsonderl. Man beg«-gnel dieser Striiclurfonn ziemlich oft beiin
Granil, der sich dann in sehr niachlige, meisl horizontal liegende Banke jilie-
dert, sowie beiru Porphyr. \iel aiisgezeichneler jedoch beim Basalt und namenl-
lieh beiin Phonolith. Der inerkwilrdigc Zusammenhang zvischen ihr und der
(icslall gewisser Erupli\'geslein«' trill vorzugsweise l>ci phonolithiselieii
Vulkanen hcrvor, \velche ein S\stern von concentrisch ill>er einan-
'•sliilpten Schalen reprasentircn, die allseilig von der Art des Herges ab-
fallen (siehe pag. UN). Decken, Strome, sowie Gauge zeigcn ebenfalls plal-
lenfbrmige Absonderung : auch hier pflegen die Platten den Gesteinsgrenzen,
V. Aivliitt'ktonix'hr (leolo^ie. 251
also in erMercm Falle der Tauesnbertlache. bei (ian-en den Saalbandern par-
allel zu liegen.
Kugeliue Absonderung isl /ahlreichen uiui \ersehiedenartigen Krupliv-
ursirinen eigen, Irill jedoch in vielen Fallen erst bci Beginn der Verwiltorung
hen or. Dann erscheint das Gcstoin aus lauter zuin Thcil nielcrgrosscn Kugeln
zusammenueset/.t, \\elehe in nmeeiitrisch -selialige Lagcn abgesondert sind. Be-
simders bri Diabasen, Basaltcn und Trachyten, abcr auch bci Porphyr and
(iranil ist dicso Structurforni ausgcpragt.
c) Die plattcnffirmigcn Mincralmasscn Mincralgangc ,
§. 1 1 . Wesen und Entstohung der Minoralgange. Mineralgange sind
tluirh successive Absiitze aus Mincralsolulioncn vollig oder thcilweise ausgefullte
wiihrend wir unter Gcsteinsgiingcn vom Erdinncron aus mil
Masse injicirte, also aus einem Acle des Fcstwcrdcns hcrvorge-
gangcne Gcsteinsplatlcn verslandcn. Wic allc Spallcn, sind auch diejcnigen,
wclche zur Bildung von Mincralgiingcn Vcranlassung gaben, durch unglcich-
Inriiiiize siiecularc oder instanlanc Ilcbungen oder Senkungcn, sowie durch
soillichc ZusammensUiuchung, endlich abcr auch durch Verringerung dcs ur-
sprdnglichen Voluincns eines cruptivcn Gebirgsgliedes in Folge seiner AbkUh-
lung cntslanden (Fig. 43).
Die Mineralldsungcn, aus denen sich die AujTullungs-
masse der Mineralgange allmahlich krystallinisch ausschicd,
staninicn entweder von der Auslaugung des Nebengesleines
durch in diesem circulirende, ursprUnglich atmosphtirische
Wasser her, wclche sich in die Spallcn zogcn und hicr an-
saniinclten (siehc pag. 157), oder von Mincralqucllcn, wclche
aus der Kidlirfc aut den aufgerissencn Spaltcn als kUrzestcn
und offenslon Wcgcn in die Htthe sliegen. In Folge von
clicinischen Reactioncn der sich in den Spalten inengenden Mine in sad-Carolina.
verschicdenarligen Solutionen oder von Verdunstung des VVassers und der die
Losbarkcit vielcr K«rpcr vermittelndcn Kohlensiiure, endlich in Folge des Zu-
flusses scli\v<-frl\vasserston'haltiger Tagcwasser tral cine krystallinische Ausschei-
dung der gelbsten Mineralsubslanzen und soniit einc allinahliche giin/.liche oder
thcilweise AusfUllung des Spaltcnraunios ein. Deshalb sind die dem Nebcn-
gcsleine benachbarlen Partien der Mincralgange zuersl, die milllcrcii Zoncn
zuletzt, sowic die Gangniineralicn schr hiiulig in der Gmizflarhe dcs (ianizcs
parallclcn, sich auf jeder Scite in gleicher Ordnung \\iederholenden Biindcrn
abgesetzt worden, und ebcn dcshalb sind in der Hegel die Krystallspit/.en gegen
die (iaii^inillc gerichlet. Fand nur eine theilweise AusfUllung d«-r Spaltc stall?
so ist gcwbhnlich in der ccntralcn Gangzonc ein Raum von verschiedener Liingi-
und Brcitc often geblicben , dessen Wandungen von Kryslallen ausgekleidct
sind. Ks sind dies die Gangd ruscn und Driiscnriiu me, \\elche zuwcilcn
(so zu Andreasberg und Joachimsthal) 10 und nichr Meter im Streichen ui:«l
Fallen erreiehen.
2.V2 V. Arcliilcktnm.sclif (icologie.
§. I-', (ijlllioerlliiUllisse. Das Gestcin, in \\elchem cm Mincralgang ;i u f-
selzl. licissl scin N ebengeslei n. Yon dicsem isl die Gangmasse cnl \\cder
bios durch etfie Abltfsungskhlft, d;is Saalband. odor eine sehr schmale Thon-
lage, (k-ii Best eg getrennl , kann aber ;mch mil dcmselben fesl vcrbunden,
ange\\ a chsen . scin. Die Saalbander sind xum Thcil rauh und uneben, zum
Theil bilden sic glalle, bis\\eilen selbsl spiegelige Flachen, welche ol'tniiils in
dcr Bichtung des Falles des Ganges, inilunter auch in einer andcrcn Hich-
tung, sogar horizontal, gcstivifl und gcfurdit sind, eine Erscheinung, dercn I r-
sprunii in Senkungcn und Hutschungon, bei horizonlalcr Slrcifung durch seil-
licho Bcvvegungen der durch die Spaltcn aussor Zusatnmenhang gesol/lcn (ic-
slcinsinassc zu suchen ist.
\\ic l)ci andcren Gebirssgliedern unterschcidet man auch bci Mincral-
uiiiiiicn Hangrndcs und Licgendes, Slreichen, Fallen und Miichligkcit, HegriU'e,
vvelche boreils IVilher ihre Besprechung erfahren haben.
Die A n da ue r der Mineralgange im Streichen ist eine sehr vcrschiedenc,
von kurzen Schniirchen, welchc die Gesteine durchziehen bis zu nioilcn\\cil
sidi crslreckenden Gangen sind alle Langendimensionen verln;len. Kbenso kann
ilnv Slreichungsrichtung bald geradlinig, bald bogcn- odcr hakenlbrmig sein und
gleichem Wechsel ist der Falhvinkel unterworfen. Nach der Gi'bsse des lelz-
teren unterscheidet man wohl schwebende Ga'nge mil eincm Fall\\inkcl
von 0 bis 15°, flache Gauge mil einem solchen von 15 bis 45°, lonn lagi gc
Gauge mil einem solchen von 45 bis 75°, steile Gauge von 75 bis 89°
und cndlich saigere Ga'ngc von 90° Fallen.
Auch mil Bezug auf die Machligkeit herrschl bci den Mineraiga'ngen die
grossle V'crschiedenheit, so dass sie sich zvvischen papierdttooen Kliiflchcn
Tellurkliiiie von Ofienbanya in Siebenbiirgeiij und slelleimeise ">l) bis GO Meier
m;ichtigen Gangen Bleiglanzgiinge von Clauslhal im Oberharz) be\\c^en. An
einem und demselben Mineralgange \vechselt die Ma'chtigkeit sowohl im Slrei-
chen als auch im Fallen, ier verdrllckt sich und thut sich \\icder
auf), nimmt zum Theil nach der Tiefe x.u, xum Theil aber auch ab, slehl
bald in geradem bald in umgekehrlem Vcrhallnisse zur Kr/filhrung, so dass
sich dicsc mil dem Ma'chligervserden des Ganges bald vermehrl. bald vermin-
derl, -- lauler F>scheinungen, \\c|fhc x\var in bestimmlcn Gangdistriclen einer
ucuisscn (icscizrnassigkeit unterworfen sind, aber keine V era 1 1 uc m cine-
rung gestation.
llautig iheilen sich die Mineralgange in ilircr Sti-cichungs- oder Fallricli-
tung in mehrere Trilmer, sie xerschlagen oder xertriimern sich.
urn sich (Linn entweder allmiihlich im Nebengesteine zu verlieren oder sich
wieder zus am me n z use h a a i c n. Nicht sellen Ircnnen sich Triimer an irgend
cincr Steile vom Hauptgange, xiehen sich in das llangendc odcr l.iegende und
keilcn sich hier enl\veder aus (als hangende oder liegende Trilmer
odcr Icgcn sich wieder an den llaii|)tgang an als Bogenlrumcr oder lanlcn
cndlich nach eincm bcnachbarten (Jange. urn sich mil diesem /.u vereincn
;Dia go nail rilmer).
Kin Mineralgang Iritt sellen allein fUr sich, \ielmelir mcislcns mil andcren
V. Archilektniiisrlu' fleologie.
253
vergesellschal'tel auf. Diese ziehen sich dann in griisserer oder geringerer Paral-
lelitiil oft \veit nebeneinander her: cine solclie y.onenweise GangvergBSeDfletafr*
tung \vird als Gangzug bezeiclmel. Yereinigen sich /.wei dieser Gauge, so
schaaren sic si eh, logt sich der cine an einen anderen an, so \vird or von
dicscni geschleppl, durchschnciden sie sich gegenseitig, so durch set/, en
sic oinandor und Itiltlcn cin Gangkreuz.
§. 13. Yerwerfimgeii der Miiieralgiiiige. Verwerfungen eines Mineral-
LMtiiies cnt.stehcn dadureh , dass dieser iiu Verein mil seinem Nebengesteine
von einor Spalle durchsct/l \\ird. Die anf solche Weise gelrennten Gebirgs-
iiud Ganglliiuel konnen unabhiingig von einander von einer Bewegung belroffen
wenlen, \\odurch die getrennlen Gangenden gegen einander verrdckt, also ver-
\\(irfcn werden. Meist hat ein Abwiirtsrutschen, eine Senkung des Ilangetiden
auf deni I.iegenden stattgefunden. Die verwerfende Spalle kann zugleich die
\Cianlassung zur Bildung eines jUngeren Mineralganges, des sogenannlen Ver-
\vcrfers geben, falls sie sich nicht ganx. schliesst, und falls Uberhaupt die
B(>dingungen zum Zufluss von Mineralsolutionen vorhanden sind. In diesem
Fallc crhiilt die Ausfilllungsmasse des Verwerfers gewohnlich einen anderen
Charakter als ihn der verworfene Gang besitzt.
Neben den eigentlichen Verwerfungen eines Ganges durch einen anderen
iider durch eine Spalte kommen den Verwerfungen ahnliche Storungen in
deni NCilaufc der Mineralgange vor, die sich nur dadurch erklHren lassen,
il.iss (ianuspalien bei ihrcni Entstehen auf steile, (lache oder entgegengeselzt
einfallende Ablosungsfliichen oder Klilfte trafen , diesen als Flachen des ge-
riiiirsien Widerstandes eine Strecke weit folglen und dann in Hirer ursprung-
liehen Hichlung vveiler in die Hb'he fortselzten. Dorarlige Ga ngauslenkungen
sind hiernach nicht die Folgen von VerrUckungen der fertigen Mineralgange
auf spiiter entstehenden Kluflen, sondern Ablenkungen von ihrer Hauplrichtung
bei dem F.nlstehen ihrer Spalten auf bereits vorhandenen DiscontinuitiUen. Auf
ilie>«- Weise erkliirt sich die gegenseitige Verwerfung, die gleiche Ausfdllung
und die vi)llige Verschmelzung der AusfUllung
x.weier sich verwerfenden, also anscheinend ver-
schiedenalteriger Giinge, ferner sich oft in kurzen
/\\ischrnraiimennachganzentgegengesetzlenBioh-
Mi \\icderholende kniearlige Knickungen der
r, s(l\\it- di<> Krscheinung, dass sich die ge-
Ironnlen Fliigel eines Mineralganges schmil/.artig
an cine Verriickungsspalte anlehnen und mil dieser
cine Sirecke weit schleppeii ifig. 44 a) und end-
lii li, dass sich der eine Gangflugel in der Niihe
einer S|)alte vielfach zertillmerl, wiihrend der
andere nur ein GangslUck bildet (fig. ii b).
Solelie GangaoaleDkungen sind namentlich aus
den (iaiiL'distrit ten von Andreasberg, Przibrain,
\ng\ag und Clausthal bekannt geworden.
\Vie nadi der Beschreibung der Spiegelflachen und Frictionsstreifung auf
Fig. 44. G an trail s 1 <• 11 ku
2f>4 V. Arcliilfkloniscln-
den (iangspallemviinden nichl anders zu erwarlen, haben spiilor ausgefdllte und
diidurch zu Mineralgiingen gewordene Sp«ilten zuweilen die Veranlassunii o;ross-
arliger Verworfungen von Gebirgsgliedern gegebon. So sind auf den Bocks-
\\irscr (iangspalton (im Oberharzo) die Schichten des Culm bis in das Niveau
d«'s nnlorslon Devon herabgcrutscht, haben also eine Verwerfung von niohr als
500 Meter erlillen (siehe sub carbonische Forniation, fig. 180).
Die \vichtigsten und lehrreichslen Miiieraluanii-Vorkonnnen werden IKM Be-
s|)n'ehung der Formationen , in denen sie aufselzen, also in den Kapiteln tlber
Format ionslehre. et\vas eingeliondere Erwiihnung linden.
Sechster Absclmitt,
Historische Geologie.
a) Einleitendes.
§. 1. Die Aufgabe der historischen Oeologie 1st die Erforschung der
Bntwfcktangsgeschichte der Erde und ihrcr Bewohner; sie erblickt ihr End/.iel
darin, den Krdball von den erslen Stadien seiner Existenz durch die einzelnen
Phasen seiner allmiihlichen Herausbildung bis zn seiner jetzigen Gestaltung zu
verfolgen .
Die jeweilige ErscKeinungsvveise unseres Planeten ist das Gesammtresultat
aller frUheren Einzelvorgange auf demselben, — deshalb nimmt die Mannig-
falligkeit in der Gliederung der Erdoberflache zu , je Linger sich die ver-
schiedenartigen Einvvirkungen auf diese lelztere bethatigen konnlen. Zugleich
aber eriiflhel diese allmiihliche Sunimirung der Einzelvorgiinge und ihrer Be-
sullate bis dahin schlummernden Naturkriiften ein Feld fUr ihre Thiitigkeit und
bringl dadurch grbssere Mannigfaltigkeit in die umgestaltenden Ursachen.
Um sich dieses Entwicklungsgesetz an einem Beispiele zu vergegenwartigen,
stcllc man sich einen weilen Ocean vor. Durch vulkanische Kraft wird ein
Theil seines Grundes (Iber den Meeresspiegel gehoben : es erfolgt cine Schei-
(lutii: von Land und Wasser. Ein Strich des neu gewonnenen Festlandes
\\ird zur Gebirgsmasse ernporgedriingt und die ErdoberflHche in Gebirge,
Ebrne und Meer gegliedert. Die bis dahin slagnirenden Wasser bahnen
sich NVcuc nach der See, es entstehen Flussysteme, — sie rrhalh-n /u-
gleich (iclciicnheit zur Austibung ihrer thalbildenden und modellirenden Thii-
ti^kfit : zu deni frUheren Landschaftsbilde gesellen sich Schluehten und
Thaler, abgerundete BergrUcken und steile Felsgrate. Auf ihrem Wege
nach der Tiefe fuhren die (licssenden GewJisser Gesteinsmaterial mil sich fort,
scliNvemmen es nach den Mdndungen der Strome und bilden dorl Deltas, und
endlich bedeck! sich der nackte Felsgrund unter dem zerstorenden Einflusse
iler Atinosphiirilien nnt Geriill, Grus und Erde, -- kurz, durch Sunimirung
2f>li VI. Ilislorisclio
rinandcr bcdingender Einzelvorgiinge ward dcr ebene Mrnv^rund zu einer
iibwcchslungsrnrlH'ii Landschaft.
\\cit uriisscr ;ibcr als in dem gewahllen Beispiele 1st die Mannigfaltigkeit
dcr Vorgange, deren Gesammtheit man als den Entvvicklungsprocess unseres
Planelen bezeichnel. Die gluthflilssige Erde bedeckt sich mil ciner Er-
sta rungkruste; auf dieser condensirt sich das Wasser, welehes bis da-
liin in Dampffonn die Alrnosphare angefilllt hatte und beginnt seine chemi-
sche zersetzende und aufldsende Thaligkeit auf den Felsgrund auszuiiben.
Durch vulkanische Hebungen entstehen Continente, und erst jelzt ist das
\\.isser im Stande eine mechanische Einwirkung gellend zu machen ; unter
seinem Kreislaufe gliedert sich das Festland , wahrend seine Niederschlage
ncuc Gesteinsschichten bilden. Unterbrochen wird die Gleichfdrmigkeit dieser
Vorgiinge durch Kraftausserungen des gluthfltissigen Erdinnern , welche sich
einerseits in Niveauveranderungen einzelner Theile der Erdkrusle, an-
dererseits in vulkanischen Eruptionen bethatigen, und welche nicht nur
eine stete Umgestaltung der horizontalen und verticalen Conturen des Fest-
landes, sondem auch eine Vermehrung des Gesteinsmaleriales auf der Erd-
oberflache im Gefolge haben. Inzwischen hat sich die Erde mehr und mehr
abgektihlt und so niedere Temperaturgrade angenommen, dass sich organi-
sches Leben auf ihr entvvickeln und ausbreiten konnte, um bald den Rang
eines der wichligsten geologischen Factoren einzunehmen. Nach andauerndem
Verluste der Eigenwarme der Erde beginnen sich in Folge ungleich intensiver
Sonnenbestrahlung klimalischeVerschiedenheiten bemerkbar zu machen,
und jetzt erst ist die Moglichkeil gegeben, dass das Wasser auch in seinen
festen Zustand iibergehen, also Eis bilden und dadurch ein neues geologisches
Werkzeug liefern kann. In dem Entwicklungsprocesse der Erde gesellt sich
demnach ein geologisches Agens nach dem anderen zu den bereits fmher
thatigen, — die ebenso zahlreichen wie verschiedenartigen Aeusserungen der-
selben summiren sich , — die Mannigfaltigkeit der tellurischen Verha'ltnisse
nimmt zu, je la'nger diese Summirung andauert, — in jeder jtingeren Periode
herrscht eine grbssere und in der Jetztzeit die grosste Mannigfaltigkeit in der
Erdgestaltung.
Nun ist aber das organische Leben abhangig von der Beeinflussung von
Sciicn der umgebenden anorganischen Welt, — es ist der Ausdruck der Yer-
haltnisse, in deren Sphare es sich enlwickelte. Die allmahliche Umgestaltung
der telluriscben Erscheinungen spiegelt sich deshalb \vieder in der Umpragung
des Gesarnmlhabitus der Floren und Faunen, welche unter ihrem Einflusse
L'cdichen. Wie die Gestaltung der Erdoberfla'che selbst, so wurde auch der
Gesammtcharakter der Erdbewohner durch Summirung dieser Einflusse im
Laufe der Zeitalter ein abwechlungsreicherer. Diese grbssere Mannigfaltigkeit,
zu welcher das anfanglich einfache organische Leben in gleichem Schritte mit
der Herausbildung des Erdballes heranreifte, iiusserte sich einerseits in Ver-
iiicliiunu der Zahl, andererseits in der stufenweise ansteigenden Entwicklung
der organischen Formen , und gipfelte sich in dem Reichthurne und der Yoll-
kommenheit der Jetzlwelt.
YF. HUlorisdu' Ccolo-ie. £~>9
§. 2. Darwin's Tninsniiifatioiistlieorie. Die aut' den Ict/.tcn Sciten l>c-
Ionic Thatsache der alliniililidicn l'mi:eslaltuni: und Yenollkommnunij: des irdi-
schen organisehen I.ebcns mi I .a life dcr geologisehen Xeilriiume und in dem-
sclltcn Schritlc. in \\clclicni die (Jliedorung dcr Krdoberlliiehe an Alnnnigfallig-
kcil y.unalim. slclil in cincin geuisseu Xnsammonhange mil den Hcsultatcn dcr
gosammlen morphologischen \Yisscnschaflcn und dcr BfttWickelungSgeschicbte
dcr tliicrischcn und pllan/.lichcn Kin/.dwcscn. lu dcr tVbereinslimmung dcs
Banplancs xahlrcichcr und mannigfachcr Organisrnon, in den Krscheinungcn der
Metamorphose, in dcr Thalsaciic. dass sicli in auf cinandcr folgendon Kmbryonal-
/.uslandcn Ziigo dcr einfacher. sovs ie dcr vollkommener ori:anisirlcn (iruppcn
dcsM'lhcn T\pus wiederspiegeln, s|)richl sich die Minhcidichkcit dcs ucsaniintcu
Organisatien^anes d(M- Lcbcwescn aus, - - sio hat ilircn Ausdruck in dcm
allmalilichcn. slut'cn\\ ciscn Erscheinen aller Typen dor erdboNvohncndcn Oriia-
nismcn ucfundcu. cin Xusannncnliant:, \vclchen Darwin durch seine Trans-
mutations- und Descendenz-Theorie zu erkliiren versucht.
Als Kernpunkle der Darwin'sclion Hypolhese sind drei NYalirnehinuniien
an/usehcn: die ersie ist die Vererbl ichkeit, wonach sich die Charaklere
dcr Kltern auf ihre Nachkoininen iiberlragen, • - die zweile ist die Veriin-
derl ieli keit, durch \\elche diese Charaktere bei ihrer Vererbun» in irjiend
einer niit/liehen. gieichgQltigea oder sehiidlichen Richtung urn ein Minimuni
Niiriiren konncn. -- die dritte ist das Ueberleben der am Northeilhai'testen
ausiieslalleten lndi\iduen in dem Kainpfe uin's Dasein, der sich einstellen
muss, da melir Naehkommen erzeugl \\erden, als moglicher Weise forlleben
kdnncn, \veshalb alle Thiere und IMlan/.en sovvohl unler einander \vie mil den
iiusscren Existeozbedinguogen urn ihre Krhaltunii ringen. Die grosste Aussicht
diescn Kampf zu bestehen, die anderen Individuen zu Uberleben und sich
forlzupllanzen hat die am meisleu begUnstigte, also die mil passenden Ab-
iindcruniicn \om cltcrlichcn Typus versehene Nachkommenschaft. Hier trilll
also die Natur cine Ausvvahl untcr Ncrschicden vorlheilhaflen Abanderungeii
und l>egiinslii:t \ 01 V.UL:S\\ cisc die Forlpflaiming der mil nUlzlichen Abweichun-
L-'en \crsclicncn Individuen auf Koslen der anderen. Aus gleichem Grunde
summircn sich diese niltzliclicn Abiinderungen bei sj)iitcren Naehkommen, bis
sic endlich /u merklichcn rnlersehieden heranreifen. Selbstxersliindlieh ist
die Niit/lidikcii jcder Abandoning von der Beschailenheil der Jiusseren l.cbcns-
bedinganged abhiiiiiiig, die loriuiihrende Anpassung der vorliandcncn
l.<'bensfonncn an diese aiisscren Verhiiltnisse \vird von Darwin als n a I ii r-
lichc /in-Ill uni: bezeichnet. Das .Maass soldier mil wiederholter Fortpflanzimu
\crbundcncr Abiinderuiii: isl unbegren/.l, nach Tauscndcn von Gencrationen
kann deshalb cine anfanulich kanin ddiuirbare Ab\\ eiehung \om elterliehen
T\|)iis inn das lauscndfaehe gehiiuft erselieinen. und aus dcr anLinulii-lien, \on
dcr I'l'lorm kaum uiilerseheidbareu Varietal cine \ollkoinmcn \ersehiedenarlige
l;orm enlslandcn scin. Da nun abcr cinerscils die mi! den hcrNon-a^endsten
Abweichungen vcrschcnen Indi\iduen die grossl*; Aussichl auf Fortbesland und
Fortpllan/ung haben. \\.ilircnd die .Mitlelfornn-n erlic^en und erloschen , -da
andcrcrscils Ab.indernngen in einer (i«!geml, Ljige und (icsdlschaft niit/.lich. in
CreJuer, Klemente d. Geologie. 17
258 VI
eincr anderen hingeLien schadlieli sein konnen. so stellt sicli cine I)i s
dcs (lhara klcrs fin, dcr zu hdiic aus finer Grundform Abaiiderungen in
i:aii/. \erscliiedener Uieliliinu enlslclicn, forldauern und sicli mil dcr Zeil zu ein-
ander \ollkoinmen uniihnliclicn Foriiicn heraiisbilden konnen. Dieses Enlwicke-
lungs- und FortbiidungSgesatiS erklarl die (iemeinsamkeil dcs I'l'sprun^es nior-
pliolouisch seliarf gcschiedencr Fornien, ja die Abslammung aller oriianisdier
\\"esen, die aid' Erden uelebl liaben und nocli lcl)en, von eineV rrfonn und
lulirl, consequent \\eiler vcrfolgl, zur llypotliese \on der Generatio aequivoea,
d. h. von dcr Moglichkcit dcr Enlslehung organischer aus unorganischer Malcrie.
Die (icoloLiie besliiliut ini Alliicnic i u en die Tlieorie von dern natiir-
lielicn Vervollkommnungsprocesse unddor fortsclireiienden Entwickelung der Erd-
lic\\oliner und /.eiiil, dass im Grossen und Ganzen ein sleliiici- l-'ortseliritl dcs
iicsa nimlcn Orgaitismus von cinfachen und nicderen zu complicirlcrcn
und hb'licrcn Slufcn des Lebens slattgefundcn hat, wenn unsere \Vissenscliafl
aiieli niehl ini l-'nlfcrntcsten im Stande ist, die zahllosen Uebergangsformen und
VerbinduDgsglieder zwischen den Thicr- und Pflanzengruppen, weder der auf
einander folgenden Perioden noch ein und desselben Zeitalters, nachzuwcisen.
Dies mag seinen Grund darin haben, dass nur Organismen mil llarlgel)ildcn.
sowie nur diejenigen Landbewolmer Spuren ihrer Exislenz hinlerlassen halicn.
\\elehe zufallig vom Wasser ergrifi'en und von Schlamm bedeckt worden sind,
dass ferner nur gewisse Sedimente den Versteinerungsproeess begiinsliglen, an-
dere aber z. B. grobe Sandsleine und Conglomerale) die Mb'glichkeit der Kr-
hallung fast vollstiindig ausschlossen. So ist uns denn nur ein ausserordcnt-
lich kleiner Bruchtheil der frtiheren Thier- und Pflanzenwelten iiberlielert \\orden
und von diesen Reslen ist wiederum nur ein versclmindend kleiner Theil zu
unsercr Kennlniss gekommen. Die Urkunde, welche wir von der Enhviokelunu
der Erdbewolmer besitzen, ist deshalb hochst lilckenhaft, sie ist, urn mil Lye 11
und Darwin zu sprechen, »eine Geschiehte der Erde, die unvollstiindii: i:e-
fiihrt und in allmahlich wechselnden Dialecten niedergeschrieben \\urde, von
der auch nur der letzlc, bloss auf einige Theile dcr ErdoberflUche sicli bc-
/.ieliende Band auf uns gekommen ist. Doch auch von diesem Bandc isl
nur hicr und da ein kurzes Kapitel erhall«n und von jeder Scite sind mir
liier und da einige Xeilen iibrig. .ledes Wort der laugsam \\cchsclnden Sprachc
dicser BeschretbUDg, melir odcr Nvcniiier \erscliiedcn in den auf einander fol-
uendcu Absclinilten. \\inl den anscheinend plolzlidi umgewandelten Lebens
forme 1 1 cnlspreelien. \\clche in den unmitlelbar auf einander licgendeii alter der
Zeit iluvr Eiilsleliung nach \\eil \on einander ^elreiutlen hirmalionen hegraben
§. 3. (ieologische Perioden uud Forinatiouen. Auf der Thaisa.lie. dass
in den jiinueren (iesleinsalilatieruiiueii die Xahl der Thier- und IMlaii/.enlormcn
\\aehsl, dass ferner der organische (iesammleharakler der Vorzeil cincr forl-
schreilenden VervoUkommnUDg und mil dicser cincr Annalicruni: an den der
lelzU\cll unlcr\Norfen ist. dass also cine furlwiihrcnde rmgesijiltuiii: dcr Fauncn
und Floren slatt^et'imden hat, auf diesen Thatsaclini lieruhl die Einlheilung der
Bntwickelungsgeschicbte dci l.nlc mid direr Heuolmer in cine An/ahl Perioden.
VI. Ilistoiisrhr r.oolo-ie. 2.r)9
Be/eiehnend 1'iir jcde derselben isl das ersle A nitre ten ge\\isser holier organi-
sirler Thier- und l'llan/ent\ pen. /ii^Icicli abor d;is Do in i n i re n anderer. be-
reits in dci' vori^en Periodc ant' der IHiline e rsr li i en e n IT Ge-
sehleehter und Familien. \\elrhe erst jet/1 das Maximum ihrer Entwiekelung
erlangeu. und endlieh das Krloschen von Porinen, welche fdr friihere
Xeilen cha rak ler isliseh \\aren. Die Producte dor gesteinsbildenden Thalig-
keil xviilii'cnd jt'dt's cin/t'liicn dirscr /citabschnitlc, also die Schicht€ncom])I('\c,
\\clclir Nviihrt'ud dcrx-llu'ii xur Ablagerung gelangton, ncnnt man Formationen.
Dicsc sind dcninadi I'iir uns die Hcpriisriitanten tier geolo^ischen Perioden und
unisclilicsscn in ilirci- GesteiDsmasse, gewisserBaaassen als Inschriften und Dcnk-
nn'in/.cn aus dm Xcitcn, \\clchru sie ilire Enlstehung verdanken, die Reste
ilci- dainali^t'ii Tluor- und lMlan/(Mi\\ clt. Zwischen diese Terstcincningsfilhrendc
filic halx-n sidi die glulhflUssigen Producte der vulkanischen Kriiflv
liahcn sic in (iang- oder Slockform durchsetzt und sich auf ihncn
ausgcbrcitcl odor zu Kuppen aufgestaut. Wie nun der Hisloriker
di(> Silten, d(Mi (-ultuiv.usland, die politischen und religiosen Verhaltnisse, kurz
die Cieschiclite der altesten Volker aus den Ruinen ihrer Bauten, aus den Schrifl-
/.iiiien und Hild\\efken an deren Mauern, aus den im Schutte begrabenen Ge-
riitlisehallen. Wallen und Mtlnzen entziffert, auf ahnlichem ^Yege sucht der Geo-
l(»ge die Spui-en. \\elche verschvvundenc Zeitalter in ch^r Erdkruste /urtifk^e-
la>sen lial»en, mit Bezug auf die Entxrid^ungsgeSchichte der Erde zu deuten.
Das urosse Ziel, welches uns vorschwebt, ist nocli niehl erreicht, - isl
diK-li selhst die Oberflache unseres Planeten nur theilweise, mancher unserer
Continente fast nur in seinen Conturen bekannt, wie viel vveniger das, was
in der Tiele \erborgen ist und was der Aufschltisse durch die eindriugende
(lixilisation und dinvh den naeli uiUerirdischen Schiilzen suchenden berginiin-
niselien Unternehmungsgeisl liarri.
§. i. Orenzcn der Formation iiach oben und uuten. Unter einer
K(trinati(in \erslehl man den Inliegriff einer An/ahl von Schichten, welche sieli
dadureli als ein xiisammeiiLielmriges Ganzes darstellen, dass ihr palaeontologiseher
(lliarakier d. h. der Gesamintcharakler der in ihnen eingeschlossenen orga-
nischeii Hesle; dureh die ganze Miichtigkeit des betreffenden Schiehlencomplexes
liinduivli im Wese n 1 1 ic lien derselbe bleibt. Die Formationen sind also die
ein/.elnen iJagen der miichtigen Schichten reihe, aus welcher die itussere Erd-
krusie \oi-\\iegrnd besteht, - l;.i;iLen, \\elehe ilire Begrenzung nach oben und
nnlen dureh die Enlwickelung neu erscheinender und das Ausslerben bislang
\nrliandenei oi'gjinischer Formen erhalten. Der Vorgang dieser Urawandelung
des ui-iianiselien (iesaimiitrharakters \\i\r ein alliniililieher und nnunterbrochen \<>r
sieh gehender. kein pliit/lieher. durch Alles umgestaltende Revolutionen her-
\dii:eru!eii( i. - die Grenzen, welche wir nach der Verschiedenheit ihrer orga-
nischen Hesle /\\iselien" den Formationen ziehen, sind deshalb willkUrlich und
hesit/en iil>erliaupi nur da einige Schiirfe, wo durch NiveauverSnderungeu des
Meeresgrundes I'nterln •echungeii in dem Absatze der Sedimente, also Lllcken
in der Si Im litenreihe entstanden. Wiiren hingegen die sammtlichen Forma
i inn. 11 son dei aliesteii bis zur jUngsten an irgend einem Punkte in Itlcken-
VI. Historisrhe
loser Yollsliindiukeii /iir Ablagerung gelangt \\as alter nirgends dor Fall isl ,
so \\iirde der Yersuoh einer (Jliedorung dieser maehligen Seliichtcnfolge in
cm/t>lnr Forinatioiu'ii ein \orgoblichor scin, <-s \\iirde vielmelir der Weclisel
dcs palaeontologischer Charaklers von den iilloren iiiich den jilngeren Forma-
lionen dnrcli iilliniililielie Dberg&Ilge last iininerklicli gemaeht wcrden.
§. ij. Horizontale Ausdehnung einer Formation uiid Yerschieden-
artigkeit gleichalteriger Formationen. Das Yerbreitungsgebiei einer For-
mation. also eines ini \\"esen(lielien gleichen palaeontologist-lien (lharakler bci-
bohaltondon Schichtencomplexes isl niumlich Iteschrankt einerseits durcli die
Ansdehnuniz ties Meeres- oder Stisswasserbeckens. in \\elchem sie /.ur Ablaize-
rung ijelaniite, andererseits dadnreh, dass sich eine in doichom Maasse mil deni
\\achsen des AHauerun^sarealos zunehmende Ungleichheit der Lebensverhiilt-
nisse und somit der Faunen und Floren einstollte, wodurch der maassgebende
palaeontologische Gesammtchai'akt*1!1 der sich hiederschlagenden Schielilen ein
local durchaus verscbiedenartiger wurde. Die Bexvohner des Brak\\asser>
sind \ersehieden von denen des offeuen Meeres, die dcr heissen Zonen von denen
polarer Regionen, die der Uferzonen von denen des tiefen Oceanes, -- deicli-
Sedinienle ein und desselben Wasserbeckens konnen deshall) in \er-
sehiedenen Gebieten ihrer Ausdehnung die in den Sehlainin sinkenden l.eirh-
naine durchaus verschiedener Floren und Faunen uinhiillen. Dasselbe war in
der Vorzeit der Fall, so dass der palaeontologische Charakter einer ttber grosse
Areale ausgebreiteten Formation nicht nur in verticaler, sondern auch in hori-
zontaler Richtung Veranderungen erleidet, indem ein uud derselbe Schichten-
complex hier die Reste der Bewohner der hohen See oder des tiefen Oceanes.
dort die Bewohner des flachen KUstenmeeres und endlich an einein dritten
Punkte die tTberbleibsel einer Fauna und Flora des Brakwassers und der Silnipfe
umschliesst. Mit einem derartigen \Vechsel des palaeontologischen Habitus i:elit
eine Unigestaltung des petrographischen Charakters der betreffenden Schichten-
reihe Hand in Hand, da l)eide von ahnlichen Bedingungen abhangig sind. In
der Nahe der Ktisten werden Gerolle und Sande, weiter von ihnen entfernt
thoniger und mergeliger Schlamm und noch mehr seeuiirls unter der Mitwir-
kung kalkabsondernder Organismen Kalksteine und Kalkschlamni zur Ablaize-
rung gelangen und im Laufe der Zeit Conglomerate, Sandsteine, Schiefertlione,
Mergel und Kalksteine bilden, von denen die ersteren die Reste von Brak-
••r-, ja einge8ch\vemmteil Landl>e\\ohnern. letztere oceanische Fonnen uin-
schliessen werden. Derartige Verschiedenheiten des palaeonloloiiisehen und
petrographischen Habitus einer Formation bezeichnet man als verschieden-
arlige Facies derselben und zwar in dem ehen geuiihlten Beispiele als
litorale und oceanische Facies. Sehr grossartig niaeht sich diese doppelte
Ausbildungsweise z. B. bei der SteinkohlenformatioD Nofdamerikas ueltend.
In ihrein oslliclien Verbreilunusuehiete besieht dieselbe ans groben Conglo-
ineralen, \\clche nach \\eston zu in Sandsteine mil fossilen Land- und Snni])t-
pllan/.en iihergehen und besit/l in diesein Xuslande eine lilorale Facies. Noch
\\eiter nach dem Mississippi zu werden die (longlomerale und Sandsteine
\on Kalksleinen mil inarinen Hesten \ollstiindig \erdriingl. \\odurch di(> For-
VI. Historic-lit' (icoloizic-. '2(\\
ni.itinn cine orranische Facies erliiilt. In einein u;m/. almlirhen Yerhiillnisse
steht die steinkohlonliihrende \Yealdenbildung zur tinlerslen Kreideformation.
Klimatisehe Unlersehiede. .Meere>slroinungrn. gro'ssere oder gcringere Klar-
lieii des Meerwassers, mehr oder weniger belrachtlichc Tiefc und felsige,
sandige oder srhlammige BeschaH'enheit des Meerdsgmndee bedingen cbenfalls
cine zuin Theil vollkominone Verscbiedenartigkeit benachbarler Faunen, also
die Ausbildung verschiedenartiger Facies der Formnlionen.
§. c>. Alterfsbeziehungen zwischeu Formationen yon gleichem palae-
Olltologischem Habitus. Die Umgeslaltung der Thier- und IMlaii/eimell itn
l.aul'e der einander folgenden Zeitaller fand nichl gleichzcilig auf dein gan/.en
Krdenrund stall. Kinerseits \\aren die localen Verhallnisse der Umwandlung
oder Kiinxanderung mehr oder \veniger giinstig, andererscits verslrichen ge\\al-
lige Zeitriiuine, elie neu auflretendc Formen von ihrer ursprilnglichen Heimath
aus allseilig sich ausbreilclen, und cndlich ging der Entwickelungsprocess der
B»'\\ ohner isolirter (lontincnte und abgeschlossener Meeresbeeken ganx uiiab-
hangig von dein auf und in aiuleren vor sich. Daraus folgl, dass der orga -
nisctie (lharakter der Krdobei-llaehe nach \\iihrend derselben Zeilraunie ein local
\erschiedfner war, dass die Entwickelung des gesammlen Organismus an einein
Punkle bereils weil forlgesclu'ilten scin inochtt1, \\iilirend derselbe in einein
anderen Bildungsraume zurilekgeblieben war und sieh noch auf einer Stufe
befand, \\elrlio anderorts bereits durehlaufeu \\ar. Formationen brauchen deshalb |
li-oi/. Identiliit oder ausserordenllieher Ahnlichkeit ihres palaeontologischen (ie-
samtulcharaklers nicht gleicha I ter ig zu sein, konncn vielmehr unabhangig^'
von einander, spiiler oder frtlher zu derselben Slufe der Ausbildung gelangt sein.
\\"<MHi also die Rede davon ist, dass die Kreidefonnalion z. B. in Norddeulscli-
land und (lalifornien nachgewiesen sei, so soil dadureh nur ausgedrilckt werden,
d,is> sich dortselbsl (iesleinsablagerungen finden, welche zuin Theil iden-
lische, zuin Theil sehr iihnliche organische Reste unischliessen , wodiTrch sic
sich als homologe oder aequivalente Bildungen darstellen, mil anderen
\Vorlen gleiche Siufen in der Entwickclungsgesehichte der Erde repriisenlinMi,
\\iihrcnd die Frage, ob sie glcichallei 'i.u sind, nicht enlschieden werden kann.
Die durch die neuere Erkenutniss, dass gleiche Formationen nicht gleich-
allerig zu sein- brauchen, drohende Verwirrung ist nur eine scheinbare. Der I
Mm \\ickelungsprocess der Krde nahm im Allgemeinen Uberall denselben Ycr-
lauf und durchschritt Uberall dieselben Stadien. In Folge davon findet. selbst
in den wr.it gelrennteslen Bildungsriiumen ein und dieselbe Ubereinslimrnende
Licset/iiiiissige Aufeinanderfolge von Formationen stall, soweit dieselben Uber-
haupt zur Ablagerung gelangt sind. Daher besitzen aequivalente Formationen
gleiches relatives Alter; die devonische Formation ist Uberall, wo man sie
krnnt, jiinger als die Silurformation und alter als die Sleinkohlenformation, sic
lagert deshalb dort, wo alle drei vertreten sind, zwischen den beiden anderen ;
die Tertiarformation ist in Asien, Amerika und Europa fast die jUnste, die
laurentische Gneissformalion die alteste, also unlersle aller Fortnalionen. ()l»
aber z. B. die nordamerikanische Devonformation einige Millionen Jahre frUher
oder spater als unsere deutsche zur Ablagerung gekommen ist, kann uns gleich-
N I. Ili^tonsche
scin, dii wir j.i in der BntwickellingSgeschichte der Krdr iiberhaiipl keine
Anbaltspunktfl zur Auwrmlmii; absoluler /eitniaasse besil/.en.
§. 7. VnlmltspuiiUe fur die licisfiiiiuiiing des geoloirisrlicn Alters
von Schichtencomplexeil. Aus dem Inhallc dcr letzten Seiien gdii hen or,
i|.i-> /.ucierlei Hiilfsmillcl zu Gebote stehen, um d;is ueoIoiMsehe Alter cincs
Sebicbtencomplexies odcr eincr eiiuelncn Schicht, also dcren Zugehoriizkcii zu
finer dcr Formationen, in \velche wir die sedimentare gesammte Schichtenreihe
iilicdcrn, zu eiitscheiden : die Vers tcin erungsf Uhr uni; d$r peiaeontologische
Habitus) und ilic L;i ,m-r u ngs verhalln i ssc. Da letztere nur dorl zur (icl-
tunu i;clani:cn konnen, wo inchivrc Forniationcn in vcrgoscllscli;iftcU-r I.aiicriuii:
,-uiltrelrn, \\crdcn in den nieislen Fallen die ori-anischen Restc, wclchc dcr
fragliche Schichtencoinplox uinschliesst, den Ausschlair ycbcn mtisscn. I);i j(>-
doch die Yeranderungon des Gesamnileharakters der vorweltlichen Faunen und
Floren \\cdcr ruckwcise statlt'andcn, noch sich in einer vollstandigen Verdriin-
1:11111; des bisher Beslandenen dureh neue Erscheinungen kundgalicn, vielmehr
nur einzelne Foruien neu auftraten oder sich Ciir aussterbende, ihnen nahe \cr-
wandte Arten einslelllen, so sind auch nicht alle fossilen Resle einer Forma-
tion charakleristisch fiir dieselbe. Diejenigen aber, deren Exislenz aid' einzelne
Perioden besclirankt war, \\elche also beslimrnten Sehichlenconii>lc\en gan/.
ausschliesslich angehoren und somit fiir diese letzteren bezeichnend sind, nennl
man Leitfossilien. So sind die Nunimuliten Leitfossilien der Tcrtiiirronua-
tion, die Hippurilen der Kreideforniation, die Belemnilen der Jura- und Kreide-
fonnation, die Sigillarien und Sligmarien der oberen devonischen und der Stein-
kohlenforniation, die Graptolithen der Silurformation.
Friiher glaubte man in dem petrographischen Character der Fornialionen
bezeichnende Merkmale zur Identified rung derselben zu besitzen. Fiir locale
rnteisuchungen giebt /war die Ahnlichkeit der Gesteinsbeschaffenheit glcicher,
aber gelrennt auftretender Formationen einen wesentlichen Anhaltspunkt ab, -
im Allgemeinen jedoch besitzt der petrographiscbe Habitus einer Schichtenreihe
an und fiir sich keinen Werlh bei der Altersbestimmung derselbeu. Einer-
.seits wiederholen sich nchmlich genau dieselben Sandsteine und Kalksteine zum
Theil auch Mergel, Thone und Conglomerate in fast jeder Formation von der
allesten bis zur jtingsten, besitzen also nichts Characteristisches fiir eine be-
stimnite Elage, - - andererseits bleibt der petrograpbische Habitus eincr \\cil
ausgedehnten Ablagerung selbsl in horizontaler Richtung nicht constant, hat
vielmehr an verschiedenen Punkten ihrer Verbreilung cine durchaus verschiedcn-
artige Ausbildung erlangl. So mag eine Schichtenreihe von Conglomerates in
ihrer Streichungs- oder Fallrichtung in Sandslein, dieser in S-hieferlhone und
Mergel, und diesc endlich in Kalkstein iiberuehen. Noch entscbiedener trill
die Vertjchiedenarliiikcil der ficstcinsbcschiin'cnhcil ulcicher Formationen hervor,
wenn deren Ablagerung in getrennten Bilduiiiisriiumen \<>r sich ging, \\olin
die petrographische Unahnlichkeit der Gesteine, w;elche die Kreideformation in
ihi-cii verschiedenen VerbreUongsgebieten zusammensetzen, ein trcll'liches Bei-
spiel liclcrt. Auf RUgen, bei Calais und Dover isl weisse Schreibkreide mil
Fcucrsteinknollen, in der sSchsischen Sehweiz Sandstein, in Hannover und
\ I. llistorisrhe (Icolo^ie. "2(>'.>
Braunschweig .Mergelkalk und plastischer Thon, in Frankreieh, Hekien und dem
osllirhen Nord.imerika Glaukonitmergel. im weMlichen Calil'ornien kr\ ^tallinisclier
Sehiefer das \<>rw allehdc .Material der Kivideformalion, eine griissere Schwan-
kung in dem pelroiiraphi.schen Charakter also kaiim denkbar. Dennoch gebcn
sieh alle diese \erschiedenen Ablagerungen dureh die gemeinsame Fiihrung ein-
/.elner identischer and zalilrciclicr nahe verwandler Thier-:und IMlanzenformen,
so namentlit-h dureh ihren Beiehlhum an gewissen Cephalopodengeschlechtern
wie Seaphiles, Crioceras, Anc\loceras, Baculites und Turrilites als gleiche Pliasen
in der Knlwickehinusgeschichte der Krde, also als gleieho Formalionen zu er-
. I'berhaupt abcr zeigen die organischen Besle verschiedener Ablage-
eine urn so grb'sserc Verwandtschaft, je naher sie sich in der Aufein-
i der Sedimenliirformalionen slehen ; so haben z. B. Jura und Kreide
die Familien der Ammonilen und Belemniten, - - Silur und Devon vielc Trilo-
biten und Cephalopodengesehleehter gemeinsam, Silur und Kreide aber
nichl die gcrinpste Ahnlichkeil. In diesen Beispielen Irill die Wichtigkei^
welche die organischen Besle einer Formation i'lir deren Altersbestimmung
und Yergleichung mil anderen entfernlen Ablagerungen besilzen, am sprechend-
sien vor Augcn.
So entscheidend der palaeontologische Habitus fur die Slellung eines Schich-
lencomplexes in der Formationsreihe, fUr das geologisehe Alter einer Formation
is|. so lassl uns doch dieses Kriterium in ue\\ issen Fallen in Slich. So giebl
es Schichtencomplexc und /.war solche von ausserordentlicher Machtigkeil,
\\ahretul deren Ablagerung organisches Leben noch nichl exislirle, oder, falls
bcreits crslanden, noch cine sehr unbedeutende Bolle spielte. Jedenfalls sind
in diesen altesten Formationen der Erdkrusle Besle, deren Ursprung vollkommen
/.weifellos ein organiseher \v;ire, noch nichl bekannl. Auf sie kann das Haupl-
kriterium filr die AHersbeslimmung von Sedimenlargesleinen, ihr palaeonlolo-
uischer Habitus keine Anwendung finden, jedoch sind ihre La gerungs verbal l-
nisse, ihr Auflreten an der Basis aller Formalionen, im Verein mil ihrem
eigenlhUmlichen und sich auffallig gleichbleibenden pelrographischen
Charakler Erscheinungen, welche sie auf das Unlriiglichsle kennzeichnen.
Ganz Ahnliches ist bei zahlreichen anderen Schichlencornplexen der Fall,
welche entweder /.MI lirhaltung von organischen Beslen nichl geignel vvaren,
oder deren lUldung unter Verhallnissen vor sich ging, welche organisches Leben
In.-.d aiisschlossen. Unter solchen Umstanden geben die Lagerungsbeziehnnu' n
dei Ira-lichen versteinerungslceren Schiehlenreihe zu anderen versleineruii|4s-
lUlirendcn den Ausschlag bei der Entscheidung uber ihre Zugehorigkeit /.u dcr
eincn oder der anderen Formation. Diese Melhode der Altersbestimmung be-
ruhl auf der Thalsache, dass die Aufeinanderfolge der Formalionen Uberall die-
selbc ist, dass also uquivalente Formationen gleiche Stellung in der gesammtcn
Schichlemcilie, also gleiches relatives Alter besilzen. Trill z. B. cine machlige
veiMcinerungsleere Schichlenreihc- /wischen der oheren Silurformation und der
unteren Steinkohlenformalion auf, so muss sie der Bepriisenlan! der devonisehcn
Formation sein, welche sieh an einer anderen Stelle dureh ihren Reichthum
an gevvissen Korallen (z. B. Calccola, Cysliphyllum) und Brachiopoden (z. B.
•H\ 1 M. lli>|Mi-isdii> (i
Stringocephalus, Spirifer. I'ndles . ,m einer nodi anderen (lurch d;is ,mssdili<
liehe Aiil'tivlrn \oii abenleuerlieh geslallelen Fisdien Cephal.ispis. IMeridilhys.
llnloplydiius kenntlieh madil.
§. R. (iliederuiii: der Entwicklungsgescliichte und der entsprechon-
den Schichienroihe der Erdkruste in Periodeu und Formationen. Vue
bereils IVilher, namenllieh ini Paragraph 2 erwahnt, haben die Yeranderungen,
\\ddie die phvsikalisdien YerhiilliUsse derKrdobei'lliidir \\;ihnMid ihrer aMmiihlieht'ii
lleraiishildung /.u Mirer jcl/.ii;cn (icslalluni: crliltcn, ilircn Ausdruck in der slc-
tcn Ycrmdirunu dt-f T\pcn und in der Yervollkommnun^ des (lesaniinldiarak-
ters dei- die Erde bevblkernden Tliier- und PflanzengestaHen uefundcn. Naeli
den \\esentlidisten Verandcrungen des lel/.teren /erfallt die Knl\\ iekelunusuf-
sdiidile der Krde und Mirer Be\vohner in eine Anx.alM Perioden, \veldie C|HMI-
so\ iel Forinalionen (Milspredien. Diesi-r ICnl\\ ickduniisprocess des orsianisdien
Lehens ist in foliiender Tahelle tiraphisch dargeslellt, in welcher die vertiealen
l.inien die wiehtigslen Thicr- und Pflanzentypen und die horizontalen l-'elder
die Zeitabschnitte re|)r;isen(iren, in welehe die (jesdiidite der l-lrde in Fokc
des stui'enweisen Erseheinens der ersleren /erfa'Ml sielie [)au. 1^''> .
Mil dem aMnialilichen Krscheinen hoher organisirler Formen auf deni Krd-
ItaMe i;(>hl eine Anniiherunii des vorweltl ichen Gcsaminl e lia ra kt e r.s
an den der .letztwell Hand in Hand. Von dem Leben in dem altesten
aller Oeeane, avis \velchcm sich das urspriingliche Material der laurenlisehen
(ineissfonnation niedersehlug, sind uns zu undeulliche und fragliche Spuren
erhalten, um allgemeinere Schliisse zu geslatten. Ausserordenllich fremdailiu
aber und einein I.andschaflsbilde unserer Tage wenig vergleichbar war der
irdisehe Sdiauplal/, wahrend der silurischen, devonischen, carbonischen und
(hassisehen Formation. Abenteuerlichc Formen, wie die Trilobiten, die
(iraplolithen. (Ijslidecn und gepanzerten heterocercalen Fische bevolkerlen die
Oeeane, \\abrend die Continente anfan^lidi naekt und lodt waren ; erst spiiter
liedeckten riesenhafte Fame und Schachtelhalrne in ausgedehnten Dschungeln
und in iippiuem Waehslhume das Feslland. Die l^ntwiekelung der Reptilien.
das Dberbandoehmeo der Cycadeen und Coniferen, das ZurQcklreten der (Ie-
ffiisskryptogainen, das Erscheinen der ersten Saugetliiere und Yb'trel, sie berei-
ten sehon auf die dem Auftrelen des Menschen vorausiiehende I;.nt\\ ickluiius-
slufe des organischen Rciches, auf das Zeitalter der Palmen . auiiinspermen
Dikpiyledonen und riesigen Saugethiere \or. Nach dieser ihrer grbsseren oder
geringeren Almlidikeit \hres palaeonloloL'isdicn (lhai-akters mil dem der .ld/,t-
\sclt \en-inigl man die ein/.elnen Fnrmalionen x.u \ ier (iruppen :
IV. Die kaenozoische Formationsgruppe, bestehend aus Alluvium, I)ilu\ium
und Tertiiir;
III. Die mesozoische Formationsgruppe, bestehend aus Kreide-, Jura- und
Triasformation ;
11. Die palaeozoische Formationsgruppe, bestdiend aus l)\as. Sieinkohlen-,
I)e\on- und Silurl'nrmation :
1. Die azoJSChe Formationsgruppe, bestehend aus der huronisehen Sehiefer-
\ind der laurentiselu-n Gnei.ssforiuatiun.
VI. llislonsrhi1
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CarhonisclH'
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Dcvohiscln-
Formation.
Silurischc
Formation.
Huroniscbe
Formation.
Laurentische
Formation.
Periode
<\c- I)omiiiii'<'n> ilcr
Wni-ml)liJtri-. Mn/.iiLilicli
ilrs MIMI-I-III-II.
des Dominirens der An-
^io^pennfu und drrSau-
L'fthifi-e ; der cr-l-'
llensoh.
de-< UaXimiUDfl der I'.nt-
\vicklunji der Coniferen,
Cycadeen und Reptilien :
die ersten Vogel und
Saugethiere.
des Maxinmins der hiit-
Nvicklungder Gofasski'N p-
tojzamen; die ersten Ani-
phibien und Reptilien.
des Dominirens der \\ir-
bellosen Thiere ; ziemlicli
zahlreiche Fische (Pan-
zerganoiden) ; die ersten
Gt'fiisspflanzon.
der ausschliesslicliiMi Al-
i.'cn und wirbellosen
Thiere; die ersten ver-
einzelten Fische.
der ersten, noch zweifel-
haften Spuren organi-
schen Lebens.
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Auf der anderen Seite li.it man die ein/.elnen Formalionen narli iierini;-
I'iliiiueren Srh\\ankuni:en , \\elche sicli in dcin oriranischen Charakter ein/elner
Schichtencompleie kundueben. in \\eiiere Unterabtheilungen, Fta^-n mid Xonen
uebraeht, fUr deren jcdr LICNN issc I'llan/cn- und Tliicrfornicn oliaraklcrislisrh sind.
al.sd als I.cilfos.xilicn dicncn kiiniKMi.
Daiiacli izlicdcrl sicli die Licsaiiiintc Schicbtenfolge dci' l-lrdkruslc , sowril
sic IMS jcl/.t Itckannl isl, \\ic in licifol^cndcr Tahcllo wicdcr^cizclx-n. Dicsrlhc
\\inl in don konuncndcn Ahsclinillcn ihrc Krkliiruni' linden.
(.linlcrunsr dor sediinentiiren Schichtenreihe.
Kaenozoische Pormationsgruppe.
A 1 1 IM i u ni.
I> i I il v i n in.
Terli a rfo rmat ion.
Pliociin,
Miociin,
Oligocan,
Mesozoische Formationsgruppo.
k roict eforination.
Scnon,
Turon,
Cenomari,
I,, Mill.
Ncocom oder Hils, nehst VVealrlon.
.1 u ra for mat ion.
Oberer oder woissor Jura (Malm ,
Mittlerer oder hrauner Jura Do^er ,
I'nteivr oder sch\\arzer Jura (Liasy.
T r i a s f o r in a t i o n .
Keuper,
Mnscli,>lkalk,
Buulsaodsteio.
Palaeozoische Formationsgruppe.
I'er in ist-li <> Formation uder Dyas.
Zechsteingrappe,
Rothliegeode^.
(larboni se he oder Slei n k oh le n formal ion.
Product ive Sleinkohienfdrniation,
Fldlxleerer Sannstein (Millstone yritj,
Culm und Kohlenkalk.
|)e\onische Formation (Old red Sandston«- .
S i Inri sehe Formation.
Azoische Formationsgruppe.
Huroni.sehe S e li i e 1'e r I'o rma t i o n mil der cambrischen Form. .
Laurent isc% he (J neissformal ion.
VI. Hislonsehe (iedld^ie. "207
Ahsfamiiiuim mid t'riihexler Xustand tier Erde.
Kanf.-rlie IKpolhese.)
luser uan/es Planelens\slem \erdankl sein Dasein einer einheillichen
Knlstehuni:. In seineni urspniiiLilichen /ustande \\nrde dasselbc durch einen
\un West nach Ost rolirenden Nehellleek von uugemein holier Temperalur rr-
prasenlirl. (lessen renlralen Kern die Sonne bildete und dessen iiusserste (iren-
y.e \\eit iiher die Halm des entfernteslen unserer heutigeu Planeten hinaus-
reidile. Duivh YA'anueausslrahluni; in den kalten Wellenraum orfolule seine
Al»kiililnnu. somit Zusaininen/.ielmng and in Folge davon Beschleunigung der
Uoi.ition des rrnelx'lflrekcs. Sohald alx-r l(>l/.tere eine gewisse C.ivn/e iilx-r-
sehritl. trat die Bilduni; von aequatorialen Ringen ein. seiche in Folgc unglei-
eher Hesehall'enlieil und Erkjdtung zerrisscn und sich in eiim-lne Ncbelhallen.
deren jeder \on \\Cst nach Osl rotirte, auflosten. Aus jedem der let/.teren uini:
ein Planet ln>r\or, jedoeli konnte sich bei jodoin dersdben der nolmilidie Vor-
uanu der Kiniibildung wiederholen , — daher die Trabanlen der Planeten und
die Salnniriiige.
/.n den enlscheidenden He\\eisen fiir dio Richligkeit dioser von Kanl zuersl
,ni>L:es|M-oc|ieneii . \on l.aplaee 41 .In lire spiiter \\iederliollen, \\tMin aueli sell)-
i;e\\onnenen Tlieoiie grhort die I'bereinsliininung der Revolutions- und
nii der IManeten, die geringen Nei^unuen und Ivxcentriliiten ilirer
Halm, die K\islen/, niclil eonsistenler Satnrnrin^e, die gegeiiNViirlige gluthflttssige
HesehaH'enlieit der Sonne. die speelral-anaK tiseh naehuewiesene Ideiilitiit ge \\is-
>er. den Sonnenkorper x.usanmiensel/.ender Klcinente mil solchen unserer I'irde
mid endlich die Gleic'hartii-keil der Bestnndlheile der Meleoriten und dei;jein>'n
inheres I'laneten.
Von der kant'selien Thettrie ausgeliiMid, lassen sich bei t'ortdam-rnder \\ Jinne-
.ni»tralilunu naeh /olliier fUnf Knl\\ ieklnngs|)liasen der von den erwahnten
Nebelballen alisl.uiiineiiden Weltkorper imlej'scheiden :
1. 1 si,- Phase, die des gliihend-gasi'orm igen Zuslandes, reprasenim
dureh die planetarisclien N'ebel.
/ \\eite Phase, die des gltihend-flUssigeii Zustandes, reprasentirt
dureh die l;i\sterne mil constanter Helligkeit.
Phase, die der Schlackenbi 1 dung oder der allmtthlicheo I'-"'
einer kallen. nicht leuchtenden Oberfliiche. Im Stadium
des Ubergaiiiies ails der /\\eiten ill die di'ille I'hase beliudet sich die Sonne.
Die dritle Phase \\inl reprasenlirl dureh die l;i\slerne mil \erandcrlicheml.ichl
i:lan/.e und mil rothcr, ihrem Rothiiluth- Zustaude enlspreehender Karbe. Dei
rberuani: \ou der drillen x.ur \ierlen Phase \\iirde sich bei einem Fixsterne
imserem Hlicke dureh sein allmahliches \"erseh\\ iuden bcmerklieji machen.
Yierle Phase, die der ue\\ ;illsamcn /crbersluug der Dereita erkal
lelen Oberllache dureh innere (iliithinasse und dadurch bedingle Kruption der
lel/.teren; ein KreiLMiiss . \\elehes sieh (lurch das plotzliche Aufleiichten eines
neuen Sternes otl'enbarl.
Fiiut'le Phase, die der rorlschreitenden Verdiekuni: der KrstarruiiizskrustCj
VI. Histntisrhe
;mf weleher sich die \Yasserdilnsle condensiren , mid sehliesslich \ollige Krkal-
lung des llimmelskorpers.
I'nsere Krde hat die \ier ersten Sladien des kosrnisehen \''.\\(\\ ieklunus-
proeesses duivhlanfen und ist in die fUnfte Phase eingelreten. - ein Krgebniss
BStrottomischer und astrophysischer Beobaohtongeb , v\elehes die Geologic in
drr Geslall. dciu speeilischen Gevsiehle. den TempgraturverhaltnisseD des Inneren
der Krde bcsliiligt sieht.
b) Foriiialioiisklire.
Die Fundamental -Formation vErstarrungskruste ,
Der Begrifl' eines Meeres, aus welcheni sich die erslen Sediniente nieder-
schlugen, setzt einen feslen Boden voraus, auf \\elchem es sich aushreilen
konnle. Niedersrhla»e erfordern ein Fundament, Sedimenle, nioijen sie aus che-
inischer Solution oder mechanischer Suspension resultircn, niUssen ihr Material
praeexistirenden Gesteinen verdankcn. Aus alien dicsen Belrachtungen folgl,
dass die ganze Rcihe der sedimenlaren Formalionen von einer noch alteren
niehl sedimonta'ren Gebirgsfonnation. der Grund- oder Fundamental-For-
in a lion gelragen \verden muss, und diese kann nicht anders gedaehl \verden.
denn als urspriingliche Erslarrungskrusle des einst glulhflUssigen l^nlhalles.
Ks erscheinl XAveifelhafl, oh diese primitive Kruste irgend^o an der Krd-
oherfla'ehe unserer Beobachlung zugiingig ist. Vielleieht miissen die untersten
Gneisscomplexe der laurentisehen Formation als die Producte der oberflachlirlien
Erstarrung des gluthflilssigen Planelen angesprochen werden, doch selbst, \\enn
\\ir von dieser Moglichkeit absehen , sind wir im Stande, gewisse Schlllsse auf
ihre minero-chemische Zusammensetzung ziehen zu kb'nnen. Die Masse unseres
Krdballes, seine atmospharische Hiille mil eingeschlossen , ist von Anfang an
his jetzl dieselb(> gel)lieben; sein Material hal sich weder verringert, noch.
\\eiin wir von der geringftigigen SubstanzzufUhrung durch Meteorilen abslraliiren,
Ncrmehi't. Neubildungen von Gesteinen beruhen vielmehr uur auf Umgeslal-
tnnii von frilher vorhandenen Felsarlen mil Hiill'e der Gewasser nnd Almo-
sphiirilien, oder auf Erstarrung von gluthOiissig emporsteigenden Gesteinsmassen.
Das .MahM'ial jeder jilngeren sedimentiiren Formation geht somit aus der Zer-
slbrung und Regenerirung allerer Schichten , sovvie der Eruptivgebilde hervor.
\\elehe sich in/.wisehen her\ orgedrangt haben. Dit* gesammte Sfhiehlenreihe
von dem altesten Complexe l)is zu den Absiit/en unserer Ge\\;isser \erdaukt
deshall) die llaiiptmasse ihres Materiales der Xei'storung. Aufbereitong und Ver-
arbeitung der ni'spriingliehen KrstaiM-nuiiskniste. Diese let/.tere muss deslialh
di<' Suiiinie der Suhstan/.en enthallen haben. aus denen die sedimenliire Kor-
mationsreihe aufgebaut ist. Der vor\\ altende Hestandtheil der (iesammtheit un-
serer Sedimentiirgesteine ist die Kieselsiiure. Dieselbe nimmt zum Theil in
der (iestalt von Qua r/. als Onarxil. Sandslein und Sand, /.inn Theil verbniiden
mil Biisen in der Form von Silieaten einen so \orhen\sehenden Antheil an der
VI. Ilistorisrho <Joolo<;ie.
200
/usammenset/ung der Schichlen . dass alle Hasen zusaimneiigenommen nur
Bruchtheile des Belraues dieser Siinre siiul. Kieselsiiure sowohl, wie Basen
entstammen /.inn griissten Theil der Krslarningskruste der Erde ; \\eil aber
dieselben in dem nrspriinglich glilthfltissigen Ziislamle unseres IManelen niclit
neben einander beslelien kdiinlcn. nhne Silicate /.u liildcn, so muss die II;uij)l-
iBgskrastjB aus Silii-aten und zwar der Uberwiegenden
aus saner en Silica ten bestanden liahen.
A. Die azoische Formationsgruppe.
(Primili\(\ vorsilurische, eozoisrhe Formationen ; Urgebirge.)
Die a/oisc-lic Fonnalionsgruppe l)esleht aus einer ilber 30000 M. rniirh-
Sohichteiureihe von krvsUilliniselien Gesteinen, und zwar in ihrer unteren
lliillte \or\vaIhMid aus Gneissen , Hornlilendeschiefern , Quarziten und krystal-
linischen Kalksteinen, in ihren oberen Nivcaus namentlich aus Glimmer-, Chlo-
iit-. Talk- und Thonschiefern, zutn Theil auch Conglomerate!!. Charakteristiscli
fiir dicsc Formationen isl ihr Reiehlhum an gleichalterijien Erzlagerstiitten. Or-
ganise he Heste sind nur in den oberslen Horizonten derselben mit Siclier-
heit oachgewiesen , sind jedoch sehr sparlic'h und bestehen in den AbdrUcken
einiger Fucoiden , ferner den Resten einiger Crinoiden und Spuren von Anne-
liden. Amli in den Kalksteinen der tieferen Niveaus glauben einige Geologen
Heste sehr niedrig organisirler Thiere (Eozoon) erkannt zu haben, — eine An-
sieht. \velehe \iel \\iderspruch erfahren hat, — und schlagen deshalb vor, die
his dahin als azoisch bezeichneten Schichtencomplexe , weil in ihre Bildungs-
x.eit die Morgenrothe organischen Lebens gef»llen sei , »eozoisch« zu nennen.
Hedelberg
Wetterberg
Silberberg
Fig. 45. Profit d«s Gneiss- end Glimmerschief^rgAbiet^s bci Tischenrenth und Waldsassen im Bayerischen
Waldgebirge.
,
\> (ilimmergneiss,
c Granulit,
d Serpentin.
p Hornblemiegnpiss,
f Sj^nititicher Granit,
Laurentische Gneisgformation.
±c"reCKfer' }H«ronische 3ohieferforB,ation.
Die azoische Formal iniisiinippe lagert als Product der Thiiligkeit des uriil-
lesten Meeres umiiitlelbar auf der Erstarningskrnsle der Krde auf, ohne dass
ihr (loiitart bis jel/.l beobaclilet \\nrden \\iire. und \vird von den versteinerungs-
fUlii'endeu Schiehten der nnlersten Silurformation ungleiehformig (ibei'lagert.
wodurch beuiesen \\ird. dass sie \nr dem Silur zur Ausbildung gelangle.
Hire Verbreitung scheint sieh liber das gan/e FrdtMirund zu erstrecken, jedoch
ist sie zum gi-ossen Theile dureh Iberlatienm^ jilngei'er Formationen \erborgen.
270 VI. Ilislorisdie
Nadi bereits angedeuleten petrographiscben rnlerschieden diedort sicli die
a/.oische Gruppc in
II. die huronisdie Sehieforforination,
I. die laurentisdie Gneissfonnation.
Die laurentisdie Urgneissformation.
Petrograpllisclier Charakter. Das Gesteinsmalerial dor laurentischen
oder rruneissforrnation . der iillesten, unseren Beobachtungen zugangigen sedi-
mentaren Sdiiohtongruppe , bosloht wesentlich aus Gneissarton , welche durch
Abiinderungen in ihrer Struclur auf der einen Seite in die entspreehenden
Schiefcr, auf dor anderen in granitische Gesloine Ubergehen, oder mil solchen
\vedisellagern. Untergeordnel treten ausserdem zwischen den horrsdiendon
Gneisson kr\slalliniseher Kalkstein, Dolomit, Quarzit , Serpentin, Magneteisen-
stein und Graphit in Lagern und Zonen von grosserer oder geringercr. oder
mohr oder weniger gleich bleibender Machligkeit auf.
Die zahlreichen Varietaten des laurentischen Gneisses lassen sich in x,\\ei
Hauptgruppen, die Glimmer- und Hornblende -Gneisse, zusammenfassen . jo
nachdem ausser Feldspath und Quarz entweder Glimmer oder Hornblende als
driller \\esentlicher Gemengtheil vorhanden ist. Das gewbhnlichsto , in alien
Verbreilungsgebielen vorwaltende der laurentischen Gebirgsglieder ist dor Glim-
mergneiss in alien seinen durch Abiinderungen des Gefiiges bedingten. in dein
petrographischeu Theile dieses Lehrbuches bereits beschriebenen Modifikationen.
Man hal deshalb besonders flaserige,* schieferige, lagonweiso zusammengosot/lo und
slongoligo Gneisse zu unterscheiden. Die Zahl dieser Varieliiten \vird nodi daduivh
\einiehrt, dass, iihnlich wie Hornblende, auch Chlorit, Talk und Graph it fur den
Glimmer eintreton, gewissermaassen Vicariren kb'nnen. In Folge davon erscheinen
neben dein Hornblen degne iss, freilich moist nur unlorgoordnot, Chlorit-.
Talk- und Graphi I gneiss in zonenartiger Wochsellagerung mil dom Glimmor-
iineiss. Auch Dichroit kann sich als \\esentlichor Gemengtheil zu Quarz, Feldspath
und x.uriiektrelendem Glimmer gesellen und dann mil diosen (so bei Bodenmais
in BaNcrn und in: siidisischen Granulitgebirge) Dichroit gno iss bilden.
Durch Xunahmo des Glimmers nirnmt der Gneiss schieferige Struct nr an
und gohf durch gleichzoitiges Zurtlcktrolen des Koldspaihes und Ouar/t^s in
Glimmerschiefer uber. Auf der anderen Seite kann der Gneiss seine I'arallel-
slructur \oll.sliindig \erlieren. indein die Glimmorbliittchen cine ganx. re^elloxe
I. age annehmen. In l;olgo dieser Veriinderung dos Goftiges gehl dor Gneiss
x.uorsl in Gneissgranit und endlich in x.uin Theil selbst porphyrartij-'on Gran it
iiber. Belcher dann in miiditigen I'arallolmasson x.\\ ischen dein (ineisse einge-
lagoil und x.uin Theil (lurch ("beruiin^e mil ilnn ong vorknilpfl ist. Die I'.i-
sdieinung. dass der (ineiss in Fol^e des N'erlnsles seiner I'arallelstructnr in
Granit , so\\ie iimgekelirt durch riu-rhandnehmen des die Parallelslruclur be -
dingendeii Minoralos in Glimmerschiefer iiber^ehl . dieselbe l^rsdieinung sehen
\\ir sidi bei den Hornblende-. Talk-. Chlorit- und Graphiti:neisson uiedei'liolen.
VI. Historische Geologic. 271
I'.s stehen also die hetretlenden M'hieferiiicn mid granitisclien (iesteine in dem-
selben Verha'ltnisse /u den enlsprechenden Gneissen, \\ ie Glimmersehieler mid
Granit /HIM Glimmergneiss. Dureh solclie juif allmahlicher Anderung des Gefiipes
heruhende Dbergttoge isl der Ke\\eis ijelielert, dass die Meiirzahl der mil dem
(ineisse \\ erlisellaiiernden (Iranite der laurentischen Formation gleichen Zeiten
mid iihnlichen BUdungSprocessei) ihren Unsprung verdanken wie die tibriuen
Glieder dieser Gehiriisforinalion, dass sic also nicht als Laiirrgilnge und somit
spiiten injicirle Eruptivgestelne gedeutet wenden dtlnfen.
Dass das Misehunusverhiiltniss den Gemengtheile den zur launenlischen
('•neisslamilie gehorigen Gesleine aussenondentlich vaniirt, und dass in Folge
da\<in ganz neue Felsanten enzeugt wenden, tnilt besondens in dem Venwandt-
sehat'ts\erhallnisse des Gnauulites zum Gliinmensclnefen lienvon. Wie sich
duneli Mehrung des Glimmers aiif Kosten des Feldspathes und Quanzes aus
dem (ineisse (llimmenschiefer en t \vickelt, so entsteht dunch Verschwinden des
Gliinniens (iranulit. Dieses Gestein besleht nun noch aus linsenfonmigen, la^en-
arti^en oden schiefenigen Lamellen von Onthoklas und Quanz, kann aber dunch
das Hin/ulivten von zaldneichen Glimmenblattchen wiedenum in Gneiss tlben-
^ehen. Dieses dem Gneisse so nahe venwandte Gestein enscheint hien und
da im (iebiete den laurenlischen Fonmation als untergeondnetes, regelmiissiij;
eiliiiesehieliteles GebiniZSillied (Fig. 46), SO
-l>ei Aschallenlmng, im Egenlhale, bei Knumau
in Buhmen. kann aber auch weite Yon-
breitungsgebiete fun sich allein einnehmen,
so im siichsischen Granulitgebiete. In
Seliotllaild und Skaildinavieil Spiell die Fig. 46. Gneiss a) nnd Granulit b) in regelmassiger
, Wechsellagerung bci Rodenbach im ostbayerischen
II ii 1 1 e fl i n t a erne nicht unbedeutende Grenzgebirge.
Hdlle als (iestein der launeiUischen Fonmation. Dieselbe ist als eine sehn feinkdnnige,
diehl erseheinende .Modification der Gneiss-Granulit-Gesteinsreihe zu betnachlen.
filter den untergeordneten Gebingsgliedenn der laurentischen Fonmation
isl der k r\ s t a 1 Ii n i schc Kalkslein das intenessanteste. Dieser bildel his
:{ oder ini) Meten machtige Schichtencomplexe zwischen dem Gneiss, /eiclmel
sich dnrch seine krystallinisch kbnnige Struclur, sowie durch seinen Reichlhum
an accessorisehen Mineralien, von allem an Vesuvian, Granat, Epidot, Apatit,
/irkon, Turmalin, Flussspath, Gnaphil, Kupfenkies und Sclnvefelkies, May-
netei.M'iistcin, Tilaneisenstein, Xinkoxyd aus. Viele den laurenlischen Kalk-
sleine sind dolomitisch, seltener sind reine D(»lomito. Sie sind zum Thcil anl
das deiitlichste gcsehicliiei, \\echseln mil Lagen von Quarzit und Hallellinl.i
alt. tihalleii /ii\\eilen eine bandarlige Parallelstruclun dunch das zonenweise
Auftreten der erwiilmtcn accessorisehen Mineralien, hauptsiichlicli von Graphil.
Serpentin. l'\n»\eii und Apatil. /\N ischen Gneiss und Kalkslein iindel oft
eine eii^e VenknUpfuni: durch Weelisellagemng von schwMchenen Gneiss- und
Kalksleinlaiien stall. (Jan/ analog der Lageruni:s\\eise des kryslallinischen Kalk-
steins isl die des Kryolithes zwischen gnniiliindisch.-n (ineisscn. Quarzit,
glasig, ktirnig oder schiefenig (Fig. 47) und ebenso Senpentin tneten in
his Uher 100 Meter miichti^en. mei>t scharf gcschichtelen Zwischenlagern, der
272
VI. lli-tnnsclic
Serpentin nieht .seltcn \ un Chlorit- und Talksehiefern hedeitet, in ;illen Ilori/.onten
der laurentischen (ineissivihe aid', \\iihrcnd Graph!) und /.war enlueder y.iem-
lich rein oder mil thoniiier Snl>-
sw
stan/ gemenijt und dann hiiuli.u
M-hiel'erii:.. llot/arti^e Kinlai:ernn-
lien hildet. Besonders bedenl-
sam fiir die sedimenliire Enl-
stehungsweise der laurentischen
f/ / (' f ' i ' f
Gesteinsreihe isl das Vorkommen
Fig. 47. Profil dnrch den Pfahl i in ostbay e r i sc h e n /^ i
Grenzgebirge. VOI1 C O II g I O 111 C 1' a I e II Itllier-
a. Gneissgranit in Augengneiss ubergpheiul. i lu J 1U T r< II
b. Halleflinta mit Orthoklas-Ausscheiduugen. halb dersclbcn. Ill Canada DCO-
I: Qu'arSde" p!ffi£' bachtelc man einen Uber 300 Me-
f.' Sic^SZt^iss. ler machtigen Schichtencomplex,
in welchem abgerundete Su-nit-
und Dioritfragmente von einem mehr oder weniger vorwaltenden, (piar/iiien.
lilimmerreichen Bindemitlel zusammengehalten werden, in Michigan mehrere
Conglomeratlager, welcke aus Rollstilcken von Gneiss, Granit und Quarzit in
talkig sandiger Grundmasse bestehen, in Vermont eine Zone von ganz aim-
lichen Conglomeraten, bei Kongsberg conglomeratahnliche Sandsteine, welche
mit laurentischen Gneissen und Schiefern wechsellagern .
1-jn sehr gewohnlicher accessorischer Gemengtheil der laurentischen
Gneisse und zwar vor Allem der. Hornblendegneisse, sowie der Syenite ist
Magneteisenstein, welcher sehr gewbhnlich die genannten Gesteine in feinen
Kbrnchen impriignirt. Manche Zonen, ja einzelne Schichten der Gneissforma-
tion, mbgen sie nun aus Gneiss oder aus ihm verwandten Gesteinen bestehen,
sind dadurch als erzfiihrende Gesteinszonen ausgebildet, dass ihre Gesleins-
massen oft in meilenweiter Erstreckung mehr oder weniger reichlich mit Erz-
theilchen impriignirt erscheinen. Solche, dem Streichen der Formation parallele
erzhaltige Schichtenzonen heissen Fallbiinder. Die Mineralien, welche in
ausserst feinen Theilchen, gewissermassen wie Wolken von Krzpartikelehen
in das Gestein eingesprengt zu sein pflegen und auf diese Weise Veranlassung
/ur Bildung von Fallbandern geben, sind hauptsachlich Magneteisenera, ferner
Schwrefelkies, Kobaltkies, Kupferkies, Zinkblende und Zinnstein. Als derail iue
Erscheinungen sind z. B. zahlreiche Magneteisensteinimpragnationen in Skandi-
navien, Schottland und Nordamerika, die Kupferkies- und Zinkblende-ImprHgna-
lionen von Kongsberg, endlich gewisse Zinnsteinlagerstiitten des Erzgebirges
anzufUhren. Inuerhalb solcher Impragnationszonen kann eine Concentration
der fein eingesprengten Erztheilchen zu massiven, lenticuliiivn , flOtzartigen
oder unregelmassL' gestaltelen, also stockformigen Erzlagerstiitlen statllinden.
welche dann in der Weise in dem Fallbande eingelagert sind, dass die Flachen
ihrer gro'ssten Ausdelmunii der Schichtung des Neben^esleines parallel liegen.
Besonders ist es Mauneleisenerz, aber am-h Sch\\efelkies und Kupferkies,
welche derartige durch die sie umgebende IniprtFgnationszone mil dem (ie-
sleine \er\\achsene Mr/laizersliitten bilden. Die laurenlischen (ineissdistriete \on
Skandina\ idi Canada und New -York liefern hei.spiele fur solchc Vorkommnisse.
VI. Historische Geologie.
273
Aehnliehe F.r/.lagerstatlcn kiinnen auch auftrelen, ohne an Fallbitnder ge-
bunden zu sein. Sic bilden dann selbstiindige (icbirgsglieder der Iaurenli-
schen Gneissformatiou und haben entweder die Form unregelmiissiger Flolze
oder die lenlicularer Kinlagenmgen. In ersterem Falle sind die Grenzflachen
soldier Kr/lagerstatten nichl sellen sehr sdiarl' ausgepriigl und verfolgeu mei-
lenucil die grille I'arallelitiit , sowohl unler einander, wie mit der Schichtung
der angrenxenden (incissgesteine (Fig. 4-8). In ihren Lagerungsverhaltnissen
vollkommen Sphaerosideril-
sc
llut/.cii /uisdicii den Schidci'lhonen jUngeror
Fonnatioiicn. Am i;e\volmlidisten, so in
Sdilcsien (z. B. bei Schmiedeberg) , im Erz-
gclMrgc, in Ha^crn, Norwegen, Nordamerika,
trill Magnctcisciistoin, bei Bodenmais in
MaNt'i'n. in Canada und Skandinavien aber
andi Hotliciscnera, Kupferkies und Schwefcl-
kics untcr den eben beschriebenen Verhalt-
nisscn iiuf. Ausserdem sind Lagersliillen von
Holhzinkerz, Willemil und Franklinil bei
Franklin in Nc\\ -Jersey als accessorische Be-
slandiiiassrn drs iaurenlischen Kalksleines oder
BMzartige Kinlagcnniiicn in dcnisdhcn Itekannl.
\
Fig. 48. Magneteiseusteinflotze der
King Mine in New-Jersey,
a Ausgezeichnet flaseriger Gneiss,
b Magneteispnstein mit Apatit, 1,3 M.
c Glimmerschiefer.
d Magnetpispnstein mit Apatit, 3 M.
e Gneiss.
f GemengflvonMagneteispn, Feld*i«:ilh innl
Qnarz.
g Gneiss.
Andeutniigeii organischen Lebeiis wSihrend der laureutischeu Periode.
Die Fiille und die .Mannigraltigkeit der Formen, in welchen das organische Leben
in der sog. IVimordialzone, dem untersten Niveau der Silurformalion plolzlich
und ansdicinend unvorbereitel auflrilt, zusammengehallen mil der Thalsache,
dass von diesein Zeilpunkle an eine forlwahreude Vermehrung und Vervoll-
der Thier - und Pflanzenwell durch allmiihliche slufenweise Ein-
, hitiier organisirler Formen statlfand, macht
die \\ahrsdiciidichkeil gross, dass bereils wiih-
rend der azoischen , also vielleichl sogar schon
wiihrend der Iaurenlischen Periode organisches Le-
ben, \\enn auch in den niedrigslen Typen exislirl
halte. Miigen nun die damals zur Ausbildung ge-
langcndcn (icslciiiMiiiiterialien oder die vorausge-
sel/.len Thier- und I'Man/.enformen nidil zur ErhaU
lung der let/.ieren geeignet gcwesen sein, organische
hesic >ind \ns jetzt in der Iaurenlischen Gneiss-
formal inn mil iiberzeugender Sicherheil noch nicht
naclig«'\\ie.s«-n \\orden. Kine Anzahl namhafler Na-
lurforscher glaubl jedoch in Eozoon can a dense
Da VNson Fig. i«) die Resle eines der iilleslen or-
ganischen \Vesen, welches die Erde crzeugl hal,
zu erkennen. In den kryslallinischen Kalksleinen
(lanadas. Scliotllands und Ba\orns koinrnen in verworren Ubereinander liegen-
den Neslern von iiber Kubikfuss (irosse parallel wellige, unregelmiissig con-
Ci r ,1 n f r , Klpinrntp d. Gpolocip. lv
Fig. 40. Kammern von Eozoon cana-
Dawn. Stark vergrossert.
274 VI. Ilistorisdie Geologie.
eentrisehe, mil Lagen von kornigem Kalke aim ediselnde Hiinder mid Slreifen
von Serpenlin vor. Diese gcbiinderlen Serpentinballen liaben ge\\ isse Geo-
logen als Hcsle einer riesigen , von ihnen Eozoon genannten Foraminifere und
die Kalksleinlagcr. in weldien sic angehiiuft sind , als den neueren Korallen-
biinken odcr Nummou'tenfelaen analoge ForaminiferenrifTe anspredim zu diir-
fcn geglaubt. Nach ihrer Ansicht vergriisscrlen sich die Eozoen durdi Zu-
wachs Ubereinander folgender, flacher-unregelmassiger Kammern, welche durdi
Kalklamellen getrennt waren, aber vermittelst regellos vertheilter Kanale und
fein verzweigter Rohrensysteme in Communication standen. In fossil em Zu-
stande. sollen die Kalklamellen, -- die Scheidewiinde der einzelnen Kaminern,
— in Form kornigen Kalkes erhalten, die Kammern selbst aber, sowie die
Communieationscana'Ie und -Rohrchen, welche zu Lebzeilen des Thieres von
dessen schleimiger Leibessubstanz (Sarkode) eingenommen waren , durch Ser-
penlin und ahnliche Mineralien ausgeftillt worden seien. Der organische Ur-
sprung des Eozoon ist jedoch noch zweifelhaft und wird von urtheils&higer
Seite bestritten.
Fdr die Existenz pflanzlichen Lebens wahrend der laurentischen Zeil,
welches sich ausschliesslich auf Algen beschrankt haben miisste, glaubt man
in dem Bitumengehalte einiger krystallinischer Kalksteine und Gneisse , in dem
Vorkommen von Asphalt uud Anthracit innerhalb mancher Gneisse und Eisen-
erzlagerstatten der laurentischen Formation Skandinaviens (siehe Fig. 50), vt)r-
zugsweise aber in zahlreichen Graphilflotzcn,
welche mit den laurentischen Gneissen wech-
sellagern, gewisse Anhaltspunkte zu besitzen.
Und in der That ist die Analogic zwischen
"I™ ~*~^, J^T dem Auftreten vieler dieser Graphitlager uud
Fig. oo. Bitnminoser Gneiss von dem der jimseren Kohlengestcine eine so grosse,
Vermland in Schweden.
a Gneiss, zum Tbeil Gneissgranit. daSS die VerStU/OUIlg liallC llCgt , 111 deill (il'a-
b Bituminoser Gneiss und Glimtnprschie-
forUOM. machtig, durch Bitumen achwarz phite daS Endl'CSUltat deS VerkolllungSprOCCSSCS
;,'pt';irbt; ein/elne Lagen enthalten 10 Pet. .. ...
einos glanzkohlenahnliclien Minerales, ZU ei'blicken , durdi Weldien die llol/.laser II)
welches dem Gneiss in scbr kleinen Korn-
chen beigemengt ist. Braunkohlc , Steinkohlc und Anthracit umge-
c Hyperit (Diorit?) des Nulleberges.
wandelt wurde. x
Miichtigkeit uud architektonische Verhiiltuisse. Die Miichiigkeii der in
ihrem petrographischen Charakler oben kurz geschilderten laurentischen Gneiss-
formation betragt in Canada uber 10000 M., in Bayern elwa 30000 .M. -
Stellen sich auch dem Studituu der a re h i t ektonischen Verhaltnisse der
laurentisdicn (Jneissformation in F"olge der Unbesiiindi-keii der petrographischen
Kiiientliiiinlidikciten ein und derselben Schichtenzone, ferner in Folgc der
steilen, oft verticalen Aufrichlung der Schichten bedeutende Sohwierigkeilen
enlgegen, so diirfte dodi dicselbe auf zwei Bauptlagerongsformen zuriiek/u-
filhren sein. Die eine, z. B. im Gneissgebiete des Krzg(>l)irges. ferner in dem
.der Umgebimg von Bergen erkannle, liissl sidi als eine k n ppc I form i ge,
die zweite in Canada, Brasilien und in zahlreichen Dislrielen Skandina\ iens
\rrirclcne als cine ausgedehnle . \\eil forlsel/ende. zctnenarlige Lagerung
be/cidmen. Im ersleren , aber selleuen Kalle /.eigl sidi in den milllereii He-
VI. Hislorisdie
275
cities jeden dorartigen (Ineissterrains cine nahezu liori/ontale Sehiehten-
laue. \\iihrend sidi nach den Grenzen zu eine slcilc Stelluni: mil naeh Aussen
iierichtelem Fallen gellend niaclit. Bei zonemirtigen LagerungsverliJillnissen sleheu
• lie mannigfachen Sdiiehleneomplexe in steiler, synklinaler oder antiklinaler.
oft auch verticaler Stelhni" nebeu einander ,l;ig. 51.) Dergleidicn Schidilen-
zonen von laureniisdien
Gesteinen besitzen oft
sehr bedeutende Aus-
dehnune. So erstreckt
' h T h -•]•• '
'
GllPlSS- Gr;init- iinrl
S '
Glimmerschieferfonna-
••••
Fig. :-l. ArchitektonUclio Verlialtnisso der laurentisclien Gneissformation der
Gegend von Grenville, Canada.
a krystallinischer Kalkstf in.
b Gneiss und Quarzit.
tion in nordostlicher Riclitung iiber 250 p'o^raphische Meilen well, \viiluvnd
ein <vl .Meilen lances Profil quer durch die Audeskette, wenige Grad nordlidi
\oiii Aqnafanr, in seiner tzanzen Ausdehnung vertical oder fast vertical stehende
Seliiehlen der laurentisclien Gneissfonrnation zeigt, Die Gneisszone, welche
das iieoloiiisrhr Skelet des appalachischen Gebirgssystemes und soinit der ganxen
ostlichen lliill'te des nordamerikanischen Gontinentes bildet, erstreckt sich voni
Siaale (ienr-ia aus l>is nach der Mtlndung des Lorenzstrornes und besitzt somit
cine Liinize \on etwa 300 deutschen Meilen.
LagervngsrerhiltBlaM der laurentischen zu den iibrigen Forniatio-
nrn. Die laurentische Gneissformation ist, wie bemerkt, die untersle unserer Be-
obachtuni: zugangige Gesteinsgruppe. Das Fundament, auf dem sie ruht, wird
voraussichtlich die ursprUngliche Erstarrungskruste der Erde sein, wahrend sie
selhst als Basis der Ubrigen Sedimentformationen zu betrachten ist. Sie wird
nicht si-Hen von der niichst jUngeren Formation, den huronischen Schiefern,
iiewolmlidi al>er von viel neueren Gebirgsgliedern , so dem Silur, der Stein-
knlilenformalion oder von noch weit jUngeren Schichtencomplexen ungleich-
forniiii iiberlagert.
Bei dem Mangel an charakteristischen oder deutlichen organischen Resten,
\veldie als lin^erzeig Uber die Stellung der laurentischen Gneissformation in
der Schicliteni-eiiie diencn kiinnten, sind ihre I.aizerunizsverlialtnisse in dieser
Ilinsichl die allein niaass^ehenden , besonders da sich Gesteinsreilien von sehr
jihnlidiem pelroLirapliisdieiii Charakier in jUngeren Formationen vviederholen,
also der leixiere aueh nicht immer sichere Schlilsse auf das Alter des helrelVen-
den Sehiditencomplexes erlaubt. Lageruniisverhiillnisse hinueiien, \\ie die in
I -ij--. 52 und 53 wiedergegebenen, konnen mil Bezug auf das Alter der lauren-
lisehen (iiiei»lniiiiaiionen nur eine Deutung erfahren.
l-'ij:. •">:? stelli die -iedlojiisdieji Verhiillnisse <les Sin i th'sc h e n Kisen-
berges in Michigan dar. Eine huronische Schichlenreihe, besleliend aus Onar/il-
scliiel'ern. Cliloritsdiiel'ern. H.ilhri.M-nsirin. .laspis und Diabasen bildel in diesem I'alle
eine sleile. eniie Mulde in einer einslmalii:en liel'en sdimalen Budil innerlialb der
laiirentisdien (ineissformation d. \V\v Scliidilen des ostlichen FlUgels dieser
huronist hen Mulde slreichen von N. nach S. und wenden sich dann in voll-
slandiuem llalbkreise zuerst nach W. und dann nach N., \\oliei sich ihr Kin-
18 *
276
VI. Ili*tori.xrln> Geologic.
fallen \on einem \\estlichen in ein nordliches iinii /ulelzl in ein b'stliches
vera'nderl , \\iihrend sich das Streichen und Fallen des laureniischen Gneisses
in seiner nordwestlichen Bichiung gleichbleibt,
so dass die discordanle Gberiagerung des-
selben durch die liuronischen Schichlen ;in de-
re n sildlichem Wendepunkte ihr Maximum er-
reicht.
In Fig. 53 ist ein Profil aus dem Staale Ne\\-
Jersey wiedergegeben. Laurentische Hornblende-
gneisse «, deren Schichten vertical nebeu ein-
ander stehen , werden hier von flach mulden-
forrnig gelagertem Potsdam-Conglomerat 6, dein
altesten Silur, discordant bedeckt ; ebenso ist eine
nordwestliche Flanke von Unlersilur, Polsdam-
Conglomerat 6, Kalkstein c1, Thonschiefer d
ilberlagert. Ganz analoge Verha'ltnisse \\ie-
derholen sich an zahlreichen Punkten Clanadas
siidlich vom Lorenzstrome, sowie Skandinaviens,
•L. B an dem Kinnekulle in Westgothland. An
Fig. 52. Smith's Eisenberg in Michigan, sud-
lich vpm Lake superior. alien diesen Localitaten werden Vertreter der
a Rotheisenstein; . .
bJaspis, Eisenkiesel und Diabasxwischen- laUI'entlSchen Formation VOtt hurOniSClieil U(l('l-
c Quarz'it- und Chloritschiefer , sammtlich untei'silurischeil Schichteil Ullgleichlonilii: Ul)(M¥-
huronisch; ..
d laurentische Gneissforraation. lagert , mUSSCI! also DlCOt lllll' IrUlUM1 ills (llt'St*
gebildet wprden sein, sondern auch bereits eine Storung Hirer ursprUnglicbeo
Lagerungsverhaltnisse erfahren haben, ehe huronische oder untersilurische Scdi-
mente abgesetzt wurden.
cwfras^, j)je Yerl)reituug der laurentischen Gneissfor-
malion ist eine sehr allgemeine, indem diese auf
der ganzen damaligen Erdoberflache zur Aushil-
dung gekommen zu sein scheint. In alien izriis-
seren Landercomplexen, von welchem \\ir iiber-
haupt geologische Kenntnisse l>esit/.en . trill die-
ihres Gesammtcharakters auf.
Fig. 53. Untersilur discordant anf
schen Hornblendegneissen
Copperas Mt., New-Jersey.
selbe und zwar mil
constanter Gleichformigkeit
Ein grosser Theil des Fichtelgebirges, des Erzgebirges, des Riesenucbirues und
Holiniens besteht aus Gliedern der laurentischen Gneissformalion. Von dem siid-
\\rsllichen Bohmen aus erslreckt sich eine Schichtenzone iiber den Bohmer und den
H;i\eri.sclicn Wald bis zur Donau, \\elche zum grossen Theile der laurentischen
(Jruppe anizehorl. Dasselbe Alter muss dem sachsischen Granolitgebirge, \\clclies
sich am Nordabfalle des Erzgebirges z\\ ische.ii Rochlitz und Chemnitz ausdelmt.
zugesprochen werden. Laurentische Gneisse und Gneissgranile selzen i'erner die
Centralalpen zusammen, ebenso sind sie in Scholtland und auf den Ilebriden, am
grossarligsten in Europa jedoch in Skandinavien und Finnland \erbreilel. In .\ord-
amerika tritt das laurentische S\slcm in /\\ci Zonen /.n Tage , deren nordliche
sich aus der arklischrn Begion in sUdostlicher Riehding bis zum olx-rcn Missis-
sippi und \<>n da in iisllichcr Bichlung durch Minnesota und Wisconsin nach
VI. Historische Geologie. 277
dem Superior-, Huron- und Ontario-See und nordlieli \oin Lorenz-Strome hin
his /urn ;itl;mtisehen Oreane erstreekt. Die iiudere, die appalachische Gneiss-
/.oue beginnt ;iu deiu Sildul'er tier l.on-n/.inilndung, liiuft in stldwestlicher Rich-
lunii parallel dein (irslade ties Meeres diireh siimiutliehe atlantische Staalen
his naeli Alahaiua liinein. Ausserdein treten noch einige isolirte laurcntische
Areale \\estlieh vom Mississippi auf. In Stldamerika besitzt die laurentische
Formation in deiu brasilianisrhen Kilslenuebirge, in Venezuela und den Andes
eine enornie Yerbreitung. Auch in dern siidosllichen Theile Afrikas, in Japan
und in Ueuualen ist dieselhe nachgewiesen, endlich besteht der grb'ssle Theil
von Gronland, so\\eit dieses hekannt ist, aus laurentischen Gneissen.
Die hnronische Oder Ur-Schieferformation.
I>.is ki •\slalliiiische Schiefersystem, die cambrische Formation zum Theil.)
Auf den laurenlischen Gneissen lagert die huronische oder krystallinische
Schielerforniation und besteht aus einer Uber 8000 Meter ma'chtigen Schichten-
reihe von vorwaltenden Glimmerschiefern, Quar/iten, krystallinischen Kalksteinen
und zahlreichen Erzlagerstatten, welche dieser Schichtengruppe eine bedeutende
teehnisehe Wichligkeit verleihen. Es sind also grossentheils dieselben Ge-
steine v% ie sie hereits in der laurentischen Formation auftreten, jedoch herrschen
jet/.t die schieferigen, also feldspatharmen, vor den kb'rnigen, flaserigen, feld-
spatlireichen vor, wiihrend frtlher das umgekehrte Verhiiltniss stattfand. An Stelle
tliesei- kryslallinischen Gesteine treten in Canada und England zum Theil wenig-
stens Conglomerate,, welche zu den Schiefern und Kalksteinen des Ubrigen Nord-
amerikas und Europas in dem Verha'ltnisse einer iiquivalenten Uferfacies stehen.
Petrographischer Charakter. Die Hauptgesteine der huronischen Schie-
ferformation sind Glimmerschiefer und Th onschiefer. Ersterer ist stets
ausge/eielmet geschichlet und besteht zuweilen fast allein aus nur lose neben
und auf einander liegenden, zum Theil Quadratzoll grossen Glimmerschuppen.
In anderen Fallen ist er so quarzreich, dass er sich dem Quarzite niihert, und
endlieh geht er zuweilen durch Aufnahme von Feldspath in Gneiss Uber. N7icht
selieu treten in ihm knoten- und flachlinsenfdrmige Nester von Quarz auf,
\\elrhen sich die Lagerung dieses Glimmergesteines anschmiegt, wodurch
dasselhe eine grossflaserige Struclur erhalt. Von accessorischen Bestandtheilcn
sind Keldspath, Staurolith, Hornblende und Turmalin, besonders aber Granal
liiiiilii:. NVic hei dcu laurentischen Glimmerschiefern kann auch bei denen
tier huronischen Formation der Glimmer durch Hornblende, Chlorit oder Talk
verdriingt \\enlen, so dass Hornblende-, Chlorit- und Talkschiefer
enlslelien. \\clche ineist unlergeordnel zonenweise zwischen den Gliminerschieferu,
oft aber auch als selhstandigc miieliliu'e Schichtencomplexe innerhalh huro-
niselier Terrains auftreten, so am Grossglockner und Monte Rosa, im Ural und
in Brasilien. so in den slldlichen atlanlischen Slaaten und am Lake Superior
in Nordamerika ; wird der Glimmer durch Schuppen von Eisenglanz ganz oder
theilweise \erlreien, so entstehen Lager von Eisenglimmerschiefer, wie
sie in dem Schichlenbaue Brasiliens und Georgias eine Rolle spielen. In ge-
278
VI.
Geologie.
\\i>-rn Disirioton. so iin Scli\\ar/.i- Thalc in Thilringon. .1111 Michigamini in Michi-
gan Irclen 1'orp \ roi d »• . <l. li. Schiefer von feinkornigor his folsitischcr ( irnnd-
iii.is.-o mil porplm'iseh ausgesohiedenen Quar/- und Peldspalh-Individnen als
(ilieder der huronischcn Schieferrciho ;iul'.
Dor Thonschiefer (Phyllil) setzt in manchen der hurooischep Territorien
die oberen Ni\eaus dicser Formation zusanimen, in anderon hingegcn trill cr
/vsischen dem Glimmersehiefer und dessen Verwandten zonen\\risc unlerge-
ordnot auf. Nicht si'lh-n nnischliessl er ausserordentlich zahlreiche Chiastolith-
und Oltrelil-hidividuen und vvird dadurch zum Chiastoli t h- und Ottre-
lilschiofer. Kann er auf der einen Seile. als ein in seinein Kornc /in
aussersten Feinheit, fast zur Dichte zusammengesunkener Glimmerschiefer auf-
in'fiissi Nvcrdcn, mil dem or ausserdem durcli DbergSoge in Vorl>indnni; stcht.
so 1st (M- auf der anderen in seiner mineralischon ZusammenseUung und soinnn
(iduiie kauin zu unterscheiden von gewissen Thonschiefern der palaeozoisdim
Formationen und \vird doshalh mil Rechl als ein pelrographischcr Vormilleler
x.uisclien den aUesten krystallinischen und den verBtoinenmgsftthrenden palaoo-
/oischen Schichtengruppen betrachlet. Innerhalb der huronischen Thonscliiolcr
trdcn zuweilen linsonformige Quarz- und Feldspathausschoidunizcn anf. diMirn
sich die Thonschiefer-Flasern anschmiegen, so dass eine Gneiss-Varictiii. dd
Ph\ I litgiM'iss, enstehl, \velcher z. B. im Bayerischen WaJdgebirge in der
regelmassigstcn Weise mil echlen Thonschiefern wechsellagerl ^siehe fig. 54).
Roientiaiitmrr Jfaif/
;
Fig. M Profil in dem huronischen Schiefergebiete des Fichtelgebirges.
a Qaarzitschiefer.
b Thonschiefer, wechsellagernd mit Pbyllitgneiss.
c Thonschiefer.
Eine sehr wichlige Rolle spielen die Kieselgesteine in der huronischen
Schicbtenreihe und von diesen zuersl die Quarzile, welchc ulasiu odcr kornig
scin konnen und in lo/lercm Falle zuweilen zu ConglomorattMi \\rnlm. So Itc-
das ohcrhuronische oder caml)rische Syslem Britanniens und die
huronische Formation Canadas zum grossen Theile aus ofl sehr groben
<!on i: In in oraton. Lol/len- sind zusammeng<isetzl aus erbsen- l)is kopfci
Hollstiickcn \on Ouai'/il, Kisenkiesel, (int-iss und S\rni(, mil zum Tlu-il nur
\\rnii: kiosoliii-ihoniucr (iruiulmasse. Audi /.\Nisoheu den GUmmerschiefeni der
Hoinan-Banatoi- (Ii-onzo und der sudlichen atlanlischen Staaton von Nordame-
rika troten Conglomerate auf. Die eigenllifhen Quarzile sind moist scharf
^rsrhichlet, zeigen z. B. in Michigan sehr deutlich ausgepriigle. ill)er gi'o^sc
Flin-lien \t-rlti-oilclc und sich von Schicht zu Schichl wiederholende NN'fllcn-
furchen und uolion durcli L borhandnehiHen dor schiofcrigon Struotur. \\olche
VI. Historische Geologie. "279
namontlich (lurch Glimmer- und Talkbesehlage ant' den SphichtUIlgsflicfaen her-
voruebradil \\ird. in Ouar/ilsehiefer iiber. Zu diesem steht dor .llacolumil
in oinoni sohr nahon vorwandlschafllichen Vorhallnissc, indoiu or cine Quar-
y.ilvarietat repriiscnlirt. doron Hiogsamkeit auf ihrem lockcren, kbrnig schiefe-
riiion GefiiiM1 mid ihivin Hoiclilliuino an feinen Glimmer- und Talksehuppon
beruhl. I;.r ist ebeusoNNohl in Hrasilien, wo or soino llauplcntwickelung findet,
wio in Virginia. Carolina und Georgia in Nordamorika das MuUorgestein von
Diainanlon und lulirl aus.serdem, wio spaler uo/oiut \\enlen wird, in beiden
Heuiunen Gold. I'nlor ahnliclion Vorhaltnisson wit: tlio Quarzilo orseheinen
innorhalb manrhor huronist'her Gebiete Kieselschiefer uud in ihror Hogleitung
Alaunsfliiclcr.
llanliizt1 und xuin Thoil sehr machtigc Einlagerungen im Gebiete tier huro-
nisdion Sdiicfcrfonnatiou biltlen grobkrystallinisclu: bis feinkbrnige Kalksteiue,
Doloni i to und dolomilische Kalksteine von weisser, rblhlicher oder grauer
Fiirbung und inohr odor weniger regelniiissiger weillaufiger oder enger Schich-
tunii. So trill nalio (lor nnlcron Grenze der huronischen Formation von Michi-
gan cine 600 bis 1000 Meter machtige Gruppe von ausserordentlich dcutlich
iiosohiohtolon. hior und da mil dtlnnen Quarzillagon wechsellagernden , dolo-
initiM'hon Kalksloinon auf (Fig. 55, c).
In Yorbindmig mil tlorarligon Goslei-
non stohon nidil sollon Kalk gli miner-
sohiol'oi' und Ka I k 111 onschi efer, wel-
dio nichl nur an vieleu Localilalon mil
don Kalkstoincn xu wodisollagern pflegen,
Miiulorn ailt'h deulliche Obergange in dieSC Fig. 55. Unterlmronische Schicbten inderMeno-
... . ,. , monee-Gegend in Michigan
VerlOlCen laSSen. indem die tlUnnon La- a Laurentischcr Gneiss,- \> huronischcr Qnar/it,-
. . , c Kalkstein KKK) M. — d Ilotheisenstein 250 M. -
inolloil Oder Membranen VOn IhonSChieier e Chloritsclnefer 450 M. - t Bilurischer Potsdam-
sandstein rait primordialer Fauna.
Oder \on Gummer, Chlonl und Talk,
\\oldio dio oinxclnen Lagen trcnncn, nach und nach vollstandig verschwinden.
Ainphibolite sind t>benfalls haufige Erscheinungen in huronischen Gebielen
und /\\ar (rolon diosolbon in zuin Theil weit ausgedehnten Lagern, vor allem
/\\ isdion (llimnier- und Chloritschiefern sowie Quarziten, sellener in Thonschiefer-
lonains auf. Flotze von Graphi tschiefern sind sehr gewbhnlich zwischen
dio huronisdion (Jliinniorschiefer Europas und Nordarnerikas zwischengclat;oil.
Audi Sor pen line sind in manchcn huronischen Terrains ha'ufig, so im Ural,
in Sohnitland. in Schlcsien, wo sie als LiJgerstdcke und als \\oil ausiiodohnto,
abor nidit sohr rogoliniissiiio Lauor vorkoinmen. Wahrend in diesem Gesloino
nichl sollon Chromeisenerz in TrUinern und N'estern gefunden wird und zahl-
roidio l.ai:oi-stalton \nn Hraunoisenstein mil den Kalksloinon dor huronischen
Formalion in Vorbinduni; slehcn, trill Holhoisenerz in Form ansclmlidior
Sdiiditonoomplexe als selbslandigos (iobirgsLiliod auf. so in dor izrossarliuston
Woiso auf dor Insel Elba, ferner im nOrdlichon Wisconsin und auf der Oberen
llalbinsol \(m Michigan. Die berUhmle Buenerzlagerst^tte \on Rio Marino
auf Elba. \ un \\olcher die herrlichen Eisenglanz-Drusen stainmen, die unsere
Sammlungon sdnniiokon, bildet eine geschichtete, unrogelmassig lenliculiirc Masse,
280 VI. Hislnrisrhe Geologic.
lager! auf Ouar/it- und Chloritsehioforn imf mid \\inl von Kalkslein bedeck! .
In Michigan ilborlagort dor Rotheisenstein siohe Fig. •")•") die unlerliunmiselion
Ouar/ilo, Kalksleine und slellenwoiso ;iuch Ghioritscbiefer in einer iiher ;?•">!> M.
miiehtigen Gruppo von dllnnscnieferigen his dickbankigen Schichten. \on donou
anno, kioselige mil eisenreicheron bandartig abwechseln. In einzolnen Zonen
dieses Scliichtciicoinplexes verlieren sicli jedoeh dio Jaspislagen vollslandig, so
dass ahhauwUrdige, bis 20 M. machtige, flotzartige Einlagcrungen von reirhcm
Rotheisenstein entstehen. Von Interesse ist dio Thalsachc, dass auf den Sciiich-
tungsflachen manchcr Rotheisensteine Wellenfurchen und, in Wech8ellagerun|
mil don genannten Erzen, sehr gewohnlich eisenschdssige Quarzit-, Eisenkiosol-
und Jaspis-Conglomerate beachlot wurden.
Magneteisenstein bildet zwischen den Thon-, Talk- und Glimmerschio-
forn vieler Gegenden, so z. B. des norddstlichcn erzgebirgisclu-n Schioferterrains
bei Bcrggieshilbel, wenn auch keine selbstandigen Gebirgsglieder, so doch zum
Theil sehr machtige Lager, welche die Geslalt flach linsenfbrmiger Nester oder
ausgedehnler Flotze besitzen. Unter ahnlichen Lagerungsverhaltnissen, wenn
auch seltener, treten Schwefelkies und Kupferkies und dann gewohnlich \<T-
eosollschaftet auf. In diesem Falle ist die theilweise Sonderung der Schwol'ol-
kioso und Kupferkiese in verschiedene, bei aufgerichteter Stellung der Schich-
ten tlbereinander liegende Etagen bemerkenswerth, deren untere aus vorwal-
tendem Kupferkies, deren obere meist aus Schwefelkies besteht. Zu den gross-
artigsten Vorkommen dieser Art gehoren die Kupfererzlagerslatten von Duck-
to\\n in Tennessee (Fig. 56). Dieselben sind ausgedehnte, Uber 500 M. lange
und bis 150 M. machtige Impragnationszonen von Kupfcr-
kies- und Schwefelkieseinprenglingen mil lenticularoin,
massivern Erzkerne, welche in einer gewissen, von Vir-
ginia durch Tennessee bis Georgia verfolgbaren Zone staffel-
artig vor einander liegen. Allen diesen lenticularen Lager-
stiitten ist die Anordnung der sie bildenden Mineralien zu
vier durchaus verschiedenen Horizonten gerneinsam, \<m
Fig. 5«. Knpfererz- denen die bcidcn obersten a und b als Producto des Zer-
' towl*11 setzungsprocesses von Seiten der Atmospharilien auf die
gcschwefelten Erae zu betrachten sind und aus Brauneisen-
stein und oxydischen Kupfererzcn bcslehcn, wiihrend die
dritte c als die Etage des vorwaltenden Schwefelkiesos und
' ' ''"^irt'von^rS'die tiefste d als die des Kupferkieses bezeichnet \\erdon
kann.
Ein anderes nulzbares accessorisches Mineralvorkommen der huronischen
Formation isl das Gold. Die freilich meisl sehr unbodoutende, also dann in
terlmisohor Beziehung unwichtige Goldfilhrung fast aller huronischor Sehiefer-
dislricto isl constatirt uud in manchen Gegenden Veranlassuiiii zu einer /ieiu-
lidi ans^cdrlinlen bergmiinnischon Gewinnung gewordeu ; so in den atlantisehen
Slaalen Nordamerikas, vor Allem in Nova Scotia, Virginia, den beidon (laro-
linas und Georgia, woselbst das Gold auf dreierlei Weise auflritt. Zuerst in
destalt diinner Drahlo, zackigor Bldttchen, kleinor arborescirender Btlschel und
VI. Historische Geologic. 281
VBtSOgenef Krystalle. ^-rtheilt in der Mass,- nder auf den Sd.iehlungsflachen
i;e\visser. (iuivl. iiussere Mcrkmale nidil /„ untersdieidender /.men der Talk-
schiefer. Quarzitschier.T. liaenlumilr. Chlorit- und Glimmersdiiefer. Auss.-r in
tYeiem /..stand,- Unimt /weitens das Gold, - - und das isl an. trewohnlichsten
(I(M' Fal1- ;MI Sdmefelkies und dessen /ersely.ungsproduct , das Eisenoxyd-
Imlral. p-luimlen. als linprii-nalion in den genannten Gestcincn vor. Die gold-
halliuen Sdm.'ielkirse kbnncn entweder in der ganzen MiidiligkiMt ^'N\isS(T
S«-liirhi«'iic(,nipl«-\»' ulcidiniiissi- xertlu'ill s.-in oder sich, und zwar am hiiulin-
sh-n innci-halh drr Talksc-lii,-lei-. ahnlii-h \\i«. die beschriobenen Kupfererzc \«»n
DucktoNvn. /u imissi>m, univ»i.|iniissig linsonfdrraigen Erzkernen concentriivn.
l-ndlidi kann das Gold in eiuer Matrix von Quarz auftreteu, der entweder die
(ioialt Mad. linsenformiger Nester oder fldtzartig(M- BHnke annimmt, und in
di.-s.Mi cnl\\rdor frei, aljein fUr sich vorkommen, oder mil Kupferkies, Blri-
Xinkl.l.Mide, Tellium isinnlh vergesellschaftet oder auch an Schwefelkios
cn scin.
Organische Reste sind in der huronischen Formation, deren petrogra-
pbische Cliaraktorislik eben kurz gegeben wurdc, mil Sicherheit nur in deren
oborstrin. meist aus Thonschiefer bestehendem Horizonle erkannt worden, so
Ann.-lid.-n-Spurcn (Rohren von Arenicolites didymus und A. sparsus), Crinoi-
d(Mi-Stirli:lioder in Vermont und Massachusetts, sowie in Bayern und Bohmen,
I.T.I.M- Hcsir N«jn Fucoiden, nehmlich Oldhamia antiqua und radiata
in Britannicn.
Die architektonischen VerhJiltnisse der huronischen Formation sind,
ahnlich \\ic die der Gneissformation, hiiufig hbchst verwickelter Art. Beide
ch.-n g.Miannten Fonnaiionen treten meist in Verbindung mil einander als lang-
iiestr.-cki«' Zonen oder als isolirte Territorien von unregelmiissig abgerundeten
ConUnvn iimerhalb des Gebieles jUngercr Schichtengruppen zu Tage. Das
Sk.-l.-t dirstT Inseln von kr\s(allinischen Sedimenlgesteinen bilden gewohnlich
laun-niix-hc Gneisse, dessen AusfUllung hingegen und beiderseitige Flanken
di.' luironisdicn Schiefer (siehe Fig. 57 und 58). Wird schon durch derartige
Lagerungsverhaltnisse ein mul-
den- oder inuldenbuchlformL'rr liirdielwanJ Jfohe Schar«ck
Ban bedingt , so \\ird dieser
durch sich vielfach wiederho-
1(111(1(1 Kllickun8en, also dmi
untcrgeordnete • / " ;v .,'•,:*
S\ nklilial- Und Antiklinalbilduil- Fig. 57 Pr.ofil dnrch die ccntrale Tanernketto.
I. uneisograuit nnd Gneiss, laurentisch ;
gen nodi oervortretender. Da/.u 2- Kry»tainn. Kaikstein, \
:t. GhmnierBChipfer.
. .
sid) schr hflllfifi Itis '• KalkKliranierschiefer, > huronisch.
5. Chloritschiefer,
illS Klcinslr geheOde, /ick/.ick- "• Quarzitechiefer,
iihnliclic Falluniicn und Windiiniicn der Schichten, so dass das
der sxnklinalen und anliklinal.Mi Archil. -klur zu den diar,.klcrislisdicn Ij^.-n-
tiiUmlit hkcit.-n des Huron gcrechnet \\crden muss. Der Fallwinkcl dieser ver-
schiedenen Mnldenlln-d kann freilich ein sehr verschiedener sciu, so dass die
betreffenden Sehiditen auf dem Kopfe slehen oder sehr flach gegen einander
282
VI. llistori>clit>
einfallcn konnen. Tritl die liuronisclie Schict'crl'ormalion rin^s inn die Blinder
fines laurenlischen (ineiss-rlMcles ;iiil', so lindel I:C\N olmlich cine roanlelf&rmige
Uinlagcrmii: stiitt , \\ol»ei
die huronischcn Schiel'er
voni (ineissc \\eg. also
\on Innen naeh AUSMMI
fallen.
Die LagenmgSYerhttt-
ni>><' der huronischen
SchieferformatioD und dcr
-f itut . \fri'i it.
V\f. ">V 1'rofil (lurch die E i sen region von Negannee inj
M i c li i g a n.
a laurentis-clip (incissformation.
6 hnroniscbe Scbiefer, Quarzite, Kalkstcine, Kispnsteiue, Diabase.
Obrigen Sedimcntarforma-
\\eiscn erstcrer auf das Z \\cifellosesle ihren Plat/, zi(Miilich iiahe dcr Basis
dcr uesammten Schiclilcnreilie an. An sclir vielen Punktcn isl die discordante
Oberiageniog huronischer, in England eambrischer Gebirgslieder durch unler-
silurische Gebilde beobachlbar. Die in Fig. 59 und 55 \viedergei:el>enen Pro-
file mogenals erlauternde Bcispiele diencn.
In ersterem lagerl dem unterslcn Silur
angehb'riger Sandslein ilach geneigl aul
den Schichtenkopfen huronischer Ouar/.ilc.
Seine urspriinglich zackiiien Cnnturen sind
von der silurisciien Brandling abgcrundct
Fijr. :»!>. Huroniscbe Qnarzite a'disrordant fiber- Und VOn den Wogen deS SHui'llU'CreS glall-
\on iintersilurischem Sandstein 6 bei Marquette . . .
am Lake superior. geleckl \\<»rden. Schr charaklerislisch sind
die durch Fig 55 erlauterten Lagerunusxcrhiillnisse: hier lagert die huronische
Schiehlenreihc auf den laurentischen (Jneissen und wird von Potsdam- (unler-
silurischcin) Sandstein discordant iiberlagert. Ebenso interessant ist ein deni
vorigen benachbarter Aufschluss (Fig 60). Er zei-l.
dass die Spalten, \velche sich von tier Oberlliichc do
Huron in die Tiefe erslreckeu, von den Sedimcnlcn
des silurischen Meercs ausgefilllt worden sintl. und
dass sie jetzt als Sandstein- und GonlomeratgBnge
die huronischen Schichten durchselzen, nach oben zu
Fig. 60.
a Hur"iii>c-hprkieseligerKotbeisen-
ctein,
uiit- r>ihuischer Sandstein.
der Menomouee-Kogion.
AHS
aber mil aiisgcdelinten hori/onlalen Ablagerungeo des
pi-iinordialen Silur z. B. mil Dikeloccphalus) ini Zu-
sammenhang stehen.
Die Verbreitung der huronischen Formation isl cine ei\\as ueriniiere.
als die dcr lauronlischen (ineisse, indcm ein/.clnc Partien dicser Formation l>e-
reiis iiher den huronisclien .Mecrcsspiegel gehobcn uc\\escn sein iniissen. \\orauf
\vir u. A. aus deni niassenliaften Auflreten von Conglomerate!!, /. li in Eng-
land und Canada. >chliessen, \\elchc als Kiislcnbilduuiien die Ivxislen/ \on Fcst-
land hedingen. Die Ausgchcnden dcr huronischen Formation sind meisl an
die laurentischen Gneissgebiele gebunden, \vie bei Erlautei'iing der archilck-
Vci-liiillnisse bercils crxvahnt \\urde. In Europa sind die bedeuteml-
slen Verbreilungsgebiete der huronischen Schiefcr: die Tyroler, Sal/burger,
Olicrkarutlicner und Schwei/.er Alpcn, der OsUibfall des Bohmer Waldcs und
VF. llistonsdie Geologic.
283
idier die.
azoischcn Formationen verschiedener Districte.
For
Ma\ern und
matin-
ISrilannien
Nord-Anif rika
Andere Lander
nen
Iliilimen
Silur
Barrand's KI.I
Carnlirischcs
lluronischf Schie-
Die I i Ilionsehiefer und
und B. Prabramei
Svstem, Long-
ferformalion von
rriilinimerschiefer des
Schiefer mil Anne-
m\nd (irnppe.
Canada und .Michi-
Krxi«eliiri:es, FiehlelLif-
liden, Criimidccii.
Conglomerate,
gan, sn\\ it- der al-
birjies , Riesen^el)irt;es.
Fnraminileren.
Quarxit und
lanlischcn Slaalen.
der Sudeten, Brettfgne,
Hi-rex nischc Thon-
srhiclcr I'rthonsch.)
\\cclisellaijernd mil
Schiefer mil oid-
liamia und Are-
nicoliles.
Reicli an Eisen-,
Kupfer- und Gold-
lagersliidiMi, im
oberen Niveau mil
in Filmland, Skamlina-
vien. Die azoisehen
Quarzite und Schiefer
des Tlnirini.'er Waldes,
Cljloritscliif IV r und
Kalksteinen.
Anneliden und Cri-
noiden-Resten.
die phykodenfiilirenden
Schiefer von Saalfeld,
H
llcrcNnisclicr (Him
me rsrhietcr I'riili m-
(Unteres Taconisdh's
w> stem v. Emnions.
viele kryslall. Schiefer
der Centralkette derAl-
•
—
mcrscliiefer).
Coldbrook-Group in
New-Brunswick.)
pen, die der Roman-Ba-
nater Militar.^renxe, der
ii.
Sierra Nevada in Spa-
'-
nien, das Schiefersv stem
•-
. '
am siidliclien Ural, das
~ '=
Itacolumil- und Eisen-
- £
~ ~
glimmersrliieter fu li-
re nde Schiefergebiri-'e
:l
en
Brasiliens, die .-I'lilfnli-
C
i-enden krystall. Srhie-
o
fer Yenezuelas, die siid-
re
imerikanischen Cordil-
a
leren, die vorsilur.
Schieferfnrmaliiin vtm
c
!h
Trinidad, die kr\slall.
Schiefer von China und
a
Bengalen, sowie dfs
o
/
sudo'sll. Afrika.
5
Discordante Ueherlagerung.
"
uraiif (iiif js>for-
l-mulanumtal-
.^nciss Sflinll
Laurenlische For-
mation Canada's,
Die Urgneisse des Erz-
niatinn.
lands und <| "
Icr 1 nii:c|)uii- der
4.'fS, Midirens. Schle-
£
Bojiscbe udi-r Imnle
Gneissformation.
ll"liriden. (>l'
Hudson-Bay, Gron-
lands. \\'i>. (Misins
und Mirrhi^aus, so-
sifiis, — die Ciicisse dcr
Cenlralkellf dcr Alpen,
— die (iranil-liiif iss-
Wic der i^anxen at-
Reihe der Roman - Ba-
u-
lanlisclicn Knsten-
nalfr-(;irn/c, der Ur-
j2
Staalen.
gneiss \nn l;innland und
1
Skandioavien. Das
Gneiss-Kaikxteia-Ge-
c
1
Jirgc d. (i.ildffldfr MID
laratalin Veiif/uelaund
H
dfrer MIII \alal in
\frika , — die (inciss-
• irmatinn auf Trinidad
md der lirasiliaiiischf n
kUSteogebirge u. s. \\.
284 VI. HNtnrNrhe Geologic.
(Ics Ma\erisehen \Yalduebirgos, der siid\\ estlirlie Tlicil des Er/gebirges . die
rmgebung dcs siirhsisehen (iranulilgebirges. die Sudden. Skandinax ien. SHiotl-
land mid die SieriM Nevada in Spanien : - in Nurdamerika die Dislride in
der rmgebung des Lake Superioi1 und die siiniinlliclien allantisclicn Staaten :
- in Sfldamerika Brasilien, Venezuela und die Andes. Audi in At'rika . in
Bengalen, .Japan und China sind huronische Schiefer in zum Theil grower
Ausdehnung narhgew ieseu. Die i'bersicht liber die Verbreitung und Aqniva-
len/. ein/elner azoischer Schichtencomploxe in don verschiedenen \Velltlieilen
\\ird durcli mnsteliende Tal)elle erleichlerl \verden.
Vulkanisclie Erscheinungen wiihreud rtes azoischen Zeitalters und
ini (iebiete laurentischer und huronischer Formationen uberhaupt. Voll-
kommen analog den Lavaergtisson spiiloror geologischer Perioden und so auch der
.lelzlzeil durchbrachen bereits wahrend der laurentischen und huronischen Periode
alulhfliissige Gesteinsmassen die damals noch diinnere Erdkruste und breiteten
sich 7,u Decken von zum Theil sehr bedeutender Ausdehnung auf dem damaligen
Meeresboden aus, erstarrten und wurden von den Niederschlagen der Oceane
bedeckt. Derartig hervorgedningene Eruptivgesteine erscheinen deshalb als den
azoischen Schichtencomplexen gleichfbrniig zwischengeschaltete, plattenartiue Kiu-
laueruniicn, gleichsani als integrirende Glieder der laurentischen und huronischen
Srhichtenreihe, sind von denselben Storungen der ursprilnglichen Lagerungs-
\erhiiltnisse, vvie diese , betroffen worden und nehmen deshalb an alien Bie-
gungen und Knickungen der benachbarten, oft diinngeschichteten Gesteine Theil.
In solcher Gestalt treten vorzugsweise Diabase auf. So sieht man in der
Eisensteinregion am Lake Superior (siehe Fig. 58) in Nbrdamerika grohkornigen
bis aphanitischen Diabas im Verein mit den eisenschilssigen Quarziten und
Rotheisensteinen der huronischen Formation eine dreifach \viederhollo synklinale
Schichtenstellung einnehmen. Nebenslehendes Profil
(Fig. 61) giebt ein Beispiel einer solchen huronischen
Mulde, welche ihre Lagerungsform bereits vor Absalz
des untersten Silur innegehabt haben muss, da sie
stellemveise von Schichten der letzteenannten For-
Flg. 61. Huronische Diabas-
EiniagemngbeiNeganneein iliation zicmlich horizontal, also discordant bedeckt
.Michigan.
:iKi.-c!ischussige Quarzitc mit Eisen- \Vird.
przlagersiatten. b. Diabas-Einlage- 4 i i .<•..- IT i r-
rung, 500 M. machtig. c Eisen- Auch plattenlormige Lmlageruugen von Lruptiv-
•i* Qnarzite. d Unter-Silur. „ . . . . , ,, j ,. /-. •
branit scheiniMi innerhalb der laurentischen Gneiss-
I'eihe nicht selten zu sein, jedoch ist ihre Trennung von den Gneis-tiranilen
sedimentarcn Ursprungs bis jel/.t \\enig im Auge behallen worden und in der
That zum Theil auch sehr seh\\ ierig. Die Haupteruption der Granite fand je-
denl'alls erst in spalerer Zeit stall.
.Mil solehen gleieharligeu Y.\\ isehenlagern von Eruplivgesteinen stehen gang-
odei- stockformige Durchbrilche im engslen ursaclilichen Zusamnienliange, \\enn
auch nur selten in naehweisbarer Verkniipfung. An zahlreicheu Punkten iiires
Auflrdens \\erden die Schichlen der azoischen Foriualionen MMI Krii|»li \ge.slei--
nrii. und z\var vorzugsweise von Granit, Sjenit, Diorit und Diabas durehsdzl.
Vor die Ablagerung des Silur, also in die azoische Periode sclbst , fa' lit jedoch
VI. Historic-he Geologie. 285
der rrsprung nur ueni^er derselben. ihre .Melir/ahl 1st vielmehr erst in \\eit
.Npiileren /eitrjimiien cmpurgednmgen. Der definitive Nadmeis des vorsiluri-
sehen Alters ge\\isser erupti\er Granite und Diabase ist nur in solehen Fallen
/.u t'iilnvn, wo auf ihren Ausgehenden altsilurische Schichtcn auflagern. In
nebenslehender Fig. (>•* isl cin Granil a dargeslelll, \\clcher von zwei Dia-
basgiingen 1) durchsel/.l und iin Vcrein init diesen von untersilurisehem Sand-
steim- c iiberlagert \\ird, ohnc dass Granit oder Diovil in den Sandstein eindrin-
gen. \ielmelir ist die Oberlliiche heider erslgenann-
len (iesleine dinvli \Voiienein\virkuni: vollstiindig
die das Silnr xur Ablagenmg
\\erden ferner die laiirentischen Schichlen von «iun«cher Sandstein.
Canada durcliset/l. Das iilteste derselben ist ein korniger Diabas, \\elelier
70—100 Meter iniiehti-e (Jiinge im Gneisse bildet und ausgczeichnet horizon-
tal siiiilenlninii-e Ahsoiiderung /eigt. Diese Diabasgiinge wcrdcn in ihrein
Verlaut'e \on aiisgedelinlen SuMiitstoeken abgeschnitten. in deren Gebiete wie-
doruin noch jiiiiiit-iv Stocke und Giingo eines typischen , rollibraunen Felsit-
porphNivs aultrelen, \\eldier nicht sellen BruchstUcke von Gneiss, Diabas und
Synii nniscliliesst und dann zuweilen den Gharaktur einer Breccie aniiiniinl.
Die Mruplion dieser drei (u-sleiiie gehorl dem axoischen Zeitalter an, da die
milersiliirisrlien Schi.-liien, welche sieli auf dem laurentisehen (ineisse abgelagert
lialn-n , von jenen Diabas-, Syenit- und Felsitporphyrgiingen nicht durehset/.t
\\erden.
Lagerungsverbalthisse, \vie die eben beschriebenen, sind nicht hiiulig, doch
lassen aueli die ausserordentliclien \\iiidiingen und Knickungen , welche viele
Schichtencbmplexe der azoisdu-n FormatioiKMi in der Niihe ^ewisser Granil-
stiicke und Giinj-e erlaluvn habeu, schliessen, dass die Eruption mancher Gra-
nite /u einer Zeii erfol-te , in wdcher das Gesleinsinaterial der laurentisehen
l;uniialion nodi nidit \ollkoininen slarr, sondern noch plastisch und biegsam
\\ar. /NNeiTellos jedoch fiillt die grosse Mehrzahl der Kruptionen von Gesteinen.
\M-ldie die azoischen Schiditenreihcn durchselzen , erst in die devonisdie und
• •arl.nnisclie. ja xiiin Theil in noch spiitere Perioden. Als Beispiele soldier
gang- Oder Stock&nniger Granite, Diorile, Diabas*', Sxenile und Porpl^re, \veldie
/\\ar a/.oisdie (ie.sidiie durchselzen, also jilnger, \\ ie diese sind, deren Kni|)-
tionszeil aber nicht niiher zu beslinmien isl, nnigc an die (Jranitstoeke des
l-'.r/gi-bir-es. des l-'idilrlgebirgrs, des biihinisch-baxerisdien \\aldes erinnerl
\\.-rden. \\eldie ins.'lfiirinig aiis dem (iebiele der Gneisse und kr\ slallinisdien
Schieler lier\<»rtrelen ; hierher -diiii'en lerner die Granil-, lelsilporphyi-- und
Diorilgftnge im nordnsllichen erzi-ebirj-ischen Sdiieterierrain, dor Gang von grob-
korni-ein (iranite im (iliinincrsdiidrr von Z\\iesd, der ber\liruhremle |\.»-
inatitgang von Langenbielau in Sdilesien, - - die Graniliiiini-e im sadisisdien
Granulil, im ui'alisdien Chloritsdiiefcr, die Dioritgange und -Stiicke im Glinnncr-
sdiidrr und Gneisse ThUringens, des Bohmer Waldes und des Urals, die Fel-
sitporphyre des Krzijebirg«'s und /.ahllose andere stock- und gaiii«lorini!.'e Vor-
komiiH-n. Sdir ge\Ni»linlidi ist die KrsduMiiung, dass solche KrupliMiiassen
286 N I. IIMni-iM-li.:
ijanii- odd- aderformii^e Ansliiiifcr in das NeluMigeslein aussenden und uiniie-
kehrl Brudistiirke odcr Schollen der duivhbroehenen Gneisse uiul kr\slallini-
seheu Sehiefer uinfiisscn.
Kiniiie diese eruptiven Parlien innerhalb a/oisdier (Jrlwte Ix-sii/cn in
l;oke ihres Kr/.reiehtluunes aussergewohnliches iieoloiiischcs Inleresse. I'liter
ilmen nelunen die zinnerzfuhrenden Granite von Gcyer eine hervorragende
Slellung (Mil. Das auf clem erzgebirgischen Gncisse aufgelagerte Gliinmersdiie-
!eri:ebiet jencr Gegend \vird von drei inselformig an die TagesobeHliiche ire-
tenden Granitstocken durchsetzt, welche in der Tiefe zusammcnzuhangen scliei-
uen. Der dortige Granit zeichnet sich durch seine Glimmerarmuth aus, i:chl
abcr auf der andereu Seite durch ZurUcktreten und Versclnvinden des l-Vld-
spailies stellenweise in nonnalen Greisen tiber. Als accessorische Gemengtheile
liilncn diese granitischen Gesteine Topas, Turmalin, Flusspath , Ap.ilit und
/inner/. Bei seiner Eruption hat er Schollen des Nel)engesteines losgcrisscn,
umhullt und so eine Reibungsbreccie gebildet, zugleich aber in dem eincn iler
drei Granitslbcke, und zwar dem »Stockwerke« von Geyer, nahe dem Contacle
mil dem Glimmerschiefer eine Uberaus grosskryslallinische Structur angenommen,
so dass ein riesengranitartiger Mantel, »Stockscheider« genannt, den feinko'rnigen
(iiiinit des Centrums umlagert. Dieser Geyer'sche Granitstock wird nun von
un/iihligen, y4 bis 4 Zoll machtigen, zugformig gruppirten Gangen durch-
sehwjirmt, welche zum Theil in den ihm benachbarten Glimmerschiefer fort-
set/.en und Quarz , Topas, Arsenkies und Zinnerz filhren und auf beiden Sei-
len \on mehreren Zoll breiten Impriignationen (Zinnzwitter) begleitet \\er-
den. Ausserdem durchziehen solche Impragnations-Zonen (Fallbander) auch
nnaltliiingig von den Gangen die Granitmasse, welche auf diese Weise zu einer
slockwerkartigen Zinnerz lagersta tie wird. Unter in vieler Bezielmug ahnlielien
Verhiiltnissen treten Zinnerze bei Altenberg, Graupen und Zinmvald auf. Bei
Ziunwald ist Greisen, welcher den Gneiss des Erzgebirges in Gemeinschaft
mil Granit, Granitporphyr, Felsitporphyr und Basalt durchsetzt, das Multei-gestein
dcr Zinnerz vorkommen , indem .er einerseits von flach lieirenden und deslialb
lliii/.iihnlichen, untereinander und der kuppelformigen Oberfliiche des Greisen-
sinckes parallelen. bis 0,3 M. machtigen, andererseits von jiingeren, schmiileren,
kluflartigen, senkrechten Gangen durchsetzt wird. Die ei-sieren enthalttMi in
I'.mdiirlker Anordnung Quarz, Ltthionglinnner und Zinnstein: die lel/.leren
*'\\\(\ meist taub, dagegen sind sie von Impriignalionszonen von Zinner/ und
Wolfram begleitet.
Bei der \\iilirend der azoischen Zeit verhiiltnissmiissii: nodi unbedeulenden
Mcichtigkeit der Krdkruste lassen sich ausser Gesteinseruptionen nodi andere
lU-aetionen des glulhflussigen Erdinnei'en auf diese Id/lcre er\\arlen. Sie liaben
sich in doppelter Weisc belhiitigt; einestheils durch die ue\\allsanie Sliiruni:
der ursprilnglichen Lageruiiii in eine steile, im t:i'ossar(ii:en Maassslabe aiif-
Lieridilele. gcknickte und gebogene Schichtenstellung, sowie ferner und auuen-
sdicinlidi im /usaininenlianize mil den ehen ei'wiilinten Vorgiiniien durch lle-
biini; eines Theiles des damaligen .Meercs^rundes tilx'i1 den Spieuel des Occanes,
also dui'ch Bilduni: des crsten Fcsllandes. Rir die Wahrlieil dieser Annahmen
VI. Historisehe Genlock-. 287
sprichl eine Fiille \oi! Heobaehlunuen. Die undeiehlormiiie rberlauerung der
laurentisehen uiul Imronisclu'M Formationen (lurch das Silur, eine I berlauerung,
uelche ihr Maximum da erreieht, v\ o hori/onlale Silurschiehten das Ausgehende
\erlieal stehender a/.oiseher Schichtcn bedecken /. H. in Skandinavien und
Michigan: >iehe Fig. 55, •"•'.'. <'><» mid (» I . be\\eisl, dass die Umgeslaltung der
urspriingliehen l.agenmg der let/leren bereits \ or Kintrill dor silurischen Periode
abgesehlossen \\ar. Striehe von untersilurischen Conglomerate!) und lirohen
Sandstciiu'ii. \\clrln- sidi an die laurontischen und liuronischen Gesteins/.oiicn
anlc^cn, kiiimcn nur als Kiislenbildunuen an den Gestaden der azoischen Cdn-
liiifiitt' iit'dt'iilft NMM-dt'n , .und obonso sct/.cn die Weltenfurdien und die Quer-
scliichtunu. \\it- sic namcntlich in so vielen nordamerikanischen huronischen
und silurischon Sandsteincomplexen zu beobachten sind, seichte Gevvasser und
H.H-lic sandiizc ITcr vnraus. l)cniiZ«Miiass war am Ende des azoischen Zcitallcrs
mil dcm Hcizinn der silurisdion Periode die Scheidung der Erdoberflache in
l-'cslland und Mccn-sspii-iiol bereits vollzogen; -- in Form langgezogener, b'der,
stancr I'dsrille ragten die azoischen Inseln Uber den silurischen Ocean.
Als altestc Scdimcnliir-tiosliMnc \\urden die laurentischen Gneisse und
ImmnisrhtMi Sdiicicr von der Summe aller der Hebungen, Senkungen und Slo-
rungcn luMroflVn , \\elche sich im Verlaufe sammtlicher spiiterer Perioden auf
die Knlkrustc iiusserten.
Abu't'sdien von /.urn Thcil hochst verwickelten Lagerungsverhaltnissen
liallen dcrartige Dislocationen in sehr vielen azoischen Territorien Spal I c n-
bilduniicn und diese die Bildung von Erzgiingen im Gefolge, dcrcn
rrsjirungszcit 1'reilich nur in den seltensten Fallen festzustellen ist. Auf solche
\Vcix- \\inde das Erzgebirge zu einem der wichtigsten und beruhmtestcii
(iaiiLidisti icte. Das \or\vallend aus Gneiss uud Glimmerschiefer gebildete lloch-
plaicau dcs I ,i-zgebirges ist, und dalier stamml sein Name, die Heimath zahl-
rciclu-r Kr/la^-rstattrn , von dtMicu ciniizc Zinueravorkommen bereits oben l;.r-
\\iihnunu i:rrund<'n liaben. rnabh;ini:iii von diesen., sowie von zahlrciclicn
lioth- und BrauneisensteingaDgen zieht sich von Meissen aus Uber Freiberg,
Marienberg und Annalx-rg bis nach .loachimsthal eine , freilich Itickenhafte
Xiinc \(»n Silber und Uleier/. lulirenden (iiingen, in siidwesllicher Richtung
srliriii; iilxM- den breiten l.iiniisriieken des Gebirges. Innerhalb dieser Zone
bilden sic ( ian^/iiuc . < lan^ruppen und /.rrslrciile (iiinge von der viellalligsten
StreiclmiiLisriclitung. Das vs ielilii:sle l-'.r/iiebiet isl das der rmgegend \on Krei-
\HT.l. In dmi dmligen (ineisse set/en sehr \erseliiedeliarti^e (liingc auf:
I die edlen Ouarzgange, \on denen dort Uber 150 bekannt sind; sic
beslehen \orlierrsehend aus weis.sem Quarz , Nebeni;esteinsbruchstUcken und
neben die>en aus Silbeivr/en . also \ oiv.u^sNN ei.se Holhgiill iu . (ilaserz. gediegen
Silber. Mrljinglaiix. u. a. 2) Kiesige Hloigiingr ,iiber 300) aus Quar/,
I'.lriglanz. Wende . Seh\\efelkies . Kupferkies, Arsenkies beslehend. :\] Kdle
Hleigiinge el\\a iOO ;ms liraunspalli . Manuanspath , Q\mn und silberhalti-
gem UleiLilan/. zmveilen aueh HoIhgiilliL: und Silberglanz beslehend. 4) Ba-
r\lisehe IHeigiinj;e ^ungi'lahr U'» mil. Seh\\erspalh . Klussspatli, Ouar/,
Mleiiilan/. lilende. Kupl'er- und Seh\\cl'elkies in lagenarliger Anordnuni:.
288 VI. Ili-toiisHie Geologic.
."> K u pf ere r/Lia ML: e. Kupferkies. Bmitknplerer/, Fahler/ u. ;i. Knpl'erer/.e ent-
haltend. I)i(> StreichuBgsrichtUDg dieser Gauge 1st cine si-lir verschiedenartige,
l>,-ild cine Monl\\eslliche. nordiisllidie oder IT in nordliche. dndi irilt gewOhnlich
cine LU'iissere Anzahl gleichstreicheiider Ganiie x.n Xiigen /nsammen, die sicli
daiin grgenscitii: kren/en mid sich an solchen Slellen (lurch besondereii Kr/-
n-iclitlniiii aus/.eichncn. Von den zahlreichen Felsitporphyrztigen jener (ii-Limd
\\erden die Giinge zum grosslen Theile dnrcliselzt , sind ;ilso iiltcr als ci->lcr«'.
nur ausnafamsweise trilt das uniizt^kchrlc Vcrhiiltniss ein. Moiilicli. dass I'oi'-
phyreruptiooeD und GangspaltenlMldung in geaetwchem Zusammenhange stdicn.
Ausserhall) dos Kr/iidn'i'Lu-s sind als azoischc Erzgafig-Districte hd.spids-
/u ciANiilincn die rinLU'bung von Kupferl)erg in Schlesien, \\o kuplci-.
n/, Silhororze und Schwefdspath ftlhrende Giinge inncrhallt liuroMisdicr
Glimmerschiefer, Thonscliiefer, nainenllich aher im Diorilscbiefer in dci- Nadibar-
•
sdiaft von Felsilpoiphyren aufselzen. Ferner der District von Przibram in
Holnnen. wdrhcr aus den Thonsdiid'cni , Oi"11^'1''11 und Grau\sackc!isandstd-
MCM des oberen Huron (Schieferzone A und B Barrande's) besldit , die \on
xahliTichen Grtinsteinpartien und Krzgangen durchsetzt werden. Als Ganit-
ausfiilliniLisinasse trilt Quar/ und SdiNNcrspath, nainentlidi aber Rolhgultii:.
(ilascr/, Sprodglaserz, gediegen Silber auf. Auch in dcm altbertthmten Silber-
districte von Kongsberg in Norwegen sind vorsilurisdie und z\\ar laurenti-
sdic Schichten das Nebengestein der dortigen Gange. Die Unigegend \(»n
Kongsberg besteht aus sleil aufgerichteten Gneissen, Glimmerschiefern , Horn-
blende-, Chloril- und Talkschiefern , sowie Quar/iten , welche von Gabbro
durdiset/.t werden. Innerhalb zweier bestimmter Zonen dit-ser (Jcstcinc sind
dicsdbon von ausserordentlich kleinen Einsprenglingen \on .MaLinctkifs.
Sdt\\drlkies und Kupferkies impragnirl. Kins dieser Fa I Ibiinder l>t-sil/.t
riiva (i.'i, dass andcre 400 Meter Ma'chtigkeil. Die Gange streichen rechtwinkelig
diin-li die Schichten des Xebengesteines (Ost-West), stdien sehr steil und
sind nur \venige Zoll ma'chtig. Merkvviirdig 1st die Beeinflussung des Kr/-
rdcliihiMnes dieser Giinge durch das Nebengeslein. Sind nehmlich diesel-
ben ausserordentlich arm, soweit sie sich im Umben Nebengesleine betinden.
so bereichern sie sich mil gediegenem Silber, Silberglanz, Holhgiillig u. a.
Silbererzen, sobald sie in die Fallbiinder hineinsel/.en ; nur innerhalb ilieser
sind sie abbauwiirdig . ja haben dieselben sogar nodi eine Strecke \\eil nn't
gediegenem Silber impriignirl. Diese Heispide niiigen gtMiiigen. uin das gang-
fonnige Aufsel/.en \nn l-lr/.en innerhalb laurenlischer mul huronischer 'IVrrilorien
y.n illnslriren.
B. Die palaeozoische Forniationsgruppe.
Die palaeo/oische Foroiationsgruppe isl eine fiber loOOO i\l. Miidiliukeit
erreidicnde Sdiichlengnippe von vorherrschenden Graii\\ackeM. Thonschiefern,
Sandsteinen, Kalksteinen mid (Idiiuloniei-alen , in deren nnlersien llori/onlen
das uruaiiisclie Leben einerseits in zuni Theil iiberraschendein Forinenreich-
thuir.e. andererseits in ausserotdentiich Lirosser An/ahl der hidividuen anl'lrill.
VI. Hishirisclic (Jt-oloirif. 289
Die or^anisrhon Reste der palaoo/oisrhen Formalioiisi!ruppe enlfornon sich
dwchgjftngig in ihrem iiusseren Habitus und ihrem innorn Bau weiter von
den OriMnismen der Jetzt/.cit, als die fossilen Resto dor jUngcren Formationen,
daher iluv Be/oiolmuni; als pal.ieo/oiseh. Mil solehen jUngon-i1 I'erioden odor
^ar dcr .lei/.t\\eli idenlisehe Arten sind unter ilmen nieht nachzuweisen. Ma-
rine OriMnismen sind (lurohaus \orhoiTschend, doch sind nanientlich in den
hoheivn also jilniieron \i\oaus dor palacozoischcn Foi'iiialionsj^ruppo Stiss\\asser-
iind Landhewoliner nit-lit ansiieschlossen. Die Pf lanxcn\vel t erliiill ihren
|i,il;ien/(iisi-lien (iesaiiiinteliar.iklei- durch die vorherrschende Enhvickelung /.inn
Theil i-iesii.'*'!1 (i e i'ii s s k r \ ]> t o^a in e n nainontlich a us dor Fauiilie dor
C;il.niiilen, Farno, Sigillarion und Lepidodendron. Die Monokolyledonen sind
.iiif \\cniije Arlen Itosohriinkt , \\iihrond die Dikotyledonen noch i^iinzlich
fell I en. Die IMlan/.cnfamilien , vvolchen die palaezoischen Rosto angohoron,
hilden houto nur noch einen verschwindendon Bruchtheil unserer Flora; diese
orhiill \iolniohr iliron eharakteristist-lien Habitus durch das Vorwiegen der Di-
kotyledonen , denen 1!l/2o dor jetzt lebenden Pllanzenarten angehoren. -- Die
i:n»sso Hauptinasse dor palaeozoischen Thiere waren Mollusken, Korallentliioro
und Echinodermen. Von don Mollusken sind die Gephalopoden und Brachio-
j»tidon am eii:eiuliunilielislon ausgebildet und durch eine grosse Anzahl jelzt
beivit.x seit lan^en Zeitraiinien erloschener Geschlechter vertrcten. Als solche
sind die (ialiunizen Orlhocoras, Cyrlocorus, Lituites, Clymenia und Goniatites, —
lerner Spinier, f.oplaena, Orlhis , Produclus, Pentamerus und Stringocephalus
zu nennon. Von den Polypen sind die Zoantharia rugosa und tabulala mil
den \\ichligen Gattungen Cyalhophyllum, Stroptolasma , Cyathaxonia, Gysli-
ph \lluni, Zaphrehtis, Calamopora, Halysites, Syringopora auf die palaeozoischen
Zeitalter bosehriinkt. Dassolbe ist der Fall mil den datnaligen Vertretern der
lleliinodennen, den Blastoideen, Cystideen und zahlreichen Geschlechtern der
oiiionllichen Crinoideen z. B. Actinocrinus, Poteriocrinus , Rhodocrinus u. a.
Die (iliedertliioro \\erden in den palaeozoischen Fonnalionen vorzugs\veiso
durch die Trilobiten reprasentirt , eine Farnilie, welche bereits lange vor dein
Ro»inn der mesozoischen Periode erlischt. Von Wirbelthieren sind allein die Fische
in izriisseror llaufigkeit der Individuen und narnentlich grosserem Fonnenroich-
thuino enl\\iekel(. (ian/. oiiienthUinlich sind fUr die palaeozoische Periode die
lielenM-eivalen (ianoiden (z. B. Palaeoniscus, Amblypterus, Platysomus), und die
Lropanzerten (i.moiden (z. B. Cephalaspis, Ptoriohthys und Coccostous) , \\iili-
rend die iichien knochonfischo noch giinzlich fohlen. Ausser - durch Fist-he
sind die \\irbellliiere nur noch durch eine sehr l)es(-lir;inkle Anzahl von Rop-
lilion und z\\ar ausschliosslich batraehiorarliiion Sauriorn \t-rlreten. Die Kxi-
stenx. von \.iLieln und SiiUiiothieron \%ar NNiihrend der palaeozoischen Xeilaller
nnrh Nollkoiniiifli ausL'cschlnssen.
(i I iederu IIL: dcr palaeozoischen For in a t ions gr u pp e. Bis y.um
.lahro is:','.i plicate man die m;iohtii:e Sdiiclilenreihe, \velchc sich uninillelbar
an die huronischcn Schicfcr anschlicssl und von dcr Stoinkohlenformation
iiberlauerl \\ird, als (JebdrgBftgftgebirgt oiler Gra n \\ a cken f or ma lion
y.n be/eielmon. Die moist sehr \er\\iekelten l.aL;enin^s\ erhiillnisse dersolben
CreJner, til fin CM to d. Ueologie. J9
uiid s»-ine anscheinende Aniiulh ;ui organisehen He>len ersdmerlen eine
Gliederung dieser Schichtencoipplexe ansserordenUich. Dieselbe \\~.\r Murchi-
son vorbehalten, \\clcher sic nnch Hirer I.agerungsfnlge und ihren organischen
llesten in z\\ei Formalionen sonderte. Die iillere nannle er n.tdi dem Yolks-
slamme, \\elclieiii die I'r-IJeNvohner dcs HauptentxN ickelunirslernnn in Kngland
.•mgehiircn, die silurische, die jihigeiv n;icli der Gral'schaft Devonshire
die devonische. Durch Beobachtungen auf dein europiiischcn und ameri-
knnischen Contincnte \\urde dicse Zweithcilung dcs frtihcrcn Uebergangsgebirgefl
hcstiitiiit und in l;olce davon alkeniein anei'kannl. Die cesaniiutc palaeo/oisclie
Si-liiehteni:rui)pi' /crfiillt dcmnach in vier selbsliindige Fornitilionen :
1) die si I u rise he Formation, I
,
z) die de vonische r ormation, )
.{ die carbonisohe oder Steinkohlenf ormation,
4) die Dyas oder permische Formation;
Die silurisclie Fornication.
Als silurische Formation bexeichnet man eine bis iiber GOOD M. miiehtiize
Schiebtenreihe von vorherrschenden thonigen und sandigen, so\\ie untergeord-
nelen kalkigen Gesteinen, welche auf den laurentischen Gneissen und huro-
nischen Schiefern auflagern, von der devonischen Formation tiberlagcrt \\crden
und zum Theil reich an organischen Resten und zwar ausschliesslich an sol-
chen von einstigen Meeresbewohnern, also von Tangen, Korallen, Graptolitlien.
(Irinoideen, Brachiopoden, Cephalopoden und Trilobilen sind. \\idirend I.and-
und SUsswasserorganismen noch nicht auflrelen.
Der petrographische Cliarakter der silurischen Sehichtenreihe ist x\\ar kcin
constanter. vielmehr in den verschiedenen Bildungsgebielen des Silur ein vei-
schicdener, doch lasst sich ira Allgemeinen annehmen, dass Sands t cine,
Thonschiefer, Grauwacken, und Grauwackenschiefcr , in manchen
(legeiiden aucli Kalksteine die vorherrschenden Gestcinsarten sind, zu \\c\-
chcn sich als untergeordnele Gebirgsglieder Conglomerate, Quarzite, Kicsel-
sehiefcr, Alaunschicfer, Merge) und Dolomite gcscllcn. Der verschiedenartige
petrographiache Hal>itus der silurischen Formation in ihren cinzelnen Bildungs-
riiuinen \\\n\ (lurch das Vonvalten oder Zuriicktrclen, sclbsl Nichlvertretenscin
von Gesteinen bcdingt. \\elchc in anderen (legendcn geratle die umuekchrle
Hollc spielen.
Die Silurformation i.st im AlliZemeincn zicmlich reich an 1-^r xl a gerst ;i t le n .
so dass deren Bildung nainenllich im jel/igen \ordamerika eine l;.igenlhiim-
lichkeit dcs silurischen /cilallcrs gc\Miscn zu sein scheinl, welehe sich ge\\is-i-i-
masseii noch ans der huronischen I'eriodc her erhalten hal. Ks sind nainenl-
lich \ei-schiedene Fisencrzc, so\\ ie Kupl'er-. Hlei- mid Xinker/e. \\elche in(ie-
sialt \(>n Kli>|/.eii. Impriignatioiicn und unreizelmii^siiren Kinlagei'iingcii als inle-
grirende, also gleichaltcrigc (ilieder der SilmTormalinn bekannt sind. Hierher
die l.aii.T \..n onliihischem KisciH-rzc im Silur von Biihmen und Nc\\~
VI. Historiseln1 (Jcoloinc. 291
York, die Stiieke von Sp.ilheisenslein im Tyroler Silur, die zahlreiehon und
ausiiedehnlen Fliil/o von Brauneisenslein iin nnlersilurisehen Dolomite des grossen
appaladrischen Thales \<>n Nordamerika. die (ialmei- und ZiokblendekgersWtten
\oii Friedens\ille in Pennsylvania, die Bloiglan/lldt/e \on Austin in Virginia.
Lel/lere bilden drei unrcgelmiissiii lldl/artige Kr/Iagerstiillen, deren MiicliliiAeil
/\\iselien :{ und 7 seh\\,inkt, z\\isehen weilliiufig geschichteten Doloinilen
und bestehen in der Tiefo selbst aus oinern /.alien Dolomite mil Ouarz-, Kalk-
spath- und Bleiulanzknollen, Nestern und SchnUivn , wiihrend ihr Liegendes
slels \nn ciner slellen\\eise fast melermiicliligen Lage von Zinkblende ein-e-
nommen \\ird. Naeh der Oborfliiche zu ist der Bleiglanx 7.11 Weissbleicrz und
I'Nromnrpliil. die Zinkhlende /.u (Jalinei und Zinkspalh zersetzt. Der Schichten-
e(»ni|)le\. \\elchem diese erzfUhrenden Dolomitbanke angehoren, isl sattelfdnnig
izeltogen. so dass letztere in seclis Ausgehenden /.u Tage treten und auf jeder
Srite der anliklina|t>n Axe divi naeh der enlgegengeselzten Richtung einfallende
l;liliiel bildon.
Nielil ohne Interesse, ja solbsl von technischem Werlhe ist das \venn
;uicli sellono Vorkommen von Anthracitflol/en zwischen silurischen, zum
Tlu-il (irapiolithen fuhrenden Schiefern Schotllands, Irlands und Porlugals. Das
M;ilei ial dieser Koblengesleino kann nur von Seelangen abslammen, da \\iihrend
der Xeit seiner Ablagerung htther organisirte Pflanzen noch nicht existirlen.
Audi das Dasein iii'iisseivr Stein sa Izei n 1 age rungen im Schoose der Silur-
lonualion kann nicht bezweifelt werden, da aus lelzlerer zahlreiche Sal/.qiiellen
z. B. bei Salina und Syracuse im Staale New -York, ferner bei Sagina\\ im
St,i;ile Michigan enlspringen.
Die Stollung der silurischen Formalion an der Basis der versleinerungs-
reiehen Sedinientiirfonnationen ergiebt sich l>ereits aus ihren Lagerungsvei--
liiillnissen. Wie schon frilher an Profilen aus Skandinavien und Nordarnerika
sielie I iu. 55, >'.). 60 und 01) dargelhan, liberlagerl die silurische Schichten-
reihe die lanrenlische und huronische Formalion, isl also jUnger als diese. X\\ar
ist diese Oberlagerung in den incision Fallen eine ungleichformige, zuweilen
sind j.'dndi, so namentlieh in Nassau, Bohmen und ziim Theil auch England
die huronisehen Thonschielcr mit don silurischen so innig verkntipfl, dass eine
seharlr (iivn/r /uisehrn beiden nichi ge/ognn werden kann. Seine ohere Be-
uivn/imu erliiill das Silur dureh die devonische Formation und /war lindet in
l'.nro])a souohl \\ie in Arnerika ein allmiihlicher i'bergang der einen Scliichlen-
i/ruppe in die andere stall.
IndenuiYhiiekioilisclieilVcrllSiltliissend.-rSiliirrormalion herrschl in deren
versrhirdeiirn Yerhreituiiizsiiebielen nur \\enig rbereinslimmiing. In g«'wissen
ti.-i-endrn. so in den Kl.enen Husslands, in dent Flnss-ehiete des Mississippi,
in Srimeden haben die silui -iselien Seliieliim keine Veriinderung ihrer ursprilng-
liehen Lagerung erlillen. Sie befinden sieh dorl in einer Aiisdeliiiung \on mehreren
Tansend Onadralmeilen in hori/ontaler oder fast hori/.nntaler I.age, haben somil
nur ihr Niveau in Folge sa.-cular.-r llebiing \eriiiid.Tl, sind mit anderen \Yorlen
naeh ihrer Ablai-eriiiig auf d.-in (Jrunde des silurisehen Oi-ean.-s laiiL-sam Uber
den Meeresspiegol gehoben worden . ohne eine \\.-snilielie Ycriinderung ihivr
19*
•2<)2
VI. Ilisturisrlic < Jed. une.
Sdiiditenslellungen y.n erleiden. In den meislen Fiillen ihivs Ytsrkommeiis bildet
jedodi die silurisdie l;ormation in Folge ge\\altsamer Stonmgeii steil aufgt —
rielilete, geknickte. gd'altde oder (lurch grossarlige Disloeatitmen /en
Sdiidilensvsleme. also midden-, saltel-. fiidieiit'irmige oder senkredilsldiende
/onen der \erschiedenarligslen Dimensionen und Formen. Nodi \ers\ickdler
und oft vollstiindig \er\visdit \\erden diese archilektonisdirii Yerliiillnisse (lurch
das fiir manclie der palaeo/oisdien Formalionen so diaraklerislisdie Auflrelen
der transsersalen Schieferung.
Der palaeoutologische Charakter der Silurforination. Die Flora und
Fauna des silurischen Zeilallers \\ar ausschliesslidi marin. So gdtoren denn die im
Yergleich zu den silurischen Thieiiormen nur schr spiirlidien Yertreter des
Pfa n/enreiches siimintlich den Fucoiden, den Sedangen, an. Hires
mangelhaflen Erhallungszustandes wegen ist ihre Bestimmung oft sclnvierig
und ihr palaeonlologischer Weiih deshalb ein ge ringer. Sie erlangen jedodi
(lurch grosse Anhaufung der Individuen in einzelnen Schichtenzonen, so /. B.
dem Fucoiden - Sandsleine Schwedens einige geognostische \Yichligkeil und
haben, \vie oben angedeutet. stellenweise sogar das Material zur Bildung von
silurischen Anthracilflb'lzen gelieferl.
Die \vichtigsten Fucoiden Gattungen der Silurfonnation sind Dictyonema
und Chondrites, nainentlich aber Arthrophycus, als deren weilest \er-
breilete Species angefiihrt \verden kdnnen : Dic-
tyonema Hissingeri Go pp., Chondrites
antiquus Sternb., welche in den silurischen
Schiefern Bbhmens, Skandinaviens und Britanniens
ha'ufig vorkommen, so\vie Arthrophycus Har-
lani Hall, (Fig. 63) ein lederartiger Fucoid mil
ursprttnglich walzenrundern. quergegliedertem, sich
vielfach verzweigendem Slamme, \\elcher gan/.e
Schichlungsflachen gewisser silurischer Sandsleine
Nordamerikas bedeckt.
Eine viel mannigfalligere Enl\\ickdung. einon
Fig. fa. Arthrophycus Hariani. viej groSSeren Formen- und Individucn-Reiclilhuiu
hat die Thier\\ elt bereits wahrend der Silurperiode erlangt. Die bis .jet/I
bekannte silurische Fauna besteht aus fast 9000 Species, nehmlich 161 IVoto-
zoiin, 507 Coelenteraten , 500 Echinodennen, 155 Anneliden, 16M Trilobiten.
318 Entoinostraceen , 441 Polyzoen, 1650 Brachiopoden.
168 Monomyariern, 541 Diimariern. 358 Heteropoden und
Pteropoden, 895 Gasteropoden, 1451 (lephalopoden und
37 Fischen. Unter den niedrigst stehenden Thieren sind
die Spongien unzweifelhaft verlretcn. Iin (legensalz /u
denen spaterer Zeilalter \\aren sic nichl festgeuadisen. son-
dern frei und besitzen deshalb eine griissiTt- Itegelmiissig-
keil der Form. I'nler ilmen isl nainentlich Asly lospongia
praemorsa Roem. hervor/uheben, \\elche aid' (iottland, in Tennessee und
als dilnviales (ieschiebc in der norddeulschen Ebene in gn'isserer Iliiuligkeit
VI. Histuri>clic
naehgeuie.M-ii ist. Sic lial cine last \ollkommen kugelige <ieslall und vertiel'to
SclioitoKlaehe, son \\clelier unregelmassig \erlaul'ende, dicholoniirende Furolion
aussii-ahlen. Von fast derscllien liodoulung ist A u I oco p i n in a n r a n I i u in
H oo in. a us den i Silur \on F.sthlaml nnd a Is nordisches (ieseliiehe. ferner As I raeo
spongia meniscus Sail, aiis dein Silur von Tennessee. I.et/Jgenannlei
sohoibonlormigo Sch\\amiu /eiehncl sioh dureli die Kegolmassigkoit und Fiillo
seiner sechsstraliligen Spioulao aus.
Die Ilauptmassc der silnrischen K oral Ion gehort zu dor Aldheilung dor
/oanlliaria rugosa. deren Slernlainellen slots \ ior, nio al>or sechs S\ slenie
hilden. I'uter ihnon bosit/en tlie (icselilechtcr 0 m pli \ in a , Aeorvularia,
S \ r i n gop h \ 1 1 uin, (! \ a I ha \ o n i a die grb'ssto Vorbreilung. Als hosondors
he/eiclinende Arlen nuigon hior angolulirl
\\erden: C \ a ill a \ o n i a Dalmani lulu.
el II. Fig. 65), cin kloinor, hior stark
\ ergrosserler. au>ge/eielinot kogollormiger
Ivorallenstoe k mil Soplalfun-ho und lioliem
Millelsaulehen : ferner O m p h \ m a ;Cya-
lliopliN I him lurbinalum(ioldr. Fig. 66).
Fast ehcnso /alilreieh \\iodio / o a n I h a-
ria rugosa sind die Z. tahulata im
Silur vortrolon; ihro Stornlainollon sind
vorkiinunorl, daliingegen Querbb'don in
grosser Vollkoinnionhcit entwickcll. Namonllioh sind die Galtungen Galamo-
pora und Syring<»|)ora durrh ihren Arlonroiohlhum bezeichnend, slcigcn jo-
dooh aueh bis in das Devon hinauf, — Halysites hingegen ist ausschliesslich
g, «5. Cyathaxonia
Dalmani Kd w.
Fig. 66. 0 m p h y m a
turbinatu in Hold f.
Fig, 68. Halysitcs cajtenu laria L inn.
C a 1 a ra o -
>ra Go 1 1 1 a nti cfa
1, .1 m.
n naturi. t;r - , >j | uriseh iiiul deshalb ein iroffliohos Loitfossil.
•ssert,
uin 'li-1 I'uron nnd
l\"idewande
IHe \\icliligslcn
Arlon sind : (1 a I a m opo ra (Fa vosi tes) Golt I a n d i ea I. a in.
(Fig. 07 nnd II a I ysites ca 1 en n I a ria Li n n. Calenipora
e sell am ides (ioldf.i Fig, C.S . Der Knrallenslnek der erslenMi beslehl aus
dieht nobon einander slehendon langprisinalisclieii Xellcn. \\elehe /alilreiche ho-
rizontale Oncrboden bosit/on und dureli I'oron in den Seitenuiinden mil einander
in Vorbindung slehen. Hoi der /.\\eiter\viihnlen Art sind lauler im Oiierschnille
ovale Hnlnvn/.ellen mil ihrein selunaien Kudo \er\\aclisen nnd \\ 10 (ilioder cincr
Kette aneinaudergeroihl. HorizonUjle Qiiorbuden sind ebonfalls vorhanden.
VI. Historic-he < ii
Zu den eigenlhtLinliohstea nrpmiselien Krselieinuiigen der silunsclicii IVriode
Liehoren die (I ra pi ol i I hen , \\elrhe man ills den Se r I u I a r i en ahnliehe
BntwidkelimgSStadien \on Medusen deiilel. Bei ihrer ^roxsen lla'uligkeil, Hirer
aufValligen und leirhlkennllielien Form und ihrer iinsscliliesslich silurisrhen Ver-
hreiiung sind sie eins der \\ iehti^sien ErkenntiDgsmerkmale der Sihirablagerungen.
Die (i r;ipt o lithen hestehen ;uis einein Kanale, welcher der TrSger d«r ganzeo
PolypeDcdonie is! und ;m \\elrhcni sich Xellen enl\\ ickeln, mil ilim in olVener
Verltindunu stelien und \vie die Ziihne eincr S;ii:e hervortreten. Die GViiplo-
lilhen sind eiU^eder i:r;idliniu oder y.n einer konischcn Spirale aufuerolll : \iele
der>ell)CM \\iiren urspriinulich /u je /.\\eien an ihrei- Basis veruaclisen I iu. 7<>
und 7o) ; cine An/.ahl solclior i:al»eliuer Korprr scheinl /uucilen radiiil urn einen
ueiueinsainen Mitlelpuiikl ueiii'diiel ue\\esen zu scin (Fig. 76), andere liinp'uen
\varon sell)stiindig und dann mil einein uinuekelirt kej:elforniii;en Ori-ane.
dem sogenannlen Fussc versehcn, \\clcher JUT der GabelUngsstelle dcs Polypen-
slockcs haftele. Die Reste der Graptol i llion liourn fast slets in iiross,er An-
zahl vergesellschaftct auf den SchichlunusHaehen der silurisehen Schiefer und
sind in diesein Falle slark zusainmcngcilrilekt : in sandigen und kalkigen Go-
Fip. T.i.
Fig. 74-
r- -.. F'g' 75'
Fi«. ''•'. Fig. 7'>
Fig. till. I. is 7ii. Graptol it hen.
ii'i. M»iu>KrapsDs priodon Bronn. - <H niul ".'>. Monogr. gcininus Mis. - 71. Mnnngr. turriculaturs Harr. 11. I>i|>lo-
.rr.ip-us pnstis His. — 73. Diplogr. folium His. — 74, Rastrite* peregrinu.> Barr. — "n. Monograji>u- Logani Hall.
sleinen sind sie /Avar sellener, a her dann in naliirlicher NVolhunu erhallen.
Die \\ichliizslen Graplolilhen -Gatliingen sind: .M on ogr a ps us. die Axe nur
auf einer Scile mil zahniihnlichen Xellen \eisehen, z. B. M. priodon Bronn
(Fig. 09 ; ferner M. lu rrieu la t us Barr. Fig. 71) u. M. geminus His.
Fig. 7<> ; Diplograpsus, auf beiden Seilen mil Xellenforlsiil/.en, /.. B. D. fo-
lium His. Fig. 73) und D. pristis His.; emllieh Hastrites, mil langen,
zarlen, vollig gelrennl und senkrerhl auf der Axe stehenden Xellen, /.. B.
R. peregrin us Barr. (Fig. 7i.
Von den Keh inodermen sind die Seeslerne und Seeigel und /Avar 1'e-
VI. llistori*i-li<'
ri s c hoec h in iden durch so \ereinxelte lndi\ idiien verlrelen, dass diese
ohne Kinlluss aid' den (iesainmlhabilus der silurisehen Fauna Meilien; dahin-
Lieuen uehoren die (Irinoiden /.u den eliaracterislischsten Krseheinuniien des
silurisehen Xeilalters. So ist die Crinoidcn- Abtheiluni; der (Ixstideen, als
deren T\pus die (lallnnu K c h i n o s p h a e r i I e s i:ilt, last ausschliesslieh siluriseli.
1'nler diesen iritl nanienllieh der kuiielrunde Kelch von
Fch. aiiranlium Wahlenb. (Fit;. 77) in zahlloser
Mrnue dci- Individuen im nbrdliehen Kuropa auf. Die
Ubrigcn Cysltdeen-Gattongen, also/. H. Cry ptocrinus,
Ca r\ oc\ s t il es, Kc h i not1 n cri nus , lie mi cos miles
komnieii nur \erein/ell und in beschriinkler gcographiseher
\'erl>reilunu vor. Die iichlen (} ri n oi deen mil i»rossen
xusammenuesel/len Armen und radial angeordnetOD Kalk-
lalelehen hahen ebenfalls bereils im Silur eine bcdeulende
Entwickeluog erlaniil. Verhidlnissmassig sehr verbreilel Fig
sind die (iallunuen (i \ a I ho e rinus , U i m erocr inus , ^»
I. ecanoer inus.
I nter den verschiedenen Al)Uieilungen der Mollusken spielen die Hra-
ebiopodon und Cephalopoden die \vieluij4sie Uollc in der silurisehen Fauna,
und y.\\ar von ersleren namenllieh
die (ieschlechler l.e|)(aena, Lin-
iiula, () bo I us, H hynchonclla ,
Terebralula, Alrjpa, vor/ui;s-
\\eise a her Orlhis und Penlame-
rus. Orlhis isl im Silur durch
iil»er i.'io Arlen verlrelen, \on denen
loLende ihrer t;rosscn goograj)lii-
iin ranti urn Wall I.
und, A After, 9-CM-
uitalpyramide.
"V O rtli is o I eg a n tu 1 a
Da I in.
Fig. 80, Orthis lynx Kichw.
Ycrhreitun^ \vegen hervor-
/iiliehen sind : Orlhis clegan-
t ula Da liu. V\£. 78) — Orlhis
\ « -perli I io So\\ . Fiu. 7'.)) — Or-
lhis I \ n \ Kichw. (Fig. SO).
Die (iallmiii Te nla nier us 1st
liis aid einiL:(> Arlen, welehe in das
De\un hinaur.slciLien. aul' die- silu-
ri>che I'drnialion beschriinkl und in
dieser in el\\a ill Species bekannl.
Von denselben I»esit/.( nainenllieh
I'e nl. i in er u s K nii; hi i S«>\\ .
l-'it;. Nl eine i:rosse Verbreiluni: ill
Deulschland , F'-iiiiland , Sch\\eden
und Hussland. An Sfeinkernen trill
das hohe miitlnv Septum der go*
\volblen Penlaineriis - Schale in Form einer liefen Spalle her\or ''Fii:. S;'.
Atr\ pa relicnlaris Linn. l-'i;:. H:{ lx-sil/1 die p-ossle Verbroilung unler alien
!'<• n ta in <• t u
Ste i M k c r n.
*
296
VI
Thieren (Iff siluri.sclit'ii Formation, isl jednrli dic.ser und deal Devon
St ro p h omcna deprcssa S<>\\. Fig. X't knmint drr \urigen Art .111 Xalil
der Fundorle fast gleich. und sleigl ehcnl'alls in d.is l)r\mi.
Fig. 83. A trypa ret icu 1 ar i B Lin n.
Kit;. ^.!..: Untersi|uriKc)ir>r S:i M il .- 1 c i n
mil Litngula prim a, darnnter Lingula
an t i q ua.
Die \\ohlerhaltencn. hornigen Sc-halen von I, in gala und () bolus sind
hesondors ini unlcrcn Silur sehr haufig, so l.ingula antiqua Hall, iin IVti.s-
dani-Sandstoino Nordanicrikas und Obolus Appollinis Eich\\. iin iiltcslcn
silurischon Sandsteino Russlands.
Uio Zweischaler stchen, verglichon mil den Brachiopoden und Opha-
lopoden an Wichtigkeil in der silurischen Fauna schr zurtick. AussohliessUch
silurische Goschlechler dllrften sich kaum
nachweisen lassen. Cardiola isl duroh
ein Dulzend Arten repriisenlirl und von
dii'son Card, inlerrupla Sow. am
verbreilelslen und leichteslen kcnntlidi.
Auch Area. Nucula und A'vicula
Fig. 86. Cardiola inte rrnpta So w.
sind verlrelon. Die silurischen G as tero-
poden gehbrrn moisl don Gescblechtem Plourolomaria, Murchisonia
Tur ho, Capulus an; ausschliesslich silurisch isl die Gallung Maclurc;i
Fig . 87. M acl u re a L og an i Sal t. a Gehause; 6 Deckel. Fijr. *•*<. T o n t ae u 1 i le .- annul atu
Schloth.
liesit/.i ein links gewundenes (icliiiuso, umfassende \Vin-
und drshalh vollkommcn verdeckle Spindel, so\\ie cine grosse
ganzrandige MUndung und endlich einen g;m/. eigenthiimlichcn, ko-
lggregarea.a nischcn Deckel. Maclurea isl hesonders iin amerikanischen Silur
stark vertrelen und zwar durch 26 Species, von denen \\ir nur M. Logan i
Sailer (Fig. 87) hervorheben. — Als Rbhrenschalen von Pteropoden d<'iilcl
in, in die Tenlaculilen (Fig. 88), welche in unzahliger Menge die Schichlungs-
VI. llistorisrhr
297
iladien L:e\Mvser siluriseher KalkMeine nnd Thonseliieler bedeekcn. Ilierher
'•odmel man auoh Theca [Fig. 8»), \\oldn- ill et\\a ;i<l Spedes sehr \erl»rei|e|
iin Silur 1st.
Die CepbaJopedei] sind im Silur atissehlicssliel) durch Nautilocn ver-
Irelen, — die Ainmoiieen, \Neldie m juniieren Formalionen oino so aussorordoni-
lirli \\ichtiuo Hollo spielen. i-rsi-liciiu'ii rrsl iin Devon. Von don Nautileen <>r-
roiclil d.-i.x (ionus Orilmrri-jis l.croit.s m Silur das Maxiinuin soinor Knl-
\\iokolunu. (ian/. ci-.-iilhtiiiilioh sind I'iir die silurisdu- (lni|)|)(> diojoni-on Formon,
I'oi N\rloh,-n dor Si|.ho sdir »ross , porlsduiurartii; und /urn Thoil iin Innoron
Mlit '•'"«•>» '••"lialon od«-r diilriilonniiicn Apparat vorsolion isl und die man ids
Ormocer«S und lluroni.. \on Orllioccras jiolroiml hal. Auch dio (iallun-cn
Phragmooeras, Trodioooras, C y rtoooras, Kiluitcs nnd Nautilus
sind iin Silur, /inn Thoil in y.aldroiohon Arlon, solir vorhroitol.
Fig. 95.
Fig. 91.
Silnrische Cophal opden.
- tenuifllum Hall. Fig. !«. Orthoccras Ludense Sow.
OrtkoMM duplex W.ihl.-nl,. V\K. -tj. Cyrtoceras annulatum Hull.
< irthoceras juncenm Hall. Fig. 95. Lituites cornu arietis Sow.
KiiH-n aussorordontlirh grosscn Fonnon- and Imlividuen - Iteichllmm onl-
\\iokoln dio Trilobiten iin Silur. Man kennt in dicser Formation boroils
I:". Konora mil ul.or 1000 Artcn, so dass dor cigenllicho (iosaininfoindnick
dor silurischcn I'.nin.i \\c.srnili<-li von dieser erloschenen Crustacoon-Familic
Die Trilobilrn sind, \\i<- izcsagt, CrusUiceen und /.war die niirhsicn
dor honti.-on MlaltfUsser, also des in unsrivn IM'iit/t-n li-bondm
A pus und Branehipus Dio Krlialunii; d.-r Trilobiten boschriinkt sidi in
don boi Wcitom moish-n I iillcn auf den Rtlekonpan/er. Dicser xorlallt so\vohl
der Liiniio, wio dor Uroilo nach in droi Absrhnillo, wolior dor Name riilirl.
3Ian unloisdioidi.-l ein halbmondfonnigos Kopfschild, inchr oder weniger zahl-
2'.)s
VI. lli.storisdu: (irologie.
rciche Mnislringc nnd ein Sohwanzschild. .ledcr dicser Ktfrperabschnilte be-
sil/l cine milllere j»c\\n||)lc Axe, bcim Kopl'seliilde Knpl'biiekel i:en;innl , mid
/wei llarliere Seilenllieile nder I'leiiren. /u heiden Srilm dcs Ko[)fhnekels
lichen I KM \iclen Trilobilen iinselieinend racellirlc Aiigcn. Miinelic Trilohiten
hahiMi das Vermoiicn, sieli /.nsammcn t\\ kngcln. Die \\ icliti^sh n und mien
rcielisicii, ;uis.M-lilicsslieh silurischen Trilol)ilcn-(ioschlcchtor sind l';i ra do x i dcs
;Fii:. «Mi', Olcntis (Fig. 100), Agnoslus IML:. 102', Asaphus Kiu. (.»7 .
Mlaenus (Fig. 98), Tri nucleus (Fig. 99) und Calymene l;ifz. 101).
Fig. «J7.
Fig. Uli.
Fig.-W.
Fig. 101.
100.
Fig. !JS.
Fig. 102.
y
Fig. 101.
S i 1 u r i so h o T r i 1 o l> i t > P.
•MI I'.u.nl.. \idfb bohemicus Barr. — '.IT. Asaphns tyraniius Mun-li. '.is. lll.ii'im.- iMvisii Salt. — '.»'.». Trinurleii;.
'
coneentrieni K.it
UMI. Olrnu.s inicrunis Salt. MH. I'alvni.MK- lilumrnl.aclii Hrgn.; n ausgestreckt, 6 zu.-
gerollt. 102. A^n,.,~iu> integer Beyr.
/u den Cnisliicccii -cliiirl Icincr die in den ohercn silurisehen Schii-IUrn
\\eil \crhrcilele Hc\richia, ein klciner Selialenkrebs mil ahiiorimdcl \ier-
sciiiiirn Kl;i|»pen, diese mil hbckcriii- \vaiv.igor Oherlliiehe.
Vtui \V i rlx'l Ihieren hat man in don untercn Ni\cans des Silnr l>i.s
jotzl ki-ine Spur cnldeckl. ersl in den oberslen Ilori/ontcn dieser l'unii;ili(.n
er.srhrincn Hcsle der iillesl iK-kanntrn Wirbellhiere mid /war haiarligcr knor-
pelliselie ai\riindich gaiiz vcreinzolt (Pleraspis,), dann in so izrosscr Iliiiiliiik.-il
d.iss Flossensliicholn mid cmaillirlr Ch^nnselmppen in Kngland rinc
VI. llistunsrlir (irolot^ie. 2'J'I
form I iche l.a-e MHI Knodicnbrcede hone-bed MHI fivilich an den meislen l.oeali-
1. 1 1- 'ii niir I /oil .Maehtiukeil gerade aufderCren/.e /. \\ischen Silur tind De\on hi Men.
Zweitbeflimg der silurischen Formation. Die aufge/iihlien Ycrlreter der
sUurischen K;u HIM udioren niclil sammllidien llori/.onlen dcr Siliir!'ortii;iti«iii L:C-
meinsam ill), kommen also nidit in alien silurisdien Sdiiditencomplexen \er-
geselisohaftel \or, sondern repriisenliren \idmehr cine Aufcinanderfoke von
sit-li -ep-nseitiii ahlosenden Faunen. Auf dieser Yersdiiedonheit des palaeon-
loloui.schfii Charaklcrs in \ rrschu'dnuMi Nivcaus dcr silurischen Formation hr-
nilil dci-cn dctailirlr (ilifdci-uiii; in i-inxelnc Uuterabthcilungen und zahlrcirhc
/ont-ii. cine (ilii-ch-runi:, \\t-lclic frcilich nur locale Gellung besitzt. So lasscn
sicli /. H. die l"nteral»llieiluni:en, in \velche Murchison die silurisrlic Fonnalion
des \\estliclien Kn^lands /.erleL'te. in dein bohmischen Silur nichl \vieder er-
kennen. In alien l.andern jedocli , in \\elchcn die Silurformalion in eini^ci ~
inaassen Nollslandiuer Knlu ickelunii naeli-e\\ ir.sen isl, also besonders in Kni;-
liind. Hohinen, Skandinavien nnd .Nordainerika hal man /\\ei llauplabtheilunuen
\oM allpMiieiner (Jilliitkeil lixiren konnen und dieselbe als Unlersilur nnd
Ol»r rsil ur be/eichnel. Der organise-no Gcsaniinlcharakler dieser beiden Un-
lerofelheUuagen bleibt im Allgcmeinen ilbcrall gleich.
Die \\esenilieli.ste Kiuenlliiiinlichkeit des UntersilllT besteht in seinem
Ueichihume an i:c\\ is>,-n . an.Nx-liliesslicli auf die betreflende Schichlengnipjie
be.seliriinklen Trilobilen. Die \\ieliiiiislen der hicrher gehorigcn Ge.schlechler
Mild I'a i .1 d o \ ides, Trin nolens und Agnostus, sowie Asaphus, Olcn us,
Dike Ineepha I us, <1 o noce ph a I u s u. a.; keines derselben sleigl bis in das
Obei'silur hinauf, ihre iMehr/ald isl sogar an die unlerslen Niseans des I'lilcr-
silnr die Primordial-Zone) grbumlcn. Ferncr fiillt die llauplenlwickelunii der
lira ptol i 1 hen noch in das Hereieh des Unlersilur, ebenso das Maximum der
llanli^k. ii der C> slide en, \viihrend die iiehlen (Irinoideen erst sehr
sparsam aul'irelen. Kine jzrosse Rolle sj)ielen aach die Orlhocera tile n ,
namenllieli aber sind die mil kuueliii aul'iiebliihlein Sipho vcrsehciien Fonm-n
.MISS, liliesslj( Ii imiersilnriscli. Dasselbe gilt von der Gatlung Lituites. Unter
den Hrarliiopoden \\iep-n Orlliis, Leplaena und S I rop ho m ena un\er-
hallni.ssin.issi- \,,r. Auch Lingula ist sehr hiiulig, und O bolus isl auf das
rnler.sjlnr beschriinkl.
I'.is Obersillir isl vor/ugsueise dureh das \ollstandige Fehlen der eben
als speeiliseh unlersiluriseh aufge/ahlleu Trilobilen - Geschleehler bexeichnel.
An Slelle dii-ser ;:e\\inneii die (iaUnngen Phacops, Bnuileus, CalNinene
nnd llomalonotus grossi-re llauligkeil, /.um Tlieil selbsl das Maximum ihrer
I'lnlNNiekelung. Audi die im I nter.silnr slellen\\ei.se so ausserordentlieh \er
breilelen Csslideen nelniMMi >clmell ab, woliinizeuen die bis dahin sellenen
ii«'hlen Criuoideen an Form- nnd lndi\ idnen - Heielitlnim /.unelimeii
und erne urosse lieileuluni: erhallen ; /iiL-leidi treten die ersten Hlasloideen
auf. Von liraeliiopoden ei>fheinl Spirifer, aii.sserdem spielm .\lh\ris,
(ihoneles nnd Pentamerus eiii(> \\ielitige Holle. Dem oliersten Silur ge-
horen endlieh die iillesien Wirbeltliierresle, die erslen Fisehe an.
Kine Cbersichl iiber die spei-ii-llcrc Gliederung der silurischen Formation,
i'.OI) VI Hi.-torisrlir (i
\\n sic sieh III don \cT.scliirdeiien BirdungSfgUinen dn Irl/.lrivn crgcbcn hill,
mid this gegen>eiiigr Aliersxrrliallnis.s der ein/.elnen Untetttbtheilungen \\ird
in der beigogebeneii Tabclle gcbrachl wcrdcn.
Die i^oojrrapliisclM' YcrlMTitiiiig der Silurformatioii. Das Si-
lur besii/t in Kuropa y.vsei fo&gaoogedebnU Verbreilungsgebiete von vor-
seliiodonem (lliarakler Hirer SpecialfaUDeit. Das cine bcgreifl d;is norduesl-
liclic Kni'u|>;i von dor IVlschoni l)is iiiich (lornuall , das andcro I'oliit dor
l.iingsjixo Kuropiis, von Moiiolowsk bis naoh J'orluiiiil. Jones i.sl (lurch die
ludlisch - skandiiiiiNisclic , diosos (lurch die boliinischo l-'acios soinor Fauna
charaktorisirt , orstcroin gchdrcn die silurischon Torrilorion Britannicns.
Skandinavions und Husslands, lol/loroni die Hcihiuens, dos llarxcs, Sachsons,
Thiirin^ons, dor I 'm^e^cnd von llof, Frankroichs, Spanions und Porluizals an.
In Britannien besitzl das Silur seine HauplenhNickoliini; in Wales, i>l
abor auch ini siidlichen Schottland und ini nbrdliehen Theilc dor irischon
Insel, sowie an der Sttdkiistc von Cornwall bokannt. Die englischon
Geologen gliedern die silurische Schichtenreihc ihrer lloiinalh in /ahlreicho
rntei'abllioiluniion, denen jedoch selbst fiir England koine allucnieiiK1 (iiilliu-
keil /ustehl und dercn hauplsachlichsle sich in der beiliegenden Tabelle
\\iodergegeben linden.
In Norwcgen lassen sich vorziiglich z\vei grosse Regioncn der Silur-
formation unterscheiden, nchmlich die von Christiania und die VOID Mjb-
sensee. Narnentlich ini Christiania-Bassin ist die silurische SchichlonroilK* so
vollstandig entNvickelt, dass die meisten in England nachge\\iesonen I'nler-
ablhoilungen ihre Aequivalcnte fmden. Eine noch grb'ssere I'bereinstinnnung
liorrscht jedoch zwischen der norv\ egischen und schwedisohen Silurfauna. Die
Voibreitung des Silur ist in Schweden auf die siidlichste Partie dieses Lan-
dcs beschrankt. In West- und Osl-Gotland, in Smaland und Schonen li-elen
die f.lieder der untersilurischen , auf der Insel Goltland hingegen die der
obersilurischen Schichlenreihe in ihrer urspriinglichen , also hori/ontalen odcr
fast hori/.onlalen Lagerung auf. Den dortigon laurentischen Gneiss iibcrhigcrl
(siehe Fig. 103) ein gelblicher harter Sandslein a) mil viel Fucoidon, auf ihn
tb
Fig. ln:(. S i 1 ur (a, 6, t, d) auf lanrentischem Gneisse a', ttberlagert von einer Trappdecke e, an dpni KiiiiickiiHe
am Wener See.
folgen cl\\a 20 M. maohtigo Alaunsehiefer b) mil vielen primordialen Trilobilon.
Kalksicino c mil zahlreichen Orlhoceralilen, EchinosphiirittMi und Trilobiton
.Illaenus und Asaphus und ondlich Thonschiefcr d^ nut ftnssenordentliob \iol
Graplolilhon, — Alles unlersiluriseho (iobildo. In Gollland hingogon (rill nur
Oborsilur auf, besleht dort aus Schioforn und Kalkstoinen und fiihrl in auf-
fjillondcr ( "boreinstiminung mil don englischen Wenlock-SehichUsn /. B. Ilal\-
-iirs calonularia, Calamo})ora (ioltlandica. Penlamorus galoaius, Orlhocoras an-
nulalum u s. \s .
VI. llistorisdic
no i
In koineni Theile von Europa besilzt die silurische Formation cine solche
Ausdehnung \\ie in Uussland. Dorl \crbivilct sic sidi von Petersburg aus
cincrscits nach \Vcstcn liings dcr Siidscilc dcs Finnischen Meerbusens diirch
gan/. Esthland und .\ordli\land bis auf die Inscln Dagoc nnd Osel, anderer-
scils narli Ostcn an dcr Siid- und Siidoslscitc dcs Ladoga-See's. Hire Sdiich-
len lagern fast vollkoniincn horizontal und hcstehcn aullalliger Weise /inn
Tlicil aus Tinmen, loscn Sandcn , biluminosen Schiefcrn und thonigcn Kalk-
steinen, so dass ihre petrographische Beschall'enheil eher nn die jtlngsten, als
an cine dcr iiltostcn Scdimentfonnalionen erinnert. Widirend in der Um-
gegewl von Petersburg nui1 das Untersilur xur Ausbildunii liolani^l isl, la'sst
das silurische Territorium von Ksthland, Livland, Dagoe und Osel eine i:,m/
\ollsl.:iiidii;c Knt\\iekelunjjj der Silurformation erkennen. Aueh an den vbeider-
scitiiien Ablallcn dcs Ural erscheinen silurische Schichten in langgestivrktcn
/(incn, sind jedoch steil aul'izcrichtct und bcdculcnd dislocirt.
Viel bcschriinktcr ist die Vcrbrcilung des Silur im miltlercn Europa.
Am vollstiindigslen cnlwickelt und am speciellsten untersucht ist dassclbe in
Huh in en. Hier bildet dasselbe eine elwa 12 Meilen lange und 2 bis M M.
Incite clliptische Mulde, deren FlUgel einer gerneinsamen llauptaxe /ufallen,
welche von Prag Uber Berauu in der Richtung auf Pilsen liiufl. Dieses silu-
rische Hassin lagert auf einem machligen Schichtensysteme von fossilfreien
ihuronischen) sog. Przibramer Schiefern und diese auf Graniten und Gneissen
auf, \vie aus beifolgendem Prolile hervorgeht.
Skrry
Prziliram
Ginetz
Fig. 104. Profil dnrch die boliraische Silurmulde
Or. Granit und Gneiss.
A, B EUgen der azoischen Schiefer ; K, A', f>, H Ktagen des Obersilur ;
Ct D, V Etagen des Untersilur ; A' Kreide, — S Steiukohlenformation.
Harronde gliederte die in obigem Profile vviedergegebene Schichlenrciln
in :{ llauptiiruppen:
I .i/oische Schiefer (obersles Huron).
I-. i age A und B.
;> I'ntersilur.
I'.tiige C. Primordialzone mil Paradoxidcs bohciuit us, Conocephalites,
l-lHipsoccplialus.
Etage D. Conglomerate und Sandsleine, Etage I)1 Schicfer mil. Asa-
plms, Ogygia, Trinucleus, Illaenus. Sparsame Orlhoccraliten. sehr
zahlreiche (Ivslideen, cbcnso Orlhis u. S. \\ .
:\) Obersilur.
Elage 1C. Kalkslein mil sehr /ahlrcichcn Trilobilen (Calyinene. lll;ic
mis, Acidaspis. I'rocliis , Maximum dcr Knl\\ ickclmig dcr Cepha-
lopoden, sehr viel CrapNm'lhcn Ciilamopora (iotllandica, Ilalysilcs
oatenularia.
302 VI. lli>t..risrlic
Ktage F. Kalkslein, slarkc Abnahmc dec (lephalnpoden , Maximum
dcr F.nlNNickelnng tier Braehiopoden.
Ktage (i. Kalkslein: Flage II. Schiofor mil schr iirmliehcr Fauna,
nchinlicli wenigen Arlen von Proelns. Phacops, Orthoeeras.
Mine schr beachteriswerthe Krsehcinnng inncrhalh dcr Slim-formation Boh-
mcns besieht darin, dass zwischen dcr normalen silurischcn Schiehlenreihc
cin/clnc Complexe eingeschallel sind . \vclchc Vcrtrctcr cincr fremdarligcn
Fauna, nehmlich Vorliinfcr cincr in ihrcr (iesammtheit erst s])iilcr crschcincn-
dcn Tliicr\vcll cnthallen. Diese Erscheinunjzen hal Barrandc (iolonicn i:c-
nannt und auf die Weise erkla'rt, dass er /rilwrilig sich \vicdcrholcndc Kin-
wandcrunszcn aus hcnachbartcn silurischen Meeresbcckcn annalmi. dcrcn ori:a-
nischc EntNvickclunfi: rascher als im hb'hmischen Silurmccrc vor sich gcizan-
iion \\.\r.
In Deutschland scheinen nur einzelne Glieder, keine vollstiindL'civn
Schichtenreihen des Silur zur Ent\vickclung gelangt zu sein. In dcm stidlidi \on
Saalfeld gelegcncn Thcilc des Thilringer Waldes ist ein recht inlerressantes Silur-
lerrilorium bekannt gcworden , welches in einer Gruppe von Graptolitlicn-
fiihrcnden Kiesel- und Alaunschiefern einen unzweifelhaft obersilurischcn Ho-
rizont bcsilzt. Die dorlige Schichtenreihe des Silur gliedert sich \\\e folgl :
II. Obersilur, ilberlagert von Unterdevon.
7 und fi, Tentaculilenschiefer und Nereitenschichten mil Chondrites, Palaco-
phycus, Leptaena, Orthis, Strophomena , Rhynchonella , Spirifcr.
Tentaculites, Nereites, Beyrichia, Phacops, Harpes u. a.
.'), Graptolithenschiefer, 13 M.
'i. Kalkstein (Ockerkalk) mil Cardiola intcrrupla. Orthoccras, Nautilus.
Spirifer.
3, Kieselschiefer und Alaunschiefer.
1. Untersilur. 500 bis 600 M.
;? und I , Leimbachcr Scliiefer und Griffelschiefer von Stcina mil Og\i:i.-i
und Asaphus; unlerlagert von den obcrhuronischcn , phykodcn-
fiihrenden Quarzitcn und Schiefern.
Auch ein bedeutender Theil des Harzcs nnd /wnr vorziii:s\\cisc das
l-'liissgfbicl dcr Bode nnd Sclkc \vird von dcr silurischcn Formal ion gcbildcl.
In dicscr haben Beyrich und Lossen folgende von obcn nach unicn aulgc/iihllc
l;.la!_'fii imlcrschicden :
4) die Zorgcr Schicfcr.
:{ die Ilaiiptkiesclsehicfer,
3) die Wiedcr Schicl'er.
1) die Tanner (Iranxvackc.
Nur die Stufc del1 \Viedcr Scliiefer umsehliessl cine, wcnn auch nichl
rcichc , doch mannigfaltii: zusammengcsclzlc Fauna, naeh \\eldier die gc-
sammle Sehichlenfolgc den ICtagcn F, (1 \md II in dcr Barrandc'schcn Kin-
Iheilung des biilnniveheii Silnrgebirgcs glrieli/.iislellcn isl . ;i|sn einer Xeit cnt-
slamml . die jiingcr isl ;ils die englisi-lien (>Iiersiliiri<rlieii \Vcnlnek- nnd Lndlou-
Bildiing«-n, derm Aei|iii\ ulente in der Slule ]•] der li..lnnischcn Kinthcilnng /.u
VI. llisturisrlic CJcoluiric. 303
suchen sind. Die Klaize der Wieder Schiefer lu-stoht aus Thonsdriefern, in
\\eldien uiiterp'nrdnet KinlaiztTimtren von Kalkstein, Kieselschiet'er, Grauwackc
und quarzitischen (iesleinen auftrelen. Die Kalkstein-Eiolagerudgen sind Iheils
linsenformiiie. nacli dem Streichen und Fallen sieh rasch auskcilende Massen.
Ilieils limber forlslreidiende sclimale Lager, — bald sind es grosse abbau-
wiirdige Massen, liald kleine, nur \\enige Fuss mcssende Linsen. Sic fUhren
/.. H. am Sehnei-kenberge und Sdieerenslieg bei Harzgerode, bei Ilsenburt;,
\Vieda. /urge und an amleren Orten Verstoinerungen, so Trilobiten (Dalmani-
• iasteropoden Capulus . Hrachiopodon (Spirifer), Cephalopoden (Goniatites .
Ausserdem linden sidi in den Schiefern dieses Niveaus bei Laulerberg, Har/.-
uemde und Zorgo (Iraplolilhen. Was die Verbreitung und Geoleklonik des
llar/ei Obersilur Iteli'illl, so durchliiuft die Tanner Gramvaeke den Bar/, in
ununterhroehener l^rstreckung von Laulerberg in der Richtung iiber Braunlage,
Benneekenstein, Hnssclfelde, Allrode bis zum Selkethal nordlich von Ilarx-
m-rode. Nordlich und .siidlich dieses Zuges treten die jUngeren Schichten im
grossen (Ian/en in syniinetriseher Anordnung auf, und zwar in Gestalt dreier
LziiisscKM- Mulden. Z\vei derselben, erslens die nach SUdwest geb'ffnete grosse
Mnlde Neusiadt, Stiege, Benneckenstein, Lautcrberg), und zweitens die nach
Oslnordosl gebffnetc kleinere Mulde an der unteren Selke liegen im Siiden
der Grau\\aekena\e. Nodlicb von dieser dehnt sieh eine drille Mulde aus,
deren Innersles von den devonischen Gesleinen \on Elbingerode und Riihe-
land gebildet \Nird.
I'eiiKi- sind am Nordl'usse der Sudeten, sowie im sachsischen Voigt-
lande und in den reussischen FUrstenthUmern graptolithenfuhrende und
deshalb silurische Schiefer nacbgewiescn und bei Hof trelen silurische Schieb-
lenetimjilexe mil untersilurischer Fauna auf. In den Salzburger Alpen zicht
sidi eine sclimale Zone siluriscber Thonschiefer rnit Cardiola inlerrupta und
Orllioeeratitdi die cenlrale- Gneiss- und krystallinische Scbieferzone enllant^
\om Inn- bis zum Sal/atbale. Auch in dor ostlicben Forlselzung dieses Slri-
elies helinden >ich noob einige silurische Areale.
In 1 rankreich bat die Silurformation auch keine schr grosse Verltivi
I unt;: hauplsiirhlieh trill sie in der Hrelaizne auf und boslehl dort vorberr-
s.-liriid aiis Sandslein mil untersiluriscbeii Trilohilcn. sowie aus unlei silurisehen
'rimiischiffrni. Auch in Spanit-n und Portugal sind Glieder dos Silur anl'-
gefondm.
Die i-r(is.sarlii:>lr VcrbiTiluiii' hat das Silur in No rd a m (> r i k a. Ks isl
Iteivil.s IViiher hervoit:elioben worden , dass das geologiscbe Gerippr dieses
C.iiiliiirntrs Mm /.\vci lamvn<is< h-huronisehen Gesleins/.onon, der appalaeliisehen
und der canadiselirn trcbild«'l \\ird, \\elchr sieh an der Mdnduug des I.nrenx-
slKimes mit einander vereinen. Der Winkel /\\isehen diesen beiden iill<-.s|in
(ie.slems/onen \\urde von einem silurisehen Meerlmven einiieiK.mmen , (lessen
Sedimenle heiile in h.nn paralleler Riinder an dem \\eslliehen Kusse der Aile-
Lihanies und dem sildlidien Hand*- der canadisdien Gneiss/onr /.\\ Ta»e aiis-
udien. urn sidi dann diirdi Wisconsin nnd Minnesota nadi dem noch un-
nnleisurhlen Noi'd-WeshMi /u \\enden. /uin L-nisslen Theile aber von jiiiiL-eren
VI. Ilistorisclif <u'ol<>!_rir.
Formalioneii bedeekt siml. Ausscrdem trelen silurisehe Territorion von an
ordenlliehen Dimensionen isolirt in dem Plachlande zwischen Alleghanies und
dem Mississippi. I'erner cine An/.nhl silurischer Areale in Canada, den enii-
liehen IYo\ in/en, den arklisehen Rcgionen und iin Gebiele der Koek\ Moun-
tains ;iiil'. Als lypisch gilt filr alle diese Ablagerungen die (iliederunp do
Siliirs von New-York.
Kur/ bemerkl soil nur noch \verden, dass -silurische Sehiehtm und Faunen
auch in Sildainorika, Al'rika, Asien und Neuholland nachgewiesen worden sind.
Die Glirdrrmiii dor silurisclien Formation in ihren vcrscliicdciu-n Hilduniis-
riiuinon ist in beifokonder Tabollo ilborsiclillich xusammengeslellt.
Viilkanische Erscheinuiigen und Oangbildungen im (jebiete silu-
rischer Territorien. Mil der im Vorhereehenden beacfariebenen silurisclicn
Schirhleim'ihe stehen Eruptivgesteine in engster BezichunLZ. Ivs sind
dies sowohl weit ausgedelinte Einlagerungen, vvelche an dem gan/on Schicli-
tenbau der Silurformation Iheilnehmon, \vie Slocke und Ga'n^c, \velclic dir
It'l/U'iv durchsetzen. Diese, namentlich Granite und Syenite, sind nalurge-
iniiss jiingeren Ursprunges, als ihre sedimentiiren Nebengesteine , — .i<'n«'>
vor/ugsweise Diabase, gleichalterig mil der Schichtenreihe , in \vHcluT sic ein-
gesclialtet auftreten.
Die Diabase sind die vulkanischen Gesteine der altesten geologischen Zeil-
alter und demnach auch der Silurperiode. Nach ihrem Empordringen aus der
Tiefe haben sie sich deckenartig tiber betrachtliche Slrecken des damaligen Mee-
resbodens ausgebreitet und sind spater von jiingeren silurischen Sediinenten
bi'dcckt wordcn , so dass sie einerseits den Unebenheiten ihres Untergrundes
Uberall folglen, wiihrend sich andererseits die jiingeren silurischen Schichten
den Umrissen ihrer Oberflache anschmiegten. Als integrirende Theile des si-
lurischen Systems mussten die Diabaseinlagerungen an den in spateren Zeit-
riiumen vor sich gehenden Aufrichtuugen der urspriingtich horizontalen Scdi-
menle , sowie an Storungen des Schichtenbaues iiberhaupt theilnehmen. Mil
dem Empordringen der gluthfliissigen Diabasmassen gingen, anscheinond ganz
in derselbcn Weise, wie in den jiingsten geologischen Perioden, in Verbindung
mil den Basalt- und Trachytausbriichen
Eruptionen von vulkanischen Aschen.
Sanden und Lapillis Hand in Hand.
Dieses losen vulkanischen Materiales bc-
miichligten sich die silurischen Wogen,
ebneten es zu ausgedehnten Schichten
und vermenglen es zum Theil mil ihren
a liiabas-Lager, . \ * n
I, Silurische Th.>n.schiefer, im Contact mil dem Dia- ClgCnen Sedimenteil, SONVIC den Kesten
base metamorhposirt lei. . ,. ... .
ihrer Bewohner. Auf diese Weise eni-
standen die nicht sellen versteinerungsfiihrenden DiabaslutVe, GrUnsteinschiefer,
St-h;ialsteine und Diabasbivccien . die auf der einen Seite in sedimenliire
Grauwackenschiefer. auf der anderen in achle, kornige Diabase iibergelien.
eine Krselieinung. diireh \\elehe die (lleieli/eiliukeit zahlreicher Diabaseniptio-
nen und ge\Nisser silurischer AlilagtM'unLM'ii ausser /\\eil'el L-esetxl \\ird. Dei-
Fig. lO.i. Profil sudwestlich v o 11 Allrode
im Harze. Siebe .Seito :t(Hi.
VI.
305
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306
VI. Historisrhc
artigo Diabasgosleino spielcn in \ielcn Silurlcrrilorion, so in denen dcs Marxes.
Hiilimcns und Englands cine niehl unxvichtige Hollo. Die llarxcr silurisdien
Diabase sind in Ligorn von xerschiedonor Miiclitigkcit den Sc<liincntiirgcstcincii.
namentlicli Tlionsdiiefern x\\ ischongciagorl. maohcn idle \Vindungcn und Knickun-
gen derselben mil, und xcigen, abgeselien von localen Ansehxxollungen und cinom
oflmals rasdien Wechsol dor Miichtigkcil. cine don sodimcnliiron Scliiclilcn
durcliaus conforme Lagerung.
Diese Diabase liallen innerlialb der silurisclion Schichtenfolge dcs Harxes
x.xxci giinx beslimmte Niveaus inne, in deron oberem sie sich durch ihre apha-
nilisehe, in deren unterom aber" durch ihre kornige GosleinsbesehafTonheit,
sowic durch ihre hiilleflint- und felsiliihnlichon, sohr barton und dichton Con-
taetgebilde auszeichoen. Letzteres ist narnentlich bei Hasselfeld an dcr Hap-
bode, bei Altenbrak und xxvischen Allrode und Troseburg der Fall.
In der silurischen Formation Bohmons treten Diabase \<>rxugsxvoiso in
Woehsellagerung mil Graptolithen-Schiofern auf der Grenxe xxvischen Ober-
und Unlorsilur auf, so dass ihr Ausgehondes um das ganxe Bassin der oboren, xxc-
sentlich aus Kalk beslchcnden Fonnationsnbtheilung einen formlichen Gtlrlel bildel.
In aussergexxohnlieh grosser Miiufigkeit treten lager- und deckenarlige.
soxvie gangformige Diabase in dein Silurbecken von Christian i a auf: ebenso
breilen sich in Wostgotland horixontale Diabasdockon liber doin Untersilur
aus (siohe Fi». 103 e}.
Die bedeulendsto Ent-
xvicklung haben die Dia-
base,, und xxvar nanienl-
lich die versleinerungsfilh-
renden Diabastufl'e, in der
englischen Silurforma-
Fig. 106. Profil durch die Golli-Hills (Wales).
a Untersilnri.sche Scliiefer; — b Lager vcn Diabas und Diabastnft';
c Gauge und Stiicke von Diabas.
lion erlangt. Die lel/.lcfcn
und oin Theil der echten Diabase xvechsellagern dort in griissler Hegclmiissig-
kcil und in einer Gesiimmtmiichligkeit von Uber 2000 M. mil den untersilu-
rischen Schiefern und Sandsleinen , xviihrend die Eruption andcrcr gang- und
sloekl'iirniiger Diabase einer elxxas spiileren Zeit angehb'rl.
In ganx iihnlicher Woise', xvie Diabase, treten auch Fe Isi tporph x re.
•/.. H. in dein' unlerslcn Silur von Bolunon bei Skrey, von Norxxcgen bei Chri-
sliiinia. soxxie von Nord- Wales in Wechscllagerung mil Tlionschiefern auf
Holies Intoresse bcsilxen die Eruptixgcslcinc, xxelche xxxischcn den xvahr-
M-hcinlich unlcrsilurischen Siindsteinen am Siidufer dcs Lake Superior in
Nordamerika einuela-
V\t!. 1(17. I' rnf i 1 (lurch K ewe on aw Point im Lake Superior.
:i I. ;ik.' Superior; — Untersiliirische Samlstcinn und Coiiglomorato. ; —
r Mel:ipli\ rlajjcr wpclisrllagernd mil ManJelsteincn und C'ongloin^inton.
in Geslidl einer Scliich-
tcnreihe von almcclt-
selnden Diorilen, Mcla-
phyren und Mclaphyr-
niiindclslciiicn mil untergeordneten Conglomeratbiinken /wischcn \ersleinerungs-
leeren Sandslciiirn und Cdnglofneraten auf. so dass ihrc Eruption und die
VI. llislorischo
307
Hildung (Ics
henachharicn Nebengesleines
augenscheinlich
11 eh lit
Fig. 10S. Prnfil (lurch don llrli-
bcrg b o i Andteasberg.
;i (invuit; — b Grauwackon und Thoii-
schiofer, im Oontacte mit dcm tlranit iu
Hornt'cls verwandelt.
in dieselbe Periode
i'iillt. Als \ollsliindige oder lheil\\eise Auslullung der .Mandeln in ge\\issen
dieser Helaphyrmandelsleintagec stdlt sich neben Kalkspath, Quar/, und Zeo-
lilhen gediegenes Kupfer und Silber ein.
An st'lir y.ahlreichen Loealitiilen ist die siiurischo Formation (lurch Gauge
und StoVke vonGranit undSycnit duirlisct/t \vorden. \vcnn ancli die
tiom-n dit'st'r l»cidcn (icstt'insarltMi nur in scllcncn
I-'iillcn in dit1 Silurpfriodt- sclhsl. sondtM'ii ineist in
spiitt'iv XcitriiniiH' i'allt'n inoiicn. Als H(MSj)icl finer
t'ruj>(iv(>n (Jranilmassi1 in silurischt'in (ichiclc inai:
tier (iranitsldck tics Kcliherijcs im Harzc angcfdhrl
\\cnlrn siclic 1'ii;. I OS . An dieser Stellc hat
dt-r (iranit silurisclic Thonschicfer untl Grauwackcn
dinrhscl/l. Unichstiickc dcrsdhcn losgerissen und
mil seiner Masse uinhilllt , cine i»e\\altiiie Scholle
ties Nelx-n^esteincs auf scinem RUcken in die Ilohc
uchoben, so dass diese jelzt den Gipfel des Reliberiies bildet, und endlidi /ahl-
rcidie Apophysen in das Nebciiiiesldn, und /war namenllidi in die aufla-
iicrndc Sdiolle gcprcsst , sowic nicht nur diese letzlere, sondcrn audi die l>c-
nadiliarlcn durdibroclienen Thonschiefer und Grauwacken in Ilornfels unige-
\\andelt. — Auf der Insel Arran an der Kllste Sdiottlands selzt ein gcwal-
liger (iranitsloek zwischen untersilurischen Schiefern auf, weldie ihn inantel-
formiii uniizeben. und in die er zahllose Giinge , nnmentlich aber kleine,
/ierlidie Apophysen von Millimeter- bis fast Meterdicke aussendet, so dass
die Sdiiefer \on GraniUidern gam durdisdiwiirmt werden.
I'lilcr ganx, iilnilichen Verhaltnissen durchscl/en iniiehtige Granitstiicke den
(ineiss iintl die auf ihm auflagcrnden silurisehen Schiehlen be4 Chrisliania und
an maiH'hen andercn I'unklen , ferner Felsi tporph y re in sieli nel/torniii;
krcu/entleii (iiiiii-en die silurisehen Thonsdiieler der scholtisdien Grafsehafl
Argyie.
Ausser (lurch Eruption glulliflUssijier Gesleinsmassen olVenbarte sich die
ThiitiLikeit des Vulkanisnius \viihrend der Silurperiode tlurch Nrveau verii nderun-
^en ein/clncr Theile der damaligen Krdkrusle. Waren diesellten saccularcr
Xalur. so aiisscrlen sic sich, abgcsehen von sdiwicrigcr nacluvcisbaren Sciikun-
gcn, (lurch llebungen ein/dner Farlicn des silurisehen Mecrcsbodcns iiber den
Spiegel des Oeeanes, so dass dit! Ablagerung tier silurisehen Sedimcntc an
soldien Stellen unterbrochen svurde, die silurische S< hiditenreihe ihre vollstiin-
digc Ausbildung also nicht erlangle. Die I.agerungsform des Silur \vurde
durdi solche langsame und gleichmiissige Hel)ungen nicht beeinflusst . blicb
\iclmehr die urspriinglich horix.onlale. Solche einfadie .\i\eaiiveraii(leriiniren.
mit \\elchcn ein Waehsen der damaligen Continenle Hand in Hand ging.
haben /.. li. die untersiluris. hen Areale l)ei Petersburg und in Weslgotland
crfahrcn. \vclehe vor Reginn tier oliei'silurischen I'eriode bereils als Fcstland tla-
standen. Xuin Theil jedoch \varen diese llebnngeii ein/elncr I'arlien der lu'd-
krusle mil Schichtensliininizeii \erkniipft, \on dencn naiiieiitlidi an soldien
20*
308 VI. Ilislorisrhe
Pimkten naehgevNiesen \\erden kaim . dass sie in die siiurisclio Poriodo lielon.
\\u untersilurisrhe (lomplexe ungtefctifOttnig NOII obersilurisehen oder do\oni-
sehen Gesleinen iiberlagerl \Nerden. \\ie dies ;in manehen Punklen Nord-
amerikas und Kilt-lands der Fall isl. Die grossarligen Verwerfungen. Knickun-
gen und Bieiiimgon. welche gewisse silurische Sehiehienreihon erlitten liaben.
miigen ebenfalls xuni Theil noch in die Silurperiode fallen, moist alter gehiirl
ihr Ursprung jilngoron, niclit Iteslininiharen Xeitriiumen an.
Als eine Aeusserung des Vulkanismus und z\var zum grossten Theilo als
oinc Folge inslanlaner Hebungeo oder Seitikungen isl die Bildung von Sjialten
zu betrachten, \\clc-he das Gestein in grbsserer oder iierin^ei-er Brstrecknng
his /u mchr oder weniizer bedeutender Ticfe durchsetzen. Daduivh dass die-
sell)en sp liter dureh Al)satzo aus Mineralquellen zum Theil mil l-jv.en ausge-
ftllll \vurden, gabeu sie Veranlassung zur Enlstehung der Krziiiiniie. deren
\Vii-htiiikeil als Lagerstalten zahlreicher technisch nulzbarer Mineralsubslan/en
einleuehtet. Kinige instructive Beispiele solcher gangfdrmigen Kr/vorkonmien
innerhalb silurischer Terrains mb'izen hier ihren Plalz finden. Der altberilhmte
Silbeilieruxverksbe/.irk St. Andreasl)erg im Hai-ze liegl am slidliehen Ab-
lianue des Rehberges und Sonnenberges, eines Gra nil dickens , an (lessen stld-
\vestliche Riinder sich eine schmale Zone siluriscber Thonschiefer und (iran-
\\aekenanlegt (siehe Profil 108), welche nach Silden zu ihre Begrenzuni: dui<h
eine machtige Diabaseinlagerung erhalt. In dieser silurischen Zone setzen die
Andreasberger Gange auf. Es sind dies einerseits Eisenstein- und Ku])ler-
kiespinge, andererseits Silbererzgange , welches durch ein drittes Gangsyslem.
die faulen Ruscheln scharf getrennt werden. Lelztere sind iniichlige taube.
mil Thonschieferbruchstilcken ausgefilllle, mil einem Lettenbesleg versehene
Gange, welche in ihrer Liingenerstreckung ein langes, schmales Ellipsoid l>il-
den, sich in der Tiefe vereinigen , und somit eine keilformige Thonschiefer-
partie mantelartig urnfassen, deren Schichten von 0. nach W. slreichen und
mil 70 bis 80° gegen S. eiufallen. Die Silbererzga'nge setzen nur innerhalb
des Ruschelellipsoides auf und haben deshalb eine geringe Ausdehnung, sind
wenig mjichtig, jedoch bis zu einer bedeulenden Tiefe aufgesch lessen. Hire
Haupluangmasse isl Kalkspafh. Die wichtigslen in diesem einuelagerten Kr/e
sind: Bleiglanz , Zinkblende , Rothgiiltig, Anlimonsilber, Arsensilber und ge-
dieLien Arsen ; sie werden von Apoplnllit, Harmotom, Desmin , Stilbit und
Flussspath begleitet. Die Silberer/gange gehoren zvvei Streiehunirsrichtuii^eii.
einer nordlicheren und einer \\cstlieheren an. fallen geuen N. und izeiien
NO. und kreuzen und venverfen sich deshalb ofters, doch Itleibt sich die
Haiiptgangsausfiillung in alien Giingen gleich. Di(> Ruscheln schneiden
entweder die Giinge gerade/u ab, oder schleppen dieselben eine Strecke weil.
In keinem Falle aber set/en die Silberer/giSnge Uber eine der beiden (H-«-IIZ-
ruscheln hinaus. Die Eisenstei ngiinge treten ausserhalb des durch
die Ruscheln umschlnssenen Kllipsoides auf, sind mil derbem Hotheisenstein
und (ilaskopf ausuefiillt und bilden im Verein mil einigen Kupferkies- und
KoballgUngen eine Xone /iemlich parallel der Gren/e des Granites.
Die Uuerksi I berl a gn-slii Men \on A I in a d e n in l^slremadura sind
VI.
(Jange \ou Uber ('» M. Miichtigkeil. \\elchr silurische Thonschiefcr und Ouar/ile
durchselzcn uiul fast durehgangig aus Ouarz uiul diehlem oder enligem Zinno-
ber bcstehen.
In den silurischen Terrains der amerikanischen Continenle zcichnen sich
z\\ei Be/.irke (lurch die (Irossartigkcit ihrer gangfftrougen Krzvorkommnissc aus,
die Kupferregion am Lake Superior und die Bleiglanzregion am obcrcn
.Mississippi, ruler erstcrer verslelit man nameutlich die fclsigc Land/ungo
Ke\\eena\\ iscuaunl . \\elche von dor Sdd-KUslc des Ohercu See's in Fnriu
eiues Hi deulsclie Meilen lauuen Monies naeh N. vorspringl und ihrcr Lauge
naeli in drei Zonen /.erlalll , <>ine oslliche YOU Uulorsilur, cine luitllore von
bereiix nl.rn hesehriehenen Melaph\ren. kupferfuhrcndcn Mandelsleinou und
(ion^loiiieralen und eiho \\esllielie von SandstcMiien mil cinigcn Melaplnr-
lauern siehe Profil 107). In rcchlein \Viukel auf ilirc Langcnerslreckuug \vird
die.se llalhinsel von /alilreichen , scnkrcchlen Giingon durchsctzl, welche in
ihrei- Machtisikcil zwischon vseniiien Ccnlimclcrn und 10 Melcrn scliuanken und
in einer vor\\alteud<'n Kalkspath-, Prohnil- und QuarzausfUlluug im Verein
mil /.ahlreichon HruohslUckeu des Nebcngesteins gcdio genes Kupfer in bis
/,u I'). IH)0 (lent. seliNNcren Massen umschliessen.
Die \oi-h(M-er\\ahnle Bleiglanz region dehnl sicli in deni nach SO. olFenen
\\inkel aus, welcher von deni Wisconsin- und Mississippislrom gefonul \\ird,
ip. III'.). I1, 1 ei g la nzjtange und -HOhlen a im un-
(• r ihiri»chen Lti'luinitc b am obcren Mississippi.
Fit?. Ho. »Schlot« i-iiipr I'.lci-Uii/.huhle am
obercu Mit-.-i.s.sippi. incrustirt von lileiglau/. a
mid KalkKinter b.
iiimml I-'D denlselie Ouadralnioilcu Fla'fhenraum ein und gehorl (|<MII sildlichen
Wisconsin, dem n<)rd\\csllichcn Illinois iind dem iiussersieu Oslen von .Iowa
an. Dcr Trenlon-Dolomit, ein (Hied dor dorligcn untersilurisehen Schichlen-
rcihc. \\ird dnrcli/n^rn und durchsel/.l \on un/ahliuen, \erlicalcn, hori/.onlalen
und diaunnalen Spallen und umschlicsst j:eraumigejl6'hlen voii unreuelmassigcr
odcr ul(tckenloiinii:er (ieslall. Diese sind ausgekleidel odcr ausi-efUlll (lurch
Hleiulau/., /inklilende . Kuplerkios . Scli\\ elelkies . (ialmei, Kisenocker und
Kalksinler. Die Dceke vieler HleiiJan/.hnhlen bielel ein aussersl unregelmassigcs
Anschen dar. Von ihr laufen kcgelformige llohlriiumc, sog. Schlble aus. \\elchc
zuin Theil \on einer l,ai:c IHciglanz ausuekleidcl und dann \on Kalkslalaklilcn
inkruslirt sind (siehc Fig. 110). Der Process der Auslillluiig dcr Spallen-
riiume innerhall) der silurischen Dolomite ging noch in den neueslcn geologi-
schen /citriiumcn vor sich. Der hochsl inleressanle Fund \on (lurch uroli-
krystallinischen Bleiglanz zusauuuen gekitlelen uud von solchem inkrustirlen
;i|l) VI. !li>tnri.srhr (i
Elcpha'sknochenbruchstUckcn in zu Tage ausgehendcn Gang.spallen. liefert hirr
filr den sprechendsten Heueis.
Itiirkhlick auf das silurische Zeitalter. Ks 1st ein frcmdartiger An-
bliek. welehen miser Planet \\iilnvnd der Silurperiode dem Auge dcs Gco-
logen bielet. Fasl das gan/.e Krdenrund 1st voni \Viisscr bedrckl, Uber dcsscn
Spiegel sich nur cinzclnc felsigc Inscln erheben. Sie enlbehren noch des
Schmuckes einer Pflan/endccke und des I.ebens lliici'isclicr Hcwohncr, -- lodl
und slarr slehcn sic da! l);is Meer hiriil abenteuerliche Fonncu , Trilobilen-
sclnvjinnc tuiiinicln sich an seiner Oberflaehc, zahllose Graptolithen ftillen seine
seielilen Slellen an, fonnenreiehc, beschaltc , zuin Theil riesige CephalopodfMi
belebea die hohc Sec. -- Korallcn von fremdaiMigein Tjpus Huiiosa und Tabu-
la l;i ha uen ausgedehnle Banke auf, — heute langst ausgestorbene Brachiopoden-
Gallungen und arnilose, vieltafelige Crinoideen (Cystidea) wuchern auf d<-m
Meeresgriinde1; crsl nahc dem Schlussc der Silurzeit erscheinen aueh seltsam
geslallctc Fisehe, die ersten Wirbelthicre, auf der WellbUhne.
Der Gesammlhabilus der silurischen Thienvelt war auf der ganzcn Erd-
oberlliielie derselbe und nach dieser Ubereinstinunung zu schliessen , inussen
aucli die Tenipcralurverhaltnisse \vahrend der Silurperiode Ubcrall iin Allge-
ineinen die gleichcn gewesen sein, — alien Breilen voni Pol bis zuin Aequalor
\\iir ein wannes, froslloses Kliina genieinsam. — Cbcrhaupt aber findet der
Mangel an Mannigfaltigkeit in alien irdischcn Vorgangen, die grosse Kinfiieh-
heil in tier Krdoberllaehcngestaltung ihren Ausdruck in der Monotonie der si-
lurischcn Fauncn. Dass in dicscn Verhaltnissen die Ursache der Einfonnigkeit
der unler ihrem Einflusse sich enUvickelnden organischen Well zu suehen ist,
trill besonders deullich darin hervor, dass sich an solchen Slellen der siluri-
schen Erdoberlla'chc, \vo deren Gliederung bereils cine eUvas grossere Mannig-
faltigkeit besilzt, Localfaunen ausbilden. Dies isl z. B. in dem bbhmischen
Silurbeeken geschehen , welches fast rings von GneissriH'en umgcben , \\ ahr-
scheinlieh nur durch einen schmalen Arm mil dem grosscn silurischen Oceane
in Verbindung stand und in \velchem sich unter derartigen local abweicbenden
Yerhallnisscn cine Fauna von Uber 2800 Artcn herausbildete, \\elche z\var das
allgerneine silurische (ie[>r;ige, aber nur 207 Species mil der der ilbrigen gleich-
zeitigi-n .Mrere genieinsam halle. Dieses einfache Faclum dculel bereils auf
die Dillcren/jrung der organischen Well hin, \\elche sich im Latife der /eilen
durch Summirunu von verschied<Miarlinen Einiliissen einslellen sollle.
Die devoiiisclic Formation.
Als dcNonisehe Formation bezeiclmel man cine slellenweise Uber :{(MIO Mdn
.Miichligkeil errcMchende Schichlenreihe von \orherrsch<Miden sandigen, thonigen.
.sn\\ie kalkigen Gesleinen, \\cldie auf der silurischen l-'onnalion aufruhen . \<m
der carbiinischen Formation ilberlagert \\erden und die Resle der erslen (Je-
riisskryptogamen und Cnniferen, ferner solche von Korallen, Crinoi«h'n und
VI. Historisohe
:\\\
.Mollusken, sou ie son Trilobilen und von bereils zahlreiehen Fisehen unisehliessen.
Da in ihr die ersten (lonileren. Fame und (lalamilcn. die Fisehe alter zuersl
in grb'sserer Mannigfalligkeit erseheinen. beyeiehnel man die devonisehe For-
mation als die der ersien G efii ssp 1 1 a nzen und der Fischo.
Der petrourapliische Charakler der dexonisehen Sehiehlenreihe isl im gros-
sen Ganzcn ziemlieh einlormig, wenn auch in den einzelnen Enlwickelungsgebic-
ten tlieser Formation ineonslanl. Sandsteine, (Conglomerate, Grauwaeken, Thon-
.sehiefer und Kalksleine bilden das \viehligste Material der dcNonisehen Sehiehlen-
s\. steme. innerhalb tleren die beiden erstgenannlen Gesteine in manehen Gegen-
tlen i.. B. Nordamerikas und Englands eine \or den ilbrigen bei NVeitem her-
Norragende Itolle spielen. Naeh tliesem ihrem Ittealen pelrographischem (lharakler
\\urde tlorl die devonisehe Formalion als Old-red-sandslone bezeichnel.
In VVeslphalen, Rheinpreussen und dem Harze hingegen beslehl nur die unlere
Gruppe tier desonisehen Schichlenreihe aus sandigen Sehiefern und Sandsteinen,
- die miltleren und oberen Flagen hingegen aus Kalksteinen und Thonsehiefern.
Ganz eigenthUmlirh isl das Auftreten \on versleinerungsi'Uhrenden Kalkslein-
nieren und -linsen zwischen Thonsehiefern. so tlass erslere fasl vvie Mandeln
in den letzleren erseheinen. Naeh ihrer Zerslbrung durch die Almospharilien
erhiill das Geslein ein Ibeheriges Ausschen (Kramenzelkalk). Einen von dem
normalen \ollkonimen ab\\eiehenden pelrographischen Charak'ler besilzl die
DcNonformalion in dem Taunus. wo sie durcli eine Sehiehtcnrcihe von zurn
Theil Serieil und Albil ftlhrenden Gneissen, Glimmerschiefern, Ouarzilen und
Fisenglimmersehiefern repriisentirl wird, welehe mil versleinerungsluhrendcn
GraiiNNaeken, Kalksteinen und Thonsehiefern slraligraphisch und pelrographiseh
auf das innigslc \erbunden sind.
Sellen und in nur hbehsl unlei'geordneler Wcise Irelen Sleinkohle und
Anlhraeil in \\enig miiehligen Flblzen und Neslern zwischen der devonisehen
Sehichtenreihe auf. Dahingegen gehbren die grossarligen unlcrirdisehen Pclro-
leum-Be.stM'\ oirs im nbrdliehen I'ennsxlvania dem obcrslen Devon an, indem
sieh Frdiil. im Verein mil Salzwasser
und Kohlen\\asserstotlgasen in Spal-
ten nnd llohlriiumen des obcrde-
\onisehen Sandsleines angcsammell
hat. Flblzarligc Einlagerungen \on
iMililliisehem. tliehlem . oder kalki-
gem Ht>lheisenerz, und entllieli lin-
sen- und tlbl/fbrmige Lagerstiitlen
\on Seli\\cl'clmelallen sind als (ilie-
der der dc\oni.sehen Schichlenrcihe
bckannl. hie gntssarligste und be-
riihmlesle dersclbtMi isl die des
Rammelsberges bei Goslar. Sie bildcl eine <t(M) Meter lange und
maehlige. im Allgemeinen linsenltirmige Einlagerung oder riehlig<
Vei'binduni: kleinei
f\u minds b
«
. 111. 1' r o f i 1 v o in K a m in o 1 s b c r ;
a
li i s (i i) s 1 ,-ir.
scnbavlier Schicfer niit liiisoiilViniiii'rn Kinla
(I Uunt.-ainl.-tcin: c .Mii.-rlii'lkiilk.
I .is GO Meter
r zusammen-
.r ^., .,„ , unregelmiissiger Linsen y,\\isehen tle\onisehen
Thonsehiefern fsiehe Fig. Ill) und beslehl aus einem sehr feslen. compaclen
•1 I '2 \ I. I
<icincni:e \on Sehvvelelkies. Kupferkies. Blciglan/ und Zinkblcndc. I'erncr
Ireien in dcm dcvonischen Kalksleinc \Veslphalens x. B. bci Union und l.ser
Inlm. ferner bei Aachen ibbdlKWtirdigC Nester \on /ink- und Blcicrxen auf.
Kornigcr Mauueleisenslein bildel y.vv iselien den dcvonischen albilrcichen (im-is-
.sen der Taunuskelle untergeordnele und in dern Oberdcvon von Oslcrreichich-
Selilesien ziemlieh bcdeulende I.ager. In den meislen ilbrigen Fallen einer
ButtBSteinafiibruilg dcr dcvonischcn Fornialion stelil diesellu- in einer so eiiLien
iienetisehen He/iehinii; xu ^e\\ isscn Krupli\ izesteinon jcner gcologischcn Te-
riodc, dass sic zuglcich mil dicscn besproclien \verden intlssen.
Die Stcllung der Dcvonforniation in der sedinientiiren Scliirlitenreihe er-
girlil sieli, L-anz abgesohcn von ihrer Vcrsteinerungsl'Uhrung, aus ihren L a Be-
rlin iis\ e riiiiltnissen, indem sic auf dcr Silurfonnation aufrulit und seihst
vNieder von den unlcrstcn carbonischcn Schichten l)odcckt \vird, also /\vis<-hen
beide einxni'eihcn isl. Die ConUictvcrhaltnissc des Devon mil den beiden
ilnu benacliliarton Fonnalioncn sind kcineswegs an alien Aufschlusspunkten
dessellu-n wnhminelnncn, sehr deutlieh aber ist z. B. die gieiclilonniue I'ber-
lauening des oberen Silur durch das Devon an zahlreichen Orten des Oslens
von Nordainei'ika, ferner die Dberlagem&g des Devon durch die Steinkohlen-
fonnalion am Nordabialle des Hheinischcn Schicfcrgebirgcs bei Aachen. Stoll
berg und an dcr Ruhr aufgcschlosscn.
Uber die architektonischen YerhSiltnisse dcr dcvonischcn Fornialion uili
dasselbe \vie Ubcr die des Silur. Sellcncr, dann abcr in Arcalcn von grosser
Ausdehnung /. B. in Nord-Ncw-York und Pennsylvania sind ihrc Schichlcn in
der urspriinglich horizonlalen odcr fast horizontalen J.age gel)licbcn, ineisl hin-
Liei:cn stcil aufgcrichlel, gcbogcn und gebrochen so irn llarz, in der Kil'el, iin
Fichtel^ehiiv*1), Schirhtungsvcrhiillnisse, wclchc /uiu Theil dureh das Aul'lrelcn
cincr ausgezcichnclon transversalen Schiefcrung vcrdunkell odcr \er\visehl \\erdcn.
Palaeontologisclier Charakter (ler devouisclien Formation. H«
schriinkl sich das organischc Lcbcn in dcr Silur/cit auf das .Meer. so eiv.enuen in dcr
de\onischen Pcriodc auch die Conlincntc Organismen, frcilich ausscliiiesslidi
Pllanzcn. Die devonischc Flora isl noch ausserordcnllich tbrnienarin und spiir
lii-h. Von den Fucoidcn gcwinnen nianche Irolz schlcchtcr lOrlialluug durch
die IliiufiiAcit ihrer Individucn licdculung z. B. llaKserites Deehenianus in
L;e\\issen Xoncn des Bhciiiischcn Thonsrliiel'ers und Fueoidcs caiida-L:;ilii in
den iilleren dcvonischcn Sandslcincn von New- York. Die horlist spiirliehe
l.andvei:ei;i lion der Dcvonzcil oll'cnbarl cine sehr Lirosse Ahnlielikeit mil
der spiilcrcn Slcinkohlcnllora. mil vvclchcr sic nichl nur die meislen (iener.i.
.sondern auch ein/eine Species iicmcinsani hal. Die dcvonischcn Landpllanxcn
gchbren den Gefiissk rv plogarncn und Conileren. sovvie den zvvisehcn
bcidcn (Jruppcn slchenden Siizillarien an. .Nehen den Sliimmen diescr
Ictxlcren isl uns das (il/igc \Vurxelv\erk dcrsclbcn, Sligmariii fiooidcs
Broni:. i(us der Dcvonxeit ubcrliclcrl. Dit- (lonifcrcn sind durch llolxresle
Aporo\ylon und Dadovvlon Arauc;iriles vcrlrclcn. und \on (icfiisskrv plo-
L:; mien sind das (lenus (lalamilcs und (lessen als Aslerophv Miles, Annularia
und Splieiiophvllum aulueriihrlc /vveiue und Blallcr, 1'ei'ner L e p i dod c ndron-
VI. lli>tori>r!ii' (i
Arlen. so\\ie x.ahlrcichc r'arne. Cylopleris. Nenropleris, Sphenopleris mid
Pecopleris aiiluet'miden \\onlen. Alle diese lonm-n \\ icderholcn sich in der
earbonisclien Formation mid \\crdcn l»ei Hespreelmnii dieser uenaner abuc
handell \verden. - rein de\oniseli liiii^r-cn . \\emi aneli .ml (laii.idji , New-
York und Ohio Itt-scliriinkt . \vo cs jcdoch in iiusscronlnUlirlici' ll;inlii;k«'il vor-
koiinnl. j;i iiMinclic SchichU'ii uiin/, iinlulll, isl das l\co|)odi(Mi;ilinliclic ('.cnus
I' si I o |)h \ I on D;i\\ s.
Fig. II 2. I'silopliy to n Daws.
VntiTii'li rlirr li"]i/"iil:il>T Slamin niit million Narlion unil cylimlrisclicii Wuiv.f In , U SUiiiiiiliiiicli>tiick ; —
r /wci^on.l.-; — <1 SUtnm nud Zwcige ; — e Zwcigbiischol ; — f Fructilicatiiui ; g Kestuuriiic I'lbu/.-'
• nach Dawson.
Von XiiLichofi^cn der nirdrigslen Ordnung tics Thiorrcichcs. den
•sind uns aus tier Dcvonzcil verliiillnissinassig nur sehr spiirliche Heslr illier-
lidcrl \\ordcn. Kino grosse Verbrcilung muss Heee pta cu 1 i tcs Ncptuni Del'r.,
wahrschiMiilich cine riesigc Foraininiferc, hesessen habcn. Dicscr scheibenfbrnifge
Korpcr crrcichl '.) Zoll iin Dnrcluiicsser und ist auf l)ciden Seilen mil rliom-
hischcn. in cxccntrisclicn Iteihen rctielmiissii; angeonlnclcn I'Vldcni hcdcekl.
113.
C' yathopli yllnm helian th oi tics G u 1 d f .
a Einzelzollo; — b Stock.
dcrcn jr /\\ci lir^cnilhcrslchcndc dnrch cine Ho'hrc \erl>nndrn sind. Die Korallcn
sind (lurch ihrc p.ilaro/.oischrn Kamilicn, die /nantharia rugosa , lahulala und
Inhulosa rrichlidi mid miter den ersleo naincnllich (lurch die (latluny <l\a-
thoph \ 1 1 n in vcrlrclcn. (1. h c I i a n Ihn i d e s (ioldl. l"\^. \ \:\ koninil sowohl
in kreisnindcn. flach hicouischcn Kin/el/.ellen, mil sehr /ahlrcichen glcichslarkcn.
bis in das Centrum ties Kolchos reiehenden Seplen, als andi in plaUenloriui^en
31
VI. Hislorische
Slbcken mil polxgonalen Kelchcn \\eit \erbreilcl \or. Audi (i \alli. raespi-
tusiim. cin gabettgfer Stodk, ist recht bo/oichnend I'ilr das l)e\on. Kin ausge-
zeiehnctes l.oilfossil der desonisehen Srhirhlen isl Ca Iceo l;i sandalina Lain.
Fig. III. cine DecfceikoniiB. Ausser (lurch ilircn slarkeirund genau schliessen-
dcn Deckel, \\clchcr durch cine Grube mil dcm Septum des Kelches arliculirl,
zeichnel sic sich durch ihre , frcilich meist uiilcr dcr ausseren lljiulbcdcckuu;:
vcrhor-cno, licdcrjirliuc Stivifiin» ;iul dcr -cwolhtcn Scilc ;iu.s. Kinc \\citc
Vcrltrcilung iin Devon Deutschlands , 8p;uiicns, Enylaiids und Nordnmcrikas
Fig. 114. Calceola sandalina Lam. I'i;,'. 115. 1'lc u rodicty u in
p r o b 1 e in a t i c u ra Ooldf.
auch das Genus Cysliphv Hum und /war durch die Species (1. vesi-
co lus u in Phil., welche sich durch ihre last c\lindrisehe Gestalt und die A us -
fttlloog des Kelches durch blasiges Gewebe charakterisirt. Von den Zoanlharia
tabulala sind durch ihre lliiiifigkeit wiehlig C a hi in op or a pol yinorpha Goldf.
mil \\al/enrunden, dicht an einander gedranglen , durch reihenslandL'e Poren
verbundenen Rohren/ellen, ferner das iminer nur als Sleinkern erhallene
Pie u rodicty u in p roble malic u in Goldf. (Fig. 115' und endlich Alv oolites
suborbicularis Lam., dessen PoKpenstdcke andore Kbrper lauenformiu iibcr-
\Nuchcrn. Halysilcs catenularia, die charakteristische Kct-
tenkoralle des Silur, fehll im Devon vollstiindig. Aulo-
pora r opens E. und H. (Fig. I 16], welche sich kriechend
auf andcren Korallen ausbreitet, isl !>esoiulers in Deulsch-
land hiiufig. Dcr ganzliche Mangel an Graplolilhen isl
im Gegmisatze zu deren massfnhal'lcm Aul'lrelen im Silur
ein charaklerislisfhes negatives Kenn/eichen des Devon.
Die Echinodermen werden im dcvonischen Zeitaller last
ausschliesslich durch Crinoiden und z\\ar durch eigentliche. mil grossen Armen
\crsehcne Crinoiden verlrelen. als dereu wichligsle devonische Geschlechter
und zwar vor/ugsweise in dem Kalke der Eit'el \orkommend Gupressocrin us
(Fig. H7), Eucaly ptocrinus und Ilaplocrinus (Fig. MS gellen kbnnen.
Sehr hiiulig sind im Devon vieler Gegendon die ausseren Abdriicke der
Crinoiden-Saulenglieder, so\\ie die i micro Ausfiillung des Nahrungskanales di-r
Sa'ule und des sclieibenlormigen Zuischenraumos x.\\isehen je z\\oi (iliedern,
Sleinkerne. \\elche I'riilier als Schi'aubensleine bezeichnel \\urden. Die Hla-
stoideon. welche in der na'chst jUngeren Formation zu oilier so grossen Knl-
ll'i. Aulopora ro-
l>e us E. u. 11.
VI. Ili-tori-Hif
\\irk»'lmiu url.murn. sind 1111 l)r\nn iiur sclir u'irin/.rll y.u linden. \v
die (] \ si hire n . iin Silur so iir\\i>lmlich. l>is anl' riiir <'in/.ii:<> Form
Hhrn.imis Itncin. \crs( liNMiiulcn sind.
3 1 f >
aliriMid
•j^>
KiK'. 117. C'uiircs^ncrinu.s Crag»na (iuldf.
tt Kekh mil Arini'ii, von tier Seite ; ._ (, Saulenglicder.
I'ulrr <|»MI Molluskcn hcrrsclicn
nodi iiMiiicr. \\rmi ;uicli nichl in
so auHiillimM' NVcisc \vio iin Silur,
*J 7
lira c hi op od en und Gophalopo-
dcn ini Vcrlijillnissc zu don Z\vei-
scl.i.l.-n. und (iasleropodon slark
vor. NitiiK-nllich licfcrl <li«- l^rachio-
[>o(l<-n-(;.i(liin- S|)irir«T. ohwohl |H»i Wcilcin niclil iiussclilicsslicli dcNonisch,
\irlc I'iir die Scliiclilcn dirscr I'crj,,,!,. rhiiniklcrislischc l;onncn und /,\\;tr lani»-
tliiui-li.-c in die Hivilc licxoiicnc Arlcn; so Spirifcr speciosus Phil, im
^ IIS. IIaploerillU8 m
Vo" ll"tc"' vo" dor Suil° und vo" ol)Cn-
Km- H'.i. Spirif er disjunc tub Sow.
i;!--. i-i'. Bplrlfer macroptervK Goldf.
Fii:. 121. Stringoccplialtib Burtini Deft. (sUrk vcrVlciiicrli.
is' Ventrales Septum, s' Dors-ales Septum, c Schk'it'i1, « Uabeliger ForUat/..
N I. IliMorix-lit' (i
millloren DcMiii. S|)ir. d i s j u n I u s So\\. Verm-uili Muivli. l;i,-. !!'.» ails
seronleiitlieli be/.eiclinend fur die obere Ablheilmii: des l)e\on uud in Deulsch-
l.iinl. Kusslaiid. UeLien, Frankreicli, Kngland uiul -Nordamerika \erbreilet,
endlieli Spir. marrop I c rus (loldf. (FiL;. I .'" an^ dcin uiilci-slcn |)c\on.
l-jn aiisschlicsslifli devoniscbcs Brachiopodcn-Gescblecht isl Slringocepha-
his. (lessen ciuxiiic lickanntc Arl St. H u r I i n i I) e fr. (Fiu. k' I /u den uriisslcn
Brachiopodeo udiurt. Mil dicsci- Art gemeinschaftlicb and wie sie auf das mitt-
Icrc Dcxdii licsclininkl tritt I'licilcs i: r \ p li u s Dcl'r. auf. Sdir lic/eichnend
siiul ferner Athyris conccnlrica Bueh, Orlhis idraiiona F. Hom. und
Ortliis strialulii iSchl olh. , sowic It h \ nclionc 1 1 a parallelepipeds
Hronn. und R h \ lu-honclla cul)oidcs So\\. Von dm \ci-liiillnissiiiassiii
Pterinea lae vis Goldf.
SleinVern.
Fig liJ. Megalodon c u c u 1 1 a t[n
l>t i(k> Schalen vim Vorn.
sdir sdi\\acli Ncilrctciicn /NU-isrlialcni hcsii/cn die Ciatluuucn Nucula und
IMcriiM'a Fit:, k'^ in den unlorsten devonisclien (irau\\acken und Sand-
sieineiu I.ueina itni! M cgalodoD {Fig. k^5 bingegen in den mitteldevonischcn
Kiilksloiiion lliuiliiikeit.
Die Pteropoden \vcrden tlurcb riosijie Conularien so\vie
durch Tenlaculiten vortrelon, die Gasteropodcn vorauus-
\voise durch Kuoinphalus (Fig. 126: Pleuroloma ria ,
Turbo, Macrochcilus (Fig. 124) und Mu rchison ia 1 i.-
I
Fip. \~i:>. Muruhiso- Fig. VJI
nia bi gran ulo&».
Macrochcilus snbcostatus. Fig. 12fi. Euomphalns Leonhardi.
VI. Ili^loi i-rlic Goolouio.
Die Cephalopoden besit/on obonso \\io iiu Silnr, so anoli iin Devon in dem
(iosrliloehte (! \ rt oooras. nooh molir alter Orlhooeras /ahlroielio Kepriison-
tanton. AllSSChliessHch dexoniseh liini;oijen ist das aul' die oboro Ablheilunii
diosrr Formation bosoliriinklo (iomis (II \ men i;i [Fiii. 127), mil venlralem
Si|)ho. drvsrii. Arlcn /. II. Cl\m. lac\ iizala Miinsl . nnddhm. Scdi;\N ic-ki, d'Orb.
trt'll'liolie LciU'ossilicii do |)e\on Itilden. In dem nclmilit-luM) llorixontt1 crrcii-lil
das (icschlcdit (Ionia I ilcs Fii:. 128) mil dorsalcm Sipho, dcr Vorliiufcr dcr
in don moso/oisclicn l-'ormationon oino so uiclilii^o Rollo spiolondon Ammo-
nilon, in don Arlon (Ion. I'olrorsus Bnoli, Gon. intuinescehs Boyi1., (ion. snlmanti-
limis Schlolli. n. a. soino llaiip
Die doNonischon Vorlroter dor Cru-
.slacoon sind (!>pridinen (Schalon-
krohso nnd Trilohi ton. l.ot/toro ho-
sil/on lu-i NVoilom nichl molir die Man-
niiifalliiikoit . dnrch \\olche sie der si-
lurischen Fauna oin so cMgenthtlniliches
(irpriim1 \orliohon, violmolir doulol das
Krliisolion dor i^rossen Mehrzahl iliror
• it-scliloolitor anf don nahon Untor^ansz
dor iian/.on Familio liin . \\oloho im
DoMtnauf P ha oo ps, (Fig. 129) Homa-
lonotns Fiiz. 130) Bronteus und
oiniizo andoro. \\onii;or \vichtige Gat-
Iniiiion hosohriinkl isl. Die bohnon-
lormiiion . last miki'oskopiscli kloinon
Sclialon dor C \ p r i d i n on (Fig. 131)
l)o<lookon in /ahllosri Mon;.'o die I'liiolion
dor naoli ilmon Ix-nannton ol)ordc\oni- Fig. ji27. ciymenia Sedg.wicki ,ro,i,.
si-lii'ii ^cliii-lil.Mi a von dpr S(>itn; l) von vorne; — c Eine Kamm
morschci.lpwand vora Mii.-k.Mi aus.
l-'ip. l'2>> ii .. Mint i tr- i ni n ,11, ,,.,MI Ki;r. l'2'.i. I' li :ir np s 1 a t i f ro ns Fig. 1:W. Horn al on ,,t ,, . , m .
I"'M Bron n. tu i J: iirin.
Die Wirbeltbiere ImVlion anoli \\iilirnid dor do\onis<-lion iVriodo i-in/.i
VI. lli>|i>n>rln>
mid ;illt'in iiuf iluv nicdrii:stcn Ycrlrclcr. die F i sc li r ln>sclininkl. ' \\rlclir sich
(lurch cine uniiciiu-inc Knl\\ ickclunii dcr liculc hcrcils sell l;mi;cn Xcil.illcrn
fig. 1.11. Cypridina sc r r at o-st r i a t a San d li. (Natfirlichc GrOssc nnd stark vorurrp^sort.)
fast vollkommrn iinsiiivslorbenen helorocercalen Gnnoiden nuszeichncn. Hire
g \\ird onl\v«'dcr von mil Selmiol/ illxT/.o^cucn rlioinhisclifii odcr
11 o s I a n r i r t P d P v o n i s c li P F i s c li p.
Fig. WL Hpriohtliys Millpri 1'and. Fig. 1115. lloloiilxrliius m.liilivsimus AgaRR.
Ki" i:t:i (Vnlialaspis Lyolli AgaRs. Fiu'. \ '•>>>. <' »«e«» deelpteiw Ag«
Fiu. l.'.l. (Ntooloi.is nacli I'andPr. Fig. 1:17. llMTCfttettektgn Hewb.
S;iinlsli-iii
mil Kcplilii-n-
x\\.u Ti'liTpi'liin-Ki'stiMi \\irtl
liii
VI. Ilistorisrhc (uMiloiiit'. 319
runden Knochcnschuppen, uder MHI einem Millkommenen Panxer von Knoehen-
lalelii iiebildel, \\ahrend ihre Sch\\ an/llnsseu durch\M>:z unijleichlappiu sind.
Zu den ersteren iiehoren () s I en I •• p i s Vlii. |:Ji, II <> 1 <> p I \ c li i u s r'iu. 13-;>),
y.u lel/.leren Pte r i r It t li \ s l;iiz. I:?-'. /\\ ischen heiden slehen die mil einem
i:e\\alli»en Kopfsehilde MTseheneii Cephalaspis (Fig. 133) und Macropeta-
lichlh\s Fiji. 1:57 .
I hriucns \\cist d;is Vorkoiiiiiifn \on FlosstMislaclu-ln darnuf Inn, dass die
d«'\oiiisi-lu'ii MctTf. iilinlie-lj \\ if es in dcr spiitcstcn Silnr/cit dcr Fall \\ar.
andi MMI liaiarliiicn Knorpt'llisclien hclcht \\urden.
Dreith(kiluiiu: der devonischen Scliicliicnrcihe. Fast iihcrall, wo die
Dt'Noiiftiniiation y.u cincr xollslandi^crcn Knt\\ it-kclunii i^claiiLil ist, liissl sicli in ilir
fin nifhrfarhfr Wccliscl ihrcs palafontolo^isolifii (lliaraktci's wahrno hnicn, dfin /n
Foliif die dfMHiisrlif Schiclilfnrfihf iianx allufiiifin in divi durch den vcrscliif-
dfiiarlitifii Habitus ihrcr Fauiu'ii von oinandor al)\%('ic-lif ndf Abtlifiluuiifn xcrfiilll.
Das untt-rf l)f\on. fin Schichlf Hcoinplc \ MMI vorvvnltondon Sandslfincn.
^andiiicn Sfliifffrii, (irauwai'kon und Gontiloincralfn \vird cliaraktcrisirl durch
sfint-n RiMchthuiu an Hcstfn MMI Spirifer macroptorus und Spir. nnicronalus,
durch Iluinalonoliis-Arlfn, durch die Slfiiikcriif \on Pic unidict\um problcnia-
ticuin und durch mclircrc IMfrinca-Spfcics.
Das inittlcrf Dc\on, vorualtcnd aus Kalksteinen bestehond, bfsitxt unlf r
siiinnitlichcn divi Abthc iluniif n die ntannijj;fachste und fonncnrciclistc Fauna.
\\clchf naiiicntlich von Korallcn (Calainopora, Cyatho])hylluin, Calccola. Aulo-
pora , Hrachiopodfii Strinszoccphalus. Uncites, Spirifer speciosus und (iaslero-
podfii (Murchisonia, Macrochcilus) »f])ildet wird, zu denen sich Cupr(\ssocrinus,
.MfLialodon, Cyrtoccras, Hronteus u. a. i^esfllen.
Das obere Devon, aus Schiefern, Kalksteinon, Sandsteinen und Flaser-
kalken xusainineiiiieselxt. isl der Horixont, in wolchem die Clynienien und Gouia-
titen ihre Hauplcnlwicke IIIDLI erreichen : nusserdeiu treten als charakteristischr
Leitfossilien IMiacops latifrons. Spirifer disjunclus Vcrneuilii, ferncr Cypcidinen
in xahlliiser Men^e auf.
.lede dieser drei Haupti;ruppen iiliederl sich in den verschiedenen (leliieten,
in denrn sic xur Ausbilduni; izelantit sind, in cine Anxahl von Horixonten,
\velclie /urn Theil nur locale Hedeutuniz besitxen und ilber \\elche in der sjiiiter
fbtgenden T.ibelle cine I'bersiclil i.'fi:fbfn ist.
Old-rcd-saiidstoiie-Fncies. An eini^cn Localiliiten, nanientlich in Sild-
\Vales und in Schottland hat die devonische Schichlenuruppe cine \(in der
hesrhriebenen t\piselien abweichende Ausluldun^ erfahren. Dort ersclieint
dieselbe der Haiiptsache nacli als cine etwa 3000 Meier miichtiize Congtomerat-
und SandstetnbUdang, \\clclier cine braunrothe, von einer Kisenoxydbeimen-
liiinu herriihrende Kiirbuni: eiiienlhilnilich isl. Ihr palacontologischer (lharakler
\\cicht \on dein eben bes|)rochenen dadurch so vollstiindii: ab, dass sic \veder
Korallen. Mrachiopoden und Clephalnpoden noch Trilobilen fUhrt. dai^eiten xuni
Theil aiisserordentlich reich an Reslen von Ganoid- und Knorpelfischen, nanientlich
MMI Cephalaspis. (ioecosteus. IMerichthxs, Osleolepis, Diplerus und Onchus isl,
\\elche in der normalei) de\onischen Schiehlenreihe nur ausnahmswe isc odcr
321)
VI. llistocisdio (leolotiie.
sparsam vorkommeu. i'hriizens beweisen ganz abgesehen von izewissen Ana-
logien zwischen dem Old-rcd-sandslone Knglamls und der de\onisdien Sdiiditen-
rcihe Russlands und Nordamerikas die LagefUngSVerh&tnisse des Old-rod-
sandstone, dass dersdbc cine Aqtlivalentbildirag, cine locale Fades der Devon-
I'ormation isl.
Die geographische Yerbreitnng der Devonformation. Die dcNonisdu
Formation ist in Europa, Amcrika, Afrika und Asien nacliLre\\ iescn. Das ausge-
dehnteste dcvonische Tcrriloriuin Deutschlands isl das Rheinische Sehiel'er-
Liebirge. Es umfasst cinen iirossen Theil HlKMiipreussens, \Vcslplialens. Nils-
sails und erstreckt sich nach Relgien hinein. i'hcrrascheiid ist die Tliatsaclie.
dass ein Theil des Rheinisclien Devongebietes, die Taunuskelte. von Gneissen
und krystallinischen Schiefern, welche pelrographisch vollkommen der azoisclien
Formation entsprechen, zusammengesetzt wird, \vahrend in der Lenne-Geuend
schichtenartige Parallelmassen von Schieferporphyroiden zwischen den echl se-
dinicntaren devonischen Gebilden eingelagert sind und zum Theil gam iihnlidi,
\\ie die Ottrelitsdiiefer und die granit- und hornblendefilhrenden Sdiicferiie-
sleine dor Ardennen, die Resle devonischer Organismen (Spirifcr inaci'oplenis,
Ilomalonolus) umschliessen. — Das Unterdevon wird in dem Rheinisclien Sdiic-
fergebirge durch die Grauwacke von Goblenz (Rheinische Grauwackc iv-
prasentirt. Es ist dies eine Schichtenfolge von Grauwacken, Sandsteinen, Quar-
ziten und Thonschiefern, welclie die filr das Unterdevon diarakteristischen,
oben augeftihrten organischen Reste fiihren. Ihr Liegendes wird an mam-hen
Stellen, so am Rilcken der Hohen Venn, von krystallinisdien Thonsdiiefern und
Quaiv.iten gel)ildet (siehe Profil Fig. 138), welche als silurisch angesprochcn
Aachen Burtsclieid Halm Eotchen Montjoie
Fig. 138. 1'rofil von Aachen nach dem Hohen Venn,
a Kryslallinisclie Thonschiefer; — b und c Grauwacke des Unterdevon : — d Eifeler Kalk; — c Oberdevun :
f Kohlenkalk; — g Productive Steinkohlenformation.
\\crden. Diese Schichlenfolge des Unterdevon wird von Ringen bis Bonn vom
Rhein durchbrodien und breitet sich zu dessen beiden Seiten mil aufl'allcndcm
Gleidibleiben ihres pelrographischen und palaeontologischen Charaklers aus.
In Nassau wird die untere Ablheilung des Devon von sandigcn Schiefern und
ijuarzilischon v^andstcinen mil den nehmlichen organischen Rcslcn, \vie die Rhei-
nisdie (iraiiNNackc liehildel und dort als Spi r i fer e n -Sa n d s t e i n be/.eidinrl.
Mannagrn
Birgel
Gerolstein
Fig. 139. Profil der Eifcl.
b Unterdfvonisolio Grauwacko; d Eifoler Kalk;
c Sdiiefcr und Sandstoin ; in ISunlor Sandstoin.
Das .MiiteldcMin bestdil im lUieinisdien Sdiiefergebirge aus Kalksleinen,
eln und Dolomilcn. dem Kil'eler Kalke. Derselbc liil<lel auf der linkeii
VI. Ili.-loriM'l.o (ieoloLMf. ;i2l
Klieinseite, in der Fitel, seehs ^nis.sere und dm kleinere ellipsoidisdie I'arlien,
\\elelie der (iraimarke iiiiililrnt'iinnii: eiii- und aulVelap-rt sind (sielie 1'rolil,
'•'.-• |:{-' • 1" dieser mittelde\onisdien Sdiielitenreilie lassen sicli i{ Ni\eaus,
die /one des S|.iriln- nilirijuiiauis, die eigenUicben Calceola-Kalke und -Mei-el
und y.uol.erst die kalke mil Sn in-oeeplialus Burtini untersdieiden. Dei F.ileler
K.dk i.st sdir reidi an oriMiiisrheii Keslen des Milteldevon. Auch hei Aaclu-n
und in lU'kit-n (/. H. IMM (Ji\t'l und Convin sind dit'sc||)cn ScluclHcn cntuirkrlt
und d.-n idiriut-n di-MtuJM-lu-n (irhildrii rciZt'lniiissii: y.\\ iscliciiLirla^ri'l >icli.-
I'mlil, I i:.'. 158). Auf dt-r i«-cliteii Hlirinscitc ist das MitU'ldevon et\>as andrrs
iiusuchildt't, iihlnii cs aus Sandstrincn und Tlionscliiefern bestebl, wclclic /\\ar,
al.i:f.st-||t.|i \un finii^cn untcr^fDi-diu-tcn Kalkcinla^ci'unLit'u, ])elro»raphisch den-
j«'iiiiu-n di-.s l'nlt>rdcv..n iilinlicli sind, aluT die oriianisclien lU'str <lcs Kifeler
Kalk.-s fiilnvn und den \\cilcn riaohenr.iuiu von der Si«^ lys in die (iciiend
sun Klherfeld , Iserlitlin und Brilon einncluu.'ii. In Nassau erl.iniien mittel-
d.-Minisclir vStrin^oc*'|»lialen-) Kalksteine I.ei Diez, Dillenburg, Herborn yrdssere
Vfihreitun- und \\erden von Sclialsicincii und blaiiizrauen Thonschiefeni \Vis-
senbacher Sebiefern , leUtere mil zahlfetcben Orthot-eras-, sowie Goniatites-Arlen
unteit.'iill, \\.-li-li,. Schielitenm'he sicli an die Spirileivn-Sandsleine ansdiliesst.
Das Oberdevon \vird in dem Hheiniselien Scliifl'crucltirue \nr/uus\veise
duivli Kalke und ScliirlVr mil Cl\ inciiien und (ioniatilen, noch gewiibnlidier
durdi olivengrUge Sdiiel'er mil Spiril'er disjunctus (Verm-uili repriisentirt (Cly-
iiH-nien-Kalk und Verneuili-Sdiifhlcn . I.el/teres ist nainentlich auf dciu linken
Hlieinuler d.-r Fall, von \vo aus sie sidi nadi Brli:irn \erbreiten. Aul der
redihrii Hli.-insdlr irden als gleicbalterit^e Schichlen die K ra in en z el k a I ke,
Schiefertbone mil linsenfonnigen , Clymenien und Gonialilen fiibrenden Kalk-
iiinvn. nanientlidi y.\\isdicn der Honne. Dieniel und Edcr auf. In Nassau
sind die ek-eiiilieheii Kramenzelkalke kaum \orlianden, sondern durcb Sdiieler
mil <:\piidiiia senal<»-slriala (C y p ri d i n e n - S di i e I V i ) \eMivlen.
In der Knl\\ iekeluni; des l)e\on im niii dliehen Theile des Harzes /ei-t
sidi eine aullallende r.-b.-rrinsliininuni: mil den Itbrinischen und insbesondere
mil den Na.vsauiscli.-n deidialteri-en Bildungen. Die de\ <,ni>,-|i,. Formation trill
dort in y.N\,.i L-rossereii isolirten I'artien , eiue in der U'-end /.\visdien Laulen-
ll'.'l und (ioslar, die andeie in der Fmueluini; \on I'll.in-erode aul. Das he-
N(H1 Nl>" KN'ini-'ei-ndi- und Mill, eland la-erl auf ol.ersilurisdien Sdiid.len
und niiiuiil das IniK'iv der nordlidien llar/er Silunnuldr sirli.- pa-. :!():{ ein.
Ivs .^lie.lrrl si.-lij xX j,, folgl;
Oberdevobj Iber-er Kalk und Spiriler disjunelus-Sdiiel.ltM), in ersleivm
\iele Iliiblcii, /. H. die Baiiii.anns- mid Hidsholile , - Sdialslein , — C\pri-
dineu-Sdiierer.
.M illeldex on: Sli in-o.-eplialeiik,.lk mil \ iel |-;iseiisleineiiilai:eruiiueii . reidi
an K..rallrn, liradiiopodon, Trilobilen, audi mil Slrini:oeep|ialus Burlini. \\is-
seiil.,i.'lier 'I li..iisdiieler mil Ortho.vr.i.s triangular*- am |{iidi<>nber^e.
l'"«ler<le \ on: Klbinin-nidrr (irauuaeke olme oiL-aniselie lirsle, Spiri-
ren-Sandslein mil S|)iril'er marn.plerus, /. B. an den l)ivi Aniieii.
Auf dem Oberharxe (rill die devonische Foriualion in drei isolirlen I'ar-
>\ n e r , Elemeote d. Ueologie.
322 VI Ilislmisrhe Geologic.
lion x.ii Tage , mill y.\\ar I /uischen Ocker uiul Innerste am Nordrande des
Gobirges, 2) in Yorbinduni: mil ausgedehnton Lagorn von Diahas am sogonann-
tcn Grlinstoinzugo in (It-stall einer schmalen /one /.wise-hen Oslerode und llarz-
burg, :! am Iberge, der sich \vio cine Insel milieu aus den Gulmschichicn
erhebt. Dcr Sp i riferen -Sa n ds le i n mil Spirifcr macroplerus, Ilomalonolus
gigas, I'lcrinca u. a. nimrnt don osllichon Thcii dcr Dcvonparlic cin und set /I
I'asl anssclilicsslich die Berge zv\ iseheii Ockcr, Goslar, Bockswiese und Ober-
schulenberg (/.. B. den Rammelsberg uiid Kahleberg) zusammen. Seine Schich-
Icn sind in viele Mulden und Siiltel gefallet. An den Spiriferensandslein schlicsscn
sich Calceola-Schichten eng an. Es sind dunkelgraublaue, thonige Kalk-
stcinc, \\clclic mil kalkigen, dUnnschieferigen Thonschiefern wechsellagern und
Calecola sandalina, Cupressocrinus urogalli, Spirifer speciosus, Phacops lalifrons
filhren. Die \\ichtigsten Aufsclilusspunkte tlieser Schichlen sind das Schalkcr
Thai, der Auerhahn, tier Bocksberg , der Bammelsberg. In Folge einer voll-
stiindigen Uberkippung der dortigen Schichtencomplexe unterleufen die Cal-
ceolascbiefer slellenweise die Spiriferensandsleine, so am westlichen Fliigel des
von letzteren gebildeten grossen Saltels. Ein hoheres Niveau als der Calceola-
srhiefer nimmt der durch die Grube Weinschenkc bei Buntenbock und am
Polslerberge aufgeschlossene Stringocephalen-Kalk mil Orthoceras lineare,
Bronlcus signatus, Stringocephalus Burtini ein. Er ist mil Rolheisenstcin-,
Bi'auneisenstein- und Magneteisensteinlagerslatten vergesellschaftet und beglei-
tet den Grilnsteinzug. Noch zvveifelhaft ist es, ob gewissen, von F. A. Romer
als Wissenbacher Schiefer bezeichneten Schichten mil Bactrites gracilis,
Gonialites subnautilinus, Gon. retrorsys, Gon. lamed., var. complanatus u. a.,
Schichten, welche sovvohl im Liegenden des Grttnsteinzuges an der Kuckholz-
klippe bei Clausthal, als in weiter Verbreitung zwischen Gosslar, Langelsheim
und dem \Vinterberge aufgeschlossen sind, eine mitleldevonische Stellung zwi-
schen Galceolaschichten und Stringocephalen-Kalken oder ein oberdevonisdies
Niveau anzuweisen ist; wahrscheinlich vvird man sich jedoch fiir letzteres zu
enlschliessen haben. Die Schichten des Oberdevon (Kramenzelkalke, Clymenien-
kalke und Cypridinenschiefer) umgeben die grosse Oberharzer Devonpartic im
Ostcn, SUden und Wcslcn und fdhren als Kramenzelkalk bei Schulenberg Area
chmeniae, Tentaculites, Phacops laevis, — als Domanikkalk bei Altcnau
(iardium palmalum, Goniatites retrorsus, -- als Cypridinenschiefer bei Lautcn-
thal Cyj)ridina serrato-striata. Dem Niveau des Oberdevon gehorl auch die Kalk-
masse des Iberges und Winterberges bei Grund an , welche nach alien Rich-
tungen von EisensteinlagersUilten durchschwarmt \vird und ausserordenllich
rcicli an organist-hen Resten, so an Terebratula elongata , Rhynchonella puiiiius,
Rhynch. cuboitles, Gonialites intumcscens, Spirifer simplex, Conocardium Ira-
pezoidale, Acervularia, Cyathophyllum u. s. w. ist.
Im osllichen Thtlringen sind bei Saalfeld als unzwcifclhaflc dcvonische
Gebildc Clymcnien und Gonialilen fuhrende rothc Knolenkalkc aufgeschlossen.
In ganz iihnlicher Weise, wie bei Saalfeld, wcrdcn bei Elbcrsreulh und Hof
m Fie h lelgobirge, ferner in Oberfranken und in den Reussischen
Fttrstenthtltnern die Graplolillicn filhrenden obcrsilurischcm Schiefer von (] I \ me-
VI. Ilislmisrhe InMilo-ir. 323
nienkalk mid Cyprid'inenBchiefer uherlap-rt. In Sehlesien ireien
hei Freihurt: und hci Kun/rii<loi-f /wei isolirle Kalkmassen ;ius dem (Jehiele
der Clli information lier\or. \\elrhe u. ;i. Spiril'er dixjunelus. Alrspa iviieularis,
Hlmielionella euhoides. Meeeplaeuliles Nt'|iliini. Aulopora repens 1'Hlnvn uiul ;ils
unieres OherdeMin anuesprorlini \\onlen sind. In Polen (b(>i Sievsier/,
Demhnik uiul kielee sind milleldevoniselie (Jehilde sielier erkannl. In Oster-
rei eliiseh - Sell I ex i en und Miihren hilden die Yertreler idler drci llanpl-
ahllieiluniien dcs Devon eine his iiher .'? iM(Mlen hreile und el\\a 7' -, Meilen
I.IIIL;I' /one, \\elelie sieli von Xiiekinanlel in siidlieher Hidilmm his Slernher^
in M.iliren erslreekt. Hei l-'-hei'sdorf in der (li-al'si hall (ilatx sind ohei'drvoniselie
Kalke nachgewiesen \\orden.
In Uritannien lial das Devon eine doppelte Anshildunizsueise ei-falii-en.
indeni dorl sowohl die I \piselie, an Korallen, Mollnskon und TrilohihMi reielie,
\\ie die liselifiihrende Old-red-Saiulslone-l-'acies verd'elen ist. Krslere lial iliro
llanpleiiluickelnni: in Conivsall mid De\onsliire , \vo sie /nerst als selhsliindiue
liiiinalion erkannt mid henannl \\ urde, heslehl voiv.niis\\eise ans i;n'inen Seliie-
feni , Onar/.ilen und Sandsleinen , /uisehen \vclclion hlau^i'aue, niarniorarli^e
kalksleine eiiiizesdiallel siiid , mid ijliederl sicli elxMifnlls, \venn niich niclil so
sehai'f. \\ie die Illieiniselie Devonfonnation in Ohcrdcvon (Cl\ inenienkalke mid
Spiril'er disjuneliis-Seliieferj , Millelde\on Striniioeeplialenkalk und Caleeola-
sehiefer; und I ntenlevon Spirit'erensandslein;. Der () I d-rod - Snnd s tone
isiehe p. :}|9) ist in dem lieuliuen Siid\\ales und den anuren/.enden Tlieilen MIIL:-
lands, sowie in Seliollland, aid' den Orkney- und Shollands-Inseln ent\A irkell.
In Skandinavien \\erden pewisse Sandsleine und Conyi erale, \velelie
die jiliii-'sten siluriselien Seliiehlen lileieliniiissi^ uberln^ern, mil \Valirseheiiili<'li-
ki ii als Aeqiiivalenthilduniien des Old-i-ed ijedeutet.
In Hussland Jreten devonischo Schichten aid' dem enormen b'liielien-
iMiiine \on elwa 7000 Ouadralmeilen, und /.war in /wei Zonen /u Taire, deren
eine .xieh MID kurland in nordosllicher Hiclilun^ his Archangel erslreckl, wall-
it nd die /.\\eile \on kurland siidiisllieli his iiher Tula hin.ius \erliiufl. hn
nissiselien Devon linden sicli die lieiden sonsl iielrennlen Faeies der de\oni
M-heii Scliiclili-nreilie veroinl, indeni das .Milleldevon und das nnlere ()hcrde\ on
den normalen , das ..h.-rsir |)e\on liin-i'iien den Old-red-Cliarakler hesil/l,
reii-h an Heslen \on l'"iselien , /.. B. von Iloloptyehius , Aslerolepis , Plendiili\s
isl mid hei unizeslorler, fast liori/milaler Scliiehlunii i:an/ reiielmiissiir von der
(Miiioniselien l-'ornialion uherlauerl \\ird. Ausserdem lej:t .sieli aucli nodi an
die \\Vslllanke des I'ral ein schinali-s hand von de\ oniselien Scliicliten an.
Aneh in Nord .1111 eri k a , mid / \\jir namenllieli in (lessen Oslen, lial das
Devon eine \\eile Verhrcilniii:. Ahiiclaircrl innerlialh der llaeh-lrouloi •mi^en
Mnlde \on Silnrscliielilen . deren iisllielier Fliiiiel in den Alle^lianies , deren
niirdlielier mid \\estlielier Hand in den llachen r>odenei-|ielimii;en von Nord-
Ncw-Vork. Ohio, kenliiek\ mid 'I'enne.ssee /.u Taiie Irill. also tax I riniis miiLie-
hen von der in eoneenlrisehen Xonen nosgehenden siliiriseheu l;orniation, -
und \\iedermn selhst xiiin Theil Uherlai;erl von dem carhonisehcn Systeme,
h<-i:leilel das Devon die xilip isclien (icsleiue der Alleulianies in l;onn eines
21*
:'.'2 I VI. Ilislnnsclir
sdimalen Uandes, gelangl aber ;ils breiler S;mm des nordliehen silurisclicii
und ;i/.oiscli(Mi Terrains iin Inncron dcs Conliiienles zu griisserer \Yiehtigkeil.
Audi in <];m;id;i. Nova Scotia mid \ew-Hnmswiek Iritl Devon, mid /\\;ir in
lel/tgeiiannler PHAIII/ reich an IMlanzenreslen , n.mientlielt solehen von I'silo-
pli\leii auf. Almlieli \s ie in Uussland, \\ird aucli in Nordamerika die oberste
Abtheilung der devonisehen Formation dnreli Old- red-Sandstone mil llolo|»l\-
cliius gebildel, \\iilirend die nnleren Niveaus I'rodnele der holien S<-f sind
und lanizllii^eliizc SpiritVivn , Hh\ ndionclla , Alrxpa. Orlliis, Goniatit(>s, C\rlo-
ft-ras, Cyalhopliyllum, Cystiphyllum, Calamopora , I'hacops , jcdodi nur \vcnii:c
mil ciiropiiisrlien idcntischo Artcn fiihron. Die (ilicdcnmg und I'aralldisininL;
dci' dcvonischen Fonnationen der ohcn ln'sproclicncn Tcrrilonen isl in anlic-
licndtM1 Taln-llr cntlialtcn.
Ynlkiiuisclie Erscheinungeii im Gebiete der devonischen Forniationen.
Die submarincn Eruptionen , aus denen diejenigen Diabas- und Diabaslulldn-
lagerungen hervorgingen , wie sie bei Besprechung dor vulkanisclu-n V.r-
scheinangen der Silurperiode gest-hilderl wurden, beschrankten sidi nidil
auf dieses Zeitalter, sondern wiederholen sich mil noch grossercr l^nergie in
der Periode des Devon. In den Schichtenreihen der meisten devonisdu-n
ICi i itorien Europas spielen deshalb ursprilnglich deckenartig auf dem devoni-
schen Meeresgrunde ausgebreilele , jetzt flach linsenformig oder schichlon-
almlich z\\ ischengelagerte , stellenweise kuppenarlig aufgeslaule Diabasgesleine
eine vvichlige Rolle. Sie sind dann mil den gleichallerigen Sedimentschichten
diii'di luffartige Zwillergesteine zum Theil auf das innigsle verbunden, i:an/
allgemein aber parallel zwischen sie eingeschallet, so dass in Folge mil dn-
iindcr abwechselnder Rildung der beiderlei Gesleine eine rcgdmiissiuc
\\ Cdisellagerung zwischen versleinerungsfiihr(>nd(Mi und ursprilnglidi L:luih-
Iliissigen Formationsgliedern stattfindet, wiihrend eigentliche (iiinge und Sliifkc
von devonischen Diabasen zu den Seltenheiten gehoren. Diabaslager uicdcr-
holen sich zwischen den devonischen Schichlen nichl selten mehrfaeh iiber-
einander, eine ganz ausserordenlliche Enlvvickelung aber erreichen die Dia-
1>asluffe und Schalsteine in vielen Devongebielen. Besonders ist dies
drr l-'all in iler (legend von Dillenburg und NVeilburg in Nassau, \vo sidi,
abgesrlicn von zahlreichen Wechsellagerungen der devonischen Schiefer, Kalk-
steine und Diabase, Ubergange der lelzteren durch DiabastrtUnmergesleine und
Sdialsleine in Stringocephalenkalk beobachlen lassen. 1m Des one \Vest-
phalens, des llarzes, des Fichlelgebirges und Englands \\iederholen sidi die
iiehmlichen Erscheinungen. Auch mil ihren lie^enden und haniiend<>n Sedi-
menlsdiidilen parallele l-jidagerungen von Dior it sind z. B. bei Wissenbaeh,
soldie von Gabbro bei (iladenbadi im Nassauisdien bekannt. AuHalliger
\\fise liingegen linden sidi derartige eruptive Glieder der devonischen
Sdiiditenreihe weder in den grossen Devonterrilorien des Mississippi-Beckens,
nodi in denen Russlands.
In engem genelisdiem Xusammenliange ^mil den Diabasen der genannten
Uexonterritorien stelien H ot h <> i sen e rz e , \\elehe fast ilberall da, wo Blaller-
st.-ine oder Sdialsleine an Kalkslein grenzen, zur Ausbildiing gelangl sind.
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VI.
l-'iur. 1-10. a l)e v on isc her Schalstein mit
b riiospkoriteiiilagernngeu im Dillenbur-
gi so he n.
sirh mil dem Kalksleine inniu Nerbunden zeiiien und nidil sellen dieselben
Yer.sidnenuigen fiilncii \\ ie dieser. Solche RotheLsenerzldgerstgtlen sind lid
Hrilnn in \Ve.xlphalen, bci /urge, Blhingerodc, Hiibcland und Clauslhal im
llar/.e. bei Amnenau , \Veilburg und Dillenburg n. ;i. <>. d;is Object eines
,III\L:. delmten Hergbaues und kommen dorl nicht sellen mil Hraiinciscnsiein
gemeinschaftlicb vor. Die in den miUeldevonischcn SchalstcaoeD In-i Konius-
IMTI: itn Dillenbur^'sdien
den Rotheisensleim- sind
hallii; und mil vcr/.oijen linscnloi'-
miizcn Phosphoritcinlagerungen \er-
urx-ll.scluil'iri l-'ii:. I iO).
Abgesohcn von den siihniiirincn
Diidnis-, Dioril- und (Jnhhi-oiius-
hriichcn , \\clclie hei'cils \\.iliiTiid
des Absalzes dor devooischen Scliidi-
ten slatlfanden, \\aren gc\\iss(! De-
vonlerrilorien nicht sellc'n nodi in
s|i,itt'i'en, zum Tbuil den jiiniislen Perioden /ii/.ui'edinciidcn Xeilaltern der Sdiau-
plal/ von Eruplionen ylulhlliissiger Gesleinsmassen , \\eldie die devonisdien
Sdiichlen lieule gang- odor slockforniig durchsetzen, ohne dass es liberal I nmi:-
lidi ist, den Zeilpunkl des Emporbrechens derselben zu fixiren. So \\ird d.is
DCMIII von Nova Scotia von einem niachtigcu, inehrere Meilen langen (Jranit-
/iiLic durdisdinillen und stellenweise bedeck I, welcher Fragmenle des benacli-
barten devonischen Grauwackenschiefers uinjschliessl.
Aus den devonischen Schiefern (Killas) der Ilalbinsel Cornwall erln-ben
sidi in einer von ONO. nach \VS\V. streiehenden Kelle vier grossei'e und
zahlreiche kleinere Gra nitstocke, \velche zahlreidie Verz\\ei:;un;;eii in
das Nebengeslein aussenden und selbst Schieferbruchstiicke einschliessen. Sie
und mil ihnen die Killas \verden wiederum von Felsitporph y rgii n ge n
l->lvans) durchselzl, \\elche nichl selten Kupferkics, Schwefelkies und Xinn-
slcin enthaUen. Ein 13 M. miichliger Gang von q ua rz f ii h re nd e m Diabase
durdisetzl bei Ehrenbreilenstein die Coblenzer Grauwacke. I-'e Isi ( porph \ i1
Irill in einzelnon Kuppen aus dem Nassauisehen Devon, Basal I durdisd/t
d.i^ Devon des Hhdiilandes in Giingen, hat sieh auf ihm zu Kuppen aulur-
staut oder deeken- und stromartig ausgcbreitel. Die Tracli \ I kegel des Sieben-
gi-birues und endlidi die ganz jungen Lavastroine, Tufiablagerungen und KiMlcre
der Laacher (iegend gehoren einem de\onischen Territorium an, dessen Sdiidi-
Icn ihr Material in gluthfldssigeiu Xuslande durchbrochen hal.
Nodi einllussreidier als durch (iesleinseruptionen ausserlen sich die vul-
kani»dien Kral'le aul die devonisdien Ablai;eningen in i;e%\allsamen Srhidilen-
sti)runi:en , in l-'uLc dcrcii an Stelle der ursprtiDglich horizcuilalen Lagerungs-
I'orm slcil oder vertical "aufgeriditet*' , gekniekle und durdi Verwei fungsspalten
/erri.^M'iie Sdiiditciis\ v-iciiii1 >idi \ielfach \\icdci-liolende Mulden und S.illel ge-
Irelen sind. Der enorme Druck , \velelien derartiLie Dislocalionen geNNalligei-
Sdiir|iten^\sleiiie \ oraiisscl/en , scheinl die V«'ranlassnng zur Ausbildung der
transuM-salen Sdiidenm- -exvesen y.u sein, die in vidcn de\onisdien Schiefer-
iidtiden die dgentlidie Schidiluni; mehr oder \\eni.-er maskirt. Kinc fernerc
Foljje soldier ScbichlonfittfningOfl \\aren Spa 1 1 en hi I d n n» en und iiiich deren
allmiihlidier Ausfullung mil .Mincralsubslan/.en ti .1 n i: ('<> r in ;i I i o n e n. Auf devo-
nisrlirm Arcale, ;ilso in de\ oinsdiem Nebeniicsleine sel/en beispielsv\ eise fol-
uende Gauge aiif: der mehr als 70 Fuss iniiehlige stoekformigo Spalheisen-
.sleingani: von Milsen iin Sirizru'srlicn, die Kupfernickcl . Nickclgliinz und
Kuplrrkirs fuhrciidcn (;im»r von ()lu>r\\n]d , die Kupferkicsiziin-c bei DiJIcn-
1'iii-u, die Mjinji.-iiirr/i'jiiii'c hci Kimcmde, die Bleiiihin/giingc von llolzappcl,
die Kupfcr- und Zinncrx^iii-e. \\clclic die devonisehen Scliiefer, (Ji-iinitc und
Fdsiiporplmv vi.u (;«»i'n\viill duivlKsetx.cn und in ihrer Verln-eidin- nn die
Vihe der l.-l/.l-en.UH.Ien Kni|)li\i:esleii)e ^ehunden sind . Iheilweise' sogar im
Conliiele \,,n Gninit und d(>\(,niscli(Mi Schietci n jnifsel/iMi. Dicselben \\crdni
IKM riinT duirhsclinillliclien Miichligkeil von -I M. 10 und inelir M. iniichiii;.
In einer (Jan-nnisse von scli\\;ir/licli griinein Chlorit und Ouarz fiihren die
einen /inner/, fein ein-espren-t oder als Auskleidung von KlUflcn und Dru-
senrainnen und sind die jiingeren Cliinge, die anderen Kupfcrkies in
Vsirrn nder inassigcii 1'artien. Es ereigncl sich jedoch aueh, dass (Jjing*.,
welchc in ihrer oberen Teufe Kupfererze fuhrlcn und auf diese ab-ebaut
\Mirden, diireh gegensn'lijie Venlriiiigung der Erze sich in grdssercr Tiei'e xu
Xinnsleinlaueisliitlen um^-slallclcn. An Slcllcn , \vo die besdmcbenrn C.iinge
diiivh l-VlsiiporpliNi-iinj-e setzen , niimnl nichl nur ihre Milchligkcil, sondern
• inch ihr Ki-xreidithuin /u , cine Krseheinung, welchc sich auch dort wiederholl,
\\o sich vcrsdii(>den streidiendc Krxgiinge kreuxen oder schaaren.
lliickblick. In der Silurxeil war das Leben anscheinend noeh auf die
Mrrre beschrankt; die Continente warcn iin Vorgloich mil der anfiinglich fast
all-eineiiien \S assci -bedeckiing aiisserordentlich unbedeutend. Wiihrend der
«l.-v<»nisdic-n Periode \\adisen sic sovvohl in Folge langsaiucr Ilebung des Lan-
des, als andi sleler Ansdmemmung von Seiten des Meeres und nehmen xu-
gleidi compliriricro Conluren an; - bis dahin todt, bcgZhnen sie sich mil
IMlan/i-n, mil Coniferen, Farncn, Sigillarien und Lepidodcndre^n , den ersten
landbc\\n|m,-ndrn Oruanismen zu sclimUckcn , spiirliehen Forrncn , welchc in
d.-r niichsim ^M.logisdi.-ii 1'eriode zu einer spiiter nie wieder ern-idil.'n Fnlle
und Hiescnhafiigkoit dcr Individuen gelangen sollten. Thiere schcint das Fcsl-
land der DCNOH/CJI n«.di nidil hervorgebracht zu habcn , \\iilirend cine faM
volHloinmdoe, allmiihlichc Umgeslaltung der Meeresfauna von station ging. Sie
\cnndn-i sich urn zahlreichc Ganoid- uud einige Knnrpcllischc; die ersten
Andeiiiuniien d.-r. \ninm neen , die Goniatitcn ; die Gattungen Productus, Unciles,
Siringiicephalus, Cljn.cnia crschcinen auf dcr WeltbUhne, nebcn ihnen eine
An/alil neucr Crinoiden- und I'decypodcngenera , Cupressocrinus , Rhodocrinns
I'olmocrinus, - Mci»alod«.n, 1'lcrinca, Nucula. Dahingegen habcn sich di,.
Fainilicn der r.rapldilhcn und dcr Cystidccn, ferncr ausser den Trilol»iicn der
lYi.nordialfauna die C.-schlechl,-,- Cahnicne, Agnostus, Acidaspis , Asapinis,
Illaenus, endlich das Ccphalr)pnden!iiis Liluitcs, .s..\\i.- di,. Kellenkoralle Ha-
lysiles iiberlebt nn,| sind I.ercils ausgcslorben. Kurz der Gcsanimldiaractcr
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dcr silun.xclieii orLNinischcn Well hat cine Wandelang erfahren . in welcher, als
Gan/cs aiifget'asst, die hichischnur cines slul'cn\\ci.scn Fortschrittcs (lurch Ein-
filhruni: holier oruani.sirler Thicr- uiul Pllan/entx pen nicht zu vcrkenneii isl.
Die carfoonische odor Striiikohlenformation.
I'nter der Re/eichnung der earbonisehen oder SteiokoblenCormaiion \cr-
sleht man einc aus Kalksteinen, Grauwaeken. Sandsleinen ,
Thonschiefern, Schieferthonen und Steinkohlen bestehende
\\t'lrhe in maiu'hen Gchieton ihrer Ausbilduni; ilber 7000 M. Miicliliirkrii rr-
rciclil. da \\i» sic in (iemeinschaft mil devonischen und dyassischen (ii-bildcn
auHrill , das Ilanucndc dor crslcron und das l.iciiondc dcr let/tcrcn l>ildcl.
Ihre Ablagerunc; falll in eine Zeil, in \\ richer aid' den Continonlcn Fame,
Calamilen, Sigillarion und Lepidodendren rt.\i eint-r iii(> \\iodorerrcichtcu
BotwickeluDg tiolanglen, in \volch(M% fcrncr die cr.stcn Keptilion und
die oi'sten landbewohnenden Thicro auf dein irdischcn Schauplalx. crschienei),
\\iihrond sich die Fauna der gleicfazeitigen Meere durch ihren Reichlhuin an
Crinoiden , Producten und rugosen Korallen charaklerisiil. Die carbonische
Formation is demnach der Reprasentanl des Zeitalters der Gefasskryplo-
gamen, so\vie der erslen Replilien und In f la t h inenden Thiei*.
Das Vorkommen zahlreicher, machfiger und aosgedehnlar Ablatierunizi-n von
Steinkohlen innerhalb der hierher gehdrigen Sehichtenreihe rechllei tiut die
Renennung Sleinkohlenformalion, \\enn auch noch andere Formationen (Letlen-
kohlengruppe , Wealden, D\as) Steinkohlenllotze fiihren.
Der petrogaphische Character der carbonischen Formation. In i:e\\ i>-
sen BildungsrSuDien der carbonischen Formation \\inl deren Sohicbtenfolge durcfa
miichtige, nur undeutlich gcschichlete Ablageruagen last vollkommen \er>iei-
nerungsleerer Conglomerate eroHhel, welche nach oben durch VerfeinerttUg
dcr sie zusammcnset/enden GesteiiislVauinentc in Sandslein iiberizehcu.
Diese besitzen bald grbberes, bald feineres Korn . ge\vbhnlich einc \veNxe,
gi-;iue oder gelbliche Farbung und meisl ein kieseliges und thoniges 15iii(|e-
niillcl, und machen das vor\vallcndc Material der carbonischen Formation und
/.\\ar namentlich dercn oberer lliilfle aus. Grauwaeken, G ran \\ a ck cn-
schiefer und Kic seise hicfer bilden gemeinschartlich /.. M. in Devonshire,
ini Oberharze, in Nassau und Wcstphalen die unlercn Ilori/.onlc dcr carboni-
schen Schichlenreihe. Schiefer Ihone Ireten \orziiLis\\eisc in NVcchscl-
lat:crung mil den Sandsteinen und Steinkohh'nlltit/cn der eigentlichen Kohlen-
formalion auf und sind /.inn Theil angefulll von den \vohlcrhallenen Hcsien
dei carbonischen Flora, \\iihrend die masscnhafte Anhiiufuug der Ict/.lcren das
Material dcr Steinkohlenllot/c liefcrle. Durch den Verkohlliogsprocess i:ii)g die
urspriiiiiiliche Form der Kohlcnpllan/en innerhalb dcr Sl<-inkolilcnllot/.e nicislcn-
theils verloren, erhiclt sich da-eiren in den dariiber und darunlcr liegendcn
Schiefcrlhonen in stauncnsNNcrlher Dciillichkcil. Die Kohlenllot/.e dcr carbo-
nischen Formation bestehen enl\\eder aus Steinkohle in alien ihrcn (lurch
VI. Hisloi i-clir (ii'tiloLMc. ii'J'.l
Slructiir und (ilanx. hcdiniilen Yariclaten, oder aus A M I It r,i c i | ,
al-o dem iiiichst hdheren Stadium dcr Yerkohlung MMI IMlau/enmasse. Kin
mid dassellte Flnl/. kann an dcr cinen Sidle aus Steinkohle. an dcr anderen
,nis Anlhracit bestdien. je nachdem die Lagci uiiLzsverhaltnisse den Xcrsdx.ungs-
process beschleunigtgn oder nidil. In Folue davon existhi juich zwischcn bei-
dcn Verkohlungsproducten, \\ie nidit ;mdors /n cr\\;irlcn, cine ununtorl)rocli('nc
l{cilic Mm M-rmitlrlndcn /\Msi-ln'iii;.lif(l»'rn. In ongcM- Vcrhindnn^ mil den
Slcink(ililcnll(it/(>n slrhen niclil scllcn Al»l;ii:cningen von Ih'onigem Spharo-
sidcrit. Dicscr lindol sicli (>nl\\rdcr in isolirton , abor x.um Theil dichl vor
und nclx-nciiiiindcr lic^cndcn linscnlnnni^cn Nicivn odcr in /usarnmcnlmnucn-
dci! H.inken /.\M'schen den mil Kohlenllolzen verizescllschaflclon Schicfcrlhoncn,
\\ie dies \or7.u-s\\cisc in dcr carhonischen Formation von Saarhriicken, Siid-
\\ales, Slall'ordsliiro, Pennsylvania dor Fall isl. Kino noch (Mitzerc Verhindnni:
dor Kohlon- und Fisenslcinahlaucnin^en \\ird durch den Kohle noise n-
Stein, oin (ionieniie von beidcn, wie es z. H. im Hulir^ebielo vnrkoinmf,
hcr^csiellt. Trelen Kalkstcinc innrrhalb des carbonischcn Sandslein-,
Scliiclerlhon- und Sleinkohlencomplexes nur in iinlcrgourdnotcii Schichlen aid,
so L'.-wiimi dieses Gostcin einc ansserordentliche Bedeutun» dadurch, dass es
in inanclien Cci:eiiden eine solbstsliindi»<» untcrc Abtheilung dcr carbonischcn
rnnnalion, den Kohlenkalk bildol. An dem Aufbau dieser unlcren Ni\«-aiis
bclhciliiic!) sich ausscrdein noch (iyps, Dolomil, Anhydrit und Sic i n sa I /,.
Lageruiigsverlialtnisse dcr carbonischeii Formation. Uberall da, \\o
die palacozoischc Formalionsgruppe in vollsliindiger Knl\\iekelun- auftrilt, <-r-
scheinl das carbonisdic S\slein zwischen d<;rn Devon und der Dyas cinge-
sdiallel, indcni sic erslere Formation iiberlagert, von letzterer aber dbcrlagcrt
\\ird. So folgen in Devonshire carbonischc Gcbilde vollkommen gleichformijj,
ant edit (lcv(.nisd)e Schichlcncoinploxo ; die. nntere Ablheiliuiii der earbonisdicn
h.rniaiinn 1,,-nl i,, Sdiottland concordant auf dem Old-red-sandstone, in Wesl-
phidcn iiiil* dem obcrdcvnnisdien Kramcn/.clkalk , in Pennsylvania nnd vielen
andercn (i.^cnden Nordamerikas auf dem Calskill und Chcmung Sandstcin.
Aul dcr andercn Seilc lic-t die D\as von Kansas -und iiberhaiipl dcr bsUioken
AN.dlc dcr lliM-k\ Mountains so vollkommen gleichformig auf der carbonisdicu
Formation und 1st mil ihr durch X \vischcnbildimgcn so eng verkntlpfl, dass
scharfe (ircii/.'ii y.\\isdicn l.cidcn nichl /u x.iehen siml. In iihnlicher \\Cisc
sclili.vsst sich das Ho|ldici_'cndo, also die unlere D\as mancher Punkte Deulsdi-
lands in c.,nc(.rd.mler l.a-erung an die Slcinkiihleiitormalinn an. Dassclbe isl
in Knjjiand der Fall: ebcnso liiiuli.u jcdoch \\erden carbonisdie Schichlen \ou
unlerd\;issis«-licn discordant iiberla-crl, odcr ilbcrlagi-rn das devonische System
ungleichfbnnig, \\as ffuf SchichtensWrungen, die in den Begiun und in das Kude
derSletnkoblenpefJode fallen, hindeulcl. Die carbmiische Formation rcilil sich dem-
nadi als drilles dcr palacox.oischcn S\sleme in die sedimenliire Schichtenreihe ein.
IWe arcbilekfoiiischeii VerhSiltnixse der carhonischen Formation sind
\vegen ilirer Bexiehungen x,u dem Abbau dcr Sleinknhlenllnlxe sehr genau cr-
lorsdit. Die carbonischcn Sdiiditcns\ slcme besit/.cn gcxMihnlidi ciiu; muldcnahn-
hche odd- hassin.irtii:c l.a-ei-ungsfnruL \\c-lche jednch nadi dcr (irosse des Areales
VI. Hislol l-^-Ill1
Ulid liach Maas>gabe anderer Kinlliisse sehr VerSChiedeDiUcfa ausgebildrl
k;inn , so d;i.ss sit- /.\\ ischen llaeh lellerartiger und slcil aulgerichleler Lagerung
scliNvankl und durch secundarc Slo'rungen YeiA\crfungen und knickinigen
melir oder \\eniger inodiliciil \\ird. Die Lagerungsforni der nicislen ganx
llachen Rassins mag durch die trogarlige (lestall ihrcs Untergruodes bedingl
\\nrdcn scin, die steilc SchichtonsteUling anderer Muldon jedm-h isl durch
scillichen Druck her\orgr|>raeht \\nrden. ;ilso d;is Resultal vulk;niisrlirr Kr
scheimmgen und \\ird lx-i Hcsprccluini; dirscr Icl/teren Kr\\;ihiuinii linden.
Die jirossiirligslcn 11;ieh lellerfonnii;en cjirboniselien Heeken liirut d;is Innere
von Nordamcrika und Hnssliind. Hire S< Iiichlen lieiien tiher niehrere Tausend
QttadraUBoilen fasl \ollkoniiiieii liorixonlal oder kauin inei-klich \\ellig und
steiizen nur naeli den Hiindern /.u llacli an. Dassellte \\iederliolt sich, \\enn
aucli in kleiiHM'ein Maassslalu; /. R. in den irliindisehen . oltefselilesischon und
Saai'hiiicker Sleinkohlenbassins. Dort \\o der ohere sleinkolilenfiilirende Seliich-
leneoinplex nichl xur Ablayenini- gelanizle, sind die slratii-i'apliiselien Verhiill-
nisse der unleren Ablheilung dor carbonisclien l-'onnalion iKohlenkalk und
Culm) \vesenllirli diesdlH-n \\ ie die des Silur und Devon, indeni ihnen cine
stt'ilo, \ielfacli iiesiorle ScbiphtenstelluDg Bigenlhttiulidh 1st.
Der palaeontologische Charakter der carbonischeu Formatioii. Zu
welch reieher I^nlwickelung sich auch die spiirliche IMlan/emvoIl des de\oni-
sclien Zeilallers \\jihrend der carbonischen I'eriode emporselivsinizl, ini Vei-yleiehe
mil der MaonigfaUigkek der Floren der Jetzl\vell 1st sic ausseroi'denllieJi formen-
arin, denn nichl nur I'ehlen die angiospermen Picotyledooen noch vollsliindig. auch
die Cycadcen, Coniferen und Palmcn sind nur sparsam verlrelen, die IMlan/.en-
\vell soniil fasl ausschliesslich auf Kryptoganien bescliriinkt, -- den (lallungen
Calamiles, Lepidodeudron und Sigillaria und der Familie der Fame gehoren
ihro llauplrepriiscnlanlen an. Rei solchcr Fornienannulh ollbnbarl sich die
rppigkeil, der carbonischen Landdora in deni massenbaften Auftreten der In-
dividuen und in den ricsenhaflen Dimensionen , welchc sic erlanglen. Durch
A n ha' u fung der abslerbenden und /u Boilen sinkenden Pflan/.en \\uide das
Material geliefcrl , aus \velchein sich durch allmahliche Vennoderung die Slein-
kdhlenllo'l/.e herausbildelen , deren bedeulende Zahl , Maelitigkeil und Ausdeh-
diinu die Veranlassung xur Renennung der liier beli.ichlclen Formation gab.
Die Flora der Steinkohlenpcriode tragl das (lepriige einer lro|»isclnMi
Sumpf- und Morasl— Vegetation und \var demnach auf die llachen Niederungen
der carbonischen (lonlinente bescliriinkt, \velche sie dschungelarlig iiber-
\\ucheilc. 1'nler ihren Vertretern spielen die Calami ten cine llauplrolle,
von dencn Slamme, Wur/elsliicke, Z\seige, Rla'Uor uiul Fruclificalionen er-
halten sind, deivn Zusainmeugcliurigkcil freilich uur in den scltenslen Fiillen
na«-h\\«'isbar ist. Man pflcgt deshalb die hieher gehorigen Sliimnie unler der
He/.eichnung Calamiles, alle Zweige und Hlallreste als C a I a in oc lad us xu
vercinen, xum Theil aber auch lelxtere unter dem Nainen A s loroph \ 1 1 i 1 e s .
An mi I aria, Sj> hon oph y 1 1 um anxufilhren. .Die Schafle von Calamiles
>i« lie 1 ig. I i I besiixen einen cenlralen und xahlreiche peripherische Lufl-
gange, sind liingsgefurcht und quergegliederl , lasscn h.uilig die Narben der
lir
331
X \\eiue erkennen und enden naeh unlen keuellormii: : sie erreielien i I) nnd
mehr Fuss l.an.-e und :{ Fuss Dieke, sind alter in den meislen Fallen l.rett-
artiii Kuaammengcdrttckl und hahen im Verein mil ihren X \\eiiien fast aus-
sehliesslich das .Material vieler Steinkoldenllol/.o i:eliel'erl. Die \\ ielitii^slen
Arten von Catamites, mil \\elelien die Mehr/ald aller iibriuen Species y.u \er-
einen .sein diirl'ie, sind Cal. approximates hron.-. mil kur/en (iliedern (Fit,-.
lil), Cal. Sucko\\i Rronj:. mil \veileren Gliedern und breilen
Cal. eannaeformis Seldott).
mil sehr lanpen (Iliedei'n
und selimalen l.an^srippen
Fii:. I 12) , - alle drei
aiissenirdenllieli liiinliii und
in Kuropa sowolil. \vie in
Nordamerika \\eit \crl»rei-
tet. Selir eharakleri>ii.sc||
fiir die untere Aldlieilmi-
der carhonisehen Forma-
tion iM Cal. transilionis
Copp.. hei weleliem die
l.rmi:st'iirclieii jedes Cdie-
des ijenau auf die des
foli-euden passen. Die
Xweige der Calamileii und Fig. in. .-.«..«.
llerell \\ irlekrindi"«> Kl:il VlK' "]' Ci.llanl'tes upproximatus Brong. — Fig. 112. Cal.
HI.U- cunuaeformis Schloth. - Fig. 143 Untcre.s Ende eiues Schaftes vc
lev (FiLZ. 111. | }..",. ||0) Cal. Suckowi Brong.
werden nad, ,!,.,- Form dicser lelzleren A s le ro ph } 1 1 i les, mil schlanken, spil/.en
Hlallern. S p ti e n o p h \ I I u m , mil umgekehrl keilfdrniigon und A n n u la r i a , mil
'" *
III,.
Fig. III.
•;•'"• " • i:r,.i,g. Fig. M5 Sphonophyllum Sc h 1 o the i m i Brong.
»» I "•• \iiiiul.iriafortili s t .• r n Le rg.
slu.npren. an der Kasis \erNNaeliseiien Hlallern henannl. Die Fame der Slein-
kohlenperiode ua.en /urn groSSen Theile l,aun.arli»r GeWflchse mil 2 his ){ !\|.
lanuen \\edeln, lei,|(T isl aiiuli l)ei ilmen die /iisammen-el.oriMkeil der in fossi-
lem Xuslande slels -.-ironnl vorkommenden , \\emi aiidi IVeili.'l, mil andcrcn
VI. Ill-Ion -i'lic (ii-'t|i»t:ir
Artrii UCIN.MI-I beis&fnmenliegen(fen Sininkr. Hlaitsiirlp mid Ulatifr nur aus-
imhmN\\risr /ii iTkrniH'ii. Ol.\\nhl die l-'arnr ini All^-iiiciiicu IHII cincii ;jc-
rinui'ii Anllicil /.n dcni M.ilci'i.ilc dcr Stcinkdlilc udicfcrl lialx-n , sn hrsirlim
doch cin/rliM- l;|o|/.<-. xi lici X\\ickau. l';isl an.ssdilirs.vlicli ans l-'arnslriiiikru
_Jj Fig. 117 — l.YJ. Carl... n i .sch o Fame,
l-'i-.'. 1 IT. Siihom.pteris Gravenhorsti. — Fig. 1 1*. N^uropteris Loshii Brong, — I.-J.T. | |«i. Od'i
Sclilutheimi Drong. — Fig. 150. Pccoptr-ris arlmrr^cpiis (i.'.pp. ; a vergn.s.sprte Fieder. — Fig. l.'.J.
eleganti Lesq. — Fig. I.Y2. Alotlii.j.tr-ris L..nclirti.lis St, : i
d
"!
:.'ill:iri:i I'.iowni Ii.iw-. ir.-.-t.inrirt i; '< Alxtruck von Si^. oculata Brong.; — i Sig. Voltzi :
• I Stigin.tri.i li..-.'iili-s Hi
\ I. Historiscbe
Caulopleris . mil' dcncn in. HI oft noch die Hlatlnarhcn mid auf dicsen die (ic-
I'.i.sslmndel erkenut. \\ahrend dcr Schielcrlhon, \\clehcr die Flol/.e /.u hcdcitcn
pMcLM , /inn Theil \oii den Ucslcii von Farnhlaltcrn izanx. an^clulll isl. Nach
ihrer \cr\atnr hat man die Hlaller dcr fossilcn Fame in /ahlrcichc (ieschlcchler
getheilt; \on diesen sind die in dcr carbonischen I'eriodc verbreitetsten uiul
artcnrcicl^lfii >iclic l-'ig. -147 — 1">2): S p h(> n oj> t c ri s , N C u ro p t <> r i s , Odon-
Lopteris, l'«-fop! cri.s , C \ loplcris und A I c t li o p t c r i s.
l-'.ini' norli LHns>crc Hcdcutuiiii als die (lalainitcii nnd Farm- Itcsil/cn in dcr
carluiiiisclu'ii rilan/.cn\\elt die S i ii i 1 la rie n und L c |> i d o d c n d re n. Hcidcs
!•"> lti> -'ii, ja iihei- 30 M. luniie, his % M. dicke , nrspriinulicli c\ lindrisclic.
in \crsleinertein Xuslande u'e\\olinlicli brellarli^ /iisainnienizcdriickle Sliiinnie.
Diesellien \cr/\\eii:cn sicli izaltelis^, \varen mil schhmken , linearen Hliiltem
besetzt, \\elclic urosse Hlattnarhen liintcrlassen lial>en. Die beiden ^cnann-
len (ic.seldecliter liillcn cine l.iickc /.\\ iselien den Coniferen und (ielasskrx plu-
I'ii,'. 1M. I. .'
n ; i.
Kij,'. l.'i.".. 8t» mm stQck Ton
].•• pid. elegaDS lirong.
L. I'. 1 ;i tt n ar be n \ .. n
Lcpiilodendron.
Ljamen aiis, indein sic sicli in ihrer inneivn Struclur den crsleren, in ihreni
alliieincincn llahilus den Ict/.tcrcn niihcrn. Die Ohcrlliiche von Sii^i Maria
'.FL. I •">:'. ist (lurch vcrlicale Furchen in abgeruitdete l.ani:sleislen iielheill,
auf \velchcn sicli die Hlatlnarhen helinden. Die sicli vielfach ijahelnden,
sicli allseitii: \oin Slaiiiinc hori/.onlal aushivilenden , his ;}<) Meter laiiizen,
cylindrischen \Vur/eln sind mil kreisrunden Narhen \erscheii 11-. l.'i.! r/ ,
an \velcheii lineare, hlatliihnliclie I ihrillcn ansil/.cii, die ein dichtes vervvorrc-
ncs (icvsehe hilden. Die.se \\"ur/,eliiste von Si^illaria sind Sliumaria he-
nun nl vvorden. Die Sliiinnie von l.c p i d e n d ron I !L:. !')'•) sind auf ihrer
Ohcrlliiche mil rhonihischen , lanccltlorniitreii oder hcxaiioiialen Narhen dicht
331
YF. Ilislnnsrh)1 Geologie.
bederkt , \\elehr sicli spiralig inn den St;imm ziehen und mil langen linearen
Bl.illern besct/t \\aren. Die gabeligen Z \\eige Irugen ;ui ihrem Knde gm.s.sr
exlindrisehe Fniehiiihren (Lepidostrobus . Die earbonisehen G\eadeen und
Gnnil'eivn stcht'ii mi lliiuligkeil del1 liulividuen und nodi mehr der Formen
\\eit hinler den danialigen Farnen , Galamilen , Sigillarien und I.epidndendren
/murk: erstere linden in Noegge ra I li i;t , die (loniferen in den Ilol/.ern
I'iniufi' Araucarion (I)adox y I o n , Ara uea ri tes) ihre N'erlreliinii. Kine iie-
\\isse Modification dor Steinkohle, die Faserkohle, scheint zum grosson Tlieile
ans soleliem Araucarienhol/.e hervorgegaitgen /.u sein.
Wiihrend die angefiilirlen IMlan/.en ausscldiesslirli den Strand-, Sumpf-
niid irniiieiiseebildnngen der Sleinkolilenfornialion anueliiircn, sind die y.ahl-
reichen Hesle der carhoniselien Fauna bis auf einiiie l{<>ptilien . Siiss\\asscr-
liselie, Arlliropoden und Zweischaler nuf die Gcsteine niarinen Ursprungs l>e-
seliriinkt, Von den niedrigsten Thieren, den Protozoen, kennt man nanientlieh
eine bis weizenkorngrosse Foraminifere, Fusulina cylindrica Fiseli.
(Fig. I •')"), \velche in dem Kohlenkalke von Russlnnd , Ohio, Illinois, Kansas
in ungeheurer An/alil der Individuen auflrilt. Den carlfonischen Korallen i>t
durehweg noeli ein palaeozoisclicr Ilabilus eigen , sic gehoren also nusschliess-
lich j_len Zoantharia ragosa und labulata an. Von ersteren sind die Gallungen
Lilh ostrotion (Fig. 1o9), Amplcxus, Lonsdalia, Cyathaxonia als
fast ausschliesslich carbonisch zu nennen. Unter ihnen zcichnen sich nainenl-
lich Li th o sir olio n basa I liforme Phil, und A nip lex us cor a 1 1 o ides So\v.
dureli ihre Iliiufigkeil und grosse Verbreilung in Deulschland, Kngland, Belgien,
Uussland und den \\eslliehen Slaalen von Nordamerika aus. Von Tabnlaien
sind Gala in o p o r a , Mi c h e-
linia und Chaetetes (Fig.
158) vorzugsvveise Nviehlig,
ohne allein auf die earl>oni-
sehe Formation besehriinkl
zu sein, \venn sieh aueh die
Melirzahl der Arlen von
(lhaetetes und Mieheltnia in
dieser Gi'uppe finden. Die
Grinoideen, und zwar so-
\\olil die eehlen annlragen-
den \vie die Blasloideen
erreiehen im Kohlenkalke d;i>
M.iximum ihrer Entuieke-
lung; die vertieale Verbr« i-
tung der lelzh'ren I'iilll sogar
fasl ausschliesslich in die ear-
bonische I'ormalion, \\eshalb
sie zu den be/.eiehnendslen
organtschen lit^ten der lel/.leren 7.\\ reehnen sind Die griissle Bedeulung bpsilz»-Ji.
inn! /\\ar Nor/ugN\\eise f(ir den nordamerikanisehcn Knhlenkalk. die (ialliniijen
1. Fusulina cy li nd rica Fisch. (naturlii-hn (ir.is.se nnd
vergrossert, durch theilweise Entfernung der Schale sind die Kaininer-
wande sichtbarj.
Fur. IVi. 1, it liostrotion
a 1 t i for in p I'll i 1.
VI. llistorix'hc Geologic.
335
C \ ,i t lion-inns V\ii. IGOj, A c t i n ocrinus (Fig. 1(H), Poteriocrinus (Fig.
Amphoraeri n us und 1' I a t \ c ri nu s , nainenllich nber Pen la t re in a -
tiles Fig. 1C-'}, 461). Die Children haben sidi bereils ilberlebt und sincl
ausgestorbeii. Die nbrigen Ahllieilungen der Kehinodermen sind nur sp.-irsjiin
und /\\;ir durch Set»igel von .uissrlilit'sslioh pahieozoischein Habitus (Pc-
rischoi;rhin i dcu vcrdvlen. Hire Schaale /AMiiillt in 30 bis 50 Heilien von
/urn Theil seclissciiiizcii Tiil'i'lciicn . \\iiluvnd Itei alien spiitorcn und auch den
jei/ii:en llcliiniden die Xahl der Asselreihen 20 nie Uborsleigl. Zu diesen
paiaeo/.uischen Kehinidcn gehoren Archaeocidaris mil langen Stacheln,
NNt-lchc anl'i:ros.sen \Var/en aufsitxen and Palaechinus (Fig. 165), dessen Ober-
Miiehe mil kleinen , kiirnigen Wiirzchen bedeckt ist; crslerer nanientlieh aus
Hussland und l-jiizland, lot/lerer aus Missouri in besonderer Sclionhcil bekannt.
Unler den iMollusken der earbonischen Gruppe macht si'ch ein iminer ent-
scliiedeneres Xuriiektreten der Brachiopoden und Ceplialopode.n benierkbar.
Fig. Hill
Fig. 161.
Fig. IG'2.
inns cllipticns Sr,,iil.
Trnt/drin iiefern Ix-ide Abtlieilim-en noch zahlrciche fUr den Kohlenkalk be-
/.ei.-lmende Fonnen , unter <lenen von ersinvn naniontlich Produclus, Spi-
rifer und Spiri-era, von let/teron Orthoccra s, .Nautilus und Gonia-
tUi'-s -r.issere Wirliii-keit besii/.-n. Pmduclus sc rn i re tic u 1 a t us Flem.
(Fii;. !(>«;., prod, uiiianieus Sow., Prod, scabriculus Sow., Spirifer
glabtM- Mart. (Fig. 107) und d.-r !>!•< '/2 Puss breile Spir. slriatus Mart.
\ I. lii.Morisrlie
.Fit:. K'.N liehiin-n /u den charakterislisciien Leilfossilien der earbonischen
l;onnalion nnd crhallen (lurch ihre \\citc hori/.ontale Vcrhrciluni: , •- sic sind
aus Kuropa, Asicn, Amerika und Auslralien lickannl, - - doppellc Bcdciilunu.
Z\\eischalcr sind in dcr Kohlenl'ormalion in ben-its grosser Zahl und
.Mannid'alliukeil cnlhallen und izclioren den (lallun-cn I'cclen, Avicula,
(Ion oca r (I i u in I'ii:. I (i'.l) , Po s i d on o in ya an, von denen bcsondcrs die
let/tuenannle cine in den Thonschiei'crn dcs Culm ausserordoitlich hiiuliiie und
I'iii- sic bc/.cichnende Species 1'os. Bccheri Bronn (Fig. 170) licferl, deren
conc.'iilriscli izcrippte , pa|)ierdiiiinc Sclialen manclic Schichtuni;slliichen L'anx.
bcdeckcn. In den Sehicfcrllionen und Kohlenllolxen dcr productive!) Slein-
kohleni:i-uppe sind Schalcn von SQss\\ assci-inuschcln . Tnio, (A nl h i~a c o s ia j
i-V. M,S.
Fig. 107.
Fig. 1(50.
Fig 17(i Fig. 171. Fi«- !"-•
Fig. IWi. I'rodiictus Bembrtiealatfe Firm. - FiK. Hi7. Spirifer glal.nr Mart. - Fig- 1«is. SpirilV'r .triatus Mart.
Fig. 1MI. (•..n.-ranlii.!!! M\\,rw Sow. - Fi«. I7M. I',,Mdonomya Heelieri Br. - lig. 1,1. Bellero,,hon
ru-t:itus Sow. — Fig. 172. Goniatitos sphaeilCUB Haan.
•» * . i • i_ /~i . « J „**. /^ ^f-^.K)^,.!! i .M» cinri jli<» nAntnli^rif
nichl selten. Die cnrbonischen Gasteropoden-Gosehlechlei- sind die nehnilichon
\\ii- die dcs Devon: die \sichliijslensind Pie u r o to ma ria , Turbo, Natica,
niiineiillich iilii-r Kuomphalus. Zu den lletcr()podcn ^inl lie 1 1 c ro pli o n
(l;iii. 171) -erechnet ., dcssen unuckaniiiicrtc. Ar^.nauta-iilinliclic Sclmlc cine
sclir ^eNNiilinliche l;.rsclieinung in manclien Kolilenkalkcn isl.
Von Ccphalopodcn sind 0 rt hoce ras- A rl en von /Aim Theil ricsiizcn
Dinicnsioncn ini Kuhlcnkalk nichl scllen, und Nautilus, sowie Goniatilcs
iluirli hc/<-ichuende Arlcn, crslcrc diirch solclte mil scharfen l.iin^sreifen \cr-
hvlen. Das dein Kohlenkalke und Culnir ^enieinsanie Vorkoiiuncn von Co-
nintilcs si.haericus Ha an fcrenistria Phil.) (Fiir. 172y isl finer dcr He-
\veisc i'iii' die Aeijuisalen/ l)eidcr.
Die Tri I obi I «-n sind bis juif «-inii:r wenige, kleine und sparsani vor-
koiniiirnde Arlcn, \\clchc nainenllicli der (ialluiiii Phillipsia (Fig. 17:5, an-
,mst:estorl>en nnd \\erden licreils dureh einitze Species \on Liniulus
VI. Historische Geologic. 337
rrs«'fy.i, \\clche von d;i ;d> bis y.ur .Ictzt/rit fortlobt. In den Resten einer Anzahl
von anderon ArlhmpodtMi treten zugleich mit einigen Arten von Pupa die ersten
Spuren landbewohnender und lulia t Innender Thiere aut'. Sie sind
der \atur dor Sache nach fast ausnahmslos auf die produclive
SteinkoblenformaUoo beschninkt und gehoren Scorpionen, Tau-
srndfu.sson, Schaben, Termiten und Locustiden an.
\\<>!iloi-li;i!teno I liigel von letzteren haben sich namentlich bei Wetlin,
Saarbriirkm, in Kngland, Nova-Scotia und Illinois, die Reste einer Fig. m. .Phil-
tvliten Spinnr in Oberschlesien aefunden Upsia pustu-
, lata Schloth.
rboniaoben Fische vertheilen sich auf die marine und kohlenfuhrende
Schiehteograppe der Steinkohlenformation und sind einerseits echte Knorpel-
fisrl.e, andererseits Vorliiufer der Zechsteinfische, nehmlich bet eroce rca 1 e
tleinschuppige Ganoiden. Von ersteren (Gtenodus, Psammodus, Cochlio-
AWj \.-naej.nthus) haben sich gewOhnlich nur Zahne und /urn Theil fusslange
Floss, -nsl,-i< -lu-ln, - - von letzteren (Palaeoniscus, Amblyplerus), auch vollslandige
AbdrUcke orhalten; Knochenfische hingegen sind noch gar nicht vertreten.
In der carbonischen Periode wird die Thierwelt durch das erste Auftreten
drr Hop til ion urn einen neuen wichtigen Typus bereichert. Diese Reprii-
senlanlen der altesten luftatlimenden Wirbelthiere vereinigen in ihrem Baue
nod. iH-wissfCharakterc, welche spater nicht mehr cornbinirt erscheinen, sondern
sidi inn d,.n, Mannigfaltigerwerden des organischen Lebens zu Gruppeneigen-
ilnimlirhkeiten herausbilden. Die carbonischen Reptilien geho'ren bis auf eine
9pec4ea sammtlich derFamiliederFroschsaurier oder Labyrinthodonten
an, welche zwar gevvisse Charaktere mit den Echsen gemeinsam haben (grosse,
konische, in Zahnhohlen steckende Zahne, Schuppenpanzer) im Ubrigen sich aber
durch ihre kurzen Rippen, grossen GaumenlOcher, doppelten Hinlerhaupls-
izdcnkkopf) den Balrachiern am nachsten anschliessen, wiihrend ihre ZHhne
daduroh, dass deren Zahnsubslanz sich gekrosartig nach Innen fallet, eine ra-
Struclur erlialten. Man kennt bis jetzt acht Galtungen mit \ I Arten car-
">m>, her Labyrinthodonten, deren Mehrzahl der productiven Koblenformation
-Scotia's entstammcn, wo sie im Inneren ursprunglich hohler, spater durch
MH! und Schlamm ausgefullter aufrechtstehender Sigillarien-Strtlnke gemein-
»»m mit Pupa und einem Tausendfusse aufgefunden wurden. Besonders
siandii- si, ,d dieResle vonHylonomus und Dendrerpeton erhallen —
•nek. b.-sassrn den allgemeinen ausseren Habitus und die Bedeckung 'der
Scbuppen-Ecbsen, den Schlldelbau der Batrachier und radialfallige Zahne- erstere
--
'•"."I'!" kaum ' , Fuss, letztere bis 2 Fuss Lange. Auch in England
.eletlhe.le carbonischer Froschsaurier enldeckl, und als Anthraco-
Pholidogaster u. s. w. beschrieben worden. Von Labyrintho-
icheinen die Fusseindriicke herzuruhren, welche sich auf den Schich-
lungsflachen der Steinkohlensandsteine von Pennsylvania und Nova-Scotia in
ichl unbelrttchUicher Anzahl vorfmden. Da dieselben durch netzarlig grup-
Sprltoge uekreuzt werden, wie sie durch Austrocknung frischer schlarn-
Oberflachen enlslehen, so mUssen ihre Urheber luftathmende und sich
tein sumpfigen Laade bewegende Thiere gewesen sein. Ausser durch
Crpdner, Elemente d. Geologie.
338 Vf. Ilistoriscln-
LabyriuihodonteO) \\elehe die morasligen I.agunen tin r;trl>onischen IVriode
be\\i>hnten. seheineii die Keptilien bereils (lainals sehon durcli mil l;l»
I'nssen versehene, schuiminende Saurirr (Knaliosaurier verlrcten L:C \\esen y.u
sein. \\enii:>iens hat man izrnsse biconcave \Yirbel (Eosaurus) ebenfalis inNn\a-
Scotia aufuefunden, und dicselhen einem Bnaliosaurier zugesehriehen.
Zweitheilung und verschiedene Fades der carbonischen Formation. Die
Stetnkohlenperiode wnrde durch fbrtgesetzle, saeculare Hebaogen dcr bis daliin
he.sielieiiden Continents eingeleilel, in Folge deren letzlere auf Kosten der Aus-
dehnung der Oceane an Area! zunahinen. Auf dem eben dein Meere ahuc-
\vonnenen, flachen Terrain sammelteu sich die atmosphiirischcn Wasser, deivn
Ablauf durch zusaiiirnenliiingende Flusss\slenie nodi niehl geregelt war, in y.alil-
losen seichten TUinpeln an und verwandelten dassellx- in suinplige .\iedn un^m.
auf \velchen cine ilppige Flora emporvvucherte, \veit ausgedehnte Uschun^eln
bildete und das Material der spateren Sleinkohlenflolze lieferte. Wiilirend der-
selhcn Zeit nahni jedoch auch der Gesleinsbildungsprocess auf dein Grunde des
Meeres seinen Fortgang. Die oceanischen Sediniente umschlossen die koi|>ei
der absterbenden Meeresbewohner, so dass sich das Material einer miirhti^en.
versteinerungsfiihrenden marinen Schichtenreihe anhaufte. In Folge stets fort-
dauernder Ni\( auveriinderungen lauchte allniiihlich auch ein Theil dieses mil
marinen Sediinenlen (Kohlenkalk und Cuhi); bedeckten Meeresbodens aus dein
Oceane empor und vergrosserte die Continente, so dass sich deren Flora au!
dein neu gewonnenen Festlande ausbreiten konnte, urn dorl ebenfalls Material
zur Bildung von Steinkohlen aufzuspeichern. Daraus geht hervor, dass die
Schichtenreihe der Steinkohlenformalion stellenvveise eine reine Sumpf-, Siiss-
wasser- oder Lagunen- (limnische) Bildung, an anderen Punkten . \velche
wahrend der carbonischen Periode gar nicht tiber den Meeresspiegel gehoben
\\urden, ein ausschliesslich marines Product isl, dass ferner das carbonische
Sxstem in noch anderen Terrains aus z\vei Complexen verschiedenen Ursprun-
ges besteht, deren uuterer einen m a r i n e n , deren oberer einen 1 i m n i s c h e n
Charakter tragt. Lelztere Zusammenselzung der carbonischen Schichtenreihe
fasst man als die typische auf und gliedert diese in zwei Abtheilungen, eine
untere und cine obere : die su bcarbonische Formation und die prod uc I i v e
Sleinkoh I enfo rmalion. In der Verschiedenartigkeit sovvohl ihres petroura-
phischen \vie ])alaeontologischen Gharakters finden die Verhaltnisse, unler denen
diese Schichtengruppen zur Ahlagerung gelangten, ihren unverkennbaren Ausdruek.
I. Die subcarbonische Formation ist nicht an alien Punkten ihres
Auftrelens gleicharlig ausgehildet, sondern vielmehr in dreifacher Facies und
/.war ispisch als Kohlenkalk enlwickelt. Die Kohlenkalk-Schichtenreihe he-
sleht, worauf der Name hindeulet, fast ausschliesslich aus reinem oder dolo-
mitischem Kalksteine und ist zum Theil ganz ausserordenllich reich an HesU 11
einer echlen Meeresfauna, also Cephalopoden, Brachiopoden, Korallen und Cri-
noiden, \\elehe namentlich durch die Genera: Goniatiles, Productus, Rhyncho-
nella, Chonetes, Spirifer, Lilhoslrotion, Gyalhaxonia, Zaphrentis, Cyathocrinus,
Aclinocrinus, I'entalreiiiatiles verlreten werden, y.u denen sich als sehr charakte-
ristisdn's I.eitfossil Fusulina evlindriea geselll. Alles weisl anf einen rein
VF. Hislorisclie Ocoloi-ir. 339
niii ri !)<• ii I i-spnin- des Kulilenkalkes hin. Seine llauplvei livliin- findet er
in Helgien, Irland, Wales. Itussland uiui Nordamerika. hn sildlirhen En-land
beginnt die suhcarhonische Formation mil einer Weehsellaj-eruni' von Schiefer-
thonen, Sandsteinen und Kalksleinen, \\elehe »2<>0 Meter MaYhlis-keil erreichl
und ,.u!' \\elche dann erst der his TOO Meier miichti-e eehle Kohlenkalk fol-t
Almliehes, lindet ini mitlleren Hussland slatl.
An Slelle des rj-enl lichen Kohlenkalkes Iritt in manchen ejrbonischen
T.-rrilnrien. so in \\estphalen. Nassau, im llarz, in Sehlesien, in Mahren, Desoii-
sliiiv und Irland ein ihni anseheinend »an/, uniilinliches Scliichlensyslem, der
<i u I in. Diese Formation hestehl aus einer niehrfnchen Wechsella^enuiii \«.n
Thonseliiefer, KieselsehielVi . kieseli^en Plallenkalken, Sandsleinen, (irauwaeken
und Condomeraien und I.esil/.i I.ei Weilem niclil den Versteinerun^sreichtlium des
kol.l(>nkalkes, nainenllieli felilen die Korallen und Crinoiden vollsliindi-, ehenso
«li«- Mrael.iopoden bis auf einij-o Productus-Arten, nelnnlich Prod, antiqmis.
seiniiviiciiljilus und lalissinms. Ausserdem fUhren die Culm-Thonschiefer mil
<lfm Kohlenkalke Posidonomya Beeheri, Gonifililes s|)haerieus, Orthoceras slria-
luluin i^eineinsain, wodurch sich beide, abgesehen von ihren Lagerungsver-
liiillnissen, als iiquivalenln Bildungen, als zvvei verschiedene Facies der sub-
• •arbnnisclien Formation legilimircn. Die hierher gehorigen dunkelen Thon-
M-liielrr \\,-rden nachder ihre Schiehlungsfljichen in grosser Anzahl oft ganz
l»«'de<-kenden Posidonomya Beeheri Posidonomyen-Schiefer genannt. Abweichend
\on d,.m t\|)ischen Kohlenkalke, welclier nur ausnahrnsweise die Oberreste von
eingeschwemmten Landpflanzen fahrt, umschliessen die vor den Posidonomyen-
Sehi.-fern oft bei Weilem vorwaltenden Grauwaeken und Sandsleine des Culm
Keste von etwa 50 Pllan/.enarten und darunler besonders Calaiuites transitionis,
lei-ner Sagenaria Vellheimiana, Knorria imbricata, Stigmaria ficoides, Sphenopteris
emails, \\elche sogar zur Bildung von Kohlenflotzen Veranlassung gegeben
haben. Der Culm isl demnach, wie ausserdem namenilieh die (ioDglomefatartigen
(iran\\acken und groben Conglomerate beweisen, innerhalb f lacher Meeres-
buchten mil sumpfigen Ufern zur Ablagerung gelangt,
Kndlich kann die subcarbonische Formation noch in einer drillen und
y. \\ar echien Iferfacies, nehmlich als eine bis 2000 Meier miichlige Schichlen-
lolge \<m vorwallen.len izroben Conglomera ten nebsl Sandsleinen, Sehiefer-
ihnnen und Mergeln erscheinen, \\elche /uN\eih«n (so bei Hainichen in Saehs.'ii
Kohlenllot/c, an manchen Punklen Gypse uinsehliessi und mil den eeliten
Knhlenkalken dadurch auf das innigste verkntlpfl i?i, dass sieh zvvisehen dicse
Conglomeral- und Sandstein-Abla-erungen des carbonischen Slrandes in der
Hii-hlunii nach den. damaligeii olVenen Meere y.u ein/.eln,- \crsteirierungsreiche
Kohlenkalkbiinke einschalten, de.vn Miichliiik.-it auf Kosten der Conglomerate
und Sandsleine mehr und melir zunimml, bis sie die let/.leivn allmiihlieh uan/.
verdriiniit haben und nun die typische marine Kohlenkalkformalion repriisen-
liivn. Derartiue Verhallnisse sind.z. B. in den sehollisch-englischen Bassins,
in dem appalachischen Kohlenbecken, sovvie in \ova-Seolia in Nordamerika in
ansserordentlicher Deullichkeit enl\\ ickelt.
I her dem Kohlenkalke oder (lessen A.-<|iiivaleiil.»ebilden, dem Cuim und
340 VI. Historische Geologic.
den subcarbonischen Gonglomeraten Iritt als vermittelndesttbergangsglied zwisehen
der oberen und unteren earbonischen Formation eine Srhiehtcn^nippe ;mf,
\\elehe vorherrschend aus groben Sandsteinen und Conglomerate!! besleht und
nur ausnahmsweise unbedeulende KohlenflOize ftlhrl. Dieser Gesteinscom-
plex vvird in Deutschland als flotzleerer Sandstein, auch wohl als
obere Culmgrauwa eke, in England und Nordainerika als Mil Isto ne-g"ri I
bezeicbnet. Am o'stlichen Rande des appalachisehen Kohlenfeldes erreieht derselbe
500 Meter Machtigkeil, keilt sich aber in westlicher Richtung aus, um relit
marinen Gebilden Plat/ /u machen. In solchen Bildungsraumen der carbo-
nischen Formation, wo der Abvvesenheit des Meeres wegen Kohlenkalk od« i
Culm nicht zur Ablagerung gelangen konnten, also in Binnenmulden ist der
fldtzleere Sandstein das untere Glied der dortigen carbonischen Schichtenreihe
und hat deren Ablagerungsprocess eingeleitel.
II. Die productive Kohlenforrnation bildet die obere 'Abtheilung
des earbonischen Schichtensystems und bestehl vorwallend aus Sandsleinen,
Schieferlhonen und Steinkohlenflo'tzen. In England, Ober-Schlesien und Saar-
briicken steigt ihre Machligkeit bis zu mehr als 3500 Meter. Die Anzahl dcr
in ihr auftretenden Steinkohlenflotze ist zum Theil sehr bedeutend und beti-aiil
in Nieder-Schlesien 12 bis 80, in Weslphalen bis Uber 80, bei Saarbriicken
164, bei Mons in Belgien 115, und endlich am Donetz in Stid-Russland ^^5.
von denen freilich viele nur eine sehr geringe Machligkeit besitzen und des-
halb nicht bauwurdig sind. Die Landpflanzen, mil welchen die Schieferthone
angefdllt sind, und welche das Material der Steinkohle geliefert haben, also
Sigillaria, Calamites, Lepidodendron, Fame und Coniferen, die Resle luftath-
mender TausendfUsse, Insekten, Spinnen, Mollusken und Reptilien, welche in
den nordamerikanischen und europaischen KohU'iiformationen gefunden wor-
den sind, beweisen, dass die Bildung der let/teren in ausgedehnten, von
SUsswassertiimpeln, Binnenseen, Lagunen und von seichten, liel
eingreifenden Meeresbuchten unterbrochenen S U in p f e n vor sich gegangen
ist, auf deren Oberflache eine Flora von nie wieder erreichler Dppigkeil
emporschoss.
In dem unteren Niveau dieser productiven Steinkohlenformation treten in
Coalbrook-Dale, bei Glasgow, in Yorkshire und den angrenzenden Theilen des
nordlichen England, in Kentucky und Nova-Scotia, bei Liltlich, im Ruhrge-
biete und in Oberschlesien gewisse Schichten mit Reslen von Meeresbewohnei n
auf, unter denen namentlich die Geschlechter Productus, Spirifer, Pecten, Orthis.
Chonetes. Nautilus, Goniatites, Orthoceras vertreten sind. Es geht daraus her-
vor, dass sich die mit Kohlenpflanzen bedecklen earbonischen Continents /eil-
weilig unter den Wasserspiegel gesenkt und nach Kurzem wieder gehoben
oder dass Einbrtlche des Meeres staltgefunden haben.
Geographische Verbreitung der earbonischen Formation. Ganz
abgesehen davon, dass das Auftreten der carbonischen Gruppe und ihrer bei-
nahe idenlischen Floren und Faunen in fast alien Weltlheilen und unter alien
Rreiten holies \\issenschaftliches Inleresse erregt, isl dio geographische Ver-
bi-eilung der Steinkohlenforrnalion, welcher die Hauplmasse des augenblicktich
VI. Historische Geologie. 341
nmsumiri.'n Bronnmalrrulr.s ,>nlnomm<-n \\ird, von hochstcr techniseher und
naiionalokonornischer
.
^>n allm Liindern Kuropas nimmt die earbonische Formation in Gross-
Britaimirn d.-is grtfsste Aival, nehmlich eine Fliiche von etwa 480 Quadrat-M.-ilen
• •in. Die hierher gehb'rigen Ablagerungen ruhen auf den Schichten des Devon
nnd der a/oisrhen Formationon und bilden, theils durch Damme dieser Gesteino,
iheils duroh Uberla^-rnde jUngere Gebilde, sowie durch Denudation und Meeres-
;»nn.' j-rtivmit. erne Anzahl isolirter Bassins, deren bedeutendste die von Sad-
Wales, Derl.N shire. Yorkshire, Northumberland, Scholtland und Irland sind.
l>ie rail.onisehe Schichtenreihe \vird hier normal . durch die subcarbonische
Grnppe erotfeet, deren Hauptglied, der Kohlenkalk , namentlich im stldlichen
""<! mittleren Kngland das Maximum seiner Machtigkeit erreicht. Nach Norden
i begnmen sich einzelne, alhuHhlich i.nmer zahlreicher werdende Schieferthone
Sandsteine, sowie Kohlenfldtze einzuschallen , welche nach und nach den
Kohlenkalk fast ganz verdriingen und sich in Northumberland, namentlich aber
Schottland zu einem etwa 2000 Meter ma'chtigen, kohlenfuhrenden System
klastischen Gesteinsschichten entwickeln, wiihrend im sUdlichsten Theile
on England, in Devonshire der typische Kohlenkalk' durch Culm-Schiefer mit
ionomya Becheri verlreten isl. Auf den Kohlenkalk und dessen Aequi-
ientbildungen folgt der Millstone-grit in zwischen 100 und 300 Meter wech-
'Hnd.-r Ma.-hii-k.-ii und Intel die productive Kohlen formation ein. In Irland
sind die jtageren Glieder der Steinkohlengruppe nicht zur Ablaaerung gelangt,
letzlere nur durch Posidonomyen-Schiefer, Kohlenkalk und Millstone-
t vertrvten ist , in England und Schottland hingegen werden die unter-
und mittelcarbonischen Gebilde von der echten productiven Steinkohlenforma-
ii'in in einer Machtigkeit von bis 4000 Meter bedeckt. welche z. B in Sud-
\\,les 76 Kohlenflotze, unter diesen 23 bauwtirdige von 32 Meter Gesammt-
fiihren.
wir auf den europiiischen Continent, so finden wir eine der eng-
ichen vollkommrn entsprechende Steinkohlenbildung an den Nordrand des
>elgjsch-rbeini8chen Devonterrains angelagert. In Form eines verhaltnissmassig
Shvifons dehnl sich dicselbe vom Nordabfalle der Ardennen von Be-
ilnin,' und Valenciennes das Maasthal entlang uber Namur, Ltlttich und Aachen
BOS, erteidel dann «•„„> b.-druirnde Inierbrechung durch das Rheinthal, urn
!«•'• "sili.-h an dem nfirdlichen Rande des westphalischen Devongebirges
•'!'•' a« d.-r jUngeren GesleinsUberlagerung hervorzutauchen und sich bis
>i..(ltherge hinzuziehen. In dem Steinkohlenterrain von Belgien und Aachen
ruht dir duirh den Kohlenkalk gebildete subcarbonische Gruppe in steiler Schich-
tenstellung gleichformig auf den jUngsten devonischen Schichten und wird von
Conglomerate* tlberlagert, mit welchen die productive Steinkohlengruppe be-
In Westphalen hat die carbonische Formation, obwohl sie als ost-
liH.r F«.rfs,-izun- der linksrheinischen zu belrachten ist, eine etwas abweichende
Ausbildung crfahren. Der Kohlenkalk trill hier nur in dem Hussersten dem
leine ragewandten Flligel in der Nahe von Ratlingen auf, welter nach'osten
i er durch ein uber 300 M. miichtiges System von Thonschiefern , Kiesel
:'>12 VI. Hi.slorisrlti'
sclnd'crn. Plallenl-alken mid Grau\\aekcn, dem Culm ersel/t. \\elcherii. ,i. I'osid.
Hecheri und Goniatiies sphaericus luhri. Die productive; Koblenforniation \\ird
diirch die Schichtenl'olge dcs llol/leeren Sandsleines eingeleilel , isl iilx-r :':Jn<)
Motor maehlig und fiihrt S:{ Knhlonflolzo, darunlor -'>0 l»au\\ iirdigc mil ct\\;i
.">.'! M. Kohlo. Das weslphiilisehe Sloinkohlengobirge \vird von der Kreide dis-
cordant iiberlagorl.
An den SUd-Abfall des llunsriick Ichnl sich das Kohlcnbcckcn von Saar-
brileken. Seine Sehiehien gohbrcn ausschlicssHch dor product! ven Kolilcn-
ronntilion ;in, bcsit/cn cine Miichliizkeit von el\\a $'.)(}() M.. in \\clclicr liis jd/.l
Si) hauwiirdiiir Flbl/.c, daninler oines 5 M.," allc /Aisnnnncn 100 M. iniichtiii,
aufgescb lessen sind Sic iaiic'ni ilach muldcnfbrmig und zvvar discordant anf
<lcvonischon Schiofern auf und \vcrden von unlordyassiscli(Mi (icliildcn. den
Lebachei1 SchiolVrn, gleichfOrmig bedin-kt. Dor flolm'iche Thcil des Saarbriicker
Kohlenbassins nimml ein A real von 7 Quadralnieilon oin.
Audi an dein Oslrando dos Rheinisehon Sebieferaebirges \\indot sich oin
dureh Krosion vielfach zerstiickcllor Stroil'cn dor carbonischcn , und x,\\ar aus-
schliesslich dor sid>carbonischen Formation bin, Irilt als Culm mil Posidonomya
hecheri ini DilJenhurgischen in Nassau auf und ziehl sich von bier aus einer-
seits sj;oi"<!n Siidcn in den Kreis Wet /Jar, andcrseits gogen Norden bis nach
SladlbcM'ge , \vo or sich an das vvoslphalischc Kohlonlorrain anschliosst. Aus
Culm, und z\var Posidonomyen— Schiefern und pflanzoniuhrondcn Grauwacken,
bosteht ferner oin grosser Thcil dos nordwesllichon Ilarzes , namenllich die
I'mgogend von Clauslhal ; in ihni solzon die dorligen Bleiglanzgange auf.
Die im ndrd lichen Thoilo von Weslphalen bei Ibbenbiibron und am
Pies berg bei Osnabriick aus dor Decke von jilngcren und jilngslen Forma-
tionon horvorlrotondon isolirlcn Parlien der productiven Sloinkohlenfonnalion
slehen \vahrschcinlich mil dem \\eslphalischen Sleinkohlengebirgc nntorirdisch
in Verbindung und sind nur Ausliiufer dieses letzloren. Von nur \venig gros-
serer Bodoutung sind die Kohlontorrains von Wellin und Lobejiin in der Pro-
vinz Sachson. 1m Konigreicho Sachsen besilzl die carbonische Formation oine
etNNas grbssere Verbroilung in dor Z wickauer Mulde (mil 8 Flbtzen, darunter
eins 10 M. machtig) , in der Sloinkohlenparlie von Flbha, \volche /war mil
dor Zvvickauer Mulde zusammenhangt , aber sehr arm an Kohle ist, der llai-
nich oner Mulde, welche als kohlenfiihrende subcai'bonische Formation zu belrac-h-
len isl, und dem Polscba ppo le r Beckon z\vischen Dresden und Tharand.
Nocb vveiler im Oslen Deulschlands breilon sich die Sloinkoblentorrains von
Ob or- und N i ode r-Sch I esi e n aus. Sio umfassen die obere und untore
Ablhoilung der carl)onischen Formation, und /war in Nieder-Schlosien oine
Combination beider Facies der subcarbonischen Gruppe, indem Kohlonkalklager
mil Produclus und Spirifer zwisohon don (Jrau\vackon und Schiofern des Culm
mil Calamilos und Lepidodendron oingeschallet auftrelon. Das niedor-schlosische
Steinkohlengebirge bildet oine Mulde, deren osllicher Fliigel sich an den Gneiss
des Eulen-Gebirges anlehnl und bei Waldenburg borgbaulich aufgoschlossen
ist. Ihr westlicher Fliigel trill in Bohmon bei Schal/Jar wieder zu Tago. wiih-
VI. Historische Geologie. 343
ivnd jhiv jian/.e miltlere Parlie dureh Hothliogondes und Kreide ausgofilllt \\ird.
lin l.aul'e der Ablageruni: des niedcr-schlcMsclien Kohlcngcbirgcs erfolglcn /ahl-
reiche Durehbriiche son rolhom Ouar/.porphyr, die /inn Tlioil auflallende Con-
laciseischeinuni;en be\\irklen. In Ober-Schlesien \\ird die Stcinkohlcnformalion
dnrch den Culm erollnct. \\ richer sieh ini Wostcn an die devonischc Zone von
ZUcfcmantePSteraberg anlehnt, indem er von Ober-Schlcsicn aus in sildliehcr
Michluni: nach ( JstciTcichisch-Schlesion und Mahren bis in die Gogend von
hrtiiin fortsctzi und einen Flaclienraurn von mehr als 100 Quadralmoilcn ein-
niniiul. Er fiihrt Posid. Hecheri, Gonialitcs sphaericus , Calamites transilionis,
l.cpidod. telraiionum, und anderc Fame, Calamilen und Lcpidodendren und hat
mil dem Culm dos Oberharzes die ineistc Verwandtschaft. Der Kohlenkalk isl
nur an dem stlddstlichon Ende des oborschlosischcn Steinkohlcnbeckcns bekannt
und fiihrl namentlich I'roductus semireticulalus und P. gignnteus. Das pro-
ducti\e Steinkohle&gebirge bildet verschiedene, insclartig aus dem umgebenden
Diluvium sirh erhclx-ndo Partien, deren grosste sich zwischen Gleiwitz und
M\slowilz ausdehnt. Sie gehdron jedoch augenscheinlich ein und dciDselhen
H(>ckcn an, dessen Grdsse gegen 100 Quadratrneilen betragen wird, und sind
nur oborfliiclilich durch Auflagerung jUngerer Geslcine gelrcnnt. Die (Jesarnint-
miichtiiikeit dcr oberschlesischcn Steinkohlenfldtze wird auf HI M. berechnet,
• I is \avcii-Fldlz allein erreicht bis 16 M. Miichtigkeit. Hdchst interessant
ixl das Voikommcn mariner Fossilien, namlich Orlh\s, Chonetes, Nucula, Area,
(ii.niatiies. .Nautilus, Hellerophon u. a., vorzUglich aber von Produclus longi-
spinus, Orthoccras undulatum, Bellerophon Urii, Chonetes Hardrensis in be-
stimmien, dem unteren Niveau der productiven Steinkohlengruppe angehdrigen
Sehichten, -- eine Erscheinung, welche auf eine zeitweilige Meeresbedeckuiiij
des carbonischen Festlandes hinweist. Eruptivgesteine, deren Hervorbrechen
in die Ablagemngszeit des Kohlengebirges fallt, fehlen in dem oberschlesischcn
Meckcn durchaus, auch sind die Sehichten desselben ungestdrt, flach und regel-
miissii: Licl.iizcrt, obvvohl einzelne Verwerfungen nicht ansgeschlossen sind. Von
deutschen Vorkommen der carbonischen Formation sind schliesslich noch die
sehr klcinen Steinkohlenbccken des ThUrinuer Waldes, •/.. B. b(>i Manebaeh und
Gnldlauler und die steile, zwischen Gneiss und Granit eingeklemmte Mulde
\nn Ber^hauptcn in Baden zu erwiihnen.
In Rjissla^d nimmt die carbonische Formation, wenn auch zum grossen
Theile von Perm und .lura Uberlagert, einen ungeheuren Raum ein, indem sie
in Form eines llaehcn . icllerartigen Beckens mehr als ein Dritlel des euro-
piiisrhen Husslands zu unterteufen scheint. Der wesllichc Rand dieses Bassins
1 1 ill in einem Streifcn zu Tage, welchcr sich vom Weissen Meerc bis sUdlich
\on Moskau erslreckl. \\idirend sich sein dstlicher Rand an den Ural anlcgt.
\Vie in Irland, so ist auch in Russland von der carbonischen Formation fast
aiisM-hliesslicli dcr marine Kohlenkalk zur Enlwickeluui: pclangl, fill- dessen
oberstes Niveau namenllich das massenhafte Auftrelen von Fusulina cylindrical
charakterislisch ist. Die productive Kohlenformation ist auf verhaltnissmassig
sehr beschranktem Gebiele durch ein isolirlcs Beckon am Donetz vertrelen.
\M-lchos Ireilicli i2.'i Fldlze besilzen soil. Am \\eslabfall des Ural sind carbo-
'.> 1 I VI. Historische Geologic.
nisrhr Knhlrn hrkannt , \\clrlto in ihrem Aussehen durchaus dcr Braimkohh'
gtaicbeo.
Boh men isl mil Steinkohlc rcich auseestatlel. Sie bildet einiuo Brckrn
in der Nahe von Pilsen und gehOrt ferner cineni Streifen von carbonisrhon
Schichten an, welche sich an den Nordrand des dortigen Silur anlciren. Die
subcarbonische Gruppe ist im Zusammenhange mil diesen Yorkommen nichl
vrrtivlen, besilzt jedoch weiter b'stlich in Mahren eine grosse Verbreitung.
Von den Ubrigen europaischen Territorien kann an dieser Stelle nur er-
\\iihnt werden, dass in den Alp en sowohl die subearbonische , als die pro-
ductive Steinkohlengruppe nachgewiesen ist, aber unter ausserordenllich ver-
wickelten Lagerungsverhallnissen auflreten, — dass die carbonische Formation
in 1 (alien gar nicht bekannl ist, in Frankreich nur sehr beschrankte Ver-
breilung besitzt, in Spanien und Portugal ansehnlichere Ausdehnung er-
langt, dass endlich machtige Kohlenkalk-Ablagerungen auf der Baren-Insel
und auf Spitz berg en entdeckt worden sind. In Asien sind carbonische
Schichten am Allai und am Amur mit Sicherheil nachgewiesen, das Alter eines
grossen Theiles der chinesischen Steinkohlen hingegen ist noch fraglich ; manche
derselben enthalten jedoch Sigillarien und sind deshalb wahrscheinlich car-
bonisch.
In Amerika kennt man Vertreter der carbonischen Formation im aussersten
Norden des Conlinentes, wie fast an der Sildspitze desselben. Am grossartig-
sten auf der ganzen bekannten Erdoberflache ist das carbonische System in Nord-
amerika entwickelt ; namentlich besitzt dort der Kohlenkalk eine enorme Aus-
breitung, nimmt den grossten Theil des Areales zwischen der appalachischen Kelte
und dem Mississippi ein und bildet ausgedehnte Landstriche in den Rocky Moun-
tains und in den arktischen Regionen jenes Continentes. Die productive Kohlen-
formalion breitet sich dort liber sechs grossere Territorien aus, welche freilich
zum Theil durch spalereSchichtenstorungen undAuswaschungen in zahlreiche iso-
lirte Partien zerrissen worden sind: 1) das grosse appalachische Kohlenfeld
(s. Fig. 178), welches sich an den Westabfall der silurischen und vorsilurischen
Alleghanykette anlegt und sich liber bedeulende Theile von Pennsylvania, Ohio,
Virginia, Kentucky, Tennessee und Alabama ausbreitet. Die von dem Haupl-
becken abgetrennten und nahe seinem ostlichen Rande in den centralen Land-
strichen Pennsylvanias auftrelenden Mulden dieses Sleinkohlengebirges fiihren
ausschliesslich Anthracit, die Hauptfelder ausschliesslich bituminbse Kohle. Die
abbauwlirdige Steinkohle soil dort bei einer stellenweisen Gesammtmachtigkoit
von etwa 40 M. ein Areal von 2100 geogr. Quadratmeilen einnehmen. 2) Das Illi-
nois- und Missouri-Kohlenfeld, etwa ebenso gross wie das vorhererwahnlr. ^c-
hbrt den Staaten Illinois, Indiana, Kentucky, Iowa, Missouri, Kansas und Arkansas
an. 3) Das Kohlenfeld von Michigan, 200 Quadratmeilen gross. Die sub-
carbonische Formation, welche die productive Kohlengruppe dieser drei Becken
unterteuft, besteht im Osten, also in der Strandregion des carbonischcn Mecics.
aus Conglomerate!! und Sandsteinen, in welchen sich nur sellen AbdrUcke \nn
Organismen fmden. Weiter nach Westen, also nach dem frliheren om%nen
Meere zu, tritt an doren Stelle der echte Kohlenkalk, angeflillt von marinen
VI. Historische Geologie. :>i:>
i Das Kohlenfeld des niirdliehon Texas. •"> li;is Kohlonfeld von
Rhode-Island, rt\\a :ii Ouadratmoilon uross. 6) Die Kohlenfcldcr von No \ a-
Sootia uiul New- Brunswick . otwa 740 Quadratmeilen iiross. An der Nord-
kiisle von Nova-Scotia bei Pictou werdon i Flbf/.o abtiebaut . welche 13, 8, 4
und 1,3 Meter MMchligkeil haben; an dor Wostkiisle konnt man zwar 76 Slein-
kohlontlot/o. von donon jodoch nur 7 abbauwiirdig sind.
Die kliinntischen Verhiiltisse wiihrend der carbonischen Periode.
Die ilppigo, kriiftige Steinkohlenvegelalion, ihre Zusamniensetzung aus bci \Vei-
tiMn Uberwiegenden Calamiten, baumartigen Farnen , Sigillarien und Lepido-
dendren \\eisen auf ein feuchtes, \varmes, frostloses Inselklima bin, untcr %\<>1-
(•licin jene riesenhafton Gefiisskryptogarnen in die Hohe schossen. Die Teinpc-
i-iUur dirs<>s Kliinas hat man auf 20 bis 25 Grad R. geschiitzt. Weiter lasst
si<>li aus dor Vorbroitunii tier carbonischcn Flora und der Sleinkohlenflotze iibor
allc Breilen der Erdoberflache und aus der allgemeinen tbereinstimmung der
carboniscben Pllanzenformen schliessen, dass wHhrend dor Kohlenperiode ebenso
wio in dor Aequatorialzone, so auch in der jetzigen arklischen Region ein
jrloirbniiissi}' warmes, frostloses Klima geherrscht hat, dass letzleres ein Gemein-
i:n( dor Hrdo war, und dass dio klimalischen Vorschiedenhoiton . \\clclio sich
heute an don Polen und am Aequalor darbieten, entweder gar nicht, oder nur
in ho'chsl goringem Maasse vorhanden waren. Zu Feuchtigkeit und Wan no.
liosrlli >icli als driller, dio Uppigkoit dcs carbonischen Pflanzenwuchses bodin-
gondor Faolor dor Kohlensaure-Reichthum der damaligen Almosphiire. Da der
gesammtc KohlenstofT der Steinkohlenfldtze von der Kohlensiiure der Atmosphare
hcrsiamiut, lolzlerer also durch die Bildung der Steinkohlen eine enorme Quan-
litiil von Kohlensaure entzogen wurde, so isl mil Recht zu schliessen, dass der
Kohlonsiiure-Gehalt der carbonischen Almosphiire ein boi Weitem grosserer
war, als er es heutzutage ist. In Folge da von besass die Lufthulle wahrend
dor Kohlenzeit eine grOssere Dichtigkeit, war desshalb schwerer und weniger
leicht beweglich und darum ruhiger und nicht so sturmisch wie in spateren
Periodon. Iliilt man allo diese meleorologischen und klimatischen Verhaltnisse
dos oarbonischen Zoilalters zusammen , so wird die trolz ihrer Formennrmuth
iiinorizU'iohliohp I ppii:keit und Riesonhaftigkeit des carbonischen Pflanzenwuchses
orkliirlidi. Dass auch die Temperatur des Oceanes jener geologischen Periode
iiiilcr alien Biviicn eine doiehmiissige. und warine war, darauf weisl das Vor-
knmmon identischer oder fast idenlischer mariner Thierreste an zahlreichen
Fundstollon hin, welche sich von der nOrdlichen arktischen Zone bis nach der
SiiiNpilxc Sudamerikas \eitlieilon.
Die Bildnng der Steinkohlenflotze. Da nicht nur die Schieforthom •.
welcho dio SleinkohleTill..i/.(> begleilen , mil Pflan/.enah.lrUcken angefUlll sind,
sondern auch in der Kohle selbst die Form der Vegetabilien, aus denon sio
hor\ tin^an-on , sehr hiiufig noch erhalten isl, da IVnier die Steinkohle aus
mikroskopisch nachwoisbaror Pllan/onfaser bostohl, so kann Ubor don vogola-
bilischen rrspmng (h-rselben oin Zwcifol nicht obwalten. Aus eben diesen
Reobachtungon ergiobt sich forncr, dass nur Land- und Sumpfpflanzen , nie
aber Seelange, einen Anthoil an dor Massenbildung dor Kohle genommen haben.
• >!('» N I. Histoi i-fhc (JrnlniM*'.
Oben an stehen die Sigillarien und Stigmarien, an sic reihen sich die Arau-
carien. Calamilen und l.epidodendrcn . \\iilirend die Fame in dieser Heziehung
cine iinlergeordnclere Nolle spielten. Generation folgte auf Generation, — die ab-
slerbenden Pflan/.en sanken x.u Boden , ihre faulenden Restc hiiuften sich
/.ii uc\N;iliigen IMlan/enmassen an, urn von Schlamm und Sand bedcckl die
oin/.elnen Stadien des Verkohlungsprocesses siehe pag. 192) zu 'dnrchlaufen und
sich allmahlich zu Sleinkohle und Anthracit umzugeslalten. Letzleres lindet
dort stall, wo der urspriingliche Schichlcnbau der carbonischen
bedeutende Stbrungen erlillen hat, so dass die sich bci dem Vcr-
kohlungsprocesse entwickelnden Gase leichl durch Risse enlweichen konnten.
Dies ist z. B. bei den Anlhracil-Bassins von Pennsylvania der Fall gewesen.
Die bei Weiiem vorwiegende Anzahl der Sleinkohlenflotze wurdc aus
Pflanzen gebildot, welche an Orl und Stelle gewachsen \\aren. nur ganz wcnige
mogen die Anhaufung ihres Maleriales der Zusammensclnvemmung von Seiten
des Meeres verdanken Dass dem so ist, geht, ganz abgesehen von der grossen
horizontalen Ausdehnung mancher Kohlenflblze (das Pillsburger Flbtz soil ein
A real von 900 deutschen Quadrat-Meilen einnehmen), ferner abgesehen von
der vollsliindigen Erhaltung der zarlesten Details z. B. an den Farnwedeln,
namenllich daraus hervor. dass die Schieferthone , welche das Liegende der
Flol/e hilden (die Sohlschieferlhone, underclay), sehr haufig von Wurzeln und
Wurzelfasern von solchen Pflanzen erfiilft und durcluvachsen sind, deren Sla'mme,
Zweige und Blatter sich
auf diesen Schieferlho-
nen, der damaligen Erd-
oberflache, zu einem
Kohlenfldtze aufgespei-
chert finden. An den
wesllichen Gestaden von
• Nova Scotia. denJoggios,
' wiederholen sich inner-
Fig. 174. Profil an der Joggi n s- Ku ste von No va- Sc'oti a. j^]^ einer Schichteiireihe
1 Sohlschiefer mit Stipinaria-Wurzclfasern,
2 Uraiicr SandstPin mit aul'rorht stPlipndpn Sipillarien- und Calamiten- VOn 4700 Meter, 7(i Sol—
Stfunmen,
K..Mcnflutz, o Zoii machtig, cher >V urzelhorizonlc,
I Sohlscliipfcr mit Stigmaria-Wurzelfasern,
,t und fc r.iiumitos. deren jeder von einer
r Stijrniiirifn. /un: Tlicil mit Wnrzelfasern,
</ llolilrr Siitillaripn-Strnnk, :t M. hoch, mit Dendrerpcton, Pnpa, n. a. W6nn 3UCh noell SO
schwachen Kohlenschicht bedeekt wind, ja in sehr vielen Fallen noch aufrecht
slehende Sigillarien- und Calamiten-Strtinke triigt. Dergleichen in ihrer ur-
sprilnglichen Slellung, zum Theil noch im Zusammenhang mil ihren Wurzeln
crhaltene Stiiinnie, kennl man vorzugsweise in dem Kohlenreviere von Saar-
Imicken , ferner in dem von St. Elienne in Frankreich , von Lancashire,
Staffordshire in England; an den felsigen Ufern von Nova-Scotia hat man IS
Niveaus mit aufrcchlen Stiimmen libereinander Ix'obachtet. Die vielfoltige Wieder-
holung soldier l.andpllanzen fiihrenden Horizonle oder Steinkohlenflotze /,\\isrhen
miichligen Schichtenreilien von Sandsteinen und Schieferlhonen und gelrennl
dinch solche, oder gar durch Kohlenkalkbiinke marinen L'rsprungs lassen sich
VI. Itistorisrlie Geologic. ->17
k.iiiin ,mdei> .ils diiivh l.mi>,mie Senkungon mil periddi*ehrn DnterbreoiuiBgef)
erklaren ; aus jeder Senkung giug ein S\slcm von Sand- mid Sehlammsehiehlen
lter\(>r, jedem Slillsland enbpriclil das Kmpor\\ iieliern einer Pllan/cndocko ;mf
dcm lieu angesch\\emmlen (iriindo und die Hildung oinos Kohlonllol/.os.
Yulkniiisrlic Krsrliciiiiiiigi'ii und (ian^bilduiigeii ini (iU'biete carlio-
-iiisrlm* Formal ioncii. NYie in den \<>rangohendcn und kommondon goolo-
gisehen I'eridden machen sich aueh wiihrend dcs cjifhonischon Zcilallors Hciic-
liciii-n dcs uliillitliissip-n Krdinncrn pciicn die Krdkruste und y.\\ar cineiscils
dmvli l-iru p I ion i;l n I h I' I ii ss i ueu (i e s ( o i ns in a teria los , andcrorsoits dnrcli
Srhiehifiislo'ninui'M und Spallriihildimurn . so\vio durch locale llebunizen und
Senkunuen lt<Miierkl>ar. Die lnuiplsiichlidistcMi Kruptisizestoinr dor carbonisclion
l'«'iiode sind Diabase, namontlieh aber Fc Isi I por pli yro , \velche i^anx. a'lin-
lich \\ie die des Di-von, im onizslon Zusanunonhantze mil don Meeres- und
Sumplbildunuen jenes Xeilalters slohen, indom sie nicht scllen durch Tulle mil
i linen verkniipfl sind. Einor dor bo\\oLiteston Schaupliit/o vulkanischor Erup-
lionen \\iir\\iilirend d(>r (larbou/oil die SUdhiilflo der Inscl_Arran an dor NVost-
kilste SclioHlands. Nchon /ahlloson Dia])asg;ingon, welche in dichl'em (loNvirro
die dortiuen Sandsloine der subcarbonisohen Formation durch/iohon , li-olon
miiehlii-'e dookenarliiio Aldaizeninuen von auflalliger Woisc zum Thcil quar/.-
rei<-hen Diabasen in versohiodcnon Niveaus iiboroinandor zwischon don sub-
c.irbdnisclien Sedimenliiesloinen auf, und slohen mil (Jangen in Yerbindung,
\\eldie (lie lei/teren durchsclzen
und g(>\\i>serma;issen die aus dor
Tiefe lieraurreichenden Wurzcln dor
Dookon bildon. Jllnger als dicse
Diabase sind (iiinge, Stdcke und
Decken von lloisohrolhom und
granemFelailporpfayr, \selclierdurch
don Sanidin-Charaklor seines Fold- Fig- 175< 1>rofil :1 » lll'r Wi-«tpcost.- von Arran.
" S.-liicfer uud Sandstcine der subcarbonisclien Formation. —
spalhos und die Kryslallform semes 8 Onibk»rnig«r ]>ial>as, gtngtormlg, dann sich /.u Pino, nifich-
tii;on Decke ausbroitend. — c Gang von srhr f>iiik»nii},'ciii
Qnarees mbexaeder und Pnsmaj Diabas.
cine g«-\\isso Aiinjilioruii" an die Tr;n-h\ u- x.eigi. Diabas sowohl, \vio Felsilpor-
ph\r sind /inn grossc-n Tlioil in Plallon oder Siiulen abgesonderl, die hie und
d.i priiehlig bilsoholanig divergiron. Ausserdom Irill vereinzelt quar/fUhrendcr
Dioril. namonllioh aber .msge/eichneler Pechslein innorhalb der earbonisehon
Scliiclilenreihe von Arran auf und /war theils als vollkomincn regolmiissig /wi-
schen die Sandsleine oingescluilicie l.agor, welcho in eokige Pfoiler y.(>rkliiflcl
(•der diinnplaltig abgesonderl sind, Iheils als oigenllicho Giinge, welche den sub-
oarbonischen Sandstein durchselzon
Auch in andi-ren Thoilon Hritanniens, /.. B. in Devonshire, treten /vvischen
Gonglomeralen , Schiefern . K.ilksieinen und Sandstoinon der unleren Kohlon-
fonnalioi) Dialtaso und Diabastufc auf, deren Glcichalterigkeil namontlicli aus
dem Vorkoininen selilaokonarligor DiabasslUoke in den dorligen Conglomeralen,
sowie aus der Regelmiissigkoit. mil wolcher die Diabase zwischen den sodimeu-
tiiren (M-sieiuon eingeschaltet sind, hcrvorgeht. In gan/ analogor Woiso
348 VI. Historische Geologic.
weeliM-llagern die rarbonisehen Grauwaeken und Tlionsehiefer der ringegend
von Bleiberg in Karnthen in der regelmiissigslen NVeise mil DiabasgesteioeiL
Eruptionen von Fel sitporphyr haben in Deulschland \\iilnvnd der
Kohlenperiode in verschiedenen Districten, so z. B. in dem jet/igen Kohlen-
hassin von Flb'ha in Sachsen , sUittgefunden Hier liel seine Eruption in die
Mitle des carbonischen Zeitalters ; or durehsetzte die bereits ahgelagerie untere
Hiillte der carbonischen Schichtenreihe. breitete sich darUber in etwa (id M.
Machtigkeit aus und wurde dann von den jUngeren, carbonischen Sandsleinen.
Schiefern und ddnnen Kohlenflblzen (iberlagert, so dass er jetzt als vollkommen
gleichfbrmige Einschallung zwischen einer iilteren und jUngeren Schichtenreihe
erscheint. Auch in der Steinkohlenformntion Niederschlesiens, dem Walden-
bnrger Kohlenbassin, treten im Hochwald, Pflanzenberg, Blitzberg, in der Grube
Fixstern bei Altwasser und Gnade Gottes bei Reussendorf Felsilporphyre aul.
Sie haben die geschichteten Gesteine und mit diesen die Steinkohlenflbtze durch-
setzt. verworfen, sich zwischen sie eingedriingt, sich ilber sie ausgebreitet, sie
stengelig abgesondert und anthracitartig verandert. In ganz iihnlicher Weise
sind Felsitporphyre zwischen die Steinkohlenformalion Frankreichs , z. B. bei
Brassac, lagerfbrrnig und mit der grbssten Regelmassigkeit eingeschaltet und
ebenfalls mit Ga'ngen verbunden. In demselben Districte wird die Kohlen-
t'ormation von Diabas durchsetzt, welcher zahlreiche Fragmente von Schiefer-
thon und Steinkohle umschliesst und die letztere verkokt hat.
Neben diesen Beispielen f(ir das Auftreten carbonischer Eruptivgesteine
mbge noch erwiihnt werden , dass auch die Eruption des Hypersthenitzuges,
Fig. 170 Profil durch'die Worm- und Eschweiler Mnlde.
c Devonische GranwacVe. — d Devonischer Kalkstein. — e Unterste subcarbonische Formation. — / Kohlenkalk.
— g Productive Kohlenformation. — h Braunlcohlenformation.
\velcher sicli zwischen Schnellbach bei Schmalkalden und dem Spiesberge bei
Friedrichsroda aus der Steinkohlenformation hervorhebt, in das Ende der car-
Fig 177. Idnales Proifil der Mnlde von M on >.
a Dr'vonisclie Formation. — b Kohlentalk. — c FK-tzleerpr Sandstein. — </ Productive Kohlenerni>[>o.
bonischen Periode fallt. Bereils in dieser dringen endlich gewissc Mclapli\nv
z. B. in der t'mgegend von Saar)>rUcken und Waldenburg hervor , wenn si(
auch ihrer Hauptmasse nach erst dyassischen Alters sind.
VI. Hislorische Geologic.
Imponirendcr noch als (lurch Krnplionen gluthllussiger (ie-
insmassen olleiibarl sicli der \ nlkanismus in der Stoning
n rs p rilnglichen L a g er n n g> \ e rh ii 1 1 n i sse dcr car-
Sehichlensysteme, \\ch-hc der Knisiehung dieser lei/-
leren nach, hori/onlale odcr fast Imri/.onlale gcuesen sein miis- "
sen. An Sh>lle dieser iiormalen Lagerung isl nichl selten ein ,H
aiisscrordenllich complicirlcr und gestorter Schichtenbau gclrelcn.
Die gan/.c Formation isl son grossai-ligen . ge\\altsamen Hcwe-
giiiip-ii crgrill'en und \\ ie durcli enormen seitlichen Druck slcil
aufgerichiet. /.u /.ahllosen Mulden und Siilteln /.usammengedrUokt,
/ick/ackariig gclallcl, tachei •fiirmig \erschoben, ja Ubergekippt \\or-
den. Ueislehendes IVolil (lurch das in dcr Na'he von Aachen gc- .,,
Icgene \\orin-Ue\ier und die Kschweiler Mulde (Fig. 170) /eigl
cine derarlige beiderseilige Slcllung der Muldenlliigel, \\elche in
dem \\ormbassin ansscrdem noch y.ii /.ahlreicheii klcincrcn Fallen
y.irk/.acklormig /.usammengcslaucht sind. Ganz ahnlicheLagerungs- »
\erhiiltnisse \\iedcrholen sich in \\eslphalen, helgien und Frank-
reich. Besonders merksNiirdig isl die Archilcklur der grossen
Mnlde \on Mons (Fig. 177), deren nordlicher FlQgel flach und
regelmiissig gcgeii SUd lallt, wiihrend der SUdllUgel slcil auf-
gcrichtd und in \\iederholle zickzackformige Fallen geknickl isl,
cine Lagerung, an \velcher nichl nur die siimmllichen Glie-
dcr der carbonischen Formalion, sondern auch die Schichlen
des Devon theilnehmen.
(•an/ a'hnliche Schichlenslorungen, nur in weil grossarlige-
rem Maassslabc, machlen sich in Nordamerika gegen das Knde
der carbonischen 1'eriode gellend. Mil der Ablagerung der obe-
ren KobleoformattOD schlossen die Sedimentalionsprocesse, aus
dcneii der I ntergrund der ganzen Osllichen Hill fie des nord-
amerikanischen Conlinenles hervorgegangen war, ab, -- lelzlere
hob sicli als Feslland Uber den Ocean. Mil dieser Hebung slan-
din geualtige Schichtenslbrungen in Zusammenhang, von wel-
chcn nicht nur die carbonischen, sondern sammtliche palaeo-
/oische Formalionsglieder in dem ganzen appalachischen Gebirgs-
sNsiem bctroH'cn wurden. Aus ihrer ursprUnglich horizonlalen La-
gerungsind dieSofaichten dieser Formationen durch scitlichen Druck
zu lauter unter sich und der heutigen allanlischen Kdste paral-
Iclcn Fallen /iisammcngeschoben worden, deren Sleilheil und Hohe
iin Osten, also im eigenllichen Alleghany-Sysleme ihr Maximum
erreicht, nach\\e>ien y.u abcr abninunl und xxvarso, dass sie pro-
portional ihrer Lnlfernung vorn allanlischen Occane llacher \\erden.
lallungen des Ctirbonischen Schichlensystemes , wie die
hriebenen konnlen bei dem \\ i<lerslande, den die \\cnig
slischen (lesleinsmasscn alien Itiegungcn entgegensct/len.
I vor sich gehen , ohne Zerreissungen und Hcrstungeii der
349
spill .
350
VI. Ilislnrischo iMMiloi;ie.
Fig. 179.
Profil im Kohlenrevier von Ankland
i ii 1> u rham.
A, B, C Kohlenflotze.
SchJchtencompIexe /.u \cnirsachen. Derarliiie Spallen sollten die VeranlassmiLi
ZNM'ier wichtiiier m'olo^ischcr ErscheinilDgen , der V e r\\ erfuiiiien nnd der
(, a nu hi I d u Hi" t'li \\erdcn. Fast alle Kohlenbassins haben StoruniM-n Hirer
Architeklur durch SpriiiiL'c und Verwerfungen erlilleii . mil dcneii niclit scli.-ii
cine Zermalmuifg des ilinen n.iclislen Nebcii^esteines Iliinil in Hand gegangen ist.
/urn izriisslen Tlieile iiussern die.sc Ycrvserfunucn I'reilich nur einen iinterizeurd-
neten Kinlluss ;iuf die l.;ii:eniii^>\ erhiiltnisse. Xuwcilcn nher wiederliolen sic
sirh in kleincn Z\vischenr;iuincn in so grosser Anxalil, dass eine vollsliindi^c
/ersiiickeliniiz des Eohlengebirges finp'tn'ton ist, welches dann aus reiiellos
dureli cinander ^e\\orfenei! (iel)ir;j;sli'Uii)iiiern liestelil (Fig. 179). Auf der
andcreii Seile erreiclien manehe deiarliiie Dislocnlionen so grossartit^e Diinen-
sioncn, dass die gegenseiligen Verschiehungen der durch die Verwei'l'iinii iie-
trennten FormationsOttgel mehrere
hundert Meter belriigt. So hat die
unler deni Nainen Mttnslergewand
bekannte Verwerfung die Schiclilen
eines Theiles tlei- Eschweiler Mulde
Uber 230 M. in die Tide ucriiekt;
eine eben so grosse Dislocation
ist durch eine Verwerfung im Doh-
lener Steinkohlenbassin l)e\virkt
\vordcn; auf deni Ninety-fathom-dyke, einer mil Sandsteinmasse ausgefulltcn
Klufl, ist der nordliche Theil der Kohlenformation von Newcastle Uber 330 M.
in die Tiefe gesunken , so dass Zechstein in der Fortsetzung der Kohlen-
flotze liegt. Noch bedeutendere Dimensionen erreiclien die Verwerfungen,
welche den Westabfall der Alleghanies in Nordamcrika begleilen , so /. B. in
SUd- West-Virginia , von wo SprUnge von 2 bis
3000 M. beschrieben und untersilurische Kalksteine
in das Niveau der Kohlenkalke gehoben sind.
Waren in den eben angefiihrlen Beispielen Zer-
reissungen der carbonischen Schichtensysleme die
Ursache eines zuin Theil ausserordenllich sch\\ie-
rigen Abbaues der Steinkohle, schadigten also den
Mineralreichthum eines Landes, so haben andere Spal-
ten Gelegenheit zur Enlslehung gangfOrmiget
Erzlagerstatten gegeben und damit Objecte gross-
artiger bergbaulicher Unlernehmungen geschaffen.
Die BleiglanzgXBge des Oberharzes sind Aus-
ftillungen solcher Spalten in der untcrcn Kohlenfor-
mation, dem Culm. Dieser bildet das nordlich \om
Devon des Kahlenberges , ostlich vom Quar/.l'els des
Bruchberges, siidlich und wesllich von der l)\as
scharf uinurcn/tc Clausthalcr llochplaleau , welches
von den in nordwestlicher liichtuni: strciclienden Mr/.uaiiLicn durchset/t \\ird.
ohne dass dicse bis in die iiberlauernden dvassischen Schichtcn hineinrei-
Fig. 180. Profil dnrch den
.1 ohann-Friedr icher Schach t
l>ei Bockswiesc.
A Nr-U'T i iruncr Lindener Gang.
II Pisthaler Gang.
rt Spiriferen-Sandstoin. — it'alceola-
Schiofor. — c Kramenzel-Kalk. —
</ Kicsplschiefcr. — e Culinthon-
-.•hipt'or and Grauwackon.
»'hfii, •' ''i" Hr\\i'is. da.vs die Gangspalten in der Xeil. \\o ;iml<T\\.irls die
pnidurtiNe Koblenformalion /ur Ahlageruni: gelangle, aulgerissen \\orden sind.
In manchen Fallen \\unlrn sit- die I'rsarhe urussariiuer Yenserlm^en. \\ie /.. H.
del' Neite Griine Linden, M und der I'isthaler Gang bei Bocksu iese. llier \vird d;is
Lic-gende dieser Giinge /n ohersl von Calceola-Sehiefern und unler diesen von
Spirifeivn-Saiidslein, ,ilso \<>n I 'ntenle\ on. — ilir llangendes ahcr his y.u 430 M.
TcnlV \on Culm mil 1'osid. Ik-clu-ri und uiHcrluilh dieses von Kniineiixelkalk,
also Ohrrdrvon i-.-hildei. Die llolie dieser Veruerfung betritgl deinnacli nielir
.•ds :>oo M. Die (iiin-e trelen in dem Clauslhnler Gulm-Plaleau /u inehivren
Xiip'ii /.usainincnunippiil auf, von \\elehen der liur-sladter, ZelliM't'elder. Ho-
M-nhol.T und Silhcrnaaler Ziiii direct urn und unter Clausllial und Zellerl'eld,
• lie srchs uhrii:fii riwas weiter enlteriH liei^en. In jedem dieser ZUge unter-
sdicidct man eincn sehr iniichtiiien, im \Vesentlichen mil veriinderlen Nehen-
gesteinsbruchstUcken, namcntlicli aber mildem, schwarz gljinzendem (iaiiL:-
thonschiefer ausgefullten Hauptgang, innerhalb dessen erzfuhrcnde TrUiner und
Kinlas:»'niiii'eii auftreten, welche sich in mannigfachsler Weise schaaren und
ver/N\eigen. Das wesentlichste mineralische Material, aus welchern diese Tru-
mer und Erzmitlel zusammengesetzt sind, ist Kalkspalh, Quarz, Selmerspath,
Hraunspath, SpatheisenskMn , Bleiglanz , Zinkblende, Kupferkies und Fahler/,
\velehe in der verschiedensten Weise vergesellschaflet sind, zum Theii auch
• lie AusfQllungsniasse des Hauptganges, also namentlich die Gangthonschiefer
imprtfgniren.
Auch die berQhinlon, ihrer Nalur nach freilich von den Clausthaler \veit
vcrschiedenen Zink- und Bleiiilan/la-erstatten der Gegend von Aachen sel/.rn
2UIM lirbssten Theile in carbonischen Schichten auf. Die HUgelreihe jenes
Districts hestehl aus devonischen Schiefern und Kalksteinen, Kohlenkalk,
Kolilonschiefern und Kreidegebilden. Die palaeozoischen Schichtensysteme sind
sallcl- und nmldenfo-rmig gelagerl, vvahrend die Kreide ziemlich horizontal
dariiher lii-t. Die dort auftrelenden Erze" sind Zinkblende, Bleiglanz, Schwefel-
kics, mil Kalkspatli und Quarz vergesellschaftet, oft in schaliger Anordnun-.
<ic-en ihr Ausgehendes hin sind sie in Galmei, Weissbleierz, Brauneisenerz
iun-c\\andelt. Sie bilden I) Gauge im Kohjenkalke, 2) Gontacllager zwischen
Kohlenkalk und den darUberliegenden carbonischen Schiefern, sovvie zwischen
« rstcrem und den devonischen Gesteinen, :*y isolirte Nesler im Kohlenkalke und
Devon, 4) lagerfonnige Impiaunalimicn ge\\isser carbonischer Schiefer und
devonisdici kalksleine. Ganz iihnlich sind die Verhaitnisse der Zinker/.la-cr-
sliiit«>n dcs angren/endcn Belgiens. Ausserordenllich erzreich ist ferner die
subcarbonische Formation Der by shires und North u mberlan ds, und /\\ai
ist es Bleiglanz, \\clcher mil Flussspath, Kalkspalh und Schvverspath ver-r-
seilschnl'tet den Kohlenkalk diirchscl/.l und in diesem Giinge, sowie der Schich-
lung parall.-lc, lang-.-zogeiif llaclic liinlag.M-uugen hildet. Aullailig isl die Kr-
scheiiiuni:, .lass der Kr/.ivichthum der Giinge an den Kohlenkalk gebunden ist
und heim Hinlritt des Ganges in die xwischengelai-.-rlen Schiefer und Diabas-
gesi.'ine vcr>ch\v indd. Ahnlichcr Naiur sind die Mleierzvorkornmen von Alston
Moor in Cumberland. Die subearl>.mi>che Formation hesleht hier aus einer
350
VI. Ilistoi isclio CiiM)lni;ii>.
Schichtencomplexe /u \rrursachcn. herarlige Spalten solllen die Ycraiila.sMing
/\\cicr wichtiger gcologischcr BrscheiDUDgefi , del' Y cr\\ ert'u ngcn mid der
Gangbildtingen \\erden. Fast alle Kohlcnbassins haben Slorungrn ihrei
Architeklur (lurch Spriinge und Verwerfungen erlilten, init drum nichl sdi.-u
rinc Zermalmung dcs ilmen n.ichslcn Nebcngcstcines Hand in Hand gcgangcn 1st.
Zmn gn'isslen Thcilc jiussern diese Verwerfungen I'rcilich nur einen untcrgconl-
nclcii Kinllnss auf die Lagemogsverhgilnisse. Zuweilen aber wiederholeii si«-
sich in klcincn X\\ ischcnriiumen in so grosser An/ahl, dass einc vollstiindii-i'
ZersUickelang dcs Kahlengebirges cini.rclrctcn isl, \\clchcs dann aus rt'in'llos
dtirch cinandcr iit'NNorfcMrii (it'hirLisli-iiniiiicrn hcstchl Fig. 179). Auf dcr
andorcn Scilc crrcichcn rnanchc dcrartigt' Dislocationen so grossartige Dinicn-
dass die gegenseiUgen Verschiehungen dcr (lurch die Vcrwci'l'iing i:e-
Fig. IT'.). Profil im Kohlenrevier yon Ankland
in D n r ha in.
A, B, C Kohlenflotze.
trennlen Formationsflttgel
hundert Meter belragt. So hat die
unler deni Nanien Miinslerge\\and
bekannteVerwerfungdieSchichlcn
eines Theiles der EschweilerMalde
Uber 230 M. in die Tide geruckt ;
eine eben so grosse Dislocation
ist durch eine Verwerfung im Doh-
lener Steinkohlenbassin bewirkt
wordcn ; auf deni Ninely-fathom-dyke , einer mil Sandsteinmasse ausgefiillten
Kluft, ist der nordliche Theil der Kohlenformalion von Newcastle Uber 330 M.
in die Tiefe gesunken , so dass Zechstein in der Fortsetzung der Kohlen-
flotze liegt. Noch bedeutendere Dimensionen erreichen die Verwerfungen,
welche den Westabfall der Alleghanies in Nordamerika begleilen , so z. B. in
SUd-West- Virginia , von wo SprUnge von 2 bis
3000 M. beschrieben und untersilurische Kalkstcine
in das Niveau der Kohlenkalke gehoben sind.
Waren in den eben angefiihrlen Beispielen Zer-
reissungen der carbonischen Schichlensyslcinc die
Ursache eines zuin Theil ausserordentlich sclmie-
rigen Abbaues der Steinkohle, schiidiglcn also den
Mineralreichthum eines Landes, so haben anderc Spal-
ten Gelegenheit zur Entslehung gangfOrmigef
Erzlagerstatten gegeben und damit Objecle gross-
artiger bergbaulicher Unternehmungen geschatlen.
Die B leiglanzgange des Oberharzes sind Aus-
fUllungen solcher Spalten in der unteren Kohlenfor-
mation, dem Culm. Dieser bildel das mirdlich vom
Devon des Kahlenberges , dstlich vom Quarzfels des
Bruchberges, sUdlich und westlich von dcr Dyas
scharf umgrenzte Clausthalci1 llochplateau , welches
\(in den in nordvvestliclier Hichtung streichcnden Er/giingen durchsetzt wird.
ohnc dass die.se his in die Hherlagci-ndcn dsassischen Schichteii liincinrei-
Fig. 180. Profil durch den
Jobann-Friedricher Schach t
bei Boc kswiesc.
A Neoer Or&ner Lindener Gang.
/•' l'i>thaler Gang.
a Spiriferen-Sandstein. — tCalceola-
Sdiicfer. — c Kramenzel-Kalk. —
rf Kieselschiefer. — e Culinthon-
-'•hipfer and Granwackon.
V. Histori-die (ieoloijie. ;?,r) I
dien, -- cin Br\\eis. d;iss die (ianuspalten in der Zeil. \\o andervxiirts die
productive Kohlenformalion /ur Ahlai;eruni: iielangie, aufgerisseo \\orden sind.
In manchen Fallen \\nrden sie die lYs;idie grossartiger Yerweffungen, \\ie /.. H.
der Neue (iriine Lindener uud der I'islhaler Gang bei Bocksxviese. Hier wird d;is
Liegende dieser (iiinue /u oherst \on GaiceoIa-rSobtefero und unler dieseii von
Spiriferen— Sandstein, also von I'nterdexon. — ihr Hangendea aber his zu 430 JVI.
Teul'e \on Culm mil Posid. Bedieri und unterhalb dieses von Kramenzelkalk,
also Obenlexon gebildet. Die llohe dieser Verwerfung betriigl detnuadi nielir
a Is .iiM) M. Die Gauge trelen in dein Clauslhaler Culm-Plateau zu nu'lireron
X.iiiren /.usaiiiiueiii;ru|tj>ii't auf, von \\elchen der BurgStfidter, Zellerfelder, Ho-
senholVr und Silliernaaler Zui; direct uin und unter Clnusthal and Zellei'feld,
die sedis iiln'i^en eiwas welter eiitl'ernt liegen. In jedein diuser Zlige unter-
sdieidet man einen sehr iniichti^en, mi \\resentlichen mil veriindorlcn Neben-
gesleinsbruchstUckeD, namentlich a her mildem, schwarz gljinzendem (Jang-
thonsrhiefer ausgefullton Hauptgang, innerhalb dessen erxfUhrende Triimer und
Hinhigcrungen auflrelen, \\elche sich in niannigfachsler Weise schaaren und
\er/\vi'igen. Das wesentlichste niineralische Material, aus welchein diese Trii-
nier und Erziuittel zusammengesetzt sind, isl Kalkspalh, Quarz, Schwerspath,
Uraunspath, Spatheisenstein , Bleiglanz , Zinkblende, Kupferkies und Faliler/,
\\elche in der verschiedensten Weise vergesellschaflet sind, zum Theil auch
die Ausftillungsmasse des Hauptganges, also namentlich die Gangthonscliieler
imprtfgniren.
Auch die berUhmten, ihrer Natur nach freilich von den Clausthaler \\eit
verschiedenen Zink- und Bleiglanzlagerslatten der Gegend von Aachen setzen'
zum grosslen Theile in carbonischen Schichten auf. Die HUgelreihe jenes
Districts besteht aus devonischen Schiefern und Kalksteinen, Kohlenkalk,
Kohlenschiefern und Kreidegebilden. Die palaeozoischen Schichlensysleme sind
saltel- und muldenformig gelagert, vvahrend die Kreide ziemlich horizontal
darilber liegl. Die dort auftretenden Erze sind Zinkblende, Bleiglanz, Schwefel-
kies, mil Kalkspath und Quarz vergesellschaftet, oft in schaliger Anordnung.
(iei^en ihr Ausgehendes hin sind sie in Galtnei, Weissbleierz, Brauneisenerz
umue\\andelt. Sie bilden I) Gauge iin Kohjenkalke, 2) Gontacllager zwischen
Knlilenkalk und den dartlbcrliegenden carbonischen Schiefern, sowie zwischen
ersierem und den devonischen Gesteinen, .5 isolirle Nesler iin Kohlenkalke und
Devon, 4) lagerfdrmige Impriignalionen gevvisser carlwnisclier Schiefer und
devonischer Kalksleine. Ganz iihnlich sind die Verhaltnisse der Zinkerzlager-
sliiilen des a 111:1 cn/.enden Belgiens. Ausserordentlich erzreich isl ferner die
subcarbonische Formation Derby shires und N o r t h u m b e r 1 a n d s , und /A\ a r
ist es Bleiglanz, welcher mil Flussspalh, Kalkspalh und Schwerspath vei-e-
sellsehaftet den Kohlenkalk dui'chsel/.l und in diesem (iiinge, sowie der Schich-
lung parallele, lan^e/oizene llache Einlagerungen bildet. Audallig isl die Kr-
sdieinung, dass der Erzreichthum der Giinge an den Kohlenkalk gebunden ist
und beim Einlrill des Ganges in die zwischengelagerten Schiefer und Diabas-
uesteine versehwindel. Ahnlieher Natur sind die Bleierzvorkornmen von Alston
.Moor in Cumberland. Die sulx-arbonische Formation heslehi hier aus einer
:i;> t
Vorgiingen . aus denen die carbonische und d\assische Forinalion hervorging,
sind demnach \ on unten nach oben gelesen):
.">. Tii'l'srr Marine (icliildc Kalkslrin MrrrrsllmTc
ebil'de
',. Sriikuni; unliT
das Meet
nmlSandst.-in
IMi\it'i.-e Discord an/
Zcchstein ;
It o t li I ic if c ii -
d.-s; '
:t. Stills! and ,
iiiilu'dcnlcndi-n
Oscillationrn
Stiggwasser-
und
Kolilen-
fulircndr
Schirlitcii
' I1;;:!:UM'(;,1U'"'1' awwgebflde e5fS?»SS2
1. Ticfscc
tm(ISandsleill
Marine Gcbilde Kalkstein Meei-eslhicre
, K oh le n fii h r.
Hot hlie-
tie n d c s
und
V r o d u c t i v c
K it li I c n I'o r-
ni a lion;
Flo! x.l cc rcr
Sa nds I e in ;
Culm
Kohlenkalk; .
Dyas
Carbon.
Forma-
tion.
Mil einer derartigen Anschauung stimmt dann die Thatsache vollkommon
ilberein, dass da, wo dcr carbonische Meeresgrund nicht zutn Feslland»> ge-
hoben \vurde, wo also ausschliesslich marine Bildungen die an anderen Slcllcn
XAVfigliederige Kohlenformation vertreten, auch die pos tear bon i sch e Schich-
lenreihe mil marinen Kalksleinen beginnt und zum Theil als durcliiiiiiiizii:
marine Formation zur Enlwickelung gelangt. Unler solchen Verhallnissen komnil
die Zweilheilung der normalen Dyas in Wegfall oder wird wenigslens vrr-
vvischt. Eine derarlige Ausbildungsweise mussten die hierlier iiohori»en Schich-
tencomplexe des Weslens von Nordamerika erlangen , welche direct und mil
ihm durch Uebergiinge eng verbunden auf den Kohlenkaik folgen. In Russ-
land sind zwar sowohl dyassische Slrand- wie marine Bildungen /ur Ausbil-
dung gelangt, jedoch sind ihre Grenzen so verwischl, und ihre pelrographisclien
Verliiillnisse so abweichend von der lypischen deutscben Dyas, dass man die
russisehen Aquivale&tgebilde der lel/teren mil einem anderen Namen, nehmlich
dein der Permischen Formation belegt hat, cine Bezeichnunu , \\elche
ebenfalls auf die poslcarbonische Schichlenreihe Nordamerikas ubergegaiiiien isl.
l)\as \\ie Permische Formalion sind somit Bezeichnungen iiquiv.ilcnter Sedi-
menle und /war fdr zwei verschiedene Facies der Producte des postcarbo-
nischcn Zeitallers, und konnen und milssen mil demselben Rechle nebcn-
einander beslehen, \vie die Namen Culm und Kohlenkalk.
Unler Dyas oder Permischer Formation begreifen wir also denjenigen Scliich-
leneomplex, d(>ssen Ablagerung unmillelbar auf die Sleinkohlenfonnalion ^elolLii
und der Triasformatiop vorausgeiiangen ist, so dass sich seine nnleren Niveaus
/.ii\\eilen auf das innigsle an eislei'e, seine oberen Ilori/onle eng an lelxtere
.inschliessen , -- es ist ein Sehielilene.ompU'N , \veleher in den /uersl bekannl
ge\\ordeneii (Jegendeii seines Voi'kouimens in x\\ei meisl seharf gelrennle l-'or-
malioiisglirilcr. nehmlich in die (inippe des Ho ill ii ege n d e n mil I,andpll;in/en
und des /eehsteines mil marinen Heslen) /erfalll , \\iihrend in anderen
Hildiingsriiiiinen, so in Nordamerika und Russland, eine solche Trennung nieht
mehr so seharf oder aueli gai1 niclil nielir durebzufflhren isl.
Clianikter. Die aullallend furmenarme Fauna
VI. Hislnnsrli
;,».»
und Flora der postcarbonischen IVriode halsich einrii aiisgesprochen palaeozoischrn
(iharakler liewahrt, schliesst sich eng an jone des earbonischen /eilallers an
und repriisentirl gewittermaaaseti die let/ten Heste und .Naeli/iigler der dahin
sch\\imleiulen palaeozoischen organischen Welt. Die postcarbonische Flora
besleht, abgcsehen von einigen Tauten, aus (lycadeen, Coniferen, Farnen und
(lalamilen, also aus hei Weitem \orwaltonden Landpflan/.en. tinier dieser sind
die I'arbonischen Geschlechtor Calaniites (mil dt'in schr characterischen
C. iiii;as Hrong.) , Annularia, As terophy llites, Sphenoplcris, Neu-
roptcris, Aleth optoris, Odontoptoris durch zicinlich zahlreiche Arton
verlreten, auch die Galtung Cyalheites (C. arborescens Brong.) ist well
verb rei lot , frsgleichen hat sich das carbonische Cycadcengeschlecht Noetri^c-
rathia orhalten. Dahingo^cn \\ci-den die Lepidodendren /,ti seltenen Er-
schciiuniL'en, und Sigillaria mil Sligmaria, so inasscnhaft in der carbo-
nischen Periode, ist bereils fast ganz ausgestorben. Die Stamme der bauin-
artigen 1'arnt1 dieses Zeitalters sind durch Verkieselung in grosser Scho'nlirii
crhalten und aus diesem Grunde und wegen ihrer ausserordentlichen Iliiufig-
keit als sehr characteristische Resle der poslcarbonischen Periode zu l)olrachlen.
Hierher gehort-Psa ronius und Tub icaulis. Ersterer zeigt im Querschnitte
aTnbicanlis.
6 Fsa r o n i u s.
'Fig. \X-2b) die verzogen hufeisenforiuigen, jetzl in vcrschiedenfarbigen Ouai/,
iimgcwandcltcn (iflassbiindel , ist von oben nach unlen gerichleten NVbemvur/oln
iiingfbcn, /.\\ischen welchcn die hlallstengel hci -vorlrelcn. Tubicaulis (Fig. IH^j
li(>sil/.l rtihrenfttnnige (icfiissliiindcl. N«>ben diesen Farn-Slrilnken linden sich
aiH-li verkirst'lte Gonife-
ren-S la in in si lie ke von
.{ his i I 'u-vs Durchmesscr.
Naincnllich sind die Griien-
dci) von Floha, Chemnilz,
Planilx, in Sachscn, von Ha-
do\\enz in Uiihincn und dcr
l\ \tVhiiusrr rcich an solchcn
\crkicscltcn Slriinkcn. Kine
grossc Hi'deulung erlangcn
durch ih re ' Ila'ufigkcil und
Vcrbrcilung die /NN'cige eincr
Conifcre \Valchia Fig.
is:{ \V. pinnata (iiill>. — \V. (ilicifonnis Slernb. — \V. pinifonnis Slernb/ init
\V a 1 r li i
){. ivt.
\< i n i f it r in i s S t c r n \> o r
Fig. IM.
1' I I in j n i a
li r o ii ii i i; 3 |i p.
\ I lli>li»risrhe
I'll-
I'or-
dichlslehenden pfriemenlonniizen. kanligen Blatleni. Wiihrend die Heste dieser
l.andllora der Nalur der Yerhiillnisse naeh im Alliiemeinen anf die Sumpr-
und Straadbildungea der postcapbotrischen Schicbtenreihe, nchmlich auf d;is
Itotlilie^ende besehriinkt sind , filhrl die marine Gruppe dieser l;«n ination sehr
gewohnlich Fueoiden /,. B. Gaiilerpiles , neben diesen aber aueli
srhwemmle Fame, nanirnllich al>or die in Kuplor^lanx umgewandelten
und iM-ilrhte einer mil Cupressus semporvircns \ci\\andtcn Conil'crc:
iii. inni. i Hronni (iopp. Krankcidicrucr Komiilircn) Kii:. 1Si. -
Auch die Fauna der poslc-ai'ltoniselien
malion isl oine viel a'rmlicherc als die frdlierei'
Xeilalter und abgcsehen von eini^en Ueptilien und
l;iselien aul' die marineii (iehilde der hierher jze-
liiiriizeii Srhielilenreihe heschrankt. I)i(! Hosle MHI
Proto/oen (z. B. Nodosaria und \on l-ichiiioderinen
sind ausserordenllich sparsam ; ot\\as reielilielier
isl die Verlrolung der Korallen durch einiize Zoan-
lliaria tal»ulala (dalainopora und Alveolites . ;ds<»
FJg.iv,.Fenesteiia retiformis palaeozoisclie Formeii ; verluiltnissiniissi- stark sind
die Bryozoen in Feneslella enl\\iekelt. Kene-
slella retifoi'in'is Sclilolh. (Fig. 185) isl ein Ireffliches Leitfossil dos Zeeli-
sleines. Von alien niederen Thieren al>er herrschen die Brachiopoden \vei( \m
alien Ubrigen vor und liefern die characterislischslen und \\cil verbreitelslen
Zechsleinformen. Hierher gehoren Produclus horridus Sow. , Spirilfi
undulalus Sow. , Sir ophalosia Morris iania Kinii, die Klmu-hnnella-
iihnlielie Ca inaroph ori a Sch lo I liei mi Buch; Tore l> ra I u la chmuaia
Schloth. und endlich Lingula Gredneri Gein.
Die Zweischaler Pelecypoda) erreichen in der
postcarbonischen Periode im Vergleich mil den Ubri-
gen Vertrelern der Thierwell bereils eine izriissere
Wichtigkeil als in friiheren Zeitaltern, neigen sieli
in ihrem allgemeinen Gharacler mehr nach den
inesozoischen als zu den palaeozoisclien Zweischa-
lern hin und gehoren vorzugsweise den Geschleeli-
lern Mylilus. Peclen , Area, Gervillia , Nueula and
Sehi/odus, einem Vorliiui'er der Trigonien, an. Zu
den gewohnlichslen organischen Reslen des Zeeh-
sleines sind Schizodus obscurus SONY. 1 i;:.
189), Avicula speluncaria Schlolh., Area
V\K. IMS. rroductns horridns sow. s 1 11 i a I a S ch 1 o lh.. M v t i 1 us II a u s m a n n i Gold I'..
Kiir. 1->7. Spirit'cr umlulatus Sow.
v StrophaloBia Morrisiiina King. Poclen DttSlilUS Sclllotll.. (iei'villia Cei'a-
'
isit.
olis curus Sow.
lophaga Schlolh. zu ziihlen.
Die Gasleropoden sind in der Zechsleingruppe nur durch wenige GaUungen
inamentlich Turbo, Pleurotomaria, Chilon, Nalica, Denlalinin und
el\\a •>() Alien, sowic (lurch spiirliche. unansehnliclie und kleine Individuen
verlrelen. Gleichzeilig versch\\inden die ij) der carbonisehen Periode noch so
VI. Ilislorischc Geologic.
:ir>7
reiehlielien Cep li a In p od <> n I'ii.s! \ ollsliiiulig , so dass man his jeut mir z\vej
ReprBsentanten dcrselhen in dem deutschen Zechstcin und nur \venig niohr Arien
in dem amerikanisehen und russischen Perm kcnnt, welchc den GaUunizen
Nautilus, Orthoeeras und Cyrtoceras angehoren. Die Trilobitcn,
deren nahes KHosrhen in doin carbonischen Zeitaltcr bercits vorbcreilel wurde,
sind in der darauf folgenden, also dyassischen Periode vollstandig ausgcstorben,
und \\erden durch kleine cjpris-arlige Schalenkrebse , einige Flohkrebse und
eiiien I.iinulus nur ktlmmerlich ersetzt. Die Armulh an Cepholopoden und
<iasicropodcn, sowie das vollstandige Fchlen der Trilobiten sind wohl mil die
hervorstechendsten EigenlhUmlichkcilen der 'poslcarbonischen Fauna. Urn so
/ahlreicliere Resle ha-
l>en die Fische jenes
XtMlalters hinterlassen,
so dass manchc dersel-
ben z. B. den Kupfer-
schiefer Deutschlands
in uiiiieheurer Indivi-
duen-Zahl ofl ganz er-
fUllen. Ihre grosse
Meiiiie gehorl den hele-
roccrcalen, klcinschup-
pigen Ganoiden an, na-
mcnllich haben die Gc-
schlechter Palaeoni-
scusundPlalysomus
viele Species gelieferl,
unler dnien Palaeo-
niscus Freiesle-
beni Ag., Pal. Vra-
Fig. 190. Palaeoniscus Agass.
Fig. 191. Platysomus striatus Agass.
lislavicnsis Ag., Plalysomus gibbosus Blainv. in Deulschland, Pa-
laenniscus complus Ag. und Plalysomus strialus Agass. in England
die hiiuliijsten sind. Zu ihncn geselll sich Ambhpicrus macroplerus
Broun. Von Placoiden isl Xenacanlhus Dccheni Beyr. , ein mehrcrc
I u-> urn>ser Knorpelliseh mil selir laiiiicm Flosscnstachcl, hcrvorzuhcbcn. Der
rormemviehllium der Meptilicn hal seil der carbonischen Periode nur urn \vc-
niii, jedoch urn einen neuen Typus, die Schuppenechsen, zugcnommen.
Die als Thecodoiiten I.e/.eiclnictiM) poslcarbonischen Verlreler der lelzlgcnann-
len ThicM-i-ruppi- besitzen noch biconcave Wirbcl wie die Fische, zuglcich
aber in Alveolen eingekeille Ziiline \vie die Krokodile und sind die erslen
eehlen Kelisen . falls der pai:. 338 crwahnle Eosaurus nichl den Enaliosau-
i-iern, sondern , \\ie ;indere \\ollen, den balrachierarligen Labyrinlhodonlen
bcizuordnen isl. Den Frosehsauriern gehorl Archegosaurus Decheni
Goldf. Viii. 192) aus den Lcbacher Schicfern, vvelche die Saarbrucker
Kohlenformation Ubcrlagcrn, -- den Schuppcneehscn Prolerosaurus Spc-
neri Me\er an. Isl man beivchli-t . vsie kaum zwcifclhafl, diesen Iheco-
donlen Schuppenecbsen cine holiere Slellung iin S\.sleme der Thierwell an/.u-
\\eisen. ills den Proschsauriern , so hat die tintwteketung der Kcpiilicn dureli
HerrorferfngUtlg eincs holicren T\pus einen \Nicliliuen l-'orlseliriu gemachl.
Auch Fnsslapfen posicarboniseher S.iuricr sind hekiinnl 'hri I'Yirdriclisrodii in
Thiirini;on, hei llolienelhe in Holunon, bci Oschal/ in Sachsen und als Sau-
r i c h n i I r s
Fig. 11)2. Sfhadel von A re hego sau r u s Decheni Goldf.
a Querdurchschnitt duruh einen Fangzabn. — 6 Kiiizelner Fangzahn.
Die Dyas Deutsclilands. I^s 1st hoi'eits beuiei'kl \\orden, dass die
zvvischen die productive Kohlenforrnalion und die unlere Trias etiigescbattete
Schichlcnrcihe in z\vei pelrographisch und palaeonlologisch schai-f uoseliiedenr
Abtlieilungen xerlallt, cine unlere Congloinerat-Sandslein-Forinalum mil den
Resten einer Lamlflora, tlas Ro Ihliegendc, und cine obere Kalkslein-Dolo-
niit-(jyps-Formation mil den Reslen einer marinen Fauna, die Zechstein-
Gruppe. (siehe Fig. 19 pag 165 und Fig. 193.)
Kislouen
Polleben
Fig. Kill. Profil dnrcb die Dyas- und Triasmulde voji K i s lr> 1> MI - M .1 n s f (>1 d.
— b Kopferscbiefer und XechstPin. — r. (iyi>si>. Anhydrite, Lrtti'ii. Unurlnvarke. — A liiiiit>iiinl-
stoin. — r Musclielkalk.
1. Das Rothliegendc (RollUodtliegende).
I'ef rograpliisclier Charakter. Das Rolhliegende ist cine durclischniti-
lieh .')()() Meter, slellenweise •/.. H. in Bayern niehr als 2000 Meier niiiehlige
Schichlcnfolge. von Congloincralen , Sandsleinen und Seliieferlellen. Die Con-
glomerate bestehen aus nuss- bis kopfgrossen Gescbieben und Gerdllen, also
.digernndelen , /urn Theil vollkommen kugelrnndi-n Fraginenlen aller niiiglichcr
iilu-rer Gesleine, so von Granit, Diabas, Dioril, Gneiss, Glimmerschiefer, Thon-
VI. llislorischc Geologic. \\'t\)
sclneler. (Jiiiiiv.it. llori)(|U;irx , Kieselsdiierer u. s. \v. Xu ilmen uesellen sich
namenllieh in cli'in oberen Holhliegenden (ieschiebe \iui I'orplm- und Melaphx r.
\\elche von nur woniu iilteren ErUptlVgesteineD abslaiimien. Alle diose Hull-
si iu-ko \\erden durdi riii quarziges, thoniges oiler sandsloinarligcs , sellen kal-
kiges Hindemiltel, \\ riches in den meisten Fallen cine liiiclist diaraclcrislisdie.
durch Kiseno.xul bewirkle rolhe Farbung besil/l, mehr odor weniger lost zu-
samineagehalten. Diese Conglomerate bilden zum Theil sehr miichtigc, aber
deutlicho Sc'hichtcn, \on doncii grob- und feinkurniijje mil einandcr abucchsdn
Die Sands trine sind inc'ist aus ccki^kanliuen Korneni von Quar/.i;esteineii.
/.UNVoiU'ii auch solchcn von Feldspath odor Kaolin und einoni i;e\\ohnlich thoni-
ueii. selle-nrr kalkiiieii odtM' kaoliniizen Hindeiniltel zusainii)onti(\sel/.l. Dio (irb'ssc
der kbnier sehwankl in ein und derscllK-n Schichl /uischen dor von C.onylo-
iiieralueschicben und der fcinon Sandes. Holhe und rolhlicht! braunc Farbcn
hen schcn u>r, uriine und i^raue Kiirbuni; isl jedoch nicht ausgcschlossen. Der
Sch ie 1'erle 1 U1 n oder Hiitlu'lscliid'cr, ein blul- bis biiiunlich rolher, sehr eisen
o\\dreich(T Schielerlhon, isl ein fiir das HolhlicLiende gan/ besonders rharak-
lerislisches (icslein und Irill in \\enig inacliligrn /Nvischenlagei-ungen y.\\ischen
den ('.ongluineraten und Sandsleinen an I'. Kalksleino uiul zwar /uni Theil
ddlnniilische Kalksleine erscheineii nur sehr unlei-geordiu'l in der Scliichtenreilie
ties Mutlilieuenden, bilden ineisl llach linsenforinige Kinlagerungen , sellen lang
.nilialtende Xiige und sind /uni Theil versleinei-unusl'iilirend. I.el/.tercs isl aueh
bei den b i I u in i n osen Sc h i e I'e r I h o ncn (Brandschiofern) del1 Fall, \\elclu
/,. H. bei Oschal/ und Chcnmilz in Sachsen, so\\ie bei llohenelbe in Hohnien
in dein unleren Hdlhliegeiideii ll()l/in>lig(i Lager bilden und Kcsle von Fisehen
/.. B. von Xenacanlhus Declieni He\r. ninsehli(>ssen. Da sieh die Ablageruni: del
unleren D>as direct an die Hildung der producliven Kohlenfoiinalion an-
schliessl, so kann es nicht aullallcn, dass auch die unleren Horizonle des Holh-
lieiienden Si e i n k ohlo n I'l o t / 1- fiihren , \\elehe jedoch bei \\eilem nieht die
Miicliligkeil, Xalil und Hedeulung derjenigen dos carbonischen Xeilallers be-
sit/en. Die \>ichligsle dsassische kohlenriihrende SehiehlenrtMhe isl die von llfeld
am sud\\esllichen llar/randc. lin Itakonil/.er kreise in Hohnien baut man sogar
i bis /.u i Fuss inachligo Kohlenll»>l/.e ab, \selche mil den crv\ahnlcn lisch-
reichen Ur.indscliietern \ ei'iieseilschartet sind. Viel unbedeiilender sind die bei
OlHTlung\\il/. Cheninil/. und \Vechsrlburg in Sachsen, die bei llmonau und
klein-Sehinalkalden am Thiiringer Walde. sou ie das \oii .Meisdoi I am iisllichen
ll.irx.r.mde. F.ndlich umscliliessen die Schiererlhone und Lellen des unleren
Holhlieijenden ganx. iihnlieh \\ie tlie der Kolileiiloniialion /. H. bei Saarbrilcken
\ersleinei ui)L:sreiche Nieren \on ihuniijeiii S p h ii ros i d er i t in soldier Moni:e.
,|,.-s dioelben als Fiseliei /. ailsi;ebeulct uerden. Audi K u |> I'e r e r /. e vMala-
chit, l.asiir. kupferkies, Hunlkii[>rererx Irelen in dem Holhlii'uendeii und /\\ar
in Fiiriii von lin|ir, 11:11. iliniicii nainentlidi an /ahlreidien Stellen des nin-dlichen
Hohmens auf, \\o sic /.. H. bei Hohmisdibrod in bestimmlen Sandslein-
Xoncn conccnlrirl sind und (lalamilen -Steinkerne impragnircn und iucni-
sliren.
Als t\pisches Beispicl der liliederung des Holhliegonden mag an dicser
360 Ilistorischc
Stcllc die in dor Mansfelder Gegend , dom Ausi:;miispimkte un.serer Kcnnlnissr
dor deutschen Dyas tziilti^e angcfUhrt werdcn. Die belreflende Schichlrnreihe
zerfallt dort in drei Abtheilungen :
1) das untere Rothliegcnde; cs llberlagert die silurischcn Schiefer
des Harzos discordant und beginnt bei Grillenburg mil einem steinkohlcnfuh-
rt'iulcn Schiehlensyslem von schieferigen Sandsteinen, feinkbrnigen Contzln-
meralen, Schieferletten und dtlnnen Lagen von Brandschiefern. Lelztere flihrcn
Sphenopleris-, Neuropleris-, Pecopteris-Reste. Darauf folgen dilnnschichtige, etw;i
20 Meter machlige graue , rothbraun punktirte Sandsleine mil rolhen Schiefer-
letten und kleinkornigen Conglomeraten. In der Gegend von Ilfeld bestclit
das untere Rolhliegende aus einem Conglomerate, dessen Gerblle aus dem
Harze stammen und auf welches Sandsleine und Schieferthone mil einem et\v;i
1,5 Meter machtigen Kohlenflbtze folgen.
2) das miltlere Rothliegende, vorwallend rothe Schieferletlen und
Thone und schieferige , sowie fesle , feinkbrnige Sandsleine mil 3 bis liber 6
Meier machligen Banken der fur dieses Niveau hdchst charakteristischen Horn-
quarzconglomerate, ferner mil z\vei im Durchschnitt melerma'chtigen B;ink( n
von ihonigem , knolligem Kalksteine. Erslere bestehen aus nuss-, bis tiber
kopfgrossen , oft vollkommen kugelrunden Geschieben einer dichten, ungemein
festen Quarzmasse von splillerigem Bruche und grauer Faibe, welcbe von einem
rolbbraunen, Ihonig-sandigen Bindemiltel zusammengehalten vserden.
3) das obere R olh 1 iegen d e beginnt mil einem eckig kbrnigen Quarz-
sandsteine mit wenig, zum Theil kaolinischem Bindemitlel , dem Sicbigerrbder
Sandslein, in welchem verkieselle Coniferenslamme ha"ufig sind. Darauf folgen
2 bis 3 Meier machtige Hornquarzconglomerate, sowie rundkbrnige, dunkel-
rothbrauneSandsteine und tiber diesen Quarzporphy rconglomera le. Ueber-
haupl ist das Vorkommen von Porphyr- und Melaphyr- Geschieben charakleri-
slisch fiir diesen Schichtencomplex. Diesem Niveau gehbren auch die in clci
Niihe von Mansfeld anstehenden Melaphyre und Melaphyrmandelsteine an.
Palaeontologischer Character des Rothliegeiideii. Im grossen Ganzcn
ist das Rolhliegende arm an organischen Resten und zwar sind es bis
auf einige Fische und Saurier, Calamilen- Stengel, Farnwcdel und Walchicn,
welche in den Schieferletten, Kalksteinen und Brandschiefern dieser Schichten-
gruppe vorkommen, wahrend verkieseltc Farnslrtinke und Coniferenhblzer mchr
den Conglomeraten angehbren. Als hbchst charakteristische Leilfossilien des
Rolhliegenden sind Walchia piniformis Sternb. und Calamites gigas
Brong. zu betrachlen. Beide kommen namenllich in den grauen Sandsleincti
dor unleren Niveaus des Rolhliegenden, in den Walchien-Sandsleincn
vor und sind deshalb maassgebend ftlr die Fcstslellung der Grenzc z\%ischen
producliver Kohlenformation und Dyas. F(lr die enlsprechenden Schichlen des
S.iinhiilcker Kohlenbassins, die Lebacher Schiefer, sind die in Thoneisenstein-
nieren einceschlossenen Reste von Archegosaurus Decheni Goldf. und
Amblyplerus macropter us Bron n bezeichnend. Die Versteinerungsfllhrung
der oberhalb der Walchiensandsteine auftrc-lendcn Cooglomerate isl fasl allcin
auf verkifsellc Stiimnic von Psaronius, Tubicaulis und Coniferen be-
schriinkl. In don rnllion kalkon, \\oloho in Knlnnon /.. H. hoi Uranium y.\\ isclicn
doin Rothliegenden local einuolai:ort vorkommen, isl nobon violcn Pllan/cnroslon
Palaeoniscus Vr;i I i sla \ i o n s is Ag. , und in den biluminosen sohwar/.on
Schiolorn des unteren Rothliegenden von Oschatz in Sachsen, Hohenelbe in
Bbhmen und Lbwonbori: in Sohlosien Aca nth odes gracilis Beyr. und
\ i- n,i o;i n thu s Dorheni Beyr. sehr hiinliir.
(Jesleinseruptionen wahrend der Ablagenmg des Rothliegen-
den. Zwisehen den bosohriobonon sedimenlaren Gesteinen des Rothliegen-
don und sohr zahlreichon Einlaiionm^on und Durchbrtlchen von Erupt iv-
gestoinen herrscht cine so innige Vorkniipfung, dass die Gleichzeitigkeit ihrer
Entstehung fraglos ist. Ausserdem ist ihre Vergesellschaftung eine alien
Bildungsraumen des Rothliegenden so ausnahmslos gemeinsame Erscheinung,
dass dieselbe als em bei dor Armnth der unteren Dyas an organischen tlber-
roston urn so willkommeneres Kennzeichen der hier betrachteten Formations-
dioder angesehen vverden kann. Die Ge-
Falkenstem Poppenberg Brandesthal
steine, welche wahrend der Bildung des
Hothliegenden , begleitet von Sand- und
Aschenauswllrfen , in gluthfltlssigem Zu-
stande die bereits abgelagerten Schichten
durchbrachen und sich auf diesen decken-
artig ausbreitetcn, so dass sie heute als Fi'g. „„. Profil dnrch die n
Diehr Oder \\eniger" mSchtige, Sehr lliiufig l»Kerungen yon Er^tivgesteinen bei
VOn NeUCin durch nur Wenig jtlngere o Hcrcynische Silurschiefer. — ftUnteros kohlen-
i , , , „ . fuhrendes Rothliegendes. — c. Mittleres Kothlipirrn-
KrilptlVgeSteine durchbrOChene Z\VlSChen- des (Schieferletten nnd Sandsteine). — d Mel;ipli)i.
, . . j T-, , . . — t Thonstein. — / Porphyrit.
lager erscnemen, smd r elsitporphyre,
(i ranitporphyrc, Porphyrite und Melaphyre. Der Felsitporphx r isl
durch eine grosse Reihe von Varietiiten vertretcn , welche in der Farbe, der
Grundmasse und den Krystallausscheidungen, in der HHufigkeit oder Seltenheil der
lot/lcron , in der Struclur der Grundmasse und dem Vorkommen von accesso-
i-ischen Gemengtheileu begrtlndet sind. Sie treten in dem Rothliegenden \\i<-
sammtliche ubrige hierhergehbrige Eruptivgesteine entweder gangfdrmig oder, und
/.war g.'wdhnlich, lagerarlig auf. Namentlich war der Thtlringer Wald im Beginn
der poslcarbonischen Pcriode der Schauplatz grossartiger Eruptionen von Felsil-
porplnron, welche das Rothliegende an sehr vielen Stellen sowohl in oin/olnon
kuppon, \\io \nnsLcn miichtigcn ZUgen durchselzon. In dieselbe Zeit fiilil dor
Ausbruch der Folsitporphyrc , in welche sich das Saale-Thal bei Halle cinuo
srlmitton hat. In Sachson wird u. A. das Rolhlicgende des grossen Oschatz-
Frohburger Beckens und in »;m/ iihnlichcr Weise das Zwickauer Rolhliegendo
dnroli cine Decke von Folsilporplnron in /.\\oi Mtagen getheilt. Die Felsil-
|Mupl)\ro dor Loipziger Umgegend bilden nur dio nordwestlichc Forlsclzung
der crstorwiihnton Kinlacorung und wordon an manchen Stellen von Granit-
porphyrcn gangfbrmig durchsrtzl. Noch zahlrcicher und bedeutender als dio
unterdyassisohon Eruplionen von Felsitporphxr, warcn solchc von unlcr dor
Bezcichnung Melaph\r /.usarnmengefasstcn, wahrscheinlich aber sehr vor-
;MiiL( n GoMcinen. Im ThUringer Waldc (retcn sie abgeschcn von
\ I .
isolirten Ueineu Kuppen und Giingen in drci grnssen (iruppen am
Nord-Abhange, :\\\\ Sud- Abt'alle und am Oslrande des Gebirues aid'. Dcr Me-
laph\r von lll'cld am llar/.e bildet cine miiehligo dem Rolhlicgenden einge-
iagerte Plalle. Ausserordenllieh ivicli an stock- und gaagftfrDUgeo Durch-
brUchen von Melaphyr und Melaphyrmandelslein isl das grosse unlerd\assisehe
Terrilorium sildlich von HundsrUck. IJaufigcr aber noch als Giinge und Slbvke
sintl in dieseni Gebiete ausserordonllich regelmassige und gjeiobfttrmige Z\\i-
sehenlager und Decken von Melaphyr, deren Machligkcit zwischen wenigen und
<>0 — 70 M. schwankt. Auch in Schlcsien sind Felsitporphyre und Mclajihyrc
dcr Rotbliegenden Schichlenroihe plattcnfdnnig eingeschaltet. Es 1st dies /.. H.
bei Lowenberg, in noch grossarligcrcm Maassslabc in dein llotldicgonden der
Fall, welches, wiedcruni von Kreide iibcrlagcrl , das nioderscldesiscli-bohniische
Slcinkohlenbassin ausfullt. Das Ausgehcnde dieser Felsilporphyr- und Mt'lapli\r-
Einlagc'rungen bildet einen grossen nach SO. gedilhelen Bogen, wek-licr last
UBunterbrochen von Schatzlar in Bbhnicn liber Gottesberg und NValdenbuig
bis in die Nahc von Glalz zu verfolgen ist. In dom norddsllichen Boliinen
\\icdcrholen sich die nchmlichen Erschcinungen : im Jiciner Kreise Irelcn .">
iniichlige Becken Ubereinandcr , aber gelrennl durch Zuisclionlagci1 von Kolh-
liegendem auf. Auch in den kleinen Parlien von unlerer Dyas, NNclclic in der
Gegend von Krakau bekannt sind , fehlen \\eder Felsilporphyre noch lypische
Melaphyre und Mandelsleinc. Endlich lallt auch die Eruption inancher Por-
phyrilc in die Ablagerung des Rolhliegenden. Bci llfeld hat der Porphyril die
unlere Partie dcs lelztcren und die in dcinselben eingelagertep Alelaph\rc
dui'chbrochen und sich in Form einer machligen Decke auf ihnen ausiicbreili-l.
um spaler voin oberen Rotbliegenden Uberlagert zu werdcn.
\Viihrentl der Eruption der Felsilporphyre und Melaphyro kamcn nichl
sellen Breccien dadurch zur Ausbildung, dass bcreils erslarrle Gesieinsmassen
von nachdringendem Malerialc zerstiickelt und verkiltet \vurden. Solche Me-
laphyr- und Felsitl>reccicn sind namenllich im Thiiringer Waldc z. B. in dcr
I "mgcgend von Friedrichsroda verbreitel. Ferner gingen mil den Durchbrilclu-n
der genannlcD echten Eruptivgesleine Aschen- und Sandausw iii'l'e , su\\ic
Sclilammausbriiche Hand in Hand und lieferlen das Material der Por|)liNrtuH'e.
\\rlrhe in der Schichlenreihe des Holhliegenden eine so wit-hlige llolle spiclcn.
Dii-se ei'digen, bunllarbigen Thonsleine sind /um grossen Tin-He sehr deut-
lich und diinn gesobicfatet, uml'asscn niclil selten oiganische Besle, nainenllich
Ulallabdriicke und vcrkiesellc IMlan/enstammc. Die llauplablaiicruni; der Por-
pliNrlulle gchorl dem Bolldieiienden des er/.iiebii'gischen Hassins, also namenl-
lieh dei' I'm^cgend \on dhemnitz an. Audi die Eruption der d\assischen Me-
laphyre hat zu Tull'bildungen Veranlassung gegeben.
llochsl inslructiv sind die Verhallnisse , unter welchen ganz eigenthiim-
lidie MelaphyrlVagmenle zwischen den Sandsteinen des oberen Hothliegenden
\on Mansl'eld in der Niihe des Riltergules Rbdchen auftrelen. Hire ganze (ie
stall, ihre locherig-narbige Oberfliiche , ihre blasig-schlackige Slruclur vvcisen
auf das auuensehcinlichste darauf hin , dass sie koine (iesehiebe, sondcrn lose
\ulkauische Auswiirllinge repriisenliren , wenn auch ihre iiusscre Geslall durch
VI. llistoi-i>dio (!eoloi;ie. '•>»'•>
il.i.s Spiel der NYogeii noeli eine iieringe Yeriinderung oiialircn liabcn mag.
Sic liegcn eut\\eder y.icmlidi isolirl odor ong ;in einander gedriingl und dann
cin urspriinglieh loses llaufwerk darstellend in einom feinkornigen, rollibraunen
Sandsteine I ig. I'.t.'i . dossen (iesleinsmasse dir Zvsisehen-
riiuiiH' zxNisehen den ein/elnen Melaph\ rbruchstilcken aus-
ftilll and diese als Cement /.a einein Melaplix ironglomerate
verbindet. Kaum kann es I'raglich sein . class diese bei
dor Eruption von grbsseren zusammenhangenden Mehiphyr-
massen einporp-scliltHiderten Molapln rhonibon in die seidite
Meeresbuchl lielen. auf doicn Grunde das Material dcs Uolh-
lieueiidiMi /ur Ablagcruntj i:elanuio, \vo sie sieh mil dieseni
lol/lern nionuten. I>ic Ix-x-hrichenen Vcrhaltnisse erinnern
aul' da.s Irbliafteste an ue\\ i>se Aulscliliisso am Kusso de>
tig. 19.1. Profil liei
\\"eiso Boniben und Laj>illi von moderner Lava z\\ischen a
. ..
lloderbem- N'ulkaiu's oberbalb Bonn, \vo in ganz analot'er Letmbach
M ansfeld.
... . . S;ui(l>tcininit cin/.-l-
fjjosciHcnteleiu KneiAsanoe und berwieo aulti'eten. Aim- nen Heiapbyraub-
lidie d\assische Melaplurschlacken sind voin Goltlol) und 6 nunnpfschich'teter
..,,.•., . rr>i.. • ,»- ij • • Sandstein ohne
Sperweg nci riieancbroda irn iDdnnger VNaldc, scwie an soiche;
nbrdlichen Kuhinen in dor Nahe der dort auftretenden Me- c dBomben.mi
, , , d Ilaufwerk von Au.>-
lapnyrc bekannt. wurfiinKeii:
.11 .. r, j »• zusaramen etwa II) M.
An den ebM erst eni|)uri;esliei;enen Porplnren und Me-
laphjren landen die (io^assor der poslcarbonischcn Periode Gele^Milieit zur Aus-
ubuiii: ilircr /ershii'diden Tlialiiikeit. Hire xu Geroll ahgerundelon Kruehslileke und
Aus\Niirllmi:e liei'erten ein Ilauptmalerial gewisser Congloinorale des Jlolhlie^-n-
den, uelche si*1 ofl aussehliesslich zusaminonsolzon und dann Porphyr- und Mola-
plnr-Cniidmuerale iionannt \\erden im Oselial/- I'Yoh burger District,, im Doh-
lener Ueeken in Saelisen, bei Georgenthal in Thiiringen) .
Die Kruptivizesleine des Hothlii-pMiden sind nieht selten das MulU'rgeslein
\\erlli\oller Kr/lai;eiM;iUon i:oNNorden. Hesonders beinerkens\\erlli sind die
Vorkoininen \on .M .1 n ir;i uer z on , \\elche sieh in ganz alinlicher Weise im
Thiirini;er \\.ilde und am llarze \\iederholen. Die Thilringisehe llauptfund-
>telle derselben ist die ringebunj; \n\\ Kliiersbui'i:, \\oP\rolusit und- Psiloinelan
,iU .\ii>tulluni; \onbis zu ;i Meter inaelitigen Spallen im l-'elsitporplis r aufsel/.en.
Minder bedeulend sind die dem \nrigeii analouen VorkomiiK'n des Hraunsteins
am Oeicnslurk bei llmenau und am Goltlob l>oi Friedi iehsroda . nur dass hier
einzelne der (i.iiiLie im M«-lapli\r l»reelien. War das \orherrselientle Mangan-
erz Tliiirinszens P\roliisil und Psilomelan . so fiiliren die im Porph) rile bei II-
feld am llar/.r aulsi'i/enden hi-.iuii>l«'ini:;iii^e .M.muanil, zum 'I'heil in den
,ui>L;r/.ciclineten Krxslallen. \\elche jene |- uudslelle so berUllliit geniaelit habeli.
- In den nnlei d\ .issisdien S.iiidsleinen und Scliielei-n, llornsteinen und (lon-
i;lumei,ilen der Pfaiz und den sie durchbroelien h.d)enden Melapli\ren und
Porplixren sei/.en n ueeksilbererze zuin Theil in Gangfonn, zum Thcil als
linpriignation des NebengeMeines aul". Die Ausfillluni: dieser Giinuo beslelil
dorl \or\\allend aus Lelten, in \\eleliem die Ouerksilberer/e. nehmlirli gediegenes
(Jueeksilber, Amalgam und Ouecksilberhornerz , \orzuglich aber Zinnober in
VI. llislorisdie
Srlmiiivii, Adern and Diusen oiniiesprenijl sind. Slellenweise ist d.is Neben-
in dieser (lim^r mid /.war namenllidi des llonisteines und Sandsteinos
bis auf mehrere Ladilcr Knlfernung von zarlen Adcrn und feinen Einspreng-
lingen dersolben Krze durchdniuizen, ebenso sind die benachbarten Kluftwiinde
von solchon ilborzogen.
2. Die Zechstein-Unippe.
Die Zcchsleingrnppo bildot die obere Abtheilung dcr dyassischen Schichten-
reihe Deutschlands und ist in don Districtcn ihrcr vollstandigon Ausbildung,
und zvvar typisch in der Mansfelder Gegend , mehr oder wenigcr deutlich aus
folgendcn Gliedern aufgebaut, deren Machtigkeit freilich local sehr schwankl:
a) Weissliegen des oder Grauliegendes. Diese 1 bis 3 Meter
machligen Schichten sind entweder kalkige^ Sandsteine, \veissgraue Letten oder
hellgraue Conglomerate. Lelztere bestehen aus Gerollen von Grau\vake,
Kieselschiefer und Quarz. welche durch ein kalkiges Bindemiltel zusammenge-
halten werden. Nach seiner oheren Grenze zu enthalt dasselbe nicht selten
Impragnationen von Kupfererzen, sog. Sanderzen, z. B. bei Sangershausen. An
manchen Punkten Norddeutschlands z. B. in der Gegend von Gera kominen
in dem Grauliegenden dolomitische Kalksteine vor, in denen sich die Beslc
von Rhynchonella Geinilziana Vern. und Lingula Credneri Gein. (inden.
b) Kupf erschiefer, ein schwarzer biluminoser Mergelschiefer von elwa
0,6 M. Machtigkeit, der sich durch drei Eigenschaften ganz besonders auszeich-
nct : seinen Bitumengehalt, seine ErzfUhrung und seinen Reichthum an Fisch-
resten. Die ErzfUhrung beschriinkl sich jedoch im \vesentlidien auf die
unlerste el\va 0,1 M. ma'chtige Lage . den eigentlichen Kupferschiefer. Diescr
enlhalt dann ausserordentlich feine , staubarlige Partikelchen von Kupfererzen
Kupferkies, Bunlkupferkies, Kupferglanz, Kupferindig und gccliegen Kupfer),
sowie Bleiglanz , Schvvefelkies , Kupfernickel und endlich gediegen Silber ein-
gesprengl. Wo dieser Erzgehalt einigermassen betrachtlich ist. wie dies am
sUdlichen Harzrande im Mansfeldischen, sowie bei Riechelsdorf in Hessen und
bei Saalfeld in ThUringen der Fall ist. werden diese Kupferschiefer abgebaul
und verhuttet. In erstgenanntem Distriste sind sie, trotz der gerini.'en Miidi-
del* schmelzwilrdigen Lage und trotzdem sie nur 2 bis :J Procent
Kupfer mil 250 Gr. Silber auf 50 Kilogr. Kupfer fuhren , das Object einer dcr
grossarligsten berg- und htittenmannischen Unternehmungen Deutschlands ge-
\\nrden. \\cldie elwa KOOO Arbeiter beschaftigt und 1870 eine Aushcute von
i Mill. Kilogr. Kupfer erzielte. Wenn man sich die Gesammlproduction des
Mansfelder Bergbaues in eine Masse vereinigt denkt, so wtirde dieselbe einen
Kupferu iirfel von 36 und einen Silberwurfel von 5,5 Meter bilden. Mil einem
\erhiil In issmiissig so grossen Erzreichlhume ist freilich nicht die ganze Ausdeh-
imnii der Kupferschieferflb'tze gesegnet, derselbe beschrankt sich vielmehr bis
auf \\enige Ausnahmen namenllich auf den SUdrand des Ilarzes und die beiden
obengenannten Punkte.
Der Kupferschiefer ist ausserordentlich reich an Rcslen von Fischen und
/.war von Palaeoniseus l;rei esleben i Ag. . Plalisomus gibbosus
Blainv. u. u. ; sie fUhrcn ausserdem Xweigenden , Friidite und Blatter von
VI. llistt.risclie lu-olojiic. ;>,(;;>
I'llmannia Bronni Go pp. und /ahlreidie Algen. Aus ihncn endlich
stainmen auch die wenigen und umollslandigen Kxemplare von Prolerosau-
rus Speneri .Me\er. Das Kiiplersdiielerlloty. besitzt Irolx. seiner geringen
Maehligkeil cine aussemrdentlieh side uiul weile Verbreilung. lin Mans-
leldischen umgiebl es vijllig \\ ie cin Klcid, diireh Lagerungsslorimgen in
mannigladien Falteim urf gebradil . das Kothliegende, umgurk>t in grosster Ke-
geliiijissigkeii die Abl'.ille des llar/es, des YhUrin^cr Waldos und erscheinl
nntcrhalh d«>r jiintii-ivn Kt.riiiiitioncn [lessens und in der (Jeiiend von Osnabriiek
und Il.l.enhiilnvn an der Oberlljidic. Zur Deutimg des Metallgehaltes dor
kuplerschicrer liisst sich , \\ ie I.ereils piiir. I S7 erliinlert, annehinen , dass die
Ablageruuf der lei/.leren in oineni \\onig tiefen , ziemlicli al)iiesclilosseiien
Meeresheeken oder Nhviluiseii siatl-el'unden hat, (lessen Cewassern duivli
MiiH'r,il(inellen Melalls;ilzsolulionen y.iiiiefiihrl \\nrden, was den Tod der /alil-
n-iehen Me\\.. liner dieses Heekens , nelnnlich der Fische, /ur Folge halle. Die
Xersel/.nn- dieser lel/leren l»e\Nirkte eine Reduction der Melallsalze zu Sch\ve-
relinetallen und einen Niedersehlag derselben in dcm sich abla^ernden.
sclili.niini-en Hodensi.i/e d,-s Meeres , aus welchem durch Verhiirlung er/liih
ivnde Kuplersehiefer hcM'Norgingen.
c) Zech stein, ein ihonhaltiger, dcutlich und diinn geschichteter grauer,
diditer, fester K.ilkslein von gewbhnlich 5 bis 10, ausnalunsweise 30 Meter
Miielitii;keil. Kr isl es , \\elclier die Ilauplmasse der inarinen Thierresle der
dyassischen IVriode unisrhliesst. FUr seine unleren Lagen ist vor Allein
Productus horridus Sow. und Spirifer undulatus Sow. charakle-
rislisch, -- fUr seine oberen Fenestella retiformis Schlolh., Schizo-
dus obscurus Sow., Gervillia ceratophaga Schloth. , Avienla
speluncaria Schlolh., Pecten pusillus Schlolh., Terel>ralula
elongala Schloth., Gameraphoria Schlotheimi Buch, Strophalosia
(J ol d I'u ssi MUnsl. bezeichnend.
Im M.insleldisrhen liegt zwischen Kupferschicfer und Zechslein ein elwa
einen Met.-r n.iielili-er, blaugrauer, dUnnplaliger, inergeliger Kalkslein, wek-her
di.rl Dachfliitz und Fiinle uc nannt wird.
d) Ranehwaeke und Asche 2 bis 20 M. Erslerc ein kryslallinisch
kiirni-er Dolomit Vnn grauer, in's Gelbe und Braune verlaufender Farbe, oft
IM.riis und drusig, fuhll sich rauh und scharf an und ist haufig von Spallen
und Hissen, sowie von llohlen durchzogen , welche nicht selten untereinander
/iis.uiiinenhiingen (bei Liebonslein und Allenstein iin Thilringer Walde . Sie
liilirt Mytilus (Aucella) Hausmanni Goltlf., GerviHia ceratophaga
Schlolh., Schi/.odus obscurus Sow. u. a. An nianchen Punkten, so bei
Camsdorf in Thilringen , wird die Haudiwacke durch einen porosen , ausser-
ordentlidi eisenreid.en Kalkslein vertrelen , in dessen zahlreichen Drusen und
kliilten Aragonit auskryslallisirt ist. Die Asche ist ein feinsandigcr, staub-
ariiger Dolomit, ein loses, zerreiblidies Aggregat von kleinen Dolomitkrystidldien.
geuolinlidi bitumenreich und dunkelbraun gefiirbt.
e) Anhxdril, Gyps, Sleinsal/.. Sergei, S t inksch iefer und
Stinkkalk in nicht conslanler Aufeinandeiiolge. /.inn Theil mil Zvvisdien-
VI. llistorisrlio Geologic.
lagerungen der eben besehriebenen Rauch\\aeke und Ascho. Das Ilauplglied
der oboren Abthcilung der Zecbstefogroppe bildel gewnhnlieh ein feinkiirnigor
bis diehler, weisser odor grauor G\ps, \\elchor nur undcullicli odor gar nichl
Liosehirhlet, aber violialtig /erklUftet, ausgcnagt und zerrissen ist. Seine be-
deutcnderen Ablagerungen unischliessen, so bei Sangerhauscn , Kllrich, Stoll-
borg u. a. 0. Ilohlen , sog. Gypssehlolten, welche dor Auflosung und Weg-
filhning dos Gypses clurch Gewilsser ihren Ursprung vcrdanken (sielic |);IL:. !('»:{ .
Bivchen die Decken solchcr nahe dcr Erdoberflache gelegenen Schlotlen zu-
sanunen, so bilden sich Krdfiille (siehe pag. 164). Nach der Tiet'e v.\\ Lrehl
der Gyps hiiufiij; in Anhydrit Uber, a us welchem cr durch Aufnalirne von
Wasser entstanden ist (siehe pag. 146), und wird ineistentheils von Dolomil
und Stinkkalk begleilet. Lelzteres ist ein in frischem Zuslande dunkel grau-
braunes, auf den Verwitlerungsflachen grauer oder gel her, zerkltlfteter, zimeilen
breccienartiger Kalkstein , der innig von Bitumen durchdrungen ist und beim
Zerschlagen und Ritzen einen stinkenden Geruch entwickclt. Zuweiien \\ird
derselbe durch einen belrachtlichen Gehalt an Thon zu mergligen Schiefer-
letteu. \\eU-he dann nicht selten Nieren von Gyps umschliessen.
Die beschriebenen einzelnen Glieder der Zechsteinfoi'niation sind im
Mansfeldischen und am siiddstlichen Ilarzrande in drei Complexe zusammon-
jiel'asst worden :
1) Die unlere Zechsteinf ormation , a) Weissliegendes , b) Kupfer-
schiefer, c) Zechstein.
2) Die mittlere Zechsteinfor ma tion , d) Anhydrit und G>ps,
e) Dolomit, Slinkslein, Stinkschiefer und Rnuchwncko, die sich gegenseiliiz ver-
ireien konnen.
;{) Die obcre Zechstci nformalion, f) ziihe braune und bhuie Lt^tten
rnit unrogehna'ssigen Dolomit- und Kalksteineinlagerungen , c) jiingerer Gyps
friiher /Air Trias gerechnel' .
Der \vichligsle Beglciler des Gypses ist das Steinsalz. Kine der gross-
c-v artigslen Kagersliill«'n dieses Minerals,
doppelt inleressanl durch das Yorkom-
rnen von Kali- und Magnesia-, den
sog. Abraumsalzen, ist die von Slass-
furt, siidlich von Magdt'bui'g. Das
dort nbgcbaute Sal/lliilz geliiirl der obe-
ren Zeehstcingruppe an , \vir<l /uniichsl
von einer 7 M. miichligen /one \on Mer-
geln , dann von Gyps und dieser
von bunlem Sandstein und Muschelkalk
gleichfttrmig iiberlagerl. Diese Schich-
Fi(f. t9"»6. P rofild fir Stoi nsal/. 1 neer stfit t o . •• 1-11, • n i ti 11 i
von st.issfnrt. leni'eilie bildet eme llaehe Mulde, dei'en
(i Dilimuni und Ilnuinkolili-. - b linntfr San«lst<-in. sii(l|i,-|i,Mll Klii"i'l d'ls bi>i Sl-issflirl Itcl'"-
rCyp^ ,1,-r ol,,.r..|i /(.olistoin-(Jni|.|,... ,/ M-r-.-l.
t Abraumsalze. _ / sL-insai/. niiiiiniseli aiif^esehlossene Sal/.Ia^er /u-
gehiirt. Seine Miiehligkeit isl niieli unbesliinnil . \\cil man das Ijegende des-
selben, also seine unlere Grenze noeh nichl ern-ielii hat. Die lirlsic bis jet/t
- t-:
VI. llistorisclie Geologic. 3f>7
hekannte. ct\\;is -.'^s >|. niiiclitke I. age des Sal/lliit/es besleht a us reincm
Stcinsal/. \\clches (lurch diinno. vollkonnnen parallels Schniire von Anlndril
in Biinke \<m i»,os bis 0,16 M. Sliirke i:cllicilt v\ird und durchweg gleichen
(lharakter bcsit/.l. Auf ilini rulil eine <>»i M. machlige Schicht einos unreinen
and /.war mil leieht losliehen \ Yi •bindunizen, also namentlich Chlormaunesimn
izeinenten Stcinsal/cs. welches von parallelcn Polyhalil-Schnliren durchzogen
\\ird. Daraul' folgl cine «10 M. miichlige Zone, in welcher neben Sleinsalz und
mil ilim weclisellauernd schwefelsauro Yerbindungen, nehmlich Kicscrit in his
liissmarlitiuni Hiinken \or\\allen. In letzterem Ireten Nester von Sylvin auf.
Die nlx-rsic l.aiic von i-'i M. \vird durch eine Schichlenfolge zoll- bis fuss-
slarkor hunl tzcl.irlilcr l.agen von Steinsal/, Bitlersalzen und Kalisalzen, also
Kicscrit. Caniallil . Tachlixdril gebildet, zu denen sich Knollen von dichtcm,
scliuccwcisscin Boracit gesellen. Die Grenze dieser vier Hauptabtheilungcn isl
imlcss kcincswegs genau zu bezeichnen , vielmehr findet z\vischen ihnen ein
allniiililicluM- Llx-ruanii stall. Die Miichtigkeit des bishcr aut'geschlossenen Salz-
lloi/.cs von Slassfuil betriigt dcmnach 400 M. — Bei Sperenberg siidlicli
von Berlin hat man Stcinsalz in etwa 90 M. Tcufe erbohrt und dasselhe in
vollstiiiuli^cr Heinhcit bis zur Tiefe von 1550 Meier verfolgt, ohne sein Liegen-
dcs /.a cnvirhen.
Oaiigiorniige Erzlagerstatten in cler Zechstein-Gruppe. Die Schichten-
rcihc dcr /cfhstt'inunippc win! an zahlreichen Punklen ihres Auftretens von
Kliiflen und Spalten, sog. Utlcken, durchselzt, in vvelchen neben Kalkspatb, Baryl
und Quarz, nianchcrlci Kupfererze, Bloiglanz, Kobalt- und Nickelerze zur Ablage-
rung gclanizt sind. Weder die Krstrcckung dieser Bllcken, noch die Tiefe, bis zu
\\clchcr sie in abbauwiirdigcr Krzfiihrung niederselzen , pflegt belrachllich zu
scin, indem Icl/.lcre aufhort, sowie sie nach unten das Bolhliegende, nach oben
den bunlen Sandslein erreicht haben. Durch sie werden die Schichten der
/ci -hsiciniiruppe gegen einander verworfen und zwar gewohnlich nur um
sNcniizc, ausnahmsweise 20, 30 oder mehr Meier. Auch mil der Erzfilhrung
dcr Kupferscbiefer scheincn sie in einem gewissen Zusamenhange zu stchcn,
indem sic dicselbe anzureichern pflegen (z. B. bei Camsdorf), aber auch nach-
ilicilii; auf dicscllx- \\irkcn kiinnen (so manche RQcken im Mansfeldischen).
Die Ko bal I izii niio von Camsdorf in ThUringen und Riechelsdorf in Hessen
sind Ausfullutiircn solcher im Zechslein aufsct/.cuden Spalten. Bei Camsdorf
pllci:! in den iinlercn Teufcn der dorligen (iiingc, also in dcm N'iveau des
\\ 'eisslicizcndcn, Speiskoball, darilber in dcr Begion des Kupferschicfcrs brainier
unil uclbcr l\rdkoball und endlicli tibcr diesem in dcm Zerhslein und Miscn-
kalk.Nlcin russiger, seli\\ai-/.er ICrdkoball vorzukommen , eine cla^cnwcise N'er-
iheiluiii: der Kiv.e , wclche als eine Folge der Zeiv.ei/.iing durch Almospharilien
,iiil'/.ufa>seii isl. (iaii/. alinlichcr Nalur sind die benachbarlen Kobaltgiinue \ on
kallerl'eld und (ilueksbrmm. Hci It ice he 1 sdo r f fllhren uanz analo^e Spallen-
bildunizen, \\elelie in grosser An/.alil das Wcisslicucndc nnd den /eehsl.ein
diirchscl/.en . Speiskobalt . Kupl'ernickel , Kupferfahler/ , Kupferkies. I-lrdkobalt,
Koball- und Nickelbliilhe. Ihr Iteichlhnin eoncentrii'l sich in dcm NVeissliciien-
den-Niveau und pllegl sich nach (»b<'ii /.ii \ermindern. Der Zechsleinformalion
VI. llislorische Geologic.
gehoren .-inch die nierkwiirdiuen EisensteinlagerstMtten <lcr Srhmal-
kaldener Gegend in Thiirini:en, namcnllirh die des Stall I beiges ;m. Sir
sind languestrcekte Stiickc \<m Brauneisenslein , welche in Verbindung mil
cinem der Haucliwacke sidi ansrhliessenden , eisenrcichcn K.'ilke an solchni
Slellen dt-r /cdisteinl'oniiatiuii aul'lrelcn , wo diesc in ilnvr I.a^eruni: duivli
MOporgedrtagte Grftnit- and Porplm-massen sehr iiesliirl, /HIM Tlit'il pan/ ilber-
i:ekippl ist.
Die Verbreitung der deutscheii Dyas. Ihre tvpisdie Ausbildung hat die
Dvas ant Har/e und in Thiirinizen erlangt Sic uingUrtet den wesllicheii, >iid-
lii'lu'n un(l osllichen Hand dcs Harzgebirges in scliinalcn Slreifen und in-winnt
nur in dem Mansfeldischen etne etwas grOssere Oberflachen-Ausdehnunp. Die
<i\ psliiiiid, \vclche \\ii- cine \veisse Mauer auf der uanzcn ebcn Itc/eichnclcii
Strcrki- dcin Har/.randc parallel laufcn, iichnrcn dcr oberen, di<- Kopferschiefer
von Mansfold der unteren Zechsteingruppe , die kohlenfiihrenden Schichtcn,
Melaplnre und Porphyre von Ilfeld dem unlcren Rolhliegenden «in. Von (Jem
Siid-Ahlalle des Harzes durch die gdldene Aue getrennt, erhebt sich die l)\,is
in dem Kyffhauser zu cinem kleinen, isolirten Gebirge aus den jdngeren For-
mationen hervor. Noch weiter siidlich besteht der ThUringer Wald zum Theil
aus sedimentaren und eruptiven Gesteinen der dyassischen IVriode, nchmlich
aus Rothliegendem , Felsitporphyren und Melaphyren, wiihrend sich ein Mantel
von Zechstein um den ganzen Gebirgszug gelegt und noch an einer Anzahl
der Ilebungen , welche diesen betroffen , Iheilgenommen hat. In der nord-
\\csllichen Fortsetzung des ThUringer "\Valdes und .in dessen Haupteffaebungs-
linie trill der Zechstein in der Gabel zwischen Werra und Fulda, also namenl-
lich in der Gegend von Riechelsdorf in grosserer Ausdehnung zu Tage. Audi
den Oslabfall des Rheinischen Schiefergebirges umziehl derselhc in cincr
schmalen Zone. In ostlicher Richlung von Thiiringen liiuft ein Slreifen von
d\assischen Gebilden liber Saalfeld nach Allenburg und Gera, trill in siichsi-
srhes (iehiet Uber und l)ildcl in der erzgebirgischen Mulde cine \veitausgedehnle
Ablagerung, auf welcher Chemnitz und Zwickau slehen , und \velche /\\eifels-
ohne frilher mil der Rothliegenden-Zone zwischen Dresden und Tharand in
Zusammenhang gestanden hat. Auch um den Nordrand des siichsischen Granu-
lilgcbirges schlingt sich das Rolhliegende und erstreckl sich in nb'rdlicher Hich-
lung, freilich zum grossen Theile von Diluvium und Rraunkohle Uberlaizerl und
von Porpliyren durchbrochen , bis ilber Leipzig, — kurz hat im Konigrcichc
Sachsen einc wcito Verbreitung gefunden , wahrend die Zechsteingmppe nur
an sclir wcnig Punkten zur Ausbildung gelangte. Aus alledem geht hervor.
dass die weite Mulde zwichen dem Harz ipinerseits und dem Sauerlande.
ThUringer Walde, dem Voigtlande und dem Erzgebirge andererseits in fast
ilnvr ganzen Erslreckung von dyassischen Gesteinen unlerteufl und saumarliu
eingefassl wird.
In Boh men nimml das Rothliegende namenllich im niirdbsllichen Tlicilc
ili-.s Landes am Fusse des Iser- und Riesengebirges ein ausgedelmtes Areal
ein. in dessen Bereiche die Siadie Trautenau, Hohenelbe, Arnau, Schat/lar,
Hraunau und N'achod liegen. Dem Rothliependen sind liicr rolhe Kalkstcine
VI. Hislorisrlie Geologic. 360
mil Palacnniscus Vra t is la v ie n s i s A \i. und (iihnlich wie bci Oschat/ in
Sachsen) Brandschiefer mil Xenacanlhus Dccheni Bcyr. und Acantho-
des izracilis Hcyr. / \viscliengelagert. Auch in der Grafschaft Glatz ist nur
die unlcro Dyas und zwar als AusfUllung der Niederschlesischen Kohleninulde
vertreten, - am Nordahfalle des Riesengebirges hingegen und zwar in der
von Uhvenberg und Goldberg in Schlesien ist nicht bios das Roth-
, sondern auch Kopferschiefer und Zechslcin zur Entwickelung gclangt.
Audi in Sdd deutschland hat die untere Abtheilung der Dyas cine ziemlich
Itcdcutende Verbreilung. So zieht sie sich vom ThUringer Walde aus in einem
sdimalen durch Teberlagerung von Seiten jUngerer Gebilde zerslUckellen
Strcifon liings des SUdwestrandes des Fichtelgebirges und des Bbhmer Waldes
IMS nach Ba\ern hinein Eines der grossten unterdyassischen Terriloricn
luvitet sich stidlich vom HunsrUck aus, wo es die productive Kohlenformation
UluTlaiieri, aus Gonglomeralen, Sandsteinen und Schieferthoncn besleht und in
Ict/tcren zahlrciche Nieren von Thoneisenslein mil Reslen von Amblyplerus
mac ropier us Bronn und Archegosaurus Decheni Goldf. umschliesst,
und vielfach von Melaphyren durchbrochen wird.
Die Dyas Englamls. Die dyassischen Gebilde Englands und zwar nament-
lich Nordenglands zerfallen ganz Ubereinstimmend mit denen Deulschlands in zwei
selbstiindige Formalionsglieder, den Lower New Red Sandstone und den
Maiznesian Limestone. Ersterer, das englische Rothliegende, bestehl, wie
sein Name andeulet, vorwaltend aus dunkelrolhen, groben Sandsteinen, zu-
\\cilcn mil zollgrossen Quarzrollstlickcn , zwischen welchen loser Sand und
Sdiicfcrlciten , weniger hiiufig auch Conglomerate, Breccien und Melaplnrc
eingelagerl sind. Sie enlhalten die Abdrtlcke von Landpflanzen und auch
\\ohl schmale Kohlenflbtze. Der Lower New Red Sandstone schwankt
ausserordentlich in seiner Miichtigkeit, welche an einigen Punkten nur wenigc,
an andcren 500 Meier belriigl, und isl auf der producliven Kohlenformation ini
Allgemeinen discordant aufgelagert. Auch die Gliederung des Magncsian Li-
mestone /rii:t cine Uberraschende Obcreinstimmung mit der des thdringischen
Xrt hsleines und beginnt mit einem bis 1 M. rniichligen bi luminb'sen Mer-
gelsobiefer, welcher unserem Kupferschiefer entspricht und wie dieser Pa-
laj-oniscus. Plalysonms und Fucoiden ftlhrt. Darauf folgt grauer und gelber,
(lichter, oft biluminbser, dllnn geschichteler Kalkslein (Zechstein) mil Produc-
lus horridus Sow., Spirifer undulalus Sow., Schizodus obscurus
Sow. u. a., 00 bis 70 M. machlig und darauf Dolomil, Rauchwacke und
Asdic mil dcMsclbcii Heslen, und zu oberst krystallinischer Kalkslein. Stinkk;ilk,
Mergel, Gyps, Lellen, zum Theil mil Avicula speluncaria Schlolh. und
Schizodus obscurus Sow., in einer Gesammtmachtigkeil von etwa 150 M.
Die perinische Formation KusslandH. Auch die der deutschen Dyas
aequivalenlen (icbildc Russlands lassen im Ganzen eine Zweitheilung in eine
unlere, namenllich Landpflanzen fdhrcnde und eine obere Schichlengruppe mil
grossentheils marinen Resten nicht verkennen, trolzdem dorl zwischen den
Schichten mil der Flora des Rothliegenden , solche mil Zechsleinfauna und
lungekehrt in dcm marinen Schichlenoomplex Landpllanzen fUhrende Sand-
C'r ediioi-, Elomentf d. Oeologie. 24
VI. Ilislnrischc
.steine eingeschallel vorkoinmcn und liberhaupl dorl die Gesleine. welche in
den Ubrigen europttiscnen Ihasterrilorien fust ausschliesslieh der einen oder
der anderen der beiden Ablheilungen angehoren, regcllos mileinander \vech-
sellagern.
Diese in bunlem Wechsel auftrelenden Gesteine der russischen Dyas oder
penntschen Formation sind Conglomerate, Sandsteine, Schieferlellen, Merge I,
Kalksteine, Gyps, Sleinsalz und Steinkohle, und bildcn eine Schichtenreihe,
\\clche nach ihren organischen Resten in zvvei Hauptabtheilungen zerfiillt. Die
untere derselben besleht aus rothen, braunen und grauen Sandsteinen und
.Mergeln, daneben aus Conglomeraten und Kalksteinen, nicht selten schinalen
Kohlenflolzen und ftlhrt Tubicaulis, Catamites (C. gigas Bronn), Cy-
clopteris, Odontopteris, Pecopteris, Palaeoniscus- und S a u r i e r-
Reste und ist demnach ein Aequivalent des Rothliegenden, umschliesst jedoch
ouch gewisse Zonen, welche reich an Productus Cancrini Vern., also
marinen Resten sind. Diese Schichlengruppe zeichnet sich besonders in ihren
nbcren Niveaus durch ihren Reichthum an Kupfererzen (namenllich Malachil,
Kupl'erlasur, Volbortit) aus, welche die Bezeichnung Kupfersandstein veranlass-
ten und als Cement des Sandsteines, in ihm fein eingesprengt, neslerformig
eingelagerl, oder endlich als Versteinerungsmitlel zahlreicher Pflanzenreste auflre-
ten. Auf diese Schiehtengruppe folgt eine zvveite von Thonen, Kalksteinen, Mer-
geln, Gyps und Steinsalz. Sie fiihrl Productus Cancrini Vern., Prod, hor-
rid us Sow., Gervillia ceratophaga Schloth., Cama rophori a Schlol-
heimi Ruch, Terebratula elongata Schlolh., Lingula Credneri
Gein., S t rophal osia , Spirifer, Schizodus. Zwischen diesen marinen
Gebildon trelcn jedoch einzelne Sandsteinschichlen mil Neuropteris, Pecople-
ris, Odonlopteris eingeschaltel auf, so dass eine durchgreifende Paralleli-
sinmg der einzelnen Glieder des russischen Perm und der deulschen Dyas
nichl Ihunlich ist.
Die Schichten der perrnischen Formation Russlands sind tiber ein A real
\on mehr als IS, 000 Quadralmeilen verbreilet, erstrecken sich vom Fussc <les
Ural his nach Moskau und bilden den grosslen Theil des europiiischen Huss-
lands. Sie liegen fast horizontal, nur sehr gering gegen die Mitte geneigt, so
d.iss sie ein ungeheueres, flach lellerformiges Bassin reprasentiren.
In Kurland und Littauen trill Zechslein, freilich gering verbreilet, in
einer Facies auf, welche sich auf das engsle an die deulsche anschliesst.
Die pennisclie Formation in Nordamerika. Die permische Formation
ist in Nordamerika auf den vvesllichen Theil dieses Conlinenles beschriinkl,
trill namenllich in Kansas und Nebraska, ferner in Neumexico und an ver-
schicdcnen Punkten des Oslabfalles der Rocky Mountains auf, beslehl vor-
\\allend aus Kalkslein und Mergcln und erreichl 820 M. Miichligkeil. Diese
Schichten filhren nur marine Reslc und schliessen sich auf das innigsle an
die carbonische Formation an, welche dorl ebenfalls von marinen Kalksleinen
gebildet \\ird, so dass man annehmen darf, dass hier eine allmahliche Vcr-
(Iraiiuniii: der carbonischen Meci'esfauna durch eine Zechsteinfauna und ein
nnnnlcrhroi hcner Absat/. von MeeresnicderschliiLicn. untermischl mil den Hcsh-n
VI. Ilislorisrlit' (uMilouii- \\1 1
dci abstcrhendeu Bewohner jenes Oceanes stattgefunden habe. Und in der
That ist keine bestimmle (iivn/.e y.\\isehen beidcn Formalionen y.u zichen, -
die Landpllan/en filhremlen Strain!- und Sinnpfbildungen dor producliven
Steinkohlenformalion und drs Hothliegenden sind hier Uhcrhaupt nicht zur
Ablagenmg gelangl, werden vielmehr durch marine Gebilde erselzl. Diese
let/.teren I'illnvn, \\ie lu-i deren Nalur als vermittelndes Glied zwischcn carbo-
nischer and permischer Schiehlenreihe nicht anders zu erwarlen, cine aus
carboniselien und pcrmischen Formcn gemengle Fauna , und erst oberhalb
dieses etwa 500 M. machligen Complexes hat das organische Leben rein per-
inisrlien Charakter angenommen. Cbrigens ist dasselbe als ein sehr arlen-
armes zu bezeichnen, hat jedoch rnit dem europaischen Zechstein und marinen
I'crin cino vcrhiillnissni;issi|i t;rosse Anzahl von charakteristischen Geschleehtern
und Arlen gemeinsam; soSchizodus Rossicus Vern. , Avicula spelun-
caria Schloth., Productus Koninckianus Vern., Productus horri-
d u s Sow., Productus Cancrini Vern., Strophalosia , Cam a rophor i a.
Uiicklick auf die Entwicklung des orgjinischen Lebens wiilircnd
der palaeozoischen Zeitalter. Die Wurzeln des organischen Lebens, die sich
lid in den altesten Formationen zu verzweigen scheinen, sind uns verborgen,
(ist JIM Silur trill uns dasselbe bereils zu verhallnissmassiger FUlle und Man-
nigfaltigkfit gelangl enlgegen. Die silurischen Conlinenle waren noch nackt
und lodl, nur das Meer barg Lebcn. Seelange waren die einzigen Verti't In
i Irs I'llan/cnrciclies, — Spongien, Echinodermen (und zwar vorzugs\\cisc
(Irinoiden), Koralicn, Graplolilhen, Molluskcn (und /war namenllich Brachio-
podcn und Cephalopo(!en) , sowie krebsarlige Gliederlhiore, die Trilobiton, die
aiissdilicsslicluMi thierischen Bewohner der silurischen Oceane. Ersl nahe dem
\\Vndopunkle zvvischen Silur und Devon crslehen in einigen Fischen die
iillcstt-n Wirbellhiere. Die devonischen Conlinenle erzeugen die erslen
l.andpllan/en, einigc Gefiisskryplogamen und Coniferen ; in den gleiehallerigen
Mccicn crlangen die bis dahin sparsamen Fisclie, namenllich durch die llnl-
ssiiklung der abenleuerlichen Familie der Panzei'ganoidcn, einen griisscren
I nriiifnrciohlhum. Wilhrend des carbonischen Zeitallers enfallel sich die
I lura 7.11 einer wunderbaren Oppigkeft, welche sich aber mchr in der Menize
und Hit'st-iiliafliLikcit der Individucn als in der Mannigfaltigkeil der Formen
kimdgiebt, - - ist sic doch noch auf Gefiisskryplogamen, \\enige Coniferen und
einige sellene Cvcadeen beschriinkl und schliessl angiosperme Dikolyledonen
not-li vollsliindig aus. Dahingegen sind die carbonischen Moriisle und die
dsclnmgdlartigen Dickichte die \Yolmstallen der iilleslen luflalhmendcn Thiere.
frosehartiger Heptilien und Arthroj)oden, - und endlich (!ie Gewasser der
po slcarbonischen Perioden, die Heimalh <|IM er>ten echlen Saurier und
zahlreiclier kleinsehuppiger (ianoiden. Knr/., jede der palaen/.nisehen Perioden
\\ird durch einen Fortschrilt in der Slnfenleiter des organischen Lebens ge-
kenn/eichnel. \\enn sich auch noch keine zur Erzeugung von angiospermen
Dikolyledonen, von Knochenfischcn und \varmbl(lligen Wirbelthiercn empor/n-
schwingen \erm«tclite.
Die anssere Krsclieinungsweise und die klirnatisclieii Verhiiltnisse der Krde
24*
372 VI. Historische Goolosjie.
\\aivn wiihrend tier palaeozoischen Zeitalter noch ausserordentlich einfbrmig.
Das voni Meer bedecklo A real uberwog das Festland noch bei weitem mehr
als jctzt, die horizontalen und vertikalen Conturen der Conlinente vvaren noch
wenig gegliedert, das Klima war vom Pol bis zum Aequator ein gleichmassig
fcuchtwarmes. Im Einklange mil der geringen Mannigfalligkeit der irdischen
\ frlijiltnisse steht die Erscheinung, dass sich in vielen der palaeozoischen Re-
priisentanlen der Thier- und Pflanzenwelt Eigenthiimlichkeiten noch vereint
finden, welche sich spHler mil dem Mannigfaltigerwerden aller irdischen Vcr-
hiillnisse zu Gruppeneigenthtimlichkeiten gestalten und nicht mehr combinirt
auflreten. Am auffalligsten zeigt sich diese Erscheinung bei den Laby rin tho-
donlen, welche. wie bereits friiher (pag. 337) besprochen, gewisse Charak-
tere der Batrachier, Saurier und Fische vereinen, — bei gewissen Ganoiden,
welche Labyrinlhodonlen-Zahne besitzen, — bei einem Theile der carbonischen
Schaben, deren Fltlgel das netzfbrmige Zwischengeader der Neuropteren be-
sitzen, -- bei den Trilobiten, in welchen Momente vereint sind, die heuli-
gen Tages Uber mehrere Gruppen der Grustaceen vertheilt vorkommen, -
endlich bei den Lepi dodend ren und Sigillarien, welche eine Zwischen-
stellunu zwischen Coniferen und Kryptogamen einnehmen.
Die fortschrittliche Entwicklung des organ ischen Lebens, welche schliess-
lich in der Jetztwelt ihren Gipfelpunkt finden sollte, aussert sich jedoch nichl
allein im Auftreten neuer Gestalten, sondern auch gleichzeitig in dem Aus-
sterben sich gewissermassen ilberlebt habender, alterer Formen. So ver-
schwinden am Ende der palaeozoischen Zeitalter die Lepidodendren, Sigillarien,
Calamilen, sowie die grosse Mehrzahl der Fame, welche im Devon erstehen
und in der carbonischen Periode das Maximum ihrer Entwicklung erreichen,
schon wieder von der Weltbuhne. Die Lebensfahigheit der Graptolithen er-
lischt mil dem Silur, die der Cystideen nur wenig spater, die der Blastoideen
und Perischoechinilen mil der carbonischen Periode. Ebenso 1st die Existenz
der /ahlreichen Zoanlharia rugosa und tabulata, sowie vieler Brachiopoden-
Galtungen, z. B. Pentamerus, Productus, Stringocephalus, Uncites, endlich die-
jenige der mehr als 1 800 Species von Trilobilen ausschliesslich auf das
palaeozoische Zeilaller beschrankt. Dasselbe gilt von den Panzerganoiden,
wahrend die heterocercalen kleinschuppigen Ganoiden am -Ende der palaeozi-
schen Periode bis auf wenige Arten verschwinden, die erst im Beginne des
mesozoischen Zeitalters aussterben.
An Stelle der mit der palaeozoischen Periode erlbschenden Thiere und
Pflanzen tritt eine fleue abwechslungsreichere und, in ihrer Gesammtheit aufge-
fasst, hbher orgauisirte Welt. Ihr Erscheinen ist filr die Erde der Beginn
einer neuen, der mesozoischen Aera.
C. Die mcsozoische Formationsgnippe.
Die mesozoische Formationsgnippe ist eine Uber 1000 Meter Machtigkeil
erreichende Schichtenreihe von vorherrschenden Sandsteinen, Kalksleinen, Do-
oinitoi), M»'ri;pln, Schiefrrthonen und plastisdwn Thonen nebst Steinkohlen,
in efae
Gyps mid Stfinxal/ , dorrn Ahla-vr
f<ill(> "' Richer dio Pflan^welt ii:,m,.n|l,Vh .lurrh
Ainnospmm. DikoM.M!,,,,,,,,, ;,JSO Coniferen vor B
11 "• 'lurch Cu-adoon und m,|HM1 (|irs,n dlurh S
- <1"' Thi,rvv,li ,lii,vh Korall,,, , «|,V ,!,.„,
I'1-' J«'t/(zi.il angehoren, also Zoantharia
i und perforata, echle Secigol, zahl-
'-strropodenundZweisehaler, nameiu-
';;;|; JjjJ^^r l(10() sppcies der h«chStstChen-
"ld"*^^*W«»^-En-w^
j "J«»**flJVUUJItt!Ii
Sauricr, sowie Schildkroten re-
Gefasskryptoiia.nrn , Brachiopoden,
nnoiden, vvelche wMhrend der palaeo-
Penoden den Gesaimmhabitus der dama-
"«H,,.,i Welt bestimmten, treten stark zu- '.
Dahmgegen fiillt in die mesozoischen Zeilalter «
-AMf.n.u.n dor ,,-sten angiospermen Dikotv- ^
en und ersten SJiugethicre und Vo-el
B mesozoische Formalionsgruppe zerfhllUn •
3) die Kreide, j
2) den Jura,
<) die Trias. I
.83
JSX
as 2 .2 «
?iJ§li
0 — a S "• a g
; Sj^5s
« •*«- 5 « o a.
Bie Trias.
Trias cro-ffnel die Reihe der mesozoischen For- !
(s'ehe F,g. 196), bildet also das Hangende S
'• "'-or . Dyas und das Liegende des unteren Jura
"-. (.ontacte mil einem dieser beiden oder zu-
'«•». ""I boidcn Sehichtensys,,,,,,, !lllftrill. ^
•I.'.- /u-schenlagerung zwischen Dyas und Lias is
Jer wenigen charakteristischen Kennzeichen
"" ('>iass^chenGebilden aller Lander gemein-
sam smd, denn fast in ' '
''•n Facies cnlwickolt. In Deutsohlnnrl
>l-lert sie sich scharf in zvvei Sandstein Id Me"
Uionen mil den Reslen von Landbewohnern
'•"""t durch eine Kalkformalion mil einer
Meeresfauna, vvelche sic-h durch Armuil, an Formen
Re.rhthum an Individuen auszeichnet. ST22 '
ese le»,t,,v Srhirhirngruppe, ebenso '
//
3 o O I
Mcaaw
CrfB tt-^j
'M 1 VI. Ilislnrisrlic (Jcolo-ic.
mi Oslen von Nordamerika uiicl endlieh in den Alpcn trill uns in doni \Vic-
derauflcben von palacozoischcn Thicrlypcn und in dcr glcich/eitigcn , anschei-
ncnd verfrilhten Enlwicklung zahlreicher mesozoischcr Aminonitcnfonncn, kurz
in der Vcrgescllscha flung von Orthoceras und Ammonites eine Fauna entgegen,
vvie sic in keinem der oben genanntcn Bildungsriiume auch nur angedeulet
ist, sich jedoch im Wcsten von Nordamerika , im Himalaya und in Nordasien
\\iederholt.
Bci dem Mangel an tlberall gtllligen und durchgreifenden Charakteren der
triassischen Gebilde erscheint es nothvvendig, jede einzelne Triasfacics flir sich
zu betrachtcn. Nur ganz im Allgemcinen und vorliiufig liisst sich Uber den
pa I a eon tologischen Charakter der Trias Folgendes sagen :
Im Beginn der Triasperiode erscheinen die ersten Equiseten, um von
dii an bis jelzl fortzudauern ; Equisetites arenaceus Brong. und Eq.
columnar is Brong. sind nicht nur Uber Europa, sondern auch Uber den
Ostcn des nordamerikanischen Continentes verbreitet. Ebenso sind die Fame
durch die neuen Gattungen Anomopteris, Cl a thropteris, Gutbicra.
Sa gen opter is, neben diesen aber auch noch durch carbonische Forinen,
z. B. Pecopteris und Taenopteris vertrelen ; wiihrend jedoch in den
palaeozoischen Perioden Gefasskryplogamen die Gesammtflora fast ausschliesslich,
\venigslens bei Weitem vorwaltend ausmachten , so beginnen sie in der Trias
vor der Enlwicklung dcr Cycadeen und Coniferen stark in den Ilinlergrund
zu tretcn. Von ersleren erscheinen die Gattungen Pterophyl 1 um, Za mites,
Otozamites und Pterozamites, von letzteren die Abietidcn Vollzia und
Alber tia.
In der triassischen Fauna spielen gewisse Crinoiden , Zwcischalcr, Cepha-
lopoden, Replilien und Fische eine hervorragendc Rolle. Die massenhafte An-
hiiufung der Reste von Encrinus liliiformis Lam. (Fig. 202) lasst auf cine
enorme llauh'gkeil dieses Crinoiden schliessen , der dadurch zu einem ausge-
zcichncten Leitfossflc der Trias wird. Ein ausschliesslich triassisches Muschcl-
geschlecht ist Myophoria, unter deren zahlreichen Verlrctern namenllich
Myoph. vulgaris Bronn durch ihre vveite horizonlale und verlicale Ver-
bivilung allgemeine Wichtigkeit crhiilt. Unter den cinmuskeligcn Zweischaleni
sind Peclen, Lima und Gervillia hcrvorzuheben , von denen Pecten
laevigatus Bronn ((Fig. 204), Peel, discites Bronn, Lima stria la
Goldf. , Gervillia socialis Quenst. (Fig. 206) zu den haufigslen und
bezeichnendslen Leilfossilien der Trias gehbrcn. Neben ihnen tretcn die ersten
Ostreiden auf, welche sich im Jura und in der Kreide so ausscrordenllirh
enlfallen sollen. Unler den Brachiopodcn ist. Terebratula vulgaris
Schloth. (Fig. 201) die bei Weitem gewbhnlichstc Art, neben weleher
Relzia Irigonella Schloth. (Fig. 20;}6), sovvie Spirifcr fragilis Bucli.
und Spirifcr Mentzeli Uunk. (Fig. 203 c) slark /.urUcklreten , so vvichlig
sic auch dadurch vverden, dass sie der deutschcn und alpinen Trias gemcin-
SMII sind. Miner der \vesenllichslcn Unlerschiede dcr lelzleren beruht auf dcr
Verschiedenarligkeit ihrcr Gephalopodcn-Fauncn , wenn auch das Zuriickli'dcn
der Naulileen und das Vorwalten der Ammoncen, eine Erscheinung, N\elchc
VI. Historisehe Geologic. 375
sirh iin Laufe der mesozoischen Zeitalter iinmcr doutlioher und starker aus-
priiLien vvird, beiden gemeinsam ist. Die deutsche Trias ist ami an Cephalo-
poden. Nautilus bidorsatus Bronn ist dor Hauptrepriisentant der Nauli-
leen, \\iihrend die Aininonoon in einigen zum Theil sehr haufigen Arten der
fUr die Trias sehr bezeichnenden Gattung Ceratites (charakterisirt durch die
halbkreisformigen Sattel und Loben, letztere mil einigen kurzen, nach hintcn
gerichtelen Zahnchen) Vertretung gefunden haben. Ceratites nodosus
II a an. (Fig. 207], ist ein treffliches Leitfossil der hierher gehorigen marinen
(lebilde. Ein ganz anderer und mannigfaltigerer ist der Charakler der alpinen
Cephalopodcnfauna der Trias, dessen Eigenlhilmlichkeit in der Vergesellschaf-
tunu von palaeozoischen und mesozoischen Typen bcslehl, indein in ihr echte
Aniinoniten und Orthoceratiten eine viel hervorragendere Stcllung ein-
nelnnen als Nautilus uud Ceratites.
Die Fische der Trias sind zum Theil noch heterocerca le Ganoidcn
(Gyrolepis, Semionotus), jedoch bat die Unsynnnelrie des Schwa nzes derselben
iin Verglciche niit den Ganoidcn der palaeozoischen Zeitelter bereils \\esentlicli
al»i:enominen, zum Theil sind es Knorpelf ische (Acrodus, Hybo'dus,
Placodus), von vvclchen uns Kiefcrfragmente und Ziihne erhaltcn sind. Kno-
ehenlisehe existiren noch nicht. Die triassischcn Replilien sind vorzugs\\cisc
Lab \ r in th o don ten (Trematosaurus, Maslodonsaurus), wahrend die iin Jura
so hauliiUMi echlcn Mecrcssa uric r noch sparsam sind (Nothosaurus, Simo-
saurus). Dem Schlussacte der triassischen Pcriode enlstaininen die Hcstc dr.s
iiltestcn Siiugethicrcs und zwar cincs Microlcstes genannlen Beuld-
thieres.
Die deutsche Trias.
Die deulsche Trias besteht aus drci von einandcr durch pi-lrograpliische
und zum Theil auch palaeontologischc EigeqthUmlichketlcn scharf gclrennh'
l.'nlrrablheilimgen, deren Zusainmcngehorigkcil zu eincr Formation sich aus
ihrcr p-mcinsamcn Ftlhrung gewisser charaklcrislisclicr prgaoiscber Hcsle cr-
gicbt. Dicse drci triassischcn Schichtengruppen sind (siehc Fig. li).'^, MM»,
2Ki, 2<7) von oben nach untcn :
:j; Kenprr, einc Mcrgel-, Gyps- und Sandstcinbildung mil vorwaltenden
Landpflaozen.
2) Muschelkalk, cine marine Bildung und dcsshalb kalkformation mil
den HcsU'ii \on Mccrcslx-vvohncrn.
\) Buntcr Sands to in, cine Strandbildung und dcshalb Sandslnri-
formation mil vorwalk'tiden Landpllan/.t-n.
1. Dor bunto Sandstein.
Petrograpliischcr Charakter. Wie der Name dicscr Schichteogruppe
andciilct, bosleht diescllw vorwaltend aus sehr vcrschicd(Miartig gcfiirblen
SandsliMiicn. Dicsclbcn sind fast durchweg Quarzsandsk-in mil thonigem,
376
\ I Ili-lin iM'lir (iroln^ic.
kieseligom odor eisenschilssiuem Hindemillel und abhiingii: \on diesem zum
Theil fest his ipiar/itartii:. zum Theil weich und zerroiblich. ja locker und an
dor Luft zu losem Sande /erfallend. Auch die Farbung dieser Sandsleine win!
\nii dom Cemenlc bedingl und ist vorherrschend rothbraun, gelb, grUnlich,
\\eiss oder buntgosprenkelt und gefleckt. Der bunte Sandslein besiizl einc
sehr deullichc Schichtung, mil welcher nicht sellen ein plblzlicher Wechsel der
Gesteinsfarbe Hand in Hand geht, woduroh sic noch deullicher hervorgehobcn
\\ird. Die Schichlon sind zum grossen Theile mehrere Fuss ma'chtig, wonigi-r
hiiufig platlenarlig , also nur etwa zollina'chlig,
oder endlich besonders in den oberen Niveaus
des Buntsandstcins, sobald sich zahlreiche Glim-
morblaitchen zu den Sandkbrnern gesellon.
diinnschieferig. In erslerem Fa He zeigen sie
nicht selten die Erscheinung der discordanton
Parallelslruclur.
Die Sandsleinc umschliossen so ha'ufiu rund-
„ .97. Profii oberhaib s«hi.er liche oder eckiSe Concrclionen von Thon (Thon-
Noudorf im ThuringerWaid'e. gallen). dass diese als cine aanz charakteristi-
a Braunrother plattenformiger Sandstein. —
b Discordant-schieferiger, roth- und weiss- SChe ElgenthtimllChkeit des builtcn SandslcillCS
gestreifter Sandstein. —
c Grauer Mergeisandstein. zu betrachten sind. Oftmals bcsteht das Ma-
terial des lelzteren nichl aus Quarzsand, also gerolllon und abgcrundelen
Quarzkbrnern , sondern aus mehr oder \veniger vollkommen ausgebildelen
Quar/krysta'llchen. Solche kryslallinische Quarzsandsleine sind im Schwarz-
\\alde, in der Rhbn , namenllich aber in den Vogesen verbreitet, wo sie die
Bunlsandstein-Formation erbffnen, 400 M. Machligkeit erreichen und als Vo-
gescnsandstein bezeichnet werden.
Nat-list den Sandsteinen sind es besonders rolhe und braune Schiol'er-
lellen, Thone und Mergel und eingelagert in diesen Gyps, welche einen
\\esenllichen Antheil an der Zusammenselzung der Bunlsandsleinformalion
nehmen, deren obere Ablheilung, der Roth, gewbhnlich fast ausschliesslich
von ihnen gebildet \vird. Letzlerer umschliesst nicht sellen, so bei Schbnin-
gon im Braunsclnveigischen, bei Hannover, bei Salzgitler machtige Einlagerun-
gen von Stoinsalz. Conglomerate spielen nur eine sehr unlergeordnele
Rolle in der hier besprochenen Schichlenreihe, -- Rogenstoin bildet z. B.
am Nord-, Ost- und Sildrande des Harzcs die untersle, Do lorn it in vielen
Gegenden so im Elsass. in Baden) die obersle Elage der Bunlsandsleinforma-
tion und wird dort seiner wellenfbrmig gerunzelten Schichlungsllachen halber
Wei 1 en do 1 omit genannt. Sehr ha'ufig [z. B. bei \Valtershausen und am
Sinuer Berger im Thiiringer Waldo, sind die Schichtungsilachen der ddnngo-
schichlolen , mergeliiion Sandsleine des oberen Bunlsandsleines von wiirfoliuen
Pseudomorphosen nach Sleinsalz bedeckl, welche augenscheinlich dadurch enl-
slanden sind. dass sich Kochsalzkryslalle aus verdunslondon Pfiitzen am Mee-
n-ssirando a»if doron Boden abschieden , spalor von Schlamm bedockl, wieder
NvegtrofUhrt und von Schlammmasse orsolzl \vurden.
Nacli derarligen Vorsohiedonheilen in dor pelrographischon Zusammon-
VI. Ilistonsrlii- (i
•Ml
selzung dor Schichlenreihe dos Buntsaodsteines kann man local folgendc Ni-
\oaus in domsolbon unlerschoidon :
Oboro A blhei lu ng : Morgel. Gyps und Sloinsalz (Rolh , sowic Wellon-
d o 1 o in i l o iRothdolornite).
Millie re Abtheilung: fast ausschliesslich bunte Sandstcine (Haupt-
bun I sands to in).
Untere Abtheilung: krystallinische Quarzsandslcino und Conglomerate
(Vog os en sand stein) odor Rogonstein und Thone.
Die Gcsammtmiichligkcil der Bunlsandsteinformation schwankl z\\isohen
200 und »00 M.
Krxfiiliruiig. Der Buntsandslein ist zuvveilen das Mullergestein von
Kr/.rn. Dies ist z. B. bei Commern in der preussischen Rheinprovinz (lei-
Fall. Dort lagern die schwach nach Norden fallenden Schichten des Bunl-
sandsloinos nnmittelbar auf Culmgrauwacke auf und bestehen zu unlerst aus
Conglomeraien, auf welche feinkornigo, weisse, lockere Sandsteine folgen. Diese
lel/loron sind in einer Machtigkeit, welche slellenweise 80 M. erreicht, mil
erbsengrossen Kornern von Bleiglanz (Knollenerz) in ilberraschender Gleich-
miissi-ikeil erfulll und reprasentiren eine der werthvollsten Bleierzlagerslallen
Deutschtands. Unter ganz analogen
Verhiilinissen Irelen Bleiglanz und
Weissbleierz im Buntsandsleine bei
St. Avoid wesllich von Saarbrtlcken
auf. Bei Twisle unweil Arolsen ent-
hiilt der Buntsandslein in einer Madi-
liukoil von 3 bis 4 M. Impragnationen
von Kupferglanz, namenllich aber Ma-
lachit, welehe sich vorzugsweise auf
don feinon Klllflcn in diesem Gesleine
concentrirt ha ben, in deren Nahe der
rothbrauno Sandstein gebleiclit
ist. In iihnlicher Weise trelen bei
R u I <i c li im w ilrtrinhergischen Schwarz-
walde Kupforlasur und Malachit im
Runlsandslcine auf und sind in frtlhe-
ron Zoiton das Objecl eines ansehn-
lichen Bergbauos gewesen.
Palaeontologischer Charak-
ter. Dor Runlsandstein ist gewohn-
lich selir arm an organischen Reslen,
nur einzelne Gegcnden und Schichlen
,am woslliehon Fusse der Vogesen, im
Elsass, in Baden, bei Bernfourg) rnachen
davon eine Ausnahtne, inden) gewisse Sandsteino, Mergol und Schiefcrlhone
eine ziemliche Menge pflanzlicher, die Dolomite, also namentlich die Wellen-
dolomiio, thiorischer Resle bergen. Kinige dor wichligsten und zum Theil
Fig. H»S. V|oltzia h eUr op hy 1 1 a Brong.
End/.weig, Mittelzweig, FrnchUweig.
VI. Hislorisohc Geologic.
sehr charakterislischenPflanzenformen sind : Equisctitesarenaccus Brong.,
dcr iiltcstc cchtc Kquisetiles, und ebenfalls zu den Equisilaccen gehbrig Sch i zo-
ne ur a paradoxa Sch imp., (lessen nicht seltener Holzkbrper sich von
Equisetites durch viel breitere Langsrippen unterscheidet, ferner zvvei Fame
Anomopteris Mougeoti Schimp. und Caulopleris Voltzi Schimp.,
endlich einige Abieliden , nehmlich Albertia elli plica Schimp. und
Voltzia heterophylla Brong. (Fig. 198), erstere rait breiten elliptischen,
letztere an den jtingeren Zweigen mil langen, linearen, an den alleren Zwei-
gen ink pfriemigon, kurzen Bliittern.
Die thierischen Uberreste sind vorzugsweise
aus den obersten Horizonten des Bunlsandslei-
nes, dem Wellendolomite bekannt ; sic gehbren
fast ausschliesslich der Muschelkalkfauna an und
stellen somit cine enge Verkniipfung zwisdien
den beiden unleren Schichtengruppen der Trias
her. Von ihnen mbgen die weiter union abgc-
bildeten Terebratula vulgaris Schlolh.,
Peclen laevigalus Bronn., Myophoria
Fig. 199. Myophoria costata Zenk. VUlgaris Bronil., Gervillia SOcialis
Quenst., ferner Ceralites Buchi Alberti, sowie Bhi zocoralliurn
JenenseZenk., ein knolliger oder walzenfb'rmiger und dann ofl veraslel-
ter Seeschwamm, an dicser Slelle Erwahnung finden. Ein durch ganz Deutsch-
land \vcilverbreileles Leitfossil des oberen Bunlsandslein, des Bblh, isl Myo-
phoria costala Zenk. (M. fallax Seeb.) Fig. 199. Ganz eigenlhiimlich isl
die llaufigkeil von Fahrten gewisser Replilien in dem Bunlsandsleinc. Sie
beslehen aus den Fusstapfen eines seinem Ausseren und seinem Baue nach
unbekannlen, Ch irolherium genannlen Froschsauriers, die sich unweit Hess-
berg bei Hildburghausen, bei Jena, Kahla, ferner im Tauberlhale im Oden-
walde, bei Freudcnsladl im Schwarzwalde im oberen Buntsandslein gefundcn
haben und deren Urheber den triassischen Meercsstrand in grosser Menge bc-
lebl haben mUssen. Diese Fusslapfen und deren auf der ihnen zugekehrUm
Fliiche der nachslen Schichl befindliche, durch AusfUlIung der Eindrilcke enl-
slandenc reliefarligc Abgilsse lassen auf das deullichste vier krallcnfuhrende
Finger und einen nagellosen, abgeselzlen Daumen crkennen. In demselben
llorizonte finden sich in der Umgebung von Bcrnburg die au^gezcichnel er-
hallcnen Schadcl eines Labyrinlhodonlen Trema tosaurus Brauni Burm.
Endlich kommen in dem oberen Niveau des Bunlsandstcines, so bei Silldorf
sildwcsllich von Magdeburg und im stldlichen Schwarzwalde, Ga noid-Sch u p-
pen in solcher Menge vor, dass sie gewisse Lagcn des Sandsleines fasl
schwa rz fa'rbcn.
Die Fahrten, \vclche die Chirotherien wahrscheinlich vvahrcnd dcr Ebbe-
zcil in dom frisch abgeselzlen Schlamme des triassischen Mceresufcrs zuriick-
I lessen, die nolzfbrmigen SprUngc, vvelche die mil solchen Fusspuren bcdrrk-
l(>n Schichtenfliichen kreuzen und nur in Folge des Trockenens des bis dahin
feuchlen Schlammes cnlstmdcn sein kbnnen, die \Velletifurchen auf denselbun
Sandsteinen, sowie auf den Plallen des Wellendolomites, die l)iai;<)nalsehiehlung
\ieler Sandsteinbiinke, cndlich die Hesle von Landpllan/e'n und die von Laby-
riutliodonten weisen darauf bin, dass die Bunlsandstcinformation cine Slrand-
und Dflnenbildung ist,
,--••• ~
Fig. 'IWj^a Chirotherinm-FShrten anf ciner Sandsteinplatto. — b Abdmck eincr einzclnen Fiihrte.
2. Der Muschelkalk.
Petrographischer Charakter. Dor Muschelkalk besteht, wie sein
N.inie andeutet, vorwallcnd aus Kalkslcinen und zvvar aus ganz besliinmlen
dieses Gesteines, welche sich in den verschiedencn Verbrciluni^s-
der Muschclkalkforniation in ungcfiihr deinselben Niveau wiederholen
und als dcren wichtigsle zu bezeichncn sind : der Hauptmuschelkalk in
lussmiichlifren, ehendiiehi^en Schichten, welche durch dUnne Lagcn von grauem
Mcrgel von cinaudor getrennt vverden , — der Wei lenka Ik, dUnnc Schich-
ton mil \vellig-runzeligcr Oberfliichc bildend, — der Schaumkalk, wcich,
l< inporbs, fast schvvammig, -- der Tcreb ratel ka Ik und der Encriniten-
ka 1 k , ersterer aus dicht auf einander gehiiuflen Individucn der Teieliraiula vul-
u.nis, letztercr fast aussehliesslich aus Sticlgliedern von Encrinus liliifonnis !«•-
.sfehcnd. Die ineislen dieser" Kalksteine enlhalten nehen kohlensaurein Kalke
nielir fider urnker kohlcnsaurc Magnesia und Eisenoxydul oder Tlion und
iiehen daher eincrseits in Doloinit, andercrseits in Mergel Ubcr. I.elztere , die
Mcr-el, erlanizen /uweilen einc zicmlich rnachlige und selbsliindige Aus-
l)ildun;j; und sind sehr gewohnlich vcrgesellschaftet mil Anhydril, Gyps
und Steinsalz, sind dann sclbst oft von Salzlheilchen vollkommen impriig-
380
VI.
nirl uncl stehrn in dicsrm Falle dem Sal/ I hone nahc, \\ richer ebrtil'alls als
fast sifter Begleiler des Anhydrites auflrill. Dolomite odcr slark doloini-
tische, 7.11111 Theil sehr eisensehdssige Kalksteine finden sich in vielen Regionen
dcr Muschelkalkformalion, z. B. in Obcrschlosien und ThUringcn, und sind oft
ivich an Knollcn und Lagen von Hornslein. Anhydrit, Gyps, Steinsalz und
Salzthon bilden in inniger Vergesellschaftung einen wichtigcn Schichlencomplex
in dcr initllercn Elage der besprochencn Formation.
Als besondercr ftir den Muschclkalk schr charakterislischer Structurerschei-
nungen ist der Schlangenwul ste, wurm- oder htifeisenfdnniger, langgezo-
gener, fingerdickcr Wtllste und Schwielen von Kalkstein, vvelehe main-he
Schichtungsflachen ganz bedecken, sowie der Stylolithen zu gedenken.
Diese cylindrischen, geraden, longitudinal gestreiften und quergerunzelten Stan-
gel, die oft in grosser A nzahl vertical neben einander slehen , sind nirgends
haufiger als im Schaumkalke z. B. von Rildersdorf.
Einen von dem normalen ganz abweichenden pelrographischen Gbarakter
besitzt die Muschelkalkformation im Gebiete der Saar, Mosel und im Luxeni-
burgischen, wo die untere Abtheilung derselben nicht kalkig, sondern s an dig
ist, so dass man dort von einem Muschelsandstein, d. h. einem Sand-
steine mil den organischen Resten des Muschelkalkes sprechen muss.
Erzfuhrimg. Der Muschelkalkformation gehoren die Eisenerz-, Blei-
glanz- und Galmeilagerstatten von Tarnowitz und Beuthen in Oberschlesien,
sowie die Galmeivorkommen von Wiesloch in Baden an. Ihre Bildung fallt
jedoch keinesweges mil der Ablagerung der sie einschliessenden Gesteine des
Muschelkalkes zusammen, sondern gehorl viel spateren Zeitraumen an.
In Oberschlesien bil-
Br*<j,n>«nn.
Fig. 201. Profit der Bally-Castle Grube zwischen
Tarnowitz und Hen then in Oberschlesien.
a Sohleukalfcstein. — 6 Kother Galmei. — <ff Weisser Galmei. —
c Bleiglanz. — d Dolomit. — e Brauneisenerz. — / Letten.
Brauneiscnerze unregel-
massige Lager und Nester in den
Kalken und Dolomiten des un-
leren Muschelkalkes und fullen
in der Gegend von Tarnowitz
und Naklo formliche topfartige
Verliet'ungen im Sohlenkalksteine
(obere Abtheilung des unteren
Muschelkalkes) aus. In Verbin-
dung mil ihnen treten Z ink-
er ze auf, welche im Verein mil den Sleinkohlen den Hauptimpuls zu der
grossartigen . oberschlesischen Mineralindustrie gegeben haben. Die meislen
und wichtigslen Zinkerz-lagerstatten jener Provinz sind an Dolomite gebunden,
welche in einer flachen Mulde des unteren Muschelkalkes (Sohlenkalkstein)
lagern und sich von Tarnowitz aus in oststldbstlicher Richlung ttber Beuthen
nach Polen hinein ziehen. Die oberschlesischen Zinkerze bestehen aus un-
lergeordnetem reinem Zinkcarbonat und -Silicat, sowie dichter Zinkblende,
der Hauplsache nach aber aus zinkhaltigen Brauneisensteinen , zinkhalti-
gem , eisenschtlssigom Dolomite rothern Galmei) , zinkhaltigem Letten und
zinkhaltigern Sohlenkalkstein (weissem Galmei . Die Lagerstiitten dieser Gal-
VI. Ilislorisrlio Geoloyio.
381
meier/e linden sich in den muldenfbrmigcn Verliefungen zwischen den Fal-
len der Muschelkalkformation, bilden nnregeliniissige Ncster und flb'lzartiue
l.auer y.uischen dein sogenannten Sohlenkalkstein und dem dartiberliegen-
den Dolomite, ver/.sveigen sich aber auch sowohl in das liegende, wie in
das hnngcnde Nehengeslein , und sind augenscheinlich aus zinkhaltigen , durch
Auslaugung des Dolomites enlslandenen Losungen an Stelle der weggeftlhrten
Kalk- und Magnesiaverbindungen abgesetzt worden. In diesen LagersUitten
bildet gowbhnlich der weisse Galinei die untere, der rolhe Galmei die obere
Zone. Zu den Brauneisensleinen und Zinkerzen gesellt sich als drittes der
dem Musehelkalke angehbrigen Erze Bleiglanz. Dieser koinmt theils in Kbr-
nern ini Dolomit eingesprcngl, theils diesen in TrUmern durchziehend, theils
in zusamme.nhimgenden fldtzarligen Lagerstatten auf der Grenze zwischen Soh-
lenkalkstein und Dolomil oder direct tiber derselben vor. Freilich belragt die
durchschnittliche Mitchligkeit dieser Bank nicht mehr wie etwa 0,04 M.. blaht
sich jedoch stellenweise bis zu 0,66 M. auf. Dieselbe bildet im Verein mil
dem Musehelkalke, dem sic angehb'rt, eine ganz flache, etwa cine Quadratmeile
grosse Mulde.
Bei Wiesloch in Baden findet sich Galmei als Ausfiillungsmasse von
Kltlften, \velche den dortigen unteren Muschelkalk durchsetzen und sich in ge-
\N issen llorizonten und zwar an solchen Stellen, wo sie den Contact von En-
crinitenbanken und dichtern Kalksteine kreuzen, unregelmassig hbhlenartig er-
weitert haben.
Palaeontologischer Charakter. Als marine Bildung ist der Muschel-
kalk, wie zu ervvarten, ausserordentlich arm an Pflanzenresten , welche sich
auf einige fragliche Algen und wenige eingeschwemmte Farnwedelfragmente
beschriinken, doch ist auch die Fauna der Trias eine verhallnissmassig nicht
Fig. -!"•! Fig 204.
Pig. 202. Encrinus liliifprinis Lam. '— Fig. 2CH. n Terebratula vnlgaris Schloth.; I Retzia trigonella Scbloth.;
c Spirifer Mentzeli Dunk. ; d Rhynchonella Mentzeli Buch. — Fig. 204. Pecten laevigatus Bronn. —
:;s-2
VI. Hisloriscln- (Icolo^ic.
sehr formcnreiche, \venn diese Arniuth ;iucli . (lurch die Fillle der Individuen,
in \veleher manehe Muschelkalkspecies a u fire ten , vveniger aull'.illig gemaehl
\\ird. Die \\irlitigslen ihror Hiiufigkeil und Verbreitung vvegen als charakle-
ristischo Leitfossilien zu belrachlenden Vertrcter der deulschen Musrhelkalk-
I'auna sine! von Echinodermen : Encrinus liliiformis Lam. (Fig. 202),
(lessen Kronen selten, dessen Stielglieder ausserordenllich hiiufig sind, -- As-
Fig. 2(M>.
Fig. 205. Myophoria lineata Miinst. — Fig. 200. Gervillia socialis IJnenst. — Fig. 207. Ceratitf-.-
nodosus llaan.
pidura scut el la la Bronn, eine \\eilverbreilele , aber seltene Ophiuiv: -
von Bra eh iopoden : Terebr alula vulgar is Schlolh. (Fig. 203 a], das
hiiuligsle Muscholkalkfossil, -• Relzia Irigonella Schlolh. (Fig. 2036)", -
Spirifcr Mentzcli Dunk (Fig. 203 r), Rhynchonella MenUeli
Buch (Fig. 203 d) ; von Zweischalern: Oslrea placunoidcs
Mil n si., cine kleine Ausler , \\elche sehr gewohnlich auf Ceraliten aul'iif-
\\achscn vorkomml, - der handgrosse Peclen I aevigalus Bronn fFig. 204),
dcr viel kleinoiv Peclen disciles Bronn, — Lima stria la Goldf. .
Gervillia socialis Quensledl (Fig. 206), Myophoria lineala
Milnsl. (Fig. 205), — Myophoria v ulga ris Bronn, -- M \arili-s clon-
galus Schlolh. ; -- von Gaslero poden : Denta Hum 1 aeve Schlolh., -
Nalica gregaria Sch I olh., Turbonilla sea la la Gold f. ; - von
(lepha Iopoden : Geraliles nodosus Haan. (Fig. 207), Naulilus
hidorsalus Bronn und deren Kiefer Rhyncholilhcs hirundo Hit;,
und Conchorhynchus avirostris Blainv. ; von A r ihropoden: cin
tlcni (lenus Aslacus nahe slohondor langsch\viin/ig(M' Krebs Pemphix Sueurii
Bronn. Von Fischreslen sind namenllich die kegelformigcn , mil beiderseiligen
Ncbcnziihnchen versehenen Ziihne von Hybodus plicalil is Ag. (Fig. 20So),
Mi\\ic die (lachcn mil einer millleren Liingsfalle versehenon Pllasler/iihne NCUI
Acrodus, forner die spilv. kegelfiirmigen , mil gefallolen \Vurx.eln versehenen
Ziihne von Sa u rich Ihys (Fig. 2086), endlich die rhombischen, lief gefurchten
Sehuppen von Gy role pis hiiufig. Zu ihnen gesellen sidi Sehiidel. Oberkiefer
und Xiilme von Placodus gigas Ag., der jel/l vvohl mil Ueehl zu den San-
riern gerechne! vvird. so\\ ie Sehiidel. Wirbel und Hijipen eines echlen
\ I IlisloriM-lH'
sauriers, Nothosau rus in irabil is MUnst. (Fig. 209). Die (lachen, schlan-
ken, tiber zwei Fuss laniicn Sdiiidd zeigeu hinlen die grossen Sdiliifrngruben,
/\visdien ihnen ein kleines Scheilelloch , in dor Mitle die Augenlb'cher und
vorn die Nasenhbhlen. Dor Zvvischenkiefer triigt 9 grosse gestreifte Ziilmr.
deren neunler urrade in der Mitle der Kinnspitze steht.
Glietlerung der Muschelkalkforniatioii. Wo die Muschelkalkfonnation
in ihrer ganzen Vollsiandigkeit enlwickelt ist, pflegt sie sich in drei Schichlen-
urupprn uliedern zu lassen :
a) Unterer Muschelkalk, bis 150 M. inachtig, namentlich aus
Wrllcn kalk mil Schlangenwtlslen und untergeordneten Mergeln, zu obersl
aus Schaumkalk, Encriniten- und Terebralelkalken bestehend und
vciliiilliiissiniissii; arm an organischen Reslen , vvenn man von den ebon cr-
uiilmlcn /(M)i;(>iirii Kalksteinen abslrahirl. Unler ihnen sind Encrinus lilii-
lOrmis, Trrebralula vulgaris, Gervillia socialis, Myophoria
Fig. 21m.
Fig. 2«». nllybodns plicatilis Ag.; 6 SanrichthyH npicialis Ag. — Fig. '2M). Nothosaurus niirabili
Jig. '2t(». (iiuiniiMi von I'lat^odus Andriani Slflnnt.
vulgaris, Lima lincala, Natica gregaria, Ccratites Buchi xu
nennen, \viihivnd die in dcm olwu-en Muschelkalke so ausscrordcnllicli hiiuli^-n
Ccralilcs nodosus , Nautilus bidorsatus, Rhyncholilhes liirundn, Lima slriala
i-an/. zu fchl(?n scheincn. Dahingcgi^cn crroichcn im Schaumkalke die M\<»
phoricn das Maximum ihrer Entwicklung.
b) Mi tile rer Muschelkalk , Anhy drilgruppc oder ZwisdnMibildung.
:}0 his 100 M. miidilii:, \\osenllidi aus Dolomiten , Anhydril, Gyps und Sldn-
sal/ lifsldicnd. Da der Gyps stock f(irmis;<' und das Stcinsnlx unro^-lmiissiti
384 VI. llistonsrlx-
linsenftfrmige Massen zu bililrn pflcgon, so zcigt tier ganze sich ihncn anschmie-
gende Complex stork L:r\\undene und gefallete Schichlen. Hierhcr gehorende
Stcinsalzlager licforn das Material der zahlreichen Salinen der Neckargegondrn
uud derer bei Basel, Erfurt, Buffleben, Stolternheim in Thuringen und wmlrn
bei Wilhelmsgluck in WUrtemberg und bei Erfurt in Thuringen bergmiinnisch
;i bin-haul. Diese miltlere Gruppe des Muschelkalkes ist ausserordenllich arm
an organischen Resten , die sich hauplsHchlich auf Saurierknochen und ZHhne
beschranken.
Oberer Muschelkalk, Friedrichshaller Kalk, 60 bis 120 M.
machlig, aus glatt- und dickschichligem Hauptmuschelkalkstein bestehcnd,
dessen Btinke sich mit ihren Ihonigen Zwischenlagen in grosser Einformigkeil
hundertfach (iber einander wiederholen. Der obere Muschelkalk ist von alien
drei Abtheilungen am reichslen an organischen Resten, unler denen Ceratiles
nodosus, namentlich haufig in den sogenannlen Thonplaltcn, Nautilus bi-
dorsatus, Lima striata, die Lima-Banke bildend, Pecten laevigatus,
Gervillia socialis, Myophoria pesanseris, Pemphix Sueurii her-
vorzuheben sind; jedoch treten auch Terebratuta vulgaris und Encri-
nus liliiform is in solchem Individuenreichthume auf, dass sie ebenfalls fast
das ausschliessliche Material ganzer Ba'nke (die Terebrateln der sog. Glasplalten,
die Encriniten der sog. Trochitenkalke) geliefert ha ben , \vie ubcrhaupt En-
crinus liliiformis erst jelzl das Maximum seiner Eritwicklung erreicht.
Der oberschlesische Muschelkalk wurde frtiher mit Bezug auf den
erzfiihremlen Horizont desselben in Sohlenslein, erzfilhrenden Dolomit
und Dachkalkstein (Kalkstein von Opatowilz) gegliedert und ilherhaupt als
eine ganz eigenlhllmliche Facies der Muschelkalkformation aufgefasst. Spater
zeigte sich jedoch , dass im Ganzen eine wesentliche Ubereinslimmung der
oberschlesischen Muschelkalkformalion mit derjenigen des westlichen Deulsch-
lands besteht. (Siehe Aequivalenztabelle) . In palaeontologischer Beziehung sind
ihnen nicht nur die meisten Versleinerungen gemeinsam , sondern es ist auch
dio verticale Verbreitung dieser Formen durch die einzelnen Etagen des Mu-
schelkalkes fast durchgangig dieselbe. Hervorzuheben ist nur das Vorkommen
einer Anzahl von Species aus der spater zu besprechenden alpinen Trias.
Hierher gehoren R h y n c h o n e 1 1 a d e c u r t a t a G i r. , T e r e b r a t u 1 a a n g u s I a t a
Schlolh., Spi ri fer Men tzeli Dunk., Retzia trigonellaSchloth., En -
ci'inus gracilis Buch. In petrographischer Beziehung \\eicht besonders der
untersle Muschelkalk Oberschlesiens von der lypischen Enlwicklung im wesl-
lichen Deutschland ah, indem er nichl aus dtlnnplattigem Wellenkalke und Mer-
geln, sondern aus dicklwnkigen Kalksleinen besteht, auf welche machtige Dolo-
mitablagerungen folgen. Zugleich hat die Machligkeit dieser unteren Gruppe
auf Kosten der mittleren und oberen Abtheilung ausserordentlich zugenommen,
indem sie 170 M., die der beiden andoren abor nur 20 und 10 M. betriiiit.
3. Der Keuper.
Der Keuper, der obersle der triassischen Schwbtencomplexe, lu-sleht haupt-
siirhlich aus bunten Mergel n von vor\v;illond rolher, aber nebrn dies«-r auch
\ I. Hi.MoriM'hc
385
griliier, golbcr. graurr. brainier und blauliehor Fin-bung, die entueder lagrn-
\\eise scharf mil einandcr almechseln, odcr Flammon. Slreil'en uml Flcckcn
ini (ininde der andercn bilden. Zn dicsen .Mi-rgeln uesellcn sich als dcren
beslandige hegloiu-r Imnle Sc h i e fe r I o 1 1 «• n uitd Thono, sowie Gyps, An-
hxdril. Sal/lhon und Sleinsalz. Dor <i\ps trill ini Kctipcr nicht nur in
h.nii umvLiclmiissiucr Sliickc und Liiiirr, so\\ ic diinnucschichtclcr Flolxc, son-
<lc-rn iiurli und /\\.ir sclu- hiiuli|j; in TrUincrn, Adorn und Schiuitxon mil den
.Mci-i-lii ncl/.iirlii: \crlloflilcn auf. Sandstcine, ineist foinkornig und u;raii.
ui'iinlich odcf rollilich lici'iirbt , nchnicn eincn l)cdoulcndcn Anlheil an dcr Zu-
sanuncnsc'lzunti dcr Kcupcrlurination und x\var nainontlicli dcren untcrslcr und
nlirrslrr Klajze. Kndlich orsclKMiicn auch dolom itischc Kalkslcinc und
Dolomite, moist fein krvslallinisch odor dicht, seltcn cavcrnbs und poros,
ividi iin oriianisdicn Hivslon in «>in/.(>lnon Biinkon odcr Complexen von unbe-
drutrnili-r Miichti^kcil und croiVnon zuweilcn, so am ohoron Neckar, die Scliich-
Iciuvihc dcs keuper. ALs sohr untorticorduolc Gliodor dicscr letztercn sind
schliosslich noch schwarzo, zuin Thoil von Pflanzenresten angefullle Kohlen-
Idlcn und unrcinc, thoniiic Kolilen (Lettenkohlo) anzufUhrcn. Bei Sie-
\\iriv. in Polon \\ord(Mi Z\MM :JO bis 50 Zoll miiohtigo Flotzo und oin 80 Zoll
miichliuos Flolz \on Koupcrkohlcn mil Vorlhcil abgebaut. In Thtiringen komml
Lcllcnkohle namcntlich bei Mattstedt unweit Weimar, bei Tcnnstadt, Milhl-
hauson, Sonneborn, Arnstadl vor.
Palaeontologischer Charakter. Sind auch die Gattungen Equisetites,
verlreten durch E. arenaceus Brong., E. columnaris Brong., E. Lch-
mannianus Gopp., - Taeniopteris mil T. vittata Bronn (T. ma-
rantacea Presl.), -- Anomopteris mil A. Mougcoti Brong., -- Pe-
copteris mil P. Stuttgartensis Brong., — Clathrtopleris mil Cl.
MUnsteriana Schenk., -- noch hbchst charakteristisch fUr den Keuper, so
i.mucn doch dio Epuisetaceen und
Farnc bereils an, etwas in den Hin-
u-rurund /.u trclcn , wahrend sich
die <1\ cad ceii auf deren Kosten
zu entfalton beginnen. Ptcrophyl-
Uiin Jaegeri Brong., Ptero-
|i h \ 1 him Brauniaimm (;i>|>|).
sind ilirc \crbrcilctslon Angehbrigon,
\\iihn-nd in dentJallungcn Za in ilcs.
Pier i./ . i mites, Otoza mites ganz
IHMIC (lyadeen - Typen ersclici-
Ki-n. Nclti-n ilmcn spiclen auch C o-
nifcren eine nicht unbcdriiimdc
Hollc; ihr liauptsiicliliclisler Vertrelcr Fig. 211. Ptorophyiium J.egeri wrong,
ist \\ic im Bunion Sandstcine Voltzia heteroph y I la Brong. (Fig.
mil, \\ohlcrlialtcncnSUimmen, Z\Ncigcn, Ulallcrn, BlUthen und Fruchtzap on.
Zu ihncn gcscllen sich die neucn Galtungcn 1'allisya, Thuiles, Pa laeoxy ris.
Die Fauna dcs Keupors ist eine sohr iiimliche. In don Mergeln und Dolo-
C'redner, Eleuieuto d. Geologic. 25
VI. Hi>lmi>rlie
milen linden sidi /.u\\cilen (i e r \ i 1 1 hi snri;ilis. Te re bra I u hi \ulgaris.
1'osidonia Kslheria iniinil;i All). (Fig. 2 I i . l.ingula t e n u i ssi in a
•Bronn. in manchen Schielerlelten mid Samlsleinen t'nio mid Anodonta.
Kin/cine l.agen des Sandsteincs sind auch \\olil
gan/ erfilllt von Fisch - und Sauricrreslen. so
von Hybodus, Acrodus, Saurichthxs
und K op r i»l it he n, so\vic von Knochen- uud
/alinfragmenlen von iNothosaurus so\vie Ma-
st odonsaurus Jaegeri Holl., dcsscn voll-
slandig erhaltener Sehadel ebenfalls ;ius dem
Fur. 212. Posidonia (Estberia) minnta Kfllpcr bokaillll ist (Fig. 213). Ulller den
l-'isclien ist Seinionotus Bergeri Au. (Fig.
•2\\ li(M-vorzuhel)eii. (lessen auscczeichnct erhaltene AhdrUcke aus dem Kcuper-
s;inds(einc von Coburi: crkcnnen lassen, dass /war die UHSN minetric des Seli\\an-
zes dieses Ganoiden allerdings nocli vorhanden , aber bei Weiu-in nicht so
stark entwirkelt ist. wic bei den heleroeercalen (ianoiden der palaeozoisclien
Periode. Kin anderer Fisch Ceratodus , (lessen flachc. faehcrfonnii: licfiiltdr
Ziihnc nauiiMitlich in der Letlenkohie WiirteinberiiS und Thttrini-ens haulii: sind.
hat neuerdinps deshalb bcsonderes Inleresse auf sich gezogcn, well man dieses
bis jel/t filr aussehliesslich mesozoiseh gehaltene Dipnoier- Genus in Auslralien
noch lebend gefunden hal.
In dem oberslen Keuper (Bonebed) von Wiirtemher^ findel sieh ein selte-
ner kleiner z\\ eiwurxeli^er Zahn, der einem Beu tclthicre zugeschrieben v\ird,
d;is m;m Microlestes antiquus Plien. genannt hat. In ihin Ireten uns
die Iteste des iiltesten, die Erde l)ewolinenden Saugethieres entgegen. Audi
in dieser Classe erb'fl'nen soinil die unvollkomnienslen Vertreter den Beigen.
der in der .Mannigfaltigkeit der .lel/lwelt gipfeln sollte.
Gliederung des Keuper. Wie der Muschelkalk liisst sich auch die
Keoperfonnaiion geWiJbnlicb auf cine gan/, natiirliehe \Veise in drei I'Uagcn
gliedern, \\elehe freilich in ihren verschiedenen Bildiinirsi-iinnien in einer setn-
weehsclndcn Miielitigkeil und nielil mil iinnicr denselben petrographischfeD
l-jgenlhUniliclikeiten cnt\\iekelt sind:
a) U nte re oder Le I ( en k oh I e ngruppe. Sie erreieht etwa 70 M.
-Miichtigkeil . sehliesst sieh eng an den Muschelkalk an und \\ird \on inanchcn
(Jeologen zu dieser Formation gezogen. In inanehen (icgenden? so in Lothrin-
gen und im Jura bcginnt diese untere Kcupcrelage mil t.'inem Complexe von
bunlen .Mcrgeln. (i\ps, Salzthon und auffallig regelin;is>ii;i'ii. bankarligen Slein-
sal/lagern . in anderen Keuperdislriclen . so in denen von Baden, \Viirlcmberg
und Frankcn, v\ird diese Steinsiil/bildung (lurch cine oO — 100 F. inachtige
Ablagcrung von /.urn Theil vollkommen zuckerigem Dolomite mil M \ophoria
Goldfussi Alb. verlrelen , vviihrend in noch anderen Hezirkcn . so in Thii-
ringcn und am Harze \\cder das Slcinsalz noch der Dolomit zur Ausbildung
gchniiil i»t. Ilier beginnl die Kcu|>erformalion dire«1 mil der in Suddeulsch-
land erst -mf die Dolomite folgcnden echlen L el I e n k oh I e n g r up pe. Ks
ist dies ein iO bis 50 .M. maehliuer Schii-htencomplex N on grauen Sandstcinen.
\ I. lli>ltirisrlit>
dunkrlrii l.rltru und ScliiH'rrlhoncn mil /aliln-irlicn I'fljin/cnrcslcn und von
MiT^flsrliii'l'iTii. /inn Tlicil voll von klcinrn Srhalf-nkirksrn;, /\\ ischcn v\<-l-
rhrn in Thiiriniii'ii . Frankcn. Sch\v;iltcM , l.olliriniicn und in drr (Iciirinl von
H;iscl scliniiilc Kli)l/.(> \on Ihoniiior, uni'cincr . nur sclltMi ;il)l);iu\NiJrdiiicr Kolilc
cinucsrli;illfi >ind, Kiiuisclili-s iirrniircus. Kijuisditcs colunuiiiris, Tjicnioptcris
Ki-. Ul:i ;i ti ml li.
IISc. Fig. 211.
Fip. -I', a Schiidol YOTI Mastodi>nsiiuni> .lai'^'pi i Hull, li Zalin v«n Ma.-tmi.ni -auni?-. r • Diirrlischnilt eines
/,;ihi> Impure*, die gelrfrBarag gewandenvn /ulii^nli.-tiiiizen KCigoiid. — Fig. 211. bchwanz
von BomioBOtM liergeri Ag.
villala. Volt/ia lirloropln lla sind 1'iir ilicst- (iruppr hcsonders Itcxriclinrnd.
Ihrcn Ahsrliluss utul riiu-n scliaiT Ixv.eichnelen obercn llorizont findct dicse
25*
388 \l I
lel/.lere in einigen Riinkcn eines dichten oder fcinkornigen Dolomites oder
Kalksteines. \\ richer namcnllich Myophori;) Goldfussi, Gervillia socialis. Terehra-
tula Milgaris, Posidonia Kslheria) miimla filhrl. Abgesehen \on Cbcrrcslcii \on
Fist-hen uiul Sauricni, \\elche /.. li. bei Tubingen mid llcilliromi und an \er-
schiedenen Punkten Thnriiigens cine formliche Knochenbreccie bilden, und von
Zalmen dos Ceratodus haben sich in der Letlenkohlengrube wohlerhallene
Skeletlheile. so die Sehadt'l von Mastodonsaurus Jaegcri gcfunden.
b) Miltlere Gruppe, bunlc k <• upermergel. Die Miichtigkcit dirser
hoohst chariiklcristischcu grollfarbiiion und buntschrckiucn Mcriicljzruppc sch\vankl
100 und 300 M. In ihrem untrivn Nivoau unifassen die lumten
EiiiiageraDgeD von Gypsen und Thoncn, \vclehe, abgesehen von
Liibyrinthodonten-Knochen, Zahnen und Koprolithen, sowie von Unio-Abdrilcken,
aller organischen Reste bar sind. In den oberen Horizonten dieser initlloren
Keupergruppe hingegen wechsellagern die bunten Mergel mil 3 bis 5 M.
nijichtigen Sandsleinschichten oder Thonquar/en und bisweilen , so bei
Coburg, mil Dolomilbiinken. Erstere fiihrcn Ecjuisctites arenaceus, Equisetites co-
luinnaris, Taeniopleris vittata, Pecoplcris Stultgartcnsis, Pterophylluin Jaegori, so-
\\ic Labyrinthodonten- und Fischresle. Unler lot/teren ist namentlich der hei
Coburg gefundene Semionolus Bergeri seiner ausgezeichneten Erhaltung \vegen
hervor/uheben.
c) Obere Gruppe, das Rha't, Zone der Avicula contorta.
Schichencomplex von vorwaltenden, hellen, feinkornigen Sandsteinen , \velche
von grauen, sandigen Schieferthonen Uberdeckt werden und die Reste \on
zahlreichen Gefasskryptogamen und einigen z\vanzig Gymuospermen mn-
scliliessen. Sie finden sich namentlich im Rhat von Theta bei Bayreuth und
von Veitlahn bei Culmbach. wo sie durch ihre Hiiufigkeit zur Bildung schvva-
cher Kohienfldtze beitragen. Die wichtigsten hierher gehorigen Formen sind:
Equisetites Lehmannianus, Equisetiles Miinsleri, Asplenites Ottonis, Zamiles
distans, Pterophyllum Braunianum, Pterophylluin Milnsteri. Diese Rhatische
Flora ist zwar der des Ubrigen Keupers nahe verwandt, jedoch erscheinen
ihre wichtigsten und charakleristischslen Vertreter erst im Rhat selbst und
gehen zum Theil in die Juraformation tiber. Man hat deshalb wohl auch die
Rhatische Gruppe zum Lias, also zum untersten Jura gezogen , oder dieselbe
als eine Zvvischenbilduni; /.\\isehen dieser Formation und dem Keuper be-
zeiclmct.
Die Schichtungsflachen des den eigentlichen Rhatischen Sandstein ilber-
lagcrnden Schieferthones \\erden nicht selten von Taeniodon (Protocar-
diuiii) Ewaldi Born., Anodonta postera Fraas,
Proloeardium Hhiiticum Mcr., A \ieula contorta
Port. (Fig. 215), Posidonia (Estheria) minula All*,
in dichlem Gedriinge bedeckt. Der oberen I'.tage dieses
Fco'n2tortaVona Saiulslein- und Schieferthoiicoinpleves geho'ren einige dllnne
Lagen an. welche bei einer Miichtigkeit von nur einein oder
wenigen Xo|len (tfl dennaassen mil Ziihnen und Knochen von Fischen und Sauriern
angefilllt sind, dass sie eine fbrmliche Knochenltreccie bilden und Bone bed ge-
\ I. Mistorisrhe ("leoln^ie. 380
nannt werden. Die hiiuiigsten Fiseh/iilme dieser Scliiehten gehoren Ihbodus
minor, Acrndus minimus mid Saurichthys acumiiKitiis. die Reptilienreste den
Gattungen No t hosau rus, Termalosa u rus und Relodon an, wolche den
liassisehen Plesiosauren schon nahe verwandt sind. Aus dem Bonebed und zwar
;ius der \iihe von Stuttgart stammen aucli die ben-its ervviilmten Ueulellhier-
zahne Mierolesles antiquus . Die obere Ktage des Keuper \vird wegen ihres
Heielithunies an der allgemein verbreiteten Avicula contorta Port, als Zone der
A\ir. eonlorla be/eiehnet.
Vcrbroitunu; der Trias in Deutschland. Die q|>cn boschriebene eehte
Trias ist eine fast ausseliliesslich deutsche Formation, nur bei Basel und
am Westabfalle der Voiiesen, sowie in 01)ersehlesien Uberschreiten ilire iiusser-
slen Ausliiufer die Grenzen Peutsehlands. Innorhalb dieser lelzteren kann
man \ier unissere, zuin Tlu'il sehr ausgcdehnle triassische Territorivn unler-
schciden : das norddeutsche , das friinkisch-schwiibische , das vom Elsass und
Lothrintjen und das oberschlesische. So gehoren denn die Flussgeltiele der
\Vei-ra , Fulda und Leine , der Unstrul und der Saale , des Mains und des
Neckars xum iiriJssten Theile dem Gebiete der Trias an. In Norddeutschland
nelmien triassische Gebilde die game \veite Fliicho zwischen Tliiiringer Wald
und ]\;\n ein, so dass Weimar, Jena, Erfurt, Gotha und MUhlhausen auf
triassisehem Bo<len gebaut sind. Von Thiiringen aus dchnt sie sich in nord-
\\estlielier Richtung ilber die Weser, ilber Pynnont bis in die Gegend von
Osnabrilek und Ibbenbtlhren aus, timgUrtet, wenn auch zum Theil von Jura,
Kreide und Diluvium Uberlagert, den westlichen, no'rdlichen und ostlichen Ab-
fall des Harzgebirges und bildel zahlreiche Erhebungen und Rtlcken in dem
IliiL-ellande von Hannover und Braunschweig, sowie in demjenigen zwischen
Eisleben und Magdeburg und trill endlich in Gestall kleiner isolirler Inseln bei
Uineburg und l>ei Rtldersdorf (unwell Berlin) aus dem Diluvium der nord-
deutsehen Tiefebene und auf Helgoland aus der Nordsee hervor. Die uord-
deutsehr Trias ist demnach von einem Meere abgelagert worden, Uber (lessen
Spiegel (U-r Mar/ als eine Insel palaeozoischen Ursprungs hervorragle und
di-sscii sildliches Ufer der Thllringer Wald und weiler osllich die dyassische
Zone von Saalfeld-Altenburg bildele.
l-'.in noeh bedeutenderes Terrain nimml die Trias in Silddeutschland ein
und bildel, nn Allirfineinen betraehtet , eine \\eite flache Mulde, welche nord-
iistlicli vom Fichlelgebirge und ThUringer Walde, \vesllich \nm Sauerlande,
dem Taunus, den Granit<?n und Gneissen des Seliv\aiv.v\ aides und dem Rhein-
thale begren/.t und nach Sdden und Osten zu von den jurassischen Gebilden
der Rauhen Alp und der friinkischen Schweiz gleichfdrmig Uberlagert wird.
Die Stiidte Hamberg, \\iirzburg, Heidelberg, Heilbronn, Stuttgart, Ansbach,
NUrnberg und Erlangen liegen im Gebiele der stlddeulschen Trias.
Jenseils des Rheines setzt diese Formation das ganze Haardtgebirge , die
grbssere nordliche Hiilfte der Vogesen und das lothringische IKlgelland west-
lieh von diesen zusammen. Von diesem ausgedelmten Areale aus y.ielit sich
eine schmale triassische Gesleinszone in nb'rdlicher Richtung zwischen Luxem-
burg und Trier hindurch , und, (lurch spiitere Auswaschungen in einzelnc
:>90
Schollrn /.ersehnitlen. ilher (ien.lslein (lurch die Kifel his n;icli dem durch sei-
nrn Bleiglanzbei^gbau brriihmlrn (lommern. In jedem dieser drei \ 'erbreitungs-
i:ebiele der Trias sind Hunlsandslrin , Muschelkalk und Keuper in einer von
der hesrhriebcnen normalrn Schichlenrrihe nur \vrnii: abweiohendeti Wrise
zur Ausbildung gelangl. Nur in jenem ehen envahnten niirdlichrn Ausliiufrr
der lothringor Trias ist die untero Abthrilung des .Muschelkalkes in dor
(lurch sandigc Bildungrn verlrolon, dass sic nnfiinglich (so bei
nur den Wcllcnkalk, wcilcr uacli .NOrdcn auch heroits die mktlere Gru|)|>(' drr
.Muschrlkalkroriuation rrsrt/.rn , his rndlirh {-/.. \\. an drr Attri't; die (irsaininl-
inarhliiikeit des Musrhrlkalkes auf 4, ja bis 7,11 rinein Fusse horahsinkt. Dirst-
ausserordrntlirh sc-hwachr Knlwicklung des Muschelkalkes hrrritrt auf dir (MIL:-
lische Facirs der Trias vor, \voselbsl jene Formation gar nicht inehr x.ur Aus-
bildmijz lii'langt ist, sondern wo Keuper direct auf Buntsandstein lagrrt.
In drm virrten der deutschrn Iriassischrn Districte, dem von Oberschlrsirn.
sind allr drri Abtheilungen der Trias, \venn auch in wenig vollslandiiirr Knt-
\\irklung der einzelnen Glieder vertreten. Dort bildol dirsr Formation das
\\rllige F"Iachland und die bis zu 400 M. hohen Bodenerhrlningrn . \\rlclir
sich aus der Gegend von Oppeln und Kosel an der Oder in ostlicher Ridituui:
his nacli Polen hinein erstrrckrn und gr\\innt durch ihre bereits er\vahnlr
l^r/fuhrung eine grosse technische Bedeutung. Von den drei UnterabtheiluiiLirn
drr Trias hat der Buntsandstein die geringste Ausdrhnung, brschrankt sicli
auf schniale Streifen am Bande der Muschelkalkziige und wird durchsclmitllich
30, seltener 70 Meter machtig. Der Muschelkalk bildet einen (il)er 10 Mri-
Irn langcn und 1 bis 3 Meilen breiten, flachen BUckrn, \\rleher sich MMI
Krappilx an der Oder ilber Tarnouitz und Beulhen bis nach Olkusz in Polrn
ziehl und an welchen sich beiderseilig xahlreichr Ausliiufer und isolirtr. ins.-l-
formige kleine Partirn anschliessen. Seine Machtigkeit betragt fast iOO M.,
urn denen et\va 170 auf die unlere, 15 auf die mittlrrr und rl\va rhrnsoN irl
auf die ol)ere Ablheilung des Muschelkalkes kommen. Der Kruprr ist in
Oberschlesien bis 200 M. machlig, nimmt, freilich zum Theil von einer Dilu-
vialdecke verborgen, einen gegen 100 Ouadralmeileii grossen Fla'chrnraum im
Nordrn des Krappitz-Olkuszer Muschelkalkriirkrns ein und l>esteht aus den
Arquivalrnten drr wrstdrutschrn I.ellenkohle , der Mrrgrli-ruppr und endlich
des Bhiil. Die Trias isl somil in Oberschlesien sehr vollstundig rrpriisrntirl.
in .Nirdrrschlrsirn hingegen sind nur Buntsandstein und Muschrlkaik und x,\var
innerhalb der bereits friiher erwahnlrn dyassischrn Mulde \un l.oucnhrrg.
Goldberg und Bunzlau in Gestalt einer schmalen Zone, die sich dem Zerhslein
anschmirgt, verlrelen.
La^cruiigsverhiiliniss der deutschen Trias. Dir ScluVhtrn d.M
Trias sind iibrr\\ irgrnd regrlmiissig (lach muldrn- odrr lellerformig. /inn Theil
last \ollkonmien horizontal gelagrrt und haben nur an den Handern der
(iehirge et\\as hrdrutrndrrr Storungen , also eine steilere Aufrichtung. so\\ ie
KnickuDgen und Biegungen erlilten. Kinen Einblick in einen drrai'ligen rl\\as
comj)licirlereii Schichlenbau gexviihrt /.. B. der Hahneinschnill bei Sulze in
Thilringen, \\o die Schiehlen des Wellenkalkes virlfach grknickt und gehrochen
VI. Hislori-
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siiul. fine Krsclu'inuiu:, \\.-l.-hr sirh aul' dor dort dinrhsi-t/rndi-n Dislocations-
s|);illt' inciliMmcit m'jji'ii Osl und \\Vsl forlset/l. Almliclu- Aufsclililssc bioti-n
sic-li ini 'runnel ties llaurn- rt
slcini-s iiu .luraucltiivr. \M»
die siiinintliclu'ii Sohu'h-
Icn (It's Roth, dcs Mu-
srliflkiilkos unil ill's kcu-
|MT ini-linnals uclalU't. SO-
i:ar jlbcri:rki|)|)t sind, l)is
sir t-mllirli ini silillk'lu'n
Theili1 lies Tiiiini-ls ri-iit'l-
iniis.sit: \on (li'iu untcrt'ii
Jura Ubt-rlaizrrt \vcrden
siclit- \:\ii. i!6).
Srhr hiiulii; siiul ilif
Schichlencomplexe der
Trias von sehr betracht-
lii-lu-n Dislocalionen be-
(roIVfii worden. Dies 1st
vor/Aiiisweise in tier Niilir
von (Icbiriis- und llbhcn-
xUii»-n diT Fall, deivn
Ictxte Hebungsacle in post-
triassisclie Zeitriiume fallen
und ilcr Mcbuniislinie par-
alli-U- Spaltenbihlunucn in
den bcnaclibarlrn Iriassi-
si-ln'ii (ii'birttm im Ge-
folge batten. Diese KUIII
Tlu-il sclu- \\cil ausiii--
di-hntrn Spalti-n uabcn
Vcranlassun^ /.u VCIANCI-
t'unizrii. in Foliii- dcrcu
Muscliclkalk odor sclbst •
Kcupcr in das Niveau ilcs
Huntsandsteinessankcn, so (
dass sic iiii-hi sclten un-
Icr Icl/.lri-rn ein/ufallcn
sc-hi'incn. Sclir iic\vohn-
lich sind diese'Erscheinun-
1:1-11 in ThUriniicn, (lessen
Trias von mehreren, drin
Tliiiringer \Valdr /icinlich
parallelen Dislocatioiislinieii dinrhsi-l/t und /.u wiederholten Mak-n si-l.r
ti'iid \er\vorfiMi \\ird.
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302 VI. Histnrisdie
Audi <lio Trias der Vogescn \\inl \on ciner ct\va 1 ."> Mellon langen Dis-
localionsspatte durdiset/.t. Der \\estlich von derselben gelegene Gehirgslhcil
ist so \\eil beraufgeschobeo \\ordei), dass die unlerste Trias der Yogesensnnd-
slein) den in der (legend, durch welche beislehendes Profil ge/ogen ist 'siehe
I;ig. ^17;, i:ti<) 1;. hnhcn Kainiii des Gebirges bildet, \\iiliiviid dcr ostlidi
von dcr Verwerfun^sspalte liegende I-'liigel dcr triassisehen Formation in dcr
Ticfc /urilckgeblieben , abcr cine Aufriditung seiner Schichten erfjihren lint.
\\clchc bci dcr Bmportreibung des Vogesensandstcincs aufwiirts geboirrn und
iicsclilcift \Mirdon. Znbern liegl auf Muschelkalk , tiber welchen abcr irri_'cn-
\\jirliit dcr urspiiiniilidi \veit liefer liegende Vogesensandslein inehr nls 200 M.
aufragt. Die Schidilen der Trias, \\cldic auf der gehobenen 1'artic des Bunt-
sandstcincs auflngern , haben durch jene Hebung ein (laches Kinfallen nadi
Westen erhnlten. - - Die Anzahl der Beispiele von Schidilenstiirungen triassi-
seher Ablagerungen liessen sich aus fast jedem Triasterrain bedeuteixl \ei-
inehren.
Lothringen Vogesen Elsass
Lixheim Pfalzburg Zabern
Fig. 217. Profil dnrch die Vogesen.
a Vogesonsandstem. — b Buntsandstein. - c Mnschelkalk. — d Kouper.
Eruptivgesteine ini Gelnete der dentschen Trias. War die <l\as-
sische Periode das Zeilalter zahlreicher und gewalliger Eruptionen von Por-
phyren und Melaphyren , so sind wahrend der Ablagerung der Trias Duivh-
briiche von "luthflQssigen Gesteinsniassen auf deutschen Territorien nidit er-
folgt, so dass hier die gesaiiiinte triassische Schichtenreihe ausschliesslidi sedi-
mentaren Ursprungs ist. Audi in spiiteren Zeitaltern waren die Gebiete deut-
scher Trias nur selten der Schauplatz von Gesteinseruptionen, - - es sind allein
Basalte und Dolerite, welche in Ga'ngen und Stb'cken den Buntsandslein.
Muschelkalk und Keuper durchsetzen und isolirte Kuppen auf deren Ob^rflflche
bilden: so Nephelindolerit den Kalxenbuckel, Basalt den Steinsberg bei Weilei
unweit Heidelberg und zahlreiche Kuppen auf dem Slldabfalle des Thilringer
Waldes (die Steinburg bei Suhl, der grosse Gleidiberg bei Roinhild, der Geba -
berg bei Meiniiigen}, sowie in der Rhon und in <ler Uingebung des Vogels-
berges.
Die englische Trias (New-Red-Sandstone-Group).
In England sind nur die oberslen und untersten Glieder der Trias, nidit
aber der Muschelkalk zur Ablagerung gelangt, so dass der Huntsandstein.
\veldier die Basis bildet, nach oben unmittelbar in die Keupennergel ilber-
geht. Dcslialb und in Folge der Versleinerungsannuth jener Schichtencomplexe
ist cine sdiarfe Trennung /svisdien Buntsandstein und Keuper in England
unmoglich.
Die englische Aei|iii\alenlbildung des deutschen Bunlsandst e i n es er-
393
Trias in Dcntschlaml und England.
1 liiirini;. n und Siiddvutsrhlund
Oborschlcsion und Polcn
England
-
e
7
Rhatische Gruppe.
Knochonbron-ie (lionobod), Knochen-
und Zahnfragini'iiti-. von KiM-hon und
!.'• I'tilion, sowio mit /ahiiPn von
Mi.-i.
Sandstoino init Avioula contorta,
Tat-niudon Ewaldi, Anodontn
postora, Prutoi-ard. Kliactii'Uin. Equis.
Lehmanniaiius, Ptoropbyllum I'.rau-
nianuni.
Rhatische Gruppe.
Hollewalder Estherienschichten mit
K-tlu'ria miniita.
Wilsdorfor Schichten mit pflanzen-
ffihroinlc'ii Spli;u>rosidoriton. (1'teroph.
Hraunianum, Asplenites Ottonis,
Equis. l.ehmaunianus.)
Zone dor Avicnla
contorta.
Sandstoine mit Pos. mi-
nutii, Avic. contorta,
Prot. Kliaoticuin, I'.onc-
bed mit Acrodus, llybo-
dns, Saurichtys, (iyro-
3
to
•Jd
Jlittlerer
Keupprmergel init SandstPinoii
OdPrDiiluiiiittMi. mil Taeniopteris vit-
t.ita, IVropt. StuttgartPiisis, I'toroph.
Japgori, Seminnutus P.ergeri.
K. •upermergpl uud Thono init (! y p 1-
I'iulagernngen und Labyrintho-
donten-Resten.
EigentlichorKeuper, bunte
Thoue, welcliPii die Kalkstoine von
Woiscbnik, die Breccien von Lissau,
die Kohlon von I'lanowico, din Eisnn-
stfiiio von I'oremba (zum Theil mit
^Sanricbtliys, Termatosanrns),
zwischengelagert sind.
Bunte Mergel mit einzel-
non Sandstoinlagen, so-
wio mit Gyps und Stein-
Keupersandsleine mit
I Illcrei-
Feinkurnige Dolomite mit Myophoria
Goldfnssi, Mastodonsaurus, Cerato-
dus.
Lettenkohlengruppe mitEqnis.
arpnacpus, Equis. colninnaris, Tae-.
niopt. vittata, Posidoniaminuta, Sau-
rior- nnd Fischresten.
D»lomit in Scbwaben.
Lett en kohl engruppe vonGross-
Strehlitz/farnowitz n. a. 0.
(Graue und rothe Thone mit braunem
Dolomit und grunlicbem Sandstein.i
go In.
Dolomitisches Conglome-
rat mit Reptilien-Resten
(Thecodontosaurus) und
Palaeosaunib).
1
\t rio drirbs bailor Kalk odor
11 a n [i t in u s r h P 1 k a 1 k, Thonige
KalkstoinplattPii mitC'orat. nodosns
Nnnt. bidorsatus, Myoph. ppsanspris.
Obere Terebratelbank mit Ter. vnlga-
ris. Striatenkalk mit Lima striata.
Oborp Troi-hitenkalke mit Encrinus
liliiformis.
Rybnaer Kalkstein und Dolomit (Opa-
towiUer Kalkstein), Cerat. nodosns;
\ii-lc l-'isdi- und Saurier-Reste, Acro-
dns, Hybodus, Saurichthys, Notho-
saurns.
-
-£
-
MiltliTlT
Anhydritgrnppp, Dolomite, do-
Iniiiitische Mergel, Gyps, Anhydrit,
Stoinsal/. und bitum. Kalko. Va*t
versteineruugsleer.
E b <• n f 1 a <• h i g e K a 1 k p 1 a 1 1 r. n.
Mergolige Dolomite, versteinerungs-
leer.
M u*r he U
I Illeivr
/ Mergplkalk oder Wellenkalk voll
Myoph. orbicularis.
• Bank mit Spirifer hirsntus.
(/ S .- h a n m k a 1 k , Mphlkalk mit sehr
zalilreirhpii Myopliorien.
r W e 1 1 p n k a 1 k , Lima lineata, Myo-
phor. vulg., BUPP. grptfarium, Co-
rat. Buchi.
b Wellendolomit.
a T ri gnu ion ba n k.
H Himinelwitzer Dolomit mit Cylin-
drum annulatum, Myoph. vnlgaris.
/ Si-biuiinkalkartigor Kalkstein von
Mikultsrhut/. mit Retzia trigonella,
Spir. Ment/oli, Rhynrh. dpcurtata,
Ter. angusta, Dadocr. gracilis.
e Encriniten- u. Terebratpl-Schiohten.
</ Schaumkalkiihnliche Schichten von
Gorasdzo.
c Blaupr Sohlenstein, Tor. angusta.
Spir. Mont/oli, Cid. transversa.
b Grauor Kalk von Chorzow, Encrin.
liliifonnis. Dadocr. gracilis, Ter.
vulgaris. Gerv. socialis, Pect. disci-
tes, Pect. laevigatus, Naut. bidor-
satus, Hybodus, Saurichthys u. a.
n Cavern. Kalk (vesteinernngsleor).
Fehlt
X
1
O
Wol IP n do lo mit mit Khizocoral-
lium, Myoph. vulgaris, Gerv. socialis,
Gerv. costata, Cerat. I'.uchi, Pect.
diM-ilo~. Kr, tli, bunte Thonp, Mprgol
und Schieferlptten, sowie Gyps ; mit
Myoph. costata. Chirntliorioiifabrton,
Voltziaheterophylla, EquisptiteH aro-
naceus.
Brannrothe Thono und dunngeschich-
tetp, weisse, mprgolige Dolomite des
Roth, mit Myoph. rostata, Gerv. so-
cialis, Gerv. costata, Cerat. Buchi.
Bnnte Lctten und Sand-
u n ts;i n il
~
llauptbuntsandstein: mach-
tige kleinkornige Sandsteine mit
Thongallen und Voltzia heteropliylla,
An..inopt. Mongeoti, Equis. arpna-
. . •!!>, Trcmatosaurus,
Lose woissp Sandp ; sehr murbo,
>toine mit vorkioselten
Conifnren-Stainmon nnd
Chirotnrion-Fahrton.
Kioselige Conglomprate.j
-
.l.l.I.I)Ufl
I: iintfl Mergel und Schieferthone
mit (iyps, in Wechspllagernng mit
-i hwarbon Sandstoinlageriingpn.
Rogenstein, am Harzrande.
Vogesensandstein indenVoge-
sen und im Scbwarzwalde.
rungsleere rothbranne Letton.
VI. HistMrisrlic
ivirhl :?(•() .M. .Miiclitiiikrit , hcsldit \or\\;illcn<l ;uis rothlichen und LirUnlichen
l.rlU'ii and rotlien Sandstrinen und umschliessl hier und d;i verki«'.selU> Coni-
fVivn.sta'mmc. \Vie in Deutschland, so sind auch in England, z. B. in Stor-
tun Hill bri Liverpool, Fusstapfen von Chirotheri um huuiig. - Der Keu-
per beginnl mil l-r>0, in Cheshire und Lancashire Uber 500 M. miichtigen Mer-
geln, \velclie Posidonia (Eslheria) in in u la ftthren und lenticuliire und
Iliitzartige Einlagrruniien von Gyps und Sleinsalz umschliessen , vvodurch sie
/in Hauplsalzformalion Englands werden. Auf sie folgt die Zone der Avi-
eula contorta (das Rhal) bestehend aus sehwarxen Schieferthonen, sovvie
aus weissen Sandsteinen mil Avicula conlorta, Prolocardi um Rhiili-
eum, Posidonia miuuta und einer dtlnnen Lage von Knochenbreccie, dem
Hnnebed, in welchein sich Zahne und Schuppen von Hyl)odus plicatilis,
Saurichtys apicialis, Gyrolepis tenuistriata, Termatosaurus,
also mil den Resten der deutschen rha'tischen Knochenbreccie identische Ske-
lelfraginente erkennen lassen. Der 'unterste Lias Uberlagert diese Schichten
gleichfbrmig.
Die New-Red-Sandstone-Formation in Nordamerika.
Die triassische New -Red -Sandstone -Formation besitzt in zvvei Regionen
des nordamerikanischen Continentes eine bedeutende Ausdehnuns : am Ostab-
falle des Alleghany-Systemes, zwischen diesem und dem atlantischen Oceane
und zweitens in den Rocky Mountains. An der atlantischen Kilsle l>ildet der
New Red Sandstone langgezogene schmale Streifen, welche den Gebirgsriicken
der Alleghanies parallel laufen und trogartige Vertiefungen und synklinale
Thaler innerhalb der laurentischen uud huronischen Formation ausfullen.
Dieser triassischen Zone gehb'rt der New Red Sandstone an, welcher die Prince-
Ed wards -Inselo (im St. Loreuz-Golfe) ausschliesslich zusammeuselzt , die
I'omantische Westkilste Nova - Scotias , das weite Connecticut-Thai bildet, sich
durch New -Jersey, Pennsylvania und Maryland in Gestalt eines schmalen
Randes zieht und in Virginia, Nord- und Sildcarolina in Form zahlreicher iso-
lirter Schollen oder Recken auftritt. Obwohl sich diese triassisi-hon Areale
mil' cine Linie von Uber 250 Meilen LUnge vertheilen, bleibt sich doch ihr
petrographischer Gesammtcharakter auffdllig gleich: Oberall sind es rothbraune
Sandsteine , die einerseits in untergeordnete Schiefer, andererseils in Conglo-
merate Ubergehen und hier und da eine Rank von unreinem Kalksleine , bei
Richmond in Virginia und am Deep River in Nordcarolina werthvolle Stein-
kohlenflotze und Spharosiderite umschliessen. So sind bei Richmond \i»rr
I liil/e aufgeschlossen , deren unlerstes sich stellenweise zu 20 M. Machtigkeit
aulliliiht und zum Theil direct auf laurentischen Gneissen auflagort. Fast
uberall finden sich auf den Schichlenfliichen des SandsU>ines Wellenfurchen
und Eindrtlcke von vorweltlichen Regentropfen.
Organische Reste sind in dem nordamerikanischen New Red Sandstone
im Allgemeinen selten. Die aufgefundenen Pllanzen sind Conifer en (Vollzia
lu-U'ropliylla, Cycadeeu (Pterophyllum longifolium , Podu/amilos lanceolatus ,,
IV. llistorisdie
Fame iCIathropleris. Peeopteris Slutli:arlensis und I'- q u i se I a ee e n Eqniseti-
les eolumnaris \ besit/en also einen ausiiesproeheu Iriassisehen und /.war Keu-
peivharakter. I'nler den thierisehen Resten aus der amerikaniselien Trias
\\ieiien die von \Virbellhieren bei Weitem Nor alien tlbrigen vor und /war
uehoren sie niehl nur Fisdien und Reptilien an, sondern man hat aueh miter
ilmen die Spuren \on Siiuiiethieren, vielleidil auch Vogeln erkannt. welche
dann im Verein mil dem deutsdien Microlestes die iilteslen Warmbliiler auf
Erd«Mi repriisentiren \\iirden. Die Fisehe ;Calopterus, Ischypterus) sind Ga-
noiden mil seh\\adi heterocercalen Schwim/en. - die Re])tilien haben nur in
selleneu Fallen Knoehenlheile oder Ziihne (so im Bouelied von Phonixville in
Pennsylvania . meist nur ihre Fusstapfen in dem triassisehen Schlamme zuriiek-
i:ela»eu. Sie sdieinen /urn Theil von Labyrinthodonten her/uruhren, sdi\\an-
ken in ihrer (iriisse /wisehen \\enii;en Millimeter und 0,52 Meter, und sind
;><> \ersduedenen Speeies /uizesehrieben worden. Das colossalsle derselben ist
Oto/oum .Moodii, dessen llinterfuss 0,52 M. La'nge besass. Dieses Replil
seheinl v\ie ein Zwoiftlssler auf
den Hinterbeinen gegangen zu
sein und nur dann und wann
seine Vorderfiisse auf den Erd-
boden liebraeht /u haben, da
die Eindriieke der let/teren nur
selten deullieh sind. Zahlreiche
andere und /\\ar drei/ehige
Fusslapfen hat man von Vogeln
und /war \on 31 Species her-
i:deitel. Mandie dersellxMi sind
etvsa O.(K{ M. lanij (Bronlo-
/oum L:ii:anleuiu llitsch. Fig.
;Ms . so <l,-iss man bei ihrer
Tiele und bei der Grb'sse des Schrilles auf Riesengestalten schliessen darf.
\\dehe den Strauss um das vierfache und selbst die Dinornis von Neusee-
i.md an Dimensionen (iberragt. Kin in der Trias von Nordcarolina gefundener
Unterkiefer Droinatherium s\lvestre Einmons) gehb'rt iihnlich wie der Slull-
i:arter Mierdesles einem Reuteltliiere an.
Oberrnschend ist die Un/erlrennlichkeit zahlreicher dioritischer und
me laph \ ra rlijier Eru|)ti vgesteine und des triassisehen New-Red-Sand-
slones \on Nordamerika, welche Uberall, selbst in den kleinsten, schollen-
artiuen Piirlien der letzleren vergesellschaftel auflreten. Die Eruption dieser
Diorile und .Melaph\n- hat wiihrend der Trias|)eriode slaltiiefunden, so dass sie
/war die unteren Ilori/onte des New - Hed - Sandstones durchbrochen haben,
dann aber als einsliiie Decken in Form ausgedehnter und miiehtiger Plallen
den sedimenliiren Sdiiditenreihen zwischengelagert sind. Sie zeiehnen sidi
namenllieh durch zweierlei aus, durch ihre ausgepriigl siiulenformige Slrudur
und den Reiehlhum an sie beirleilenden Mim-ralien. Krsterer verdankt das
Connecticut-Thai einen grossen Theil seiner romautisehen Schonheit und
Fig. 218. Fussabdrnck von Brontozonm (Ornithichnitos)
giganteum nebst sog. vorweltlichen llegentropfen. •
VI. Ilistorische
Pallisadon
Hudson
sind die berUlimten I'allisaden des lludsonflussos oberlialb New-York (Fig. 219)
die Farade des Aus^ehenden oiner in lauler bis 130 M. hohe Siiulen abgeson-
(Icrten Dioriteinla^e-
rmiiz. In uenetischer
Yerbinduiig mil diesen
Dioriten kommen, v,ie
bereits angedeulet,
zahlreiche Mineralien
vergesellsehaftet vor
und zwar theils auf
Kluftfliichen in den Diorilen selbst, so die Apophyllite und Datolithe von Ber-
genhill bei New-York, welche in fast alle deutsche Samtnlungen m-langt sind,
fenu-r die Zeolithe des Cap Blomingdon in Nova -Scotia, das gediegene
Kupfer und Silber, sowie die Kupferei-ze von New-Jersey, theils auf
Die Gliederuna: der
Fig. 21'.». I'rofil durch dio Pallisaden oberhalb New-York.
Laurontisolior syemtischer GneisK, — b Triassischer Npw-Red-Sandtitoiip.
c Oiorit, in 130 M. hohe Sanlen abgesondert.
Vorarlberg
Bayern
und Nordtiiol
Berchtesgaden
und
Salzkammergut.
Niedor- R .. .
tetorreicb
Kliat
Kossener Schichten (GervHlien-Schich-
*
Hauptdolomit und Dachsteinkalk (Giiinbels
Lunerschich-
ten mil Gyps
Carditaschich-
ten
(Raibler
Schichten,
Steinsalz von
Hall)
Carditscliich-
ten
Opponitzer-
schichten.
Torerschichti-n
Lunzerschich-
ten mil Pflan-
zen des Schilf-
sandsteines
Bleiberger-
scliichtcii
(Am. floridu>
Schichten mil
Myoph. Keferst.
I'ix h- u. Pflan-
zenschiefei-
Reingrabener
Schict'rr
(Hal. rugosa)
Lettenkohle
Ariberger
Kalke
(v. Richthofen)
Wetter-
steinkalk
Einlageruni.'en
von S. Cassia-
ner Schichten
iin Hallstiidter
odor Wetter-
steinkalk
Hallstadter
Kalke
Zlambacher-
schichtcii
Reichenhaller
Kalke.
Salzgebirge.
(v. Mojsisovics)
Schichten <!«••'
Amm. Aon.
(Gosslinger-
schichten zum
Theil)
Ei-zfiihrender
Kalk
Tuff von
Kallwasser mil
Cassiancr Vcr-
steiiierunt!(Mi
Friedrichs-
halltT Kalk
Partnach-
schichten
Partnach-
Schichten
Halobien-
schichten von
Aussee
Potschenkalk
(v. Mojsisovics
(i(»s|jiii.'er-
schichten Li-
polda
z. Th. Halo-
biensrhichten
Wel-
len-
Virgloriakalk mil Dadocrinus gracilis,
Ruth
Werfener Schichten z. Th., incl. untere Guttensteiner Schichten, a. Seisser Schichten
I'.nnl-
sand-
slrill.
Sandstein von Groden,
VI. Mislorischf
\\elehe den benachbarten Nc\\ Hrd Sandstone in der Na'lie des (Ion-
(ados mil dem Diorito durehset/en, so die Selmerspalh- und Kuplerdanz-
uiinuc \(in (Innneelieut.
So viel uber die atlantische Zone von Ne\\ -Red-Sandstone. Die Formation
jrnseils des Mississippi, welchc man ftlr triassisch anjiesehen liat. l><--
sleht aus xiegelrothen Sandsteineo und Meriieln, ist reich an Gypsslb'rken, he-
dcrkl urnsse riiiclienraume am Ostahfalle dor Rocky Mountains, llberlagert das
Perm un^leiehformiij: und unlerteuft jurassisehc Schichtcn. Eine derartifie
Stellunii der lietreffenden Formation macht ihr triassisches Alter hbchst \vahr-
schcinlicli, wenn aueh ori;aiusehe Reste aus derselben, abgesehen von (Mni^i-n
Coniferenholzern, nicht bekannt sind. Endlich mag glcich an dieser Slellc bc-
merkt \\erden, dass im a'ussersten Westen des noramerikanischen Conlinentcs,
in der Sierra Nevada, Kalkc mil Resten der alpinen Trias auftrcten.
alpillOll Trias nach Emmrich.
Idria
Vciiftien
Sndtirol im
0. der Etsch
Siidlirol im
W. der Etsch .
Lombardei
ten, Avicula-contorta-Schichten)
untiTf Diiclisteinkalkc, Dolomia Media)
RaiMcrkalk mil
M\oph. Kefer-
stcini
Lunzer Sandstein
Raibler Schich-
ten
Schichten von
Heiligen-Kreuz
Schirhton
von Gcrno und
Dossena
Schichten mil
Myopli. Kefer-
steini
(Schlernplateau)
Rciiif:ra!>cner
Srliicfcr
Doloinjl
Hallstadtcr Kalke
und Dolomit
Schlerndolomit
Dolumit
Kalk von Ardesc
(Esinokalk
von Hauers)
llal<il>ii'nsc|iic|i-
tcn urid TufTe
St. C.assiano)
Tii He mil
lliil«hia Lommeli
und SrliirhliMi
mil
r,;i-sj,iiicr Vi-r-
•teineningei
kcn|iei>aii(lstrui
St. Cassianer
Schiclilrn
lliiluhiiMischirh-
Ifii und Tuffe
Buchensteiner
Kalkc, (v. Richt-
hol'cn: \ViMi.-<T
Schiclilcn
(Halobien-
schichten)
llalobicn-
sclliditrn
Rotzia tritronclla, Spirifer Montzi-li etc.
mil Posidon. Clarae, b. Campiler Schichten mil Naticella costata, Ceratiles Cassianus
WerfeniT Schii-litcn zuin Tlieil
il'.IS \ I. Hi.-i.iri-.rln-
Die Trias in den Alpen.
\\~ie iins (Icin oben Gesaglen her\org<>ht, li;it die Trias in jedem ihrcr
limgsizrbirte eine andere r'acies erhallen. In Deulschland zeiehnele sir
sich diirch die schaiie Dreigliederuiig iius, \\elcher .sic ihrcn Namen \er-
dankl, — in Kngland \\aren nur die oheren und unteren Ilori/onle, nicht
• iltcr der .Musclielkalk y.ur Knlnickelung gelan;.:!. in Nordamerika k;inn \nn
einer der iiorm;ileii Iriassischen analogen Gliederung des Ne\\ lied Sand-
slone gar nichl mehr die Rede sein, auf dcsscn Aeqqivalenz mil der oberen
deulseheii Trijis nur einiue \\cniue. heiden geinein.Siiine orujiuische Uesle
hin\\ei.sen% — am \\eileslen aber weicht die Trias, wie sie in den Alpen
/iir KnUvirkeluni: pelanut ist, sowohl in petrographischer, \vic palaeontolo-
uiM-liei- He/iehunu von alien iibrigen ab. War auch das Vorhandensein des
Mnsehelkalkes in den Alpen schon vor 60 Jahren nachgeNviescMi \\orden. so
bedurfle es (Inch andanerndster Studien, ehe Klarhcit in die Seliielitenreilie un-
teiliallt. nainenllich aber oberhalb dieses Horizontcs der alpinen Trias gehmgle.
Abgeselien \on ansserordeiillich coinplicirten Lagerungsverhiilnisscn, Zersiiick<--
Inngen und Knickungen. sowie von der vollkominenen Unahnlichkeil. \\elelie
die einzelnen Schichlengruppen an gar nicht weit von einander enlfernlen
Punkten besilxen, ferner abslrahirt davon, dass die deutsche Keuperibrniation
eine vvenig inachlige Strand- und Buchlenbildung, — die alpine Oberlrias eine
viele Tausend Fuss machlige Ablagerung des hohen Oceans 1st, war es die
Vergesellschaflung von echt palaeozoischen Organismen, die man fur la'ngsl
ausueslorben hielt, mil den Resten einer gewissermaassen verfriiht erscheinen-
d(>n lypischen inesozoische n Thierwelt (Orlhoceras . Nautilus, Goniatites,
Ceratiles, Ammonites, Belemnites) innerhalb gexvisser Abtheiluugen der alpinen
Oberlrias, die, \veil bis dahin fllr unmbglich gehalten, rathselhaft sein musste.
Aus den neuesten geoloLrisehen Untersuchungen geht jedoch hervor, dass sich
ti-(»t/ aller Verschiedenheiten auch in den alpinen Aequivalenlbildunizen der
deutschen Trias eine dreifache Gliederung gellend machl. Man hat es jedoch
aus palaeonlologischen Grilnden fQr 7Aveckmassiger gehalten, die alpine Trias
nur in /.\\ei urosse Ablheilungen, nelunlich eine untcrc und obcrc zu x.er-
fallcn. (Sielw. die tabellarische Cbersichl uber die alpine Trias auf Scite 396
und 397).
I. Untere alpine Trias.
I Der Grbdener Sandslein und die NVerfener Schichlen. Irn
nordlichen Tirol und in Sal/burg beginnl die Trias mil schieferigtMi . rolhuriin
odcr urau gefiirblen Sandsteinen, den NVerfener Schichlen, \\elche nainenl-
lich Posidonomya (Monotis) Clarac Buch (Siehe l;ig. 22-1), so\\ ie Sieinkerne \on
M\aciles Fassaensis Wissni.. Naticella coslala MUnst., Ceraliles Ciissianus Oucnsl.
fiihren. I line et\\;is andere l;;icies besilxl die unlersle Trias in Siidlirol. \\o
sie ;ils ein Complex von versleineninL'sleeren Sandsteinen (Grodener Sand-
stein erscheinl, \\elchcr von dUnngeschichlelen Kalksleinen mil den oben ge-
VI. Historische Geologic :>-*->
nannlen organisehen Resten (Seisscr Kalke) uberlagert \vird; und endlieh
in den lombardischen Gebirgen , \vo glimmerroiche Schiefer, Sandsloino und
Conglomerate mil Yoll/ia heteroplnlla auftreten Servino. In den Nord-
alpen folgen auf die Werfener Sehieliten. und y,\\ar mil ihnen dureh \\ "echsel-
lagerung eng \erkniipfl, die (> u 1 t e nst e i n er Kalke. scli\\ar/,e oder dunkel-
grane, (lurch Kalkspath \\eiss geaderle, dUnnschichlige Kalksleine, welche in den
niirdliehen Alpen den llauplzug dor Werfcner Sehieliten als eilie ineist nur
Nvenig machlige /one begleilen und z. B. Ceratiles Cassianns und Naticclla co-
stala nihrten. In Sildtirol sind die hierher i^ehorigcn incr^eliiien Sandsleine und
Kalksleine mil Ceratiles Oassianus, Nalieella eoslata, Myacitcs Fassaensis, I'eeten
diseiles. Lima striala als Gampilcr Schichten bexeichnet. Dieso gesamnite
Seliichteni:rupp(> ist als cine Aquivalontbildung dcs Buntsandsteines und
des Hiith x,u hetraehlen.
2} Die Virgloriaka Ike (Trigoncllon - Schichten} , harle, kieseliiie Kalk-
steine mil \\ulstiiien Schichtungsllachen, sclten mchr als 30 odor 40 M. iniieli-
tig. mil Kncrinus liliiformis Schlolh., Dadocrinus gracilis Buch. Hel/ia Irigonella
Sehloth.. Ten-bralula vulgaris Schloth., Torel>ratula angusla Schlolh., Hhyncho-
nella deenrlata (iir. , (leralites dux Giob., Spirifer Mcntzeli Dunk., Spirifer fra-
i:ilis. (ierxillia soeialis Schlolh., Lima slriala Schlolh., Myophoria vulgaris Schlolh.
Diese siimmilichcn organischcn Hesle sind l.eitfossilicn des deulschen Muschel-
kalkes, mid /war /inn Theil Uber fast ganz Deutschland verbreilel so Kncrinus
liliiformis, (lervillia soeialis, Lima slriala, Rel/ia Irigonella, Myo]>horia vulgaris ,
zum Theil aber charaklerislisch fllr die untere Ablheilung des oberschlesischcn
.Mnselielkalkes. Der Virgloriakalk crvveist sich somil durch seine Versteinerungs-
lilhrung als Kepi-jisentant \\enigslcns der unteren Gruppe des deutschen
Muschelkalkes, des Wellenkalkes.
Die nun folgenden Schichtengruppen , vvelche als obere alpine Trias zu-
s.immengefassl werden , seheinen als die hochpelagischen Acquivalenthildungen
der ausserhalb der Alpen aus einem seichlen Meerc abgclagerten Keupcrfor-
malion anges|)rochen \\erden /.n miissen, obwohl die Moglichkeil nichl fern
liegl . dass die direct anf die Virgloria- (also Wellen-) Kalke folgenden Com-
plexe rarlnach- und Halobien-Schichlen) ein Acquivalent des deulschen llaupl-
nmsch(¥lkalkes sein mo'gen.
n. Obere alpine Trias.
Dem Sludium der obercn alpinen Trias \verden namenllich dadurch grosse
Seliuiei'igkeilen bereilet , das ihre ein/.elnen (ilieder an selbsl nur \venig von
einander enlfernlen I'nnklen in ganz \erschiedenarliger pelrographischer und
palaeontologiseher h'acies enl\Nickelt sind. Doch treten aus der Qber 1000 M.
ma'chligen Seliiehtenreihe folgende Zonen hervor , \\elche als Orienlirungsmillel
dienen konncn :
1) Banke, reich an 11 a lob ia Lonnneli Wissm. (Fig. 220), mil denen
die obere Trias uberall beginnt, ohne dass jedoch der cbcngenannle /\veischa-
ler anf dicse Schichlen beschriinkl wHre, vielmehr sleigl derselbe durch die
ganz obere Trias. In Nordlirol und Voralberg folgen auf die Ilalobien-Bankc
Inn
VI.
die Part iiiicli-Scli irhlen, dunkrlr Morsel und llornslrin filhrendr R'alke,
namenllirh aber Sandslrinc mil I. r t I <• n k o li I r n p f I ;i n / r n . .so I'l r ro p h \ 1 1 u m
Gttmbeli Slur, Equisetftes arfr&acents Brong., ferner mil Barir\ 1 1 ium
Sell in id i II ccr. rbcrlai:rrt \\crden diese Parlnarli-Sehirhlen von izrlblidi
urauen odor \veissen, hiiufiii brercicnartigon Doloinilen (Parlnach-Dolomit. oder
Miittlciv NVciiucncr Scliichlcn . (h-rcn Miichlitzkcil his illx-r 300 M. iinslciiil.
2) Das S;i I /. iic l»i riic dcs Sal/.ka in nuTgules von llallein, Aussrc.
Isclil. Mcrchlcsiiadcii. Hcidicnliall und in (lessen Maniicndem rothc Mci^rl VOID
Atissrlicn dcr KcujM-niirrgol und dariibcr scli\var/.e , weissgeaderte Kalkstcinc
HciclicnhalliM- Kiilkc). Uas Salz trill cnhNt-dcr in omfangPeichereri , rcincn-n
Masscn als Kernsalz auf, oder isl in chirm rauhgraucn Thonc mil (jyps und
.\nli\dril fein eingesprengl (Haselgcbirge; . Das Iclzlcrc bildel Slocke , \vrlchc
von hraunlichcn Schicfern mil ausgexeichnelein FeUglanze (Lebcrgcbirar man-
telarlig unihillll vverden.
Fig. 22(1. Halobia Loramcli'
Wis sm.
Fig. 221. 'Po'sidon'om ya C'larae
Buch.
Fig. 222. C'ardita urcnat.i
Goldf.
Fig. 2it. Mypphoria Kefers tci ui
M u n s t. (Eaibliana).
Fig. 221. Ara m o ni tes f lo ri d u s Wu 1 f.
:5 Die Hallstiidlor Kalkc. Lichtrolhc odcr \vcissc dichlc KalksU-inr
mil niuschcligem Bruche, zum TliiMl hunlfarbiii und dann marmorarlii;
ncl. \\clclir NOO bis 1000 M. Marhliiikril crrrirhrn und sicli namrntlirli (lurch
ihrcn ausscrordcnlliclicn Rcichlhum an C c phalopodcn und x.\var \or/lli:-
lich globoscn Ainmonitcn und Orlhoceratiten auszrirhncn, /.u dcnrn
sich noch riniizc Nautilus- und Ce rati tcs-Arten gescllcn. Als cinip- dcr
islen und charaklcrislischslcn Lrilfossilirn diescr (lrup]>r sind clwa fol-
/.u iicnncn : Ammonites Mcllernicln Hau., Ammon. .lohaunis
A u striae Klipst., A mm. lorn a I us Bronn (Fig. 22o,, A mm. florid us
\Vnlf. (Fig. 224), Orthoceras alveolare Quenst,, Ortli. dubium Hau.
\'\ii. 226), Ceralites modestus Buch. uud endlich Monolis salinaria
\ I. Ilislorisclit-
401
Broun, \\vK-hc u.in/.r Kalkslcinsdiirlilni iinl'iillt. Ilicrbei 1st jedoch zu be-
im-rken. d;iss die (.||(M| angH'ilhrteMi OrtluH-eratitcn von Mojsisovics als dttnn-
schalige Scheiden ernes BeleuHtitiden aufgefasst \\erden, welche mil cincm lan-
gfii. spitewmkeligen I'hr.-iizmoromis versehen \\aren und als A ulaeoceras anf-
getuhrt \\mlen. .Man hat in dcm Hallstadler Kalke XAVCJ Horizonte unterschie-
• l<-n. cincii unlcrcn. den des Ammonites MetttT-
nidii. mid (.jncn (»ln-ivn, den des Ammonites Ao-
iididcs .Mojs. l)i<- <;«'|>hal<)|>od<Mi -Fauna des ersteren
j;«'hnrl ihiKMi last »anx ausschliesslirh an, die der
It'l/.tt'ivn al.cr stcijil xum i^rossen Theile in die
nii.-lisi Imlirivn Schichtengruppen der oberen alpinen
ig. 22"). A in in .MI i 1 1'.- toruatus Uronn.
Fig. 226. Orthoceras dubiu m
H a u e r.
Iri, is. iiiiniiich in die Gnrdita-, Raibler-, Cassianschichten hinauf und verknUpft
sir auf das innigslr mil dcm Hallstiidter Kalke. Dieser Ahnlichkeit des palaeonto-
loiiisrhcn Charaktcrs \\egen werden die Cassianschichten von manchen Geologen
als Aequivalentbildungen der HallsUidter Kalke aufgefasst, wie es in umstehen-
der Tabelle geschehen.
4) Die Cassia ner Schichten in den sUdtiroler Alpen, — die Car-
<liia-Schichten der nordtiroler Alpen, - die Raibler Schichten der
Karnisrhrn Alpcji. cine prtrot-raphiseh sehr vielgestaltige Gruppe von grancn
nii'i-ufliijfii Kalksicinen, dunkelbraunen bis sch war/en Schiefern, bilumin5sen
ddnnblaUerigen Mfi^clscliicfern, sowie Oolithen, ausserordentlich reicli an or-
^amsclit'n Hesten, von wclchcn A mm on Mrs Aon MUnst. , Ammonites
II or id us Wulf., O sir ea Montis Cap ril is Klips t., Corbula Rosthorni
Boue, Myophoria Kefersteini MUnst. (Fig. 223), namentlich aber Ha-
lo I, i a rugosa (iilmlx-l und Card it a crcnala Goldf. (Fig. 222) die br-
/riclincndsti-n sind. Audi Sandsteinc, \\clclu- Volt z ia hcl crop h y 1 1 a Brong.
nnd Tacnioptcris villala Bronn ftlhren, und die fischreichen bituminoscn
Schidcr \on haibl gehoren dieser SchichttMigruppc an.
•"> Ma. -lisle in-Ka I ke der Norischen Alpen nnd o'sterreichischen Vor-
alpcn, dichte oder feinkornigc. \\rissr, udhlich lei- graue, bis 700 Meter
inaYliti-r Kalksirin,. mjt dcm bis fussgrossen Megalodus tricjueter Wulf.
Sic \\crdcn /urn Thcil durch die versteinerungsarmen Massen des Haupt-
dolomitcs vertreten , welcher wUste , nackte, steilansteigende Bergstocke
bildet.
Credner, Elcmente d. Geologie.
26
•102 \ I. Ili-toriM-he Geologic.
(1 Hli ii t i sc lit- (i r ii |> |x> . K <>ss e n e r Se h i e h I e n , /one tier . \\ieula
contorta. (i c r \ i 1 1 i ;i - S c Ii ic Ii t c n : meisl dunkelgraue . diehte. dunnschieh-
tige. scliNNiir/liehe Thonmergel mid Mergelsehiefer. leiehl \er\\ illernd . 10 his
:in Meter miiehlig. mil A \ i r u I a con t o rt ;i Porll., 1'rot oc;i rd i u in Hliiili-
ciini \lrii, in. del \illi. i iiill.il.i Sehafh., <ier\illi;i p r.u-i- n r-Mir
Qut'iisi.. Peeteu Yaloniensis Defr., - cine Aequtvaleotbikiung des
Deiitsehen Khiil mid del1 Englisehen GootOTta-Zone. Dasselbe kann \\ahr-
scheinlieh NOII den Grest e ner-Seli i eht e n gesagl \\erdt-n. \\elehe .ml der
Nordseitc dcr iistlichen A I pen von Wit-n l»is (imunden die Yirdoriii - K.ilkc
Qt>eriagern, ;ms i«i-;iiicn Sandsteincn nml SchieferthoneD ln'sU-licn und fine ;ms
h-i.-issiscluMi und liiissisclim Forincn iit'int-niilc Flora und Fauna niiisrlilit'ss.Mi.
so Equisetites colurninaris, Equ. aivnaceus, Tarniopleris \itlala. I'trropliN Hum
lonfiifolium , - Pecten liasinus, Spirifer roslratus, T»'rebratula cornuta. Die
Stivitfrain1 . ol> derartige vermittelnde Zwischebgiieder /.ur Trias oder xiun .lura
zu zielien seicn. isl cint' niussiiie.
Auf die Kossener Schichten folul an \ielen alpincn Localitiitm drr crhtc
uiilfi'stc |.i;is. die Zone des Ammonites planorbis.
Eruptivgesteine <ler alpineu Trias. lm auflalli^sien (it^t-nsat/f /u
dfin volIstSfidigeD Ausschluss gleiehalleritier i'rupli\er (iesleine innerlialh der
nonnalen deulsehen Trias ist die entsprechende alpine Formation reich an
Gesteinen , deren Eruption in den Verlauf der triassischen Periode falll. hc-
sonders /.ahlreieh \\aren die Durchbriiche der maimigfalligsten ^lullidiis.si^en
(iesleinsmassen in Sildlirol. Dort werden die (ilieder der Iriassisclien Seliieli-
tenreilie durclisel/.l \on Au gi tpor p h \ i . der an der Seisser Alp in (it-stall
eines miieliliiien Laiiei-i-aniies . so\\ ie /ahlloser kleiner Gauge, im Latemar als
gewaltiger echter Gang auftritt, /um Theil ausue/.eielmel sSulenformig abge-
somlert ersclieint und selir geuolmlich mil TufVablagerungen und Heibungs-
breeeien in Verbindung steht. M e I a p Ii \ r dureliset/t nicht nur die untere
Trias, sondern auch den Augilporplix T in Gangfoi'in und breitet sieh bei
Preda/./.o /u einer ausgedehnlen Decke aus. S yen it bildet den miiclitigeu
Gebirgsslock <les Mon/oni : H \ persl lie n it sel/.t in Form ^l> l>is :{0 Meier
miielitiger (iiinge aussehliesslieh in jenem auf; Turniali ng ra n i t bildet eben-
falls in ihm eine stockformige Kuppe und /.alilreiclie kleine Giinge. und endlich
Porph\rit dureliset/.t als das jiingsle der dortigen Erupli\gesteine in ein/el-
nen (iiingen alle \tirlierer\viihnlen.
In genetiscliem /usammenliange mil diesen Eruptionen steht die rm\\an-
delung des Iriassisclien dichlen Kalksleines in sflinee\\eissen, /.inn Theil grob-
kryslallinisehen Marmor. \\elche sieh fast iiberall in tier Niihe ties (lontactes
mil dem Melaphvr. deni Augilporph\ r und Sxenit /eigt. In deiu triassisehen
Marmtir. \\eleher an die Naehbai sehaft des Sveniles gebunden isl. stellen sieh
aiisM-rdem als fernere Produele der (innlaelmetamorphose Gi'anal-. N'esiiNian-
uinl <ielilenilk|-\slalle em.
>eit dt-r genaueren Erforsehung der alpineu Trias haf man Fdrmalionen
von einer ilberraschend ahnlichen Faeies. /um Theil mil ein/.elnen idenlisehen
Species, in der Sierra Nevada in California, auf Spit/.bergen . im nurdlirhen
VI. Ilistorischc (ieolouie. 4(1'.?
Sibirien iiinl ,1111 llimala\ ;i kennen gelernl. Ms /ei^t sieh soinil. il;iss die
alpine Facies der Trias niclil. \\ ie in. m anlanglich geglaubl, eine ralhselhal'te
l.ocalbildung sei. sondern \ielmehr der eigenlliche. \\esentliche und normale
Uepr.isenlanl der Iriassischen Meeresniederschlaije. ~ die deulsche Trias liin-
LM't-cn nichl die iNpische und maassgebende, sondern nur eine locale Facies.
fine i'ler-. Hncliten- und Hinncnmcei bildung isl. Alpine Trias und deulsche
oder en-lische Trias \erliallen sieli deinnach ungetahr /.u einander \vie Kohlen-
kalk und Culm oder \\ie diis eclite l>e\on und der Old red Sandstone.
Der Jura.
.Mil dem Hetiinne der .luraperiode Iritt uns eine neue Fauna von Uber-
i.isc lirmlem Forinenreielilhuine enlttesien : eine Fillle \ on neuen (Jeslallen.
\\enii;er sellsam als in den palaeo/oisclien /eilallern , aber im Ver^leiclie mil
der .let/t\velt iininer nodi freindartiu; iJjenuiz, ersclieinl auf der Weltbiihne. Die
helemniten stellen sich in Un/ald ein, die bisher verhiiltnissmiissii' nur
sparliclien Animoniten erreiclien eine enornie Entwickelung und Uberlrell'en
alle iiltriizen He\vohner des Meeres an Zahl der Individuen und an Mannii;-
faltiukeil ihrer Form und der Xierralhen ihrer (iehause. Die Korallen haben
den I \pns der Neii/.eil ani-enommen und enlfalten eine l)edeutende riflbauende
Thiiliiikeil. die S e e sell \v ii in in e , die Seeigel und /.ahlreiche Molluskenjie-
schlei -liter, namentlich Gasteropoden, (unter diesen die Nerineen und Strom-
liiden , ferner die Triuonien, Pliol adoni y en , sowie die auslerarliizen
Miischeln Ostrea, Gryphaea, Exogyra) gevvinnen eine ausserordenlliche
\erlneiluiiii und Iliiuligkeit. Audi die typischen langschwiin/.iuen Decapoden
erscheinen /uersl in i-rossei-er /ahl. Die l;ische haben /war die ungleichlap-
piuen Sch\\an/tlossen verloren, welche so charakteristisch fUr frilhere Zeilalter
\\aren. i;ehor«-n alter siimmtlich ausgestorbenen Gesehlechtern an und be-
schriinkeii sich anl (ianoid- und K n o rpe I I'isc he . \\iihreixl Teleoslier, die
iMossr Masse der lieiitigen Fischwell, dem jurasischeii ZeiUdler noch Ireind
sind. Vor alien Thieren des damali^en Meeres aber ragen zwei durch das
Abenient-rlielie ihrer Form, (lurch das Giganliselie ihrer Grosse hervor, /.wei
Saiirier, I c h t h \ o sa u r us und Plesi osa u r u s, beide ihrem lian/.en Habitus
narh .nil das I.eben im Mcerc beschriiiikt : mil krokodiliihnlichem Kopfe, lisch-
arlim-r \Virbelsiiule nnd Huderl'iissen \ereinen sic ue\\ isse (lharaktere der
I ische mil denen der Kclisen.
I'.iiic iihnliche limi:«'slallung und Hereicherung wie die Fauna der iMeere.
hat die der (lontinenle errahren. \Vir sahen die unbedeulenden Anlani/e einer
l.aiKHaiina in dem carbonischen /eilaller erslrhen. Die erslen und ein/iuen
Hr|.raseiitanten der landbewolinenden \\irbelthiere \\aren damals einiue
echsenarlige Batrachiei -. /u ihneii Lresellen sich im Verlaufe der dyassischen
Periode eini^e Schnp|tenechsen Thecodonlen) und am Schlusse des triassischen
Zeitalters hin-hst vereinzelte Spuren der erslen Saugethiere (Microlestes) . In
der Juraperiode treten an die Stelle der Labyrinthodonten bereits echte Gaviale
26*
404 VI. Ilistorische Geolot,'!.-.
und Krokodile (Teleosaurus, Geosuurus, M\slriosaurusy uud Flugsaurier, zu
welchen sich Sumpf- und Flussschildkrolen und cndlidi cine nichl unbetracht-
liche /alii von \\armbliltigen \Virbelthicren und /vsar ihrer beidcn Classen,
der VOgel und SHugethiere, gesellen. Audi die AfthrocoBn linden ansser
durch Krebse (lurch Libellen, Lepidopteren, (irillen, Killer und Spinncn cine
y.iemlich inannigfaltbe Yertrelung. Zieht man nun noch in Betracht, dass be-
n-its in der Juruzeit die Dickichte der Sigillarien, Lepidodendren und Calami-
ten schon la'ngsl der Vor/.cit angehoren, dass stall ihrer echle Nadelholzer,
gemischl mil Cycadeen die Walder bilden, auf deren Boden Farnkriintcr nnd
Equiseten wuchern, dass also G\ mnospermen die einfach'er organisirlcn Kr\p-
logamen des palaeozoischen Zeilallers zuriickgedrangt und das Maximum ihrer
Enlwickelung erreichl haben, so ist nicht zu verkennen, dass sich die orga-
nische Welt auf eine hohere Slufe emporgeschwungen hat, als sie in den vor-
jurassischen Zeitaltern einnahm. Dieser Umschwung ging Hand in Hand mil
dem Mannigfaltigerwerden der irdischen Verhaltnisse, namentlich mil der all-
malilichen Herausbildung der Gliederung der Erdoberflache vor sich. Ein Blick
auf das jurassische Deulschlaud wird davon Uberzeugen. In ihm trill uns l>e-
reils ein zusammenhangender Landcomplex entgegen , \velcher einen grossen
Theil des mitlleren und die westlichen Striche des siidlichen Deutschlands um-
fassl und von dem bdhmisch-erzgebirgischen Continentalkerne aus in westlicher
Richtung in das Jurameer vorspringt. Der Thiiriuger Wald, der Sch \\ai7.\\ a Id
und die Vogesen sind, wie schon frilher der stldliche Harz, der Hunsrilck und
der Taunus, bereits zu Gebirgssyslemen gehoben, — dagegen ist ziemlich ganz
Schwaben, Franken und Bayern, sovvie fasl die ganze Schweiz, von \\elcher
nur eiuzelne Partien der spateren Alpen inselarlig Uber den Wasserspirgel
ragen, ferner das oslliche Frankreich und fasl das gesammte Norddeulschland,
von dem Juraoceane bedeckt, welcher die Deulsche Halbinsel von drei Seiten
bespillt. Schon das Deutschlaud der Jurazeit besass einen complicirten geologischen
Bau , an welchem die mannigfachsten Gesteinsproducte aller frilheren Mccrc
und vulkanischen Eruptionen theilnahmen. Seine Oberfliiche war durch Ge-
birge und Bergkuppen gegliedert, seine Kilsle duirh liet'e Buchten cingeschnit-
len, sein Binnenland von Stlmpfen und Seen unlerbrochen, - - kurz die M,m-
nigfaltigkeit in der F^rdoberflachengeslaltung hal in dem nehmlichen Maase zu-
genoannen, in welchem sich die Resullale der Einzelvorgiinge mil der Zeil
summirten.
Die Schiehlenreihe der jurassischen Formation isl das Product der ruhig-
slen und ungeslortesten Meeresniederschlage und besteht deslialb \oiv.ugs\\eise
aus Kalksleinen, Mergeln, Sandsteinen, Srhieferthonen und jilastisclicn Thonen,
mil welchen nichl sellen machtige Dolomite weclisellaucni : sie sind cs. \\dche
• lie ^rottesken Pels- und Hohlenbildungen der jurassischen (iebiete in llannu\er
und Braunschweig, SONN ie in der friinkisehen Schweiz bediugon. Oolithe sind
namentlich in den miltleren und oberen Niveaus des Jurasyslemes so gewohn-
lich, dass man die ganze Formation nach ihnen »0olilhenformalion« benannte.
Iliren jet/I uelirauchlichen Namen hal dieselbe voin .luragebirgt- erhallen . \\o
<ie y.uersl richlig erkannt \Mirde. (litnulomcrate und Breecien sind y.u den
VI. Hi>tnrische Geologie. 105
selteneren jiirassisehen Ynrkoinmnissen /.n reehnen, wiihrend vulkanisrhe Tufl'e
und Zwisobenlager \<m eruptivem Ursprung dem central -europfiischen .lura
Lian/. I'remd sind. Ini /usaininenhani;e damit stehl , dass die Aul'einanderfolge
der oft st-hr diinnen jurassisehen Sehiehlen cine ausserordentlirh regHmiissiire
isl. In mir \Nenigen seiner VYrhreitungsgehiete 1st der Jura von bedeuten-
deren Divine, ilioneu belroll'en \\onlen so ini .luragehirge und am Nordrande
des llar/esi, meislenlheils isl seine La^erungsfonii vollkommen die ursprdng-
lielie uel»lie|)en , \\enn aueli seine Sehiclilen nielil soltcn von Spalten durch-
/.nL:en \\erden und sich auf diesen Nerschobon hahon.
Die his luOO M. miiehliiie Sehiehlenroihe des Jura xcrfallt nach den Uni-
LH'siallunjien , \\elche die damaligen Faunen und Floren crlitten haben , also
naeli der Versehiedenarliukeil des palaeontologischen Habitus der einzelnen auf-
einander loluenden, di<> .luraformalion aun>auenden Schichtencomplexe in zahl-
ivielie Mhiiieu , \\elelie iiun in drei Hauptabtheilungen zusammenfassl.
Diese sind
'.\ der \\eisse oder obere Jura oder Malm,
2) der braune oder mittlere Jura oder Dogger,
I der selmarze oder untere Jura oder Lias.
1. Der Lias.
Petrographischer Charakter. Unter den Gesteinen, welche die selten
iiiehr als 100 M. machtige Schichtenreihe des Lias zusammensetzen , walten
Sehielerihone, Sandsteine , Kalksteine , Mergel und Thone bei Weitem vor,
M.iineiiilich spielen graue, braune oder schwarze, meisl bituminose Thone und
Sehielerihone nieht nur durch ihre bedeutende Machtigkeit, sondern auch als
Miiiiei-^esiein -uisserordentlich deutlich erhaltener organischer Reste eine wich-
li^e Holle. Aus ihnen entwickeln sich sehr gewbhnlich dunkelgraue bis
M-li\N;uv.e. kalkreiehe und hiliiminose , mehr oder weniger diinnschieferige und
\eisleineiiini;sreiohe Me r gel sch ie f or, deren Bitumengehalt oft so Uberhand
i ii M in M. dass sie in fbnnliehe Brandsohiefer Ubergehen. Zu einer bedeutenden*
Knl\\ii kelniiu gehingen ferner dUnngeschichtete, dunkelc, ebenfalls bitumindse
und slark llumiire Kalksleine, die zum Theil ausserordentlich reich an orga-
nisehen I herreslen sind, so dass manehe Schichten fast allein aus solchen zu-
s.uniiieiiLies, i/i rrs.-heinen ((iryphilen- oder Areualenkalk, Ammonitenkalk, Mo-
noiiskalke . Sandsleine. y.um L-rossen Theile selir kb'rnig, oft glimmerreich
und dann diinnpl;i»iig, von gelblich grauer Farbe stellen sich namentlich an der
Basis der Liasformalion cin , ohne jedoch aus den tlbrigen Niveaus des Lias
\ollsliindig ausj:eselil()ssen /u sein. Kine gj-wisse technische Wichtigkeit, wenn
aueli nur eine untergenrdncie Hedeuluiii: ;ils (ilieder der Liasformation, besitzen
Kinlagerungen von ooli thisehe in Kisener/e und Spharos ideri t. Wah-
rend let/.teivr in (leslall ofl diehl aneinander gedrilngter Nieren und Knollen
im Schieferthone vorkommt, bilden erstere gewo'hnlich regelmiissige und sletige
Flbtze, welche theils zwischen dem Sandsteiu, theils zwischen den Schiefer-
406 VI. Ili-tonvfhe Geoloiiii-.
der l-'oiiiutimi ,iuliieieii. Derariigc versteinerungsftibrende 1 Ini/.e von
OotithisGhem Kisensiein \\erden /.. B. am Kahlebcrg I MM Eehle . liei llelmst.idl.
IXM llarzburg n. a. (). abgcbani. Bcehi eigenlhtiniliche (iebilde sind die
dilnnen Schichlcn \on Tutemneruel Nai:elkalk . \\elahe r. B. ;iin H.IIYI ,iml
bei (ioslar iiinl in NVnrtcmberg seltr hiiulii: ini I his \orkonmien.
LagtM'ilimsycrliiiHllissc. Die archileklonischen Verhallnisse der Lia.>lor-
million sind l';isl durchgHngig hoehsl emlaclier Nalnr. \\ ic cin \\cihM-. dnnkclor
T('|»|)icli dclinl sic sich, nvilirh diirch Krosion in Zrthlr(Mche isolirlc l';irli(Mi zer-
schniHtMi , inntM-luill) Hirer VerbreilUDgSgebiete ;MIS nnd nnisiinnil in ll.ichcn
TcnvtsscMi die nocli hcsclnvinktcnMi Arealc dcr jiinucrcn jnivissiscluMi (Jchildc.
die sich tihor die Ehene dcs Lias crheben. Die Lage der Schichlcn 1st in.issiu
geneigt , sehr liiiufii;, naiiientlieh iin nor(l\\csllichcn Deutschland . cine tl.icli
muldenformige , so dass sich das Ausgehende der MuldenUiigel an die langge-
zogenen trias$ischen RUcken anlegt, \\ahrend das Innere der Mulden durch d«-ii
oberen Jura und die Kreide ausgefilllt isl. Nur in den Alpen und in dem
Schweizer Jura kommen starke AutViclituniien und Biegungen , am nordlichen
Haiv.rande und iro Teutoburger Walde sogar \ollstandige Uberkippungen . bci
Eisenach und Arnsladt bis in's Kleinste gehende Zerslilckelungen vor. Mil
dem obersten (iliede der Trias isl der Lias auf das innigslc \crknilpJt und
ebenso ist seine Oberlagerung durch den braunen Jura eine xollkoinnicn
gleichfbrmige. Alles das deutel auf einen ruhigen und uuunterbrochenen Abs.il/.
jener gesammlen Schichtencomple.xe hin, — das Muster einer langsamen, gleich-
massigen Schichtenentvvickelung.
Allgemeiner palaeontologischer Charakier. Wie in alien marinen
Bildungen, so spielen auch ini Lias Pflanzenresle nur eine untergeonlnete
Rolle. Neben einigen in den Liasschiefern rechl haufiucn Fucoiden /. B.
Chondrites Bollensis Kr. und Sphaerococcites granulatus Bronn) sind die in
der ganzen triassischen Fonnationsgruppe so wichtigen C yea dee n auch im
Lias und zwar vorzugsvveise durch die Gattung Zaniites, freilich \vohl nur durch
in das Mecr eingeschvvemmte Exemplare vertreten. Auch verkalkte und \cr-
kohlle Con iferenholzer, sowic vereinzelte Coniferenzweige Araucaritcs pe-
j-eurinus sind von verschiedenen Localilaten bekannl.
In schroflein Geg<>nsalze zu dieser Arniutli an vegclabilischcn Hesten birgt
rlic Schichtenreihe des Lias eine ausserordentlicli niannigfaltige . lorinen- und
individaenreiche Heeresfauo^, deren Hauptverlreter den Crinoiden, Mollus-
ken und RcptiliiMi angehoren. t"nt(M- den Crinoiden erlangt das (ieschlcchl
Pentacrinus eine ausserordenlliche llaufigkeil und VerbnMtung: unler den
Brachiopoden zeichnen sich die (i(Micra Tcrcbralula nnd H h \ n chone I la
dnrch die urosse Menge ihrer Individncn ans, auch Spiriferund Leplaena
sind noch vertrelcn. Von den Zweischalern sind Gr\ phaca , Peclen. Lima,
A\icula, Nucula, Mylilus, Trigonia, Pholadonixa nnd Aslarle die
vvichtigsten, am reiehibaltigsten ab<M' \on alien liaseiscbeD Molluskenablheilungen
sind di(> A m in on ecu und Belemniten enl\\ick<-ll und erlangen einerseits
durch die grossc Anzahl ihn-r Species und die enorme .Menge ihrer IndividiuMi.
andercrseits durch das Gebundensein i:e\\isser cfaarakteristiseher Arten an .^aii/
VI. llistnrix'ht1
407
liesiimmte llori/.onte cine ausserordentlicbe Bedeutuni: lur diese Formation.
Au.xscrdem erhall der palaeontafogisehe llaltilus dcrselhen durch die /.iililrcichen
inn! \\cit \erhrcilclcn Heste von I c li I h \ osa u r u s und 1M e s i osa u rus, zwei
riesii:en Mcerexx.iuriiTu (EnalioSdUrtern), cin gan/. ciuenlhumliehes (icpriiuc.
Hire l»iconca\en lischiilinlielien \\irbel. iluv Qosseoarligen Ruderf^sse \\ciscn
(hr.iiil liin. diiss d;is Mcci1 ihr I'llcint'iil hildctc, ilirc Krnkodil/iiliiic. diiss sie
jrli.issi^c H.Hihihjcrr \\;inMi, dcr luliall ihrcs iMajicns und die Besiaildtbeile
ihrrr l-Arrcinciilc K(i|)rolitlicit . dass ilirc Nahrunti aus Fisclion, Rcplilicn und
TinU'iilix-hcn hcsland. llir ciioriu grosses Auuc \\ar \on cinciii gegliederteD
uiiiucltcn, ilir R(ii-|)cr \\ar nackl und crreichle 10 ja 13 Meier
Fig. 227. Ichthyosaurus c o m m u n i .s Cony b.
Fig. 228. Plesiossurus dolichodeirns Conyb.
I ..in-c. Icliihyosaunis (Fig. 227) besass einen grossen Kopf auf kurzem,
drlpliiiiariiucm liaise und einen langen Schwanz, - Plesiosaurus (Fig. 228)
cincu klcincn Kopf auf schlangenartigeni Halse und einen kurzen Schwanz.
Die ll.iuptlundorlc dic.scr hcidcu ^c\\alliiicn Mccrcssaurier sind Lyme Regis in
Knuland. Hull in \Viirlcinhcrii und Banz l>ci Banilicrg.
I'.incn aull'allcndcn (Icucnsalx, zu den nacklcn. ausselilievslich ,iul das Meer
,inuc\\ic>cncn Sauiicni hilden die /ur Hc\\ei;iini; aid' d<'in Lande OTgahisirteD
uaxialalinlielien Sanrier mil sehlanker. sclinialer Schnaii/.c und dicken vier-
cckJLcn KiKiclicnscliildcrii. Micrlicr ^cliiiren naincnllich Mvstriosaurus, Pelaiin-
.saiirus und Ma« i-nspomh his aus den Sehielern von Boll.
Die illiriuen AlHlieiluniien des Thierreiclics spielen in der Fauna dcs |.i;is
cine \\cniL:er eliaraklerislisehc Holle. Foraniinifcren, Schu.Hiinic und Korallen
viiul \erhalinivMiiii.ssii; sellcii ; von (iasleropoden ge>vinnen nur einzelne Species
dcr (iesehlecliler Turbo, Trnehus, IMeurotoinaria cine nichl unbedculcndc Ver-
hrcitiuiL: : Inseelenresle l-'liii;cldeekcn von Kiifern und Fljlgel \on ll\inenople-
ren) sind aus ("iloucesiershire und Aargau bekannl gevvorden. An Fiselicn sind
namenllieli die oheren llori/.onlc des Lias von Kndand und Sehvvaben reieh,
in dencn xouohl ein/.elne gliinzendr Selmppen. \\ic ausscrordentlieh schon er-
hallcnc K\«'inplare IIOIIKH -erealer Ganoiden (Lepidolus gigas Ag., Plycholepis
His
VI.
Bollensis Ag.. Dapedius plmlidolus A;.:. \orknmmen. Kino fjrttssert Vnlti filling
hosil/en die Flosscnslaeholn und /iihnr \<>M Knorpolfisehen ll\ Itodus. Acmdus
iin Liiis.
(wliederung des Lias. ID alien seinon VerbreiUingsgebieten /.erl'alli die
Srhichlcnrcihc dcs Liiis in cine An/;ilil llori/.onlr odcr /oncn, \\clchc dcr
slnlciiutMscn UmgestaUUDg dcr liiissischcn l'';nincn cnlsprccluMi und sicli dcin-
iiiich durch I;CN\ issc Vcr.scliicdciiiirli^kcilcn ihivr VerstemeruBgsftthrung ;uis-
y.cichucn. Dicsc /nhlrcichcn /oncn, die ;ils das Rcsulliil localcr I'linllussc
nalilrlich koiuc i;an/. allucnicinc (icllunt; hcsii/cn, jedoch in oaphfolgender
Tahcllc aul'iicl'ilhrt sind, lasscn sich in drei Uhorall xu unlerschcidcndc (loin-
plc\c /.usainnicnfasscn, \\clcho man als untorcn, milllcrcn und ol»crcn Lias
bezeichnet.
a) Der untere Lias.
Harte schwarze Kalke, fette Thone, selten mil oolithischen Eisenerzen,
sowie z. B. in Franken gelbe Sandsteinc.
Fig. 229. Pentacrinus scalaris Mill.
Fig. 2:jO. Spirifer Walcotti Sow.
Fig. 2:H. Lima gigantea Desh.
Fig. 232. Gryjihaea arcnata Lain.
Fig. 2;i.'f. Ammonites Hueklandi Bow.
(sehr stark verkleinert).
Die Kalksteino sind zuin Theil ganz angefdllt yon Gryphaea arcuata Lain..
sowie von Ammonites planorbis Sow., Am. Bucklandi Sow., Am. angulalus
Schloth., Am. raricostatus Ziet. Als fern ore weit verbreitetc ausgezeichnete
Leitfossilien des unteren Lias sind anzufilhren : Lima gigantea Dcsh., (Sardinia
concinna Ag., Spiril'cr Walcotti Sow., IVntacrinus scalaris Mill.. Pentacrinus
Briareus Mill.
b) Dcr in i 1 1 lere Lias.
Graue Kalkmergel und Kalksleine, oolithischc Kalke und Kisensteine,
VI.
409
dunkelMauc plashsdie i hone mil SphaeroskieritDieren uml Kalkueoden. A us der
urossen An/.ihl dt-r oruanisdicn Hesle. \\cldie diese Sdu'chlcn liihren. sind als
I eillnssilien d«-s mitlleren Lias hervory.uhcben : Ammonites capricornus Schloth.,
I TV re »ir ;il ti !;« ii ii MI i I
in :i I i > I. ii in.
Kig. '.Mi'. A nf in (i 11 i I c > .1 in .1 I t Ii i- 11
Schloth.
Fig. 237 . H o|i e MI M 1 1 e s
p ax ill oisns Schloth.
Fig. 'l'.\'t. (.i r y p Ii a e a c y m b i u m Lam.
Ainu), coslatus Scliloili.. Aiiiui. aniallhous Schloth. '=mari;arilatiis Montf.) Be-
Icinuiics piixillosus Schloth., Gnphara cunhiuin Lain., Terebratula numis-
ui.ilis lain., Rhynchonella rimosa Buch , Spirifer rostratus Schlolh., Pentacrinus
l>,is.iliiri)nnis Mill.
c) Der obero Lias.
Zu unterst dtlnnschieferige , bituininbse Schieferthone , von zuni Theil so
• nisrlmlirhrm O»-li;rhaltc, dass dasselbc gewonncn \\ird. iiltcrl.i-ci-t \on ditnn-
Slinkkalkcn voll Monotis substriata Milnsl., sovvie von iiraucu .Mcrycl-
(ic\\issc Latter dcr crsit-rcn sind von den diiuncn , conci-nlrisch nm-
Sclialcn dcr Posidonmii\.i liroiini Volt/., ijaii/. crlullt . \\onach.derganze
Complex ,ils Posidoiiomyn- odcr I'osidouicnschicfcr hc/cichiicl \\ird. In iliiicn
i^t dcr L'l-iissc Hciclilhiun an lTebcrrcsl«Mi von Kischcn and Sauriern nicdcr-
i:dci:l . duivh \\cl.-hcn sidi namcntlich Boll in Sch\\al>cn. Han/ in Krankcn.
I. >nic hci;is in Kniilaud aus/cichnon. In H>mken und Sclmahcn birirt dicscr
llnri/.onl die \\ulilcrhallcncn Skclctc \on lc|ilh\osaurus , Tclcosaurus , die
Schuppcn . /iihnc und Klossciislachel von l'l\< holcpis , lUbodus. die Sduilpc
und Tiiilcnhcutcl von Loligo, die Kronen son IN-nlacrinus sulianijularis in
sons! kauni iickannlcr Vollsl;indii:kcil. So fandcn sich anf einer cin/ii:cn
Plalle \on 8 M. Lan»c und ;>.:{ M. Hreile 24 z\\ cinciu rniiandrisch i:e\Minde-
ncn Hundcl .uruppirlr Slide, (Jeren Endcn uber 4 M. lang frci liegen und
well ausgebreitete Kronen iragcn. Zahlreichc Ainmoniten und zwar Ammoni-
tes serpontinus Rein., Am. communis Sow., Am. Luhensis Young sind zu
Mil
VI.
(iro|n_'it>.
Fig. 2JS. Peintacriims s a b a n g u 1 a ri s Mill.
Kip. il'i. 1'nsidoii i ;i I! t" M 11 I
\ ..It*.
Fig. 210. Be Ipinni te :• digitali.-
Bla i n v.
-II. A in in <• 11 i t
Papierdiinne zusammengedrttckl,
in inchr iiicrurliiicii Schidilcn \iirkoiii-
iiiciidc. M» Ainiiionilo lul'nin.s Hfiii:.
( = \V;ic(itli Sou. . Am. h'oloropli\ llus
pIlriuMi ihrc ursprttngliche (icsiiili l»«*i-
licluillcii 7.\\ hiilifii. Nclicn iliiicii x.cich-
ncii sicli die Icichl kcnnlliflion AIIIIIKI-
nili-s jiirrnsis Xicl.. MrmiiiU's (li^i!illi^
lihiiii\. mid Hd. acuarius Schloih. durcfa
ihre Iljiulii;kril ;uis. D.iliinucLicii
dcr Miinucl ;ui sonsl so idirr.uis u
liclini Tcn-hriiiclii niul RhnchoneHen
In foli:«Midcr Tiilicllc lindrl sicli die >|tccirllci-f (dicdcnniL: dcs dr
VI. Hi-tiMlM-hr
Gliederung des deutscheii Lias.
411
/
•—
-.
E
~.
i.i.i- :
Sdildilt'll tli's
Ammon. jiirriisis
Vin. itin'Msjs. Am. radians, lid. ili^ilalis, Am (in
maini.
l.ias £
Posidollifll Sdiidi'l
Am. 1- \tlirnMs , Am. rmiimimis, Am. liilVons . Am.
ln'lri o|ih\ llns , Lillian Kollcusis , Id'l. diuilalis, ltd.
aciiarins. Hcl. lri|iarlilus . I'us. lirnntii, lime. am\u-
daloidi's. Mmmlis suh.slriala.
i
i
3
Lia>- o
Amallhcoii-TlHine
Am. mari:arilalu> am.illlicus , Amm r<i>tatii*. , Hd.
|>a\ill<isns . l!d. cunipn'ssiis , (ircss|\;t \cnd irosa,
Spnilrr rnslr.iliis, Pmlar. liasallilni mis.
l.ias Y
Sdlidlh'M ilrs
Allllll. ( -apl n oriUIS
Am. capricornus , Am. Davoci, Bel. paxillosus, Avi-
cula cygnipfs.
>. Im litm des
\iniii. hicuspina
Am. brevispina , Am. Jamosoni , (MA ph. c\ mbimn.
Ter. numismalis , Rhynch. limo^a, Rhytidi. tui-
cillala, Spir. restrains Spir. \cn IK D>II>
/
2
•9
^
u
J
p
l.ias fJ
Schichten des
Amm. planicosla
(Turnei i-Thone)
Am. planicosla, Am. ziphus , Am. rai •iroslatus , Am.
Turneri, Pentac. scalaris.
Lias a
Arielen-Schichlen
Am. Hncklaiidi , Am. Conybeari, Am. spiratissimns,
Naut. aralus, Lima giganlea, Gryph. arcuala , Spirit.
Walcolli, Pentac. tuberculatus.
Angulaten-Schich-
ten
Am. angulatus, Cardinia concinna.
Psilonoten-Schich-
ten
Am. planorbis (= psilonotus), Am. Johnstoni.
Trias
Hluitische Gruppr
2, Der Dogger odcr braune Jura.
Der petrographischc Charakter des Doi^^cr isi /\\,u- <>in
lirh ni,iiiiiiL:r.illii:cr uiul \\ cchsclndcr . (Inch spiclcn Siiiidslcim- . Thonc , Mergel
iiinl k.iiksicinc die \\csrntlirlislr Hollo hci der Xiisjiniiiiensci/uiii: seiner durch-
seliiiilllicli i<HI M. iniiehliuen Seliiehlenreihe. Die Sii n d s I e i n e sind nieisl I'ein-
koniii: uiul \veieli. hcsil/.en helle IMS diinkelhniune l'';irl»en, eriillnen selir liiin-
lii: die Do^erforiBlltk>D und l»ilden ol'lniiils die u;iii/e tin(en> lliilfle dersellicii
l;is| ,iiissr|ilicss|jr||. Aiidere /onen des liraiinen Jura Iteslehen aus /.ahm.
felleu Tin) ne n. Mer^eln und S e h i e 1'e r I li o ue n von »r;iuer his sch\\ ar/er
Farhe. \\ ie in eiuiizen I.Jiudern Sandsleine und Tlinne. su nsrlicinen in au-
deren V^rhreHUDgSgebieten des Do^er hald oolilhisehe, L.il.l dielilc rriuc nder
tlinuii:r. \\rlss,- ode r duukelfarlHL'e Kalksleine aLs (lessen \oi\\allendes Ma-
terial. Nanienllieh hilden Oolilhe inacliliiie Ahlaiieniiii-eu , \\elehe sieli vom
niillleren England aus duivh Krankreieh his in die Seh\\eiy, \ertol.uen lassen.
Rcclil eliaraklerislischc und liaufiiie Kix-lieininiLieu sind in der Schidiicnreihe
des hrauiieu Jura dureli Eisenoxulhvdrat hraun gofa'rbte Oolitho , die soge-
n-2
\ I. lli>l(ii i-rhc
n.iiinlcn I-. i sc noo I i I h e. Sic dilrfen nichl \er\vechscll \\enlen mil den
oo I i I h i sell en K i se n c r /. c n , \\elche sieh in der gan/.en Doggerformation so
(•(Mislant wiederfaolen, dass sic cinen lier\or-
sleehenden Charakler/ug derselbcn bilden. Sie
^ Ireten in zum Theil sehr bedeulcnder Machlig-
keit als Nesler und Lager /,\\ isehen Thonen und
Schieferthonen auf und sind dann das Objeel
mancbes ausgedehnlen Bergbaues gcuorden. In
dem braunen Jurasandslein \Vurtembergs kennl
man bei Aalen fiinl' I'liil/.e. deren unlerslcs und
/.ugleich bedeuleiidsles 2,3 M. maehlig isl. Auch
baiiNNiirdige Lager, noch hauliger aber lagen-
\\eise aneinander gereihle Nieren von Thon-
ei sen stein umfassl der branne Jura. Am
grossartigsten ist dies in Oberschlesien der Fall,
wo dergleichen Erzlagerstatlen in einci ctwas
Uber 30 M. machtigen Schichten reihe
/.one des Am. Parkinsoni) von dunkelen Thonen
auftreten und sich Uber einen Raurn von meh-
reren Quadratmeilen verbreilen. In der Regel
liegen dorl 3 bis 6 nur durch dilnne Letten-
mittel getrennle Eisensleinflo'lzc Ubereinander.
In grosserer Haufigkeit finden sich iso im nord-
\\estlichen Deutschlandj Geoden, aus mehr oder
a weniger eisenreichem thonigem Kalksteine be-
stehend, in Schnuren /wischen den Schieler-
thonen des Doggers. Sehr gewohnlich isl auch
das Vorkommen von Schwefelkies, welcher vor-
zilglich in dieser Formationsgruppe das Verstei-
nerungsmitlel der Ammonilen und anderer or-
ganischer Resle bildet und aut diese \\Cise. so\\ic
in knolligen (loncretionen, inanche Schichten des
Dogger anfillll, Nichl selten findel sicli endlich
in einzelnen Lagen des Schieferthones (i\ps--
spath in gro'sseren, regeimiissigen Krystallindi-
viduen eingeschlossen (Oxford, am Mils, in der
NN'esergegend), wiihrend (iNpssliieke und mach-
lige (iypseinlagerungen im Dogger nichl b(>-
kannl sind.
Die Lageruni?serhiiltuisse des Dogger sind
ganz ahnlieh \vie die des Lias fast durehgangig
sehr einfacher und einformiger Nalur. In man-
chen Vcrbreituiigsgebiclcn dieser Formation liegen
ihre Schichten, wenn auch \N ie in Oberschlesien 2 bis 300 M. iiber dem Mcc-
resspiegel, doch vollkommen horizontal; in anderen Districten sind sie schwach
,
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VI. Historisclie Geologic. 413
geneigl uiul bilden llachc Midden innerhalb dercr des Lias, odor habcn \\ ie
in Norddeutschlaod \\eiilaulige. Qacfaweiienfbrmige Faltimgon erlitten. Nur aus-
nahmsweise habcn sic uros>cre Stiiruniicn erl'ahren , so bei Goslar, \\o sic
\ollstiindig ubcrgfkippt sind, so ini scliu ci/.or Jura (siehe Fig. 242), \\o die
obere Trias, dor l.ias, dor Dogger und obere Jura cine An/ahl parallclor. aid
iluvr oborsten NYo'lbiing geborslener Fallen bilden , deren boide ausserslo cine
loiale Dbtakippang crl'ahren habcn. so dass weisser Jura , Dogger, Lias und
Kcuper in uuigekehrter A^BinanderfoIge ihrer ursprUnglichen Lagerungsweise
den .Muscliclkalk 11 n t cr Icuf en.
Allgeineiner palaeontologischer Charakter. Wie der Lias, so isi auch
dor Dogger cine Meeresbildung und deshalb im Allgerneinen sehr arm an
vegetabilischeo Resten. In Deutschland kennt -man ausser Fucoiden, welche
aid' den Scliichtunuslliichen des unteren braunen Jura (z. B. in WUrtemberg)
aus^chrcitci lirgen, nur vereinzellc <:onitcrenholzer, die sich mitten in marinen
(icbildcn linden, also nur eingeschvvemmt sein kbnnen , feruer in den feuer-
Icsicn riinncn dcs untcrcn Dogger von Oberschlesien die Reste einiger' Farn-
\\cdcl [z. B. Asplenites Rosserti Schenkj und des Equisetites Lehmannianus
(iiipp. In England hingegen und zwar in Yorkshire und Schottlaud trill im
miltleron braunen Jura eine vollstandige kleine Kohlenformalion von Sand-
slcincn mil \ id IMlan/cnresten , Schieferlhonen und einigen Kohlenflotzen auf.
Ilicr muss sich also \\iihrend der Dogger-Zeit ein flaches surnpfiges Feslland
aiisp-dclinl habcn. aul welchem Fame, Equiseten und Cycadeen wucherlcn,
dcrcn Hcsic Uns erhallen blieben. Dieselben gehoren der Mehrzahl nach den
(ics. hlcchlern Neuropleris, Sphenopleris , Hymenophylliles , Taeniopleris und
I'ccopteris, sowie Zamiles, Pterophyllum und einigen anderen Cycadeen an,
dcrcn Mannigfalligkeit sich im Vergleiche mil frUheren Perioden ausserordent-
lich gt'stcigerl lial.
An Reslen von Meeresthieren sind gewisse Schichten des Dogger so
''•'i''1' ^i(> die des Lias. Foraminil'cron und Schwamme sind noch schwach
\citi-ctcn, ebenso die Korallen, obvvohl diese schon zahlreicher werden, als im
unteren Jura und auf die grossc Enl\\i<-kelung, \veldic sic im oberen Jura er-
langen sollen, \orl)ci-eilen. Unler den Echinodermen trill die Gattung Penla-
(linus in den Ilinlergrund , stall welcher, wenigslens in England, Aj)iocrinus
crscheint. \\iiluvnd M'I-!I /ugl«Mch die Echiniden (z. B. Nucleoliles, Holeclypus,
Cidaris melircn. Die Hrachiopoden sind sehr stark im Dogger vertrelen und
/ \\ar \\escnilicli dinvli /aldreichc Arlen von Rhyn chon ell a und Terebra-
lula. \\ahrcnd die (ialtunu Spirifer mil dem Lias ausslirbl. Von Z\\cischalern
^c\\inncn die ciizenlliclien Oslrccn. welche jetzl zum ersleu Male gan/.c
Hanke bilden. cine sehr urossc Manniglalligkeit und Verbreitung. Einen gan/.
eiucnlliiinilichcn Charaklcr abcr crhiill die Fauna des Dogger (lurch die I'ormcn-
imd indi\iducnreichc Enl\\iVkrlung dcs (M-schlcchts Trigonia. Unlcr den
(Jastcropodcn ist vor Allcin das (lesehloehl IM « urotuma ria licr\or/uhcl»cn.
Die A minoii ilcn und Bel em n i I e n sct/.cn im Dogger eben so mamiiglallig
fort wie im Lias und besil/.en die nclunliclic Wichligkcil ftlr die Gliedcrung
jener \\ie dicscr Formalion. l-'iscln- linden sich \\ciiiger hiiulig in \ollsl;iudig
VI.
erhallenen I'Aemplaren. (Inch \\ciscn i^nisse iilan/ende S<-|inp]icn , Ziihne und
Klossenslachel anf die damaliiie Iliinfiirkeit \<m (ianoideu und I'laeoideii hin.
Die Saurier. namciillich Ichlhvosanrns nnd I'lesiosanrns. seheinen sellener /u
\\erdcn. -- es knmmen nur nodi \ crcin/.cltc Skelclthcilc. \ (ir/iijzlich \Virhel
\or. Kine dcr mcrk\vnrdii:slen Krsclieinunin'ii \\iihrend der Doggerperiode,
auf die uns iihriuens dcr l-'und oliertriassischcr Beutelthjerkiefer \ oi hereileU-.
is( das Aul'lrelcn kleincr Siinuelhiere nnd /\\ar kleiner Henlellhierc . deren
rnlerkicler in dem Kalkseliiefer \on Sloneslield enldeckt und A in |>h i I h e r i u in
und I'h .1 sciil u I her i n m lifiiaiint \\urdcii.
Vif. 24:t. A ra phi til e r i u in I' r P v o s t i
Cll V.
l'ig. "214. P )i a s o o 1 n t b e r i u in J! u c k 1 a nil i 1! r o <\ H r i p.
(les Dogger. Wie der Lias /erfiillt auch dcr DoiiiiiM1 in drci
^n , \\elche sich \\icdcnini in verschiedene Zonen L'liedern.
a Unterer Dodger; Zone des Ammonites opalinus und Am. Murclii-
sonae.
Fig. 2-lfi. Trigonia navis Lnm.
Fig. 24*>. A in in o n i to s o p al i n n s
Ifcin.
1 . '.'Is !'• • r I <• 11 persn n al u •
Ziet
Fig. 'J47. N IK-U i :
H a m ni P r i I) e f r.
1 II ii r i' l :l 111 U S \< o 1 y p 1 n r II :• F. K » in f 1.
Die Scbicbtengruppe he^inni in Denlsclilaml mil dunkelfarbigen , miiden
Schiefoi-lelten. welche hraune Thoneisensteingeodeu und als Hauptleitfossilien
\ I. HMoiiM In-
Aminniiiles opalimiv Kein.. Aiiiiiuinilfs MinvliiM.ii.-n- S..\\.. Amm..nitus lonilnsus
Xi.-l.. Triunnia n,i\i> l.;ini.. Nucul;i llaiiiineri HelV nmsrliliesseii, deivn /inn
ISO. Ammonites II ii'in i'ii r e si an
Tlieil scfmeeweisse Scfia-
Icn sieli izivll aiis den dun-
kden Tinmen liei \orlieben. Auf
sic loliien in Schwaben uelhe
HIM! ln-iiuiif S.iniKlfiiif,
die ulicn iTu.ilmlrn Misi'iislcin-
il.ii/i- \dii A.-ilfii untergeordnel
sind. Kiir sic lif/ciclincnd isl
d.iN Vorkomnaen \ouAinm. Mur-
i-llisiili.if. so\\ if dt'l' ill lin/.iilll- Fig. 2:.1. Ostrca Marslii
Sow/
liiicr MciiLif auftretendd Peel.
|irr>iin;ihis /id. piiinilus l,;nn. . lin nord\\ t'slliclicn
hi-ni-M-lil.iiid ii-ficn I'iir die ;m Ainin. Murcliisoniic
iviclicn ciseiisi-liiissiiieu Sniidsicinc glimmerhaitige
Sfliidc! llniiic mil liHicfr.iiniiN pnlx plocns I. Hiimcr cin.
l)crsi-||»(' /.\\ fiscli;ilcr isl ;nich 1'iir die entSprechende
Sehiehtengruppe Ol>erscblesien8 charakteristisob.
\> Der mil (l<>i-(» Doiiizi-r. ndcr die (loronalen-
Zona.
l-'.-s i>l dies in Siiddenlselihind. Kranki'eieli und
l;.iiL:l.iiid \\e-M-nllii-li cine k;ilksleint'(H'lii,ili(in \ mi ihcil
\\eisenulilhiselier HcscluilVenlieil so iin Seliweizer ,lnr;i .
\\cnn iincli Ewischengelagerte duokele Thone oichl ,ms
L:rs, |||USN,.|I sind. in \nrddeuKeliliind ;ilter \\rrden di
kcli;r;ine Thone mil TliHiieisensleiii^eiideii \erlrelen.
sclicn Heslc. \\elclie diese I iiler.ilillicilnnu des DOLJ^CI-
liiii-s:j,.|.ii-leii rli.ir.iklei-ixirrn. sjnd Ann ..... tiles Iliiinpliresianiis S<i\\ .. lielcinniles
iiiiianlens Srlilolh.. O^ire.i M.ii'xhi Sn\\.. (iivsslva ahdueta Phil.
c) Der ohere IhiLi^er: /one der I'.irkiiiMinii r. M,nTnce|iliiilen und Or-
nalcii.
. KP!. p
Sell 1 .
KalkL'eltilde diirch ilun-
Die \\ ielili.nslen nriMlli-
in alien ilnvn Xfi'hrei-
4H> VI. Ilislonschc (J
Ks besieht diese Sehielilengnmpe in Denlsehland \\iedermn \or\\alteml
aus thonigen (ie.sleinen, /\\ isclicn denon sich ein/elne Biinke von Kisenoolith
cinstollen. Von dieseti gewinnen y.\\ei besondere Wichligkeil ;ils Orienlirungs-
millel in der Schielilenreilie des Dogger: der Eisenkalk des Cornbrash voll
A\icnl;i t'cliin;ii;i und die grobktiruigen EiseDoolithe mil AiDmonites roacrocephalas.
l)it> gewOhnlichsten und xcrltrcilcslcn Tliicrrcstc dcs oberon Dogger sind Ain-
iiuniiit's I'jirkinsoni Sow. iin nntcrcii Ni\c;ui). Am. marcrocephalus Sclilotli..
Am. oniatus Schlolli. bride im olx'i'rn Nivraii':, Belemnitrs subliastatus Zit't.,
Hrl. ranaliculatus Schloth., Tri^mia rostala I'ark. (inlrrlar\ iuala Ournsl. , Avi-
cula rcliinala Sow., Rh\ nclionrlla varians Schlolli., Terebralula dii-ona S<»\\.
Tiu'. '!•>:>. Hhy ncli" ncl 1 ;i
varians Sch 1 n t li.
Fig. 253. A.mmonites macro- Fig.-,254. Trigonia costata Park. Fig. 25f>. Terobratnla
cepbalusSchloth. digonaZiet.
In England und in ahnlicher Wei se in Frankreich hat die ebon als oberrr
Dogger kurz beschriebene Schichtenreihe eine von der deulschen alnscit'lu'iidr
Ausbildung erlangl, indem sich dorl ein in Norddeulschland nur diuvli drn
Cornbrash, in WUrtemberg durch 3 M. machlige, versteinerungsarme,
und oolilhische Kalke angedeuleles, in England aber tiber 100 M.
und vielfach gegliederles Schichlensyslern, der Bath (Zone der Terebralula
diiriina und Ter. lagenalis) in das milllere Niveau des oberen Doggi'i1 rinschiebl.
Die englische Balh-Gruppe wird namenllich durch die miichlige Entwickluttg
der Oolithe (great oolilhe) charaklerisirl, die sich von England aus durch
Frankreich bis in die Schwei/ verfolgen lassrn. Direct unler diesen (Iros.s-
oolilhen und mil ihnen eng vrrkniipl'l Ireten kalkige Schiefer auf (die Slonrs-
(ield-slales), welche durch ihre \\irbrllhirrrrslr brrilhml grworden sind:
anssrr x.ahlrrichen Skelellheilen von Reptilicn, /. B. M>n l'lrr.idacl\lus linden
sich dorl die oben erwiihnlen BrutrllliierunliM'kierer.
Manche Geologen belrachten den durch Ammonites macrocephaius und
Am. oniatns bexeiclmelen nberslen ll(»ri/onl des Dogger, den Kelloway. als
unlerstes Glied des weissen Jura und schliessen den Dogger mil den Schichlen
des Cornsbrash ab. Zur Orientii'ung in der speciellen Gliederung des Dogger
diene beislehende taliellarisehe /usammenslellniiL:.
VI. lli.-lorisrhf (i
417
Gliedernng des Dogger.
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ii Wiii tomln'ri; Ouoiistedl
Im n.-w. Deutschland
(v. Seebach)
Fiir England und Doutsch-
l.-intl (Oppel)
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Sell it- ti I c n in i t \ m.
ornnt us, AIM. Lamborli,
Am. Jason, Hoi. semi-
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Ornaten-Thone
(diesclbcn Resle)
Schichton des Am.
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Scliicliten des Am.
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Schichte n ID it A in.
macrocephalus
Macroccplialcn-
Scbicblen
Am. Gowerianus, Bel. sub-
bastatus
Schichten des Am.
macrocephalus
£
Oolillie uiul mergeligc
K.ilki' mil Rliynclionella
Mirians, Trig, inter-
laevigata
Cornbrasb
Avic. ecbinala, Am. postc-
rus
Ter. 1 a g c n a 1 i s - B e 1 1
(Cornbrash u. Forest
marble)
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()sl i ca-K nori-Sch icb-
Icn
Trig, intcrliiftvigala, Ast.
pulla, Rbyn. varians
Ter. digona-Belt
Bradfordclay, Gross-
oolilli,Slonesfield-slales,
Kullersearth)
Schicblen mil A mm.
Parkinson!, Ter.
bullala
Parkins oni-Schichten
Parkinsoni-Betl
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ft
T
Ost. Marslii, Ost. eduli-
formis, Pleurot. ornala,
Hcl. u i tia n teu s, Hrl.
canaliculatus, Am. lluin-
phresianus
Coronaten-Schicbton
Ost. Marshi, Grcsslya ab-
ducla, Bel. giganteus,
Am. Humphresianus, Am.
Braikcnriclgii, Am. Sauzei
Humphresianus-Bett
Bel. ^i^jiiitcus, Am.
Sii\\ci l>\ i, Am. Hum-
ph resiii n u s
V
h
V
c
_
P
>rliiclilon mil
A in. Murohisonae,
Pert, pumilus
Schichtcn des Inoce-
ramus polyplocus
Am. Murchisonae, Pect.
pumiluN, (ircsslya donaci-
formis
Am. Murchisdiiae-Bett
a
Opalinus-Thone
1)Tri{;. na vis-Zone,
8) Am. lorulosus-
'/.(> IK'
Am. u|);ilin.. Nuc. llamm.
Onlli. iirmal., Hrl. lircv.
Schichtcn des
Am. op a Ii nus
Nucula Hammeri, Tri-
L'uniii navis
Triiion. navis-Fielt
Am. torulosus-Belt
nliei-ster Lias (siehc Tabelle auf pag. 411
Der weisse odcr b
Petrographischer Charakter. Zuisclu-n dcm l.i;is und
und dfin nlicrci) Jura andcrprsrits iziclil sidi iin irrosscn (Janzcn cine aullallcndr
petrograpbiaobe Verscfeiedeobeil /u crkcniKMi. Die im Alliicnu-iucn his dahin
dinikrlc Gesteiasfarbe wird \\ciss odcr licht i:cll»licli \veiss, Sandslcino und
Thonc trrton /uriick . ln>llt'ai-l)ii:c Kalksteine und Kalkincri.M'1 und lichen ihnen
Credner, Elemente d. Geologic.
27
418 N I. lli-inn>rhe Geologic.
spielen die Maupirnlle. Als diis \\iclitiirsir Schichtenmaterial des in
Deutscliland iilier :500 M. machtigen \\eissen .lur;i miissen die meisl \\eissen.
nur ausnahins\\eise dnnkel ^ei'iirbten Kalksleine angesehen \\erden. \\elrhe
in den mannigfaltigsteo Varietiiten eraoheinen. Bald sind sie oolithisoh. bald
dieht. bald dicksehichlig, bald schiel'erii: . liier sind sie fast vollknmmeii ver-
sleineninizsarm, dort stellenweise ganz angefulll von organisrhen Resten. Na-
menllieh sind es Spongien und Korallen, welche das Material nianclicr Scliicli-
tt-iicoinplexe fast ausschliesslich geliefert haben, die danach Spongitcn- in id
Korallenkalksteine genannt werden. Eine sowohl durch ihre technisehc Nulx-
barkeit wie durch ihren Reichthum an eigenthurnlichen organischen Reslen
und deren aussergewbhnlich gulen Erhaltungszustand berilhrntc Vaiidat der
plattenfonnigen dichten Kalksleine sind die Solenhofener lithographisclicn Schic-
fer, welche in der Grafschaft Pappenheini in Bayern gebrochen vverden. In
gewissen Verbreitungsgebieten des weissen Jura erscheinen bedeulendc Ab-
lagerungen von Do 1 omit, welche si<-h durch ihre verhaltnissmassige Annulh
an organischen Resten, durch ihre kryslallinische, porb'se und cavernose
Structur, durch ihre meist schroffen Abstiirze, ihre oft abenteuerlichen ruinen-
ahnlichen Felsformen, durch ihre Spalten- und Hohlenbildungen von den bo-
nachbarten Kalksteinen unterscheiden. Statt der reinen Kalksteine und Dolo-
mite treten besonders in den hoheren Etagen des weissen Jura sehr gewbhn-
lich stark thonige Kalksteine und Kalkmergel auf, welche dann oftmals mil
wirklichen Thonbanken wechsellagern. Viel beschrankter und namentlich in
der Na'he von Hannover bei Limmer und am Ith, sowie im Jura bei Porenti¥u>
aufgeschlossen , ist das Vorkommen von mil Asphalt iinpriignirlem Kalkslein.
Die in den Asphaltbriichen von Limmer gewonnenen oolilhischen Kalksleine.
schieferigen Mergel und Mergelkalke sind in der Weise \on Bitumen dureli-
drungen, dass sie frisch gebrochen eine dunkelbraune Farbung zeigen, einen
intensiven Geruch verbreiten und oft Nester und Streifen eines dickflussigen,
zahen Erdpeches umschliessen. Haufig sind auch die Schalen der in ihnen
vorkommenden Mollusken in reinen Asphalt verwandelt. Dem Einflusse der
Sonnenstrahlen ausgesetzt, bleicht das Gestein und wird fasst weiss.
Palaeontologischer Charakter. Wie in den unteren Elagen des Jura,
so sind auch im weissen Jura Pflanzenreste sehr selten und gehbren einigen
Cycadeen, Coniferen und Farnen an. Die Hauptrolle spielen die Verlreter des
Thierreiches. Die wesentlichsten ZUge seiner Entwiekehmg \\iilirend der Pe-
riode des oberen Jura lassen sich wie folgl kurz 7,nsammenfassen : Die See-
M-h\\amme vermehren sich in einer so enonnen Weise , dass sie gev\isse
Banke (Spongitenkalke) des schwiibischen Jura vollkommen anfiillen . wiihrend
die eigentliche Gesleinsmasse nur noch das bei weitem zurii< ktretende Sehich-
tenmaterial ausmacht. Es giebt in Schwaben slundenlanue Pelswttode und
Klij>pen von mehreren Hundert Fuss Hbhe , wo man keinen Stein aufheben
kann, der nicht Spuren von Schwammge^ebc entliielte. In ganz ahnlirher
\Veise entwickeln sich die Korallen und z\var namentlich die Geschlechtor
Isaslrea , Thamnastrea , Stylina, Montlivaltia , Thecosmilia u. a., nur ist ihre
Verbreitung eine well allgemeinere, so dass sie in fast alien Territorien des
VI. Historisrhe Geologic.
419
\\eissen Jura ansuedehnle Korallenride aafuehant liaben oder za maehtii:en
KorallenbSoken anucliiint't sind. Aurh die frillier nur spiirliehen K c li i n i d e n
i:e\\innen an lliinfigkeit, y.alilreielie Arten dec (leselileeliter (lidaris, lleinicidaris.
Diadema , Echinobrissus gehoren za den bezeielmendsten oruanischen Resten
dcs (ihcrcii Jura: ilnv I-'raiJiincMtc. naiiiciillich ihre Slachcln . fallen cin/.rlne
Uiinkc (z. B. die Cid. (lori^einnia-Banke) in grosser Menij;e an. Wiilirend die
I'en I ai-rini le n im Veriileieli mil der Un/ahl von Individnen in gewissen
Schiclilen des Lias seltener \\crden. i;e\vinnen andere (li-inoiden^esclilecliter,
iiaiiicntlic'h Apiocriuus, Eugen iacrinus, Rhodocrinus gro'ssere Hiiu-
liiikeit. Die eelilen Osdven trelen fast noch massenhafter auf, als ini Dot^er;
zu ihnen gesellt sich em neues Oslreidengeschlechl Exogyra, dessen Vertreter
l-Aiii:. \iri;nla nainentlicli fill1 die oberen Ilorizonte des weissen Jura bezeich-
nend sind. Audi die Triiznnien stehen denen des Dogger an Hiiufigkeit
kauni nai-h und liefern einq Anzahl wichliger Leitfossilien. Das -Zweischaler-
Geschlecht Die eras, nahe mil Chaiua verwandt, besitzt besonders fUr die
Selixveiz and den Iranxosischen Jura Wichtigkeit, wo seine Vertreter den Haupt-
Itestandtlieil der dnich ihre Felsbildungen chrarakterisirten Diceratenkalke aus-
maelien. \ 'on alien oberjurassischen Gasteropoden zeichnen sich die Neri-
( 3U^^
Fig. lr>7. Pterodactyl us eras si rostri n Ooldt'.
neen. \\elehe jel/l das Maxiinuin ihrer Knt\\ iekelanir erlangen, dnrcli l-'di'inen-
nnd lndi\idaenreiehllaiin aus. Die A in in ci n i I e n and Heleinniten enlfalten
in deni oheren .Jura nielit die i'|)pii;keil. dareli \\elehe sic t'iir fast jede einzelne
420
\l.
(icolo^ic.
Scliicht (U'S Lias mid Dogger so charaklerislisch \\urden. Das Yorwalten der
Planulalen, eincr Familie dcr Ammonilen, deren Hippen sich aid' dcm
Riicken spalton , isl ftlr den weissen Jura bezeiehnend , ebenso die llaufigkeii
dcr augenscheinlich von Ammoneen abstammenden Aplychcn.
Die Fauna dor Wirbellhiere wird ini weissen Jura urn mchivrc T\pcn
beiviclicrt, naincntlich finden sich in ihnen die erslcn Knochcnrcslc von
Sehildkrb'ten (Chelonides, Slylemis, Emys u. a.), also dcr hochsl organi-
sirten Amphibien , sowie der Vdgel, von denen uns aus aileron Forrnationen
nur Fussspuren , die mil Bezug auf ihren Ursprung nicht immer gam un/wei-
felhaft waren, bekannt wurden (siehc |>aiz. :{95). Dahingegen sterben Ich-
thyosaurus und Plesiosaurus fast vollkoninien aus, \\iihrend die ga \ialii hn-
lichen Saurier und riesigen Lacerten (Teleosaurus , Geosaurus, Machimo-
saurus, Pliosaurus) ziemlich haufige Knochen-, Panzer- und Zahnreste hinter-
lasscn haben, und die Flugsaurier (Pterodactylus und Rhamphorhynchus das
Maximum ihrer Eutwickelung erreichen. Namentlich sind uns in den litho-
graphischen Schiefcrn von Solcn-
hofen vollstandige Skelette dic-
ser abenteuerlichen Echsen erhal-
ten, welche mil dem ungeheuer
verlangerten ausseren Finger dcr
Vorderfilsse eine Flughaut jeder-
seits des Kb'rpers spannen und sich
mil dieser in flatternde Be\\egung
setzen konnten (siehe. Fig. 257).
Die alteslcn Skelettheile cincs
Vogelswurden, wie bemci'kt. cben-
falls in den lithographischen Schic-
fern von Solenhofen gefundcn : sic
gehoren nur einem einzigen Indi-
viduum an, cin Hc\\cis filr die
noch immer ausscrordcntlicli ge-
ringe Vcrbreilung des Vngell\pus
auf der jurassischen Erde, \\iih-
rend \vir heutc iiber (>000 Species
eierlegender \VarmblUter kcnnen.
Der solenhofener .luraxogel. Ar-
cliaeopteryx maerurus O\\. ,
unterscheidel sich am aull'allcnd-
slcn MIII alien jel/.l Icbcudeu Vii-
gclu (lurch den Ban seines Sehwan-
zes und Heckcns . in \\clchcm er
Fig 258. Xrchaeopteryx macrurns Ow. s: I, | n |.,n,rc,.|iw:iiv/i<'i'n lli<M<,.n
a hnnchendPsr-inr,, Khigols. -/.usainmpngp^Kt. 1> GabelknodiPn.
r Elliv il S|ifi,-h,.. ,. (ilMT.irni des andcrcn FliiRfls. f BeckPn-
noohen. g SchiHerknoelHm. h nimrsrhonkpl. fUntftrechenkel.
k 1'uss. 1 Schwadzwirbnl. m Fedprn dt>-. Sc-liwanzps.
den Sauriern anschliessl. Ilier \\ic-
derholt sich also die Erscheinung.
Char.iklere jet/i schiirfer gelrennler Thierkreise noch in Combination aul'trelen.
/Wi«j^fi/'H. &tni*J-U* s i til .4* * £>]% +
VI. HistoriM'he Geologie.
421
ritcm-ste und z\var n;iincntlich rnlrrkiclVr von Sii nuot h i c rr n sind his
jpt/l nur a us ciniM- \\cni-c /nil miu-htigrn LII-C dcs oh<>rsU-n \\cisscn .him von
England hrkannt g«'\\.»rdrn. Sic g.'liuivn S oder «» (latlimgrn und etwa U
S(HM-i«-s. sovNohl llrisrh- und insn-lcu-. uic pllan/.cntVcssiMulcn klcinen Bcutel-
thitMvn an.
(iliiMlerung des obereu Jura. Der ohere Jura zerfalll in dici Tntt r
jihtlKMlunpMi: den Oxford, KiinintM-iduc und Purbock; von iiiiiiu-lu-n (Joologen
\vird drr Kfllouax. \NC|<-|HT in diesor /usammcnsU'lluiu; als ohcrstcr
hclraclilct \\urdr, /inn \\cissrn Jura gezogen.
llausbergen Jacobsberg Cementfabrik
2-9 4
Fig. 259. Pr'ofil des weinsen Jura in der Porta Westphalica.
II Cornbrasb. 2) Kelloway, :« Oxford, I) Kimmeridge, 5) Exogyra virgula-Schichten. K) Plattenkalke, 7) Miinder-
mergel, 8) Wealden, 9) HUB.
l)««r Oxford.
Die SHiirlil.'mviho dcs Oxford wird vorzugsweise aus dichten Kalksteinen,
Ooliihrn. Kalkmi'i-goln und Dolomiten aufgebaut und im Allgemeinen charaklc-
risirl durch die Ftthrung von Cidaris florigemma Phill. , Cidaris coronala Goldf. ,
Kdiinohrissus scutatus Lam., Hcmicidaris crenularis Ag. , Apiocrinus Roissya-
niis d'Ord. , Tcivhralula (Megerlea) pectunculus Schloth., Terebralula impressa
Hurh, Hhxnchonella lacunosa Schloth., Trigonia clavellata Park., Ammonites
hiarmaliis Zict. , Ammonites perarmatus Sow., Ammonites biplex Sow. (plica-
tilis d'Ord. , Hclcmnilrs hastatus Blainv.
In dicscr Schichlcnfolgc treten drei Horizonte durch die massenhaflc
Anhiinfung nalu- \cr\\andter Thierformen desonders auffallig hcrvor. Der
lirfslr dcrsddcn (sirhc die unten folgcnde Tabelle) ist cine Kora Hen bank ,
\\Hrlir namcnllich in Norddeulschland und England entwickelt und vor/ugs-
\\.-isr ans Sti.ckcn von Isastrca holianthoides Goldf., Stylina limhala Goldf. ,
Monllixallia srssilis MUnst. u. a. zusammengesctzt ist. Eine iihnliche Korallen-
Fig. 260. ilemicidaris cronnlaris Ag. a Von der Seita ; 6 von Oben ; c vou Unten.
122
\l Historische
Fip. 2til.
(.' i il a r i a f I o r i-
ge rn in a Phil.
'l>rpbratula p«ctnnctilus Schloth.
Fig. 203. Trigonia clavella a Park.
Belem niti
hai-tatus Blainv
l);ink i^Coralrag von NaUheim zeigt sicli in Scinvaben in einem et\\as
\i\c;m, iichnilich an der oberen Grenze des Oxford, lliroin organisi-lu-ii I r-
sprunge nach den Korallenbanken iihnlich sind die Spongiten- (otter Scy-
phien- Kiilke, welche in Franken tintl ScliNNnlien am niaehligsten sind, von
\\«» aus sie sich mil IbrhNiilirend abnehmender Miielitijikeit durch d;^1 Sch\\t-i/
bis in die Bourgogne verfolgen lassen. Wie dcr Name andeutel, bilden
Spmiuien tlas ursprUngliche Hauptmaterial dieser Kalksleine. Namenllieli isl
die (lattung Seyphia (z. B. durch Scyphia reticulala (ioldl'. . CtuMiiidium /. li.
diireh (Inemidium rimulosum (ioldf.), Tragos (z. B. dureli Tragos patella (ioldf.
Fig. 2Wi. Diceras arietinnm
La m.
Fig. 2K5. Scyphia reticulata
6 Einc stark vprprosserte I'artio des iSchwatninu'' •:
vertrrU'n. Den tlritten /oogenen Ilori/ont ties \\cisscii Jura bildeu die Dice-
rale n-Ka Ike. di(> in den frau/usischen unit seh\vei/er Terrilorien der .Inra-
formalinii ihre uriissle Vcrbreilunii linden, an der (Jrenze /AN isehen Oxford imtl
Kiiumcridge stchen nnd angefdllt sind von Dieeras arielinum Lam.
VI. Historische Geoloeie.
423
It Her Ki iniiH-r
Die Srliirlilonroihe do Kimmoridtio hestrhl aus didilen , tluini^on und
onlitliisrlion Kalksloinon. \\alnvnd in ihren obeivn llorizonten Kalkmergel von
\orhoiTsrhond uraiu'r, liclil i-olblirliweissor odor vollkomnuMi weisscr Farhe
Fig. 2»>7. Pteroceras Oceani Brong.
Fig. 2W*. Nerinea tuberqulosa Rom.
Fig. 269. Exogyra virgula Sow.
VOIAN alien. Unler don zahl-
n-ichon orgainscften Resten
dioscr (irup|)o sind als Leil-
In.ssilicii hoi'xnr/nliolMMi : Ple-
roct-ras Ocoani Brong., Neri-
nea tubt'irulosa Rom., Neri-
noa Brunlrutana Thurni.,
Norinra |>\rauiidnlis Mllnst.,
K\oi:\ra viruula Sow., Pholadomya acuticostata Sow., Corhis subclathrata Buv.,
Tcroliratula siihsella. Lo\in.
Den intcrossanloston Schichtoncomplex dor Kininicridi-'cfonnation bilden die
Solonlmi'cnor Scliid'cr. Ihr iiloicliiniissi^'s Geftige, die Feinheit ihres Kornes,
hcdin^fii niclit inir den hohen technischen Werth dioser Plattenkalke, sondorn
lialx-n sio aucli /uiiloich /.ur Krhaltnng der zartesten Thetle von Organisincn
Ix-laliii:!. so dass uns in ilinon cine roiclio ohorjurassisclie Fauna tlberliofort
\\Di-doi i ist. die nlino so ^Instiiir Vcrliiiltnisso spurlos verschwundon \\iirc.
Hire Hanplropr;isontanton sind nackto Ccphalopoden mil Schulp, Mantel, Kopf, Ar-
nicn. Mauon und Tinlenhontol, forner Aplychen, Krebse, namontlicli Asiacidcn mil
Niokliodcriiion Filhlern und wohlorhallenen Scheeren und FUssen, I.ibelluliden mil
doiu /arlosten NetzgoNNcbo dcr Fliip-l, langbeini^r Spiinn-n. l-'ischskoletle vorztlglich
vonMojialunis-und Aspidorli\noliiis-Arton, ondlidi Hoslo, ja /.innTlioil vollkoninuMie
Knoclionizorilslo dos Pterodactylus und RliainpliorliNiiclnis. l)onsoll)cn Sohiohlen onl-
slannnen, wie beroils n\\almt, die Kuochenreste und Federn von Archaeopteryx.
424
VI. lliston.srlic
Steinkcrne.
Ill den Alpen iiinl Apenninen, namenllich in Sildlirol, fimlen sich rothe
mid weisse Kalke, vvolchc cine ganz eigenthUmliche Ammonilenl'aima bergen,
iiiiMicntlich aber (lurch ihrcn Reiehlhum ;m Terebralula diphya Col. be/eirlmH
und von bunlcn Kalkschiofcrn mil zahlreichen Aptychen (Apl\chonschiel'rni
unlerlagerl werdcn. Dicser Schichlencomplcx isl als cine
cigcnlhUmlichc Facics des obcrsten Kimmeridge, viclleichl
zum Theil auch als cine Aequivalenlbildung des Purbeek
/u belrachten und als tithonischc Elage bezeirlmei
\\orden. Auch im nordlichen Miihrcn, sowic in Ungarn,
\\tederholen sich Gebilde dcrselben, durch Terebratula
Fig. 270. Terebratnia diphya bczcichnclen Facies (Klippcnkalke, Stramber^ei1
Kalke). Die Zugchorigkcit dor unlcrcn lilhonischcn Schich-
len zum Kinimcridge geht mil Sicherheil aus dem Vor-
kommen von Ammonites plychoidcs Quensl., Am. torti-
sulcalus d'Orb., Am. hybonodus Opp., Am. lilhographicus
Opp. u. a. hervor, vvelche sie mil den Solenhofcner
Schiefern gemeinsam haben.
Fig. 271. Ap tychns
laiuts Munst.
c) Der Purbeck.
Wahrend die Juraformalion in den meislen ihrer Verbreilungsgebiete mil dem
an Exogyra virgula reichen oberen Kimmeridge abschliessl, folgt auf diesen im
slidbsllichen England und an den 'gegeniiberliegenden Ktlslen Frankreiehs,
sowie im nordwesllichen Deulschland, eine z. B. am Deisler bis 500 M.
macliliiie Schichlenreihe, welche mil dem Namen Purbeck oder unlerer
Weal den belegt vvorden isl. Sie beslehl in Deulschland (siehe Fig. 259) zu
untersl aus dilnnplalligen Kalksleinen (Eimbeckhauser Platlenkalkeivi \oll Cor-
bula inflexa Dunk., auf welche rolhe und grunlich graue Mergel (Mundermergel]
mil Gyps- und Sleinsalzeinlagerungen, sowie mil Corbula, Paludina und Cyelas
folgen. Sie wiederum werden von cinem Kalkslein Uberlagerl, der von Scr-
pula coacervala Blum, angefiilll isl und
zum Theil tasl allein aus den Rbhren der-
selben beslehl, zu denen sich noch einige
C \renen- und Corbula -Arlcn iies(>ll»Mi.
Wie die organischen Resle des deulschen
1'urbeck beweisen, isl dieser eine Brak-
wasserbildttng.
In England besilzl die Scliichlen-
reihe des Piirb(>ck nur 53 M. Miichligkeil
und besleht, abgescHien von einigen Kalk-
steinbiinken marinen Ursprungs, elxMi-
falls aus Brakwasser- und Susswasser-
gebilden. Es sind Ihonige graue Kalk-
sleine und Mergel mil Paludina, IManorbis, Limnaea, Melania, Cyelas, Cyrena,
Corbula, Unio und Cyprisarlen; namentlich lelzlcrc bcdeeken die Schichlungs-
fliiehen in ungeheueren Schaaren. Dem millleren Niveau des Purbeck gehdrl
Fig. 272. Profil durch don un lorn ten
Pnrheck auf der Insel Portland.
a Portland marin. h Siisswassergebilde des nn-
terpn Purbeck. c Purbeck-Dammerde mit Coni-
fpren. d Siisswassorkalk.
VI.
425
Die (iliiMlcrung rtes oheren Jura.
Alljjemeiiie Kinthei-
luni; narh Oppel
Im n<inlwcsll. Doutsch-
l.uiii nac-li llciiir. Credncr
In Hannover nach
\<m Seebach
In England
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Porbeck
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Serpulit
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Serpulit
^
Purbcck
Miindermergel
5 Purbeckmergel
~>> Eimbcckhauser
Plntlcnkalke
^ Eimbeckhauser
Plattenkalke
-
:r.
•a
<o
&
5
x
hvtt dcr
Trigonia gibbosa
Schicbten der
Exogyra virgula
Schichten des Amm.
gigas
Portland
Kimmeridge
Schichten der Exog.
virgula
SolenhofenerSchirli-
len
Schicbten des
Pt croc eras Ocean i
Nerin. pyramidalis,
Ncr. Bruntrutana, Ner.
Gosae
Pleroceras-Schichlcii
Belt des Ptero-
ccras Ocean i
Nerin. pyramidalis
1. iii-iii. i substriala,
Avicula subplana,
Cid. pyrifera
Belt der Astartc
s u pracora 1 1 i n a
IVrl. \arians, Oritli.
scplemplicnlum, ('.hem
ahhrcviata, Xalica glo-
hosa, Nal. hemisphae-
rica
Schich ten mil Ner.
tube rculosa , Neri n.
obt usa , Cbcmnitzia
abbrcviata, Cerith. sep-
teinplicatuiii, Astarte
supracorallina
(?) S c h i c h t en d e r
Neri n. V isu rgis;
Ncrin. luberculosa,
Chemn. abbreviata,
(1'Milli. septcmplicatuni
K o ra 1 1 e n -0 ol i th
Cid. Horigemma, Rhyn-
chonclla pinguis, Ter.
humeralis
Schichten mil Nat. glo-
bosa, Nat. hemispbaer.
—
:-
C
X
o
? Belt des Diceras
a r i e I i n u m ,
Ner. Visurgis
Schichten mit Ci-
daris flori gem ma;
Ncrin. Visurgis, Phasia-
nHIa striala, Pcct. \a-
rians, Tcf. liumcralis,
Khyn. pinguis, Chcmn.
Heddingtonensis
0\f(ir<l-0(ililh
1'. •• 1 1 des Cidaris
flori ut'in in a ;
Iriu. i la\Hlala, Cliemn.
Hcddingtonensis
Scy phien- Ka Ike
Slid- DrlllM-hlalllls Mill
/.alilrcichcn Spontiicn,
lUixn. lacunosa, Trivln-
pcctunculus, Cid. curd-
natus
Schich ten der
i. r\ ph. <l i 1 a ( a la
iiml I'l-clcn siihlilirosus.
X.iiobersl die K o r al-
ien bank, i I.I Ml III. T
Sch ich t tnit Am m.
pcrarma tus,
AIIIIII. complnnaliis.
Am. (-(iidatus, Atnm.
plicatilis
Kora He n ba n k
IsasliiM licliaiilhoidi's
l-ower
calcareous
grit
Oxford-Clay
Boll des Am. biar-
m a t u s ,
Am. rnnl.itu-. \m. pcr-
annahis . H.'l. ha.st.ilii-;.
Gr^pli. ihlalala. Tcrebr.
inipressa
II IM sii en i1 r Sc h ich-
IIMI mil Am. pcrarma-
tii^. l.i\ph. dilatala,
Pect. siiblibrosns, I'ha
sian. striata, Amm.
plicatilis
Kcllo\\a\
Dogger: Kclloway
Kclloway
l\i-llo\\ay
die inn \\nii-c /.ill miirlilip' S<-hiclil ;in, \\clrlic (lurch die znhlrcichcn Fund*'
von oiiiLM'sclnNciiinilcn Sii uur I h i c rrcslon cin so .m'osscs pjilaconloloiiisclics
lulcrcssc ci-li;ilt(Mi h.il. Vor/iiulich sind cs, \\ic bcrcils ohru <-r\\iihnl, die
TnliM kiclcr \on Betrteltbieren, die man dicser Schichl entnommen und PJagiau-
426 VI. Hi-torischo (ioolo.mo.
l;i\. <;.ilr>tes. Trinniiidon bcnannl hal. In dieser \on Niederschliigen JIMS
Wasser gebildeten Schichlemvihe und z\\ar namentlich in ihrem tiefslrn llm-j-
zonte sind dankelbraune Itis schwarze Zwischenlagen von \or\\elllidier Damm-
erde (dirt-beds) efngeschaltet, \\eldie zahlreiche DbertfeSte einer ans Ooniferen
und Cxradeen hesidienden \\ald\egelation umschliessen, deren Stainme oft
noch aufreeht slehend angelron'en \\erden. \\ahrend ihrc Wurzeln lid in den
rntergrund eingreifen und die abgebrochenen Slamme horizontal zwischen den
uchliobenen Striinkcn licucn.
Ans dci- Tlialsadu1, dass die rein inarincn (lehilde des Dorddeutschen
\ on einer Brak\vass(M-forniation, dcnn solchcs isl dcr Pui'hcck
llannovers, ilberlaycrt \\crden, ferner darau's, dass in Kngland auf den dorli-
urn inarinen Portland eine Sdiiohtenreihe von alwodisdnden Hrak\\asscr-,
.MciTNvasser- und SttSSwasserablagemngeTl, so\vie Dannncnlc-. also Feslland-
gebilden fol.ut, udit IHTVOF, dass die beiden beschriebenen TerritonCn am l-'.ndc
di i .luraperiode eine von vielfachen Oscillationen unterbrocbene Hobuni: ri-
litlcn haben, in Foluc dcrcn sie zum flat-hen Ktistenlande Nvurdcn. Andrr«-
und z\\ar die ui-osse Mehrzahl der jurassischcn Ablagerungen blieben \\iilircnd
dessen Meeresgrund, so dass der Absatz mariner Sedimentc unucslorl anl ilmi
seinen Korliianjj; nehinen konnte. Ilier folgt also unmiUelliar auf den inarinen,
oberen Jura die echte untere Kreide, welche auf dem unterdessen zuni
sumpfigen Festlande gewordenen Purbeck naturgemass fehlt und durch eine
Sumpf- und Siisswasserbildung, den eigenllichen Wealden, ersetzt wird.
Geographische Verbreitimg der Juraformation. In Deuisdiland be-
sil/.l die Juraformation drei grosserc Verl)reilungsgebiete : das frankisch-sdi\\a-
bisdie, das des nordwestlichen Deulsehlands und das von Obersehlesien. In
Franken und Sch\\ aben bildcl das Ausgehende des Jura einen \\eilen Hogen.
(lessen slarksle Ki'iimmung in der (legend von Regensburg liegt. indem sidi
sein siidlidier Schenkel von Sehafl'hausen aus in nordbsllicher Richlung hin-
zieht, sein nordlicder hingegen elvva von Coburg aus nach Sild-Siidost slreieht.
Ersterer wird wescntlich von der rauhen Alp, letzterer durch den frank isehen
Jui-a repriisentirt. An der Zusammenselzung dieses Jura-Terriloriums bethei-
lig«>n sich Lias, Dogger und \\eisser Jura. Der Lias bildet ein (ladies llilgel-
laud, welches sich wie ein Teppich am Fusse des Gebirges ausbreitet und ge-
\Mihnlidi \on den Flusstliiilern so lief eingcschnilten \\ird, dass durch sie die
Keiiperschichten, welche seine Basis bilden, entblossl werden. Der Dogger
trill in einer weit sehmiileren Zone in Form mehr oder minder steiler Abhange
am Fusse des aus weissem Jura bestehenden Mei-glandes hervor, welches .sieh
in zum Tlieil geualligen schroflen Felsuanden iiber diese Abhiinge erhel)l und
auf seiner llohe (>in llochplateau bietel. das sich allmahlich nach Siidosten liin
abscnkl. Der weisse Jura Frankens ist durch das Auftreten miichtiger
Dolomite ausge/.eidmet. in welchen sich die beriihmlen Hohlen von Muggendorf
und (Jeilenreiith ausdehnen. Die niedrigc- Ki'hcbung, welche den friinkisdien
Jura mil der rauhen Alp \erbindel. isl das Terrain, auf \\elchem die be-
rtthmten Platlenkalke von Solenhofen und Pappenheim zur Ausbildung gdangl
sind.
VI. Hi>torivr|ie (irolo-ir. 127
Die Schichlen der n <> rd d e u t sc h e n Juraformation breiten sich in einer
\on West gegen Osl gerichtetCB Bacht *OSj \\elche sich von der (Iren/.e Hollands
liis in die (legend \mi llalhcrstadl crslreckl. In dem gnisslen und x\\ar in
dem nordlichen Thcile dcs Verbreilungsgebietes dcs Jura sind (lessen Schich-
ten untcr Diluvialbildungen \erborgen: nur an seinein siidlichen Mantle trelen
sie in Form einer last ununlerbrochenen, von West naeh Ost slreielienden Zone
/.n Tage nnd bilden in ausgedehnten niedrigen llohonxilgen den siitllielien S.nnii
des norddeulschen Flachlandes. Der bedcutendsle dicser jurassischen Bergnieken
isl die \\eserkelte. \\elelie dort. \\ o sie von der NYeser durchbrochen \\ird,
an der I'orla NVeslphalira. eins der sclii>nsten Profile durch den nortldenlsclien
Jura hietet. Von hier aus \\endel sich dieselbe ueuen SUdost his nach dein
Siintel nordlicli \on llaineln nnd steht hier mil einer kJeinen Seitenhucht, der
Ililsnnilde, in VerJiinduni;. \\elehe sich nnnnlerltrochen l»is in die Nahe von
Kimlterk erstreekl nnd deren nrspriiiiiiliche \\eitere Fortsety.ung gegen SUdost
durch 'die isolirlen Schtillen dcs l.ias in der (iciiend von Golliugen, Kisenach,
<.otha nnd Arnstadl angedeulel \\ird. Ah-esehcn von den inselformig aus
den jiin-eren Fonnationen. nanientlich dem Diluvium hervortretenden Partien
des Jura bei Hannover, biltlel diese Formation den llauptbesUmdtheil der Hohen-
x.utir. \\elche sich \on Ilildesheim bis (ioslar nnd Harxburi.- erslrecken. \Veiler
ueuen Osten. also in dem Im^eli-en l.andslriche nordlich und nb'rdostlieh vom
llar/.c, /\\ischen Mrannsch\\ei;: und Mat;deburii, erscheiiuMi Schichten tics Jura
als /..men form iue I'liiizdrUin^n xahlreicher Inseln iilterer, namentlich Iriassi-
schei- Formalionen. V,.n den ein/elnen Gliedern des Jura erheben sich die
(icliilile dcs \\eissen Jura, und unter diesen namentlich die durch ihren oolithi-
.NclH-n Charakler ansuc/eichncten Kalksleine und felsbildenden Dolomite der
Oxlwdgruppe x.u den er\\iihnlen HohenzUgen, vvahrend un deren siidlichen Ab-
lianucn die nieist aus ihonigen (JesUMnen bestehenden Scliiclilcn des Lias und
Koiiucr ;ils schniiile Siiume xu Tage tretcn.
Das dritle deutsche jurassischc Teirilorium isl das von Oberschles ien,
\\elches sich iiber die preiissische (iren/.e bis nach Polen hinein erslrcckt.
Die oberschlesisch-polnische Jural>ildung nimrnl cin Areal \on iiber 101) Qua-
dralmeilen cin. uelches IVeilich xum grosslen Theile von Diln\ ialablagerun^en
bedeck! ist. Sie scl/l y.unachsl den iiegen l-'i Meilen Ijingen und I bis 4 Mei-
len breilen llohen/.ui: /usammen, vvelcher \on Krakiiti bis Cxenstochau zusam-
menhjingend sich lort.M'slrcckl und sich \on d,i mil rnlerbivchun-en in nord-
\\csllichci' Michtun- bis \\ielun. j;i sclbsl bis Kiilisch aus dem Diluvium her-
\orhebl. Die kalke dieses llohenxuges gehnren dem \veissen Jura an mid
vcrdcn MIII den Ihonig-sandigen Schichlcn dcs Do^er unlci'lcun , N\cl,-Iie ,n
Siiducsicn der crslercn cine \on Nordosl n;ic|i Sii<lost slreichende /one bil-
den und direct, und /\\;ir duivhaus glei«-liloniiig. auf den oberslen Schichlen
des keii|ier aulriilien. Die oberschlesiscli - polnischen Juraablagcrungen /eigen
mil dcnjenigen Siiddcnlschliinds und namenllich \\ iirteinbei-s cine so grosse
I ber.inslimmung in pelroijrapliisclier nnd palaennKilngischer Ilinsiclil ., dass
dai-iius auf cinen direclen /iisaniinenliang der .Mecivsllieile . in Nvelclien die
Abbgerungen beidei- (Jcgmden ,si<'li bildct.-n, geschlossen \\erden darf. Dics<-
428 VI. Hl>lnriM-|le
Vcrbindiingsslrasso mag (lurch .Mahron in der Uirhiuti- aul' \Vien mid \on da
.ml RegensbttTg gcfUhrl hahon llbchst auH'iillig isl jedoch d;is Yorkommen
jurassiseher (iesleinc und Fnssilicn <!<T polnischen Faeies in der Sachsisoh-bbh-
misehen Sehwei/ mid der sudliehen Lausil/., \vo sic auf dor Grcnze /\\ i.sclicn
<lor Kroidc (Quadersandslein and dcin Granite des Lausilxor Gebirgcs in iihcr-
uckipplor Stellung oingokcilt aiil'tretcn.
\\ahrscheinlieh nur als jinssi-rstor Vor-
posten dcs oberschlosisch-polnisclicii Jura-
gebietes sind die isolirton Juravorkoiiiincn
an den Odermiindungen zu f)etraclilcn. Ivs
sind dies zum Theil von den Wot;cn dcs
Diluvialmeeres untervvasclicnc und /nsani-
.iur.issischft(0ber-0xford-) Kiippeu mengebrochene Klippen . also llaul\\crkc
von gcwalligcn Felsblockon, zmn Theil ah.-r
auch noch fest anstchende Gesteinsmnssen, deren unten^ Ni\cans dcm
deron obere Horizonte dem weissen Jura angehbren. Erstere habon cine
Ahnlichkeit rnit dem oberschlesischen, letztere eine solche mil dem hannn\cr-
schcn Jura und rcprasenliren den oberen Coral-rag Romers (also den obcrcn
Oxlord. namentlich die Schichten mil Pecten varians), sowie die Pteroccras-
Sohichlen dor Kimmeridge-Gruppe.
In Russland gewinnt die Jura formation und zwar fast ausschlicsslich
ilcr obore Dogger eine ansehnliche Verbreitung und dehnt sich namentlich in-
ncrhalb des palaeozoisclion Bassins von Moskau iibei' \\oito Shvrkcn aus. In
dor Krim und am Kaukasus hingcgen erheben sich jurassische Gebilde /.u \\ii-k-
lichen Gebirgketten.
In Kngland selzon die Schichlen dos Jura cine breite Zone zusammon.
vvelche sich von Portland und Lyme Regis an dor Kiiste dos Canalcs in last
genau nordlichcr Richlung Ubcr Bath, Oxford und Lincoln orslrcckt, bis sie
bci Whilbj nbrdlich von dor TrentmUndung die Ostkiistc erreicht. Allo drci
llanplabthcilungen der Formation sind doullich onl\vickoll. Hire l.aucrung isl
iin Allgcmeinen eine sehr cinfache, indem die Schichten dos gosammlon S\-
slcms llach nach Ostcn cinfallen, so dass an dom Woslrando dor Jura/.ono die
unterslon, \veiler ostlich die jiingeron (llieder <les Jura zu Tage ausgchcn;
cisloro lagern gleiehforrnig auf dem oboron Keupor auf, lel/loro \\crdon von
dor Krcide ilborlagert.
In Frankreich trilt die Jura formation in zwoi ringfb'rmigon Zonon an
die Oberflache, deron siidliohe ziemlich vollsliindig goschlo^scn isl, \\iihrond
die nui-illiclie gogon den Canal hin \voil goolTnet isl und anscheinend mil dem
eni:lischon Jura in Vcrbindnng gcslandon hat. Dor siidlioho King imigilrlol
das Liranilischo (^ontralplaloau Frankroichs, auf (lesson Riindern die jiirassischon
Schichlen anfgclaucrl sind und von welehon sic allseitig abfallcn, so dass dor
Lias cine innoro Zone bildol. dor Dogger und \\oisse Jura mchr nach Au^en
hiu auflroton. Der nordlioho Juraring vorhiill sich gerade umgokehrl, indoin
allo Schiclitcn nach inneii einfallen, also cine llacho Muldo bildcn. doron iil-
tere Glieder in der iiussereu Umgron/.ung. doron jilngslo Schichten mehr nach
VI. Ilistorisclie (ieolo»ie. 429
Iniifii liegen . \\iihrend das Centrum derselben von Kreide mid Terliiirbildun-
grn ausgefiilll isl. Dem iisllichen Flugrl dieser grossen Mulde gchiirrn die
jurassischen Ablagerungen \on DC u t sc h -Lot liri n ii e n , namenllich die Land-
striche /\\ischen .Met/ und Diedenhot'en an.
Von Schwa lu-n aus sel/l die .liiral'ormalion in sudweslliclier Richlung, also
in dei' YerJttngeraBg dec rauhen Alp liber den Uhein in schwe ize risch es Ge-
liiet fort und bildet hier dorJuragebirge, welches von Basel bis Genf reichl
und aus einer An/.alil \on 1'arallelketlen besteht. Diese verdanken ihren Ur-
sprung einer Falling der jurassischen Schichten sielie l;ii^. 242), in Folgo deron
niehr oder weniiior steile, lantiiAtv.ogene, xuin Theil aiif iluvr obersten Wol-
\m\\ii auseinander ^eliorslene Siittel, ja vollslandi^e Uberkippungen entstanden.
Von de in Territorium des Schweizer-Jura zog sich eine jetzt zum grdssten
Theil /eistuite oder verdeekte sclnnale Zunge jurassischer Ablagerungen in
nonlostlielier Hichtung in die Huelil /.\\ ischen Vogesen und Schwarzwald, also
das heutige Hlieinthal. - die kleinen isolirton .luraparticn von Wiesloch, Frei-
Iturg und Kandern auf dem rechten Ufer des Rheines und von Buxweiler,
RappoHsweiler und Rauffjich im Elsass sind tlberreste derselben.
Kinen Hauptantheil niinint die Jurafonnation an dem Aufbau der Kalk-
alpen. indeni sie sich in Form eines breiten Bandcs um den S(id-, West- und
Nonlrand der Alpenketie schlingt, so dass letzltM-e einein ungeheueren jurassi-
schen (leuollx- deieht. welches in der Mi tie weit aufgerissen ist, urn die kry-
stallinisfhen Gesteine der centralen Zone hindurchtrelen zu lassen. Die Lage-
ningsNcrhaltnisse des alpinen Jura sind durch wiederholte Knickungen, Zer-
rcissungen, t'berkippungen und Verwerfungen der Schichten sehr verwirrt und
\Nerden (lurch einen ganz allgemein auftretenden Metamorphismus des Gesteins-
matei iales, sowie durch das Auftreten ganz abweichender Localfaunen noch
niehr eiseh\M'i-t, doch sind Vertreler aller drei Hauptabtheilungen des Jura
nachgeuiesen. Mine eiuenlhiimlichi' Fades des oberen weissen Jura sind die
milieu und \\eissen Kalke mil Terebratula diphya und die Schiefer mil zahl-
reiehen Apt \clius-Arli-n , vvelche als litlionische Klage zusaminengefassl. \\erden
und lypisch bei Trienl in T\n.l enl\\iekel( sind.
In Nordamerika lu-ansprucht man fUr die versleinerungsleeren oberen
lluri/diiie des neuen rolhen Sandsteines jurassisches Aller (?), auch die kry-
slallinisclien Sehiel'er, in \\elehen di<- goldluhrendi-n (iiinue Californiens aul'-
M-l/en. M.llen die.ser l;oi'inalion an^ehoren. Mil Sieherheil isl dieselbe jedoeh
nur am Oslidtlalle der K(»ek\ .Mounlains (Black Hills, Liramie Mis.) naclige-
\\iesen. Ks sind -i-;nie oder \veissliehe mergclige Kalksleine, welche 300 Me-
ier M.ichliukeil erreiehen und I'enlacrinus-, Ammonites-, Beleinnites- und Tri-
gonia-Arlen filhren, die noch naherer Vcrgleicliung<'ii mil cunipiiisrhen I oi'inen
bedttrfen.
Auch in Chili, Oslindien und Sibiricn sind Schichlen jurassischen Alters
nachgeuiesen.
Kniplivgesteine, deren Kmpordringen in die jurassische Periode I'iilll,
oder \\elcln' die Juraschicliten durchsel/en , sind auf nur gan/. \\cnige Locali-
taten Iteschriinkt. Zu diesen u<>hort vor alien die WeslkUste Scholllands nehst
VI. Historisrlii1
den luselu Sk\e iiml .Mull. \\n ausxer basaltischen (iesleineu. \\elehe dem l.i;is
gleichformig BWis6hengelagei1 siud. uud solchen, \\elche deuselheu duivlisrl/rii.
S \ en i t e ii IK I Fels it porph y re aufireten. \\elrhe die unterjorassischen '(iebilde
durchbrochen uud rnetamorphosiri haben, also jedenfalls jiingrr siud ills diese.
Die I "uhallbarkeit der Auiiiihiiie . diiss die KruptioiuMi der »ranilischeu (iesteine
durclmci: iu palaeozoische Perioden (alien, \\ird (lurch solche Krscheiimutien
iiuiner augenscheinlicher. Kiner der iulerressantesleii. d.i.s (iesjiiile illusli-ireiideu
Aul'sehliisse iiuf Sk\e isl iu heifokeudem Profile (Fig. 274) Nviederiieiieheu.
fl Set
Fig. 274. Profil durch die Halbinsel Trotternish aufSkye.
a Lias; b Inferior Oolith; c Cornbrash und Forrest Marble; d Trapp; e Oxford; f Basalt nnd Mandelstein.
Die tiefsten Schichten dieser Localitiit gehdren deni Lias an , auf \velchen die
Gehilde des braunen Jura bis zum Cornbrash folgen ; fiber ihnen hat sich eine
inachlige Decke von basaltalmlichem Trapp, der mil vielen durch die Sediment-
schichten hindurchsetzenden Trappgangen in Verbindung steht, welche die
ehemaligen Eruptionsspalten ausftlllen. LTberlagert wird diese Basaltdecke von
den Sedimenten des unteren weissen Jura , dem Oxford. Das Alter der in
dieses Schichtensystem eingeschaltelen Trappeinlagerungen ist somit auf das
Geniiuesle festzustellen, — ihre Entstehunu fiilll in das Mnde der Doggerperiode.
I her dei u Oxford thiirml sich eine zweite machtige Decke von Krupti\L:esteiiieii.
Hiisijlten und Basaltmandelsteinen auf, nach welcher hin zahlreiche Basaltgange
aus der Tiefe emporsteigen und die liegenden Schichten und mil ihnen die
jurassischen Trappe durchsetzen. In diesem Profile treten sorait z\vei \er-
s.'hiedenartige Basalle, ein jurassischer und ein \\ahrscheinlich tertiiirer iiber
einander auf. An einem anderen Punkle der Insel Skye (Irishmans Point ha I
sich tlber dem millleren* Lias , alle Unebenheiten seiner Oberlliiche iibfonuend,
eine Deeke von syenitischem Felsitporphyr ausgebreitet. Sowohl Lias,
\vie Felsitporphyr werden von mehreren horizontal siiulenfdrinig ahizesouderlen
Basakg^DgeD durchsetzt. Hier liegt also ein mb'glirhsl klarer lieweis vor. dass
i:e\\isse syenitische Felsilporphyre juif Sk\e jiinger sind, als mittlerer Lias,
und diiss nach ihreni l'>inporbrechen noch Biisiilteruptionen stattfanden. Ahn-
liclie Krschcinungen hieleu sich auf der Insel Mull, \vo liassische Kalksleine
ebenlalls \ou Felsitporphyr und Basal t gii ngen durchsetzt werden.
Von hdchstem Interesse ist die Me tain orphosi rung, welche die lia»i-
selieu (iesteine der Insel Skye im Contact mil (i ra n ilen, Felsilporpln re n
und quarzfilhrenden Syeniten erfahren haben. In der Niihe der let/.-
teren, welche in eiu/elnen. isolirten Kuppen aus dem Liiisgebiete her\ (irraizeti.
isl der Liiiskiilk in eineu schneeweissen Marmor iiiniie\\;indelt , die Sehichlung
\^\ \er\\ischl uud jede Spur orgiuu'scher Reste isl \erlikl. .Man k;inu in der
VI. Ili>tnn-rhe (iooloiiic. -1 ii I
Hiehlnnu nadi dem F.rupliN izesteine luti den alliniililidien I'berizaniz des ge\
lichen Aniinonilen und tinphaeen fiihrtMiden krlksteines in den kr\ slalliniselien
.Marnior uenan \erfolizen, und ist deshalb mil Hedit niemals x,\\ eifelhaft ize\\esen.
dass die kr\ slalliniselie Hesdiatlenlieil des kalksteines auf die Nadibarsdiat'l
jenes S\enites u. s. \\ . x.u sdiieben und das let/.lerer junker sei, als der l.ias.
Man erstannt jedoeli. edite izranitisdie Felsarlen von so jugendliehem Alter vor
sidi /.u sehen. Ausser den er\\ahnten dnrdisel/en nodi xahllose andere Gauge
\on Ha salt den l.ias von Sk\e und Mull.
Auch in den P\ren;ien kennt man Granit von jUngerem als jurassi-
sdiem Alter. 1m Garbelthalc hat derselbe die Kalkschiefer des Lias durch-
brodien. sie /.ertriimmert und Fraginente des Gesteines in Uberaus grosser
Mentze umsdilossen.
Dem deutschen .lura sind Eruptivgesteine, selbst solche bedeutend jiin-
tzeren Alters. I'remd, nur in der raulien Alp trelen einiize Basaltkuppen und
-(iiinge. .so\\ie im Hies bei Nordlingen die Auswilrflinge eines alien, \\alir-
scheinlidi terliiiren Vulkanes auf.
Die Kreide.
(Quaderformalion, CretaceYsche Formation, Proc'an- Formation.)
kanni irizend ein anderes Schichtensystem besilzt einen so wechselnden
und mannigfaltigen petrographisehon Charakter, wie die Kreideformation in
ihren versrhiedenen Verbreilungsgebieten. In der einen Gegend beslehl sie
aus weisser Schreibkreide und Grilnsanden, in andern fast ausschliesslicli aus
Sandsteinen und in einer dritten aus mergeligen Kalksteinen, kalkigen Merge In
und plaslischen Thonen. Die Unbeslandigkeit des Gesteins-Charakters dieser
I'Onnation hatte die Yersehiedenartiiikeit ihrer Bezeichnungsweise zur FoL'e.
-Kreideformation nannte man sie, weil in England und Nordfrankivieh.
wo man sie zuerst erkannt und studirt hatte, die weisse Schreibkreide als
eins der \\esentlichen und charakteristischen Glieder hervorraszt, — Grilnsand-
formation, weil in eben jenen Gegenden, sowie in Westphalen und Nord-
amerika glaukonitische Meruel cine wesentliche Rolle in ihrer Zusammenset/niiL;
spielen, — und endlich Quader formation, weil sie in.Sachsen, Bbhmen
und Srhlesien \oi\\altend aus Qujulersandsleinen gebildel wird. Bei so \\eeh-
.selndeni petroizraphisdiem Cliarakler der unter diesen .\anien \ erslandenen For-
malionen sind es allein ilire orizanisdieii Heste. \velche die Idenlificirung und
I'arallelisiruniz der hierher gehorigen Schidiienreihen eniHiglichen. Die Kreide-
formation lieferl demnaeh einen auizenseheinlichen Beweis Kir die in den ein-
leitenden Hemerkun-en |>ag. 262j belonle Thalsaehe, dass nicht der pelro-
ura|ihisehe, sondein \ielmehr der palaeonlologische Charakler das Wesentlidie
einer Sedimenlarlun nation ausmacht.
Von den Nerschiedenen (iesteinsarlen, welche an dem Anfban der Kreide-
formation in ihren versehiedenen Verbreitunizsiiebielen Iheilnehmen, sind fol-
izende hervorzulu-ben : die Qu a dersan dsle in e haben uuslreilig das vor-
432 \ I Hi^tnriM'lic (icoln^ic.
\\allrndr .Material drr hierher grliorigen Sdiidilrnrrihr iielieferl. Sic sind
bald friii-. bald grobkornig, /.UNvrilcn knslallinisdi. gehen inituiitrr mid /\\ar
iiaiiiriitlich narh ilirrr Masis zu in frolic Conglomerate ilber mid bcsil/rn
rin hald Ihoniges, bald kieseliges, audi wohl eisensdiilssiges Hindemittel. Xu-
\\cilrn frlill Irt/.trrrs vollsliindig, so dass. \\ ir /. B. in Hrlgien. l»ri Aarhrti.
iiiiinrntlicli abrr in New-Jersey in Nordainrrika lose Quarzsande rntslrlirn.
weldir madilige Ablagerungen bildrn ko'nnen. Kine ganz rigenlhUmlidic Va-
rietal des Sandsteines sind die Grlinsandsleine odrr glaukoni t ise.lien
Sandsteine, welche ihren Namen von den eingestreuteu Glaukonitkorndien
und ihrer dadurch bedingten griinen Fiirbung erluilten haben. Die Schiehtung
der Kreidesandsteine ist oft eine sehr weitlaufige und da sich zu ilir liiiulii:
eine verticale Zerkluftung t-esellt, so entstehen quaderforroige odrr pfeilerartige
Al)sonderungen , daher der Name Quadersandstein. Niichst ihnen spielen
inrrgelige Kalksteine und Mergel die wichtigsle Holle in der Krridr-
lorniation. Sie sind meist grau oder gelblich weiss, gewohnlich dtinnschichlig
und zuin Theil so reich an schiesspulverahnlichen gillnen Glaukonifkiirnrrn,
dass man sie als Glaukonitmergel bezeichnet. Ausser diesen lelztrrrn grhiirl
der Planer zu den wichtigsten Varielaten der cretaceisclirn kalkig-mergeligeo
Gesteinsreihe. Er ist ein lichtgrauer, mehr oder weniger thoniger, oft glau-
konitischer Kalkstein mit feinerdigem Bruch und zum Theil etwas kieselrrdr-
haltig. Ferner der Kreidemergel, ein weisser oder hellgrauer, feinerdiger
und weicher, oft glaukonitischer Mergel, -—der Flamm enmergel, rin graurr
von dunkelen Streifen und Flammen durchzogener, quarzsandreich<!r, schirf»-riiirr
Mrrgel. An die mergeligrn Kalksleine sqhliessen sich reine, zum grossen
Tlirilr dichte Kalksteine und endlich die verschiedenen Vaiirliilrn der
Schreibkreide an, deren Hauptmaterial aus feinen, rrdigen MolekUlrn \on
kolilrnsaiirrin Kalk und mikroskopisch kleinen Foraminiferrn brstelit, Ubrigrns
iin pelrographischen Theile dieser Zusammenstellung beschriebrn ist. Die
\\risse Schreibkreide bildel dort, wo sie liberliaupl auflrilt, einen der oberstrn
Horizonte der Kreideformalion. Bei Maslricht auf der belgisch-holliindisrhrn
Grenze vvird dieselbe von einem hochst merkwiirdigrn, lorkrrrn und zrrrrib-
lirhrn Kalkgel)ilde iibrrlagert, welches fast ausschliesslich aus Fraumrnlrn und
frinrin Srliull von Ur\ozoe'n, Foraminiferen, F>hinodermen und Molluskrn br-
slrhl. und Kreidetull genannt \\ird. Audi in Diinrinark Iritt als obrrslrs
(ilied der Krridrfornialion eine wesrnllicli aus Korallenfraginrnt( n zusammrn-
. i:rsrly.le Krridrbildnnt; K ora 1 Icnk reidej auf. Die \\cissr Sdirribkrridr ist
das Mutterurslrin dri1 Fe u r rsl r i n gr bi Idr , \\ elche in lagenweisr izrordnrlrn.
isolirtrn. bi/.arr geformlen Knollrn die oft ausserordentlidi ur\\ undrnr und \rr-
drilrktr Srliidilung der Krridr andrulrn und \\ ir sell \\arx.r I'ri-lsrhnurrn auf
drin \\rissrn Griinde lirr\ ortrrlrn : jrdodi sind audi /iisanuiirnliiiii^rndr l.a^rn
und Srliirhleii , endlirli audi gaiigiilinlidu1 l;rurrslein\orkoiniiinissr brkannt.
ueldie Irl/tere die Sdiirliteii der Kreide und die diesen parallrlrn Kinlauermi-
gen von h'ruersteinen durehsetzen.
Neben den sandigen und kalkiizrn Gebilden der rrrlarr'i'srhrn l;oniialioii
gewinnen audi die Thone und Sch i eferl hone eine griissere
VI. Ilislorische Geologic.
und /war nk-ht allein ihivr oft In-drutenden Macliligkeit wegen , sondoni na-
mentlich durch ihren Rcichthuin an wohlerhaltenen orgnnischen Rcstcn. (ie-
\\isse SchJchtencomplexe und zwar MMv.uglich dor unteren Kreidelnrmalion
\\Calden-Thon, Gault, Hilsthon) bestehen fast ausschlicsslich aus derarligen
'.• steinen. Wie die Sandsteine , Kalksteine und Mergel, sind auch sie sehr
hiiulig glaukonitisch. Die glaukonitisclien Gesteine der Kreide , namenllieh der
Gtaukonitmerge] . erhalten nicht sellen einen hohen technischen Werth durch
iluv Verwendbarkeil als ausgezeichneles Dtlngemittol. Dies ist namentlich in
.\e\\-.lersey der Fall, wo neben 6 bis 7 Procent Kali haltendem Glaukonii
DadelkopJgrasse Komi-hen von phosphorsaurem Kalk, sowie staubartige Theil-
dirn von Vivianit in der feinerdigen kalkigen Mergelgrundniasse auftreten , so
• lass die grosse DUngkraft dieser Glaukonitmergel auf dem Kali-, und Phosphor-
und kohlensaurein Kalkgehalte beruht.
I'ntcr den tlbrigcn ihrer Miichtigkeit nach untergeordneten , aber tech-
nisch nutzbaren Formationsgliedern der Kreide sind Stein kohlen und
Eisenerze hervorzuheben. Erstere gewinncn, wenn man von einigen unbe-
deutenden Vorkonunen in Sachsen und Schlesien absieht (von denen jedoch
das boi Wenig-Rack\vitz unweit Lowenberg abgebaut \\ird), namentlich als
-"-enannte Wealdenkohle fUr den Nordwesten Deutschlands Wichtigkeit,
\vo dieselben am Deister, Osterwald , in BUckeburg und in der Grafschaft
.Si-liauinburji das* Object eines ausgedehnlen Bergbaues sind. Die meislen
dieser Kohlen zeigen die Eigenschaften einer echlen bituminb'sen Steinkohle,
sind jedoch nicht wie die der palaeozoischen productiven Steinkohlcnformation
aus der Yermoderung von Sigillarien, Lepidodendren und Calamiten , sonclern
aus der von Coniferen und Cycadeen hervorgegangen. AbbauvvUrdige Eisen-
erze der deutschen Kreideformation sind z. B. bei Peine in Hannover be-
kannt, \vo zusammengeschwemmte, spharoidische , nuss- bis faustgrosse Ge-
sehiel.e von Brauneisenstcin , die durch feineren Schutt desselben Erzes ver-
Imnden sind, eine der obersten Kreide angehb'rige, 1 bis 5 Meter machtiue
l.auerstiitie bilden. Ganz ahnlich ist das Eisensteinvorkommen von Salzgitter,
nur gehiirt es dem untersten Niveau der Kreide, dem Neocom an und besitzt
Ht bis 16 Meter Miichtigkeit. Es besleht aus erbsen- bis nussgrossen Kiigel-
dien ncbsl grbsseren scharfkantigen und eckigen Slllcken von Brauneisenerz.
Dieselben stammen, wie die zahlreich zwischen ihncn vorkommenden abge-
rifbencn und gerollten jurassischen Versteinerungen beweisen, von den Sphae-
rosiderit-Nieren des Lias und Dogger ab, welche durch das Neocom-Meer zu-
saninier)L;es(li\veinmt und durch gegenseitige Reibung zerkleinert und abgerun-
di-i wurdcn. Auch an anderen Localitilten (so namentlich am Nordabfalle der
Karpathen) umschliesst die unterste Kreide zusammenhangende Flotze oder
lagenweise nebeneinander liegende Knollen von Brauneisenstein.
Palaeontologischer Charakter der Kreide. An vegetabilischcn Cber-
resten ist die Kreideformation als eine grosstenlheils marine Biklung im Allge-
ineinen arm, nur einige wenige Horizonte des gesammten Schichlensyslemes
sind reich an Pflanzenresten. Nach ihnen zu urtheilen schloss sich der Ge-
sammtcharakter der cretaceischen Flora withrend der ersten Halfte der Krrid< -
Ciedner, Element? d. Geologie. OR
•)'.'• I VI. Hi>lr>ris<-!ic Geologic.
prriode innii: an den der jurassischen an. Es sind dieselhen Geschlechter der
Fame, Cycadeen und Coniferen. welche aus dem Jura, ja bereits aus dem
Ithiit bekannt sind. Erst in Mitlen dor Kreidezeit erscheinen, — in der Enl-
wickehmgageschiohte der Erdbewohner ein epochemachendes Ereigniss, — in
don Bliittern von Credneria. sowie solchen von Salicineen, Acerineen u. a. auf
dem amerikanischen Continente sowohl. wie auf dem europiiiscben die erslen
Vertreter der angiospermen Dikot yledonen , wahrend zugleich die
Fame sehr sparsam werden und Cycadeen und die rein tropischen Formen
der Coniferen mehr und mehr zuillcktreten. Beriihmte Fundorte cretaceischer
Angiospermen sind Niederschona in Sachsen , Kieslingswalde in Schlesicn.
Blankenburg und Quedlinburg am Harze, Aachen in Rheinpreussen.
Es wurde oben betont, dass die Kreideformation eine fast ausschliesslich
marine sei: wife jedoch spater eingehender gezeigt werden wird, ist der nor-
male marine Schichlencomplex der Kreideformation nicht in alien Verbreitungs-
gebieten derselben zur Ausbildung gelangt, vielmehr wird ihr unterster Hori-
zont in verschiedenen Gegenden durch eine Sumpf- und Strandbildung . die
Wealdenformation ersetzt. Die Einleitung zu einer solchen erblickt man
bereits in den Hebungen, die sich am Ende der Jurazeit auf dem jurassischen
.Mi-t-resgrunde bethatigten , und durch welche die Brakwasserbildungen des
Purbeck bedingt wurden. In Folge dieser Niveauveriinderungen wurde das
mil Purbeckablagerungen bedeckte Areal zu einem morastigeti, lagunenreichen
Kilstenstriche gehoben und erzeugte auf diesem eine Uppige Flora von Cyca-
deen , Coniferen und Farnen , welche das Material der Wealdenkohle lieferten.
und deren wohlerhaltene Reste uns in den die Flotze begleitenden Schiefer-
thonen Uberliefert worden sind, genau wie es in der alteren productiven
Steinkohlenformation der Fall ist (siehe pag. 440). Bei Besprechung der \Veal-
denflora wird gezeigt werden, dass auch sie sich eng an die des Jura anschliesst.
Die Hauptmomente der Entwickelung des thierischen Lebens im Verlaufe
der Kreideperiode sind folgende. Die Foraminiferen erscheinen in enormer
Anzahl und nehmen einen wesentlichen Antheil an der Bildung nicht nur der
weissen Schreibkreide, sondern Uberhaupt der obersten Niveaus der Formation.
Selbst die Glaukonilkb'rner, die manche Sandsteine , Mergel und Kalkslein-
schichten ganz anfiillen, sind zum grossen Theile nichts als die Sleinkerne von
Foraminiferen. Neben einer Unzahl mikroskopischer Formen fallen zahhviche
Vortivtor der Geschlechter Textularia , Frondicularia , Nodosaria, Siderolitl.
Orbilulina durch die Zierlichkeit ihres Baues in's Auge. Die Spongien er-
halton einen noch grosseren Formenreichthum wie in dor Jurazeit und besii/en
n.imentlich in der obersten Kreideformation Repriisentanten von ausserordentlich
zierlicher und gefalliger Gestalt, so namentlich das schirmarlige Coeloptychium
und die korbgeflechtahnliche Scyphia und Manon. Die Korallen sind verhiill-
nissmassig sellener als im Jura ; ausgedehnte Korallenriffe und -biinke, wie sie
fUr diese Formation bezeichnend sind, fehlen in der Kreide fast ganz. Die
vorkommenden Arten gehoren vorzilglich den Geschlechtern Anthophyllum.
Cyclolithes, Micrabacia, Trochosmilia, Synastraea, Thamnastraea , Astrocoenia.
.M;ieandrina u. a. an. Die Echiniden erreichen in der Kreide das Maximum
VI. Hislorisclie Geologic. 135
ihrer Enlwickelung (lurch eine so reiehhaltiue Entfaltung iluvr Genera, Spe<
und Individuen. nainentlich der Spatangiden , dass neben 'ihnen die ubrip-ii
Eehinndermen fast \iillii: \ersrh\vinden. Die Gnttungen Ananchyles,~Ga]crites,
Holastor, Micraster, Toxaster und Salenia gehoren zu den characteristisehsien.
Die Brachiopoden sind noch durch so zahlreiche Formen in der Kreide
verireten. dass sich l>eim Yergleiche derselben mil denen des Jura eine Al)nahme
iluvr Zahl kauin vsahrnehmen liisst. Die Galtung Rhynchonella procudirt
eltenso zahlreiche wie riesige Arten , die von einer Schaar Varieta'ten umgeben
sind I Vivbrnmla, Magas, Megerlea, Crania, Thecidium besitzen ebenfalls grossere
Hiiufigkt'it. Von den ZweisCh alern liefern neben Ostrea sowohl Exosj)ra
\\'n> Gryphaea eine Anzahl Leitfossilien ; iihnliches gilt von Pecten und Trigonia ;
• lit- \\iehtigslen Kreidezweischaler aber sind die zahlreichen Arten von Inoce-
i a mus, so\vie die Vertreler der ausschliesslich cretacelschen Hippuriten oder
Hudisten (Caprotina, Caprina, Hippurites, Sphaerulites, Radiolites), von denen
jedes einzelne Individuum ein Beweismittel fUr cretace'isches Alter ist. Lelztrre
fUllen mil ihrer \vuchernden, fast bis zum Ausschluss aller andern organischen
Formen gehenden Uppigkeil der Individuen die nach ihnen genannten Hippu-
ritenkalke des sUdlichen Europa's und Amerikas an. Eine besondere Bedeulung
liir die Kreideperiode besassen die Ammoniten und Belemnilen, welche
iin Vcrlaufe derselben zu einer grossartigen , aber ganz eigenthiimlichen Ent-
faltung godiehen, am Schlusse derselben aber ganzlich erloschen. Dem Aus-
st.Tben der Ammoniten ging das Stadium der gewiss nicht mil Unrecht sog«--
nannten Kriippelformen voraus : die bis dahin spiralig in einer Ebene einge-
wickelten (iehiiuse winden sich spiralig im Raume (Turrililes) , strecken sich
ucradlinig (Baculites) , krUmmen sich bogen-, haken- oder krummstabahnlich
(Toxoceras, Scaphites, Hamites, Plychoceras) oder ziehen sich wenigstens so
austMiiander, dass ihre einzelnen Umgiinge sich nicht mehr bertlhren (Crioceras,
Am •) Inn-iMs . Dieser ganze Formenreichlhum, sowie die FUlle der Belemnilen,
erlisrht mil der Kivide.
\<>n Crustaceen treten in der Kreideperiode neben langsch\\;in/igen
l)»-i-ii|>odi-n. z. B. Glyphaea, und Cirripeden, z. B. Pollicipes, die erslen echten
KrabluMi auf. Von WUrmern spielen die koralleniihnlichen Slocke der
Bryo/cion und unler ihnen namentlich die des Geschlechles Eschara eine wich-
tii:.' Hollc, indem sie in manchen Niveaus der Kreide (Kreidetuff von Mastrichi
mid .\f\\-.lrisc\) das fast ausschliessliche Schichlenmalerial geliefert haben.
Von Wirbellhieren sind Vogel- und Stiugethierreste noch nicht nach-
ur\\i»-srn \\orden, was jedoch kaum ausbleiben wird , da Vertreter beider
Klassen schon sell der Juraperiode. ja zum Theil schon am Ende der Triaszeit
• •\isiiriiMi. Iliniirgen. sind Fischreste sehr hiiufig. Sie gehoren vorzugsweise
den Knoi-]H-lfischen an, von \velchen namentlich die breiten Mahlzahne von
Plyohodus Interesse verdienen, weil sie nur aus der Kreide bekannt sind und
deslmlb treffliche Kennzeichen fUr diese abgeben. Die scharfen, schneidigen
und spilzeu Haifischzahne, die sich an manchen Aufschlusspunklen der Kreide
in Menge finden. stammen von den Geschlechtern Lamna, Oxyrhina , Olodus
und Corax. Die bis dahin so gewohnlichen Ganoiden haben rasch abgenom-
28*
li'.r, VI. Historisdir Ge
men und sincl auf wrniue Arlen beschrankl, dahinuegen erscheinen die ersten
Vei-treter der in der Jelzlwelt dominirenden Cycloid- und Ctenoidschupper,
also der echtcn Knochcnfische. Roslc von Heplilien sind in der Kreidel'onnation
si'ltener als im Jura, \vo ihre Bliithezeil war. Es zeigen sich noch einige \cr-
SpttteteNacbztigler von Plesiosaurus, Ichthyosaurus undPterodaclslus. ferncr nrben
verschiedenen echten Krokodilen einige pilanzenfressende gewaltige Leguam-
[guanodon), ferner lladrosaurus und endlich der monitorahnliche Mosasaurus.
Sudliche und nordlicke Kreidefacies. Ganz abgesehen von der dop-
pelten bald rein marinen, bald limnischen Ausbildung der unlersten Kreide
als Xeocom und Wealden und der dadurch bedingten Verschiedenartigkeit der
Faunen und Floren dieser Schichtencomplexe , zeigt es sich, dass die Kreide-
formatiou als Ganzes betrachtet in zwiefacher Weise und zvvar in ihren siid-
lichen Territorien ganz anders \vie in ihren nordlichen zur Entwickelunr
langt ist und dass dadurch ihr palaeontologischer Character einen doppelten
Habitus erlangt hat. Der Hauptunlerschied ihrer Faunen beruht darin . dass
in die Kreide des Slid ens die fast ausschliessliche, aber urn so maonigialtagere
und grossartigere Entwickelung der merkwtirdigen Familie der H i p p u r i t e n
fallt, welche der Norden fast gar nicht und dann nur in seltenen, kleinen und
verkiimmerlen Individuen hervorgebracht hat. Der Reichthum der siidlichen
Kreide an Hippuriten ist ein erstaunlicher und iibertrifft fast den der Korallen
im Jura, indem erstere ahnlich wie diese ganze gewaltige Complexe von fels-
bildenden Kalksteinbanken zusammensetzen. Zu ihnen gesellen sich eine ziem-
liche Anzahl Korallen und Gasteropoden , welche der nordlichen Kreide fremd
sind. Die letztere zeichnet sich im Gegensatze zu der sildlichen durch die
Mannigfalligteit der Formen und die grosse Anzahl der Individuen von
A mm on it en und Belemniten aus. Die Verbreitungszone der Kreide mil
stidlichem Habitus erstreckt sich von Portugal durch die Pyrenaen, das sud-
liche Frankreich auf beiden Seiten der Alpen entlang, —die der nordischen Kreide
von England durch Nordfrankreich und Norddeutschland , sovvie das siidliche
Schweden. Merkwiirdiger Weisse wiederholen sich die nehmlichen Verhaltnisse
auf clem nordamerikanischen Continente , wo die Kreidebildungen von Texas
eine sudliche, die in New -Jersey und an den oberen Quellfliissen des
Mississippi eine nordliche Facies besitzen. Aus einer derartigen geographischen
Vertheilung der Vertreter der cretaceischen Fauna , aus einem solchen Ge-
bundensein einer grossen Thierfamilie an eine siidlichen Breiten angehorige
Zone muss man den Schluss ziehen, dass bereils wahrend der Kreideformation
die Herausbildungder Kliniazonen, die heute die Erde umspannen, begonnen habe.
Gliederimg der Kreideformation. In Frankreich, wo die Kreideformation
iiusserst vollstandig entwickelt ist und wo man dieselbe zuerst einem genaueren
Sludium unterwarf, gliederte man dieselbe in ftlnf Unterabtheilungen :
5) Senon,
4) Turon,
'•'> Cenoman,
J (lault,
I Neocom mil dern Wealdrn.
VI. llislorische Geologic.
1:57
Diese Gliodfruni: und Kf/i'irhnungs\N«'isi' \\unle von den dcutsehen For-
srhcrn t'iir die District' adoptirt. bei deivn Studiuiu die Kreide schon bei wenig
ciiiLrehender rntorsm-hunt: rim-n iilmlichen palaeontologischen und pelrographi-
srhrn Charakter zeigle, \\ie die des oben genanntcn Landes (siehe Proiil Fig.
196). Fiir Sadism. Bblnncn und Millflbajorn aber, \\o nur die drci obersten
Etagen der Kivide und zwar in einor petrographiscb von den ubrigen Kividc-
h-rritorien alnveichendt'n Fai-ios zur Ausbildung gelangt waren, nanntc man
die uns hier bcsohiifligendc Formation nach dem vorwaltenden Gesteinsmalerialo
On ad or und crkannte drei Glieder in demselben, die man als Ober-, Wittol-
und L'ntonjujidor bezeichnete. Von diesen entspricht
der Oberquader dem Senon,
der Miltelquader dem Cenoman,
so dass sich die sachsisch-bb'hinisch-bayerische cretaceische Schichlenreihc mil
LiMt-htigkuit der sonsl gebrauchlichen Gliederung einordnen liisst, (Siehe fol-
ucndo Tabelle).
I Ncocom oder Hils, nebst Wealden.
I m nordwestlichen Deutschland besteht diese Etage zu unterst aus Kalk-
stcincn. au[ \velche Conglomerate und zu oberst Thone (Hilsthone) folgen, welche
jedoch auch. so am Teutoburger Walde und in den Gildehiiuser Bergen durch
SandstcMiic vorlroten sein kb'nnen . in Oberschlesien aus Mergelschiefern mil
unttM-^'ordnelen, cliinn ge-
scliichteten Kalksleinen, in
England und im nordlichen
Frankreich aus glaukoui-
tischen Mergoln und Sand-
lo\\»>r greeosaud),
Fig. 275. Tox aster com plan at us Ag.
iR. 27"i. E|xo(jyrn s i 11 it a 1 a ,<••«.
Fig. 277. Ammonites noricus So h loth,
sou it- aus graul)laucn Thoncn. In diivse Etage gehb'ren auch die Uber 30 M.
inachiiizcn Eis^QSteinablageruDgeD von Salzgitter. Ausser durch seine Lagerung
an der Hasis der Kreideformation \\inl das Neocom in fast alien seinen Vcr-
durch folgcndi- orizanische Resle kenntlich gemacht: Toxasler
138
VI. Historische Geologic.
Die Glicderiii
=
:
=
-
f
S
=
-
3
'-
Iin norilwf-stlieheu
Deutschland
In Westphalen, sQdlich
vorn Tentoburger Walde
Iin Lim'.ur.::
Territoi: -rformation)
innen "
octoj
il'ri'
];.u-ulit.?u- Merge^J
Bac. anceps, Micr. c«
angoinum , A
tus, Inoc. C'nvieK
r.i , • --K.iik DSnen 5¥51
Haldemer Schichten
mit Bel. mucronatus
Kruidetuff von Ma.stru-ht
uiul Aachen mit viel
Bryozofn
Oberer Qnadersandstein
mit Pect. <inadric»-
Inoc. Broujrniarti , Khyu.
octoplicata. Asteria<
Si.-luilzei
S.-hicht'Mi ui. Bel. rau-
cronatus. Ma;:. ]>umi-
licftta,
Hacul. Fau-
jasi, Ananch. ovatus
(Ueberquader)
Kreideraergel und
Grfinsand mit Bel. mncro-
natus, Ter. carnea
Schichteu in. Bel. qua-
dra t us, Inoc. Cuvieri,
ii-t. vt'Mi-ularis, Micr.
coranguinuin , Gal. albo-
galerus, Marsnpit«s or-
uatns
Munster'sche Schicliten
mit Bel. quadratns
Mag. pumilus, i)~t. ve.<i-
I'ularis I'ac. Faujasi
Oberer Quaderinergel
oder
Baculiten-Schichten
Lose Sande des Aachener
Waldes nnd Lonsberges
im unteren Xiveau mit
Trig, limbata nnd Gerv.
solenoides
Schichten mit I n o c e -
ramnsCnvieri, Micr.
coranguinum, iSalzberg-
Schichteni
Oberer Grunsanil mit
Micraster coranguinum
und Inoc. Cnvieri
Schichten mit Scaphi-
tesGeinitzi, Am.
peramplus, Spondyl. spi-
nosus, Micr. cortestndi-
r.ariura
Paderboruer Schichten
mit Scaph. Geinitzi
Oberer Planer von Streh-
len mit Spondyl. spino-
sns, Scaphites Geinitzi
Mittlerer Ph.
(Huudorfer -
Scaph. Geiniizi, AB
peramplns, ?.
nosus. .'
Weisse Kalke mit Gale-
rites albogalerns , Ter.
carnea, Inoc. Brongniarti
Dortmuuder Mergel
mit luoceramus Brong-
niarti nnd Galerites
conicns
Copitzer Grunsandstein
Mittlerer Gr
llallnitzer -
mit Inoc. B:
Exog. columhfl
Mittlerer Qu
=tein (MeluicX
ten, Tyssaer -
mit'lnoc. labiatM
R...t he Ealke mit Inoc.
Brongniarti, In. labiatns,
Ter. semiglobosa •
Bochnmer Schichten
mit Inoc. Brongniarti
und Inoc. labiatus
Mittlerer Planer oder
mittlerer Quadersand-
steiu mit Inoc. labiatus,
Pinna decussata, Exog.
columba
< r n o 111 a n
Schichten mit Amm.
Rhotomagensis
Frohmerer Schichten
mit
Am. Rhotomagensis
nnd
Am. varians
Unterer Planer und S«r- Unterer Plfii
pula-Sand mit Serpula nnd Grun>,.
plexus, — Ost. carinata, Vratzer SchichtaM
Ost. dilnviana, Exog. ha- Pect. asper , i
liotoidea, Cid. vesicnl. costati.
Schichten mit Amm.
varians, Inoc. striatns,
Holaster cariuatus
Unterer Qnadersandstein
Unterer Qnada^^^H
(Trigonia so^^^^l
Schichten, Koritz«B
•listen-Schichtel^H
rutzer Pflanzen-SqB
•
Schichten mit Am. va-
rians. Ostr. diluviana,
0. carinata (Tourtia.l
Essener Grunsand
(Tourtia)
Pflanzenfuhr. Schichten
von Niederschona nnd
Mu>chelbreccien
—
=
=
Flammenmergel mit
Avic. gryphaeoides
Thon mit Bel. minimus
Schichten mit Am. Mil-
letianus nnd Am. tardo-
fu re at us
Gargas-Mergel mit Bel.
Ewaldi, Avic. aptiensis,
Ter. Moutoniana, Am.
nisns
Speetonclay mit Bel.
Brnnswicensis, Am.
-us, Am. vennstns
Anoyloceras-(Crioceras)
hten mit Criocer.
Emerici, Ancyloc. sim-
plex
N i n i u in .i.l. i || i I x
HiUth"ii ; Hilssand^tein
des Tentobarger Waldes
mit Bel. subquadratus.
Am. noricus, Thrac. Phil-
lil'-i, Glyphaea ornata
HiKconglo- Wealden-
merat mit thonmitMe-
:.i).U- lania strotn-
n.itu-. I'yr. biformis,
_:ea", Cyrena, <'y-
Khvnrh. pris
<lepres,a, i>eister-
Ter.oblonffa. ..lu,i.u-in
-tein-
Manon itohlen-
peziza fl.-tzen
VI. Historische Geologie.
der Kreideformatioii.
139
l-Bayern
-Format.)
'•hlesiun
und Polen
In England
llicheu Frank-
reicli
11, l-'raukreieh
und in den Alpeu
•I'lstein
mil lirvo/"rii, (Vtr. ve-
Polen:
Schiehten mit Bel. mu-
Danien; pisolithische
Kalke
s\c\\
cronatus
Schreibkrcide (upper
chalk with flintl mit Bel.
mncronatus, Bel. quadra-
Schreibkreide mit Bel.
mucronatus, Inoc. Brong-
CampaniiMi uiul
Dordonien S ii d - F r a n k
r eichs
tus. Gal. albogalerus,
In oo. Cu-
:'.'T. i-oraiitiuinum
Schiehten mit Gal. sub-
Schreibkreide mit Bel.
quadratus
Nierenthaler Solnchien
mit l!i 1. iniiiTOiiatns mi
Micr. c«'irani;uinnin der
6 stl i ch e n A 1 1' '"> H
u-litou rait
limlata, Caliau.
antiqua
natus
Flintleere Kreide mit
Inoc. Cuvieri, Micr. cor-
anguinum
Kreide mit Micr. cor-
anguiuum
'nlverthnrm-Si.-liiehten
nil. Geinitzi,
Inoo. Brongniarti
Ob e rschle sien :
Schiehten mit Scaph.
Geinitzi
Chalk-marl (gray chalk)
mit Scaph. Geinitzi
Kreide mit Micr.
cortestudinarinm, Spond.
spinosns, Scaph. Geinitzi
C'alcaire ii Hipp, cornu-
vaccinum
Calcaire a Rad. cornu-
pastoris
Calcaires marnou.x :i In<n
Bisbuckel-Grnnsande,
nerainplus
Kalkmergel von
Chalk-marl mit Am.
peramplus, Am. Wool-
garei
Kreidemergel mit Am.
Woolgarei, Am. per-
amplus, Exog. columba
Frankreich
Sewen-Mergel mit Scap]
Geinitzi der S c h w e i
i-heriT- und Kein-
niehten mit
Inoc. labiatus
Oppeln
Lower chalk without
flints mit Inoc. labiatus
Kreidemergel mit Inoc.
labiatus, Exog. columba,
Rhynch. Cuvieri
Gosau-Mergel und Un-
tersberger Schiehten m
Hipp, cornu-vaccinum,
Cyclolithes ellipticus de
ustlichenAlpen
urg!>r Mergel und
muptgrunsand mit Exog.
polnn !'<T,
eqoiooBtatns
Sandige Kalke vou
Oppeln und Leobschutz
mit Am. Rhotomagensis
Kalkstein mit Am. Rhoto-
magensis, Am. varians
Oberer Grunsand von
Rouen (chloritische
Kreide), Ostr. carinata,
Pect. asper, Protoc. Hil-
C'alcaire a (.'apr. trianf,'\
laris
Calcaire a Am. Rhoto-
magensis Sud-Frank
reich s
Bohutzfels-Grunsande
- 'hieferletten mit
Pflanzen
Sandstein von Leob-
schntz mit Exog. co-
lumba, Protoc. hillannm,
Ost. carinata
Upper Greensand
Puct. asper, Pect. orbi-
cularis, Exog. lateralis,
Micrabac. coronula
gensis, Am. varians,
Scaph. aequalis, Turril.
tuberculatus
Tourtia
schichten der S c h \v *> i
zer
Urschelauer Schichteti
rait Orbitul. concava
der o st li c he n A 1 p e
Godula-Sandstein
(Bel. minimus?)
(jault nebst Blackdown-
beds, Bel. minimus, Am.
auritns, Ham. rotundas,
Albien, Thone und Griin-
sande mit Inoc. coucen-
tricus, Inoc. sulcatus,
Hamites rotundus, Am.
interruptus, Am. mam-
millatus
Albien ; Schiehten dei
Turril. Bergeri
!
Inoc. snlcatus
Aptien, Mergel mit Plica-
tula placunea
Aptien, Schichten der
Orliitulina lenticulari«
Werusdorfer Schiehten
mit Ancyl., C'rioceras,
C'ycadites, Pterophyllum,
Zamites
Crioceras-Schichten
Urgonien
Scliichten der Caprotin
ainmonia, Sclirattenkal
Caprotinenkalk
hiefer
und SancUteine mit Am.
ra'liatu-. Am. neoco-
(Lower Greensand mit
Exog. Conloni. Perna
Mnlleti, Tox. complana-
tns, Trig, caudata
*
Austern -Mergel rait
Exog. subplicata und
Ostr. Leymerii
Oberes Neocom mit T<»
complanatus
(Spatangen-KaUm)
Kalkstein mit Tox. com-
planatus, Rhynch. de-
Mittleres Neocom mit
i
ii-'-ner K.ilkfteine
pressa, Trig, caudata,
Exog. Couloni
Aptychns
mit Aptychos, Bel. pi-
-tillif., 1'ntere Teschener
•^fer
Hastingssand
1 Eisenschussiger Sand
Unteres Neocom mit
Tox. Campechei
140
VI. Hi-tm i-rhr
cornplanalus AJJ. . Pvrina |>\i:;ie;i Desh. , Terebralella oblonga Sow., Hhyncho-
m-lla drpressa Sow.. Terebrclula lamarindus Sow. , Exog\ra Couloni d'Orb.,
(=Exog. sinuata Sow.), Pecten crassitesta Rom. . Avicula macroptera Sow.,
Thracia Phillipsi Ub'm. , Belemnites subquadratus Ro"m. , Ammonites noricus
Schloth.
In den Bemerkungen Uber den Purbeck und Uber den palaeontologischen
Charakter der Kreide (pag. 424 und 434) ist bereits hervorgehoben worden,
dass am Ende der Juraperiode grdssere Regionen des damaligen Meeresgrundes
Uber den Spiegel der See gehoben wurden , ein Vorgang, \velcher die Ab-
lagerung derjenigen Lagunen- und Morastbildung bedinut . wolche \vir
W e a I d e n f o r in a t i o n nennen .
Kappenberg
Xienstedt
Deister
Fig. 27s. Profil durch den Purbeck und Wealden des westlichen Deisters.
a Yirgula-Schichteii, Kimmerid~e, <• Wealdensandstein ) Wealden
b Eimbeckhauser Plattenkalke ^ / Wealdenthon (
c Mnnder Merge 1 ( Purbeek. g Hilsthon; oberes Neocora.
rpulit \
Die Wealdeilformation uberlagert concordant die obersten, selbst hero its
limnischen Schichten des Jura, den Purbeck, und wird von den Thonen und
Sandsteinen der oberen Neocomformation ebenso gleichrnassig hedeckt, ein
Bowels fiir die ausserordentlich lange Dauer und die ruhige Stetigkeit des
saecularen Hebungs- und Senkungsvorganges. In anderen Districten, %vo keine
Hebungen des Meeresgrundes stattfanden , ist die Wealdenformation natiirlich
nioht zur Ablagcrung gelangt, vielmehr hat die Bildung kalkiger mariner Se-
dimente ihren ununterbrochenen Fortgang genommen, — eine Erscheinung, fUr
die \vir bereits in der carbonischen und dyassischen Formation ein Analouon
besitzen. \vo z. B. im Westen Nordamerikas auf den Kohlenkalk direct Zcch-
steinkalk folgt , wiihrend an anderen Punkten , an denen eine Oscillation des
Meeresbodens stattfand, die Brakvvasser- uud Sumpfbildung der producliven
Steinkohlenformalion zwischen jene beiden marinen Complexe zwischengeiaH
gert ist. Die Aufeinanderfolge der aus ahnlichen geologischen Vorgangen re-
.sultirenden Schichtensysteme des oberen Jura und der unteren Kreide ist
demnacli von union nach oben gelesen:
•
Hi-iii iiiariiif (Icbiklo
Durch linniisclie (icliildr untorltniclionf marine
Schichteoreibe
Hilsthon
Hilsthon, niarin j
Hilscooglomeral
Wcaldenthon , brakisch]
\YfiiNltMisaiulslein n. Kolilo. Sumpf- u.
Strandbilduog
Kimraeridge
I'urhi'ck. lir;ikisf!i i
Khnmeridge, nini'in 1
VI. Historisehe Geologic. 1 1 1
Die ochto YVealdent'ormatum 1st nur in z\vei Districten bekannt, in Eng-
land Kent. Sussex, Ks>r\ . von \\o aus sie nach Frankreich in die Umgebung
von Boulogne Ubersetzl und ini nordwestlichen Deutschland, wo sie in deni
Landstriche zwischen Helmstadt im Herzogthuui Braunschweig und Bentheim.
nahe der holliindischen Grenze, an sehr vielen Punklen zu Tage ausgeht und
namenllich an der Zusammensetzung des Deister, Osterwald, SUntel, der
BUckeburger Berue. des Teutoburger Waldes einen wesentlichen Antheil
nimiut.
Die NVealdi'nfonnation besleht aus zwei Gliedern , einem unteren sandigen
und einem oberen thonigen. Das erstere wird in Deutschland als Wealden-
<ider Deister&andstein, in England als Hastingssand, — das zweite
als \Vealdenthon oder We aide lay bezeichnet.
Der deutsche Wealdensand stein oder Deistersands tein , ein licht-
•zelblicher oder graulicher, feinkorniger Sandstein bildet in zum Theil Uber
3 M. starken Biinken einen bis 180 M. machtigen Schichtencomplex , aus
welehem in zahlreichen SteinbrUchen ein ausgezeichnetes Baumaterial gewonnen
wird. In ihnen eingeschaltet treten neben zahlreichen Lagen von dunkelen
Schieferthonen, welche zum Theil von Pflanzenresten angefullt sind, z. B.
am Deister \ 5 Flb'tze von mehr oder weniger reiner bituminoser , schwarzer,
stark gliinzender Steinkohle auf, welche der Mehrzahl nach nur 0,07 bis
0,20 M. machlig sind, wahrend andere 1 , ja Uber 2 M. Machtigkeit erreichen
und deshalb AbbauwUrdigkeit besitzen, so dass auf ihnen (so am Oster-
wald, am Deister, bei Obernkirchen, bei Borgloh) ein ziemlich bedeutender
Bergbau umgeht. Diese Kohle ist zweifelsohne von denselben Coniferen.
Cyadeen und Farnen gebildet worden, deren Ueberreste so hiiufig in den sie
begleilenden Schieferthonen vorkomraen.
Xach Schenk besleht die Vegetation des Wealden , wenn man von einer
/ueil'elhaften Monokotx ledonen-Form abstrahirt, ausschliesslich aus Gefiiss-
ki -sp to gam en und Gy m nospermen, welche in der Weise an der Zu-
-amiuensetzung der Gesammtflora Theil nehmen, dass die Artenzahl der ersteren
iinuefiilir das doppelte von jener der Gyrnnospermen betragt, diese jedoch durch
ihr massenhafles Vorkommen fUr gewisse Schichten viel charakteristisclier sind
als die drlasskryptogamen , wiihrend Dikotyledonen noch vollstiinditi 1'ehlen.
Die (iel',is>ki \ptogamen gehorcn den Equisetaceen . Farnen und Marsiliaeeen
.m. von welchen die ersleren durch Equisetites, die Marsiliaeeen durch Jean-
paulia. die Fame ebenfalls durch Gattungen, welche bereils fUr das Rhiil. den
Lias, den braunen und weissen Jura charakteristisch waren, so durch Baiera,
Oleandridium, Laccopteris, Sagenopteris, Dictyophyllurn reprtisentirt sind. Eine
eben.so schait ausiiepriiizte Ver\\ andtschaft mil rhatischen und jurassischcn I nr-
men . \\ie bei den Farnen tritt bei den Cycadeen des Wealden in einer An-
/ahl Anoino/ainites-, Pterophyllum-, Podozamites-Arten hervor. Die Coniferen
treten. \\as ihre Artenzahl betrifft , im Vergleiche mil Farnen und (lu-adecn
stark in den Iliutei i:rund , wenn sie ihnen auch an Individuen-Reichthum nur
\\rniu naehstehen. indem sie einen Hauptantheil an der Bildung der Wenlden-
kohle genommen haben. In dieser Beziehung ist narnentlich Abielites Linkii
1-12
VI. Historisdii'. Geologic.
Hum. x.u noniu'ii. Itcr GesaDimtoharakter tier Wealdenflora 1st nach dem oben
(io.iuU-ii als fin ausursprnchfii jurassischcr zu bezeichncn , d. h. ihiv YI-JJC-
tion gehort nodi derselben Entwickelungsslufe des Pflanzenreichs an, \\t-lclu'
mil joiicr drr rhatischen Formation beginnl und in der Slleren Krcidc ilircn
Abschluss findet. Erst in der jilngercn Kreideformation trill, \\ic cr\\iihnt.
eine vollstiindige Anderung der gesammlen Flora ein; es erscheinen die Uiko-
tyledonen, — Fame und Gymnospermen Irelen gegen dieselben zuriick . \vah-
ivnd ini Wcalden diese beiden Gruppen beinahe ausschliesslich die Vegetation
/iisamniensetzen.
Von Thierresten sind Cyrena-, Paludina-, Cypris-Arlen , ferner Fragmente
von Lepidotus (Lep. Mantelli Ag.) und Sphaerodus am haufigsten ; zu ihnen
gesellen sich einige Schildkrolen und gavialahnliche Saurier. - Das Klima
der Wealdenperiode war, vvie die grosse Anzahl der Fame, das Vorkommen
baumarliger Fame, zahlreicher Cycadeen und der Habilus der Coniferen be-
\veisl, noch ein durchaus Iropisches.
Fig. 279. U.uio Waldensi> Mant.
Fig. 280. Melaula strombiformis
Schloth.
Fig 2S1. Cypris
W a 1 d e n s i s Sow.
Der Deislersandslein wird von der zweiten Etage der
Wealdenformation, dem Wealdenthone, in 20 bis 30 M. Mach-
tigkeit Uberlagert. Es sind dunkelgraue, dUnngeschichlele
magere Schieferthone mil schwachen, sehr regelmassigen Lagen
von sandigem Kalksteine. Lelzlere zeichnen sich durch ihren
erstaunlichen Reichthum an Cyrenen, Cyclas und Melanien,
manche der Schieferlhone und Mergel durch die Menge der
Cxpris- und Unio-Individuen aus, welche sie bergen. Die charakleristischsten
Vertreler dieser echten Brakwasserfauna sind: Cyrena ovalis Dunk., Unio Wal-
densis Mant., Melania strombiformis Schloth., Paludina fluviorum Mant., Cypris
Waldensis Sow.
In England wird die untere Elage der Wealdenformation , wie bereits
li'Tvorgehoben, von Ilastingssand gebildet. Es sind dies eisenschiissige Quarz-
sande und Sandsleine, welche mil Thonen und Mergeln vvechsellagern . in
denen jedoch eigentliche Steinkohlen wie in Deulschland nicht vorkounnen.
Dahingegen umschViessen sie einzelne Brocken von Braunkohle und verkohlte
Pflanzenreste, ferner zahlreiche Silsswasser- und Brakwassermollusken aus den
Geschlechtern Cyrena, Cyclas, Unio, Paludina, Melania, namentlich aber die
Resle von Fischen (Lepidotus), Schildkroten (Emys und Trionyx) und Sauriorn.
VI. Histnrisrhe (id
143
unter denen sich die colossalen Formen \<m liuianodon auszeichnen . Aut' den
HastingSSandatein 1'ol^t der \Vealdela\ . i:raue i'etle Thone und unler^eordnete
Kalksteine mil Iinianodon -Zithnen und KnnehenlYaumenten , so\\ie mil (]\pris
und Paludina. weldie let/.tere mandie
Sehiditen IMP/ aussdiliesslidi xus.uii-
[nensetzen.
.' (iault.
Die bis Ubor 3uO M. miichtiuc
Scliiditenreihe des Gault besteht in
Dfiitscliliind. Kniilaiul und Frankivich
aus plastischen dunkelen, zum Thoil
glaukonitischen Thoncn , mageren
Schieferthonen und Mergeln, \velcht'
nur local von reinc>n odcr inei'ge-
liia'ii Kalkstoinen , so\vie von lioll-
i:rauon oder \veissen Sandsteinen
Ix'i Ilalborstadt, Goslar) Verdra'llgt Fig. 282. Zahn von Iguanodon Jlantel.li Myr.
\\mlen. Als let/les Glied der deut-
si-hfn Gaultfonnalion erscheint fast Uberall der Flanimenmergel , ein heller
von dunkelen Flammen und Streifen durchzogener Mergel mil Avicula gryphae-
oides. IIH Allgemeinen ist an der Fauna des Gault ibr grosser Rcichlhutn an
Bflfinniten und Ammoniten und zwar sovvohl an echten Ammoniten , wie an
derm Kriippelformen bernerkenswerth. Letztere kommen in besonderer Man-
nigfaltigkeit der Formen und Menge der Individuen in dem untersten Horizonle
des Gault, den danach benannten Ancyloceras- (Crioceras-) Schichten vor und
cehoren den Geschlechtern Turrililes, Hamites, Ancyloceras, Crioceras und
Toxoceras an. Als ihre Hauptverlreter mo'gen hier Ancyloceras Matheronianus
d'oi-l). , Hamites attenuatus Sow., Crioceras Emerici Lev., Crioceras Duvalii
Lev. iinjjyfuhrt \verden. Von Ainmonilen sind Ammonites nisus d'Orb. , Am.
nurilus Sow., Am. Milletianus d'Orb. zu ervviihnen , \viilnvnd von Helemniten
Fig. 2S3. Inoceramus snlcatn? Park.
Fig. 2S4. CriocerasDnvaliiLtSv.
fiir den deutsehen Gault drei Arten, Belemnites Brunswicensis Stromb. , Bel.
Ewaldi Stromb. , Bel. minimus List, desbalb doppelte Wichtigkeit besitzen,
Ill
VI.
Goolo.nie.
\vril sic drei verschicdene Nivraus und /\v;ir Bel. Buns\vieensis das untere,
Bel. niiniinus this nbere Ni\eau einnehmrn und deshalb Yor/.ilulirhc Oriontininizs-
niitu-l al>p'bt>n. Von Zweischalcrn und Brachiopoden sind Hir don ("Jault cha-
raktcristisch : Terohrnlula Moutaniana d'Orb., Inoceramus sulcattis Park.. A\i-
cula aplionsis d'Orb., Trisionia caudata
Fig. '285. Toxoceras bi tuhercnlatus
d'Orb.
Fi". '2^1). Ancyloceras Matheronianu:
d'Orb.
Tig. 2>i7. Hainitos at ton \i at u
Sow.
Kit:. '2ssa. Turrili t e s c ate-
natu s d'Orb.
- 1! el em ui te »
F! r u n s w i c e n s i s S t r o in b.
In der sUdlichcn Kreidezone ist der untersle Gault namentlich durch
harte, \veisso Kalksteino. so\\ic kalkigo Morgel vertreten . \\olchc die crstcn
Rudislen und zwar in solcher Men^e fUhren , dass man das untere Niveau des
sUdlichcn Gault als unterste Rudistenbiinke bezeichnel. Die s:e\vohn-
VI. Hislurische Gcolouie.
145
liehsle von den P\reniien bis in die b'stliehen Alpen verbreitele und deshalb
charaeteristisehe Form derselben ist Caprotina ammonia d'Orb. — In den Alpen
hat man diese Caprotina-Schichlen Sehrallenkalke benaiuit.
Sehliesslich ist noch zu be-
merken. dass die untersle Elaiie
des Gault, die Anc\ lot-eras -
Sehiehten sowohl, wie deren
.mcel'iihrie Aequivaleotgebiide,
die Caprotinen-Schichten oder
Sehraltenkalke, von vielen Geo-
liiijen als oberste Zone des
Ne oco in betrachtet werden.
••noman I'nterquader, Fi-. 'Mi. Ciipn.tiiiii ammonia d'0rl>.
rnterpliiner .
Diese Etage der Kreideformation bestehl in England, Nordfrankreich
und Wesljihalen aus glaukonilischen Sandsteinen, Thonen und Mergeln (dem
upper greensand. der chloritischen Kreide von Rouen, der Tourtia, dem Griin-
sand von Essen), in Hannover aus thonigen Kalken und Kalkmergeln , in
Saehsen und Bo' h men zu unterst aus zum Theil glaukonitischen Quader-
sandstein. darliber aus Pliinerkalk (Unterquader und Unterpldner) . Die Zu-
aller dieser petrographisch zum Theil so ausserordentlich
. l)ix.-nidea cylindrica Aff
. 2'M Ostreacarinata
Lam.
J. Exogyra columba Uesh.
Fig. 2M3. Protocardiu in llillnuuin Beyr.
veix hiedenen Schichtencomplexe zeigt sich durch ihre genieinsame FUhrung
folgender characteristischer Cenoman-Versleinerungen : Holaster subglobosus A-.
Discoidea c\lindrica Ag. , Cidaris vesiculosa Goldf. , Rhynchonella Mantolliana
Sou.. Megerlea lima Defr. , Ostrea carinata Lam., Exogyra laleralis Dub..
Exoyra columba Desh. , Pecten asper Lam., Inoceramus slrialus Mant.. Proto-
146
VI.
cardium Ilill;mimi Be\r..- Ammonites Rhotomagensis Brons:. . Turrililes cost;itus
Lam.. Sraplu'trs ar<|ualis Sow.
Fig. 204. Ammonites lib u toma'gen si s Brong.
Fig. 295. Scapliites aequalis Sow.
Hochst wichtig ist das Vorkommen von Abdrtlcken und verkohltcn Restt-n
von Dikotyledonen , nnmentlich von Credneria , Cunnighamites , Salix , Acer.
Alnus , Laurus u. a. in den dem cenomanen Quader angehorigen Schiefer-
thonen von Niederscho'na bei Freiberg und in den Sandsteinen von Miihrisoh-
Triibau. Es sind die altesten Angiospermen, von denen wir Kunde haben.
Einen ganz verschiedenartigen Charakler besilzl die Cenoman-Bildung in
der siidlichen Verbreitungszone der Kreide. Derselbe \vird durch cine
neue grossartige Enlfaltung der Hippuriten bedingt. Das Cenornan Sildeuropas
und zwar vorzugsweise Stidfrankreichs reprasentirt somit eine zweile Hippuriten-
zone und beslehl iihnlich wie die ersle, deni Gault (oder oberen Neocome)
angehorige vorwaltend aus harten, hellen Kalkslei-
nen, welche neben anderen weniger hiiufigen Hip-
puriten namentlich Caprina adversa d'Orb. , Ca-
prina triangularis d'Orb. und Sphaerulites foliaceus
Lam. ftiliren. In den ostlichen Alpen Hndet sich
eine Foraminifere, Orbitulina convava Defr. in enor-
mer Menge gewissermaassen in Slellvertrelung 1'Ui-
die Hippuriten ein und fiillt die nach ihnen be-
nannten Kalkschichten ganz an. Eine gewisse pa-
laeontologische Verknilpfung zwischen nordliclu-r
und slldlicher Kreidefacies \vird dadurch hci^c-
stellt, dass der unterste Horizont des sachsiseh-
' :il>ri"aailvri?a 'r°l!' bohmischen Quadersandsteines, wenn auch sellen.
lli|)purilen bii^t.
4) Turon (Milloliiuader, Mittelplaner, Scliichlen des Inoceramus labialns .
Diesc rnli-rabtlicilnng der Kreidefonnalion wird im nordlichen Frank-
re ich und in England von \veissen.oder hellgrauen, feinerdigen und \\ci-
chen Mergeln (Kreidemergeln), in Weslphalen zum Theil von eben solelicn.
/.inn Theil von Mergelkalk, dem Planer, in Hann over und Bra unscli \\ »• iu
von lleischrothen und weissen, kalkigen Mergeln und Kalksteinen, in Sachsen
und Boh men zu unterst von Quadersandstein (Bildhauersandstein) , zu oltcrst
von Pliinerkalken und Mergeln (Strehlener Planer) gebildet. Die wichtigsten
Erkennungsmerkmah1 dieser Formation liefern folgendc organische Resle: Ga-
albogalerus Lam. . MicVaster cortestudinarium Ag. , Inoceramus Brong-
VI. HLstorische Gt><
117
niiirti So\v., Inoceramus labiatus Bron».. (=1. imtiloidcs Maut.. =1. problenuti-
( us d'Orl). . Triconia scabra I.iiin.. Spondylus spinosus Defr.. Terebratula scmi-
izlohosa So\\ .. Ammonites porainplus Sow.. Soaphitos Gcinitzi d'Orli.
Fig. 297. Galerites albogalerus Lam.
- Inoceramus lahiatu s Bro ng.
Fig. 2!Mt. Spend ylus spinosusDefr.
:;oo. T r i g o n i a s c n 1> r a Lam.
- Hippnritps organ isan
_'. ;in|. II i 1M'1; i i t cs To uc asi ana
d 'Orl..
In der Scliichleniviho dcr sildlichcn Kreidc repriisontirl die Ktage des
Turon (Mncn drittcn Ilippuritcn-Horizont. Er besteht aus festen, dichlen, zuni
Theil rothen Kalksteinen. wird namentlich durch Hippurites cornu - vaccinum
Bronn und Hippurites orcanisans Desm. bezeichrtet und besilzt cine ausser-
VI. Historische Geologic.
onlt'iitlich grosse geographische Yerbreitung, indem er sich von Portugal durch
ganz Stldeuropa bis nach Griechcnland und Kleinasien verfolgen lassl und
endlich ebenfalls in Texas naclige\viesen worden ist. Dieser Hippurilen-Hori-
zont ist es, welchen man in den schweizer Alpen als Sc \venka Ik, in den
osterreicher Alpen als Gosanbildung bez*eichnet. Lelztcre birgt neben den
genannten und noch zahlreichen anderen Hippuriten einen grossen Reichthum
von Korallen, unler denen Fungiden (z. B. Cyclolilhes elliplicus Lam. . Turbi-
nolien, Astraen und Maandrinen vorherrschen , ferner eine sehr erhebliche
Menge von Gasteropodet) /, . M. Cerithium, Acteonella, Fusus).
Fig. 303. Cyc 1 oli tli e s ellipticu s Lam. a von oben. b von nnten. c von der Seite.
5) Senon (Oberquader).
Die Gesteine, welche diese Schichtenreihe zusamrnensetzen, sind in Eng-
land, im nbrdlichen Frankreich , auf Riigen und Wollin \veisse Schreibkreide,
bei Aachen und Mastricht lose Sande, Mergel und bryozoenreiche Kreidetuffe,
in Westphalen zu unterst Kalkmergel , daruber lose Sande und Sandsteine, in
Hannover und Braunschweig thonige Kalksteine und Mergel , am nbrdlichen
Harzrande vorwaltend Sandsteine, in Sachsen und Bb'hmen zu unterst Mercel,
7 O 5
dririlber die Quadersandsteine, welche die colossalen Felsparlien des Elbthales
oberhalb Pirna, so den Konigstein, den Lilienstein bilden. Ausser
eincr Anzahl weiter unten zu erwahnender organischer Reste sind
Belemnites quadratus d'Orb. und Belemnites mucronatus d'Orb.
die wichtigslen Leitfossilien der Senon-Etage, wenn sie auch in
den Quadersandsteinen der sachsischen Schweiz bis jetzt noch nicht
aufgefunden worden sind, und zwar isl Belemnites quadratus fiir
die unteren . Belemnites mucronatus filr die oberen Xiveaus der-
selben bezeichnend. Zu ihnen gesellen sich ausserordentlich zahl-
reiche Foraminiferen Tlabellina, Textularia, Nodosaria, Rotalia, Den-
talina und viele andere) , deren Schalen nicht nur einen grossen
Theil des Materiales der weissen Schreibkreide geliefert haben,
sondern welche auch in den senonen Kreidemergeln sehr hiiufig
Fig. im. sind, — ferner jener schirmahnliche Schwamm Coeloplychium
mncronatus agaricoides Goldf. , sowie Siphonia pyriformis Goldf. , zahlreiche
Seeigel z. B. Ananchytes ovatus Lam. und Micraster coranguinum
Ag. : Marsupites ornatus Mant. , Asterias Schulzei Colt., Crania ignabergensis
Retz.. Magas pumilus Sow., Rhynchonella ocloplicata Sow., Terebratula carnea
Sow., Ostrea vesicularis Lam., Exogyra laciniata Goldf., Pecten quadricostalus
VI. Hislorische Geoloeie
11 <>
Hronn, Inoccranuis Cripsi Mant., liuvramus Cuvirri Sow., Pinna diluviano
Sclilotl)., Turrililrs pohplorus Horn., Haculilrs anccps Litni., Nautilus danicus
Fig. 30G. Anan chytes ovatns Lam.
Fip. :J07. Micraster cor-
a n R u i n « ra A K.
Fig. 308. Ostrea vesicularis Lam.
Fig. 305. S i p h o n i a
p y r i f o r in i s O o 1 d f .
Fin :«». Pecton qBadricostatut; Fig. :J10. In »r rr am u s Rro ngn ia rti
Bronn. Sow.
Fig. :M2. Nautilus danicus Schloth.
Fig. 311. Batnlitcs
anc e ps Lam.
A Is die obersten Horizontc der Kreide, welchc bercits eine so bedeutendo
Annaherung ihres palaeontologischen Charnkters an den des TertiaY verralln'ii.
C red nor, Elemento d. Qeologie.
29
•l.">0 VI. Historische Geologie.
d;i.ss iluv y.uiM'Imnukcit /ui nvtacnsi-hrn Formation als sln-ilii: izall, sind die
l'a\ii<>-Kalke, die KreideluH'e von Maslricht und die Pisolilhenkalke des Pariser
Beckens zu betrachten. Man hat dieselben frtlher als besondere Etage der
Kivide, als Danien zusammengefasst, zieht sie aber jelzt zuin Senon.
Die Faxbe-Kalke treten auf der dMnischen Insel Seeland als jtlngste
Bildung der senonen, also tlberhaupt der gesammten Kreide in <0 bis 1 •"> M.
M.ichligkeit auf, bestehen aus fast-nichts, als aus Korallenfragmenten und Ko-
rallcnschult, und umschliessen zwischen diesen zahlreiche Molluskenreste, so
Belemnites mucronatus, Nautilus danicus, Baculites Faujasi, aber auch Stein-
kerne von Cypraea, Oliva, Mitra, Patella, Emarginula, also von Gasteropoden,
welche sonst kaum aus der Kreide bekannt sind. Dazu kommen noch Schee-
ren und vollstiindige Panzer einiger Krabben (Brachyurus), die in der ganzen
Korallenfelsmasse vertheilt sind.
Der Kreidetuff von Mastricht ilberlagert die echte weisse, an Feuer-
steinen reiche Schreibkreide und besteht aus lockeren, zerreiblichen Kalkmer-
geln, welche in der Weise von Bryozoe"n (namentlich von Eschara/ und von
Foraminiferen angeftlllt sind, dass diese die Hauptmasse des Gesteins ausniachen.
Neben Gasteropoden wie Voluta, Fasciolaria u. a., die sonst nur im Tertiiir
bekannt sind, kommen Belem. mucronatus, Pecten quadricostatus, Baculites
Faujasi und andere echt cretaceische Formen vor. — Uberraschend isl die
Ubereinstimmung der Kreidebildungen von Mastricht-Aachen mil denen von
New-Jersey in Nordamerika, wo ganz ahnliche an Eschara reiche Kreidetuffe
die Schichten mil Belemnites mucronatus Uberlagern.
Der Pisolithenkalk der Umgegend von Paris ist ein gelblicher,
eisenhaltiger, groboolithischer Kalkstein mil dem cretaceischen Pecten quadri-
costatus, Nautilus danicus, neben ihnen aber mit zahlreichenorganischenBesten von
augenscheinlich eocanem, also tertiarem Habitus, so dass man diese Ablagerung
als ein Zwischenglied zwischen normaler Kreide und Tertiar betrachten kann.
Was endlich die senonen Gebilde der Kreideformation des Stldens und
zwar namentlich des sUdlichen Frankreichs betrifft, so wiederholt sich auch
hier dieselbe Erscheinung wie beim Gault, Cenoman und Turon, nehmlich das
massenhafte Auftreten von Hippuriten, deren vierten und zugleich oberslen
Horizont wir demnach im stldlicben Senon erkennen. Letzterer besteht in
Sildfrankreich aus lichtgelben Kalksteinen, in denen die Hippurilen so massen-
haft angehauft sind, dass sie, nur durch ein wenig Kalk verkittet, fast aus-
schliesslich ganze Schichten zusammensetzen. Die haufigslen Arten sind:
Radiolites Jouanelti d'Orb. und Radiolites Bournoni d'Orb. Mit ihnen schliesst
in Siidfrankreich, mit Belmnites mucronatus filhrenden Schichten in den
Alpen, die Kreideformation ab.
Einiges fiber die geographische Yerbreitung der Kreide. In Europa
hat die Kreide in England, Frankreich und Deulschland ihre grbsste Ver-
brcitung und vollstiindigste Entwicklung erlangt. Wahrend die Juraforma-
lion noch woit ausgedehnte, zusammenhiingende Terilorien bildet, ist dies bei
der Kreidegruppe schon weit weniger der Fall. Es lasst sich aus der ganzen
\nlnvituni: drr durch dazwischon liegende Juraplateaus iietivnnten
VI. llistorische Geologie. 451
becken nicht vt-rkcimen, dass eine Vergrosserung der Continente auf Kostcn
des cretaceischen Oceanes stntt.m>fimden hat, wodurch letztcrer in zahlrciche
Buchten und Anne gegliedort vvurde.
Bei Besprechung des Jura ist gezeigt worden, dass derselbe in England
rim* breite Zone bildet, welche in fast genau nordlicher Richtung vom Canal
bis zur OstkUste der Insel verlauft. Der Untergrund des ganzen, osllich von
dieser Jurazonc liegenden Territoriums besleht aus Kreide, wird freilich zuni
Thfil von Terliiirablagerungen verborgen. Die Schichten der crelace'ischen
Formation lagern hier gleichformig auf denen des obersten \veissen Jura auf
und fallen wie diese nach Osten ein, nur in den zwischen der Themse und
deni Canal gelegenen Landstrichen von Kent, Sussex und Essex findet eine
Stoning der sonst so regelmassigen Lagerung durch eine flach kuppelfbrmige
Krhebung der Purbeck- und Wealdenformation stall, an vvclche sich die
Schichten der jlingeren Kreide anschmiegen und allseils von dem Centrum
abfallen, so dass sich ein normal anliklinaler Schichtenbau einstellt. Die eng-
lische Kreide beginnt mil den Sandsteinen und Thonen des Wealden, auf
welche dem oberen marinen Neoconi angehorige Glaukonitmergel (lower green-
sand) und die Schieferthone und plastischen Thone des Gault folgen. Das
Cenoman ist durch eine zweile Ablagerung von Glaukonilmergeln (upper green-
sand), das Turon durch Kreidemergel reprasentirt, wahrend das Senon durch
<lic in ihrem obersten Horizonte feuersteinreiche, weisse Schreibkreide gebildet
%\ird, aus welcher die grotlesken Felsufer bei Dover und Brighlhon bestehen.
Die Versteinerungsftlhrung dieser Schichlen ergiebl sich aus dem Uber die
Gliederung derr Kreideformalion Gesagten und aus der pag. 438 gegebenen
tabellarischen Cbersicht ilber die cretaceische Schichlenreihe.
In Frank reich bildet die Kreideformation drei grosse Becken. Das
nordlichste derselben, welches hauptstichlich durch die Seine und Loire ent-
%\;isserl wird, reprasentirt ein eflachlellerfbrmige Schale, deren aussere Bander
sich an jurassische Schichten anlagern, deren innere Vertiefung von Terliar-
gebilden ausgefUlll wird, und in deren Centrum Paris liegl. Die Kreide Eng-
lands ist nichls als der nordweslliche FKlgel dieser grossen nordfranzOsischen
Mulde. Ihre einzelnen Formalionsglieder haben den nonnalen Charakter aller
nbrdlichen Kreidebildungen, natUrlich mil localen Modificationen. Das dortige
Neocom besteht aus Toxasterkalken und Austermergcln, wochsellagernd mil
Sand und Sandsteinen (Urgonien), der Gault aus eisenschussigen Plicalula-
Mergeln (Aptien) und dunkelen Thonen (Albien), das Cenoman aus Grunsand
(Tourtia), das Turon aus Kreidemergeln, das Senon aus weisser Schreibkreide,
die namentlich in der Umgegend von Paris auftrilt und stellenweisse von grob-
oolithischen Pisolithen-Kalken (Danien) Uberlagert werden, welche die jUngsten
Kividegebilde darslellen.
Der zweiten, aber bedeutend kleineren Mulde der franzb'sischen Kreide ge-
horl das Flussgebiel der Garonne an. Sie lehnt sich mil ihrem nbrdlichen
FlUgel an das granitische Centralplateau Frankreichs, mil ihrem sUdlichen
FlUgel an die Cenlralketle der Pyrenaen an. Ihr ganzer petrographischer und
Charakter ist h»-ivits der drr sUdlichen Kreidefacios. Dieser
29*
l.">2 VI. Ilistorisclic
ulleiibarl sich einerseils in dem Auflreten harter, dichter oder knslallinischer
Kalksteine, andererseits in dein Reichthume an Hippuriten, \velche, wic aus
beiliegendtf tabellarischcr Ubersicht hervorgeht, vicr verschiedone Horizonto
der dnrliiien crelaceischen Schichlonreihe anttlllen, und in jedem derselben durch
andere Species vertreten werdcn. Einer dritten Bucht des crelaceischen Oceanes
entsprechen die Kreideschichtcn am untercn Laufe der Rh6ne im sildbstlichen
Frankreich, die sich ebenfalls an die Granite des Cenlralplateaus anlagcrn und
dann einerseits in nordostlicher Richtung tlber Genf bis Neuchatel, andercr-
seils am Nord- und Sttdabhange des Alpenzuges durch Baycrn und Tyrol bis
Salzburg und Osterreich in Form einer schmalen Zone fortsetzen. In letzlcrer
sind siimmtliche Glieder der Kreideformalion und zwar in typisch stldlicher
Facies entwickelt. Eine sehr bedeutende Rolle spielen die Hippurilen-Kalke
in den Alpen und zwar in den westlichen namentlich die der Neocomelage,
also die Schrattenkalke rait Caprotina ammonia, — in den 6'sllichen die turo-
nen Gosaubildungen mit Hippurites cornu vaccinum und Orbitulites concava.
Kehren wir zur nb'rdlichen Kreidezone zurllck ! Von England und Frank-
reich aus la'sst sich dieselbe durch Belgien und das nordwcstliche Deulschland
verfolgen, bildet das Elblhal ober- und unterhalb Dresden, hebt sich am
Nordabfalle des Riesengebirges in isolirten Partien aus dem Diluvium und
bildet erst wieder in Oberschlesien und Polen, sowie an dem nordlichen Fusse
der Karpathen grossere Areale. Zwar ist sie unter der ganzen norddeulschen
Tiefebene verbreitet, hier aber von machtigen Terliiir- und Diluvialablagerun-
gen bedeckt, aus welchen sie nur an wenig Punkten, so bei Ltineburg, auf
Rilgen und auf Wollin in kleinen, inselfb'rmigen Flecken hervorragt. Siidlich
von dem Riesengebirge und den Sudeten tritt sie als bohmisches Kreidebecken
in ausgedehnter Weise auf. Trotz des wahrscheinlichen, wenn auch verbor-
genen Zusammenhanges aller dieser deutschen Kreidegebiete besitzt doch jedes
dieser letzteren eine ganz eigenthtlmliche Facies, eine Erscheinung welcbe
darauf beruht, dass einerseits an den verschiedenen Localitaten nur einzelne
Glieder der gesarnmten Schichtenreihe zur Ablagerung gelangt sind, anderer-
seils der petrographische Charakter selbst der entsprechenden Gesteinscomplexe
ein verschiedenartiger ist, und endlich der organische Habitus nichl iiberall
ganz derselbe bleibt, sondern localen Modificationen unterworfen ist. Es lassen
sich folgende Gebiete und zugleich Facies der Kreide Norddeutschlands und
der angrenzenden Landstriche benachbarter Lander unterscheiden, iiber welche
in beigcdruckter Tabelle pag. 438 eine vergleichende Ubcrsicht gegeben ist.
4) Das Kreidegebiet von Mastriciit und Aachen. Hier ist aus-
schliesslich das Senon zur Ablagerung gelangl, welches zu unterst aus losen
Sanden und Kalksteinbiinken, diese mit Trigonia limbata und Belemnites mu-
cronatus ; darliber aus glaukonitschen Kreidemergeln und zu oberst aus Kreide-
luff besteht. Letzterer ist angefllllt von Bryozoen, z. B. Eschara, und ausserdem
reich an echt cretact'ischen Thierresten.
2) Das westphiili sche Kreidegebiet stldlich vom Teutoburger
W.ildc. In ihm sind nur Cenoman, Turon und Senon, nicht aber Neocom und
Gault verlrelen. Diese ausschliesslich obercretJiceische Schichlenreihe beginnt mil
VI. lli>ltiri>rlit- (iciili.-ic. !••'•>
dom Kshi'nrr Griln>aiide. «-iin-r Aijuivalonlbildimg dor Iraim.MM-heii Tourti.i ;
/.\\i>rhen ilir unil oilier zwi-iU-n Grilnsandablagurung , \\i-U-lu- ilnn untorslon
Seiu.li angrhiirl. lieuen .lie Planer und Mergel des Turon mil Inoivramus la-
hijilus, wiArend die jilngston llumonto, also die- oberhalb des nberon Griln-
sandos lai-ornden Mergel uiul Sandsleino, durch Belemniles mut-ronalus und
(juadratus als oborstes Semm be/eielmet \\orden.
3) Das Kre.idegebiet des nord westlichen Dculschl an ds ein-
schliesslich des Teuloburger Waldos. In moist gleichforiniger Auf-
liigerunt; auf den obcrston Schichlcn des wcisscn Jura trill die Kroidcfonna-
lion in ihren siimmtlichen Gliodcrn vom Neocom bis zum Seuon enUvickoll iin
nordwfsllichcn Deulschland auf. Sie erslreckl sich von der holliindischen
(Jreim- bri (^ildohaus cincrscils durch die Kctlc des Tculoburger Waldos bis
in die Gegend von Padcrborn, andorersoils den Fuss der Wescrkelle und des
Doislers cnllang nbrdlieh und nordosllieh vom llarz bis in die Gegend von
VluMslrbrn und fUlll ausserdem ein/elnc isolirle Mulden aus , so die llils-
muldc und die Kreidemulde von Alfeld. In der Entwickelung der einzelnen
illirdiT geben sich jedoch innerhalb dieses Verbreilungsgebieles auffallende
Unlerschiedc zu erkennen. Wahrend sich von Gildehaus an sowohl Neocom
und Gaull, wie Ccnoman und Turon, zum Thcil in steil aufgerichlelcn Sehiohten,
iibor den Touloburger Wald bis in die Gegend von Paderborn erstreekt-ii, sind
am Nordrande des Wesergebirges bis in die Gegend westlich von Haniu.Nrr
mir die unlcrstcn Glieder der Kreide bekannl, bei Lemforde jedoch von Se-
nonschichtcn Uberlagerl. Bei Hannover und in ihrer weileren Vcrbrcilunii
gegen Oslen hin erscheint die Kreideformalion in einzelnen isolirlen, oder nur
din-ch die unlerslen Schichlcn der Gesammlformalion verbundencn Mulden, in
\\rlchen die sammllichen Glieder der Formalion cnlwickell sind, so bei
Ahllen, Peine, Braunschweig, ebenso auch in der lang ausgcdehnlen Mul«l«-
/.wischen Hornburg und Aschersleben , wo jedoch der pclrographischc Charaki. i
dor Formalion durch das Auflrelen von Sandsleinen an Slelle der iin ubrigcn
nord westlichen Deulschland vorherrschend Ihonigcn und mergeligen Gebilde in
mm-/, eigenthumlicher Weise beeinllussl wird.
4) Das Gebiet der baltischen Kreide, welches die isolirlen Ablage-
rungen dieser Formalion auf Wollin , Rilgen , den danischen Inseln und dom
sUdlichen Schweden umfassl, wo ausschliesslich Senon und z\var /urn t-rosscn
Theile in Geslall sleile Absliirzo biUlcnder, weisser Schroibkivido /ur Ablap-
rung gclangl ist. Auf Seeland wird letztere von den bereils erwiihnten Ko-
rallonkalkon von Faxoe bedeckl.
5) Das Gebiet des mille Ideutschen Quaders. Ihui gehoren die cre-
laooischen Formalionen Sachsens, Bohmens und der Unigebung von Lb-vu-nberj:
in Niodorschlosion, so\vie der Gegend von Begensburg in Bayern an. Diesel-
ben reprjisenlircn, ahnlich wie in Weslphalen, nur die drei oberen Elagen
der Kreide, sind jedoch, namenllich was ihren Gesleinscharakloi bclrifft , von
jenen vollkommen verschieden ausgebildet. Es beruhl dies vorzUglich auf der
onormcn Enlwickelung drs Ouadorssndsleines , welehor u. a. die bekannlen
l-Vlsparticn der sachsisch-bohmischcn Schwciz , des LausiUor Gebirgos, von
1.") 1 \ I. Ilishirisrlir
Adersbach und \\YckrlsdoiT, die Ilruscheuer /usammrn.si'l/.t. Die Kividcabla-
gerungen der genannten Trrritorien beginnen mil ciner Stlsswassorbildung,
welchc die vorhandenen Uncbenheiten und KlUfte dos Untergrundes ausfullt
und deshalb nur local auftritt (z. B. die pflanzenfuhrenden Schichten von Nic-
dcrschb'na). Auf sic folgt der untereQuadersandstein, tiberlagert von
dein unteren Planer, Aequivalentgebilden desCenoman; darllber der Com-
plex des Mittelplaner (zum Theil als sandige Schichten enlwickell und dann
Fig. 313. Profil durch die sachsische Quader- (Kreide-) Formation.
n (irundgcbirgo c Mittlerer Quadersandstein u. mittlerer Planer \ ™..lei
«' Pflanzenfuhr. Schichten n. Muschelbreccie ) TT . d Copitzer Grunsandstein
« Unterer Quadersandstein miadpr e strehlener Planer
b Unterer Planer uud Serpulasand / Baculitenschichten (oberer Planermergel) ) n.
g Oberer Quadersandstein f U
Mittelquader genannt) und der obere Planer (Strehlener Planer), welche
sich als Turon erwiesen haben ; und endlich der obereQuadermergel (Ba-
culitenmergel) , uberlagert von oberem Quadersandstein, welche das Senon
anderer Gegenden reprasentiren und u. a. die gewalligsten Felsen der sach-
sischen Schweiz, sowie den Gipfel des Schneeberges zusammenset/en.
6) Das Kreidegebiet Oberschlesiens, der Nordka rpathen und Po-
lens. In dem aussersten Oslen Deutschlands und den angrenzenden Theilen
Polens, Mahrens und (Jaliziens hat die Krcideformation eine sehr bedeutende
Verbreitung und begreift in Ubereinslimmung mil denen des nordwestlichen
Deutschlands und ini Gegensatze zu den dazvvischen liegenden sa'chsisch-bbh-
mischen Ablagerungen die sarnmtlichen Glieder der Gesamnitformation voiu
Neocom bis zum Senon. Das Neocom und der Gault sind innerhalb der Nord-
karpathen, Gcnotnan und Turon in der Umgegend von Oppeln und Leobschill/.
in Oberschlesien, die senonen Gebilde vorzugsweise in Polen, weniger deullich
bei Oppeln zur Entwickelung gelangt. Das Neocom wird durch ein iiiii<-li-
tiges Schichtensystem von Mergeln, Schiefern und Kalksteinen reprasenlirl,
welches das HUgelland der Umgebung von Teschen zusammensetzl. Zum (Jaull
rechnet man die Pterophyllum-, Zamites-, Sequoia-filhrenden, sowic an Crio-
ceras und Ancyloceras rcichen Wernsdorfer Schichten nebst den Bcloinnitcs
minimus fllhrenden Sandsleinen des Godula-Berges , welche die Zone sfldlich
von dem Teschener Neocom bilden. Das Cenoman ist durch Sandsteine mil
Protocardium Ilillanum und Exogyra columba bei Leobschiitz und durch san-
dige Kalke bei Oppeln und LeobschUtz , das Turon durch die Kreidemergel
von Oppeln vertreten, wahrend das Senon, abgesehen von versleinerungsarmen
Sandsteinen, nahe der letztgenannten Stadt auf der Ostseite des polnischen
Jurazuges eine grosse Verbreitung findet.
VI. Ilislorische Geologic. l-r>'>
Kurz mag schlicsslich noch die Bemrrkunii Plat/ linden, dass die Kroide-
formation auf dem nordamerikanischen Continente ganz ausserordent-
lich grosse Areale bcdeckt. Eine Zone dcrselben zieht sich in einer Breite
von 2 bis 6 deutschen Meilen, freilich an vielen Stellen durch Uberlagerungen
von jiingeren Gebilden unterbrochen , von der Stadt New- York aus durch die
ilachcn Kiistenstriche von New-Yersey, Delaware, Virginia und die beiden Ca-
n.Iinas, vvendet sich dann an dem slidlichen Ende des Alleghanysystemes durch
Georgia und Alabama und breitet sich in dem Mississippithale zu einer weiten
llarhi'n Bucht aus, welche in nordlicher Richlung bis an den ZusammenOuss
des Ohio und Mississippi reicht und einen grossen Theil der Staaten Texas,
Louisiana, Tennessee und Kentucky umfasst. Dieses gewaltige Kreideterritorium
\erschwindet jedoch im Vergleiche mil der Kreidezone, welche sich von Mexico
aus, den Ostabfall der Rocky Mountains entlang, liber die Quellen des Mis-
sissippi bis nach der arktischen See erstreckt. Ihr parallel liiuft am Gestade
des stillen Occanes ein dritles Band cretaceischer Gebilde. Am genauesten
ist die Kreide von Texas und New-Jersey untersucht und mil der europaischen
\eriilichen worden. Der palacontologische Gesammtcharakter der letzleren be-
sitzt cine uberrasehende Ahnlichkeit mil dem des Senons von Mastrichl und
Aachen, indem beide etwa iO Arten thierischer Reste gerneinsam haben und
ausscrdem noch einige andere Species durch nah verwandte Formen verlreten
sind. Altero Kreidegebilde , als senone, sind an der atlantischen Kusle nicht
bekannl. Die texanische Kreide gehbrt dem obcrcn Turon an und niihert sich
durch ihrcn Reichlhum an Hippuriten , Orbitulinen und Nerineen dem euro-
piiischen alpinen Habitus, -- eine amerikanische Wiedcrholung der in der al-
l(-n Welt so deullichen Erscheinung einor ndrdlichen und sUdlichen Kreide-
facies.
Lageruugsverhaitnisse der Kreide. Die Schichten der Kreideformation
nrlimcn in dem bei Weitem grossten Theile ihrer Verbreitungsgebietc noch
ihre ursprUngliche Lagerungsform ein. In diesem Falle dehnen sie sich hori-
y.ontal aus, senken sich sanft nach einer Richtung oder bilden flache Muldcn
in gleichlormiger oder discordanter Lagerung auf dem Jura oder noch alteren
Schichten. Durch das Austrocknen ihres Materiales und in Folgc der damit
vrrbundenen Volumenverringerung sind Spalten , Verwerfungen und kleinere
Knickiingen und Windungen hervorgebracht worden, welche keinem Kreide-
territorium fehlen, namentlich deutlich aber in der weissen Schreibkreide durch
/.iisammcnhangende Schichten oder lagenwcise gcordnete Knollcn von Feucr-
sliMii luM-vorii.'liobcn \\erden. Beispicle fur derartige Lagerungsverhaltnissc
licfert das Senon von New-Jersey, welches Jem Auge fast vollkommen hori-
zontal geschichtet crscheint , ferner der Quadersandstein und Planer Sachsens,
\\clche ganz flach geneigt sind, wiihrend bei Alfeld in Hannover, bei Lowen-
berg in Schlcsien, in dem nbrdlichen Kreidebecken in Frankreich und Eng-
land ausgezeichnete Muldenbildungen bekannt sind. An noch anderen Punk-
ten, so bei Ltineburg, lagern sich die Schichten der Kreide mantelformig urn
einen Kern von alteren Gesteinen, in diesem Falle Trias, von welchem sie
allseitig flach nach Aussen abfallen. Hingegen sind grossarligere Stbrungen
456
VI. Ilistorische Geologic.
der (Tel.icriM-hrii Setiiehlelireilie . ill Folgr deren sir j;ekniekl , zerrissen odd*
iiberuekippl erseheint , verliiillnissmassig selten. Moist 1st dies dort der Fall,
wo die Kiilslelumg grusserer (iebirge erst nach der Ablagerung der Kreide
staltfand, wo also Schichlen der letztgenannlen Formation an den Beweiumgen
und gewallsamen, \venn auch siieul;iren Disloralionen gewisser Slridie der
Krdkrusle tlieil/.unelimen gezwungen \\orden sind. So \\urden die Kreide-
srhichten der 1'Nrenaen und Karpatlien , luiinentlieh aber der Alpen den cdrii-
plicirleslen NViiulungen , Faltungcn und Oborscliiebunyeii unlerworfen (sielie
Fig. 3<5).
Fig. 315. Prof i 1 an der Kesslor Alp i n Fig. 316. Profil durehdie u berk ippt en Kre ide-
deii bayerischen Alpen. and J ura -Sch i ch ten des Laugen berges bei
a Neocom. 6 Schratteukalk. c Ganlt. d Sewen- Goslar.
kalk. e Sewenschiefer. a b Oxford I » Hilsconglomerat ) Uritere
c d Uni Kimmeridgel w . it Hilsthon ( Kreide
e Pteroceras-SehichtV "Telb
/(/fcObersterKimrae-l
ridge I
Auch am nordb'sllichen Rande des llarzgebirges , dessen letzlc Hebungs-
.itie in den Beginn der Tertiarperiode fallen , wiederholen sich ahnliche Er-
seheinungcn. In dcm Landslriche zwischen Harzburg und Goslar hat eine
vollkommene Uberkippung der Schichten der Trias, des Jura und der Kreide
vorn Buntsandstein bis zum obersten Senon stallgefunden, so dass die jllngere
Kreide den alteren Jura unter-
teuft, und die unterste Kreide,
derHils, von dem obersten wcis-
llliliiM sen Ju™> flborlagcrt wird,
d eine Cberstiirzung , welche am
Fig. 317. Pro fil (lurch die uborkipp ten Kre i de schic h ten r j n n •
sudlich vom Teutobnrger Walde. LailgCnDerge , deSSCn rroill 111
B Barenberg; R Havensberg. a Tnron. 6 Ganlt. c Neocorasuid- p:0 qi/> appphpn i«st honh
stein, d Wealdenthun and Wealdensandstein. rl8' 8ebcn sl j
achtet werden kann. Uber-
raschend ist es, dass ganz analoge Cberkippungen der Kreide auch in
veiliallnissmiissig flacheren Theilen Deutschlands vor sich gegangen sind. So
ilberlagcrn am slldlichen Fusse des Teutoburger Waldes Wealden und Hils
vollkommcn gleichformig die obere Kreide, was nur durch eine Cberstiirzung
des ganzen Schichlencomplexes erklarlich ist (Fig. 317).
Emptivgesteine und Ganggebilde im Oebiete der Kroide. Erup-
tivgesteine sind der grossen Mehrzahl der Kreidetorritorien fremd , gleich-
altcrige Finlairerungen von solchen in den oben besohriebenen Arcalen ganz
unbekannt. Wo gluthfllissige Gesteinsmassen die Schiehten der Kreide durcli-
hrochen halx-n, fiel ihre Eruption in spiilere Zeitalter, also namentlich in die
VI. Ilistorisclio (icoloi^ic. 4")7
Trrtiarpcriode und gehbren dcr Gruppe der Bnsaltr ,in. Basalt bildet eine
An/ahl Kuppen in dem Ouadorsandsleingebiele dcr siichsischen Schwciz, des
Lausil/cr Gcbirges. \vo dor (Jmidersandslein ini Contacto mil dem Basalle ge-
frillrt und siiulenfbrmig abgesondert orsrhoint, des nbrdlichen Bbhmens, sn\\ic
Niedorschlesiens. Dor Schauplalz einer sehr bedeutcndcn vulkanischen Tha-
tiiikcit war das Neocom-'lYrrilorium, welches das Hdgclland am Nordabfalle
dor Karpalhen bildet. Mil der Hebung der lelztcrcn sind grossarlige Schich-
lonstbrungen und Spaltenbildungcn Hand in Hand gegangen, welche das Em-
pordringen von gluthflUssigen Gesleinsmassen crmbglichten. So \\ird denn
dcr erwiihnle Landslrich von zahllosen Stocken und Ga'ngen eines grobkryslal-
linischen bis fast aphanitischen, Teschenit benannten, anorthitfUhrenden Dole-
rites durchsetzt, welche, zum Theil dicht aneinander gcdrangt, cine langgezo-
ucnc, von SW. nach NO. streichende, also der Richtung der Nordkarpathen
parallcle Kelte bilden. Uberall zeigt sich der Einfluss ihres urspiUnglich glulh-
fldssigen Zustandes auf das Nebengestein in der ausgezeichnctsten Wcise: die
Ncucoinschiefer sind in gcbiinderten Jaspis verwandelt, die Kalkslcinc sind
marnjorahnlich geworden, der Sandstcin 1st weiss und hart gebrannt und sa'u-
lig zerklaftet, kurz, alle Erscheinungen der Contactmetamorphose haben sich
von
Gange von abbauwdrdigen Mineralsubstanzen sind Sellenhcitem im Ge-
liictc crctaceischer Formationen. So trelen z. B. bei Stadthagen in Wcsti)halen
eine Anzahl wenig machtigcr Giinge , welche
Bleiglanz und Blende ftihren, in den Planerkal-
kon der oberen Kreide, ferner in den dem
Gault angehbrigen sandigen Schieferthonen der
an Holland grenzenden Gegend von Bentheim
mehrere A s p h a 1 1 g a n g e auf, welche letztere in
ausgedchntem Maassc abgcbaut werden. Sie
durchsetzen die flach gegen Slid fallenden Schie- ^ 7^^1^?^P?V n
Icrthone in reohtem Winkel auf deren Slreichen, Fig. 318. Asphaitgang im Ganit
stehen saiger, erreichen gegen \ M. MUchtigkeit,
a Schieferthon des Gault. 6 Lettiger As-
und sind zum izrbssten Theile von einem pech- , ^\l . c KadiaistrahiiKer schwefeikios.
d Blatterig stongehger Kalkspath rait rhom-
scliuar/en, .stark gliinzonden Asphalteund neben b<>6drischcn Endflachcn. e Reiner Asphalt,
dicscm von blatterig slrahligem Kalkspath, Schwefelkies und einzclncn Frag-
incnlrn des Nebengesteines ausgcfUlll. Die einzelnen Bestandlheile dieser Gang-
sind sehr gewbhnlich bandartig angeordnet und wiederholen sich, wic
in Fig. 3IS dargestellt, svmmelriseh von jedem Saalbande aus.
Kiiekblick auf die Eutwickeluug des organischen Lebens wiihrend
der nienozoischen Zeitalter.
Im Ansciilussi- MM dii> |ui». iS8 und 371 "ogcbcne Uebersicht der FIUIIKMI und Floren der
palaeozoischcn Pcriodcn.)
Das organische Leben auf Erden schreitet stufenweise vor warts auf der
Bahn dcr Vervollkommnung. Aus seinen sehr geringen, unbedeutemfcn Anfiin-
gen, die uns aus den der Silurperiode vorangehenden Zeiten tlberlieferl wor-
458 VI. Hislorische Geologie.
den sind, enlwickelt sich die Thier- und PflanzcnfUlle der palaeozoischen Erde,
jener Reichthum an abenteuerlichen Gestalten, welche namentlich auf der
tlppigen Entfaltung der Gefasskryptogamen, der Zoantharia rugosa, der Blastoi-
deen und Cystideen, der Brachiopoden, Nautileen, Trilobiten und heterocer-
eiilen Ganoidfische beruhl. Auch diese Fauna und Flora macht einer anderen
Plat/ , deren Gesammtcharakter dem Ziele der fortschreitenden Enlwicke-
lung des irdischen Organismus um eine bedeutende Stufe naher steht. All-
iniihlich verschwinden, wie pag. 372 gezeigt, die Hauptvertreter des palaeozoi-
schen Lebens, eine neue organische Welt stellt sich ein, verdrangt nach und
nach die noch tlbrigen Reprasenlanlen des grauen Alterthumes der Erde, ver-
breitet sich auf dieser und dominirt endlich in den Wassern und auf dern
Festlande, — es ist die Fauna und Flora der mesozoischen Zeilalter.
An Stelle der palaeozoischen Dschungeln von Calamiten, Sigillarien und
Lepidodendren trelen ausgedehnle Waldungen von zuerst rein tropischen, spa-
te r sublropischen Coniferen, zwischen welchen zahlreiche und riesige Verlreter
der neuen Gattung Equisetites wuchern ; die Cycadeen erreichen das Maximum
ihrer Entwickelung, neue Fame stellen sich ein und endlich erscheinen auch
die ersten Reprasenlanlen der Angiospermen in den verhallnissmassig sparsa-
men Blatter der Credneria, Salix, Acer, Quercus, Sassafras u. a. Sie sind
die vereinzellen Vorlaufer der Pflanzengruppe, vvelche in spateren Perioden an
Formenreichthum immer mehr zunehmend und Coniferen und Cycadeen zuriick-
drangend, drei Viertel der Flora unserer Zeit ausmachl. Konnle man die pa-
laeozoische Erde als Reich der niedrigsten Pflanzen, der Algen und Gefasskryp-
togamen bezeichncn, so ist die mesozoische Aera das Zeitalter der viel hbher
stehenden Gymuospermen. Gleichwie sich aber neben ersteren bereils die
Vorlaufer der mesozoischen Flora zeigen. so stellen sich auch schon am Ernie
der mesozoischen Periodc Vorlaufer der hbchsl entwickellen angiospermen Pflan-
zenwell ein, die erst in den lertiaren und noch spateren Zeitaltern die Herr-
schaft erlangt.
Ahnlich wie die Pflanzenwelt, so erfuhr auch der Gesammtcharakter der
Thierwelt wahrend der mesozoischen Periode eine Neugestaltung. Das Aus-
slerben der palaeozoischen Typen ist an oben citirter Stelle genilgend belont,
- fiir sie treten neue Fonnen ein. Jelzt erst erscheinen die riffbauenden- Ko-
rallen, die Zoantharia perforate und eporosa, sowie die echten Echiniden, um
von da an bis in unsere Zeit fortzuleben. Stall der Brachiopoden und Nau-
lileen, wolche bisher durch ihren Formenreichlhum und die Menge der In-
dividuen den wesenllichslen Einfluss auf den organischen Gesammtchanikler
ausgeiibl hallen, en If alien sich die Zvveischaler, Ammoneen und Belemniten
und nehmen den maassgebenden Rang jci>er ein. Unler den Cruslaceen er-
scheinen die echlen Krabben, die siimmtlichen Familien der Inseklen slellen
ihre Verlreler. Die helerocercalen Ganoiden, von welchen aus dem Zeitalter
ihrer Hauptentwickelung noch einige Nachztlgler in den Beginn der mesozoi-
schen Periode reichen, slerben bald vollkommen aus, filr sie Ireten homocercale
Ganoiden ein, wclche im Verlaufe der mesozoischen Zeitalter das Maximum
ihrer Haufigkeit erreichen und dann ebenfalls allmahlich zu der Sellenheil und
VI. llistorische Geologic. 459
dor Formenarmuth dor .let/t/.eit herabsinken. Neben ihnen crschcinon die
crstcn echton Haie, die SqualodonU>n, sowie die Knocbenfische, und mil ihnen
die Vorliiufer des heute bei Weitem vorwaltenden Ty|ms der heutigen Fisch-
\velt. Die Labyrinthodonten produciren im Beginne der neuen Aera Riesen-
gestalten , jedoch um bald zu verschwinden , und machen den ho'her organi-
sirten echten Reptilien , den Enaliosauriern , Pterosauriern , echten Gavialen,
Krokodilen und Schildkrb'len Platz. Dass die Mitte der mesozoischen Zeitalter
besonders fUr diese Reptilien geeignet war, zeigt sich nicht nur in der Ila'u-
figkeit, sondcrn auch in der Riesenhaftigkeit ihrer Reprasentanten , welche die
Grosse ihrer heutigen Nachkommen um mehr wie das Doppelte tlbertrefl'en
konnen. Gauz analog dem sporadischen Auflreten der ersten Angiospermen
neben den damals herrschenden gymnospennen Coniferen und Cycadeen er-
stelien in der mesozoischen Periode, als wahrend der Herrschaft der Reptilien,
die erslen WarmbltHer in vereinzelten Vb'geln und Beutelthieren, um sich spa-
ter im Verein mil den damals noch so sparsamen Angiospermen , sowie mil
den ebenfalls erst am Schlusse der mesozoischen Aera erscheinenden Knochen-
fischen zu den Haupteleinenten einer neuen organischen Welt, der kanozoi-
s c h e n , emporzuschwingen.
Alle diese Erscheinungen sind Fingerzeige (iber die La'nge der Zeitraume,
welche die Entfallung und Ausbreitung der Organismen in Anspruch nahm,
Hin\M'ise auf die lange Dauer der einzelnen Perioden der Erdgeschichte , Be-
\\rise der allmahlichen Entwickelung und Ilerausbildung der Floren und Faunen,
welche sich in fast zahllosem Wechsel abgeldst haben , im Gcgensatze zu der
Annahme, dass durch Erdumwalzungen bedingte Ausroltungen alles frtihereti
Lebens sich slets wiederholende Neuschbpfungen nbthig gemacht hatten.
D. Die kaenozoische Forinationsgruppe.
Die Ablagerung der kanozoischen Schichtenreihe fa'lll in eine Periode, in
welcher dii- .niLiinspermen Dikotyledonen (also Laubholzer) und die Saugethiere
y-iu-rsl /.u ciiicr grossercn Entfallung gelangen, wahrend die den Gesammt-
habitus der mesozoischen Formalioncn so wesentlich bedingenden Gycadeen,
(loniferen, Keplilien, Brachiopoden und Ganoiden sUirk zuriicktreten und die
noch charakteristischeren Aminonilen und Belemnilen ganz ausgestorben sind.
D.is \\ rsenlliche des kaenozoischen Zeitalters und seiner Producte bestehl darin,
dass sic den Anschluss der crslen Entwickelungssladien der Erde an die Jetzt-
\\clt vcrinittcln, dass sic den Obergang zwischcn dcm Sonst in das Jetzt der
Erdgeschichle herslellen.
Die kaenozoische Schicblenreihe zerfalll in die tertiiiren Forma tionen
und die Dilu vialgc bilde.
Das Tertiiir.
Charakter der Tertiarperiode im Anschluss an die Hlickblicke auf pag.
371 und 457. Im Verlaufe der Terliarperiode erlangte die Erdoberflache all-
Mill \ I.
miililich und iin Wrsi'iilliohrn ilnv heuligr (lonli-in .1(1011, und dir Fauna und
Flora i-inon (iosammtoharaklor, dor sicli auf d;is Innigsle .HI die .lol/,l\\olt an-
solilirs.sl. Dieso UmgosUillung dor gcsammlen irdischen VerhallnKsso liudd in
folgendon Bfschehmngetl ilnon Ausdruck:
1) in fortwahrenden Verschiebungen der Grenzen zwischen Festland und
Meer in Folge siioularer Hobungen und Senkungen dor (lonlinonlo. 1m Boginn
der Terliiirzoil hesassen die heuligcn Gonlinonlc hci Weitoni nicht die Aus-
dolmung \\io jctzl, viclmehr waren bedeulende Strichc derselben noch VOID
Moore bedeekl und ticfe Bucliten und sehmale Meeresarnie erslrccklen sieh
\\eii in ihr Inncros und zertheillen dicsclbcn in Inseln und Ualbinscln. Irn
Vcrlaufe der lerliaren Zeitraumc fanden ahnlich wic in alien frillieivn 1't-riodcn
langsame Hebungen stall, in Folge deren ilachc Kilslenslrichu Uber den Meeivs-
spiegel gehoben, seiehle Buchlen und Caniile Irocken gelegl, lie fere zu Binncn-
meeren umgewandell. fillhere Inseln durch Tiefebencn verbunden wurden und
andere an Umfang wuchsen , wahrend zugleich neue Inseln aus dein Meere
auflauchlen und frilhcr zusammenha'ngende Oceane durch Damme von Fcsi-
liind gelrennl wurden. In den Depressionen des jungen Fesllandes sanunellen
sich die almospharischen Wasser an und bildelen Silssvsasserseen. Auch die
umgekehrle Bewegung , Senkung , fand im grossarligslen Maassslabe, z. B. iin
Bereiche der gesammlen nordeuropaischen Ticfebene slalt und halle die enl-
gegengeselzle Wirkung zur Folge. Aus diesen Oscillalionen der Contincnle
gingen allmahlich die jelzigen horizonlalen Conluren derselben hervor, zugleich
abcr bedinglen sic die fUr die lerliare Schichlenreihe so charaklerislische Wcch-
sellagerung von marinen, brakischen und Stlsswassergebilden, sowie (ganz ;ib-
gesehen von den gleichzeiligen , lief eingreifenden klimalischcn Verandcrungrn)
forlwiihrende Wanderungen der Floren und Faunen nach Wohnslallen, in \vel-
chen sie die Mdglichkeil einer Exislenz vorfanden.
2) in der Entstehung der heutigen Hochgebirge durch locale energischeiv
Hebungen. Der Hauplhebungsacl der Mehrzahl der hochslen Gebirge, so der
Pyrenaen, Alpen, Karpalhen, des Kaukasus, des Himalaya und der Cordilleron
falll in die Terlia'r-Periode. Ihre Enlslehung spiegelle sich, ganz abgesehen
von der allgemeinen Veriinderung der verlicalen Conluren der Conlinenlo. in
der Herausbildung neuer Flusssysleme, in der Beeinflussung der klimalischen
und meleorologischen Verhallnisse und dadurch der Faunen und Floren wieder.
3) in der Heranabildung von Klimazonen. In den aileron Porioden dor
Enlwickelungsgeschichle unsercs Planelen herrschle auf Erden von don Polcn
bis zum Aqualor ein gloiolnniissig vvarmes Klinia : die Riesenfortnon der car-
bonischen Flora schossen in nordlichen Breilen eben so uppig empor, \vic in
sudliehen , die Korallen des Silur wucherlen in polaren Meeren ebenso , \N tc
unlcr den Tropen, — die Erdwiirme war noch eine so hohe, dass Tempora-
UirdilTerenzen in Folge ungleicher Sonnenboslrahlung nichl ins Gewichl fiolen.
Nach und nach aber halle die Eigenwiinno dor Erdo soweil abgenommon,
dass sich klimalische Unlerschiede auf der Erdoberflache mehr und mchr be-
merkbar machlon und sich allmuhlich zu Klimazonen in unsorm heuligen Sinno
herausbildolon. Dor Boginn diosos Vorganges fallt in die Kreidezeil, wo wir
VI. Uistorisclie Geologic. 4(>1
klinialisrlirr. von der Kntl'ernung VOID Aquator bcdingler Ver-
seliiedenlieiten in dem Hervortreteti einer siidlichen und nbrdlichon Fades der
nvtaeeisehen Fauna heobaeliteten (siehe pag. 436). In dcr Tertiiirperiode piTi-i
sieli diese zonenweise Sonderung der Klimnla weiter und bestimmler aus, um
aUmiihlieh zu dem heutigen Standpunkte dor klimatischen Verhiiltnisse zu gclan-
gen. Diese Vorgange finden ihren un'/Aveideuligen Ausdruck in der Veriinde-
runu der Thier- und Pflanzenwelt. Der Gharakter der Floren der verschie-
denen Landstriche zu gleichen Perioden der Tertiarzeit giebt dafUr ein sicheres
Zeugniss. So finden wir in Italian einen grossen Pahncnreichthum , waluvnd
ini initlleren Europa immergrtine Wiilder und Nadelholzbesliinde , in den bal-
lischen Territorien Nadelholzer und Biiume mil fallendem Laub angetrofl'en
\\erden. Die wahrend der ganzen Tertiar-Periode statlfindende fortwiihrende
und alliniihliche Abnahme der Warme und damit in Verbindung stehende Be-
\\ci;ung der Isolhennen nach dem Aquator zu halte nun zur Folge, dass sich
auoh die Floren allmiihlich nach ihren jetzigen Verbreitungsgebielcn zurUckzogen,
dass also ein nach dem Aquator gerichtetes ZurUckweichen der bis dahin auch
in nordtichen Breiten gedeihenden Formen stattfand. Das Besultat dieser Er-
schcinung ist, dass z. B. in Central- Europa auf die tropische und subtropische,
indisch-auslralische Flora des Beginnes der Tertiarzeit (des Eocan und Oligo-
ciin) die subtropische, mittelamerikanische Flora des Mioca'n und auf diese die
geinassigte mediterraneische Flora des jtlngsten Terliar, des Pliocan folgte, dass
also die Floren ein und derselben Tertiarablagerung allmiihlich ihren anfiinglich
tropischen Gharakter verlieren und den eines gemiissigten Klimas annehmen.
Innerhalb der tertiaren Schichtenreihe finden wir deshalb einen zwiefachen
schrittweisen Ubergang von tropischen durch subtropische bis zu gemiissigten
Formen, nehmlich einmal in horizontaler oder vielmehr erdperipherischer Bich-
tunii vom Aqualor nach den Polen zu und einen zweiten in verticaler Bich-
tunt: von den iiltcslen nach den jUngsten Schichten zu.
Hri den an den Boden gefesselten Pflanzen geben sich die Wirkungen kli-
matischer Veranderungen durchgreifender und augenfalliger zu erkcnnen, als
I KM (In Thierwelt, jedoch finden sie auch in dieser und zwar namentlich in
d(M- Aufeinanderfolge der Meeresfaunen ihren unzweideutigen Ausdruck. So
enlhalten, urn nur ein einziges Beispiel anzufllhren, die untersten Ablagerun-
gcMi des (Miglischen Tertiiirbeckens, die London-Thone, die Fauna tropischer und
sublropischer Meere, seine obersteu Schichten der Mchrzahl nach die Mollusken
der England bespillenden See, anfiinglich noch mil denen sUdlicherer Breiten
grmischl, spiiter diesellxin ganz verdrangend, — eine Erscheinung, die sich Uber-
all da, wo die tertiare Schichtenreihe vollstiindig entwickelt ist, wiederholt.
Die Entstehung des ersten Eises an den Polen und auf den Hochge-
birgen mag in das Ende der Tertiiirperiodc fallen.
4} in dem vollstandigen Aussterben vieler Thier- and Pflanzenformen
und dem Zuriicktreten anderer , welche bis dahin als wesentliche Glieder der
frilheren organischen Welt charakterislisch fllr verflossene Perioden waren. Mil
dem Beginn der Terliarzeit verschwinden von der Weltbtlhne die Inoceramen
und Exogyren (so massenhaft in Jura und Kreide verbreitet), die Hippuriten
462 VI. Historische Geologic.
(felsbildend in der Kreide), die Nerineen (ganzc Banke der .lura formation an-
filllend), die Ammonilen und Belemniten (die verbreitetslen Fonrien des Jura
und der Kreide), die Turriliten, Scaphiten , Baculiten und die Ubrigen Krttp-
pelformen der Amnioneen (so charakterislisch fUr die Kreide), endlich die me-
sozoischen Meeressaurier und Flugsaurier. Andere Thier- und Pflan/.enl\pen
treten mil Beginn der Tertiarperiode mehr und mehr in den Hintergrund, bis
sie allmahlich auf die verhaltnissmassige Seltenheit in der Jetzlwelt herabsinken.
Hierher gehb'ren namentlich die Cycadeen , die tropischen Goniferen , die Cri-
noideen, viele Molluskengeschlechter (vorztiglich Trigonia) und die Ganoidh'sche.
5) in der grossartigen Entfaltung von Thier- und Pflanzentypen , deren
erstes Auftreten in mesozoische Perioden fallt, so der Angiospennen, also
Laubhblzer, von denen wir die erslen Spuren in der oberen Kreide fanden,
und der Palmen, der Batrachier, Squaliden und Knochenfische; endlich und
zwar namentlich der Saugelhiere. In ihrem und der Laubhblzer massenhaftem
Auflreten liegt einer der wesentlichen Charaktere der Tertiarperiode. Die al-
testen, uns bekannten Reste der Saugethiere stammen aus der obersten Trias
und gehoren eineni Beutelthiere an ; in Dogger und weissem Jura vviederholen
sich ahnliche vereinzelte Vorkommnisse, aber erst im unteren Tertiar beginnt
sich eine grb'ssere Mannigfaltigkeil und Reichhaltigkeit innerhalb dieser Thier-
klassen zu zeigen. Anfanglich sind es nur Dickhauter neb'st Raubthieren, Na-
gern und Beutelthieren ; zu ihnen gesellen sich im Verlaufe der Tertiarperiode
Insectenfresser und Wiederkauer, dann die Maslodonten , pflanzenfressenden
Cetaceen, echten Wale, Delphine, Giraffen, Pferde und Affen, bis endlich in
den oberen Tertiargebilden die ziemlich bedeutende Zahl der Katzen, Hyiinen,
Hunde , Marder , Otlern , Dachse , Baren , Biber , Hasen und Hirsche den Weg
zur diluvialen und jetzigen Fauna bahnt.
6) in dem allmahlichen Erscheinen einer immer grosseren Anzahl den
heutigen nahe stehender and endlich mit ihnen identischer Arten , demzufolge
die Zahl der im Tertiar vertretenen, jetzt noch lebenden Species in den jiln-
geren Terliarablagerungen roehr und mehr wa'chst. So nimml man von der
Molluskenfauna der Miocanformation (das Tertiar zerfallt in Eociin, Oligocan,
Miocan und Pliocan) an, dass sie 10 bis 40 Procent, von dem alteren Pliocan,
dass es 40 bis 60, von dem jtlngsten Pliocan, dass es 60 bis 90 Procent noch
lebender Mollusken-Arten enthalte.
Fasst man die eben beschriebenen Erscheinungen kurz zusammen, so ge-
langt man zu folgender Charakteristik der Tertiarperiode: Die Tertiiirpt--
riode ist das Zeitalter, in welchem Palmen, Laubholzer und Saugethiere und
neben ihnen die Zweischaler und Gasteropoden zu einer grossarligen Entfal-
lung gelangen ; in Folge der allmahlichen Herausbildung von Klirnazonen macht
sich eine zonenweise, von der Enlfernung vom Aquator abhangige Sonderung
der Organismen bemerkbar; unter den verschiedenartigen klimatischen Ein-
fldssen, die durch Entstehung von Hochgebirgen noch complicirter \verden,
bildcn sich innerhalb der Meere, Buchten und Binnengewasser die mannitrfal-
Localfaunen aus. Ahnliches ist auf dem Festlande und in den siissen
n der Fall. Die klirnalischen Yerliiillnisse na'hern sich mehr und mehr
VI. Historische Geologic. 463
denen unsorer Zrit, Hand in Hand dainit geht das Auflreten einor immer grosser
werdenden Anzahl von Thier- und Pflanzenfonnen , welche mil denen der
.Ict/.t/eil idenlisch sind. Die MannigfalUgkeft der irdischen Verhallnisse und
des organischen Lebens \viihrend der Tertiiirperiode isl grosser, als in irgend
eiuein der vorhergehenden Zeilalter und reprasenlirt die lelzle Slufe Erd-
rnuvickelung vor ihrein Eintrill in die Jelzlzeit.
Der Vollzug aber dieser Vorga'nge wiihrend der Tertiarperiode, wahrschein-
lich kaum intensive!', als die Veranderungen innerhalb jetziger und frUherer
Zeitaller, ist recht dazu geeignet, uns die Grb'sse des Zeitraumes, welchen die
Erdentwickelung in Anspruch nahm, vor Augen zu filhren. Ganze Faunen
und Floren sind innerhalb der einen Periode von anderen verdriingl worden,
Hochgebirge sind enlstanden , aus Inselgruppen sind Conlinente geworden, und
doch sind diese Processe augenscheinlich so langsam vor sich gegangen, wie
heute, wo uns die augenblickliche Erscheinungsweise der Erdoberflache slarr
und stabil erscheinl. Und diese Tertiarperiode filllt nur das letzte Blalt der
Erdgeschichle, soweit sich diese vor dem Erscheinen des Menschen abgespielt hat.
Die Schichtenreihe des Terlia'r in allgemein gdltiger Weise zu gliedern,
die erazelnen Unterabtheilungen entfernter Terliarareale mit einander zu par-
allelisiren und fUr sie charakteristische Merkmale aufzustellen , hat ungemeine
Schwierigkeit. Man denke sich einen Theil der jelzigen Meere durch Hebungen
trocken gelegt, ihren Zusammenhang durch jtlngere Ablagerungen verdeckt oder
durch Abschwemmung factisch zerschnitten , einen Theil dieses jungen Fesl-
landes zu Gebirgen gehoben, anderes in seiner ursprdnglichen Lagerung er-
halten, - - welche Anhaltspunkte wdrde ein Geolog der Zukunft haben, um die
Gleichalterigkeit der Sedimenle des Rothen und des Mittella'ndischen Meeres,
des Stillen Oceanes und des Golfes von Mexico beweisen zu konnen? In der
Obereinstimmung der Bevvohner dieser GewSsser wUrde er sie, trotzdem die
letzteren oft nur durch wenige Meilen Festland von einander gelrennt sind,
nicht finden. Die Ablagerungen aus der Tertiarperiode umschliessen aber die
He \\cise einer mehrmaligen Umgestallung der Faunen jedes Meeres, der
Floren jedes Continenls und oft in jedem verschieden von dem andern , so
dass sich die Verhtiltnisse zu ausserordentlich schwierigen gestalten, besonders
wenn man noch in Belracht zieht, dass der durch die Verschiebung der Iso-
thermen bedingtcn Wanderung der Organismen wegen gleiche organische
Trrtiiirreste fuhrende Ablagerungen weit von einander enlfernler Breiten ver-
schiedenen Alters sein mllssen. Die einzige Mb'glichkeil der Feststellung des
grosseren oder geringeren Alters terliiirer Ablagerungen und dadurch iluri
Aquivalenz beruht auf der Vergleichung ihrer Faunen mil denen der benach-
barlen Meere, als deren RUcksliinde sie zu betrachten sind und mil denen sie
um so mehr Arlen gemeinschafllich fdhren werden, je jtinger sie sind, wiih-
rend umgekehrl grossere Unahnlichkeil und (beim Terliar unserer Breilen) sich
mehrende tropische CharakterzUge fur grbsseres Alter sprechen. Man hat frllher
geglaubt, in der Molluskenfauna des EocUn 3, des Miociin 19, des Pliociin 52
Procent noch lebender Arlen zu erkennen , Verhallnisszahlen, welche in Folge
jedes Mcncn Fundes schwanken mid wegen der Schwierigkeit der Identifirung
404
VI. Hislorisrhc Geologic.
dor Species und dor IJnbrstimmthoil dos Speciesbegriffes unsicher bloiben
inussten. Nach neuorcn Vergleichen haben sich jcnc Werlhe diiliin umgegoderl,
dass im Eociin noch keine, im Miociin 10—40, irn Pliociin 50 — 90 Procent jot/t
noch lebender Molluskenarten nuftroton. Es hat sich ills Nolhwendigkeil horaus-
goslollt, zwischcn Eociin und Miociin noch oine selbsliindigo Gruppc x.u un-
lerscheiden, wclche als Oligociin bezeichnel vvird, Dernnach zerfiillt das For
tiiir von oben nach union in folgende vier Ablheilungon :
3) Pliocan
4) Miociin
2) Oligociin,
1) Eociin.
Wir werdcn jcde diesor Gruppcn filr sich betrachten, und da cine Generali-
sirung nicht wohl nib'glich ist, von den zahlreichen localen, jedcsmal nur auf
gewisse Gebiete beschranklen Ausbildungsweiscn, die vollstandigslen als lypische
Beispiole kurx. beschreiben.
auch neogcnes Tertiiir genannl,
Die Eocanformation.
Das Eociin Siid-Englands
Das Eocan des Seinebcckcus
Bartonclay and-sand
Sables moyens
Gr6s de Beauchamp
Bagshot and Brackleshamsands
Calcairc grossier
(Pariser Grobkalk)
Londonclay und Bagnorbeds
Lits coquilliers
Sables du Soissonais sup£rieurs
Woolwich-and Reading-series
Argile plasiique et lignite
Thanet-sands
Sables de Bracheuz
Sables du Soissonais inferieurs
Die Eocanformation im siidlichen England. Die tertiiire Schichten-
reihe Englands beginnt mil:
1) Thanetsanden, kiesigen
Sanden und untergeordneten Sand-
steinen , welche den Boden der
Kreidemulde , in der sich das
Tertiiir ablagerte, local bedecken.
Auf sie oder, wo sie fehlen, di-
rect auf die oberste weisse Kreide
folgt
2) die Woolwich-and Reading-Series, ein etwa 30 Meter miich-
liger Complex von meist dunkeln, zurn Theil bunten, plastischen Thonen, wech-
sellagernd mil weissen Sanden und Feuersteinkies, welche sich durch das
Auftreten von untergeordneten Braunkohlen und das Vorkommen von Cyrenen,
Cerithien, Melanien, Melanopsis und Paludina als eino wenigslens thoilweise
Fig. ai». Cyrena cuueif ormis Sow.
III. Historisehe Geologie.
465
fluviatilo und brakische Bildung zu erkennen giebt. Die beiden haufigsten
Conchlien sind : Cyrena euneiformis Sow. und Melania inquinata Desh. (Fig.
3) Der London-Thon, gegen 200 M. miichtig, eintormige
za'he, graue odor braune Thone mil Septa rien, welche sehr reich
an organischen Resten sind. Die Blatter und FrUchle einer An-
zahl tropischer Pflanzen, die Resle von Krokodilen, Schildkroten,
Vi>i;eln und SUugethieren weisen darauf bin, dass sich die
London-Thone in der Nahe von Festland abgelagcrt haben
inUssen, welchem die genannlen organischen Reste durch FlUsse
enlftihrt worden sind. Neben ihnen finden sich zahlreiche Arten
von Conus, Voluta, Gypraea, Aturia, Nucula, welche ebenso wie
jene fttr ein dainals herrschendes tropisches Klima sprechen.
Einigc charakteristische Forinen sind: Nucula amygdaloides
Sow., VoluUi nodosa Sow., Rostellaria macroptera Brand, Aluria
/.irkzack Sow. (Figuren 321—324).
4) Bagshot- and Brack lesham-sand. Auf die Lon-
don-Thone folgen in der Nahe der englischen Hauptstadt bis
gegen 200 M. machtige gelbe, unfruchtbare Quarzsande (Bagshot-
sande) , zwischen welche ein glaukonitischer, sandiger Schie-
M o 1 a n i a inqui-
nata Ucsh.
:W1. Nucula atnygd:i
loides Sow.
Fig. ;»2U. Voluta HO
dos a Sow.
Fig. 324. A tnria zickzack Sow.
Y\K. :t'23. Kostcllari;i mactoptera Brand.
ferletten eingelagert ist. W.lhrend die ersten , abgesehen von angiospennen
I'lliiny.en, fast vollkommen versteinerungsleer sind, fUhren die Grilnsande ncbcn
den Resten von Gavialen und einer Seeschlange , sowie Fischzahnen, zahl-
reiche Individuen von Venericardia planicosta Lam. und Nummulites laevigala
Lam. (Fig. 325—327). Weiter sUdlich sind diese zuni Theil glaukonilischen
Sande, die dort Bra cklesham- beds genannt werden, sehr reich an orga-
nischen Resten, welche deren Aquivalenz mil dem Pariser Grobkalke be-
woisen und boi Besprechunij dieses lol/teren zum Theil abiiebildel werden
(.'reel n f r , Klcinriitr d. Grolnuic
30
I tit;
\ I. Ili-lnnM-hc l i
M> Crnlliiiim iziiMiitcum Lam., \Vnrnranlia planirosla Lam., Turrilrlla
imbrirataria Lam. , Turritolla ferebellata Lam.. Poctunculns pulvinalus Lam.,
Turbinolia sulcata Lam. u. a.
Fig. :J2o. Venericardia planicosta La in.
i:;. :'.'Jii. XH mm n 1 i tf s laerigala Lara.
Fig. 327. Carcharodon angustidens A g.
•") Barton-Thon und-Sand; bis
120M. machtige, dunkelc, sandige Thone
mil Spharosideritnieren , sowie mil Nuin-
mulites variolaria Lam. , Chama squamosa
Eichw. , Cardita sulcala Brug., Crassatolla
sulr.ita Sow., Typhis pungens Brand, Voluta alhlela Sol., Terebellum fusiformc
Lam! (Fig. 329—334).
Fig. 328. Otodns obliquns Ag.
Fi-r. T2'J. Chainasquamosa Fig. 330. Cardita snlcata
Eichw. Brng.
Fig. 331. Crassatellasnlcata
Sow.
Die Eociinformatioil des Seinebeckens. Die hierhor gohbrigen Terliiir-
ablagerungen bestehen aus einem Complcxe von abwecbselnden brakischen
und SUsswassersedimenlen und fQllen, Uberlagerl von den jdngeren Tertiiirge-
bilden, ein flaches t^llerformiges Becken aus, welches von der obersten Kreide
geforint wird und in dessen Centrum Paris liegt. Die Hauptglieder dieser
nordfranzbsischen eocMnen Sehiohtenreihe sind :
\ I
lnnsrlit1
\) unlere Sandc (Siiiulc \on Brachcux. und unlere Sande von Soissons,
Etage Sucssonien). Dieso Gruppe bcginnl mil weissen Sanden und Mcrgeln,
\\rlche Siisswasserconchvlien i'Paludina, Cyclas, Cyclostoma, ausserdem Helix),
so\vit- die Roslo cines cigenthiimlichen , dein Bar verwandten Sa'ugethieres
V\f. Wl. Ty pliis pungens Fig. 333. Vo Inta athl e ta Fig. 3:!4. Te rebel 1 um fnsiforrae
Brand. Sol. Lam.
(Arclocyon primaevus) , - - dem altesten der Tertiiir/eit -- fdhren. Auf sie
I'olgen marine, graue, miluntcr eisenschilssige Sandc. Beide zusammen sind
die Repriisentanten des englischen Thanelsandes. Genau wie in England
hilden
2) plastische Thone, Sande u nd Braunk ohlen die zweite Eoca'n-
Zone des Seinebcckens und flihren ebenso wie dort Melania inquinala. C-yrena
cuneiformis, Ostrea bellovacina.
3) Sables duSoissonnais superieurs,
lits coquilliers. Die plastischen Thone wer-
den z. B. bei Cuisse Lamotte bei Compiegne von
gliinnierreichen oder glaukonitischen Sanden tiber-
lagert, welche stellenweise reich an organischen
Resten sind, unter welchen sich Nummulites planulata Lam. , Nerila conoidea
I .am. durch ihre Hauligkeit hervorheben. Diese Sande scheinen die London-
'Ihone zu verlreten, mil denen sie etwa 33 Arten gemein haben.
4) Der "Grobkalk von Paris (calcaire grossier) , eine 20 bis 30 M.
miiohtige Schichtenreihe von sandigen, glaukonitischen oder mcrgeligen Kalk-
stt-iiu'ii, welche zu unterst sehr reich an Nummulites laevigata Lam. (Fig. 326)^
sind, in den obersten Regionen vorztlglich hiiufig folgende Conchylien fdhren :
Fig. 335. Neri ta conoidea Lam.
Fig. ;j;J7. Conns deperditus L a ra.
:t:t!>. Cassis cancellata Lam.
das bis 0,7 M. lange Cerithium gigantcum Lam., Turritella imbricataria Lam.,
Conns doporditiis Lam.. Cassis cancellata Lam., Corilhium hexagonum Brug.,
30*
468
VI llislnrisrlir Gcoloi,'i»!.
Crassatella ponderosa Nyst., Corbis Inniellosa Desh., Cardium porulosum Lam.,
YiMirrieardia planicosta Lain. (Fig. 325). Gewisse Schichton dcs Grobkalkes,
die Milliolitonkalke, l>cstehen lediglich aus Poraminiferen-Scitalen von
Fig. 339. Cerithium
hoxagonum Brug.
Fig. 3-Ui. Orussa te lla pon-
rt P r n s a Nyst.
Fig. :)4I. Cardinm porulosum Lam.
olvva Sandkorngrosse und liefern einen trefflichen
Anhaltspunkt zur Orientirung in dem Tertiar des
Seinebeckens. Auch Cerithien , von denen im
Pariscr Becken Uber 150 Species bekannt sind,
kbnnen einzelne Schichten des Grobkalkes voll-
kommen anftillen. Zugleich zeigen sich jetzt be-
reits die ersten Vorlaufer der Tap! re und tapir-
artigen Dickhauter, Lophiodon und Palaeotherium.
5) Mittlorer Meeressand (Sables nio-
yens, gres de Beauchamp). Lichle Quarz-
sande, in denen ausser zahlreichen inarinen Mollusken namentlich ein kleiner
Nummulit (N. variolaria), haufig ist.
Die EocSinformation des Sttdens. In der Kreideformation Uberraschte
uns die Erscheinung, dass deren sddliche Vcrbreitungsgebiete einen von den
ndrdlichen vollkommen verschiedenen Gesammtcharakter besasscn. Ahnliches
wiederholt sich in der Eocanformation. War es in der Kreide die inerk-
wilrdige Gruppe der Hippurilen, welche jene alpine Facies bedingte, so ist es
in dein EociSn das nicht weniger eigenthtlmliche Geschlecht der Nummuliton,
anf dcicn pliil/liclicin Aiiflrelcn in uncnncssliclicn Scliaaren der Habitus dcs
Fig. 336. Cerithidm gigantenm
Lam.
VI. Ilialonschc
Koran bcruht. In diesem bilden sic fast das aussrhliesslirlie Ma-
miichtiger SrhirhU'iicompleve, wolche man als Nnmmuliton-Zonen be-
/eirhnel. Audi die petrographischen KigenthUmliehkeiUMi dcr alpincn Kreide
wiederholen sich in dcm sUdlichen untersten Terliar, indem in beiden hart.-,
zum Tlu'il kr> stall! nisi- he Kalksteinc cine wichtige Rolle spielen, drm
Norden hingeuen fremd sind.
Die sudliche oder alpine Facics dcs Eociin 1st cins der grossarUgstei
ueolo-Lsdien Phaenomcne. Miu-hlige Srhirhlrnsystcme beslehcn zum Tlieil fasl
iedidirh aus linsen- bis lhalcrgrosscn Schalen von Nuiij)nuJiK,U> oincs Fora-
miniforen-Geschlechtes, welches cine Hauf.gkeil dcr Individuen errcicht, filr
die wir kaum cin Analogon bcsilzcn , urn nach Kurzcm wieder zu ver-
schwinden. Und wic gewaltig war ihr Vej^reijUl^eJbJeLL In einer nur
wenig unlerbrorhenen Zone und in grbsstcr Gleiehformigkeit zichen sich
die 1-Vlsen, welrhe fast ausschlicsslich von ihrcn Schalen aufgebaul sind, von
Spanien und Marorco aus, die beiden Seitcn des millellandischen Mceres
enllanu, dmvh die uanzcn Alpen und Karpalhen, durch die Apcnninen, Gne-
cheniand und die Tilrkei, durch Aegypten und Kleinasien, durch IVrs.cn
nnd Oslindien bis nach China und Japan, kurz von eincm bis zum andercn
jfussereten Kn.lr der alien Welt. An dem Baue der gewaltigslen Gebirge,
yvelofee diese triiqt, habcn sic theilgenomn.cn, sind bei deren Entetehuog in
iluvr Lauenmg so zcrslbrl und von gewaltsamen Dislocationen betroffen wor-
den, dass sic sich untcr hochst verworrcnen Lagerungsvcrhaltnissen in 30(
und mehr MeUM- Ilohc fmden.
Die Nummulitcnschichlcn sind grosslentheils dichtc, zahe, graue, gelbe
oder rolhe Kalksjlcine, die sich stcts durch ihrcn Hcichlhum an Numnmliten
auszcichnen, ja lediglich zu Aggrcgalen von millionenweise dicht Ubere.nandcr
liegenden Nummulitcn werdcn. Nichl selten wird die Kalkslcinmasse, w<>l« lir
,lie ein/elnen Nummulilcn /.usammenhalt und verkiltet, durch Sand verlrelen,
so dass Nummulitensandsteine enlstehen. In ganz ahnlicher Weisc stellen
ooliilnsrhe Kiscnerze ein, so am Kressenberg und bei Sonlhofen im sUdhcher
Bayern.
Man kcnnt cine ziemlich bedeutcnde Anzahl von Nummuliten-Arl<
die Nvirhligsten derselbcn sind: Nummulilcs lacvigata Lam. (Fig.
Puschi d'Arch.
Numin. planuUua Lam., Numrn. Puschi d'Arch., Numni. scabra Lam., I
biarriUiana d'Arch., Numin. complanata Lam., Numm. variolaria Schloth.
VI. Ni>t<iriM-lir
Ausser dicscn Koraminiferen kommcn nun, zum Tlu-il mil ihnen vrrgrscll-
schaftet, zum Thcil auf Scliichlrn, \vclcl)c mil NummulitcnbJinkrn wcclisd-
lagrrn, beschrtinkt, cine grosse Anzahl von solchen Conchiforcn und (lastcropodcn
Fig. 342. Numraulites planulata Lam.
Fig. 345. Nummulitesnummularia.
A Aenstfere Ansicht, li Horizontaldnrclischnitt der Schale, C Stark vergrosserte Halfte eines Qnerschnittc->,
« Spiralcanal, b Verbindungsoffnnng der Kaunnern, c Seitliche Kammern.
vor, vvelchc cbenfalls aus den cociinen Ablagerungen von England und dcs
Scincbcckens bekannl sind. Aus der Vergleichung dersclben liat sich ergebeu,
dass die Numrnulilenschichten dcr Sildens in verschiedene Complexe zerfallen,
vvelche einzelne Unlerablheilungen der eocanen Schichlenreihe anderer Gegen-
den, in ihrer Gesanimtheit das gesammle Eociin reprasenliren und nur durch
den gemeinschafllichen Reichlhum an Nummulilen eng an einander geruckl
erscheinen. Die Nurnmulilen-Schichten des Siidens geh5ren vier verschiedenen
Etagen an:
Die unterste Nu m muli tenzone ist lypisch bei Biarritz am Fusse der
Pyrenaen aufgeschlossen, wo sie das tiefsle Niveau der dortigen fast 2000 M.
machligen Nummulitenformalion bildet und dem London-Thon, sowie den
Sables duSoissonais superieurs parallel zu slellen ist. In den Alpen ist
ihr Vorkommen bis jetzt noch nicht nachgewiesen.
Der zvveiten Num muli ten zone gehoren die mittleren Nummulilen-
schichten von Biarritz, die Nummulilenschichten der schweizer Alpen von Biir-
gerstock, Sihlthal und der sttdbayeriscfaen Alpen von Kressenberg an. Diese
Gruppe ist als eine mil dem Pariser Grobkalke gleichallerige Bildung an-
zusprochcn. Es gehl dies daraus honor, dass z. B. die Eisensteine und die
sic oinschliessenden glaukonitischen Sandsteine des Kressenberges neben den
Nummuliten Uber 70 mil Arlen des Grobkalkes identische Formen enlhallen.
VI. lli.-torisdie (leologie.
171
Die d ritle N u m m u 1 i t o n/.ono i>l ;>«> sohonslon in dor lioi-ond von
.\izza entwickolt, fornor an don Kalliiislm-k.-ii und am Niodorhorn in den Wesl-
alpen hoi hViclirnhall in SUdlwm-rn vortrotrn und schcint eine Aequivalent-
,,il(lim,, (1,s Gr6s do Boauchamps und dos Barlonclay xu som , nut
welchen sio iibor 50 Arton und untor diosen z. B. Numrauliles vanolona ge-
inoinsam hat.
Fino vierte N u mm u li t on/ ono schliessl sich in den sudbayenschen
Mpon' unimuelbar an dio vorige an. Es sind die pflanzenfUhrenden Numiuu-
litensohiohton von licit i... Winkel, wclchc mil den kohlenfUhrenden Schichten
von lliirin- in Tirol yleichalterig sind. Beide nahern sich jedoch durch das
Vorkommcn jODgerer Tcrtiarformen dem Oligocan und sind vielleicl.t auch zu
diesefl) zu roohno,,. Kin Sanz iihnliohos Yerhaltniss zeigen gevvisse Sclnchtoi
am SUdrande dor Alpen (Ronea;, xvie in den Kalkalpen (Diablerets) .
\USS,T durch die eben kurz gosehilderten Nummuiitenschichten spr.c
die sudlirho Facics des Eociin in noch eincr zweilen , dcm alpincn Gebirgs-
.Nstome ganz oiscnlhUmlichcn Gesteinsbiidung aus, dem Flysch, welcher d,c
un,,ro Nu.n.nulitenzone der Alpen (Kressenberger Numnmlilenzone) Uberlagerl
und auf das innigste mil ihr verknUpft ist. Der Flysch ist eine macht.ge
'\\-.. Athnntf dcj (iriintrn
Profil der Nungnn 1 i ten f o rmation am Grunten bei Sontuofen in
.1 T'nteres Xeocom
/; Si-lirattenkalk
CGaultsandstcin
I) Sewenkalkstein
D' Seweumergel
alpine Kreide.
n Gr&nnandstein
I Mergelschiefer
c NummulitenkalVsteiu
</ Mergel rait Kisenerzen
< Quarziger Nummulitonkalk
/ Flygchahnliche Nuramulitensehicnten
alpincs Eociin.
Schichtengruppe von dunkclfarbigen Schiefern und Sandsteinen, thoniRoin Ka Ik-
stein und Mergelschiofor, Nvolche so reich an Fucoiden (lumal Chondntes intn
cams Chondrites Tarpionii, Chondriles furcalus) ist, dass dieselben die Sehkb
tUDgsftochen diesor Gesteine hiiiilig ganz bedecken. Man nonnt sie dosl.ab
,„,!> vNohl Fucoidensandsteine. Zu dieser Flyschformation dUrften auch die
schwarten D.uhsc-hiofor von Glarus zu rechnen sein, welche durch ihron R
,1,,,,,, an wolilcrlialtenen Knochenlischen berUhmt geworden sind.
n.nm.t, wie uesam, seine Slcllung Ubcr den Nummulilonbildungen dos tree.
|HM,,-s Bttraerstockea und SihHhMos oin und scheint als cin der dntlen Nurn^
n.uhtenzone gleichzcitigcs Sediment angeseben werden zu mttsson, Welches sich
am Hochgebirgprande niedcrschlug , wahrend num.nulitenfuhrende Sedime,
in inneren Book,,, des damaligen Alpen-Areales zum Absalz gelangten. Jeden a
isi oin n.ohr als 300 M. nm.-hliw-s Schichlensyslem , NNoU-hos von Me<
172
VI lll>|oi iM'llc
slrotzl, abcr abgcschcn \on den Fisdn-n in den Sdiiclern \on (il.inis kerne
Spur von animalisdien Kesten zeigl, unmidclbar z\Nisclien von Tliiergelijiusen
anuel'iilllen (lesleinsbildnngen cine Wttflderberd Erscheinung. \\elche d;is Eigcn-
Ihiimlichc dor alpiucn Facies dcs Eocan noch erhdht.
Die Oligocanformation.
Das Oligociin
\<>M Kranki-cich
von Norddeutsch-
des Maiu/ei-
VOI1 Knuland
Scinebccken)
land
der SHi\\ci/
Hcckrns
I'ntere Braun-
1
09
i.
Lignite and cla\
of
Bovey
Calcaire
de Beauce
(Oberc Siiss-
\\asscrbildung)
Mergel von Osna-
briick und Biinde ;
Miischclsande von
Kassel ; ,
Stern berger Kiiclien ;
Mergel von Wiepke ;
Niederrheinische
Braunkohlen
koblenbildung
(aquitanische
Stufe);
(Arciiciiscliicli-
ten Siid-
baxerns, Rothe
niergelige .Mo-
lassc des Rigi
(1\ renen-
mergel
•t
Siiss\\asscr-
gebilde der
(ires ct sables
superieurs;
Septarien-Thone ;
Stettiner und Sol-
Untere Meeres-
Seplarientlion ,
~
llcrnpstead-
licds
1 iitcrcs^ Mio-
;<-iin, Lyell)
Grcs de Fon-
tainebleau ;
(Oberer Mee-
ressand)
linger Sand
(Rupelien) ;
Braunkoblenbildung
des Samlandes
molasse
(Tongriscbe
Stufe)
von Weinheiin,
Al/ei, Kreux-
oach
Gypse des
Magdeburger Sandc ;
Bembridge-
Mon (mart re;
Thone von Egeln;
•t.
Scrics ;
Calcaire sili-
Bernsteinfiibrende
Jiingst** Num-
i.
cenx ;
Schichten des Sam-
Z
Osborne-Series;
(Unterer Tra-
landes ;
uiulilt'ii mill
D
Ilcadon-Scrics
\crtin oder un-
terer Siisswas-
Norddeutschc
Braunkoblenbil-
Flysclibildun.i:
serkalk)
dung
Anschliessend an das Eora'n ; sielie Tabelle auf pag. 464.
Die Oligocanformation in Sudengland. An die pag. 464
Srhiclilenreihe Englands und z\var spccicll an die Rartonthonr schlicssl
sich cino fluvio-marinc Bildnng an, \vahrend deren Ablagcrung slcls Sclnvan-
kiiiiucii dos Mecres stallfandcn, so dass bald marine, bald brakischo, bald
SlissWassergebilde zum Absatz gelangten. Sie zerfalll in drci Abtheilungen :
1) Das UnteroligocHn von Headon, Osborne und Bembri due
licsU-ht vorzugsvveisc aus alnvcchselnden Stlsswasser- und Brakwasserschichlen,
also Sanden , Mergeln und Thonen mil Arten von Cyrena, Unio, Paludina,
Planorbis. Polamides, Cerithiuin , Mclania, Limnaca. Holix und Buliinus. Von
dicscn konncn als cinige der verbreitetsten und hauligslen gollen : Planorhi^
ouoniphalus Sow. (Fig. 347), Planorbis tliscus Edw., Cerithium conca \u?n
Drsli.. Paludina orl)icularis Sow. (Fig. 348), Melania turritissima Forbes,
l.imnaea longiscata Brong., Helix occlusa Edw., Neritina c-oncava Sow. - 7.\\
tlicscn .Mollusken ucscllcn sich die Reste /alilreicher NVirbelthiere. welche
inncrhalb dcr unteroligocanen Schichtenreihe Englands auf zwci Horizonlc NCI-
VI. lli.stnnschc (icolo^ic
theilt sind , deren unlerer tier lleadon-. deren oherer der Bcmbridge-Serie.s
angehnrt. Sir gehoren, abgesehen von versehiedenen Sehildkrolen , Sehlangen
und Krokodilen, den lapirttboliehoo Gallungcn Anoplotherium und Paiaeotheritim
1-iu'. :|T IM an.i rl. i s euo mphulu s EH>\V. Fig. 34S. Pa ludina orbi.cn lari s S o w.
an. Ks sind dies dieselben Sa'iigelhierc, welchc sich in dem Gypse des Mont-
marlre so ha'ufig findcn , so dass die Parallelisirung des letzteren mil dcr
Befflbridge— Series vollkommen gerechlfertiijl crschcint. Zwischen dieser Sehich-
tenreihc mil Silsswasscr- und Lanobewohnern trclcn jedoch gewissc Schiehten
marinen Ursprungs cingeschallcl auf, deren Fauna mil dcr dcs dculschen Un-
teroligociin liber 20 charaklcrislische Arlen gemcin hat, so dass die Aequi-
\alenz dcr lleadon-Bembridge-Serics , des Gypscs von Monlmartre und dcs
deuiselien Unlcroligocan gcsichcrl isl.
:' Die m ill I ere 'A btheilung dcscng-
lisehen Oligociin, die Hemps lead -Scries,
hr.ikische. el\v;i f>0 M. machtige Thone, Sande und
Mergel mil Cyrcna semistriala Dcsh., Ccrithium
pliealum Brug., \velehe sich cben falls in den gleich-
allerigen »oberen Mccrcssanden« von Frankreieh
linden
3) Eine obcre Ablheilung des eng- Fig. x>o. cyrcna V\K. :»r>i.
semistriata Dos h. Cent li i u m
liscbcn Ohgoriin scbemt durcfa die Braun- piicatum
B r U S .
koli le n formation reprasenlirt zu \\erden, welchc"
einr inuldenfiirmigc Vcrliefung, augenschcinlieh cin"altcs Secbcckcn, in der Gra-
niiregion von Bovcy-Traccy in Devonshire ausflllll. Sic besleht aus einei
100 M. miichtigcn Schichtenrcihe von versehiedenen Sanden, Thonen und
Braunkohlen und isl ausserordcnllich i*cich an wohlerhallenen Pflanzcnreslen.
Diese i^ehttren vorzugsweise Coniferen und zwar namentlich dem Genus Se-
quoia (S. Couttsiae Hecr) an: andere Schiehten sind voll grosser Fa rnwurzeln,
noch andere reich an Dikotyledonen-Bliittern.
Die Oligociin for mat ion im Seiuebecken. Auch im Seinebecken \\ird
die Oligoeiinlorination durch cine Schichlenreihc rcpriSsenlirl , welchc in drci
Gruppen zerfallt. Die obere und unlere derselben sind Stlsswasserbilduniien.
/wisehen welchen ein Selnclitcncomplex marinen Ursprungs lagcrt.
I) Untere Sllsswasserbildung: Gruppe der SUssvvasserka Ike
und dcs Gypses. Sie bcstehl zu unterst aus Mergeln und lichten Kalk-
steinen mil Planorbis- und Paludina-Arlen. Darauf folgl das Hauptglied der
franzosischen Unteroligocanfoi'tnation, der Gyps und der Gypsmergel des Monl-
marlre in Form grosserer. lenlieuliirer Kinlagerungen. In ihnen kommen seln
\ I. Ilislnrisdie
/.ahlreiehe Knot-hen von Siiusethieren , Vogeln und Heptilien vor. Fast kcin
Block wind aus dein Gypse des Montmnrtre gebrochen , der nicht dergleichen
enthielte. meist .-ibcr isolirt und zerstreut, nur selten in vollstiindL'en Skeleton.
Die Vertreler dieser erslen reicheren Siiugethierfauna sind hauptsac-hlich Dick-
hauler, so Lophiodon, Anoplotherium und Palaeotherium, denen sich eine An-
Fig. 352. Umriss des Palaeotherium magnum nach der Kestauration von Cuvier.
zahl Beutelthicre , Fleischfresser , Nager und HandflUgler, Didelphys, Canis,
Hyaenodon, Sciurus, Vespertilio zugesellen. Iin Vergleiche mil den Sauge-
thieren , \velche durch
etwa 50 Species iin Pa-
riser Gypse repriisentirl
sind, treten die Vogcl
( 1 0 Arten) stark zurilck.
Auf den Schichtungs-
flachen des dorligpn
Gypses sind auch die
Fusstapfcn dor meisten
I'iu'. :;.'r.. Anoplotherium commune, restuurirt vuu t'uvier. UieSCr Ihiere, \\('lc'il(%
sie im Schlamme der Seeufer hinterlassen, erhallen, so die von Anoplotherium,
Palaeotherium, von Land-, Fluss- und Sumpfschildkrolen, grossen Batrachiern,
Krokodilen, Leguanen und Riesenvbgeln.
2) Die Gruppe der oberen Meeressande beuinnt mil Mergeln.
wclche ausserordcnllich reich an Oslreen (0. longirostris, 0. callifera, 0. cyathula)
sind und von lichten , zum T heil schneeweissen Sanden gefolgt vverden. In
diesen sind kugelig strahlige Concretionen, so\vie die bekannlen Krystallgruppei)
von sandigem Kalkspalh sehr hiiufig und cndlich finden sich stellenweise zahl-
iv id it- Molluskenschalen , so die beiden aus der f nulisclif n Hempstead Series
abgebildeten Cyrena seniistriaUi Desh. (Fig. 350) und Cerithium plicatum Brug.
(Fig. 351), so wieCorbula subpisum d'Orb., Cytherea incrassata Sow., Pectun-
culus obovatus Lain., Aporrhais spcciosa Schlolli., Fusus clongalus N\st.. Den-
VI. Historische
taliuin Kickxi N\st., welche siimmtlieh aucli iin Milleloligoriin Norddeulsehlands
bekannl sind. Aul dicscn Sandrn lagcri in <lt>m iniltleren und slidliehen
Theile des Seinebassins der Sa ndsl e i n \un Fonta inebleau, \\elelier
piltoreske Felsen bildet und nur selten Sloinkernr und Abdrllcke der oben
erwahnlen Arlen enthiilt.
3) Die obere SUss wasserbil du ng (Caleaire de Beaucej besleht aus
SUsswasserkalken und Quarzen mil Limnaea, Paludina, Planorbis, und in ihrem
obersten Horizonle mil zahlrcichen Arten von Helix.
Gleichzeitig mil der Ablagerung dieser theils marinen , theils liumischen
Oligociinformalion des Seinebassins , ging die Ablagerung der Stlsswasser-
bildungen der Auvergne vor sich. Sie fdllen ein a lies Seebecken inner-
halb des Granitplateaus iin Deparlement des Puy de Dome aus und bestehen
aus /it'inl idi horizontalen Schichten , welche vier Complexe bilden: 1) Con-
glomerate, Sandsteine und Mergel; die beiden lelzleren zum Theil roth gefarbl,
so dass sie pelrographisch dein Bunlsandsteine Deutschlands ausserordenllich
iihneln ; sie sind bis 230 M. machlig und abgesehen von einzelncn Knochen
von Palaeotherium , Rhinoceros und eines Krokodiles ohne organisohe Heste.
2) Grlln und weiss gestreifte, diinnschieferige Mergelschiefer, etwa 250 M.
machlig und auf den Schichlungsflachen von Schalen von Gypris ganz bedeckt.
3) Kalksteine, Travertine, unter denen sich besonders der Indusienkalk aus-
zeichnet, welcher stellenweise fast ausschliesslich von den Rbhren von Phrxua-
neenlarven zusarnmengesetzt ist. Diese bestehen aus lauter zusammengekilteten
Sandkornchen und Paludinenschalen und dienten den Larven zur schutzenden
Bedeckung. Neben diesen Indusien kornmen zahlreiche Cyrena-, Unio-, Palu-
dina-, Planorbis-, Limnaea-Arten und endlich Knochen von Siiugethieren
(Palaeotherium. Anthracotherium u. a.), sowie von Emys und Crocodilus vor.
4) Gypsmergel von gegen "20 M. Miichligkeil.
Die Oligociini brmation der Sch weiz ( u n t e r c M o 1 a s s" e n f o r in a t i o n) .
Auf die pag. 470 geschilderte eocanc , aus Numrnuliten- und Flyschgebilden
bcstchende Schichtenreihe des nordlichen Alpensaurnes folgt eine gewaltige
Ablagerung von Sandsteinen und Gonglomeraten, die man mil dem Narnen
Molasse bezeichnet. Sie gehort der Oligocan-, der Miociin- und der Pliociin
formation an. An dieser Stelle betrachten wir nur die erstere in kurzen Ziigen.
Die oligocjine Molasse der Schweiz besleht aus zwei Unterabtheilungen :
1) Die untere Meeresmolasse, ein Sandstein , welcher aus Kornern
von Quarz, Kieselschiefer und Feldspnth und. cinem feinsandigen , mil Siiuicn
brausenden Mergelcemente, so\\io \veissen (ilimrnerschuppen und dunkelgrilnen
Glaukonitkbrnorn zusammengeset'/t und bankartig geschichtet ist. Kr ftlhrl,
\vic die (»bcrcn .Mccivssande von Frankreich, wie die Hempstead-Thone und
(lit- norddcutschen mittcloli^ocancn Bildungcn Cyrena scmislriata Fig. 3">0 ,
Pectunculus obovatus, Oslrea longirostris, Ostr. cyathula, Cerithium plicalum
(Fig. ;V)I. (Iriitli. clcgans, ist demnach ebenfalls mitteloligociin und wird in
der Schweiz als tongerischc Slufe bezeichnet.
2) Die untere Braun kohlenbildung , aqjui tanische Stufe der
Schweizer. Sie beginnl mil der sogenannlcn rolhen Molasse, nehmlich
171) VI l
bunteii. rotlicn Mei-geli), welche slellenweise liber 300 M. miichlig \\crdcn und
•i.. B. am Hiizi und llochfurrcn fine grossartige Enlwickclung bcsilzcn. Auf
sic folgen Sandsteinc, Mergel und Nagclfluh, d. h. grobc Conglomerate von
eigrossen , vollkomnien abgerundeten Gerbllen , mil Kindriickcn, welche sic
sicli gegcnseilii: boigebracht habcn. Diese Schichtenreihe fUhrt , so bei Monod
und Rivaz iin Canton Waadt, am hohen Rohnen, bei Miesbach, Pensberg und
am Pcisscnbcrg in Sddbaycrn einige Flblzc von Braunkohlen und zwar Pech-
kohlcn und ist, wie dies Vorkommen, so wie das von Cyrenen- und Melanop-
sis-Arlen, endlich das von cingeschwcmmton Siiugethierreslen beweist, eine
Brakwasscrbildung. Den wesentlichsten Bestandtheil der dortigen Oligocanflora
bildelon Cinnaniomuni , Dryandroides , immergrilne Eichen , Ficus, Alnus, Be-
tula, Juglans, Sequoia, Pinus, Libocedrus, sowie Fiicher- und Fiederpalmen.
Der Gesamintcharakter dieser Flora ist ein ausgesprochen subtropisch-amerikani-
scher, der, wenn auch modificirt durch australische Formen, an die jel/igc
Pflanzenwelt Floridas und Louisianas erinnert. Man hat daraus geschlossen,
dass iin Anfange der Terliarzeit der allantische Ocean von Land eingenoimncn
\var, iiber welches amerikanisehc Formen nach F^uropa einwandcrn konnlen.
Von anderer Seile ist es jedoch wahrschcinlich gemacht worden , dass
die amerikanischen Pflanzen nicht den direclen Weg liber eine hypoihe-
tische Atlantis, sondern den in entgegengeselztcr Richlung iiber Asien zurlick-
gelegl habcn.
Das Oligociin des Mainzcr Beckens findct bei Besprechung der jUngeren
Terliargebilde im nachstcn AbschnitU^ Beriicksichtigung. Auch die Verhaltnisse
der Itohnerzformation des siid wesllichen Deutschlands und der angren/enden
Parlien der Schweiz und Frankreichs konnen nur kurz angedeutet werden.
Die lertiaren Bohnerze sind Absalze von Mineralquellen, tretcn fast ausschliess
lich im Gebiete des weissen Jura auf und bestehen aus runden, concenlrisch-
srhaligen Kornern von unrcinem Brauncisenerz , vvelche in mil Sandsehiclilen
\\cclisellagernden Thonen oft dicht aneinander oder einzeln eingestreut liegen.
Diese bohnerzfuhrenden Schichten bedecken zum Theil in bis Uber 30 M.
machligen, ausgedehnten Ablagerungen den Boden der Thaler, zum Theil fUllen
sic kcssel- oder schachtartige Vertiefungcn, sowie Spallen, lldhlen und SchlUnde
der den Untergrund bildenden jurassischen Kalksteine aus, deren Wiinde dann
/einagt, von Kieselsiiure impragnirt oder von Eisenerz iiberzogen erscheinen.
Die Bohnerze umschliessen ausser eingeschwemmteu organischen Resten alterer
Formalionen zahlreiche Skelettheile von Anoplotherium, Palaeotherium, Lophio-
don, welche mil solchen aus dem Gypse des Montmarlre Ubereinstimmen, also
dciii Oligocan angehorcn , wahrend die Reste anderer BohnerzablageruogeOj
Maslodon, Rhinoceros, Dinolherium, auf deren miocanes Alter hinweisen. Kinige
der Ilauptfundpunkte dieser Bohnerze sind Kandern im Breisgau , Tuttlingen
und Frohnslatlen in Wdrtcmberg.
Die Oligociintormation in Norddeutschland. Die norddeutsche Niede-
runu ist in ihrer ganzen Ausdehnung als ein obcrfliichlich zum grosslcn Theile
von diluvialen und alluvuilen Lehmen, Sanden und Gerbllen bedeckles Tertiiir-
territorium zu betrach*<Mi , welches nur duivh einiue kleiiit'iv Inseln iillerer
VI. Historische Geologic. -177
Gesteine, wio die des Musciielkalkes von Rddersdorf, des Gypses von Speren-
berg, die dor mesozoisehen Sehic-hten von LUneburg und der Odermunduniien
unterbrochen \vird. Andererseils driingen sich vom Siidrande dieser ausue-
dehnlen und zusammenhlingenden Tertiiirablagerungen aus eine Anzahl Aus-
buchtungen zwischen die Gebirge und Hbhenztige, welche die stidlichen Ufer
des norddeulschen Tertiarmeeres bildeten. Es sind dies:
1) Die niederrheinische Bucht, welche bis slidlich von Bonn in das
rheinische Gebirgc eingrcift, nach Nord und West mil den hollandischen und
helgischen Terliarbildungen zusammenhangt und nach Innen braunkohlen-
fahrende, nach Aussen und jene uberlagernd marine Schichten enthiilt.
2) Die thttri ngisch-sachsische. Bucht, welche zwischen Halle und
Wurzen bis weit nach Thttringen in das Gebiet alterer Formaiionen eindringt,
namentlich braunkohlenfiihremle, aber bis Leipzig auch marine Schichten um-
schliesst.
3) Die niederschlesischc Bucht, welche die mil Braunkohlenab-
la»erungen erfiillle Niederung des Odergebieles von Liegnilz und Breslau bis
nach Neisse und Oppeln begreifl.
Die allgemeine Sudgrenze des norddeutschen Tertiiirlandes wind zwischen
dem Ausgange der niederrheinischen und dor thuringisch-stichsischen Bucht
(lurch das weit nach Norden vorspringende weslphalische und hannoversche
Gebiet jurassischer und cretaceischer Formationen bogenfbrmig nach Norden
hinaufgedrangt, - - von Leipzig an aber verlauft sic in fast vollkoimnen ost-
licher Richtung bis zu dem Eingange zur niederschlessischen Bucht. Die Nord-
grenze der deutschen Terliarlerrilorien wird von der Ostsee, der Nordsee und
den jUngsten diluvialen und alluvialen Gebilden verborgen, nach Westen stehen
sic mil dem belgisch-holliindischen, nach Oslen mil dem polnisch-russischen
Tertiar in unmittelbarem Zusammenhange.
Die Tortiiirgebilde Norddeutschlands sind ausschlicsslich oligociin
und miociin, \\iihrend eociine und pliociine Ablagerungen vollstandig . zu
fehlen scheinen. ' An dicser Stelle beschiiftigt uns nur die norddeulsche Oligo-
canformation. Die hierher gehbrigen Schichten sind theils marinen Ursprunges,
theils SUsswassergebilde; lelztere werden unler dem Namen der nord-
deutschen Braunkohlenformation zusammengefasst. Auch in Deutsch-
land zerfiillt das Oligocan in eine unlcre, mittlere nnd obere Abtheilung.
<) Das Unteroligociin wird zusommengesetzt aus der Braunkohlen-
formation des Nordostens von Deutschland und der auf diese folgenden
marinen Ablagerung von Egeln.
a) Die Braunkohlenformation.
Das SUsswasserbecken, in welchem sich die mehrerc- Tausend Quadrat-
meilen bedeckende nordostdeutsche Braunkohlenbildung ablagerle, besass einen
gewaltigen Umfang, indcm es sich von Kbnigsberg und Warschau bis an die
Kibe ausdehnte. Die Gesteine, welche innerhalb dieses Areales zur Ablagerung
gelangleii, sind namentlich lose Aufschtlttungen von glatten, glanzenden Quarz-
gerdllen, welche aber auch bisweilen durch ein kieseliges Binderniltel zu
sehr fcsten C on g 1 o in e ra le n verkillel sind, Sande von meisl farblosen
\ I.
y \\rissi-n Ouar/kornern, O u a rz s a 11 d s tc i n<' , /.mn Tlieil in regelmassigen
, zum Theil in oft lachtrrgrossrn, schollenartigen, ungcstaltetcn Knollcn,
urlrhe isolirt im loson Braunkohlensande liegon, durch ihr kieseligos Cement eine
ausserordenlliche Festigkeit erlangen und sehr haufig aus krystallinischen
Ouarzkornern bestehen; Thone und Schieferthone von grauer, oft auch
vveisser l-'arbe, erstero oft sehr rein und vollkommen plaslisch, letztere oft
reich an Pllan/enabdrilcken, und endlich Braunkohle. Lelzlere, deren Ab-
lagerungen eine so ausscrordentlichc Bedeutung auf iNorddculschlands Industrie
und Wohlstand geausserl haben, crscheinen in mancherlei Varietaten, vvelche
als Pechkohlc, holzige und erdigc Braunkohlc, Moorkohle, Papierkohle und
ondlich als Wachskohle bezeichnet werden. Letztere, namentlich aus der
Gegend von Weissenfels bekannte eigenthiiniliclio Varietal ist sehr leicht,
schmutzig gelh, erdig und srhmilzi am Feuer /u diner pecharligen Masse.
— teoo f—
Kig. :t.">l. Profil Af-r Brannkohlen formation von Riestedt in derProvinz Sachsen.
« Buntsandstein. 6 BrannVohlenflot/.e. c Graue und blaue zum Theil sandige Thone. d Sand. ( Lehm.
8 Bohrloch 8. // und 13 Schachte und Bohrlocher 11 und 13. A Bohrloch A.
. Die Braunkoblen bilden zum Theil unregelniassig linsenformige Einlagerun-
gen, welche sich nach kurzein Anhalten allseitig auskeilen, theils weit fort-
setzende Flblze, vvelche oft sehr bedeulende, bei Halle 7, bei Nachterstedl,
sowie bei Zitlau liber 15, sehr gevvohnlich aber 1 bis 3 Laehter Machtigkeit
erreichen, ohne sich jedoch gleich zu bleiben, vielmehr sind Anschvvellungen
und YerdrUckungen haufige Erscheinungen. Nicht sellen kommen mehrere
Flolze Ubereinander vor, so bei Riesledt 5 (siehe Fig. 354), bei Muskau 6 u. s. w.
Pas Tiefland Nordostdeulschlands und die mil ihnen zusammenhangenden
befden slldlichen Buchten milssen \vahrend des Beginnes der oligocanen Periode
von grb'sseren und kleineren, aber seichten SUsswasserseen, von ausgedelinlen
Stirnpfen und Mooren, sowie von Lagunen bedeckl gewesen sein, auf \\elchen
und uni welclie herum eine Uppige subtropische Flora \\ucherte, wahrend
SUssvvasserfische und Mollusken die Wasser beleblen. Zugleich \vurden von
den FlUsscn bedeulende Massen von Treibholz ihren Laguneu zugeschweniint,
wo sie sich, ahnlich wie am Ausilusse des Mississippi noch heule, zu grosscn
vegctabilischen Deltas ansammelten. Letztere sowohl wie die an Orl und Slolle
Bewachsenen PHan/en lieferlcn das Malcrial der Bi'annkolilcnfcldcr Norddeutscb-
VI. Ilislorix'lic
hinds. Von Sand- mid Thonscliiclilen brd.rkl, warden sic vor vollsUindigem
Wrgfaulen bewahrt und durch don bei Abschluss <ler l.ul't ointretenden Ver-
moderungsprocess allmiihlich in Braunkohle verwandelt.
Das Material der Braunkohlen ist namcntlich von den Hblzern von
Coniferen und /.war vorzilglich Gupressineen gelieferl worden. So besleht
die Hanptmassc fast aller in d««r Imgebung des Harzes vorkommenden Braun-
kohlenflotze aus SUimmen von Taxitos Ayoki und Taxoxylon Gbpperti, derer
Schlesiens aus Piniles ponderosus, Pinites prololarix, Gupressinoxylurn lepto-
ticlmm, Taxites Ayeki, derer des' Lcipziger Kreises aus Sequoia Coultsiae,
neben dieser al)er auch aus Palmaeitcs Daemonorops und einer Betula. Wahrend
dciimach dio Braunkohlendotze vorwiegend aus Coniferenhblzern beslehen, lier-
lu'rgon die Thone, Sandsteine und Sehicfcrthone, welche jenc zu begleilcn
pllegen, zahlreichc Hesle und /war vorzugsweise Blatter von Laubhbl zern.
Unter ihnen sind folgende Geschlechter die haufigslen : Quercus, Laurus, Cinna-
nioiiHini. Magnolia, Dryandroides, Ficus, Sassafras, Alnus, Acer, Juglans und
Betula. /u ihnen gesellen sicli in verschiedenen Sabal- und Flabellaria-
Arten eine Anzahl Facherpalrncn und in Phocnicites Gocuspalmen. Beson-
ders eharakterisiisch ist fUr die Flora der norddeutschen Braunkohle das Zu-
sainiuenvorknnitnen von Conifcren , immergrttnen Laubbaumen, Fiicher- und
Cocuspalmen; sie besass ungefahr den Habitus der Vegetation Floridas und
louisianas, jedoch sind Ankliingc an den indisch-australischen Charakter der
Floren friiherer Zeitalter nicht zu verkennen.
b) Die marinen Gebilde von Egeln.
Die mil den beschriebenen limnischen Sand-, Thon- und vegetabilischen
Schichten des unteren Oligocan bedeckten Landstriche wurden jelzt in Folge
allmiihlicher Senkungen in Meeresgrund vervsandelt, auf welchem sich von nun
an marine Gebilde absetzten. Es sind dies die Sandc und Thone, welche bei
Magdeburg, bei Latdorf, bei Egeln, Ascherslebcn und Helmstadt aufgeschlossen
sind und als Magdeburger Sande oder unteroligocane Lager Von
Egeln bezeichnet werden. Sie sind zum Theil ganz ausserordenllich reich an
Hesten von Meeresbew ohnern ; einige der bezeichnendslen derselben sind:
Oslrea ventilabrum Goldf., Area appendiculala Sow., Cardila Dunkeri Phil.,
Cardium Hausmanni Phil., Cytherea Solandri Sow., Cerithium laevum Phil.,
Pleurotoma Beyrichi Phil. , Pleurolonia subconvidea d'Orb. , Pleuroloma Bos-
(jueti Nyst., Buccinum bullatum Phil., Volula decora Beyr. Zu ihnen gesellen
sich zahlreiche, den Geschlechtern Cyathina, Turbinolia, Balanophyllia, Garyo-
phxllia angehb'rige Einzelkorallen.
Von gleichern, also unteroligociSnem Alter ist die bernsteinfuhrende
Schichtenreihe des Samlandes bei Konigsberg. Der Bernstein kommt an
der Kiiste Preussens in einer Lage glaukonilischen Sandes regelmiissig und in
ausserordentlicher Menge vertheilt vor. Diese bernsleinftlhrende Schicht (siehe
Fig. 355 b) ist 1,3 bis 1,7 Meter machtig, liegt meist noch unler dem Spie-
gel des Meeres und wird von einem bis 2:} Meter machtigen bernsteinarmen
(ilaukonitsande und dieser von Sanden, Thonen und Braunkohlen Uberlagert.
Die GlaukonitP enlhalten neben dem Hernsleinc mil /ahlreirhen Insecten.
480
VI. Historische Geologic.
Fig. 355. Profil durch die samlan
dische Bern stein formation bei
Or. Hnlinicken.
o' Ostseespiegel,
a Wilde Erde
6 Blaue
de Erde \
Be Bernstein- I Bernsteinfubrenda
erde I Glankonitformation,
ne Mauer J
f Braunkohlenformation,
cGru
d Weisser Sand
e Braunkohle
/ Gestreifter Sand
y Diluvium, h Humus.
Ararlmoiden und .Mxriopoden cine nicht unbedeutcnde Meniir relit unteroligo-
eiiner Mollusken, \viihrend sich die liber ihnen lagernde Braunkohle durch eine
milleloligocane Flora charakterisirt. Der Bern-
stein findet sich iin Samlande auf secundiirei
Lagerslatle und ist im Anfange der Oligocan-
periode durch das Meer angeschwemmt worden.
Dieses Harz dllrfto von 8 oder 9 Pinus-Arten
abstammen, deren eine Pinus succinifer genannt
worden ist,' und \velche einen grossen Theil des
ndrdlichen Europa, namenllich von Skandina-
vien, bedeckl haben mlissen.
2) Das Mitteloli go can. In Folge neuer
Hebungen innerhalb des norddeutschen Tertia'r-
gebietes vvird local eine zvveite oligocane Braun-
kohlenbildung eingeleilet. Hierher gehbrt die
des Samlandes (d e f Fig. 355) , welche die
dortigen , unteroligocanen , bernstemfuhrenden
Schichten iiberlagert. In ihr finden sich nament-
lich Taxodium dubium Slernb. , Alnus Kefer-
sleini Ung., Cinnarnomum polyinorphum Ung.,
Populus Zaddachi Heer.
Viel allgemeiner verbreitet jedoch als diese
localen Braunkohlenbildungen ist eine marine Ablagerung, welche in dem grb'ssten
Theile des nbrdlichen Deulschlands der einzige Reprasenlant der mitleloligo-
ciinen Formation ist, /urn Theil als Sand und Sandstein , /urn Theil als Thon
5 auflritt und in ersterem Falle nach einem
lypischen Aufschlusspunkte Stettiner
Sand, in letzlerem Septarien-Thon
genannt \vird, weil er rundliche oder
llachellipsoidischeConcretionen eines dich-
Fig.356. LedaDeshayestanaDucb. ten> von Kalkspathadem durchsetzten Kalk-
sleines umschliesst. Diese milteloligocanen Schichten und besonders die Septarien-
thone sind sehr reich an organischen Resten, unter welchen namentlich Foramini-
feren und Mollusken eine wichtige Rolle spielen. Unter ersteren sind die Ge-
schlechter Cristellaria, Nodosaria, Truncatulina, Triloculina, Rotalia die vorvvalten-
den; von Mollusken sind als ausschliesslich rnitteloligocan hervorzuheben : Pecten
permistus Beyr., Leda Deshayesiana Duch. (Fig. 356), Axinus obtusus Beyr., Fusus
Konincki Nyst. , Fusus multisulcatus Nyst. , Borsonia gracilis Sandb. und
Tornatella globosa Beyr. Einige der Hauplaufschlusspunkte der hierher gehb-
rigen Schichten sind : das Oderlhal bei Stettin , Freienwalde , Hermsdorf,
Neusladt, Magdeburg, Gorzig bei Kbthen, Sbllingen, Walle bei Celle.
3) Das Oberoligocan. Auch diesem Niveau sind gewisse Braunkohlen-
ablagerungen und zwar die der niederrheinischen Bucht zuzurechnen. Ihr
pelrographiscfaer Gharakter weicht von dem der alteren, unteroligocanen Haupt-
bnunkohlenforniation \\cnii: ;t!>. in der Floi-a jedoeh machl sieh im Vei*gleiche
VI. Ilislorisclit'
481
Tercbrntula
Blum-
mil der des t'nterolignciin des ostliehcn Norddeiilschlands cine nodi griisscre
Anna'hening an den Gesainmthabilus der Vegetation des \\armcren Nordamerika
bemerklieh. \\iihrend die Iropisehen. indisch-australisehen Formen dcr iilleren
Braunknhlenbildung \erseh\\inden. \\nfUr sich solehe gcmiissiglcr Klimata ein-
stellen. I'nter den Pflanzen der nicdciTheiniselien
BraunkohlenformatioD sind besonders \erlrelen die
(icM-hlechtcr Cupressinovxluin. Pinites, Ginnamo-
mum, Quercus, Nyssa, Acer, Juglans u. a. Auch
/.ahlreiehe Inseeten. Fische (Leuciscus) und Ba-
iraehier kommcii in jener Braunkohle und /\\ar
namentlieh in der dunnschieferigen Varietal der-
selben. (fer Papierkohle, vor.
Die marinen Gebilde des Oberoligociin Ire-
len nur schr sporadiseh zu Tage, so in dem Land-
siriehe /.wisehen Hildesheim und Osnabitlck, vvo
\veiche Mcrgel verein/elte unansehnliche lliigel im
(iebicte meso/.oischer Formationen /Aisammensel/en.
Die bedeulendslc del- hierher gehorigen Ablage-
rnngen bildel den Doberg bei Btlnde, vvo Kig.
sic aid' Septarienthonen und unleroligocauen
Schiehten^ ruht und namentlieh fiihrl : Kehinolampas Kleini Ag., Spatangns
llolVmanni Gold!'.. Terebralnla grandis Klumenb. , Peden Janus Gold!'.. Peelen
Miinsteri (loldf.
Audi in Knrhessen erseheinen auf Wilhelmshbhe , bei Ober- und Nieder-
kaufungen Uber den Seplarienlhonen oberoligoeiine , lose Quarzsande, Sand-
sleinc und sandige Thone mil Peelen decussalus Miinsl., Area Speyeri Semp..
Andllaria Karsleni Hcyr. , Nassa pygmaea Sehlolh. , Pleuroloma subdenlieulala
Miinsl. Oberoligoeanen Alters sind endlich die unler dem Namen Stern-
be rger K uchen bekannten Sandsleingcsehiebc , \\elehe sich im \\cstlidien
.Mccklenburg-Sch\verii> im Kiese vorlinden uml /urn Theil dermaassen von Mol-
luskcn-Hestcn angefilllt sind, dass das gan/.e (ieslein nur aus ihnen /u be-
slelien seheint. l;asl allc oben von Cassel angefUhrlen Arlen kommen auch in
ihnen vor.
Die Miocan- und Plioc&nformation.
\Vie die klimalisehen Verhiiltnisse und von diesen abhiingig die Fauneu
und Floren , so sind auch die Conluren der Conlinenle im Verlanfe dcr Ter-
liiiiveit in eincr slelen Vcriinderung begrid'en. Dafllr spricht die Verbreilung
der jiingeren der neogenen) Tertiiirgebildc, \ergliehen mil der des Kociins
und Oligociins. In dem Tertiarbeeken der Seine sdiliessen oligoctine Gebilde
die lerliiire Schichtenreihe ab, -- in dem Loirebecken hingegen beginnt sie
mil dem Mioca'n , ist also auf das Ncngcn bcschriinkt, -- auf dem Tertia'rge-
liiete Knglands linden sich nur sehr unbedeutende Ablagei'imgen von jungercm
als oligoeanem Alter, der drag. in dem ganzen \\eilen Osten des nord-
t'reilner, Kloun'iitfl U. Geologic. 31
482
\ I. Ili-tni i
deiilschen Terliiirlandes sind miuciine <>der plineiine (iebilde unbekannt,
Alles Erscheinungen , \\elehe auf eilie Verseliiebimg der MeeresLM-en/en im
Yerlaufe der Tertiiir/.eil Immeisen. Die Heispiele, ;IM denen die (iliedermii:
der tNpischen niiociinen und pliocjinen Scliiclilenreihe erliiulerl \\erden soil,
inilssen deshalb anderen Terliiirirebielen enlimmiiien \\enlen ;ils die friiheren.
\Yii \\iililen d;is Hecken \<>n .M.iin/ und das \(in \\icn mid \ciT(tlizcii y.mn
Schlusse d;is liciionnciu1 schweraerisch-bayerische I'rofil , deren Zusatnmenhaiig
.ins beifolgender Tahelle ei-sichllich \vird.
Das Miociin und Pliociin
son Mainz
des Wiener Beckens
dei- Scli\\ciz lllld
Siiddeulsehliiiids
Dinollierien-Sand ;
Chillesford and
C
Belvedcrc-Schotter ;
Oeniiiiicr Si-hichten.
AldeliN beds.
-
§
^
Knoehcnsand \on
Eppelshciin
Gongerien-Tegel
(Tceel von Inzers-
dorf)
(there Siis^\\ asser-
molasse z. Th.
mil Braunkohlcn
\or\\ ich crai: :
lied crai: ;
While or I'.oralline
(Torlonien
crag
—
Mun/cnheri,'er Obe-
Brak ische
93
:i
rer Bliiltersand-
stein ; Braunkoblcn-
formalion der Wel-
G r u p p c :
Ccrithicn-Sandstein.
Brakischc Tegel.
Obere Meeresmo-
lasse Hehetien ;
c
terau und des Vo-
Marine G r u p p e :
Mnschelsandslein,
u
s;elsbcri.'es, sossie
Badencr Teqel,
Graue Molasso der
*
c
Braunkohlcnletton;
Tiefscebildung;
Sch we i 7. ;
Litorinellenkalk;
Leithakalk, flaclie
Bliittersandslein
Cerilliien- und
Meeresbildung;
Bayems;
Landschncckenkalk,
so\\ie Bliittersand-
Sand, Gcrolle und
Contjlomcratc, Ufer-
Maxencien
stcin
bildung
Anscldiessend an das Olitroean ; siehe Tabelle auf pat;. 472.
Das Becken von Mainz.
Die tertiaren Gebilde des sogenannten Mainzcr Beckens dehnon sich siid-
lich vom Taunus, also von Bingen , Wiesbaden, Nauheim auf beiden Seiten
des Rheines vielleicht bis nach Basel aus und erstrecken sich den Main ent-
lang bis nach AschafTenburg und in nordlicher Richtung zwischen Yogelsberg
und Taunus bis nach Giessen. Die tertiare Schichtenreihe des Mainzer Beckens
lagert auf dem Devon, der Dyas und Trias ungleiehfi>ni:ig auf und beuinnl
mil oligociinen Bildungen (siehe Tabelle auf p«g. 472). Die iiltesten der-
selben sind Meeressande, oft zu Sandsteinen zusainmengebacken , mil den
Hip|)en und Wirbeln einer Seekuh (Halianassa Studeri) und reich an Conchy-
lien und Korallen, von denen viele, so Ostrea cyathula, Ostrea callifeia. I'ec-
len obovatus, Cytherea incrassaUi , Corbula subpisuni, Dentalium Kickxi, im
Milteloliiiociin anderer Lander vorkoininen. Noch bestinunter trill das oligo-
ca"ne Alter dieser Schichlencomplexe in den niichst hbheren Zonen hervor,
einem ecliten Seplarientlione mil Nucula (Leda) Deshayesi und Fusus multi-
sulcatus, sowie den daillber lieuenden Cyrenenmergeln mil Ostrea callifera.
C\i-ena semislriata . (lerilliimn plicatmn, Cerilhiuin inargaritaceuni. Jet/t erst
beginiieii neocene Tertiiirbildungen.
VI. Hislorisclir
is:',
A. Miociin.
1) Die tint erst. -n .Mioi-an-Ablaiieninm-n besilzen einen local selir \\cch-
selnden Cliarakter : bald sind es Sandsleine mil Blallabdriicken von Cinnamo-
iniiiii. S;ib;il. Mueivus, riniiis. bidd Lindsclmc.-kenkalke \<>ll von Helix inul
Pupa, namenliirh .iber Kalksleine mid Sandsteine anuefiilll von Cerilluen. \..n
di-nrn Cerill.ium rim-lum (loldf. und Or. Kahlii Hraun die liiiufi-slcn sind.
.> |)(V|. iJh.rinollcnkalkstcin: cr bildrl die ;uis^-d«'linli'slrn und
miicliliiislcii iifn-rm-n TcrtiarablapM-unucn dt>s Main/i-r Hcckt-ns. Ks sind lichtc
Kalkst.-inc. uclclic mil .Mcr-i'ln und Lctton wcchscll.n^'rn und oft fast mir
aus ScliaU-n dcr klcincu Lilorinolla acuta Drap. (Fiji. 358), an
aiidfivn SlclliMi bcinalu- aussclilicsslicli aus Con^cria (Divis-
SIMI.-I Hrardi Bn.nii. mlcr Mxtilus Fanjasi Hronii. Itcslclicn.
Ncb.-n dicscii sind nodi /.aliliviclic andcrc Silssvvassrr- und
I andiuolluskcn (Paludina, Umnaeus, Pupa, M<>li\. Planorbis) Fig :»••*.
, , . .. . , Li t ori lu-llaa onta
hiiulin. Wirbelthiere iit>vvinncn besonders durch die /ahl- n , ;, ,,
JV-i Itinothor Sum
teum Kan p. Fig. MO. Rhinoceros incisivus Cuv.
r.-ichen Bestr von binolherium jjiiianloum Kaup. (Fig. 359) Interesse,
colossalcn Siiuizelhiere. von welchem man schvvankt, ob es als zu den Otacecn
od.-r /.n den Diekhiiulern uelmriii zu betrachten sei. Mil Dinotherium komnien
Skelettlieile des mil unserem Pferde nalie verwandten Hippolhcrium vor. Eine
Sumpf- und Siiss\\ asseiTacies dieses Litorinellenkalkes scheint die Braunkoh-
l.'nformalion der Wetterau zu sein, deren sUdlichcr AuslHufer sich als ein
an Blaltabddlcken rcicher F.etten bis nach Bheinhessen vcrfoli;(>n liissl. Tnler
den IMlan/en . \\.-Iehe sieh in der Braunkohlc selbst, so\vie in den sir !»«•-
iileitenden plastischen Thonen linden, sind besonders Cinnamomum , immer-
iH-ilnc Kiehen. Matznolien, Aeacien. Sl«ira\biiiim«'. Fei-rn, die Weinrebe, so-
vvie C\pn-ss(Mi nnd Palmen vcrlreten. Die Ilanptmasse der Fldlzc rilhrl von
.mi:esrli\\rinmte!i Nadelhol/ern , namentlieli C\ presse.n- und Pinusarlen her.
Bedeekt vvenlen diese Braunkohlen fUhrenden Thone von einem harlen Sand-
steine mil viol Blattabdracken foberer Bliittersandslein).
B. Pliociin.
Ausser einiuen Braunkohlen mil Pflan/.enresten, vvelche einen nordameri-
kanisehen . der .letx.tvxclt sehr nahe stchcnden Cliarakter luvsilzen , vvird die
31*
1s- I VI. Historische (Jcnloirie.
I'linr, iiil'nnii;ili<m iui Main/er Becken (lurch cine 7 bis 10 Meter miichtige Ab-
l;ii:ermii: \tm S.ind mid Gerblle reprasentirt, \\elche namentlieh l»ci Worms,
wo die mioeane mid pliocane Braunkohle fehlt, direct auf die Litorinellenkalke
I'lilizeii. Innerhalb dieser fiillen sic klcinc Miildcn ;ms . wrrden nach ilircm
Hauplaufschlusspunkte. Sande \ou K ppelshei in genannt, und zeichnen sidi
durcli die umsse Menge von Sa'ugethierknochen, die sie bergen, aus. Besonders
chanikleristisch siud die Skeletlheile von Dinotlierium giganteum, Rhinoceros
incisivus, Mastodon anguslidens, Hippotherium gracile und mehreren Sus-,
Onus- und Felis-Arlcn.
Das Wiener Becken.
An die Tertiarzone, welche den West- und Nordabhang der Alpen be-
gleitel, schliessen sich die Tertiargebilde von Niederbsterreich, des soiienannten
Wiener Heckens, und an diese nbrdlieh und ostlich die bohinische und
miiiarisclie Tertiarformation an. Die Schichtenreihe des Wiener Bassins is) in
folgender Weise gegliedert worden :
1} Homer Schichten; Thone und Sande mil (le-
rithium plicatuni (Fig. 351), Cerithimn margarilaceuin Fig.
361), Mytilus Haidingeri, Cardium hians, Venus umbonaria u. a. :
Bildungen von augenscheinlieh oberoligocanem Charakter.
•2 Marine miociine Schichtengruppe, wesent-
lich aus Sand und Gerb'lie, Tegel und Leithakalk l)estehend.
Als Tegel hat man machtige graue, plastische Thone bezeich-
net, welche feine GlimmerschUppchen, etwas Quar/sand und
ein wenig kohlensauren Kalk enthalten, — unter Leitha-
kalk versteht man einen lichten, zum Theil porosen , fast
lediglich aus Korallen-, Foraminiferen- und Conchylienschutt
bestehenden Kalkstein. Von diesen petrographisch so \er-
schiedenen Gesteinsablagerungen nimml man an, dass'sie in
F; -«;i cerithinm jwsc^i^deneii Regionen ein und desselben Meeres gleichxei-
marKaritarrumrfow.ijj, /u,. Ausbildung gelangt, dass sie nur versehiedene Abla-
genmgszonen ein und desselben Seebeckens, also nur versehiedene Facies
der Sedimeiiie einer einzigeii Periode seien und nicht iiber, sondern neben
einander lagern. Nach dieser Auffassung wtlrden die Gerbllanhiiufungen am
Slrande, die Sande nahe dem letzteren, die Kalke meereimviirts und die
Thone (Badener Tegel) in der Tiefsee gebildet sein.
Unter den ausserordentlich zahlreichen organischen Resten der eben be-
schriebenen Schichlengruppe spielen Foraminiferen, Zweischaler und Gastero-
poden die llauptrolle. Erstere und zwar namentlich Verlreter der Gattungen
Ani])hisiei:ina. Triloculina, Texlilaria und Globigerina bilden die Hauptmasse
der miichiigen Kalksteinablagerungen, der Leithakalke. Eine der gewbhnlich-
sten Formen isl Amphistegina Haueri d'Orb. (Fig. 362.)
Als besonders . hiiufig sind von Mollusken , von denen iiber 1 000 Arlen
be.xchrieben sind . hervorauheben ; Ostrea gryphoides Schloth., Pecten jmsio
TiMin. . Area diluvii Lam.. Pectuneulus pilosus Lin.. Nucula nucleus Lin.,
VI. Historisclie
185
Cardita scalaris Sow., Lunna iuerassala Dub.. Venus iimbnnaria Dug.. Tellina
striuosa (Imel., Panopaea Menardi Desh., Conns \entricosus Bronn. Huccinmii
prisraaUcum Brocc. , Stronibus Bonelli Brong. , Chenopus pespelieani Phil..
Fig. :Hi2. Amphistegina Haueri d'Orb.
Muivx aquitanieus Grat. , Fusus bilinoalus Partsch, Pleuroloma lurriculala
Hn.cc., Crrilhiuiu liiinitanmi Eiclnv., Turrilclla turris Bast., Nerila expansa
Kouss, Ih'Mtaliuin badense Partsch.
3) Brakischo miociino Schichteng ruppo. Das Wiener Mccros-
lussin NMir.lc diuvh llolmngfii in scinom Unifange beschrilnkt, in ihm lagerlcn
si.-h /u unlcrst kalkige Sandsteine und darUber neue Tcgelbildungen ab. Ersterc
sind anui-fullt von Cerithien u;ul zwar namentlich Cerithium piclum Bast, und
werdenals Cci-ilhienschichten bezeichnet; der brakischo Tcgcl ftlhrt Palu.li-
n.Mi. Rissoa und Skeleltheilc von Delphinen, Scchunden, SchildkrOton und Fischcn.
'*] PliocJino Susswassergruppe. In Folgc neuer Hebungcn, welche
die Wiener Bucht Uber den Meeresspiegel hoben, nahm dicse den Charaklrr
,-itu-s SUsswassersecs an. In diesern vvurde zu unterst der Tegel abgelagert,
u richer z. B. den Untergrund der Stadt Wien bildet und sich durch semen
Reirhlhum an Congeria subglobosa Partsch (Fig. 362) und Melanopsis Marliniana
Frr. iFig. 364) auszeichnet, aber auch Ul)erreste von Dinotheriuni, Rhinoceros,
Fig. :!»'•:!. Congerift s«bg|lobosa
Partsich.
Fig.fa()4.|Mcljanops>i» Mar-
ti n i a n a F 6 r.
Maslodon, Antilopen, SUsswasserschildkrolen und Landpflanzcn fUlirl. In dirser
ohcr.-M (iruppe dc;s Wiener Tcrliiirgebirgcs Ireten auch Braunkohlen nut
IMlan/enreslen auf. welche der spUtcr zu beschn-ihentleu Oeuiiiiier pliociinen
Flora entsprechen. Bedeckt vverden die Sttsswassertegel Congerieu-
Schichten) von Flussschotter, Sanden und Thonen, den Schichtcn von
Belvedere. In ihuen finden sich Knochcn \nn Anlhni.'otheriuiu, Dinotheriuiu,
Maslodon, ^Rhinoceros. Mil dieser Bildung schliesst die tertian- Schichtenreihe
^" Beckens ab und wird von Loss Ul>erlag«'rt.
I si;
Kincr neogeneii. mil dm Schichlen des Wiener Heekens gleichalterigen
Fi>rmatinn uehoren die Si e i nsa 1 z 1 ager rngarns, SiebenbUrgens und Galieiens
/ii lieiden Seilen der Karpalhen und uulcr diesen ii.inientlieh (lit- \on \V i e I i <•/. k .1
an. Das Sleinsal/. komml daselbst Iheils in maehtigen his I'i.OOl) Kiiliikfuss
LM'osson slockformigen Massen, Iheils in Seliichten /.wisclien Thon. Mergel. An-
Imlril und Gyps vor. Unter Loss und lerliarem Sande (sieh(! Fig. 365) liegl
/u olierst grauor Thon (Tegel), unler ilim Salzlhon, in dessen liegender Zone
sinekri'i-mige Miissen von moist grtlnem, grobkrystallinischem Stoinsalz •drUnsalz)
nehsl Slreil'eu und Nostorn von Gyps einirebeltol sind. Durch oinip- TlMMilauen
und gosohichtoton Anhydrit \vird das Grilnsalz von dem darunter liegendeo
Spisasalx getrennt, welches aus mehrerm.
zusammen gegen 34 M. machtigen Lageni
von oft stiingoligoin, zutn Theil Kohlen-
wasserstofl' haltendem Steinsalz (Knisler-
salz) besteht. Unter ilnn Irelon die zu-
zaimncn ebeufalls ilber 30 M. marhliuen
Lager des Schybicker Salzes, eines reinm.
weissen, meist kleinkdrnigen Sleinsalzes
auf. Darunter folgt Thon, dessen Miidi-
tigkeit nicht ermittelt ist. lin Steinsalze
und den dasselbe begleitenden Thonen
kommen zahlreiche organische Reste vor,
von deuen iiber 70 Pel. mit denen des
Wiener Beckons und namentlich des oberen Tesel identisch sind.
Fig. :«15. I'rofil der Steinsalzlagerstatten
von W i e 1 i c z k a.
a Schotter und Sand der Weichselebene. b Loss.
c Mariner Tertiarsand. d Hangende Tegel. e Salz-
thon. f Salzthon mit Griinsalzkornern. g Spisa-
Salxlager. h Schybicker Salzlager. i Tegel.
k Karpatheusandstein.
Die neogenen Tertiarformationen der Schweiz and des siidlichcn
Auf pag. 468 sind die eocanen, auf pag. 475 die oligocanen TertiMrgebilde
der slid lichen Theile Deutschlands, sowie der Schweiz geschildert. An lelztore
und zwar die Braunkohlenformation der aquilanischen Slufo schliessen sieh die
Srhichlen des Miociin und Pliocan.
1) Die graue SUsswassermolasse Mainzer Slufe), erne Sand-
sleinbildung, \\elehe sehr hiiufig Pflanzenreste von ausgesprocheneni nord-
ainerikaniselieni (Iharakler (Cinnamomum, Ulnius, Liriodendron, Rhamnus, Jug-
lans, Acer) umschliesst und dann als Bliittersandstein bezeielmet word»>n
isi. Mit dieser Sdsswasserbildung ist jedoch eine marine Ablagerunu verkniipfl,
\\<-lelie Cerithium lignitaruin Eichvv. , Venus clathrala Duj., Murex plicafus
Brocc. fUhrt.
2] Die obere Meeresmolasse (Hclvetische Stufe'1. ein ontschie-
dener Meeressandslein, ziini Theil voll Condi\lien und oft conglonieralahnlicli
mil kalkigem Bindemittel (Muschel sandstei n). Von der ansserordentlieli
arlenreiclien .Molluskcn-Fauna dieser Seliichten leben 35 Procent noeli jetzt und
/.\Nar zum Tlieil nn Miltelmoere. zum Theil unter Iropisehen Breilen. Viele Formen
z. B. IVetuneulus pilosus, Panopaea Menardi, Genus venlrieosus, Ghenopus
pespelicani, Turritella lurris stimmen mit miocanen Fossilien des Wiener
Mrrkens uherein. Fisch/ahne . so sold..- Non La.nna, (Kyrliina, Carcharodon
sind ausserordenllich liiiutiu.
3) Die obere Sllss\\ a sserm <> la ss e , aus Sandslcinen . Mergelfl and
Kalksleinen beslehend. einige Hraunkohlenllot/.e umschliessend uiul Unmaeen.
Planorben, Unioiu-n , sowie Helix- Arten filhrend. In dieses Niveau gehoren
die Oeninger Schichten, .neist dllnnplaltige Kalksleine, welehe sieh durch
ihren Ueichthum an ausserordentlich gut erhaltenen Pflanzen - and Thierreslen
auswichnen. Die Flora beslehl der Mohrzahl nach aus norda.u.-rikaiuschon
mul in /NNeitei-Heihe aus europiiischcn Typen, wiihrend asialisehe, afrikanische
u,ul .luslralisehe l-ormon sehr in den Ilinlergrund treten. Die OeniniicM- Fauna
isl durch eine ausseronlenllich grosso Anzahl von Insecten, vorzUglich Kiifenu
von suMropischen und /Avar namcnllich sUdeuropJiischen Typen repriisentirt.
UnKM- den NVirlM'lthienrsten haben nelxMi denen sehr zahlreicher Leuciseus-
\rlen die eines Hiesonsalainandors, Andrias Schcuchzcri , besondere Aufnierk-
samkeit auf sieh ge/ogen , welche Schcuclm'r fUr versleinerte Skek-ttheile von
Meiisclieu lionid diluvii testis) hiell.
\Viihivnd niit diesen Ablagerungen die Tertiarbildungen dcr Schwciz und
d,.,- niiehst angren/enden I.andstriehe abschliesscn , maelien in der lloeliebene
der Donau S.mde mil Knochen von Dinotherium, Mastodon, Rhinoceros und
.mderen Siiugethieren den Schluss der Tertiiirfonnalion.
Der Crag England's.
Das jtlngsle Terliiir Englands besteht vor\valtend aus Mergeln , welche
rcich an Schalen von Mollusken sind und als Crag bczcichnct werden. Man
unterscheidel von union nach oben steigend:
1) White or Coralline Crag, 10 Meter miichtig, bestehend aus
kalkinen Mergeln voll Molluskenschalen und Bryo/oenstecken. Von ersteren
sind'.ttO Species beschrieben, von denen 110, also 31 Procent , noch nicht
lebend narhgeN\iesen \vorden sind, -- von Bryozoen kennt man 130 Arlen.
Heissen Kliinaten angehOrige Formen fehlen.
2) Red Crag, etwa 8 Meter iniichtige, eisenschtissige Quarzsande mil
j.ii Molluskenspecies, von welchen 65, also 25 Procent, ausgestorben sind.
3) Noi \\ich-or Fluviomarine Crag, etwa 7 Meter mUchtigc Sande,
Lehme und Kies.- mil einer gemischlen Meeres-, Land- und Susswassermnllus-
kenfauna, s..\\ie mil Knochen von Fischen und Saugelhieren, also augenscheinlich
ab-elagrrt in einer See nahe d(M- MUndung eines Slromes. Die Landsehneckcn
u.-'liiiren alle Arlen an, die heule noch leben; von den 124 Species mariner
Mnllusken sind «-t\va 18 Procent ausgestorben, der Rest enlhiilt ziemlich viele
heule in den arktischcn MetM-en lel.ende Formen, z. B. Rhynchonella psillacea,
Scala ria (ii (.enl.nidica, Astarte borealis, Panopaea Norvvegica u. a.
4) Chillesford-and Aldeby-beds, etwa 7 Meter iniichtige Sande
und Thone mil einer Molluskenfauna, von \veleher nur 9 Procenl ausgestorbeu
sind, wiihrend zwei Drittel des Hestes jetzt Bewohner hOherer, also kalUM-er
Breiten sind. Diese Schichten stellen die VerknUpfung des tertiiiren Crags mil
den Ablauerungen der Kis/.eit her.
1SS VI. Ilisturisclic (ieoloijir.
Yerfolgl mail die Yerandernng der Faunen der ein/.elnen Schichtencom-
ple\e des englischen Crag, so Iritl eine doppelle Krscheinung her\or, einer-
seils die stetige Xunahme der Xahl drr noch heulc forllebenden Molluskenarten.
andererseils aiis drr Xiinaliinc arktiselicr Formen cin allmahliches Renintersinken
des im Heginne der Cragablagerttng sildlichen Klimas zu dem drr Kis/.eil. Iliichsl
inlrivs.saiil isl der \aeh\\eis. dass \iele Molliisken . die \\iilirend der Crag-
periode die englischen Meere bewohnlen , beim Herannahen der Kis/eil sicli
sildwiirls zurilekzogen und deshalh fossil in dem Pliocan von Sieilien , Siid-
ilalien und Griechenland ^cfunden \\crden. \\iilireiid sie am Ende des Kis/cit
\\ieder nach Noi'den wanderten und heute Nviederum die hritischen Meere l>e-
\\nlinen.
l»as I'liociin Italiens.
In [(alien lehnen sich unterpliociino Schichten , welche dort unter der He-
/eirlmimi: Suba pe nni nf ormation zusammengefasst worden sind. an beide
Seiten der Apenninen an. Sie filhren zwar meist mediterraneTsclie. jedoeh aneli
x.ahlreielie tropisehe Molluskenformen, \velche den Geschlechtern Conns, (Xpraea.
Strombus, Pyrnla, Mitra , Fasciolaria, Sigaretus, Delphinula, Aneillaria , Oli\a.
Terebellum, Terebra, Perna, Plicatula und Corbis angehb'ren. Die gleicli/eiti^e
Flora hat aus jetzt auf Madeira uud am Golfe von Mexico heimischen Ptlanzen
beslanden. Zu den jilngsten Uberhaupt bekannlen Tertiiirschieliten gehb'ren die
oberpliociinen Ablagerungen Siciliens. Sie sind reich an Korallen und Conchy-
lien, welehe ihrer bei Weitem ilberwiegenden Mehrzahl nach noch heute das
Mittellimdische Meer bewohnen, indem von 142 Species nur 11 noch nicht
lel)end nachgevviesen worden sind. So breiten sich auf den Gebirgen Siciliens
lia'nke von Ostrea edulis, sowie solche der gewbhnlichen MtttelmeerkoraUe,
Caryophyllia caespitosa, aus, wahrend andere Kalksleine von Pecten Jacobaeus
gan/ angefilllt sind Diese pliocanen Schichten erreichen auf Sieilien tlber
600 M. Maehligkeit, sind trotz ihres geriugen Alters 700 bis 1000 M. hoch ge-
hoben worden, bilden ganze Gebirgszllge, wechsellagern mil Tuflbildungen.
\\erden \on Lavagiingen diirchsetzt, kunj bieten Erscheinungen dar, deren
Sludium ganz tihnliche, aber vielfach missgedeutete Verhaltnisse palaeozoisclier
Formationen in's klarste Licht setzt. Trolz der fast vollkonunenen Indentitiit des
organist-hen (Jesammleharaklers dieser Sc'.ichlen und des jetzigen mittellandi-
schen Meeres hat sich doch s<>it ihrer Ablagerung der ganze 10,000 Fuss hohe
Aetna auf ihnen langsam aufgebaut, ein Vorgang, der sicherlich \iele Tausend
.lahre in Ansprnch genommen hat.
Dem jlingslen Terliiir gehbren endlieh gewisse Conglomerate , Sande und
Thonablagerungen Californiens an, welche zu den interessanteslen Erschei-
nungen <lieses an geologisehen Wundern so reichen Landes gehbren. Es sind
dies die Absiit/e eines pliocanen Flusssyslemes, (lessen Hauptslrom sich direct
am Fusse der goldreichen Sierra Nevada ein weiles, tiefes Belt eingeschnilten
hatte. In letzlerem haufton sich miichtige Schichten von aus dem nalien (io-
birge >t;immendem Gerblle und unler diesen bedeutende Ouantitaten von (lold
an, welche sich in Folge einer durch die sich bewegenden Gewasser beding-
ten naliirliehen Anfbereilnni: aid' dem Boden des Hnssbettes eoneentrirten.
Am Kmlt> der Tertiiir/eit fanden, wie an vielen anderen Stellc der Krdkrusle,
so in Californien, bedeutende lli>bung»Mi stall, \velche namentlieli die Sierra
Nevada l>etrafen und in Folgr deren das damalige Fliisssxstem \oni Fusse des
Gebirges writer nacli \Yesten in die Kbene \erset/t and sein eliemaliges Bette
trorken j:H«'gt \\urde. Zugleich aber ergossen sich I.a\astrUine aus den nahrn
VulkantMi und foliitcn den V'lussrinnen, so dass auf den GerOilablagerungen
nijiditiiie Dockcii \on basaltischen und trachytischen Gesteinen aufgethUnnt
\\nrdtMi. Die von dor Sierra Nevada dein neuen Hauptstrome , dem Sacra-
mento, xulliessenden Ge\\iisser, kreutzten auf ihrem Wege jenes alte Flussbrtl
und \vuhlten sich tiefe Schluchten quer durch dasselbe , an deren Abhangen
naiuenllich an denen des Yuba-
Thali-s) Vorhaltnisse zu Tage treten,
\vie sie in Iteit'oluendem Profile Fig.
:*()('» \viederuegeben sind. In dem-
selben bedeutet a krystallini-
o i • e i i r \l Fig 3(Xi v Prof il der ,,B1 ne Lead ".
S C h e O Oft 16 1 e f , NN eiCne Uie AD- Tertiire goldfuhrende Flussgerolle b ; LavadeoVe c ; am Buckeye
hiin^e der Sierra Nevada zusam-
mensei/.en: b GerOlle, welche durch ein kieseliges Cement, zum Theil
aueh dnrrh Sch\\efelkies, zu eiuem sehr festen Conglomerate (siehe petro-
graph. Geol. 70, e) verkittet und namenllich in ihren untersten Lagon reidi
an hirseukorn- bis nussgrossen Rollsliicken von Gold sind. Lelztere sind an
einzelnen, aus weichen Talkschiefern bestehenden Stellen des Flussbettes
inosaikartig in den Untergrund eingetritben. Zvvischen den Gerbllen, und ihnen
unUTgc-ordiiet, sind Sande und Thone eingelagert, welche verkieselte und vei -
k.ihlte Baumstamme, BlatUibdrUcke, sowie Knochenlheile von Hippopotamus und
Mastodon uinschliessen ; c saulenfbYmig abgesonderte Basal tlav en, Tafelberge
bildend.
In neuester Xeil hat einer der grundlichsten Kenner tertiarer Conchy lien,
C. K. Ma\er in Zurich , die Terliarbildungen in folgende Stufen oder Etagen
gegliedert:
I. Eocan.
I Soissonische Stufe. Sand und plastischer Thon von Soissons; die
nnteren Sandc- und SUsswasserkalke von Rilly im Pariser Beckon und der
plastische Thon im Pariser Becken.
i Londonische Stufe. Thon von London; obere Thone mil Braun-
kohlen von Meudon im Pariser Becken; Meeressand von Cuisse Lamolte;
Nuniinulitenschichten der obere n Garonne.
3) Pariser Slafe. Grobkalk-Gruppe von Paris, die Sande und Thone
von Bagshot und Braekleshain unfern London: Nummuliten-Bildung der Can-
tone Sch\\ \/., Glarus, Appenzell; Nummulitenschichten von Kressenberg in den
l»a\erisrhen Voralpen.
i liartonische Stufe. Barlonthon und -Sand auf der Insel Wighl,
SUssvv asserkalk von St. Queu und Sand von Beauchamp, Nummulitenbildung
<|»T Riilligonslorke uini ill llalien, Wiener Sandslrin /uni Tlicil : obrre Niiin-
iimlilrn \ini Uiarrit/.
II. Oik' or; ill.
5) Ligurische Stufc. Mccrossand von Lethen in Hcl-icn . nlx-rsir
iHrmbridge- undOsbornc-) Schichlon des Londoner Beokens : S.md \nn Kp-ln ;
Braunkohle dor Mark; Bernsleinformation; Bohnerzablagerungen von Kamlcm
in Hadrn , von Frohnslellen u. a. 0. in WUrtemberg , von Egerkingcn, La
Sarraz u. a. 0. in dor Schweiz ; Gyps von Montmalre; Flysch dor Appen-
/ollor Berge; Macigno dos Apennins.
6) Tongcrischc Stufe. Thon mil Cyrena convexa bei Tongern in
Bolgien ; Septa rienthon in Belgien, bei Kreuznach und in Norddcutschland :
Mceressand von Weinheim; Meeresniolasse von Basel, Pruntrut, Delsberg.
Untere Blatter- und Meeresmolasse in Bayern. Astericnkalke von Bordeaux,
untere Ahlhcilung des Sandsteines von Fonlainebleau. Nummulitenkalke der
Diablerets und Dent du Midi.
7) Aquitanische Stufe. Untere Braunkohlenbilduug von hohen Rho-
ne n , rothe Molasse voin Rigi. Cyrenen-Schichten von Mainz und von Siid-
ba\ern. Niederrheinische und Westerwalder Braunkohlenformation. Untere
Faluns bei Bordeaux. Obere Abtheilung des Sandsteines von Fontainebleau.
Braunkohlen von Radoboj und Sotzka.
III. Miocau.
8) Mainzer Stufe. Cerithien- uud Landschneckenkalk von Mainz.
.Marine Bildung von Baselland, Frickthal, Randen. Graue Stisswas'ser- Molasse
von Lausanne, Develier; Saude von Loibersdorf, Grund u. a. 0. iin Wiener
Becken. Siisswasserkalk von Ulm, Zvvfefalten in Wilrtemberg, Kleinkems in
Baden ; Brauukohlen von Kaltennordheim ; Gelbe Sande von Saucats und
Bordeaux; Kalk von la Beauce.
9) Helvetische Stufe. Muschelsandstein und subalpine Schweizer
Molasse von St. Gallen, Bern, Belpberg; Muschelkalkstein von GUnzburg ;
Litorinellenkalk im Mainzer Becken; Gerithienschichten und Leithakalk iin
Wiener Becken; oberste Schichten der Faluns bei Bordeaux; SandsteinfindliogQ
von Schleswig-Holstein und Mecklenburg.
10) Tortouische Stufe. Blaue Mergel niit Couus canaliculatus und
Ancillaria glandiformis von Tortona ; obere SllssNvassennolasse der Schwciz ;
Oeningen; Braunkohlenbildungen von Schossnitz in Schlesien und in derRhon:
Knochensand von Eppelsheim im Mainzer Becken; Inzersdorfer Schichk'n und
Belvedere-Schichten im Wiener Becken.
IV. Pliocan.
H) Piacentische Stufe. Blaue Mergel von Castellarqualo u. a. 0. im
Piacentinischen , im Modenesischen ; blaue und gelbe Mergel von Callanisetti,
Miletello in Sicilien; rother und Korallen-Crag von Suffolk.
12) Astische Stufe. Gelbe und blaue Sande von Asti u. a. 0. in
Piemont, von Modena, Toscana; Crag mil Saugethierknochen von Nor\\ich:
Kalk \o!i Mcssiiui.
Einiges iiber die geographische Verbreitung des Tertiar. Tertiar-
i'.M
iil.limerunucn sind auf alien Contineiilcn nachuc\\ icscn. In Knropa spielen sic
deshall. t-lnc sehr wichlii-c uncl au-enfalli^e Kolle, ueil sir niehl \% ie in Nord-
amerika auf die Kiistenstriche beschrankt sind. sondern in Fnlge der liefen
Muchlcn und Strassen, duivli \\elche unser Continent \\iilnvnd der Terliiir/.eit
in eine Inselgruppe gegliederl Nvar. an dem Haue and. der central.'.. I'arlien
des beutigen Fesllandes theilnel.n.en. Die ganze norddeutscho Niederunu isl
ein BiisammenhSngendep, freilieh zum Theil von noch jUngcren Gol.ilden be-
deektes Tcrliiirland, welches iin SUden mil dem Terliiirbecken des nb'rdlichen
Hnhmens, iin Osten mil der polnisch-russischen, sich bis zum unleren Dnieper
ausdebnenden Tertiiir/.one. i.n Western init den belgisch-holliindisehen Tei-liiir-
;lhla-»-ninut-n /nsannnenhiingt. An lotztere schliesst sich das nordfranzosiscl.,-
Terliarheekeu an. welches sich vom Canal aus in sUdiicher Richtung Uber
Piiris nnd Oi-l.'ans bis an das Granitplateau Central frankreichs erstreckt, von der
Seine und Loire entwHssert, und rin-s von den Schichten der Kreide umgtirlet
uird. Auf der anderen Seite des Canales trelon iin siidosllichen Theile von
Kn-land auf beiden Hern der Themse, sowie auf der Insel NViiihl und in dem
•ie-ienilber lieiienden Hampshire Tertiiirizel)ilde auf, in welchein sich grossc
Ahnlichkeiten inil den franzosischen nicht verkennen lassen. Im sUdlichcn
1 iMiikivich bestehl die iian/e Niederung zNvischen dem Centralplateau und den
I'Nivnaen, sowie ein Theil dieser letzteren, also das Flussgebiet der Garonne,
aus Nicderschla-en eines Tertiarmeeres, welches eine directe Verbindung
/wischen dfHn Atlantischen und Mittelliindischen Meere herstellle. Von der heu-
ligen MUndung der Rhone aus ziehen sich Tertiiirablagerungen den Osten und
Norden der Alpenkette entlang von Marseille Uber Genf und MUnchen bis
Wien, fUllen den weiten Raum zvvischen Alpen und Jura aus, bildon die
uanze Hoehebene zwischen ersteren und der Donau und nehmen einen bedeu-
tenden Anlheil an dem Aufbaue der ostlichen und nordlichen Yoralpen. Da,
wo heuu- Wien liegt, breitete sich der von dem Golfe von Lyon bis dahin ver-
folitfe tertiiire Meeresarm zu einein \veiten Seebeeken aus, welches ganz Miihren,
rnuarn und SiehenbUrgen, einen Theil der spateren Karpathen bedeckte, so
dass sich nur ein/.elne Partien der letzteren Uber seinen Spiegel erhoben und
\\cldies noch Nveiter nach Osten mil dem sUdrussischen Tertiiirmeere in Ver-
ImiduiiL: stand. Dieses sel/.tc /Aveifelsolnie (lurch ganz Centralasien bis nach
China und Japan fort. Auch an die SUdabhiinge der Alpen lehnen sich Ter-
lijiriiebilde ,m. untcrleufen die ganze Poniederung und erheben sich im Stlden
derselben /-ii dem Apenningebiri-e. \\elelies in seiner Erstreckuug von Genua
bis Ancon.i. ebenso %vie die gegenUberliegende Dalmatische KUste ganz aus-
schliesslicli, in seinem sUdlichen Verlaufe zum grossen Theile aus Tertiiir ge-
bildct \\ird. Audi an der Zusainincnset/.uni; Griechenlands, Siciliens und der
p\reniiischen llalbinsel nehmen Tertiiirgebilde einen wichtigen Anlheil.
Die Verbreilung des Tertiiir auf dem nordamerikanischen Continente ist
cine \\eil einfachere und leichter zu Ubersehende. Es bildet die schmalen
iliicluMi KUstenstriche des atlaulischen Oceaues von der Nahe von New-York
aus (lurch New-Jersey, Maryland, Virginia und die beiden Carolinas, wendel
sich dann direct urn die sUdlichen Auslaufer der Alleghanies, breilel sich aus.
•192 VI. Ilistorisrlit' (i
bi|det den Untergnind eines grossen Theiles dci- Staaten (ieoruia. Alabama.
Louisiana mid Texas, mid ziehl sich den Mississippi entlani: in nbrdlirher Hirh-
tmiii his zu dem Theile des stidlichen Illinois, wo Ohio und Mississippi zu-
sammenfliessen. In ganz iihnlicher Wcisc bildel es die den Staaten Arizona,
California mid Oregon angehOrigen Ktislenslriche des stillen Oceanes. Im In-
nern des Continenles finden \vir keine marinen. dahinizeiien selir au«j_'edelmte
brakische und Sdsswasserablagerungen von terliiirem Alter. Dieselben nelnnen
weite Areale am Oslabhange der Rocky Mountains ndrdlich und sUdlich vom
oberen Missouri ein, sind nanientlich in den Mauvaises Terres am White River
ausserordentlich reich an Siiugethierresten, so an solchen von Mastodonten,
Rhinoceros, Elephas, Cervus, Equus uud mehreren Arten des Katnels.
Eili ganz besonderes Interesse haben die Tertiarablagerungen der arkli-
schen Gegenden. Gr on land, heute zum grbssten Theile von Gletschern be-
deckt, besass noch wiihrend der Tertiiirperiode einen so tippigen Pflanzen-
wuchs, dass sich dessen Reste zu bis 3 Meter miichtigen Braunkohlenflol/.eii
anhaufen konnten. Eine Anzahl der damals in Gronland einheimischen Pflan-
zen, so Sequoia-, Taxodium-, Quercus-, Juglans- Arten sind identisch mil
miociinen Fornien Deutschlands und der Schweiz. Ebenso erzeugten Inseln
des arklisch-amerikanischen Archipels, Nordcanada , Island, die Baren-Inseln
und Spitzbergen wiihrend der Tertiiirzeit eine kraftige Flora, \velche Ahnlich-
keit mil der miociinen unserer Breiten hat. Aus dem frilher Gesagten siehe
pag. 461) wird es freilich wahrscheinlich , dass diese arktische Pflanzenwett
alter als unser mittel- und slldeuropaisches Miocan ist, da sie auf ihrer durch
die Abkilhlung der Erde bedingten, nach dem Aequalor gerichteten Wanderung
erst dann nach stidlichen Breiten gelangte, als sie bereits lange Zeit aus der
Polargegend verdrangt war. Es steht jedoch fest, dass in den alteren Zeitab-
schnitten des Tertiar in den arktischen Regionen ein Uppiges Pflanzenleben
gedeihen konnte.
Die Lagerungsverhaltnisse der Tertiarformation sind in dem bei Wei-
tem grbssten Theile ihres Verbreitungsgebietes die ursprUnglicheu, also flach
t«llerfbrmigen geblieben, hbchstens sind in Folge des Austrockenens, der Zu-
sammenpressung und somit Volumenverringerung \\asserreicher , lockerer
Schichtensysteme und in Folge daraus hervorgehender Senkungen und Spalten-
bildungen Verwerfungeu, Knickungen, Biegungen und Stauchuugen der dar-
Uber liegenden Complexe eingetreten. Ganz anderer Art aber sind die La-
gerungsverhaltnisse der Tertiarschichten, welche in dem Bereiche der inten-
siven und unregelmassigen Hebungen zum Absatze gelangten, aus denen im
Verlaufe der Tertiarzeit nicht nur die hbchsten Gebirge Deutschlands, sondern
tlberhaupt des ganzen Erdenrundes hervoi-gingen. Eines der grossartigsten
Beispiele der Wirkung vulkanischer Krafte wiihrend verhallnissmiissig jiingster
Zeitriiume liefert die Betheiligung des Tertiar am Aufbaue der ndrdlichen
Alpcnkette. An diesem haben namentlich die Schichten der eociinen Gruppe.
di<- Nummulitenkalke und der Flysch, aber auch die der Molasse theike-
nommen und sind durch die emporgedriingte Cenlralkelte der Alpen nichl nur
aufgerichtet und gefaltet, sondern ilberstttrzt, durcheinander geworfen und bis
VI. Ilistonsrlx- C.rnlo^ie.
/u mehr als 3000 Meter Ubcr den Meeresspiegel gohoben worden. Die <",ipfel
des Dent du Midi, des Niederhorn. der Ualligsto'cke, der Diablerels, des Griin-
ten. des Rigi, des Speer u. a. beslehen aus tertiiiren Gesteinsmassrn.
noc-h merkwttrdiger sind die Lagerungsyertjaltaisw der subalpinen Tertiarzone,
seiche .lie llod.ebene und das Hugellaiid im Norden der Alpen znsannnen-
set/t. \\alirend nehiulich die Molasseformalion in grosserer Entfernung von
dein Hochgebirge zietnlich horizontal gelagert ist, so zeigt sich in dein Abstain!.'
\<»n etwa einer Meile eine antiklinale Knickung, also ein giebelformiger Sattel,
weleher vom slidlichen Bayern aus durch die ganze Sehweiz verfolgt werden
kami. Der nach SUden einfallende FlUgel dieser Antiklinale schiesst steil
.inter die Kreide und Jurakalke der nttrdlichen Voralpen ein. Diese Erschei-
1111111- liisst sich nur durch die Annahme eines von der'Centralzone der Alpen
ausgehenden Druckes erklaren, in Folge dessen die bis dahin flach gewolbten
Kalkschichten der nOrdlichen Alpenkette eng zusamrnengepresst und uber die
davor liegenden tertiiiren Kiistenbildungen gesehoben \vurden.
Auch in den Pyreniten sind eoeiine Schichten ini Vereine mil der Kreide
\on ausserordentlichen Hebungen betroffen worden und steigen zu so bedeu-
l.-ndfii Hbhen empor, dass selbst ein Theil des hochsten Gebirgskammes , der
'IVcmiuouse, der Mai-bore (10,584 F.), sowie der Mt. Perdu (10,676 F.) aus
ihneii bestelit. Da die Miociinablagerungen am Nordabhange der Pyreniicn
horizontal auf den steil aufgerichteten Eocanschichten liegen, so muss die let/le
und z\\ar bedeutendste Hebung des Pyrenaengebirges in die Zeit zwisehen
Knrim und MioeiSn fallen. Endlich ist auch die Schiehlenstellung der cociinen
(lesteine in den Kaipatlu'H dun^hgiingig eine steile und so mannigfarli gesliirle,
dass die ursprUnglich regelmiissige Aufeinanderfolge der einzelnen Gliedei- /u
erkennen nieht moglich ist.
Arulkanische Ei-scheinungen wiihrend der Tertiiirperiode. Im Ver-
laufe der triassisclien, jurassischen und eretaci'ischen /eitalter fanden Dmrli-
l.riiche gluthllUssiger Gesteinsmassen nur ausnahmsweise statt und waren dann
anf \crhaltnissmassig kleine Territorien beschrankt. Anders in der Tertiiir-
periode. In ihrem Bereiche ist die Erde fast Uberall der Schauplatz gross-
arlig«-r \ulkaniseher Eruptionen gewesen, deren Producte durch ihre enge Ver-
knilpfung mil der sedimenliiren Schichtenreihe und ihre allgemeine Verbreitung
an die gan/ iihnlichen Krscheinungen wiihrend der iilteren palaeozoischen und
der diassisclxMi /eitalter erinnern. Die Eruptivgesteine dieser Perioden waren
Diabase und darauf Porphyre und Melaphyiv. die des Terliiir sind die
TrarliNtr und Basalte. Mil ihnen beginnt die grosse Reihe jener eruplixen
Bildungen. welche durch die gauze tertiiire Periode hindurch bis auf den heu-
tigen Tag aus dein Erdinnern hervorgetreten sind; die Laven und AuswUrf-
linge unserer Vulkane schliessen sich auf das innigste an die Eruptionspro-
ducte des Tertiiir an.
Die petrographischen Verhiillnisse der Trachyte und Basalte, sowie der
trachytischen und basaltischen Uiven sind in einem frUheren Abschnitte, in
der pelrograph. Geologic sub 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, •",:{,
54, -••)") niid 79: ihre Lagerirngsformni in den Ca])iteln Uber archilekloniscli.-
494
\ I. Ill-tin i-rlir
Geologic p.m. ;>57 bis :?.">! ; ilnv Eruplionserscheitrangen in dcm Absclmiite
ilbcr dxnamische Geologie (pag. 116), ihre Beeinflussung dcs henachharlcn
Nebengesteines in dcm 1'aragraphen fiber Gontactmefamorphisnius pag. I'-'i
abgehandelt \\orden, es blcibl soniil nur iibrig. die Verbreilung dieser Ge-
.slciiisgriippen in ganz kur/en Unirissen an/.ndeuten.
Als uns x.nniiclisl liegend /.ielit die ce n I r;i I e u ro p ii i s c he /one von
terliiiren Erupli\ges(einen unser H;iii|)linleresse auf sich. Dieselbe beslelil ;nis
folgendcn Gruppen \on vnlkanisehen Produclen . \\elehe in Hirer Gesamtnlheil
eine ausgcdelmle, iin flrossen und GnnzcMi von Weslen nach Osten izerichleie.
einslni;dii;e Vulkanon/one reprjiscntirt :
1) Die Masidt-, Trachyt- und Phonolithkuppen, so\vie die rinpforniiiieii
o«ler seillicli iieolVnelen Stratovulkanc, die Schlackenberiie. die /nin Tlieil \on
\\ ;isser pofilllten Maare, sowie die Lavaslrijnie der Eifel, dei'en Malerial die
Seliielilen dcs Devon und des stelleimeise horizontal dariiber izelaiierten Bunl-
saiidsteiiies durchbrochen hat.
2) Die Kuppen von Noseanphonolilh, die Kralere, Sehlackenber;;e und
LavaslriJino, die TufTbildunijen und Aus\\ tlrdiniie der Umgebuntz des Laa-
cher Sees. Dieses ausgezeiehnele Vulkanengebiet verdient ein elwas niihe-
res Kingehen. Es besitzt einen ungefahren Durchmesser von 2!/2 Meilen und
\\ird durch seine grosse Zahl wohlerhaltener Slralo\ulkane and Schlaekenberge
eharaklerisirt. Diese umgeben den Laacher See von alien Seiten und sind auf
die, jedoeh bereits lange Zeit vor ihrer Eruption sleil auf;zerichteten Schichten
des Devon aufgesetzt. Sie bestehen, wie dies z. B. der Bausenberii lloch-
sininier und die Kunkskopfe in hb'chst instruotiver Weise erkennen lassen. aus
aliueehselndcn , rohen Lagen von groberen oder feineren Auswilrflingen, von
der gewaltigsten Bombc herab bis zum feinsten Schutl, vulkanischen Sehlaeken
und Laven, besitzen zum Theil scharfrandige, seitlich geoffnete, steile Kraier-
kessel, aus deren manchen Lavamassen geflossen sind und sich ••ntweder
Fig. 307. Profil dea Hochsimmer-Vulkanes und seines Lavaatromos.
a Devonische Thonschiefer; b Braunkohlc; c Hochsimtncr-Ynlkan ; d Lavastrom.
stromartig bevvegt oder deckenarlig ansgebreitet haben (Sielu- Fig. M7). An-
dere der dorligen Vulkane sind kraterlose, kegel- oder rtickenformige Schlaeken-
bei'ge so der Herchenberg und Langenbei'g), \velehe jedoeh ebenfalls. wie der
(lainillenberg, mil Lavaslroinen in Verbindung slelien konnen ; und endlich noch
andere sind homogene Kuppen von Noseanphonolith (Olbrtlck ; Schilkopf). Als
.Maare betrachtet man den Laacher See und das Kesselthal von Wehr, deren
ersterer geschlossen und daher mil Wassei' gel'ullt ist. \\iihrend letzteres einen
nalUrliehen Ablluss und deshalb nur einen sumpfigen Boden besit/.t. Eine
grosse Ausdehnung und Miichtigkeit erreiehen die Tuffbildungen im Laacher
Territoriuni. Es sind dies Sehlaeken-. Traehvt-. Birnsstein- und Leuciltufl'e.
VI. Hislorisdie Ueolo^ie.
das
Fig>m Profi, durcll ,,as BrohUi,ai.
n prvonischo Thonsehipfer; b Trass- (I)nrk-
stein-) Torrassen.
Krstere bestehen aus ineisl losen kleinen Sliickchcn \on pordser . blaster
Sohlaeke mil y.ahlroichon Auuilknslallen , (iliininerlafeln , sellencr mil Olivin
ndcr Hornblende, umsehliessen >or»lasle Urndisliieke \<m devonisehen Sdiie-
I'ern inul Sandsteinen, sow ie (Jranil und Gneiss, und weeliseln mil dUmien
Lageii erdiuen, liehtgelarblen Tulles. Spiiteror Knlstelimig als dieso sind die
Bimssteintuffe und I.eueiltulle. Lel/tere haben ihiv HaiiplvcrlnviUiii- jiuf dcr
Iliilic dcs F.JUK-IHM- Dcvon-PlakNius, rrstorc hiniii^on (Trass -cnannl) liildcn
\.nv.iliilich imuM-lialh d.-s N(>llclliaU\s . drs Hrohltlialos und seiner Nchcnthiilcr
Ablagerungen, \\rlclir dir Thalsghlo in lu'dculcndcr Marhliirkcil hcdcckcn. Da
jcdocli das Kaclihrtl in sic ciniicschnitUMi ist,
Uvtrii sic nur in Form holier Terrasson an
don hoidcrscitition Ablianiicn auf (siclu- Fiir.
:?C-s .
tlbcr die ZciU-n , in \vclclu> die vulka-
nisrlitMi Kreiiinisse dcr Laachcr (legend fallen,
konnen kcinr /weifel obwallen, da di
(lorli'-e Devon local ilberlanernde
Hraunkdhlc von den vulkanisclu-n Produclen
diiivhsi-1/.l und l.cdcekl \vird, da fcrncr in den LeueiltuiVen Abdrilcke von millel
lertiiiivji PHan/en erhaltcn sind. die unteren Schliickenlulle von Loss ilberljii»erl
NNcnlcn und endlirh die Hiinssleintuffe auf "LOss aullie-cn und mil ilun wcd.scl-
lap-ni. Nirin-nds isl jcdoeh ein Lavaslroni bckannt, dor auf Liiss au(lie-t, so dass
diellilduiii; der Sdilarkenkralereund Lavastrome in die Zeit zwisclienOliiiociin und
den Liiss, die der Trachyt-, Leucit- nnd BimssteintulFe hingejion in die Abla-
izeruiiiis/.eil des Loss /u fallen scheinl.
3) Das Siebengeb'irge, eine zusammenhiinuende Gruppo von Tradi>l-.
IMionolith- und Basaltbergen, welche von Tuffen, sowie von Basalt- und Tra-
(•liNlnmL-lonierat b.-iileitel werden, wiihrend sich auf der -e-cnilberlie-endcn
Soile di-s Rheinos hinter den Basallfclsen von Rolandseck cin llacher. ausue-
y.»-iehn.-l rii^lnrnn-cr Kraler, der Roderberg, auf von devonischen Sdiiehlen
und RlieinizerollaMaucrunizen iiebildelein Uiiteriirunde erliebt.
4) Die /ahlreirhcn Tradi\l-. IMionolith- und Basallberfje des Wester
\\ aides, weldic iihnlich wie im Sieben-cbirge von Basalt- und Trachyleon-
i:loineralen uniueben \verden.
5) Das Voizelsiiebirge. ein ilber 40 (Jua<lratni(>ilen grosses llochplaleau.
aus terrassenfonnig Ulu-r einander ^elaiiertcn Hasaltdecken aiifgebaut , welche
/uineiM auf Trias, xuin Theil auf der Braunkolilc der Wellerau aufgelagerl
sind. NOrdlidt \on ihnen set/en basaltisdie (lesteine in isolirlen Kuppe.n
bis zuin
(5) Habichls\\ald und Meissner fort. Besonders inslructiv ist das
Auftreten <L rsclben am Meissner. Hasalle, wiederum durchsctzl von noch
jttngeren, grobkiirniiien Doleriten , bilden dort eine liber 100 Meter iniidili-e
Dccke ilber einein Braunkohlenlldt/c. Dasselbe hat im Conlaclc mil dem ba-
saltisdien (iesteine cine steniielige Absonderung und eine Umwandclunii in
Anlhracil crliltcn. Als die niirdlidisleii Vorposten des Basalles in Deuls.'hland
I '.Mi
\ I. llMoi i^rlir (icolo-ic.
sind die Kuppen /.ii er\\;ilinen, \velche derselbe ,un Sollinger Walde norduesl-
lich von Gb'ltiimen bildet.
::
Fig. 3t>0. Profil des Meissners in der Richtuug von West nach Os t.
bS Buntsandstein : 6.V Buntmergel; MK Muschelkalk in drei Abtheilungen ; T Braunkohlenformatinn ;
D Dolerit und Basalt.
7) Die Rhb'n. Ostlich vom Vogelsgebirge bilden auf triassisehem Unter-
grunde isolirte Kuppen von Basalt gemeinschaftlich mil Phonolith (Milzeburg ,
trachytisrhen Gesteinen und Rasalttuften (Eube), die von SUden gegen Norden
gerichtete Kette der Rho'n, deren geologische Fortsetzung sich in Geslalt cin-
/.clni'i- Rasallkuppen und -Gauge bis in di(> Niihe von Eisenach PflasterkauU-
rrstivckt und soinil an den sddlichen Fuss des Thilringer W aides an-
schliessl. Diesen entlang selzen isolirte Basaltkegel (Dolmar, Gleichberge) und
Hhonolithkuppen (Heldburg) bis an das Fichtelgebirge und (ll)ei1 dieses
hinweg iibcr das Erzgebirge und durch die sachsisch-bb'hmisclic Scliweiz forl,
und stellen dann die Verknilpfung mil dem grossen vulkanischen Gebietc des
nordlirhen Rohniens her.
0 Das nordliclie Ro'hmen. In der Gegend von Kger mil dem
Schlackenberge des KammerbUhl l)eginnend, nehmen Rasa He und Phonolilhe in
der (iegend osllich von Carlsbad einen ansehnlichen Fliichenraum ein. Viel
inauuigfaltiger jedoch wie hier erscheinen die vulkanischen (lesleine der
Tertiiirperiode im bbhmischen Mittelgebirge entwickelt. Ks sind Phonolithe.
Trachyte und Basalte , sowie Rasaltcongloinerate und Tuffe, welche an der
Zusanunenset/unii desselben Theil nehmen, die Rraiinkohlenformation des
l)iihinischen Reckons durchbrochen , gangformig durchsetzt,. dadurch zu inter-
essanten Conlacterscheinungen Veranlassung gegeben und sich zu imposanten
glockeuformigen Doinen (Milleschauer, Kletschenberg) aufgethiirnit oder decken-
artig ;iul dem Tertiiirsandslein ausgebreitet haben.
9) Durch das Lausitzer Gebirge (Phonolithkuppe der Lausdie.
Nephelindolerit von Lb'bau, Basalt bei Friedland selzen die lertiaren Kruptiv-
gesteine Uber das Riese ngebi rge bis nahe auf den Kamm desselben
(Rasallgange in den Schncegruben' bis nach Schlesien hinein , wo sie die
\ereinzellen Basaltkuppen bei Goldberg, Liegnilz, Schweidnitz und Oppeln
bilden. Eine Verbindung z\\ischen der mitteldeutschen vulkanischen Zone
und den vulkanischen Gebielen stldlich von den Karpathen \\ird durch zahl-
lose, das Neocom und Eociin der Nordkarpathen durchsetzende Teschenit-
Durchbrliche vermittelt.
10) Die vulkanischen Gebiete Ungarns und SiebenbUrgens gehbren
namentlich der Gegend von Schemnitz und Tokay, tier Malra und dem sieben-
bilrgischen Er/gebii-ge an. Sie /.eichnen sich durch die grosse Mannigfaltigkeit
VI. Ilistorischc Geologic. 497
ilnvr tr.iclntiselien (iesteine ;ius . unter denen die Andesite und Quarztrachyte
.11,' l.edeutemUe \Yrbrrituni: besit/en. An die Abfiille und Flanken der von
denselben -ebildeten Ber-r lehnen sich Hugel von Liparilen an, welehe
\\iedermn von Perlit- und Obsidianstromen und -Decken begleitet werden.
Trachvt- und Kiinssleintulle und -Conglomerate umlagern dieselben und breiten
sich in der Ebene aus, wo sie Abdrucke von oligociinen Pflanzeu, ferner Holz-
opal, sowie BraunkohlenflOtze umschliessen. In den Trachyten SiebenbUrgens
set/en -old- und tellurfuhrende Giinge auf, so bei Nagyag und Oftenbanya.
Die An^clioriuen dieser trachytischen Gesteinsgruppe haben in Ungarn und
Sirbrnbilrgen die horizontal liegenden Schichten des Eocau durchbrochen und
werden selbst \vieder vom Basalte durchsetzt.
Ausserhalb der mitteldeutschen vulkanischen Zone liegeu im sUdlichen
Dentsehland zerstreut: die Nephelindolerite des Katzenbuckels im Oden-
\valdr; die Sanidin-Oligoklas-Trachyte und Phonolithe des Breisgaues, wo sie
im Kaiserstuhl mitten aus der Niederuug zwischen Schwarzwald und Vogesen
lit>r\oitivicn; die Nephelinbasalte und Phonolithe (Hohentwiel, Staufcn und
Ilolu-nkriihen) im Tertiiir des Hegau, begleitet von Conglomeraten uud Tuflen,
U'tztt-re mil miociinen Pflanzenresten ; die Basaltkuppen der rauhcn Alp und
die Spuren edit vulkanischer Thatigkeit (namentlich Bomben und Tufle) im
Bieaibei Niirdlingen.
An dieser Stelle kann nur angedeutet vverden, dass die vulkanischen Ge-
l.i.-tr von Central - Frankreich (Auvergne, Velay, Vivarais), die erloscheneu
Vulkane Gataloniens ebenfalls tertiaren Alters sind und dass der Beginn der
\ulkanisclnMi Erscheinungen der apenninischen Halbinsel, Siciliens und Grie-
rlH-iilaiuls in die tertiiire Zeit fallt. Derselben Periode gehoren die Eruplionen
an, aus welchen die nordische vulkanische Zone hervorging, die sich von
Ciriinland aus uber Island, die Faer Oer und Shellands-Inseln bis nach Nord-
scliolthind, die Hebriden und Irlaud erstreckt. Kornige Basalle, also Ananu--
sit«- iiinl Dolerile, walten hier vor, sind von Tuflen und Conglomerate!! begleitel,
hildcn \u-lfach ucdiederte., gewaltige Systeme von tlber einander licgi-ndiMi
l).-(k»>n, zeichnen sich uberall durch ihre prachtvolle saulenfonni^' Abson-
dciiini; ;ius, Uberlagern an vielen Stellen horizontal gelagerte Braunkolilcn und
iibrrhaupl Terliiirschichlen, und werdeu von jUngeren Basiilt-, zum Theil anch,
so juif Island, von Quarzlrachylkuppen und -Gangen durchsct/t.
Die in ihivr Ausdrhnung ohne ihres Gleichen daslchende Zone von zum
urnsM-n Tin-lit? jelzt nodi tliiitiu«'n Vulkanen, wclche sich t'Urlcinirmig rings urn
drii stillen Ocoan zieht, beslflit nelien den neueslen Produclen vulkanischer
Thiiliiikril ;ms den niiinniirl'alli^slen traclijtischen und basallisclien (lebilden,
deren Krtiplion in die Tertia'rzeit liinein reieht.
Das Diluvium.
G«>g«Mi den Schluss des lerliiiivn /rilallrrs li;iUe sich die Mrraiisbildiing
der Klinia/.oiien. iihnlich \\ie solche henle nnsern Krdball in fast paralleleu
Hiindeni uniiiilrlrn , voll/ouen. Die (Irenzen der Tertiiirperiode und der .let/t-
Creduer, Element*1 d. Oeologie.
VF. Hi-lorisc-he
zelt wtlrden lilterall \er>ch\\ immeii . \\ie es /.. H. irn Siiden I'iictiscli der hill
1st. wenn die damage Yerlheilunjz von l.;m<l und Wasser iiiclil uanx. eii:en-
thilmliche Erscheinungen in den nordlichcn Hreilen des damaliiien Europas mid
Amerikas /ur Folue gehabt halte. Der lirb'sste Theil (ier nbrdlichen HalbkuL'el
\\ar nnch \on NVasser bedeckt. Von dem jetzigon Europa raute nur (lessen
cenlrale 1'arlie . \<>n N'ordamerika aucli nur ein geringer Theil Uber den Mee-
resspieuel liervor. Bei der Seheidung der klimalisehcn Verhaltnisse am Schlusse
der Tertiiirzeit bcthiitigte sich dieses Uberwiegen der Wasserfliiche ttber das
I cstland in der Weise, dass die kalte Zone auf Kosten der geinassiutcn eine
grb'ssere Ausdehnung erlangte, als sie jetzt besilzt, dass also damals auf der
nb'rdlichen Hemisphare ahnliche ' Bedingungen und Verhaltnisse herrschten , vvie
heute auf der sildlichen , wo z. B. in Stidamerika Gletscher in der Breite \on
Genf bis in das Meer vordringen, wiihrend sie in den Alpen nicht unter iniio
Meter Hb'he hinabsteigen. Die Zeit, in welcher die nbrdliche kalte Zone in
sildlichere Breilen reichte, als heutzutage, wird als Eiszeit bezeichnet.
Europa halte damals die Gestalt einer schmalen, von Ost nach West sich
erstreckenden Insel, wiihrend sich Nordamerika als ein langgezogener schmaler
Landslrich in nbrdlicher Richtung Uber den Meeresspiegel erhob. Das ilbrige.
mehr als die Halfte beider jetzigen Continente, war noch vom Meere iilier-
fluthet; von Europa waren es namentlich die nbrdlichen Territorien, welche
erst spa'ter Uber den Meeresspiegel gehoben wurden, so dass sich vor Allem
Norddeulschland, Holland. Diinemark, Polen und Nordrussland noch unter Was-
serbedeckung befanden.
Das siidliche Ufer des nordeuropiiischen Meeres der Eis/eit . alsi> die
nijrdliche Kiiste des damaligen europaischen Continentes, lasst sich mil y.iem-
licher Sicherheit festlegen. Von Calais aus zieht sie sich durch Belgien in der
Richtung nach Bonn zu, wendet sich dann nordbstlich durch Westphalen und
das siidliche Hannover bis zum Nordrande des Haraes, schlingt sich um diesen
in siidwesllicher Richtung herum nach Thilringen hinein und bildet hier einen
tielen Busen. Von hier verliiuft sie ziemlich genau ostlich durch Sachsen . bei
Gi-inmia , Wurzen und Dresden vorbei , den Fuss des Riesengebirges und der
Sudeten entlang, durch Polen und Russland bis nach Tula, also slldlirli M>H
Moskau, dann wendet sie sich nach Nordosten, bis sie das Eismeer am nord-
lichen Ende des Uralgebirges erreicht.
F"asl alle die Theile Europas. welche nb'rdlich von dieser Linie lieiien,
\\aren vom Ocean bedeckt. Der letztere stand somil in umnittelbai-er niiKl-
licher Vei-hindung mil dem hentiuen Eismeere, so dass von dort ausgeliende
Slrrtmuniien die damaliiie. also mitteleuropiiische Kiiste direct bespiilten . l;.is-
berge und Eisfeldei- an dieselbe antrieben und iiberhaupl die Temperalur die-
ses Meeres und der benachbarten Kiistenslriche bedeutend erniedriizten. ("l»er
den Spiegel dieses Oceanes erhob sich niirdlieh vom damaligen europiiisrhen
Continente nur eine Insel: Skandinavien, aber nicht in seiner jetzigen Gestalt.
sondern von Gletschern hoch bedeckt. Machtige Gletscherniassen schoben sich
\<>n dem Hochgebirue N(ir\\euens durch Sclmeden der MeereskUste /.i\. beladen
\nu Sclmtl- und Felsbliicken . \\elche \on den sleilen Herizesahhiinizen auf den
VI. Historische licoln^ic. 499
(iletscherriicken goliir/.t \\aivn. Die (iletseherenden erreichlcn. langsam voruiirts
riickend. das Mecr mill >dioben sieh cine Streckc \\eit in dassclbc liinaus.
his sic sieh von der llauptglelschermasse losliislen und sicli in (leslalt aus.-e-
dehntor Kisfeldor oder holier Eisbcrgo frei auf dem Oceanc y.u besM-en bo-
nannen. Bald aber bomJichtiglon sicli ihrer die nondischen Slromungen. wok-he
diosolbon IMS an die vorliin feslgelegto Kilsto Europas triebcn. \\o sic slran-
dclcn. llicr sclnnol/.rn sic und licsscn ihrc (icslciuslastcn, \\clclic sic von
SkamlinaNicn aus iil)cr das Mecr uc!»raclil. /u Boden sinkcn. .Jeder cin/elne
dcr cl>cn cr\viihnlcn Yortsimiu.1 hat sprechendc Spnrcn liintcrlassen. Die Glet-
sclicr Nm-NM-i-rns lnd.cn die Ihalsohlcn und (n'hiini;c jilall poliit und auf dcin
I'cls-rundc die Uichtunir ihn-r Bevvegunti mil scharfen Linien cingeritzt, ebenso
die mil dcr Stroiiiunji treibcnden oder strandenden Eisberge auf den I'clsen
dcr Inlieren oder dor Kiiste. Die von den schmelzcnden Eisbcr^en auf den
.Mc.Mvsurund vorscnklcn (iosteinsstiicke haben \vir ihrcr inincralouisclicn Xusain-
inensel/uiiL:. ihrcin iian/on pclrouraphischcn Habitus und ihrer Versteinenm^s-
filhrunii nach mil Sicherheit als skandinavischcn und nordischen Trspruniis
erkannt. Sie liegen jetzt als erratische Blocke und Geschiebe in dem
-an/on, \\.ilirend der Eiszeit voni Meere bedeckten Nordeuropa zerstreut. Das
\o\fr hat sic als FrenuHinge erkannt und ncnnt sie, da es nieht weiss, woher
sic stainincn. Kindliniisblocke.
Can/, ahnliche Ersohoinuiiiion, wie die eben kurz geschildcrten, bethiitiiitcn
sieh \\iihrend dcr loiszeil an der NordkUslc ' des damaliiicn n or da mcri ka-
nischen Continentcs. Wie von Europa, so stand aucli mclir als die Ilidlle
von Nordainerika widircnd der Eiszeit unler Wasserbedeckunu, nur rci.-hle das
nordamerikanischc Kismeer \ icl weitcr siidlich hinab als das nordeuropaische,
nchinlich bis in die Breite von Sicilien. Die nordliche Kuslenlinie dcs dama-
ligrn Nonlaincrika lauft von da aus, \\o heute die Stadt Baltimore stcht, in
\\cstli.hei- Richtung bis zum Mississippi und \\endel sich dann, dem Fussc dcs
l-'cl.sonizobiruos parallel lanfcnd, uord\\cstlieh, bis sic nahc dcr Creii/e des fril-
hor riissisrhen Amerikas das Eismocr ornMohl. Allcs nordlieh und osllieh von
dicscr l.inie Liegende \Mirdc bis auf isolirle, mil (detschei'inasscn bcdcckte
Ins,- In MIIII Meere der Eis/cil iieiien HXIO Mcl«-i hooh iibcrlluthet. Audi auf
ilmi lunimeltcn sich mil nordischen Felsblocken und Sohullhaufen bedecklc
l-'.isbci-Lic. sdilill'cn mil Iliilfe an ihrem lioden lostgofrorcncr (iesleinsbrudisliickc
den folsis-on (Irund der rnliclcn izlatt. slrandelen dann und bestiviilcn den
daiiialigon uan/cn Mcercsbodcn mil uiiziililigen erralisdien Hlockcn son oft ui-
uanlisdien Dimcnsionen. Abcr nidil nur das niirdlidi, auch das siidlieh \oin
jrl/.i-rn amerikanisduMi Contincnlc sich ausdehncndc Mecr bedecklc \\iihrcnd
del' Kis/cil \\eilc l.aiuMrichr. die erst spiiler liber den Aloi-resspiogol goliobon
\Mirdcn: so die brcilen Kiislen/.oncn dcs Allantischcn Occanes und des Me\i
canisehcn .Mecrbuscns. Im jcl/i-en Mis.sissippillialo reiehlc es nbrdlidi bis last
/u dem I'unkte. wo sieh der Ohio in den Hauptslrom Nordanicrikas cruiesst.
Freilidi \\aren diesc sildlichen Mccre keine Kismccre Ncucslc rnlcrsudiuni;cn
machcn cs sugar \\ahrschcinlidi. dass ein grosser Thcil Ccntralamcrikas nodi
MIIII Wasser bedeck! \\ar. «lass also cin direklci' Ziisamiiienliaiig /.\\isdien dem
;")()() VF. Historische
Allantischen und Stillen Oceane staUl'and. In der alien Welt sehen \vir cine
iian/ analoge Krscheinung, indem sich fiber dcr heutigen Wiiste S;ili;ir;i cin
\\eites Mccr ausdehnte, d;is mil dem Allantischen in einem wesllichen Zusam-
menhange stand und vom Miltelmeere nur durch das Allasizebirge gelrennt
\\ar. Kndlich vvaren die sveiten Sleppon dcs asialischen Russlands zwischen
I'm I und Altai von eincr sUdliclieu Forlselzunii des Eismeeres bcdeckt, welchc
\viederum durch das Schwarze Meer mil dem Miltellandischen Meere in Ver-
bindung stand. Europa vvie Amerik;i \varcn also vollstiindige, aber im Ver-
gleiche mil ihrer jelzigen Ausdelmung kleine Inseln.
So vollkommen verschieden von denen der Jelztzeil waren die Conturcn
der Continents wahrend der Diluvialperiode, aber auch das Innere des Fest-
landes bot ein unserem Auge fremdartiges landschaftliches Bild dar. Wiihrcnd
nehmlich das Tiefland und die Hochebenen bedeckt sind von moorigen Slimpfcii
und dichtem Gestrlipp, von Nadelhblzern und Laubwaldungen, und belebl sind
von riesigen Hyanen, Baren, Kalzenarlen, Elephanten und vom Rhinoceros.
die jedoch fiir ein nordliches Klima organisirt sind, slarren in Harmonie mil
dem arktischen Charakter der urngebenden Meere die Gebirge unter einer
machligen Gletscherbedeckung, deren Auslaufer selbst vveit in die Thalebenen
vorgeschoben sind. Augenblicklich sind es ja in Centraleuropa allein die Alpen.
welche echte Gletscher erzeugen ; wie ganz anders war jedoch der Anblick,
den die Schweiz wahrend der Diluvialzeil bot. Nichl nur, dass gewallige-
Glelschermassen die ganzen Alpenthaler ausftlllten, auch die flachen, heute mil
siidlrmdischer Vegelalion geschmilcklen Theile der Schweiz und der benach-
barlen Lander waren unler einer zum Theil ilber 1000 Meter niiichligen Kis-
decke verborgen. Auf der Nordseile der Schweizer Alpen tralen aus 6 Thiilern
llaiiptglelscher in die Ebene und breiteten sich dort weit aus. Die Ar\e -.
Rhone-, Aar-, Reuss- und Linth-Gletscher fullten das weile Thai zwischen dem
Jura und den Alpen bis zum oberen Kamme des ersteren, also bis zu l:JOO
Meier Hbhe aus. Der aus dem Rheinthale hervordringende Glelscher bedeckte
die Canlone St. Gallen, Zurich und Thurgau, filllte den Bodensee an und er-
streckle sich noch weit nach Bayern und Schwaben hinein bis nach der Donau.
So auf der Nordseite dcr Alpen; aber auch von ihren steilen Sfidabhttngen
sliciien I'.isstrome wenigstens bis zu den Thalmllndungen hinab, wahrend die
Hauptgletscher bis in die Poniederung, z. B. bis nach Solferino vordrangen.
\Vie die Alpen, so besassen auch die Pyreniien ma'chlige und ausgedebnte
(iliisilier. In Grossbri tann ien machlon sich ebenfalls GlacialerscheinuDgen
in gnissartigster Weise gcllcnd. Scholtland, Wales und das siidliche Irland
slarrlen miter holier fJlelsclierbedeckuniz. Dass auch Skandinavien rcich
;ni (ilelsi-liern \\ar, \\urde bcreils erwiihnl, und daraus schon geht her\di-.
dass dasselbe mil Island und Gronland der Kail izc\v(\scn sein muss. Auf dem
norda m ei-i k a n ischen do n I i n e n 1 e sind die (ilelscherersclieinmii:en noch
ucniLier ueiiaii \erfolizl, nur slehl fesl, dass die hoheren Particn des Alleirhany-
Systemes und die Sierra Nevada (ilelsclier
VI. Bistorische
Wenden wir uns jet/A zur kur/en Aufziihlung dor Spuren. \\clcho die l)i-
luvialperiode I auf don skandinavisehen uiul brilisehen Diluvialinseln, 2) auf
(Inn dama^on Mceresi.odon . *• [auf don Gebirgcn und in dom Flachlando
dor Continonlo hinlerhssen hat. Spurn., auf welehc die oben gegebene Skiz/e
Kuropas und Nordamerikas wiihrend dor Eiszeil begrtlndcl ist.
I Die Glacialerscbeinuugen auf den skandinavischeii und briti-
SChOH Inseln sind Ihcils Friclionsphanomene, thcils Glacialablagerungen. Die
Oberflache skandinavischer Landslriche, welche jelzl ganz glclscherfrei sind,
/eii-t sich an sehr /ahlrcichen und ausgedehnten Stelleu abgerundet und spie-
gelgteU licsrlilim-n und von dicht ncbcn oinander gcrcihten, parallelcn Rinncn
und I uirhou odcr feinon, wic mil Diamant cingcritzton Streifen bedcckt. Dic-
sclbcn sind, \vic \vii- dies pair. I Hi orliiutcrt habcn, hervorgebracht durch don
Dnick sich langsam f()i-(l»(-\N(>u<'nder Glctschcr auf die mil Schutt (Grundiuora-
n«-n bi'doi-ku- (irsicinsoborlliiche. Da die skandinavischeii Glelscherstreifcn in
-anz iK-sliiiiiiiUMi Hichtungen angeordnel sind und nur auf der einen (Stoss-)
S.-ilc dor nil-el odor Felskuppen, uber welche sic sich hinwegziehen, auftroton,
auf doui ontgeiiengesetzUm Abhangc (Leeseile) abcr fchlcn, so kann die Rich-
luiiii dor (Miislinaligen Gletscherbewegung keinem Zwcifel unterliegcn. Aus
solir /ahlroidion Hcobachlungcn hat sich ergeben, dass die skandinavischen
(ilotsflicr von inoliroron Ilauplcentrcn radienformig ausgingcn und in ihicr
(u'saiimillioil eine fast allgcmcine Eisdecke bildelen, welchc sich, iihnlich wic
uruoimartiir das Binncnlandcis Gronlands, allscitig nach Aussen bcvvcgte.
\\ic die heuligen, so dienten auch die skandinavischen Gletschcr als Trans-
poilniittol fur ('.osteinsiuassen, wclche sic theils auf ihrem Rucken trugen, theils
y.wisrhon sich und ihrom Fclsenbelte fortschoben. Ein Theil dcrsclben golanglc
mil dou sich spiitor als Eisbergc loslrennenden Glelschercndcn auf das Mcer,
die ilbrigen blieben beim Abschmelzen und Verschwinden dos Glctschcreisos
auf doin skandinavischen Festlandc liegen und bilden hier ausgedehnte (llot-
M lift al.lauorungen. Diese bedecken die polirtc und gerilzle Geslcinsober-
llaohe und bestehcn zu unlersl aus eincr Schichl von Scheuersand und
Schouergeschiebeu, also dcm Materialo, welchc vom Eisc gedillrkl und
in dasselbc eiugefroren Uber den Pels fortgeschoben wurdc und diescn scheuerlc.
Diosor mil Thonlheilchen gemcngte Glaoialsand, -Grus und -Schult ist, weil die
Vrrcisung eine lolale war, allgemoin \crhroilet und mil erralischen . auf dcm
Iliiokou der Glotsdicr iransporlirlon Hliicken Ubcrstreut. Nebon ilnu Irelen
.nisucdcliiilo Sciten- und Kndmoriinen auf, welchc sich die Abhiinge dor Thii-
Icr enllang ziehen (allo SoiUMimoriinon), oder und /war vorailglich nahc den
ThalmUnduiigcn ipior durch diesclben liindiiivlisol/.oii (l-jidmoriinen). Kino
uiussc Verbreiluni: besilzcn endlich die AblagiM-ungen von ulacialem Merge 1*
I oh in, Ab.siil/,0 der mil feincm, thonig-kalkigem Solilamme und Saiidkornohon
boladonon Glelschorxsasser. Alle diesc Erscheinungen weisen auf eine allgc-
meine Glclschcrbcdockun- Skamlinavicns hin, wclche, wie aus andcrei^ Beob-
achluiiLiou hervorgeht, an das Ende der Terliarzcil li<>l.
Auf die Periode der allgcmcinen Verglelscherung Skandinavieus folgle cine
solehe dor Senkung, wiihrcnd dcren das Festland zulelzl bis clwa 300 Meter
•>l>2 VI. HMm-iM-li.
unter sein jot/iges Niveau s;iuk. Hei diesem allmahliohon t'nterlaiichon waivn
die ^esamnilen Glelacherabbgenlngen des unler (his Wasscr sinkenden Landos
dem Spiele dor Brandling uuteruorfon und \\urd(Mi von dieser aufgevvuhll,
gerolll, nach der (in'isse dor Ge^lcinsbriichslueke geschioden und von .NYuem
in anderer tieslalt und . \usdehnung abgclagerl. So entstanden wallarlige . in
ihrom lunoren sohr hiiulig geschichlote Geroll- und Sandansammhmgon . I" for-
O
wallo As, Plural Asar), welche den Conturen Skandioaviens in den einzelnen
o
Stadien seines Scnkungsprocesses enlsprochen. Die llohc dieser Asar ttber den
jd/iiiiMi Meeresspiegel betriiizt xuin Theil 300 bis 360 Meter, ein Beweis fiir
die (Irossarliirkeil der Oscillationen , denen Skandinavien untefworfen \\ar.
(ileichxcilii: mil der Aufarbeitung der Gletscherablagerungen zu Ufervviillen ginj:
in dcr Niihc der damaligen Meeresktlste der Absat/ von Sanden (ilacial-
sanden) und noch weiter seewarts der Niederschlag von feinem Lehni ( Gla-
cial leh in) vor sich , vvelcher zonenweise durch Anhiiufung von Molluskcn-
ivstcn die Gestalt fo'rmlicher Muschelbanke annimint. Die in letzlercn vertre-
tcne marine Fauna besitzt einen nordischen Charakter.
Auf diese partielle Submersion Skandinaviens folgt eine Periode dor ent-
izegcngeset/ten Niveauveranderung, also der Hebung, die heule noch fort-
dauerl (siehe pag. 130). Das Hochplateau zwischen Wener- und Wettersee
taucht empor, dadurch \\erden diese Seen, in welchen noch heute Xaclikoin-
men von arktischen Krustenthieren leben, von ihreni bisherigen Zusammenhange
mil deni Oceane abgeschlossen und allmiihlich ausgesilsst. Die Arealo zvvist hm
\\rissem Meere und Oslsee werden trocken gelegt, letztere \vird dadurch zum
Hinnenmeer. Das Klima vvird milder, die bisherige arktischc Thienvell ziehl
sich mehr und mehr nach den Polen zurtick und vvird durch Rrprasenlanlc'ii
dcr Faunen gemassigter Klimata crselzt, deren Reste sich in den \\iihrend des
Iliirk/ugrs des Wassers abgeselzten braunen Thonen erlialten haben. Auf den
Kanun und an die Seiten der Uferwalle. die wieder ilbcr den Meeresspiegel
eniporlauehen, lagern sich neue Niederschlage der poslglac-ialeii (ieuasser ab
und iiberdecken dieselben manlelfdrmig, l)is die Conturen der skandraaviscben
llalliinsel allinahlich die heutigen \venlen.
Ganz iihnliche Erscheinungen . vvie in Skandinavien, spielen sich glei<-h-
x.eitig in Schottland ab. Gletscher riiekten von den centralen Hegionen dieses
Landes, wie die radiale Hiclilung der Glotsrherslivil'ung beweist, allseilig nach
deni .Meere /.u. I'nter dein Drucke der sich beucgenden ICisdecke \\in-de dor
Felsgrund al»ges<-hlitlen und polirl, vvurden die losen , oberdachlichen Ablage-
rungen iilleren Daluins abi'asirt und mil hinvNoggonoinmen , an ihre Slello Ira-
ton die Ihonigon Altlagorungon dor Grundnioriinon und isolirlo griissoro Hlocke.
Ho.slo der Landfauna Schottlands \\iihrond diesort (iletscher/eil sind uns nur
^•chr spiirlich iihorliofert worden : sie gehiiron deni Mammuth und dein Honn-
Ihioro an. Auf diese Vorglolsohorung folgto in Schottland. \\ie in Skandina-
\ion. eine IVriodo der Subinorsion . in Fnlge deren die goanunlt-n nioderon
l,.inds(ric|ic von (Miioni arklisohon .Meere mid desson sandigon AI>lagorung«M)
Itodockl \\urdon. \\iihrond die bor.uigon Plat<«aus als eishedcckle Inseln iil»er
den MeoresNpiegel i.i-tcii und oinon Archipei bildoton. Uber den el)en or-
VI. IlistiM-isclie (leoloiiie.
wahnten Sanden uelanulen machine Thone /u.u Xiedersrhlage, welche x.ahl-
reiche erratische BlOcke, aber last Die organise** Heste umfasscn. Wo solchc
j.-doi-h xorkumiiHMi. trageD sir fast stels eincn dmvliaus arklischen Charakler.
So rtamraen mis den (ilacialahlauenmuen an der MUndung des Forth und lay
35 Mollusken, welche jct/.l sammtlieh (so l,.-da trunca.a, Tellina proximo, Pec-
ten Groenlamfccus, Cmu-lla nigra) Bcwohner arktischcr Regionen, /. B. dcr
See n.n Melville Island und Spil/.bergen sind (siehc pag. 487 u. 188). Die man-
nen Muschelbanke dor Kis/eil erreiehcn rinr M.v.vsliiilic von 175 Meier. Mktfgl
1,,,-ann sich das Land son Neuoin /u hobon und /Nvar l.is /u cincr hodcnlon-
deren lli.l.o. als es j,-ut riimiinml. In Folge davon trat Schottland da.nals
einerseits mil d.'in europaischen Contincnle in V.-rbindung, anderorse.ts bc-
,1,.,-k!,- es sich /.tun /Nveitrn Male mil Glelschern. Seine heutige Meereshb'he
,m,l C.-slalluiii: Wlangte es n-sl narh Nvi.>derhollen geringeren Oscillationen.
\u«h die (irbi.-r von Wales und England warcn yergletschert und
bildolen selbstandige Cenlren fur allscitig ausstrahlende Gletschennassen.
Ebensowie Skandinavicn und Schollland, sankon auch dieso Aroalc untcr den
Spit^.-l eines arktisc-hcn Moon-s, urn 430 Meter boch von diesem tlberdeckt zu
wcrdcn, NNi«> «l«-ss,-n Nirderschlagc und organischc Rcste beweisen.
2. Die Drifterscheinuiigen im norcleuropaisclien Flachlande und
dein nordliclien Tlieile des amerikanischen Continentes, dem damaligen
diluvialen Meeresboden. l)i«> gan/o Olu-rllacho dor nordeuropiiischen
Kbonc von Holland bis nach Russland hincin wird von Sand- und Lchin-
srhi.l.t.-n gebUdet, in und auf wclchen Gesteinsblbcke eingebettet und zcrstivul
,iegep deren ll.-imalh Skandinavicn und Finnland ist. Sand und Lehin siml
Vbsatze der diluxialon Sec, die Blocke sind auf den Eisbergen, welche sich
von dm dir KUsten erreichenden Glelschern Skandinaviens loslosten, Uber's
Men- h-ansporlirl wordcn und beim Schmelzen der geslrandclen Eisniassen zu
Uo.lrn gesunken. Die Vcrbreilung der nordischen oder crratischen Blocke Uber
,|j,. Qordeuropaischep Flachlandcr kann durch einen grossen Kreisbogen un.-.vu/.l
ucdacht werden, in dcsscn Mitlolpunkt Skandinavien und Finnland liegen und
dcr cin Arcal von iibcr 40,000 Quadralmeilen umfasst. Die Blo'ck«> iin nord-
lirhm Hussland stanuncn aiis Finnland, die Polcns. sind mil schNVcdis<-hcn <io-
sl.-inm unlrr.nisrhl. die Norddoutschlands und Hollands sind sclmrdisrlirn.
danisrhm und russisch-baltischen Ursprungs. In ihrer iianzm Vcrbreitung
erreioben sie eine jelzige Meeresh5he von hochstcns 260, nur ausnahmsweise
, H. in ()b«-rs«-hl«-sim und in der Gegend von Goslar) 330 Meter. Ih.vr polro-
araphisehen Heschailrnlu-il nach sind sie theils knstallinischc Frlds].aihu«-si,M.,.-,
lh,-il> verslemerungsfllhrendfi K«lk- und Thon^-slrine. Unler crslcrcn isl das
|,,-i NNrilm. am hauliuslcn Norkommrndc dcr Gneiss: /u ihm i:rselll sich Gra-
nl(. |)inn,. ||(,rnbl.-nd.vschirlrr. Sxmil, Fclsilporph>r. Ouar/il, llx perslhmil n. ...
|),,.sc nnnliscl.cn Hli.ckc bcsitzcn /urn Thcil ucualtip- |)inicnsi.,ncn, —dcr Gra-
nilblork. auf wr.-hrm die Siiulc IVlcrs des Grossen Slehl, \\iei:! 30.001) Ccnl
„,.,-. die (iranilscl.ale vor dem Berliner Museum, welche 7,3 Meier im Durch-
.uesser l.esil/.l. uunle aus dem groSSten dcr bcidcu Markgnifen.sleine verfertigfc,
der aul den Haucuschen Beruen bei FUrsleiUNalde lag und Uber 8 Meier 3US
r»U 1 VI. Hislonsclic G
(Inn Mnden hervnrrai:le . dtT »grosse Stein « hei IV lizard in Ponunern 1st li
Meter Jang, 12 Meter breit und 5 Meter hoch.
Die verslcinerungsfilhrenden Diluvialgeschiel)e dor norddeutselien Ebenc
siud zuin Theil silurischen und devonischen Alters, xum Tlieil gehoren sic dein
Kohlenkalk, dein Jura, der Kreide- und Tertiarformation an, datieuen sind
d\;issi.se!ie und triassische Gestcine unter ihnen nicht bekannt. Unter den auf-
gcziihlleii Sedimentargeschieben siud gewisse silurische, nehnilich der Orlho-
eerenkalk , der Beyrichicnkalk und Gollander Korallenkalk die haufigsten und
,1111 weileslen verbreiteten , indeni sie ilber das ganze Diluvialgebiet zerstreut
vorkoninien. Alle Ubrigen haben nur eine mehr locale oder doch nur ilber
einen Theil des ganzen Diluvialgebietes reichende Verbreilung. Diese saniint-
lichen Geschiebe sind von ihrer nb'rdlichen ursprtlnglichen Heimath auf schwim-
nienden Eismassen in der Richlung von Nord nach Slid und von Nordost
nach Stldwest, nie aber in der Richtung von Nordwest nach Stidost fortbeweul
\vorden, so dass in Norddeutschland Sedimentgesteine norwegischen, englischen
oder schottischeu Urprungs nicht vorkommen. Die vorhandenen Silurgeschiebc
hingegen stammen aus Schweden und den russischen Ostseeprovinzen (der
Orlhocerenkalk von Oelaud, Ost- und Westgothland, die spongienreichen Silur-
kalke bei Sadewitz in Niederschlesien aus Esthland, die Calamoporen- und
llalysilenkalke , sowie die Beyrichienkalke von Gotland) ; die devonischen aus
Livland: die jurassischen aus den baltischen Gegenden zwischen Oder- und
Nienienmtlndung ; die cretaceischen (Feuersteine oft mil senonen Versleine-
rungen) von Rilgen und den danischen Inseln, wahrend die speciellc Heiin;itli
der Tertiargeschiebe (Slernberger Kuchen, Bernstein und verkieseltc llolzer)
noch unbeslininit ist.
Die Diluvialal)lagerungen der norddeutschen Ebene lasseu im Allgemeinen
:} Ahlheilungen erkennen. Sie beginnen rait einem feinen, Feldspathkorner fiih-
renden Sande , der im Durchschnilt 5 bis 7 Meter Machtigkeit besitzl, jedoch
liiiulig auf selbst weniger als 1 Meter Dicke herabsinkt und in der Regel keine
nordischen Geschiebe ftlhrt. Auf ihn folgt eine 7 bis 10 Meter niachtigc Thon-
oder Mergejlage, in welcher sich bereits zahlreiche erratische Blocke einstellen
und welche wiederurn von Sand bedeckt wird. Dieser ist ge\vohnlich nur
et\\;i I Meter machtig, gcht nach unten in den Thon ilber und ist die Haupt-
lagcrsUitte der massenhaftesten und grbssten nordischen Geschiebe. B(M seiner
sehr nnre^eliniissigen Machtigkeit schxvillt dieser obere Diluvialsand slellenxveise
bis zu gegen 100 Meter machtigen Anhaufungcn an. llbchsl auffallend ist die
Sellenheit organischer Reste der Diluvialgewasser in den Driftablagerungen NOrtl-
driiiseliliinds. Von eigentlichen marinen Rcslen sind nur gan/, verein/elte \Oi -
koiiiinen von Gardium edule und Buccinum retieulaluni aus der Umgegend \<»n
Brombcri; und Thorn bekannt;. Eine etwas grossere Verhreilung besil/en einiue
Sllsswasserconchylien, welche von den Diluvialmergeln hier und da umschfosseti
vverden. Nainenllich bezeichnend isl Paludina diluviana, welche sieh l>ei Berlin,
SperenheiL:. M;ii;deluirg und Halle a. S. gefundeu hat.
Auf dein jelzigen nordamerikanischen Contin e n te linden sich Dilu-
\i;il;il>lagerungen in ganz Ganada, Neu-England und Long-Island, von \vo aus
VI. llistorisrlir (ieolo^ie. r><>F>
sic sicli \\esl\varts Uher Michigan. Wisconsin and Miuesota his jonseits des
Mississippi ausdehncn uiul nach Siiden zu bis in das stldliche IVmisshania.
Ohio, Indiana, Illinois und .Iowa, also ungofahr l)is zum 39. Broilogrado reichen.
Sit- hedecken jedoch nicht nur das Flachland, sondcrn sleigen z. B. in Nru-
Kngland am Ml. Washington 2000 und an den Grcn-Mts. gegen 700 Meter
hoch. Alte FlussthiUer werdcn von ihnen vollkommen ausgefllllt, so dass die
Hiisse nichl solton aus ihrein frUheren Laufe vollsta'ndigt verdriingt wurdon,
\vie dies /. B. beim Niagara geschehen. Die nordamerikanische Drift besteht
aus Sand, Kies und nordischen Bldcken, von denen manche ein Volumen von
Uher 1000 ja 1500 Cubikmeter besitzen. Auch sic stammen aus einer nbrd-
licheren llehnath, \venn sic auch auscheinend nicht so wcite Wege zurUckge-
legt haben, wie die dor norddeutschcn Ebene. Auch sind versteinerungsfUhrende
nordisoho Geschiebe im Diluvium Nordamerikas nicht bckannt, dagegen machen
sieh auf diesem Continente Frictionserseheinungcn in um so grossartigcrer Weisc
geltend. Ausgedehnte Gesteinsfla'chen sind durch Wogen- und Eisbergeinwir-
kungt-n spiegelglatt geschlifFen , dann fein gestreift und lief gefurcht worden.
Die Oberflache gewisser Quarzitkuppen am Oberen See ist so glatt, dass das
(Johon auf dem nackten Fels beschwerlich lallt, Jedoch ist diese Polirung nur
anf die nbrdlichen Abhiinge und auf die Gipfel der Hugel, also auf die Stoss-
soilo derselben beschrankt, wahrend die stidlichen Abfiille rauh und zaokig
gehlieben sind. Ueber jene geschlifl'enen Nordabhange zichen sich. fusstiefe
und broilc Eisfurchen, oft eine dicht neben der anderen bin, welche duivh
ucsii-andele Eisberge, die von Ebbe und Fluth auf und ab bcwegt wurden,
eingesagt worden sind. Viel haufigcr noch ist die Erschcinung, dass feine, haar-
srliarfe parallele Streifen durch schwimmende Eismasscn, an deren Bodcn
eingcfrorner Sand haftete, in die polirlen Felsoberfllichen eingerilzt sind. I luc
Hichtung ist im Allgemeinen eine ziemlich glcichbleibende nord-sUdliche, doch
kreu/.en sich nicht sellen /\\ci oder inchr Systeme unter geringen Winkeln.
:}. Der europiiische und amcrikaiiische Continent wahrend der Dilu-
\ial/ci(. Schon in den einleitenden Bemerkungen pag. 500 und noch friihcr
in den Ahschnitlen Uber dynamische Geologic pag. 182 und 184 ist gozoigt
NMiiden, dass die llochgebirge des europaischen Contincntes, Britannicns
und Nordamcrikas wiihrend der Diluvialperiode Gletscher erzcugten, welche
cine enorme Miiclitigkeit besassen und weit bis in die benachbarlcn Kbenrii
liincinrcichkMi. Nur kurz mag hicr daran erinnert werden, dass wir die einsl-
malige Ausdclniiuig jener Gletscher nachweisen konncn (siehc pag. 184) durch
die Verbreitung ' gewisser , von der Bewegung der Glclscher abfafingigdr I'-r-
scliciiuinizcn : der End- und Seitenmora'ncn, der Schlifl'flachen auf den Tlial-
xihlen und an den Thalgehangen, und gewisser von entfernten Localitiiten
si.ininieiider, eckiger, oder glattpolirler , zum Thcil auf der einen Seite ue
slreitler (iesleinsstilcke Scheuersieine), welche am Bodcn der (iletseher fest-
gefroriMi uarcn und als SchlifTrnittel benutzt worden sind. So linden sich an
den Ahhiingcn des Jura bis zu dem Kammc dcsselben Gesleinsblocke, die aus
dem Hochgcbirtze \on Wallis, vom St. Bernhard, vom Monte Bosa, Simplon,
der Jungfrau und vom St. Gotthard, also ;ms einer Entfernung von 20, 30
")(!() VI. IlisloriM'lir
mid nielir .Mcilen stanimcn und jet/.t \ on Hirer ursprUnglichen Lagerstiilte (lurch
den (ienl'er und Netienburger Sec gelrennt \\erden. lu der (legend von /.iiricli
liegen crratisehe Bliicke aus den (ilarner Alpcu. ;m dcm Nordufer dcs Hodcn-
sccs in BaNcrn und Baden solche mis dm liinlerslen Thalcrn Graubiindens in
einer Knlfernung von 30 his 10 Mcilen von dcm ursprtlDglichen Orle Hires
Yorkommens zerstreut. Manchc derselben erregen (lurch die Grosse ihrcr Di-
mcnsionen Krslaunen. So besitzl dcr IMlugstein, aus den Glarner Alpcn st;uu-
nicnd, jct/.t uinveil Zurich liegend, cine llohe von Uber 20 Meter, Pierrc-a-bot
.HIS NVallis stanuncnd , jetzt bei Neuenburg liegend, ist elwa 16 Meter lanti,
•') brcit und 13 hoch , Pierre-des-Marmcltcs aus dern Thale von Ferret stam-
nicnd, j<>tzt bei Monlhcy in Unlenvallis liegend, ist 20 Mclcr lanii, fast 1 0 hoch
und cbcnso brcit. Zu dicscn crratischcn hliickcn izcscllen sich die iihri^cn
An/cidicii cinstinaliLrcr Glelschcrthatigkeit : der Fclsgrund und die (Jesteins-
Nva'nde der Thaler sind abgeschliffen und geglatlet, wie dies nicht nur in den
alpinen Thiilern (in ausge/cichnetster Weisc im Aarthale) sondern audi ini Jura
z. [}. in dcr (iegend von Neucnburg nachgevviesen ist, — Ilohe Moriinen finden
sich in jetzt fruchtbaren Thalebenen, so die des ehemaligen Aargletschers bei
hern, des einstigen Linthgh;lschers bei Zurich, so dass schon aus diescn GrUnden
die einslmalige Vergletscherung der Alpen, ja vielleicht der ganzen Schweiz.
keinem Zvveifel unterliegen kann.
Zu ahnlichen Resultaten fiihrl das Studium der horizontalen Verbreilung
der schweizer Wanderblocke. Aus ihr geht hervor, dass lelztere aus sechs Tlial-
inundungen, dem Arvethal, dem Rhonethal, Aarthal, Reussthal, Linththal und
dcm Hlieinthal hervorgetreten sind und sich in den ebenen Theilen der Sclnvciz
vcrbrcitct haben. Die Rlocke des Arvethalcs stamrnen von dem \\cstliclien
Altliange der Monl-Blanc-Kette und von den Rergen oberhalb Sallanchc ; sic er-
lullen das Ar\ctlial von Ghamouny an und "steigen auf dcm Riicken des Sa-
Icnc bis zu 1000 Meter Meereshohe. Die Blb'cke des Rhoncthales finden
sich Uber die ganze Gegend von Genf und Solothurn zerstreut, so dass ihr
Verbreilungsgebiet die Geslalt eines die ebenen Theile von Genf, Freiburg und
Neuenburg, sowie Partien von Bern, Solothurn und Aargau bedeckendcn
I'.irlicrs besitzl, (lessen Spitze in der Rhonelhalmiindung liegl. Die Blb'cke dcs
Aarthales slammen aus dem Massive der Berner Alpen zxvischen Gollliard
und Simmenlhal und bedccken den deulschen Theil dcs Cantones Bci'n. Die
des Reussthales sind dem Gotthardt und den Scilcnthalcrn des Reusslliales
cntfilhrt und erfUllen namcnllich das Becken des Vier\\al(lsliidter Sees. Die
Lint li bio eke, aus dcm cntl'ernlen Partien des Linththales slainnicnd. vcr-
brcilen sich \on Glarus Uber Wesen in das Mecken des Ziiricher S(>es. Die
Rheinblocke kommcn aus (iraubUnden und Vorarlbcrg. theilen sich an dcm
\\ie eine Klippc \ ors|)ringcnden Sporne dcr Appenzeller (Jebirge in /\vci Striimc.
derm einer Ubor den \Vallcnsliidt(>r See, Uber Tznaeh an das nb'rdlichc llcr
des Ziiricher Sees vordringl, \\ahrend sich der andcre von Rorschach aus iiber
den Thurgau und das gauze (iebiel dcs Bodensec^s ergiessl und sich weit nach
B.ivcni und Schwabcn verlolgen lassl. Die (Jrenzcn zwischen diescn Block-
\crlireiluii^s;u.\ilcii sind jedoch nichl scharf, \iclinclirdurchMischungszonen
VI. Ili-toi-isrlit-
507
in drnrn Blik-kr /wri.T b.-narl.barlri- (ll.-ls.-l.rnzrhirlr nrbrnrinan.lrr
vorkoninirn.
B,.i eintretendem s.-limrl/.-u un«l Riirk/.uizr dr.- gewaWgen Gietschej, ate
deren Sp.m-n jene Hliirkr /m-Jirks:rblirbrn sind, iii l;«.l}i.' klimatisrhrr Yrr-
iill(|rnm"rn ,lrr nonllicl.ru KnUiiilftr wunlrn Massrn von Nc.-NNorr.-n p«schicht«t(Mn
s.nul Kirs un.l Hollslrin.Mi A 1 1 rrr M 111 v ionr n ) ;.biirsrl/l . NNiihirnd sirl.
;in emzelnen blossgelegten Sirll.-n eine Vegetation eatwickelte, aus welcber d..-
Schieferkohle henwrging, <lir weiter unten norhmi.ls Erwahnung finden
w in I Durch «lrn f«.rli;rs«'i/lrn fivilieh von Slillstandrn un.l i-rriniion Vor- und
RQctwartsbewegungeo d.-r C.lrlschrrrmlon untrrbnu-hriirn Rtlck/uj? und Srhm.-l-
der <il.-ls.-luM- und dmlun-h h.-din-lo Vrnnrliruni; drr Gtetscherwagser
dieae Nr-riiilMlische Masse von Neuem mil Bollsloinrn . Kirs und Sand
iilH-rs.-liiltl.-t. DJIS vollstiindi-r Absrhiurl/rn der Eismassen, welche in ilbrr
inoo Mrtrr .Miirlitiukrit dir sii.nintlichcn Alpenthalrr. dir ganze rl.r...- S.-l.xNri/,
ja ,li.- gesamffite UmgebUDg d.-s Alp.-n-cl.i.-t.-s lu-drrktrn, IMS /u ilirrni j.-l/iii.-n
beschrankten Vorkommrn, muss enormc Zeilniume in Anspruch i-ruoin.nrn
haben.
\V.-n<lrn wir uns N.m den Gebirgen zu den E b <- n <- n drr DiliiMJilront,-
nrnlr und vrrfolizrn dir Spurru . ^ rlche die Diluvialzeit aid dm dau.j.Is
weder von Gletschern norh vom Meerr brdrcktrn Thrilrn drs
luMitiuru K uropas, also auf dm dju.mliiiru Hoch- und Tiefrl)rnrn /uriirk-
..rlassrn I...I. Sir sind MTliiillniss.uiissiii spiirlirl. und brst-l.rJi.ikrn sirl. auf
di.- Abl^n-unii von l.rlm,. Ki.-s und KalkiulV, auf lorfbiWungen und Ilol.lm-
ausfullungen.
1 i«. :;:.'. l>as Maramutli; K 1 .• p )i .> - |- r i m ifc n i u s I! 1 u in r n 1,. ; v.-llstiindiges SkoM.
508
VI. IliMori.srllr (icoldi;ic.
Diluvial i1 Kalktul'fe finden sich beispiolsweise l>ci Burglonna, Milhl-
hausen mid Weimar in Thilringen , wo sic flaehe und schlnchtarlige Einscn-
kungen iin Muscliclkalk in horizonlalcn Hiinken ausl'ullen. Gewisso Schichtcn
derselben siiui voll inkrustirter Blatlabdrlickc von Scolopondriuni , so vvie von
Pappeln , Eirhen . Huc'hcn, Linden und Weiden, endlich von zum Theil dieht
an einander stt-liiMiden Hohrstengeln von Arundo Bei Burtitonna traf man inner-
Fig. 371. Backeiuahn von Elephas primigeuius; a von der
Kauflacho, b von dor Seite.
Fig. 372. Rhinoceros leptorhinub C'uv.;
Backenzahn.
hall) des Kalklud'es auf eine elwas liber eincn Meter breite Kluft, ein Theil
deren Wandc von obcn bis unten mil kalkinkruslirten , fusslangen, lancelle-
fo'rmiiicn \Vedeln von Scolopendriuni dicht bedeckt war, welchc an manohen
Stellen in noch ganz vollstiindigen , wohl erhaltcnen Stocken aus ihrer Kalk-
Uifiuoterlage hervorlratcn. So frisch diese Pflanzenresle seheinbar sind, so be-
sitzen sic doch ein verhaltnissnia'ssig grosses Alter, denn mil ihnen finden sich
in diesen diluvialen Tuffen Skelcttheile , Zahnc und GewcihstUcke von Cervus
elaphns fossilis, Ursus spelaeus, Equus adamilicus, Sus proavitus, Elephas priini-
gcnius, Rhinoceros tichorhinus, ferner die Schalen von Helix, Planorbis, Liin-
Fig ;t",i. Ursus spelaeus Kosenni.; Schadel von der Seiti'
iianis in aiiNsci-ordenllicher Meniie. Ahnliche Silsswasserkalkr sind l»»'i Cann-
sladl in Wiirtcniltcr!.; bekannt. Die Restc der nehmliclicn Siiuiielliiere, nament-
lich aber von Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus finden sich in dem
VI. llistonsrlu-
Scluiilnl VOH obcn.
-nn/rii Hereiche der <lilu\ialon Continent*- in I.elim- uud Kiesablagrrungen
daroaliger Flusse und Seen und eingesr[i\\emmt in den Strandbiidungen des
damaligen Nordmeeres.
In Halien sind besonders das Arnothal und
Sicilion reieh an Hesten von Hippopotamus, dies-
seits dt>r Alpen, in Deutsehland, sind dieselben
seltener, in England dagegen winder haufiger.
Im Kalktuffe und Lehni unter don alien Torf-
mooren Englands und Irlands und in diesen
selbst fmden sich ausserdcin /urn Theil vollstiin-
dig erhaltene Skelete des irischen Riesenelenns
.Megacoros hibernicus), das bis zur Spitze seines
GcwtMhes 3 bis 4 Meter misst, wiihrend dieses
let/tere 2,7 Meter spannt. \\"ie in Britannien,
so umsehliessiMi auch die diluvialen Torflager
Srhieferkohle) der Cantonc Zurich und St. Gallen
nehen den Oberbleibseln der jetzigen Rothtanne,
Fiihre, Liirche, Eibe, Birke, Eiche und des Berg-
ahorns xahlreiche Reste von Elephas, Rhinoceros,
Bos primigenius, Cervus elaphus und Ursus spe-
laens. Diese Schieferkohle liegt zwischen zwei Fig. :m. Drsns
. , .
Lai-ern von Gletschergerb'llen, was nacn der An-
sicht mancher Geologen auf ein zeitweises ZurUcktreten und Wiedervordringen
der (Jletscher, also auf einc tcmporiire Unterbrechung der Gletscterbedeckung
jener Gegend hinweist, sich jedoch ebenso durch eine GerollUberschattung von
S.-itrn t^eschwollener Gletscherbache erklaren liisst, die dem fortgesetzten Schmel-
/en n nd ZurUckweichen der Gletscher ihre Nahrung verdanken. Wie die Flora
dieser Sclueferkohle, so ist Uberhaupt die gesnmnile Diluvialpflaiuemvdl l>ereits
<li«- unsere, ihre Unterschiede bestehen \\esenllich im Variiren einxelner Speeic.s
und dein Vorkoininen nordiseher Formen, namenllieh norNNegischer Torl'pllan/en
in selbsl sUddeulschen Gegenden.
1st das Vorkoinmen von Saugethierresten in den Lchm- und KiesaWage-
rungen auf der Oberfliiche des Diluvialcontinentes von Europa auf verliiillniss-
iniissig \erein/elle und z»-rslreule Funde besehriinkl, so linden sich dieselben
in urn so gnisseivr Anzahl in den Knochenhohlen ol't tnaNsenhaft angehiiufl.
Die meisten dieser Hbhlen sind in Gegenden gelegen , deren Unlergrund \\e-
senllicli \on Kalksteinen und Dolomiten zusainmengesetzt ist. Sie beslehen
der Mehr/ahl nach aus verschiedenen , mehr oder minder grossen zusaimnen-
hjingenden Hiiumen, welehe dureh enge, xiun Theil fast senkrechte Kaniile mil
einander \erbunden siiul. Der Uoden dieser Ilohlen ist von rolhlichem, san-
digem l.ehm mil (ieriillen und SaiigrlliierkimrlH'ii bedeckt. Darilber folgl eine
schtit/ende, die Erlialtung der Knochon bedingc'nde Decke von Kalksinler, wel-
eher ausserdem zu\M'ilen auch noch die Knochenhniclislilcke y.n einer Breecie
zusammenkitlet. Die knodien und Koprolithen der \rrscliicdensten Thiere lie-
nen ineist in griisster Unordnung durcheinander und sind nicht sellen augen-
510
\ I Ili-tiii-i^cln-
scht'iiilicli \on Klullicn L'ei-olll . so d;iss sic in dicscn Fiillen (lurch \V;isscr in
die llolilcn u:cscli\\ciiiiiil mill dor! al^csel/l, \vordcn scin iliirl'tcn. In anderen
kiiochenliolilen jcdocli hahen /.\\ cilclsolmc Kanbtliiere jielebl , liaben ihre Beiite
liincinucsclileil'l mid sind spiiler selbsl d;irin \erendel.
Hesondeiv Auf-
mcrksamkeit \crdic-
ncn noch dicjcniizcn
Spuren, welclic die
/iihne manclici1 N;i-
uclhicre auf den in
den Holilen i;efuii-
denen Knochen xu-
' riiekgelassen hahcn.
Sie henaszen let/c-
lore, trotzdein sic las I
ausschliesslicli Pflan-
/.en nah ru nil iienics-
sen . uni das .Mark
zu iiewinnen. line
Zahnspuren lasscn
sich gewohnlich sciir
Iciclil von dencn der
Rauhlhiere, selir
sch\\cr alier von
manclien Bearlteitun-
uen mil Meissel und
.Mcsser unterschei-
den, die von dein
-Mcnsehen he mill re n.
Venvechselungen
der Art hahen /u
sloivnden Schliisscn
iiher das Aller des
Mensch'engeschlech-
les izefiihrl. Ks kann
jedocli niclil he/\\ei-
I'els \verden, \\ie
spiiler iie/eiul \\er-
dcn soil, dass der .Men sell hereiis uleieh/eitiii mil jenen tohlenbewohnenden
l)ilu\ iallhiei-en cxistirte.
In Den Is chla nd ist es vor Allem der frankische Jura mil seinen Dnlo-
inilen. fenier das \\cslpliiiliscli-rlieinischc .MilleldcMiii. \\clchc derarliue kiio<'licn-
linlilen , erslerer die beriihinlen Miiiijzendorfer , (iailenrenllicr und llolilelelscr
llnhleii, Icl/.lcres /. H. den llolilenslcin mid die Deehen-llohle heriien. In ihnen
sind nainentlicli die Hesle des llolilenhiiren lYsus spelaens /u lltinderfen an-
\ I. lli-tonscli<> Ceoloiiir. •'' I
•iohiiuft, so (hiss /.. B. der (iailenreulher llohle I' berl.leibsel vnn iiber SOO In-
dividuen entnommcn \vordon siu.l.. Nehcn ihnon, abor IVeilieh an .Menuo \\.-il
/uriirkstelieiul. koiuiH.Mi Skeleltheile \on HN aena spelaea . I'Vlis spelaea , Canis
spelaeus. souie solrhe von Hhinoeerus. Cervus, Bos vor, uclclic let/.tere wahr-
srheinlich von den Raubthieren als Beule in ilire Schlupr\\inkel geschleppt
wonlen sind.
Die enirlisehen Knochenhohlen, dcren berilhmloste die von Kirkdale
nnsvcil York, die hci Bristol und die Kentshbhlc bei Torquay sind, enthallcn
almrirhcml von der grossen Mehrzahl der deutschen nanicntlich die Skch-ttc
N(m iiNiin,. M Jl\acna spcljioai, wiihrend die von Baron und anderen Thieivn
stark /unicklrclcn. In der Kirkdale-Iliihlc \\aren solehe von Uber 300 Hyaneu
dfs v<>rschi(Mlcnst(Mi Alt(>rs. neben ihnen grosse Quantitaten ihrer Excremenle,
die Kest«> d.-s Klcphanten, Tiger, Bar. Wolf, Rhinoceros, Hippopotamus, Biiflel,
Ilirsch .-nthalttMi. Die Hyiinen-Excremente, deren Natur eincii vveiten Trans-
port durch das Wasser nieht zugelassen hiilte, sowie Zahnspuren an den Knochen
d<M- dorl gefundenen pflanzenfrcssenden Thiere lassen sicher N.-rnuitlien , dass
jtMie Raubthiere die Kirkdale-Hohle ))e\vohnt haben und nicht erst spater hinciu-
i;rseli\v«-inint worden sind. In ahnlicher Weise herrscht Ubrigens die Hyiine
im Hohlenstein in Westphalen vor den BaTcn und anderen Siiu|ielhieren vor.
In den Hohlen im Suden Frankreichs ist eine dritle, vender englisehrn
und dentsrh(>n abweichende Fauna begraben, indem sie ausserordentlich nias-
senhafte Anhiiufungen von Knochen und Geweihen des Renntli icn-s IHM^MI.
Ganz analoge \7orkomnien sind die Knochenbreccien der am Mittelmeer
-ele^-nen l.iinder. Sie fullen Spalten der dortigen Kalkizebirue aus und sind
MHJ Gibraltar -bis nach der Sudspitze Griechenlands , sowie aid Corsica. Sar-
dinian und Sicilien an /aldlosen Punklrn bekannt. Sie bestehen aus einei
rolhlii 'hen Kalkmasse mil Landschnecken und schneeweissen Knochen von \\ ie-
d<-rkiiuern und Nairetliieren , unter denen namentlich Lagoinys Sardus, dercn
VrrvNandle jet/.t nur noeh in Sil)irien leben , in .M-stamdicher Meniie aul'lrill.
Hci uus<-n>r Bctrai-lituni: der diluvialen Continente haben wir das damage
Kuropas, von den gletscherbedeckten Gebirgen in die Kbrnrn hinab-
, urschildrrt. Ks bleiht uns noch ubrig, eine Gesteinsbildung 'M me?
\\.-lclic inncrlialb der ticfen und weiten Flussthiiler und an den iius-
. dem Dibivialmeerc /ni:e\\endet(Mi Hiiiulern des i'riiheren 1'cstlaijdcs
/ui- Al.la.-crnni; »«-laniilr. •- den Loss. Diescr l»cst<-lit aus einer /icnilicli ln»-
n,«,-rncn. U-k.'ivn. scl>r feinerdigen Masse \on liell-elhem bis lichlbrauni-rllM-m
I, dun. \:r x.eigt, wo or rein ist,
nic cine Spur von Schiclituni: und
hrieht in steilen \\andcn ab. Ei-
uriilliiiinliclic, knollige , oft hohle
und /rrl.oi->tcnc Coucretionen, die Fig. :t7«;. luiu hispida mil. Fig. ;i77. I-UIK, m,,
(plebeja Dr.). rum l>r.
Losskindlein, sind schr vcrbroi-
totc Kiuschlussr in domsolbon. Uie nriianisrlu-n Heste. \\elclic <T fdhrt. gohorcn
Silss\\asscr-. Sumpf- und Lnndconchylion, sowio Klcphas und lUiinoceros an.
crstcrcn sind Pupa muscunim. Succinca oNoiiiia. Helix hispida (ploboja die
512 VI. Ilislorisrhr (Irolo^ic.
und bezeichnendgten. Seine Hauptverbreitung lut <ler l.iiss im
unil Dnnanthale, deren Frurlitbarkeil er wesenllich bedingl und \vo er /uin Theil
in finer Miiehligkeit von mehrereu Hundorl Fuss auf den Kies- and Gerbllabla.ue-
rungen der Thalsohlen und Gehange aufruht. Ausscrdein aber bedeekt er v\eit-
ausizedehnle Landstricho Norddeutschlajuls , indein er eine Zone bildct, welche
inn den liar/ lauft, die gUldene Aue einschliesst, und sich durch das nbrdliche
Saelisen und durch Schlesien his nach Galizien hin/ieht. Sic ist zugleich die
stidliche Grenze der nordischen Drift, deren Gebiet die Lbssablagerungen nach
Stlden zu einrahmen. Seine organischen Reste und seine Vertheilung an den
Abhiingen der Flussthiiler lehrcn, dass der Loss fluviatilen Ursprungs, dass er
aus dem ruhigen Absatze der Trilbung der FlUsse hervorgegangen ist, mag
dies in grbsseren seeahnh'chen Weitungen derSelben, oder in Lagunen und
flachen, durch SanddUnen geschdtzten Kttslen an den MUndungen langsam (lies-
sender Strbme und Bache geschehen sein , worauf die Verbreitung des nord-
deutschen Loss hindeutet.
Verlassen \vir Europa und werfen einen raschen Blick auf die Diluvial-
erscheinungen anderer Continente. Eine der merkwtlrdigsten derselben ist
das massenhafte Vorkommen von Skelettheilen des Elephas primigenius in Nord-
sibirien, dessen Diluvialboden von Mammuthknochen ganz durchsaet ist, und
wo so viele fossile Stosszahne gewonnen werden, dass ein sehr bedeuteuder
Theil alles in flen Handel gebrachten Elfenbeines von dort stammt, — Be\\eise
dafilr, dass jene Gegenden wahrend der Diluvialzeit Haupttumnielplalze des
Maininuth waren. An der MUndung der Lena wurde im Anfange dieses Jahr-
Ininderts der Cadaver eines Mammuth in dem gefrorenen Boden gefunden.
Er'mass bis zur Schwanzspitze 5,5 Meter und war 3,1 Meter hoch. Seine Haul
\\.ir von dichtem Haar bedeckt, welches am Halse und auf dem Riicken eine
lange, vielleicht bis an die Knie reichende Mahne bildete ; sein Fleisch \sar
so gut erhalten , dass es Wolfen und Hunden zum Frass dienle , sein Schadel
enthielt noch Ilirnresle und den vertrockneten Augapfel, zwischen seinen Zah-
nen fanden sich Reste von Coniferenzweigen , die ihm zur Nahrung gedient
hatlen. Vor einigen Jahren tauchte an der Tas-Bucht der Cada\er eines y.weilen.
mil Haul und Haar erhaltenen Mammuths aus der gefrorenen Erde in Folge
des Thauens derselben hervor. Man hat die JZahl der in den letzten 200 Jahren
durch Th.iuen des Bodens hervorgelretenen und durch die Gewa'sser ausge-
\\aschenen, freilich nur selten vollslandig erhaltenen Mamnmthleichen auf 20,000
geschstatt.
Aus den Sand-, Kies- und Moorablagerungen des nordamerikanische n
Di lu vialcon tinenles stammen die Reste eines riesigen Mastodon (Mastodon
giganleus), von welchen man in den Torfmoraslen des Slaales New-York, New-
Jersey und der Ufer des Missouri eine Anzahl ganz vollslandig erhallener
Skelele enlnommen hat. Hire Hbhe betriigt fast 4 Meter, die Lange ihres
Kiirpers gegen <> und die ihrer Slosszahne 4 Meier; Resle des Magens mil
liherlileihseln von unverdauten Ptjchtanne- und Kieferzweigen fanden sieli in
dem Uiiiime /uischen den Uippen eines der Thiere. Wiihrend das Mastodon
namenllich in der nurdlichen Hiilfle des nordainerik;inisehen Dilnvialeonlinenles
VI. Historische Geologie.
513
gelebt zu haben scheint, war die sudlit-hcre Partie desselbcn von Elephas ame-
ricanus bcviilkert. Mil ihnen vergesellschal'tet kaiucn yi^antische Hirsche,
Pferdf, Hi her, Lb'wen und Biiren, endlich einige Faulthiere (Mylodon, Mega-
Megatherium) vor.
Die angeuscheinlich gleichalterigen , jedenfalls postlertiaren Kalktuff- und
l.t'lniiscliichtcn. \velche in ausgedehnten Ablagerungen die Pampas des Laplata
in SihlniiMM-ika bilden, sind ausserordentlich reich an Saugethierresten. Ne-
I >fn Milu'i-n, Pferden, Tapiren, Lamas, Mastodonten, Wolfen und Panthern ziehen
namrnilii-h die riesigen Faulthiere und Giirtelthiere unsere Aufmerksamkeit auf
Fig. 378. Megatherium Cuvieri Desm.
sich. Das Megatherium (Fig. 378) war bedeutend grosser, als das Rhino-
ceros und uberlraf an Masse jedenfalls mehr als hundertfach irgend einen dcr
Icbt'nden Vcrlrctcr dt>r Edentata, sein Femur war etwa dreimal so dick, wie
dt-r finos Klrphanten, seine FUsse hatten die Lange einer Elle und waren mil
Fig. 379. Glytodon clavipes Ow,
gewaltigen Krallen bewaffnet. Das Glyptodon (Fig. 379) war ein riesiges
(iUrti-lihier. Es besass, von der Schwanzspitxo bis zum Kopfe gemessen, 3,
scin schildknitciiiilmlicher Pan/«M- I:(-CM\ 2 Meter Lange. Es bewohnten also
schon zur Tertiiirzeit Faulthiere und Armadillo denselben Continent, dessen
lebende Saugethierwelt durch Faulthiere, GUrtelthiere und Ameisenfresser ihren
so specifischen Charakter erhalt.
In Aus trali en waren die dasselbe in der postterUiren Zeit bewohnenden
. ^erade wie sie es jelzt sind, ausschliesslich Beutelthiere, nur sind
C' roj nor, Klcinente der Ueologie.
514 VI. Hiisturischc Geologic1.
ihre heutiiii'n Yertreter / \\crge iin Yeriileiche mil ihren Yorfahren. So war
<las Diprolodon so gross, \\ie rin Ilippoj)ot;nuus, sein Srhadel allein besass
eine l.iingi1 \OD einem Meier. In \eu-Seeland endlich hauslen :i his i Meter
hohe straussahnliche Riesenviigel, die Moas (Dinornis u. a.), \\iihrend S;in^e-
ihiere ebenso wenig, wie jcl/t verlreten waren. i'berall lindel das Gesetz der
Succession gleicher Typen Anwendung.
Ein Blick gewissermassen aus dor Ycrgangenheit iiber Norda me rika
und Europa wahrend der Kiszeil Uberzeugt uns, dass beide (iontinenle da-
mals nur eine verhaltnissniassig unbedeuleiide Grosse besassen, dass sie sich
in Gestalt langgezogener Inseln liber ein Meer erlioben, welches iin Norden
fast ununterbrochen bis nacb dein Pole reichte, und dass sie von den kalten
Stromungen der Polarsee abgektihit wurden, auf der sich zahllose Eislifr^c
lununelten. Die Ilocbgebirge der Conlinente erzeugten niiichtige Gletscher,
\\dche bis \veit in die benachbarten Ebenen vordrangen ; die gletsche'rfreien
(ieizenden sind von riesigen Thiergeslalteu belebt, die zum grossten Theile in
vorhistorischer Zeit, \venige erst spater ausgeslorben sind. Das gigantische
Maininuth bevolkerte die Walder, das zwcihornige Rhinoceros die Sttmpfe, das
Hippopotamus die Seen und Fliisse, BUQ'el die Ebenen, Ba'ren und Hyanen die
Gebirge. Zu ihnen gesellen sich Hirsche von riesiger Grb'sse, das Elenn und
das Kennlhier in Heerden, sowie Anlilopen, Pferde, Tiger und Lowen. Ein aulliil-
liger Gegensalz zu dem Charakler der Fauna des jetzigen Europa liegt in dem
Zusammenleben von Typen, deren Verwand^ heute nur noch in sudlichen,
selbst tropischen Klimalen vorkotnmen, uiit solchen, welche jetzt noch in un-
seren Gegenden fortexistiren, und endlich mil den Bewohnern der kalten, ja
diM- polaren Zonen. So lebten in der Glacialzeit verschiedene Arten von Ele-
]>hanten, Nashbrnern , Flusspferden , Hyanen und riesigen Katzen neben drin
Bison, dem Elenn, dem Rennthier, deui Eisfuchse, dem Vielfrasse, dem Lem-
ming, die sich heute alle nach >iorden, sowie neben dem Steinbocke, der
Gemse, dem Murmelthiere, welche sich jetzt in die Hochgebirge zurUckgezo^en
ha ben.
Dass der Mensch bereits ein Zeitgenosse jener glacialen Thierwell war,
daniber kbnnen Zweifel nicht mehr obwalten. Hat man doch in di'iu
Schwemmlande verschiedenet <ici;enden, so bei Abbeville im Thule drr
Soiniiic, bei St. Acheul unweil Amiens, bei Chalillon sur Seine, bei Pivry
im Oisethale, bei St. Prest an der Eure, bei lloxne in England aus Thon
oder Stein aiiiiclei'liiile, aber noch sehr rohe T5pferwaaren und \Vei'k/.eui;e,
also die ei\sten Spuren tier I'XisU'nz des Alenschon und daniber Dberbleibsel,
naiiieitllich Zahne von Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus, Hippopotamus
major und C<er\us mt'gaceros, und endlich eine j»'Ul nur noch im niirdlidien
Afrika lebende Suss\\asst'rnuischel Gyrona (luminalis gefunden, — und sind
endlich in /ahhvichen Hiihlen Deulschlands, Englands, Belgiens und Frankivichs
Spuren der 'rhiili^ki'it uud Resle des Menschen in einer solchi-n Art und \Veise
mil den Dberbleibseld der oben er\\iihnten, aus^eslorbenen Thiei'e
sehaflel vorgekommen, dass eine andere Erkl.irun- als die ihrer ul
Existenz nichl imidieh ist.
VI. Ilistomche Geologic.
515
Einer der wichtigsten, die Gegemvart des Menschen wiihrend der Eiszeit
l>e\\eisenden Fundpunkte \\ar ein Graben im Torfmoore an der Quelle der
Schusson, einem bei der Priimonstralenser Abtei Schusse nrie d iin
schwiibischen Saulgau entspringenden , dem Hodensee zufliessenden Bache.
Ilier hat sich folgendes Profil ergeben (Fig. 380): Zu oberst liegt Torf e
/.uin Theil mil viel Kies /'
gemengt und wird unter-
teut't von einem I bis 2
.Meter miichtiiien l.;i)zer von
\\eisslich-gelbem Kalk-
l ut'i c mil Pupa muscorum
Mis., Helix pulchellaDrap.,
Helix hispida Lin. , Clau-
silia obtusa Pf. und Pisi-
dium fontinale Pf., wo-
duPCh Sich der Kalktuff Ols Fig :t80 Profil bei Schnssenried
a Kies ; b un.l d Culturschicnt von Schussenried ; c Dilavialer K.ilklull
diluvial herausslellt. « Torf; / Kiea-
Von ihm scharf gelrennt, zum Theil, nehmlich bei d liber, zum Thoil und
/.war links bei b unler ihm liegt eine Schicht dunkelbraunen Mooses
von so vortrefFlicher Erhaliung, dass es wie frisch erscheint. Es sind lautt-r
nordische und hochalpine Formen, z. B. das Lappliindische und Gronliindischo
H\[)iuim sarmenlosum und groenlandicurn , sovvie Ilypnum fluiUins \ar.
tfiiuissimurn, jetzt nur alpin und im arktischen Amerika vorkommend. Dieses
Moos, welches mil Sand vermischl ist, bildet zusammen mil dem llaufwcfkc
von Knoclien abgeschlachteler Thiere und von Produclen menschlicher Kunsl-
It-rliiikeil die Culturschichl von Schussenried, vvelche augonscheinlich
eine zum Anhaufen der Abfalle der KUche und des liiglichen Lebons benutzle
(irube in dem darunler liegenden Kiese ft ausfillll und eine Ausdehnung von
elvva 40 Quadratrulhen und eine Tiefe von i bis 2 Meter besitzt. Mil clem
arktischen Gharakter der genanntcn, \\ohlerhaltenem Moose stiiuml der Gha-
rakter der thierischcn Hcsic. \Vcitaus alle Qbriiien an Menge UbertivH'end isl
das Hennthier, vviihrend von anderen Ilirschen keine Spur vorhanden isl,
M> \venig \\ie heute der Edelhirsch mil dem Rennlhier je zusammen vorkommt,
Ncltrn letzlerem haben sich bei Schussenried gefunden Skelettheile des Pfer-
de>. des Vielfrasses (Gulo spelaeus), eines nordischen Biiren (L'rsus arctos),
iles Wolfes, des I^isfuchses und Goldfuchses, des llasen, des Sinuseli\\anes
und melirerei- Moorenten. Alles besiixt einen hoch nordischen Typus und \\cisi
darauf hin, dass zur Xeit der Anhiiul'ung jener Kehrichlmasse ein Klima ge-
lien-schl hat, welches heul<? unter dem 70. Grad nordl. Breile beginnl und in
imseren Hreiieii an der (iren/e des ewigen Sclmees und Eises liei i-selil, dass
mil anderen \\Orlen die jene Gullurschicht bildenden Abfiille aus der Kis/eil
slammen. Auch der Men sell leble damals beruils in jenen (Jeuenden.
\\urden auch noch keine Skelellheile desselben geftmden, so y.eigen sich doeh
S|)iiren seinei1 Thiitigkeit in den anf^esehlaL-enen Maiki()hren und Schiideln
der Itennlhiere und Pferde, in den l)earbeiU'len (ieueihen der ersteren, in
33*
51(3 VI. Historisdir
den Work/ou^cn von Flint, in den voni Feuer geschwHrzten Sehiolor- und
Sandsteinplatton, \velelie die Sleile der Seliiisseln und I'fiinneii M-iliiilcn. in
drn hbl/.ernen und boinrrnrn Nadeln, in den Knollen von rollicr F;irbe, \\it-
sie augenscheinlirh zum Heinalen des Knrpers bcnutzl \\urdon. D<T Srhuabon
zur Kis/eil bowohnendo Mt-nseh sland auf emer noeh selir niederen Cullurslufe,
war ihin doch die Benut/ung von Melallen noch durchnus e ben so IVemd, \\ic
die Topferei.
An slidfranzbsischen Aufschlusspunklen sind zusaininen mil Hison
und Ur-, Edelhirsch-, PyrenaVnhirsrh-, Reh- und Rennlhier-Knochen Spuren
inenseliliehor Kunstferligkeit gefunden worden, von denen z. B. ver/.ieite
Tbpfe darauf hindeulon, dass die Mensehen der Rennthierzeil in Frankreich
eine ho'here Culturstufe einnahmen, als die schwabisehen. Diese Zeiehnungen
slellen hauptsachlich Renntliiere, Ilirsehe, kurzhalsige Pferdo, gomiihnlo
Aueroelisen und Steinbbcke dar. Jcdoch schliessl der Charakler der dainaligen
Fauna Sildfrankrcichs die Moglichkeit nieht aus, dass sie eine elwas jiingoiv
isl als die Schussenrieder.
Ebenso instructiv \\ie die Aufschliisse von Schussenried sind die Funde
im Hohlefels im schwabischen Achllial. Dem Modergrunde dieser Ilbhle
entslammen Feuersteinrnesser der iilteslen, rohesten Form, an der Wur/el
durchbolirte Schneideziihne des Rennthieres und des Pferdes, Barenskeletc.
zugespilzte Rennlhiergeweihe, Skelettheile von Elephanlen, Rhinoceros, Rennthier,
Antilopen und gevvaltigen Katzen, welche lelztere den Kbnigstiger um y3 seiner
Grdsse Ubertreflen. Augenscheinlich war die Jagd der Mittelpunkt des Lebens
der alien llulilenbewohner, das Ziel ihrer Jagd aber der Bar und zwar der
cchte Ursus spelaeus. Die Skeleltheile dieses Uber 3 Meier langen Ilolilenbiiren
liefern nun den interessanten Beweis, dass derselbe von Mensehen erschlagen
und zerlegt wurde. Der Schadel ist stets mil Gewalt zerklopft, der Unterkiefer
herausgenomrnen und als axtartiges Werkzeug benutzt, die markhaltigen
Rbhrenknochen sind gebffnet, die Wirbel entzwei geschlagen und schliesslich
sind die Rippen mil grosser Sorgfalt zu Pfeilspitzen gespalten. Um die Biiren-
kiefer zu kurzen, fasslichen Instrumenlen und Handwaflen umzugestallen, wurde
der aufsleigende Ast derselben weggeschlagen und so eine bequeme Handhabe
hergeslelll, walirend der spitze Eckzahn, dessen Eindrilcke man in viSlen
anderen damit bearbeiteten Knochen wiedererkennt, als eigentliche Axt diente.
Ilier liegcn also die unlrtlglichen Bew:eise des Zusammenlebens des Mensehen
und der Fauna der Glacialzeit vor.
Zu iihnlichen Resultalen haben die Ausgrabungen in der Balver Hbhle
auf der rechten Seite der Hbnne geftlhrt. Dort fanden sich in den zuin
Theil humusreichen, zum Theil mil Kalk- und Sandsteingerblleu gemeniiien
Lelmischiehten, welche den Boden der Ilbhle bedecklen, neben Resten von
l.quus, Sus, Muslela, Castor, Cervus, Elephas primigenius, Rhinoceros tichor-
hinus, Ursus spelaeus, Hyaena spelaea, Felis spelaea BruchslUcke roh goarboi-
leten Tbpfergeschirres, bcarbeitele oder vorkohlte Knochen- und GevvcihslUckc-,
rolio Werkzeuge aus Kieselschiefer und Feuerstein, bearbeitete Slilcke von
Kieselsehiefer und Sandstein, und endlich Holzkohlen.
VI Hi>ti>iiM-hr (u'ologie. 517
Kin pm/ ahnliclu-s lV\\t>ismiUt>l licfert cine Elfenbeinplaite, su'ldir iiu
IVriuord ;m dor Dordogne gcfunden \\urdc. Auf ihr sind ;uif das unverkenn-
kirstr mebrere Hamnralhe in vollem Laufe dargcstclll; die kruninion Stossziihnc
und kleinon Ohren, vvodurch das Mammuth vom Elephanten abweicht, sind
i:rtivu \\ irdtTizriioben , ebcnso die auflallend langen Miihncn, welcho am Hals
und Bauche bis zu den Knien herabhingen. Die Funde hingegen von mil
Knoclirn von Flusspferden, Mammuthen und Nashornern vergesellschaflelen
rohrn IVurrsirininslrumenlen, ja Menschengebeinen in Lehm und Kiesablage-
runiicn, wie sie aus dem Somme- und Eurelhale, aus Suffolk u. a. 0. bckannt
m-Nvoi den sind, kb'nnen als mb'glicherweise auf secundarer Lagerslalte befindlich
gedeutt't wrrden.
In Folge saecularer Hebungen vergrb'sserte sich allmahlich der europaische
Continent der Diluvialzeit und mil Him Deutschland, dessen ndrdliches Flach-
land tlber den Meeresspiegel taucht; Schweden und Finnland steigen als
Schutzwalle zwischen der Ostsee und dem arktischen Meere nebst seinen kalten
Strbmungen und Eisbergen empor (siehe pag. 130 und 502), ein warmeres
Continentalklima und \\armere Winde slellen sich ein ; vor ihnen weichen die
Glelscher zurtlck, ihre Schmelzlinie rllckt bergaufwarts, sie ziehen sich eudlich
bis in das Hochgebirge hinauf, — Deutschland hat im Allgemeinen seine hcu-
tige Configuration gewonnen. Unter den veranderten Verhallnissen sterben
die letzten Zeugen der Vorwelt aus, andere ziehen sich nacb nbrdlichen kalten
Zonen oder bis an die Schneegrenze in die Gebirge zurtlck, eine neue Thier-
\velt, die unsere wandert ein oder vvird eingeftihrt. Der Mensch breilet sich
aus. Die Gesteinsablagerungen, welche sich seit dieser Zeit gebildet haben,
\\crden als Alluvium bezeichnet. Sie sind der Gegenstand frtthcrer Belrach-
lungcn gcwesen, so die Producte der ThUtigkeit des Wassers und des Eises
auf pag. 139, 160, 169, 178 und 183, des Vulkanismus auf pag. 110, 114,
des organischen Lebens auf pag. 189. Zu ihnen gesellen sich die Spuren
mcnschlicher EingrifTe in das Walton der Naturkrafle und mehren sich in
drmselben Maasse wie die geistigen und mechanischen HUlfsmiltel ihrer Ur-
hebcr. Denn war die Mannigfaltigkeit der anorganischen Natur, der Formcn-
ivirhlhuin der Faunen und Florcn eine nothwendige Folge der Suin-
mirung von Resultaten aller frlihercn Einzelvorgiinge, so gilt
dassclbc von der Vielscitiiikcil der geistigen Functioncn des Menschen. Unter
dem Einllusse der sich allmahlich hilufendcn EindrUcke, Erfahrungen, Erruniicn-
sch.iHcn und Erfindungen ward aus dem (icschlcchlc der Mammulh-, Hcnn-
thier- und Hbhleiibarenzeit der Mensch, der sich die Erdc untcrthan macht.
REGISTER.
A.
Al>ic|ilr> I mki 444.
Abplatlung der Erde 5, 26S.
Abr;uimsalzn 366, 367.
Al'xatzc. untcrirdisclie ;uis Mineralsolulionen
155, in Driison 155, in Spalten 157, in
Hoblen 158, auf der Erdohorflacbe 159,
von Soiten fliessender Gewiisser 169.
Absonderungcn der massigcn Gesteinc 249.
Abstaminiing der Erde 267.
Acantbodes 361, 369.
Arce.ssoriscbe Beslandrnasscn 19.
Accessorische Bestandtheilc der Gesteine 18.
Accumulate , lose; Structurverbaltnisse 22,
i;.-s|,Miiscl;i>.sc 31, 87. Entstebung 213.
Acer 446, 479, 481, 486.
Acer\ ularia 293.
Adialmandeln, Entstoliung 155.
Arrndns 375, 382, 386.
Actinocrinus 334.
Ad'-rn 20.
Aeltere AHuvionen 507.
Ae<|iiatorialstrom 174.
Acsluarica 174, des Amazonenslromes 174.
Afterkrystalle 142.
Apnoslus 298.
Alirirn 325.
AkHnolithscbiefer, pciriii:r. Bcsclir. 40.
Alabaster 34.
Alaiinx-hicrcr, pclr. Bi-sclir. 96, siluriscli 305.
Alnun<toin, petrogr. Besclir. 98.
Alaunthnn 94.
Allticn 439, 451.
All.it S6.
Ali-thu|)tcris 332, 355.
All.frlia 374, 378.
Alknlicn. Zeisclznnjzcn durch kohlonsaure und
kirsHsanrr Alkalien cingeleilet 152.
Allinionen, altere 507.
Alluvium 266, 517.
Alnus 446, 479, 480.
Mpfiiulclscher 32.
\lpons:ranit, polriur Bcsclir. 50.
Alpine Trias 396, 398.
Altor-liolnninuug der Schichlenstoruiigcn und
der Gebirge 844, der Formationen 262.
Alleruptive Gesteine 207.
Alvcoliles 314.
Amallliecn Tlion 411.
Amazoncnstrom, 174.
Atnhlypterus 337, 357, 360, 369.
Ammonites, Iriassischc 400, jtirassisohc 408,
der Kreide 435.
Kloridus 400, 401, tornqtus 400, Mettcr-
nichi 400, Aon 401, Bucklandi 408, planor-
bis 408, angulalus 408, raricostalus 408,
capricornus 409, costatus 409, serpentinus
409, communis 409, amalthcus 409, mar-
garitatus 409, bifrons 410, hcterophylliis
410, opalinus 415, Murchisonne 415, lorru-
losus 415, Humpliresianus 415, Parkinsoni
416, macrocephalns 416, ornatus 416, biar-
matus 421, perarmatus 421, biplex 421,
ptychoides 424, torlisulcatus 424, h\ bo-
nod us 424, lilbograpliii us 424, noricns 437,
440, nisus 443, Millclianus 443, rlioto-
magensis 445, peramplus 447.
Amphibol sielie Hornblende.
Amphibolit, petr. Bcsehr. 40, huronischer 279.
Ampbilogitsohiefer, petrogr. Beschr. 85.
Ampbistegina 484.
Ampboracrinus 334.
Ampliitherium 414.
Amplexus 334.
Ainyedaloidische Slructur 2«.
Anamesit, petrogr. lU-vlir. 72, im Tertiar 497.
Ananchylcs 448.
Ancyloceras 443.
Ancyloceras-Scbichten 438, 443.
Amlauer der Ga'nge 252.
Andesite, pclrogr. lic-dir. 68, im Terliar 493.
Andreasbori; 307, 308.
Andrias Scbeuchzeri 487.
Angiospermen, die alteslen 434, 446, im Ter-
tiar 462, 479.
Anuulalus-Schicblen 411.
Anhydrit, als Geslcinsdement 18, Gestein 34,
in Gyps umgewandelt 146, Ablagerung des-
selben 213, in der Dyas 365.
Anhydritgruppe 383, 393.
Annularia 330, 355.
Anodonta, triassiscb 386, 388.
Anomoptcris, 374, 378, 385.
Krister.
Anoplotlierium 473, 474, 476.
Anortliit iin Corsit 57. iin Srliillert'cls 63.
Anlhracit , petrog. Beschr. 4"> , Kntsleliiing
193, 195, in der lautTiit. Form 274, im
Silur291, in der carbon Form. 328.
Anthracosaurus 337.
Anthracosia, carbonisch 335.
Antliracolherinm 475.
Antiklinaler Scliichlenhait 239, 241.
.\n\\cndnng des Mikroskopes in tier Pctro-
graphic 2,'!.
Apalit. als (iesieinselemeiit 24, im Marinor
35, iin Basalt 74.
Apliaiiil 60.
A|iliiuiitisclic Structur 20.
Aphanitporphv r 60.
Aphanitschiefer 60.
Apiocriiiiis 411.
Apophyllit. seine Knlstehung in Mclaphyr,
Basalt, Phonolith 155, 156, von Bergen
396.
.\pciph\sei) 204, 247.
Aporrhais speciosa 474.
Aporoxylon 312.
Appalachischcs Kolilcnbassin 194, 394, 349.
Aplien 439, 451.
Apl\ehcnkalk und Aptycfaebschldfer 424.
Aptychus 424.
Aqiiitanien 475, 490.
Aragonit im Gyps 34, als Erbsenslein 36,
im Basalt 156.
Araucarites in der Kolile 333.
Area 296, dyassisch 357.
Arcliacoc.idaris 334.
Ai'diactipteryx 420.
Arrbi'^osaurus 357, 360, 369.
Architektonische Geologic 233.
Arrlocyun 467.
Arcnatenkalk 405.
AnlciiiioiiscbicfiM1 320.
Aricten-Scljichten 411.
Arkose. peh'ogr. Bescbr. 89.
Acktisclic nrganiscln- Hcslc in SchoKland 487,
488, 503.
Arli'sischc Hninnon, TomperaUirinessnngen 8,
HciirilT dersclbcn 166.
Artlinipliycus 292.
\s :i02.
Asaphus 298.
\.-ar 502.
', vnlkanisclic, pcliiii:i-. Ucsclii'. »S, Klil-
M4, 11."), in dor Dyas Sfi.'i.
\>.|.|ial|, prlrni:r. Bcsdir. 46, Knlsteliung 148,
in dcr laiiit-iit. Korrnat. 274, in Gannon
im Carbon 352, iin Jura 418, in dcr K
457.
AspidnrliNiicliiis 423.
As|iidura 382.
Axph'niles 388.
A>tcria> Scliulxoi 448.
.\stoniph\lliles 330, 335.
Astische Stufe 490.
Aslracosp<iiii.'ia 293.
Astronomic als Ililfswissenschafl dor
logie 2.
\s!\ losponi.'ia i92.
Atliyris concentrica 316.
Atlantisclicr (U-oan, seine Slromuimcn 175.
Atlantis 476.
Atolls U2, 191.
Atmospban1 I'riihcr an Knhlcnsuurc rcicher
218.
Atrypa rclicularis 296.
Aturia zickzack 465.
Aufgabe der Geologic 1.
Aiit'liii.'oriiiig 244.
Aufloslichkeit aller Gcsteinc 142.
Auflbsung als hydrocliemischer Process 143.
Aufricbtnng dcr Schichtcn 237, 244.
Angengneiss 81.
Augit, als Gesteinsclement 18, 24; mil Mi-
krolitlien 26, irn Dinbas 60, Zersetzbarkcit
desselben 150.
Augitandesil, pctrogr. Beschr. 69.
Augitporpliyr 61, in d. alp. Trias 402.
Aulococeras 401.
Aulocopium 293.
Aulopora repens 314.
Ausgchendcs 235.
Auskoilcn 234, 236, 252.
Auslaugungsprocesse der Gesteine 145, 148,
149, 151, 152, 155.
Auslcrbanke 191.
Auslralischcr Continent 9, 11, 12.
Auswiirflinge, vulkanischc 88, 103, 249.
Auswurfskegel 103.
Auvcrgne 108, 497.
Avicula sihirisch 296, dyassisch 356, 365,
jurassisch 416, speluncaria 356, macrop-
tera 440, echinata 416, aplicnsis 444.
Avicula-contorta-Zone 388, 393, 396, 402.
Axinus obtusus 480.
Azoiscbc Forinationcn 264 , 269, tabcllariscbe
Uebersicht 283.
B.
Backkolde 44.
Barlryllinm Sclimidi 400.
Baculiti-s anccps 449.
Badener Tcgcl 482, 484.
Bagnor (ii'iipjic 464.
H.iushotsand 464. 465.
Baicra 441.
Baltisclic Kreidc 453.
Bank 234.
Barren 177.
Barricre-Hiir 191.
Bartontbon 464, 466, B. Stntc 4S9.
liary I als Gcstein 38.
Basaltc, (icslcinsj,'nippe 72, pctrogr. Beschr.
72, 73, 76, 78, Zerscl/img dorselbcn 151,
156, ihrc Entstchung 205, ihrc Conlacl-
inctamorphosen 206, 224, -li'.> , im Jura
430, im Tcrliiir 493.
Basallansliriirhc 76, 77, der Tcrliiirxcit 4!i:<.
BasaltcoDglolnerate in Hodmen 496.
Hasalhlcckcn 117, 119.
I Basaltgiingc 75, 77, 118.
Basalljaspis 94.
liasaltlava 75, 76, 77.
Basaltmandclstcin 75, 77.
Basaltkegel 117.
Basallsaulen 76, 118.
520
BasalttufT, pelrogr. lU-sclir. US, Yci kokmii:
durch Basalt 194.
Hasaltthon, 75, 94, Entstehimg 151.
Basaltwacke 75, Entstehung 151.
Bassinfduniger Schichlcnbau 241, dcr Koh-
lenfonnation 329.
Bath 41(5. 417.
Bauschanalyscn 30.
l!;mis 173.
Hcckenfdrmige Schichtenstellung 241.
Belemnites 400, 403, 435.
B. paxillosus 409, digitalis 410, acuarius
410, giganteus 415, subhastatus 416, cnnali-
culatus 416, hastatus 421, subquadralus
440, Brunswiccnsis 443, Ewaldi 443, mi-
nimus 443, quadratus 448, mucronatus 448.
Bellerophoo, carbonisch 336.
Bclodon 389.
Belonite 28.
Belvcdere-Schichten 482, 485.
Bembridge Series 472.
Bergkalk (Kohlenkalk) 338.
Bergmehl 39.
Bergol 46.
Bergschlipfe 169.
Bergtheer 46.
Bcrnsteinfiihrcnde Schichtcnreihe des Sam-
landes 479.
Beryll, als zufalliger Gemengtheil 18.
Besteg 233, 252.
Bestimmung der Gemengtheile der Gesteine 23.
Beutelthier-Reste im Keuper 386, 395, im
Dogger 414, 416, im Purbeck 425.
Beyrichia 298.
Biber, die Oberflachenverhaltnisse beein-
flussend 189.
Bildhauersandstein 446.
Bimsstein, pelrogr. Beschr. 72, Entstehung206.
Bimssteingerdlle 88.
Bimssteinsand 88.
Bimssteinluff 98, 495.
Biltersalz, siehe schwefelsaure Magnesia.
Bitumen, als Reduktionsmittel 148, in den
Kohlen 194, im Gneiss 274.
Bitumindser Mergelschiefer 38.
Bitumindser Kalkstein 35, Gneiss 274.
Biliner Sauerwasser 112.
Blackband, petrogr. Beschr. 42.
Blatterige Structur 21.
Blattersandstein 482, 483, 486.
Blasenraume 21, Ausfiillung derselben 155.
Blasige Structur 81.
Blastoideen der Kohlen formation 334.
Blaltersteirischiefer, petrogr. Beschr. 97.
Bleiberger Schichten 396.
Bleierze 147, 148, 154, 159.
Bleiglanz 154, in Hdhlen 159, 309, in Kohlen
186, am oberen Mississippi 309, des Ober-
harzes 350, von Aachen 351, von Commern
377, in Oberschlesien 381.
Hldcke, erralische 87, vulkanische 88.
Hluc Lead 489.
Bogentrumer 252.
Hohnerz, petrogr. Beschr. 42, Formation 476.
Bohrmuscheln in den Ruinen des Serapis
Tempels 130, gesteinzerstdrend 189.
Bojische Gneissformation 283.
Btimhcn, pctr. Beschr. 88, Entstehung 114,
115.
Bnncbnl, pi-lr. Beschr. 92, 219, siluriscln-s
299, triassisches 386, 388, 395.
Boracil, als accessorischer Gemengtheil 18,
im Gyps 34.
Borsaure, als vulkanisches Product 113, im
Meer 162.
Borsonia gracilis 480.
Bracklesham 464, 465.
Brandschiefer, petrogr. Beschr. 38, 95.
Brauneisenstein , petrogr. Beschr. 42, aus
Rotheisenslein hervorgegangen 146, aus
Spatheisenstein hervorgegangen 146, sein
Auftreten in Gangen 157, in der Trias 380.
Brauner Jura 411.
Braunkohle, petrogr. Beschr. 44, Entstehung
193, 195, 478, 479 — von Bovey-Tracey
473, in der Molasse 475, Norddeutschlands
477.
Breccien, Structurverhaltniss 21, Gestcins-
klasse 31 , petr. Beschr. 91 , Entstehung
213.
Brennung 224.
Bronteus 317.
Brontozoum 395.
Brunncn, artesische 8.
Bryozoenschichten 219.
Buntsandstein 266, Schichtenstdrung desselben
165, 375.
c.
Calabrien, Erdbeben von, 124, 127.
Calamites im Devon 312, in der Kohlenfor-
mation 330, in der Dyas 355, 360.
Calamocladus 330.
Calamopora 314, 293, 334.
Calcaire grossier 467.
Calceola 314.
Calceolaschiefer 320, 325.
Calymene 298.
Camarophoria 356, 365. 369, 370.
Cambrische Formation 277, 278.
Campilerschichten 399.
Canis spelaeus 511 .
Cannelkohle 44.
Caprina 446.
Caprotina ammonia 445.
Capulus 296.
Garadoc Gruppe 305.
Carara, Marmor von, 35.
Carbonate im Basallmaii(lelstcii) 75, in der
Basaltmasse 75, in heissen Quellen 121,
ihre Bildung durch Zersetzung von Sili-
caten 148.
Carbonische Formation 266, 328.
Carcharodon angustidens 466.
Cardiola interrupta 296.
Cardita crenata 400, sulcala 466.
Cardita-Schichten 396, 401.
Cardium porulosum 468.
Carlsbad 121.
Carnallit 367.
Caryocystides 895.
Cassianer Schichten 396, 401.
Cassis cancellata 467.
Register.
521
Catenipora 293.
Catopterus 395.
Catskill Gruppe 335.
Cauda-galli-grit 325.
Caulopteris 378.
(laM-rnose Structur 21.
Cenoman 266, 438, 445.
Cenlrale Erdbeben 124.
Centrali'iiropaisi'he Vulkanoitzunc 494.
Centralwarme 7, 100, Ii2.
Ontralvulkane 107.
Ccphnlaspis 318.
Oratites 375, 378, 388, 398.
C.cratodus 386.
(leritliien-Sandstein und Kalksteio il9, 468,
482, 485.
Cerithium giganteum 466, 467, 468, hexago-
nu in 467, 468, plicalum 473, 484, margari-
taceum 484, lignitarum 485, pictum 485.
Cervus im Diluvium 508.
Chaetetes 334.
Chalcedonbildung 155.
Chama squamosa 466.
Chemie als Hiilfswissenschaft der Geologic 2,
chemische Thatigkeit des Wassers 141, 229,
chemisette Processe durch Sickerwasser ein-
geleitet 143, 152, chemische NiederschlSge
Gesteine bildend 413.
Chemung-Gruppe 325.
l'.liia>U>lithschiefer,petr. Beschr. 85,Entstehung
226, huronischer 278.
Chillesford beds 487.
Chirotherium 378, 379.
Chlor im Meere 162.
Chlorit, als Gesteinselement 18, im Diorit 56,
im Diabas 60.
Chloritgneiss, petr. Beschr. 81.
Chloritschiefer, petr. Beschr. 40, Entstehung
227, huronischer 277.
Chtorkalium 213, 214.
Chlormngnesium 213, 214.
Chlornatrium in Mineralquellen 159, in Flus-
sigkcitseinschliissen 202, Absiitze von Ch.
214.
Chlorwasserstoff als vulkanisches Product 113.
C.hondrites 292.
Chromeisenstein im Serpentin 41.
Chrysotil im Serpenlin 41.
Chtlionisolherme Flachen 228.
Cidaris florigemma 421, coronata 421, vcsicu-
tosa 445.
Cinnamomum 476, 479, 480, 481, 482, 486.
Classification der Gesteine 30.
r.latlirnptci-is 374, -385.
Clymenia 316, 317.
Clymenienkalke 321.
Cnemidium 422.
Coblentziea 325.
Goccosteus 318.
C.orhliodiis 337.
CoeloptNcliium 448.
Colonien im Silur 302.
Colorado. Schluchtensystem durch Krosion
cntstanden 168, 199.
Comment 377.
Conchorhynchus 382.
Concordante Lagerung 235, 248.
Concretionen 19.
Concretionsbildung, Vcrknupfung zweicr (io-
birgsgtieder durch C. 236.
Congeria 483, 485.
Conglomerate, Struclurvcrhaltnisse 22, df-
slcinsclasse 31, — petr. Beschr. 90, biavefl
Conglomerat 91, Entstehung 213, im Lau-
rent und Huron 227, 272, 278, in der Dyas
358.
Conocardium 334.
Conocephalus 223.
Contactmetamorphose 223.
Contactwirkungen der Eruptivgesteinc 202,
204, 223, 224, 2*5, 402, 495.
Continents, ihre Gruppirung 9, itire Glinlr-
rung 10, ihre Umrisse 11, Versinken dcr-
selben 132, 178, Entstehung derselben 135,
136, 137, Gesetzmassigkeit ihrer Conturfor-
men H, 136, ihr wiederh. Untertauchen 178.
Conus deperditus 467.
Coralrag 421.
Corbis subclathrata 423.
Corbula Rosthorni 401, im Purbeck 424, sub-
pisum 474.
Cordieritfels 80.
Cornbrash 416, 417,
Corniferous Limestone 325.
Cornubianit 84.
Coronaten-Schichten 415, 417.
Corsit, petrogr. Beschr. 57.
Crag 487.
Crania ignabergensis 448.
Crassatella sulcata 466, ponderosa 468.
Credneria 434, 446.
Cretaceische Formation 431.
Crinoidenkalk 35, 219.
Crioceras 443.
Crioceras-Schichten 438, 443.
Ctenacanthus 337.
Ctenodus 337.
Cuboides-Schichten 325.
Culm 266, 377.
Culmgrauwacke 339.
Cultrijugalen-Schichten 325.
Cunningliamites 446.
Cupressinoxylum 479, 481.
Cupressites 479.
Cupressocrinus 314.
Cyanit als accessorischer Gemengthcil 18.
Cyathaxonia 293, 334.
Cyatheites 355.
Cyathocrinus 295, 334.
Cyathophyllum 313, 293.
Cycadeen der Trias 374, des Wi-aMcn '• '. I, <i-J
Cyclas im Purbeck 424, im Wealdcn 442.
Cyclotithes 448.
Cyclopteris 332.
Cypridina, devonisch 317.
Cypridinenschiefer 321, 322, 3i.'i.
Cypris 357, im Purbeck 22i, im Wealdcn 442.
Cyrena im Purbeck 424, irn Wealdclay 442,
im Tertiar 465, 473.
Cyrenenkalke 219.
Cyrtoceras 316, 297.
Cystideen 295.
Cystiphyllum 314.
Cytherea incrassata 474.
r>22
I).
Daohtlaoho 235.
Dachflotz 365.
Daohschiefer, petrogr. Bi'schr. 95. von Glarus
471.
DachsliMti 384.
l);n -hstdnkalk 396, 401.
Dadovvlon 312, 333,
DainpIV, vulkan., metamorphosirend 222.
DammrifT 191.
Dampfausstromungen aus vulkan. Gest. 201.
Danien 439, 450, 451.
Darwin's Theorie 257.
Dalolilh ini Diorit 396.
Daubree's Versuche 202, 207, 227.
Dechen, von, geologische Karten 4.
Dot-ken, vulkanischc 117, 120, 248.
Doislorsandstein 438, 441.
Deltas, Entstehung derselben 171, in den
Gebirgsseen 171, des Nil 172, des Po, der
Rh6ne, des Rhcines, des Mississippi 173.
Deiidrerpeton 337.
Donlaliuni. triassisch , Jac\e 382, tertiar
Kickxi 475.
Descendenz-Theorie 257.
Detritus der Fliisse 170.
Devonische Formation 266, 310.
Diabas, petr. Besclir. 60, Unterschiede vom
Diorit 61, Entstehung 210, im Huron 284,
im Silur 304, 306, im Devon 324, im
Carbon 347.
Diabasaphanit 60.
Diabasiuandelstein 61.
Diabasporphyr 60.
Diabasschieler 60.
Diabastufl im Devon 324.
DtagoBalschtcbtaag 234.
Diagonaltrum 252.
Diallag 62.
Diamant, als accessor, (letnengtbeil 19, 279.
Diatomeen , Kieselpanzer der D. 39, 188,
Kieselsiiureabscheidung durch D. 188.
Diceras 422.
Diroratenkalk 422.
Diohroit, siehe Cordierit.
Dichte Structur 20.
Dichtigkcit der Erde 6, 7.
Dictyonema 292.
Dictyophyllum 441.
Dikelooeplialus 282.
DiluvMlablagerungeo Norddeulschlaods 503.
Dilu\ialgosdiiebe 499, 503, 504.
Diluvialgldsdior 505.
Diluvium 266, 459, 497.
Dimerocrinus 295.
Dinornis 514.
Diiiotheriuin 476, 483, 484, 485, 487.
Diorit, petrogr. Bcschr. 56, "Unterschiede vom
Diabas 61, Entstehung 210, im Devon 324,
im New Red Sandstone 395.
Dioritaphanit 57.
Dioritporphvr 57.
Dioritschiefer 57.
Diphyenkalfc 4i4, 425.
Dtplograpsas 294.
DiM-oidca 445.
Discordante Lagerung 243, disc. Parallel-
structur 375.
Dislocationen 242.
Ditroit, petrogr. Beschr. 55.
Doiigor 266, 405.
Dolerit, petr. Besclir. 72, 76, im Tertiar 495.
Doleritartige Leucitbasalte 78.
Doleritlava 73.
Dolomia media 396.
Dolomit, petr. Beschr. 36, seine Entstehun.L'
145, 216, 22t, Hohlen in demselben 163,
huronischer 279.
Dolomitasche , petrogr. Beschr. 37 , in der
Dyas 365.
Dolomitischer Kalkstein, petrogr. Beschr. 35,
seine Doloroitisirung 145, seine Entstehung
216, 218.
Dolomitisirung <45, Schiclilensldruiig durch
D. 165, verschiedene Processe der D. 220.
Dolomitspath als Gesteinselement 18, Auf-
loslichkeit desselben 145.
Domanikkalk 322, 325.
Domit, petrogr. Beschr. 66.
Domvulkane 116, 120.
Donau, Flusslrube derselben 170.
Drift 503.
Dromatherium 395.
Drusen 19.
Drusenraume, Ausfiillung derselben loo, in
Gangen 251.
Duckstein, petrogr. Beschr. 98.
Diinen 174, 178, 195.
Dunit, petrogr. Beschr. 80.
Durchdringlichkeit aller (losleine 142.
Durchgreifende Lagerung 204, 247.
Durchwasserungsmetamorpliose 229.
Dutenmergel 19, 406.
Duttweiler, Kohlcnbrand von 223.
Dyas 266, 353.
Dynamische Geologic 100.
£.
Ebbe und Flutli in den Flussen 174, 176,
178, an den Meeresufern 176, 178.
Echinobrissus scutatus 421.
Echinodermen, kalkabsopd»rod 191.
Echinooncrinus 295.
Echinolampas 481 .
Echinosphaerites 295.
Egeln, marine Gebildc von Eyoln 479.
Eifeler Vulkane 494.
Eifeler Kalk 36, 320. 325.
Eimbeckhauser IMatlenkalko. 424, i25.
Eindriicke in Geschieben 91.
Einfache Gesteino 31.
Einfallen der Schichten 238.
Einschliisse, fremdc 25.
Eis , pelrogr. Beschr. 31, seine geologischo
Thatigkeit 138. 179.
Kin««lurzkratcre 104.
Eisberge 32, 184, 499.
Register.
Eisenerze 41, 148, im laurenl. (ineiss 272,
273, 276. im Huron 279, im Silur 291, in
der Kreido 433.
Eisenjzlanz als vulkaiii-elies Product 413.
Eisenglimmerschiefer 81, huronischer 277.
fcisenkies, als aeressorisrlier Gemenglheil 19,
seine Zersetzung 1*7, seine Bildung 154.
auf Ilohlen 158.
Eiseuoolitl) , polrogr. Beschr. 43, im Dogger
412.
Eiseuoxyd als Rotheisenerz 42, in Eisen-
n\\dliydrat uniuevsaiulrll 146.
BUenoxydbydrat als Brauneisenerz 42, aus
Bwenoxyd entstanden 146, aus Spatheisen-
Mein 146, Reduction desselbcn 148, Ab-
lai:eriiMizeii desselben 160, 161.
KiM'no\\dsilicat, Reduction dcsselben 148.
F.iMMin.xvdulcarbonat als Spatlieiseiislein 41,
146.
Eiseno\\duli>x>d als Mngncteisenslein 43.
Biseooxydulsilicat, OxydaUoa desselben 146.
Kisenspatli 41, 146. iiii Silur 291.
rliM-nvitriol 147.
F.iM'uirhen 505.
Kisriimen und -rilzen 184, 185, 505.
Eisschlifle 184, 185, 505.
Kis/eit, (ilt-lsclier der E. 182, 184, Besclir.
dor K. 498.
Eklo.uil, petrogr. Heschr. 79.
Eliiolith im l-O\ait 55. .Miascit und Ditroit 55.
Klaslisclier Samlstein 87.
Elephas ">07. 514, 516, 517.
Ell'onhoin , diluviales 512, mil /eichnungen
von Elephas voisohen 517.
Eilipsoidgestalt der Erde 5.
Elton-See 215.
Elvans 326.
Einporli-oihungen 242.
KiiciiinliMiknlk 249, 379, 383.
Knci inns 382.
Endnioraneii 1S3.
KnlstrliuiiL'v\\i'ise der Conlinenle 107, 460,
dfi- Vulkiinciikegel 40i, der liomogcnen
Vnlknne 119, Entslohung der Bomhen,
l.apilli, Sandc, Aschen 114, 115, der Krd-
hfbcn 123, 128, dor Eruptivgesteine 201,
dci- Scdimciiturgesteino 211, der meta-
inorpliisclnMi (Jesteine 219.
Entwicklongsgetchtchta der Erde 255.
K....HI 2C.6, '.64.
Knsaiirus 3M8.
Ku/njsrlir Fnrmationcn 269.
Ko/.oun i6y, 273.
Snnd 482, 484.
4. 378, 885.
l'j]ti\i-« im Diluvium 508.
Erhsrnsli'jM, pclrogr. Bcsrlir. 36.
Erdbelu-n, mil vnlkan. Eniptioncii \ri liuudcin-
114, 115. 127, 128, vulkanisrlic Erdbcl.ni
123, dop|)rl|(> tiisacli*' der Krdbeben 123,
liilensilat derselhen 123, wellenformige
und slossformige 123, centralc, lincare,
transvcrsale 124, Fortpllanzungsgesch\\in-
di^keit derselben *25, Dauer und Ans-
deboOBg deisethen 125, Wirkunii dt-rscl-
ben 127, Beziciiung z>\isclien Erdbeben
und <it'»ljrnciins(cllation 127, Niveauver-
anderungen als Kolijen derselben 128, 131,
E. in Folge unterirdischer Einsliirze 140,
162, 163.
Erdbriinde, Wirkungen 223.
Knlerschiilteningen 114, 123, 162.
Erdfalle, Vorkommen und Bilduna 162, 163,
164.
Erdfeuer 195.
Erdgcstalt 5.
Erdkern, Gluthlliissigkeit desselben 7, 100,
\±t.
Erdkolile 44.
Erdoberflache, Reaclionen aut diesclbe 100,
128, 137.
Erdoel 46, seine Oxydation 148, seine Ent-
stehung 194.
Erdpech 46, 148.
Erdstbsse 123, 162, 163.
Erhebungskratere 104.
Erloschene Vulkane 112.
Erosion 167.
Erratische Bldcke 185, 499, 503, 505.
Erschiitterungskreis der Erdbeben 124.
Erschiitterungszone der Erdbeben 124.
Erslarrungsfolge der tiranitgeinenglbeile 207.
Erstarrungskruste der Erde 210, 268.
Eruption der Stratovulkane 114, Yorlaufer
eincr Eruption 114, Eruplioncn der Gey-
sirs 121, der homogcncn Vulkane 119.
Eruptivgcsteine, ihre Entstehuiii; 201, Hire
chai akteristischen EigcnUiiimlichkeiten 203,
jiingcre und allere 205, ihrc Conlakl-
metamorphosen 223, der azoisclicn For-
mationen 284, des Silur 304, des Devon
324, der Kohlenformation 347, der D\as
361, der alpinen Trias 402, im New Red
Sandstone 395, im Jura 430, in der Kieide
456, der Tertiarperlode 493.
Kruplivjiewasser 201, 225.
Erze auf GSngen 157, in der laurentisclien
Formation 272, 273.
Erzgiinge, Enlslcbung 157, in den azoischen
Formalioiien 287, im Silur 308, im Devon
327, im Carbon 350.
Kr/i:ebirge, die Erzgiinge des E. 287.
Krz.-esteine, Familie der 41.
Esino 397.
Essencr Griinsand 438, 453.
Estheria 386.
Eucalyptoerinus :H4.
Eulysit, petr. Beschr. HO.
Euomphalus, devoniscb 31 (i, c.irbuniseh 336,
Exhalation von Gasen als Aeusserun!.; de.s
Vulkanismus 112, durch organische /IT
-etzunj-en entslanden 195.
i:\..u\ra virgula 423, sinuata 437, 440, Con
loni 437, 440, lateralis 445, cnlumha 445,
laciniata 448.
F.
Facies der Formationcn 260.
Facherformige Schichtenstellung 240.
Fallelung der Scliichlcn 838,
Faulnissprocesse 187.
Repislor
Fallhamirr in (lei- laiiivntiM-hcn Formation 272,
286, \on kongsberg 288.
Fallen dor Schirhten 238.
Falsche Suliieferuiif; 246, 326.
Faliung der Schichten 23.S, 239, 241.
Farbe des Carnalliles, Heulandites, Pcilhites
u. a., durch Mikrolithe bedingt 26.
Fame der Steinkohlenperiode 331.
Fasergyps 34.
Faserige Structur 21.
Faserkohle 44.
Favosites 293.
Faunen und Floren, ihre Vertheilung das Re-
sultat von Niveauveranderungen 132, 434.
Faxbekalk 438,. 450, 453.
Feldspathkrystalle, zerbrochene im Porphyr, •
209, 231.
Feldspathgesteine, altere 49, jiingere 64, feld-
spathfreie gemengte Gesteine 79.
Feldspathpsammit, petr. Beschr., 89.
Felis spelaea 511.
Felsarten 17.
Felsenmeer 50.
Felsitfels, petr. Beschr., 53, 209.
Felsitpechstein, petr. Beschr., 53, 209.
Felsitporphyr, petr. Beschr.. 51, seine Enl-
stehung 206, 209, Lagerungsverhaltnisse 209,
Contaclwirkungen 209, im Silur 306, im De-
von 326, im Carbon 347, 348, in der Dyas
361, im Jura 430.
Felsittuff 96, 209.
Fenestella 356, 365.
Festland und Meer, ihre Vertheilung auf der
Erdoberflache 9.
Feuer, ewige von Baku, 196.
Feuerstein, petr. Beschr., 39., in d. Kreide 432.
Findlingsblbcke 499.
Firn 31, 179.
Fische, silurische 298; devonische 348.
Flabellaria 479.
Flabellina 448.
Flammenmergel 438, 443.
Flaserige Structur 21.
Flaserporphyre 83.
Fleckschiefer, petr. Beschr., 86, Entsteh. 226.
Fliessende Gewa'sser, ihre mechan. Thatig-
keit 465.
Flint, siehe Feuerstein.
Flintconglomerat petr. Beschr. 91 .
Flbtz 234.
Fluctuationsstructur 21, 28, 29, 204.
Flugel von Schichtenzonen 239.
Fliisse, ihr Mineralgehalt 161, ihre Transport-
t'aliigkeit 170.
FlussigkeitseinschliisseimAllgemeinen27,202.
Fliissiger Urzusland der Erde 6, 7, fliissiger
Erdkern 7, 9.
Fluor im Meere 162.
Fluorcalcium in den Carlsbader Thermen 121,
Zerselzbarkeit 452, Lbslichkeit 457, aufGan-
gen 457, im Meere 162.
Flussbett, Erhbhung desselben 171.
Flusspath im Marmor 35, in Giingen 457.
Flusstriibe 470, 474.
Flussterrassen 4 74 .
Fluth und Ebbe, siebe Ebbe.
Fluth, in die Fliisse steigend 474.
Flnlhon, ihre Wirknngon 176.
Flbtzleerer Sandstein 339, 340.
Floren, ilirc YcTtheihing das Rcsullat von Ni-
veaaverynderungen 132, 434; zur Xcit der
carbon. Periode 195, 200.
Flysch 471.
Fontainebleau, Sandstein von, 472, 475.
Foraminiferen, kalkabsotidernd 494.
Formationen 259.
Formationslehre 255, 268.
Fortpflanzungsgeschwindigkeit d. Erdbeb. 425.
Foyait, petr. Beschr. 55.
Franklinit 273.
Freiberger Gange 287.
Frictionsstreifung 204, 501.
Friedrichshaller Kalkstein 384, 393.
Friltung 224.
Froschsaurier 337.
Frost als geologisches Agens 168.
Fruchtschiefer, petr. Beschr. 86, Entsteh. 226,
Fucoiden 292.
Fucoidensandstein 305.
Fullersearth, petr. Beschr. 94.
Fumarolen 113.
Fundamentalformation 268, 275.
Fundamentalgneiss 283.
Fusulina 334.
Fusulinenkalk 219, 334.
Fusus elongatus 474, multisulcatus 480, ko-
nincki 480.
Gabbro, petr. Beschr. 62, im Devon 324.
Gabbro-Norit 63.
Gange 247, 251, 252, 253, in den azoischen
Formationen 287, im Silur 304 , im Devon 327,
im Carbon 350, in der Kreide 475.
Galerites 446.
Galestes 426.
Gallionella-Schalen, Kieselguhr bildend 188.
Galmei im Muschelkalke 380.
Gangauslenkungen 253.
Ganiikreuz 253.
Gangspalten , Ausfiillung derselben 157, 251.
Gan»zug 253.
Ganoidfische289, heterocercale 318, 337, 357,
375.
Garbenschiefer, petr. Beschr. 86, Entsteh. 226.
Gargasmergel 438.
Case im Steinsalz 32.
Gasentwicklung, siehe Exhalationon.
Gasquellen 495.
Gault 266, 438, 443.
Gebanderte Structur 21..
Gebirge und Beriie, Definition 13; ihre fcnt-
stehung 135, 136, 137, 245, 460, ihr Allor
244, Gesetzmassigkeiten in ihrcm Vorlaufe
u. ihrer Grosse 14, 136, ihre Herausbilduiii;
durch die Thaligkeit des Wassors 139, al>
Wasserreservoirs 16o.
Gebirgsbache, ihre Thatigkeit 139.
Gebirgsglieder 233.
Gebirgspasse 44.
Gefalle der Fliisse 467.
Gelenkquarz 87.
Gemengte Gesteine 31.
Register.
525
Gemiincleiier Maar 405.
Gencratio aequivoca 257.
(ienesee-Slale 325.
(ieoilen 20.
<;-M, i:imslisi:he Kartell und Prolile :
stische Yerhallmsse u. Yerhreilnng der Yul-
kane lii. iiinl Yerhreitung il. Erdbehen 124.
Geulogisrhe /eilscliril'len 3.
Geologic, ihre Antaihe I, ihre Eintheilung 1 ,
ihre Hill'sNvissensrhal'ten i, ihre Literalur 3,
physiographische G. 5, petrograph. G. 17,
d\ nainische 100, petrogenetische 200, archi-
teklnnischt! i3i, histnrisclif 255.
Gcographie als Ililfswissenschat't d. Gcol. 2,
GeotbennMche Tiefenstufe s.
(ieradlaut'eixler Scliiehteiibau 239.
(lerulle, petr. Beschr. 87, Entstohung 139, 170.
Ger\illia, dyassisch 357, triass. 374, 378, 382.
(in •\illienbanke 219, Gerv.-Schichten 396, 402.
i.eM-hirhtete Stniotur 22, (U-scli. Gesleine 31,
(iesdiichtete Gebirgsglieder 233.
(ieschiobe, petr. Beschr. 87, mitEindriicken 91,
Entstehung 170.
(iotadoinseln 10.
tiestalt und Grosse der Erde 5.
(ifsi-l/iiiii>sii.'ki'il in den Umrissen der Conli-
nente 11, 136, in den Relieffnrmen 14, 136.
(ir-UMiic 1 7, alle Gesteinc sind durchdringlich
und autlosslicli iiu \Vasser 142.
Gesteinsbildong vennitt. durcli Orgnnisii). 141,
17.
22.
en durch hydrochemische
Frocesse 152, 220, 229, durch Eruptivge-
slriiir 223.
rifstirnconstellation und Erdbeben 127, 125.
dotreckte Structur 21.
(it-Nsir 7, 121.
Gezeiten 174, 176, 178.
Glacialablagerungen 501.
Glanzkobalt. 367.
Glacialsand und -It-Inn 502.
Glanzkohle 44.
Glas iin Basalt 74.
Glaseinschllissc 25, 204.
Glaukonit 36, 432, 434.
Glankonilisdic Kreide 36, 431.
Glaukonitrnergel, pelrogr. Beschr. 37, in der
Kreide 432.
Glaukonitsand 431, 432.
Glauknnitsandsein, petrogr. Beschr. 89, in
der Kreide 432.
Gleichfdrmige Ucberlagerung 235, 243.
Gletscher 179, untere Grenze 181, Verlnvi-
lung 182, Gletscher der Eiszeit 182, 184,
Thiitiiikeit der Gletscher in geol. Beziehung
186, in der Eiszeit 499, 505.
(ilclscherba'che 184.
(',lct<rlifrbewegung 180.
Glelsrhcivis 32, 179.
Glelscherschliffe 499.
Glimmer als GesteinsHement 18, i. Marraor 35,
des Granites 49, des Granitporphyres und
Kolsitporphyres 52, des Syenites 54 , des
Diorites 56, des Quarztrachytes 65, des Tra-
rliyti-s 66, im Basalt 74, des Greisen 79,
di-s Gneiss 80.
(ilimmrrdiorit, pelr. Besrhr. 56.
CilinuniM-i;nfiss p(Mr. Bcsclir. SI, Entsloh. 227.
GliinincrporpliNrit pclr. Beschr. 58.
Gliiniiicrsaiuistfin 89.
(ilirninorschiefcr, petrogr. Beschr. 84, Rnl-
stohung 227, huronischer 277, devon. 311.
Cilimmersjenit pelr. Beschr. 54.
("iliiiinierthonschiefer 85.
Cilohigenna 484.
Gluthlliissi-er Erdkern 7, 9, 100, 122, ur-
spriinglich gluthfliissiger Znsl. der Enle 2C7.
Gl\ptodon 513.
Gneiss, petr. Beschr. 80, rolher und grauer 81,
/.ersetzung desselben 150, Entstehnng 227,
als Glieder dor laurent. Formation 270, im
Devon 311.
Gneissgranil, potr. Beschr. 50. 80.
Gneissizranulit 82.
Gold, als access. Geniength. 19, im Huron 280.
Goldconglomerat 489.
Goldiiihrende Gange von Siebenbiirgen 497.
Golfstrom 175.
Goniatitenkalk 321, 325.
Goniatites, devonisch 316, carbonisch 336.
Gosauschichlen 439, 448.
Gradmessung 5.
Grammatit im Marmor 35.
Granat als Gesteinselement 18, 19, im Mar-
mor 35, zerbrochene Granatkrystalle 231.
Granatfels petrogr. Beschr. 80.
Granit, petrogr. Beschr. 49, scdimenta're und
eruptive Granite 50, Zersetzung desselb. 150,
Entstehung des eruptiven Granites 50, 207,
Lagerungsverha'ltnisse 208 , Contactmeta-
morphosen 208, 225, Sedimentargranite im
laurent. Gneisse 270, Eruptivgranit in den
azoischen Formationen 284, 285, i.Silur 307,
im Devon 326, im Jura 430.
Granitgneiss 50, 80.
Granitit, petr. Beschr. 50.
Granitporphyr pelr. Beschr. 51 , Zerselzung
desselben 150.
Granulit, petr. Beschr. 82, Zerselzung des-
selben 150, in der laurent. Formation 271.
Graphit, als Gesteinselement 18, im Marmor 35,
als Gestein 45, im Gneiss 81, 274.
Graphitgneiss, petr. Beschr. 81.
Graphitschiefer, petr. Beschr. 45, 274, 279.
Graptolithcnschiefer 294, 300, 302, 305.
Graptolithes 294.
Grauer Gneiss 81.
Grauliegendes 364.
Gramvacke petrogr. Beschr. 90, 96, von Cob-
lenz 320, der carbon. Formation 328.
Grauwackenformation 289.
Great Oolithe 416.
Greensandformation 431, 432, lower Gr. 437,
439, 451.
Greisen, petr. Bescbr. 79.
Gres de BeauChamp. 468.
Gresslya abducta 415.
Griffelschiefer, petr. Beschr. 95, 246, 302, 305.
Grobkalk von Paris 467.
Grobkohle 44.
Grodener Schichten 396, 398.
Griinsalz 486.
Griinsandstein, petr. Besch. 89, in d. Kreide 4 32.
Itrjoster.
Griinstein, pelr. liesrlir. 60.
<ii •iinsleintiill' petr. Bfsrhr. '.17.
GruheiiNvasM'r 142.
Grundeis 32.
Grundiiehirue 268.
Grundmoranen 184.
Gnippiruiii: der C.ontincnle urul Oceane «J.
Cms, petr. Uesrhr. 87, Bildung 149.
<ir\phaea iirciiiita 408, cyrnbium 409.
GrypbaeokaJk 210, 405.
Guano, pelr. Be.schr, 46, 219.
GufTerlinien, siehe Moranen.
Gutbiera 374.
Gultenstciner Schichlen 396, 399.
Gyps als Gesleinselement 18, petr. Beschr.
des Gesteines 33, Gyps und Auhydrit ver-
gesellschaftet 34, seine Autlusung und Weg-
fuhrung 144, aus Anbydrit hervorgei.'. 146,
als Quellabsatz 161, gypsfiihr. Quellen 163,
Schxvefelwasserstoff liefernd 183, Ablage-
rung desselben 214, vulkan. Gypsbildun-
gen 222, Mannigfaltigkeit der Entsteh. 228,
ia dor Dyas 365, des Montmartre 473.
Gypsschlotten 34, 144, 163, 366, Einsturz der-
selben 164.
Gxrolepis 375, 382.
H.
Haarspalten ini Gletschereis 32, 180.
Haffe 177.
Hallellinta, petr. Beschr. 83, in der lauren-
tisclien Formation 271.
Halianassa 482.
llallstadter Kalk 36, 396, 400.
llalobia Loinineli 400, Schichten der Hal.
Lommeli 396, 399; H. rugosa 401.
Haloidgesteine 31, 32.
HaKsites catenularia 293.
Hamilton Gruppe 325.
Hamites 444.
llangondus 236.
llaplocrinus 314, 315.
Haselgebirgo, pvtr. Besclir. 92, 400.
Hastingssand 439, 441.
Hauptdolomit 396, 101.
Hauptkieselschiefer 302.
UiMipliiiusclu-lkalk 379, 393.
llau\n, im I'honolilh 67, iiu Ncpholinbasalt
77, im Leuritbasalt 79.
llciulon Series 472.
llcbuiiiicii des Hodens 12S, /.u (irl.iriicn 245,
in ilcr postcarboaiscben I'd-indi- :(.">:<, 354.
Ili-isM- yucllcn 120.
Halderberggruppe 305, 325.
Hi-liN hispida (plebeja), 511.
llt-UcliNclii- Stufe 486, 490.
llemicidiiris 421.
Ili'inirosinites 294.
llfinpstead series 473.
llt-n •iiliinnin 115.
llfK ynischo Thonschiefer 283.
Herstellung vun (it>slciiis>rldifTen 23.
Hersumerschichten 42."..
•llcli-nii crcale Ganoidfisrhe 289, 318, 337,
357, 375.
Nils 266, 437, 438, 439.
Ililsnmt-'loiiKTat 437, 438, 439.
Ililssandstein 437, 438. 439.
lliMImn 437. 438, 439.
Hippopotamus 509, 511 .
Hippolheriiim 483, 484,
Hippiiritcnkalke 219, 435, 446, 447, 452.
Hippuriles 435, 436, 446, 447, 45(1, 452,
455.
Historische Geologic 2, 255.
Hoclicbcne, Definition 12.
Hochgebirge, Definition 13.
Holie, relative und absolute 13. miltlere Hobe
der (lontinente 14.
Hohlen, ihre Entstehung 140, 162, ihr Zu-
sammensturz 140, 162, ihre Ausklcidung
158, 163.
Hohlenbreccie 163, 509.
Hoheutwiel 497.
Hohlefels 516.
Holasler 445.
Holoptychius 318.
Homalonolus 317.
Homogene Structur 20, horn. Vulkane 116,
248, deren Entstehung 119.
Homologe Gestalt der Continente 12.
Hornblende als Gesleinselement 18, 24, mil
Mikrolithen 26, des Granitporphyres 51,
Hornblendegebilde im Pechstein von Airan
53, im Syenit, 54 , im Diorit 56 , im Corsit
57, im Quarztrachyt 65, des Trachylrs
66, des Andesites 68, des Basaltes 71 , ilcs
Granatfels 80; Zersetzung derselben 151.
Hornblende-Andesite, pelr. Beschr. 68.
Hornblende-Gneiss petr. Beschr. 81.
Hornblendefels, pelrogr. Bcschr. 40.
Hornblendeporphyrit, petr. Beschr 58.
Hornblendeschiffer, petrogr. Besclircib. 40.
227, 277.
Horner Schichten 4S4.
Hornfels, Entstehung 225.
Hornstein, petrogr. Beschr. 39.
Hudson Periode 305.
Hungerquelk'ii 166.
Huronia 297.
Huronisclie Formation, Genesis 227, 230,
Stellung 266, 269, BesHnvibimg 277.
Hyaena spelaea 511.
Hybodus 375, 382, 386.
Hydatopyrogen 202, 207.
Hydatotlienni?.cli 204, 225.
Hydro-eliemisehe I'roeesse I4li, 152. hyd.
Metamorphose 229.
Hylonomus 337.
Hyperslhen. Melallglanx ilosolhen <lm-rli
Mikrolithe bedingt 26, im H\ persllienil (i3.
Hypersthenit , pelrog. Hesdn. 63, in der :il
pinen Trias 402.
H\po;_'ei>e Metamorphose 228.
Hypnnm ui'oenlnmlicum von Srhnssi'iiried ."> 1 "•
I.
.lakulsk, iieolliermisclie Tiel'enslul'e in, 8.
janira ijuadricostata 4 is.
.laspis, petroura]ih Besehr. 39.
Iberger Kalk 325, 322.
Ichthyosaurus 407.
[guanodon 436, 443.
Ilfraeombe Gruppo 325.
IllaoilU* 2US.
Imprajiiiation dureh h\dalolhermisclie (lou-
tactiQetemorphose 225.
Incrustationen clurch kalkcarbonat 121.
Indusienkalk 475.
Inferior-Ooliihe 417.
Inoceramus pol\ plocus 4 H, 415, sulcatus 443,
444. slriatus 445, Brongniarti 446, labiatus
447, prnbleinatiriis 447, mytiloicles 447,
C.ripsi 449, Cuvieri 449.
Inseln 10.
liistantane Niveauveranderungen 128.
lutcrmitlirende SpringqueUen 121.
Jod, ini Moer"162.
Irrblocke, siohe erratische Blocke.
Isrln plorus 395.
Ilacolumil petr. Beschr. 87, iiurunischer 279.
Juraformation 266, 402.
.lurakalk 35.
K.
Kiinnelkohle 44.
Kacnozoisch, 264, K. Formaliousgruppe 459.
Kali, Carbonalbildung 148, 149.
Kalifeldspath, /.ersetzung desselben 143, 149,
150.
Kalisalze YOU Stassfurt 367.
Kalisilicate, Zersetzung derselben 148.
Kalkaphanit 61.
Kalkausscheidung durch Organismen 141, 188.
189.
Kalkcarbonat, als Kalksteiu 34, im Dolomit
36, im Diabas 60, 61 , in hcisscn Quellen
121., in den tliessenden Gewassern 141.
scin Kreislauf 141 , seine Loslichkeit 145,
seine Kutstohuu.u' aus Silicaten 148, 149,
155, 156, seine Wanderung 158, in Fliissen
16f, im Meer, 141, 162, 189, 216.
Kalkgcbirge, Entziehung von kohlensaurom
Kalk U6, n-icli an llolilcu 146, 163.
Kalkidimmerschiefer, petrogr. Beschr. 35, 85,
179.
Kalksilicale, Zersetzung derselben 148.
KalkMiik-r 35, Knlslchung 158, als Quellab-
sat/ 160.
Kalkspatl; al> < icslrin^clriuciil 18, 34, im
HaMilt 1 56, im Mc'laphyr 155, auf Giingen
157, in Iluhlen 158, als Om-lhd.satz 169.
Kalkslcin, pctrii^r. Kc.schr. :U , Aufloslic-hkcit
desselben 145, llohlt'ii in dcmselbcn 163,
AMaLM-i uni: 416, zoogenc 218, seine Dolo-
iniii-ii-un^ iio, seine Dmkryatalliairuog 224,
2i5, 430, laurentischc Kalkstciuc ii(J, 227,
271, huronischc 279.
Kalkluir, pcliot;r. Hcschr. 36, Entstcliiint;
mill AlilirjiTiuii; 160, 188, im Diluvium lius.
Kampf urn's Dasein 257.
Uaiils, In- |1\ |)o||icse 267.
Kaolin, pclroiif. Krschi. '.i;{, KiiUlchung 150.
Kc^cl, \ulkanisrhc 102, 116, 117.
Kcilformii.'f (icstalt di-i ('.oiitiin-uli- H.
kcllo\\a\ 417.
Kcrsantit, petrogr. Beschr. 57.
Kcrsauton, petrogr. Beschr. 57, 58.
Kesselkrater 105.
Keuper i66, 375, 384, 393.
Kies, petrogr. Beschr. 87.
Kicseljit'steine, Familic der, 38.
kii-MMguhr 39, 188, 189.
Kieselpanzer der Diatomeen 188.
Kieselsaure in heissen Quellen 121, in Losmif;
in Sickerwassern 148, ausgeschicden durch
Thiere 188.
Kieselschicfcr, petrogr. Beschr. 38, der car-
boniscben Formation 328.
Kieselsinter 39, 121.
Kiescltuff 39, Entstehung 121.
Killas 326.
Kimmeridgo 423.
Kiuzi^it, petrogr. Beschr. 80.
Kirkdale Hohle 511.
Klastiscbe Gesteine 20, 21. 30, 87.
Kliniatischc Verhaltnisse wiilirend dor car-
bonischen Periode 345.
Klimazonen, ihre Herausbildung 460, 497.
Klingsteju, petrogr. Beschr. 67.
Klippenkalk 424.
Knickungen der Schicbten 241.
Kuistersalz 32, 486.
Knochenbreccie, petrogr. Beschr. 92, 219,
silurische 299, diluviale 511.
Knochenhohlen 163, 509.
Knorpelfische 375.
Knolenschiefer, petrogr. Beschr. 86, Enlslehung
226.
Knotenerz 377.
Kobalterzgauge in der Dyas 367.
Kochsalz im Meere 162, 213, Ablagerung 214.
Kornige Structur 20.
Kossener Schichten 296, 402.
Kohlen 43, ihre Enlslehung 192, die Lang-
samkeit ihres Bildungsprocesses 199.
Kohlenbildung 192, als geol. Zeitmaass 299.
Kohlenbrandc, ihre Wirkung 223.
Kohleneisenstein, petrogr. Beschr. 42, in dor
carboniscben Formation 329.
Kohlenformation 266, 328.
Kohlengesteine, Familie der, 43; ihre tluter-
scheidungsmorkmale 45, ihre Entstebmm
192, 11)3.
Kohlenkalk, petrogr. Beschr. 35, 266, 329,
338.
Kohlensiiure als vulkanischcs Product 112,
113, in den Gewassern 141, als /crsotzun-s
miltel 141, 143, 148, 151, 155, 157, duivli
Verwcsung cnstehend 186, 192, 1 94, 195,
196.
K6hloiisaiiicc\halationen der Laacher Gegeud
112, aus Vulkanen iiberhaupl 113.
Koblensloiraufspeichorung durch Pflaiizen 189,
192.
Kohlon\va>sorslon" als Koductioiisiuillcl 148,
186, aus I»nanzen onlslohoiid 19i, net. I'.i.i.
Kongsberg 288.
Kopf; auf dom K. slobeii 238.
Koprolitlicn 219, 509.
Konillou, l.ebeii>spliii|-e dorsolben 132, 190,
ibr Wachslhum als /.oilmaass 1119.
Register.
Korallonbaulon , als Beweiso fur
134, 191, Bodingui)'_'on fur diesolbon 190,
,iU thiorisriie KalkausscbeidoDgefl aus dom
Moon- litii, ;)ls Zeitmaass 199.
Knrallonkalk, petrogr. Bosr.hr. 35, 219. iin
Jura -'.41. '.45.
Kurallonkreido 419, 432.
Ki.rallenrifle 132, 141, 190.
Knniiid jtn Murmur ;(.">. mi Dolumit 37.
Kranifii/i'lkalko 34! , 345.
Kr.itrr KM , il.'s Kilauoa 102.
Kratorinsoln 106.
Kivido. polrogr. Besdir. 36, zoogon -J)9, ill
Marmor amgewaodelt 445 . in dor Kreido-
funiialion 434.
Kreidefonnation 466, 431,
Kroidetuff 219, 432, von Mastricht 438, 450.
Kroislauf des Stoffes 140, 211; des Was-n-
138; des Kohlenslofles 192, 193.
Kryolith, in der lauront. Format. 271.
Ki \stalle, zorbrochene 209, 231.
Krystallgruppen 19.
Krystnlliuische Gesteine 20, 80, Synopsis der-
selben 31.
Krystallinischer Bildungsprocess 231.
Krystallinisclic Schichtenreihen, Genesis 227,
230.
Krystallinische Schieferformalion 277.
K'rystallsamlstein, petrogr. Beschr. 38, Genesis
4 is, in der Trias 376.
Kiisten, Brandung daselbst, 476, Zerstiirung
dcrselben <76, 177, 479.
Kiistonhebung 128, 129, 433.
Kiistensenkung 128, 129, 431, 433.
Kiistenriff 491.
Kugeldiorit, petrogr. Beschr. 57.
Kuizelige Absonderung 250.
Kugelporphyr, petrogr. Beschr. 52.
Kupfer, gediegenes ira Melaphyr 59, 309,
iin Moore 162, durch Reduction ontstanden
487, am Lake Superior 309.
Kupfererze, 154, in Ga'ngen boi Freiberg 287,
in der Dyas 359, 364, in der Trias 377,
396.
Kupferkies 147, 154, buronischer 280.
Kupferschiefer , petrogr. Beschr. 37, von
Mansfcld 164, Kntsioluing seines Erzge-
haltes 187, in der Dyas 364.
Kupfervitriol 147.
Kuppolfb'rmige Schichtenstellung 244.
Kuppen 248.
L.
Laacher Sec als Maar 405, als Vulkanenge-
biet 408, 494.
Labrador als Gosteinselement 48, sein Far-
lionspiol durch Mikrolithe hedingt 26, iin
Diabas 60, im Galihro 64, iin Hypor-
slhcnit 63, Zersetzung desselben 450.
I.altyrinthodonten 337, 372, 375.
l.aocopleris 441.
I^genfbrmige Structur 24.
Lagengneiss 84.
Lagor 234, 248.
Lai.'organgc 249.
Lagerung, concordantc 235, iibergrcifende
244, mantelfbrmige 244 , deckenformige
244.
Lagorniii:s\l.[-|,iillnisse als Mittel der Altors-
ln->tiiiunung von Formationon 464.
Lagomys Sardus 51 1 .
Lagune 174, 177.
Lagunenriffc 191.
Lake Superior, Molaphyr mid god. Kupfor am.
59, 309, Erosion am, 469,
Lamna 487.
I.iiiulschneckenkalk 484, 483.
Lapilli, petrogr. Bi-scln-. ss, Knlstohuny 114.
415.
Laplace's Theorie 267.
Lateralsecretion 457.
Laurentische Formation, Genesis 227, 230,
Steliung 266. 469, Beschreibung 470.
Lava, Emporwallen dorselbon im Krali-r 113,
Eruption derselben 114 , 116, l-'orll)o\vp«uii»
der Lavastrome 116, Wanneleitungsftthig-
keit derselben 116. Wassorgehalt 401, 405.
Lavakegel 402.
Lebacher Schiefer 357.
Lebergebirge 400.
Lecanocrinus 295.
Leda Deshayesiana 480.
Lehtn, petrogr. Beschr. 93, Enlslotiuii!: 413.
Leimbacher Schiefer 302. 305.
Leitfossilien 262.
Leithakalke 482, 484.
Lenamiindung, Mammuthrosto an der L. 514.
Lenneschiefer 325.
Lenticulare Einlagerungen 234.
Lopidodendron im Devon 343, in dor Kohlo
332, in der Dyas 355.
Lepidotus 442.
Leptaena 295.
Lettenkohle 385, 386, 393.
Leuciscus 484, 487.
Leucit, als wesentliches Gesteinselement 18,
24, 48, mil Mikrolithen 46, im Basalt 74.
77, 78.
Leucitbasalt, petrogr. Beschr. 77.
Leucitlava 78.
Leucitporphyr, petrogr. Bosrhr. 77.
Leucittuff, petrogr. Beschr. 98, von Laarh 495.
Lherzolith, petrogr. Beschr. 80.
Lias 266, 405.
Liebenerit-Porphyr 56.
Liegendes 236.
Lignit, petrogr. Beschr. 44.
Ligurische Stufe 490.
Lima triassisch 374, 382, jurassisch 406.
Limulus 336.
Lineare Erdbeben 424
Lingula 356, 386, antiqua 296, prima 4*16,
Credneri 356.
Lingula flags 305.
Lintongruppe 325.
Liparit v»n Ungarn 497.
Litoralzonen 9.
Litorinellenkalk 249, 483.
Lithostrotion 334.
Lituites 497.
Llandeiloflags 305.
Llandovery Rocks 305.
l.d.-iistidoii, eailmiiiM ho ;<:<6
l.dsliehkeil ilcs <i\|isrs )'.',. des Kalk»leines
1 15, ties l-'lnssspalhes l.'iT.
I .os-, poti-di;r. Hcsrhr, 93, 51 I
Ltisskjndlein 5H.
I.nli-d 409.
l.ondonslul'e 489.
l.dtiddiilhdii 464, 465.
l.dimm\nd (Irnppo -2^:i
Lonsdalia 334.
Luphidddii 468, 474, 476.
Linllow Hocks 305.
l.nnorsehiohlon 396.
l.nlialhmondo. Thiere, die orslen, 336.
I ultsaltel 2'iO.
F.unzorxchichlon 396.
l.yilil. |ieln>ur. Hesehr. 3S.
M.
Maaro lO.'i, Mill l.;i;icll 494.
Maehm-a 296.
Macrocephalenschicbteti 415. 417.
Maeniehoilus 316.
Marrupotaliehthys 318.
Miiohtiukoit 439.
Mii-ax ', ',s
Maudehm-Licr Sand 47'J.
Mauiie-i;i< Mi-hdiial im Diddinil 36, seine l.os-
lichkcll 145, seine Mischciduiii: au< dcin
\|,',.iv ^17, itn riu-s\\;is-cr l(",l, iin Mccro
l«l,
Mauiifsiiin l.imcsloiic 369.
MaiMir>iasiliral , \\ iilcrstclit dcr Zersctzunj;
U'.i, l">-2. i:i:t, 154.
Mani'sitxpalli, M'ini' Aiit'luslirhkcil 145.
isfiislcio. acccssorischcr (iciiu-ntAtlK-il
I '.i. iin Mill-nidi- 3.1;, iin l>ial)as 60, als Sand
87, Lagcrsliillon von M. in d. Laurent.
l-'di-in. i73, liin-diiiscliiM- iSO.
M.i'jiiclkics. arcfssui-iscliiM- CitMiiiMigthuil 19.
M.uii/r, U,-, k.-n ',82, M. Stnfc 486, 499.
M.ilacliil t.">4.
Malm 40o, 417.
Malnid lirupp.' 305.
Mammiilh 182, 507, 512.
Mandchi -JO, I'liiMcliini- di-i-M-llifii 1 ">.'>.
Maiidrlslrinarlk'c Slnictur :H . hi-i hdiiid-cm-n
Vnlkaiirn 119.
Maiiu'ancrxc , /rrM-l/iini: di-i-si-llicii H7, in
drr D\as 363.
MaMikHmiiiiur Liiijcriuix 244.
Marcellus-Schiefer 3 :>.">.
MariiHir. pclfd.-r. Hcsrlir. 3.'i, dnivli Mcla-
iinn-pli<isinin- diM Krt'idf
M;ir>.-hcn ITS.
Marxipitcs 448.
M.I — i-r S(ni<-|ni- 2i , iiia-si-.-
:ti. die niiissi.-i-n FeldspaUigdsteine 47,48,
hci Eraplivgesteinen 108 , massive cdiii-^s-
di.-dfi- :?:<::, i46.
M.i-loddii .',S4, 485, 4S7, 512.
MastddoiiSiiiini-, H7.">, 3Sfi, HS7.
M.-iM-, scjnc Verlheiluni; anf dor Kid-.l.ci
IliirlH- 9; I'liNcranderlirhkeil seine-, Niveans
)2S. 129, sein (leliiill iin Minei-alsulistanzen
1fi2, seine nieclianisrlie 'I'lialiukeit 174,
(' r.> Jiuir. Kloniciito ii. Goologie.
seine /.erslorende . 1 1 ,nis|i(1rln ende and
\\ iederalisel/ende 'I'li.iliukeil 176.
Meerlielien 126.
Meerosm und 15. seine Senklin^ 132.
Meei-esiuolasse 4S(i.
Mt-erestori-asson 131.
Meerestiefe, urossle 15, 16.
Meerwiisser, sein niineralischer (ic-liall 162.
Me^aceros liiliernicus 509.
Mi'.uidnnyx 513.
Me-aldddll 316.
Me-alddns tricjnolor 401 .
Megatherium 513.
Meizerlea 445.
Meissner, Dolerile des M. 495.
Melaniii sti-dinhil'di-inis 442, inipiiiiida '1r>:.
Melanopsis Marliniana 1S5.
Mel;ipli\r, pelrdi.'!-. Hosclir. 58, Eotstetlting
810, im Silur 306, iin Rothlie^enden 361,
im Ne\v-K(-d-Sands(ono 395 , in dor alpinen
Trias 402.
Moliiplivrinandelslein , pclro»r. Boscltr. 59,
Entstehung 155.
Meliliili im NepheUnbaaaH 77, im Leucit-
hasaltc 78.
Mcnsch , zur Diluvialzcil 514.
Meruel , petrui;r. r.escliivih. 37, EntstehOQg
213 , dos Koupor 384 , 385 , dor Kroide 432.
Moriiolschicfer 213.
.Mesd/oisrh264 ; inosdz. Konnationsgruppc372,
Iliiekl)lick auf dieselhe 457.
Metaile, ihre Entstchung durch Roduclion
140.
McUillcarl)onatc, ihre Ehistehung 147.
Metallsulfate, ihre Knlslelumg147, Rodiicinuii;
dcrsclben 148.
Molamorphisclio Gesteine 219.
Melainorphismns 219, dnrch Wassor 220,
dnrcli viilkiin. Diimpl'o 222, dureli Kolilon-
liriiiule 223, dureli Kni|>li\i:ostome 223,
iill^eineiner 227 , Kinwiirt'e i;ei:en denselben
230.
Motanidi-phdse , P.e^i-ilT mid Ursa<;he dorsolben
220, h\dalntherrnisclie M. 225.
Miascil, potrn.ur. liesehr. 55.
Mii-helinia 334.
Micdpsiinirnit 89.
Mierastoi- 446, 448.
Miei-dlestes 386, 389.
Miki-dlliicliiatidiisslriieliir 21 , 28, 29.
Miki-dlithe. 26, 28.
MikrostmcUir 28.
Milidlilonkalk 219, 468.
Millsldiieuril 260, 340.
Minoraluiiiii.'!-, ihre Knlslelunii; 157, 233, 251.
Minerallosunuon 152, Alisiil/.e ;ins densellien
155, 157, 158.
Mincralofiie , als llilfs\visst-nseliaft dor (lon-
h.uie 2.
Mioeralqaelleo , Gangbiidang dun-li sie 158,
I :•>!», ihre Absiilzo 160.
Mineijilsolnlidiien , die Sjekor\\ asser \\erden
7.\\ M. 152., Absiilzo ans donselbcn 155, in
Ornsen 155, in Spalh-n 157, in llolilen
15S. an der Knldlierllaehe 159, ihr niinera-
lischer de-hall 160, dom Mecre zugefiihrlc
161.
34
530
c (iotcinc 212.
Minelle , pelr. Beschr. .'10
Miociin 260, 464, 481.
Mississippi, Hussijchiol 107, Dctnltis 171.
Miltclmorancn 183.
Millelplancr 446.
Millclipudcr 446.
Molcllrn 113.
Molassenformatioo 475.
Molluskcii, kalkahschcidcnd 191.
MuniiLirapsns 294.
Monotis salinaria 400, subslriala 409.
Montlivallia 421.
Moon? 194.
Moorkohle 44.
Moostorf 43, 1!»4.
Moriincn 183.
Mosasaiirns 436.
Miihlsteinporphyr, pctrugr. Beschr. 52.
Miinder Mergel 424 , 425.
Muiiuendorfer Hbhlc 510.
Maiden 241.
Muldenhucht 241.
Muldenlinio 241.
Muirhisnnia , dcumisch 31G, sihmsch 296.
MiiM-hclhiiiike, gchobene 129, 130, im Innorn
dcr ContiiiciUc 133, als Kalkabscheidungen
aus dcm Moore 191 .
Miischelkalk 266, 375, 379.
Musclielsandslein 380, 486.
Mnschelschalen iil)er d. Mcersnivoau 129, 130.
M\;icites 382.
Mylodon 513.
Myophoria 374, 378, 382, 401.
Mytilus, dyassisch 357.
N.
N.idelkohle 44.
Nauelllue, pclr. Besc.hr. 91, in der Molasse
475.
Nagelkalk 406.
N.ipldlia 46, Enlslehimg 194.
Napbtbaquellea von Baku 46.
Nalica Iriassisch 382.
Naticella coslala 398.
Nalrolilh ini Basalt mid Mclaphyr entstehend
155, 156.
Natroncarbonal in gewissen Uineralquelien
159.
Nalmnfcldspalii , Zcrset/iin^ drsM-llicn 148,
149, 130, 159.
Nalronsilicale , /ci'sct/niii: dcrsciluMi 148,
14<J, 150, 159.
NaliirliHic /ucliluni; 257.
Nanlilus 297 , eai honiscli 3:t.'i , tiiassisch 375,
382, 398, 400; hidorsalus 382, danicus 449.
NfliiMi.m'sloin 252.
Nchrungen 177.
No.com 266 , 437 , 43S.
Neogen 464 , 481.
NVphcliii, als rk-slcinsclcmcnl 18, 24, dcs
Bas;dt(>s 76, /crsot/.harkcil 156.
Nephclinbasalt. pclroLii. Hcschr. 76.
NepfaelindolerU, pclro»r. Hcsc.hr. 76, in dcr
l.ansit/ 496, im siidlichcn Dcntschland 497.
NiTi'ilonschic'hlcn 302, 305.
Ncrinca lulxTcnlosi 423, 425, \isin t;is 425,
lirnidi nlana 423, pyramidalis 423.
Ncrila conoidca 467.
Ncst.-r 20.
Neusal/wcrk, Qucllabsatzo von, 160.
Ncnniplcris 332, 355.
New-red-sandslone; lower 369, tipper 392,
in Amcrika 394.
Ni;ii-'arafalle , ihrc crodirondc Thali.ukcil 168,
als Xcitmaass 198.
Niii^araperiode 305.
Niederrheinischfi Tcrliarbuclii 477.
Niederschlagc , gcsteinsbildcnd 213.
Niederscldesische Tertiarbucht 477.
Nil-Delta 172.
Niveauvcrandernnj.'cn dcs Bodens 128, Sera-
pislempel 130, Slid Amcrika 129, Skandi-
navicn 130, Sicilien und (irossbi •itannicn 130,
131, dnrch Korallenbaulen bewiesen 132,
in vergangenen Perioden 133, 135.
Nodosaria 448, 480.
Noeggerathia 333, 355.
Norit, petrogr. Beschr. 57.
Normalpyroxenisch 203.
Normaltrachytisch 203.
Nosean, als \\esentliches (iesleinselement 24,
156.
Noseanphonolilh, pelrogr. Beschr. 68, X.n
setzbarkeit 156, im Laacher Gebiete 494.
Nolhosaurus 375, 382, 386, 389.
Nucula 296, Hammeri 414, 415, amygda-
loides 465.
Nummismalen-Mergel 409, 41 1.
Nurnmulitenkalk 36, 219, 469.
Nummulitenzonen 470.
Nummuliles 465, 466, 467, 468, 469
0.
Oberer Jura 417.
Oberquader 438 , 448.
Obcrsilur 299.
Ober.strom urul IJntcr.stritm im Met'rc 174
Obolns 296.
Obolussandslc'in 305.
Obsidian, pelrogr. Beschr. 70. Entslclmiig
206, in Ungarn 497.
Occanischc Inscln 11, Slrurnungcn 174.
Ockerabsalze 160.
Ockerkalk 302, 305.
Odonlopleris 330, 355.
Oclivi;i"MCM \dii Noi'dainci'ika 40, 1<J6.
Ocninger Schiclilen 487.
Oldliamia 281.
Old-rcd-Sandslone 311 , 319.
olcaiidridium 441.
Olenus 298.
Oligociiti 266, 464, 472.
Oliguklas als Gesleioselement is. dcs <;ram-
les 49, dcs (iranililcs ,'SO, dcs (iraniljior-
pliyrcs 51 , dcs Fclsilporphyics 51 , dcs
Syenites 54 , ties qiiarzt'rcicn Oithoklas-
porpliyrcs 55, dcs Dioriles 56, dcs I'oi-
phyritcs und Melaphyres 58, dcs Quarz-
Irachyles 65 , dcs Trachytes 66, des Ande-
sites 6S und 69, dcr Basalte 72 u. 74, seine
/ersetzbarkeit U8, 150.
Uoi-isler
531
OHgoklasporpbyrfl 58.
Olivin ills Gesteiaselement 49, 24, im
62, hn Basalt 74, 76, 78, Zersetzung des-
M'lhen 151.
Omphacitfels, petr. Beschr. 79.
Omphyma 293.
Onchus 298.
Oolitli, pelrogr. Beschreibung 36, Entslehung
218.
Oolilhischer Kalk 36.
Oolithische Structur 21.
Opalinus-Thone 417.
(>pato\\itzer Kalk 36, 384.
Ophit, pelroijr. Beschr. 57.
Opponilzer Schichtcn 396.
Orhitulina 446.
Organisches Leben als geolog. Agens186 ; Enl-
\\ickelung desselben 256, 257, 265, 371,
403, 457, 461 , 514.
Organische Substanzen in den Sickerwassern
141 , 448.
Organische Substanzen produciron Kohlen-
sa'ure 141, 486, als Reductionsmitlel 148,
486, 487.
Oriskany Sandstone 325.
Onnoceras 297.
Ornalenschichten 445, 417.
Ornithichniten 395.
Orthis 295, elegantula 295, vespertilio 295,
INIIX 295, tetragona 316, strialula 316.
Orlhoceras, silurisoh 297, devonisch 316,
carbonisch 335, triassissh 375, 398, 400.
Orthoceratilenschiefer 325.
Orthoccrenkalk 35, 305.
Orthoklas, als Gesteinselement 48, 47, des
Granites 49, des Granitporphyres und Fel-
sitporphyres 54 , des Syenites 54 , des
quarzfreien Orthoklasporphyres 55 , seine
Zersetzung 448, 149, 150.
(luthoklasgestcine 47, 48, 49, ihre Zersetz-
barkeit 449, 450.
Oillioklasporphyr, quarzfreier , petrogr. Be-
sclir. 55.
Ostrea Iriassisch 382, jurasiscb 403, Marslii
415, earinala 445, vesiculnris 448, longi-
ruslris 474, callifera 474, c\alhula 474,
edulis 488.
(Klenlepis 318, 349.
(Modus 466.
(»!../; unites 374 , 385.
Otozoum 395.
Otlrelitschiefer, pelr. Besehr S(i. hiironisi-lirr
±TS
Oxford 421 , 425.
Oxydationsprocesse 446.
OxM-hina 487.
P.
Parilisclicr Oiriill, M-ill.' SlcolllUllgcn 478.
Pnlaorhinus 334, 335.
I'alat-onisciis 337, 357, 364, 364, 3fi9.
t.
U>S, 473, 474, 476.
I'iilaeoxyris 385.
ou i«4 . 360. 28S ;
Riickblick auf die palaeozoischen Pcriodcn
:f7l.
Palagonitfels 98.
PalagonittufT, petr. Beschr. 98, Enlsloliunii 222.
1'allisya 385.
Palmacites 479.
Palmen 479.
Paludina orbicularis 473 , diluviana 505.
Pampas, die Diluvialablagerungen der P. 513.
1'apicrkohlc 44.
Papiertorf 43.
Parailoxidos 298
Paragonilschiefer, petr. Beschr. 84.
Parallelstructur 233, ungleichformige 234.
Pariser Grobkalk 464 , P. Stufe 489.
Pausilipptulf, petr. Beschr. 98.
Pechkohle, petrogr. Beschr. 44.
Pechstein, petrogr. Beschr. 53,70, im Carbon
347, Entstehung 209.
Pechsteinporphyr 54.
Pechtorf 43.
Pecopteris 332, 355, 385, 394.
Pecten, dyassisch 357, triassisch 374, 378,
382, jurassisch 414, P. pusillus 356, lae-
vigatus 378, 381, discites382, personalus
414, pumilus 415, crassitesta 440, aspor
445, quadricoslatus 448, Janus 484 , Miin-
steri 481.
Pectunculus pulvinatus 466, obovalus 474,
pilosus 484 , Jacobaeus 488.
Pegmatit, pelrogr. Beschr. 54.
Pelit, Structurverhaltniss 21.
Pemphyx 382.
Pennsylvania, Anthracit von P. 194.
Pentacrinus scalaris 408, subangularis 410,
briareus 408, basaltiformis 409.
Pentanierus Knighti 295.
Pentamerus-Kalkstein 305.
Pentreraites, (Pentatrematites) 334.
Peperin, petr. Beschr. 98. '
Perioden 258.
Perlit (Perlstein), petrogr. Beschr. 71 , Enl-
stehung 206, in Ungarn 497.
Permisches System 266, 353.
Petherwin-Group 325.
Petrefactenkunde 2.
Pctrogenetische Geologic 201.
Petrographische Geologic (Petroi:iapliic 17.
Petroleum, petrogr. Beschr. 4f>, .Kiilstrlmni:
494, im Devon 311.
Pflanzcn sammeln Phosphorsiiure INS, schci-
den kohlens. Kalk ab18S, dnrch Pfl. cin
geleitele geolog. Processe 186, 188.
Phacops 317.
Phascololherium 444.
Phillipsia 336, 337.
Phoenicites 479.
Pholidogasler 337.
Plioladomxa aculicoslata 423.
Phonolith , pelrugr. Beschr. f.7 , seine /.ei
selziuiL; I5(i, seine Erupluni iin Terliiir 494.
Phonolilhgiingc 448.
I'l.onolilhke-el 117, 494 , 496.
Phonolithtuir, petr. B.-schr. «J8.
Phosphoril, petr. Beschr. 38, im Devon \<.->c,
Phosphorsiiure, ihre ('.ircnlnlimi im Thier- und
Pflanzenreiche 188.
532
, l'li\lliti:iici-,
2.
Pbragtnoceras 297.
Pbyllit, pelr. Boschr. s;i,
27s.
Phvsik, al-> llilf«.\\i>xi'ii>cliail dcr
Ph\sii>i:rapliische <icoloi:if .1.
Pliylogene (ioieine 4;}, 212, 418.
Pillonm ii|>|ic 325.
I'inic, vnlkanische , 414.
Pinite.s 195, 479, 481.
I'iiin.i diliiN iiiiiii 449.
Pinns Miccinifor 480.
Pi-olillicnkalk 36, Eiilslelmni; \-z\ , u>n Paris
450, 451.
Placodns 375, 382.
Planer 432, 438, 454.
Plai:iaulax 425.
PlaLMoklas als ricslemselement is, 25, 47.
IMa^inklas-hasalt 72.
PlaiMoklas-Dnlerit 72.
l'lai;ioklas!;esleine 47 , 48, 68.
Planetensvslem, seine Knlslelunii; 267.
Planorliis cuomphalus 473.
Flasliciliil des Kises 180.
Plateau, Definition 12.
I'l.ilm. als accesxtii -i.xeher (lemeiii.'(hcil 19.
Ratteofdnuige Alisondci uni! dcr \nlkanischcn
(icstcino 118, 250, cliaraktci islis* h fiir
liomouciic Vidkane 118, 250, plnttenluriiii.^!'
Mincralniassi-n l'A3. 251.
Plalycriuus 334.
Plalysonuis 357, 364.
IMesiosaurus -407.
PteuixxHctyum 314.
I'lriiiotomaria 496, carhonisch 336.
I'liocaii 266, 464, 4HI.
IMomhii'irs, .MiiiriiilliildiinuiMi diiM-li die doi-
li^rii TluTiiu-n 227.
1'lnloniscli 205, pi. Metamorphose 228.
l'l\iiioiillmiii|i|ic 325.
Polargletscber 32, I8i.
Polai isalionserscheinungea 24, 25.
I'olarstrom 175.
I'oliiscliicfor, pelrogr. Beschr. 39.
j'oKfdrisclic Absondenrag 249.
Polybalit 367.
Pulynosien 11.
I'oKpcn, kalkahsrhi'idmd 190.
I'orcrllanjaspis 94, Knlslcliunii 223.
I'm. -n mil dl.iv-iil-i.ni/ gefiiHt 25, mil Kliis-
si^kcit ^i-riillt 27, mil <iascn 28.
IVirosi) Slrnctur 21 .
l'oi-o>ila'l scllisl dcr dicldosU'ii (Jcsteine 142.
l'oi|)li\r, (|iiai xlnliiiMidcr 51, <|uarzfrt'ii'r 55.
l'orpli\i isclic Slmctur 21.
I'diphyrit , pctro^r. hcschr. .IS, Hnlstcluini.'
210, mi Hotldic.ucnden 361, in dor alp.
Trias 402.
i'orphxrnule, peln^r. Beschr. 83, liiiruni^rlie
178, drvonische :<iO.
I'oipliNilnll, pi-lio-i. Beschr. 96, 209.
I'orlaiie (iiiiiip 325.
I'orllandk;dk 4i5.
I'osidonia 39S , Becheri 336, minnla 3Sfi,
Bronni 409.
l'osidonom\a 336, 339, 409.
Posidoaonyenschiefer :<:ui, 409.
I'usli ;n lii.iiiM-|ii> IViiodc 353, 354.
I'olei-iocrinus 334.
Potsdam-Sandslein 305
l'riinili\c I in niidiniifii ni'.i.
I'riinordialxonc 301, :<0.">.
I'risinatisclif Alisondcninu . KhhlcliuiiL: di-i
selhen 118, l)ci homoi;. Vnlkanrn 118. -i±k .
I'rohii-slcin 39.
Procfinfbmiatioi 43 1 .
I'liiccssc, li\(lii>-clirniisclic 143.
Productive Koldciilornialioii 338 , 340.
1'roduclns, dor Kolde 3.'(5 , dcr Djas 35(5,
365, 369, semirclicnlaliis 335, iiii/antens
335, scaliricnlus 335, horridns :<.")('.
Proterosaurus 357, 365.
IVolorardinm 338, 402, 445.
I'rotoL'inijneiss 81.
I'roto^iiiizranil, pclro^r. Beselir. 50.
Protolia^litlVIs 63.
I'r/ihram 288.
Psaronius 355, 360.
Psaminil, SlrnclnrverJiiilliiiss 21.
Psaininodus 337.
1'sepliil, Striiclnrvcrlialtniss 21.
Pseudomorphosen 143.
PsildiKilciischicldcn 'i1 1 .
Psiloplivton 313.
Plei-aspis 298.
PlcricldliNS 318.
I'terinca 316.
Ptcroccias Occam' 423.
Plerodaclylns 419.
Ptciopliyllnm 374, 385, 388, 394.
Pleroznmiles 374, 385.
I'uddin^stonc, pclro.yr. Bcsclir. 91.
Pupa, carhonisch 336, muscornm 511.
Purhetk 424, 425.
Puzzolnn, pelroi-r. Beschr. 98.
Pyrina pygaea 440.
P\i-olusil nach Maiiiianspalh t '. 7.
P\rop iin Serpentin 41.
P\ro\en sielie Ant-'it.
(^nadei formation 431, 437, 438, 439, 453.
(Jnadersandstein 43f, 438, 439, 453.
Quarz, als (iesleinselement IS, ini Mariuor
35, des (iranites 49, lies <iraiiitporph\rcx
mul |-'elsilpoiph\ies 51, des Dim it 56,
des Onar/traeliNl 64 mul 65, des Andcsit
68 und 70, im dreisen 79, im Turmaliii-
fels 79, ini (ineiss 80, Pseudoinorpbosea
nacli Quaiz 143, im zersctzlen Mclaph\r
155, im zersezlen Basalt 156, auf dan^en
157, in llohlen 159, in Erupliviiesleinen
202.
(Juai zhi ockenfels, pHroi-r. Beschr. 92.
Onai/.it, petroi;r. Beselir. 3S, in der laniciil.
l-'ormalion 271.
Quaixitx liielei STi. hnronischer 278.
Onarxporphyr 51.
Onai xsandstein , ki \ stallinischcr , pcli
Beschr. 38, Hnlslrhimi: i!S, im ()lii;or,iii
478.
Onecksilher in der D\as ;tr>:<-
Quolten, \varine 7, heisse 120, Al^at/e der
sellien 121 , mineralhalliiie <Jnelleii 1:10.
ilnv Absiil/c 1">9, 160 • 'fi1 - ''"' Mi'"'1'1'1
m-lialt 160, Hll, L:\pMiilirende lf.:t, ilirc
Kiilsteliimi: Ui.'i, liieniiende 10T..
UUCITIIS 176, 179, '.SI, 4S2.
R.
Hadioliles. siehe Ilippmile-
KaiMer Srhichlen 396, 401.
Haininolshci'ii 311.
H,t|.illi ss, 1o:<, 114.
Basencisciistein, pelrour Bcschr. 42, Hnl-
islehmii; is1.).
Kastriles 294.
Itaiirhxvacke , pelroi;r. Bcschr. 37, in (Iff
D\a-, 305.
Reading s.-rics 464.
ini Hulninil 37.
313.
cssc 14S, 18f>.
Rehberger (irabon 226.
HciclM-nhiillcr Kalkc 3D6.
Hcil»iini'sl>n>c(>i«in, |n-tn>i;r. Hcsc.hr. 92.
Kcilu-hvulkaiic 106.
HcliclT(.rnu-ti dfs I,an.lfs12,
koil (Icrsclltcn 135.
Ucnnlliirr dcr Diluvial/fit .51 1 , von Schussen-
ricd ,">14, in) llohlcfols 516.
Ht'plili.-ii, dif crsl.Mi 337.
Itciinii in dor Braonkohle 44.
Kt-l/ia 374, 3Si, 38*.
lUialix-lic (iruppe 3S8, 393.
Rhampborhynchos 420.
Ulicin, scin (ichalt an niincralischcn Sul)-
slan/fii 1('»1, I'luss^cbit-l und VVassei inciii-e
1fi7, Dclrilus 171.
Hlit-inisclics Schiefergebjrge 320.
HIiiiK.ccrns 483, 484, 485, 487, 508.
Ulii/(.c<iralliniu :t7S.
UliynHmlitlios 382.
Hliyncluinolln, silnriscli ilir. , dcvoniscli 316.
iViassi^'li 3S2, jurassiscli 409, parallolcpi-
pr.la 316, (-nln)i(los 316, Mcnlxcli 382, ri-
111,.-, i i, o<». varians 41G, larunosa 421, do-
pics>a 440, Mantclliana 445, ocloplirala
448, psillacca 487.
HirsciiHt'im 509.
Hii'M'ii!:ranil 286.
Rin^Nviillo, \nlkiinisclic 104.
Ktitii 376, 377.
Ho^iMislrin , pt'lrni;r. I'.i'sclir. nr>, Knlsli'linn;;
21 S, in .Icr Trias 376.
llullsliirkr 212.
HdSlrllaria liiai-mplcra 465.
Kolatiirisrlic I'nllx'bcn 123.
Htilliciscnslcin, prlruiir. Ht'sdir. 42, in Itrnnn-
cisfioti'in uniiloNsandolt 146, Inirdiiischcr
279, iin Devon 324.
Holhcr (infiss 81.
Holliiznlli- 2S7.
RoUlltegendes, pcln.LT. H.-scln. (.»0, von Mans-
fcld 1C,',. 2T.6, 3r,'(, 358.
i-siaiicn in dec laurcnliscben
I'onnalion 273.
llndislen 435, 444.
Hiicken in tier /eclislfinloriiialion it(»7
Htisflicln 30S.
Hnsskohle 44.
Untsclillaclicn 242.
242.
S.
Saallpiiiuler 247, 252.
Sallies moyons 464, du Soissoinais 4(54, 467,
468.
Sachsischc Schwciz dnrcli Krosuin enlslan-
don 168.
Saernlare Niveaiiveriindernnizen 128.
SiiiilenloriniLie Alisoiulernn^en der lioino-e
nen Vulkanc 118, IKM Ernplivijesleinen
202, 249.
Sn^cnarin, siohe l-opidodondron.
Sa^enopleris 374.
Siii»or 252.
SalsiMi 196.
Salt Lake 162.
Salze, im Mccro 162
Sal/i;eliii^(' des Salzkaninu>rt;nlos 400.
Salzseon 162.
Salzthon, pclrogr. Bcschr. 94.
Samland 479.
Sand, petrogr. Bosclir. 87, vulkanist her S..
pclrogr. Bcschr. 88, Knlsleluin^ 114, 115,
170. '
Sandcrzo 364.
Sandkolilc 44.
Sandslein, Slruclurvi'i'hallniss 22, (icsleins-
classc 31, polroiir. Bcsc.hr. 88, Knlslolnini;
213, von Fonlaincblcau 475.
Sanidin, als Goslcinsclcnicnl IS, des Felsil-
porphyivs 52, dcr jiin^eren l''eldspalhi;i%-
stcinc 64, des Qua rz trachytes 65, des Tra-
chyt 66, dos I'honolilh 67, Zcrscl/nni:
dess(>ll)cn 150.
Sanidinlrachyt, pelrogr. Bcschr. 66, Zcr-
si'tznn.ii dessolhcn 150.
Sanidin-OIigoklostrachytj pclro^r. Besehr. 66,
Zcrsclznni^ desselbcn 150.
Sallellonniiicr ScMchtenbaQ 239, 241
Sall.cljoc.li 241.
Satlcllinic 241.
Sattclriicken 240.
SaiierslolT in den Sirker\\assern 141, 0\\d,i
lionsproccssc dnrcli densellien 14(i.
Saugschicfcr.
Saillllliff 19<.
Saiirichnites S.'is.
Saiirichlhys 3S2, 3S6.
Scaphilps 438, 439, 445, 447.
Schaarcn dcr (iiinue 253.
Schalicn, carlionischc 336.
Srlial-tein , pelroi;r. Bcschr. 07 , ini Devon
It4.
Sehalsleinlireci'ic 97.
SchalsU-icK-onglomerat 97.
S. liaiinikalk 370, 3S3. 393.
534
Scheuei>aml und Cieschielte "id I, 505.
Schichlen 233.
Schichlenbau 237, 339.
Bchichtengrnppe 23.").
Scliichtenkopf 235.
Schichtonrcihe 235.
Schichlenstorungcn durch Gyps 146, 162,
ilire Ursachen 162, 237, Verschiedenartig-
kcit derselben 237 , im Devon 326 , im
Carbon 349.
Schichlung, Slruclurverhaltniss 22, 212, 233.
Schichtungsllachen 233, 235.
Schieferkohle 507, 509.
Schieferlelten, petrogr. Beschr. 94.
Schieferige Struclur 21, 212.
Scliieferung 233, transvcrsale 246.
Schieferthon, petrogr. Beschr. 94, Entsteliung
213.
Schillcrfcls, petrogr. Beschr. 63.
Schillerspath im Schillerfels 64.
Scliizodus 356, 365, 369, 370, 371.
Schizoneura 378.
Schlackenberge 494.
Schlackigc Struclur 21.
Schlamm, Bildung 170, 172, Ablagerungen
171, 172, 173, 174, 177, 178.
Schlammgesteine, Slructurverhaltniss 22.
Schlammvulkane 196.
Schlangenwulste 380.
Schliffflachen 184.
Schlollen 34, 165.
Schmelzlinie der Gletscher 181.
Sch nee 31.
Schorl , siehe Turmalin.
Schbrlfels 79.
Schoharic-Zone 325.
Scholtland, Vergletscherung 502.
Schratlenkalk 439, 445.
Sehrcibkreide 219, 432.
Schriflgranit, pelrogr. Beschr. .11.
Schuppige Struclur 20.
Schussenried 515.
Schutt, vulkanischer 88.
Sclmllkegcl 103, 170.
Schwarzkohle, pelrogr. Beschr. 44.
Schwel)cnde Theilchen, Ablagcrung 237.
Schwelel, als acccssorischer Gemcnglhcil 19,
als vulkanischcs Suhlimalionsproducl 113,
Diimpfe von S. 113. Enlslehung von S.
188.
Sohwefelbaryum 154.
Schwefeleisen , Zerselzung dessel!)en 147, in
Kohlen 186.
Schwcfelige Siiurc . als \ulkanisches Product
113.
Srliwefclkics, als access, (lemengtheil 19,
seine Zerselzung 147, 154.
Bchwefelmetalle in Metallsalze zersctzi 147,
Bildung derselben 154, 157, 158, als lloli-
Icnanskleidung 158.
Schwefelquellen iss.
Schwetelsaurc im Mri-rc U2, als vulkan.
Product 222.
Si •li\M'l'c|\\asserslolTgas , ids vulkan. Product
113. Zrrselzuni-VM vei-milli-M .I
154, 158, 188. im MCCTC 16-2. Kntstehuns>
ilcs S. IS7, 195, 222.
Sch\vet'cl\vass('i-sl<)HV.\lialalioMcii I 1H. ihr mc-
tamor|)liosircud<-r Eintluss 222.
Schwerspath , als (Jestein 38, seine Enl-
slehung 157, sein Auflrelen in (iiingcn 157.
Schybicker Salz 486.
Scorpione, carbonisch 336.
Scyphia reticulata 422.
Scyphicnkalkc 422.
Secretionen 19.
Sedimentarformationcn, ilire Gliederung 266.
Sedimenlargesteinc 201, 211 , ihre Kennzei-
chen 212.
Seebeben 126.
Seebjoden, Senkung desselben 132.
Seen 9, Entstehung dersell>cn durch Ein-
sliirze 164, als Klarungsbecken 171, Mo-
riinenseen 186.
Segeberg 164.
Seifen, petrogr. Beschr. 87.
__ Seismograph 124.
Seitenmoranen 183.
Semionolus 375, 386, 387.
Senkung der Kiisten 128, 131, locale 131,
163, ganzer Continentc 132, <los Bmlciis
128, nichtvulkanisch 131, vulkaniscli 131,
in friiheren Zeitraumen 133, 353, 354.
' Senon 266, 438, 448.
Septa rten 19.
Seplarienlhon , petr. Beschr. 94, im Oliuoca'n
480.
Sequoia 473, 476, 479.
Serapistempel 130.
Sericilglimmerschiefer , petr. Beschr. 85.
Sericitschiefer, petr. Beschr. 86.
Serpentin , als Gesteinselemcnl 18, als Gostciu
41, in der laurent. Formation 272, huro-
nischer 279.
Serpenlinisirung 222.
Serpula, kalkabscheidend 19J, coacervala 424.
Serpulit 219, 424, 425.
Sewerkalk 439, 448.
Siebengebirge 495.
Sigillaria 312, 332, 355.
Silber im Meere 162, Enlslchung durch He-
duction 187, Silborerzj;iini;c MUI I'lviln-iL:
287, von Koiiiisberi; 288, \ou I'rzibram
288.
Siliciitjicsleine, Familic der, 40.
sill, R&tatehaog 170.
Silur, 266, 290, Ruokblick auf das >ihnis<-lic
Zeilaltcr 310.
SiiiKisaurus 375.
Sintcrkolile 44.
Siphonia 448.
Skandinavien, seine (ilclscher 182, ,'idl. zur
Eiszeil ,f>01 .
Smaraiidit im (ialiliru 63.
Sohllliiche 235.
Sdhlucstciu 384.
Solilschieferthou 346.
Snissoiiische Slul'e iS'J.
Sollataren 113.
Solcidiol'ener Schiel'er 42:(, 42"i
Soolen oder Sooj(|uellen 159.
Sounds 178.
Sp.iltenbddnnuen 135, 13fi, 137. ir,3. iiH
231.
Spatangenkalko 439.
Spalaogus llollmanni 481.
Spathoisenstein . petroiM'. Beschr. il. seme
I imxandlnni; in Brauneisonstoin 146, aul
lian.-on 137.
Specifi-chc- ilowieht dor Ik'steini" 29 . der
Hide G.
speoton Cla\ i38.
Sphaerodus 442.
Sphaerolithisrho Strueliir il.
Sphaerosideiit . petroi:r. Beschi . 42, in tin
carlnm. Formation 329.
Sphacrulitt's 446.
Sphenophylliim 330.
Sphonopteris 3i<2, 355.
Spieuol 242.
Spinell ini Marmor 35.
Spinnen, earbonischo 336.
Spiriler, doMmiseli 313, caiboniM'h .(33, dvas-
MSC!I 356, 363, triassiscli 37'., 382, 38't, j
jurassisch 408 ; S. disjiim-lus 3 I 3, macrop-
terus 313, speciosus 313, glaher 335, 336,
slriatns 335, 336, tindulatus 356, Mentzcli
381, 382, Walcolti '»08, roslratus 409.
>pirilVr-ilisjunctns (Vorneulii) Schichtcn 325.
Spirifcn-nsiiulstein 320.
Spiriiiora cler Kohle 335.
SpiMM-silr 486.
Spond\lus 447.
Spongienkaike 219, 418, 422.
Spritippipllcn 121.
spnmur und Sprangkltifte 242.
Spiudi'lstoin 36, 121.
SUingelgaeiss 81.
Slalamnitcn. Kntslrliunj; 138.
Stalaktilcn 33, Entslchuii^ 158, 163.
Sliisslurt 33, 34, 114, 215.
Slaiiclmn.!: 238.
Slaurolith, als (icnicn.ulheil 18, 86.
slaiirolilliscliiclVr. pclro.m1. Hcsr-hr. 86.
Si.'inkolili1. polrour. Itcschr. 44, Enlistehung
1!>3, I'.i-'i. 313, Vcikokimi; dcrsi'lhcii 194,
204, 209, 210, in d(>r cai •Ixmisclirn I'ur-
nialion 3i8, 345, in dcr Dyas 359, in dor
Kind,- ',33.
Steiokohleoformatioo 266, 32s, gcnj-r. Vor-
l-nMliui:: 340.
Slrinnl. sii'hc PclrnlrlllM.
prlnipr. Itcsclir. 3-J, nN (icslcins-
is, seine- \'i'iliiviliiii|4 in dor h'or-
Miatioiisrcilic 33, seine Anl'losiiiij; und Wrj^-
Inlirunu; 14\, Kntslriiunu drr Stcinsal/.ali-
la^iTiinui'n 213, ini Silur 2'J1, in dri-|)\a-
t6<">, Mill Sla-sf'nrl :tf.G, ini ItiinNand-
-trin 37fi, ini Mnscliclkalk 37«», ini Salz-
kainincruiil 400, ini Torliiii' 486, von Wio-
lic/k
Slri-nlilTK''! Kill Ili'll 481.
H.-tlim-r Sand 480.
Stickstitd in den Sicker\\ax-ei'n 141.
Sliiiinaria 312, 333, 355.
Stinkkalk 35, 365.
Stink--l('in 365.
Stirninuranen 183.
S-tockseheider 286.
Sloekwerk \«>n Go\or 286.
Stneke 231, ± \1 .
Stonestield Slates 4U, 416.
Slos>1'ormii:e Krdbobcn 123.
Stosssoito der Felsklippen 1^3
S(rainberi;er Kalke 424.
Strandlinien 12',».
Stratovulkano, Cliaraktui deiselbcn 101, Mate-
rial dersclben 102, Untergrnnd dei-sellien
103, Veillieilung derselben 107, 108, 136,
in Knrupa 108. in Afrika 1 0<i , in Asien
109, in Australian 110, in Amerika IIO,
aul' den oceanischcn Inseln 111, erloschene
und thatiiie 112, ilire nnrmalc Thatitrkeit
112, Hire Eruption 114.
Streliloner Mergcl 446, 454.
Strcichen der Schichlcn 238.
Slrintiocephalcnkalk 35, 321, 323.
Stringocephalus 315.
Stroniungon im Meere 174.
Strdmc 248.
Strokr 122.
Slrophalosia 356, 363, 369, 370, 371
Strophomcna depressa 296. .
Slructur der Gesteinc 20 , der
Vulkane 118, der massii;en Ci
249. •
Stylipa 421.
Stylolithcn 380.
Stiirme 174, 176.
Subapenninformation 487.
Subcarbonischc Formation 338.
Substanzcn, organisrlie als Hednctionsinitlel
148, mineralische Substanzen in d. Flussen
161, im Meere 162, in den Quellen 159.
Succussorisclie Erdbeben 123.
SussNvasserbilduiiiicn dor Auvergnc 475.
Susssvasscrkalke und Gyps im tertiiircn Seino-
bccken 473.
Susswasscrnudasse 486.
Siisswasserquarz, petrogr. Beschr. 39.
Sumpfcrz, petrogr. Beschr. 42.
Sumptgas 194.
Syenit, pctrogr. Beschr. 54, Kntslelniiif; 209,
im Silur 307, in dcr alp. Trias 402 , im
Jura 430.
SNonilgrnnit, pclro^r. Besehr. 51.
Syenitt;ranitporpli\r, potrogr. Besclir. 51, 81.
Syenitiscber (ineiss. pelruLir. Besehr. 3:1
Syenitpurplivr, iielmur. Beschr. 55.
Syrinizopora 293.
S\nklinaler Schic'hlenbaii 239, 241.
T.
Taehyhl. petrogr. Besclir. 78.
Taeonisches System 283.
Taeniodon 388.
Taoniopteris 385, 401.
Tafclsdiiefor, pelmijr. Beschr. 'J5, liuroniseliei
277.
Talk. aK (iesicjiisclenu-iit 18, 40.
Talk^ranil. siehe I'rotogin.
Talkscliietei-, peti'DL'i'. Beschr. 40, Enlstehnn.u
227.
Tanner Cirainvacko 302, 303
536
TapanliiMeall.ua.
Til |iirc '.us
Taumis-sdiid'cr :<1 1 , 320.
Tan->endUisxc :t;ui.
Ta \iles 179.
Tfgd 482, 484, 485.
Telcosaunix i on.
Tellurfiibrende (ijin.ui- von SiHtenburgiMi 497.
Tcm|icr,i|nr. /Illiallllic nadl it(<||| K nl ill licrcil
7, 1-20, lleraurriirkeii di-r Temperatnr <lrs
Krdiimeren 22S.
Tenlaciililcnsdiiefer 302, 305.
Tenlarulites 296.
Terebdlum I'usil'orme 466, 467.
Terdiraldliankc 219, 379, 383.
Terebratdla ohlonga 440.
Teidirahila ;<:>:>, Irinssiscli 374, 378, 382, jnras-
sisch 408, T. dongala 356, vnlgaris 378,
381, iHiinisniiilis 409, digona 416, lagc-
nalis 'illi, peduncnlus 421, 422, impressa
421, subsdla 423, diphya 424, ob!oni;a
440, laniarindiis 440, Mouloniana 444, se-
miiilobosa 447, carnca 448, grandis 481.
TCI matosanrus 389.
TertiiuToi 'illation 266, 459.
'IVxInlaria 448, 485.
'l'c\(iii\ siclic Stnictur.
Tlijilcr, Oner- und Langenlhiiler 14.
Tliall.iUiiii:_< 139, 168.
Thaiu-lsaiui 464.
Tlicca 297.
Tln-rmen 7, 120.
Thiciv, kalkaltsondernde, 189, 218, Kiesel-
s;iiire absclioidcude 188.
'I'liicrisi-lio Snl>stanz<-n, ^culni;. 1'rocesse ein-
leiti-nd 187, 218.
Tlnin, petrogr. Ik-schr. 93, Enlslehung 213.
TlKMiciscnsloin, pclrogr. Beschr. 42.
376.
, Striiclurvcrhaltnissc 22, Ge-
-Ifinsclasse 31, 93.
Thonglimmersebiefer, petrogr. Beschr. 85.
Tlionxalx. 32.«
i1, pctrngr. Boschr. 95, seinu Mc-
tainorpliosc 226, 228, huronischcr 277.
Tliuiistcin ^09, 362.
Thracia 440.
ThiiriBgiscb-Sfichsuchfi Tcrtiarbucht 477.
Ttuiilcs SS5.
'rii'li'iistnlc. ^1'iillicniiisclie 8.
TiH'land. Definition 12.
TilancisiMi ini liasalt 74.
Tilanil als (i.-iii.-n-tlieil 19, im Phonolith 67.
Tithnnischi- Ktagc 424, 425.
Tiu-plci Ihuii, pcti-ogr. Beschr. 93.
Todl.-N Mcor 162, 215.
Todllic^cndcs, sii-lie Hotlilirui-ndcs.
Tnnalit ."iT.
Tmiuiicii 475, 490.
Idiinliigig 252.
Topl'stcin, pt-h-ii-r. Bt-srhr. 41.
Tmvix-liirhtrn :<«jo.
Toil, pclrogr. H.-sclir. 4:t. Kildung nnd Zu-
sanuncnscl/iing I '.»:<, 194.
Tornatclla globosa 480.
Stnl'o 490.
i, pclr. lies, |,i. -.is
Tourlia 438, 451, 45H.
Toxaslcr com|)lanatii-
To\orcr;is 'i 4 4 .
Tracliyt, pclr. Mcsclir. (ifi,
in dcr 'IVrliiii'pcriodc I'.i.f.
Trachylconglonaerat 90, 98.
Trachytgaoge 118.
Tra<-li\lkc-cl 117, 494, 497.
Trechyt-Pechslein. pclr. Beschr. TH, ^nn
TracbyUuff, pclr. Bcsch. 98, 497.
Tragos 422.
Traiisporlircndc Kral'l di-i' (ic\\asscr 1(i7, I6S,
169, 177.
Trappgrjiiiulil, pclr. Hcsdi. S12.
Trans\ersalc .Schid'criing 246, im Devon 326.
Transmiilalioiis-Tlicnrie 257.
Trass, petr. Bescli. 98, 495.
Travertin, petr. Besdir 36, Bildung 160, im
Tertiiir 475.
Trcmadoo-Gruppe 305.
Trematosaurus 375, 378.
Tremolit im Dolomit 37.
Trcntonkalk 36, 305.
Treppenformii;f \CiA\eiliin- 243.
Trias 266, 373, englische 392, anienkaii :<<»'».
alpine 396.
Tricliilc 28.
Tridymit im Porplnrit 58, im Trachyt 67.
Trigonia navis 414, 415, coslala 416, clavel-
lala 421, caudata 444, scabra 447.
Trilobiten im Silur 297, im Devon 317, in
der Kohle 336.
Tri nucleus 298.
Trochoceras 397.
Triimmer 20, 252.
Triimmergesteine 20, 21, 87.
Tschernosem, petr. Hcscli. 94.
Tubicaulis 355, 360.
Tulle 23, (iesteinsdasse 31, 96, EntsU-liunt:
213, 249, von Laacb 494, in Bohmen ','J6.
Tuflbildung 96, 213, 304.
TufTkcgel 102.
Turbinolia snlcata 466.
Turbo 336.
Turbonilla, Iriassisdi. 382.
Turmalin, als Ciesteinsrleiiient IS. im Dolo-
mit 37, im Turmalinfels 79.
Tiirmalinl'els 7f>.
Turneritlione '§11.
Turon 266, 438, 446.
Turrililes 444, 445, 449.
Turritella imbricata 466, terdidlala l<iti, tur-
ris 485.
Tutenmergd, siche Dnlenmcrgd.
Txplionisdie Stocke 248.
u.
2S9. -2 HO.
I 'dici -ani;c /\\isdien kr\slallimsdicii (icstei-
nen 22, /.\\iselien klastischen Gesteinefl 23,
zwisdien krystalliniscbcn und kl;isti-«dicn
(iesteinen 23.
I'd.crlagerung 23",, 243.
Ucbcrkippuiii: 238, 243. ',">>',. 493.
I'ebersidit der Ccstein^irlcn 3 I .
537
Dfer, ZersUlr. derselb. durch d. Meei 171
I f,-i-\\.dl.- 17i. ITS, 174. 177. I7S. r,(H.
.">">. •'(.">»>, 365.
Iml.ra 14.
I m::i-\\amlHl«- li.-sli-im- -''
I iidaiifriidcr Scliichlcul.au 239.
I licilcs LT\pllUs :t Hi.
I ndulatorische Knll>.-l>«'M 1i3.
I .-lici-la^crum: il3.
3n."..
I in.. cai-|...uiM-li 334 iiin-sisfli 3S6.
W.-ald.-n '. i-J.
I iitcrL'niml dcr Yulkam- HIM.
I nti'rmi'.-risrlic Walik-i- 131.
I utcnu.lith 447.
I utt-rplam'i- 439, 444.
I utcrquadci- 439, 444.
I i--.-l.ii-i:.- i69.
I r^m-issformatinn i70.
t i-mii. -n 439.
I !••*• hii-tVriormatioii, Bescbreiboog 477.
scli.-r (it-slfiiM- i30.
I i>|iniiii:li«-lii-i- /.ustaii.l ilcr
I i-us s|t.-la.-iis :;os. :iio. :;i.">. im H..lili'1'.-N 5W
I rllmiisrliii'l'i-r. |>.-tr Ucs.-lir. Sj.
V.
\.i.iiialriikalk 3U."..
\ .11 -lal.ilitat i.">7.
\.nmlil, pi'lr. IVschi. 61.
\ rm-ricardia
\ i-i-alidcrlicliki-il
4(>"», 46«>.
ir.lisrlicn \ .-I lialliu->s,-
Vererblicbkeil i.">7.
\.-rdi-iirkcti il«-r (iai
\t-rulasiiiii: ±±k.
V'erkohlungsprocess
desselben m'., ii
N.-m.-uili-Schi.-!.-!- 3
, ^74. Besehleonigaog
VersleJneroBgsflihrung als Millcl xui Itcslim-
iiiiint: des Alters di-r K«»i-nialii»inMi 46i.
\i-r\\crlVr i4i, i ."•:<-
\«-r\\.'rtiin-rii Hi'., i4i, i53, in <I«T Kohlfii-
lurnialioii :t:,U. in ilfi 'I'ria^ 391.
\rr\\rMiiiii, durch <lii-srll ..... ini:flfilf|f I'ni-
pesse isti, iiti.
\.-r\s iltcnini: 149.
\ ichtcr Srliirlilrn :ii.">.
\ii-lu.iakalk 396, 399.
\i\ianit ill KIHH-III-II 488.
Nd-.-ln--.!.'. r.^sil.- :c.i.'i.
Vogesensandstein 37r,, :i77, 393.
V..'lt/.in 374, 378, 385, 394, 401.
Vi.luta no.li.sa 465, athlfta 46fi.
\ uikaiic nut, tii-scliiclit. 101 . anteraeeiflche 405,
imnnalr Thaliukcil Hi. im /nslan.li' .l.-r
Kniption 114, homog. V. llti. Vi-rkiiiip 11111-
di-r iKHiioiicm-n und ^i-srliirhlclcn Vulkam-
1 1'j. (-(iiiiliinirli' Vulkam- 1 19.
\ ulkaiHMi!:i-U|ipi'ii 10ti.
YulkamMiinsrlii Hi:..
cl 10-J. 1 Hi. 117.
\ iilkam-in riln'ii I IK;.
Vulkanischer Schutl ss, 404, KntstciuiiiL; do*-
s.-llx-n in. IM . H*.
\iilkaiiismus 1l)0, scin Kinllu>x iUil dir lird-
1H7.
li.-xl.-uu- ilnv Knlsli-liuiijj iOl .
W.
\Vackc si.-hi- Basal twacke.
\Vackciillu.u. pt-tr. Hcschr. 94, Knlsteli. 454 .
\Valdct. \cr-uukciH', submarine 434.
Walcliia :$:•).•), 360.
Walcliicnsandstoin 360.
\Valknvnlr. pclr. Hoschr. 94.
\VavM-r. s.-im1 t:<.Mil. 'I'liati-ki-il 137, I .'i '. . -J^'.i,
die von ihin aut'tiHostcn Hcslamlihcili1 15^,
460, 161, I6f, seine mechan. Th&tigk. 165,
seine Gegeawart bci Eruptionen id, Mcta-
morpluiM' durch st-iiii' Kinwirkung 229.
\Vass,-rdiimpl'c als \ulkan. Kxlialalioncn 113.
NVasscrcis :<i.
\Vassci-llulhcn, \Virknnu d.-r-M-llii-u 170.
\Vass<-i-|-ill.', Kin-ion .lurch \V. 168.
\\assi-rfivir Mim-ralicu iu \\assi- i-lialtit-*' uin-
gi'Nvamlfll 145.
Waaseriavf 138.
Wassennenge tier Fliisse 167, Ursachen der-
selben 467.
\VasNci-sclifidi' 14.
Wasserporen in Eruplivgosleinon 40^.
W.-aldiMi itit;, untrivr 4-24. olx-ivr 434, 437,
438, 440.
\\Valdnikolil.- 19.",, 433. 441.
\\risser Jura 417.
Weissli.'i-'cmli's 364.
\Vi-isssli-iii. pi-lr. UfM-lir. Si.
\Vcll.-iidulumil 37U, :f(.»3.
Krdlx-licu 1-2:t
ili, ii7, i35.
\V.-ll.-iikalk 379, 393.
\\Yiilnck-Scl.iH.-i- 30.",.
Wci-rcm-r SchichU-u 396, 398.
Wcscntlichr Bcslandlht-ili- d. (H-stcinc 17. i4.
\\.-tti-r, scldaui'iidc, I'J3.
\\YltcrstiMiikalk 396.
\\Vt7Sclii.-r.-i', pflr. Ut-sclir. 9.",.
WidersinniiU's Kinfallon i39
Wiederachiefer :«oi, 30.",.
Wi.-liczka 33, 19ti.
NVii-m-r l5.-ck.-u 484.
Wimluii-cii di-r Scliichlcii i'tl.
3i1, 325.
\Vu..l\Nich 464.
\Viir7t-lii im I iitcrcla\ 346.
X.
\.-iiacaiilhus 337 357. 364, 369.
/amil.'s .(74. 388.
/.-chsl.-in i66, :«",'.. •
/.-cl.M.-iiikalk 35.
Keiclmenschiefer, |>HI. MCM-II
/.I'itlMllllli'. iZ.'ulliiiisi-lli- 1
Xi-lli.-.- Slni.-lin
X'MilitllllildllllU l.'i.'i. illl \lrl.l|ih\ r Mil IMllMIl
lilli mi l'.;ivill 1 .'Hi, ;ml (iiiiiL.'1'ii 1
Xi-ulitlii- iin I'll. ,ni. hili i;;.
/••i -i'i/iiii_ 142, dor Schwefelinetalle li7. <l<
Silicate lis, ilrr Mfi;ilN;.i/.- i:,',. ,|.-r lira
ml.- l.'.ii .In- ItiisMlIc t.'il. l.'iti (I. -i- M.-hi
|ili\ri- l.'i.'i. der Phonolitbe l.'iti. tii-n><-,;u h-
kri'l ilrs I'l'.K-i-ssrs 1 .".(». ,I,-|' I'll.HI/ru |'|J
/••I •.f|/lllii;^nirk>.|;illil<' I id. I ."• I
/••i ^lin kcluii- ilrr in'liii---;^lii'(li'r j
/inklili'iiilr iii kiililcii 1MJ.
XiiikMill'iil, /cisi-i/l (lin.-li K:ilkliiiMil nl l.'ii
Xiiiki-i-/.- I ',7, I is. i:ii. m llnlilm i:,s \|,-
siilx.- I'll , iiu Nlm- J«H . in ,|,.r I i
XiniiiT/.c iin (H.niit jsti \. C.i)rii\\;i|| :(^i,
Xillll>|i'illi:;i|| 'ji-
Xirkuii. tin Synil .'i.'i /frlinii-ln-iii- Xirkon-
krystallc
XirkoiisXt'inl. IM-II-. Ursi-ln
/liiniliiicliiT Scliichlcn
Xl.liVCIM- (il-sl.-ilH- JI-J. ^|S
Xdl'u'iT Si'liicl'i'l' HO.'i.
XllfillliiJi- I irnicMI'-llii-lli' ilrr ln».frilii' ls
ZusafQmenschwemmungsbreccieQ MI .
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